cen, pi, it. 2 den e e Kahles, I Ei „ n d detriche pres en i A ien in A, oe chen für a* i Di ichen er a ufihran, geht b wolle 0 del l. bebucht W. 10 0, tenen“ A 1 Mul aul sesenl I l U el, cl. gelte bet F r P * wissenist. acht Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung fRummer 3 Dienstag, den 22. Npril 1913 2. Jahrgang Aus einem deutscheu Gelehrtenleben. Zum 40. Todestag Justus Liebigs(18. April). Von H. Falkenfels. „Es ist wohl niemand an der Universität in auffallende— rer Weise als ich mißhandelt worden. Mit 800 Gulden Besoldung kann man in Gießen nicht leben.. Sie haben mir mit Lächeln versichert, daß die Staatskasse keine Fonds besitzt; ich habe daraus gesehen, daß Sie Kummer und quälende Nahrungssorgen nie gekannt haben... Man gab mir vier leere Wände statt eines Laboratoriums; an eine be— stimmte Summe zur Ausstattung desselben, zur Anschaffung eines Inventariums ist trotz meiner Gesuche nicht gedacht worden. Ich habe Instrumente und Präparate nötig gehabt; ich habe einen Assistenten nötig, der mich selbst 320 Gulden kostet; ziehen Sie beide Ausgaben von meiner Besoldung ab, so bleibt davon nicht so viel übrig, um nur meine Kinder zu kleiden“. Dieser Brief wurde 1834 geschrieben von dem damaligen ordentlichen. Universitätsprofessor der Chemie, Justus Liebig, an den Kanzler der Universität Gießen. Er ist ein bedeutsames Dokument für die hohe Wertschätzung, die die bürgerliche Gesellschaft den Naturwissenschaften entgegen— brachte, bevor sie eine Ahnung hatte von der enormen Profit— rate, welche ihr diese industriell ausgewertete Naturwissen— schaft in den Schoß zu werfen begann. Zur Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, war Liebig bereits ein weltberühm— ter Mann, zu dem sich Schüler aus aller Herren Länder drängten. Freilich hatten seine Arbeiten vorerst nur wissen— schaftlichen und noch nicht auf das Gewinnkonto der Fabriken übertragbaren Wert und so blieb denn für ihn nur die An— feindung der damals in Hessen herrschenden bigott-ultramon— tanen Klique innerhalb der Regierenden, von seiten der Kollegen aber wütender Brotneid nicht nur wegen des Zu— laufs, den der geniale junge Lehrer fand, sondern vor allem wegen der„skandalösen“ Unbekümmertheit, mit der er alle Geheimnisse der gelehrten Zunft vor den Studenten, sogar vor dem Volke preisgab. Dieser junge Liebig war ein Revo— lutionär in seiner Kaste und hatte etwas ganz Unerhörtes begangen. Er hatte erklärt: Naturwissenschaften könne man nicht vom Katheder herab lehren, sondern nur durch praktische Arbeit mit den Schülern im Laboratorium. Und er hatte die Ueberzeugung in die Tat umgesetzt. Er gab all sein Wissen und Können vor den Studenten wirklich preis; sogar in gemeinverständlichen Aufsätzen und Büchern(in seinen be— rühmten„Chemischen Briefen“; scheute er sich nicht, zum Volk herabzusteigen. Das war in den Augen der ängstlich ihr Wissensprivileg hütenden Gelehrtenkaste damals ein Ver— brechen. Sie wußten ja auch gar viel von den dunkelsten Geheimnissen der Natur, sie hatten auch jeder ihre Ent— deckungen gemacht, aber sie hüteten den Schatz gar wohl und ließen sich nicht so leicht in die Karten schauen. Liebig erzählt selbst von so„wunderbaren“ Entdeckungen seiner Kollegen. In Marburg zeigte ihm z. B. der Professor Wurzer im Ver⸗ trauen eine alke hölzerne Tischlade, die von drei zu drei Monaten Quecksilber erzeugen konnte; auch einen Apparat sah er im Marburger chemiichen Laboratorium, mit dem man Sauerstoff in Stickstoff verwandeln konnte und dessen Haupt⸗ bestandteil ein langer tönerner Pfeifenstiel war. Lliebig war der erste, der die Chemie zu einer Experi⸗— mentalwissenschaft von Wert umgestaltete, seine Unterrichts⸗ art krempelte überhaupt den ganzen Universitätsunterricht um. Seine Forschungen über die Ernährung der Pflanze gaben der Landwirtschaft die Möglichkeit eines rationellen Betriebes, der gestattete, ungezählte Millionen aus Böden zu, holen, die man längst für altersschwach und ausgebraucht' hielt. Seine Forschungen auf rein chemischem Gebiet ver— schafften Deutschland den bis heute unbestrittenen Vorzug der; Führung in der Chemie uns sie legten den Grundstein zu der, großartigen chemischen Industrie Deutschlands. N Das sind die drei Großtaten Liebigs, von dem selbst; ganz nüchterne Beurteiler sagten: kein anderer Gelehrter habe der Menschheit ein größeres Vermächtnis hinterlassen. Und der Dank des Bürgertums, für dessen Geldschrank der Name Liebig so bedeutungsvoll wurde? a Wie man ihn in Hessen, wo er Gießen weltberühmt, gemacht hatte, schätzte, bezeugt sein eigener Brief. In, München, wohin man ihn auf Empfehlung seines Schülers! Pettenkofer berief, empfing ihn eine kleine Schar von Ver⸗ ehrern und der allgemeine Haß der ultramon⸗ tanen Partei, die ihn mit allen Mitteln wegzuekeln suchte, schon deshalb— weil er nicht gebürtiger Bayer war! Als er sich für seinen Schwiegersohn, den Philosophen! Carrière, der ohnedies als höchstes„Freiheitsideal“ nur für eine etwas freiere„deutsche' Kirche schwärmte, um eine An- stellung in München bemühte, legten die Ultramontanen unter der Führung des Erzbischofs einen förmlichen und! feierlichen Protest dagegen ein. Die gelehrte Welt verfolgte ihn ob seiner neuen An— schauungen mit giftigen Schmähschriften. Noch neun Jahre, vor seinem Tode bedauert einer seiner Gegner, daß Liebigs Anschauungen„sogar“ in Königsberg und Berlin,„diesen Sitzen der wissenschaftlichen Intelligenz“ Anklang fänden, und der Botaniker Hugo v. Mohl, der als einer der ersten, Gelehrten der Zeit galt, warf ihm öffentlich vor, daß er„un— gebildet“ sei, womit er darauf anspielte, daß Liebig als der Sohn eines einfachen Matcrialwarenhändlers nicht über fünf Klassen des Gymmasiums binausgekommen war. Erst als die enormen praktischen Nutzungsmöglichkeiten der Liebigschen Entdeckungen offen zutage lagen, wendete sich das Blatt. Der Kapitalismus war freilich in Deutschland noch nicht so weit vorgeschritten, um Liebig auf seine Weise sofort seine Huldigung darzubringen. Das vermochte vorerst nur England. Dort errichtete man die ersten Fabriken um nach Liebigschen Angaben Silberspiegel herzustellen, welche die alten gesundheitsschädlichen mit Quecksilber belegten Spiegel heute völlig verdrängt haben. In England setzte man auch seine landwirtschaftlichen Theorien zuerst in die Praxis um. Er hatte gelehrt, daß die Pflanze nicht von Humus lebt, wie man bis dahin glaubte, sondern von mine— ralischen Stoffen, daß mon dem Boden also solche bieten müsse, um nicht Raubbau zu treiben. Man errichtete dem⸗ gemäß Mineraldünger-Fabriken und schuf in England eine Industrie, die man erst später nach Deutschland verpflanz hat und die heute Milliardenwerte auf dem ganzen Erdenrund herstellt. Auch das Liebigsche Fleischextrakt— seine einzige Erfindung, von der die große Masse der„Gebildeten“ etwas weiß, die aber für sein Lebenswerk ganz nebensächlich ist— wurde und wird noch im Ausland hergestellt. Als alle diese großen Industrien ihren schweren Goldzins für England trugen, da erwachte dort das Verständnis für den großen Deutschen. Eine Reise nach England, zu der man ihn veranlaßte, entfesselte den Enthusiasmus aller durch ihn 7. —— AAS 2 ut Verdienenden. Er wurde durch den Premierminister sogar dem Parlament vorgestellt, was als die höchste Form englischer Ehrung galt. Das deutsche Vaterland rieb sich darauf die Augen und besah sich den also Geehrten erst jetzt etwas näher. Nun fand er auch Gnade vor dem deutschen Unternehmertum und nun kamen auch die„Ehrungen“ nach deutscher Art. Vor allem die Titel, dann der Adel, dann, als er vor gerade 40 Jahren, am 18. April 1873 starb, die großen Nachrufe. Und dann die Denkmäler zu München, Darmstadt und Gießen. Niemals aber kam für ihn di gebührende Anerkennung, die ein Mann verdiente, von dem man einst sagen konnte: ihm verdanken wir die Hälfte unserer Kultur und zwar die bessere. Hunderte von Fabriken drehen heute auf deutschem Boden ihre Räder, um Werte herzustellen, die einst sein Geist ersonnen; als aber im Jahre 1900 auf der ersten Versamm⸗ lung deutscher Naturforscher zu Aachen die Errungenschaften der Chemie im 19. Jahrhundert gefeiert wurden, da regte sich einmal die alte Mißgunst gegen den„Ungebildeten“, der die Wissenschaft von ihrer vornehmen hohen Stellung in den Dienst des Tages herabgezwungen hat— denn der Name Justus Liebig wurde dabei nicht genannt. Ihn muß also wohl erst das Volk aufnehmen, damit er wirklich unver⸗ deßlich ist. Alkoholfreie Jugenderziehung. Die sogenannten sozialen Fragen unserer Zeit sind immer nur Symptome, daß der Gesellschaftskörper selbst krank ist, daß die soziale und wirtschastliche Ordnung sich überlebt hat. Das bewies auch der kürzlich in Berlin abgehaltene„erste deutsche Kongreß für alkoholfreie Jugenderziehung“. Weit über 1000 Vertreter und Ver⸗ treteriunen der verschiedensten mehr oder minder scharf ausge⸗ sprochenen alkoholgegnerischen Vereinigungen waren erschienen. Der Plenarsaal des preußischen Abgeordnetenhauses, den man zu den Verhandlungen genommen hatte, sah wohl noch nie eine sozjal und in ihren religtösen und politischen Bestrebungen so gemischte Versammlung wie diese. Allerdings, das Braukapital war nicht vertreten, Repräsentanten des Schnapssunkextums suchte man ver gebens. Aber sehr viele Frauen sah man. Auch die abstinenten Ar beiter waren vertreten. Genosse Simon Katzenstein gehörte dem Arbeitsausschuß und auch dem Präsidium des Kongresses an. Ver schiedene Regierungen, ihre Ministerien und Behörden hatten Ver treter entsandt, das Ausland war ebenfalls stark vertreten. Am 25. März aging dem Kongreß eine Reihe wissenschaftlicher Vorträge über die Alkoholfrage voraus Dr. Hartwig machte bei dieser Gelegenheit über den Verbrauch alkoholischer Getränke sol gende Angaben: Nach den neuesten Verössentlichungen wurden rund 2100 Millionen Mark für Bier und 197 Millionen Mark für Trink branntwein verausgabt. Schätzt man die Ausgabe für Wein auf 378, Millionen Mark, so wären in Deutschland in einem Jahre rund 2675 Millionen Mark oder 40,74 Mark auf den Kopf der Be⸗ völkerung vertrunken. In hochinteressauter Weise führte Prosessor Aschaffenburg(Köln] die Hörer in die Werkstatt des Experimental Pfuchologen ein. Die geistigen Leistungen derselben Personen pleiben nach dem Genuß von Alkohol weit hinter denjenigen nach einer abstinenten Periode zurück. Am deutlichsten zeige sich das, wenn das Objekt auf empfangene Reize B. auf das Auge, bewußt reflektieren will. Die sublektiv empfundene Wirkung des Alkohols auf das Seelenleben ist sehr verschieden von der, die objektiv bei Laboratoriumsversuchen sestzustellen ist. Die Wahrnehmung und Auffasfung der besonderen Sinneseindrücke wird erschwert und ver fälscht. Die Willenshandlungen gehen schneller, aber unzuver läsfiger, mit zahlreichen„FJehlaktionen“ vor sich. Die Verbindungen der Vorstellungen untereinander werden lockerer, oberflächlich weniger von Zielvorstellungen als von Aeußerlichteiten bestimmt, das Denken dadurch flacher, unzusammenhängender Die Gesamt leistung der geistigen Arbeit wird geringer, die Wirkung der Uebung geringer. Alle diese Erscheinungen treten nicht etwa nur bei großen Wengen Alkohols, sondern zum Teil schon bei ganz geringen her vor und überdauern bei etwas größeren Quantitäten(2 Liter Bier entsprechend) zuweilen zwei nachsolgende Nächte Die Kongreßverhandlungen begannen mit einem Vortrage des Prof. Weygandt, Direktors der Damburgischen Staatsirrenaustalt Der Alkoholmißbrauch bei Lindern sei weit verbreitet und bilde eine ernste Gefahr. Um die Kinder zu beruhigen,. wird viel sach der Schnuller mit Schnaps oder Bier getränkt. Volkstsüm licher Aberglaube meint, daß Wein beim Zahnen wirksam sel, oder daß er kräftige Knochen mache. Kinder vor oder in den ersten Schul fahren bekommen recht häufig und vielsach gewohnheitsmäßig geistige Getränke, leider manchmal auch auf Empfehlung rückstandiger Aerzte. Eingehende Erhebungen bei Schülern ergaben, daß durch⸗ schnittlich eine überwiegende Mehrheit, mancherorts nahezu alle, geistige Getränke bekommen. In den oberen Klassen det böheren Schulen und in den Fortbildungsschulen nimmt dies natürlich noch zu. Der Alkohol im Kindesalter zleht die verschledensten Körper⸗ organe in Mitleldenschaft. Verdauungsstörungen und Gewichts verlust, Lebererkrankung, selbst Säuserleber kommt nicht selten vor. Blutb rechen, chronische Nierenentzündung, Blutarmut sind öfter be⸗ obachtet. Besonders wird das Längen wa chstum des Kindes beeinträchtigt, wie auch durch das Tierexperiment vielfach bewiesen ist. Stadtschulinspektor Dr. Jensen berichtete, eine neueste Umfrage in 27 Berliner Gemeindeschulen habe ergeben, daß etwa 3 Prozent der Kinder täglich und etwa 25 Prozent gelegentlich Alkohol trinken, zum Teil auf Anordnung von Aerzten und auf Veranlassung der Eltern. Elsa v. Liszt wies darauf hin, daß von den jugendlichen Straffälligen ein großer Teil von ttunksichtigen Eltern stamme. Diese Kinder sind meist körperlich und geistig minderwertig, sie haben daher der Versuchuna der Großstadt weniger Widerstand ent⸗ gegenzusetzen. Die häuslichen Verhältnisse sind die traurigsten KAufsicht und Ecziehung mangelt oft ganz Dr. Flaig(Berlin forderte plan mäßigen Unterricht über die Alkohol⸗ frage in allen Schulen. Leider sei man in dieser Beziehun noch weit zurück. Obligatorische Unterweisung der Schuljugen über die Alkoholgesahren in besonderen Unterrichtsstunden ist nur in einzelnen Bundesstaaten(Meiningen, Wülcttemberg. Oldenburg) und Gegenden eingeführt, teils für die Volks- und Fortbildungs⸗ schulen und für höhere Schulen, teils nur für die Fortbildungs⸗ schulen. In einem Referat über die alkoholgegnerische Erziehung im Hanse betonte Dr. Strehler die Vortref slichteit des Bei⸗ spiels. Die Kinder müßten zu bewußten Alkoholgegnern erzogen werden. Spiele in der Natur böten die Quelle reicher, stets an⸗ ziehender Freuden. Das Preisspielen, wodurch nur Eitelkeit und Ueberhebung gezüchtet würden, sei zu verpönen. Nicht durch Moral⸗ predigten, sondern durch Erwerbung des Persönlichtkeitsbewußtseins, des Willens, sich von verderblichen Unsitten. von gewohnheits⸗ mäßigem Unfug frei zu machen, müsse man die Kinder zu völliger Abstinenz erziehen. Alle Redner wußten von den verheerenden Folgen des Alkohol- genusses zu berichten. Und alle waren in dem Punkt einig, daß das ersolgreichste Mittel, um die Kinder von dem Alkohollaster zu be⸗ freien, das gute Beispiel der Eltern sei. So klang die Forderung nach alkoholfreier Incenderziehung aus in der Forderung nach allgemeiner unbedingter Abstinenz. Daß durch Erziehung und Auf⸗ klärung sehr beachtenswerte Ersolge zu erzielen find, das beweisen die Refultate in anderen Ländern. Es sei da unc auf Schweden ver⸗ wiesen. Vor einer Ueberspaunung der Erwartungen in dieser Be⸗ sehung warnte Genosse Katzenstein. Meistens weist der Alkohol- mißbrauch in proletarischen Kreisen auf die Quelle sozlolen Elends hin, mit dessen Ueberwindung bekämpft man am erfolgreichsten diesen gefähclichen Volksseind. Und manche Neduer bestätigen un⸗ bewußt die Darlegungen unseres Genossen Fast stets, wenn sie die schrecklichen, verwüstenden Jolgen des Altoholgeuusses schildern wollten, stiegen grauenerregende soziale Bilder vor dem geistigen Auge der Hörer auf. Wenn Mütter ihten Lindern Schnaps geben, um ungestörter ihrer Erwerbsarbeit nachzugehen, also dem Kapital dicustbar sein zu können, dann sind dies die Folgen einer verdam⸗ menswerten Gesellschaftsordnung. In unzähligen Fällen ist diese Ordnung auch die Ursache der Trunksucht in wohlhabenden Kreisen. Die Schmarotzer, die Drohnen der Gesellschaft, fallen als Nichts⸗ tuer leicht der Versuchung zur Trunksucht anheim Klasseuscheidung und Interessenwirtschaft sind welter die Ursachen eines in der Hauptsache auf Alkoholgenuß beruhenden Gesellschaftslebens. Durch wüste Trinksitten muß der Nachweis für die offigtell vorgeschriebene Gefinnungstüchtigkeit erbracht werden Wer nicht trinkt, gilt in Preußen-Deutschland beinahe so verdächtig wie dem Cäsar die Hageren, die zu viel denken. Geuosse Kabenustein zerstreute übrigens auch die Meinung, als habe die Alkoholfrage nichts mit politischen Parteien zu tun. Die Sozialdemokratie stehe offiziell im Kampfe gegen den Alkoholmißbrauch. Die übrigen Vartef haben ihre noch zu solgen, wenn das interessierte Kapital und die Schnapejunker es erlauben Aus der Fülle des auf dem Kongreß gebotenen Materials und 1 zahlreichen Anregungen kann hier nur weniges herausgehoben erden. Mit berzerfeischender Deutlichkeit geißselten verschiedene dner die von den Regierungen und den Behörden sowie vom zen Offiziösentum geförderte Alkoholistierung weiter Volkskreise. betrübendste Erschelnung sei die alkoholische Jugenderziehung. aufgedunsene“ Oberlehrer locke den Peimaner auf den Weg in je Kneipe. Aus den kommentmäßigen Alkoholorgten gingen heute die geistigen Führer des Volkes hervor. Immer kehre dieselbe Klage wieder über das schlechte Velsplel, das die akademischen und amt⸗ lichen Treise, aber auch die Eltern in der Familie geben. Den Schluß der Verhandlungen bildeten kurze Vorträge über alkohol- gegnerische Ingendorganisationen Genosse Katzen⸗ stein machte folgende Ausführungen: Die Arbeiterbewegung hat im letzten Jahrzehnt der Alkoholfrage steigende Aufmerksamkeit ge⸗ widmet und dabei den Schu der Jugend in den Vordergrund ge⸗ stellt. Der sogzialdemokratische Partestag von 1907 ex⸗ klärte in der Resolution zur Alkoholfrage: Kinder müssen vom Al- koholgenuß unbedingt ferngehalten werden, und förderte Aufklärung uber die Alkoholgesahr, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Der Parteitag von 1910 beauftragte die Reichstagsfraktion, einen Gesctzentwurf zum Schutze der Jugend vor dem Alkohol einzu⸗ bringen.— Namentlich die freie Jugendbewegung hat hier reich gewirkt. Ihre behördliche Unterdrückung zerstört wertvolle Tulturarbeit. Im gleichen Sinne arbeiten beute die Jugen 2E 2 2 27 88 * schüsse und die Jugendbeime, die grundsäßlich alkoholfrei werben. Auch durch Literatür und Vorlröge wird aufklären 18. 2 TNA — 2 1 wirkt. Der Arbeiterabstinentenbund(seit 1903) hat gleichfalls der Aufklärung der Jugend besonderes Interesse entgegengebracht. Er einige Kinder⸗ und 1 gegründet und auf der iese Frage speziell behandelt. Auch seiner Tätigkeit sind behördliche Schwierigkeiten bereitet worden, tbenso den in Groß-Berlin bestehenden Elternvereinen, zu deren Aufgabe auch die Aufklärung der Elter hört. Ein Kindergarten mit Kinderhort in Charlottenburg wurde sten Generalversammlung verboten. Mustergültig wirkt der Kinderfreunde, der durch körperliche und geistige Darbietungen in⸗ direkt wie auch direkt durch Aufklärung bekämpft, wie auch sonst die österreichische Arbeiterbewegung in der Behandlung der Alkoholfrage vorbildlich geworden ist. Seit vorigem Jahr erscheint eine Kinderbeilage des Organs des Arbeiter- abstinentenbundes Der abstinente Arbe Die Verhandlungen werden sicher wegung zum Schmerze des Braukapitals und der adligen und fürst⸗ lichen Schnapsbrenner einen mächtigen Anstoß geben. Der Marxismus und (Ein Stück Parteigeschichte.) Von P. Kampffmeyer. 710 Die Bewegung der„Jungen hinter uns, gleichwohl sind über Ansichten im Schwange. Eine große Gruppe unserer Partei⸗ genossen steht noch stark unter dem Eindruck der lärmenden und vielfach persönlich gefärbten K und Magdeburger Opposition, und von diesem Lärm be— fangen, erkennen sie aus den leidenschaftlichen Darlegungen der Opposition nicht die grundsätzliche Seite dieser radikalen Bewegung. Die Opposition ist Parteitag wegen eines Berliner worden, das die Politik der sozialdemokratischen Fraktion in den Jahren 1887 bis 1890 niederdonnerte. Der rollende Donner dieser„Anklagen“ unterscheidet sich nicht wesentlich von dem dröhnenden Gepolter der über die Fraktionspolitik in den Tagen der Dampfer— subventionsvorlage. In den leidenschaftlichen Debatten des Erfurter Parteitages vergaß man sachlich zu untersuchen, welche oppositionelle Gruppe denn eigentlich auf dem von Karl Wildberger verfaßten Berliner Flugblatt stand. Dieses Flugblatt, von ehrlichster Ueberzen tisch sehr unklug, sand durchaus nicht die Billigung der ge— samten Opposition. Die Magdeburger Jungen verwarfen es; und der oppositionelle Werner nahm es nicht in Druck. Die revolutionären Verdammungsurte die Reichstagsfraktion sind vom Antiparlamentariers Wilhelm Li der ja 1869 jedes Parlamentiere sichtigkeit und jedes Reden im Reichstag für zwecklos erklärte. Wertet man heute die leidenschaftlichen Ausfälle der „Opposition“ gegen die Taktik der Fraktion objektiv und bringt man sie in den engsten Zusammenhang mit den Zeit⸗ ereignissen, so versteht man sehr wohl, weshalb sich die Sozial— demokratie damals die Oppositior halten wollte. Sehr fraglich ist es aber, ob gerade der Aus— schluß der Opposition der michtige Die Opposition rebellierte n gegen die planmäßige, auf dem Boden der gegebenen Ver— hältnisse rüstig fortschreitende Massenbewegung der Sozial⸗ dmokratie, die damals schon den Blick fest auf die Eroberung „aller Posten“ richtete. Den„geg digte aber die Opposition den Krieg in schärfster Form an. Grundsätzliche Verneinung der b ökonomischen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, nicht zielklarere Form dieser Verhältnisse, das war der einzige Programmpunkt der opposttionellen Bewegung der Jungen. Von ihr wurde daher alle„Reformerei“ als„kleinbürgerlich“ grundsätzlich verworfen. Nun mußte aber die Sozialdemo— kratie, wollte sie zu politischem Einfluß gelangen, auf dem Boden der„bestehenden Verhältnisse“ ihre Machtorgani- a sationen aufbauen. Das war in den Augen der Jungen ein prinzipieller Verstoß gegen die revolutionären Grund— anschauungen der Sozialdemokratie. Und diese Grund⸗ anschauungen glaubten die Jungen aus den theoretischen Schriften von Marx und Engels g Anter dem Ausnahmegesetz hatte der Marxismus in der gbroßstädtischen Arbeiterschaft Den n über die Alkoholgefahr ge⸗ österreichische Arbeiterverein den Alkoholgenuß der Kinder iter. der antialkoholischen Be⸗ die„Jungen“. liegt jetzt zwei Jahrzehnte sie die widerspruchvollsten undgebungen der Berliner vorwiegend vom Erfurter Flugblattes ausgeschlossen Frankfurter Urteilssprüche gung eingegeben, aber tak⸗ ile des Flugblattes gegen Standpunkt des einstigen ebknecht niedergeschrieben, n für Verrat und Kurz— i ziemlich weit vom Leibe Weg zu diesem Ziele war. nit fanatischer Leidenschaft ebenen Verhältnissen“ kün⸗ estehenden politischen und eschöpft zu haben. geschlagen, und diese erstarkten zusehends, da sie tagtäglich neue Nahrung aus der willkürlichen brutalen Handhabung des Ausnahmegesetzes zogen. Die Vorstellung von der Not- wendigkeit eines gewaltsamen katastrophalen Bruchs mit der bestehenden Gesellschaftsordnung, die sich dem Proletariat aus dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels zu erschließen schien, befestigte sich mehr und mehr in den Massen. Wie eine Utopie gutmütiger aber gedankenloser Sozialreformer mußte fast das Programm einer allmählichen gesetzlichen Sozialisierung und Demokratisierung der Ge⸗ sellschaft erscheinen. Wo die Gesetzlosigkeit eben vom Parlamente in dem Ausnahmegesetz sanktioniert war, konnte die Gesetzlichkeit unten in den Massen nicht triumphieren. Nach der Vernichtung der Arbeiterpresse, nach der Beseitigung der Versammlungs-⸗ und Vereinsfreiheit schien überdies der Parlamentarismus völlig entwurzelt zu sein. Die durch be sondere politische Zeitverhältnisse bedingte Ohnmacht des Parlamentarismus wurde von der revolutionär ⸗-sozialistischen Arbeiterschaft der Großstädte leicht zu einer allgemein gül- tigen Theorie von der Impotenz parlamentarischer Einrich⸗ tungen überhaupt erhoben. Folglich traten in dieser Arbeiter- schaft die Ideen Ferdinand Lassalles stark zurück, die dem Wahlrecht, dem politischen Kampf, dem Parlamentarismus eine überragende Bedeutung für die Emanzipation des Pro- letariats beilegten. Die Zeitverhältnisse ebneten nun dem Marxismus die Bahn, dee in seiner radikalen Form, im Kommunistischen Manifest ein vollkommener Niederschlag der Ideen revolutionärer Proletarier ist, die sich nicht auf dem Wege gesetzlicher, politisch⸗varlamentarischer Machteroberung, sondern auf dem der plötzlichen Gewaltergreifung in den Besitz der politischen Macht setzen wollen. Die soziale Revo⸗ lution ist im Kommunistischen Manifest das„naturnotwen⸗ dige“ Ergebnis der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung: eines die ganze kapitalistische Gesellschaft zersprengenden Widerspruchs zwischen den sich gigantisch entfaltenden Pro- duktivkräften und den eng begrenzten kapitalistischen Eigen⸗ tumsverhältnissen. Diese Eigentumsverhältnisse bannen den Proletarier an die Produktionskosten seiner Arbeitskraft, an seine Unterhalts- und Fortpflanzungskosten fest. Diese Pro⸗ duktionskosten haben sogar die Tendenz, da die Maschine den Arbeiter im wachsenden Maße selbst aus der Produktion ver- drängt, unter das Nivean der Unterhaltskosten zu sinken. Schluß folgt.) Der Völkerkrieg der Fürsten. 1813/15. Von Kurt Eisner. Zweites Kapitel: Napoleons deutsche Politik. II. Napoleon hat im wesentlichen die Karte Deutschlands bestimemr, wie sie noch heute ist, wenn man von den preußischen Gebietser⸗ weiterungen absieht. Vor ihm bestand dieses, wie aus den Träumen eines Wahnsinnigen erzeugte heilige römische Reich deutscher Nation, mit seinen 1800 reichsunmittelbaren Ständen, den Kurfürsten⸗ tümern(unter denen ein Königreich, Böhmen), Herzogtümer(nebst dem Erzherzogtum Oesterreich), Pfalzgeafschaften, Landgrafschaften, Markgrafschaften, Fürstentümer, Graf⸗ und Herrschaften, Erzbis⸗ tümern, Bistümern, Abteien, Probsteien, Reichsstädten reichsritter⸗ schaftlichen Gütern und Reichsdörfern. Dieser ganze Wust wurde in wenigen Jahren säkulacisiert und mediatistert. Aus dem ekelhaften Feilschen der dreihundert Landesfürsten um ihre Existenz, um größeren oder minderen Landgewinn und Landverlust erhob 5 klare Gebilde des Rheinbundes mit seinen vierzehn Mitgliedern, daneben noch Oesterreich und das bescheiden über die Elbe zurück⸗ gedrängte Preußen. Wenn jene dreihundert deutschen Landesväter beute ihre Auferstehung in den geborenen Gesetzgebern der Ersten Kammern seiern konnten, so ist das nicht zum wenigsten verschuldet durch die ungeheure, bis zum heutigen Tage nicht ausgeglichene Hemmung, die Napoleons Katastrophe über Deutschland hecaufbe⸗ schwor. Niemals war Europa einem Föderativbunde aller Staaten näher als damals. Es war keine schmeichelnde Ueberschwenglichkeit, wenn am 13. Juli 1805, nach dem Abschluß des Rheinbundsver⸗ trags, Tayllerand an Nopoleon schrieb:„Dieser Vertrag ift der erstaunlichste, den die Welt seit fünfhundert Jahren gesehen hat; er zieht die Auflöfung eines alten Reiches nach sich„ ein anderes, das in dem Genie seines Gründers eine Bürgschaft für seine Dauer besitzt.“ Die vereinigten Staaten von Curo pa, die ver⸗ einigten Staaten der Welt in dem System Napoleons, daß war das Ziel. Zu diesem Ziel schritt Napoleon durch ein Meer von Blut, über welte Leichenäcker, die besät waren mit den in den witt⸗ tschlands starke Wurzeln schaftlichen Riesenkämpfen vernichteten Existenzen, War es den — — — 2 3 „ — 5———— —— rasende Ehrgeiz eines Eroberers, der diesen Weg wählte? Napo⸗ leon wax nicht nur in dem Sinne der Erbe der großen Revolution, daß er die Zerstörung der feudalen Welt als Erbteil von ihr er⸗ hielt, er übernahm ah le politischen und wirtschaftlichen Probleme von ihr, er war nur der Erbe der von ihr begonnenen, vielmehr ihr aufgezwungenen Kämpfe. Napoleon hatte keine Wahl mehr, als er den Schauplatz der Geschichte betrat; der Weg war ihm vorge⸗ zeichnet, sein Gente stellte ihm nur die Aufgabe, ihn zu gehen, auf ihm vorwärts zu dringen. Drei Gegner fand er für seine Aufgabe vor: die Klassen— gärung im Innern Frankreichs; er bewältigte sie durch seinen diktatorischen Liberalismus, der Freiheit und Gleichheit allen durch den Staat und das Gesetz sicherte, den Anteil an den sozialen Gütern dem einzelnen zumaß und den Willen der Masse nur in der Gestalt der straff gezügelten und klug geleiteten öfsentlichen Mei⸗ nung übrig ließ. Aber diese so aus dem Feudalismus befreite Nation, die der Ordnung und Gerechtigkeit des gleichen Gesetzes genoß, durfte nicht im Frieden ihre wirtschaftlichen Kräfte entfalten, die kapitalistisch-industriell sich mächtig regten. Gerade diese aus der Revolution erwachsende Konkurrenz der bürgerlichen Wirtschaft hatte England gegen die Revolution aufgerufen. Bedroht in seiner Monopolhecrschaft über die Manufakturen und Industrien, über den Handel und die Meere der Erde, strebte es das aufblühende Reich der Revolution zu zerstören, den Kontinent in den für seine Machtstellung gesahrlosen Zustand des feudalen Ackerbaustaates zu⸗ rückzuwersen, in ihm zu erhalten. So entstand das Bündnis Eng— lands mit den seudalen Kontinental staaten; mit der weltbeherrschenden Flotte Englands verschworen sich die leibeigenen Heere des alten Europa, die Fürsten und der Adel, die von der An- steckung der Revolution für ihre Eristenz zitterten. Englisches Gold mobilisierte bis zum Sturz Napoleons, wie schon vor Napoleon, die reaktionären Mächte gegen den modernen Staat, gegen seine politische und wirtschaftliche Entwicklung. Das war der furchtbare Dreibund, den Napoleon vorfand. Er hatte keine Wahl der Mittel, alle seine Kriege waren Defensivkriege. Er wollte immer den Frieden. Nicht nur seine Heere, sondern auch sein politisches System waren die Werkzeuge, diesen Frieden zu erzwingen. Und wenn es ihm an Schiffen und an Matrosen sehlte, um England mit kriegerischer Gewalt zu bändigen, und er den Zweck auf dem wirtschaftlichen Umweg der Kontinental— sperre zu erreichen suchte, so hat er auch diese Mittel lediglich in der Verteidigung von der Revolution übernommen; dieser Wirt— schaftskrieg tobte seit Jahrzehnten, wie denn dieselben Zustände, die Napoleon schließlich zu der äußersten Konsequenz der Absperrung des ganzen Kontinents gegen englische Waren nötigte, schon 1800 Fichte zu der Utopie des geschlossenen Handelsstaates veranlaßten, zu der Phantasie der absoluten Handelssperre nach außen und der sogialistischen Selbstproduktion im Innern. Die militärischen und wirtschaftlichen Kriege Napoleons waren kein Mittel, sondern nur eine aufgezwungene Störung seines Systems. Sein wirk⸗ liches Mittel der Eroberung war die Gewinnung der Völker für den bürgerlichen Staat der Rechtsgleichheit und Geburtsfreiheit, die Ent— saltung aller wirtschaftlichen Kräfte, die Losbindung aller mensch— lichen Fähigkeiten, die Förderung aller kulturellen Güter, die Steigerung und Verallgemeinerung von Wissenschaft und Bildung. Als nächsten und natürlichsten Bundesgenossen in dieser Poli- lik suchte Napoleon Deutschland zu gewinnen. In märchenhaft kurzer Zeit gelang ihm dies Werk, aber ehe noch die überall auf⸗ wachsende Schöpfung zur Ruhe und Stetigkeit gelangen konnte, unterlag Napoleon der Zusammenrottung Englands mit den reak— tionären Mächten des Kontinents. Die un vergänglichen Spuren seiner Tätigkeit jedoch erkennt man am klarsten duran, daß auf dem unmittelbaren Gebiet napoleonischer Herrschaft und napoleonischen Einflusses zuerst wieder das politische Leben aus der Erstickung sich befreite. Die Ueberlegenheit der politischen Kultur im Süden und Westen Deutschlands, die sich noch heute zeigt, wurzelt in der Zeit Napoleons. Hier wurden die ersten Verfassungskämpfe geführt, hier leistete man den zähesten Widerstand gegen die Zerstöcung gewonnener Rechte. Im Geltungsbereich des Code Napoleon, der 110 Westen erst im Jahre 1900 verschwand, mit der ersten Kodi⸗ fikation des bürgerlichen Rechts seit jenen Tagen des Imperators, ist das Bewußtsein staatsbürgerlicher Würde nie ganz erloschen. Die Zeit des Rheinbundes ist für Deutschland die erste Zeit nationaler Erhebung und nationaler Blüte, wenn anders man denn unter der Nation das Volk verstcht. Im zweiten Teil der Tragödie hat Goethe Fausten die Zlige Napoleons verliehen: das Gleichnis von der Abgewinnung des Bodens aus dem dunklen Meer der Jahrhunderte, das in den Versen auf Napoleon sich findet, wird am Schluß des Faust in szenischer Anschaulichkeit verkörpert. Die meisten Köpfe der Zeit empfanden die Schöpfung Napoleons ähnlich Zum ersten Male konnten die deutschen Gelehrten ihrer gewohnten Begeisterung für die jeweiligen Machthaber aus ehrlichem derzen frönen. und wenn man heute die Huldigungen für Napoleon, die damals die deutschen Professoren stilisterten, als Jeugnisse eines widerwärtigen hündischen Anzantinismus schmäht. lo ist die Wahrheit vielmehr, daß weder vorher noch nachher pro- sessorale Lobsprüche auf Herrscher so begründet und so aufrichtig waren. Es klingt eben doch tiese und echte Bewunderung aus Worten heraus, wie sie der Tacitus der damaligen Zeit, Johannes von Müller, der eben aus den Diensten Friedrich Wilhelms III. in die Jeromes geflüchtet war, bei dem Schluß des ersten Reichstags im Königreich Westfalen sprach: Der. vor dem die Welt schweigt, weil Gott die Welt in seine Lände gegeben, erkannte in Germansen die Vorwache und Brust⸗ wehr von Süd und Best, von den ersten Feber der Europens. Also, für gemeine Politik zu erhaben, gab er land Festigkeit, gab ihm sein Gesetzbuch, das Muster seiner die größten Lehrer, und, statt gedemütigter Soldaten, ehrte Bürger. Aus zwanzig Ländern schuf er ein Reich“ g „Glückliches Volt, Tage des Ruhms eröffnen sich dir, alter Redlichkeit Sohn. der Geist gemeinsamen Vaterlandes, nat diesem plötzlichen und hoben Schwung in allen Gemütern auf immer vorherrschend wird. Ein König, ein Gesetz, ein und eine Schuld und um nicht auch der gemeinsamen Abstammung ö Schicksale zu erwähnen, ein Jute resse..„ indem für 11 Bedürfnis nicht eine Klasse, Austrengung aller Bürger in Anspruch genommen wird, erschafft sie ein gemeinsames Wesen. Das Sonderbare haben die mitternächtigen Völker, zumal vom germanischen Stamm: so oft in Gottes Nat beschlossen war, ihnen eine neuere Art oder einen höheren Grad von Kultur bringen, so mußte ein Stoß von außen kommen, bei allen Völtern wurde das dermaßen Erworbene ungemein vervollkomm⸗ net.“ Dann heißt es von den neuen Gesetzen:„So neu diese Gesetze scheinen, so alt ist ihr Geist, weil näher der ursprünglichen Einfalt als den Formeln, womit im Lause der Jahrhunderte, in einem fremden, äußerst verdorbenen Reich, die Gesetzgebung der ausge⸗ arteten Römer, durch das sie beherrschende Advokatenvolk, belastet worden war. Würden diese alten Ordnungen in das alte Deutsche Übersetzt..., man würde sich wundern, wie Germanisch es ist. Daher jene Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz... Sie werden in der Verfsassung die Absicht bemerkt haben, geringere Bürger und Menschenklassen emporzuheben. Vom alten Morgenland bis auf unsere Väter kann man es nicht leugnen, war der größte Teil der N Menschen zu Herabwürdigungen verurteilt. Nicht mehr so in unseren Heeren: die Manieren sind nicht mehr, wodurch das Ehrgefühl bei dem Stand unterdrückt wurde, der desselben am meisten bedarf: man wird zum Kopf und Herzen des Soldaten sprechen müssen. Was wird nicht aus dem Heer, an dessen ehrwürdigem Geschäft alle Stände teilnehmen!“ 1 „Als bie gebildete Klasse wohlhabender Bürger sich den Wassen entzog, sahen wir große Staaten, welche mit scheinbar furchtbarer. Macht prangten, dem ersten Angriff des Mannes von Geist und Kraft weichen und in Staub versinken, man verstand, man erkannte sie nicht mehr, und als die tausend Jahre der Entstehung und Re⸗ gierung neuerer Staaten vollendet waren, mitten unter den Ruinen der zusammenstürzenden Welt, erschienen vor den Königen und Völkern der neuen Ordnung der Dinge die wahrhaften Grundsesten von Sicherheit und Macht: Vereinigung und Waffen.“ So hatte der größte Geschichtsschreiber seiner Zeit auch schon bei Eröffnung dieses früheren deutschen Parlaments in einem Brief au seinen Bruder geschrieben:„In dem allem und in den Anstalten 5 ist Keim der gänzlichen Umschaffung, einer ganz neuen Entwicklun des Charakters der Deutschen, und wahrhaftig ebenso möglich, da unter gewissen Umständen alles lebendiger und größer wird, als das Gegenteil. Ich getraue mir nicht vorher zu sagen, ich erkenne Taten Gottes über alle Rechnungen hinaus.“ sondern die Aus unserer Sammelmappe. Was wird aus dem Sternenlicht? Von der Energie, die den unzähligen Sonnen des Weltalls entstrahlt, geht der größte Teil in den Weltraum hinein verloren, oder er kommt wenigstens nicht da⸗ durch zur Geltung, daß er auf einen andern Himmelskörper auf⸗ trisst. Nun ist unsere Sonne weder der einzige noch der größte Stern, der sast unermeßliche Mengen von Energie nach allen Seiten in den Raum hinausschleudert, und daher erscheint die Frage durch⸗ aus berechtigt, was aus dieser Energie eigentlich wird. Daß sie nicht verloren geht, müßte man schon aus dem physikalischen Gesetz von der Erhaltung der Krast schließen. Es ist auch undenkbar, daß es geschieht, wenn sie anderseits die ganze Fülle von Bewegungen und Lebenserscheinungen auf der Erdoberfläche erzeugt und unter⸗ hält. Professor Very, der jene wichtige Frage in der Popular Science Monthly erörtert, kommt zu dem Schluß, daß der Aether, der mutmaßlich den Weltraum erfüllt, allein die Fähigkeit besitzt, die Lichtenergie der Sonnen in sich aufzuspeichern. Damit aber wäre das Rätsel nicht gelöst, da dieser Vorgang nicht bis ins Un⸗ endliche weitergehen könnte, und deshalb nimmt Professor Very weiter an, daß diese Aussaugung des Lichtes durch den Aether der eigentliche Born ist, aus dem die Geburt des Stosss hervorgeht. Auf diesem Wege würde aus dem Aether allmählich ein stofflicher Staub gebildet werden, in dem die Keime künftiger Welten zn sehen sind. Vielleicht ist dieser Vorgang der Stoffbildung in der Urwerkstatt der Natur die Umkehr der Stoffzersetzung, wie sie durch die Radiumsorschung an den strahlenden Elementen nachgewiesen worden ist. Damit wäre ein Kreis geschlossen, der in der Tat die ganze stoffliche Welt umfaßt, indem zum erstenmal ein Einblick in das Werden und Vergehen des Stoffs eröffnet wird, Leiber steht diese Erkenntnis noch auf schwachen Füßen, well sie mit der An⸗ nahme des Weltäthers steht und fällt, für dessen Vorhandenseln es sichere Beweise vorläufig nicht gibt. 1 75 —.. r