... ͤͤ sie dies ist issen istsnat Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung f Nummer 19 Dienstag, den 12. Rugust 1913 2. Jahrgang Genossenschaftliche Erziehungsarbeit. Wie uns die Erfahrung lehrt, stehen Menschen und Ver⸗ hältnisse in einer beständigen Wechselwirkung: andere Men⸗ schen schaffen andere Verhältnisse, und andere Verhältniss schaffen andere Menschen. Ebenso gut wie man sagen kann, die Menschen sind das Produkt der jeweiligen Verhältnisse, kann man auch sagen, die Verhältnisse sind das Erzeugnis der jeweils lebenden Menschen. Es ist eine gegenseitige Be— einflussung vorhanden zwischen den Menschen und ihren Lebensbedingungen; diese Tatsache muß man festhalten, wenn man die Entwicklungsgeschichte der Menschheit verstehen will. Und man muß auch mit dieser Tatsache rechnen, wenn man die Aufwärtsentwicklung der Menschheit fördern will. Bei dem Bestreben, eine neue, höhere Gesellschaftsord— nung ins Leben zu rufen, das heißt, das menschliche Zusam— menleben und Zusammenarbeiten auf eine neue Grundlage zu stellen, die den Prinzipien der Vernunft, der Gerechtigkeit und der Sozialmoral entspricht, kommt es offenbar nicht nur „darauf an, die Lebens- und Arbeitsbedingungen neu zu ge— stalten und zu verbessern, sondern auch darauf, das vorhan— dene Menschenmaterial zu veredeln. Bessere Verhältnisse und bessere Menschen! muß die Parole lauten, unter der das soziale Neuland erobert wird. Darum ist auch die soziale Frage der Gegenwart nicht mehr eine rein wirtschaftliche, eine sogenannte Magenfrage, sondern sie hat sich zu einer Bildungs-, Erziehungs- und Kulturfrage erweitert. Und weil werden auch die Aufgaben der Menschheits— pioniere, die dem Neuen Bahn brechen wollen, immer um— fangreicher und vielseitiger, und immer neue Gebiete mensch licher Betätigung werden in den Bereich sozialreformerischer Arbeit gezogen. In der modernen Genossenschaftsbewegung tritt die Wechselwirkung zwischen Menschen und Verhältnissen deutlich zutage. Die Träger dieser neuen Bewegung haben erkannt, daß man tüchtige, geschulte Mitarbeiter haben muß, wenn man die hohen Aufgaben erfüllen und die hohen Ziele erreichen will, die man sich gestellt hat. Die Genossenschafts— frage ist also auch eine Kulturfrage, wovon die kurzsichtigen Leute keine Ahnung haben, die in dem Genossenschaftsladen eine Krämerei und in dem Konsumverein eine Dividenden- züchterei erblicken. Darum spielt die genossenschaftliche Er— ziehung, die Heranbildung unserer Mitglieder zu tüchtigen Genossenschaftern, eine solch überaus wichtige Rolle. Da wir Menschen soziale Wesen sind, die in Gruppen zusammenleben und darum aufeinander angewiesen sind, so läuft alle Erziehung darauf hinaus, das Verhältnis der Menschen untereinander so zu gestalten, daß die Reibungs⸗ flächen vermindert und Zusammenstöße vermieden werden. Die Menschen sollen wie Menschen zusammenleben, sie sollen, wie der alte griechische Philosoph Plato sagt, empfinden, „wie lieb und verwandt der Mensch dem Menschen ist“, sie sollen in jedem anderen Menschen ein Heiligtum erblicken, das man nicht verletzen darf. Und zu dieser Höhe des Menschtums müssen sie erzogen werden. Bekanntlich ist die Organisation ein geeignetes Mittel, der sozialen Erziehung Vorschub zu leisten, weil die enge Be— rührung der Mitglieder eines Vereins miteinander dazu beiträgt, Ecken und Kanten abzuschleifen und die gegenseiti— gen Vorzüge zu offenbaren. In ihrem eigenen Interesse sind die Organisationen gezwungen, ihre Mitglieder zu bilden und zu erziehen, weil sie nur mit geschulten Leuten etwas anfangen können. 2 — Wenn man die Gegenwart mit der früheren Zeit ver— gleicht, so muß man sagen, daß die Bildungs⸗ und Er⸗ ziehungsmöglichkeiten ganz ungeheuer gewachsen sind. In den Zeiten der Vergangenheit— und diese Vergangenheit liegt noch gar nicht weit zurück— waren die Oberschichten in dieser Beziehung sehr bevorzugt, da sich die Möglichkeit, mit Wissenschaft und Kultur in Verbindung zu treten, auf sie beschränkte. In die Mittelschichten sickerte nur wenig davon herab, und die Unterschichten blieben völlig unberührt. Kein Mensch kümmerte sich um die große Masse des Volkes, und die heranwachsende Generation blieb sich selbst überlassen. Von einer planmäßigen Bildungs⸗ und Erziehungsarbeit konnte nirgends die Rede sein. Das ist nun ganz anders geworden. Mit dem Aufkom⸗ men der kapitalistischen Wirtschaftsweise machte sich ein bis⸗ her ungeahntes Bedürfnis nach einer allgemeinen Volks⸗ bildung fühlbar. Die verbesserte Maschinentechnik erforderte bessere Arbeitskräfte, und eine vollkommenere Arbeitsweise stellte höhere Ansprüche an die Arbeiter. Das Kapital konnte mit dem bisherigen Menschenmaterial, das in geistiger und technischer Beziehung zurückgeblieben war, nichts anfangen; es bedurfte zur Herstellung und Bedienung der kunstvollen Kraft⸗ und Arbeitsmaschinen geschulter Leute, deren Gehirn die neuen Eindrücke in sich aufnehmen und deren Geist die neuen Ideen in sich verarbeiten konnte. Die kapitalistischen Betriebe, in denen eine Erfindung die andere jagte, hatten Arbeiter nötig, deren geistiger Horizont erweitert war, die eine große Anpassungsfähigkeit an das Neue besaßen. Auch das sich immer großartiger entwickelnde Verkehrswesen und die beginnende Eroberung des Weltmarkts durch die fortge— schrittenen Völker konnten ohne tüchtige Hilfskräfte nicht mehr auskommen. 5 Da diese Mitarbeiter nicht vorhanden waren, mußten sie geschaffen werden, und darum setzte gleich mit dem Beginn der kapitalistischen Aera ein Bildungseifer ein, wie ihn die Welt noch niemals gekannt hatte. Das Jahrhundert der Aufklärung brach an, das berühmte pädagogische Jahr⸗ hundert. Ueber das gesamte Volk sollte die Bildung ausge⸗ gossen werden, und die Wissenschaft, einstmals das Vorrecht einer kleinen Zahl Menschen, sollte zu einem Gemeingute des Volkes werden. Mit richtigem Instinkt legte man den Hebel unten an und suchte vom tiefsten Grund aus die Volksmasse zu hehen. Der Staat gründete Volksschulen und streute den Samen des Wissens bis in die entlegensten Winkel und Ecken unseres Landes. Leider aber gewinnt es immer mehr den Anschein, als ob die Bildungsarbeit der letzten Jahrzehnte nicht den beab⸗ sichtigten Erfolg gehabt hat. Die moderne Menschheit ist sicherlich aufgeklärter als die frühere Menschheit, aber ob sie auch besser geworden ist, das ist eine viel umstrittene Frage. Es wird von Kennern des Volkslebens behauptet, daß die Bildung des Herzens mit der Bildung des Kopfes nicht gleichen Schritt gehalten habe, daß die geistige Bewegung der Gegenwart wohl in die Breite, aber nicht genügend in die Tiefe gewachsen sei. Und es wird darum immer dringen⸗ der die Forderung erhoben, daß Bildung und Aufklärung durch planmäßige Erziehung und Schulung ergänzt werden müsse. Dieser Umschwung im weiten Gebiete des Bildungs⸗ und Erziehungswesens macht sich allgemein bemerkbar. Durch die Erfahrung haben wir lernen müssen, daß eine tiefe Kluft besteht awischen Verstandes⸗ und Willensbildung, zwischen — 3 ————j 3 ———— r eee det Aufklärüng der Köpfe und der Bildung des Herzens. Es hat sich gezeigt, daß nicht der Mensch und die Menschengruppe ihren Platz in der Welt am besten ausfüllen, die am meisten wissen und am meisten gelernt haben, sondern die den besten Willen haben und ihre Pflicht zu erfüllen suchen. Ein Ge⸗ hirnkasten, der mit allen möglichen und unmöglichen Kennt- nissen vollgepfropft ist— und wieviel Ballast wird hinein- gestopft, der niemals verdaut wird!—, bietet noch lange nun auch die richtigen indem er richtig 1— 28 101.— Gewähr, daß sein Trager nicht die a aus seinem Wissen zieht, Konsequenzen handelt. Zwischen dem menschlichen Hirn, als dem Sitze des Willens, klafft ein tiefer Zwiespalt, der erst durch eine plan- mäßige Einwirkung überbrückt werden muß. Wir können es im täglichen Leben häufig beobachten, daß ein kenntnis— reicher Mensch noch lange nicht vernünftig handelt. Ein Mensch, der sehr viel weiß, was ihm förderlich oder schädlich ist, tut noch lange nicht immer das, was ihn fördert, und unterläßt das, was ihm schadet. Es muß noch eine Bearbei⸗ tung des Willens zu der üblichen Erziehung und Aufklärung hinzukommen; der sogenannte Kantsche Imperativ, der uns zwingt, so zu handeln, daß unsere Handlungsweise zu einem allgemeinen Gesetz erhoben werden kann, muß dem Menschen in Fleisch und Blut übergehen. Ebensowenig genügt die Einsicht in die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zu— sammenhänge, um einen Menschen zu veranlassen, folgerichtig zu handeln und die rechte Stellung zu Staat und Gesellschaft, zu all den weltbewegenden Fragen der Gegenwart zu nehmen. So dürfen wir wohl sagen, daß überall im Leben zu einer Aufklärung des Verstandes eine Massage des Willens hinzu— kommen muß.„Der Wille macht den Menschen groß und klein!“ sagt der Dichter und spricht damit die große Wahr- heit aus, daß es nicht darauf ankommt, was der Mensch weiß, sondern viel mehr noch darauf, was er will und wie er dieses Wollen in die Tat umsetzt. Hieraus erklärt sich auch die Tatsache, daß wir uns in einer allmählichen Abkehr von der einseitigen Verstandskultur und in einer Richtung zur Willenskultur befinden. Und hieraus ergibt sich auch die unabweisbare Notwendigkeit, die genossenschaftliche Bil— dungsarbeit durch eine genossenschaftliche Erziehungsarbeit gänzen. Franz Laufkötter. zu e Aus dem Leben von Karl Marx. III. Die Denkschrift Lassalles lautet: „Euer Exzellenz erlaube ich mir ergebens auf Grund einer in den Akten des Königlichen Polizeiprästdiums zu Berlin ent⸗ haltenen, von Herrn Dr. Karl Marx mir erteilten Vollmacht, nach stehende Beschwerde Namens des Dr. Karl Marx gegen das Reskript des Königlichen Polizeipräsidiums vom 25. April 1861 zu unter⸗ breiten. Infolge der Königlichen Amnestie war Dr. Karl Marx, gebürtig aus Trier, im Monat März aus London nach Berlin zursickgekehrt, um hier zu beantragen, daß seine durch die Königliche Amnestie erfolgte Reintegration in die Qualität eines Preußen anerkannt würde. Durch die drei Reskripte vom 21. und 30. März und 10. April wies der Königliche Polizeipräsident diesen Anspruch al verwies aber in allen diesen drei Reskripten Herrn Dr. Marx auf den Weg, eine neue Naturalisation in Gemäßheit des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 zu beantragen und demgemäß die betreffende Verhandlung vor dem Königlichen Polizeileutnant d 1 1 1 des Reviers aufzunehmen. Dr. Karl Marx kam dieser Hinweisung nach, muß jedoch kurze Zeit nach der am 10. April erfolgten Aufnahme 1 1* 1 el ege nh! 9 77 1* 1 11 17 1 betr. Protok Familien angelegenheiten halber nach London zu erer 17** 1 1* ere 0 1 rückkehren und hinterließ mir Vollmacht zur weiteren Betreibung zeipräsidiun wird, daß dem prot mangelung der zur Gesetze vom 31 tattgegeben wer 7 2 von Zedl tärpflich Subsistenzmittel erk zuweisen, daß er als Redakte der zu Newyork ersche de merkantilischen Blatte von Newy — ein festes Jahreseinkommen n lich bleibe nur noch die Numm ne“ 8 L„ Taler besitzt. Folg⸗ des Geseges vom 31. Dezember 1842, die Exemption eines bescholtenen Lebens⸗ wandels übrig, die man doch sicher nicht gegen Dr. Karl Marz erheben kann. Herr v. Zedlitz eröffnete mir hierauf, daß allerdings die Be⸗ scholtenheit der alleinige ihn zur Weigerung bestimmende Grund sel und auf meine Frage, worin der vom Gesetz erforderte bescholtene Lebenswandel des Dr. Marx bestehen solle, erklärte er mir fres⸗ mütig:„er sehe diesen einzig und allein darin, daß Dr. Marx republikanische oder mindestens keine royalistische Gesinnung habe. Dies sei sein alleiniger Grund, wie er mir mehrfach und ausdrülck⸗ lich wiederholte, dem Dr. Marx die Naturalisation zu verweigern. Dieser Grund würde aber auch immer für ihn maßgebend sein.“ Ich ersuchte Herrn von Zedlitz, mir diese Erklärung schriftlich zu geben, um sie Euer Exzellenz mit meiner Beschwerde unterbreiten zu können. Herr von Zedlitz schlug mir dieses zwar aus sormellen Gründen ab, autorisierte mich dagegen ausdrücklich, mich vor Eurer Erzellenz auf diese seine Erklärung zu beziehen und fügte wieder⸗ holt hinzu, daß er dieselbe auf Befragen Eurer Exzellenz jederzeit strikte als den einzigen ihn an der Gewährung der Naturalisation für Dr. Marx verhindernden Grund bestätigen werde. Es unterliegt nun wohl nicht dem geringsten Zweifel, daß Euer Exzellenz dieser Entscheidung nicht Ihre Sanktion geben wer⸗ den. Gefinnungs-⸗Inquisition und Verfolgung wegen politischer Gesinnungen haben immer zu den Dingen gehört, welche Eure Ex⸗ zellenz selbst am meisten verurteilt haben!— Ueberdies hat bereits das Staatsministerium in der— freili erst nach dem abschlägigen Bescheide vom 25. April, gegen den 1 recouriere— auf eine Interpellation in der Kammer abgegebenen Erklärung sestgestellt, daß niemandem die neue Erteilung der Eigen⸗ schaft eines Preußen deshalb verweigert werden soll, weil er straf⸗ bare politische Handlungen begangen habe. Wenn nicht einmal strafbarer politischer Handlungen wegen die Naturalisation verweigert werden soll, so wird sie es also umsoweniger wegen der — zudem in solchen Handlungen immer ja zugleich bekundeten— politischen Gesinnungen werden können. Nach der von dem hohen Staatsministerium selbst in der Kammer abgegebenen Erklärung wird die Naturalisation des Dr. Karl Marx vielmehr nicht dem geringsten Anstand unterliegen können. Es fallen ihm nicht einmal Kriminalprozesse in der Ver⸗ gangenheit zur Last, sondern die Prozesse, wegen welcher er 1849 sich gezwungen sah, Köln zu verlassen, sind lediglich politische Preß⸗ prozesse gewesen, die er sich in seiner damaligen Stellung als ver⸗ antwortlicher Redakteur der„Neuen Rheinischen Zeitung“ zu Köln zugezogen. Sein Privatleben war stets ein untadelhaftes. Seine Subsistenz ist gesichert. Unter diefen Umständen einem geborenen Preußen, der burch politische Konflikte zum Vaterland hinausgedrängt worden ist, jetzt die Wiederaufnahme in dasselbe verweigern, würde doch immer in letzter Analyse darauf hinauslaufen, ihm aus jenem von Herrn v. Zedlitz mir mit so großer Ossenheit eingestandenen Ge⸗ sinnungsmotiv die Naturalisation abzuschlagen. Ew. Exz. haben aber bereits die Güte gehabt, mir persönlich zu eröffnen, daß Sie nichts für des preußischen Staates und Ihrer eigenen Persönlichkeit unwürdiger betrachten würden, als die in einer solchen Weigerung sich aussprechende Furcht vor den politsschen Ansichten eines Individuums. Ich habe noch eines untergeordneten Punktes Erwähnung zu tun, nur in dem Interesse, daß derselbe nicht Gegenstand einer irrigen Darstelluna bei Ew. Exzellenz werden kann. In den ersten Eingaben und Reskripten, die Herr Dr. Karl Marx und Herr von Zedlitz wechselten, und in welchen es sich noch um Anerkennung der preußischen O tät in Marr ohne neue Naturalisation handelte, ist mehrfach von der Tatsache die Rede, daß Dr. Karl Marx durch einen Verhaftungsbesehl wegen der von ihm in Paris redigierten „Deutsch-französischen Jahrbischer“ an der Rückkehr nach Preußen verhindert 1 durch die preußische Gesandtschaft unter dem Ministerium G auch noch im Ausland verfolgt, im Jahre 1845 einen Auswanderungskonsens aus Preußen gelöst hat, um dadurch den preußischen Gesandtschaf unmöglich zu machen, fernerhin, wie von ihnen in Frankreich und Belgien geschehen war, seine Aus⸗ weisung im 5 zu beantragen. Läge die Sache selbst so, so würde dies dennoch ein moralif wie rechtlich ganz unerheblicher Umstand sein: moralisch, wei Marx doch immer nur durch politisch⸗literarische Konflikte und seine bei der Rückkehr nach Preußen eintretende Verhaftung aus dem Vaterlande hinausgedrängt worden war, auch nie ein neues er⸗ at und die königliche Amnestie doch nicht nur speziell über don 1818, sondern über alle bis 1861 eingetretenen solche politische Reibungen, welche dem Jahr 1848 den Schleier der Vergessenheit wersen soll. Recht⸗ es natürlich ganz gleichgültig ist, ob der einmal gesetzli O zät eines Preußen durch die gesetzli ehnjähriger Abwesenheit oder durch die chene Ursache einer Austrittserklärung— umer in der zehnjährigen Abwesenheit weigend und einbegriffen“) enthalten chhorr Läge die chon als von der Anerkennung seiner Qualität als Preuße durch die Kgl. Amnestie eo ipso und ohne neue Naturall⸗ sation die Rede war, hat Dr. Marx in seiner Eingabe vom 6. IV. auf die hierfür Bezug genommen wird, die gänzliche Gleichgültigteil dieses Umstandes ausführlich nachgewiesen. Vollständig aber ver⸗ schwindet derselbe jetzt, wo nur von einer neuen Naturallsasen d un ei 1 Kr in inge 1 Nas lich 5 fal 5 bon i Rede ist, für welche es ja gerade erforderlich, nicht hin⸗ din lich ist, Ausländer zu sein. Vollständig verschwindet derselbe nach der von dem hohen atsministerium in der Kammer abgegebenen Erklärung. Denn durch dieselbe daran festgehalten wird, daß alle mehr als zehn Ihre abwesenden, Flüchtlinge— und in dieser Lage sind freilich — Ausländer geworden sind, so kann es selbstredend das Motiv ihres Charakters als Ausländer nicht mehr an⸗ men. Und wollte man dennoch auf das Motiv, warum gnand Ausländer(geworden) ist, zurückgehen, so wäre ja auch der bei Marx der politische Konflikt und die force majeure „höhere Gewalt“) einer Verhaftung, die ihm bei seiner Rückkehr reußen bevorstand, das Motiv feines Ausländertums, seine ige also auch in bezug auf bas, wiewohl ganz gleichgültige, Motiv gez identisch mit der fämtlicher zehn Jahre abwesenden und urch zu Ausländern gewordenen Flüchtlinge. Indes muß gichwohl bemerkt werden, daß Marx die im Jahre 1845 verlorene Lalität eines Preußen im Jahre 1848 wiedergewonnen hat. (Fortsetzung folgt.) Die deutschen Arbeiter⸗Bibliotheken. Das proletarische Bildungswesen hat in den letzten ihren einen mächtigen Aufschwung genommen, seitdem n den in Frage kommenden Organisationen in wachsendem Unfange besondere Bildungsausschüsse eingesetzt wurden. id das war durchaus notwendig! Denn woher soll die lebeiterschaft die zur Führung des Klassenkampfes unbe⸗ beigt notwendige Klassenbildung bekommen, wenn nicht durch von ihr selbst geschaffene Einrichtungen? Daß die Ulksschule in dieser Frage vollständig versagt, ist natürlich. as klägliche Wissensquantum, das sie vermittelt, vermag lum über die alltäglichen Aufgaben des Lebens hinwegzu— Ifen. Späterhin, wenn der Arbeiter mitten im Daseins- kmpfe steht, versiegt ohnehin dieser spärliche Quell, er hat line Zeit mehr, Schulen zu besuchen. Diesem Mangel eben chte die Arbeiterschaft durch Einrichtung von Bildungs⸗ shulen, Leseklubs, Diskussionsabenden usw. abzuhelfen. Das ind alles Einrichtungen, in denen nicht Elementar-, sondern llassenbildung, d. h. das Wissen, welches der Arbeiter im Massenkampfe braucht, vermittelt wird. Von größter Bedeutung sind natürlich— oder sollten e doch sein— die von den Arbeiterorganisationen eingerich— Iten Bibliotheken. Leider genügen diese bei weitem nicht m bestehenden Bedürfnis. Zudem leidet unser Bibliothek— hesen unter einer großen Planlosigkeit. Die Büchereien sind zem größten Teile aus Schenkungen von Parteigenossen her— wrgegangen und tragen daher das Merkmal der Zufällig— kit. Die Ergänzung des Bücherbestandes wurde unter dem besichtspunkte der Sparsamkeit vorgenommen. Man be⸗ Uitzte etwa eine sich zufällig bietende Gelegenheit, alte Kücherbestände billig zu erwerben. Hin und wieder kaufte han auch einige Neuerscheinungen— und glaubte damit des (uten genug getan zu haben. Auf diese Weise wurden die Cammlungen zwar sehr umfangreich— aber nichts weniger gels wie gut und wertvoll. Ein anderer großer Uebelstand ist die Zersplitterung der Fibliotheken. An vielen Orten haben die Zahlstellen und lweigvereine der Gewerkschaften„eigene Büchereien“ und ene Parteibibliothek ist gewöhnlich auch noch vorhanden. o kommt es, daß sich in den meisten Ortschaften ein halbes Dutzend Bibliotheken der oben geschilderten Art befinden, die tatürlich auch in verschiedenen Lokalen untergebracht sind. daß dabei die Benutzung sehr leiden muß, ist klar. Ein wahrhaft abschreckendes Beispiel bietet in dieser deziehung Berlin. Hier gibt's rund 50 Bibliotheken, die iber 50—60 000 Bände verfügen und alle unabhängig von⸗ (nander ihr Dasein fristen. Jeder Bibliothekar arbeitet lach„seinen“ Grundsätzen— und dabei entsteht der schönste Virrwarr. Einen genauen Ueberblick über das gesamte Libliothekwesen zu bekommen, ist daher trotz mancher Ver⸗ suche noch nicht gegsückt. Und doch ließe sich durch Zusammenlegung der vorhan⸗ enen Bücherbestände zu einer großen Bibliothek Großes affen. Nur dann wäre mehr als wie bisher eine Möglich⸗ hit gegeben, geschulte Bibliothekare heranzuziehen, die mit Ceschick und Interesse ihres Amtes walten könnten. Heute ercßalten ihren Posten vielfach Genossen, die da meinen, dre Aufgabe bestünde nur in der Herausgabe und dem Um⸗! tausch der Bücher. Ihre wichtigste Arbeit soll aber die Be⸗ lehrung und Anleitung der Leser sein, und nur wirklich durchgebildete Genossen können sie leisten.— Vielfach sind auch die Bibliothekräume unzureichend, sie befinden sich oft in Kneipen und setzen die Besucher der Notwendigkeit aus, eventl. alkoholische Getränke genießen zu müssen, was natür- lich nicht im Sinne unserer Bildungsbestrebungen liegt. Helle, geräumige Zimmer brauchen wir für unsere Biblio— theken, dazu Arbeitsräume, in denen alle, die zu Hause dazu nicht die nötige Ruhe finden, ungestört schaffen zu können. Alle notwendigen Reformen ließen sich bei einer gegenseitigen Verständigung der in Betracht kommenden Instanzen sehr wohl durchführen. Leider war es bisher noch nicht möglich, genaue Daten über die Anzahl der in Deutschland vorhandenen Arbeiter— bibliotheken und ihre Bücherbestände zu erhalten. Schätzungs⸗ weise besitzen jetzt Partei- und Geberkschaftsorganisationen rund 750 Büchereien mit zirka 1½ Mill. Bänden, auf die etwa 2 Millionen Entleihungen entfallen. Alle Orte, welche die Zentralisation ihrer Bibliotheken einführlen, konnten einen gewaltigen Aufschwung in der Benutzung verzeichnen, so u. a. Magdeburg, Elberfeld, Hag burg, Breslau, in welchen Städten neuerdings auch Berufs- bibliothekare angestellt wurden. Macht die Zentralisations- bewegung auch jetzt Fortlschritte: vieles bleibt noch zu tun übrig; wenn unsere Büchereien ihren Zweck, Stätten der Belehrung und Erhebung zu sein, voll und ganz erfüllen sollen! Max Kette. Wie die Gewitter entstanden. Von Gu stav Walter.“) Wie die Gewitter und der Hagel entstehen, ist vielen Leuten unbekannt. Sie sehen nach einem schwülen Tage plötzlich schwarge Wolken aufsteigen, zerfetzte Gebilde über den Himmel jagen. Plötz⸗ lich bricht der Sturm los. Rasch. Dann blitzt und kracht es, der Regen schießt herab, und es wird angenehm kühl oder auch nicht. Hier spielt sich ein Naturereignis ab, das ebenfalls durch das Ab⸗ sinken kalter Luft zur Ausbildung kommt. Schon durch die starke Wärmeeinstrahlung an einem heißen Tage sind die Bedingungen dafür gegeben. Je mehr Dunst am Morgen am Boden lag und je mehr Wasserdampf die Luft enthält, um so eher ist die Gewitter⸗ bildung möglich. Vorwiegend sind es natürlich elektrische Ent⸗ ladungen, die sich beim Ausbruch eines Gewitters abspielen, wenn die elektrische Ladung zwischen den Wolken und der Erde zu einer großen Spannung elektrischer Energie geführt hat. Man spricht in der Schule immer nur davon, daß die elektrische Ladung von Luft und Erde die Ursache von Gewittern set. In Wirklichkeit liegen die Vorgänge tiefer. Die elektrische Ladung ist zwar für das Auge die Haupterschei⸗ nung bei Gewittern, weil der Spannungsausgleich unter lebhaften Feuererscheinungen als Blitz vor sich geht. Doch fällt dabei vielen dem Auge unsichtbaren Vorgängen im Luftraum, die wir meteoro⸗ logische Vorgänge nennen, eine größere Rolle zu, als viele Leute ahnen mögen. Mit dem raschen Aufsteigen stark erwärmter Luft, die eine verhältnismäßig reichliche Menge von Wasserdampf enthält, findet eine rasche elektrische Ladung der Luft statt. Die aufsteigende Luft bildet Wirbel, sie reißt ein förmliches Loch in die höheren, gleichmäßiger gelagerten Luftschichten, und in diese Wirbel strömt von obenher— weil es ja in der Regel oben kälter ist als an der Erde— kalte Luft nach. Dieses Nachfließen in den Luftwirbel bringt immer mehr kalte, schwere Luftmassen herbei, die sich in den Luftschlund nach unten senken. Dadurch findet auch eine raschere Abkühlung der unteren Luftschichten und eine größere Reibung der Luftschichten und der Staubteilchen, die in ihnen enthalten sind, statt. Die Spannung steigt, die ersten Blitze zucken. Gleichzeitig bewirkt die Abkühlung der Luftschichten erstens die Verdichtung des Wasser⸗ dampfes zu Regen und zweitens die rasche Abnahme der Hitze. Es wird kühl, der Regen strömt, der Donner rollt. Kommen die kalten Luftmassen als ein mächtiges Gebiet Luftoͤrucks von Westen her, dann ist die Abkühlung in der stärker, der Regen ausgiebiger. witter oft Hunderte Landgebiet. Es tritt dann schon nach dem Gewitterausbruch ein schnelles Steigen des Barometers ein, weil die herabsinkenden kalten Luftmassen schwer sind und dadurch auf die leere Metalldose des Aneroidbarometers drücken, wodurch dessen Zeiger nach rechts geht. An Registrierbarometern, die mit einer Feber den Gang des Luft⸗ drucks plötzlich um 1 bis 2 Millimeter senkrecht in die Höhe 1 und erst dann geht die Kurve weiter wagrecht oder schräg aufwärts. *) Wir entnehmen diesen Abschnitt dem Buche: Die Wette r⸗ kunde von G. Walter. Verlag Dietz(Stuttgart), Na tegel In solchen Fällen zieht das Ge⸗ Kilometer weit gegen Osten über ein rlesiges Die Meteorologen nennen diese eigentümliche Form der Linie, die durch das Ansteigen der Form einer Nase gleicht, die Gewitternase. Nach fo raschem Ansteigen des Luftdrucks folgt in der Regel rasche Aufheiterung und wieder schönes, warmes Wetter, nach dem allerdings bald wieder, in einem oder zwei Tagen, ein neues Ge⸗ witter kommen kann. Geht das Barometer während des Gewitters nicht in die Höhe, dann war es nur eine örtliche Gewitterentladung. Ueber die Entstehung des Donners gibt es eine Anzahl von Erklärungen, die voneinander abweichen. Noch in der Schule haben wir gelernt, daß der Blitz eine Verdünnung der Luftschichten erzeugt, die er durchfährt, weshalb die übrigen Luftmassen in diese verdünnte Bahn einbrechen und in der Folge den Lärm verursachen, den wir Donner nennen. Man verglich die Wirkung der Ver⸗ dünnung der Luft und das Nachstürzen der dichteren Luftmassen mit der Wirkung eines Schusses. Er verursacht zuerst eine Verdichtung der Luft, der eine dünne Luftschicht nachfolgt. In sie dringen die dichteren Luftmassen ein, wodurch der Lärm des Schusses entsteht. Beim Donner trifft aber diese Erklärung, so glaubhaft sie scheinen mag, nicht ganz zu. Wohl verdünnt die Hitze des Blitzes die Lust an den Stellen, durch die er eilt, und die rasch nachfolgen⸗ den Blitze nehmen manchmal denselben Weg, den ein unmittelbar vorangegangener Blitzstrahl durchfuhr. Man sieht dies sehr gut auf photographischen Aufnahmen, daß manchmal in bständen von wenigen Sekunden ein Blitz dem anderen, sast in derselben Luftbahn folgt. Eine Photographie zeigt dann zuweilen zwei bis drei Blitze nebeneinander. Nun versagen aber für diesen Fall diese alten Erklärungen für die Ursache der Entstehung des Donners, denn der Durchschnitt der Luftbahn, die der Blitz zurücklegt, ist oft so dünn, daß er nicht größer erscheint als etwa ein Zwei- bis Dreimarkstück; man hat bei Blitz⸗ spuren gefunden, daß der Durchschnitt der Blitzeintritts- oder Aus⸗ trittsstelle nicht größer ist. Rechnet man noch die Explosionswirkung des Blitzes hinzu, die in der Luft seine Bahn noch verbreitert, so ist damit noch immer nicht überzeugend dargetan, daß die gewal⸗ tigen Donnerschläge, die man manchmal hört, dem Nachsinken dich⸗ terer Luft in die schmale Blitzbahn ihr Entstehen verdanken können. Vor einigen Jahren fand der Engländer Trowbridge eine Er klärung für die Entstehung des Donners, die recht glaubhaft klingt. Er zeichnet den Donner als einen Explosionsschall, der aus den oberen Luftschichten kommt, wenn der Blitz sie zur Explosion bringt. Wie ist das möglich? wird mancher fragen. Die Luft kaun doch nicht ohne jeden Zündstoff explodieren? Und doch ist dies sehr wahrscheinlich, wenn man der Erklärung von Trowbridge folgt. Er sagt: Durch den Blitz findet in den Luft— stellen, die der Blitz durchfährt, eine gewaltige Erhitzung statt. Der Blitz hat ja eine Hitze von mehreren tausend Graden. Durch diese plötzliche Erhitzung der Luftschichten werden diese in die einzelnen Gase zerlegt. Es bilden sich aus ihr und dem Wasserdampf Wasser— stoff, Sauerstoff, Stickstoff. Die nachfolgenden elektrischen Teilchen des Blitzes bringen dieses Gemenge von Gasen zur Entzündung, und nun folgt die Explosion. Diese gewaltigen Zündschläge, die sich in der Luft abspielen, sind die Donnerschläge, die wir hören, und die von ihnen ausgehenden Schallwellen werden an den dichteren Luftwellen zurückgeworfen und Nachrollen hörbar. Wo also der Blitz die Luft durchfährt, bringt er sie zur Zersetzung in ihre beiden Hauptgase: Sauerstoff und Stickstoff. Er zerlegt aber auch den in der Luft enthaltenen Wasserdampf in seine Be standteile: den Sauerstoff und den Wasserstoff. Aus der Schule wissen wir noch, daß Sauerstoff und Wasferstoff in Ga orm, unter bestimmten Verhältnissen gemischt, ein sehr gefährliches Gemenge darstellen, das sich in der Hitze zu Knallgas verbindet Es entzündet sich an einer Flamme unter gewaltigen Explostonserscheinungen. Nicht anders vollzieht sich dieser Vorgang in der Luft während des Gewitters. Die e Hitze des Blitzes bewirkt die Entzündung der von ihm durch rsetzung gebildeten engen von Sauerstoff und Wasserstoff; es entstehen in der Luft K gasexplosionen, deren Lärm der Donner ist. Man darf glaub stehung des 18 als aroß de Ze 1 damit eine bessere Erklärung für die geben ist, als sie noch die Schulbücher 1.* 9 Nick daß er ase, di und dem Wasserdampf durch zur Er auch er? werden Are doch r die Zeit für or Entstehung. Wer ngegangenen E gefolgt ist, wird sich die Manchmal hören wir, aller der Gewitter schneit, den die meisten 18 zintertagen Gewitter angen? gehört, daß Höhen kalte das Gew Luftmassen h 70 2 4 Winter ein Gebiet iefere err 1 1 mee vu torun n oder Nordosten her rasch hoher Luft Sck häufig Se neefall mit schnell sinkender Temperatur ein. Diese ab sinkende kalte Luft vo bringt nun dieselbe Arbeit wie im Sommer. Sie mehrt die e trische Ladung der Luft, die sich den Schneeteilchen mitteilt. gleichzeitig auch eine entsprechend starke Ladung der Er. wird die Luft und der Schnee zum Ausgleich der ho gebracht, je weiter die elektrische Spannung gewachsen ift. Viele haben schon von elektrischen Erscheinungen während ei Schueefalls gelesen und die Meteorologen messen regelmä Stärke der Luftelektrizität, die im fallenden Schnee enthalten wie sie an den Anstalten auch Aufzeichnungen über die in der Luf vorhandene elektrische Spannung machen. 2 Also auch in der kalten Jahreszeit werden schwere, dichte Luft⸗ massen, die aus den Höhen herabsinken und noch kälter sind als die Bodenluft, die elektrische Spannung mehren und schließlich zu Vlitz⸗ bildung und Donner führen. b Ein solches Wintergewitter, das sich im Februar 1908 in exeignete, ist mir als eines der jüngsten dieser Art in Erinnern Es war ein trüber, mäßig kalter Wintertag, an dem sich am N mittag dunkle Wolken einstellten, als wollten sie ausgiebigen Schm. bringen. Nun begann es zu schneien; der Schneefall ging nach einen halben Stunde in Graupeln über. Plötzlich zuckte ein Blig, dann gehn wieder einer. Eine Weile dauerten Blitze und Donnerschläge an, 1 dann vermehrte sich der Graupelfall, es gab harten Schnee; die Temperatur sank ungemein schnell, in kurzer Zeit waren alle Leute dick in Schneemänner verwandelt und der Boden mit glattem Schuce not überzogen, fast wie wenn es Glatteis gegeben hätte. Am nächsten 0 Tage wurde es klar, und dann gab es starken Frost. ud 1 Küch 3 Mut 9 5 5 lat, Aus unserer Sammelmappe. dot Vögel und Flugmaschinen. Daß ein genaues Studium 0 kann Vogelfluges wichtige Aufschlüsse für die Konstruktion der Flu Nan maschine geben kann, ist eine Ueberzeugung, die alle Bahnbrecher auf diesem Gebiete gehabt haben, die ihre Arbeit stets mit einer ache eingehenden Beobachtung der fliegenden Vögel begannen. Auch die Stel Wissenschaft hat sich dieses Problems bemächtigt, und neuerdings wut hat besonders der französische Forscher Magnan eine Reihe von iti Untersuchungen an Vögeln durchgeführt, die bemerkenswerte Er⸗ 5 gebnisse gezeitigt haben. Er hat festgestellt, daß bei allen fliegenden Nase Vögeln die Verhältnisse ihrer Körpermaße gleich bleiben und in kurt einer regelmäßigen Beziehung zu dem Gewicht, das sie zu befördern haben, stehen. Die Natur würde danach einen wertvollen Finger⸗ zeig für die Flugkunst liefern, da man die Maßberechnung der Vögel auf den Bau der Flugmaschine übertragen könnte. Magnan bat g* 200 Vögel, die zu 76 Arten gehörten, untersucht, und zwar im de Naturzustande, ohne daß sie im Käfig gelebt hätten; alle wu 2 mit der Bichse aus der Luft heruntergeholt und sofort nach dem 0 1 Tode genau gewogen und ausgemessen. Die Oberfläche ihrer Flügel wurde genau in Quadratzentimetern aufgezeichnet und auß die Einzelgewichte genau in Grammen sestgestellt. Dabei zeigte sich, daß die charakteristischen Werkmale des Vogels varlieren, se nach⸗ 9 dem er den Gleitflug, den Segelflug oder den Rudererflug ausübt, . daß aber diese Merkmale bei den Individuen derselben Gruppe so I lt gleichmäßig wiederkehren, daß man sie für die Praxis als konans ben zmen kann. Magnan klassifiziert dabei die Vögel solgender⸗ In maßen: Raubvögel, die vor allem den Gleitfing ausführen, 1 Schwimmvögel, die den Segelflug ausüben, und Nudervögel wis 5 85 Sperlinge und Hühnerarten. Es sind nun die Vögel der erden 85 Gruppe, deren Flug sich am meisten dem der Flugmaschinen, und 5 zwar der Eindecker, nähert. Da nun in dieser Gruppe ein Vogel 5 von 500 Gramm dieselben Verhältnisse in seinen Körpermaßen aufe g N00 weist, wie ein Vogel von 10 Kilogramm, so muß man annehmen, 1 s Tups der Gleitflieger, der 500 Kilo wiegen. 1 vürde, dieselben Verhältnisse zeigen würde. Auf Grund dieser me hat Magnan berechnet, welche Maße ein solcher Rien ⸗ zel von 500 Kilo, der also etwa das Gewicht eines Einen K hätte, haben müßte, und er ist zu folgenden Zahlen gelangt: Nine“ che 14070 Quadratmeter, Gewicht der Flügel 98,5 Ales 1 Vogel diesee 0 2 „ „Spannweite 10,5 Meter, Breite des Flügels 187 Meter, 1 Länge des Schwanzes 2,00 Meter, Länge des Apparates 407 Meter. Abgesehen von der Länge, die erheblich geringer ist als die unse ren tigen Flugmaschinen, sind diese Maße in der Tat nicht sehr ve. schieden von denen der üblichen Typen. Das Gewicht ist freilich sehr verschieden je nach den Baustossen, und man sucht natürlich zu mer immer größeren Leichtigkeit der Maschinen, bei gleichbleibenden Wlderstandskraft, zu gelangen, da eln Ueberschuß an Kraft ein 1 6 Vermehrung der Unsicherheit bedeuten würde.. 3 1 1