N . PPP/// Monats⸗ Beilage zum Gießener Anzeiger 10 1005 ——— Der Willionste Rud. Sacksche Pflug. ö Ein Jubiläums⸗Rückblick. Im Mai v. J. wurde von der Firma. Ru d. Sack, Leipzig⸗Plagwitz, der Millionste Pflug gebaut. Zur Wür⸗ digung dieses Erfolges, an welchem in unserer an große Zahlen gewöhnten Zeit mancher achtlos vorüberzugehen ge⸗ neigt sein dürfte, bedarf es eines Rückblicks auf die epoche⸗ machende Erfindung des Rud. Sackschen Pfluges vor nun⸗ mehr reichlich 50 Jahren sowie auf die folgende Entwicklung seiner Produktion in quantitativer wie qualitativer Hinsicht, aufgebaut auf eine zu Grunde liegende unanfechtbar richtige Idee und geleitet von dem scharf⸗ blickenden Auge des Praktikers und dem unausgesetzten Be— mühen, das Werl bis ins kleinste aus⸗ zubauen und zu ver⸗ bessern. Ohne Zweifel hat der damalige Landmann Rud. Sack, als er gegen Ende der vierziger Jahre des vorigen Jahr⸗ hunderts die ersten Pflüge nach seinem System baute, ge⸗ glaubt, damit etwas Fertiges geschaffen zu haben, und bei jeder neuen Verbesserung hat man gewiß gemeint, daß nun nichts mehr verbessert werden könne, und anderseits ält es der heutige Landwirt, welcher die neueste Aus⸗ ührung des Sackschen Pfluges benutzt, eigentlich für selbst⸗ erständlich, daß dieser Pflug von vornherein und immer so gewesen sein müsse wie heute. Und doch, wie unendlich verschieden ist die erste Kon⸗ struktion des Sackschen Pfluges von der letzten, und in wie vielen Etappen ist die Veränderung vor sich gegaugen! Ursprünglich bestand der Pflugkörper aus Gußeisen mit vorgeschraubtem Stahlschar unter einem hölzernen Gründel und Der Rud. Sacksche Pflug im Jahre 1860. den eisernen Gründel und das Vorgestell mit stellbarem Landrade; in den siebziger Jahren entstanden der genietete eiserne 5 die Gelbsiführung mittels Doppel⸗ kette und die meisten der sogenannten Universalpflug⸗Gar⸗ nituren zur Umwandlung des Pfluges in andere Acker⸗ geräte, sowie viele Neukonstruktionen von Pflügen. Die Periode von 1880 bis 1890 brachte die Querteilung des Stahlbelages, die stellbaren Handhaben, den geschweiß⸗ ten Doppelgründel und die Stahlguß⸗Unterkörper, damit zugleich die erhöhten Körper, während das letzte Dezennium des vorigen Jahrhunderts den Panzerstahlbelag, den Profil⸗ stahlgründel, sowie die aus demselben herausgewalzten Handhaben und das erste Jahr des neuen Jahrhunderts den öl⸗ und staubdichten Ver⸗ schluß der Radnaben hinzufügte, ungerech⸗ net viele kleine Neue⸗ rungen und Ver- besserungen in der Konstruktion desVor⸗ gestells und Vermehrung der Pflugkörpertypen, um allen Anforderungen des Bodens und besonderer Verhältnisse damit gerecht zu werden. Eine nicht minder durchgreifende Veränderung als der Rud. Sacksche Pflug selbst hat die Art und Weise seiner Herstellung erfahren: im Anfange in hergebracht hand⸗ werksmäßiger Weise geschmiedet und genietet, befindet sich heute kein Stück mehr an dem har welches nicht in maschinellem Wege hergestellt wird: gepreßt, gewalzt, ge⸗ stanzt usw., wodurch das Ansehen des Ganzen den außer⸗ ordentlich gefälligen, sauberen und leichten Schnitt bekom⸗ men hat, und gleichzeitig die Herstellungskosten derart ver⸗ mindert sind, daß ein Plug einschließlich aller Verbesser⸗ ungen in Konstruktion und Material heute nur noch halb soviel kostet als im Anfange. paßte zu dem damals überall gebräuchlichen Vorgestelle mit fester Achse und ungleich hohen Rädern, Bis 1870 finden wir an Vervollkomm⸗ nungen den gußeiser⸗ nen Unterkörper mit auswechselbaren Stablplatten belegt, Was am Sackschen Pfluge aber keine Ver⸗ änderung erfahren hat, somit von vornherein sozusagen vollkommen gewesen ist, das ist die Form des Pflug⸗ körpers, d. h. die Bie⸗ ung des Streich⸗ leches, welches die need — 2 — Bewegung und Zerkrümelung des ab— getrennten Erdstreifens und den dadurch verursachten Verbrauch an Zugkraft bedingt. Die Auffindung und Festlegung dieser Kurve, an welcher sich ein Jahrhundert lang vor ihm und bis auf seine Zeit schon viele andere vergeblich versucht hatten, bildet die eigentliche epochemachende Er— findung Rud. Sacks, und sie muß um so bedeutungsvoller erscheinen, wenn man be— denkt, in welchem primitiven Stadium der Pflugbau vor 50 Jahren stand, welche menschen- und pferdeschindenden Ungeheuer von Pflügen bis dahin im Gebrauch waren. Heute hat sich der gesamte deutsche und österreichische Pflugbau sozusagen auf die Sacksche e ee ge⸗ einigt und geht von ihr aus, wo es sich um die Konstruktiong neuer Modulationen handelt. Es dürfte interessieren, die Produktion an Sackschen Pflügen der Zahl nach zu verfolgen; in der ersten Anfangs- und Erfindungsperiode von 1850 bis 1870 wurden etwa. 3000 Sacksche Pflüge hergestellt, deren Zahl bis 1880 auf 25 000, bis 1890 auf 280 000, bis 1900 auf 654 000 und gegen⸗ wärtig auf über eine Million gestiegen ist. Die Jahresproduktion an Pflügen in der Rud. Sack⸗ 7— Fabrik zu Leipzig⸗Plagwitz betrug 1880 rund 10 000, 1890 rund 30 000, 1 rund 70 000 und 1903 93600. Wie viel Sacksche Pfluge erblicken aber wohl heutzutage das Licht der Welt, wenn man die Erzeugnisse der nach diesem Typus arbeitenden gesamten deutschen und fremdländischen Industrie ins Auge faßt, und wieviel Pflüge dieser Art mögen wohl heute im Acker gehen? Eine schwer zu beant⸗ wortende Frage, deren Aufwerfung aber jedenfalls den Ein⸗ druck hinterlassen wird, daß der Sacksche Pflug sich im Laufe der vergangenen 50 Jahre 1 einer Großmacht entwickelt t, der man wohl zum Jubiläum Glückswunsch und Hul⸗ igung darbringen kann. Sehen wir uns den Jubilar noch etwas näher an, so finden wir, daß fast sein ganzer Bau gegenwärtig aus Stahl gefügt ist, der in den wi 7 Partien von beson⸗ ders 179 0 Qualttät ist, so der Unterkörper von zähem Tiegelstahlguß, dessen Belag außen von glashartem, innen aber weichem Panzerstahl, und das Schar von einer hierzu hervorragend geeigneten Spezilalqualität. Der einscharige Sacksche Pflug mit Sech, Schälkörper und Reserveschar, e und Selbstführung wird hinsichtlich Tiefgang und Körperform für verschiedene Boden⸗ arten in etwa 40 Abstufungen gebaut, und zwar für Tieß⸗ gang von 756 Itm., Bespannung von 1—10 Zugtieren und für leichten, schweren, klebenden, losen, harten und steifen Boden, rechts und links wendend. Außerdem werden noch 20 verschiedene Arten von einscharigen Pflügen mit einfachen Eisengründel und Holzgründel gebaut. Alle diese Pflüge können durch Auswechseln des Pflugkörpers gegen andere Einsätze in die verschiedenartigsten Aclergeräte, als mehrscharige Schälpflüge, Kartoffel- und Rübenausrode— 2 e, Grubber, Exstirpatoren und Skarifikatoren, Hack- und äufelpflüge, Untergrundpflüge, Wiesenschälpflüge usw. ver⸗ wandelt und so in vielfacher Gestalt das Jahr über ver— wendet werden. 1 Außer diesen wird der Original Rud. Sacksche Pflug ge⸗ baut als Mehrscharpflug, Wende- und Zwillingspflug, Kipp⸗ oder Balaucepflug für Gespann- und Dampfkraft und im 59 5 wie gesagt, in der respektablen Anzahl von fast, 00 000 jährlich. Neben Pflügen erzeugt die Firma Rud. Sack, Leipzig⸗ Plagwitz, als zweite Hauptspezialität Drillmaschinen, deren ährlich ca. 4500, im ganzen rund 76000 geliefert wurden, außerdem Eggen, Hackmaschinen, Kultivatoren und andere Ackerbaugeräte und Maschinen. Der General-Vertrieb dieser 1 abrikate in Gießen liegt in den Händen er Firma M. 1 in Gießen. Die Fabrik bedeckt eine Fläche von 6 Hektar, das deste örige Versuchsfeld hält 125 Hektar. Die Zahl der Arbeiter und Beamten beträgt gegenwärtig 1200. Ter Absatz der Firma erstreckt sich über alle ackerbautreibenden Länder der ganzen Erde, und wo auch immer der Rud. Sacksche Pflug seinen Einzug hält, da 1115 er rationelle Bodenkultur ein und wird zum Segen E die Landwirtschaft. Lange hat es gedauert, und vieler. Di neueste Ausführung des Rud. Sackschen Pfluges. Sorgen und Kämpfe hal es bedurft, bis auch hier das Gute ber Bahn gebrochen hat; welche Anerkennung aber endlich er um den Pflugbau hochverdienten Firma seitens den Landwirtschaft zuteil geworden ist, das beweist einerseits die große Zahl der ihr verliehenen Auszeichnungen, deren 5 gegen 800 eli anderseits und am schlagendsten alben ie Geburt des 1000 Ooosten Rud. Sackschen Pfluges selbst, ** 1 Hessische Oösternte-Hlalistif für 1904. f Von Eduard Oppel-Frankfurt. 3 (Originalartikel für den Hessischen Landwirt.) Noch langsamer und schwerer als im Vorjahre liefen diesmal die vielfach zwei- und dreimal verschickten Frage⸗ bogen ein. Um so reichhaltiger ist das Material geworden, das nun schon ein sehr genaues Bild über den hessischen Obstbau und den letzten Erfolg gibt. Der beschränkte aum versagt eine ausführliche Wiedergabe der Antworten den Fachleute. Ich fasse daher, mit besonderer Berücksichtigͤ ung Oberhessens, das Resultat der diesmaligen Erhebungen kurz zusammen. 1 Im Turchschnitt war die Ernte in 1904 bei weitem besser als in 1903, das unter geradezu abnormen Witterungsver⸗ hältnissen litt. Aus Oberhessen bietet die Statistik so viel interessantes, daß es sich verlohnt, die Ergebnisse der sechs Kreise genauer mitzuteilen. Die Fragen lauteten: 1. Ausfall der Obsternte, a. überhaupt, b. an Kreis⸗ straßen? 2. Wieviel Obstbäume stehen in Ihrem Kreise, a. überhaupt, b. an Kreisstraßen?— 3. Welche Sorten hatten den besten Ertrag, a. Aepfel, b. Birnen?— 4. Pilze und Krankheiten?— 5. Schädlinge?— 6. Ist das Obst gesund? — 7. Wurde in Ihrem Kreise Kunstdünger angewandt?— 8. Welchen Ertrag hatten Mirabellen, Aprikosen, Reine- clauden, Nüsse?— 9. Ist die Ernte 1904 besser als 19032— 4 10. Sind besonders ungünstige Witterungsverhältnisse zu melden und welche?— 11. Ist leichtes Faulen des Obstes zu beobachten?— 12. Welche Sorten sind besonders schlecht geraten?— 13. Wird der Obstbau in Ihrem Kreise zu einem besonderen Erwerbszweig ausge⸗ schlachtet oder kann er noch intensiver be⸗ trieben und rentabler gestaltet werden? 1 Die Beantwortung der Frage 13 ist außerordentlich charakteristisch. Der Kreisobstbautechniker Metternich in Bü⸗ dingen schreibt sehr richtig in einer besonderen Anmerk⸗ ung:„Der deutsche Obstbau leidet noch allzu sehr durch die übergroße Einführung ausländischen Obstes. Abhilfe kann nur durch eine rechte Antwort auf die Frage 13 geschaffen werden.“ Allerdings sind sich auch alle Ant⸗ worten dahin gleich, daß der Obstbau in jedem Kreise noch weit intensiver betrieben werden kann und muß. Immer⸗ hin soll nicht verkannt werden, daß in den letzten Jahren schon gau erhebliches in der Förderung der Obstzucht, be⸗ sonders in Hessen, gleleistet worden ist.— Aus den Kreisen Oberhessens sind folgende Antworten eingelaufen:. Kreis Gießen: la und b. sehr gut. 2 a. etwa 150 000, b. 14500. 3. Reich behangen waren zwar alle Bäume doch! konnten wieder Goldparmäne, Landsberger Reinette, Bohn⸗ e Schöner von osloop und fast alle grauen Reinetten nen besonders hohen Ertrag aufweisen; b. die Birnen⸗ ernte war eine gute Mittelernte; hervorragend ces ge⸗ ranch tragen 1 8 neuer Portian, gute rich von es und 1 verschiedene Bergamotten. 4. Pilze uscht annähernd so starb 2 C als in den Vorfahren, jedenfalls eine Folge der trockenen Witterung. 5. Schädlinge, besonders Blatt⸗ und Blutläuse, Apfelmaden und einige Raupen, stark. 6. ja. 7. nein. 8. Mirabellen und Reineclauden gut, Aprikosen und Nüsse mittel. 9. Ja; Erlös an Kreisstraßen in 1903 4250 Mk., in 1904 10 400 Mk. 10. Nachteilig war die anhaltende Trocken⸗ heit, die besonders auf die Zwetschen ungünstig wirkte. Viele Früchte fielen vorzeitig ab. 11. Das Obst ist in. 1 Jahre rasch lager reif. Ein besonders rasches Uebergehen wird bei Birnen beobachtet, die sich im Vor⸗ jahre bis Januar hielten. 12. Die Sorten sind fast alle gleichmäßig gut gewesen. 13. In den letzten Jahren ist im allgemeinen das Interesse für die Obstzucht gestiegen. An den Kreisstraßen werden in diesem Jahre wieder etwa 500 Bäume neugepflanzt. Kreis Friedberg: 1a. sehr gut; 1 b. sehr gut bis auf kalte Lagen. 2 a. und b. nicht genau anzugeben. Z a. Schafnase, Sträflinge, Kasseler Reinette u. a.; b. Pastoren⸗ birne, Diels Butterbirne und einige Lokalsorten für Honig⸗ bereitung. 4a. Fusicladium bei einigen Sorten, nament⸗ lich bei rot. Herbstcalville. 5. Blütenstecher und Obstmaden ziemlich stark. 6. Ja, bis auf wenige Sorten. 7. Bei Obst⸗ bäumen nur Thomasschlackenmehl und Kainit, aber in ge⸗ ringem Maße und meist nur für Zwergobst. 8. Mirabellen sehr Nauf Aprikosen mittel bis gut, Reineclauden ziemlich gut, Nüsse gut bis sehr gut. 9. Ja. 10. 1 Trockenheit at viele Früchte zum Abfallen gebracht, besonders Aepfel und Zwetschen. 11. Das Obst scheint sich gut zu halten; frühe Sorten gehen infolge der frühen Reife, wie sonst, bald über. 12. Fast gar keine. 13. Kann noch viel besser be⸗ trieben werden, namentlich können noch viele Aecker be⸗ pflanzt werden. ö Kreis Schotten: 1a. und b. gut. 2a 2 b. 9217. 3 a. und b. sämtliche vorhandene Sorten gleichmäßig gut. 4 a. Besondere Krankheiten wurden nicht wahrgenommen. 5. Blattläuse, aber wenig. 6. Ja. 7. Nein. 8. Mirabellen und Aprikosen sind wenig vorhanden; Reineclauden gut, Nüsse recht gut. 9. Ja. 10. Nein. 11. Obst hält sich gut. 12. Nein. 13. Kann noch intensiver betrieben werden. Kreis Lauterbach: 1a. und b. recht gut. 2 d. 94 700, b. 3900. 3 a. Wintergoldparmäne; b. Diels Winter⸗Butter⸗ birne. 4. und 5. 2 6. Ja. 7. Nein. 8. Mirabellen und Reineclauden gut; Aprikosen und Nüsse sind nicht vor⸗ handen. 9. 855 10. Große Trockenheit. 11. Hält sich gut. 12.— 13. Der Obstbau kann noch viel rentabler gestaltet werden. 5 Kreis Alsfeld: 1a. und b. sehr gut. 2 a. 7 b. 5985. 3 a. Wintergoldparmäne. Kasseler Reinette, xhein. Bohnapfel, roter e Herrenapfel, Gravensteiner, gefl. Kardinal, kgl. Kurzstiel, spätblühender Taffetapfel; b. sind wenig vorhanden; gut trugen Pastorenbirne und gr. Katzen⸗ kopf, ferner einige Honigbirnen. 4. Fusicladium, haupt⸗ sächlich in den Tälern; auf den Höhen sind die Früchte größtenteils rein. 5. Apfelblütenstecher und Blattläuse. 6. Ja. 7. Nein. 8. Die Erträge sind gut. 9. Ja. 10. Anhal⸗ tende Trockenheit im Sommer. 11. Voraussichtlich hält f ich das diesjährige Obst besser als voriges Jahr, ausgenommen das von Pilzen befallene. 12. Alle Sorten gleich gut. 13. Für die Hebung des Obstbaues wird in den letzten Jahren hier viel getan, die Obstkultur kann aber doch noch weit intensiver betrieben werden. Richtige Sortenwahl und Bodenverhältnisse müssen hier besonders berücksichtigt werden. 5 Kreis Büdingen: 1a. und b. Kernobst gut, Steinobst A gut. 2 a. Schätzungsweise 55000, b. etwa 15 000. a. Wintergoldparmäne, Baumanns Reinette, Landsberger Reinette, Schafnase, gefl. Kardinal, Champagner⸗Reinette, Tanziger Kantel, b. Pastorenbirne, Diels Butterbirne, Gute Louise von Avranches, neue Poiteau. 4. Moncliakrank⸗ heit der Kirschbäume sehr stark. 5. Apfelblütenstecher, Apfel⸗ wickler. 6. Wurmstichig. 7. Versuche sollen 1905 gemacht werden. 8. Mirabellen gut, Aprikosen sehr gut, Reineclauden und 0 sehr schlecht. 9. Die Quantität ist schlechter, die Qualität besser als in 1903. 10. Spätfröste während der Blütezeit. 11. Vorsichtig geerntete gesunde Früchte halten sich vorzüglich. 12. Gr. Kasseler und Harberts Reinette. 13. Durch Einführung weniger aber guter Handelssorten kann sich der Obstbau rentabler als bisher gestalten. Wer diese Antworten genau verfolgt, sieht, daß das Obstjahr diesmal günstig war. Krankheiten, Pilze, Schäd⸗ nge usw. find kaum merklich aufgetreten. Julicla⸗ 5 0 dium und Moncliakrankheit werden allerdings aus manchen Bezirken gemeldet. Der Apfelwickler und Apfelblütenstecher trieben strichweise ebenfalls ihr Verheerungswerk. Man mag daraus lernen, daß die Bekämpfung der Schädlinge nie aufhören oder nachlassen darf. Im allgemeinen aber ist eine merkliche Besserung im Schädlingswesen zu verzeichnen. Zu leiden hatte das Obst in seiner Entwicklung entschieden unter der großen Trockenheit des Jahres; Büdingen klagt über Frühlingsfröste. Tie Sorten, die den besten Ertrag lieferten, entsprechen den bereits im Vorjahre festgestellten. Es scheint, daß man den Wirtschaftssorten und einigen Handels⸗ sorten, dem Boden und Klima angepaßt, doch noch weit mehr Aufmerksamkeit zuwenden sollte. Eine rationelle Aus⸗ beute ist tatsächlich nur möglich, wenn wenige, aber gute Sorten gepflanzt und gepflegt werden. Aehnlich wie in Oberhessen ist das Ergebuis in Starkenburg. Hier scheint man aber mehr und mehr Versuche mit künstlichem Dünger anzustellen, ob⸗ wohl nebenbei guter Stall mist wohlgeschätzt wird. Außerordentlich viel wird, um zwei Kreise herauszu⸗ greifen, im Kreise Offenbach und im Kreise Groß⸗ gerau geleistet. Hier ist Kreisrat Bichmann, der 21105 schon im Kreise Oppenheim hervorragendes für den Obst⸗ bau getan hat, ein eifriger Verfechter der intensiven Anlage aller Obstkultur. An Schädlingen wurden in der Provinz Goldafter, Ringelspinner, Apfelwickler und Blutlaus (vereinzelt) beobachtet. Monelia und Fusicladium traten auf, aber ohne großen Schaden anzurichten. Die Provinz Rheinhessen vervollständigt das gün⸗ stige Bild des letzten Obstjahres. Der Kreis Mainz meldet, daß seine meisten Gemeinden den Obstbau als besonderen Erwerbszweig pflegen; besonders ausgedehnt sei auch die Beerenobstkultur, deren Ernte diesmal sehr gut aus⸗ gefallen sei. Immerhin kann noch viel geschehen, um die Obstanlagen rentabler zu geestalten. Der Bericht aus dem Kreise Alzey, der sich durch besondere Genauigkeit aus⸗ zeichnet, meldet an Krankheiten: Fusicladium, Schrot⸗ schußkrankheit, Monclia und Kräuselkrankheit, an Schäd⸗ lingen: Apfelblütenstecher, Gespinnstmotte, Goldafter, Ringelspinner, Apfelsägewespe, Blatt⸗ und Blutläuse und Minierraupe. Im allgemeinen aber haben die einzelnen Kreise gute bis sehr gute Ernten erzielt. Die Genossenschaft für Geslügelmast, Geflügelzucht, zur Verwertung der Produkte der Geflügelzucht und des Garten bhaues in Friedberg hat sich, wie bereits berichtet wurde, gebildet. Jeder selbständige Mensch— so schreibt man uns heute— kann einen Geschäfts⸗ anteil erwerben. Er hat dafür im ersten Geschäftsjahre 5⁰ Mk. bar einzuzahlen, er haftet mit diesem Geschäftsanteil für eine weitere Summe von 100 Mk., die nicht eingezahlt wird, aber bei einem unglücklichen Ausgange des Geschäftes in u eine genommen werden kann. Darüber hinaus kann der Besitzer eine Geschäftsanteiles nicht in Anspruch genommen, werden. Die Ge⸗ nossenschaft ist also eine solche mit beschränkter Haftpflicht. 5 Unsere Genossenschaft hat den Zweck, die r en ii der Provinz und in den angrenzenden Gebieten zu heben und die Produkte derselben besser zu verwerten im Interesse der Züchter. Heute ist es dem Züchter auf dem platten Lande in der Regel unmöglich, die frischen Eier zu angemessenem Preise zu verkaufen. Das mit Mühe und Sorgfalt aufgezogene junge Ge⸗ flügel wird deshalb nicht ausgenutzt, da es kaum aus gewachsen und ungenügend gemästet zum Verkauf kommt. Der Züchter er⸗ hält keinen Preis und der Konsument erhält viel Knochen und wenig Fleisch. So wird das mühsam aufgezogene Tier schlecht verwertet und die Unlust, Geflügel aufzuziehen, nimmt unter diesen Umständen zu. 5 2 5 5 Immer weiter öffnen sich deshalb unsere Tore au den Grenzen, um fremdes Geflügel, fremde Eier für den Konsum hereinzulassen. Der deutsche Landwirt und Geflügelzüchter muß daran denken, diesen Uebelstand wenigstens abzuschwächen, auf⸗ zuhalten ist er nicht. Viele ausländische Züchter arbeiten unter günstigeren Verhältnissen als wir. Unsere Ware wird aber den Vorrang haben, da die Ware besser und frischer sein wird als die fremde. Unsere Ware wird die höchsten Preise erzielen, wenn die Mast, die Abschlachtung, die Herrichtung für de Konsum durch geschickte Hände geschieht. Der Einzelne ist da in der Regel nicht im stande. Auch die Molkereien, welche die Milch sammelu, Butter herstellen und in den Konsum bringen, 1 5 5 im allgemeinen weit besseres und können regelmäßig liefern als der Einzelne!* F ² Cv! Mit der bisherigen Methode, die in zahllosen größeren und den kleinsten landwirtschaftlichen Betrieben üblich ist, junge Geflügel zu verwerten, muß im Interesse der Inhaber dieser Betriebe gebrochen werden! Bei dieser Methode wird eine un⸗ geheure Verschwendung getrieben Unter viel Sorgen und Mühen zieht man das Geflügel groß, um es dann als lästig an den nächsten Aufkäufer zu verhandeln um jeden Preis. Die Pro⸗ vinz Oberhessen zählt ungefähr 500 Ortschaften, ohne die ein⸗ elnen Bauern und Gutshöfe. Werden aus jedem Ort durchschnitt⸗ ich nur 100 Stück junges Geflügel aller Art im Jahre ver⸗ kauft, so sind das 50000 junge Tiere, die zum größten Teil zu jung und zu mager in den Konsum gelangen und dem Kon⸗ sumenten häufig nicht viel mehr bieten, wie Haut und Knochen. Gelangen die Tiere vor der Abschlachtung in eine gut geleitete Mastanstalt, nur für einige Wochen, so werden sie wesentli schwerer. Gelgugt auf das Knochengerüst dieser Tiere dur rationelle Mast nur 1 Pfund Fleisch mehr, so bedeutet das eine Mehrproduktion an Fleisch von 50 000 Pfund, die ver⸗ hältnismäßig leicht gewonnen werden können, da sie mit den zu billigen Körnerfrüchten zumeist erzeugt werden. Ein erheblicher Teil unserer Landwirte und Geflügelzüchter ist von der Rentabilität der Geflügelmast durch eigene Erfahrung überzeugt. So sinnlos es wäre, magere Schweine oder magere Ochsen an den Metzger zu verkaufen, so unverständig ist es auch, mageres Geflügel in den 9 zu bringen. Wie wir in den. Genossenschaftsmolkereien die Stellen haben, die uns die weitere Verarbeitung der Milch und den Absatz der Butter abnahmen,* soll uns durch die genossenschaftlich betriebene Geflügelmast⸗ anstalt die Mastung und Verwertung des Geflügels in unserem Inleresse abgenommen werden. Die Molkereien bedürfen eines tüchtigen technischen Personals. Auch die Geflügelmast, das Schlachten, Köpfen, Verpacken, muß durch ein geschultes Personal eschehen, wenn die Abnehmer in unsexen großen Städten, in den adeorten, die mit Recht so große Ansprüche an die Qualität der Ware, an die Art der Herrichtung derselben für den Kon⸗ um machen, zufriedengestellt werden sollen und sich bereit 8 lassen sollen, die gelieferte Ware angemessen zu be— zahlen.— Die Geschäftsanteile an dieser Genossenschaft sind so niedrig bemessen um es auch dem kleinsten Züchter möglich zu machen, sich zu beteiligen und an den Vorteilen der Genossenschaft teil⸗ zunehmen. Jeder weiß, wie weit er geht. Er weiß, was er im unglücklichen Falle zu riskieren hätte, und kann danach eine Entschlüsse fassen. Jedes noch so vorsichtig eingeleitete eschäftliche Unternehmen kann zu Falle kommen. Auch darauf oll hier hingewiesen sein. Die Vorteile, die Gewinne, lommen beim Genossenschaftswesen allen zu gute. Unter Nachteilen leiden alle nach dem Grade der Beteiligung. Das muß jeder wissen! Die vor zehn Jahren hier gebaute Geflügelmastanstalt ist zu Falle gekommen. Tie Gebäude derselben stehen in der Brand⸗ kasse mit 116 000 Mark. Das ist ein Gebäudekapitel, welches das Unternehmen allein sast erdrücken müßte. Der Ursachen, die das Geschäft zu Falle brachten, sind aber so viele und sie sind so privater Natur, daß man sie hier nicht aufzählen kann. Ob die Genossenschaft die bestehende Mastanstalt zu einem angemessenen Preise übernehmen kann, steht dahin. Nach dem Urteile vieler wird die Genossenschaft besser tun, ein Grund⸗ stück zu kaufen und dasselbe mit ausreichenden soliden zweck⸗ mäßigen Gebäuden zu besetzen, die ihren Zweck erfüllen und doch nicht zu viel kosten.— Die Entscheidung über diese Fragen wird die Ende des kommenden Monats zu berufende General- versammlung zu treffen haben. 5 Nach den zahlreichen Anfragen zu urteilen, ist das Interesse für das Unternehmen groß. Die weiteren Verhandlungen werden 5 ob es groß genug ist, ob das richtige Verständnis ür das Unternehmen weit genug verbreitet ist. Englands Einfuhr an landwirtschastl. Produsiten. Englands Einfuhr an Halm⸗ und Hülsenfrüch⸗ ten ist in den letzten Jahrzehnten ungemein rasch, weit schneller als die Bevölkerungszahl gestiegen. So beträgt nach einem in den„Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts⸗Ge⸗ ale beröffentlichten Bericht des Landwirtschaftlichen Sach⸗ erständigen die Gesamteinfuhrmenge an Weizen im Jahre 1903 116,4 Millionen cwis) um reichlich 80 Millionen cwts(40 Mill. Doppelzentner), der Einfuhrwert über 420 Millionen Mark mehr als 40 Jahre vorher. Die Roggeueinfuhr schwankt in den letzten Jahren zwischen 1 und 1¼ Millionen ewts, das ist 1 Prozent der Weizeneinfuhr. Seinen Bedarf an Gerste deckt Großbritannien u etwa drei Fünftel durch die eigene Ernte, die im zehnjährigen 1(1894/1903) 31½ Mill. ctws. beträgt, während im Mittel 22½ Mill. cwts eingeführt wurden. Die Gesamternte au Hafer beläuft sich im zehnjährigen Durchschnitt(1894/1903) uf rd. 60 Mill. cwts, ist also über dreimal so hoch wie je mittlere Einfuhr, die 17 Mill. cwts Haferkorn und etwa %, Million ewts Hafermehl ausmacht. Etwa halb so hoch wie beim Weizen, aber höher als bei Roggen, Gerste und Hafer — ffern Nen m zehnjährigen Durchschnitt 0b 00 49,48 Mill, ewts. ie Buchweizeneinfuhr ist nur von untergeordneter Bedeutung; sie bewegt sich zwischen 110000 und 190 000 ecwts 1 1902 4 4 e ee sind die Einfuhrzi 75 Mais. Sie betr auf nur 79000 cwts zurück. Die Bohneneinfuhr schwankt J 1899 zwischen 1% und 2 Mill. ewts. Erbsen bezieht England rd. 2 Mill. ewts aus dem Auslande. l 5 N Unter den Ländern, die England mit Fartoffel n . nimmt, nach einem Bericht des Landwirtschaft⸗ lichen Sachverständigen in den„Mitteilungen der Deutschen Land⸗ wirtschafts⸗Gesellschaft““ Frankrei im allgemeinen die leitende Stelle ein, doch wird es 1898 von Deutschland, 1900 von Belgien, 1894 und 1896 von den Kanalinseln übertroffen. Die genannten Länder liefern mit den Nieder⸗ landen zusammen, welche an 5. Stelle 15 nennen sind, 93 bis 97 Proz. der Gesamteinfuhr, im Mittel 5,25 von 5,54 Mill. ewts. In den Jahren 1894—1903 stieg die Gesamteinfuhr von Kartoffeln von 2,70 Millionen ctws.; für Deutschland lauten die bezüglichen Ziffern 0,09 Mill. etws. und 2,23 Mill. clots. Deutschland steht zwar mit seiner Kartoffelausfuhr nach England 1898 an erster, 1903 an zweiter Stelle, doch wird es im e Durchschnitt nicht nur von Frankreich, sondern auch von land und den Kanalinseln übertroffen— allerdings geht ein großer Teil der deutschen. Kartoffeln über bel, 25 und niederlindische Häfen und wird deshalb der Ausfuhr deser ander hinzugerechnet—, während es 10 85 alle anderen Mitbewerber aus dem Felde schlagen und seinen Platz behaupten könnte. Denn es hat nicht nur die 7 05 esamternte von allen Kulturländern, ondern trotz seiner dichten Bevölkerung auch im Verhältnis zur Volkszahl die höchste verfügbare Menge, sogar wenn man die zur Brennerei verwandten Kartoffeln in Abzug bringt. Es könnte deshalb nicht nur seine Einfuhr beschränken, sondern eine erhöhte Ausfuhr an ihre Stelle 55 l 4 Es wird aber in erster Reihe darauf ankommen, sich möglichst zeitig einen Ueberblick über die in Aussicht stehende Kartoffelernte Englands 15 verschaffen, um danach den Preis bestimmen 31 können und besonders bei Feblernten Englands stets frühzeiti noch im Herbst, auf dem Platze 11 sein und sich ju Preis zu sichern. Denn im Frühjahr übersteigt in solchen Fällen regelmäßig die Zufuhr den Bedarf, und es tritt ein Fallen der Preise ein. 3 ei der Kartoffelausfuhr nach England kommt es vor allem barauf an, Kartoffeln zu liefern, die dem englischen Geschmack zusagen. Der englische Markt verlangt in erster Reihe große Kartoffeln(rd. 150 Gramm 1 sie sollen gesund sein und dem gehandelten Muster entsprechen. Sorten wie Up to date, Magnum bonum(Magnum), Maercker, Imperator werden am meisten gekauft. l f Fracht und Spesen nach England 8 1d. 1.50 be Ur 0 5 ie 0 Kilogramm, danach läßt sich unter Jugrundlegun Preise des englischen Marktberichtes feststellen, wie wei Ausfuhr lohnt und was sich dabei verdienen läßt. 85 Bei Englands Zuckereinfuhr schneidet Deutsch⸗ land am günstigsten ab: hier hat es bei weitem den Vorrang vor allen anderen Ländern. Nach einem Bericht des Land? wirtschaftlichen e e in den„Mitteilungen der Deut chen Landwirtschafts⸗Gesellschaft“ ist die Zuckereinfuhr seit Mit er siebziger Jahre— von da ab wird der Zucker von der Melasse getrennt aufgeführt— von rd. 20 auf über 30 Mill. engl. 4 gestiegen. Der Einsuhrwert dagegen ist bei dem starken Sinken der Preise, besonders für Rohzucker, von 450 Mill. M auf 310 Mill. Mk. heruntergegangen, An dem durchschnittlicher Einfuhrwert des Jahrfünfts 1899/1903, welcher für Raffinade und Rohzucker zusammen 347,4 Mill. Mk. beträgt, sind beteiligt; Deutschland mit 193,1 Mill. Mark= 55,6% Frankreich u bi„„ 188 Niederlande 5 828 5„= 953% Belgien 1„ I 5,0% Oesterreich⸗ungarn„%„„ 19 Andere Länder WB Zusammen 347, Millionen Mark. 5 Während die Raffinade fast ausschließlich aus den oben ge⸗ nannten eüropäischen Staaten bezogen wird(Deutschland liefert allein 2%), kommt der Rohzucker dagegen zu ½ auch aus anderen, besonders überseeischen Ländern.. Kleine pralltische Natschläge. Bienenzüchterverein Gießen und Umgegen Bei Beginn des Vereinsjahres 1905 beträgt die Mikglieder zahl 153. Die Einnahmen betrugen 1904 668.05 Mk. die Aus⸗ 9 415.50 Mk., mithin der Kassenvorrat für 1905 252.55 Mk. Zei der Versammlung am 22. Januar referierte der Vorsitzende über J. ger 5 Jan 2. Subvention, 3. Honigfrage, 4. Den turiexten Zucker, 5. Faulbrut. Die Ver ammlung war gut besuc i gedenkt der Verein sein 25 jähriges Bestehen est! egehen. 5 Hedaktion; Auauf Ge l.— Nolattonsdruct und Leriaa der Brio'lben Uuloerficdte- Buch- und Stendtodderel, N. Lange. Oiehen.