Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Volkszeitung Wissenistsmacht nummer 42 Dienstag, den 21. Januar 1913 I. Jahrgang Elendsbilder aus dem schlesischen Proletarierleben. Die freigewerkschaftlichen Vertrauensleute in den schlesischen Kreisen Waldenburg und Neurode haben eine umfassende Erhebung über die Lohn-, Ernährungs- und Wohnungsverhältnisse der Industriearbeiter in den ge— nannten Bezirken veranstaltet. Mehrere hundert Frage— bogen sind sorgfältig ausgefüllt an das Arbeitersekretariat Waldenburg zurückgelangt. Das Material soll noch ergänzt und dann einer wissenschaftlichen Bearbeitung unterworfen werden. Im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo von den Unternehmer- organen fast ausnahmslos über eine glänzende Konjunktur, bedeutende Gewinnsteigerung und„erfreuliche Zunahme des Volkswohlstandes“ berichtet wird, wo„wir im Gelde schwim— men“, dem Reichstag ein Dreimilliardenetat mit dem Nach— weis erheblich gestiegener indirekter Belastung des Volkes, in erster Linje für militärische Zwecke, vorgelegt ist, da ist es angebracht, aus der niederschlesischen Arbeiterenquete schon einiges über das im neudeutschen Reiche des„steigenden Volkswohlstandes“ existierende Arbeiterelend mitzuteilen. Zuerst seien einige Haushaltungsbudgets aus der Gruppe besprochen, deren Angehörige auf die Frage, ob sie mit ihrem Lohn den Nahrungsmittelaufwand bezahlen können, mit „Ja“ beantworteten. Es sind entweder mit ihrem nicht be— neidenswerten Los zufriedene Leute, oder die Zahl der zu Ernährenden besteht nur aus dem Beantworter selbst(Ledige) oder es handelt sich um kinderlose Ehepaare, bezw. um Familien mit einer unterdurchschnittlichen Kinderzahl. Wie ernähren sich und wie wohnen diese verhältnismäßig Gut⸗— situierten? f Im Fall 1 kommt ein Berghauer mit 4 Mk. Lohn, Frau und ein Kind in Betracht. Diese Familie gibt für Nahrungs- und Genußmittel, für Licht, Reinigung der Wohnung und Lektüre(Zeitung) wöchentlich 16,94 Mk. aus. Die Erhebung fand im Herbst v. J. statt, wo z. B. die Kartoffel am bülligsten waren. Es betrug die Ausgabe für 2 Pfund Butter 2,80 Mk., für Margarine 1,40 Mk., für Fett 35 Pfg., für Fleisch (3 Pfund) 2,80 Mk., Wurst und Heringe 30 Pfg., für Bier, Schnaps und Zigarren 90 Pfg. An den sieben Wochentagen verzehrte diese dreiköpfige Familie drei Pfund Fleisch, außer⸗ dem für 20 Pfg. Wurst, es kommt also nicht einmal ½ Pfund Fleisch auf den Tag. Rechnen wir nur die zwei erwachsenen Personen, so entfallen pro Kopf und Tag nicht einmal ein Viertelpfund Fleisch! Diese, wie ihr Oberhaupt erklärt, zu⸗ friedene Familie gehört in der Tat zu den besser situierten, denn sie besitzt eine zweiräumige Wohnung. Dafür zahlt sie wächentlich drei Mark Miete, so daß hiermit die Wochen- ausgabe auf bald 20 Mk. steigt, und noch fehlt das Geld für Kleidung, Schuhwerk, Steuern, Ergänzung des Bettzeugs und der Hausgeräte. Der Mann hat durchschnittlich 4 Mk. Lohn pro Schicht, d. h. das Jahr auf 300 Arbeitsschichten be⸗ rechnet, 27—28 Mk. wöchentlich. Solche vergleichsweise sehr günstigen Fälle sind aber selten. Fall 2 betrifft einen Maurer mit 3,50 Mk. Schichtlohn. Seine Familie besteht aus zwei Köpfen. Die Wochenausgabe für Nahrungs⸗ und Genußmittel usw. exklusive Miete, Steuern, Kleidung usw. beläuft sich auf 15,90 Mk. Die Familie bewohnt nur ein Zimmer. Der Wochenverbrauch ist mit beispielsweise 2 Pfund Butter, ½ Pfund Fett, 3 Pfund Speck und Wurst angegeben. Noch kann das Familien- oberhaupt, wie er sagt, den Nahrungsaufwand gut decken, aber er ist ein noch junger, kinderloser Ehemann. Fall 3 betrifft einen ledigen Grubenschlepper mit 3,15 Mark Schichtlohn. Er verbrauchte wöchentlich beispielsweise 1½ Pfund Fleisch, 1½ Pfund Speck und Wurst, 1 Pfund Butter, 2 Flaschen Bier, für 60 Pfg. Zigarren und hockt auf einer Bodenkammer als Schlafbursche. Auch die Ernährung dieses Ledigen mit relativ gutem Lohn ist seiner schweren Arbeit entsprechend zu schlecht. Fall 4, ein verheirateter Koksarbeiter ohne Kinder, gibt wöchentlich 14,29 Mk. für die Ernährung, für Licht usw. aus, bewohnt mit Frau ein Zimmer und hat inkl. Miete, aber ohne Kleidung, Schuhwerk usw. eine Wochenausgabe von 17,29 Mark, der ein Lohn von 18 Mk. gegenübersteht. Auch dieser Mann ist nicht gerade unzufrieden, obgleich er mit seiner Frau durchschnittlich täglich nur für 20 Pfg. Fleisch und Wurst verzehren kann. Die nun zu betrachtende Gruppe besteht aus Familien- vätern, denen die kulturhöhnende Dürftigkeit ihrer Lebens haltung wenigstens zum Bewußtsein gekommen ist: Ausg. f. Fleisch⸗, Durchschn.⸗Nahrung, Speck- Zahl d. Kopfzahl der lohn pro Genussm. Wurstverz Wohu⸗ zu Ernährend. Schicht p. Woche p. Woche räume Mark Mark Pfund 2,70 15,55 3,00 1652 3,00 16,31 3,00 133 3,20 10,01 3,90 16,58 4.20 19,05 3,95 16.79 4,14 18,86 4,34 16,22 Kohlenhauer 4.30 18,41 Kohlenhauer 3,95 20,63 Wir könnten noch sehr viele krasse Fälle von überaus dürftigen Haushaltungsrechnungen anführen, aber die mit— geteilten mögen vorerst genügen. Es sind nicht die schlechtest entlohnten Arbeiter, deren Haushaltungsbudget wir auf— zeichnen. Die Hauer gehören zu den bestentlohnten Arbeiter— gruppen. Der am häufigsten vorkommende Arbeiterlohn be— trägt 3—3,20 Mk. pro Schicht. Der Durchschnittsverdienst der niederschlesischen Kohlenhauer und Schlepper beläuft sich auf etwa 3,80 Mk., die von uns angeführten Hauer haben also alle über den Durchschnitt verdient. Die meisten der befragten Arbeiterfamilien, es sind hunderte, sind 5 Köpfe stark, auch das ist in der obigen Aufstellung berücksichtigt. Wir dürfen sie darum als beweiskräftige Stichprobe be— werten. Nun betrachte man sich die Tabelle über den Fleisch⸗, Speck- und Wurstverzehr. Die hinsichtlich ihres Lohneinkommens bestgestellte Familie Nr. 10 weist wöchent⸗ lich nur 1 Pfund Fleischverbrauch pro Kopf, wenn wir nur Vater und Mutter rechnen nur 2 Pfund gleich reichlich 1 Pfund pro Tag auf! Diese Familie betreibt nebenbei eine kleine Ackerwirtschaft, woraus sich die vergleichsweise geringe Geldausgabe für Kartoffeln, Grünzeug usw. erklärt. Die Familie Nr. 3 schreibt auf dem Fragebogen, der Vater erhalte wöchentlich 10 Mk.„Abschlag“(Lohnvorschuß), für Beruf des Befragten „Tischler. .Tagesarbeiter Tagesarbeiter Wäschearbeiter Schlepper . Kohlenhauer Kohlenhauer Kohlenhauer Kohlenhauer Kohlenhauer o ο i — O G d do d d 0 22222 2— ESD= Lebens⸗ und Genußmittel und sonstige Gebrauchsgegen⸗ — 1* 73 7 3 1 13 4 7 6 . 4* 4 „ 5 1 4 1 i 9 0 * ö 48 1 5 5 8 1 1 * 3 25 2 5 15 13* * * 1 8 1 1 5 1 11 4 1 1 1 7 1 1 1 15 3. 1 195 1 1 14 1 11 13 45 W * 1 7 * r B 998 std 1 — * 1 Achtel Pfund Fleisch, schwer arbeiten! Schreit! nicht zum Hin 17 mükter müßten 8 Ver er. 1* 15 Pfg. Fleisch, Sonntags g 0 f— N wöchenllich 18,31 Mk. ausgeben: infolge muß täglich 12 Stunden n Himmel? Der Vater „Wir brauchen täglich für kausen wir für 25 Pfg.— Pferde⸗ f er Vater leisch!!! rkt, daß der Pferdefleischkonsum n 0 ic 2 Pfu P ist ar ger es kostet 35, 40 und best 15 J 9 4 85, 90 und 95 — 2d 0 4 t. 0 Ai tz der 1 Swe niedrigen L 1 9 20 1* so 10* wie in Gegel ö 0 eren Löhnen ist. Darum greifen die Ar 31 sch, ja die Schlachtungen von Hunden sind durchaus W 7 7* HRorr lid Wir haben es herrlich nicht selten! 1 cht 1 N Volk 4* sich N E 4 reid! Arbe 1* 9 GN 7 1 It! pro 9 n ist! 2 6** 1 die i. er e r 0 9 0 Erkbr 1 ene der schle e zu! 1 ee 0 9 liche 2 En un N 11 11 1 Einsac n U 5 die W̃ st än de.* 4 e T1 A 0 1** 1 9 * 1 zeigt, d 1 N elne n 10 5 8 d nd Ir 1 0 2 0 hund 2* 6 ist e 4 In de 01 raum 1 1 8 5 5 1 50 wird gekock f 0 zen, geschl eboren und ge 1 a 1* 5 14 8 18 stork Ei! schrecke e K ur bi 1 Was 1 28* dor M a zH U 0* ö der 1 el ihre 0 1* 30 N 1 1 . 0 die ist 1 Umal 1 7 ich 1 und* A 1 1* sie lee 1 k U 0 res 11 f*. 9 1 zu 11 1 1 1 1 2 1 N„. 8* *** U* 114* 1 1 1 1 1 9 Bersücksichtig 0 1 N 8 0 1 de 3 en J Gute 1 1 17 ram* 1 du K 1 tam b N 1 f rei 8 st 5 pfe* L Der 9 1 1 1 1 8 1 0. ser! 23 8 De den Be- 1 0 4*** No 1 1. 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Der Pariser Matin veröffentlicht ein Schreiben, das ihm von den Eltern eines Schülers des Oymnasiums(College) Chaptal zu⸗ gegangen ist: Das folgende erbauliche Diktat wurde vor einigen Tagen im Anschluß an den Moralunterricht von Herrn... den Schlillern des zweiten Jahrgangs(unge Leute von 13—14 Jahren) im Gym⸗ nasium Chaptal aufgegeben:„Ist in der modernen Gesellschaft die Sklaverei abgeschafft? Alle Kräfte, über die der Kapitalismus ver⸗ fügt, sichern die Herrschaft des Herrn, in dessen Augen sein Monopol an den Maschinen mit der Existenz der Maschinen zusammenfällt. Die Unterordnung des Arbeiters unter die unveränderliche Regel- mäßigkeit des Ganges der Maschine schafft in der Fabrik eine voll⸗ ständig organisierte Kasernendisziplin. Hier hört saktisch und recht⸗ lich jede Freiheit auf. Der Arbeiter ißt, schläft und trinkt auf Kommando. Die despotische Fabrikglocke heißt ihm Ruhepausen und zeiten unterbrechen. Der Fabrikant ist der absolute Gesetz⸗ geber; in der Fabrikordnung formuliert er seine tyrannische Autori⸗ tät über die Arbeiter nach Gutdünken. Dem Arbeiter, der sich über die Üüberspannten Entscheide des Kapitalisten beklagt, wird geant⸗ wortet: Da Du diesen Vertrag freiwillig akzeptiert hast, so mußt Du Dich ihm unterwerfen. Die Peitsche des Sklaventreibers ist durch das Strafenbuch des Vorarbeiters ersetzt. Alle Strasen ver⸗ wandeln sich natürlich in Geldbußen und Lohnab züge, sodaß der Kapitalist noch mehr von der Uebertrekung seiner Gesetze proftttert als von ihrer Beobachtung. Und wir sprechen nicht von den materiellen Verhältnissen, unter denen sich aus Rücksichten der Sparsamkeit die Fabrikarbeit vollzieht: Erhöhte Temperatur, gesundheitsschädliche, mit Materialstaub ge⸗ schwängerte Atmosphäre, Lustmangel, betäubender Lärm der Ma⸗ schinen, ohne der Gefahren zu denken, der der Arbeiter inmitten eines schrecklichen Mechanismus ausgesetzt ist, von denen von Zeit zu Zeit Berichte über Verstümmelungen und Tötungen in der In⸗ dustrie sprühten. Karl Marx.“ Der in Frage stehende Professor hat einem Redakteur, der ihm diesen Brief vorlegte, die folgende Antwort zuteil werden lassen: „Wenn es sich darum handelte, mich zu rechtfertigen, so brauchte ich blos anzuführen, daß ein Zitat allein nichts beweist, sondern, daß alles von dem begleitenden Kommentar abhängt. Allein ich verschmähe dieses Argument. Mein Moralunterricht vollzieht sich nach den Richtlinien des Lehrplanes. In den nächsten Stunden wird:„Die Re⸗ spektierung des Eigentums“ behandelt werden, und Sie können ver- sichert sein, es wird nichts Umstürzlerisches geben. Das letzte Mal hatte ich über Sklaverei zu sprechen. Das klassischste Lehrbuch stellt die Frage folgendermaßen: 1. Sklaverei im eigentlichen Sinne des Wortes; 2. Gemilderte Formen der Sklaverei: Ausbeutung der Ar⸗ beiter, der Kinder, der Frauen. Mein Gegenstand war demnach gegeben. Nun bleibt noch die Wahl Karl Marxens. Ich habe absichtlich Mitte des neunzehnten Jahr⸗ zunderts genommen, um gleichzeitige Polemiken zu umgehen. ls Profsessor der religionslosen einer Demokratie glaube ich, meine Schüler— die sast alle bestimmt sind, später einmal Arbeitern vorzustehen— zur Güte, zum Mit⸗ gefühl, mit einem Wort: zur Solidarität mit den Opfern des Kapi⸗ talismus erziehen zu müssen. Und wer will leugnen, daß es sosche gibt? ei! 1 Weiter wollte ich in meiner Eigenschast als Oistoriker zeigen, wie gerade das Elend der Arbeiter um die Mitte des letzten Jahr⸗ hunderts es war, was alle lene sozialen Gesetze hervorgerufen hat, worauf die dritte Republik mit Recht stolz ist. abe ich dadurch egen die Bedachtsamkeit verstoßen, die seder Pädagoge zu beobachten Wenn man diese Frage aufwersen will, so werde ich dem ganz nicht widersprechen. Jedenfalls kommt es mir nicht zu, sie Wir haben dieses Antwortschreiben wörtlich wiedergegeben, um zeig wie französischer Erzieher von Bourgeoissöhnen seine br nit n seiner deutlschen Kollegenschaft zu ermöglichen. Durch d. Geschrei reaktionärer Leutchen hat sich der Direktor des re zosisch Unterrichtswesens, Bedorez, veranlaßt gesehen, den Rektor de nasiums zu beauftragen, eine Untersuchung Über den Fall a1 tellen. Damit wird es sehr wahrscheinlich sein Be⸗ wenden baben. Der Professor kann seinem Schöpfer danken, daß er in Frankreich und nicht in Preußen⸗Deutschland ist. N K 1 * * R Aus das Kapital. b Von Karl Marx. Vergesellschaftung. Die Verwandlung des auf eigner belt der Individuen beruhenden, zersplitterten Privateigentums tapitalistisches ist natürlich ein Prozeß ungleich mehr langwierig, at und schwierig als die Verwandlung des faktisch bereits auf ge⸗ (achaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapitalistischen Pri⸗ igentums in gesellschaftliches Eigentum. Dort handelte es sich die Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, r handelt es sich um die Exproprlation weniger Usurpatoren durch Volksmasse. Die wahre Schranke der lapitalistischen Produktion ist us Kapital selbst. Krisen. Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame sungen der vorhandenen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wieder herstellen. Es wird nicht zuviel Reichtum produziert. Aber es wird riodisch zuviel Reichtum in seinen kapitalistischen, gegensätzlichen men produziert. Es werden nicht zuviel Lebensmittel produziert im Verhältnis ur vorhandenen Bevölkerung. Umgekehrt. Es werden zu wenig noduziert, um der Masse der Bevölkerung anständig und menschlich genügen. ö Privateigentum. Vom Standpunkt einer höheren öko⸗ y mischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner sidividuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen, wie das srivateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst ine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesell⸗ haften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie ind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni tres familias den nachfolgenden Generationen verbessert zu Inmterlassen. 5 Weltmarkt. Der Weltmarkt bildet selbst die Basis der hpitalistischen Produktionsweise. Andrerseits, die derselben inmanente Notwendigkeit, auf stets größerer Stufenleiter zu produ⸗ eren, treibt zur beständigen Ausdehnung des Weltsmarkts, so daß er Handel hier nicht dle Industrie, sondern die Industrie beständig en Handel revolutioniert. Die Geschichte des Unterganges Hollands als herrschender bandelsnation ist die Geschichte der Unterordnung des Handels- pitals unter das industrielle Kapital. . . I 1 7 . Wie die Pflanzen speisen. g Der Keimling am Rain, der die mütterliche Mitgift des Samenkorns aufgezehrt hat und mager wie eine Tanzfliege, nit zwei grünen dünnen Blättchen im Kreuz, auf der Scholle geht, nimmt, wenn der Ranzen geleert ist, die ruhmreichen deberlieferungen seiner Vorfahren auf und schickt sich an, gurch vorurteilslose Bewirtschaftung eines apfelartigen Bferderückstandes und massenhafte Vertilgung der schmack⸗ kaften Atome eines ehemaligen Juragebirges die göttliche Funktion aller Pflanzenwesen(die in der Umwandlung von Steinen und Schmutz zu Plasma, Zucker, Eiweiß, Leben und Schönheit besteht) zu erfüllen. Glühend vor Geschäftigkeit, llt er über die Salpeterbestände des Roßapfels her und pritzt Säure durch das Wurzelspritzchen in die Erde hinein, m die Kalk- und Magnesiakrumen mürbe und löslich zu machen. Er baut seine unterirdischen Fasern immer weiter um Rain hinauf und hinab, schlürft Wasser und Gips, an Bhosphorsäure gebundenen Kalk, Eisenorydule und, was onst noch an Bodensalzen im Wasser sich löst, gierig in sich kinein, läßt nichts unversucht und nimmt doch nicht wahllos non allem. Zu gleicher Zeit ist aber auch das Blattwerk nicht nul. Es sperrt weit die Spaltlöcher auf, schnappt Kohlen- ure und zerlegt sie mit Hilfe des Sonnenlichtes in Kohlen⸗ and Sauerstoff. Es speit den Sauerstoff aus, gliedert den Kohlenstoff fest an die Bausteine der Mineralsalze an, die as Wurzelzünglein erbeutet hat, schindet sich weidlich ab und wird groß, stark und fett bei allen diesen Bestrebungen perioden von den Felsskeletten der Berge heruntergekratzt und am Festland als Ackerkrume angehäuft haben. Schließ⸗ lich, wenn die Pflanze an der Schwelle des Alters steht, die Zeit der Blüte vorüber und die Brut längst davon ist, hat sie Tröge voll Wasser ausgetrunken, hat Ballons voll Kohlen- säure hinuntergeschwemmt und mit manchem Gramm Erde, das sie in sich aufnahm, heimlicherweise die Erinnerungen an devonische und diluviale Zeitalter verschlungen. Dabei brauchte sie nichts, was je ein Tier oder eine Pflanze schon vorgeformt hatte. Sie baute sich jeden Bissen von Grund aus auf und dient noch im Tod dadurch, daß sie den Regen- wurm speist, fernem tierischen Leben als Quelle der Kraft. Von einigen Ausnahmen lesen wir in dem Kosmos— bändchen: Würger im Pflanzenreich von Dr. Adolf Koelsch, dem auch die vorstehenden Ausführungen entnommen sind. Was sich hier offenbart und mir als das Wunderwürdigste vorkommt, ist die ungeheure Selbständigkeit in der Er⸗ nährung, dieses trotzige ganz auf eigenen Füßen Stehen. Es ist beispiellos in der gesamten Natur. Wir Menschen und alle Tiere, von der Amöbe herauf bis zum Vetter Schimpanse, sind nichts im Vergleich zu den Wesen, weil unser Leib die große Synthese(oder Zusammenfügung) des Fleisches aus Erde, Wasser und Luft nicht ausführen kann. Dies rächt sich insofern, als wir ohne die grüne Pflanze unser Dasein nicht fristen können. Ihre Geschicklichkeit muß sich als Mittler zwischen uns und die Urelemente schieben, sie muß das Mineralreich erst dadurch urbar machen für unseren Leib, daß sie in ihren Grünstoffkammern wunderwirkende Sonnen- energie an die kalten Atome der Steine und Luftgase bindet, — ohne dies alles findet menschlicher Lebenswille auf der geronnenen Kruste des ehedem feuerflüssigen Erdplaneten weder Anker- noch Landungsplatz. Ja, wir stehen auch dort, wo wir tierisches Fleisch als Speise benützen, in Abhängig⸗ keit von der Pflanze, weil das Tier, das uns Lendenbraten und Koteletts liefert, nur daseinsfähig ist, solange es grüne Wiesen und Kleeäcker gibt, in deren Halmen, Stengeln und Wurzelwohnungen sich die Verwandlung von ungenießbarer Erde in saftiges Magenlabsal vollzieht. Hingegen kann sie, die Pflanze, ohne uns alle gut da sein. Sie braucht zur Be⸗ bauung der Erde nicht Mensch und nicht Tier. Das Orientproblem. Von Par vus. 13. Die Diplomatie. Der nationale Hader, die Türkomanie und die beschränkte Politik der Jungtürken, die durch den kolonialen Kapitalismus ge⸗ schaffene Zersetzung, alte und neue Korruption, das alles kam in wilden und wirren parlamentarischen Kämpfen zum Ausdruck. Dazu aber noch die Diplomatie der Großmächte und die Intriguen der Balkanstaaten. Und die traditionelle Rivalität der Großmächte bekam außer⸗ dem auch noch neue Nahrung in dem Widerstreit der kapitalistischen Interessen. Wie sich beide miteinander verflechten, mag an dem Veispiel der Bagdadbahn illustriert werden. Die Bagdadbahn ist bekanntlich ein Unternehmen der deut⸗ schen Finanzgruppe. Diese Bahn erregte zunächst bei der eng⸗ lischen Diplomatie politische Bedenken, weil sie einen neuen Zugang zum Indischen Ozean schafft. Es gab darum politische Hemmnisse des Bahnbaues durch England. Die englische Regierung nahm den Sultan von Kaweit unter englisches Protektorat und be⸗ kam so den besten Ausgangspunkt der Bahn in ihre Gewalt. Da⸗ neben stellte England dem Bahnbau finanzielle Hindernisse. Es ver⸗ weigerte seine Zustimmung zu der von der Türkei projektierten Er⸗ höhung der Einfuhrzölle. Aus welchem Grunde? Die Zölle sind ja der Schuldenverwaltung verpfändet, also würde eine Erhöhung der Zölle nur deren Einnahmen steigern, was vielleicht schlecht für den türkischen Staat, aber sicher von Vorteil für dessen Gläubiger wäre. Gewiß, doch der Zollüberschuß sollte gleich zur Bestreitung der Baukosten der Bagdadbahn dienen— darum hinderte England die Zollerhöhung, um den Bahnbau zu verhindern. Ein kommer⸗ zur Läuterung der Welt von dem Abraum, den Regen, Wind end andere almosphärische Gewalten im Laufe ganzer Erd- — zielles Vorrecht, das übrigens an und für sich juristisch sehr anfecht⸗ bar ist, wurde auf diese Weise zu politischen Zwecken mißbraucht, * 1 1 1 1 1 * 1 1 1 1 1 1 N 1 5 5 1 * 0 1 ur 1— 9 Di 2 * je Rolle der zarischen Diplomatse in ber 1 i der Türkei. Doch müssen wir es dem kun 1 reiber, der das geheime Spiel dokumentarisch wir ke überlassen, d aufzudecken. Aus unserer Sammelmappe. om Panamakanal. Die Unton will aus ihrem Werke, daß ze Isthmus in Mittelamerika unter ungeheuren Kosten un ind einer fabelhaften Energie vollendet, auch für sich Be 8 e eig Schiffahrt in der Weise begünstigen, diesen auf er Vertrag ht die Behandlung der Angehörigen der eigenen Nalseg e der anderen regeln. Die anderen den Kanal urch den Vertrag nicht gehindert wer eigenen Angehörigen in diesem Falle Vergünstigungeg ir die Union selbst solle das nicht können. Das sel des Kanals er 8 ät der Unlon antaee 1 des Fal vor dem Haager Schiedsgericht wir cht beistimmen. So wird England nichts weiter lg 18 N.** 5 le 1 h C 2e Möglichkeit in der Hand, dee r Repress 1 Es bestel ilich zwischeg und Kanada V auf k ischem Terrs⸗ a 0 V n zen ein Vertrag, d nunmehr el ignorieren könnte wie die Unson des ncesote⸗Vertr. Allerdings würde das eine zweischneshih sein, denn Kanadas am K e Nachbarschaft ist eine 2 e, die E 5 t ße Unannehmlichkeilten e g Die Oz die beabsich Regelung hat 1 0 der amerikanisches ung gewählte Komitee beschloß, den zweiten Punkt der Bin, Damp 1(der weiten t) Befreiung — x an den beides ihrt von den der der an en Küste 1 dem 2 r e von Dampfern, die Eiseg hafte In dieser Jassung wur me t aber st e Maßr n den Panamakans 0 D 2 r S Igesellschaft, die sich den hen Händen befindet, hat seit drei Jahre des Pa alana u greifbarer Nähe sieh, 9 1 N hr im Weise gehoben, daß sich diese Maßre aufs glän⸗ 0 Die 1 g ze Reserven ange d d a U gen und Verbillig Id N ch vertiesen 12 Meter). er selbst den größten Schissen die Passage ge · f miteinander Ein zer Teil der amerikanischen Weit 5 Verkehr durch den Panamakanal leis, . t htete Verkehr benutzt den neunte 0 g ke der amerikan⸗ Ostk t A 2 en und der Westküste Aten 5 0 tet den. Für manche Teile Auen 1 Konk des Suezkanals in 2 r 7 ng der Frage, welcher der beiten * für die Fernschiffahrt in Betrach Komplex von Fragen auf. Der er g J Ostaft und Australtens 0 f h d be, wel Weg man auch der O— och die K Igeblihren und dis g haffung Betracht zu zlehen sind. ge Vortelle. nen bei der 2 K der Haup der Philippines, Suezk 21 2 Ausle für Kohlen, dagegen 4 5 kanal um 3000 Dollar wensger a e Sichssahrt wird der Weg nach r durch d 2 1 I. durch de 2 ezkanal hren, während der neue 5 h für 0 e Sch n Betracht käme, die Panamabill am meisten betroffen werden wirb, ferner den neufeeländischen Verkehr mit Europa.—