Bausch, Wilhelm, Lehramtsreferendar, Oppenheim. 1889. 109-51. Bittel, Franz, Dr. Gerichtsassessor, Darmstadt. 1897. 102-9. Blecher, Georg, Dr. Oberlehrer, Bingen. 1903. Bötticher, Dr. Kreisassistenzart I., Gießen. 1883. 71-59. Bottler, C, Dr. Direktor, Jülich(Rhld.). 1893. 1-5. Broß, Christian, Pfarrer i. P., Gießen. 10-32. Buchem, Carl, Tierarzt, Köln. 1900. 34-7. Budeérus, Gg., Ingenieur, Gießen. 1888. 29.28. Buff, Rudolf, Dr. med., Köln. 1879. 99.8. Dannert, Dr. Referendar, Gießen. 8-39. Diehl, Heinrich, cand. jur, Worms. 1906. 18-35. Diehl, Wilhelm, cand. theol., Friedberg. 1902. Diemer, Albert, Lehramtsreferendar, Grogen- Linden. 1901. f Diemer, Otto, Lehramtsreferendar, Großen Linden. 1901. Diemer, Walter, Lehramtsreferendar, Darmstadt. 1903. 1-20. Duill, Hermann, cand. chem., Gießen. 1901. 34-89. Eberth, Dr. med. Arzt, Frankfurt a. M. 66-1. Eckhard, Karl, Forstreferendar, Darmstadt. 34-4. Ehmer, Robert, Chemiker, Gießen. 1902. 69-20. Erb, Rudolf, Pr. Professor Oberlehrer, Gießen. 1880. 8-11. Euler, Kurt, Professor, Varel(Oldenburg). 1884. 8-89. ö Everling, Rudolf, Dr. jur. Assessor, Darmstadt. 1804. 11-37. ö Ferber, Wilhelm, stud. med., Gießen. 1897. 34-18. Fischer, Jakob, Pfarrer, Alten-Buseck. 1879. Franz, Theodor, Regierungsassessor, Gießen. 1895. 11-35. Freitag, Georg, Lehramtsreferendar, Butzbach. 1902. 4. Froelich, Oskar, Regierungsassessor, Gießen. 1804. 71-30. Fromme, Albert, Dr. med., Bonn. 1900. 11-20. Gilmer, julius, Assessor, Darmstadt. Goßhler, Julius, stud. phil., Gießen. 1905. Graeber, Paul, Lehramtsreferendar, Heuchelheimer Mühle. 1902. Ar. N Gundermann, Wilhelm, Lehramtsreferendar, Gießen. 1902. 80-10. Hagena, Franz, Apotheker, Gießen. 1902. 100-10. Hecht, F., Dr. Geheimer Hofrat. Berlin. 67-9. Hellwig, Karl August, cand. theol., Wieseck b. Gießen. 1903. Hesse, Hermann, Referendar, Darmstadt. 1901. 30-40. Hesse, Karl, Forstreferendar, Ortenberg. 1901. 8-77. Hill, Fritz, Apotheker, Gießen. 1901. 71-27. Hoffmann, Emil, Gerichtsassessor, Gießen. 1894. Hoffmann, Karl, Großgh. Forstmeister, Romrod. 1887. Ihrig, W.., Lehramtsaspiraut, Beerfelden i. O. 1903. 101-12. Jung, Ludwig, Dr. Rechtsanwalt, Gießen. 1881. 8-40. Kaiser, Ferd., Pfarrer, Landenhausen(Post Angersbach). 1878. 10-32. Kasper, Andreas, Oberlehrer, Offenbach a. M. 1899. 48-11. Klüel, Joseph, Gerichtsassessor, Offenbach a. M. J Klein, Friedrich, Veterinärarzt, Vallendar. 1889. 8-52. Klingenschmidt, Heinrich, Pfarrer, Alsheim. 1885. 4. Kocli, Rudolf cand. oec., Bonn. 1903. 83-12. Koeniger, Otto, Oberförster, Laubach. 1888. J Korfmann, Steuerkommissar, Nidda. Ag. Kraemer, Adolph, Dr. phil. Oberlehrer, Büdingen. 1890. Af Krause, Gustav, Referendar, Gießen. 1900. 27.33. Kuhlmann, Regierungs-Baumeister. Langermann, Carl, Geh. Justizrat, Gießen. 1851. 29-18. Leo, Casimir, Forstassessor, Gießen 1895. 71-60. Lieske, Ernst, Guben(Brandenburg). 1904. 11-35. Nachtrag zum Verzeichnis der Festteilnehmer am Universitäts Jubiläum. Loos, Pfarrer, Gross-Umstadt. 1883. Lotz, Joseph, Tierarzt, Huchenberg. 1898. 97-68. Mann, Jakob Ernst, Grossh. Notar, Oppenheim a. kh. 1889, 109-39. Mathes, Heinrich, Seminar- Oberlehrer, Darmstadt. 1889. 97-36. Mayer, Rudolf, Pr. med., Hofheim. 1873. ff. Meissinger, Hermann, Referendar, Friedberg i. H. 1903. 81 Metz, Adolf, Referendar, Gießen. 1890. 29.20. Metz, August, Justizrat, Gießen. 1866. 6415. Metz, Ernst, Rechtsanwalt und Notar, Nidda. 1880. 64-15. Metz, Ernst, Zahnarzt, Gießen. 1897. 64-15. Metz, Karl, Leutnant, Heilbronn. 1896. 64-15. Müller, Adolf, Grossh. Staatsanwalt, Darmstadt. 1888. 8-77. Müller, Fr., Pfarrvikar, Lampertheim. A Müller, Karl, stud. phil. cl., Fürstenau. 1906. 10.38. Müller, Max, Dr. Chemiker, Leipzig. 1899. 71.26. Pflugfelder, Albert, Schriftsteller, Düsseldorf. 1901. 70.3. Regiler, Hans, cand. med., Mainz. 1006. 66-11. Reuning, Ernst, Nidda. 1902. 22-10. Keuss, Hermann, Staatsanwalt, Gießen. 1890. 27-6. Richartz, Wilhelm, cand. med., Sayn. 1905. 71-31. Roemheid, Gustav, Predigtamtscandidat, Friedberg. 1903. 22-13. Roth, Carl, Referendar, Giegen. 1900. Rothenburger, Siegfried, Pfarrer, Wahlrod. 1886. 102-22. Sachs, F., stud. med., Erbach i. Odenwald. 1905. Schenk, Dr. E. Freiherr zu Schweinsberg, Chemiker, Gießen. 1898. 67-19. Scherer, Gg., Reg. Bauführer. Schimpf, Ludwig, Oberlehrer, Wöllstein. 1890. 37-3. Schudt, H., Dr. Chemiker, Anklam(Pommern). 1897. 1-17. Schmidt, Hermann, Landgerichtsrat, Darmstadt. 1885. 109-1. Schmidt, Theodor, Tierarzt, Wöllstein. 1897. 23.6. Schneider, Bernhard, cand. med., Trier. 1905. 71-41. Schneider, Ludwig, Gerichtsassessor, Darmstadt. 1809. 34-5. Schönlicht, Albert, Chemiker, Offenbach. 1905. 97-68. Schuchmann, Karl, Seminarlehrer, Friedberg. 1903. 82.46. Schütz, Robert, stud. phil. el., Gießen, 1907. 10-17. Schuldt, Heinrich, Pfarrer, Heidelbach bei Alsfeld. 1888. 11-31. Schulze, Bernhard, Oberlehrer, Bremen. 1900. 92-7. Schulze, Karl, Oberlehrer, Bremen. 1901. 92-7. Schurgens, Dr. jur. Referendar, Gießen. 1901. 100-90. Schwan, Otto, Pr. Apotheker, Krefeld. 1894. 97770. Schwarz, Otto, Dr. Landgerichtsrat, Darmstadt. 9-21. Seeger, Forstreferendar, Gießen. 64-29. Stammler, Georg, Regierungsassessor, Gießen. 1893. 64.33. Stieda, Ludwig, Geh. Rat Professor, Königsberg i. Pr. 78-16. Süffert, Karl, Forstreferendar, Darmstadt. 1904. 71. Swrakoff, Constantin, Dr. Direktor, Schumen(Bulg.). 1896. 34-10 a. Thaer, Fritz, stud. math., Hamburg. 1905. 80.25. Thurn, Burkhard, Referendar, Gießen. 1900. 71-10. Thurn, Erwin, Forstassessor, Gießen. 1907. 71-10. Traber, Friedrich, Gerichtsassessor, Giegen. 1896. 106-77. Trautmann, Gg., Lehramtsreferendar, Gießen. 20.6. Ueberle, Fürstl. Hohenz. Hofkammerassessor, Sigmaringen. 1896. 7126. Wahl, Wilhelm, Pfarrassistent, Lindenfels. 1900. 8029. Waldschmidt, Paul, stud. pharm. 97-60. Wegener, Wilhelm, Dr. Arzt, Eckenheim. 1902 u. 1903. 54-21. Zentgraf, Otto, Regierungsassessor, Eberstadt. 1903. 114-40. . Festgottesdienst. Gehörte der gestrige Abend in erster Linie der aka⸗ demischen Jugend, so trat bei den heutigen Feiern das reifere Alter stärker hervor. Vor allem fielen die Vertreter der fremden Universitäten in ihren würdigen Talaren und Baretts stark ins Auge; unter den Rektormänteln erregte besonders der Greifswalder, ein wahres Kleinod alter Kunst⸗ stickerei, Aufsehen. Unleugbar brachten Talare und Baretts in das nüchterne Einerlei der Fracks und die glänzende Tracht der Hofuniformen erst die eigentümlich akademische Note hinein, und ließen manchen Hetzer von neuem bedauern, daß die Gießener Professorenschaft sich seiner Seit nicht zur Annahme dieser malerischen Amtstracht entschließen konnte. Für diese kirchliche Feier des Danks und der Einkehr waren die hohen, hellen Käume der Johanniskirche, die in ihrem Stil ja starke Anklänge an die Gründungszeit der Uni⸗ versität zeigt, besonders geeignet, und es ist kaum nötig zu bemerken, daß sie bis zum letzten Platz besetzt waren. Einige Minuten vor 9 Uhr trafen die Großherzoglichen Herrschaften ein, wurden an der Osttür von dem Rektor und den Dekanen empfangen und zu ihren Plätzen geleitet. Orgelspiel und der Bach'sche Chor„Cob, Ehre und Weisheit und Dank“ von Herrn Professor Trautmann schwungvoll dirigiert, leiteten stimmungsvoll den Gottesdienst ein, auch in der Liturgie kam der große Meister der evangelischen Kirchenmusik zum Wort mit dem Choral„Amen! zu aller Stund“, den ein Knabenchor unter der bewährten Leitung des Herrn Görlach sang. Die Gemeinde sang nach der Liturgie das jubelnde Bekenntnis„Allein Gott in der Höh' sei Ehr'“, dann bestieg Professor Drews die Kanzel und hielt mit klangvoller Stimme die Festpredigt, die in ihrer freudigen Wärme und Freiheit so recht aus dem Geist der Gießener theologischen Fakultät heraus geschaffen war. Professor Drews legte seiner Predigt den Text I. Co⸗ rinther 15, 1 u. 2 zu Grunde. Ausgehend von dem klnlaß der Feier dieser festlichen Tage, warf er die Frage auf, worin diese Festesfreude ihr Recht habe? Denn alle gesunde Freude ruhe auf innerem Ernst. Den Ernst, der uns in diesen Tagen erfüllen soll, ist, so führte der Redner aus, das Be⸗ wußtsein von der Größe, ja Heiligkeit wissenschaftlicher Ar⸗ beit. Liebe zur Wissenschaft ist uns keine Phrase, sondern die stille Kraft, die ernste Zucht, die uns bei unserer Arbeit erfüllt. Was ist der glänzendste, fesselndste Redner auf dem Katheder, der bestrickendste Schriftsteller, wenn nicht die Liebe zur Wissenschaft die Triebkraft seines Lebens ist? Tönendes Erz, klingende Schelle! Etwas Totes, unfähig, kräftiges Leben zu wecken. Henntnisse, sie stehen in der Wissenschaft wahrlich hoch im Preis, aber nicht Massen von Kenntnissen haben wir zu sammeln, sondern ihre Ein⸗ heit, ihren Geist gilt es zu erfassen. Das vermag aber nur der, der von der Liebe zum Wissen und zur Wahrheit erfaßt; er allein wird vom gelehrten Handwerker zum schaffenden Gelehrten. Don welcher Bedeutung ist der Glaube, die Frömmigkeit für den Theologen! Aber wenn sie ihm den Sinn für die Wahrheit zerbricht, wird er „nichts“; sein Glaube verliert die sieghafte Kraft. Ciebe zur Wissenschaft ist das königliche Gesetz, dem wir alle als akademische Lehrer unterworfen sein müssen, ohne sie sind wir ungeschickt zu unserm heiligen Dienst. Solche Gedanken ziemen sich wohl für den gottesdienst⸗ lichen Ort. Denn Gott ist Liebe und Gott ist Wahrheit. Wer immer mit ganzer Seele einer großen, guten Sache sich hingibt, in dem lebt und wirkt Gott, selbst dann, wenn sein Verstand Gott selbst nicht anerkennen will. Und Gott ist Wahrheit. Nur im Wirklichen, im Wahren wohnt und waltet er, nicht in den Meinungen und Dorurteilen der Menschen. Jedem Gelehrten überkommt bei seinem For⸗ schen einmal die Ehrfurcht vor dem großen Gott, der hinter und in den Dingen waltet, dem Herrn Himmels und der Erde. So führt die Liebe zur Wissenschaft zur Andacht und Anbetung Gottes. 5 5 s 7 heit der Gesinnung, sie ist Charakterbildung. Darum tuen der Nüchternheit des Lebens, der hat den rechten Ernst zur Festesfreude und dem wird wie ein heiliges Gelöbnis Pfarrkirche erhalten wir folgende Mitteilungen: Tedeum. Als Vertreter des Landesbischofs nahm Dom⸗ lichen und akademischen Feier war dringend geboten, denn Wie aber kann diese Liebe sein ohne die Liebe zu Volk und Vaterland, dessen Jugend wir zu höherer Bildung führen sollen? Wahre Bildung ist nicht denkbar ohne Rein⸗ wir unserem Volk einen unersetzlichen Dienst, wenn anders uns nur eine Gesinnung erfüllt, der einst Fichte in Jena Ausdruck verliehen hat am Schluß einer Dorlesung.(Der Kedner zitiert die entsprechenden Worte). Wer diese ideale Gesinnung, die unbestechliche Liebe zur Wahrheit, sei es als Lehrer, sei es als einstiger Schüler, sich bewahrt hat in klingen der alte Wahlspruch der Gießener Studentenschaft: Litteris et armis ad utrumque parati. Amen. Das von der Gemeinde gesungene Lied„Nun danket alle Gott“, Gebet, ein weiterer Chor von Bach„Jauchzet, jauchzet, jauchzet Gott, alle Lande“ und Orgelspiel schlossen die erhebende Feier ab. über den gleichzeitigen Gottesdienst in der katholischen Der katholische Festgottesdienst begann um 9 Uhr in der Pfarrkirche. Er wurde von Dekan Bayer abgehalten und bestand aus Hochamt mit Ministration und kapitular Dr. Bendix von Mainz daran teil, ferner die der katholischen Religion angehörenden Ehrengäste, die beiden katholischen Studentenverbindungen Hasso⸗Rhenania und Nassovia, sowie ein großer Teil der katholischen Ge⸗ meinde Gießen. 8 Festakt in der Aula. Von der Nirche begaben sich die Ehrengäste und die Lehrkörper mit ihren Damen in das Kollegiengebäude, wo ein Imbiß zur Stärkung bereit stand. Die Herren nahmen ihn in der alten großen Aula ein, die Damen in dem Ver⸗ bindungsraum zwischen dem alten haus und der neuen Kula, der trotz seiner geringen Höhe einen festlichen und behag⸗ lichen Eindruck machte. Eine Ruhepause zwischen der kirch⸗ die Fülle der Eindrücke stellte an die Aufnahmefähigkeit der Versammlung nicht geringe Ansprüche. Kurz vor 11 Uhr nahmen alle Geladenen ihre Plätze in der neuen Nula ein, und zwar schritt der Lehrkörper in feierlichem, geschlossenem Zuge in seinen neuen Festraum, dessen Erbauung eins der wertvollsten Geschenke der Regierung an die Universität war. Wer die Kula bisher nur von außen betrachtet hat, wie sie etwas eng zwischen Nollegiengebäude und Physikalischem Institut eingeschoben daliegt, wird über die Innenwirkung ebenso überrascht als erfreut sein. a Weiträumig und hell stellt sich die hohe Halle dem Blicke des von der Goethestraße aus Eintretenden dar, vornehm schlicht in dem Verzicht auf prunkende Verzie⸗ rungen und lebhafte Farben. Daß diese Schlichtheit nicht zur Nüchternheit werde, dafür sorgen vor allem die drei großen Bilder des Landesherrn an der östlichen Schmalseite, die als einzige farbige Flächen den Beschauer sofort beim Eintritt fesseln. 5wischen den stark nachgedunkelten Bildern des Stifters Ludwig V. und des Kestitutors Georg II. 5 leuchtet das Ernst Ludwigs, ein Geschenk Sr. Königl. Hoheit 5 in den lichten Farben moderner Malweise. Heute freilich bringen auch die bunten Fahnen der studentischen Korpo⸗ rationen lebhafte Farben in die zarten Töne der krchitektur. Das hohe dunkle Katheder wird heute leer bleiben, für die Redner sind zam vorderen Rande des mäßig erhöhten Podiums zwei mit blauem Stoff verkleidete Katheder auf⸗ geschlagen, zwischen ihnen etwas zurückgenommen, steht der Sitz Ir. gl. Hoheit, ein mit Purpursamt bezogener alter Nürnberger Sessel von prächtiger Arbeit, davor ein Tisch mit purpurner Decke. Bald nachdem der akademische Lehrkörper und die Herren der Bibliothek auf den Stuhl⸗ reihen des Podiums Platz genommen, führte der Rektor Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und das Gefolge zu ihren Plätzen. Dann kehrte er zu Sr. Königlichen Hoheit in die Vorhalle zurück, und nun hielt der Rector magni- ficentissimus unter Vorantritt der Pedelle mit den schönen alten Szeptern und der vier Dekane seinen feierlichen Ein⸗ zug, während die Festversammlung sich von ihren Sitzen erhob. Nachdem die feierlichen Akkorde der Beethoven'schen Ouvertüre„Sur Weihe des Hauses“ verklungen waren, nahmen Se. Mönigl. Hoheit aus den händen Sr. Exzellenz des Ministers des Innern Braun den Text der Ansprache entgegen und verlasen ihn mit klarer Stimme: Hohe und geehrte Gäste! In Meiner Eigenschaft als Rektor Magnificentissimus der Cudoviciana bgrüße Ich an dem Ehrentage der Feier ihres dreihundertjährigen Bestehens Sie Alle, die Sie aus nah und fern zur Teilnahme an diesem Feste sich zusammen⸗ gefunden haben. Mit besonderer Freude erfüllt es Mich, daß die deut⸗ schen und außerdeutschen Hochschulen und Akademien in so großer Sahl ausgezeichnete Vertreter hierher entsendet haben, die der Hessischen Candesuniversität die Glückwünsche der Schwesteranstalten als wertvolle Seugnisse für die Geistes⸗ gemeinschaft wissenschaftlicher Arbeit überbringen sollen. Neben diesen Männern und den werten übrigen Ehren⸗ gästen, die der Einladung zur heutigen Jubelfeier gefolgt sind, heiße Ich die alten und jungen Angehörigen der Hoch⸗ schule willkommen. Durch ihre Anwesenheit bekunden sie den Stolz, sich Lehrer oder Schüler dieser ehrwürdigen Bildungsstätte nennen zu können, und damit zugleich den Dank für das, was diese ihnen im Austausch wissenschaft⸗ lichen Lehrens und Lernens geboten hat. Bei einem Rückblick auf den Werdegang der Hoch⸗ schule bewegt Mich der Gedanke, daß sie stets treu zu Meinem Hause und Lande gehalten und deren gemeinsame Geschicke in Freud und Leid geteilt hat. Von meinem Ahnherrn, Landgraf Ludwig V., dem Ge⸗ treuen, zu einer Seit gestiftet, als die Deutschland mächtig erfassenden Glaubenskämpfe dem unseligsten aller Kriege zudrängten, läßt auch die Universität in ihrem äußeren und inneren Sustand bei der Wende des ersten Jahrhunderts ihrer Geschichte die kulturverheerenden Folgen jahrzehnte⸗ langer, auf Land und Dolk lastender Leiden deutlich er⸗ kennen. Neue, schwere Bedrängnisse, die der Susammenbruch des alten Reichs und fremdes Joch mit Ablauf des zweiten Jahrhunderts des Bestehens der Ludoviciana gebracht hatten, bedingten in gleicher Weise für die Hochschule einen neuen Tiefstand. Und ebenso ist ihr noch über die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinaus ein nur langsames, der allmählich zunehmenden Wohlfahrt in dem größer ge⸗ wordenen Hessen entsprechendes Wachsen beschieden gewesen. Wenn wir uns so die Schwierigkeiten vor Augen führen, die zu überwinden waren, um die Landesuniversität in trüben und trübsten Seiten vor dem Untergang oder bloßem Scheindasein zu behüten, so werden wir mit Dank erkennen, wie meine Vorfahren den Wert der Hochschule für das Staatsganze richtig gewürdigt haben, der nicht wenigen von ihnen, gleich Mir, durch die eigene Zugehörigkeit zu ihren Studierenden unmittelbar bewußt geworden ist. Mit ihren Ratgebern haben Meine Ahnen es verstanden, unter kluger Kücksichtnahme auf die sonstigen Bedürfnisse des Landes und seine jeweiligen Kräfte die Hochschule lebensfähig zu erhalten und ihr die Grundlagen für den Kufschwung zu sichern, den sie im neuen Reich und namentlich in den beiden letzten Jahrzehnten genommen hat und der durch das außerordentliche Steigen des staatlichen Aufwands für die„chschule wie ihrer Hörerzahl ebenmäßig dargetan wird. Gerne spreche Ich aber dabei gleichzeitig aus, wie die Cudoviciang die ihr gewidmete Fürforge reich gelohnt hat. Vielfach haben im Laufe der Zeiten die Aufgaben gewechselt, die Fortschritt und Wandel des von ihr vermittelten geistigen Strebens und Erkennens der Hochschule stellten. Nie aber ist sie der ihr zukommenden Mitarbeit an dem Kultur⸗ leben des engeren und weiteren Daterlands uneingedenk geblieben. In stattlicher Reihe lassen sich aus Vergangen⸗ heit und Gegenwart der deutschen Wissenschaft die Namen der hervorragenden Gelehrten nennen, die Zierden der Landes⸗ universität waren und sind, deren Werke und Ceistungen bleibenden Einfluß auf die von diesen berührten Wissens⸗ gebiete besitzen, und die als treue Lehrer den höchsten Cohn ihres Wirkens darin gefunden haben und finden, in der zu ihren Füßen sitzenden Jugend idealen Sinn und reges Pflichtbewußtsein zu pflegen und sie mit tüchtigem Wissen und Können für die künftigen Berufe auszustatten. Don solchem Empfinden beseelt und in hoher Schätzung der ererbten Würde eines Rector magnificentissimus der alma mater erachte Ich es als Meine Obliegenheit, ihr wie bisher, so auch künftig ein wohlgesinnter Schützer und Sörderer zu bleiben und ihr, unterstützt von der verständnis⸗ vollen Opferwilligkeit Meiner getreuen Stände, die erforder⸗ lichen materiellen Hilfen, wie nicht minder das volle Maß von Bewegungsfreiheit zu gewähren, ohne die eine für die Allgemeinheit fruchtbringende Arbeit in wissenschaftlicher Forschung und Lehre nicht möglich ist. Indem Ich dies der Ludoviciana verspreche, beglück⸗ wünsche Ich sie zu ihrer Jubelfeier von ganzem Herzen und erhoffe für sie Gottes reichsten Segen und glücklichstes Ge⸗ deihen im kommenden Jahrhundert, wie bis in die fernste Zukunft! Außeren Ausdruck will Ich Meinen wünschen durch die Auszeichnungen, die Ich zum heutigen Tage an Lehrer der Candesuniversität und für Verdienste um sie verliehen habe, sowie durch Mein Bild geben, das Ich für den uns heute vereinigenden neuen Festraum gestiftek. Weiterhin huldige an ihrem Ehrentage der Hochschule die Kunst, der Ich neben den Wissenschaften im Hessenlande eine bevorzugte Heimstätte zu bereiten bestrebt bin, durch diese Kette. Sie ist bestimmt, von jedem Inhaber des Amtes eines Rektors bei besonders feierlichen Anlässen ge⸗ tragen zu werden. Sie soll in den sie zierenden Bildern und Wappenschilden die ZJusammengehörigkeit der Landes⸗ universität mit Meinem Hause und dem hessischen Staate durch die Seiten seines Entstehens hindurch versinnbildlichen und, hergestellt aus Gold und edelem Gestein, bekunden, wie Hessens Fürsten und Volk in der Hochschule immerdar ein wertvollstes Kleinod erblickt haben und ehren. Hierauf hingen Se. Mönigl. Hoheit eigenhändig Sr. Magnifizenz dem Rektor die herrliche Kette um, die von nun an stets den Ehrenschmuck des Rektors der Ludoviciana bilden soll. Sodann bestieg der Rektor das Katheder und dankte Sr. Königl. Hoheit mit folgenden Worten: Allerdurchlauchtigster Großherzog! Allergnädigster Rector magnificentissimus! Tief ehrfurchtsvollen Dank bringe ich Ew. Möniglichen Hoheit dar im Namen der Cudoviciana, der Ew. Königliche Hoheit heute so bedeutungsvolle Beweise landesväterlicher Huld gegeben haben. Die Worte Ew. Ugl. Hoheit sind uns das köstliche Unterpfand einer Gesinnung, die, immerdar auf das Höchste gerichtet, auch der Pflege der Wissenschaften nie ermüdende Hufmerksamkeit widmet und uns die freie Entfaltung unserer Arbeit allzeit gewährleistet. Seit langer Seit steht solchergestalt das geistige Bild Ew. Ugl. Hoheit eingegraben in unserem Herzen. Es ist uns eine tiefempfun⸗ dene Freude, fortan in festlicher Stunde auch mit sinnlichen Augen hinschauen zu dürfen auf die lebensvollen Füge des Fürsten, dessen Person 5 eng mit unserer Hochschule ver⸗ kettet ist. Die Rette, das alte Sinnbild huldvoller Der⸗ ehrung, wie ich sie heute aus den Händen Ew. Agl. Hoheit entgegen nehmen darf, sie ist nicht minder ein Gleichnis dessen, daß unlöslich ineinandergreifen die Glieder der Ge⸗ meinschaft, deren Vertreter die Kette tragen darf. Und Ew. Kgl. Hoheit sind selbst das vornehmste Glied, der leuchtendste Stein in dieser Kette, wie einst als Sohn unserer alma mater, so nun als unser Rector magnificentissimus. Am 16. Januar 1891 durften unsere Studierenden ihrem erlauchten Kommilitonen, dem vielgeliebten Erbprinzen des Landes, beim Flammenschein der Fackeln ihre Huldigung darbringen. Damals entsprang Ew. Agl. Hoheit Unregung der Gedanke, das Band zwischen dem Sürsten und der hohen Schule äußerlich zu bezeichnen in der Würde des Rector magnificentissimus. Ein schöner und großer Ge⸗ danke, der finnfällig bekunden wollte, was lange schon als Tatsache bestand. Dor alten Seiten sind Vorfahren und Vorgänger Ew. Kgl. Hoheit Bürger unserer Hochschule ge⸗ wesen, und es war mehr als einmal ihr Stolz, studierende Landgrafen zu Rektoren des Jahres zu küren, in Erinnerung an die alten Seiten, da auch der Student noch zur Würde des Rektors berufen werden konnte. Und unablässig haben unsere Fürsten das Wohl unserer hohen Schule in der Seele getragen. Manchen landesväterlichen Brief bergen unsere geheimen Schreine, in dem sie mahnend, fragend, teil⸗ nehmend zu uns reden. Ein Ernst Ludwig ist es gewesen, der verfügt hat, daß die astronomischen Instrumente im Nachlaß Philipps von Butzbach der Hochschule zugewiesen worden. Don vielfältigen reichen Schenkungen unserer Für⸗ sten wissen unsere Jahrbücher zu melden. Und besonders liebenswürdig ist der Zug, wie 1654 das gesamte Corpus academicum beim Landgrafen zu Gevatter gebeten wird, eine Cadung, der der Kanzler der Universität als ihr Der⸗ treter Folge geleistet hat. Viele Schicksale fließen vor dem Fürsten zusammen; und viel muß sein Blick umspannen. Er kann nicht Candwirt oder Ingenieur oder Gelehrter sein. Aber dennoch darf der Geist der Wissenschaft sich seinem Geist zumal nahe verwandt fühlen. Ohne Doraussetzungen gehen wir an unsere Rufgaben: das ist das Lebensrecht unseres Daseins. Ganz unbefangen schaut sein Blick in die offene Welt. Empfänglich ist sein Auge für jeden neuen Eindruck, frei und unbefangen seine Entscheidungen, jedem Eigenen gebend, was sein Recht, jedes Kufstreben freudig fördernd. So schauen wir zu Ew. Kgl. Hoheit auf voll von Ehrfurcht und Dank, bittend, daß Ero. Kgl. Hoheit auch ferner unser Schirmherr sei, der Schirmherr alles dessen, was uns hoch und heilig gilt. Alsdann sprach Se. Exzellenz Herr Minister Braun, wie folgt: Allergnädigster Großherzog! Rector magnificentissime! Durchlauchtigste, ochansehnliche Versammlung! Im Namen der Großherzoglichen Regierung habe ich die Ehre, der Alma Mater Ludoviciana zum heutigen Jubel⸗ feste die aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche aus⸗ sprechen zu dürfen. Aus der Reihe der Vertreter der Schwesteranstalten wie aus der Mitte des Lehrkörpers der Landesuniversität selbst wird uns dargelegt werden, welche Mitarbeit von ihr den Hochschulen deutscher unge bei deren nimmer rasten⸗ der Pflege und Mehrung der geistigen Güter der Nation und der Menschheit in den abgelaufenen drei Jahrhunderten geleistet worden ist. Sache des Vertreters der Regierung aber wird es sein, darauf hinzuweisen, was die Universität dem Hessenlande ist. Wir vergegenwärtigen uns hierbei, wie unzählige Söhne unseres engeren Vaterlandes hier nicht bloß fröhliche Tage goldener Jugendzeit verlebt haben, sondern zugleich zu wissen⸗ schaftlichem Denken und geistigem Streben herangebildet wor⸗ den sind. Sie wurden in die Rüstkammern des Wissens geführt, aus denen sie in das ernste Ceben hinaustreten konn⸗ ten, um in Staat und Gemeinde, in Kirche und Schule als treue Beamte oder in freien Berufen dem Volkswohl zu dienen und sich förderlich zu erweisen. Namentlich die weitaus meisten akademisch gebildeten Beamten des Landes haben einen beträchtlichen Übschnitt ihrer Studienzeit hier zugebracht, so daß sie alle das unzerreißbare Band der Erinnerung und Anhänglichkeit an die heimische alma mater umschlingt, die ihnen so unendlich Vieles des Guten, Wahren und Schönen beschert hat. Der besondere Wert der Hochschule für das hessische Staatsleben hat sich fort und fort gesteigert, je mehr im Laufe des vorigen Jahrhunderts die RKeste der für For⸗ schung und Lehre beengenden Schranken aus den Seiten des Absolutismus und des Bekenntniszwangs gefallen sind und je mehr in der Gegenwart das Tätigkeitsfeld der Can⸗ desuniversität sich erweitert hat. Sahlreich ist noch die Schar der Männer, deren Lernjahre die Seit angehört, als der Ruhm Gießens im Husbau der mächtig aufstrebenden Natur⸗ wissenschaften weit über die deutschen Grenzen hinausging. Und selbst für unsere Techniker hatte die Cudoviciana bis in die Mitte der siebziger Jahre einen Teil der Aufgaben zu erfüllen, die jetzt der technischen Hochschule in Darmstadt zukommen, in Gießen aber durch neue wichtigste Cehrgebiete ersetzt sind. Naturgemäß ist nicht immer in den verschiedenen Wissenszweigen die Stärke des Einflusses der einzelnen Lehrer von der Dauer ihres hiesigen Wirkens abhängig gewesen. Wärmsten Dank weihen wir dem Gedächtnisse derer, die durch lange Jahre ihre an Erfolgen reiche Urbeit unserer Hochschule und damit dem Lande gewidmet haben. Aber wir konnten auch schon nach kürzerer Seit so manche hervorragende Kraft in dem Empfinden weggehen sehen, daß der Glanz ihres Namens von der Tätigkeit an der, Cudoviciana vielfach nicht zu trennen sei und daß diese selbst auch auf solche Weise an der Gesamtheit des in den deut⸗ schen Hochschulen regen Geisteslebens ehrenvollen Anteil nimmt. In der Berufung geeigneten Ersatzes wird dabei von der Regierung in nicht geringem Umfang ihre Fürsorge⸗ pflicht für die Candesuniversität gerne betätigt. Auch nach der materiellen Seite hat es der Hochschule an jeglicher Förderung durch den Staat nicht gefehlt. Von den Ständen des Landes jederzeit opferwillig unterstützt und mit ihnen durchdrungen von dem Segen, der für wichtigste Lebensformen vor allem unseres hessischen Volkstums von der Hochschule ausgegangen ist, konnte die Regierung zwar mitunter nicht alle Wünsche erfüllen, aber doch in wachsen⸗ dem Maße die für das Land sehr erheblichen Mittel bereit⸗ stellen, welche die Hochschule zur Erreichung der ihr von der Wissenschaft ständig höher gesteckten Siele bedurfte. Was in dieser Hinsicht gerade unter Großherzog Ernst Ludwig geschehen ist, bezeugen die zahlreichen neuen Universitäts⸗ gebäude und die viele Millionen betragenden Suschüsse, die in unseren Staatsbudgets aufgeführt sind. Gewiß muß ein solches Schaffen der äußeren Beding⸗ ungen für das Gedeihen der Hochschule die Beziehungen zwischen ihr und der Regierung freundlich gestalten. Wir sind uns aber bewußt, daß im Verhältnis beider zueinander die finanziellen Leistungen des Staats allein das gegen⸗ seltige Vertrauen nicht begründen, dessen wir uns freuen und das zu bewahren und zu vertiefen allen hierfür Ver⸗ antwortlichen am herzen liegen muß. Es beruht dieses Vertrauen zumeist darauf, daß der Hochschule, wie schon angedeutet, allmählich ein reichstes Raß der Freiheit zu eigener Kraftentfaltung eingeräumt worden ist. Wir wollen die Hochschule und ihre Lehrer nicht im einseitigen Dienste politischer oder wirtschaftspolitischer Tagesfragen sehen und lehnen es ab, uns bei der Besetzung der Lehrstühle, wie bei der Schätzung ihrer Inhaber, von der Rücksichtnahme auf derartige Fragen leiten zu lassen. Dieser Standpunkt der Großherzoglichen Regierung kommt neben der weitgehen⸗ den Selbständigkeit der Candesuniversität in der Derwal⸗ kung ihrer kingelegenheiten noch zu stärkerem Kusdruck in der staatlichen Anerkennung des Vorschlagsrechts des großen Senats bei den Berufungen. Wir dürfen mit Stolz sagen, daß die auf der Freiheit der Forschung sich aufbauende Freiheit der Lehre dem Lande nur zum Heile gewesen ist und die Kulturwerte reich entwickelt hat, die in die Obhut der Hochschule gegeben find. Daß der Wissenschaft die uneingeschränkte Bewegungs⸗ möglichkeit auch fernerhin an der Cudoviciana erhalten bleiben soll, ist ihr aus dem Munde des Kllergnädigsten Rector magnificentissimus bereits gelobt worden. Dies erhöht für den Vertreter der Staatsregierung die Freude, sich zu gleicher Schutzbereitschaft aus eigener Überzeugung zu bekennen und in ihr die Kichtschnur für das Zusammen⸗ wirken mit der Hochschule zu finden. In diesem Sinne bleiben wir der Worte Cudwigs des Getreuen in dem Privi⸗ legienbrief für die neu gegründete Univerfität eingedenk: „daß über solche Freiheiten steif und fest gehalten und darwider keineswegs getan werde, in keinerlei Weise noch Wege, wie solckes Renschen Sinnen immer erdenken möge.“ Hls Festgabe und Andenken an diese feierliche Stunde widmet die Großherzogliche Regierung der Hochschule und ihren Gästen eine Plakette. Sie zeigt uns das Bild des vielgeliebten Candesherrn und eine Jünglingsgestalt, die mit Waffe und Fackel in den händen über ein erlegtes Untier wegschreitet:„Armis et litteris ad utrumque parati“ auf dem Kriegsbanner zog 1621 die Gießener Studentenschaft gegen Ernst von Mansfeld aus. Hieran sich anlehnend will die Plakette den Gedanken künstlerisch verkörpern, wie un⸗ serer Jugend die Wissenschaft Wehr und Licht sein soll auf der Bahn zur Erkenntnis und Wahrheit, hinweg über alles Widrige und Niedrige. Möge es der Ludoviciana beschieden sein, den Leben⸗ den und Kommenden in fernerer treuer Arbeit die Leuchte voranzutragen im Dienste der Wahrheit und der Volkswohl⸗ fahrt, zum eigenen Ruhme und zur Ehre der deutschen Wissen⸗ schaft für und für.— Die Antwort des Rektors brachte vor allem den Dank für das reiche Maß von Dertrauen zum Ausdruck, das die Regierung der Universität stets entgegengebracht und so⸗ eben durch den Mund des Ministers wieder bekräftigt hat. Gerade in unserer Seit, wo das alte Sondertum der Uni⸗ versitäten vielfach zurückgedrängt wird, ist es besonders freudig zu begrüßen, daß die Regierung der Ludoviciana das Recht der Selbstbestimmung ungeschmälert wahrt. Die unab⸗ lässig neu andrängenden Aufgaben werden freilich immer neue Wünsche und Bitten an die Regierung zeitigen, aber nicht das ihrige sucht die Universität, sondern das Wohl derer, zu denen sie gesandt ist. Auf diese Dankrede an die Regierung folgte die all⸗ gemeine Begrüßungsrede des Rektors, die wir wegen ihrer Tänge nur im Auszug mitteilen können. S. Magnifizenz gab zunächst der Freude darüber Rus⸗ druck, daß diese erste Feier in der neuen hohen Halle, der ernst frohe Gedenktag der Ludoviciana in eine Seit reicher und freier Entwicklung des engeren und des weiteren Dater⸗ landes fällt, während vor 100 Jahren die Not der Seiten jede Feier verbot. Er gedachte sodann mit Trauer des in der Fülle der Kraft geschiedenen Professors Stade, der auch für diese Feier seine feurige Natur eingesetzt hat, und mit Bedauern der Krankheit Professors Bostroems, die ihn zwang, 310 die Leitung der Universität im Jubiläumsjahr zu ver⸗ zichten. Als ein Geburtstagskind mit grauen Haaren aber frischer Kraft stellte der Rektor die Cudoviciana hin und verfolgte in raschem Überblick die wechselnden Linien ihrer Entwicklung. Neben Tagen leuchtenden Glanzes, wo ein großer Forscher Schüler aus aller Welt um sich schart, stehen Seiten des traurigsten Niedergangs. Drastische Belege sind die Außerung Laukhards um 1790:„schlechtere Professoren gab es wohl nirgends“, und die im 17. Jahrhundert häufig wiederkehrenden Klagen über Unfleiß der Lehrenden und Lernenden, die zu den verzweifeltsten Mitteln, sogar zur Beseitigung der Ferien(auf dem Papier!) führten. Sehr merkwürdige Beispiele zeigen, daß manche Forde⸗ rungen des Tages, oder selbst der Zukunft vor vielen Gene⸗ rationen vorübergehend bereits an der Ludoviciana verwirk⸗ licht waren: Über Zeitungswesen ist schon 1704 eine Vor⸗ lesung gehalten worden, eine fünfte ökonomische Fakultät hat im 18. Jahrhundert ein Jahrzehnt lang bestanden, englische und französische Cektoren spielen im 17. Jahrhun⸗ dert eine Rolle an der Universität. Sahlreiche Damen haben Hlusgang des 18. Jahrhunderts Cromes politisch⸗statistische Vorlesungen gehört, 1815 ist einer Frau von Siebold in Darmstadt ehrenhalber, zwei Jahre später ihrer Tochter auf Grund einer wissenschaftlichen Abhandlung und Thesen die medizinische Doktorwürde verliehen, 1831 Caroline Sim⸗ mermann in der medizinischen Fakultät immatrikuliert worden. Eng verbunden sind die Schicksale der Hochschule mit denen des Vaterlandes, so haben die Nöte des 30 jährigen, des siebenjährigen und der Revolutionskriege ihr übel mit⸗ gespielt. Daß die Universität 1798 dem General Bernadotte wegen seines Entgegenkommens den Ehrendoktor verlieh, findet heute ein liebenswürdiges Nachspiel in einer Botschaft König Oskars von Schweden, deren Träger ein schwedi⸗ scher Ehrendoktor der Gießener theologischen Fakultät ist. 15 Jahre nach dem Bernadotte dargebrachten Fackelzug feiert die Studentenschaft den Feldmarschall Blücher und zieht mit aus in den heiligen Kampf getreu dem Wahlspruch „litteris et armis ad utrumque parati.“ Freilich ist in ütteris das Bereitsein nicht alles. Selt⸗ sam, daß der im Dolkslied und Märchen so reich schaffende Hessenstamm an dem mächtigen Aufschwung literarischen Lebens in Deutschland so wenig tätigen Anteil genommen hat. Einige Studentenaufführungen im 17. Jahrhundert, eine Nachtmusik für den 1771 durchreisenden Wieland sind fast die einzigen Spuren literarischer Interessen an der Gie⸗ ßener Universität. Weder der junge Goethe noch Klinger haben hier festen Fuß gefaßt. Die Universität hat in Sachen der Dichtung ein böo⸗ tisches Leben geführt, ihrer Hauptaufgabe hat sie besser genügt. Seit alters ist sie die Universität des Landes ge⸗ wesen, das geistige Gedeihen des Hessenvolkes ist wenigstens zum Ceil ihr zu Gute zu schreiben. Unter den Fakultäten hat eine hervorragende Stellung die theologische inne. Aus theologischen Kämpfen ist die Ludoviciana geboren, theolo⸗ gische Kämpfe haben sie im ersten Jahrhundert ihres Be⸗ stehens durchbraust, und in unserer Seit hat die in Einheit und Freiheit unvergleichliche theologische Fakultät an der Neubegründung der Wissenschaft vom kilten Testament be⸗ deutsam mitgearbeitet. Im 18. Jahrhundert gewann die juristische Fakultät Ansehen, erst spät sind die lange vernachlässigte medizinische und die philosophische Fakultät hervorgetreten. Der Wissenschaft dienend stand die Cudoviciana zugleich im Dienst der großen nationalen Hufgaben. Gern gedenken wir der Tage, da sich unter der Gießener studierenden Jugend die Gedanken der Burschenschaft entzündeten, die nachhaltig eingreifen durften in das Kufsteigen des vaterländischen Be⸗ wußtseins. Wechselnd gestalten sich die nationalen Kufgaben in den verschiedenen Zeiten. Die Universität ist entstanden in einer Zeit, die überall an das Alte pochte, um zu prüfen, was noch vollwertig sei für das Dasein. kluch unsere Seit will alte Werte umwerten und ringt stürmisch nach neuer Gestaltung. In Recht und Kunst sind alte Formen zer⸗ brochen, neue werden gesucht. Auch das Aufgeben der lateinischen Sprache in unsern Doktordiplomen ist ein kleines Sinnbild für den gewaltigen Umschwung, der uns loslöst von Geist und Formen des Altertums. Man kann über das erbrechen der Einheit klassischer Bildung trauern, und doch das Verlangen der Gegenwart verstehen. aus den Uräften 1 . . 5 unserer Seit, unseres Volks eine eigene Bildung zu schaffen. Freilich liegt in dem Riß, der durch unsere Bildung geht, für die Universität eine Gefahr. Cateinlose, Volksschullehrer, Frauen streben zu den Toren der Universität, sie alle ver⸗ schieden an geistiger Sprache. Mit Sorgen legen wir uns die Frage vor, wie finden wir eine neue Sprache für die, die der Turmbau geschieden hat, wie leiten wir sie wieder zum Ganzen, dem sie dienen sollen wie wir.— Mit einem herzlichen Dank an alle Gäste, die gekommen sind, weil sie Anteil nehmen an dem Ringen und Denken der Ludoviciana, und mit einem vertrauensvollen Rusblick in die Zukunft, schloß der Rektor seine Begrüßung. s Hierauf bestieg der zweite Präsident der ersten Kammer, Seine Erlaucht Graf zu Erbach⸗Fürstenau, das Katheder: Die erste Kammer hat je und je den lebhaftesten Anteil am Blühen und Gedeihen der Universität genommen und wird auch künftig für sie tun, was nach Lage der Der⸗ hältnisse möglich ist. Sie fühlt sich verpflichtet, für das Gedeihen der Universität Gießen zu sorgen, denn damit 3 9 wird eine Kulturarbeit geleistet, die weit über die Grenzen Hessens, ja Deutschlands hinauswirkt. Ihm folgte unmittelbar der erste Präsident der zweiten Kammer, Geh. Regierungsrat Haas. Der Redner hebt hervor, eine wie stattliche Anzahl früherer und jetziger Angehöriger der Universität sich ein⸗ gefunden haben, um in Erinnerung an glückliche Jugendtage das Jubelfest der alma mater zu begehen, die sie für den Kampf des Lebens gestärkt hat. Mit berechtigtem Stolz blickt auch die zweite Kammer auf die ausgezeichnete wissen⸗ schaftliche Wirksamkeit der Cudoviciana, mit Stolz sagt sie sich aber auch, daß sie stets bereit war, dasjenige zu bewilligen, was für die Universität nötig war. Wenn es sich um die Angelegenheiten der Ludoviciana handelt, verstummt aller Streit in unserer Mitte. sein, daß diese gute Gesinnung im Landtage immer be⸗ stehen bleiben wird. Möge unsere Hochschule zum Heile des hessischen Landes blühen ad saecula saeculorum. Für beide Reden dankte der Rektor in einer gemein⸗ samen KUntwort. Er hob dankbar hervor, daß die Fülle stattlicher Institute und Uliniken, das starke Unwachsen der Sahl der Lehrstühle, neben der Fürsorge der Regierung dem stets bereiten Opferwillen unserer Landstände ver⸗ dankt wird. In der Fürsorge für die Bedürfnisse der Landesuniversität sind alle Parteien einig. Auch diese Feier ist durch die reichen Spenden der Landstände ermög⸗ licht worden und auch der Schatz, dessen Ertrag der Uni⸗ versität zu freier Verfügung stehen soll, ist eine hocherwünschte Gabe. Nicht in dem Gedanken, daß Bar sich wieder in Bar bezahlt machen solle, bringen die Landstände ihre Opfer, sondern durchdrungen von der tiefen Bedeutung der Uni⸗ versitas für das allgemeine Leben des Volkes.— In solcher Betätigung kann der kleinere Staat es getrost dem größeren Genossen zuvortun.— In hessen ist gut leben.— Für das Großherzogliche Oberkonsistorium sprach sein Präsident Herr Nebel. Der Ludoviciana zu ihrem 300 jährigen Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche darzubringen ist für die hessische Landeskirche ein Bedürfnis. Ist doch die Ludoviciana seit ihrer Begründung der feste Hort der Landeskirche gewesen. Huch heute, wo wir die strenge Bindung an kirchliche Vor⸗ schriften und Lehrbücher nicht mehr kennen, hat sich ihr Einfluß nicht geändert, denn sie gibt den Dienern der Kirche für das Leben den Geist mit, der schon in Philipp dem Großmütigen lebte, den Geist des kirchlichen Friedens und der Duldung. Im verflossenen Jahrhundert hat die theo⸗ logische Fakultät der hessischen Landeskirche und damit auch 10 Die Ludoviciana kann überzeugt, Einheit, im Sweifelhaften Freiheit, in allem Liebe.“ dem hessischen Staate einen großen Dienst geleistet, denn sie hat zum Teil recht fremdartige Gebiete mit dem Geiste der hessischen Landeskirche durchdrungen. Mögen auch künftighin von ihr Männer ausgebildet werden, die in christlichem Glauben zu Volk und Daterland stehen. In seiner Antwort berührte der Rektor die eigentüm⸗ lichen Schwierigkeiten, die der Universität aus ihrem Doppel⸗ beruf, der reinen Wissenschaft zu dienen, und die Jugend für das handelnde Leben auszurüsten, gerade auf dem Ge⸗ biete der Theologie erwachsen. Hier wird das Neue nicht ohne Schmerzen geboren, und dennoch kann die Wissenschaft den Fuß nicht anhalten. In der festen Suversicht, daß keine Erkenntnis in weltlichen wie in geistlichen Dingen der Ehr⸗ furcht vor dem Göttlichen Abbruch tut, glaubt die Universität der Kirche am besten zu dienen, wenn sie der Jugend nichts Menschliches und Göttliches vorenthält. Nirgends em⸗ pfindet die Universität einen Gegensatz zur Kirche, Männer wie Stade und Reischle sind in hohem Maße in der Kirche und für die Hirche tätig gewesen. Das glückliche Einver⸗ nehmen zwischen Kirche und Universität ist durch die Worte des Präsidenten wieder bekräftigt worden. Herr Domkapitular Bendix, der die Glück⸗ und Segens⸗ wünsche des Bischofs von Mainz überbringt, schätzt sich als alter Gießener Schüler glücklich, zu diesem Kuftrag erwählt zu sein. Bei der Entstehung der Ludoviciana hatte sie freilich keinerlei Beziehung zur katholischen Kirche, die Mainzer Universität war in dieser Beziehung ein Gegen⸗ stück zur Gießener. Aber die neuen politischen Verhältnisse haben auch den Katholiken die alma mater Ludovi- ciana als Hochschule geschenkt und sie anerkennen nach jeder Richtung die großen und bedeutenden Leistungen der Universität. Keine Aufgabe kann schöner sein als die der Lehrer der Universität, der Wissenschaft, der Wahrheit zu dienen, einmal um sie zu fördern, dann aber auch, um sie in die Herzen der heranwachsenden Jugend einzu⸗ pflanzen, diese zu charaktervollen Männern zu erziehen, die wissen, was die Wahrheit für ihr Leben bedeutet. Wir danken es der Ludoviciana, daß sie seit langer Zeit Beamte und Geistliche der Schwesterkirche herangebildet hat, mit denen wir im amtlichen Verkehr friedliche und freund⸗ schaftliche Verhältnisse pflegen, das garantiert Glück und Segen für Staat und Uirche. Huch mit der katholischen Kirche haben die Unt⸗ versität, so führte der Rektor in seiner Erwiderung aus, einst dieselben Bande verknüpft, wie mit der evangelischen. Dankbar begrüßen wir heute die Klänge freundlicher Erinnerung an jene Tage und wissen es als liebenswürdige Kufmerksamkeit zu würdigen, daß der Hochwürdigste Herr Bischof zu uns einen Mann entsendet hat, der selbst Schüler unserer Universität gewesen ist. Der Geist der Wissenschaft leitet milde hinüber über die feineren Spalten und Risse, die im Glauben und Fühlen sich öffnen. In der Wissenschaft heiligen Hallen wächst die Achtung vor dem Ernst des Strebens vor der weitumschauenden Gelehr⸗ samkeit, mag sie sich finden wo sie wolle. Gern bekennen wir uns zu Kugustinus' schönem Wort:„Im Notwendigen Ver⸗ schiedenheit muß nicht zum Gegensatz werden, den keine Liebe überbrückte. In dieser Gesinnung reichen wir Ihnen heute mit herzlichem Dank die Hand. Die Universitäten wurden durch mehrere Redner ver⸗ treten. Zunächst sprachen Se. Magnifizenz der Rektor der Universität Heidelberg, herr Geheimrat Prof. Dr. Jellinek. Die versammelten Rektoren der deutschen Universitäten haben dem Rektor der ältesten unter ihnen den Auftrag gegeben, in ihrer aller Namen der Ludoviciana zu gratu⸗ lieren. Mögen auch die einzelnen in Abrissen ihre Glück⸗ wünsche niedergelegt haben, in solchem Augenblick zeigt es sich, daß über den einzelnen Universitäten eine gemeinsame Universitas steht, die durch einen Mund aller Gefühle aus⸗ zusprechen vermag. Als die Cudoviciana gegründet wurde, Konnte ein geschärftes Auge bereits am Horizonte die furcht⸗ bare Wetterwolke aufsteigen sehen, die bald unsägliche Not auf Deutschland herniederströmen ließ, bei ihrem hundert⸗ jährigen Bestehen mußte sie zurückblicken auf viele Jahre des Elends, war doch die junge Saat neuer Kultur durch die Horden des Sonnenkönigs niedergetreten, als sich das zweite Jahrhundert vollendete, lag das gemeinsame Vaterland aus tausend Wunden blutend am Boden, heute aber kann die Ludoviciana aufjauchzen und fest vertrauen auf das große, mächtige, einige Deutschland, welches uns gegen eine Welt von Feinden schützt. An dieser Wendung des Schicksals hat auch die Ludoviciana wie alle anderen deutschen Universitäten mitgewirkt. Was die glorreichen Männer der Tat vollendet haben, das haben die deutschen Universitäten in schweren Kämpfen zu schaffen begonnen. Auch heute noch ist die nationale Aufgabe der Universitäten nicht beendet. Die Eigenart unseres Reiches ist nicht nur Einheit, sondern Vielheit in der Einheit zu sein, die die Mannigfaltigkeit des deutschen Lebens zum Rusdruck bringt. Von einem Sentrum aus strahlt die Macht, aber nicht die Kultur, darum hat jede unserer Universitäten die doppelte Aufgabe, Landesuniversität und deutsche Universität zu sein. Dieser Aufgabe hat auch Gießen in vollem Maße genügt, es hat gezeigt, was Hessen für die deutsche Wissenschaft zu leisten vermag, und dadurch die staatliche Selbständigkeit Hessens tiefer begründet. Was die Vergangenheit begonnen, das möge die Zukunft vollenden. Sodann für die österreichischen Universitäten Se. Magni⸗ fizenz der Rektor der Universität Wien, Herr Professor Dr. Meyer⸗Cübke. Der Rektor der Wiener Universität ist glücklich, die Glückwünsche aller deutschen Hochschulen Gsterreichs über⸗ bringen zu dürfen. Swischen allen deutschen Universitäten besteht ein eigenartiger Wettbewerb, der zum Teil auf der Freizügigkeit der Professoren durch alle deutschen Länder beruht. Dieser Kustausch zieht tausend persönliche Fäden hin⸗ über und herüber, er hat neben dem politischen Bündnis ein geistiges Band geschaffen, bei dem nicht nur der Realis⸗ mus sondern auch der Idealismus mitzureden hat. Alle deut⸗ schen Universitäten zeigen ein gleichmäßiges Sichheben und Senken, darum fassen alle deutschen Universitäten Gsterreichs ihre Wünsche dahin zusammen, es möge der Universität Gie⸗ ßen ein Gedeihen zum Heile der Gesamtuniversitäten be⸗ schieden sein. Hür die schweizer Universitäten Seine Magnifizenz der Rektor der Universität Basel, Herr Professor Meyer. Die Universitäten der deutschen Schweiz entbieten durch den Vertreter Basels, der ältesten schweizerischen Universität, der Ludoviciana Gruß und Glückwunsch. Auch wir fühlen uns als ein Glied der großen Familie deutscher Universitäten und brauchen heute in Gießen nicht den unfreundlichen Will⸗ komm zu fürchten, der uns vor 300 Jahren als dem greu⸗ lichen Irrtum des Swinglianismus Verfallenen zuteil ge⸗ worden wäre. Die Universitäten deutscher Zunge bilden einen Teil jener großen geistigen Kulturgemeinschaft, die nicht Halt macht vor den politischen Grenzen, sondern über jene Grenzen ihre Fäden hinausspinnt. Die akademischen Hus⸗ tauschprofessoren zwischen der Schweiz und Deutschland sind nicht erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Eine große Gruppe von Professoren der Ludoviciana hat ihre Schritte von Basel nach Gießen gelenkt, und auch Eure Magnifizenz wird die Jahre in der Universität ob dem grünen Rhein nicht zu den verlorenen rechnen. Möge der stolze Bau der Cudoviciana halten und sich immer mehr ausgestalten von Jahrhundert zu Jahrhundert. 11 Endlich Herr Professor Dr. Simon aus Baltimore im Namen der Universitäten jenseits des Ozeans. Der Redner ist tief ergriffen vom Gefühl der Dankbar⸗ keit gegen diese Hochschule, bei der er den Grundstein legte für sein späteres Tun und Schaffen. Dazu kommen die Gefühle der Freude über den Aufschwung, den die alma mater genommen hat, seit er vor 25 Jahren hier immatri⸗ kuliert wurde, und der Genugtuung, daß er heute als Ver⸗ treter seiner Lehranstalt jenseits des Gzeans stehen darf, an der er seit 30 Jahren deutschem Wissen und deutscher Gründlichkeit Geltung zu verschaffen sucht. Obwohl er nicht das Recht hat, hier für die amerikanischen Universitäten zu sprechen, so möchte er doch betonen, daß man drüben durchaus weiß, wie die deutsche Wissenschaft, die deutschen Universitäten bahnbrechend und hervorragend wirken. Der Redner überreicht zum Schluß eine Adresse seiner Universität und schließt mit besten Wünschen für das Blühen und Ge⸗ deihen der Ludoviciana. Alle vier Reden beantwortete der Rektor gemeinsam. ls treuen Genossen vom Handwerk dankte er den hier erschienenen Vertretern der Universitäten. In der weiten Universitas, dem Freistaat der Wissenschaft, ist jedes Glied eine besondere Welt. So rühmen wir uns unserer Jugend, Geschlossenheit, der einzigartigen Bande, die uns mit der Regierung verknüpfen, und nehmen als Mehrseite der freien Selbstbestimmung das etwas reiche Maß von Sitzungen und Schriftstücken gern mit in den Kauf. Das Sondertum der einzelnen Universität verschwindet aber gegenüber der Einheit aller in der gemeinsamen Geistesarbeit. Auch in den Personen liegt die Einheit der großen Universitas. Wohl an jeder Hochschule des deutschen Reiches sitzt ein alter Gießener in Treuen unser gedenkend, nicht weniger als sechs von uns haben in Basel gelehrt und reichen Ertrag mitgebracht von der Schweizer uns so nahem Geist. Dieser Austausch ist zugleich ein Sinnbild für die Beweglichkeit, die in der gesamten Universitas durch alle Seiten lebt. Alle staat⸗ lichen Umwälzungen, Bundschuh, Revolution und Reaktion hat sie überlebt und sich stets in neue Seiten, neue Bildungs⸗ ideale gefunden, ohne sich selbst zu verlieren. Das mag denen zu denken geben, die uns nicht günstig gesinnt sind, die da meinen, wir geben der Seit nicht mehr genug. An einem Tage wie heute, freuen wir uns der weiten Kreise, die unsern Wert nicht umgewertet haben, so ist unser Ehrentag zugleich ein Ehrentag für die gesamte Universitas derer, die heute brüderlich mit uns verbunden sind. Den schwesterlichen Gruß der technischen Hochschule zu Darmstadt entbietet der Rektor Prof. Dr. Gutermuth. Die junge Hochschule hat besonderen Anlaß an der Jubelfeier der Ludoviciana teilzunehmen, denn beide erwachsen aus gemeinsamem vaterländischem Boden und erfreuen sich gleicher landesherrlicher Fürsorge. Beide leben den gleichen hohen idealen Sielen, beide wollen die heranwachsenden Jünglinge für ihre spätere Kulturmission vorbereiten. Den Ausdruck der aufrichtigen Wertschätzung und Dankbarkeit für die alte Lehrmeisterin enthält eine Adresse der Hochschule, die der Rektor überreicht. wei Töchter derselben Mutter nennt der Rektor in seiner Dankrede Technische Hochschule und Universität, beide gezeugt von dem Drang zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält und mit solcher Erkenntnis ein⸗ zugreifen in den Gang der Welt. In prächtigen Bildern stellt er Materie und Leistungen beider Hochschulen in Pa⸗ rallele. Beide freuen sich neidlos der gegenseitigen Blüte, vereint sind sie unüberwindlich, ein mächtig Bollwerk deut⸗ scher Kultur. Es folgten die Vertreter der Akademien und gelehrten Körperschaften, zuerst Herr Wirklicher Geheimer Oberregie⸗ rungsrat Professor Dr. Harnack aus Berlin, bekanntlich einst eine Zierde der Ludoviciana. Er sagte etwa: Im Namen und Auftrag der Akademien der Wissen⸗ schaft von Göttingen, Leipzig, München, Wien und Berlin diese ich zu sprechen und die allerherzlichsten Glückwünsche ieser Akademien der Ludoviciana darzubringen. Den Universitäten und Akademien gemeinsam ist die Pflege der Wissenschaft anvertraut. Warum es noch zwei sind, warum es zweckmäßig ist, daß Akademien neben Universitäten be⸗ stehen, darüber zu sprechen wäre nicht zweckmäßig. Jie sind beide da und sie haben ein und dieselbe Kufgabe, die Pflege der Wissenschaft. Aber die Universitäten haben dar⸗ über hinaus noch eine zweite Aufgabe. Sie sollen die Jugend in die Wissenschaft einführen, der Jugend Wissen⸗ schaft lehren. So ist es nicht immer gewesen. Beamte, tüchtige Beamte auf Grund einer festen Lehrtradition dem Staate und der Kirche zu schaffen, das ist immer ihre Auf⸗ gabe gewesen; aber die Jugend einzuführen in die Wissen⸗ schaft und die Forschung, sie wirklich vor die Probleme zu stellen, die Aufgabe ist noch nicht so alt. Und daß die Universitäten diese Aufgaben im Laufe des 18. Jahrhunderts übernommen haben, ist nicht ganz ohne Einfluß der KHka⸗ demien gewesen. Aber darüber zu sprechen, wäre auch nicht zweckmäßig. Vor die Wissenschaft die zukünftigen Beamten in Kirche und Staat zu stellen, mit der Über⸗ zeugung, daß nichts verloren ist, sondern alles gewonnen ist, wenn wir sie in allen Zweifeln, in allen Fragen, in dem ganzen Chaos hin und her geworfen haben. Denn leider ist die Wissenschaft nicht in der Lage, nur beantwortete Fragen zu stellen, und manchmal ist es ein richtiger Hexen⸗ sabath von Fragen. Warum dürfen wir das und müssen wünschen, daß ebenso die Universitäten dies fortsetzen? Weil neben der Erschütterung, die hier der Jugend bevorsteht, ihrer einer Fesligung harrt, indem sie zum Bau der Wissen⸗ schaft geführt werden, vor die größten einheitlichen Tradi⸗ tionen geführt worden, die es überhaupt in der ganzen Welt gibt. Denn die Wissenschaft ist ein Bau, an dem ist ständig fortge baut worden, in verschiedenem Tempo, aber eigentlich hat die Sache nie still gestanden. Ein Stein hat sich zum andern gefügt. Das war schon ein großes Gebäude, 0 hier noch Wotan verehrt wurde. Das war ein großes Cebäude 3—400 Jahre vor unserer Seitrechnung. Immer dasselbe Gebäude, das eine, einzige, große Gebäude. welche Dynastie, welche Menschenverrichtung kann sich irgendwie an Alter, an Formenreichtum des Kufbaues ver⸗ gleichen mit diesem einen Ding? Denn sie ist eine Einheit, die Wissenschaft. Und wir wissen, daß jeder, der es ehrlich und ernst mit der Aufgabe, Wissenschaft zu treiben, nimmt, deshalb die doppelte Erfahrung machen muß. Die Er⸗ fahrung, die ich zuerst geschildert habe, daß es ihm grün und sehwarz vor den KHugen wird, und daß er tastend seinen Weg erst suchen muß. Andererseits aber die Er⸗ fahrung, daß hier alles von Dauer geschaffen worden ist. Daß er erst zu lernen hat, was gearbeitet ist und nur an einer Spitze, wenn einem Gott die Freude beschert, schließ⸗ lich auch selbftändig einzugreifen, mitzuarbeiten vermag an der Wissenschaft, an unserem zweiten Ceben im logos über dem Leben. In diesem Sinne wünsche ich im Namen der befreundeten Universitäten der Ludoviciana Heil und Gottes Segen und ich bin gewiß, das, was sie alles schon geleistet hat, die sicherste Bürgschaft ist, daß sie auch den neuen Aufgaben, die den Universitäten bevorstehen, es sind so viel, daß nicht die Finger reichen, sie aufzuzählen, gewachsen ist. Denken Sie an die sogenannten University⸗Extension, die Bildungsstufen, die bisher nur indirekt mit der Universität etwas zu tun gehabt und von ihren Früchten sich genährt haben, sie wollen mehr haben. Denken Sie an die Kurse, an die Lehrer, die nach vier Jahren wieder neues lernen wollen. Aber die Universität, die sich in die Wissenschaft, in den großen Bau fest eingefügt hat, sie wird auch diesen neuen Aufgaben entsprechen. Doran die Ludo⸗ viciana, die niemals hinten marschiert! Ihm schloß sich an Seine Exzellenz der Wirkliche Ge⸗ heimrat Professor Dr. Schmidt. 5 Er bringt der LCudoviciang die Grüße der Jencken⸗ bergischen Stiftung in Frankfurt a. M. Die Familie Senckenberg, im 17. Jahrhundert aus dem Osten Deutsch⸗ lands in unsere Gegend eingewandert, hat mehrere Gene⸗ rationen hindurch enge Beziehungen zur Gießener Universität gehabt. Der Gründer der Senckenbergischen Stiftung in Frankfurt, hat diese Beziehungen erneut dadurch, daß er für den Fall des Aussterbens seiner Familie die Dekane der juristischen oder medizinischen Fakultät zu Revisoren ernannte. Seit 65 Jahren üben die Dekane diese Revisions⸗ pflicht treulich aus. Der Redner vergleicht weiter das Auf⸗ blühen der Universität und der Senckenbergischen Stiftung im letzten Jahrzehnt und hofft auf Fortbestand der freund⸗ schaftlichen Beziehungen zwischen beiden. In seiner gemeinsamen Dankrede verglich der Rektor die Tätigkeit der Akademien dem Großbetrieb, die der Universität der Einzelwirtschaft. Die Universität faßt die mannigfaltigen Tätigkeiten der Einzelnen zur Einheit zusammen, in der jeder Teil den andern ergänzt, die Akademien einen das einzelne Gleichartige, um es zu verstärkter Wirkung zu bringen. An der Geschichte der Berliner Akademie zeigt der Redner so⸗ dann, wie sich diese älteste Akademie von manchen ihr nach französischem Vorbild gestellten Aufgaben befreit hat. In unsern Tagen hat sie sich mit glücklichem Eifer in den Dienst des besonderen deutschen Wesens gestellt und auf diesem Gebiet erhofft der Redner von den Akademien noch Großes in der Zukunft. Die Liebe zu unserer Sprache, zu unserem Volkstum ist auch für die, die im Seichen reiner Wissen⸗ schaft sich zusammenfinden, doch schließlich das stärkste, das dauerndste Band. Für die Hochschule für Jozial⸗ und Handelswissenschaften 1 1 a. M. sprach der Rektor Herr Professor Dr. ohle. Er hob hervor, daß bei der Begründung dieser jüngsten Hochschule vor sechs Jahren der damalige Rektor der Gießener Universität gleichsam Pate gestanden habe. Die Gießener Universität hat seit lange nicht nur die Wissenschaft gepflegt, die die feinste Blüte unserer Kultur darstellt, sondern zugleich auch diejenigen, die das Fundament unserer wirtschaftlichen Kultur bilden. Sie zeigt deutlicher vielleicht als andere, daß von der Tätigkeit der Universitäten Brücken zum praktischen Leben hinüberführen. Als eine neue Welt in unserem Bildungsleben, die mit den älteren Hochschulen überraschend schnell Fühlung genommen, begrüßt der Rektor in seiner Dankrede die Handelshochschulen. Wenn auch die Universitäts⸗ lehrer den praktischen Aufgaben des handels meist ziemlich fremd gegenüberstehen, so tritt ihnen doch seine allgemeine Bedeutung in der eigenen Forschung eindringlich entgegen die alten Handelsstraßen sind zugleich die alten Kulturstraßen. Kus dieser Er⸗ kenntnis heraus hat man den Handelshochschulen ihren idealen Unterbau gegeben, der sie ganz dicht an die alten Hoch⸗ schulen rückt. der Kaufmann, der hinauszieht, den eigenen Vorteil zu wahren, er ist bewußt oder unbewußt ein Pionier der deutschen Kultur. Als Mithelfer an den großen nationalen flufgaben heißt die Universität die Handels⸗ hochschulen herzlich willkommen. 5 Die nun solgende Ansprache des Oberbürgermeisters Utecum für die Stadt Gießen geben wir wegen des beson⸗ deren Interesses für unsere Mitbürger samt der kintwort des Rektors im Wortlaut. Herr Mecum sagte: Vlłeoeönigliche Hoheiten! Hochansehnliche Festversammlung! welche Gefühle in diesen Tagen die Stadt Gießen und die Herzen ihrer Bewohner beleben, davon reden besser, hals ich es vermöchte, das Tannengrün und die Fahnen in unseren Straßen; davon zeugt der jubelnde Zuruf, der den rector magnificentissimus und die akademischen Bürger umbrauft! Und der Glückwunsch, den ich namens der Stadt Gießen der Ludoviciana darzubringen habe, wandelt sich von selbst zum Ausdruck des Dankes für das, was uns die Universität in drei Jahrhunderten gewesen ist. 5 Ich denke dabei nicht so sehr daran, daß die wirt⸗ schaftliche Blüte unserer Stadt zum großen Teil von dem Gedeihen der Universität abhängig ist, obwohl es sich ziemt, in dieser festlichen Stunde auch davon nicht zu schweigen; ich denke an den Glanz und die Bedeutung, die die Fochschule unserer Stadt weit über ihre Größe hinaus verleiht; ich denke vor allem an den Dienst, den sie der Entwicklung eines kraftvollen, selbstbewußten Bürgertums geleistet hat. Die jahrhundertelange Gewöhnung an die Achtung vor geistiger Arbeit, die große Gemeinschaft, in die unsere Hochschule sich einreiht, haben unserer Bürgerschaft die Kraft gegeben, sich zu erheben über die gebundene Enge des Cebens in einer kleinen Stadt. Wo sich hier frisches, eigenes Leben regt, auch abseits von den Bahnen der Universität, da wird es leicht sein, die feinen Fäden zu finden, die herüber und hinüber leiten; und wo unserer Stadt etwas Großes und Bedeutsames gelungen ist, da trägt es die Seichen treuer Mitarbeit der Universität und ihrer Glieder. Der Dank, den wir dafür schulden, läßt sich in Worte nicht fassen. Um ihm aber einen sichtbaren Ausdruck zu verleihen, hat die Stadtverordneten⸗Versammlung beschlossen, ein Stipendium von 20000 Mark zu errichten, dessen Er⸗ trag alljährlich einem Studierenden unserer Hochschule zu gut kommen soll, und weiter der Universitätsbibliothek 5000 Mark zur Verfügung zu stellen zur Ergänzung ihres Bücher⸗ bestandes aus den Gebieten der Volkswirtschaft, des Staats⸗ und Derwaltungsrechts, der sozialpolitischen Wissenschaften und der Technik. Sollten diese Gaben Zeugnis ablegen, daß wir die Jubelfeier der Cudoviciana als unser eigenes Fest betrachten, so wollen wir damit sagen, daß wir ihre Zukunft von den Wünschen für die Entwickelung unserer Stadt nicht zu trennen wünschen. Möge sie allezeit der Stolz und die Freude unserer Stadt bleiben; möge sie hier aber auch stets einen Sitz finden, der ihrer würdig ist und ihr die Freiheit gibt, zu wirken und fortzuschreiten zum Besten der Wissenschaft und zum Segen unserer Heimat! Ihm erwiderte der Rektor: Hochgeehrter Herr Oberbürgermeister! Wir danken Ihnen herzlich für die treue Freundschaft und Teilnahme, die Sie im Namen der Stadt Gießen uns heute bekundet haben. Wir sind hocherfreut, nicht bloß Sie selbst, sondern auch den ganzen Kreis der Stadtverordneten hier begrüßen zu dürfen. Am liebsten hätten wir die ganze Stadt um uns versammelt, denn wir wissen, wie anteilvoll Sie alle miterleben, was uns auch widerfahren mag. Gießen ist ja keine Stadt, die mit der Universität steht und fällt. Es ist eine Stätte alter Kultur, ein uralter Knotenpunkt des Völkerverkehrs. Kelten und Dorkelten haben hier gesessen oder vielmehr droben auf dem Trieb, wenn auch keine Könige begraben liegen in Königshügeln. Römische Faust hat dicht herangereicht; Einfälle von Norden und Gsten haben sich merkbar gemacht. Es erwächst die mittelalter⸗ liche Burg; die neue Seit hat Gießen zur Stätte des regsten Bürgerfleißes und Unternehmungsgeistes gemacht. Trotzdem haben wir das Gefühl, als ob von Urbeginn unsere Hoch⸗ schule verwachsen sei mit dem Leben der Stadt, als ob, wer nach 3000 Jahren uns aufgräbt, dicht nebeneinander in Stein verwandelt finden müsse so die Sigarre wie die farbige Mütze und den Katheder der Professoren. Gleich in den ersten Seiten hat die Stadt die werdende Hochschule aus ihren Mitteln unterstützt, mit einer Summe, die mit Hinsen und Sinseszinsen heute in die Millionen gehen würde. An der Stätte, wo einst würdige Ratsherren feierlich tagten, 15 durften die Sprüche professoraler Weisheit erklingen. Und später, als neue Ordnungen dem Gemeindewesen größere Freiheit der Bewegung gewährten, sind wir vielfältig Schuldner der Stadt geworden. Mehr als eine unserer Lehr⸗ anstalten steht auf dem Grund, den die Stadt geschenkt hat. In der alten Wasserburg hat sie ein neues Heim geschaffen für den Geschichtsverein, der nach Geist und Wesen eng mit der Universität verknüpft ist. Geistvolle und hochsinnige Bürger spenden, was unserer Wissenschaft neue Unterlagen, wertvolle Förderung bietet, oder sind selber forschend tätig. So manches Mal gehen Bürger und Gelehrte Hand in Hand, um Gemeinnütziges zu fördern. Manch einer von uns darf mitraten in dem hohen Nat dieser Stadt, und das mächtige Werk, das gerade jetzt gedeiht im Dienste der Gesundheit, es ist nicht zum mindesten getragen von dem Gedanken unseres Gaffky.„Unsere Studenten“, so erklingt es nicht bloß von dem Munde des Akademikers, sondern auch von den Lippen des Stadtvaters, des Handwerkers, der lieblichen Jungfrau. Was so seit langem uns eint, es hat erneuten KHlusdruck gefunden in diesen festlichen Tagen. In überreicher Weise haben Sie uns heute beschenkt; in un⸗ verdrossener Hingabe haben die Bürger Ihrer Stadt mit uns gearbeitet an der Vorbereitung dieses Festes. Und wenn vor 200 Jahren zur Errichtung einer Ehrenpforte bei den Studenten gesammelt werden mußte, so haben Sie selber heute unsere Wege festlich heiter geschmückt. Tief empfinden wir die Verpflichtung, die uns all das auf⸗ erlegt; möge es uns vergönnt sein, dem Dank des Herzens je und je durch Taten Kusdruck zu verleihen. Die Glückwünsche des Gymnasiums überbrachte Herr Direktor Dr. Hensell: Der Redner spricht namens der höheren Lehranstalten von Gießen, der höheren Mädchenschule, des Real⸗Gum⸗ nasiums wie der Gberrealschule und des Gymnasiums die herzlichsten und wärmsten Glück⸗ und Segenswünsche aus. Die Anstalten fühlen sich nicht nur durch die heimatlichen Bande mit der Landesuniversität verknüpft, sondern sind auch für sie von tiefen Gefühlen freudiger Dankbarkeit beseelt für den mächtigen Strom geistiger Anregung, der sich befruchtend über das Geistesland ergossen hat, das die vier Anstalten an ihrem bescheidenen Teile im Dienste der Menschheit sich zu bestellen bemühen. Eim längsten über das Gymnasium. Es konnte, gemeinsam mit dem Gym- nasium illustre, im Jahre 1605 von einem weitaus⸗ schauenden Fürsten gegründet, die Entwicklung der Hoch⸗ schule aus dem bescheidenen Samenkorn zu dem stolzen Bau verfolgen, als der sie jetzt vor unsern Augen dasteht. — Drei Jahrhunderte sind beide Unstalten nebeneinander her und miteinander gegangen, nicht immer als dieselben. Die Ludoviciana hat sich in ihnen gewandelt, gewandelt auch das Gymnasium. Sein Weg geht nicht mehr allein nach Griechenland und Rom, er führt über Rom und Griechenland nach unserem eigenen VDaterlande. Will man ihm in unserer erwerbgierigen Seit unter Verkennung be⸗ deutungsvoller Imponderabilien auch noch diesen Weg ver⸗ legen, dann möge die alma mater dem gefährdeten Genossen zu Hilfe eilen und schützend ihre starke Hand über ihm halten in der Erinnerung an eine große, ideelle Werte schaffende Ver⸗ gangenheit und in weiser Fürsorge für die eigene Fukunft. Sum Schlusse der Wunsch, daß die Ludoviciana bleiben möge, was sie war, ein Hort unbeschränkter Geistesfreiheit und eine Pflegestätte ernsten wissenschaftlichen Forschens und Strebens und echten, warmen vaterländischen Sinnes. Als Zeugnis der innigen Verbindung von Gymnasium und Hochschule nimmt der Rektor die warmen Worte des Gymnasialdirektors freudig entgegen. Beide Anstalten haben in ihren Anfängen ein gemeinsames Leben geführt, beide haben unlösliche Beziehungen geistiger Art. Das Gymnasium schafft den Unterbau für unsere Arbeit, wir stehen zu ihm ——— im engsten Verhältnis von Geben und Nehmen. Beiden An⸗ —— — 9 2 stalten ist gemeinsam, daß sie wirken für die Zukunft, daß sie Kräfte entfalten und stählen, es darf keine Trennung zwischen ihnen entstehen, daß es heiße: hier Wissen, dort Können. Den Geist echter tiefgründiger Wissenschaft nimmt, so ist unser gemeinsamer Wunsch, der Lehrer von der Uni⸗ versität hinüber an das Gymnasium und hält ihn fest, denn nur wer selbst des Geistes Ringen spürt, kann dem Kleinen und Kleinsten wirkliches Leben verleihen. Den Beschluß bildete der Direktor des Haus⸗ und Staatsarchivs, herr Dr. Freiherr Schenk zu Schweinsberg, der als Vertreter des historischen Dereins von Hessen einen stattlichen Band überreichte. Den Dank des Rektors geben wir wieder im Wortlaut: Sehr geehrter Herr Archivdirektor! Aufs herzlichste danken wir Ihnen, danken wir dem historischen Verein für Hessen, daß Sie als treue Bundes⸗ genossen uns heute begrüßen und uns ein so wertvolles Ge⸗ schenk darbringen, indem Sie in gelehrter Arbeit hinein⸗ greifen in die Geschichte unserer eigenen Universität und die der einstigen Schwester zu Mainz. Wohl bedürfen wir solcher Bundesgenossen; neben das stehende Heer treten mit Fug und Recht die Freischaren, deren hingebende Begeiste⸗ rung eine Gewähr des Erfolges ist, die mit scharfem Blick verborgene Schwächen des Feindes erspähen und auch da einzubrechen wissen, wo der befohlene Marsch des großen Heerzugs nicht vorüberführt. In richtiger Erkenntnis von der Bedeutung solcher Unterstützung hat die Universität von lange her enge Beziehungen zu dem Geschichtsverein gepflegt, der aus ihren eigenen Anregungen entstanden ist, dem Ober⸗ hessischen Geschichtsverein. Wir haben die Freude, auch ihn heute unter den Glückwünschenden zu empfangen, wenn er auch nicht redend auftritt. Auch er hat uns mit der Ver⸗ öffentlichung von Haupts Schrift über Karl Follen und die Gießener Schwarzen reich beschenkt. Und noch mehr sind ihrer, die mit stummem Mund, aber mit offener Hand zu uns kommen, voran die geschulten Hilfstruppen unserer früheren Kollegen, unserer Ehrendoktoren: Pfarrer Dr. Diehl hat uns sein Stipendiatenbuch der hessen⸗darmstädtischen Universitäten Gießen und Marburg gewidmet, Dr. Karl Müller in Tübingen unserer theologischen Fakultät eine Schrift über die Eßlinger Pfarrkirche. Ihnen reiht sich an der hessische Kreisschulrat hans Scherer, der uns eine umfangreiche Schrift über die Pädagogik als Wissenschaft von Pestalozzi bis zur Gegenwart dargebracht hat, Pfarrer Gombel mit einer Schrift„Vernunft und Gottesgedanken“, die die theologische Fakultät als Geschenk empfängt, und der Tharandter Professor Kuntze, der unsrem Forstinstitut eine Schrift über Schaftformzahlen und Astholzgehalt der Weißtanne beschert hat. Nicht wenige haben sich des Wortes erinnert, daß zum Kriegführen Geld gehört, Geld und wieder Geld; und sie haben uns mit reichen Subsidien unter die Arme gegriffen, daß wir Waffen und Munition beschaffen, daß es der jungen Mannschaft an Proviant nicht mangele, daß wir Streifer entsenden mögen zur Erkundung in fremde Länder. Andere endlich haben selber uns von den Uriegswerk⸗ zeugen gespendet, die sie zubereiteten, indem sie den Bücher⸗ schatz unserer Bibliothek gemehrt haben. Wie so manches Mal schon hat auch bei unserer Feier der deutsche Buch⸗ handel gezeigt, daß er hochsinnig Opfer zu bringen versteht im Dienste unseres geistigen Lebens. Es sei mir gestattet, namentlich hervorzuheben die reiche Stiftung der Provinz Oberhessen, die uns 20 000 Mark zu rein wissenschaftlichen§wecken zur Verfügung stellt, die nahezu ebenso hohe Schenkung der Gießener Kaufmannschaft, die Stiftungen der großen Städte des Landes, die neidlos und anteilvoll auf das Aufblühen Gießens und seiner Hoch⸗ schule blicken, das heiter freundliche Darmstadt, das goldne Mainz, zu dem die Hügel voll edler Reben hinübergrüßen, das sagenreiche Worms, in dem es sich erinnerungsschwer⸗ 14 romanisch träumt; weiter sodann Stiftungen der ober⸗ hessischen Gesellschaft für Natur⸗ und Heilkunde, der hessischen Anwaltskammer, des Vereins hessischer Sahnärzte, höchst beträchtliche Stiftungen unseres allezeit opferwilligen Mit⸗ bürgers herrn Kommerzienrat Aron Heichelheim, unseres früheren Kollegen Professor Dr. Heimburger, des Pfarrers Leydhecker in Auerbach, des Geheimen Medizinalrats Pro⸗ fessor Dr. Curschmann in Leipzig, des Geh. Kommerzienrats Oehler in Frankfurt a. M., des Keichsrats Dr. August Clemm in Haardt in der Rheinpfalz, des Kommerzienrats Dr. Adolf Clemm in Mannheim, des Kommerzienrats Cudo Mayer in Offenbach, des herrn Otto Wolfskehl in Darm⸗ stadt. Es kommen hinzu Herr Professor Baldensperger, Che⸗ mische Fabrik Elektron in Griesheim, die Herren Kom⸗ merzienrat henne in Offenbach a. M., Fabrikant Klingspor in Gießen, Kommerzienrat Kupferberg in Wiesbaden, Nom⸗ merzienrat Pfalz in Offenbach, Kommerzienrat Preetorius in Mainz, Geh. Kommerzienrat Stroh in Offenbach und Wernher in Hamburg, sowie viele kindere, unter denen besonders die hilfsbereiten Scharen der hessischen Oberlehrer erwähnt seien. Unter den schenkenden Verlegern erscheinen die besten Namen der so bedeutungsvollen Sunft: Der Musikalienverlag André in Offenbach, Joh. Ambr. Barth in Leipzig, J. F. Bergmann in Wiesbaden, Breitkopf und härtel in Leipzig, F. A. Backhaus in Leipzig, die Cotta'sche Buchhandlung in Stuttgart, die Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart, Eugen Diederichs in Alex. Duncker in Berlin, Duncker& Humblot in Leipzig, Elwert in Marburg, Engelmann in Leipzig, Ferd. Enke in Stuttgart, Egon Fleischel und To. in Berlin, Dr. Gustav Hischer in Jena, Neuer Frankfurter Verlag in Frankf. a. M., G. L. Göschen in Leipzig, Heinsius Nachf. in Leipzig, S. Hirzel in Leipzig, Alfred Hölder in Wien, Wilh. Knapp in hallen Lehmann in München, Otto Liebmann in Berlin, Löscher in Rom, Prof. Dr. Hh. Meyer in Leipzig,). W. Müller in Berlin, Justus Perthes in Gotha, Froͤr. Andr. Perthes in Gotha, Reuther& Reichard in Berlin, Schotts Söhne in Mainz, Jul. Springer in Berlin, B. G. Teubner in Leipzig, Georg Thieme in Leipzig, die Buchhandlung des Waisenhauses in Halle, E. Wasmuth in Berlin, Weid⸗ mann in Berlin, K. Winter in Heidelberg. So werden wir mit stolzer Freude, mit dankbewegtem Herzen auf die Tage unseres Festes zurückblicken dürfen, die uns so viel der Teilnahme, so viel der bleibenden Hilfe gebracht haben. (Es sei uns gestattet, hier einzuschieben, daß der Dank der Bibliotheksberwaltung bereits auf einer marmornen Ehrentafel im Treppenhaus der Bibliothek zum Kusdruck gekommen ist, die die Worte trägt: Den deutschen Verlagsbuchhändlern die in hochherziger Weise diese Bibliothek urch Schenkungen bereichert haben 1907.) N „In mächtigen Wogen durchbrausten dann die freudigen Weisen des Meistersinger⸗Vorspiels den Saal als Abschluß des Festaktes, der für alle Beteiligten ein Erlebnis bedeutet. 8 Festessen. Nur kurz war die den Ehrengästen und Dozenten ge⸗ gönnte Ruhepause, bis 1¼ Uhr hatte der Festakt gedauert, und schon um 2½ Uhr versammelten sie sich wieder zu der angenehmen Pflicht des Festessens. Die Gedecke für die etwa 500 Teilnehmer des Mahls füllten nur einen kleinen Teil der riesigen Halle. Seine Königliche Hoheit erschienen, von vier Herren des Gefolges begleitet, um 2½ Uhr und nahmen an der Miitte der Ehrentafel Platz. 4 W Das von dem rühmlichst bekannten Frankfurter Trai⸗ 5 Buerose gelieferte Mahl wies nachstehende Speisefolge au Ochsenschwanzsuppe Rheinsalm Mousselinesauce und Kartoffeln 1905er Wiltinger Kalbsrücken mit frischen Champignons und gebackene Kartoffelröllchen 1904er Niersteiner Hipping, Wachstum Bürgermeister Balbach 1899er St. Julien Straßburger Gänseleberpastete 1900er Ciebfrauenmilch Stiftswein Auslese Hronzösische Masthühner Salat und Dunstobst Burgeff grün Riesen⸗Stangenspargel mit zerlassener Butter Rahmgefrorenes Käsestangen Maffee Dazu spielte die Kapelle unseres Regiments unter ihrem S Dirigenten Herrn Musikdirektor Krauße folgende Stücke: Mupferberg Gold 1. Jubiläums⸗Marschch h' Hxauße 2 Fest⸗ Ouverture Leutner 3. Variationen über das Burschenlied„Wenn wir durch die Straßen ziehen“ Lux J. Steuermannslied und Malrosenchor aus der Oper„Der fliegende Holländer“ Wagner 5. Potpourri aus der Gperette 8 Ober⸗ steigen“. 5. Seller 6. Ballsirenen! Walzer. Lehär 7. Fahnen⸗Marsch aus der Zeit Landgraf Südwig Il! dear g Hauße 8. Serenata„„ m 9. Ernst Ludroig⸗ Gavotte„„ ne 10. Studentenlieder⸗ Potpourri. Hjääßner Die Reihe der Trinksprüche eröffneten S. Mönigliche Hoheit mit einem begeistert aufgenommenen hoch auf Seine Majestät den Kaiser, das etwa folgenden Wortlaut hatte: Verehrte Gäste! Es gibt ein Lied, das uns allen ans Herz gewachsen ist,„Deutschland, Deutschland über alles“, welches uns mahnt zur Treue zum Daterlande und zu unserem unermüdlich arbeitenden Kaiser. So fordere ich Sie auf, zum Seichen unserer Treue schwören wir ihm aufs neue: Seine Majestät der Kaiser hurra, hurra, hurra! Es folgte Seine Magnifizenz der Rektor mit folgender Rede auf Seine Mönigliche Hoheit den Großherzog und das ganze Großherzogliche Haus: Die Wissenschaft arbeitet zum Heile des Ganzen. Aber sie ist ein einsam Geschäft, ein Geschäft, das Einsamkeit ver⸗ langt und das einsam machen kann. Der Fürst eines Volkes, der einsam auf hoher Warte steht, dennoch vollführt er sein Amt mitten im Getriebe des Lebens, indem er die Mächte des Daseins abwägt und ausgleicht, indem er sie schirmt und schützt, indem er die Einsamkeit denen sichert, die einsam sein wollen, einsam sein müssen. Und dennoch: unser er⸗ habener Fürst trägt in sich einen Geist, der dem unsrigen nahe verwandt, einen Geist, der ihn einsam machen könnte, wenn er einsam sein wollte, sein dürfte, einen Geist, ganz frei und offen für die Dinge, ganz un⸗ befangen herantretend an die Fragen des Lebens, keinem Swang der Ueberlieferung, des gemeinen Glaubens nach⸗ gebend. Im höchsten Sinn ein Vertreter jener auf sich selbst gestellten Art, wie ich sie heute morgen schildern durfte. Aber er ist der unsre, nicht bloß kraft solcher Wahlverwandtschaft; er ist der unsre kraft seiner un⸗ mittelbaren Mitarbeit, die weiterführend, helfend einsetzt, wo wir zu versagen scheinen. Wir sind ja nicht bloß Forscher, Und dies Erziehungswerk ist fast noch schwerer als das sondern auch. Erzieher unsres Volkes. 15 Werk der Forschung. Denn es geht nicht bloß auf das Erkennen, sondern auch auf das Wollen und— was am schwersten ist— auf das Empfinden. Die alte Forderung, daß Wahrheit und Schönheit verknüpft sei, sie ist wieder lebendig geworden, sie hat Kraft gewonnen auch in unsren Reihen. Heil uns, daß wir nicht mehr jene alten Gelehrten sind, für die die Anform Kennzeichen war, im Leben wie im Schreiben. Heil uns, daß in unsrer Jugend selber mehr und mehr der Boden sich bereitet für ästhetische Entfaltung, daß Bestr trebungen auftauchen zur Förderung einer Studenten⸗ Kunst, daß in den Dürerbünden wirksame Mächte erstanden sind. Doch allzu wenig ist es, was unser erziehendes Werk hier sein kann, und stärkere Mächte müssen an die Arbeit gehen. Was Seine Königliche Hoheit geschaffen hat für die deutsche Kunst, was er getan hat für das künst⸗ lerische Empfinden der Gegenwart, es steht für alle Seiten eingeschrieben in den Büchern, die von deutscher Kunst er⸗ zählen. Und wenn viele Namen längst vergangen sind, der Name Ernst Ludwig leuchtet unauslöschlich unter den Sternen des Sea Neben ihm aber strahlt in mildem Glanze der Stern Eleonore, dessen Cieblichkeit und Zartheit anzuschauen wir nimmer müde werden. Und zwischen den beiden großen Sonnen, da leuchtet ein kleines Sternlein auf, der Stern der Zukunft, mit Jubel begrüßt von unserem Volke, unter dessen Leitung auch unsere Geschicke einst stehen werden. Ich bitte Sie, mit mir zu rufen: Seine Königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin, das ganze Großherzog⸗ liche Haus, es lebe hoch, hoch, hoch! An dritter Stelle feierte Seine Exzellenz Herr Staats⸗ minister Ewald auf die Universität Gießen. Geheimer Kirchenrat Krüger begrüßte die Ehrengäste, in deren Namen Professor Himstedt dankte. Professor een ein geborener Gießener, sprach auf die Stadt Gießen, Oberst von Lindenau feierte die Damen, Geheimrat Seeck(Greifswald) Se. Magnifizenz den Rektor, um den alle Universitäten heute Gießen beneiden. Oberbürgermeister Mecum folgte mit einem Trinkspruch auf die akademische Jugend. 5 Beim Macht überreichten die Diener der Universität den Gästen die vom Staat gestiftete Plakette, ein vortreffliches Werk des aus Messels Schule hervorgegangenen Bildhauers Jobst. Die Vorderseite zeigt die wohlgetroffenen Züge Sr. Königlichen Hoheit, der dem Nünstler dazu gesessen hat, die Deutung der Rückseite gab Je. Exzellenz Herr Minister Braun vormittags in seiner Rede. Die Mehrzahl der ee am Festmahl begab sich nun zu dem großen Fest im Philosophenwald, das schon seit 4 Uhr im vollen Garge war. Wir werden darüber morgen berichten. 8 Theater. Als ein besonderer Vorzug ward es allseitig dankbar empfunden, daß die glückliche Vollendung unseres schönen neuen Theaters es der Ludoviciana ermöglichte, den Gästen zu zeigen, was das Gemeinwesen, das die Universität be⸗ herbergt, aus eigener Kraft im Dienste der Kunst zu leisten vermag. Die prunkvollen, lichtdurchfluteten Räume füllten sich gegen ½9 Uhr mit einer lebhaft angeregten Gesell⸗ schaft; hier zum erstenmal im Derlauf des Festes hatten die Damen Gelegenheit, den vollen Glanz ihrer Toiletten zu entfalten. Die Großherzoglichen Herrschaften wurden von Sr. Magnifizenz dem Rektor empfangen und in die linke Proszeniumsloge geführt, wo auch der Rektor und seine Frau Gemahlin ihre Plätze hatten. Die akademische Festouverture von Brahms, wohl die schönste Huldigung, die ein Großer im Keiche der Tonkunst dem Studententum dargebracht hat, eröffnete den Abend. 16 Dann ging der Vorhang in die höhe und ließ in idealer Frühlingslandschaft die anmutige Mädchengestalt des Fräu⸗ kein Netto sehen, die mit klangvoller Stimme und seelen⸗ vollem Vortrag nachstehenden Prolog, ein Werk des Herrn Professor Dannemann, sprach: Nun laßt die Banner weh'n. Das Fest beginne. Die Geigen stimmt, und laßt den frohen Sang Erschallen weit ins Land. Don hoher Sinne Ertöne jubelnder Fanfaren Klang. Nimm, alma mater, der in treuer Minne Wir zugetan, vieltausendfält'gen Dank. Zu schwach ist unser Rund, was wir empfinden Aus übervollem Herzen, dir zu künden. Dir tragen wir der Liebe Soll entgegen, Die du uns lehrtest echte Wissenschaft. Wie ward des Himmels überreicher Segen Den zarten Wurzeln deiner stolzen Kraft! Wie hat auf allen deinen Schicksalswegen Behütet dich, der alle Wunder schafft, Und dich geführt durch Fährlichkeit und Plage Empor zu diesem lichten Kuhmestage! Wohl ist dir Leid's genug voreinst ersprossen, Und schwere Seit schuf oft dir bitt're Not. Wohl hat gar oft die Stadt, die dir erschlossen Ihr gastlich Tor, des Krieges Brand umloht. Doch nie versiegend ist der Quell geflossen, Den einst ein edler Fürst dir gütig bot. Dein wunderkräft'ger Born gab neues Leben Und immer neuen Mut zu neuem Streben. Wie blühtest du und hast in ferne Weiten Mit gutem Rüstzeug manchen ausgesandt Einst, da im wechselvollen Strom der Seiten Der Jahre erstes Hundert dir entschwand. Da durftest du ein Jubelfest bereiten, Wie keines sah zuvor das Hessenland. i Und dankend nahmst du neuer Gnade Spenden, Wie heut', aus deines Fürsten treuen Händen. Vernichtet war des deutschen Namens Ehre, Da du dein zweites Säkulum vollbracht, Die deutsche Saat zerstampft vom Korsenheere, Die deutsche Kraft zersprengt in blut'ger Schlacht. Doch kam ein Tag, da klirrten deutsche Speere. Ein Morgen stieg herauf nach düst'rer Nacht. Da gabst du hin, daß frei die heimat werde, Manch edlen Sohn zum Schlaf in fremder Erde. Und wieder schallt der Ruf:„Heraus die Klingen! Auf über'n heil'gen Rhein! Der Franke dräut!“ Da sandtest du zum großen Dölkerringen Der Deinen Blüte hin in großer Seit. Und deine Jünger halfen sie vollbringen, Die große Tat, die uns das Reich erneut. Stolz ragt sein Bau. Des Krieges Stürme schweigen. Nun darfst du rasten unter Lorbeerzweigen. Blick' um dich her, wohin du schaust, pocht Leben. Den Ruhm dir mehrend strebt der Reister Kreis. Das ist ein Schaffen, Wirken, Forschen, Weben In edler Wissenschaft um hohen Preis. Die gute Stadt, in Treuen dir ergeben, Schmückt dir das heim in nimmermüdem Fleiß. Und dich umdrängt beim festlichen Gepränge Mit Jubel ihrer Bürger frohe Menge. Nicht Tor und Wall, wie einst in ernsten Tagen, Umgürten sie. Ein lichtes Friedenskleid Darf, die getreu dich schirmte, heute tragen In Farbenpracht und Blütenherrlichkeit. Groß alle Seit im Streben und im Wagen Hat sie der Kunst ein prächtig Heim geweiht Und lud Euch her, den Abend zu verträumen In dieses Hauses lichtdurchströmten Räumen. Doch nicht ein ernstes Spiel soll Euch erbauen. Des Ernstes hat genug der Tag gebracht. Wie einst es war, sollt Ihr im Bilde schauen, Und lust'gen Brauch, in ferner Seit erdacht. Der Dichter zeigt Euch, aber im Vertrauen, welch große Müh'n sein Amt dem Rektor macht. Nicht eitel Kuhm und Ehre bringt die Würde. Schwer drückt ihn oft des kimtes Cast und Bürde. So mag bei Scherz und Lust der Tag entfliehen. Doch ehe noch beginnt das heit're Spiel, Soll unß're Herzen einmal noch durchglühen Des Dankes hohes, heiliges Gefühl. d Durch alle Seiten sollst du glückhaft blühen, Der freien Lehre schützendes kisyl, Du alma mater, und vom Quell, dem klaren, Gib dem, der strebt zum Guten, Schönen, Wahren. Und prange herrlich stets in Jugendschöne, Ein Hort der Weisheit, reich an Ruhm und Glanz. Herbei zum Feste zogen deine Söhne Hus allen Gau'n des deutschen Vaterlands. Dein Fürstenpaar ist nah, daß es dich kröne, Und schlingt um deine Stirn den Lorbeerkranz. Nun schreite, überreich an Glück und Segen, Getrost dem vierten Säkulum entgegen! Dann folgten vier lebende Bilder aus der Geschichte der Gießener Studentenschaft, deren künstlerische Leitung Herr Koberstein übernommen hatte. Den verbindenden Text zu ihnen, der wiederum Herrn Professor Dannemann ver⸗ dankt wurde, sprach ein Herold(Herr Werle), eine blonde Reckengestalt, mit mächtigem Organ und packender Wärme. Das erste Bild, gestellt vom D. d. St., zeigte einen nächt⸗ lichen Kampf Gießener Studenten des 17. Jahrhunderts mit den Nachtwächtern. Die Musi spielte dazu das alte Trutz⸗ lied„Burschen heraus“. Idyllisch mutete dagegen das zweite Bild an, das nach einem alten Gießener Stammbuchblatt die Begehung des Candesvaters um 1773 zeigte. Es wurde gestellt von der Candsmannschaft Darmstadtia unter den Klängen des Landesvaters(Hlles schweige. Als sich der Vorhang wieder öffnete, sahen wir den Marschall Vor⸗ wärts, umdrängt von einer Fülle begeisterter Studenten. Natürlich wurde dies vom D. C. gestellte Bild begleitet von dem Blücher⸗Ciede„Was blasen die Trompeten“. Als letzte Szene sehen wir eine sehr naturgetreue Mensur auf dem Schiffenberg, gedacht etwa um 1850. Hier waren Dekorationen und Beleuchtung von ganz besonderem Reiz. Als die Musik das„Cied der Lieder“ Gaudeamus spielte, fiel die ganze Festversammlung in vollem Chor ein und der Beifall wollte nicht enden. Nach einer längeren Pause, die den Besuchern Gelegenheit gab, das prächtige Foner zu bewundern, wurde ein von Herrn Dr. Fabricius(Mar⸗ burg) verfaßtes Depositionsspiel aufgeführt. Die derbe Lustigkeit der meist sehr handgreiflichen Scherze, mit denen unsere Vorfahren im 17. Jahrhundert den Eintritt in das Studententum ausstatteten, wurde von der akademischen Orts⸗ gruppe des Dürerbundes unter freundlicher Mitwirkung des jungen begabten Schauspielers Wenz(Darmstadt) wir⸗ Ekungsvoll zur Geltung gebracht. Nach einer durch Bizets reizende Juite Arlésienne aus⸗ gefüllte Pause folgte„Nur ein Viertelstündchen“, eine Posse von übermütigster Komik, die oft wahre Lachsalven entfesselte. Sie zeigte, überwiegend als Traumvision, welche un⸗ endlichen Nöte die Vorbereitung zu einer Jahrhundertfeier dem Universitäts⸗Kektor bringt. Als anmutiges Swischen⸗ spiel schob sich in die fürchterlichen Traumbilder des ge⸗ hetzten Rektors ein entzückender Serpentintanz ein. Dieser Reigen wurde von zwölf jungen Damen der Gießener Ge⸗ sellschaft, darunter auch Frl. Behaghel, mit seltener Anmut ausgeführt, während die Darstellung der Posse bei den Schauspielern unseres Theaters in den besten Händen lag. Stürmischer Beifall und häufige Rufe nach dem Verfasser zeigten, wie gut der Scherz das Publikum unterhalten hatte. Fo klang der Tag, der so reich an ernstem Gehalt war, in stürmischer Lustigkeit aus. Druck der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei. R. Cange, Gießen. N