enz eh pig Nagel F abet l. r efglüt Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Polkszeitung Nummer 2 Dienstag, den 15. April 1915 2. Jahrgang Josef Dietzgen. (Gestorben am 15. April 1888.) Von Adolf Hepner. Johann Sebastian Bach blieb ein volles Jahrhundert nach seinem Tode nahezu ver— gessen. Baruch Spinoza starb— wofern außerhalb seiner holländischen Heimat überhaupt gekannt— mehr berüchtigt als berühmt, und seine Schriften, obwohl in der damaligen Gelehrtensprache aller Na⸗ tionen, der lateinischen verfaßt, beein— flußten erst nach mehr denn drei Gene— rationen einige der führenden Geister. Josef Dietzgen, der heute vor 25 Jahren starb, existiert bis jetzt noch nicht für die deutschen Universitäten. Aber auch außer- halb der offiellen Gelehrsamkeitsstätten, selbst im sozialistischen Lager, hat er nur bei Vereinzelten volle, gerechte Würdigung bisher erfahren. Daß seine Schriften in den höheren und gutem Recht die Theorie von der Ent— stehung des Menschen aus dem Universum — in der stufenweisen Entwicklung des Un⸗ organischen zum Organischen, des Organi— schen zu Lebewesen usw.— als den Schluß⸗ stein des monistischen Gedankenbaues rühmen. Der literarischen und mündlichen Agitation unseres Parteiziels öffnet sich in Dietzgens Darleg⸗ die vor jeder anderen sogar den Vorzug besitzt, immer frisch zu bleiben, weil die Naturwissenschaft unserer Tage, mit ihren stetigen Fortschritten, für den„Universal⸗ zusammenhang“ unausgesetzt verstärkte Be⸗ weise herbeibringt. Dieses ausgezeichnete praktische Pro⸗ Akademikerkreisen ignoriert wurden, läßt sich unschwer erklären: er war ein„Unzünftiger“; unterzeich⸗ nete er doch die Vorrede zum„Wesen der menschlichen Kopf— arbeit“, seiner 1869 erschienenen grundlegenden Erstlings— arbeit:„Josef Dietzgen, Lohgerber“. Nicht einmal„Doktor“ und nennt sein Büchlein von etwa 100 Seiten„Eine aber— malige Kritik der reinen und praktischen Vernunft!“ Etwas umständlicher gestaltet sich eine Erörterung der Frage, wieso verhältnismäßig nur wenige Sozialisten in Dietzgens Schriften zu Hause sind, obwohl er sie ihnen in erster Linie zugedacht hat. Zwar einige der kleineren Abhandlungen— insbeson⸗ dere„Die Religion der Sozialdemokratie“— sind in etwa 30 000 Exemplaren im Laufe einer Generation in die Reihen gebildeter Arbeiter gedrungen, die ihr Entzücken daran fan⸗ den. Dabei blieb es aber, auch in den Regionen der führen— den Elemente der Partei— die dann dem Irrtum verfielen, ihren Dietzgen zu„kennen“. Mit nichten! Es gibt keinen Philosophen, den man, ohne in seinen Hauptschriften Bescheid zu wissen, aus seinem Beiwerk beurteilen kann— keinen in der ganzen Welt. Selbst wer, wie Dietzgen, sich vielfach wiederholt, muß von A bis Z durchstudiert werden, und gerade wegen seiner mit neuen Zutaten verbundenen Wiederholungen, aus denen eine Er⸗ weiterung des Horizonts resultiert. Manch einen, der nur mit Dietzgens kleineren Abhand- lungen vertraut ist, hörte man in den letzten Jahren sagen: „Ich verehre ihn als einen geistvollen Denker, aber Neues hat er mir eigentlich nicht gesagt.“ Mir sehr vieles Neue— aber freilich erst, nachdem ich den ganzen Dietzgen mir zu eigen gemacht. Mein Hauptgewinn war die volle Erkenntnis der Lehre vom„Universalzusammenhang“, die sich wie ein roter Faden durch alle Schriften unseres Philosophen zieht und— neben den ökonomischen Tatsachen— die stärkste Stütze des Sozia⸗ lismus abgibt. Zwar weist auch die moderne Naturwissen⸗ schaft in allen ihren Zweigen die Einheit des Universums auf, aber selbst ihre berufensten Vertreter gebieten Halt ihrem „Monismus“ vor den Toren der Zitadelle der sozialen Klafsenprivilegien, obwohl sie mit Vorliebe und Nachdruck unbenutzt lassen, wie sie sich gleichzeitig bemühen sollte, die in die Länge und Breite sich zusehends ausdeh⸗ nende Arbeiterbewegung durch Dietzgens Erkenntnis⸗ lehre theoretisch zu vertiefen. Was wir seit Marr und Engels unter„materialistischer Geschichtsauf⸗ fassung“ verstehen, findet seine erkenntniswissenschaftliche Be⸗ gründung in Dietzgens Denklehre, dem obengedachten„Wesen der menschlichen Kopfarbeit“ von 1869 und seinen späteren Schriften. Dort lernen wir zunächst, daß das Denken sinn⸗ liches Material voraussetzt, ohne Sinneseindrücke kein Denken möglich ist. Zwar haben dies andere vor Dietzgen bereits gelehrt, aber unter Offenlassen einer Hintertür: Was wir mit den Sinnen nicht wahrnehmen können, wie den Schöpfer des Alls, überlassen wir getrost der Phantasie, der Einbildung, dem blinden Glauben. Dietzgens Arbeit präsentiert nun das Neue, mit jener „Metaphysik“(Uebersinnlichkeitslehre) gründlich aufzuräu⸗ men und das Denken, den Geist als eine natürliche Kraft ein für allemal an sinnliches Material, an Stoff unlöslich zu binden. Die Gottesfrage speziell oder auch das Forschen nach der Ursache des Weltalls verweist Dietzgen von der Tagesordnung in folgender Weise: Da der Mensch ein Teil des sinnlich gegebenen Universums, sein Geist ebenso wie sein Körper aus Stoffen des Universums organisch entstanden ist, da er nicht denken kann ohne das Denkmaterial eines sinnlich gegebenen Stückes des Universums, kann er über das Uni⸗ versum hinaus oder hinter demselben nichts erforschen, nichts erfassen, nichts erfahren; die Frage nach dem Ursprung des Seins ist also keine dem menschlichen Denken zugehörige; wir haben vielmehr das Universum als unbedingte Vor- aussetzung des Denkens an⸗ und hinzunehmen. Welcher Denker vor Dietzgen hat die mystische Meta⸗ physie so logisch und einfach abgetan wie er? Welcher Philo⸗ soph vor Dietzgen verstand es, wie er, den„freidenkerischen“ Zweillern— den„Agnostikern“, die Gott weder bejahen noch verneinen mögen— die verlorene Gemütsruhe wiederzu⸗ geben! Dietzgen hat in seinem„Wesen der menschlichen Kopf⸗ arbeit“ als exstex auf naturwissenschaftlich kontrollierbare ungen eine reiche Quelle neuer Nahrung, pagandamittel sollte die Partei nicht länger — . ä —.. rr — — — Beise begründet, was Denken, Wissen und weiterhin Wissen⸗ schaft bedeuten und uns damit eine zuverlässige, folgerichtige Denkmethode an die Hand gegeben, die mit der„aprioristi⸗ schen“— d. h. einer von der Erfahrung unabhängigen, aus der Vernunft selbst stammenden— Erkenntnis der Alt- und Neu-Kantianer räumt und uns lehrt weder eine über⸗ triebene noch eine zu geringe Vorstellung von der Bedeutung wissenschaftlicher Regeln und Gesetze zu hegen. Daß auch die „unwandelbaren Naturgesetze“ dem Flusse der Entwicklung unterworfen sind, zeigt uns zuerst überzeugend Dietzgens Er- kenntniskritik, in Uebereinstimmung mit den neuesten Forsch⸗ ungen von Naturwissenschaftern wie Mach, Duhem, Verworn usw. Einen wesentlichen Teil von Dietzgens Erkenntnislehre bilden seine Ausführungen über das„Absolute und Rela⸗— tive“, das„Allgemeine und Besondere“, die eine sehr ein⸗ leuchtende Lösung der Probleme von„Kraft und Stoff“, „Geist und Materie“ enthalten. Es gibt nur ein Absolutes oder Unbedingtes, nur eine absolute Wahrheit: das Weltall, das Universum— endlos in Zeit und Raum, ohne Anfang und ohne Aufhören; alle Teile und Stücke des Universums, einschließlich des Menschen, sind relativer Natur, d. h. hängen miteinander zusammen, voneinander ab und verändern sich durch ihre komplizierte gegenseitige Beeinflussung. Weil nur das Universum absolut, jedes seiner zahllosen Teile und unendlich kleinen Teilchen relativ d. h. bedingt ist, kann es keine absoluten Wahrheiten, keine absolute Moral, kein absolut Gutes oder Böses, kein absolntes Recht geben; denn der Gedanke von Wahrheit, Moral, Gut und Böse und von Recht erfließt aus veränder- licher materieller Quelle: aus wandelbaren Umständen der Zeiten und Gegenden; auch der Gedanke von„Wahrheit“, „Mora!“ usw. ist an sinnlichen Stoff gebunden. Die Rela⸗ tivität oder Bedingtheit aller Dinge und Vorgänge durch ihren organischen Zusammenhang mit dem Universum und dessen einzelnen Teilen involviert auch die Relativität der— aus der Verbindung der Materie mit unserer Gehirnnerven— tätigkeit erzeugten— Ideen. Dies gemahnt zur Toleranz gegen Andersdenkende und sollte uns abhalten, Geschehnisse der Vergangenheit und Gegenwart von ausschließlich ein— seitigem Standpunkte zu betrachten. Daher geht bei Dietzgen, parallel mit der Lehre von der absoluten Eigenschaft des organischen Universalzusammenhanges und der relativen Natur jedes seiner Teile, die Verneinung der hergebrachten Annahme„absoluter Gegensätze“ und die Exläuterung der Relativität aller Gegensätze, sowie deren Auflösung durch Aufdeckung des„Allgemeinen bezw. Gemeinschaftlichen“ in ihnen. Diesem wichtigen und hochinteressanten Teile seiner Denkiehre hat unser Autor ganz besondere Pflege zuteil wer⸗ den lassen. Es erscheint mir kaum möglich, daß ein Sozialist wosern seine geistige Konsumfähigkeit nicht durch alte Vor- urteile eingeschränkt ist— nach ernsthaftem Studium von Dietzgens„Sämtlichen Schriften“ dieselben aus der Hand legen kann, ohne sich in seiner Weltanschauung bereichert, in seiner Erkenntnismethode geläutert, in seiner Ueberzeugung gestärkt zu fühlen. und nicht nur das. Die originelle Schönheit seiner Sprache, der verblüffende Reichtum an Weisheitssprüchen sicheri einem namljaften Teile von Dietzgens Schriften von ihrer rein philosophischen Bedeutung ganz abgesehen einen Platz unter den großen Literaturzierden der Welt. „Das uschlichen Kopfarbeit“ speziell halte ich für ein Kunstwerk ersten Ranges, das man wie jedes andere Meisterwerk nie genug betrachten kann, weil sein An; blick jedesmal nicht nur frischen Genuß am Bekannten ge- sdährt. sondern immer neue Herrlichkeiten auslöst, an denen es schier unerschöpflich erscheint. Zur Einführung in Josef Dietzgens Denklehre und Weltanschauung ist Mindergeschulten das Büchlein von Henriette Roland-⸗Holst zu empfehlen. Dann nehme man den ersten Band der„Sämtlichen Schriften“ zur Hand und lese „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit“ mehrere Male in nicht zu langen Zwischenräumen. Ich kenne den Einwand:„Philosophie ist für den Arbei- ter zu schwierig.“ Auf Dietzgens Schriften trifft dies nicht zu; nur an wenigen Stellen darin begegnet man Schwerver⸗ ständlichem, sehr selten einem unklaren Ausdruck. Im Ver⸗ gleich mit der Diktion von Marx'„Kapital“ ist die Dietzgen⸗ sche Begriffsentwicklung wahrhaft populär zu nennen. Wer „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit“ studiert hat, be⸗ greift auch leichter„Das Akquisit der Philosophie“ und die „Logischen Briefe“, sowie die„Streifzüge ins Gebiet der Er- kenntnistheorie“ und die kleineren Schriften. 2 * Josef Dietzgen erlag einem Herzschlag, 20 Jahre nach Be⸗ ginn seiner philosophischen Schriftstellertätigkeit, der er per⸗ sönliche Propaganda auf dem Fuße folgen zu lassen, zu be⸗ scheiden war; er lebte aber, wie wir wissen, der Ueberzeugung, daß die ihm anerkennende Zeit unfehlbar kommen werde. Zur Schätzung des Charakters dieses seltenen Mannes gelangt man durch den dem ersten Bande seiner„Sämtlichen Schriften“(1911, München) vorgedruckten, von seinem Sohne Eugen verfaßten„Lebensabriß“, in Verbindung mit den im dritten Bande befindlichen Privatbriefen Josef Dietzgens an seinen Sohn in Amerika. Der Arbeiter-Philosoph. (Joseph Dietzgens Werk.) Obgleich mit der Ausbreitung der modernen Arbeiterbewegung innerhalb des Proletariates das Interesse für theoretische Dinge in erfreulichem Maße wächst, so steht es doch noch lange nicht in dem rechten Verhältnis zu dem Umfange und der Bedeutung dieser Be⸗ wegung. Es ist daher durchaus notwendig, auf den großen Wert des Studiums der theoretischen Werke des Sozialtsmus energisch hinzuweisen, weil es im Interesse der selbständigen geistigen Jort⸗ entwicklung des Proletariates unbedingt erforderlich ist. Auch heute noch werden die Klassiker des modernen Sozialismus mehr in populären Uebertragungen als wie im Original gelesen. Das ist für den Anfänger natürlich auch der gangbarste Weg. Die großen Denker und Vorkämpfer des Proletariates hatten zwar durchaus nicht die Absicht, Lehrbücher im wissenschaftlichen Jargon in die Welt zu schicken, die nur dem erleuchteten Verstande der Akademiker faßbar, aber es war ihnen natürlich auch nicht möglich, in der landläufigen vulgären Sprache zu reden, darunter hätte der Gegenstand leiden müssen. Bei einigem intellektuellen Ernst und Fleiß ist es jedoch dem Arbeiter wohl möglich, Marx, Engels, Lassalle und Dietzgen im Original zu lesen. Besonders das Studium des letzteren ist von der Arbeiterschaft arg vernachlässigt worden. Wir können daher den 25. Todestag Dietzgens nicht würdiger begehen, als erneut auf sein Lebenswerk aufmerksam zu machen. Der Verlag der Dietzgenschen Philosophie in München hat des Philosophen Werke in drei Bänden heraus- gebracht(Preis 12 Mark); außerdem sind einzelne grundlegende Arbeiten gesondert erschienen. Im Interesse der Einheitlichkeit ist die Gesamtausgabe zu begrlißen und kann den Bibliotheken zur Anschaffung empfohlen werden. Der theorelisch weniger Geschulte mag zunächst dle prachtvolle Einführung in die Dietzgensche Philosophie von Henriette Roland⸗ Holst lesen. Die Verfasserin hat es vorzüglich verstanden, den Kern der Dietzgenschen Philosophie in klarer, leichtverständlicher Weise herauszuarbeiten. Das umfangreiche Kapitel„Die Bedeu⸗ tung der Dietzgenschen Philosophie für das Proletariat“ führt den überzeugenden Nachweis, daß diese Theorie für das volle Verständ⸗ nis des Klassenkampfes fehr von Vorteil ist. Die Grundlage des modernen wissenschaftlichen Sozialismus ist der dialektische Materialismus, wonach alle Dinge in Natur und Gesellschaft auf relativen, vermittelbaren Gegensätzen beruhen; aus ihrer sich beständig erneuernden Tätigkeit entspringt alle Ent⸗ wicklung. Marx und Engels begründeten dieses theoretische Prinzip aus der bisherigen Geschichte der Menschheit, aus ihrem früheren und gegenwärtigen Denken und Tun. Dann untersuchten sie mit Hilse der neu gewonnenen Methode die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft, führten mit zwingender Klarhelt und Ob sektivität Nachweis der zeitlich⸗historischen Bedingtheit des Kapltalismus, kamen zur Begründung des wissenschastlichen Sozialismus. Dietz⸗ gen nun wandte die Methode des dialektischen Materialismus, zu⸗ nächst auf Marx sußend— er bekannte sich gern und oft als Marx⸗ schüler— später selbständia auf den Entwicklungsprozeß der natiͤr⸗ lichen Dinge an, genau so, wie sie Marx zur Erforschung der gesell⸗ schaftlichen Verbaltuiffe benuste. Beide kamen auch im welentlichen zu gleichen Resultaten. Damit wurde der dialektische Materlalis⸗ mus phllosopbische, erkenntniskritische Methode— und Marx und Dietzgen— 5 seitdem unzertrennlich zusammen. Der Inhalt und das Ziel aller Philosophie W sich in der Erkenntnis des Verstandes oder der Ergründung der Methode, wie die Menschen den Verstand gebrauchen milssen; biese Tatsache ergibt — aus der Geschichte der Philosophle. Dieben stellt alb in en Mittelpunkt feiner philosophischen Forschung die oblekttve Erkenntnis des Verstandes, der„Menschlichen Kopfarbeit“. Die Beschaffenheit des Geistes(Geist sm weitesten Sinne bes 0 0 zu ergründen, war das Streben der bürgeclichen Phllesophle 0 ö 14 e 14 Alpdruck auf den bürge det von vornherein alle lich wa en.“ Das ben eine F 2 ist. Das Denken eine körperliche Tät 'ontakt mit einem sin lich das Denkorgan in se gen Körp Ven sch nie gleich: 150 ewige Fluß der sinnlichen Erscheinungen ist das venschlihe I ö — Jun vorhanden, 1 benen Einheit zu finden, alle Gegensätze zu vermitteln, dadurch, er den Widerspruch als die Dinge auf in Gegensätze und höhere Einheit einschließen, nicht etwa willkürlich in der theore⸗ leitung grundlegende Ausführungen. chliche Geist zu er genhänge, die Bewegungsge ens und Geschehens sind. reale ihm produzieren sich die Gedanken, ent⸗ Das Besondere, Konkrete, Sinn⸗ Das Konkrete ist das Be⸗ erlal des Geistes, aus gt das Erkenntnisvermögen. ist das Material alles Denkens. 0 N tre, aus welchem die Vernunft das Allgemeine entwickelt. Das an alles Erkenntnisvermögens besteht also darin, das Allgemeine dem Besonderen zu erforschen. Dem Denkprozeß, der mensch⸗ 1 Kopfarbeit liegt der vermittelbare Gegenfatz zwischen Geist Materie, zwischen Allgemeinem und Besonderem zugrunde. Intellekt ist aber nur ein besonderer Teil der all⸗ ninen Universalnatur, mit den Fähigkeiten ausgestattet, sich eine stellung von der Gesamtheit der Erscheinungen und Zusammen⸗ e zu bilden:„Das Wesen des Geistes ist also widerspruchsvoll rade seine widerspruchsvolle Natur setzt ihn in Stand, ein an zur Erklärung aller Widersprüche zu sein, in allem Ver⸗ die allgemeine, allbeherrschende Eigen⸗ alles Seins erkennt, daß er erkennt, wie im Universum keine ige an sich und filr sich, sondern nur Beziehungen bestehen, wie Ding nur wirkt durch die Mitwirkung seines Gegensatzes.“ Mit Hilfe der dialektischen Denkmethode stellte Dietzgen unser auntnisvermögen in ein ganz neues Licht, der alte, unüberbrück⸗ Gegensatz zwischen Geist und Materie, Idealismus und erialismus ward damit aufgehoben, mit ihm die starre Welt metaphysischen Begriffe. Durch die dialektische Methode lösen Beziehungen, die gleichzeitig en Abstraktion, sondern weil sie in Wirklichkeit so existieren. große Ueberlegenheit des dialektischen Denkens beruht darin, es nicht ins Blaue hinein phantasiert, vielmehr reale Wirklich⸗ zur Vasis hat. da, wo sinnliche Erscheinungen, wo Dialektik der Praxis. mithin ist die Dialektik Ueberall bestehen Gegensätze, die dem Gegensaßz beruht jede Entwicklung: schstentwickelste Form des Denkens. lt dem gleichen Erfolg wie Marx in den Gesellschaftswissen⸗ wandte. Dietzgen den dialektischen Materialismus auf Gebieten des Geistes an. Der Denkprozeß in seinen fachen Beziehungen zur Erscheinungswelt, dem Universum, elbst, Moral und Religion werden kritisch durchforscht und kürliche, konkrete Ursachen zurückgeführt. Woran die besten der Menschheit seit Jahrtausenden gearbeitet hatten: eine sche Anwendung unserer Erkenntnis zu finden, das gelang neben Marx. Dietzgensche Philosophie will keine Allerweltswissenschaft heimnis aller Dinge ergründet, sie ist hauptsächlich g ode, die uns befähigt, überall da, wo es zu handeln gilt, ht systematisch vorzugehen, den allgemeinen Charakter einer ig aus ihrer besonderen Eigenaxt zu erklären. Und de diefe methodische Seite ist für den Klassenkampf des Prole⸗ von allergrößter Wichtigkeit. Henriette Roland⸗Polst macht r diesen besonderen Wert der Dietzgenschen Philosophie in ihrer Wieviel Mühen und Rück⸗ bei den proletarischen Aktionen vermieden werden, man immer in der Lage, den objektiven, wesentlichen Sach⸗ halt zu würdigen, sowohl dem Gegner gegenüber wie den eigenen Die Dietzgensche Philosophie kann uns dazu verhelfen. kein in der Luft schwebendes abstraktes System, sie kann oletariäte in seinem schweren Klassenkampf ein treuer fdungsarbeit in Wien und Niederösterreich. Auf dem niederösterreichischen Landespar teitag ien gab Gen. Dr. Dan ne berg eine interessante Dar⸗ er Tätigkeit auf den verschiedenen Gebieten des ungswesens, die ein kräftiges Fortschreiten, aber auch * begriffener, aber von der Wiege In Wien sind die Organisationen der Bezirke zu Ve er⸗ bänden für Bildungszwecke vereinigt. Sie haben sich seit 4 Jahren gut eingelebt, doch wird über fehlendes Interesse bei einem Teile der Gewerkschaften geklagt. Es gebe sicher 100% Gewerkschafter, die im ganzen Jahre keinen Vortrag hören. Notwendig sei es, die reinen Bildungsveranstaltungen von den Beratungen über Organisationsangelegenheiten zu trennen, wie es in Ottakring geschieht. Der Zyklustag müsse von allen anderen Veranstaltungen freigehalten werden.— Seit einigen Jahren ist das Bibliothekswesen re⸗ orgarnsiert. Es gibt jetzt 12 Zentralbibliotheken, zu denen die der Buchdrucker und die Arbeiter kinder bibliotheken kommen. Alle zusammen gaben im ersten Vierteljahr d. J. rund 70 000 Bücher aus. Die Nachfrage nach wissenschaft- lichen Büchern steigt. Die schlechte Unterhaltungsliteratur wurde durch gute ersetzt.— Der Schriftenvertr i e b wurde zuerst vom Bezirk Margareten eingeführt. Der Um⸗ satz war 1904 576 Kronen, 1911/12 schon 8401 Kr. Andere Bezirke folgen. In der Provins fehlt noch viel. Die Zahl der vom Unterrichtsausschuß veranstalteten Vo rträge war 1911/12 146 an 33 Orten. 130 Orte bezogen keinen Referenten. Dort fehlen auch die in anderen Kronländern blühenden Lese- und Diskussionsabende, und der Bezug der wissenschaftlichen Schristen ist beschämend gering. Dabei ist zu bedenken, daß die Gegner heute in großem Maßstabe arbeiten. Der klerikale Verein„Volkslesehalle“ verfügt über 1 Million Bände! In der Diskussion wurde die Förderung der Genossen⸗ schaftsbewegung, der Abstinenz und die Entwicklung der Jugendbewegung empfohlen. Auch hier geht es vorwärts. In Wiener⸗Neustadt wurden in einer Jugend⸗ woche 500 Mitglieder gewonnen. Gen. Volkert berichtete über die Bewegung der„Kinderfreunde“. In Wien gibt es jetzt 10 Gruppen; weitere folgen. Mit Kinderaus⸗ flügen wurde begonnen. Weiter werden Spieltage ver— anstaltet, in der schlechten Jahreszeit Unterrichtskurse, na⸗ mentlich in Handfertigkeit. Dazu K inderbibliothe⸗ ken.„Wenn man weiß, wie viel an Unrat und Schlacken wir in den Organisationen der Erwachsenen und Halberwachsenen durch Erziehungsarbeit hinwegzuräumen haben, so ist es klar, daß wir im Interesse der Gesamtorganisation arbeiten, wenn wir den Geist des Kindes rein erhalten. Indem wir das Kind in die Natur führen, sorgen wir zugleich, daß der Körper gesund bleibt. Es sallen so wenig Frohsinn und Sonne in das Leben des Proletariers. Wenn wir etwas Frohsinn und Sonne bringen, leisten wir eine anerkennens⸗ werte Arbeit. Wir wissen gar nicht mehr, wie bescheiden in diesee Hinsicht proletarische Kinder sind. Wenn wir die Ottokringer Kinder hinausführen und Spiele veranstalten, leisten wir etwas außerordentlich Notwendiges. Man braucht nur die leuchtenden Augen der Kinder zu sehen, um das zu erkennen.“ In der Kinderbibliothek Ottakring lesen 700 Kinder jährlich 18-19 000 Bücher. Die Bedeutung der Sache geht auch aus der fanatischen Bekämpfung durch die Kirche hervor. Diese hat ihre Agitatoren, die wir uns erst schaffon müssen. Der Völkerkrieg der Fürsten. 1813/ö15. Von Kurt Eisner. Zweites Kapitel: Napoleons beutsche Politik. 1 Die französische Revolution hat die Freiheit der Geburt geschaffen. Das war die Zertrümmerung eines tausendjährisen Reichs, das, reglos in dem Wirbel blutiger Zuckungen, die Masse der Menschen in einen nie sich erschließenden Kerker dunkler un⸗ bis zum Grabe qualvoll gefühlter, Verpflichtungen hineingebar; das aber eine winzige Minderheit zum Herrn über alles Gesetz erhob. Die Befreiung der Geburt—. das war der unverlierbare Ertrag, der sich aus den Gärungen der, Revolution rettete. Die für alle Zeit gesicherte Verwirklichung des Prinzips, über das Mutterland der Revolution hinaus, iu Europa, in der ganzen Welt, das war der Wille und die Leistung Napoleons 1. Aber nicht nur die formale Geltung auf papierenen Verträgen und Verfassungen strebte Napoleon zu erringen: der Grundsatz sollte dle sehbares Gebiet unbeackerten Bodens aufweist ganze Unendlichkeit des wirklichen Lebens durchdringen er wollte nen Reichtun 0 lag den Kl 5 re . 2 10 8* ie dod r de 2 che Politik war der e Revolmtion ndische Gliederung 0 1„die Bal ür jede ust Exzels t, d e U gefesselten Kräfte gel dem Chaos d trotz aller Freiheit blind rasenden das gesetz mäßige Empor Fleif Wer ebnet traf Höhe, Sieg des G Wer übernimmt über 8 ge word uschen die göttliche ig, die m Mann, der er Revolution 1 einmal gesagt hat, die Pollt Schicksal ist. A st eine kühne und doch zugleich: 1 ing, in das Re umt die er wo ist diese Staatsid u sich und durch sich di ewiesen hat, der mystisch g id verewigt diesen ung iheit jedem rec mund n allen apoleonischen Zwif als das wilde Hausen eines gen der Krafte V Aufgabe, oder auch, ik, die das moderne erkörpert sie sich? lußfolgerung: in ide Wunderkraft Advoka katen ndem das a anzuweisen * N 8 Die Idee der ist die sachliche 1 Verleumdern ittlichen persön vo! 1 C rwärts; de U schwörungen bed te Haupt will sich in der Famili e Bedeutung, die Napoleon der Familie e Herkunft für alle Zeiten selbst erhalten So entäußert sich min einem ein tlichen System der Versassung, des 3 frech 1 ren Politik, der Wirtsck der 0 0 en Ku 11 blick, und nur es erkannt hat, begr Die Widersprüche, Ungereimtheiten, d itschen Geschichtsschreiber 10 und d U ber Leid u erl u suchen,(ig Eitelke renwahnsinn, sind nu 39 stände Es hat niemals einen Staa ann gegeben a die Politik so einheitlich wie eine Gesemäßigkeit mathe matischer Formeln behandelt hat, der den Ab! ng d Temperament so ganz u gar keine Ein 1 g et ha Napo st a S a durch inpe lich, er ist e den und bandelnd Zunstem. Aber zu weiß Naz daß die matl a 5 a 8 U nit M 0 9 E d d Le El d Der M 1 w vätzend 5 Der S r 9 L 0 1 er und ö den d se lende Nat g 50 6 de en Vernunft l D KN st Volk es 1 1 ug! 1 . ing er sich alle r tion ihren& enutzt indem er sie dsätz anpaßt. Er ist wie ein Tier len schen arbe denn sie nur knallen u kommt e nicht das S 0: merzen. mme 1 5 demüt gt wieder ber aber dieser egien, außer Hofes ein moderne staatsbürgerlic nur ein R billiges Brot und Staat geg Vor dem Justiz für * der human System„das N Fülle der läßt er die auf vertragsmäßigen Verpft enste und Leistungen mit 8 Zwang un N vorläufig bestehen. r zerstört 1 5 ine Verfaussug dente den alten f sie nur neue Verdiente der Steuerkraft, ähnliche Rechte. Die f ensauffassung der Republik ist ein Wesenszug 5 er räu ell it dem gafflustigen Publikum den und spendet der Masse Feste und Tänze. Er schaff liche Recht der Gleichheit; aber die Ne echt auf reichlich gewährte Wohlfahrtsyflege, re Arbeitsgelegenheit, Pflichten, 7 u sie erfüllt, nicht Rechte, die sie selbst d durchjczen Jesetz sind zum erstenmal alle e leich, es gibt nur alle, und die Rechtssicherheit ist ebenso volllommtet e Geist der Gesetzgebung: aber in dem napol mit der grauenhaften Phantastik und der len mittelalterlichen Strafen aufräumt, und das wie 91 militärischen Disziplin so Kriminalrecht im Grunde mur einzige Strafe bestehen möchte, droht immer wien barbarischste S Die Freiheit des Geistes, dez 8 r ms, der 10 * ird jedem ohne Unterschied zug aber der Staat stellt seine Juteressen mit eherner Gewall ee Begierden und Beg gen des einzelnen, wie denn die en rciheit zusammenprallt mit der Diktatur der Kontinental und die Zensur zwar für das ganze Gebiet geistiger Beictigen hoben wi aber um so strenger gegen die politischen Je und Zeitschristen gehandhabt wird. (Fortsetzung folgt.) 9 2 7* Aus unserer Sammelmappe. Jortschritte der Technik in der Landwirtschaft. Die Ne die im Gewerbe revolutionierend gewirkt hat, indem sie dag rk itberhol schen befanden sie trieben, brei trieben, Ha 11004 und an seine Stelle industrielle Kapitalisseg beitermassen setzte, hält ihren Einzug aa em Umfange in die Landwirtschaft. Im Johr! in 1407 975 landwirtschaftlichen Betrieben des. Maschinen in Anwendung. Dampfdreschmos h in 488 867 Betrieben, Mähmaschinen in twürfige Säe- und ähnliche Maschinen in o; ckmaschinen in 14412 Betrieben, Kartossfelerntemast zetrieben, Dampfpflüge in 2995 Betrieben usw. as ist eine„Zentralverkaufsstelle für landwir en und Bedarfsartikel“, ein großzügiges kapital Unternehmen, in Halle a. S. gegründet worden. Dlese Bein den Gre heber n in der Pra auchbark Er hebt! Rant Bank stimmt sämtlich g g r Beruf 1 t 1 Sträng Die at wieder 1 we 1 den 1 1— le rkrümelt 75 91 keit. Auch 1** r Besch 0 utlich wesens w 7 Inu Tei für die Genosfsensc aftsmitglieder nicht nur Arbeltek ird von den Landwirtschaftskammern große besonderen Wert darauf, zu den verschiedenen im belaunnt gewordenen Maschinen immer wieder Maschinen in die Landwirtschaft einzuführen, won ßagrariern gute Erfolge erzielt hat. Jetzt it ein Abschneidevorrichtung neu konstrufert worden, det ris bereits vorzüglich bewährt hat und der wegen mit einem Preise von 5000 Mk. bedacht worbes! 1 licht nur die Rüben, sondern köpft sie auch und legt u! Eine weitere Neuerung ist ein Selbsteinleger bei mpfdreschmaschine. Er ist zum Schutz gegen Unfallgefahren wegen seiner Zweckmäßigkeit vom 1. Aprff ton! 1 Dampfdreschmaschinen auf Grund von Anorbn ringen. Verbesserungen enossenschasten anzu Melkmaschinenanlagen erfahren, die sich in der Praxu Eine Neuheit sind sodann noch die Spiunmaf der en von den gelösten 5 Aus den Jäden werden brauchbare Ackerlt⸗ dergleichen hergestellt. uführung neuer und namentlich kostspieliger Nack n zur Ausgestaltung des landwirtschastlichen Sue geführt. So sind neuerdings vielsach Pflugge schaften gegründet worden, das sind Vereinigungen, dle einenĩ 1 7 für die Mitglieder angekauft haben. 2 erspart, sondern auch die Zugtiere können zum ver Der Motorpflug hebt bei seiner Arbelt Sr. den Ackerboden und steigert dadurch die Ertts 1 haben sich die landwirtschaftlichen Genossensch⸗: fung von Maschinen und Gerälen stark verw diesem Zweige des landwirtschaftlichen Genossens D 2