Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung mfRummer 25 Dienstag, den 23. September 1913 2. Jahrgang Monismus und Sozialismus. II. Was will nun der moderne wissenschaftliche Monismus? Natürlich dasselbe, was fast alle Philosophien auch wollen, mögen sie nun als alt⸗monistisch, dualistisch oder sonstwie fachgeschachtelt sein, nämlich, über alle Vorgänge in der Welt wissenschaftlich Auskunft geben. Der Monismus will also eine geschlossene Weltanschauung sein, wie sie etwa der So— zialismus ist. Nun reicht aber die Energetik allein nicht aus, um„für alle Zeit eine notwendige und zureichende Grund— lage für das Verständnis alles Geschehens zu sein“. Sie will nicht den Anspruch erheben,„in dem Kreis ihrer Begriffe alles zu erschöpfen, was Wissenschaftliches über die Welt und den Menschen gesagt werden kann“. Die Erklärungen z. B. aller Vorgänge auf dem Gebiete der Lebenserscheinungen „erfordern andere, über die Energetik in bezug auf den Mannigfaltigkeitscharakter(!) hinausgehende, wenn auch innerhalb des Rahmens der energetischen Gesetze bleibende Gesetze“! Also rein wissenschaftlich-objektive Untersuchung aller Dinge unter Beobachtung des Prinzipes der Energetik, unter Benutzung aller sonstigen Gesetze, soweit sie energetisch zugelassen werden können— das hat sich der moderne Mo— nismus zur Aufgabe gestellt! Denn„die wissenschaftliche oder monistische Weltanschauung... erkennt zwar nicht die Richtigkeit der anderen, älteren Anschauungen an, wohl aber vermag sie auf Grund des Entwicklungsgesetzes die Not— wendigkeit zu begreifen, daß in weniger entwickelten Köpfen eben jene atavistisch festgelegten Ansichten noch als zureichend, ja maßgebend empfunden werden“. Ostwald kleidet nun die Grund- und Hauptforderung des modernen Monismus in den Satz ein: Vergeude keine Energie, veredle sie! Damit kann sich natürlich auch jeder Sozialdemokrat einverstanden erklären, tut es auch. Aber bei der Ausführung dieses sogen, energetischen Imperativs(Be— fehls) scheiden sich die Wege des Sozialismus von denen des Monismus im Winkel von 180 Grad, sie führen nach ent— gegengesetzten Richtungen! Wirtschaftliche Tatsachen und ihre Konsequenzen kümmern den modernen wissenschaftlichen Monismus nicht, er betrachtet sie höchstens„objektiv“ durch seine energetische Brille. Während der Sozialist aus den verrückten Zuständen in unserer kapitalistischen Wirtschafts— ordnung, die sich aus der Herrschaft einer Klasse der mensch— lichen Gesellschaft über die anderen ergeben, folgert, daß zum Glücke und zum Fortschritt der Menschheit die Umwandlung der heutigen Gesellschaftsordnung in eine kommunistische unbedingt notwendig sei, verlangen die wissenschaftlichen Monisten gerade eine zunehmende Ungleichheit für die Menschheit, eine spezielle Förderung nur der Tüchtigsten. Gleiche Bildung und gleicher Wohlstand für alle sollen nach ihrer Ansicht notwendig die Verarmung und gleiche Un— bildung herbeiführen. Daher dient nach ihrer Ueberzeugung dem Zwecke einer baldigen Herbeiführung einer höheren Menschheitskultur am besten eine„Steigerung des Wettbe— werbes zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit“ der einzelnen! Solche Forderungen sind natürlich honigsüßes Manna für unsere modernen Kapitalisten, denn sie verteidigen und unterstützen ihre Bestrebungen ja. Im Grunde genommen Wünschen die Vertreter der„modern⸗monistischen oder wissen— schaftlichen Weltanschauung“ nur eine Verwirklichung der Ideen Nietzsches über den Individualismus, eine Persönlich⸗ keitskultur, Wie sie dieser Philosoph verlangte. Goethe, dessen Weltanschauung die Spinozas war, der mit zu den größten Monisten gehört, die je lebten, hat gesagt, daß alle im Rück— schreiten und in der Auflösung begriffenen Epochen„subjek— tiv“ seien. Und wir Sozialisten können auch in dem nach einer Pflege der„Subjektivität“ der Persönlichkeit streben⸗ den Monismus unserer Zeit nur einen Beweis mehr für die Richtigkeit unserer Ueberzeugung sehen, daß unsere heutigen Gesellschaftsgefüge sich in einem Zustande der Auflösung und Neubildung befindet, was zahllose wirtschaftliche Tat- sachen schon längst ankündigten. Aus diesem Grunde lehnen wir die Weltauschauung des modernen Monismus und diesen selbst glattweg ab. Er ist einfach ein in die Luft gebautes philosophisches System für den gebildeten Bourgeois, das nicht mit konkreten wirtschaft⸗ lichen Erscheinungen rechnet, sondern mit seinen aus der Naturbetrachtung gepumpten ideologischen Ansichten die Welt verbessern will. Wir sagten, er will das tun, indem er zur„Grundlegung einer neuen Ethik“ schreitet, wie Ostwald sagt, aber in Wirklichkeit erweist sich der Monismus durch seine praktischen Forderungen als Feind des von ihm angeb— lich erstrebten Fortschrittes, ganz einfach deshalb, weil er da⸗ mit die kapitalistische Ordnung der menschlichen Gesellschaft stützt und verteidigt. Und damit ist er für den Sozialismus „erledigt“, wenngleich auch wir die Richtigkeit des natur— wissenschaftlichen Gesetzes,„daß in der Energie sich das eigentlich Reale verkörpert“, anerkennen! Nur haben wir für„Energie“ eine andere Bezeichnung, wir heißen sie„Ar— beit“ und erblicken in der gemeinsamen Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit, der Einführung der kommunistischen Ge⸗ sellschaftsordnung, das Heil und den Fortschritt der Mensch— heit und ihrer Kultur! Unser sozialistischer Imperativ heißt: „Einer für alle und alle für einen!“ Und mit diesem Im- perativ denken wir uns endlich die Menschheit zu erobern! Wachsender Reichtum— steigendes Elend. Wir entnehmen diesen Aufsatz den Licht⸗ strahlen, Bildungsorgan für denkende Ar⸗ beiter. Herausgegeben von Julian Borchardt. Verlag: Berlin-Lichterfelde, Hedwigstr. 1. Ueberall in der Welt gilt als Grundlage eines vernünftigen Lebens die Sparsamkeit. Wollte man einem vernünftigen Manne sagen, er solle nur lustig drauflos leben, je mehr Geld er durch⸗ bringe, desto nützlicher handle er— so würde er solchen Ratgeber vermutlich für verrückt erklären. Gleichwohl wird diese verrückte Lehre dem deutschen Volke in allem Ernste. gepredigt. Freilich nicht dem einzelnen: im Gegenteil, der einzelne soll altpreußische Sparsamkeit üben. Aber sobald das Geld des einzelnen auf dem Wege über den Steuereinnehmer in den Staatssäckel geflossen ist, da soll mit einem Male das Gegenteil richtig sein! Da soll anstelle der Sparsamkeit die Verschwendung Nutzen bringen! Denn— auf diese Weise kommt ja das Geld unter die Leute! Je mehr der Staat ausgibt, desto mehr werden Arbeiter beschäftigt; die Ar⸗ beiterklasse habe also das größte Interesse an möglichst hohen Aus⸗ gaben aus der Staatskasse!. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß es die stets wachsenden Militärausgaben sind, die mit solchen Behauptungen beschönigt werden sollen. Die Hohlheit solcher Ausführungen zeigt eine ein⸗ fache Ueberlegung. Woher stammt denn das Geld, womit die Mili⸗ tär⸗Lieferungen bezahlt werden? Von den Steuerzahlern, und zwar fast ausschließlich von den Arbeitern. Soll also diesen das Geld zugute kommen, so könnte man's ihnen ja einfach lassen, an⸗ statt es ihnen erst abzunehmen, um es dann auf dem großen Um⸗ weg über die Waffenfabrikanten, bei denen ein schöner Profit hängen bleibt, wieder zurückzuleiten. Und wenn vielleicht jemand sagen wollte, gerade die Produktion, die durch diesen Umweg in Gang gesetzt wird, sei das Nützliche, so ist auch das nur Spiegel⸗ 1 —— ee e e s 1 8 1 1 sechte rei. 5 l 1 abnähme, würden sie sich natlürlich etwas dafür kaufen, was sie brauchen, Möbel oder Kleidung oder Nahrung. Diese Dinge müßten] den ein Anbau nötig, also auch dann die genugt, so daß der Verbrauch an Licht. Heizung, Feuerung sich nicht Produktion in Gang gesetzt, aber für nützliche Gegenstände und nicht verdoppelt(also nicht doppelt sovlel Kohlen gekauft und folglich in den Gruben produziert werden müssen) usw. Es ist eben eine Tat⸗ Nichtsdestoweniger liegt jenem Gerede ein Gedanke zugrunde, sache, die durch jahrhundertelange Beobachtung feststeht und täglich aufs neue beobachtet werden kann: je mehr Arbeiter zu gemein- en gilt, das gilt nämlich auch für alle an⸗Isamer Tätigkeit unter einheitlicher Leitung vereinigt sind, desto planmäßiger können sie zusammen arbeiten; je höher aber die Arbeitern Beschäftigung und„bringt Geld Planmäßigkeit, das Handinhandarbeiten, desto produktiver ist die unter die Leute“. Folglich müßten die Arbeiter stets ein Interesse] Arbeit, desto mehr bringt sie sertig. Insolgedessen werden bei der Vergrößerung eines Betriebes niemals ebensoviel neue Arbeiter dann ebenfalls produziert werden, es würde für Mordwerkzeuge. der auf den ersten Blick vernünftiger ausschaut. Was für Kanonen, Flinten und Panzerpl d a 0 deren Waren. Alle müssen fabriziert werden, ihre Produktion * gibt stets irgendwelchen daran haben, daß möglichst viele Waren verbraucht werden. Je tolles die Verschwendung, desto größer das Glück der Arbeiter. Da gebraucht, wie die Vergrößerung an sich ausmacht. nun die Arbeiter selbst bei ihren geringen Einkünften nicht ver⸗ schwenden können, so mlißten sie das Geschick segnen, das die reichen Leute geschaffen hat, und den als Wohltäter preisen, der den größten Auswand macht Diefen anscheinend sehr einleuchtenden Gedanken, der auf den] Aber durch das Zusammenarbesten einer größeren Anzahl werden ersten Blick etwas Bestechendes hat, fanden wir einmal von einem Fabrikanten in folgender gefälligen Form ausgedrückt: Denken wir uns eine Fabrik, die 200 Arbeiter beschäftigt, von denen jeder 250 Mk. Jahreslohn bekommt. Dem Fabrikanten bleibt nach Ab⸗ zug aller Unkosten, Ausgaben für den eigenen Haushalt und Steuern ein Reingewinn von jährlich 60 000 Mk. Wenn er die zu⸗ nächst spart und zwar 10 Jahre lang, so ist ihm daraus ein neues Kapital von 600 000 Mk erwachsen. Davon wird er einen Teil für Luxus ausgeben, wird sich vielleicht eine Villa mit einem hübschen Garten zulegen, dazu Pferd und Wagen oder ein Automobil. Das mag 150 000 bis 200 000 Mk kosten. Nun bleiben noch wenigstens 400 000 Mark übrig. Damit wird er seine Fabrik vergrößern, wird einen Teil ausleihen zur Vergrößerung einer anderen Fabrik, einen Teil zu gemeinnützigen Bestrebungen, Bau von Arbeiter⸗ wohnungen, Bau eines Theaters hergeben usw. Wenn der Fabrikant die eigene Fabrik vergrößert, braucht er neue Arbeiter. Ebenso werden neue Arbeiter gebraucht bei der Vergrößerung jeder anderen Fabrik, beim Bau von Häusern, Theatern usw. Aber auch wenn der Fabrikant sich eine Villa bauen läßt, so gibt das Beschäftigung für Maurer, Zimmerleute, Stein- brecher, Steinmetzen, Ziegelstreicher, Erdarbeiter, Glaser, Tischler, Maler; die innere Ausstattung beschäftigt Möbeltischler, Tapezierer, Sattler, Dekorateure ufw. Hält er sich Wagen und Pferde, so braucht er Kutscher und Stallpersonal, beim Auto einen Chauffeur; beide Fahrzeuge mlissen fabriziert und unterhalten werden. Kurz L stets um, wa der Reick seinem t, dier 1* 31 es 11 Ung vo! 1 E ern Da N 1 starker Be an ie Erhöhung der Löhne zu n i haben 1 Ain Nas art runter N A. die tex i. er Hinsicht das größte Inter daran, daß d Kap ten viel Geld verdienen. 1 aber hängt die Höhe des Profits aufs engste von der Höhe der Löhne ab. Wenn z. B. die Arbeiter jener Fabrik mit ihren 1250 Mk. nicht zufrieden sind, sondern eine Steigerung auf 1500 Mk. durchsetzen, so verringert sich rt der Reingewinn um 200 250= 50 000 Mk. Unter der bme, daß jetzt der Fabri kant weniger Steuern zahlt und auch ür seinen Haushalt weniger verbraucht, bleiben ihm allerhöchstens 18 000 Mk. übrig, in zehn Jahren 180000 Mk. Nun kann er sich keine Villa mit Pferd und Wagen anschafsen, die eigene Fabrik nicht oder nur unbedeutend er⸗ weitern, kein Geld an andere ausleihen, un massenhafte Beschästigung, die sonst für neue Ar unterbleibt Und die Moral von der Geschicht? Der wörtlich wie solgt aus:„Dem denkenden Arb große Unterne gelegenheiten bringen.“ antenge! * v amit ein Steigen der Arbeit Ein überraschendes Resultat! tͤlöhne steigen, so müssen die Kapitalisten gr Sollen ie große Gewinne machen, so müssen eben ge- zeigt— die Löhne niedrig sein. Folglich, wenn die Arbeiter hohe Löhne haben wollen, missen sie mit niedrigen Löhnen zu⸗ frieden sein!! Jede e sieht ein, daß hier ein Fehler stecken muf bst die Dinge sich so n, wie sie hier ge⸗ schil de e iernder Ni Arbeiter auch noch bt heran rin Denn Löhne steigen werde dadurch 1 die vu D mu dann mer 1 1 bie die starke Nach 1 die 9 me 1 c 1 de 1 ken 1 Kapitalisten den Gew d sie er 1 1 d ukt be · daß d d 1 ne Denn eb durch 0 0 1 8 1 ie* 1 ner De je mäßig: die Zahl der erfe rl ke abe nicht in demsel! N e da Unternehme 0 urder bisher 100 ter be gt, so werden bei doppelung des Kapitals keine 200 gebraucht dern vielleicht ur 100 oder 180 n einem größeren Betriebe stehende Arbeiter kennt das. Ein Beispiele: selbst wenn jede neue Werkzeugmaschine sbensoviel Denn wenn nicht der Staat den armen Leuten das Geld!] sichtspersonal nicht verdoppelt zu werden, ebensowenig die Kessel⸗ heizer und Kraftmaschinenwärter; es ist nicht unter allen Umstän⸗ die vorhandenen Räume werden besser aus⸗ Ver Nun könnte man sagen, das habe nicht viel zu bedeuten: denn wenn— im obigen Beispiel— auch nicht gerade 100 neue Arbeiter beschäftigt werden, so doch immerhin 80 oder 90. Die stärlere Nach⸗ frage nach Arbeitern ist also da, und die Löhne müssen steigen. nicht nur die neuen Arbeitskräfte produktiver, sondern die alten ebenfalls. 190 bringen doppelt soviel fertig, wie 100. Setzen wir nun— um eine einfache Rechnung zu haben— den Fall, daß im dritten Jahre wiederum nur soviel Kapital angesetzt wird, wie ursprünglich zur Beschästigung von 100 Arbeitern nötig war. Dann werden statt 300 Arbeiter vielleicht nur 200 gebraucht; im folgenden Jahre verhältnismäßig noch weniger usw. Dauert dies eine Reihe von Jahren an, so muß es einmal so weit kommen, daß trotz Vergrößerung des Kapitals überhaupt keine neuen Arbeiter eingestellt werden. Und nach einer weiteren Reihe von Jahren müssen trotz vergrößerten Kapitals sogar noch Arbeiter entlassen werden! Wozu sich darüber den Kopf zerbrechen, wird vielleicht mancher meinen! Wenn es wirklich so schlimm sein sollte, so muß es doch lange, lange Jahre dauern, bis es so weit kommt.— Doch gemach! Vergessen wir nicht, daß diese Entwicklung schon seit langen, langen Jahren im Gange ist. Allein die Zeit des Großkapitalismus, die diefe schlimmen Folgen am schärfsten entwickelt, dauert jetzt schon über 100 Jahre. Es ist also keine serne Zukunft, von der wir reden, sondern bittere, blutige Gegenwart. In der Tat spüren es ja die Arbeiter am eigenen Leibe, daß die Arbeitslosigkeit, die auf solchem Wege entstehen muß. längst zur Wahrheit geworden ist. Genau so alt wie das Zeitalter des Groß kapitalismus, ist auch das Zeitalter der massenhaften Arbeitslosigkeit. Selbst in den Zeiten besten Geschäftscanges sind heutzutage Zehntausende, ja Hundert⸗ 23311—————l—— ̃ ͤ M.] A tausende arbeitslos. Im Oktober 1910 und e im Oktober 1911 gab es allein Königreich Sachsen das nicht ganz 5 Millionen Einwohn at etwa 2000 Arbeitslose, die fast sämtlich viele W n Teil sogar mor lang arbeitslos waren. Das bed ze deutsche Reich sast 300 000 Arbeits⸗ loft einer Zeit, in der von Krise keine Rede war. Und im Jahre 1912, das eine gewaltige Steigerung der Produktion erlebte, ift die Zahl der Arbeitslosen noch gewachsen. Wachsender Reichtum— steigendes Elend, das ist der voll⸗ endete Widersinn, in den uns diese Entwicklung bisher gebracht hat.— Gehen die Funkentelegramme durch die Luft oder durch den Erdboden? Das bekannteste von der Nauener Funkenstation ist der 200 Meter hohe Turm. Und in der Tat ist bei jeder Funken⸗ station von außen nur die Antenne, das Sendedrahlsystem, d zu dem Zwecke vorhanden ist, die elektrischen Strahlen in den Raum hinauszusenden, etwas Auffälliges. Denn die Hi d die Apparate haben oft in einem kleinen Raum Stationen mit großer Reichweite braucht man tennen, und die sind teuer. Man sinnt daher darauf, diese Ausgabe zu vermindern, wie überhaupt die Kosten des Telegraphierens ohne Drahtleitung herabzusetzen. bungen kommt der Wunsch zu Hilfe, eine inkentelegraphie zu besitzen. Bis⸗ er an, daß die elektrischen Strahlen, die umer an,“ 3 — — 60 a ne N ae 9* m 7 1 9922 4* neue Arbeiter erfordert wie so braucht doch daß Aul⸗ der musgehen, nach allen Richtungen hin aus⸗ f en Richtung irgendwie bevorzugen. So ist denn ganz gleich, wo der Empfangsdraht, der die Strahlen nehmen soll, steht. Aber eins gibt in jedem Falle doch zu denken, nämlich der Umstand, daß die Wellen nicht bloß durch Luft gehen können, um zum Empfangsdraht zu gelangen, sondern auch den Erdboden benutzen müssen. Man wußte nie, welche Rolle der Erdboden überhaupt bei der Sache spielt. Daß er aber eine spielt, ist zweifellos. Denn man denke sich etwa folgendes. Eine zwanzig Meter hohe Antenne sendet Strahlen aus, und 100 Kilometer entfernt fange sie eine Station guf, deren Antenne ebenfalls 20 Meter Roc it. Tann — 1 f 1 ö ——ꝛ—»—»———— lgen sie einem benso ab, wie die Ent lächenwellen beim Funkentelegraphieren zu benutzen. ein großes Areal bedecken, überflü idie Erde vorzustellen hat, darüber sin klar, daß zwischen beiden ein Berg liegt, der durch die Erd⸗ nmung bedingt ist. Diese Erdkrümmung ist weit höher 320 Meter. Die Strahlen müßten also, wenn sie durch die t gehen, über diesen Berg hinweg, sie müßten krummlinig len. Nun mag man meinen, daß diese Krümmung nicht al auf- sich hat. Dann nehme man den Fall der neuesten mkentelegraphischen Erfolge her, nämlich die Ueberbrückung r Entfernung Nauen Amerika. Die Entfernung ist etwa Viertteil des Erdumfanges, also etwa 10 000 Kilometer. Station zur Station durch die Erde hindurch wäre der eg nur etwa 9000 Kilometer. In jedem Falle liegt zwischen den Stationen ein Berg von fast 2000 Kilometer Höhe, der urch die Erdkrümmung bedingt ist. Es wäre doch bemerkens— art, wenn die elektrischen Wellen über diesen Berg hinweg— derten, ohne daß dabei die Erdoberfläche berührt würde, n der sie sich fortwährend stoßen, in die sie immerzu ein⸗ ingen müssen. Denn angesichts der Höhe dieses Berges acht selbst die große Höhe der Antennen von 200 Meter nichts us, denn sie ist ja nur den zehntausendstel Teil so hoch wie e Erdkrümmung! Es ist selbstverständlich, daß in diesem wie in allen andern allen der Erdboden eine erhebliche Rolle spielt. Und in der at ist das der Fall. Denn die Fortpflanzung der Wellen an dem Sendedraht aus muß ganz anders sein als die auf r Erdoberfläche. Wenn sich die Strahlen über den ganzen aum verbreiten sollen, ihn ganz erfüllen, so sind sie in ge⸗ sässer Entfernung viel jchwächer, als wenn sie auf geradem Lege dorthin gelangen können. Im erstgenannten Falle sogenannlen„quadratischen“ Ausbreitungs— etz im zweiten einem„linearen“, d. h. sie nehmen an Stärle fernung. In der Entfernung von 300 gilometer ist die Stärke der Strahlen nur noch den dritten eil wie in 100 Kilometer vom Sendedraht. Die wellen— tigen Strahlen also, die in den Raum hinausgehen, die genannten Rau mwellen, sind an einer Empfangs⸗ nation viel schwächer, als die am Erdboden entlang kriechen⸗ en, die Oberflächen we llen. Man konnte auf Grund jeser Ueberlegungen zeigen, in welcher Weise die Wellen der Erdkrümmung folgen. Das legt natürlich den Gedanken nahe, gera 8 de die Ober⸗ Kiebitz drähte nicht in die Höhe ge— Erdboden ausgespannt, ja Das hat zuerst einmal die sehr teuer sind, pat das versucht und die Sende sellt, sondern sie dicht über dem sogar in den Erdboden selbst verlegt. den Vorteil, daß man die hohen Gerüste, Hermeidet, daß man die weit ausgreifenden Spanndrähte, die ssig macht, sodaß alles sehr aber erhält man dadurch, daß man Sendedrähte wählt, auch Das ist deshalb vorteil— wiel billiger wird. Sodann rine ganz bestimmte Richtung für die einen merkbaren Richtungseinfluß. haft, weil die Empfangsstationen nicht durch andere Funken⸗ lielegramme gestört werden. Man kann auf einer Empfangs- station durch Vergleiche der Lautstärke von Signalen mit einiger Genauigkeit sogar die Richtung feststellen, aus welcher ein Telegramm kommt. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß zauch der Bedarf an Energie beim Telegraphieren durch diese neue Richtungstelegraphie wesentlich vermindert wird. Wie man sich die Vorgänge bei dieser Uebertragung durch d die Meinungen noch zeteilt. Es bestätigt sich durch. Zersuche, von einem Bergwerk zu einem anderen, daß die Uebertragung von der Beschaffen⸗ heit des Erdbodens abhängt. Es ergibt sich weiter, daß in der Erde eine Spiegelung der Strahlen stattfindet, wobei als Spiegel wahrscheinlich der Grundwasserspiegel fungiert. Es zeigt sich leider, daß der Boden die elektri stark dämpft, sodaß selbst mit Erdantennen die hauptsächliche Lachrichtenübermittelung durch die Luft hindurch erfolgt. Infolgedessen wird durch das neue Mittel ein Uebelstand nicht behoben, der der Funkentelegraphie immer noch sehr hinder⸗ lich ist, nämlich die elektrischen Störungen in der Atmosphäre. 3* 8 F. Linke. Mängel der internationalen Statistik. Wenn patriotische Schreier die Sozlaldemokratie als vater⸗ landslos schelten, weil sie die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Völkern verlangt, so wissen die wunderlichen Hüter des vaterländischen Gedankens anscheinend nicht, wie wenig Zu⸗ sammenhang selbst in wichtigen Angelegenheiten bis jetzt noch unter den Kulturnationen besteht. Besonders dringend verlangt die Statistik nach internationalem Abkommen; diese Wissen⸗ schaft erhält lebendigen Wert nur durch den Vergleich, der zu⸗ meist nur auf internationaler Grundlage möglich ist. Aber ge⸗ rade in dieser Hinsicht besteht die überraschende Tatsache, daß offiziell bisher im Grunde genommen noch so gut wie gar nichts geschehen ist. Wohl bringen die amtlichen statistischen Werke auch internationale Uebersichten, aber diese beruhen zumeist nur auf privaten Zusammenstellungen. Und doch datieren die Bestreb⸗ ungen, auf internationaler Basis statistische Ergebnisse zu ver⸗ werten, nicht erst von gestern. Auf der ersten internationalen Welt— ausstellung, die 1851 in London abgehalten wurde, war es der belgische Statistiker Quetelet, der die Anregung zu einer inter- nationalen statistischen Verbindung gab. Auf sein Bestreben wurde dann der Internationale Karistische Kongreß 1853 in Brüssel abgehalten. Nach Quetelets Voraussetzung sollte die Vereinigung der Statistiker aller Kulturstaaten zur Vereinbarung absolut gleichmäßiger Grundsätze führen und dadurch ein vergleich⸗ bares Massenmaterial liefern, welches die Kenntnis der Gesetze des Gesellschaftslebens rasch fördern müsse. Der Kongreß trat 25 Jahre hindurch bis 1878 zu einer Reihe anregender und auch nutz⸗ bringender Tagungen zusammen. Er verstand auch die amtliche Statistik in den einzelnen Staaten wesentlich zu fördern und gab in manchen Fällen unmittelbar oder mittelbar die Anregung zur Gründung staatlicher statistischer Zentralstellen. Ebenso förderte er wohl die persönlichen Beziehungen und dadurch den so wichtigen persönlichen Meinungsaustausch zwischen den Leitern der amt⸗ lichen Statistik der einzelnen Staaten. Sogar eine groß angelegte „Statistique internationale“ wollte der Kongreß herausgeben, doch kam dies Werk über die Anfänge nicht hinaus. Die Vereinigung hatte unter mancherlei Störungen zu leiden die durch das Ueberwiegen des Laienelements hervorgerufen waren. Als der Kongreß dann aber ernste Schritte zur Beseitigung des Uebels unternahm und eine festere Gestaltung der amtlichen Beziehungen beschloß, ging er gerade an diesem Schritt zugrunde. Auf dem abermals während einer Weltausstellung, nämlich in Paris 1878, abgehaltenen Beratungen wurde ein neues Statut geschaffen, wonach den Beschlüssen einer besonderen 1873 gegrün⸗ deten Permanenzkom mission mehr Wirksamkeit und ein direkter Einfluß auf die amtliche Statistik der einzelnen Staaten verschafft werden sollte. Diesem Beschlusse widersetzten sich die auf die Selbständigkeit ihrer Verwaltungen bedachten Re⸗ gierungen der einzelnen Länder, und die Folge der Obstruk⸗ tion war, daß zuerst die Permanenzkommission und dann der ganze Kongreß sich auflöste. An seine Stelle trat dann namentlich dank der Bemühungen des französischen Ministers Leon Say das Internationale Statistische Institut. Der Vorsicht halber wurde dies Unternehmen aber als rein private wissenschaftliche Vereini⸗ gung ins Leben berufen; die Mitglieder nehmen an der Vereini⸗ gung ohne jede offizielle Autorität lediglich als Vertreter ihrer Wissenschaft teil. Die Mitgliedschaft wird durch Wahl von seiten der dem Institut bereits zugehörigen Mitglieder erworben, die Zesamtzahl der Mitglieder darf 200 nicht übersteigen. Die letzte Tagung des Instituts fand 1911 im Haag statt. Wenn nun auch die internationale Wirksamkeit dieser Vereinigung immerhin hohe Anerkennung verdient, so muß doch mit Bedauern festgestellt wer⸗ den, daß ihre Bestrebungen auf einheitliche Gestaltung der internationalen Statistik immer noch keinen wesentlichen Erfolg schen Wellen sehr. hatten. Ein Blick auf die Volks zähl denen Länder zeigt z. B., wie viel ordnen bleibt. Im letzten Jahrgang d für das Deutsche Reich datieren di das Reich selbst vom 1. Dezember Irland vom 2. April 1911, für Fran Rußland hingegen vom 9. Februar 1897, 1. Dezember 1899, für die Niederlande vom für Griechenland vom 27. Oktober 1907. denen Volkszählungsterminen ein Vergleich Und doch sollte man meinen, lung eines gemeinsamen Zähltages un Erde. Hoffentlich gelingt es den trotz aller dernisse machtvoll einsetzen diesem wie auf anderem ni dahin Versäumte bald einzuholen. 1910, für Neue Untersuchungen über das und Organe. Manu erinnert sich noch der suche, die Prof. webe und Organe außerhalb des Versuche ist Professor Carrel mit dem ungsdaten der verschie⸗ auf diesem Gebiete es Statistischen Jahrbuchs e Volkszählungsergebnisse filr kreich vom 3. März 1911, für für Rumänien Wie so wäre nichts leichter als ter den Kulturnationen den internationalen Bestrebungen, auf cht minder wichtigen Gebiete, Aus unserer Sammelmappe! selbständige Leben der Gewebe Aufsehen erregenden Ver⸗ Alexis Carrel über das selbständige Leben der Ge⸗ Körpers angestellt hat. Nobelpreis ausgezeichnet wol noch zu Großbritannien und vom 31. Dezember 1909, ll bei so verschie⸗ t werden? ie Feststel⸗ der chauvinistischen Hin⸗ ermögli das bis Für diese Fen. Es gelang Carrel bekanntlich, das Leben von Gewebskulturen gu verlängern und die Menge des kultivierten Gewebes zu ver⸗ mehren. Prof. Carrel berichtet nunmehr in der Berl. klin. Wochen⸗ schrift über neue Versuche, die in der Absicht gemacht wurden, das Bindegewebe getrennt vom Org in dem Zustand eines dauernden sichtbaren Lebens zu erhalten und die Faktoren, welche das Wachstum der Gewebe regeln, zu studieren und endlich Systeme von ganzen Organen im Zustand tätigen Lebens aufrecht zu er⸗ halten. Früher hatte Prof. Carrel gezeigt, daß Fragmente vom Bindegewebe 2 Monate außerhalb des Organismus leben und sich lebhaft entwickeln können. Diese Untersuchungen wurden zu dem Zwecke sortgesetzt, um zu sehen, ob diese Gewebe imstande sind, sich außerhalb des Organismus, ebenso wie die Mikroben, unbegrenzt zu entwickeln. Carrel gelang es, Zellkolonien, die vor 15 Monate von einem Herzfragment kultiviert worden waren, lebend zu er⸗ halten. Sie wurden in einem Medium kultiviert, das aus zwei Volumen Plasma eines erwachsenen Hahnes und aus einem Volumen Saft eines Hühnerembroys von 8 Tagen besteht. Die Fragmente umgeben sich bald mit einer großen Menge von Zellen, welche ein neues Gewebe bilden. Die große Volumenzunahme des Gewebes zeigt, daß es sich hier nicht um Erscheinungen des Ueberlebens handelt, vielmehr um eine neue Tatsache: um lebende und sich, gleich den Mikroben, unbegrenzt in dem Kulturmedium vermehrende Bindegewebszellen. Auch vom Gewebe von Säugetieren, wie Hund, Katze und Maus, haben zahlreiche Generationen außerhalb des Organismus gelebt. Es wurde auch versucht, menschliche Gewebe im Zustand des Dauerlebens zu erhalten, die Wucherungen der Herzfragmente des Fötus von fünf Monat konnten mehr als 14 Tage lang beobachtet werden, während welcher Zeit die Gewebe 5 bis 6 Passagen durchmachten. Auch glückte es, Zellkulturen von bösartigen Geschwülsten im Zustande des Dauerlebens zu erhalten. Das gülnstigste Medium für ein schnelles Wachstum der Gewebe scheint in einer Mischung von normalen Plasma und Gewebssaft zu be— stehen. anismus Für das Studium zahlreicher Probleme war es von Wichtig⸗ keit, ganze Organe im Zustand kräftigen Lebens getrennt vom Organismus aufzubewahren. Da die Gewebe sich unbegrenzt in einem Kulturmedium entwickeln, so ist es wahrscheinlich, daß ganze Organe ebenso in selbständiger Weise würden leben können, wenn man ihnen eine Zirkulatlon normalen Blutes verschaffen könnte. Prof. Carrel versuchte es, eine Technik zu finden, die es gestattet, ein System von Organen im Zustand aktiven Lebens aufzubewahren. Die Methode bestand darin, aseptisch im Zusammenhang die Brust⸗ und Bauchorgane eines Tieres, im allgemeinen einer Katze, zu ent⸗ nehmen und sie unter gewissen Bedingungen bei einer Temperatur von 38 Grad aufzubewahren. Die Mehrzahl der Eingeweide lebte noch kräftig 10—19 Stunden nach dem Tod des Tieres, dessen Teil sie gewesen waren. Prof. Carrel glaubt, daß die verschiedenen Methoden weit entfernt seien, ihre definitive Form erhalten zu haben, sie werden geändert und vervollkommnet werden müssen, aber sie können schon jetzt zum Studium zahlreicher Probleme der Pathologie und Phystologle benutzt werden und die Redaktion der Berl. klin. Wochen⸗ schrist fragt, daß man angesichts dieser Experimente im Zweifel sein kann, ob man mehr die Kühnheit der Idee oder die Virtuosität der Technik bewundern soll. Keimschädigung durch physikalische und chemische Einflüsse. Die biologische Forschung ist neuerdings bemüht, nachzuweisen, ob und in welcher Weise die Entwicklung tierischer Embryonen durch chem ische und physikaltsche Schädigungen beeinträchtigt werden kann. Eine zusammenfassende Arbeit über die auf diesem Gebiet gemachten Experimente bringt die Umschau in ihrer Nummer vom 29. August. Aus Froscheiern, deren Entwickelung statt in reinem Wasser, in soschem, dem 0, Prozent Kochsalz zugesetzt war, sich vollzog, schlüpften Larven mit stark geschädigtem Nervenapparat aus. Eln Zusatz von Magneftum chlorid zum Meerwasser ließ aus Fischeiern Larven mit nur einem Cuklopenauge sich entwickeln. Auch B. Embryonen von Hühnern, konnten experk⸗ mentell Mißbildungen erzeugt werden. bei höheren Tieren, z. Entwickelungsstörungen können digung des befruchtenden S Biologe Oskar Hertwi 9 aber auch als Jolge einer Schä⸗ amens eintreten. Der Berliner hat Samensäden von Fröschen mit Radium und Wesot horium-⸗ Präparaten bestrahlt und da⸗ bei Störungen in der Entwickelung der mit diesem Samen besruch⸗ 1 N entgegengearbeitet haben. Es gibt daher die FJamiliensorschung nit Anlaß dazu, sich in die Vererbung kampflos zu fügen, sondern 0 wissen Anlagen bewußt entgegenzutreten. muß gelingen. Das Gespenst der Vererbung ist eigentlich eiu! mehr. Wir wissen, daß es uns gelingt, bis zu einem gewissen 0 N 3. B. jeden schlechten Bau der Brust zu korrigieren. Dann wen schwindet die Anlage zur Ansiedlung von Tuberkulose-Bazillen. ln können unsere gesamten Lebensbedingungen umformen, daun wir das Blut in den Stand gesetzt, auch der eingedrungenen 8 Herr zu werden. Bezüglich der Nervenkrankheiten ergibt man f heute noch einem gewissen Fatalismus, der in keiner Wesse ange, bracht ist, ebenso auch bel anderen Krankheiten, wie z. B. Auch hier sind wir imstande, e bedarf nur des guten Willens, nisse nehmen zu wollen, und dann des guten Willens die in die Tat umzusetzen. Das ist allerdings ein langer Weg. 5 faule, bequeme Leute fündigen heute noch schwer an ihren Arge · hörigen. Auf dem Jaulbette der Vererbung lassen sie alles geben. wie es will. Es ist ja äußerst bequem, sich dann auf die Vererbung herauszureden, wenn die Katastrophe da ist.“ 1 schaftliches Unvermögen, der ererbten Anlage zu Krankheiten zu werden. Es ist eben kein leeres Gerede, daß mit der Verbesser seiner wirtschaftlichen Lage Volkes sich verbessern milssen. Bestrahlung und je stärker das angewendete Präparat g Derselbe Forscher hat in jüngster Zeit neue Versuche ausg zu ermitteln, ob Konstitutsons veränderungen auch durch de Beeinflussung der Samenfäden hervorgerufen werden kön* Schwierigkeit bestand bei diesen Versuchen darin, chemis Re zien zu finden, die zwar die Konstitution des im Kopfteile des g mas enthaltenen„Idioplasmas“ verändern, ohne doch die 8 keit der Fäden wesentlich zu beeinträchtigen. Solche Substanzen das Chloralhydrat und das salpetersaure Sir nin. Die Samenfäden von Fröschen behlelten in Chlor 90 lösung noch nach 1—2 Stunden ihre Bewegungsfähigkeit. u von ihnen befruchteten Eiern entwickelten sich Kaulquappe kleiner und schwächer als normale Tiere waren und Rückenspalten auswiesen, eine Folge davon, daß die embrpe Nervenrinne sich nicht zur Bildung des Rückenmarks schließt,'on in zwei Hälften getrennt bleibt. Manchmal ergibt sich daraus g eine doppelte Schwanzbildung. Der Amerikaner Charles Stockard endlich hat die des Alkohols auf den Keim experimentell untersucht. Männchen und Weibchen von Meerschweinchen längere Zeit u. Alkoholwirkung und stellte dabei sest, daß sowohl bei väterlic als auch bei mütterlichem Alkoholismus die Jungen schwach degeneriert waren. Häufig trat auch Abart ein. 7 Die gemachten Versuche wersen auch ein Licht auf die g 1 Praxis bekannte Tatsache, daß z. B. Blei- und Tabakarb terium N häufig schwächliche und degenerierte Kinder zur Welt bringen. g N 1 Vererbungs-Aberglaube. Daß dle Eltern die Anlage zu gew Krankheiten vererben können, ist bekannt. Weniger bekannt, ab ebenfalls Tatsache ist, daß die Kinder die ererbte Krankheit lla durch zweckmäßige Lebensweise überwinden können, und daß, w in einem Geschlecht diese zweckmäßige Lebensweise sortgesetzt 0 t es aus einem ehemals schwerbelasteten zu einem vollständig gesund werden kann. Ein Irrtum also ist es, zu meinen, daß, weil in ein Jamilie Großeltern und Eltern z. B. an der„Schwindsucht“ storben sind, nunmehr auch die Kinder dieser Krankheit zum y fallen müßten. 1 Dieser Irrtum, der nachgerade zu einem allgemeinen N glauben geworden ist, ist selber eine Ursache der großen Verbrelt r jener Seuche, weil er die Familien dazu verführt, keine oder n ganz ungenügende Vorsorge gegen das Uebel zu treffen. Mit R. wendet sich Dr. med. Otto Schär von den Kuranstalten Monte⸗ in seinem bei Holze u. Pahl in Dresden erschienenen mühll e Buche„Im Kampfe um bessere Nerven und größere Leistungssah leit“(Preis 1.75 Mark, gebunden 225 Mark) gegen die U N Bedeutung, die der Vererbung beigelegt wird Er sagt u. a.: „Wir kennen eine große Reihe von Lebens reformen, die f wußter Weise den Jamilienanlagen frühzeitig mit großem Nahezu jeder Verf — Anlage entgegenzuwirken. insicht in die besonderen Ber. eee Te! 11 Oft ist es natürlich nicht Bequemlichkeitsliebe, sondern auch die Gesundheitsverhältnisse teten Eier erzielt, die um so stärker waren, je länger dauernd die