lersihn meg, 6 abgelh n ihn deschn. 5 f el bi el get ch un Nlugkehe der Nh ie Nh et. Ny want, f ese dit dg Jen t img x in her k Tua die ah Kohlchh, id Gal Aeit da erung Gulahg en- th der, Nel il, Ma J. Jah rich volk ile e belt Al E 1 aft e ae i le 100 10 on bent, Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 12 Dienstag, den 24. Juni 1913 2. Jahrgang Stadt und Land in Hessen— ein Zuknuftsproblem. Die modernen Kulturländer bekommen ihr entscheiden— des Gepräge durch die Städte. Diese entwickeln sich immer mehr zu den Hauptbrennpunkten des politischen, wirtschaft⸗ lichen und geistigen Lebens. Nirgends ist das so greifbar, wie in den Vereinigten Staaten Nordamerikas, wo sich die Städtebildung in extremster Reinkultur vollzogen hat. In seinen Städte- und Kulturbildern aus Amerika schrieb F. Ratzel schon vor vierzig Jahren:„In den Städten strahlt zu⸗ sammen, verdichtet und beschleunigt sich das Leben eines Volkes, nicht bloß mit dem Erfolge, daß es wirksamer und reicher wird, sondern auch mit dem, daß es deutlicher sein Wesen ausprägt, und dauernde Zeugnisse desselben hinstellt und der Nachwelt übergibt. Sie bringen das größte, beste und eigentümlichste desselben zur vollsten Geltung.“ Nie— mand hat diese Kulturgewalt der großen städtischen Siede— lungen mehr empfunden, als die größte Kulturbewegung des letzten Jahrhunderts, die Sozialdemokratie. Ihre Geschichte ist mit der Geschichte der Städte auf das engste verknüpft, und ihre Hauptstützpunkte, die eigentlichen Voll— werke ihrer Macht und wohl auch die bleibenden Grund— pfeiler ihrer Zukunftsentwicklung, sind die großen Städte und Industriegemeinden. In den scharfen sozialen Wider— sprüchen, die jede Stadtmauer einschließt, bekam der prole— tarische Massengedanke, vor allmm das Gefühl der Massenmacht der Arbeiterklasse, seinen ersten gewaltigen Anstoß. Die in den Städten aufgehäuften Kulturmittel kamen dem Bildunghunger der unterdrückten Klasse ent— gegen und lösten die besten Intelligenzen aus. So haben die großen Städte nicht nur eine wirtschaftliche Mission ersten Ranges zu erfüllen gehabt, sondern auch die neuen sozialen Gedanken mit allen ihren umwälzenden Konsequenzen aus sich heraus geboren. Es ist nur zu natürlich, daß diese Entwicklung, die durch— aus in der Richtung des Kulturfortschritts liegt, einerseits von der Arbeiterschaft als ein unermeßlicher Segen einge— schätzt wird, und andererseits den Reaktionären ein Dorn im Auge ist. Wenn Fürst Bismarck im Erfurter Unionsparla— ment 1850 gegen die großen Städte als die„Herde der Re— volution“ donnerte, die man dem Erdboden gleich machen müsse, so wußte dieser waschechte Junker ganz genau, warum er das tat. Er hatte das instinktive Empfinden, daß die bürgerliche Gesellschaft in dem modernen städtischen Prole⸗ tariat ihre eigenen„Totengräber“ produzierte. Dabei konnte er damals die ungeheure Entwicklung des deutschen Städte— wesens noch gar nicht ahnen. Sie hat sich besonders in den letzten Jahrzehnten in einer Weise vollzogen, die man nicht mehr als normal bezeichnen kann. Die Scheidung der Be— völkerung in Stadt und Land, wie sie uns bei jeder neuen Volkszählung immer schärfer in die Augen fällt; das un— heimliche Emporwuchern einzelner großer Siedelungen auf der einer Seite, die kahle Entblößung des platten Landes auf der anderen sind Zustände, die dem denkenden National— ökonomen als höchst ungesund erscheinen müssen. Das merken allmählich selbst Geister, die kaum in die Elemente volkswirtschaftlichen Wissens eingedrungen sind. Aber selbst mit dem trüben Oel der bürgerlichen Natio— nalökonomie stehen sie ratlos der starken Abwanderung vom Lande. dem Niedergang der kleinen Landstädte, der Zusam— menpressung unübersehbarer Menschenmassen in schlechtge⸗ auten großen Städten gegenüber. Sie erkennen dämmernd auch die Umwälzungen, die mit dieser Verschiebung der Be— völkerung eng zusammenhängen. Selbst der Reichskanzler Bethmann-Hollweg hat sich im letzten Oktober im preußischen Abgeordnetenhause zu dieser ungefähren Erkenntnis empor— geschwungen:„Physisch und moralisch, wirtschaftlich und sozial wandeln sich Volkscharakter und Struktur des Volks- körpers um.“ Weil der Kanzler aber nicht volkswirtschaftlich, sondern nur agrarisch zu sehen vermag, blieb dieser naive Denker uns die alten Phrasen von der Verjüngung aus dem Landvolk, von dem ackerbautreibenden Staatsfundament, von der staatserhaltenden Kraft des Agrariertums nicht schuldig, und am Schlusse kam die alte Litanei:„Für den Gesamtstaat erwächst die Aufgabe, der Abwanderung vom Lande und dem Aufsaugungsprozeß, der von den großen Städten ausgeht, mit allen Mitteln ein Paroli zu bieten.“ Dasselbe haben schon hunderte noch Weisere lange vor ihm gesagt. Bei dem Sagen ist es geblieben. Ratlos und hilflos stehen die bürgerlichen Nationalökonomen und Staatsmänner der gewaltigen Differenzierung von Stadt und Land gegenüber, und die haufenweise aufgeschichteten papiernen Rezepte aus der Apotheke ihrer Staatsweisheit fangen nachgerade an zu vergilben. Ganz anders die Sozialdemokratie, denn sie ist eine Ge— sellschaft logischen Durchdenkens und unerbittlicher Konse— quenz. Bevor wir ihre Stellung zu dem klaffenden Wider— spruch, der in der Formel„Stadt und Land“ enthalten ist, erörtern, wollen wir die Verhältnisse in Hessen einer Be— trachtung unterziehen. Die letzte Volkszählung stellte 13 Millionen Einwohner fest. Davon wohnten in den Städten (hierunter versteht die Reichsstatistik alle Plätze mit minde⸗ stens 2000 Einwohnern, ganz gleich, ob sie Dorf- oder Stadt⸗— verfassung haben) 61 Prozent, auf dem Lande 39 Prozent. Bei Gründung des Reiches betrug der städtische Anteil erst 36 Prozent. In ganz aufallender Weise konzentriert sich diese„Verstädterung“ auf die größeren Städte. In den 5 größten Städten wohnen allein weit über eine Drittelmillion Menschen. Ihr Wachstum ist unaufhaltsam. Dagegen steht die merkwürdige Tatsache, daß, ganz abgesehen von den vielen kleineren Dörfern und Zwergstädtchen, nicht weniger als 8 hessische Kleinstädte allein im letzten Jahrfünft in ihrer Einwohnerzahl zurückgegangen, die meisten stehen geblieben sind. Sie führen ein mühsames, trostloses Dasein. Ihre reichgewordenen Bürger beeilen sich, den heimatlichen Staub von den Füßen zu schütteln und ihre Rente in Wiesbaden, Darmstadt oder Gießen zu verzehren. Bei den Dörfern ist das noch viel schlimmer. Statt Wachstum und Blühen also hier ein Stagnieren und Absterben! Das ist eine Verschiebung der Kräftever— teilung im Staate, die das platte Land schwer zu büßen hat. Die heimatliche Scholle schreit bei der wachsenden Volks⸗ menge nach intensivster Bearbeitung; die landwirtschaftliche Leutenot nimmt einen bedrohlichen Charakter an und Aus⸗ länder überschwemmen das Land; die organischen Zusam⸗ menhänge der Wirtschaftskraft von Stadt und Land werden völlig verschoben und zerrissen. Hier Arbeitsmangel, dort Arbeitslosigkeit, Preisunterbietung und Ausbeutung der Arbeitskraft. Der Kapitalismus kennt keine Rücksichten und höhere Aufgaben, und weil die Staatsgewalt sein Diener ist und nicht der Diener des gesamten Volkes, steht sie diesen Zuständen mit gefalteten Händen gegenüber. Sie geht auch den treibenden Kräften nicht auf den Grund, die diese unge⸗ sunde Entwicklung verschuldet haben. Sozialismus hat längst festgestellt, wie auch dies Die erste dieser beiden Gruppen wird dargestellt durch das so⸗ 0 8. 0 3 n als die natürliche genannte Surrogat. Die Gruppe der Surxrogate ist bekanntlich alles nichts mehr n 45 2 0 33 2 listif heute schon außerordentlich groß, und die Zahl der Surrogate für Folge einer sinnlosen Produktionsweise, der kapita istischen] die verschiedenartigen natürlichen Nahrungs- oder Genußmittel Wirtschaftsreform. In seinem Buche„Die Frau“ hat Bebel] wird von Tag zu Tag größer. Beim Surrogat in engerem Sinne 7 schon vor Jahren zu diesem allen kein Blatt vor den Mund 5 12 es 0—— ein. n. 905 a 7 4% Kemi gaes ünstliches nicht einfach zu ersetzen, sondern so weit zu ersetzen, da genommen. Er hat dort die Gewißheit ausgesprochen, daß ches a rn a * zen Städte in der neuen Gesellschaft allmählich auf⸗ das künstliche Nahrungsmittel dem natürlichen nicht nur in dem E„. ee Gehalt an Nährstofsen, sondern auch im Geschmack und im Aus⸗ hören werden zu existieren und daß die unnatürlich zusam⸗ sehen gleicht. Zu diesem Zwecke wird irgend ein anderes natür⸗ mengeballte und auseinander gerissene Bevölkerung sich von 3 1 9 1 a ebf jeder dezentralisieren wird. Selbstredend verkennt] Bestandtelle un eventuell dur utat im Sinne des zu ersetzen⸗ 51 8 108 85 H Eudutlung notwendig ge⸗ den natürlichen Nahrungsmittels gemodelt. Man denke hler vor n 2 allem an die Margarine aus Rindstalg und Pflanzenfett als Ersatz wesen ist. Die städtischen Massenansammlungen haben„ge- für Butter. Auch der Fall kann gegeben sein, daß mit dem Surro⸗ wissermaßen als Revolutionszentren in der neuen Gesell-] gat der Zweck verfolgt wird, einen solchen Ersatz für das natür⸗ U 9 1 1 7— 4— 4*— 1 9 schaft ihren Zweck erfüllt.“ Die heutige Großstädtebildung 3 9 10 ede 3 oder— 1. e. e e emden sehen. Sie macht,] teil des letzteren in dem rsatz absichtlich weggelassen ist. „wird memand für en an 5. 8 0— Beispiel mögen hier die verschiedenen kosseinfreien Surrogate für bildlich gesprochen, den Eindruck eines Menschen, 2 sen] Kaffee dienen. Die vielfachen Möglichkeiten für Mangelhaftigkeit Bauchumfang beständig zunimmt, wohingegen die Beine] und Betrug sind bei den Surrogaten genau so gegeben wie bei den immer dünner werden und schließlich die Last nicht mehr. 5— e 1 n 5„Des Fürsten Bismarck einstmaliger] genau wie die ährpräparate sind auch die Surrogate— in jede Wa e 3 g chtet zu sehen 32 8 50 Einzelfalle aus verschiedenen Gründen heraus— nötig. Bei den Wunsch, die großen Städte vernichtet 8 sehen, 255 Surrogaten kann nun aber natürlich nicht allein der Arzt der Leiter neuen Gesellschaft erfüllt, aber in einem ganz anderen Sinne, des Publikums sein. Hier ist die Mitarbeit der Gesundheits⸗ als er es erwartete. Mit der Aufhebung des Privateigen-[behörden bei der Fabrikation und beim Vertrieb und auch in tums an den Arbeitsmitteln, mit ihrer Verwandlung in ge-] der Aufklärung des Publikums in weitestem Maße vonnöten. sellschaftliches Eigentum verschwindet ganz von selbst die. Eine zweite Gruppe von künstlichen Nahrungsmitteln, welche Grund sache die Stadt und Land auseinander treibt, die hier noch zu erledigen ist, hat erst neuerdings Bedeutung gewonnen, Rundursache r ane e 5 ölke ˖ 5 und zwar, wie wir gleich bemerken müssen, eine mehr theoxetische das Land entvölkert, die die großen Städte übervöl ert, die] als praktische Bedeutung. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß in den Städten alle Kulturerrungenschaften aufhäuft und die Eiweißstoffe der Nahrung bei der Verdauung im Darme eine zugleich das platte Land zur Kulturlosigkeit, Armseligkeit] viel weiter 4 ee früher . 3 2 N 5 1 115 Hrn elge angenommen hatte. Die Aufspaltung geht bis zu den ogenannten und Reizlosigkeit verurteilt.„Die allmähliche Auflösung der 7 7 5 1 l 1 5 a Massenanhäuf ist notwendig, indem die Bevölkerund Aminosäuren, chemischen Stoffen, die als die allgemeinen chemischen Massenanhäufungen ist notwendig, mos 2 rund Bausteine der Eiweißstosse angefehen werden können. Die Amino⸗ in der neuen Gesellschaft wieder von den großen Städten säuren koppelt dann der tierische Organismus wieder zu seinen auf das Land wandert, dort neue, den veränderten Verhält- spegi fischen, 3— 3— 4— 22 ilten entsprechende Gemeinden bild nd ihre industrielle] gemeine Weg, wle bei der Verdauung aus ar remdem Eiweiß art⸗ nissen entsprechende Gemeinden bildet, und ihre industrie eigenes Eiweiß wird. Die Amfnosäuren, gehören zwar auch zu den F — . 2 — . Tätigkeit mit der landwirtschaftlichen verbindet. organischen chemischen Verbindungen, wie die Eiweißstofse, sie sind Durch das ganze Volk wird ein segensreicher Zug des aber viel einfacher gebaut als diese, und wir können die Amino- Ausgleichs gehen, statt daß wie bei der heutigen Jagd nach] fäuren auch künstlich im Laboratorium darstellen. Es mußte nun 2 5 f 3 ee, r gur sofort der Gedanke gegeben sein, daß wir den Organismus nur mit Profit blöde Planlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Zufällig⸗] Aminosäuren statt mit Eiweißstoffen zu füttern brauchen, wenn wir keit entscheidet. Wo heute ein jeder dem tristen Landleben ihn mit den Eiweißstoffen, deren er bedarf, sichern wollen. Und zu entrinnen sucht, da wird später das Umgekehrte der Fall tatsächl ich gelang es, Tiere allein mit einem Gemisch von Amino⸗ sein. Die neue Gesellschaft wird die liebgewordenen städti⸗ Een zu erhalten: die Tiere bauten sich die Eiweißstosse aus den 10.. 3 Land übert en, sich dort Aminosäuren auf. So war ein künstliches Nahrungsmittel par schen Kulturgewohnheiten auf das Land ü ertragen, ich do chaellence im Sinne des zweiten Merkmals(siehe oben) gegeben Theater, Konzertsäle, Vildungsanstalten usw. einrichten und] die Verdauung der Eiweißstofse wird außerhalb des Organismus vor allem sich unmittelbar an dem reichen Brunnquell dete so weit getrieben, wie im Organismus selber überhaupt möglich. Natur verjüngen, statt in den luft- und lichtlosen Hinter⸗ 3 3 8 0 r„ Fach Nd Ae* 3 ori 5 oratorium herstelle nnen, ir vir hi i häusern der großstädtischen Mietskasernen zu verkümmern lich künstlichen Nabrungsmittel,* natürilchen, non Ties Die geisttötende Art der einförmigen kapitalistischen Arbeits- Pflanze abstammenden schroff gegenübersteht, sprechen. Wir weise wird eine angenehme Abwachslung finden, wenn die] stellen die Aminosäuren im Laboratorium her, mischen sie in ent⸗ Industrie sinngemäß auf das Land übertragen wird, wenn F 1„ 1 sich die Landbevölkerung an der Industrie und die Industrie⸗„ wirklich künstliche ahrungsm bevölkerung an dem Acker- und Gartenbau beteiligt. Dann.. kann bei diesem künsilich 1 nn en i Welche Per-— 1 1 1 erst wird der Mensch wieder ganz Mensch sein. Welche Per-] Nahrungsmittel nicht gesprochen werden: denn die künstliche Her⸗ spektiven! Und wie einfach und selbstverständlich erscheinen sie.] stellung der Aminosäuren im Laboratorium ist ein sehe n a 5 8 fi jese sozialistische L Vergnügen. Wohl f öglich, daß Aminosäurengemi Aber wie ga ders sieht d ozialistische Lösung] Vergnügen. Wohl aber ist es möglich, d. N 420 b 8 97 74 1 en 8 5 g* it wie sie bei der weitgehenden künstlichen Verdauung von Nahrungs⸗ des Problems„Stadt und Land aus, als das„Paroli“, mits mitteln(3. B. Fleisch) erhalten werden, in der Krankenkost elne dem der philosophische Dilettant von Hohenfinow meint, dem] Rolle spielen werden. Solche Aminosäurengemische aus Fleisch städtischen„Aufsaugungsprozeß“ ein Ende zu machen. Auch 3 1—— 8 schon N— jer di e Geschichte: die bürgerliche Halbheit tötet, aber] sprechende Wersuche sind in Fällen, wo man die Verdauungsarbe 52. 8 eschichte f 4 ö Kt lebendig! R er des Darmes umgehen mußte, von ärztlicher Seite mit Erfolg ge⸗ die Konsequenz des Sozialismus macht lebendig! macht worden: man gab z. B. dem Patienten Nährklystiere von einem Aminosäurengemisch, und der Patient baute sich aus ihnen Eiweißstosse im Organismus auf, wie durch die entsprechenden Methoden festgestellt werden konnte. 57* 8 1 1 1 1* 1 8 3 9 1 Smit el Für„die Lösung der sozialen“ Frage, die ja jeder Erfinder Ueber künstliche ah ungs! tel. und Entdecker oder Fabrikant gleich angebahnt wissen will, wenn Von Dr. med. A. Lipsch il g. er eine Surrogätchen oder ein Nährpräparätchen auf den Ma 8 (Nachdruck verboten.) gebracht hat, kommt nun die zuletzt gezeichnete großartige Ent? 11 deckung auch nicht in Betracht. Aber groß ist ihre—— Be⸗ N 8 8 deutung, indem wir mi den letzten Schritt im Problem Wir haben im vorigen Artikel gesehen, daß man dle künstlichen—— des S der. a Nahrungmittel in zweierlei Weise von den natürlichen Nahrungs- bier möchte ich wiederholen was ich mit Bezug auf diese Ent⸗ mitteln ableiten kann. Einmal, indem die natürlichen Nahrung deckung Abderhaldens an anderer Stelle gefagt habe“: daß eine mittel durch Entfernen bestimmter Bestandteile oder durch Zutaten wissenschaftliche Großtat niemals nach ihrem unmittelbaren prak- verändert werden. Dann, indem die natürlichen Nahrungsmittel tischen Gert beurteilt werden darf, Jede neue wissenschaftliche Er- künstlich so verändert werden, daß in ihnen schon der Verdauung kenntnis ist ein nene Machtmittel in der Hand des ringenden earbei st: durch Zerreiben, Mahlen, durch Bearbeitung mit] pen. vorgearbe tet i durch Zerreiben, Mahlen, durch Bearbeitung Menschen: auch wenn wir die neue Erkenntnis einstweilen nur Verdauungsäften usw. 2 noch als Rüstzeua in unserer Waffenkammer des Gelstes aufl⸗ Die beiden allgemeinen Merkmale künstlicher Nahrungsmittel 2 kommen in besonderer Schärfe bei zwei Gruppen von künstlichen 2 Nahrungsmitteln zum Ausdruck, die wir hier noch behandeln„) Lip fuse, Pflanze und Tier. Thomas Volksbücherel, müssen. Leipzig. 3 . w 7— EES TL EL FFF — — r 1 — . 3 ——— 3 — 2 * 2 2 r ———ů— x—— çg,., T ahren müssen, in die wir nur hin und wieder einen hoffnungs⸗ vollen Blick werfen können. Wenn die Zeit gekommen ist, holen r uns dann aus der Waffenkammer der wissenschftlichen Erkennt⸗ nisfe bas, was wir gerade brauchen, heraus. Und manche Waffe, für die wir, als sie in Form einer neuen Erkenntnis geschmiedet wurde, gar keinen Gebrauch wußten, erweist sich uns später einmal als bester Kamerad im Produktionsprozesse des Lebens. So ist es stets in den gegenseitigen Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis gewesen. Als die wissenschaftlichen Grundlagen der Elektrizitätslehre geschaffen wurden, hat niemand geahnt, daß sie einst von so einschneidender Bedeutung für unsere ganze Lebens⸗ haltung werden würden, wie sie es heute sind... Ein neues wissenschastliches Rätsel. 5 Das Element X 3. Der bekannte Physiker Prof. J. J. Thom son von der Universität Cambridge(England), der erst vor einigen Wochen die Welt mit dem Nachweis überraschte, daß man ein Atom, dies theoretisch kleinste Massenteilchen, photogra— phisch sichtbar machen kann, hat jetzt zwei neue Elemente ent— deckt. Dies würde nun nicht sonderlich überraschen, da in letzter Zeit eine Reihe solcher Entdeckungen gemacht wurden. In diesem Fall jedoch bedeuten die neuesten Erfolge zugleich nicht mehr und nicht weniger als die Auffindung eines neuen Verfahrens der chemischen Analyse, und zwar eines von unerhörter Feinheit. Nach dem Vor— trag, den Prof. Thomson Ende Mai vor der„Royal Saciety“ in London gehalten hat, handelt es sich erstens um ein neues ö Element, das vorläufig die Bezeichnung X 3 erhalten hat, und ein anderes mit dem Atomgewicht 22. Das von Thomson angewandte Verfahren besteht darin, die zur Untersuchung bestimmten Gase in einem Gefäß unter sehr niedrigem Druck 1 zu halten und eine elektrische Entladung hindurchzuschicken. Die positiv elektrisch geladenen Stoffteilchen bewegen sich SN 1 dänn mit großer Geschwindigkeit nach der Kathode hin. Auf diesem Wege müssen sie eine Platte mit einem kleinen Loch passieren; auf der anderen Seite tritt dann ein feines Bündel von positiv elektrischen Teilchen aus. Dies Bündel kann N nach Belieben magnetischen und elektrischen Kräften unter— worfen werden. Darauf baut sich die Untersuchung der positiven Strahlen auf, deren Zusammensetzung sich als ziem⸗ lich verwickelt erwiesen hat. Es kommen darin sowohl Atome und Moleküle mit einer positiven Ladung als auch mehrfach geladene Atome vor. 8 1 Die interessanteste Folgerung aus diesen Experimenten ö ist nun die Möglichkeit, sie zu einer ganz neuen Art der 1 chemischen Analyse zu benutzen. Manche Elemente, wie Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel und Chlor, er— geben nur negativ geladene Atome, andere, wie Stickstoff, Helium, Neon, Argon, Quecksilber, liefern positiv geladene Atome. Negativ geladene Moleküle von Verbindungen 6 sind bisher nicht beobachtet worden, mit Ausnahme von Sauerstoff und Kohlenstoff, die diese Eigenschaft merkwür⸗ digerweise aber nur dann aufweisen, wenn die Elemente aus ö ganz besonderen Arten von Verbindungen in Freiheit gesetzt worden sind. Die Eigenheit der neuen Analyse besteht darin, N daß nur ganz geringe Mengen von Stoff dazu nötig sind. Ein Zwanzigstel Kubikzentimeter eines Gases genügt. Thomson verglich die Feinheit und Zuverlässigkeit des Ver⸗ fahrens mit dem spektroskopischen, aber jenes leistet viel mehr. Mit der Spektralanalyse kann man nur die Art des Stoffs nachweisen, mit der neuen Analyse aber auch die ge⸗ naue Masse. Mit anderen Worten: sie ist qualitativ und quantitativ anwendbar, das Spektroskop dagegen nur quali— tativ. Das neue Verfahren ist von solcher Feinheit, daß die Anwesenheit von Helium in einem Kubikzentimeter Luft nachgewiesen werden kann; bekanntlich gehört das Helium zu den seltensten Bestandteilen der Luft und ist als solcher überhaupt erst vor etwa einem Jahrzehnt nachgewiesen wor⸗ f den, nachdem es vorher nur im Sonnenspektrum erkannt 5 worden war. Noch erstaunlicher ist das Ergebnis der Unter- suchungen von Luftproben mit Bezug auf die in ihnen ent⸗ baltenen Edelgase. James Dewar, der als erster die 7 uft lungen von Rückständen flüssiger Luft, von denen die eine Gruppe die schwereren, die andere die leichteren Bestandteile enthielt. Beide unterwarf nun Thomson der Behandlung mit seinem neuen Verfahren. Die schwereren Elemente konnte er ohne Ausnahme erkennen und, was noch wichtiger ist, photographisch sichtbar machen. Eine besondere Ueber— raschung brachte die Untersuchung der Gruppe leichterer Ele mente. Dabei wurde die Entdeckung gemacht, daß das Neon kein einfaches Element sein kann, da es stets eine doppelte Linie ergab. Thomson hält es aber auch nicht für eine Ver⸗ bindung, sondern für eine Mischung von zwei Elementen, von denen eines bisher unbekannt gewesen ist und ein Atom- gewicht von etwa 22 besitzt. 6 Was nun das rätselhafte Element X 3 betrifft, so ist es schon wegen seiner experimentellen Erzeugung höchst merk— würdig. Es wird nämlich von fast allen festen Körpern aus⸗ geschieden, wenn sie lange genug mit Kathodenstrahlen bom⸗ bardiert werden. Dies geht allerdings ziemlich langsam, sodaß die Experimente sich über Monate ausgedehnt haben. Die Eigenschaften des neuen Elements sind recht sonderbare. Es gehört jedenfalls zu den trägsten Stoffen, die der Wissen⸗ schaft bisher bekannt geworden sind. Es kann mehrere Wochen über Quecksilber gehalten werden, ohne die mindeste Veränderung oder Verminderung zu erfahren. Es bleibt unverändert, wenn es mit Sauerstoff oder Phosphor im elektrischen Funken zur Berührung gebracht wird. Es kann durch Röhren mit rotglühendem Kupferoxyd und dann über Kalium geleitet werden, ohne aufgesaugt zu werden. Ebenso unempfindlich ist es gegen metallisches Natrium. Es ver- schwindet nicht einmal, wenn es mit Natrium zusammen erhitzt wird. Dagegen vereinigt es sich mit Quecksilberdampf, wenn eine elektrische Entladung durch die Mischung hindurch gesand: wird. Was ist nun dies für ein Element? Der große Chemiker Mendelejeff hat ein Element mit dem Atom- gewicht 3 vorausgesagt, aber mit dessen mutmaßlichen Eigen- schaften sind die des Elements X 8 schwer in Einklang zu bringen. Nach der Meinung von Prof. Thomson kann es auch nicht ein Kohlenstoff mit vierfacher Ladung sein, eben— sowenig ein dreiatomiges Molekül von Wasserstoff. Vor- läufig ist also mit diesem Element den Gelehrten wieder ein neues Rätsel geschaffen worden.(Frankfurter Zeitung.) Der Völkerkrieg der Fürsten 1813/15. Von Kurt Eisner. 8.5 Die preußischen Finanzreformversuche standen, wie alle Re⸗ formen der Zeit, unter dem unmittelbaren Einfluß der Gesetzgebung der Rheinbundstaaten, besonders des Königreichs Westfalen und des Großherzogtums Berg. Die Finanzpläne Hardenbergs seit 1810 waren Nachahmungen des westfälischen Steuerwesens; der preußi⸗ sche Staatskanzler stand in innigem Verkehr mit seinem Vetter Blilow, der Finanzminister unter Jéröme war und nach den Frei⸗ heitskriegen preußischer Finanzminister wurde. Wenn Hardenberg in den„Grundzügen meines Finanzplans“ die Uebernahme der Pro⸗ vinzialschulden als Staatsschulden mit einerlei Zinsen fordert,„weil wir den Provinzialismus nicht verewigen, sondern Nationalismus einführen wollen“, so ist dieser Versuch, das verwaltungstechnisch durch die provinzialen Junkerherrschaften völlig zerrissene Preußen zu einem wirklichen Einheitsstaat zu machen, eine fast wörtliche An⸗ lehnung der Proklamation Jérsmes vom 15. Dezember 1807. In dem preußischen Bericht über das Steuerwesen vom 4. Juli 1810 wird eine„radikale Umformung des bisherigen Besteuerungs⸗ sustems“ als unerläßlich bezeichnet:„der erste schlechterdings un⸗ wandelbare Grundsatz muß der sein: alle diese Uebelstände(der junkerlichen Steuerbefreiung) bei der Regeneration schlechterdings und für alle Teile zu vernichten und die Tragung aller Staatslasten mit gleichen Schultern zu befehlen“. Man dürfe nicht den begün⸗ stigten Stand über Rentabilität und Zulässigkeit von Steuer⸗ befreiungen und über Privilegien urleilen lassen.„Die Aufhebung der Privilegien ist der erste Paragraph aller neuen deutschen Kon⸗ stitutionen, es sei unrätlich, ja unmöglich, daß Preußen— ein Punkt in einer solchen Welt— sich isolseren wolle“. Das Gutachten der märkischen Regierung, auf dem dieser Bericht der Steuerkom⸗ mission beruhte, hatte sich ausdrücklich auf die Erfahrungen des verflüssigte, gab seinem Kollegen Thomson zwei Samm-: Großherzogtums Berg berufen und den gleichen Gedanken gusges — 2——— — n 3 r — N i 2 7 5 5 1 —— ———V—-— führt:„Es ist auch die Zeit für uns da, eine solche neue Konstitution zu machen oder uns still zu bekennen, daß wir die Zeit nicht be⸗ greifen, in die neuen Verhältnisse nicht hineingehören“. Nur zwei Mittel konnten Preußen auf die Dauer innerlich finanziell heilen. Die angemessene Besteuerung des Großgrund⸗ besitzes, Einkommensteuer auf die Besitzenden, Entlastung der Bauern und Kleinbürger im Einnahmewesen, und Einschränkung der Mili⸗ tärlasten im Ausgabewesen. Gerade auf die Verminderung der Militärausgaben wurde in dieser Zeit als auf einen„Wunsch der Nationen“ dringlich hingewiesen; das sei möglich, nachdem seit dem Regierungsantritt Hardenbergs man in ein freundliches Verhältnis zu Frankreich geraten sei.„Abgesehen von der finanziellen Er⸗ sparung entsteht durch die künftige Arbeit der entlassenen Soldaten eine bedeutende Mehrung der Kultur- und des Nationalwohl⸗ standes“, so heißt es in einem Bericht der Steuerkommission vom 4. Juli 1810, den von Raumer verfaßt hat. Diese Gefahr, durch Anschluß an das französische System die Militärausgaben zu ver⸗ mindern, bedrohte natürlich die militärische Existenz des Junkertums und deshalb wesentlich wurde die Militärpartei patriotisch. Aber Preußen, dafür sorgte das Junkertum, wollte sich in der neuen Welt isolieren. So zahm auch die Reformpläne Harden⸗ bergs waren, die Junker gingen sofort zu der mehrhundertjährig bewährten Taktik über, den Ruin des Vaterlandes, den Untergang der Monarchie drohend anzukündigen, falls man sie zu den Steuern heranziehen würde. Hardenberg hatte den Vorschlag einer Einkom- mensteuer verworfen, weil ste einer fortgesetzten Inquisition gleich— komme und der öffentlichen Opinion(meinung) so sehr zuwiderlause. Bitter bemerkte dazu Niebuhr, der in den damaligen Finanz⸗ reformarbeiten eifrig mitwirkte:„Die Opinion sei die eines Standes, welcher hier bei allen Ausschreibungen auf die aus— fallendste Art begünstigt worden sei und jetzt ganz frei von neuen Lasten sein wolle, während auf die Familie des Landmannes und Tagelöhners im Durchschnitt fünf bis sechs Thaler jährlich neue Lasten fielen“. All das seien Vorwände eines ganz herzlosen Eigen— nutzes. Man wünsche nur bei der allgemeinen Kalamität für den Augenblick selber geborgen zu bleiben, ja man verfolge vielleicht die Absicht, sich in dem Untergang noch besser für die Zukunft zu stellen. Als dann am 27. Oktober 1810 endlich das Hardenbergsche Steuer— edikt erschien, in dem der Wegfall aller Exemtionen verkündet wurde, „die weder mit der natürlichen Gerechtigkeit, noch mit dem Geist der Verwaltung in benachbarten Staaten länger vereinbar sind“, wurde die feudale Opposition so heftig, daß ein Paar der wildesten Krakehler sogar für einige Zeit in der Festung Spandau beruhigt wurden. Aber das Steueredikt blieb nur wie die meisten Reformedikte ein papiernes Programm. Der Großgrundbesitz wußte sich auch in dieser Zeit von allen Steuerleistungen zu befreien. Im Dezember 1811 wurde eine Klassensteuer ausge⸗ schrieben, die bestimmt war, für die Verpflegung der in den Oder— festungen noch verbliebenen französischen Truppen die Mittel auszu⸗ bringen. Es war eine rohe Kopfsteuer, welche die Tagelöhner mit einem Jahteseinkommen von 20 Thalern prozentual fast ebenso hoch belastete wie Einkommen über tausend Thaler. Das Ergebnis war ein völliger Mißerfolg. Die Besitzenden unter den Steuer— pflichtigen umgingen auf alle mögliche Weise die gesetzlichen Vor— schrisften. Die Junker waren in dieser Beziehung ein Herz und eine Seele mit den Besitzenden in den Städten. In dem schlesischen Landshut waren die Beiträge der Dienstboten höher als die des Kaufmannstandes. Es war eine Art Selosteinschätzung vorge— schrieben, mit einer gelinden Kontrolle. Die Gutsbesitzer schätzlen sich infolge der ungünstigeren Ernte des Jahres 1811, die Kapitalisten wegen der stockenden Zinszahlung, die größeren Kaufleute wegen des darniederliegenden Handels mit einem negativen Einkommen. Es trefse sich nicht selten, so wird in einem charakteristischen Bericht der Steuereinschätzungskommission angeführt, daß ein Pächter be⸗ deutender Besitzungen oder ein Gutsbefitzer, der ein mehr oder weniger großes Hauspersonal halte, gar kein oder ein höchst unbe⸗ deutendes steuerpflichtiges Einkommen he rausrechne, während ein unbegüterter Nachbar, der mit großer Anstrengung einen klcinen Haushalt durchführen könne, mit einem ähnlichen Steuerbetrage neben ihm aufgeführt stehe; sehr viele solcher Fälle seien von den Regierungen bemerkt worden. Das Ende vom Liede war, daß man im April 1813— wegen des Ausbruchs des Krieges— die ganze Angelegenheit der einer Steuerverweigerung gleichkommenden Steuerdefraudation auf sich beruhen ließ, während der Patriotismus es doch jetzt erst recht hätte verlangen müssen, daß wenigstens die gesetzlichen ausgeschriebenen Steuern bezahlt würden! Genau so ging es mit der Vermögens und Ein kom⸗ mensteuer von 1812, die eine damalige dreiprozentige in drei Terminen und nur ein Drittel in bar zu zahlende Abgabe auf Grundbesitz oder Einkommen darstellte. Dlese Einkommensteuer be⸗ lastete sogar Tagelöhner, Gesinde und Handwerker mit einem Jahres⸗ einkommen unter 100 Thaler durch eine Abgabe von 12 und 18 Groschen. Auch diesmal war das Ergebnis kläglich. Der Adel von Ost⸗ und Westpreußen sowie von Littauen erwirkte schließlich für sich eine Steuersuspension und in den andern Gebieten bezahlten die Junker auch ohne besondere Berechtigung so gut wie garnichts oder verschwindende Summen. Einer Luxussteuer, die im Oktober 1810 auf Dienerschaft, Wagen, Pferde und Hunde angeschrieben wurde, entzogen sich die Gutsbesiger mit dem Einwand, daß auf dem Lande ein Bedürf⸗ nis sei, was in der Stadt als Luxus gelten möge. In Schlesien zogen die Junker ihren Dienern die Livreen aus, um der Steuer zu entgehen. Die Steuer wurde fast überall hinterzogen und an stärksten 1813. 181112 ergab die Steuer 138 858 Thaler, 1812/8 sank sie auf 92 889 Thaler, in der ersten Hälfte 1813/14 gingen gn nur noch 19 399 Thaler ein. Man benutzte die patriotische Gelegen hett! Es zeigt sich also wiederum, daß gerade in der Zeit der al. gemeinen Opferfreudigkeit die Besitzenden nicht einmal die gesetzlichen Steuern zahlten. 1813 wurden allein in Berlin 1884 Prozesse gegen die Erhebung der Luxussteuer geführt und am 8. Oktober 1813 m f ein amtlicher Bericht aus Königsberg, daß in Ostpreußen durchweg defraudiert worden sei; so seien für Königsberg nicht mehr als 23 Luxuspferde, für alle übrigen Städte zusammen nur 8 1 pferde als steuerpflichtig angegeben worden. Auf dem Lande gab es natürlich überhaupt keine Luxuspferde; dort waren sie nicht steuerpflichtiges Bedürfnis. Errichten wir demnach die patriotische Ruhmestasel der preußi⸗ schen Junker aus dieser Zeit: 5 Wucherprofite in den Kriegsjahren der tiessten Not. 1 1 Allgemeine Steuerverweigerung und Steuerdefraudation. Ein riesenhafter Bauernraub. Versuch der Aneignung königlicher Domänen als Entgelt fur eine nationale aber ganz gefahrlose Bürgschaft. 5 Wir werden bald sehen, wie die herrschende Kaste Preußens auch die Freiheitskriege geschäftlich ausgebeutet hat. (Fortsetzung folgt.) Aus unserer Sammelmappe. Der Irrtum eines Kartographen und seine Folgen. Einen interessanten Beitrag zur Lösung eines bisher vielumstrittenen Rätsels der Kriegsgeschichte liefert ein Aufsatz des Journal de Genève. In dem Kampfe gegen die französischen Revolutionsheere hatte 1799 Graf Suworow in Italien den Oberbefehl über die ver⸗ bündeten russischen und österreichischen Truppen übernommen und in drei Monaten Oberitalien von den Franzosen gesäubert, was ihm damals die Erhebung in den Fürstenstand als Fürst Italiyskif eintrug. Nach den Siegen bei Cassano, an der Trebbia und bei Novi unternahm er seinen Uebergang über den Gotthard mit der Absicht, das Rheintal zu erreichen und Massena zu schlagen. Die Historiker haben oft die Frage aufgeworfen, wie ein so erfahrener Feldherr den Plan fassen konnte, im Angesicht des herannahenden Winters sich mit seinem Heere und dessen gewaltigem Train in die Pässe und Schluchten der Hochalpen zu wagen und dabei anzu⸗ nehmen, daß die Gepäck und Proviantkolonnen imstande sein wür⸗ den, über die unwegsamen Gebirgspfade, die damals den Vierwald⸗ städter See umgaben, Zürich zu erreichen. In diesen Tagen hat nun der Schweizer Generalstab ein außerordentlich interessantes Dokument erworben, das diese Frage beantworten kann. Es ist eine französische Landkarte vom Jahre 1792, die den Titel führt: „Karte des gegenwärtigen Kriegsschauplatzes mit besonderer Be⸗ rücksichtigung Schwabens und der Schweiz, gezeichnet von Jalllot, königlichem Geographen und revidiert von Chaumier.“ Die Karte war in Paris im Verlage von Basset erschienen. Auf dieser Karte ist nun sehr klar eine große direkte Straße eingezeichnet, die sich von Bellinzona nach Altdorf hinzieht und von dort über Schwyz und Zug nach Zürich führt. Dieser offenkundige Irrtum findet sich auf keiner anderen Karte jener Zeit. Es ist wahrscheinlich, daß Suworow diese Karte mit der salschen Straßenbezeichnung in dle Hände fiel und daß er sie bei dem Entwurf seines großzügigen Operationsplanes benutzte, um so mehr, als gerade sie Über die Simplonpässe sehr genaue und zutreffende Angaben macht. Man weiß, daß die russische Armee nach großen Schwierigkeiten Altdorf erreichte und hier nicht weiter konnte: es fehlte eine Straße und zugleich drangen die siegreichen Truppen von Zürich aus vor. Die Russen mußten sich dem Tale von Linth zuwenden und wurden auf diesem Rückzuge durch die Kälte und den Schnee dezimlert. Es waren die Trümmer eines Heeres, die dann nach unsäglichen Be⸗ schwerden sich im Oktober in Feldkirch mit den Truppen Korsakows vereinigen konnten. Der Fall zeigt deutlich, um wie viel höher das Wissen gegenüber der brutalen Gewalt steht. Als Jaillot an seinem Schreibtisch diese Linie in seine Zeichnung eintrug, mag er nicht geahnt haben, daß er mit einem Bleististstriche den Fürsten Suworow um seinen Ruhmestitel der Unbesiegbarkeit bringen sollte.