Nummer 16 Dienstag, den 22. Juli 1913 2. Jahrgang Historisches zum Massenstreikproblem. Gleich nach Beendigung der preußischen Landtags— wahlen begann das Massenstreikproblem in der Presse und in Versammlungen die Parteigenossen wieder zu beschäftigen, und höchst wahrscheinlich wird diese Frage auch bei den Ver⸗ handlungen des in wenigen Wochen stattfindenden Partei⸗ tags der deutschen Sozialdemokratie erörtert werden. Unter diesen Umständen dürfte ein Rückblick auf die bisherige Be— handlung der bedeutungsvollen Angelegenheit der organi- sierten Arbeiterschaft willkommen sein. Die Frage, ob es möglich und zweckmäßig sei, den poli⸗ tischen und wirtschaftlichen Zielen des klassenbewußten Prole— tariats durch eine allgemeine, umfassende Arbeitseinstellung näher zu kommen, beschäftigt die heutige Sozialdemokratie seit einem Vierteljahrhundert, und zwar bildete das Kampf— mittel vorwiegend auf internationalen Kongressen den Gegenstand der Verhandlungen. Als im August 1889 zum ersten Male nach der Auflösung der alten Internationale wieder Arbeitervertreter aus allen Kulturländern in Paris zur Beratung ihrer gemeinsamen Interessen versammelt waren, handelte es sich bekanntlich auch darum, durch Kund— gebungen für den Acht stunden tag und andere Forder— ungen der Arbeiterklasse gleichzeitig in allen Ländern, wo organisierte Arbeiter vorhanden sind, am 1. Mai ein Fest der internationalen Solidarität zu feiern. Bei den Erörterungen hierüber war es der Delegierte Tressaud-⸗Marseille, der den Antrag stellte, der Kon— greß solle als Anfang der sozialen Revolution den Gene⸗ ralstreik beschließen, da anders die geplante Mani⸗ festation wirkungslos bleiben werde. Der Antrag wurde mit sehr großer Majorität verwor fen. Als dann 1891 in Brüssel ein internationaler Kon⸗ greß tagte, beantragte der Holländer Domela Nieuwenhuis, daß die Sozialisten aller Länder eine Kriegserklärung mit einem Aufruf an das Volk zur allgemeinen Arbeitsein⸗ stellung beantworten sollten. Auch dieser Antrag wurde aus Gründen, die hier nicht dargelegt zu werden brauchen, abge⸗ lehnt. Abermals zwei Jahre darauf beantragte der inter- nationale Kongreß zu Zürich 1893 jedoch eine Kom- mission mit der Erörterung des Generalstreiks. Die Kommission schlug eine Resolution vor, die aber nicht weiter zur Erörterung kam. Es wurde in dieser Kundgebung der ollgemeine Weltstreik seiner Undurchführbarkeit wegen verworfen; jedoch findet sich in den Dokumenten die Dar⸗ legung, daß Massenstreiks unter Umständen eine höchst wirk⸗ same Waffe nicht bloß im ökonomischen, sondern auch im politischen Kampf sein können, eine Waffe jedoch, deren wirk⸗ same Anwendung eine tüchtige gewerkschaftliche und politiche Organisation der Arbeiterklasse voraussetzt.„Der Kongreß“, so heißt es am Schluß dieser Resolution,„empfiehlt daher den sozialistischen Parteien aller Länder, diese Organisation mit aller Energie zu fördern und geht über die Frage des Weltstreiks zur Tagesordnung über.“ Der Internationale Kongreß in London 1896 ent⸗ schied ebenso nach einem von Molkenbuhr über die Wirtschaftslage der Arbeiterklasse gehaltenen Referat dahin, daß die Möglichkeit für einen internationalen Generalstreik nicht gegeben sei, daß aber das nächste Erfordernis die ge⸗ werkschaftliche Organisierung der Arbeitermassen sein müsse, weil von dem Umfang der Organisation die Frage der Ausdehnung des Streiks auf ganze Industrien oder Länder abhänge. Der internationale Kongreß zu Paris 1900 be— stätigte dann mit 27 gegen 7 Stimmen den Londoner Be— schluß, und eine vom internationalen Kongreß zu Amster— dam 1904 gefaßte Resolution lautet:„In Erwägung, daß die notwendige Voraussetzung für den Erfolg eines Massen⸗— streiks eine starke Organisation und die freiwillige Disziplin der Arbeiterschaft ist, hält der Kongreß den absoluten Gene— ralstreik in dem Sinne, daß alle Arbeit niedergelegt wird, für unausführbar, weil er jede Existenz, also auch die des Proletariats unmöglich macht. In weiterer Erwägung, daß die Emanzipation der Arbeiterklasse nicht das Resultat einer derartigen plötzlichen Kraftanstrengung sein kann, daß es aber möglich ist, daß ein Streik, der sich über einzelne für das Wirtschaftsleben wichtige Betriebszweige oder über eine große Anzahl Betriebe ausdehnt, ein äußerstes Mittel sein kann, um bedeutende gesellschaftliche Veränder⸗ ungen durchzuführen oder sich reaktionären Anschlägen auf die Rechte der Arbeiter zu widersetzen, warnt der Kongreß die Arbeiter davor, sich durch die von monarchistischer Seite betriebene Propaganda für den Generalstreik, in der Absicht, sie davon abzuhalten, den bedeutungsvollen täglichen Kleinkampf durch die gewerkschaftliche, politische und genossenschaftliche Aktion zu führen, nicht ins Schlepptau nehmen zu lassen, und fordert sie auf, ihre Einheit und Machtstellung im Klassenkampf durch die Entwicklung ihrer Organisation zu stärken, weil, sollte der Streik mit einem politischen Ziel sich einst als nötig erweisen, sein Gelingen davon abhängen wird.“ Inzwischen hatte die bedeutungsvolle Frage auch die Parteitage der deutschen Sozialdemokra-⸗ tie zu beschäftigen begonnen. In Dresden beantragte 1903 der später zum Anarchosozialismus übergegangene Delegierte Dr. Friedeberg, daß dem Parteivorstand empfohlen werden möge, die Frage des Generalstreiks auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags zu setzen und einen Antrag auf Erörterung des politischen Streiks vertrat 1904 auf dem Parteitag zu Bremen der Span⸗ dauer Delegierte Karl Liebknecht. Während der von Friedeberg gestellte Antrag gegen wenige Stimmen verwor⸗ fen worden war, überwies der Parteitag den von Spandau gestellten Antrag dem Parteivorstande zur Erwägung. Mit besonderer Lebhaftigkeit beschäftigte dann im Jahre 1905 die Frage des Massenstreiks die organisierte Arbeiter⸗ schaft. Zu Köln a. Rh. tagte im Monat Mai der fünfte Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Hier fand eine von Th. Bömelburg gestellte Resolution Annahme, auf die dann vier Monate später der zu Jena abgehaltene sozialdemokratische Partei zurückkam. Die Resolution er⸗ klärte es für eine Pflicht der Gewerkschaften, die Verbesserung aller Gesetze, auf denen ihre Existenz beruhe, zu fördern und alle Versuche, die bestehenden Volksrechte zu beschneiden, mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Auch die Taktik für etwa notwendige Kämpfe solcher Art habe sich genau so wie jede andere Taktik, nach den jeweiligen Verhältnissen zu richten; der Kongreß halte daher auch alle Versuche, durch die Propa⸗ gierung des politischen Massenstreiks eine bestimmte Taktik festlegen zu wollen, für verwerflich und empfehle der organi⸗ sierten Arbeiterschaft, solchen Versuchen entgegenzutreten. Auf dem Parteitag zu Jena hielt dann Bebel das Referat über den politischen Massenstreik und die Sozialdemokratie. Seine Ausführungen gipfelten in dem Ausspruch, daß erbärmlich die Arbeiterklasse sei, die ihren Bedrängern nicht die Spitze zu bieten wage. Auch unter den zahlreichen Diskussionsreden erregte beson⸗ ders der Hindeis des Gewerkschaftsführers v. Elm Aufsehen, daß der Moment kommen könne, wo die Arbeiterschaft mit Gut und Blut für ihre Rechte eintreten müsse, und daß es ihre Aufgabe sei, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten. Mit 287 gegen 14 Stimmen nahm der Parteitag eine Reso— lution an, wonach es für eine Pflicht der gesamten Arbeiter- klasse erklärt wird, namentlich im Falle eines Anschlages auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht oder das Koalitionsrecht jedes geeignet erscheinende Mittel zur Abwehr nachdrücklich anzuwenden. Für eines der wirksamsten Kampfmittel, um ein solches politisches Ver- brechen von der Arbeiterklasse abzuwehren oder um sich ein wichtiges Grundrecht für ihre Befreiung zu erobern, erklärte gegebenen Falles der Parteitag die umfassende Anwendung der Massenarbeitseinstellung. Es kam dann ein Jahr der Auseinandersetz⸗ ungen zwischen Partei und Gewerkschaft, die auf dem N zu Mannheim 1906 ihren A bschluß fanden. Mit 386 gegen 5 Stimmen fand hier folgende Resolu-⸗ 12 Annahme:„Der Parteitag bestätigt den Jenaer Par- teitagsbeschluß zum politischen Massenstreik und hält nach der Feststellung, daß der Beschluß des Kölner Gewerkschafts- kongresses nicht in Widerspruch steht mit dem Jenaer Be— schluß, allen Streit über den Sinn des Kölner Beschlusses für erledigt. Der Parteitag empfiehlt nochmals besonders nachdrücklich die Beschlüsse zur Nachachtung, die die Stärk— ung und Ausbreitung der Parteiorganisation, die die Ver— breitung der Parteipresse und den Beitritt der Partei— genossen zu den Gewerkschaften und der Gewerkschaftsmit— glieder zur Parteiorganisation fordern. Sobald der Par- teivor st and die Notwendigkeit eines politischen Mas-— senstreiks für gegeben erachtet, hat er sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften in Verbind— ung zu setzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforder— lich sind, um die Aktion erfolgreich durchzuführen. Eine zsßeite Resolution wies auf die Bedeutung der Ge— E rkschaften hin und betonte weiter die Notwendigkeit, die gewerkschaftliche Bewegung mit dem Geiste der Sozial- demokratie zu erfüllen. In erfreulicher Harmonie wirken seitdem Parteivor— stand und Generalkommission zusammen in allen Fragen, die die die Gesamtinteressen der Arbeiterschaft betreffen. Die Massenstreiks auf wurden, ließen kurzen Erörterungen, 915 in der Frage des den Part eitagen 1911 und 1912 gepflogen den hohen Wert solcher einheitlicher Anschauungen erkennen und ohne Jwe auch fortan die 5 Betracht kom⸗ menden Fakto in der scharfen Abwehr aktionärer An⸗ schläge 3 istehen und mit fester Entschlossenhe it auf das eine hohe Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse vom politischen und ökonomischen Joch hinarbeiten. fel werden Nichtfachliches von der Leipziger Baufach⸗ Ausstellung.(Schluß) Aus dem überreichen Gebiete von Wundern der modernen In⸗ nd modernen Erfindungsgeistes, die die Aus⸗ — 0 bebe e ten nur gang spärliche hervorgehoben wer⸗ den. Beispiele der b durch den Menschengeist gebändigten und fber⸗ wundenen Natur—— besonders die Al* ider mit ihren mäch⸗ tigen Wildwasserverbauungen und großen Talsperren von denen übrigens auch Deutschland sehr instruktive Modelle z. B. von der großen Urftalsperre in der Eifel, zur Zeit der größten Europas, beigesteuert hat. Eine elektrisch angetriebene Gesteinsbohrmaschine von Siemens& Halske gibt eine Waung, wie der rastlose Meuschen⸗ geist sich auch durch den steinernen Leib der Gebirge eine Bahn bricht, ein Modell eines von einer österreichischen Firma gebauten Salon⸗ wagens der Canadian⸗Pacisicbahn zeigt, wie bequem der moderne Mensch auf der von dem Eisenbahnin ger tieur geschassenen stählernen Straße auch die fernsten Einöden eren kann. Riesen der Ma⸗ schinen-Industrie sind in den Wasch untergebracht. Zwel Rohölmotore von se 1100 Pfe ken liefern den gesamten Energiebedarf der Ausstellung. die Görlitzer Maschinenbau-Anstalt Aeg. zeigt Jogar einen Sechszylinder-Rohölmotor von 1150 Pferde⸗ kräften in Tätigkeit. Zwei gewal ltige e Fahrt räne an der Decke der großen Halle heben an ihren eleganten Drahttauen Lunderte von ilogrammen mit spi elender Lei chtigkeit an ibren Ort. Wie zum Schaffen menschlicher Werte hier gewaltige Maschinen 2 so sind auch die raffinierten verderbli Werkzeuge 3 stören von Menschenleben und Menschenwerken zu 1— Längsdurchschnitten ist die komplizierte Zusammensetzung großen Schrapnells und Granaten sichtbar, die ere das 28 Zentimeter⸗Marinegeschlitz reicht einem normalen Manne bis zur Schulterhöhe hinauf. Auch ein gepanzertes Kriegsauto⸗ mobil(System Ehrhardt) mit Ballon⸗Abwehrkanone ist ausgestellt. hierher gehören auch die Wunder der modernen Eisen⸗ und Stahl⸗ 7 deren Erzeugnisse in der großartigen, ganz aus Eisen⸗ J-Trägern aufgebauten viergeschossigen Pyramide des Deutschen Stahlwerksverbandes, dem„Monument des Eisens“, im Bild und Modell zu sehen sind. Ein im Durchschnitt hier u. a. gezeigtes Brückenkabel aus 7 Einzelkabeln, deren jedes wieder aus mehreren Hundert Stahlkabeln zusammengesetzt ist, kann mit 5 866 000 Kilo⸗ gramm belastet werden, ehe es zu Bruche geht. Viele Bewunderer finden auch die mit minutiöser Genauigkeiten arbeitenden, im Be⸗ triebe gezeigten automatischen Seilbahnen der Leipziger Weltfirma Adolf Bleichert& Co. Hier seien auch die vom Preußischen Mini⸗ sterium für öffentliche Arbeiten ausgestellten komplizierten Vorrich⸗ tungen für die Regelung des Eisenbahnverkehrs, für das Eisenbahn⸗ Signalwesen und Unfallverhütung erwähnt. Einer wunderbaren auf der Ausstellung gezeigten Erfindung, die schon auf das sein⸗ geistige Gebiet hinübergeht, sei noch gedacht, der besonders von der Leipziger Firma Hupfeld in großer Vollendung erzeugten selbst⸗ spielenden Klaviere(Pianola) und Geigen. Im großen Vortrags⸗ saale der Firma horchen täglich Hunderte von musikbegeisterten Hörern auf das künstlerisch vollendete Spiel dieser automatischen Instrumente. Einen umfangreichen Teil der Ausstellung nehmen natürlich wie schon oben gesagt wurde, die Darstellungen von Bauten 10 allem ein, was mit dem Bauen und Wohnen zusammenhängt. Hier sind vor allem die ungeahnten Fortschritte für jedermann inter⸗ essant, die auf dem Gebiete des Bauwesens durch die Benutzung des Betons gemacht worden sind. Diesen Fortschritten speziell ist das schönste und allein von allen Ausstellungsbauten für die Zukunft zu erhaltende Bauwerk der Ausstellung, die von Professor Kreis⸗ Düsseldorf entworfene und mit einem Auswande von 800 000 Mark aufgeführte Betonhalle, gewidmet. Hier sind die bedeutendsten modernen Bauten in Beton und Eisenbeton in Bildern und Mo⸗ dellen dargestellt. So diese Halle selbst, die Cisenbetonkuppel der Jahrhunderthalle in Breslau, das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, das z. B. 120 000 Kubikmeter Stampf⸗ und Eisenbeton an Material erforderte, die Straßenbrücke über die Jsar bei Grünwald, und viele andere Brückenbauten, Warenhäuser, Bahnhöfe, Flußdämme und andere Nutzbauten zeigen in reichster Fülle die hunderterlel Anwendungsmöglichkeiten und die Vorzüge dieses modernsten Bau⸗ materials, wie ja auch die beiden kühn geschwungenen Brücken auf dem Ausstellungsterrain selbst neben feinen übrigen Bauten prak⸗ tische instruktive Beispiele von dieser neuen Bauart geben. Aber natürlich birgt die Betonhalle noch unedlich mehr des Sehens⸗ werten und Juteressanten, als bloße Bilder und Modelle von Beton⸗ bauten und der Verwendungsarten dieses Materials. Hier und in der angebauten Wissenschaftlichen Abteilung ist unendliches Material zur Kenntnis des modernen Städtebaues untergebracht. Ein be⸗ sonders vollständiges über die Lebensbedingungen, hugienischen und volkswirtschaftlichen Verhältnisse einer Großstadt hat naturgemäß die Stadt Leipzig beigesteuert. Seinem großartigsten und neuesten Bauwerke, seinem Hauptbahnhofe mit den sechs Riesenhallen, dem zur Zeit größten Bahnhose der Welt, ist an anderer Stelle der Ausstellung(im Pavillon„Sachsen“) ein ganzes Zimmer gewidmet. Welche Mengen an Material die Gesundung eines Städtewesens verschl ingt, geht z. B. aus der einzigen Zahl hervor, daß zu der täglich zu klärenden Abwässermenge der Stadt Leipzig von 93 000 Kubikmeter Wasser täglich 21 100 Kilogramm Eisen⸗ sulvat gebraucht werden, die allein 8250 Kilogramm reines Eisen enthalten. Einen eigenartigen und ganz modernen Einblick in die Einzelheiten des Städtebaues und die menschlichen Siedelungsver⸗ hältnisse überhaupt geben die erstmalig hier in solcher Reichhalt keit vertretenen Ballonaufnahmen einzelner Städtebilder. Dlese Aufnahmen geben nach den verschiedenen Seiten ganz neue Aus⸗ schlüsse und Fingerzeige. Proben moderner eigenartiger kühner Baubestrebungen bietet auch die elegante Holzbogentechnik der Sporthalle und die aus luftigen Holzstreben gefügte Halle des Werdandibundes. Als Gegensat hierzu sehe man sich die prächtige Ausstellung der Stadt Hildesheim an, die ihre wundervollen alten Holzbauten in zahlreichen schönen Bildern und zum Teil auch in getreuen Modellen vorführt. Von den unzähligen modernen sindungen zum Schutze der Wohnungen gegen Kälte, Wärme— Feuchtigkeit und zum Zwecke des Wohnlichermachens kann natürli bier mit Rücksicht auf den Platz nicht geredet werden. Der 2 der Ausstellung wird darunter jedenfalls aber auch vieles ihn In⸗ teressterende finden. Eine besondere Erwähnung an dieser verdient auch die mit der Ausstellung in Verbindung stehende neue Letpziger Gartenvorstadt Marienbrunn, die ein markantes, prak⸗ tisches Beispiel moderner gesunder Wohnungsbestrebungen gibt. Auf dem Gebiete der Wissenschaft wird dem Beschauer am meisten die Sonderausstellung der Leipziger Universttät mit dem reichen Anschauungsmaterial aus ihren Instituten interessieren⸗ Auf dem Gebiete der Kunst bietet die der Ausstellung angegli und von der Leipziger Künstlerschaft veranstaltete Jahr 2— reiches Anschauungsmaterial von der Kunst der les Jahre. modernen Auch auf dem Gebiete der Hygiene Leipziger Ausstellung „ das reiche Material ungen zu erwähnen, das Reichsversicherungsamt, und Sozialfürsorge zeigt sehr viel Interessantes. Hier ist vor für Arbeiterschutz und Arbeiterschutzvor⸗ um dessen Zusammentragung sich beson⸗ die Berufsgenossenschaften, die nlenkassen und die deutschen Gewerkschaften verdient gemacht Un. So werden an einem eigens zu diesem Zwecke errichteten estöckigen Gebäude in natürlicher Größe alle Sicherheitsvor⸗ gen für Bauarbeiter der verschiedensten Art praktisch vorge⸗ t. Arbeiterberufskrankheiten und„Verletzungen, Schutzvor⸗ ingen zur Verhütung von Unglücksfällen, Arbeiterheime und esungsanstalten, sowie andere hier gezeigte Fürsorge⸗Einrich⸗ zen müssen in unserer Zeit des sozialpolitischen Fortschritts des eresses aller Gebildeten gewiß sein. Dem Gebiete der allge⸗ gen Volkshygiene sind zwei besondere Pavillons der Ausstel⸗ 4,„Hygienische Einrichtungen“ und eine„Krankenhaus⸗Ausstel⸗ % gewidmet. Während in dem ersten Pavillon mehr Gegen— de zur Ausstellung gelangt sind, die allgemein zu einer gesund⸗ gemäßen und behaglichen Wohnungseinxichtung gehören, zeigt Krankenhaus⸗Ausstellung in übersichtlichster und klarster Weise mannigfachen äußerlichen ärztlichen Vorkehrungen und Einrich⸗ gen zur Heilung des kranken Menschen— eine musterhafte eeinrichtung mit ungezählten Douchen, eine Krankenhausküche, der von Röntgenuntersuchungen, orthopädische und Röntgen⸗ harate, einen allermodernsten Operationssaal mit seinen muster⸗ tigen Einrichtungen, Gipsmodelle einer rationellen Zahnbe⸗ dlung und vieles andere mehr. Zum Schluß der gute Wunsch, dem freundlichen Leser dieses kurzen Rundganges und dem Mucher der Ausstellung diese letzten Objekte immerdar nur eine Jeressante Kuriosität und niemals Gegenstand persönlicher Be⸗ ntschaft bleiben möchten. Die Eisenvorräte der Erde. Unsere ganze technische Kultur ist auf der Verwendung de Eisens aufgebaut. Es ist daher durchaus gerechtfertigt, unn wir uns mit der Frage beschäftigen, wie groß der Vor⸗ t an ausbeutungsmöglichen Eisenerzlagern auf unserem ganeten ist. Prof. Dr. Max Eckert tut dies in einem Auf⸗ as in der Umschau und kommt dabei zu recht tröstlichen usultaten. Zunächst gewährt es ja eine gewisse Beruhigung, 1 erfahren, daß die gesamte Erdkruste etwa zum zwanzigsten Feil aus Eisen besteht. Natürlich ist aber nur ein kleiner Lil dieser Vorräte technisch gewinnbar. Die exakte Beantwortung der Frage, wie groß die uns Jgänglichen Eisenvorräte der Erde sind, stößt auf nicht un⸗ hebliche Schwierigkeiten. Erstens ändert sich die Möglich⸗ it der Auswertung der Eisenerze mit der Entwicklung der echnik und der Verkehrsmittel ständig, sodaß Erzlager mit Urhältnismäßig niedrigem prozentualem Gehalt an Eisen, de gestern noch als wertlos angesehen wurden, morgen der gusnützung für wert erachtet werden können. Zweitens ist dach noch längst nicht die ganze Erdoberfläche auf das Vor⸗ lundensein von Eisenerzlagern hin untersucht worden. Nur 5 Prozent der wirtschaftlich ausnützbaren Erdoberfläche hat shon eine wirkliche Abschätzung erfahren; bei 10 Prozent lat eine annähernde Abschätzung stattgefunden; für weitere 12 Prozent liegen nur vereinzelte Nachrichten vor und für len Rest von 25 Prozent überhaupt keine. Auf die nicht intersuchte Fläche entfällt in Europa nur ½ der Gesamt⸗ äche, in Amerika ¼, in Australien ½, in Asien 4 und in Ifrika /. Die wertvollsten Eisenerze, die mit einem Eisengehalt aon über 60 Prozent, finden sich nach unserer gegenwärtigen kenntnis in Europa und hier in erster Linie in Schweden, orner in Rußland(Kaukasus). In Amerika besitzen Neu⸗ nundland, Mexiko und Westindien Eisenerzlager, in Asien Hritisch-Indien, China und Japan. Die übrigen Länder üssen sich mit gehaltärmeren Eisenerzlagerstätten begnügen. Die vorhandenen und abbaubaren Erzlager teilen sich run in solche, die bereits in Abbau begriffen sind und solche, ie erst der Erschließung harren. Die ersteren enthalten etwa 22 408 Tonnen Eisenerze, die 10 192 Mill. Tonnen Sisen ergeben. Der Roheisenverbrauch der Welt hat sich vom Fahre 1800 bis 1910 von 0,8 Tonnen jährlich auf 67 Mill. Tonnen gesteigert, in den letzten 10 Jahren allein auf das mderthalbfache. Nimmt man an, daß sich der Verbrauch so weiter steigert und die hüttentechnischen Verfahren die Leichen wie heute verblieben, so würden diese Vorräte in da 60 Jahren erschöpft sein. flicherweise existieren aber neben ihnen noch weit riesenhaftere, die erst der Erschließung harren. Diese Vor⸗ räte enthalten etwa 123 400 Mill, Tonnen Eisenerze, die 53 100 Mill. Tonnen Eisen ergeben. Auf die verschiedenen Erdteile verteilen sich diese Vorräte wie folgt: Im Aoban begriffene Vorräte Ausbeutungmögliche Vorräte in Millionen Roheisen Erze 41 029 12 085 81 822 69 457 125 viele Tausend 22 404 123 377 53 137 Mit diesen Vorräten läßt sich jedenfalls eine ganze Weile haushalten und bis sie erschöpft sind, werden selbstver⸗ ständlich in den noch ununtersuchten Gebieten der Erde weitere gewaltige Lager entdeckt. Wir brauchen also zunächst noch keine Angst zu haben, daß es der Menschheit in absehbarer Zeit am wichtigsten Roh⸗ material ihrer Technik fehlen wird. Erze 12 032 9 855 136 125 Roheisen Europa 4 783 Amerika Australien Asien Afrika Der Völkerkrieg der Fürsten. Die Kriege 1813/15. Von Kurt Eisner. Drittes Kapitel: Jacobinerspiel und Opfer⸗ legende II. Die Reihe dieser altpreußischen Ukase begann schon am 22. Februar 1813 mit einer Verordnung über das Aus⸗ weichen des Kriegsdienstes. Am 9. Februar waren zwar alle Ausnahmen(Exemtionen) vom Militärdienst während des Krieges aufgehoben, befreit aber blieben Personen, die bereits die Bewirtschaftung eines Bürgerhauses führten und Eigentümer waren. Die Folge dieser Verordnung wax, daß Väter vorzeitig ihren Besitz an die Söhne übertrugen, um sie dem Kriegsdienst zu entziehen. Jetzt fand sich der König veranlaßt,„bei den treuesten Gesinnungen unserer Untertanen und bei der ruhmwürdigsten all⸗ gemeinen Hingebung für das Vaterland, um die einzelnen, wenn⸗ gleich höchst seltenen Beispiele von Schlechtheit, Schwäche oder Mangel an Gemeinsinn näher zu bezeichnen, zu bestrafen und un⸗ schädlich zu machen, und um dadurch der größten Mehrzahl der kräftig⸗ und Gutgesinnten den Beweis zu geben, daß das Vaterland ihre Anstrengungen zu würdigen und zu belohnen weiß“— zu ver⸗ ordnen, daß alle solche Uebertragungen des Besitzes von Grund⸗ stücken ungültig seien, sofern sie nach dem 9. Februar verabredet seien, die Väter unter 50 Jahren und gesund, die Söhne aber unter 21 Jahren und von gesunder Leibesbeschaffenheit seien. Wer fälschlich ein höheres oder geringeres Alter angab oder schwäch⸗ liche Gesundheit vorschützte, sollte, sofern er Bürger war, mit dem Verlust des Bürgerrechts und des Gewerbescheins bestraft, sofern es sich um noch nicht Angesessene handelte, lebens⸗ länglich vom Bürgerrecht ausgeschlossen werden; auch sollten der⸗ artige Verbrecher unter Vormundschaft gestellt werden und nie⸗ mals Staats⸗ oder Gemeindeämter bekleiden dürfen. Dann ging aber diese Verordnung noch weiter und bestimmte kurzweg: „Verlust des Bürgerrechts, ihrer Aemter, wenn sie in solchen stehen, und der Nationalkokarde soll alle diejenigen Väter oder Vormünder treffen, welche ihren Söhnen oder Pflegebefohlenen geflissentlich den Eintritt in den Kriegsdienst erschweren oder ihnen, wenn sie als Freiwillige dienen wollen, die notwendige Ausrüstung nach dem Maßstabe ihres Vermögens verweigern.“ Das hieß nichts anderes als die Androhung völligen wirtschaft⸗ lichen und gesellschaftlichen Ruins für alle Väter, die ihre Söhne nicht in den Kriegsdienst schickten und ihnen zudem alle Ausrüstung gewährten. Freiwilligkeit, mit dem denkbar härtesten Zwang gesichert! 8 Derselbe Zwang wurde für die finanziellen Leistungen geübt. So wurden in der Verordnung vom 5. März 1813, die den Zwangs⸗ kurs der Tresorscheine regelte und Zwangsanleihen bei Kaufleuten, Kapitalisten und Bankiers verfügte, die äußerst drückenden und willkürlichen Maßnahmen also eingeschärft: „Da keine Kraft zu dem wichtigen und erhabenen Zweck, den Wir Uns vorgesetzt haben, für die Sache des Vaterlandes unge⸗ nützt bleiben darf; so soll gegen die Widerspenstigen als Feinde der guten Sache, mit der äußersten Strenge verfahren werden. Derjenigen aber, welche mit ausgezeich⸗ neter Bereitwilligkeit das Verlangte oder mehr leisten, als von ihnen gefordert wird, soll eine ehrenvolle Erwähnung bei Uns und vor den Augen des Volks in den öffentlichen Blättern ge⸗ 2 4 sch t Blut geschrieben war der„königliche Befehl wegen Bestrafung von Verbrechen gegen die Sicherheit der Armee“ vom 17. März 1813: 3 i daß es Verräter an der Sache des „Nicht weil ich glaube, f Vaterlandes unter meinem Volke oder 1 Deutschland geben e 1 r könne, sondern um die Schwachen, besonders unter den Staats⸗ dienern, welche Drohungen nachzusehen geneigt sind, durch die Ge⸗ wißheit größerer Gefahr, von Uebeltaten anzuhalten, setze Ich folgendes fest: 5 der, der ohne durch vaterländische Behörden tragt zu sein, mit dem Feinde in Verbindung bleibt, tritt, sei es durch istliche oder mündliche Mitteilu 2. Jeder dem Feinde Pferde, Waffen, Mi Kleidun dürfnisse zukommen läßt, e der dem Feinde erweislich Fourage oder Mu zuführt, ohne anders als durch überwiegende, durch icht de Militär⸗Macht dazu gezwungen zu es Je dazu beauf⸗ ** in solche 1 11 10 er, e 0 e abzutreibende soll vor ein Kriegsgericht gestellt und hingerichtet werden. ie Sich den freiwilligen Kriegsdiensten durch die Flucht zu ent⸗ ziehen, wurde durch ein drakonisches P zu verhindern erhaftung Naßloser, Ver halb des preußischen Gebiets, der„un⸗ der Beförderung und Beherbergung von Reisenden ohne Paß, meistern, die„Künstler oder Handwerker“ ins Ausland entließen. In der Kabinettsordre vom 31. März wird den von der Land— 0 Stande ihres Vermögens„die völlige Ausrüstung eines Landwehr— mannes zu Fuß oder zu Pferde, statt ihrer, freiwillig übernehmen Zerrinnt somit zu erheblichem Teil der herrliche Schein der Freiwilligkeit und erkennt man hinter den Bemühungen der Macht— des preußischen Absolutismus, so zerfällt die Opferlegende von 1813 schon, wenn man sie nur ein wenig ansieht. Es find furchtbare nalen Geschichtsdekorateure färben. Nichts ist unwahrer als die unerhörter Begeisterung alle Teile des Volkes sich drängten, um iht Lehtes der heiligen Sache zu opfern. Von solchemdemokrati— Je Die bevorzugten Stände entzogen sich auch ihren gesetzlichen Pflich⸗ nicht einmal Vermögens- und Einkommensteuer vom 24. Mai 1812 eingetrieben. Die beim Beginn des Krieges ausgeschriebene zweite Die Hinrichtung hatte eine Stunde nach dem Urteil zu ersolgen. aßreglement versucht. Sofortige V folgung auch außer⸗ Konsiskation des Vermögen befugten Reisenden“, Verbot schwere Bestrasung von Handwerks wehrpflicht ausgenommenen Personen befohlen, daß sie nach dem werden.“ 8 haber, jacobinisch zu reden, das unverminderte Schreckensregiment Opfer gebracht worden, aber in ganz anderem Sinne, als die natio Darstellung, daß in einem einzigen und einheitlichen Aufschwung chen Geist ist in der Wirklichkeit jener Zeiten nichts zu entdecken. ten, geschweige, daß sie ihr Gut opferten. Im Jahre 1813 war noch Die Vermögens- und Einkommensteuer ist überhaupt niemals zur Aus führung gelangt. Die Steuerobstruktion der Besitzenden, besonders des Adels, setzte sich am rlicksichtslosesten und wirkfamsten gerade in den Kriegsjahren durch. Auch die Opfer der — Kriegsteilnehmer waren recht verschieden. Während dle leitenden 1 Offiziere der Armee hohe Gehälter erhielten, mußten die Landwehrleute hungern und ohne d, schlecht bekleidet und mit nicht selten geradezu verbrecherisch untauglichen Wafsen ausgerüstet, ihr Blut vergießen. Als nach der Schlacht bei Leipzig die Regierungen von Ost⸗ und Westpreußen angewiesen wurden, die Ueberschüsse ihrer Provinzialkassen nach Berlin abzuführen, wider setzten sich die leitenden Männer, Dohna und Schön, dem Befehl der Zentralregierung; Schön äußerte bitter und verächtlich:„Das Geld solle in Berlin nur zu den Gehalten verwendet werden; Dohna solle dem Könige die Alternative stellen, ob er seine Verwundeten und Invaliden hungern oder die Herren geheimen Staats räte gehörig besolden lassen wolle.“ Wie aber ist diese Opferlegende entstanden? ist die Un sterblichkeit eines effektvollen Zeitungsinserats Sie ist aus jener öffentlichen Berliner Aufforderung Rudolph Werkmeisters hervor⸗ gewachsen, der die Besitzer von goldenen Trauringen aufforderte, sie auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen und sie gegen eiserne Ringe einzutauschen, mit der Inschrift:„Gold gab ich für Eisen 1813“. In der Tat quittierte dann die Handt Speuersche Zeitung einige zwanzig Gaben solcher Vaterlandsliebe, wie z. B. eine 5˙% Lot schwere goldene Halskette, oder von des Kronprinzen Kgl. Hoheit 300 Thaler(welch Opfer!), etwa ebensoviel wie die Waldenburg Bergarbeiter beisteuerten, indem sie 221 Thaler 6 Gr. 95 Pig. der Weise sammelten, daß sie mehrere Tage umsonst arbeiteten. Es sind auch sonst allerlei unergiebige Opfer gebracht worden. So hat etwa der Dichter Achim von Arnim den Ertrag einer Dra⸗ men-Sammlung dem Guß von Kanonen gewidmet. Die Geschichte berichtet aber nicht, wie viel Bruchteile einer Kanone durch diese Widmung zustande gekommen sind. Die nüchterne Wahrheit ist, daß die Freiheltskriege nicht mit preußischem Gelde geführt worden sind; auch nicht paar Dutzend Trauringen. 8 Sol 2 di 1e er 11 * 1 berhaupt mit ein Aus unserer Sammelmappe. Natur, dalbmonatsschrift für alle freunde. 4. Jahrgang, Hest 20. Theod. Thomas Jährlich 24 reich iUustrierte Hefte Preise von zusammen nur 6 Mark.— Hierzu die vierte Buchbeilage „Bestimmung und Vererbung des Geschlechtes bei Pflanze, Tier Natur⸗ Verlag, Leipzig. und 5 wertvolle Bücher zum Im Zeichen des Reisens und Wanderns steht dleses dest un so kommt es gerade recht für die Ferienzest. Durch seinen Inhalt, der jedem Reiselustigen etwas bietet, wird sich dieses und dadurch auch die Zeitschrift selber viele Freunde gew Nebenher geht noch eine Fülle anderer interessanter Artikel, dal auch die, welche geruhsam zu Hause bleiben und die Welt von den Stille ihres Zimmers aus betrachten, voll auf ihre Kosten werden. Mit diesem Hefte gelangte die vierte Buchbeilage„Vesti und Vererbung des Geschlechtes bei Pflanze, Tier und Mensch⸗ Dr. Paul Kammerer zur Ausgabe. Gerade eine für die Kreise bestimmte und berechnete Darstellung der Geschl bestimmung war gegenwärtig eine Notwendigkeit. Denn bald auf einem Gebiet ist dem Volk gegenüber so gesündigt wo alle Augenblicke erscheinen im Buchhandel und öffentlichen tragsleben neue„Theorien“, die vom subjektiven Standpunkt „Entdeckers“ aus angepriesen werden, ohne die Uebersicht zu bieten, was andere hier schon„vorher geleistet und mlt neuen„Theorie“ vielleicht Unverträgliches, aber Verläßlicheres foͤrscht haben. So wird höchst einseitige Kenntnis verbrestet, zwar dem jeweils neuen Mann und seiner Seisenblase bil rasch vergänglichen Tagesruhm schaffen, aber viele voreilige 8„ nungen wecken und viel falsche Zeitungsdiskussionen hervorrufen Die vom Publikum stets so begierig aufgeworfene Frage„Kuna oder Mädchen“ ist eben für den Menschen einstweilen noch ungel so wahrscheinlich sie in nächster Zeit gelöst werden wird, so lausen alle positiven Behauptungen jetzt noch auf unbegla Sensationsnachrichten hinaus, die man wissenschaftlich unm 4 ernst nehmen darf. Dem gegenüber befleißigte sich Kammerer, der bekannte und berühmte Wiener Bioloe, strengster Obse N Das Buch gewährt einen weitreichenden und abgerundeten Uebel blick des gesamten Gebietets, wie es sich in den Augen der Wehn, heit jetzt arbeitender Jorscher spiegelt. Wir möchten unsers Lees auf die Schrift eindringlichst hinweisen.. Nikotin— ein Keimgift! Daß der Alkohol ein Gift, das die Keimzellen menschlichen Körpers schädigt, dürfte wohl allge⸗ gemein bekannt sein. Bertholet, Weichselbaum u. a. wiesen nach, daß das Hodengewebe bei Gewohnheitstrinkern verkülmmert, de sexuelle Potenz sich mindert und endlich völlig aufhört. Aber schon lange vor dem Eintreten der völligen Impotenz macht sich die ein ⸗ wirkung des Alkohols auf die Keimzellen bemerkbar, die sich Außert in einer schwachen Nachkommenschaft: schwachsinnige und für see Krankheit besonders disponierte Kinder werden in der Hauptsache von Trinkeltern erzeugt. Diese Tatsachen zuerst wissenschastisch nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst des berühmten Schweiger Physiologen Professor Bunge. Derselbe Forscher untersuchte nun auch die Wirkung des Nikotins, von welchem Gift die getrocknele Tabakblätter bis zu 8 Prozent enthalten, auf die seinen, kompll⸗ ierten Samenzellen. Er ließ zunächst eine Reihe von Medizinern aufmarschieren, die übereinstimmend den Nachweis erbrachten, aß die Eierstöcke der Weibchen und die Hoden der Männchen von Hu den, Kaninchen und Meerschweinchen durch Vergiftung mit Tabak sich krankhaft verändern und dabei die Zeugungsfählgkeit here gesetzt wird. Mit diesen Beobachtungen stimmen nun die Aussagen von solchen Aerzten überein, die sich eingehend mit den Wirkungen der chronischen Tabakvergiftung auf den Menschen beschästigen. Verminderte Potenz bei starken Rauchern wurde sehr oft sestgestellt. Jälle, in denen schließlich völlige Impotenz eintrat, sind nicht selken, ebenso nicht solche, in den nach Einschränkung oder Aufgeben Rauchens die Zeugungsfähigkeit wieder erlangt wurde. Depf beobachtete als Marinearzt, daß bei tabakrauchenden und auen den Matrosen ein Nachlassen des Geschlechtstriebs eintrat! Die Tatsache, daß mancher starke Raucher noch bis ins hohe Alter hinein zeugungssähig bleibt, ändert an dem Resultat der mi 20 geteilten wissenschaftlichen Untersuchungen gar nichts. Es handelte sich da meist um Personen, die ein besonders gutes und reines Blut erbten. Es liegt ja die größte Gefahr der Keimpergistuns auch nicht in dem Nachlassen der Potenz, sondern bereits in der uu. merklichen Verschlechterung der Qualität des Keimplasmas. Don der leichten Schädigung der Keimzelle bis zu ihrer völligen ger. störung ist ja ein weiter Weg. Aber es wäre doch besser, ihn zu betreten! Prosessor Bunge hat sich mit seinen Untersuchungen über die keimvergiftende Wirkung des Tabakgenusses ledessalls ein N 2 1 . 5 A des 7 5 4 Ve und Mensch“ pon Dr. Paul Kammerer. Mit 17 Abbildungen. hohes Verdienst erworben!