. — Di sen istslacht Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 30 Dienstag, den 7. Zanuar 1913 I. Jahrgang Die Bedentung der Entwickelungstheorie für unsere Naturauschauung). Jeder, der sich einmal vorgenommen hat, das Leben der heutigen Kulturvölker in allen seinen verwickelten Aeußer⸗ ungen mit dem Leben derselben Völker in der„zuten alten Zeit“, etwa im Mittelalter, zu vergleichen, der findet bald den gewaltigen Unterschied in der ganzen Lebensführung. In erster Linie fällt naturgemäß der Unterschied in der soge⸗ nannten materiellen Kultur auf. Die Art und Weise, wie die modernen Menschen die Waren produzieren, verteilen und verbrauchen, die gesamte Verfassung des wirtschaftlichen Lebens ist grundverschieden von der mittelalterlichen. In zweiter Linie kommt dann die Umwälzung in der staatlichen Organisation, im politischen Leben der Nationen. Und erst an dritter Stelle wird wohl auch der Umwälzungen im rein geistigen Gebiet gedacht werden. Diese Reihenfolge ent⸗ spricht ganz den Bedingungen des wirklichen Lebens und dem wirklichen Stande der gesamten Kultur. Es ist nicht ein Zufall, daß wir bei der Aufzählung der verschiedenen Aeußer⸗ ungen des Fortschritts zuerst an den wirtschaftlichen, dann Jan den politischen und zuletzt an den geistigen Fortschritt denken. Lange bevor der moderne Mensch reif geworden ist, um seine politischen Rechte aktiv zu verteidigen, wird er ge⸗ zwungen, den Fortschritt in der Ausbildung der Produktions- und Verkehrsmittel„mitzumachen“. Und wenn er schon so weit ist, um das politische Leben seiner Zeit mitzuerleben, zum in Wort und Tat für die Rechte seiner Persönlichkeit, seiner Partei und Klasse einzutreten, so fehlt es ihm noch lange an Muße, um sich in Besitz der Produkte der geistigen Kultur zu setzen. So kommt es, daß viele sich noch lange nicht klar genug vorstellen, welch tiefe Kluft das Denken des modernen Men- schen von dem Denken des mittelalterlichen trennt. Und doch ist der Unterschied hier nicht geringer als im Gebiet des tech⸗ nischen und politischen Lebens. Will man kurz ausdrücken, worin der moderne Mensch dem mittelalterlichen„über“ ist, so kann mag sagen: der mittelalterliche Mensch kannte weder die Welt, in der er lebte, noch sich selbst; der moderne Mensch hat das Weltall und den Menschen, also sich selbst erkannt. Sind doch das die beiden Hauptpunkte, die beiden Pole, um die sich das Denken und Grübeln des Menschen von jeher ge— dreht hat: das Weltall und die Stellung des Menschen in demselben. Der hochgelehrte Züricher Stadtarzt Johann Jakob Scheuchzer schrieb noch im Jahre 1710 in seiner „Physica“, wenn man bedenke, wie wenig Licht die Sterne in mondloser Nacht spenden, so steigen Zweifel an ihrer Bestim⸗ mung, dem Menschen die Nächte zu erleuchten, auf.(J) Welche bösen Erfahrungen auf dem nächtlichen Heimgang in den dunklen und krummen Gassen seiner heimatlichen Stadt müssen den gelehrten und frommen Mann auf diesen ketzeri⸗ schen Gedanken geführt haben! Heute lächelt schon ein Schul⸗ „Aus Entwicklungstheorie(Darwins Lehre), gemeinverständ⸗ lich dargestellt von Dr. S. Tschulok, Privatdozent für Allgemeine Biologie an der Universität Zürich. Mit 49 Abbildungen im Text. VIII und 312 Seiten. Preis broschiert 2,50 Mk., gebunden 3 Mk. erlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart.) bub über solche Aeußerungen. Dem madernen Menschen ist die Erde nicht mehr der Mittelpunkt der Welt, die Gestirn⸗ nicht mehr die ihm zum Dienste angewiesenen Leuchten. Wie ist es dazu gekommen? Kurz gesagt, durch die mit dem Fort- schritt der Wissenschaft unabwendbar eintretende gewaltige Erweiterung des geistigen Gesichtskreises nach Raum und Zeit. Der einzelne erlebt noch heute diese gewaltige Umwälz⸗ ung an sich selbst, wenn er, von reinem Wissensdrang ge— trieben, sich in das Studium der Welt und der Menschheit vertieft. Wo ist der, der, durch Schilderung fremder Länder und Völker begeistert, sich nicht danach sehnte, diese ganze Pracht der wirklichen Welt mit eigenen Augen zu schauen? Von der nächsten Umgebung schweift der geistige Blick in weitere Fernen, zu den palmenumkränzten Gestaden der Südsee und ihrer zauberhaften Inselwelt. Feuerspeiende Berge und reißende Ströme, undurchdringliches Dickicht des Urwaldes, farbenprächtige Vögel und riesenhafte wilde Tiere, fremdartige Völker mit unbegreiflichen Sitten und Ge— bräuchen— wo ist der, den nicht ein heimliches Verlangen nach all diesem Reichtum von Gestalten über manches Mißgeschick der harten Wirklichkeit hinweggetäuscht hätte! Doch bald wird dem Wissensdurstigen die Erde selbst zu eng. Mit kühnem Fluge erhebt sich der Gedanke weit über die Grenzen des irdischen Wohnplatzes, schweift in den weiten Fernen des Weltalls, sieht die ungezählten Sonnen mit ihren stummen Trabanten vorüberziehen, sieht die weltschwangeren Nebel im unendlichen Raume ihre Flügel ausbreiten. Das bunte Nebeneinander von Lebensformen der Men- schen auf der Erde und von Welten im Raume bleibt dem menschlichen Geiste auf die Dauer unerträglich. Man sucht nach einem Mittel, um aus dieser unerträglichen Lage her⸗ auszukommen. Man nimmt seine Zuflucht zur Zeit. Zweierlei Arten der wissenschaftlichen Interessen kann man bei den wissensdurstigen Menschen unterscheiden, mögen es vom Schicksal begünstigte Sonntagskinder begüterter Familien oder für Wissenschaft schwärmende Proletarier— kinder sein: die einen ziehen die Naturgeschichte, Erdkunde und Himmelskunde vor, die anderen sehnen sich nach Ge⸗ schichte. Eigentlich gehört beides zusammen, das eine oder das andere bleibt für sich allein betrieben einseitig und nützt nicht viel. Wer sich dem Studium der Geschichte zuwendet, sieht sich den gegenwärtigen Zuständen und Kämpfen entrückt, sieht sich in die Vergangenheit versetzt. Der heutige Tag knüpft an den gestrigen an, der gestrige spinnt an dem Ge⸗ webe, das vorgestern begonnen wurde, weiter. Wie mit dem Raume, so hat es auch hier eigentlich gar kein Ende. Die neuere Geschichte wurzelt in der mittelalterlichen, diese in der alten, nirgends ein unvermittelter Anfang. Hat uns gar der Faden der geschichtlichen Ueberlieferung im Stiche ge⸗ lassen, so übernimmt die Urgeschichte die Führung. Wo nicht mehr die Chroniken die Quelle der Aufschlüsse über das Leben der weit zurückliegenden Zeiten bilden, da erzählen uns Tonscherben und Eisengeräte, Ueberreste von Festungen und ähnliches von diesem Leben. Bald ist auch kein Eisen⸗ gerät mehr zu finden, nur noch steinerne Beile, knöcherne Pfeilspitzen, rohe Behausungen, aus riesigen Steinen aufge⸗ — pp],,,— —. j.. ̃—— ̃ ̃̃ 7—— 5 5 5— .—* 0 3—— Jührk und meist für die Toben bestimmk, das sind die Zeug⸗ nisse des Lebens in den Urzeiten. Bei weiterer Verfolgung gelangt man zu Spuren menschlichen Lebens, das sich offenbar schon unter ganz anderen Naturverhältnissen abgespielt hat als das heutige. Man findet zweifellose Beweise dafür, daß der Mensch in E zu einer Zeit lebte, da ein großes Stück unseres Er f en Eisschichten bedeckt war, die zum größten Teil aus dem hohen Norden, aber auch aus den Gebirgen sich üt eite Landstrecken ausgebreitet haben. So hat also nicht Leben des Menschen, sondern auch die Natur selbst en Wechsel über sich ergehen lassen. Schreitet man in der Zeit ck, so gelangt man zu ebenso unumstößlichen Beweisen dafür, daß unser Erdteil einst auch t. Palmenhaine und immergrüne bessere Zeiten gesehen hat. Eichenwälder tigen Tieren eine Zufluchtsstätte, Koralleninseln wu von einem warmen Meere umspült, in dessen Fluten zählte Scharen von Rieseneidechsen tummelten. Es befriedigt unseren Geist nur wenig, daß es solche und wi 0 Gesellschaften gibt, daß es solche und daneben wieder andere Weltkörper gibt. Etwas mehr Befriedigung bringt uns die Erkenntnis, daß die einen Zustände der Lebensführung der Völker den anderen vorausgegangen sind, wie die einen Zu⸗ stände der Erde den anderen. Wer möchte denn bezweifeln, daß die Steinzeit der Eisenzeit vorausging, daß die Zeit, da in Europa Palmenwälder den Boden schmückten, der grauen vollen Eiszeit vorausgegangen war. Aber das bloße Nach⸗ einander der Erscheinungen gewährt uns doch noch nicht die volle Befriedigung. Denn es fehlt uns der Einblick in die Ursachen der Aufeinanderfolge, ebenso wie die Einsicht in die g 181870 Dod Athens 7*„ons far: 1 nen Notwendigkeit des Bestehens solcher Lebensformen mensch⸗ * 1 1 1 uten nebeneinander. das dem unbefriedigten ein Ende bereitet und uns zu hohem geistigen Genusse führt. Dieses Zauberwort beißt„Entwicklung“. Das Wort stammt nicht aus Büchern, nicht aus verstaubten Folianten holt man sich die Kenntnis * desselben. Nein, das ist unser eigenstes Gut, es steht in un⸗ serer Seele geschrieben, noch ehe wir uns bewußt um die inge der elt unn 1 Nat donn 1 18 8 Dinge der Welt kümmere Hat denn nicht jeder schon als Kind das Schwellen der Knospen bewundert, das Hervor⸗ sprossen des Keimlings aus den verstreuten Samen, das Her- anwachsen zur stattlichen Pflanze, das Entfalten der Blüten und Früchte! Ja, hat denn nicht jeder an sich schon die Ent⸗ wicklung erlebt? Wie die körperlichen Verhältnisse des Er⸗ wachsenen sich erst nach und nach aus dem ursprünglichen Zu⸗ stand des Kindes heraus entwickelten, so auch die geistigen Fähigkeiten. Jeder kann es mit ansehen, wie die Welt der Kinde sich von Tag zu Tag erweitert wie die Vorstellungen von Gut und Böse, von Recht und Un⸗ recht, von Wahrheit janz unbemerkt und nur Seele Einzug halten. Wir ver- n wenn wir sein Werden schauen, wir beherrschen die verwickelte Gestalt, wissen, wie sich immer nei dem zu machen, was dem Ei, der Kinde. Verständnis der Erschein Vorstellungen beim über- wenn wir um sie z Küchlein entwickelt sich aus ling aus der Raupe, der Greis aus dem g wird uns zum Schlüssel für das ie Züge hinzugesellen, sie ist. Das Die euglische Kraukheit. Dle englische Krankheit, die man in der Medizin Rachitis“ nennt, ist eine schleichende und langwierige Krankheit des frühen Eindesalters. So mancher Mutter ist durch das ständige Kränkeln 8 9 Nachltis“ beißt gariechisch eigentlich„Nückgratsentzündung“. Wit dieser Bezeichnung ist die für die englische Krankheit charak⸗ ihres Babys schon alle Luff und Freude am Leben und an Fem Kinde genommen worden.. Die englische Krankheit ist unter den Arbelterkindern sehr stark verbreitet. Leider sind über ihre Verbreitung keine statistischen der Arbeiterviertel lehrt, daß die Zahl der Kinder mit englischer Krankheit sehr groß ist. Vor einigen Jahren hat der Berliner Arzt G. Levy gefunden, daß von 314 Erstimpflingen eines Ber⸗ liner Arbeiterviertels, die er untersuchte, 122 Kinder die englische Krankheit hatten: davon war die große Mehrzahl mit schwerer Rachitis behaftet. Von den Kindern, die überhaupt in ärztliche Behandlung kommen, ist ein ganz gewaltiger Prozeutsatz mit Rachitis behaftet: so fand man, daß in einer Poliklinik in Berlin 65 Prozent aller in Behandlung gekommenen Kinder englische Krankheit hatten. In einer Wiener Poliklinik waren sogar 89 Prozent der behandelten Kinder rachitisch. Man wird sich nun fragen, woher die Rachitis kommt. Das auffällige Zeichen der englischen Krankheit ist die Verkrümmun der langen Knochen der Beinchen der Kinder, und man hat si darum gesagt, die Sache müsse so liegen, daß irgendein Umstand das Festwerden der Knochen verhindere. Und dieser Umstand mülsse ein Mangel an Kalksalzen in der Nahrung sein, deren es bekannt⸗ lich beim Wachstum für das Festwerden des Skeletts bedarf. Man hat darum versucht, bei Tieren durch entsprechende Ernährung künstlich Rachitis hervorzurusen. Man hat zu diesem Zwecke junge wachsende Hunde mit einer Nahrung aufgezogen, in der es an Kalk- salzen mangelte. Eine solche Nahrung ist z. B. das Fleisch oder der Reis. Für den wachsenden Organismus enthalten sie nicht genug Kalksalze. Die jungen Hunde wachsen bei einer derartigen Ernährung mit krummen Beinen heran: denn ihre wachsenden Knochen können ja ohne viel Kalksalze in der Nahrung nicht sest werden. Als man aber die Knochen dieser Tiere unter dem Mikrostop untersuchte, da fand man, daß in ihnen sich nicht jene charakteristische Veränderungen abspielen, die man bei der wirk⸗ lichen englischen Krankheit beobachten kann. Es war also nicht ge⸗ lungen, bei den Tieren durch Kalkmangel Rachitis hervorzurufen. Und das war eigentlich auch gar nicht anzunehmen; denn in der Milch, namentlich in der Kuhmilch, gibt es ja genug Kalksalze für den wachsenden Organismus. Man hatte aber bei dem Forschen, woher die Rachitis kommt, die Sache vielleicht nicht am richtigen Ende angefaßt, indem man all sein Augenmerk zunächst auf die Knochenverkrümmungen lenkte. Wir haben uns daran gewöhnt, die Knochen veränderungen als das eigentliche Wesen der englischen Krankheit anzusehen. Aber das ist nicht richtig. Denn die Knochenveränderungen sind nur eines unter den vielen anderen Krankheitszeichen der Rachitis. Es sind neben den Knochen immer eine ganze Menge andere Dinge, woran die rachitischen Kinder leiden: sie haben hartnäckige Brustkatarrhe, haben viel Durchfälle, ihre Lymphdrüsen und Milz sind häufig ge⸗ schwollen und ihr Nervensustem ist krank, sie haben Krämpfe und andere nervöse Krankheitserscheinungen. All das kann man aber nicht bei den blassen und matten Kindern mit englischer Kraufheit einfach etwas als Folge auf die kranken Knochen schlieben. Es muß irgendetwas vorhanden sein, was den ganzen Körper der Kinder krank macht. Manche Aerzte haben nun gedacht, es müsse irgendein Krank- heitserreger, eln Bazillus, bei der Rachitis im Spiele sein. Aber einen solchen Bazillus hat man nicht gefunden und wird ihn auch nicht finden; denn die Rachitis ist keine ansteckende Krankheit. Beim Suchen und Jorschen, woher die Rachitis kommt, ist man schließlich auf eine Reihe von Momenten gestoßen, die die Antwort geben sollten. Der Berliner Pathologe Hausemann hat hier vor sechs Jahren die erste Aufklärung gebracht. Es ist schon seit langem bekannt, daß die Tiere, die in der freien Natur leben, nur selten krank werden. Gewiß gibt es Krank⸗ heiten auch unter den Tieren in der freien Natur, aber es handelt sich dann gewöhnlich um ürgendeine sie plötzlich besallende Insek⸗ tlonskrankheit oder plötzlich eintretenden Nahrungsmangel oder einen plötzlichen Umschlag der Witterung, die verheerend auf die Gesundheit der Tiere wirken, und die als Ausnahmeerscheinungen angesehen werden müssen. Die vielgestaltigen krankhaften Zustände⸗ deren Beschreibung bei dem Menschen Bände ausfüllt, kommen bet den Tieren in der freien Natur nur ganz vereinzelt oder garnicht vor. Anders aber bei den Tieren in der Gesangenschaft. Sie unterliegen einer ganzen Reihe von Krankheiten wie der Meusch. So ist bei den Tieren, die in Gemeinschaft mit dem Menschen leben, 3. B. die Tuberkulose sehr verbreitet, wie wir das von den Rindern wissen, und ebenso von den Affen. Was für die Tuberkulose gilt, gilt auch für die Rachitis. In der Freiheit erkranken die Tiere niemals an Rachttis, in der Gesangenschaft aber, oder wenn sie zu Daustieten geworden sind, neigen sie zu dieser Krankheit. Nach —.—. erkrankt 3. B. niemals ein Asse in der Freihelt an achitis. ö bleiben sie längere Zeit, 3. B. über ein halbes Jahr, darin, so teristische Verkrümmung des Rückgrates angedeutet. Erhebungen vorhanden. Aber schon der Augenschein in den Straßen Kommen aber Assen jung in die Gesangenschaft und werden sie fast ohne Ausnahme rachitisch. Auch die wilden groben . * 7 * N ö Wel 1 Wa e e eee eee FFF. TFIIIT N 3** Ka 2 22 72 * 22 FF rr rr katenarten in unseren Zoologischen Gärten neigen zu Rachitis, bor allem die Löwen und Tiger. Und nicht nur die Säugetiere, gar die Beuteltiere neigen in der Gefangenschaft zu Rachitis. und genau so wie die Tiere in der Freiheit, verhalten sich auch e Menschen in der freien Natur. Alle Nachforschungen, die Hanse— I nann hier angestellt hat, haben ergeben, daß niemals Rachitis bei ol, Völkern vorkommt, die fern von der Kultur leben: die *— bel den Naturvölkern bekommen keine englische Krankheit. Nun gut, die englische Krankheit kommt daher, daß wir uns Hon der freien Natur entfernt haben und uns den vieltausend— fͤltigen Schädigungen ausgesetzt haben, die die Kultur mit sich bringt. Aber wir milssen mehr wissen, wenn wir gegen die Rachitis ankämpfen wollen. Denn die ganze Kultur, in der wir heute leben, können und wollen wir nicht über den Haufen werfen. Und viel⸗ Leicht ist gar nicht die ganze Kultur an der Rachitis schuld? Also korschen wir weiter. Da knüpfen wir an eine Beobachtung an, die vir in einem alten Kulturlande machen können, und zwar in Japan. In Japan gibt es keine Rachitis. Auch in dem so armen apanischen Proletariat kommt leine Rachitis vor. Woran mag Has nun liegen? Vielleicht an der Wohnart der Japaner? Hierin unterscheiden sich nämlich die Japaner in außerordentlicher Weise won uns Europäern. Sie wohnen in leichtgebauten Häusern, und diese haben Fenster nicht von Glas, sondern von Papier. Auch die Türen zwischen den einzelnen Wohnräumen sind gewöhnlich von Papier oder von Pappe. Die ganze Bauart des Hauses ist leicht, die Wände von Holz und dünn. Die Durchlüftung der Wohnräume In Japan ist dank dieser Bauart außerordentlich gut. Man ist mit Bezug auf frische Luft in seiner Wohnung so wie im Freien. Und man hat jederzeit die Möglichleit, ins Freie zu kommen: denn die Wohnhäuser sind beinahe immer bloß Parterrehäuser, selten ein— stöckig. Ist das Wetter gut, so sind die Kinder stets im Freien, zwo sie sich tummeln können. Auch die Mietskasernen, in denen in Japan die Arbeiter wohnen, sind Parterrehäuser resp. einstöckig. Auch hier können die Kinder stets leicht ins Freie. Nun haben wir die Vermutung, daß der Mangel an frischer Duft und an freier Bewegung mit an der Rachitis schuld sein könnten. Für die Großstädte in Deutschland würde das gut zu— tressen. Die Arbeiterbevölkerung wohnt hier in mehrstöckigen Mietskasernen, deren Höfe und Fluren klein sind. Ebenso sind die Wohnräume stets äußerst knapp bemessen. Die Luft in den Miets— kasernen, die dichtgedrängt, Haus bei Haus, stehen, ist stickig. Hier lebt der Nachwuchs der Arbeiterbevölkerung, und jeder Spazier— gang mit dem Säugling oder einem kleinen Kinde ist ein ganzes Unternehmen, namentlich wenn man mehrere Stock hoch wohnt. Die Kinder müssen in den schlecht durchlüfteten Räumen liegen und lommen nicht täglich an die frische Lust. Nach Hansemann er— kranken darum die im Herbst geborenen Kinder häufig im gleich darauf folgenden Winter am Rachitis, während die im Frühjahr geborenen Kinder, die im Sommer gesund bleiben, um erst im Winter Rachitis zu bekommen. Hier liegt die Bedeutung des Mangels an frischer Luft für das Zustandekommen der Rachitis deutlich zutage. Daß der Mangel an frischer Luft, was zunächst durch das Wohnen in mehrstöckigen Mietskasernen bedingt wird, für das Jaustandekommen der Rachitis von Bedeutung ist, kann auch daraus gefolgert werden, daß in Deutschland in den agrarischen Gegenden die Rachitis weniger Opfer fordert als in den industriellen. So kommen nach Biesalski(zitiert nach Grotjahn, Soziale Pathologie) auf 100 000 Einwohner Krüppel, die ihren Zustand der Rachitis verdanken: in Ostpreußen „ Pommern 28 „Schleswig⸗Holstein. „Brandenburg „ 1 „ Hannober 5„el 1 Sachsen 3 5 Westfalen 5 f Hessen⸗Nassau. 816 8„ Rheinland.. 3 Din 3 Je stärker die Industralisierung einer Gegend, desto mehr Rachitis in ihr. Im Königreich Sachsen liefert die Rachitis sogar 29 Krüppel auf 100 000. Man kann wohl annehmen, daß die mit der Industrialisterung Hand in Hand gehende Entfernung des Menschen von der freien Natur hier von Bedeutung ist. Grotjahn erzählt in seiner Sozialen Pathologe, es sei ihm in London in den Arbeitervierteln aufgefallen, daß man dort nur selten Kinder mit rachitisch verkrümmten Knochen antreffe, während ja in Berlin und in seinen Vororten schon der bloße Augenschein lehrt, daß die Rachitis bier außerordentlich verbreitet ist. Grotjahn ulimmt an, daß die besseren Verhältnisse mit Bezug auf die Rachitis in London zum Teil gegeben seien„in der in London sast aus⸗ ichließlich üblichen Wohnweise in einstöckigen Häusern, aus deren engem, vielfach stallartigen Innern die Kinder jeden Augenblick ins Freie, wenn auch nur in die schmutzigen Höse und schmutzigen Straßen, gelangen können. Das Londoner Arbeiterkind ist eben trotz der ungeheuren Größe der Stadt in viel höherem Maße Frei⸗ kluftrvesen. als die deutschen Kinder in den mit Mietskasernen be— bauten Groß⸗ und Mittelstädten Deutschlands, die mit Treppen und Korridorabschlüssen dem Kinde den Weg ins Freie erschweren und „ Schlesien 4 1 9 N N * 12338 namentlich den eigentlich selbstverständlichen Aufenthalt des Heinen Kindes in Hof und Straße immer erst zu einer Aktion machen, die wegen ihrer Umständlichkeit kaum täglich und dann nur für kurze Zeit ins Werk gesetzt wird. Es ist sicher kein Zufall, daß man in den schottischen Großstädten, die in deutscher Art mit hohen Miets— kasernen bebaut sind, auch wieder zahlreiche rachitische Kinder antrifft“. Die Vermutung, daß Mangel an frischer Luft und an freier Bewegung bei den kleinen Kindern mit an der Rachitis schuld sei, muß also doch richtig sein. Die Rachitis kommt also daher, daß die schlecht ernährten und schlecht gewarteten Arbeiterkinder nicht genügend an die frische Luft, nicht genügend ins Freie kommen. Und das ist zunächst bedingt durch das Wohnen in Mietskasernen. Wir sehen, es ist gar nicht die ganze Kultur, die wir über den Haufen werden müssen, wenn wir gegen die englische Krankheit ankämpfen wollen. Wir müssen zunächst an eine Wohnungs- reform denken. Die vielstöckigen Mietskasernen müssen ver⸗ schwinden. Gartenstädte müssen entstehen, durch entsprechende Verkehrsmittel mit der fabrizierenden und handelnden Stadt ver— bunden. Eine solche Wohnungsreform kann nur durchgeführt wer— den, wenn sie in großzügiger Weise vom Staate in die Wege ge— leitet wird. Aber das ist der eigentliche Haken der Sache, daß die— jenigen, die heute die Lenker des Staates sind, die herrschenden Klassen, diese Wohnungsreform gar nicht brauchen. Denn bei ihnen gibt es ja keine Wohnungsnot. Zum Teil wohnen sie ganz in Villenvierteln, zum Teil verbringen sie jedenfalls kürzere oder längere Zeit in der freien Natur, auf dem Lande oder an der See. Und dann reicht es ja auch gar nicht an Geld für eine groß⸗ zügige Wohnungsreform. Die Steuern müssen für viel wichtigere Dinge verwendet werden. Z. B. für Panzerschifse und Kanonen. Im Kampfe gegen die englische Krankheit ist nun natürlich auch mit der Wohnungsreform allein nicht alles getan. Auch bessere Ernährung und bessere Wartung der Kinder tut not. Hler knüpft der Kampf gegen die Rachitis an den allgemeinen Kampf der Arbeiterklasse um bessere Lebensbedingungen an. Dr. A. Lipsch ü tz. Das Orientproblem. Von Parvus. 11. Der koloniale Kapitalismus. Der Orient braucht, um sich zu entwickeln, die Industrie. Das ist zu einer stehenden Redensart geworden. Es ist ja auch richlig: Wie man auch die sozlalen Verhältnisse beurteilen mag, die hier seit Jahrhunderten bestanden, so ist doch eben ihre Zeit vorbei, das Ganze ist ja nur noch ein Trümmerhaufen, und es gibt keine andere Zukunft, als auf dem Wege der Industrie. Jedoch die treibende Kraft der modernen Industrie ist der Kapitaltsmus, und der Kapt⸗ talismus, der überall mit dem Ruin des Handwerks und des Bauerntums seinen Weg eröffnet und die schlimmste Verelendung der Volksmassen erzeugt, wirtschaftet hier, weil er mit konzentrierter Gewalt auftritt, schlimmer denn je. In den Tabakfabriken der„Regie“, in den Spinnereien in Broussa, in den Teppichwebeiren arbeiten sechsjährige Kinder, Knaben wie Mädchen. In den Kohlenbergwerken von Heronkleia werden die elend bezahlten Grubenarbeiter außerdem noch durch ein schamloses Trucksystem ausgewuchert. Von Unfallverhütung, Unfall⸗ versicherung, keine Spur; es sehlen selbst die primitivsten sanitären Maßnahmen, und der kranke Arbeiter bekommt keine Hilfe. Selbst bei den Eisenbahnen ist die sanitäre Hilfe für die Arbeiter und An⸗ gestellten äußerst mangelhaft und unzureichend, wie das beim Streik auf der anatolischen Eisenbahn zum Ausdruck kam und später von dem früheren Arzt der Gesellschaft, Dr. Gabriel, in einem beson⸗ deren Buch dokumentarisch nachgewiesen wurde. Die Handwerker in Konstantinopel arbeiten zu 1820 Mann zusammen in einem engen, halbdunklen Raum, wo sie auch zusammen übernachten, wobet der Arbeitstisch als Nachtlager dient. Die Werkstätten befinden sich in eingefallenen Häusern, förmlich unter Ruinen, wo der Wind durch die Risse der Fenster und selbst der Mauern frei eindringt, und der Regen hereinpeitscht. Die Hafenarbeiter übernachten je 40 oder 50 in elenden Herbergen, kommen aus ihren schmutzigen Kleidern nie heraus, kennen keinen Sonntag, keinen Feiertag. Selbst die bessergestellten Arbeiter, wie die Buchdrucker, kennen keine Sonn⸗ tags ruhe. Ergeht es schon den Arbeitern schlimm genug, so gestaltet sich doch die Lage jener, die aus den alten Verhältnissen herausgeschleu⸗ dert sind, ohne eine neue Beschäftigung, einen Platz unter den neuen Verhältnissen gefunden zu haben, noch schlimmer. Ungezählte Tau⸗ ——— e—— .—-—-————— — 23 N e N— sende bevölkern als heimals- und unterstandslose Betller, Vagabun⸗ den die Straßen, und sammeln sich in den Städten, wo sie ein elende⸗ res Dasein führen, als seiner Zeit die berühmten Hunde von Kon⸗ stantinopel, die wenigstens in den wohlhabenden Quartieren reich⸗ liche Nahrung fanden. ntuu uge g ischen Krank⸗ heiten heimgesucht, die angesichts der völligen Abwesenheit ärztlicher Hilse sich schrankenlos ausbreiten. Die Wälder werden verwüstel, der Boden wird durch die primitive Kultur ausgeraubt. Daneben bildet sich eine dünne kapitalistische Schicht: Dorf⸗ wucherer, die zum Teil auch als Steuerpächter auftreten, städtische Händler, die den Verkehr mit dem Lande vermitteln, Exporteure, Importeure, Schiffsreeder usw. Während aber der Prozeß der * mitiven Kapitalansammlung hier intensiver vor sich geht, als es in Europa der Fall war, wächst die einheimische Bourgeoisie weniger rasch empor. Denn da der Kapitalismus von vornherein* konzen⸗ triertes Kapital von Europa aus an das Land herantritt, so fließen auch die Erträge seine Ausbeutungstätigkeit zumeist 9 Europa ab. Die Erträge der Staatsschuld fließen nach Europa; die Prosite der Eisenbahngesellschaften ebenfalls; die Gewinne der Trusts des⸗ gleichen. Und soweit das europäische Kapital sich der einheimischen Geschäftsleute bedient, schafft es auch von vornherein Konzentration: es arbeitet mit Hilfe der Banken Mit anderen Worten: der Mittelstand wird von vornherein ausgeschaltet. Diese soziale Zwischenstufe der Bourgeoisie, nebenbei ihre zahlreichste Vertretung, wird— Die Banken haben sich in Europa vor dem Wuchergeschäft ent wickelt und sind schließlich zu Beherrschern der Industrie geworden. Hier im Orient wenden die Banken von vornherein und zielbewußt die ganze Skala der Geschäftstätigkeit an, wie sie sich in Europa ge schichtlich entwickelt hat icht das gilt ebenso für die übrigen Balkanstaaten, wo die Banke neben dem eigentlichen Kreditgeschäft,* Großhandel vermittel ken, Zementsabriken, Ziegeleien n äuser usw. errichten, überhaupt an allen bedeutenden en mitbeteiligt find. Das Ganze könnte man als kolonialen Kapitalismus bezeichnen. Denn auch in Ostindien wie in Afrika, überall, wo der moderne Kapitalismus primitive Verhältnisse zu bearbeiten hat und keinen ausreichenden politischen Widerstand findet, sehen wir die glesche Emwicklung Es ist Tatsache, daß in Europa selbst die kapitalistische Aus beutung zu einem Hindernis der industriellen Entwicklung gewor⸗ den ist, deren Grundbedingung die Erweiterung des Massenkon sums ist. Der koloniale Kapitalismus, der einen großen Teil des im Lande geschafsenen Reichtums nach dem Auslande abfließen läßt unten eine ungeheure Volksarmut erzeugt, oben den Besitz wenig steigert, dazwischen nur sehr dünne Schichten des Mittelstandes be stehen läßt, erreicht diese Grenze noch viel schneller. Durch die Massenarmut, durch die geringen Löhne wird die Entwicklung d inländischen Marktes gehindert. So gelangen wir zu einem recht cha rakteristischen Ergebnis: der Orient braucht Industrie— um aber die Industrie zu entwickeln, ist es notwendig, der kapitalistt schen Ausbentung Schranken aufzuerlegen. des — Zu diesem Zwecke ist aber die 2 Dle wirtschaftliche Betrachtung führt uns zu demselben Ergebnis wie die Analyse der nationalen Kämpfe. b 11e Narbe! un emoktatle Vorbedingung Aus unserer Sammelmappe. Das Salz des Meeres und fein Arcistauf. Der Salzgehalt der Organe ist verschieden; er beträgt im Atlautischen Ozean im Mittel 35,4 pro Wille, im Großen Ozean 319 und im Indischen Ozean nur 24.3 pro Mille. Mit der Frage nach den Ursachen dieser Unterschiede beschäftigt sich eine Arbeit von A. Wocikom in„Fetermauns geo- raphischen Mitteilungen.“ Der hohe Salzgehalt des Atlantischen Ozeans konnte um so erstaunlicher erscheinen, als dieses Weltmeer gegenüber den andern beiden ei wasser hat, von dem man ien viel größeren Zustrom an Süß⸗ annehmen konnte, daß et wie auf Küsten⸗ meert, so auch auf den ganzen Ozean einen aussüßenden Einfluß habe. Die Tatsache, daß gerade dem Atlantik die größten Fluß⸗ systeme der Welt angehörten, hängt jedoch damit zusammen, daß in Amerika, dieses Meer von weiten, flach ausgedehnten Ländern Afrika und Europa umgeben ist, während den Indischen und den Großen Ozean hohe Gebirge umgürten. Jufolgedessen sind die ben Atlantik umgebenden Kontinente in hohem Grade für atlantische Einflüsse offen, so daß viel durch Verdunstung des Meeres ent⸗ stehender Wasserdampf auf sie geführt wird. Durch die Berdunstung von Wasser wird das Meer falzreicher, die ihm zuströmenden Flüsse aber können dem Meere nur das verdunstete Wasser und auch diesegz nur teilweise zurückgeben, da in abflußlosen Gebieten(Sahara, aralokaspisches Gebiet! viel Wasser, das durch die vorherrschenden Westwinde dorthin geführt wird, verloren geht.— Auf Grund der Annahme, daß die Flüsse den Meeren fortwährend Salze zuführen, bat man schon versucht, das Alter der Ozeane zu berechnen; man darf dabei freilich nicht vergessen, daß dieser Salzaureicherung noch andere Momente entgegenwirken. So wurde neuerdings festgestellt, daß nicht nur Wasser in Dampsform vom Meere aus landwärts ge⸗ tragen wird, sondern auch Salz, welches bei Stürmen dem Gischt der Wellenkaämme vom Winde entführt und nicht nur nach der Strandregion getragen wird, sondern noch sehr viel weiter in die Kontinente hinein, um schließlich mit Regen und Schnee zur Erde zu gelangen. Man kann somit außer vom Kreislauf des Wassers auch von einem Kreislauf des Salzes sprechen. Dieser ossenbart sich z. B. darin, daß die Elbe, welche Böhmen entwässert, diesem Gebiet nach genauen Analysen viel mehr Salz entführt, als in der gesamten Nahrung der Menschen und Tiere jenes Bereichs sowie in den Gewerben verwendet wird. Dieser Ueberschuß an Salz kann nur aus 24 Meere stammen und wird durch die reichlichen Regen⸗ mens des böhmischen Gebiets dort niedergeschlagen. ee die Sterne nicht mehr glänzen. Als vor etwa zehn Jahren der gewaltige Ausbruch des Krakatau stattgesunden hatte, konnten wir uns in Europa monatelang an den herrlichsten Farben⸗ spielen bei Aufgang und Untergang der Sonne erfreuen. Diese ihren Ursprung darin, dun der Vulkan ungeheure Mengen feinen Staubes auch in hohe Ne⸗ nen der Atmosphäre emporgeschleudert hatte, die sich nun, da sich in 3 obern Luftschichten der heißen Zone eine starke Strömung von Ost nach West sindet, im Lause von etwa 14 Tagen in Gestalt eines äußerst feinen Staubringes um den ganzen Erdball verbreitet hatten. Kleinere Teile dieses Ringes gelangten auch in höhere Breiten, also auch zu uns nach Europa. Auf die Strahlen der hoch⸗ stehenden Sonne hatten diese fein verteilten Staubmengen keinen merklichen Einfluß. Stand jedoch die Sonne tief am Himmel, so wurden diese Staubmassen von ihrem Licht feitlich in der Er⸗ streckungsrichtung des Ringes getrossen, und diese Beleuchtung ge⸗ währte uns damals bei schwindendem Tageslicht die prachtvollen erst im Laufe von Monaten mit dem allmählichen Niedersinken der 1 auf die Erde verlor. Seit Juni 1912 wird nun beobachtet, und es kann zum Teil noch beobachtet werden, daß die Sonnenstrahlung außergewöhnlich ge⸗ ringe Kraft hat, daß der Himmel auch an den klarsten Tagen nur noch blaßblau ist und überhaupt keine satte Färbung mehr zeigt, Hier und da wurde eine v. FE starke Trübung der Luft auch in größeren Höhen direkt beobachtet. Damit in Zusammenhaug steht eine Veränderung in der* des Oimmelslichtes. Auch der Glanz der Sterne ist verblaßt. Die Ursache dieser Er⸗ scheinungen ist nun mit größter Wahrscheinlichkeit in einem furcht⸗ baren Ausbruch des Katmai⸗Vullanes in Alaska zu suchen, der vom 6. bis 9. Juni dieses Jahres dauerte. Es wird berechnet, daß die von diesem Vulkan in vier Tagen ausgespieene Asche sich als sechs Meter hohe Schicht im Umkreis aufgehäuft hätte, wenn das Wetter ruhig gewesen wäre und nicht große Aschenmengen durch den Aus⸗ bruch selbst und durch Stürme in die Atmosphäre verschlagen worden wären, die nunmehr gleichfalls ihre Wanderung um den Erdball antraten. Es zeigen sich bei uns also ganz anders die Wirkungen eines Bulkanausbruchs, der unsern Breiten näher liegt, als die des inäquatorlalet Gegend liegenden Kralatau. Dessen Nachwirkungen erscheinen bei uns in seiner und dem Auge wohlgesälliger Gestalt⸗ Der Vulkan auf Alaska aber stört uns in ganz anderm Maße daß liebe Oimmelslicht. Doch sei nicht verschwiegen, daß im Jahre 1019 wahrscheinlich auch noch eine kosmische Störung hinzukommt, die uns den Glanz der Pimmelslichter raubt. seltenen Dämmerungserscheinungen fanden Farbenerscheinungen, die sich