lee dug hing lt he⸗ en sie u ent unchen F en e eil i 0 dat cht t; ih fa ihren inge dringt ch lit Jögalg n ul Blüten Jalleg⸗ merk eile wilder 1 steg Duc Feigen welb⸗ fel Groh 91 lt f sc Fru liche, t, Fiese diesen 9 d thut t n it haf 5 10 all, Wissen istsnacht Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 50 Dienstag, den 18. März 1913 I. Jahrgang , ll. Karl Marr (Zum 14. März.) Im Reich der Geister gilt die Republik, auch das Genie darf sich hier nicht der Alleinherrschaft rühmen, hier gilt nur der innere Wert und das Wirken aus eigener Kraft. Aus eigener Kraft ist Karl Marr zu seiner überragenden Stel— lung als Nationalökonom, Sozialphilosoph und grundlegen— der Theoretiker des proletarischen Befreiungskampfes empor⸗ gestiegen, und mit jedem Jahr seit seinem Tode ist sein An— sehen gewachsen, sein Geist tiefer ins öffentliche Bewußtsein eingedrungen. Dieser Mann hat wie kaum ein anderer Streit in die Welt gebracht: Streit der Klassen, Theorien und Systeme. Um Marx ist gekämpft worden zwischen der So— zialdemokratie und den bürgerlichen Parteien, in der Sozial— demokratie selbst, schließlich sogar im Kreise seiner engeren und engsten Anhänger. Zu seiner Widerlegung wurde viel Scharfsinn, noch mehr Papier verbraucht. Kritiker wurden zu Schülern, Schüler zu Kritikern— und noch immer ist der geistige Prozeß nicht beendet, der unter Ausscheidung des Vergänglichen die dauernden Werte aus der Schöpfung des großen Forschers dem Wissenbestande der Allgemeinheit ein⸗— verleibt. Versetzen wir uns aber in die Zeit, die Marx und seine Lehre noch nicht kannte, dann können wir den großen 7 Fortschritt ermessen, der in diesem fruchtbaren Streit erzielt worden ist. Es klingt uns beinahe schon wie ein Märchen, daß man vor wenigen Jahrzehnten vom Kapitalismus als einer besonderen, erst gewordenen und darum auch ver⸗ gänglichen Periode in der Entwicklung der mensch⸗— lichen Wirtschaft nichts wußte, daß man die Lehre vom Ausbeutungscharakter des Kapitals und seinen Konzen- trationstendenzen für pseudowissenschaftlichen Aberglauben hielt, das Vorhandensein verschiedener, im Interessengegen⸗ satz zu einander stehender Klassen bestritt, von der unge⸗ heuren Bedeutung der wirtschaftlichen Gesellschaftsstruktur für die Gesamtheit aller sonstigen geschichtlichen, geistigen, rechtlichen, kulturellen Erscheinungen kaum eine leise Vorstel⸗ lung hatte. Der Nationalökonom, der stolz ist, einen Trug ⸗ schluß in der Werttheorie entdeckt zu haben, der geschichts⸗ philosophische Professor, der die materialistische Geschichtsauf⸗ fassung idealistisch widerlegt, der Minister, der gegen den marxistischen Geist der Negation wettert— sie alle ahnen nicht, wieviel vo nmarxistischen Gedankengängen in ihr eige⸗ nes Bewußtsein übergegangen ist. Nicht als verständnisvolle Leser Marxscher Schriften— das sind sie ja zumeist nicht— sondern als Kinder ihrer Zeit sind sie alle von einem Hauch Marxschen Geistes berührt, und sie könnten ihn gar nicht, ohne als vorsintflutliche Erscheinungen verlacht zu werden, 2 8 eee. r..—— PTPTCTFTCVTFTbTT—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—.. c——— 3— —...—— ͤ ͤ K——— Bernichten“, Wenn sie nicht selber schon von ihm sehr viel, eilich noch immer zu wenig, gelernt hätten. Es wird eine der reizvollsten Aufgaben für einen künf⸗ tigen Geschichtsschreiber des Marxismus sein, den verschlunge⸗ nen Wegen dieses geistigen Entwicklungsprozesses im ein- zelnen nachzugehen und zu zeigen, wie unter unaufhörlichen Marx⸗„Vernichtungen“, ja zum großen Teile durch sie, die Lehren von Karl Marz in die Köpfe eindrangen, und wie man allmählich begann, als Selbstverständlichkeit anzuer⸗ kennen, was man zuvor als Ungeheuerlichkeit bekämpft hatte. Das aber ist das Schicksal jeder bedeutenden Lehre— und je bedeutender sie ist, desto sicherer ist ihr dies Schicksal— daß sie unaufhörlich angegr iffen, mit Messern und Säuren der Kritik zersetzt und zer fetzt wird, um schließlich mit ihren Ewigkeitswerten in den Geist aller Denkenden einzugehen. Was den Werken von Karl Marz schöpferische Wirksam⸗ keit in die weitesten zeitlichen Fernen sichert, das sind nicht die Einzelheiten seiner subtilen Forschungen, um die jetzt noch innerhalb und außerhalb der Mauern gestritten wird, sondern es ist eben das, was über den notwendigerweise engen Kreis der Schule hinausdringt, in die Massen, was gestern wissenschaftliches Paradox war, heute gemeinplätzliche Selbstverständlichkeit geworden ist. An Marx erleben wir zum ersten Male die Erscheinung eines großen Denkers, der mit Bewußtsein auf Wirkung in die breite sten Massen des Volkes hinaus arbeitete. Und war es ein rührend naives Verkennen der Distanzen, wenn sich Marx einbildete, sein„Kapital“ sei so populär geschrieben, daß der einfachste Mann es ohne weiteres verstehen könnte, so war es doch wieder der Mut des Genies, der zwischen den höchsten Höhen der Wissenschaft und den tiefsten Tiefen des sozialen Daseins die verbindende Brücke schlug. Marx war, wie alle fruchtbar schaffenden Geister, im Grunde seines Wesens Optimist, und nur dadurch daß er trotz aller Schärfe der Kritik gegebene Schwierigkeiten zu en iedrig ein- schätzte, gelang es ihm, sie zu bewältigen. Die Erfüllung des Proletariats mit seinen Gedanken hat sich nicht so rasch und einfach vollzogen, wie er hoffte, nicht ohne Reibungen, Krisen, auch nicht ohne notwendige der fortschreitenden Ent— wicklung geschuldete Abweichungen. Dennoch: die Politik des Proletariats bewegt sich heute in marxistischen Bahnen, der Kern der marxistischen Lehre ist geistiges Gemeingut der zum klassenbewußten Denken erwachten Arbeiterklasse ge— worden. Auch das ist eine Erscheinung, die einzig in der Geschichte dasteht: daß die komplizierte Theorie eines großen Gelehrten so in das allgemeine Volksbewe tsein eindringt zum politischen Faktor wird. Verschiedene Zeiten haben verschiedene Volksmänner gesehen. Propheten, Agitatoren, Redner, Jour- nalisten, die an das Empfinden der Massen appellierten, an ihre religiösen Gefühle, ihre sittlichen Auffassungen, ihren bausbackenen Menschenverstand. Hier wird zum ersten Male der Philosoph, der tiefgründige Forscher zum Volksmann— und wenn es dem Mann zum Ruhme gereicht, daß das Volk und ihn verstehen lernte, so gereicht es noch mehr dem Volke zum Ruhme, daß es die Bedeutung des Mannes erkannte und der eigenen Sache dienstbar zu machen wußte. Marr der Helfer der Unterdrückten wurde, er- reichte er nach seinem Tode sein Schaffensziel. Er hat nicht sich selbst und seiner Größe gelebt. Er, der die moralisierende Betrachtung aus Reich der strengen Tatsachenerforsch⸗ ung verwies, folgte sein Leben lang dem Leitstern eines großen sittlichen Zieles, um dessentwillen er Not und solgung ertrug. Dieser Mann, der zum Ruhnie der deutschen Wissenschaft in der ganzen Welt so gewaltiges beitrug, starb im Exil. Wenn wir seine Größe anerkennen Größe der Sache, für die er lebte und der zu dienen auch unser Stolz ist. In tieferem Sinne wird hier ein oft ge⸗ brauchtes Wort wahr: Wenn Proletariat Karl Marx ehrt, ehrt es sich selbst. dem Mar Ver empfinden wir die schen Geistes zur Ruhe, der unter allen Als Karl Marr slarb. f Vor dreißig Jahren, am 14. März, ging der Klassiker des deut⸗ der stärkste Weltbeweger geworden ist. Aber als er starb war es für die bürgerliche Welt kein erschütterndes Excignis, nicht einmal eln Vorkommnis, das auf dem vergänglichen Papier eines Tageblattes eine kurze Erwähnung verdient hätte. Blättert man die führenden deutschen Zeitungen von damals durch, so findet man in den beiden„Weltblättern“, der demo⸗ kratischen Frankfurter Zeitung und der Münchner Allgemeinen Zeitung keinerlei Würdigung. Das Frankfurter Blatt nimmt über⸗ haupt von dem Todesfall keine Notiz, dagegen widmet sie dem mit Marx zu gleicher Zeit verstorbenen Berliner Poetaster Siegbert Meyer einen tief empfundenen Nachruf. Erst in einer Pariser Kor⸗ respondenz vom 19. März, in der über den Jahrestag des Kommune⸗ aufstandes berichtet wird, erfahren die Leser, daß Marx nicht mehr lebt:„In zwei Meetings wurde auch das Andenken des kürzlich verstorbenen Karl Marx gefeiert, und dessen wissenschaftliche Tätig- keit enthusiastisch gefeiert. Die von hier zum Begräbnis von Marx abgegangenen Delegationen sind nun wleder zurückgekehrt, und wie die Clémenceausche Justice heute berichtet, haben Friedrich Engels und Herr Liebknecht am Grabe gesprochen.“ Die Allgemeine Zeitung bringt immerhin bereits am 18. März unter„Verschiedenes“ eine Notig. Sie beginnt so: 1(Todesfälle). Karl Marx, der berühmte sozlalistische Schriftsteller und Organisattor, dessen Tod telegraphisch aus Paris gemeldet wurde...“ Es folgen einige Zellen dürrer biographischer Notizen, und un⸗ mittelbar darauf, nur durch einen Gedankenstrich getrennt, eben⸗ sovlel Zeilen über den verstorbenen italienischen Gesandten am ser— bischen Hofe, Tosi. Die Paxiser Korrespondenzen dieses Blattes sind in diesen Tagen voll von teils aufgeregt denunzierenden, teils höhnisch verächtlichen Berichten über die am Gedenktag der Kom- mune erwarteten Demonstrationen. Die Moral und den Tliefsinn in den sozlalen Auffassungen der damaligen bürgerlichen Jour- nalistik sei durch eine Probe vom 18. März gekennzeichnet: „Die Hunger-Emeunte endigte heute mit einem halben Hun⸗ dert Festessen des ständigen Publikums der revolutionären Ver- sammlungen. Die neuesten Schöpfungen eines praktischen und werktätigen Sozialismus verfehlen sibrigens nicht, einen tiefen Eindruck auf die wirklichen Arbeiterkreise hervorzubringen.“ Diesen praktischen und werktätigen Sozialismus, der die wirk⸗ lichen Arbeiter in die kapitalistische Stelle sicher zu rückloͤcken mußte, fand der Korrespondent in der weltgeschichtlichen Tat, daß eine Gruppe von Kapitalisten und Unternehmern in Paris einige Ar⸗ beiterhäuser bauen wollten. Eine ebenso auffällige wie ehrenvolle Ausnahme in der da⸗ maligen deutschen Publizlstik bildet ein das Gesamtwerk Marxens würdigender Nekrolog, der in der Kölnischen „als dessen Versasser man Lothax Bucher Der Artikel erschien am 16. März. Da war bewundernd Zeitung erschlen vermuten möchte. gesagt: g„Uunsere jüngere nationalötlonomische Schule steht insgesamt mit einem Fuß auf den Schultern von Marx, der einen nach⸗ haltigeren Einfluß auf die innere Politik aller zivilisiexten Staaten ausgeübt hat, als vielleicht irgend einer seiner Zeit⸗ genossen. Die Nationalökonomie, besonders in Deutschland, hat keinen Namen zu verzeichnen, der revolutionärer und ein⸗ schneidender gewirkt hätte auf die Massen sowohl wie auf die Gelehrten, als Karl Marx.. Es ist nicht möglich, über die wissen⸗ schaftliche Bedeutsamkeit und das politische Wirken eines Mannes wie Marx in Kürze abschließend zu urteilen. Unsere ganze innere Politik in Deutschlaud steht augenblicklich unter dem Ein⸗ sluß modifizierter Marxischer Anschauungen.“ Der Verfasser spielte damit auf die ersten Pläne der deutschen Arbeiterversiche rung an, für die er also die entscheidende Anregung der Grundauschauung Karl Marx zuschreibt, wenn auch mit„Modi⸗ sizlerungen“. Der Schluß des Aussatzes erhebt sich sast zu einen. Hymnus: „Ein ebenso uneigennützlger wie heroischer Befrelerder Arbeiterklasse zu selbständigem Auftreten gegenüber dem Kapitalismus, in gewissem Sinne ein Erlöser der Arbeitersklaven, ist er ebenso gewiß gewesen, wie er einer der schärssten Denker und fertigsten Dialek ⸗ tiker trotz Proudhon war, welche die nationalökonomif Wissenschaft se besessen. Man lxrt freilich, wenn man glau Marx habe alles aus eigenem Haupte heraus geschassen Jeden⸗ daß sein„Kapitol“ und das vorgängige kritische Werk„Zur Kri der politischen Oekonomie“ auf lange Ziiten 24 einzig in ihrer Art, zwar strittig, aber ilaf fich und ür seden salls aber lann man dem Dahingegangenen ius Grab nue — 1 9 * 4 0 — — 5 8 . R rer rr unentbehrlich bleiben, der sich mlt den sozialen und ökonomi⸗ schen Fragen ernstlich beschäftigen will.“ Z3u jener Zeit war gerade auch nach dem Alphabet der Band ber Allgemeinen Deutschen Biographie fällig, in den Marx Aufnahme finden konnte. So wurden denn in diesem, von der bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen hundertjährigen Sammelwerk, das keinen Müller und Schulze der deutschen Geschichte vergißt, sechseinhalb Seiten des 1884 erschienenen 20. Bandes ge⸗ widmet. Der Verfasser ringt sich einige Anerkennung ab, ohne das Gefühl der Komik zu haben für diese Art wohlwollender Schul— meisterei, durch die sich irgend eine vergängliche Null über den Mann und Schöpfer kritisierend erhebt. Es wird da von der„mehr negativen Lebeusanschauung“, von der„absoluten Mißachtung aller anderen Nationalökonomie“ mißbilligend gesprochen. Aber das Kommunistische Manifest neunt er immerhin ein wahres„Meister— stlick agitatorischer Geschicklichkeit“. g Es wäre eine sehr lustige Aufgabe, einmal zusammensustellen, wie sich das Bild von Karl Marz; in den verschiedenen Auflagen weit— verbreiteter Lehrbücher der Universitätswissenschaft wandelt, wie der Name aus einer kurz, vornehm und einfältig erledigenden Fuß— note bald in den Text hinaufsteigt, mit jeder Auflage einen immer größeren Raum beansprucht und vor allem der Quell der Aufklärung für die prosessoralen Kompendiumschreiber selbst wird. Seitdem füllen die Schriften über Marx ganze Bibliotheksäle. An allen Universitäten der Welt werden Vorlesungen über Karl Marx gehalten. Seine Ideen beherrschen die nationalökonomische Wissenschaft, auch dort, wo sie abgelehnt und eingeschränkt werden. Nur die deutschen Literaturgeschichten kennen den Schöpfer der müchtigsten politischen Urkunde des deutschen Schrifttums nicht. Jedes Schundromans gedenken sie, und jeder professoralen Ver⸗ gewaltigung der Geschichte. Aber der Mann gehört nicht zur deut⸗ schen Literatur, dessen kommunistisches Manisest die Welt erobert hat und sie gestaltete. Wenn denn einmal irgend ein fleißiger Kompilator auch Karl Marx ein paar Zeilen einräumt, so günstigen⸗ falls, um zu bedauern, daß er so viel Fremdwörter gebraucht habe. Nichts beweist eindringlicher die Armseligkeit der deutschen Literatur- geschichtsschreibung als dieses Verschweigen des stolzesten Namens der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. „ 1 Aus der Leideusgeschichte von Karl Marx. Seit dem Erscheinen der gründlichen und lichtvollen Studien Franz Mehrings über das Leben und das Werk von Karl Marx sind uns nur noch wenige Aufschlüsse über den großen Theoretiker und den erfolgreichen Organisator der internationalen Arbeiter— klassenbewegung zuteil geworden. In diesen Studien steckt eben auch der wertvollste Teil der geistigen Lebensarbeit von Franz Mehring. Deshalb tritt der Kenner der Marx-Publikationen Meh⸗ kings nicht mehr mit großen Erwartungen an die neuerscheinenden Schriften über Karl Marx heran. Und doch müssen wir gestehen, daß uns mancher Zug in der komplizierten Persönlichkeit des revo⸗ lutionären Denkers klar wurde, als wir den erbitterten Existenz⸗ kampf und die heroische Selbstbehauptung von Karl Marx aus dem biogvaphischen Werke John Spargos: Karl Marx, Sein Leben und Werks kennen lernten. Nicht absolut Neues trägt Spargo zur Biographie von Marx zusammen, denn viele der Einzel⸗ züge der Marxschen Persönlichkeit lernten wir schon aus früheren Publikationen kennen; aber diese Züge fügen sich bei Spargo zu einem geschlossenen Gesamtbild zusammen. Wer das Bittere und Gallige in dem Wesen von Marx ver⸗ stehen will, der muß den entsetzlichen Kleinkrieg des großen Mannes um das tägliche Brot kennen lernen. Wir lassen deshalb hier einige Auszüge aus dem Spargoschen Werke folgen: Frau Jenny Marx schreibt am 21. Mai 1851 an Weydemeyer: i Lieber Herr Weydemeyer! Mein Mann ist hier sast erdrückt worden von den klein⸗ lichsten Sorgen des Lebens, und zwar in einer so empörenden Form, seine ganze Energie, das ganze ruhige, klare, stille Selbstbewußt⸗ in seines Wesens nötig waren, um ihn in diesen täglichen, stünd⸗ n Kämpfen aufrecht zu erhalten. Sie wissen, lieber Herr Weyde⸗ meyer, welche Opfer mein Mann der Zeitung brachte, Tausende steckte er bar hinein, das Eigetnum der Zeitung übernahm er, be⸗ schwatzt durch die demokratischen Biedermänner, zu einer Zeit, wo g chon wenig Aussicht mehr zur Durchführung da war. Um die politische Ehre des Blattes. um die bürgerliche Ehre der Kölner sekannten zu retten, ließ er sich alle Lasten aufbürden, seine Maschine gab er hin, alle Einnahmen gab er hin, ja beim Fortgehen borgte — — Karl Marx. Sein Leben und Werk. Von John Spargo. ielen Porträts aus der Geschichte des frühen Sozialismus ert 9 Mark. Leipzig. 1912. Felix Meiner. er dreihundert Taler, um die Miete für das neugemietete Lokal, um die rückständigen Honorare für Redakteure usw. zu zahlen— und er war gewaltsam vertrieben. Sie wissen, daß wir von allem nichts für uns übrig behalten haben; ich kam nach Frankfurt, um mein Silberzeug zu versetzen, das letzte, was wir hatten; in Kölr ließ ich meine Möbel verkaufen. Mein Mann ging, als die ungkück sche Konterrevolution anbrach, nach Paris, ich folgte ihm mit meinen drei Kindern. Kaum in Paris eingewohnt, wieder vertrieben, mir selbst und meinen Kindern wird der längere Aufenthalt versagt. Ich folgte ihm wieder übers Meer. Nach einem Monat wird unser viertes Kind geboren. Sie müßten London und die hiesigen Ver⸗ hältnisse kennen, um zu wissen, was es heißt: drei Kinder und die Geburt eines vierten. Miete allein mußten wir monatlich 42 Taltr bezahlen. Alles dieses waren wir imstande, aus eigenem auf⸗ genommenen Vermögen zu bestreiten. Aber unsere kleinen Ressourcen erschöpften sich, als die Revue erschien. Trotz Uebereinkunft trafen die Gelder nicht ein und dann in einzelnen kleinen Summen, so daß wir in die schrecklichsten Lagen gerieten. Ich werde Ihnen nur einen Tag aus diesem Leben schildern, so wie er war, und Sie werden sehen, daß vielleicht wenige Flüchk⸗ linge ähnliches durchgemacht haben. Da die Ammen hier uner⸗ schwinglich find, so entschloß ich mich, trotz beständiger schvecklicher Schmerzen in der Brust und im Rücken, mein Kind selbst zu er⸗ nähren. Der arme kleine Engel trank mir aber so viel Sorgen und stillen Kummer ab, daß er beständig kränkelte, Tag und Nacht in heftigen Schmerzen lag. Seit er auf der Welt ist, hat er noch keine Nacht geschlafen, höchstens zwei bis drei Stunden. In der letzten Zeit kamen nun noch heftige Krämpfe hinzu, so daß das Kind beständig zwischen Tod und elendem Leben schwankte. In diesen Schmerzen sog er so stark, daß meine Brust wund ward und aufbrach; oft strömte das Blut in sein kleines bebendes Mündchen. So saß ich eines Tages da, als plötzlich unsere Hauswirtin erschien, der wir im Laufe des Winters über 250 Taler gezahlt hatten, und mit der wir kontraktlich übereingekommen waren, das spätere Geld nicht ihr, sondern ihrem Landlord auszuzahlen, der sie früher hatte pfänden lassen. Sie leugnete nun den Kontrakt und forderte fünf Pfund, die wir ihr noch schuldeten, und als wir sie nicht gleich hatten, traten zwei Pfänder ins Haus, belegten alle meine kleine Habe mit Beschlag, Betten, Wäsche, Kleider, alles, selbst die Wiege meines armen Kindes und die besseren Spielsachen der Mädchen, die in heißen Tränen dastanden. In zwei Stunden drohten sie alles zu tehmen— ich lag dann auf der flachen Erde mit meinen frierenden Kindern, mit meiner wehen Brust. Schramm, unser Freund, eilt in die Stadt, um Hilfe zu schaffen. Er steigt in ein Kabriolett, die Pferde gehen durch, er springt aus dem Wagen und wird uns blutend ins Haus gebracht, wo ich mit meinen armen zitternden Kindern jammerte. Den Tag darauf mußten wir aus dem Hause, es war kalt und regnerisch und trüb, mein Mann sucht uns eine Wohnung, niemand will uns nehmen, wenn er von vier Kindern spricht. Endlich hilft uns ein Freund, wir bezahlen und ich verkaufe rasch alle meine Betten, um die vom Skandal der Pfändung ängstlich gemachten Apotheker, Bäcker, Fleischer, Milchmann zu bezahlen, die plötzlich mit ihren Rechnungen auf mich losgestürmt kommen. Die ver⸗ kauften Betten werden vor die Tür gebracht, auf eine Karre ge⸗ laden— was geschieht? Es war spät nach Sonnenuntergang ge⸗ worden, das englische Gesetz verbietet das, der Wirt drängt mit Konstablern vor, behauptet, es könnten von seinen Sachen dabei sein, wir wollten durchgehen in fremdes Land. In weniger als fünf Minuten stehen mehr als zwei⸗ bis dreihundert Leute vor unserer Türe, der ganze Mob von Chelsea. Die Betten kommen zu⸗ rück, erst am anderen Morgen nach Sonnenaufgang dürfen sie dem Käufer übergeben werden. Als wir nun so durch den Verkauf un⸗ serer sämtlichen Habseligkeiten in den Stand gesetzt waren, jeden Heller zu zahlen, zog ich mit meinen kleinen Lieblingen in unsere jetzigen zwei kleinen Stübchen im deutschen Hotel, 1 Leicester Street, Leicester Square, wo wir für 5½ Pfund die Woche menschliche Auf⸗ nahme fanden.“ 5 3 Ueber die Londoner Leidenszeit von Marx schreibt Spargo: Mit fünf Dollars in der Woche war es kaum möglich, sich vor dem Verhungern zu schützen und vollends gar nicht 3 gegen die harte, drückende Armut anzukämpfen. Marx dachte oft daran, sich als einzige Rettung eine Stelle in einem Geschäft zu suchen, doch seine treu ergebene Frau hielt ihn immer wieder zurück, da sie die Sache ebenso liebte wie er selbst. So kam es, daß bie außerordentliche Ausgabe infolge der Krankheit eines ihrer Kinder den Haushalt in undenkbar große Not brachte. Ebenso war es, als Anfang 1852 das vierte Kind, Heinrich, starb. Zum erstenmal hatte der Tod das dürftige Heim aufgesucht, ein Schlag, der auf die Eltern um so schwerer fiel, weil sie sehen mußten, wie das Kleine, das aus der erschöpften Brust der Mutter das Blut herausgesogen hatte, buchstäblich der Armut zum Opfer gefallen war Bald darauf, als noch der Schatten dieses großen Kunune auf ihnen ruhte, wurden ihre Herzen von einem neuen Schlage ge⸗ troffen. Kurz nach dem Tode des vierten Kindes verloren sie auch noch das fünfte Kind, die kleine Franziska. Wo war das in seiner Jugend so sprichwörtliche„Marx⸗Glück“ geblieben? Das Tagebuch der Mutter enthält eine Schilderung des Leidens und Unglücks der Familie in jenen Tagen, die in ihrer grimmen Beredsamkeit ge⸗ radezu entsetzlich ist: „Ostern 1852 erkrankte unsere arme leine Franziska an elner] d schweren Bronchitis. Drei Tage rang das arme Kind mit dem Tode. Es litt so viel. Sein kleiner entseelter Körper ruhte in dem kleinen hinteren Stübchen, wir alle wanderten zusammen in das vordere, und wie die Nacht heranrückte, betteten wir uns auf die Erde. Da lagen die drei lebenden Kinder mit uns, und wir weinten um den kleinen Engel, der kalt und erblichen neben uns ruhte. Der Tod des lieben Kindes fiel in die Zeit unserer bittersten Armut. Unsere deutschen Freunde konnten uns nicht helsen. Engels mußte, nachdem er sich in London vergeblich um literarische Arbeit bemüht hatte, unter sehr ungünstigen Bedingungen als Klerk in die Firma seines Vaters in Manchester eintreten: Ernest Jones, der uns in dieser Zeit besuchte und versprochen hatte, zu helfen, konnte nichts tun. 0 0 d In der Angst me Flüchtling, der in der Nähe w ines Herzens lief ich zu einem französischen ohnte und der uns kurz vorher besucht hatte. Er gab mir gleich mit der freundlichsten Teilnahme zwei J Reiche 0 0 g 5* 5 Pfund Sterling. Mit ihnen wurde der kleine Sarg bezahlt, in dem] Ding schwärzer mit seinem Gegenteil. Die Maschine ist mit mein armes Kind nun jetzt in Frieden schlummert. Es hatte keine] der wundervollen Kraft begabt, die menschliche Arbeit zu ver⸗ letzte kleine Behausung Wiege, als es zur Welt kam, und auch die let hinausgetragen wurde, war ihm lange versagt. Wie war uns, als es zu seiner letzten Ruhestätte!“ Das Jahr 1861 war das magerste Jahr unter den vielen Hunger⸗ jahren für Marx. Spargo schreibt: Der Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges im Jahre 1861 brachte für Marx neues Unglück. Die Newyork Tribune gab ihre Londoner Korrespondenz auf, so daß Marx die einzige regelmäßige und sichere Einkommensquelle, die er hatte, verlor. So mußte er sich mühsam Arbeit suchen, um sich und seine Familie vor der Ge⸗ fahr zu schützen, eines Tages auf die Straße geworsen zu werden. Das meiste dieser Arbeiten war nur schlechtbezahlte Lohnarbeit Marx war sehr entmutigt und unglücklich und entschloß sich, sein Augenmerk auf irgend etwas„Praktisches“ zu richten. Gegen Ende 1862 versuchte er nach einem Jahre außerordentlicher Mühsal den Posten eines Schreibers im Eisen bahndienst zu erhalten und ward sehr enttäuscht, als er die Stellung wegen seiner schlechten Handschrift nicht erhielt! Angesichts dieser Mißhelligkeiten konnte die Arbeit an seinem Buche nur sehr langsam fortschreiten. Wir wundern uns nicht dar⸗ über, daß sie so langsam vonstatten ging, sondern darüber, daß sie überhaupt einen Fortgang nahm. Erst Ende 1862 lag der erste Band schriftlich vor, und Marx konnte an Kugelmann schreiben:„Der zweite Teil ist nun endlich fertig, das heißt bis zum Reinschreiben in der letzten Feilung für den Druck.“ Er hoffte damals, in der ersten Woche des Jahres 1863 mit der Abschrist zu beginnen und dann, sobald das Werk fertig war, das Manuskript nach Deutsch⸗ land mitzunehmen und für seine Veröffentlichung Vorlehrungen zu treffen. Damals ließ er sich nicht träumen, daß er erst nach 5 Jahren diese Reise unternehmen konnte, und daß er in der Zwischenzeit eine große internationale Bewegung ins Leben rufen würde, welche die Regierungen der halben Welt in Schrecken setzen würde. k 0 0 0 2— Eine Rede von Karl Marx.“ Vorbemerlung des derausgebers: Am 14. April 1850 hat die Londoner Chartistische Organisation, die das Peoples Paper(Die Volks- Zeitung) unter der Redaktion von Ernest Jones herausgab, den Setzern und der Administration anläßlich der vierjährigen Existenz des Blattes ein Fest gegeben. Bei dieser Gelegenheit hat Marx, der jahrelang ein eifriger Mitarbeiter und Be⸗ rater auch dieses chartistischen Unternehmens war, die nachfolgende Rede gehalten. Sie ist in The peoples Paper vom 19. April 1856 veröffentlicht worden. R. Niasanoff. Die sogenannten Revolutionen von 1848 waren nur kleine Zwischenfälle— geringfügige Spalten und Risse in der harten Kruste der bürgerlichen Gesellschaft. Aber sie zeigten den Abgrund. Unter der scheinbar festen Oberfläche offenbarte sich ein ungeheurer Ozean, der nur der Expansion bedurfte, um ganze Kontinente in Stücke zu zerschmettern. Lärmend und verworren kündeten sie die Emanzipation des Prole- tariats an, das heißt, das Geheimnis des 19. Jahrhunderts und seiner Revolution. Es ist wahr: diese Revolution war keine Erfindung des Jahres 1848. Dampf, Elektrizität und e Wir entnehmen diese bisher noch nie veröffentlichte Rede von Karl Marx der vorzüglich ausgestatteten, mit zahlreichen Bildern versehenen Wiener März und Marx-Gedeukschrist, die zum Preise von.. 20 Hellern— 20 Pfennigen bei allen Kolporteuren zu haben ist. Bekanntlich wurde die erste Auflage dieser Gedenkschrift an die Märzgefallenen wegen des schönen Titelbildes vor 3 Wochen Charakter, als die Bürger Barbds, Raspail und Aber obwohl die Atmosphäre, die wir atmen, au uns mit einem Gewicht von 20 000 Pfund lastet, fühlen S — die vielgenannten Schrecken aus den letzten Zeiten des Römi⸗ schen Reiches in Schatten stellt. Funger und Ueberarbeit. Reichtums werden durch ein seltsames Spiel des Schick wird Herr in der Natur, aber der Mensch wird Sklave des Menschen, wird Sklave seiner eigenen Niedertracht. Sogar das reine Licht der Wissenschaft kann, so scheint es, nur vor dem dunkeln Hintergrund der Unwissenheit aufstrahlen. Das Ergebnis aller unserer Erfindungen und unseres Fortschrit? tes scheint zu sein, daß materielle Kräfte mit geistigem Leben materiellen Kraft moderner Industrie und Wissenschaft hier, und kräften und den gesellschaftlichen Verhältnisse ist eine Tatsache, eineshandgreifliche, überwältigende und un⸗ bestreitbare klagen; andere mögen wünschen, die modernen Fertigkeit loszuwerden, um so auch die modernen Konflikte loszuwer⸗ den. Fortschritt in der Wirtschaft zu seiner Vervollkommnung einen wissen, daß die neuen Kräfte der Gesellschaft, um gutes Werk ie Selfaktoren waren Revolutionäre von viel ge—— er jedem von 2 32 Ebensowenig wir die europäische Gesellschaft von* ie doch von revolukionärer Luft umhüllt und von allen eiten bedrängt war. Es gibt eine große Tatsache, die as 19. Jahrhundert charakteristsch ist und die keine Partei Auf der einen Seite sind industrielle und 2 ableugnen kann. wissenschaftliche Kräfte zum Leben erwacht, wie sie keine. frühere Geschichtsperiode je ahnen konnte. Auf der ande en f Seite machen sich Anzeichen eines Verfalles bemerkbar, der — In unserer Zeit scheint jedes ürzen und fruchtbarer zu machen, aber siehe: sie führt zu Die neu entfesselten Kräfte als zu Quellen der Entbehrung. Die Siege der Kunst 1 cheinen durch Einbuße an Charakter erkauft. Die Menschheit ausgestattet werden, während die menschliche Existenz zu einer verdummt. Dieses Widerspiel zwi chen modernem Elend dieser Gegensatz zwischen den Wirkschasts⸗ n unserer Zeit No Ve rfall dort; — 7 * atsache. Manche Parteien mögen darüber wehe Oder sie mögen sich einbilden, daß ein so erkennbarer :; T ebenso erkennbaren Rückschritt in der Politik braucht. Mir für unseren Teil mißkennen den schlauen Geist nicht, der rüstig fortfährt, alle diese Gegensätze herauszuarbeiten. Wir brauchen— und 5 gut ein Erzeug- zu verrichten, nur neue Menschen dies sind die Arbeiter. Sie sind so 55 nis der Gegenwart, wie die Maschine selbst. In den Zeichen, welche das Bürgertum, den Adel und die armseligen Pro- pheten des Rückschritts in Verwirrung bringen, entdecken wir unseren guten Freund, unseren Robin Hood, den alten Maulwurf, der so schnell in der Erde arbeiten kann— die Revolution. Die englischen Arbeiter sind die Erst- geborenen der modernen Industrie. Sie werden daher sicher⸗ lich nicht die letzten sein, die soziale Revolution, das Produkt eben dieser Industrie, zu fördern: eine Revolution, die die Befreiung ihrer ganzen Klasse in der ganzen Welt 7 die so international ist wie Kapitalsherrschaft und stlaverei. Ich kenne die heldenhaften Kämpfe, welche die eng · lischen Arbeiter seit der Mitte des letzten Jahrhunderts aus- gefochten haben; Kämpfe, die weniger von Ruhm begleitet waren, weil sie von den bürgerlichen Geschichtsschreibern im Dunkeln gelassen und totgeschwiegen wurden. Im i a alter existierte in Deutschland, um die Untaten der Herrschen⸗ den zu rüchen, ein geheimes Tribunal, das„Jemgericht“. Wenn an einem Hause ein rotes Zeichen zu sehen war, so wußte man, daß sein Eigentümer der Feme verfallen war. Heute steht auf allen Häusern Europas das geheim i 5 rote Kreuz. Die Geschichte selbst sitzt zu Gericht— der das Urteil vollstreckt, ist das Proletariat! e Barbes wie Blanqui, französischer Revolutionär, der an allen ö französischen Kämpfen und Verschwörungen seiner Zeit gel Raspafl, Arzt und bürgerlicher Demokrat. 3 von der Preß⸗Polizei konfisziert.