U Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 30 Dienstag, den 28. Oktober 1913 2. Jahrgang Der Alkoholismus im Lichte der Geschichte. Der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Lübeck, Dr. Hartwig, hat im Frühjahr d. J. im Auftrage des Berliner Zentralverbandes zur Bekämpfung des Alkoholis— mus einen Vortrag gehalten, in dem er die bis jetzt über dieses Problem bekannt gewordenen statistischen Daten in prägnanter und übersichtlicher Weise zusammenstellt. Wenn man irgendwo sagen kann: Zahlen beweisen und belehren, so ist es hier der Fall; wir geben deshalb in Nachstehendem einen Auszug aus dem hochinteressanten Vortrage. Hartwig untersucht zunächst die rein ökonomische Seite des Problems: Was gibt der Deutsche für seinen Alkoholkonsum aus? Da ist zunächst der Bier⸗ verbrauch. Im Jahre 1911 stellte sich die Biergewinnung im deutschen Zollgebiet auf 70,4 Millionen Hektoliter, von denen nach Abzug der Ausfuhr rund 70 Millionen Hekto— liter, d. i. 106 Liter pro Kopf der Bevölkerung in den In— landskonsum übergingen. Den Liter zu 40 Pfg. berechnet „(eine Annahme, die uns allerdings etwas hoch erscheint) er— gibt das für die Gesamtbevölkerung die Summe von 2800 Millionen Mark und auf den Kopf die von 42,40 Mark. Er⸗ freulicherweise befindet sich ja der Bierverbrauch in einem langsamen Rückgange: er betrug 1899 und 1900 noch 118 Liter pro Kopf, ist also seitdem um 12 Liter gefallen. anstalten aufsuchen. In den Jahren 1905—1907 wurden in In noch höherem Maße läßt sich dies vom Branntwein sagen. Im Jahre 1911 wurden in Deutschland 1933 532 Hektoliter zu Trinkzwecken versteuert, d. s. 2,9 Liter pro Ein— wohner. Dagegen betrug 1908/08 der Kopfkonsum noch 42 Liter; der darauf einsetzende sozialdemokratische Schnaps— boykott hat jenen doch recht bedeutenden Absturz verursacht. Freilich müßte bei einer strikten Durchführung des Boykotts durch die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft der Rück— gang ein noch viel stärkerer sein. Den Liter reinen Alkohols zu 2 Mark gerechnet, ergibt das eine Belastung des einzelnen mit 5,80 Mark oder der Gesamtheit mit 387 Millionen Mark. Beim Wein endlich ist eine so genaue Feststellung nicht möglich. Nach einer Schätzung des reichsstatistischen Amtes beträgt der deutsche Gesamtverbrauch 378 Millionen Liter jährlich, der Kopfkonsum 5,74 Liter. Das entspricht bei einem Weinpreise von 1 Mark pro Liter einer Gesamtausgabe von 378 Millionen Mark und einer solchen für den einzelnen von 5,74 Mark. Rechnen wir zusammen, so finden wir, daß das ganze deutsche Volk jährlich 3565 Millionen Mark für geistige Ge⸗ tränke ausgibt, jeder Volksgenosse also im Durchschnitt 54,.— Mark. In dieser Durchschnittszahl sind aber Frauen und Kinder mit einbegriffen, sodaß auf den erwachsenen Mann wohl ein Verbrauch von 150 Mark, wenn nicht mehr kommt. Man muß sich wirklich fragen, ob es dem Deutschen in jeder Beziehung schon so gut geht, daß er für eine nicht nur über— flüssige, sondern sogar schädliche Ausgabe solche Summen übrig hat. Welches sind nun, statistisch ausgedrückt, die schädlichen Wirkungen des Alkohols für Leib und Leben, Glück und Ehre der ihm Verfallenen? Wir wissen, daß der Alkohol den Körper durchseucht, die Säfte vergiftet, die Organe funktionsunfähig macht, das Gehirn angreift. In wie hohem Maße dies der Fall ist, läßt sich zahlenmäßig natürlich nur so weit belegen, als die Erkrankten öffentliche Heil— den allgemeinen Krankenhäusern Deutschlands 31809 Per⸗ sonen, darunter 2048 weibliche, wegen Alkoholismus und Säuferwahnsinn behandelt. In den Anstalten für Geistes⸗ kranke, Epileptiker usw. wurden im gleichen Zeitraum 19086 Alkoholiker, darunter 1518 weibliche, untergebracht. Dazu kommt die natürlich noch weit höhere Zahl von Er— krankten, bei denen Mißbrauch geistiger Getränke nachzu⸗ weisen waren. Sie betrug in jenen 3 Jahren in den öffent— lichen Irrenanstalten 38 244(3227 weibliche) und machte bei den männlichen Pfleglingen 26 Prozent, bei den weiblichen 3½ Prozent aller aus. In den Krankenhäusern wurden an den verschiedenen Folgekrankheiten des Alkoholgenusses, Lebercirrhose u. a. etwa 30 000 Personen behandelt. Das macht zusammen die runde Summe von 120 000 Personen, die in drei und von 40 000 Personen, die in einem Jahre durch den Alkohol in ihrer körperlichen und geistigen Gesund⸗ heit zerrüttet wurden,— ein furchtbarer Opferzug! Aber dieser Zug ist noch länger. Nicht nur mit der Ge— sundheit, sondern auch mit dem Leben büßen alljährlich viele ihre Schwäche gegenüber dem Verführer Alkohol. In Preußen starben im Jahre 1911 948 Personen(darunter 99 weibliche) an Alkoholismus, in Bayern im Jahre 1909 192. Daraus würde sich für das Reich eine Sterbeziffer von etwa 1500 ergeben. Viel größer ist natürlich auch hier wieder die Zahl derer, die indirekt an den Folgen des Alko— holgenusses zugrunde gehen. Legt man eine in der Schweiz für die Jahre 1901—1910 aufgemachte Statistik zugrunde, die ergab, daß bei 5,4 Prozent aller im Alter von über 20 Jahren gestorbenen Personen der Alkoholismus die mit— wirkende Ursache war, so entspricht dem für Deutschland eine Sterbeziffer von 31000 Personen jährlich. Endlich fallen in dieses Kapitel auch noch die Selbstmorde, als deren Ursache der Alkoholismus anzusehen ist. Von den in Preußen im Jahre 1911 vorgekommenen Selbmorden, bei denen die Ursache festgestellt werden konnte, entfielen 9 Pro— zent auf den Alkohol als ausschlaggebenden Faktor. Dieses Verhältnis auf das Reich übertragen, ergibt ein Schuldkonto des Alkohols von 1300 Selbstmorden. Insgesamt hat also Teufel Alkohol in einem einzigen Jahre 34300 Menschen⸗ leben auf dem Gewissen. Der so überaus blutige Krieg von 1870/1 hat 40 743 Opfer gekostet, also nicht sehr viel mehr, als der Alkohol in einem Jahre verschlingt. Doch das furchtbare Unglück, das dieses„Genuß“! mittel über die Menschen bringt, ist damit noch lange nicht erschöpft. Die hier betrachteten Folgen treffen im wesentlich doch nur den Trinker selbst und seine Familie. Der Säufer bildet aber auch eine Gefahr, und zwar eine schwere Gefahr für die Gesellschaft. Ein großer Teil aller Verbrechen, Ver⸗ gehen und Uebertretungen wird unter der dauern⸗ den oder vorübergehenden Abschwächung des Verantwortlich⸗ keits⸗ und Ehrgefühls durch den Alkohol begangen. Auf An⸗ ordnung des bayerischen Justizministeriums werden in diesem Lande seit dem Jahre 1910 Erhebungen über den Einfluß des Alkoholgenusses auf die Häufigkeit und die Er⸗ scheinungsform des Verbrechens veranstaltet. Nach den Er⸗ gebnissen für 1911 wurden von den bayerischen Gerichten 8864 Personen verurteilt, bei denen mit Sicherheit die straf⸗ bare Handlung auf Alkoholgenuß zurückzuführen war. Das waren 11,5 Prozent aller Verurteilten. Nimmt man für das Reich ein Verhältnis von 10 Prozent an, so fallen von den insgesamt 538 225 Verurteilungen des Jahres 1911 53 800 2 — e———— . 8 1* 2 2 — ——— r dem Alkohol zur Last. Einen noch größeren Prozentsatz er⸗ gibt die Statistik der Strafanstaltsverwaltungen. Von den 1909 in den preußischen Zuchthäusern eingelieferten männlichen Gefangenen waren 26,6 Prozent bei Begehung der Tat betrunken und 15,4 Prozent Ge ewohnheitstrinker. In Bayern wurde das Verhältnis sogar auf 21,9 Prozent bei Begehung der Tat Betrunkenen und 28,1 Prozent Gewohn⸗ heitstrinker festgestellt. Dazu kom die zivilrechtlichen 85 des Säufer⸗ tums. Seit Inkrafttreten des B. G.⸗B., das die Entmün⸗ digung w gen Trunksucht vorsieht, vom 1. Januar 1900 bis 31. Dezember 1910, wurde 10 590 Personen dieses Schicksal zu teil; bei 1324 wurde die Entmündigung wieder aufge— hoben. Wie viele Ehen werden durch den Alkohol so zer⸗ rüttet, daß sie auseinanderfallen! Sachsen, das hierüber eine genaue Statistik führt, verzeichnet bei 4,8 Prozent aller Ehescheidu ngen Trunksucht als unmittelbare Ursache. Das ergibt bei einem Satz von nur 4 Prozent für das R zeich auf 15 016 im Jahre 1910 geschiedene Ehen 600 wegen Trunk⸗ sucht geschiedene. Endlich sei noch die große Rolle erwähnt, die der Alkohol in der Unfallstatistik spielt. Genauere statistische Daten liegen hier nicht vor. Doch hat die Leipziger Orts- krankenkasse in ihrem bekannten Werke festgestellt, daß die Unfallhäufigkeit und die Dauer der Unfallfolgen bei den Alkoholikern viermal so groß sind, als bei der Allgemeinheit. Halten wir uns vor Augen, daß in Deutschland 300 000 bis 400 000 Trunksüchtige existieren, so werden wir begreifen, daß ein sehr großer Teil der 132064 entschädigungspflich⸗ tigen Unfälle und 22 978 tödlichen Unfälle, die beispielsweise im Jahre 1910 festgestellt wurden, dem Alkohol zur Last zu setzen sind. Ziehen wir das Fazit: Das deutsche Volk gibt jährlich 3505 Millionen Mark für geistige Getränke aus: dreieinhalb-⸗ mal so viel für die ganze Arbeiterversicherung. 40 000 Per⸗ sonen bepölkern alljährlich Kranken- und Irrenhäuser, die sich ihr Leiden durch ihre Vorliebe für den Alkohol zugezogen haben. Weitere 34300 sterben, bei denen die Trunksucht die direkte oder indirekte Ursache des Todes war. 53 800 büßen ihre Schwäche hinter Gefängnis: und Zuchthausmauern. Rund 1000 Entmündigungen, 600 geschiedene Ehen stehen weiter alljährlich auf dem Schuldkonto des Unheilbringers. Endlich unzählige Unfälle, die den Betroffenen ihre gesunden Glieder oder gar das Leben kosten. Dazu die ganze Fülle des statistisch nicht erfaßbaren Elends, der Einbuße an In⸗ telligenz, Familienglück, Wohlbehagen, edler Gesinnung usw. Wer würde angesichts dieser Tatsachen nicht bereit sein, den Kampf gegen diesen Erbfeind der Menschheit, der vielleicht ihr größtes Hemmnis bei dem Aufstieg zu besseren, freieren Zuständen bildet, mit aller Kraft aufzunehmen. men Die Genter Weltausstellung. II. Die belgische Abteilung. Der Vorrang in bezug auf die Folge bei der näheren Prüfung der einzelnen Abteilungen gebührt zweisellos Belgien: nicht nur deshalb, weil es das die Ausstellung veranstaltende Land selbst ist, sondern auch, weil es— durch eben diesen Umstand veranlaßt und begünstig den weitaus größten Raum unter allen ausstellenden Dualen für lich in Anspruch genommen hat. Umfaßt doch seine Abteilung nicht weniger als 14 besondere Hallen und sonstige Bau⸗ lichkeiten, von e etwa die Hälfte je ebenso groß sein dürfte, wie die der übrigen größten! nämlich Frankreich— das frei lich als einzige Ausnahme die Hallen besetzt hat—, England und 5 Deutschland. Aussteller, Gleich die erste teristischen Seiten. Fülle von Gold Halle zeigt Belgien von einer seiner charak⸗ Sie bietet dem staunenden Auge eine unendliche uckgegenstände der verschiedensten Ar für die Bourgeoiswohnung, Trink⸗ gefäße usw. umfassen ne riesig große Auswahl von Spitzen für jeden nur mögli lichen zweck, von deren Fülle man gewöhnlich gar keine Ahnung hat, und ch, welchen Reichtum an kunst⸗ vollen Töpfereien das belgische Land hervorbringt, ein Reichtum, der sich nicht zuletzt auf die seinen Formen, die prächtigen Ver⸗ die Schm und Silbersachen dar, duxusartikel t endl zierungen usw. der Gegenstände— meist Vasen, Krüge und sonstige Gefäße— erstreckt. Daneben tritt hier Belgien mit seiner Teppich⸗ weberei und seiner Kunststickerei hervor, für deren Güte es mit prächtigen Bannern, kunstvollen Gebrauchsgegenständen und dergleichen beredtes Zeugnis ablegt. Sonst ist aus dieser Halle noch bemerkenswert, daß hier schon ein Versuch gemacht wird, der sich in anderen Hallen wiederholt: be⸗ stimmte Produktlonsart direkt von Menschen oder Figuren vor⸗ führen zu lassen. So wird die Herstellung von Handschuhen, künst⸗ lichen Blumen, Spitzen, Teppichen usw., ja sogar das Schleifen von Diamanten, gezeigt. Außerdem hat sich die Haushaltungsschule eines Klosters aufgetan, die junge Mädchen aus dem Volke dabei zeigt, wie sie unter Anleitung und Aussicht barmherziger Schwestern nähen, bügeln, kochen, überhaupt alle Hausarbeiten verrichten. Die zweite Halle ist ganz der Textilindustrie gewidmet. Da wird zuerst wieder eine ungeheuere Fülle von gewebten Stoffen, Garnen und allem dem anderen gezeigt, was man so gemeinhin zu dieser Industrie rechnet. Dann aber wird hier die Herstellung der Textilwaren sowohl, wie auch deren letzte Verwendung in kostbaren Toiletten vorgeführt, und zwar auf eine Art, die etwas Wunder⸗ bares darstellt. Die Textilsabrikation zunächst kann man sehen bei der Verarbeitung der Baumwolle und des Leinens. Recht efsekt⸗ volle Dioramen mit sehr natürlichen menschlichen Gestalten, Ge⸗ räten, Maschinen usw. begleiten sie von dem Ernten des Roh⸗ materials an, über die verschiedenen Fabrikationsprozesse bis zur Fertigstellung des der Verarbeitung harrenden Tuches. Die Vor⸗ führung der Toiletten dann bietet aber noch Sehenswerteres. Da werden die„Besten der Gesellschaft“ beiderlei Geschlechts— hauptsächlich aber die Damen— in allen den vielen Toiletten dar⸗ gestellt, die dem Sprachgebrauch nach zum Leben in diesen Kreisen unentbehrlich sein sollen, vom Negligee an bis zur kostbarsten Robe, vom legeren Rock bis zum eleganten Staatssrack. So sehr das nun auch aufreizend sein kann, so wenig wird man sein Auge ver⸗ schließen können vor der Pracht, den diese Toiletten bieten, vor dem feinen, ja, raffinierten Geschmack, dem sie ihre Entstehung verdanken, und vor dem ungeheuren Kunstfleiß, der sie geschassen hat. Nur wird man auch gleich hinzusetzen müssen, daß so etwas nur fran⸗ zösischer Esprit zu schaffen und— zu tragen vermag. Das übrige dleser Halle bietet alles verwöhnten Frauengeschmack zu genügen. Die dritte Halle weist ein viel bunteres Gepräge auf. Sie ist gefüllt vorerst mit Herstellungsmaschinen und Produkten der Genußmittelbranche. Davon wieder nimmt den meisten Raum die Vier- und Weinbereitung ein, die in unzählig vielen Maschinen und Apparaten, sogar mit einer ganzen Filtrieranlage vertreten ist. Danach folgt die Schokoladefabrikation, die auf sast ebenso umsang⸗ reichem Raum die Herstellung dieser köstlichen Waren teils selbst zeigt— durch große Maschinenanlagen— teils diese Waren in ver⸗ lockender Auswahl vorlegt. Den Abschluß zu diesem gibt eine Ab⸗ teilung von Bonbons, Cales, Tee, Kassee und Wein.— Dann solgt die Industrie der Leucht- und Heizkörper, die vor allem bemerkens⸗ wert hervortritt durch kunstvolle Gasöfen und Kamine, durch Babe⸗ einrichtungen, Kesselanlagen usw. Weiterhin ist das Kunstgewerbe sehr gut vertreten: es zeigt an einer Anzahl Wohnungseinrich⸗ tungen, wie sehr es nach neuen Ausdrucksmitteln strebt, nur daß uns Deutsche diese Formen etwas sonderlich anmuten. Bemerkens⸗ wert ist noch eine Abteilung der Sportvereine, die zwar nichts vorweisen können, die aber weiter wie ihre Preise, damit zeigen, Diplome usw. eine wie große Achtung sie genießen. bildet etwas noch Charakteristischeres für Belgien: kirchlicher— in diesem Falle klerikaler— Kunst. ihrer ganzen Mannigfaltigkeit, dienstlichen Räumen, mit Geräten und Schmuckstlcken der verschie⸗ densten Art aus Metall, Glas, Holz, Stoff usw., Kirchenportal ist ausgestellt. Natürlich weist alles den ole, schon lange zur Schablone gewordenen Charakter auf. Die vierte Halle zeigt sich noch bunter als die dritte. In ur machen die verschiedenartigsten Maschinen des Buchbrndgenes den Anfang, von denen namentlich die für das Reproduktionsver⸗ sahren interessieren. Den Schluß Sie zeigt sich in von medizinischen Apparaten, von Musikapparaten usw., die reichhaltig ist, eine von Automobilen und Kutschen, von g möbeln und was dergleichen Dinge mehr sind, die natürlich— nicht alle aufgeführt werden können. Uns interessiert in dieser vor allem eius: eine Ausstellung der berühmten Genter K das, was sonst noch dazu gehört, um einem eine Ausstellung Wandbekleidungen, kirchlichen nämlich mit vollständigen gottes⸗ ja, sogar ein 1 * * e e 5 A 1 . 5 3 — * 3 Nach ihnen folgt eine Ausstellung der Lütticher Waffenfabrikation, hauptsächlich durch Schußwaffen vertreten; eine Na eee 1 A . nd Produktionsgenossenschaft„Vo rruit“. Sie gibt zunächst— er einem riesigen Wandgemälde von N. Sibiriak, das den wirt⸗ baftlichen Kampf und dessen Beseitigung durch den Sozialismus arstellt— eine plastische Wiedergabe ihrer ganzen Anlagen, so gie sie in Gent liegen, wobei sich zeigt, daß die ganze Stadt damit 1 eflüllt ist, sodaß der„Vorruit“ mit Recht von einem„sozialistischen bent“ sprechen kann. Außerdem zeigt er, was er herstellt und was i verkauft. Da findet sich nun alles Notwendige: Kleider, Schuh⸗ garen, Lebensmittel, Möbel usw., jeder Bedarf des Arbeiters, alles 1 guter Herstellung und von sauberstem Aussehen. Das ganze gacht einen sehr guten Eindruck und illustriert trefflich die Bedeu⸗ 1 ung der Konsum⸗ und Produktionsgenossenschaften für den Ar⸗ 1 eiter. N Die folgenden Abteilungen— soweit sie in diesem Zusammen⸗ unge betrachtet werden sollen— unterscheiden sich von den vorher⸗ gehenden sowohl durch ihren anderen Charakter, wie ihren geringe⸗ en Umfang. Als erste verdienen davon genannt zu werden die ommunalen Prunkgebäude der vier belgischen Hauptstädte Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Gent. Alle vier sind auf einem Platze ver⸗ nigt und zwar so, daß sie mit ihrem winkligen Bau ein Quadrat umschließen; und jedes einzelne ist die Nachbildung eines berühm⸗ en Gebäudes der betreffenden Stadt. Sie enthalten in mehreren großen Parterre⸗Räumen allerlei Interessantes aus der Geschichte und dem gegenwärtigen Leben der vier Städte. So zeigt das Genter Gebäude einen Audienzsaal aus dem Mittelalter, sowie eine Huldigung vor einem Königskind; außerdem Karten, graphische Tabellen und sonstige Darstellungen von seiner Wasserversorgung, N einen Wohnungsbauten usw. Das Lütticher Gebäude enthält nur mehrere altertümliche Zimmer. Die große Hasenstadt Antwerpen befaßt sich natürlich in der Hauptsache damit, über Schiffstypen, ihre Hafenanlagen, Stauwerke usw. zu unterrichten, wobei sie in mehre— ben Modellen die ganze Stadt mit ihren gewaltigen Häfen vorführt. Die eigentliche belgische Hauptstadt endlich, Brüssel, gibt sich bezeich— genderweise ganz sozial, wenn sie auch das Altertum nicht vergißt. Sie sveist vor allem etwas recht Bemerkenswertes auf: in plastischer Darstellung an Beispiel und Gegenbeispiel zu zeigen: wie die Bauern, Bäcker, Fleischer usw. mit den Nahrungsmitteln, die sie verkaufen, umgehen sollen und wie nicht. Das ist nun in aller kraßheit dargestellt, dürfte aber kaum übertrieben sein. Solche Darstellungen sollten nur überall gebracht werden! Weiterhin ist ein ganzer Saal mit Ergebnissen über Untersuchungen von Nah⸗ krungsmitteln vorhanden. Sonst ist noch zu erwähnen, daß eine besondere Abteilung ganz dem kommunalen Leben belgischer Städte gewidmet ist— meist Modelle, Pläne usw.—, daß die Stadt Gent noch einmal allein eine Abteilung bestreitet zu dem Zweck, um über ihre Haushaltung⸗ und Fortbildungsschule berichten zu können, was durch allerlei Schllerarbeiten geschieht: und daß schließlich die Armee selbst unter. die Aussteller gegangen ist mit einem umfangreichen Arsenal von Wassen, die die ganze Mordtechnik von heute gut illustrieren. Die Ansteckungsfähigkeit des Syphilis. Die Ansichten über die Ansteckungsfähigkeit der gefürch⸗ teten Krankheit sind in Aerztekreisen noch längst nicht geklärt. so herrscht z. B. durchaus getrennte Meinung darüber, ob das Blut der Syphilitiker, die Milch luetischer Frauen, die beide bei der mikroskopischen Untersuchung gewöhnlich keine Spirochageta pollida(die Erreger der Syphilis) aufweisen, ansteckungsfähig sind. Zur Aufklärung dieser Fragen wer⸗ den viel die Forschungen beitragen, die Geh. Rat Prof. Dr. Uhlenhuth in Gemeinschaft mit Dr. Mulzer vorge— nommen hat, und über deren Ergebnis der Erstgenannte in der Umschau berichtet. 5 AZBaunächst ist durch die Versuche zweifelsfrei die Ueber⸗ hagbarkeit der Syphilis auf Kaninchen, die hier wie⸗ derum als Versuchsobjekte dienen mußten, festgestellt. Seit⸗ dem 1903 Roux und Metschnikoff die Empfänglichkeit des Affen für die menschliche Lues nachgewiesen hatten, war man im allgemeinen der Ansicht, daß diese dem Menschen nahe verwandten Tiere auch die einzigen seien, in denen sich die Spirochaeten fortzüchten ließen. Die beiden obenge— nannten Forscher haben demgegenüber den„erfolg“ reichen Syphilisbazillen gewissermaßen erst für es zurechtgezücktet werden. Die beiden Aerzte übertrugen spirochaetenhaltege Flüssigkeit aus menschlichen syphilisischen Geschwüren in die Hoden der Tiere, schnitten dann die erkrankten Stellen heraus und übertrugen sie wieder auf neue Tiere usw. Bei dieser Wanderung durch die Kaninchenkörper gewann der Bazillus ständig an Giftigkeit: die Zahl der Impfresultate stieg von 8—25 auf 75—100 Prozent, die Inkubationsdauer verkürzte sich von 8—12 auf 4—6 Wochen. Auch die Schwere der Erkrankungen nahm zu. Es zeigte sich, daß nicht nur an den Impfstellen, sondern auch im Gesamtorganismus die charakteristischen Veränderungen der Syphilis auftraten. Noch mehr war das der Fall bei der Einführung des Giftes in die Blutbahn. Besonders junge, 2—3 Wochen alte Tiere zeigten nach 6—170 Wochen eine Abnahme der Freßlust, Geschwüre an den Nasenöffnungen, den Geschlechts⸗ teilen, den Augenlidrändern, Haarausfall, Entzündung der Bindehaut und Entzündung und Trübung der Hornhaut des Auges. Diese Krankheitserscheinungen heilten entweder ab oder sie führten nach einiger Zeit genau wie beim Menschen zu Rückfällen an bestimmten Körperteilen. Endlich das wichtigste Ergebnis! Die beiden Forscher spritzten Blut, Blutserum, Samenflüssigkeit, Milch, Urin, Speichel, Schweiß syphilitischer Menschen in die Hoden von Kaninchen und konnten dabei in 83 Prozent aller Fälle eine Ansteckung feststellen. Die obengenannte Frage ist demnach im positiven Sinne beantwortet. Allerdings war die Er- krankung geringer, als bei den künstlich herangezüchteten Virus. Die Ansteckung erfolgte auch dann, wenn der Kranke zur Zeit der Entnahme der Flüssigkeit keine Krankheits- symptome zeigte, also nur latent syphilitisch war. Auch für die Rückenmarksflüssigkeit und die Milch von Frauen, die ein syphilitisches Kind geboren hatten, ohne jemals selbst An⸗ zeichen der Krankheit gegeben zu haben, konnte die An⸗ steckungsfähigkeit festgestellt werden. Auch wenn in der Milch keine Bazillen gefunden werden konnten, wiesen die durch sie erzeugten Hodengeschwüre der Kaninchen ungeheure Mengen von Spirochaeten auf, eine Tatsache, die direkt das Problem der Urzeugung in die Debatte wirft. Jedenfalls müssen die hier gefundenen Resultate zu besonderer Vorsicht bei dem Engagement von Ammen ermahnen. Aber auch sonst lassen sie die Ansteckungsfähigkeit der Syphilitiker in einem neuen, recht bedenklichen Lichte er⸗ scheinen. Größte Vorsicht im Umgang mit solchen Personen, sobald man Kenntnis von ihrem Leiden hat, ist demnach am Platze. Uebrigens haben die beiden Aerzte auch interessante Untersuchungen über die Heilfähigkeit von Atéxyl, und atoxylsaurem Quecksilber an den Versuchstieren gemacht, die für die Syphilisbehandlung manchen neuen Fingerzeig geben dürften. Gefrorenes Leben. Von Dr. A. Lanick. Die Wissenschaft ist auf dem besten Wege, uns das Staunen überhaupt abzugewöhnen. Ihre Entdeckungen, Fortschritte und Untersuchungen führen zu niegeahnten Ergebnissen. Und was das Beängstigende dabei ist, sie jagen sich, man möchte sagen, von Tag zu Tag. Greift man ein einzelnes Beispiel heraus, die Wunder der Radioaktivität oder die erstaunlichen Erfolge bei der künstlichen Ei⸗ weißherstellung oder die genialen Forschungen unserer Biologen: man könnte in jedem einzelnen Falle in Begeisterung geraten, daß man Zeitgenosse solcher Großtaten des menschlichen Geistes sein darf. Aber der Ueberfluß stumpft ab. Wir sind mit der Zeit daran gewöhnt worden, heute Dinge als selbstverständlich hinzu⸗ nehmen, die gestern noch für unmöglich galten. Wer wird sich da noch wundern, wenn es jetzt sogar gelungen ist, das Leben gefrieren zu lassen, es aufzubewahren und später nach Bedarf wieder zur Tätigkeit zu erwecken? Es mußte ja schließlich soweit kommen. Dieser neueste Triumph der medizinischen Wissenschaft ist in Amerika errungen worden. Die Amerikaner haben sich eine neue Art zu arbeiten angewöhnt. Nicht mehr mit Reklame und lautem Geschrei, so daß man verfucht ist, von amerikanischem Schwindel zu 5 geführt, daß das Kaninchen sogar ein für die Philis bejonders empfängliches Tier ist, nur müssen die] sprechen. Sie arbeiten im stillen, bis sie wirklich etwas geleistet „ — n — . * haben. Dann stellen sie die Welt vor die sertige Tatsache und sagen mit amerikanischer Einfachheit: Da ist eine neue Sache. Sehen wir uns die neue Sache einmal näher an. Wir müssen uns zu diesem Zwecke nach Baltimore begeben und dort in die Johns Hopkins Medical School hen In dieser Anstalt wird schon sei langen bewußt und mit an. crikau Untersuchungen ist William seine Jahren Leiter der 1 n ** izin jener Hochschule, Dr. ind Arbeit räumen sitzen stiere dienen in der Hauptsache Eidechsen, Frösche Mäuse un 5 Ratt⸗ en. Bei den Untersuchung Tierchen mit großer Vorsicht in ein Glasgefäß voll flüssiger Luft gebracht, in dem es sehr schnell gefriert und starr wird. Damit es beim Einfrieren aber leinen Schaden nimmt, erhält es durch ein Röhrchen, das durch den Deckel des Glasgesäßes geführt wird, kleine Mengen Sauerstoff zugeleitet, bis es vollständig gefroren ist. Vor Beginn des Versuches muß auch erst das Herz des Tierchens genau auf seine Lebenskraft untersucht werden, denn je nach der Stärke dieser Herztätigkeit richtet es sich, wie lange das Leben in dem Körper in gefrorenem Zustande erhalten werden— Das Gefrieren selbst nimmt die wenigste Zeit in Anspruch. Dann wird nach Entfernung des Sauer⸗ stoffröhrchen Deckel geschlossen, ein Schildchen mit den nötigen Angaben auf das Gefäß geklebt, und der kleine„Leichnam“ in den Schrank gestellt. Kein Laie zweifelt beim Anblick dieser Gläser daran, daß er es hier mit Tierleichen zu tun hat; deun die Körper sind vollständig 53 nehmen wochenlang keine Nahrung und kein Wasser zu sich, atmen keine Kohlensäure aus, geben überhaupt kein Lebenszeichen von sich. Es sind allem Anschein nach Tiermumien. Um uns vom Gegenteil zu überzeugen, nimmt jetzt der Forscher ein Glasgesäß aus einem Schrank, in dem ein Frosch in stüssiger Luft schwimmt. Aus den Angaben des Schildchens ersehen wir, daß das Tierchen sich schon seit 6 Wochen in diesem Zustan de befindet. Der Frosch wird jetzt vorsichtig aus der flüssigen Luft genommen. Er ist völlig steif und leblos. Wird der Versuch gelingen dder nicht? Wir warten einige Minuten in atemloser Spannung, und schon schielt mancher halb enttäuscht den Gelehrten an. Aber was ist das? Ein Quaken. Unzweifelhaft, der Frosch hat einen Laut ausgestoßen, und nun schllttelt er sich, blinzelt mit den Augen, und jetzt hüpft er davon, in behäbigen Sprüngen quer über⸗den Tisch. Vom Tode erstanden 8 Der Der 8 weiß, daß es nichts 8 im Eis einfrieren und beim Auftauen doch wieder leben. Kälte der flüssigen Luft ist doch viel größer, als sie die Winter in unseren Teichen aushalten müssen. sich natürlich besonders gut zu solchen Unt am ehesten greifbare Ergebnisse liesern. Aber es sind doch auch schon an anderen Tieren erfolgreiche Versuche vorgenommen wor— den. So wurden eine Anzahl Hühnereier gerade in dem Augenblick in flüssige Luft gelegt, in dem die kleinen Küken ausschlüpfen woll ten. Erst nach Wochen nahm man dann die Eier wieder aus der Kälte, zerbrach sie und erweckte die Kücken durch elektrische und chemische Reizungen wiedr zum Leben. Sie lebten zwar nur wenige Stunden lang lebten, und das ist für den Anfang doch die Hauptsache. Frösche Aber die Frösche im Kaltblüter eignen ersuchungen. Sie werden aber sie Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß uns glaubhaften Quelle, aus der das Material denken kommen. Wie uns Versuche gezeigt haben, ten bei der ühlung auf die tiese Kälte der flüssigen Luft eine schalenförmige Erstarrung und Absonderung statt. Sie nruß auch beim Tierkörper eintreten und innere Zerreißungen zur Folge haben, die ein Weiterleben nach dem Auftauen und Er wärmen erscheinen ssen. Vorläufig lüften die Amerikaner den Schleier noch nicht, der diese Geheimnisse verbirgt, und die e rg werden in der 9 Hopkins Medical School rastlos fortgesetzt. Die praktische Wissenschaft hat ja aus der leben⸗ rhaltenden Eigenschaft der Kälte auch schon eine Nutzanwendung gezogen rsolgreiche Versuche angestellt, lebendes Gewebe, tage⸗ und wech bent aufzubewahren und sstrachtrurgische Zwecke bereit⸗ zuhalten. Irgendwelche Prophezefungen für die Zukunft auf Grund der Bersuche an der amerikanischen Hochschule machen zu wollen, ist, wie überall, so auch hier gefährlich. Vor allem ist es Unfug, wenn der Gedanke an das Gefrierenlassen von Menschen in den Bereich ernsthafter Erörterungen gezogen wird. Vom vom Kücken bis zum Menschen gähnt doch noch eine zu gewaltige Kluft. Wir wollen zufrieden sein, wenn die Aufbewahrung leben⸗ den Gewebes in der medizinischen Praxis allgemein durchgeführt werden kann;: denn das bedeutet für die Menschheit geheuren Fortschritt. trotz der stammt, manche Be⸗ g findet an Früch plötzlichen Ab! ausgeschlossen Frosch und schon einen un⸗ Aus unserer Sammelmappe. Ein Einwirkung des Schwefels auf das Pflanzen Schon seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts weiß man, 3 Schwefel auf das Pflanzenwachstum fördernd einwirkt. lich handelte es sich dabei bisher mehr um gelegentliche Bey tungen, und nicht um streng wissenschaftliche Untersuchungen. in den letzten Jahren sind Forscher dem Problem wissenschaftlich N Leibe gegangen. Nach den neuesten Untersuchungen wirkt der Schwefel einmal auf die Bakterien des Bodens, und dann seine Umsetzung in Schweselsäure. Ganz aufgeklärt ist die Fr freilich noch nicht und die Untersuchungen dauern noch an. essant sind die Ergebnisse, die Paul Lichtt in Bern bei Wachs versuchen mit Hafer erzielt hat. Ohne hier auf die rein wife schaftlichen Einzelheiten der Versuchsreihe einzugehen sei mitgetell daß die Gegenwart von Schwefel bei drei von fünf verschieten Düngungsarten eine unzweifelhaft günstige Wirkung gezeitigt hat. Bei den übrigen beiden Düngungen kann man eine Beeinfluss noch nicht bestinmmt nachweisen. Am stärksten war die Jörder es Ertrags durch Schwefel bei kalifreier Düngung, hier kamen a ein Versuchsgefäß bei Abwesenheit von Schwefel 78,3 Gre Körner und Stroh, bei Gegenwart von Schwesel aber 105,8 Gr also ein Mehrertrag von 27,5 Gramm. An der Erhöhung des trages war vor allem sreilich das Stroh beteiligt. Volkshochschulen in Finnland. Weit bekannt sind die dänsscht Volkshochschulen, denen dieses Land neben dem Genossenschaftswe seine Wiederauserstehung verdankt. Auch von den schwedsschen Volkshochschulen hörten wir schon. Daß auch Finnland, jenes n- glückliche, unter dem zaristischen Terrorismus schmachtende und de so mutig um seine geistige und politische Befreiung kämpfende ke Kulturland im Norden seine hohen Schulen für arme Bauern Arbeiter hat, war bisher weniger bekannt. In den Dokumenten des Fortschritts finden wir eine Schilderung des Charakters der seitherigen Erfolge der Bewegung, die uns Achtung abzwin Die erste finische Volkshochschule wurde 1889 in der kleinen Stadt Borga gegründet, der 8 2 weitere in Esbo und Kron folgten. Gegenwärtig gibt es 41 Volkshochschulen in Finnlan darunter 14 mit schwedischer* 27 mit finnischer Sprache, 40 von diesen Schulen werden 1664 Schüller unterrichtet oder pro Schule. In den schwedischen Schulen haben 85 Prozent Schüler höhere Kenntnisse, in den finnischen 9 Prozent. In dei schwedischen sind 609 Prozent Söhne und Töchter von Bauern, Rest von nicht besitzenden Käthnern oder Landarbeitern, in den finnischen 73 Prozent. Im allgemeinen hat die sinnische Volkshochschule ihre 5 regungen aus Dänemark erhalten, von den Gru. tvigschen deen, 9 die von Ludwig Schröder und Paul la Com in der erwel Volkshochschule in Askow entwickelt wurden. Man beschästigt o in diesen Schulen besonders viel mit Literatur: die Grundtvigschen 1 Dichtungen werden gelesen, die nordischen Götter⸗ und Heldensagen, 15 die nationalen Gedichte Runebergs usw. Es ist selbstwerständlich, daß bei einem national unterdrückten Volke das nationale Problem eine große Rolle spielt. Aber auch Naturwissenschaften werden ge ⸗ trieben, Mathematik, Physik. Daneben wird das in der Vo f Gelernte: Schreiben, Lesen repetiert. Endlich werden den Schiller auch praktische Kenntnisse übermittelt, in der Buchführung, dem Aufsetzen von Kontrakten, in der Tischlerel, für Mädchen im Weben, Nähen und Kochen usw. Seit einigen Jahren wird Wert gelegt, den Schülern etwas landwirtschaftlich⸗theoretische un- bildung zu geben. Ein Kursus dauerte Monate: vom 1. November bis 1. Mal. Die Schüler haben ein Durchschnittsalter von 18—20 Jahre. Jast alle Schulen sind Internate, d. h. die Schüler wohnen und— gemeinsam mit den Lehrern im Institute. same Gesellschaften, Ausflüge usw. statt. akademisch gebildet. Bis vor einiger Zeit. die Schulen dur die Opferwilligkeit einzelner Mitbürger und Landgemeinden er⸗ halten. Schon oft hatte der Landtag die Regierung um Bereit ⸗ stellung finnischer Staatsgelder für die Schulen ersucht. Es wurde aber stets nur ganz wenig bewilligt und erst seit dem. Systemwechsel im Jahre 1905 wurde ein Staats zuschuß gewährt, der die Existenz der Schulen sichert. Es ist aber sehr zweifelhaft,* auf die Dauer wird erhalten bleiben. 9 „