ben 1% W . 0 u n 2 tin eth N 1 1 i 0 1 chen* E* p Folshe 51 un ih 0 1 lone kein ii 16 ah l.. dcs% bi W 5 deln unn ö gu N bel 10. mummer 44 Dienstag, den 4. februar 1913 I. Jahrgang * Die ländliche Leutenot in Hessen. g Nachdem der Parteitag der preußischen Sozialdemo⸗ kratie beschlossen hat, die Landarbeiterschaft in die plan- mäßige Agitation einzubeziehen, und nachdem die Gründung einer gewerkschaftlichen Landarbeiterorganisation bereits erfolgt ist, dürfte das brennende, bisher aber in der größten Unklarheit schwebende Problem der ländlichen Ar⸗ beiterfrage in ein neues und zwar entscheidendes Stadium getreten sein, an dem die Wirtschafts⸗ und Sozial⸗ politiker nicht vorüber gehen können. Die gewaltige Um- wälzung in unserer Vevölkerungsstruktur, die durch die letzte Berufszählung festgestellt worden ist, hat besonders in der Landwirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die deutsche Be⸗ völkerung war seit 1882 um 17 Millionen gewachsen, die landwirtschaftliche aber um 2 Millionen zurückgegangen, N i. von 41 auf 27 Prozent. Leider versagt bei einer genaueren Verfolgung der Frage die Reichsstatistik insofern, als die Zählmethoden bei den verschiedenen Aufnahmen nicht ein⸗ heitlich gewesen sind und besonders die Erfassung von Fa⸗ milienangehörigen als„Arbeiter“ bei der letzten Zählung offenbar in einer recht weitherzigen Weise erfolgt ist. Wie sollte man es sich angesichts der notorisch zunehmenden länd⸗ lichen Arbeiternot sonst erklären, daß in der Periode 1882 bis 1895 die landwirtschaftlichen Arbeiter um 320 000 abge- nommen, dagegen in der nächsten Periode 1895-1907 um 16 Millionen wieder zugenommen haben sollen? Dieses Resultat ist nur dadurch entstanden, daß man Hund erttausende von Familienangehörigen, besonders weibliche, die schon früher immer in der ausgiebigsten Weise als Hilfskräfte in der Landwirtschaft tätig gewesen sind, nun einfach als haupt⸗ beruflich Erwerbstätige gezählt hat. Die Vermehrung war also nur nominell, zwar hat man die Zahlen größer gemacht, der Personalbestand ist aber im Gegenteil zurückgegangen. Das erkennt man ganz deutlich daran, daß die sog, fremden Arbeitskräfte, die Knechte und Mägde, seit 1895 um 386 90 abnahmen, und es ist charakteristisch, daß darunter nur 26 000 Mägde sind. Während die Knechte sich um 34 Prozent ver⸗ minderten, war das bei den weiblichen Landarbeitern nur zu 4 Prozent der Fall. Am schlagendsten wird die ländliche Leutenot durch den rapiden Rückgang der landwirtschaftlichen häuslichen Dienstboten gekennzeichnet. Für Hessen ergeben die beiden letzten Berufszäh⸗ lungen folgende Sammelziffern der hauptberuflich Erwerbs⸗ tätigen, der speziell weiblichen Arbeitskräfte und außerdem der häuslichen, ebenfalls meist weiblichen Dienstboten in den landwirtschaftlichen Betrieben: Erwerbstätige darunter häusliche im Hauptberuf weibliche Dienstboten 1895 103 804 42 720 6730 1907 100 076 49 158 1191 Die 15prozentige„Zunahme“ der weiblichen Erwerbs⸗ tätigen in den letzten zwölf Jahren rekrutiert sich fast ganz aus den schon früher tätigen Familienmitgliedern; der Dienstbotenverlust in derselben Periode ist ein ganz auf⸗ fallend schroffer Absturz, wie kaum in einem anderen Lande. Insgesamt wurden 1907 in der hessischen Landwirtschaft 337 386 Personen beschäftigt. Ueberwiegend, nämlich 55 Prozent, waren es weibliche Kräfte. Weil Hessen ein aus⸗ gesprochen bäuerliches Gebiet ist, spielen die nicht zur Familie gehörenden Fremdarbeiter nicht ganz die große Rolle, wurden 70 000 fremde Arbeitskräfte gezählt. Das sind nur 21 Prozent, aber z. B. in Ostprenßen und Pommern 43 Pro- zent. Nichtsdestoweniger ist die landwirtschaftliche Leutenot in Hessen eine äußerst fühlbare. Der intensive bäuerliche Be⸗ trieb ist ganz auf der Familienarbeit aufgebaut; aber die er⸗ wachsenen Familienmitglieder strömen besonders aus den Kleinwirtschaften bei dem ungeheuren Aufschwung der hessi⸗ schen und benachbarten Industrie zu dieser in Massen ab. Darum werden schon die jüngsten Arbeitskräfte zur Land⸗, Hof⸗ und Stallarbeit herangezogen, nicht nur nebesbei, son⸗ dern so erheblich, daß sie von der Statistik offiztell mitgezählt werden mußten. Wurden doch im Jahre 1907 im Groß- herzogtum Hessen nicht weniger als 5500 Kinder unter 14 Jahren(von Familienangehörigen und fremden Ar- beitskräften) als Landwirtschaftspersonal aufgeführt. Von ihnen entfielen allein 3000 auf Oberhessen, 1800 auf Starken⸗ burg und nur 800 auf Rheinhessen. Das rheinhessische Pro⸗ zent der jugendlichen Landarbeiter(0,9) ist eins der günstig⸗ sten im ganzen Staate; in Oberhessen steigt diese agrarische Kinderarbeit auf 2,4 Prozent an, in Oberschlesien und dem Bezirk Posen leider sogar auf 6 und 7 Prozent. Die deutsche Landwirtschaft deckt ihren Bedarf an Ar- beitskräften mit nahezu drei Vierteln des ermittelten Perso— nals aus den Familien der Wirtschaftsinhaber selbst; mit dem restlichen Viertel ist sie auf fremde Hilfe angewiesen. Diese fremden Arbeitskräfte belaufen sich in Deutschland immerhin noch auf 4½ Millionen Köpfe und stellen die eigentliche landwirtschaftliche Arbeiterfrage dar. Sie ist natürlich bei den einzelnen Größenklassen verschieden. Bei den kleineren Betrieben kommt die Mitarbeit Fremder nur wenig in Betracht. Sie beträgt aber schon bei den mittel⸗ bäuerlichen Wirtschaften 26 Prozent, bei den großbäuerlichen 60 Prozent und bei dem Großgrundbesitz sogar 97 Prozent. Neben Klima und Bodenart entscheiden noch Kulturart (Ackerland, Weidewirtschaft, Viehzucht) und Wirtschafts⸗ organisation(Hackfruchtbau oder reine Körnerwirtschaft) über den mehr oder weniger großen Arbeiterbedarf, und nicht zuletzt die Möglichkeit der Maschinenbenutzung. Die Ma⸗ schine kann in der Landwirtschaft nie eine ähnliche vevolutio⸗ näre Bedeutung bekommen, wie in der Industrie. Die menschliche Arbeitskraft wird auf dem Lande immer unent⸗ behrlich sein. Darum sind die Bemühungen, die Landarbeiter auf dem Lande festzuhalten, fortzusetzen. Auf diesem Stand- punkt stand z. B. unbedingt auch der letzte Parteitag der preußischen Sozialdemokratie. Man ist sich im allgemeinen schon heute über die tauglichen und die untauglichen Mittel klar. Zu den tauglichen gehört in erster Linie die Reform der ländlichen Wohnungsfrage, des Landarbeiterrechts und der Entlöhnungsart. Alle anderen Versuche, namentlich so⸗ weit sie auf eine Befestigung patriarchalischer, und darum unmoderner Zustände hinzielen, haben sich als verfehlt er⸗ wiesen. 2 a 85 Der Untergang der großen Armee. Von Kurt Eisner. 4. Kapitel. Die Wendung von Moskau. 2 Im Brande von Moskau wurde die einheitliche Organisation Europas mitzerstört, wie sie Napoleon in Vollzug der französischen Revolution begonnen hatte, und aus der Asche erhob sich die eng⸗ wie im deutschen Osten; neben 207 000 Familienzugehörigen lisch⸗russische Weltherrschaft. Die Funken jener weltgeschichtlichen n — Latastrophe streben bis in unsere Zeit und entzünden noch immer Brände: wäre vor einem Jahrhundert jene Organssation Europas, die auch die Lösung der osteuropälschen Probleme einschloß, nicht vernichtet worden, es wäre heute keine Nahrung für einen Balkan⸗ krieg gewesen. Es scheint die possenhaste Geschichtsaufsassung des Glases Wasser, den Zufall einer ohne besondere Absicht in blinder Zer⸗ störungswut herbeigefil 1 Elementarerscheinung als Ausgang so welttragender Entse gen zu bestimmen. Dennoch kann niemand, der ohne Sch wund Schablonen jener Zeit vulkanischer Erschütterungen zu ergr versucht, über den Brand von Moskau hinweg. Was die Zeitgenossen dunkel empfanden, was Napoleon selbst als Ursache jeines Untergangs behauptet, muß auch der heutige Historiker anerkennen, der gelernt hat, die Gesetzmäßigkeit eines über alles Persönliche und Zufällige hinauswirkenden ge schichtlichen Geschehens zu Wie erhielt aber eine zufällige Brandkatastrophe diese Bedeutung, wie konnte gerade sie geschicht⸗ liche Wendungen auslösen, die den Weltkämpfen eines Menschen⸗ alters Richtung und Ziel gaben? Diese Frage muß allen Betrachtungen vorangestellt werden, die den Völkerkrieg der Fürsten— den„Befreiungs⸗ krieg“— in Gründen und Erfolgen zu messen bemüht sind. Zugleich bilden die Moskauer Wochen Napoleons das schwierigste Problem seiner gesamten Wirksamkeit. Wie kam es, daß Napoleon über einen Monat, vom 14. September bis zum 10. Oktober, in den Trümmern Moskaus untätig verharrte? Warum entschloß er sich nicht, mit seiner trotz der Schwächungen, die sie auf dem Zuge erlitten, immer noch übermächtigen Armee das russische Heer zu vernichten? Warum marschierte er nicht nach Petersburg? Kleine Streifzüge, die die Franzosen während der Moskauer Zeit unternahmen, hatten doch bewiesen, daß es leicht war, die unter unfähigster Führung stehenden russischen Truppen zu zermalmen! Die Lösung der Frage liegt in der russischen Politik Napoleons. Auf St. Helena bekannte das stärkste Willensgenie der Ge⸗ schichte:„Nie war ich Herr meiner Bewegungen, nie wirklich ganz ich felbst. Ich mochte viele Pläne haben, besaß aber nie Freiheit genug, einen davon vollständig durchzuführen. Wle sest ich auch das Ruder hielt, wie stark auch mein Arm war, die zahlreich und schnell andringenden Wogen waren doch noch stärker, und ich war nur klug genug, lieber nachzugeben, als durch hartnäckigen Wider⸗ stand mich dem Umschlagen auszusetzen. Nie war ich wahrhaft Herr meiner Handlungen; stets regierten mich die Umstände. So war es; weil ich nicht die törichte Anmaßung hatte, die Exeignisse aus meinem Susteme zu spinnen, sondern im Gegenteil mein Sustem dem unvorhergesehenen Gewebe der Ereignisse einfügte.“ Das war nicht die Entschuldigung eines abgehausten Komödianten, der das Bedürfnis hatte, für die Nachwelt Perücken zu probieren. Es war die tiefste Erkenntnis eines Mannes, der nicht nur Geschichte machte, sondern auch über Geschichte philo⸗ sophlerte. Einmal aber, beim Moskauer Brand, warsen ihm die Umstände so heillos alle Berechnungen um, daß er sich nicht mehr zurechtsand und in der beharrlichen Weiterführung seines ursprüng⸗ lichen Systems sich und seine Politik zugrunde richtete. Napoleon hat später gern den Gedanken ausgesponnen, was ohne den Brand von Moskau hätte geschehen können.„Wenn Moskau nicht den Flammen Überliefert worden wäre,“ sagte er in der wehrlosen Ein⸗ samkeit der Ozeans,„hätte ich der Welt das seltene Schauspiel einer friedlich überwinternden Armee inmitten eines seindlich gesinnten, sie von allen Seiten bedrängenden Volkes gegeben: ein im Eise sest⸗ gefahrenes Schiff! In Frankreich würde man eine Zeit lang nichts von mir gehört haben, aber die Franzosen hätten sich sicher ruhig und klug verhalten. Der Winter in Rußland hätte zwar schwer auf jedermann gelastet, aber im Frühlsahr wären sie dann alle auf ein⸗ mal erwacht. Sobald die schoͤne Jahreszeit gekommen wäre, würde ich sofort auf den Feind losmarschiert sein. Ich hätte ihn geschlagen und wäre Herr Über sein Reich gewesen. Aber glauben Sie mir, Alexander hätte es gar nicht so weit kommen lassen. Er hätte sich schon vorher alle Bedingungen, die ich ihm machte, gesallen lassen, und dann würde Frankreich endlich freles Spiel gehabt haben. Und in der Tat, es hätte wenig gefehlt! Ich war gekommen, um be⸗ waffnete Menschen zu bekämpfen, aber nicht die tobenden Elemente. Ich habe Armeen zerstört; aber die Flammen, das Eis, die Er⸗ starrung, den Tod konnte ich nicht besiegen. Das Geschick war stärker als ich und dennoch, welches Unglück für Frankreich, für Europa! Der zu Moskau geschlossene Frieden hätte meinen Kriegsunter⸗ nehmungen ein Ende gemacht. Er wäre für die große Sache das Ende der Glücksfälle und der Anfang der Ruhe und Sicherheit ge⸗ wesen. Ein neuer Horizont, neue Arbeiten hätten sich aufgetan und wären von dem Gedeihen, dem Wohle aller erfüllt gewesen. Die europälsche Politik war begründet, es blieb nur noch die Frage, sie zu organisteren!... Die große Sache des Volkes war gewonnen, die Revolution war vollendet Ich war die Bundeslade der alten und neuen Allianz, der natürliche Vermittler zwischen der alten und neuen Ordnung.“ Europäische Politik! Es ist seit dem Sturz Napoleons ein wesenloses Wort geworden, von enropäischer Politik zu reden. Im Munde Napoleons war es ein tätiger Begriff. Seitdem konnte man ein halbes Jahrhundert nur von englischer und russischer Politik sprechen, und europäische Politik gibt es bis zum heutigen Tage nicht. Napoleon war sich seit jeher klar darüber, daß nicht nur Eng⸗ lands Welthandelsherrschaft, sondern auch Rußlands Weltzarismus der Jeind war, der überwunden werden mußte, ehe sich Europa ge⸗ stalten konnte. Alle seine Versuche, Rußland in Frieden und Freund⸗ schaft zu fesseln, waren Verteldigungs⸗ und Bändigungsmaß gegen Rußland. Es ist deshalb ebenso salsch, den Niedergang Napoleons von dem Bruch mit Rußland zu datieren, wie etwa gar die muftische„Schuld“ Napoleons in dem Bunde mit Rußland zu behaupten. Denn dieser Bund mit Kußland hat niemals, keinen Augenblick, innerlich bestanden. 5 In Tilsit und auf dem Erfurter Fürstentag schien die n rufsische Freundschaft festgeschmiedet zu sein. Aber wer denkend sich in jene Verhandlungen vertieft, wie sie am klarsten der sranzösische Historiker Vandal dargestellt hat, erkennt sosort, daß Napoleon niemals daran gedacht hat, die rufsische Politik zu unterstützen. Er hat sie immer nur für seine europäische Politik neutralistieren und wirtschaftlich gegen England zu richten versucht. Während der Tilsiter Friedensverhandlungen hatte Napoleon zuerst beabsichtigt, als Gegenstlick zum Rheinbund einen Nordbund zu schaffen, der sich vom Rhein bis zur Weichsel erstreckte, und das Großherzogtum Berg, Hessen, Braunschweig, Nassau, Sachsen, Schlesien, das Großherzogtum Warschau(mit den r Gebiete) unter französischem Einfluß vereinigte. Dieser großer konnte nicht durchgesetzt werden. Vor allem lag ihm daran, an Oftgrenze gegen Rußland Grenzsesten aufzurichten. Diese Aufgabe war Polen zugewiesen, und deshalb blieb auch Preußen bestehen; ein gedemütigtes, zerstückeltes, selbst mißhandeltes Preußen, das nicht mehr die Kraft hätte, die Waffen gegen Frankreich zu erheben, von dem er aber immer noch erwartete, daß es sich allmählich in das französische System einpassen würde. Diese beiden Grenzsesten sollten zugleich durch einen Abgrund der Feindschaft gehindert wer⸗ den, mit Rußland zu konspfrieren. Der Zar wie Napoleon hatten 1807 mit dem gleichen Mittel und dem gleichen Mißerfolg versucht, der eine in Polen einen Feind Frankreichs, der andere in Preußen einen Feind Rußlauds für alle Zeiten zu rüsten. Der Zar hatte in den Tilsiter Verhandlungen dem französischen Kaiser angeboten, daß er über Polen einen französischen Herrscher setzte; aber Napoleon erkannte die Absicht dieses freundlichen Angebots, und er dachte nicht daran, die Spitze polnischen Nationalhasses gegen Frankreich zu lenken, und dadurch an der Ostgrenze statt eines Ver⸗ teidigers einen Verräter seines Reiches zu schassen: darum wurde Polen mit Sachsen verbunden. Bonaparte hatte die Anregung des Zaren, Jerome auf den Thron des Großherzogtums Warschau zu setzen, und ihn zugleich mit einer sächsischen Prinzession zu ver⸗ heiraten, mit der Begründung zurückgewiesen:„Die Politik des Kaisers ist, daß sein unmittelbarer Einfluß nicht die Elbe über⸗ schreitet, und er hat diese Politik gewählt, weil sie allein sich mit dem Sustem ernster und beständiger Freundschaft verträgt, die er mit dem großen Kaiserresch des Nordens herstellen will.“ Nur auf 241 Weise glaubte Napoleon im Großherzogtum Warschau nicht sowohl die polnische Nation wiederherzustellen, als eine polnische Ax mee gegen Rußland zu organisieren. Auch Napoleons Plan scheiterte, in Preußen einen unauslösch⸗ lichen Haß gegen Rußland zu begründen. Sein Angebot an den Zaren, Teile Ostpreußens zu erwerben, wurde von Alexander I. abgelehnt. Napoleon überschätzte Überhaupt noch immer die Reiz barkeit preußischen Ehrgefühls, das gegen Rußland niemals, auch bei den frechsten Zumutungen nicht, sich hervorwagte. Nicht umsonst hatte Napoleon in dem Tilsiter Frledensvertrag mit Preußen den Hohn des Artikels 4 ersonnen, daß er auf die preußischen Ex⸗ oberungen verzichte,„par égard pour Sa Majesté I'Empereur de toutes les Russies“, aus Rlicksicht auf den russischen Kaiser. Dlese Wendung hätte ein empfindlicheres Nationalgefühl mit tödlichem Haß gegen Rußland erfüllen mülssen. Denn dieses Rußland, dem zuliebe Napoleon die Reste Preußens setzt zu erhalten behauptete, war doch der Verbündete Preußens gewesen und hätte mit ihm zugleich stegen oder untergehen müssen; und sein Verrat erst hatte Preußen Frankreich ausgeliefert. Gibt es ein aufreizenderes r- bältnis, als sein Leben der Gnade des Verräters danken zu mlissen? Aber Friedrich Wilhelm III. war froh, wenn er nur ein bischen Land behielt, das er regieren und ausbeuten konnte; und so war er wirklich— sehr wider die Absicht Napoleons— dem Zaren dankbar, daß er ihm bei der verräterischen Ausplünderung einige Zehr⸗ plennige in die Tasche gesteckt. Aber dieser mißlungene Versuch Napoleons, zwischen Preußen und Rußland Feindschaft zu säen, zeigt, wie er von Anfang an gegen Rußland rüstete. Es war wiederum geschichtliche Wahrheit, wenn er auf St. Helena sich gegen den Vorwurf verteidigte, er habe durch den Vertrag von Tilsit Europa an die Kette Rußlands gelegt; ohne den 4 von Moskau würde man gesehen haben, daß er durch senen ag Ruß⸗ land vielmehr an die Kette Europas gelegt habe. Ebenso waren die zwischen ihm und dem Zaren verhandelten Orientpläne niemals etwas anderes wie ablenkende und besänftigende Unterhaltungen. Napoleon dachte nicht daran, die orientalische Erweiterungspolitik des Zarismus irgendwie zu fördern. n an der Die erste Marx⸗Biographie. Im Verlag von F. Meiner in Leipzig ist soeben erschienen: Karl Marx Leben und Werk. Versfasser ist John Spargo. Aus im Vorwort des Verfassers geben wir folgendes wieder: J Professor Veblen, einer der fähigsten und glänzenden 3 FN NPN s rea garrr ee , . 8 e , r F A r e e ̃ Ss...]q.]⁵². ⁵²., 7 K— amerikanischen Soziologen, hat mit vollem Recht gesagt:„Der Sozialismus, der heutzutage Furcht und Hoffnungen einflößt, ist aus der Schule von Marx. Niemand fürchtet ernstlich eine andere sogenannte sozialistische Bewegung, und niemand ist ernsthaft darauf bedacht, die Doktrinen, die irgend eine andere Schule von„Sozialisten“ vorgebracht hat, zu kritisieren oder zu widerlegen.“ Es wird wohl allgemein zugegeben werden, daß diese Worte eine bemerkenswerte Huldigung für den Einfluß und die Macht eines großen Denkers sind. Es ist keine Kleinig— keit, wenn eine internationale politische Bewegung mit vielen Millionen Anhängern so sehr von dem Geist eines einzigen Mannes beherrscht wird, daß sie allgemein mit seinem Namen bezeichnet wird. Denn„Sozialismus“ und„Marxismus“ sind auswechselbare Ausdrücke von praktisch der gleichen Be— deutung geworden. In den europäischen Großstaaten, wo der Sozialismus eine politische Macht ist, wird die Bewegung so gut wie vollkommen durch den Geist und das Werk von Marx beherrscht und inspiriert. In den Vereinigten Staaten, wo es eine wachsende soziale Bewegung gibt, von der man allgemein anerkennt, daß sie viel stärker und kräftiger ist, als sie bisher politisch in Erscheinung trat, sind Sozialismus und Marxismus Synonyme. In China und Japan werden die Werke von Marx von denen eifrig gelesen und studiert, die gegen die herrschende Gesellschaftsordnung auftreten und von einer Veränderung träumen. In Australien sind die Schibolethe des Marxismus auf die roten Banner eines un⸗ zufriedenen Proletariats geschrieben. In Afrika gibt es Karl Marx⸗Klubs, und aus ihnen steigt der Geist der Revolution empor.. Angesichts dieser Tatsachen braucht man kein Sozialist zu sein, um ein Interesse für den Mann zu empfinden, dessen Werk und Persönlichkeit so viel zur Entwicklung des modernen politischen Denkens und Geschehens beigetragen hat. Ob sich nun im langen Lauf der Jahrhunderte der Sozialismus als gut oder böse, als Segen oder Fluch für die Menschen erweist, Karl Marx muß immer als eine der großen Weltgestalten unsterblichen Andenkens ein Gegenstand des Interesses bleiben. In stetig wachsender Zahl werden Jahr für Jahr intelligente Männer und Frauen das gleiche Interesse an dem Studium von Marx' Leben und Werken finden, wie an dem Studium des Lebens und Werkes von Cromwell, Wesley oder Darwin, um drei Unsterbliche von unendlich verschiedenem Typus zu nennen. Man weiß merkwürdig wenig über Karl Marx, selbst unter seinen glühendsten Anhängern. Sie kennen sein Werk, weil sie Das Kapital mit der Andacht und dem Ernst studiert haben, mit dem eine frühere Generation von Christen die Bibel studiert hat. Aber der Mann selbst ist ihnen ge— wöhnlich unbekannt. Außerhalb der sozialistischen Bewegung ist die Kenntnis selbst seines Werkes auf die verhältnismäßig kleine Zahl derer beschränkt, die sich mit dem Studium solcher Dinge besonders befassen. Selbst diese wissen sehr wenig von dem Manne im Unterschied von dem Philosophen und Sozial— ökonomen. Der Durchschnittsmensch weiß weder über Marr noch über seine Theorien etwas Genaueres. Obwohl mehr als sechsundzwanzig Jahre seit dem Tode von Marx vergangen sind, gibt es noch keine genügende Biographie von ihm in irgend einer Sprache. Die meisten Geschichten des Sozialismus haben seinem Leben einige Kapitel gewidmet und die meisten Enzyklopädien beschäftigen sich in biographischen Artikeln mit dem Mann und seinem Werk. Doch muß man feststellen, daß diese Kapitel und Ar⸗ tikel in Enzyklopädien, soweit sie in England und Amerika veröffentlicht wurden, fast ohne Ausnahme von den erstaun— lichsten Irrtümern wimmeln. Die Deutschen haben es viel besser gemacht. Es gibt einen kleinen Band' Erinnerungen an Marx, von seinem Freunde Liebknecht verfaßt, der ins Englische übersetzt, in Amerika und in England weite Verbreitung ge⸗ funden hat. Dies Buch herzlicher und liebevoller Erinne— rungen ist seinem Geiste nach getreu, aber betrübend ungenau Karl Marx zum Gedächtnis. Ein Lebensabriß und Er⸗ bmerungen von W. Tlebknecht. Nürnberg 1890, in seinen Einzelheiten und beinahe trivial, wenn man es als eine Darstellung dieses Mannes und seines Werkes betrachtet. Sein Werk ist für den Forscher und Biographen unschätzbar, aber es ist nicht, auch seiner Bestimmung nach nicht, eine Marxbiographie. Es war ungefähr vor dreizehn Jahren, als ich mir zum ersten Male des Mangels einer zuverlässigen und umfassenden Darstellung des Lebens und Werkes von Karl Marx bewußt wurde und mir vornahm, diesem Mangel abzuhelfen, falls nicht irgend eine würdigere und geeignetere Hand diese Auf— gabe vorher übernehmen und ausführen würde. Ich begann sosort Material für eine Biographie zu sammeln, und während der verflossenen Jahre, die mir infolge meiner Tätig— keit innerhalb der sozialistischen Bewegung fast keine Muße ließen, ist dieses Werk mit der Ausdauer und Energie zu Ende geführt worden, die unter den Umständen eben möglich waren. Und jetzt nach Abschluß eines Werkes, das für mich eine Arbeit voller Liebe und Freude war, möchte ich mich doch nicht erkühnen, zu sagen, daß dieses Buch nur etwa den An- spruch machte, die endgültige Marxbiographie zu sein. Ohne Zweifel werden deutsche Forscher wie Franz Mehring oder Eduard Bernstein, die mit besserem Rüstzeug auf dem Plan erscheinen, uns eines Tages die ausführliche und seiner Be⸗ deutung voll gerecht werdende Biographie schenken, auf die alle Welt wartet. Mein Bestreben war es, dem Leser eine aus der Zuneigung geborene, erläuternde Darstellung des Lebens eines Mannes zu geben, der nicht allein ein tiefer und glänzender Denker, sondern auch eine liebenswürdige und interessante Persönlichkeit war. Niemand ist in neuerer Zeit betrübender mißverstanden und verunstaltet worden als Karl Marx— in gleicher Weise von denen, die ihn hassen, als von denen, die seinen Namen verehren. Höchstwahrscheinlich werden daher diese Blätter sowohl Sozialisten wie Nichtsozialisten viele Ueberraschungen bringen; Marx, wie er hier ersteht, wird ganz unähnlich dem Marx sein, den sie, je nach ihrem Standpunkt, geliebt oder gehaßt haben. Im Vertrauen darauf, daß das Porträt des Mannes, wie ich es entworfen habe, im wesentlichen getreu ist, hoffe ich, daß dieses Buch meinen sozialistischen Genossen und allen, die Sozialismus studieren, ebenso wie auch be— sonders dem größeren Publikum, welches in diesen Tagen, wo so viel„Sozialismus in der Luft“ liegt, eine tiefgründige Kenntnis des Sozialismus für einen notwendigen Bestand— teil seiner geistigen Ausrüstung erachtet, Marx lebendiger machen wird. Wenn mir diese Hoffnung einigermaßen in . Erfüllung geht, so bin ich mehr als zufrieden. J. S. Für die deutsche Ausgabe sind, wie der Verlag mitteilt, die Zitate, die Briefstellen usw. sämtlich mit dem Original- text verglichen worden. Die tatsächlichen Angaben des Werkes wurden, soweit irgend möglich, nachgeprüft und eine Anzahl von Irrtümern und Mißverständnissen richtig gestellt. Die neue Lehre der Welteutstehung. Von H. Falkenfels. Wer an der Unzulänglichkeit dieser„schönsten aller möglichen Welten“ verzagen möchte, kann sich aus seiner Naturbildung einen philosophischen Trost schöpfen, da sie ihm überall zeigt, daß das Schlechte, Veraltete, Ueberholte niemals und nirgends noch seine Lebenskraft sofort verliert, sondern oft lange und so munter weiterlebt, als habe es erst jetzt so recht seine wahren Existenz⸗ bedingungen gefunden. Der ganze Anblick der lebendigen Natur ist eine eindringlich wirkende Illustration dieses wenig erfreulichen Satzes. Köunten denn sonst, wenn die Entwicklungslehre zu Recht besteht und sich hochentwickelte Tiere, ja Menschen aus ben einfach⸗ sten Bildungen des Lebens herausgestaltet haben, noch solche primitive Wesen wie Infusorien oder Würmer und Schnecken neben den die in jeder Hinsicht um ein Vielfaches übertreffenden höheren Lebewesen bestehen? Aber das Edle wohnt überall mit dem Gemeinen zusammen und die Regel ist es, daß sich das Höhere sogar nur im Kampf mit dem in der Uebermacht befindlichen Niedrigen burchsetzen kann, daß die Wahrheit meist lange unterdrlickt wird, weil der Irrtum so üppig und erstickend wuchert. Nux aus solchen Betrachtungen heraus kann man es verstehen, wenn man in unseren Tagen über die grundlegende Frage aller denkenden Wesen, nämlich darüber: woher wir stammen, allgemein eine längst als unzulänglich er⸗ kannte Ansicht in Bichern und Köpfen lebendig wirken, feht, ——— —— „—T——————˖ —— — — .—— —ͤ 4 1 per den Aus unserer Sammel se Sippe der Irrlichter 92 e N* mappe. f G e 5 1 1 1 Die 9 * 1 e Tot ben— lse des Wegen⸗ fene Fit man siche rn Deshalb at, daß