fen, r Vong scenih, real 0 Körpa, , wirtg ge öh ben sal en die Rennen n, die l tlerishe ie sie an 8 helm 1 beau all uh gelöst, den Kah Alter a man, un, ige Met Hiebe eiben ga r berah en geh 1 Half Manke säbel dn int. de in eius, gend l ten dat i kung „. i bun Neuß ler be ande ten 10 0 K. fünf ch We 60 0 b Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 3a Diensfag, den 25. November 1913 2. Jahrgang Ein überwundener Standpunkt. Neben dem Patriotismus wird heutzutage von den Mächten der„Staatserhaltung“ nichts so eifrig gepflegt, als die Religion. Nun gehört aber wirklich nicht allzu tiefes Nachdenken dazu, um herauszufinden, daß beides sich eigent— lich nicht miteinander verträgt. Denn der lärmvolle Patrio— tismus, den man bei uns zur Schau trägt, will doch eine Ab- kehr von den anderen Völkern und eine Erhebung über sie; die„nationalen Eigentümlichkeiten“ sollen von der Ver— mischung mit dem Fremdländischen bewahrt und behütet werden. Dahingegen die Religion ist ganz offensichtlich inter— national; wenigstens alle Weltreligionen sind es, und vielleicht keine so sehr wie das Christentum. Bekanntlich ist das Christentum aus dem Judentum entstanden; es ist eine Ent— wicklung der jüdischen Religion über das hinaus, was sie ursprünglich war. Und zwar ist in dieser Entwicklung am wichtigsten die Entwicklung vom Nationalen zum Internatio— nalen.„Im höchsten Altertum aller Völker“, schreibt der Berliner Universitätsprofessor Graf Baudissin,„war ihre Religion nicht nur das vielleicht am meisten national Be— stimmte, sondern fast überall das Band der Nationalität und ebenso die Scheidewand gegen andere Völker.“ Wissen wir doch, wie scharf die Juden des alten Testaments darauf hiel— ten, sich nicht mit anderen Völkern zu vermischen, und wie ihnen dazu insbesondere ihre Religion diente, indem sie alles Nichtjüdische für unrein und für minderwertig erklärte. Dann aber kam die Umwandlung des Judentums in die christliche Form, und es kam die Lehre, daß es kein aus— erwähltes Volk Gottes gebe, sondern daß Gott und seine An— betung für alle Völker und alle Menschen sei:„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Mann noch Weib, hier ist nicht Knecht noch Freier, sondern ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu,“ predigt der Apostel Paulus. Allerdings ist es ein Irrtum anzunehmen, daß diese Umwandlung plötzlich, mit einem Male, mit dem Auftreten der Stifter des Christen— tums gekommen sei. Vielmehr hat sie, wie jede Entwicklung, gewaltige Zeiträume, viele Jahrhunderte gedauert.„Der naive Glaube einer älteren Zeit,“ schreibt Graf Baudissin, „daß Israels Gott gebunden sei an dessen Land und daß außerhalb dieses Landes andere Götter geböten, zeigt sich später nur noch in der Masse des gemeinen Volkes. Bei den leitenden religiösen Persönlichkeiten, den Propheten, war da— mals(zur Zeit des Exils) längst die Einzigkeit Jehovas da⸗ hin verstanden worden, daß man ihn als über Himmel und Erde gebietend ansah.“ Und weiter:„Den Gott... als den Gott der Menschheit zu denken, haben die Propheten be— gonnen seit dem Untergang des Reiches Juda im 6. Jahr⸗ hundert.“ So viele hundert Jahre vorher war also schon bei den religiösen Denkern die Ansicht fertig, daß Gott und seine Religion für alle Völker und für alle Menschen bestimmt sei. Nur war diese Ansicht noch nicht in die Massen ge⸗ drungen, was ja auch nach der Stiftung des Christentums noch sehr lange gedauert hat, ja sogar heute noch nicht ein⸗ mal den Massen so recht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Jedenfalls steht nach alledem fest, daß der Schritt vom Nationalismus zum Internationalismus der wichtigste Fort⸗ schritt des Christentums gegenüber dem Judentum gewesen ist. Die Internationalität gehört zum Wesen des Christen— tums.„Zu dem im israelitischen Volk am Ende seiner Ent⸗ wicklung erkannten Gott aller Welt bekennt sich heute durch die Vermittlung des Christentums ein nicht mehr national begrenzter großer Teil der gesamten Menschheit,“ Graf Baudissin. Und das alles sagte der Berliner Universitätsprofessor in einer Festrede, die er zum Gedächtnis des Stifters der Universität, des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., hielt, und worin er natürlich auch auf die sonstigen Jubel- feiern dieses Jahres zu sprechen kam. Wie wäre das auch zu verwundern gewesen? Ist doch der Widerspruch für den, der sich nicht mit blödem Hurrageschrei begnügt, sondern nach— denkt, gar zu grell! Das Christentum eine internationale Religion, das alle Völker zur Freundschaft, zur Vereinigung, zur Verbrüderung aufruft. Der Patriotismus aber hat im Zeichen der Jahrhundertfeier sich im Völkerhaß und in Völkerverhetzung ausgetobt. Die„Patrioten“ haben wieder einmal so getan, als ob der liebe Gott einzig und allein für ein einziges Volk, für ein„auserwähltes“ Volk da sei, nur daß an Stelle der Juden jetzt die Deutschen dieses auser⸗ wählte Volk sein sollen! Ein Rückfall in die finstersten Zeiten des Altertums, in jene Zeiten, die die Menschheit in Jahr— tausende langer Entwicklung, gerade auch mit Hilfe des Christentums, überschritten hat. Es ist wahrlich sehr maß voll, wenn der Berliner Professor dieses kulturwidrige Trei— ben nur leise mahnend mit den Worten abtut: „In der Erhebung des Jahres 1813 und auch jetzt nach 100 Jahren in kirchlichen Erinnerungsfeiern ist nicht ganz selten das deutsche Volk gepriesen worden, als ob es in einem einzigartigen Verhältnis der Auserwählung zur Gottheit stünde. Das ist eine vollständig unberechtigte Ver⸗ pflanzung eines überwundenen Standpunktes auf ein ihm fremdes Gebiet.“ Wie feindlich aber die Betonung dieses„überwundenen Standpunktes“ dem wahren Wesen der Religion ist, das zeigt Graf Baudissin mit den Worten: „Ein Volk kann sein Nationales nur dann mit Berech— tigung behaupten, wenn es sich bewußt ist, daß neben ihm andere Völker ihre Sonderansprüche zu erheben haben. Wo das vergessen wird, treten leicht Verirrungen eines nationalen Fanatismus zutage, in denen ein Volk mit allen Mitteln andere Völker seinen selbstischen Bestrebungen unterordnet. Der Nationalismus kann dann, wie wir erst jüngst mit Schaudern gesehen haben, zum Götzen werden, dem seine Anbeter mit blutigen Greueltaten in Menschen— opfern alle schon errungenen Grundsätze der Religion, auch der christlichen, und einer allgemein menschlichen Kultur preisgeben.“ Wie weit ist doch das lärmvolle Treiben unserer„Patrio⸗ ten“ entfernt von wahrer Religion und von wahrer Volks- und Vaterlandsliebe! schreibt Eine gemeinverständliche Darstellung der Statistik. Statistik,— für die meisten Menschen ein Wort, bei dem sie ein leichter Schauder überläuft. Wie ein Albdruck der Unverständlich⸗ keit und der Langeweile legt sich die Vorstellung von ungeheuren Zahlenmassen, seitenlangen Tabellen auf ihre Seele. Und doch, was wäre die heutige Welt ohne Statistik? Die Statistik, die sich selbst bescheiden als eine Hilfswissenschaft bezeichnet, gibt heute nicht nur die Grundlage für fast alle sozialen Maßnahmen ab: eine Alters-, Kranken⸗ und Unfallversicherung, eine Arbeitlosenversicherung(wie auch jede Privatversicherung) wäre ohne Statistik ebenso undenkbar wie eine Säuglingssterblichkeits⸗ und Tuberkulosebekämpfung, eine f 9 45— 7 8 0 * 48 1. 41. * 1 65 ge 74 10 7 0 . 3 1 51 7 1 1 0 1 4 1 9 N 1 2. — *„ 2 1 5 g 75 * * 0 *„ „ 4 59 „* 9 5 f 8 0 ** 2 15 1 29 * 5 1 1 1 — 3 * eine en W ns W ei 1 Ne— * 21 — 5 8* 1 6 9 5 8 5 1 9 0 — ss die ve 1 * 8 * 8* 8 1 8. igungen erfüllt, Edaphon. Die Entdeckung einer unterirdischen Welt. Von O. Jalkenfels. Vor etwa 70 Jahren erregte es in ganz Deutschland das rgrößte Aufsehen, als der berühmte Professor an der St 0 Berliner Universität, G. Christian Ehrenberg mitteilte, daß 3 f[ganz Berlin ebenso wie! e and tädte Preußens auf die Frage r Lager leb 3 aut sei. Später 5 111 r dahin b icht einzellige Tiere, Tat⸗ sond Pfl ieselalgen wären; auch stellte f s, daß n re grüne Farbe vor⸗ der Ansicht verleiten lassen, sie seien noch S Tat aber ist, daß so, wie sich unter Berlin in f n auch auf Salzlager dehnt wenige 5. 5 g eine u Menge f opif f zen lie den Ber⸗ 1* 0 wohl durch f— d bereitet solchem f d fe 0 re Bauten finden. d u ndte an sich D Er U Erd⸗ r g r Tat⸗ 0 1 Kurio⸗ . Boden 1 f in D eil 1 de⸗ f r vorteilhafte 1 5 si a el Form gen d. 0 0 vo 4 f 2 Sc e 1 f ogie, * 7 8 0 Der f ern f nz durchschaut r Sta st ik 1 da daß zu unseren Füße 8 52 5 1 f) da doe a 1 1 Unseren Füßen, S e g der saͤ 0 K losen Erde ein seltsam 8 Gen oste Theat Ununterbrochen entliche Deutsck* in nzenblätter und tote S Aemter! ler A Pflangenwurzeln, die S Das 1887 1 g 6 Tier- und Pflanzen⸗ private Ve st eine lung eintreten. Sie die V komm n feinste Körnchen Statistik uch viele Säuren in ö f n it f ltenden Sub⸗ 0 0 d der Erd und nach alter Erfahrung f 1 dief für d Furchtbarkeit ist. en 9 2 d a taltung Lebensresten in f die 0 n kann, muß sich gar vie i im Boden er⸗ de N Es müssen vor allem mechanische Zerkleinerungen 2 9 Blätter oder Tierleichen müssen zerlöst werden. 5 den sie d die Fäulnisbakterien und . ssen! durch die vielerlei kleineren d S u 0 Tier die Käfer, Milben, Asseln, Spinnen, 1 v nd n k Erdwürmer, die es sich g d Sck in und Ritzen be⸗ die f rlöfung in Körnchen statt⸗ . 4 Die Hu sse muß, m sie der Pflanzenwelt dien⸗ et en durchlüftet werden, sonst backt sie in harten, un⸗ a sauren Ruhhumus zusammen. Diese Durch. 8 K. kann und muß auf zweierlei Wegen geschehen. Es M Or krümelig werden, das heißt, von feinsten che B 8 setzt werden, und in diesen Hohlräumen r f Sauerstoff id Kohlenfäure bilden. Wir sehen wenigstens, daß! 1 1 diese Be⸗ tbare Acker- oder Walderde aber wir konnten uns kein klares Bi chen, wie das zustande kam. Die Regenwürmer odes deninsckten arbeiten zu grob, die Bodenbakterien entfalten —— — * 8 —. 5 U ds der daß auf E keine mechanische Wirksamkeit, sind auch als Sauerstoff- und Kohlensäurebildner zu bedeutungslos. Sogar als Stickstoffbildner bereiteten sie den Boden⸗ chern eine Ueberraschung. Die Vorgänge im Labo⸗ ratorium verliefen anders als in der freien Natur. Der Stick⸗ stoffumsatz im natürlichen Boden war viel kräftiger als in der Retorte, mit der man alle natürlichen Vorgänge im Boden nachahmen zu können glaubte. Es war also nachgerade recht fühlbar geworden, daß man irgendein wichtiges Glied in der Kette der Vodenvorgänge noch nicht kannte. Dieses fehlende Kettenglied scheint nun durch die Ar- beiten im Biologischen Institut München entdeckt zu sein, über die dessen Leiter R. H. Francs soeben in einem lang⸗ jährige Untersuchungen und Versuche zusammenfassenden größeren Werk berichtet.“ Francs bezeichnet darin dieses fehlende Bindeglied als Edaphon(die im Erdboden hausende Lebewelt) und versteht darunter etwa 120 verschiedene Formen von Tieren und den, Pflanzen, die er in allgemeiner Verbreitung in allen Acker⸗ sih böden, in Wald⸗ und Wiesenerde, in Gärten, sogar in Blumen. rd. topferde in ganz Europa— von den Tiefebenen bis zu den Lat, Grenzen des Pflanzenlebens in den Alpen— gefunden hat. io. Es sind darunter, als die drei Hauptgruppen: die Wurzel 1 füßler, die Spalt⸗ und die Kieselalgen. Alles mikroskopisch bb kleine pflanzliche und tierische. Lebewesen, die teils unmitktel⸗ ae N bar die in der Bodenluft befindlichen Gase verarbeiten und f Sguerstoff produzieren, teils durch ihre Atmung Kohlensäur 12 abgeben, vor allem aber, soweit sie tierisch leben, Stickstoff il Ffubstanz verzehren, mit ihrem Körper aber auch den Boden deen mit Stickstoff anreichern und ihn, angesichts dessen, daß meist of ein hundert, oft aber mehrere hundert von ihnen auf einen Millimeter gehen, in die allerfeinsten Körnchen zerlösen, aber chen guch, weil sie alle(auch die Pflanzen!) beweglich sind, un— 0 unterbrochen auf das feinste durchpflügen. a Das Edaphon entspricht also den Anforderungen der 004 Krümelbildung, der feinsten Lösung, Durchlüftung und des Stickstoffwechsels, die man bisher nicht befriedigend erklären ngen lonnte. Und da diese merkwürdigen Erdlebewesen, zu denen fel sich auch noch allerlei interessante winzige Rädertiere, Bär— haut 0 tierchen und Fadenwürmer sowie auch unterirdisch lebende den Erdpilze gesellen, in so großer Anzahl finden, daß Francs fan angibt, es lebten in gutem Ackerboden 50 000100 000 im och N Kubikzentimeter Erde, im Waldhumus sogar bis 150 000 im lite 1 gleichen halben Fingerhut Erde, so bewahrheitet sich auch hier „de 0 wieder der alte Spruch, daß die Natur ihren kleinsten Ge⸗ 1 schöpfen durch die Zahl das vielfach ersetze, was ihnen an e Kraft des einzelnen abgeht. an 5 Man wird zugeben müssen, daß solche lebendige Massen n n im Erdboden dessen chemische und physikalische Eigenschaften Sb auf das nachhaltigste beeinflussen müssen. Und daß von ihnen 115 die Fruchtbarkeit der Aecker wirklich in hervorragendem Maße abhängt, geht aus den Versuchen im Münchener In— 1 1% b, ten, 0 9 gell, 0 men die 9 „ 1 dn ll. stitut hervor, die zeigten, daß Düngung die Menge des Eda— phons vermehrt, wie sich überhaupt ergab, daß diese an sich schon sehr interessante und überaus merkwürdige unter⸗ irdische Tier⸗ und Pflanzenwelt in dem Maße reichlicher vor— handen und besser entwickelt sei, als der Boden fruchtbar ist. g Eine Unmenge der wichtigsten und forstlandwirtschaft— lichen, aber auch geologischen und sonst wissenschaftlichen Fragen scheint durch diese Untersuchungen angeregt oder besseren Lösungen nahe gebracht zu werden und die Hoffnung erwacht, daß dem wissenschaftlichen Fortschritt hier auch bald braktische Vorteile nachfolgen werden, die eine bessere Boden— rente und dadurch erleichterte Volksernährung zur Folge haben. Denn in letzter Hinsicht ist es trotz aller industriellen 0 Fortschritte doch die Fruchtbarkeit der Länder, auf denen alle Kultur beruht. — 3 Arbeiten aus dem Biologise R. France, Das Edaphon. 1 Verlag der Deutschen Autitut, München. Nr. 2. Minchen 1913. 8 Gesellschaft. 3 n — Die Genter Weltausstellung. V Kanada— Die Kongohalle.— Schlußbetrachtung. Besondere Erwähnung verdient schließlich noch die Ausstellung von Kanada. Diese Abteilung ist sicherlich nicht nur als Werbe⸗ ausstellung gedacht, sondern sie ist es auch im wahrsten Sinne des Wortes. Die gewaltige Entwicklung Kanadas wird in der großen Halle durch die verschiedenartigsten Darbietungen trefflich illu⸗ striert. Große Dioramen wechseln mit Bildern ab. Die Produkte des Landes, Getreide und Obst aller Sorten, wird in natura vor⸗ gefiihrt. Tabellen veranschaulichen den großen Aufschwung, den das Land in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Die Bevölke⸗ rung Kanadas, die in den achtziger Jahren etwa 4 Millionen be⸗ trug, ist auf 7% Millionen gestiegen. Die Weizenernte betrug vor 30 Jahren etwa 30 Millionen Kilogramm, im Jahre 1912 stellte ste sich auf zirka 200 Millionen Kilogramm. Der Wert der Aus⸗ fuhr stieg in den letzten 10 Jahren von 400 Millionen Mark auf 1260 Millionen Mark, die Einfuhr in der gleichen Zeit von 480 Millionen Mark auf 2240 Millionen. In dem gleichen Rahmen bewegt sich die Entwicklung der Haferernte, die Förderung von Mineralien, der Ausbau der Eisenbahnen, die Einnahmen der Post und der Staatsbahnen. Das alles demonstrieren übersichtliche 2 sche Darstellungen zeigen andererseits, welch un⸗ die Landwirtschaft in Kanada fähig ist. in dem großen Laude harren noch der Auf⸗ t kann die Ergiebigkeit Kanadas noch in Die Aussteller nennen Land der Zukunft. ist dies unzweifelhaft richtig. Die Kanada⸗ chem Maße, wenn auch nicht aufdringlich, Auswanderung. Hierzu muß sogar die„frei⸗ heitliche Verfassung“ des Landes herhalten. Es ist sicher auch hier nicht alles Gold, was glänzt, aber selbst der objektive, kritische Beobachter wird sich der Einsicht nicht verschließen können, daß sich fleißige und erfahrene Kleinbauern mit Erfolg in Kanada werden ansiedeln können. Natürlich durfte auf der Belgischen Welta Ausstellung nicht fehlen. In dem„Palai 1 icht 21 11 20 5 nicht zu ahne In gewissem Sinne Abteilung macht in Propaganda für die sstellung eine Kongo⸗ Colonial“ ist eine igreiche Ausstellung des Kongo⸗Staates untergebracht. Auch e Abteilung verdient volles Interesse. An Reichhaltigkeit er⸗ sie die Kanada⸗Ausstellung. In zahlreichen Unterabteilungen den die vielfachen Produkte des Landes gezeigt. Besonders reich ist die Ausstellung an Dioramen. Hier wird die Gründung einer Farm in der Kupfergegend von Kantangas gezeigt, man sieht große Dampfpf Straßenwalzen in Tätigkeit, Flußtäler werden ein Flußbett verlegt. Ein anderes Diorama zeigt 88 drainiert den Fang afrikanischer Elefanten mit Hilfe von dressierten asiati⸗ schen Elefanten, man sieht eine Viehzuchtfarm auf den Hochebenen Zentral⸗Katangas, einer Gegend, die anscheinend reich an Hochwild ist. Schließlich wird dem Besucher noch ein Krankenhaus und ein Säuglingsheim vorgeführt. Daneben zeigen unzählige Bilder und graphische Darstellungen die Produkte des Landes und die Steige⸗ rung der Produktion. Die Gewinnung des Kautschuk wird demon⸗ striert, weiter Bananenplantagen(von eingeborenen Landwirten bewirtschaftet). Man sieht Kupferbergwerke, Berge von Elefanten⸗ zähnen(um die profitgierigen Händer— plastisch dargestellt— mit den Eingeborenen feilschen). Ein Panorama zeigt ein sogenanntes Kolossal⸗-Rundgemälde, das einen lebenswarmen Ausschnitt aus dem belgischen Kongoland bildet. Man sieht eine Hasenszene, einen gewaltigen Fluß, auf dem sich riesigen Raddampfer bewegen. Markt eines europäischen Dorfes zeigt buntbewegtes Leben. Ananas und Bananen sind in Bergen aufgetürmt. Auf einem Bahnhof werden die Produkte des Landes durch Schwarze verladen. Auf der anderen Seite jagen die Eingeborenen in einem afrikanischen Ur⸗ wald mancherlei Wild. In einem Negerdorf werden bei monotoner Mufik Volkstänze aufgeführt. Antilopen beleben steile Felsen und Krokodile schleppen sich langsam an dem Flußufer entlang. An einer Waldlichtung unterhandeln weiße Parlamentäre mit einem Negerhäuptling. Im Hintergrund sieht man eine militärische 8 11 1 Station und mit Kanonen dicht besetzte Forts. So sehlen in dem e auch nicht die wichtigsten„Kulturträger“ europäischer Koloni⸗ in ihrer geschickten Aufmachung Die vielfachen Produkte sind bea tenswert. Zum Teil scheint das Kongo⸗Land wenigstens besser als jein Ruf. Aber vollständig ist die Ausstellung leider nicht. Zeigt die Kanada⸗Ab teilung die Früchte größtenteils friedlicher Koloni⸗ sation, so darf man nicht vergessen, daß der Weg gewisser kultureller Entwicklung im Kongo⸗Staat über die Leichen der Eingeborenen ging und daß an den europäischen Errungenschaften das Blut der Eingeborenen klebt. Die gedankenlosen Besucher des„Palais⸗ Colonial“ haben wohl kaum eine Ahnung von den Kongo⸗Greueln, die ewig ein Schandfleck für Belgien bleiben werden.: Was die Genter Weltausstellung sonst noch zeigt, das ist mit einigen Worten abgetan. Was das„Palais des beaux Arts“(der Palast der sschönen Künste) bietet, verdient keine besondere Beach⸗ tung. Die Skulpturen und Gemälde sieht man bei uns oder in Brüssel und Antwerpen besser. An der Quantität fehlt es nicht, sie ersetzt aber die Qualität nicht. Eine Anzahl anderer Aus⸗ stellungsräume, die wir noch nicht erwähnten, sind meist Verkaufs⸗ stände, in denen zum Teil sehr zweifelhafte Ware feilgeboten wird. ilung macht einen guten ind ruck Eine Eifenbahnhalle zeigt uch in sehr instruktiver Weise die Ent⸗ Der, r r wicklung und den Stand des modernen Eisenbahnwesens. Ein modernes Dorf(village moderne) zeigt die halbwegs muster⸗ giltige Anlage einer Kleinstadt, ohne jedoch etwas Neues zu bieten. Eine größere Abteilung(Quartiere la vielle Flandre) bietet einen interessanten Ausschnitt Alt Ein Cinéma ver⸗ de AI Flanderns. quschaul icht die döhe der Entwicklung kinematographischer Dar⸗ stellungen. Ganz selbstverständlich fehlt der Weltausstellung auch nicht der obligate Vergullgungspark, der allerdings völlig getrennt von den Ausstellungsgebänden liegt. Reichlich schreiende Schilder laden zum Besuch der„Attraktions“ ein, den man natürlich ohne irgendwelche Gefahr getrost unterlassen kann, wenn man nicht das „Palais des Floralies“ das mitten im Vergnügungspark liegt, be⸗ suchen will. In diesem Palast zeigt Gent einen Teil seines un⸗ erreichten Gewerbes. Gent ist, was wir schon betonten, die Stadt der Blumenzucht. Die Genter Orchideen haben Weltruf. Auf einem Flächen raum von 20600 Quadratmetern(der vierte Teil ent⸗ fällt auf Treibhäuser) sind die seltensten und schönsten Blumen und Pflanzen der ganzen Welt ausgestellt. Die Pracht dieser Blumen ist in der Tat fast überwältigend. Die Blumenausstellung läßt dunkel ahnen, welch gewaltige Summen in allen Ländern alljährlich für solchen Blumenschmuck verschwendet werden. Von belanglosen Nebensächlichkeiten abgesehen dürfte damit das wesentliche der Genter Weltausstellung besprochen sein. Die Genter Weltausstellung ist im übrigen natsrlich nicht frei von all den üblen Begleiterscheinungen, die solche Veranstaltungen auszeichnen. Die Spekulationswut hat auch in Gent toll gewlltet. Man hat einen neuen Bahnhof gebaut, durch den die Grundstückspreise in bisher nicht aufgeschlossener Gegend eine fabelhafte Höhe erreicht haben, die die sichere Gewähr für einen gewaltigen Rlickschlag in sich schließen. Wenn die Veranstalter das Fazit ziehen, so werden sie sicherlich etliche Millionen zulegen müssen. Andererseits hat die Ausstellung natürlich nicht nur viele Menschen, sondern auch reich⸗ lich Geld nach Gent gebracht. Belgien selbst entwickelt sich allmählich zu dem Lande der Weltausstellungen. Innerhalb 8 Jahren hat es drei Weltausstellungen gehabt. Die letzten drei Jahre boten derer zwei, Brlissel und Gent. Und schon rüsten Antwerpen und Lüttich zu Vorarbeiten für neue Ausstellungen. Das wird auf die Dauer etwas zu reichlich, zumal die Vergangenheit des Guten schon zuviel getan hat. Der Wert dieser Veranstaltungen wird immer zweisel⸗ hafter, die Ausstellungsparaden selbst etwas Schreckliches. Außer⸗ dem llegt in ihnen zum Teil eine unnötige finanzielle Belastung der Aussteller bezw. der Industrie. Es wurde auch in Gent kaum etwas Neues geboten. Die Ausstellungen sind in ihrer raschen Folge nicht mehr als eine Repetition. Wer Brüssel sah, hätte sich Gent schenken können und wer in Gent war, wird wahrscheinlich nichts versäumen, wenn er den Ausstellungen zu Lülttich und Antwerpen fern bleibt. Auf der Höhe der Industrie⸗Ausstellung von 1002 in Düsseldorf hat sich Gent auch keineswegs bewegt. Eine Reise nach Gent wird man unternommen haben. Neben Gent bietet Belgien soviel des Sehens werten und Interessanten an Städten und Kunstwerken, daß eine solche Reise bei den bequemen und billigen Eisenbahnverhältnissen, die auch dem Minderbemittelten möglich ist, immer eine angenehme und bildende Abwechselung bedeutet. Auch die gewaltige Industrie Belgiens und seine Arbeiterbewegung bieten dem modernen Ar⸗ beiter Gelegenheit, seinen Gesichtskreis zu erweitern. Und schließ⸗ lich zeigen die Weltausstellungen in konzentrierter Form alle mög⸗ lichen kulturellen Errungenschaften und Annehmlichkeiten Lebens. Beides zwingt Vergleiche auf und beides zeigt dem Arbeiter zugleich, wie gering sein Anteil an den Kulturgsftern dieser Welt ist. So wird ihn denn das Gesehene anspornen eingedenk zu sein, welch große Aufgabe ihm zu erfüllen noch bevorsteht. deshalb doch nicht dieses Aus unserer Sammelmappe. Zu dem wichtigen Problem von Anpassung und Auslese hat Dr. Kammerer einen interessanten Beitrag durch feine Jorschungen Über die Veränderung der Hautfarbe von Salamandern unter dem Einfluß der Umgebung geliefert. Die alte Lamarkksche Aufsfassung, daß sich die Organismen durch Anpassung an die Um⸗ gebung verändern, war seinerzeit sast völlig verdrängt worden durch die Darwinsche, die besagt, daß diese Veränderung durch natürliche Auslese zustande kommt, indem Tiere, die infolge irgend einer körperlichen Besonderheit besser an ihre Umgebung angepaßt sind als andere, erhalten bleiben, und so ihre Eigenschaften auf ihre Nachkommen vererben können. Zweifellos ist diese Erklärung, die neuerdings durch die Mutationstheorie von de Vries ergänzt wurde, in den weitaus meisten Fällen die richtige. Daß indessen auch wirkliche Anpassungs⸗ veränderungen vorkommen, haben die Experimente Kammerers er⸗ wiesen, über die er in der Umschau berichtet. K. hielt schwarz und gelb gefleckte Salamander einmal auf schwarzem und einmal an gelbem Boden und konnte beobachten, daß auf dem gelben Boden die gelben Flecke im Laufe der Jahre sich stark vergrößerten, während sie auf dem schwarzen fast völlig verschwanden. Daß es sich dabel um keine Schutzanpassung nach Art der beim Chamäleon ung einigen Fischen vorkommenden handelt, welche Tiere binnen wenigen Minuten ihre Farbe ändern, liegt auf der Hand. Denn dlese An⸗ passung ist eben nur eine vorlbergehende, die dadurch zustande kommt, daß die die betreffenden Farbkörner enthaltenen Zellen sich unter dem Einfluß der Umgebung zufammenziehen oder ausdehnen, während beim Salamander die Umfärbung dauerhaft ist und wirk⸗ lich auf einer Zunahme der betreffenden Jarblörner beruht. Ebenso muß die Vermutung ausscheiden, daß es sich nur um Lichtwirkungen handelt, sonst müßte reines Weiß z. B. eine noch viel stärkerg Wirkung haben als Gelb; tatsächlich blieben unter seiner Wirkung, ebenso unter der aller anderen Farben, die Flecken der Tiere voll kommen unverändert. Dagegen konnte K. allerdings noch eine Einwirkung der Feuchtigkeit seststellen. Auf feuchtem Boden nämlich bildeten sich auch im schwarzen Bereich allmählich kleine Punktflecken, während umgekehrt die auf trockenem Boden gehaltenen Tlere inmitten der großen gelben Flecke schwarze Pünktchen, die also dle gelbe Farbe verdüsterten, bekamen. Dabel zeigte sich der Unter⸗ schied, daß die Wirkung der Farbe von der Vermittlung durch daß Auge abhing: geblendete Tiere zeigten keine Reaktion, während die Wirkung der Feuchtigkeit auch ohne Augen zustande kam. Weitere Beobachtungen brachten nun eine Erklärung der inter⸗ essauten Erscheinungen, die bewiesen, daß dieser langsame und dauerhafte Farbwechsel in seiner Entstehung nicht so grundsätzlich von dem oben erwähnten rascheren und vorllbergehenden ver⸗ schieden ist, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte. Bei den jungen Salamandern nämlich konnte K. beobachten, wie die von gelbem Lichte getrossenen, mit gelbem Farbstoff gefüllten Zellen sich ausdehnten, während die schwarzen sich zusammenzogen. dunkler Unterlage trat der entgegengesetzte Vorgang ein. Dle länger ausgedehnten Zellen aber zersielen rascher als die zusammen⸗ gezogenen, d. h. sie spalteten und verdoppelten sich. Blieb also die Wirkung der einen Farbe eine dauernde, so zerfielen und ver⸗ mehrten sich immer wieder die Zellen einer Farbe und diese ge⸗ wannen dadurch an Ausdehnung gegenüber der anderen. Do setzte 1 9 5 sich der plötzliche Bewegungssarbwechsel in einen dauernden Ges staltungsfarbwechsel Die Wirkung der Feuchtigkeit endlich findet ihre Erklärung in der Tatsache, daß unter sonst gleichen Be⸗ dingungen die gelbe Farbe wasserreicher ist. Kammerer hält es für mehr als wahrscheinlic, sogenannten Deckfarben, wie sie beim Löwen, der Gazelle, dem Eisbär, dem Hasen usw. anzutreffen sind, auf gleichem Wege ente standen sind wie bei seinen Versuchssalamandern. Millionen. Wir leben im Zeitalter der Millionen. Gehirn muß mit ganz anderen, viel größeren Zahlen rechnen alt in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden. In der Wissen⸗ schaft ist es vor allem klar, wie sehr z. B. in Astronomie daß Jern⸗ rohr den Schatz des menschlichen Geistes an Millionen- sa Millsar⸗ denwerten bereichert hat. Der Weg von uns bis zur Sonne betrigt 150 Milltonen Kilometer. Eine Kanonenkugel, die mit 600 Meier Geschwindigkeit in der Sekunde aus dem Geschützrohr saust, wilde erst in mehr als 48 Jahren die Sonne erreichen! Bis zum aller⸗ nächsten Fixsterne aber, die den Nachthimmel der Erde zu Tausen⸗ den und Abertausenden zieren, sind es 30 Billionen Kilometer. Die Geschlitztugel flöge an 10 Millionen Jahre! Der Lichtstrahl ist das unbegreiflich Schnellste, das wir kennen. In jeder Sekunde blitht er 300 000 Kilometer weit durch den Raum. Von der Sonne gur Erde braucht er etwa n 8 Minuten, zu jenem„nächsten“ Fixstern aber 4% Jahre! Nur wenn wir die Entfernungen der Sterne nach der „Lichtzeit“ bemessen, ist es uns Jahren auszudrücken. Der glänzende Stern Sirius ist 8,0„Licht⸗ jahre“ von uns entsernt, der Polarstern 40,8 Lichtjahre, und der milde Schimmer von jenen Willlonen schwächster Sterne, die die ⸗Milchstraße“ bilden, der heute in unser Auge gelangt, hat eine Reise im Weltraum von Tausenden von Jahren hinter sich, a um. ——— daß viele der Unser möglich, ihren Abstand von uns in