Kmtsverkündigungsblatt ber Provinzialdirektion Oberhessen und der Kreisämter Eiehen, Friedberg, Büdingen, Lauterbach, Schotten und Alsfeld. Sic. 5. Sabegans 1937 I Beilage der Oberhessischen Tageszeitung Gießen. 19. Januar 1937 Kreisamt Friedberg Polizeiverordnung iiber die Genehmigung von baulichen Anlagen nach Artikel 23 i>ct Allgemeinen Bauordnung an össentlichen Stragen und Aus Grund des Gesetzes vom 30. April 1881, bi« allgemeine Bauordnung betreffend, der Ausführungsverordnung hierzu vom 1 Februar 1882 und des Artikels 64 des Gesetzes be- treifend die innere Verwaltung und die Vertretung der Kren« und Provinzen, vom 8. Juli 1911, wird mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Reichsstaithalters in dessen — Landesregierung — Abteilung IX, vom 30. De- zcmber 1936, zu Nr. IX 29 427 für den Kreis Friedberg/H. folgendes angeordnet: 8 1. Die baupolizeiliche Genehmigung ist, bevor , mit der Ausführung der Arbeiten begonnen wird, zu erwirken zur Errichtung neuer oder zur wesentlichen Veränderung vorhandener Cilos, 'Anschlagsäulen, Tankstellen mit Zubehör, insbesondere deren Ueberdachungen, und von Einsriedigungen aus Mauerwerk Holz, Metall oder aus verschiedenem Material, sofern diese'baulichen Anlagen an öffentlichen Straßen oder Plätzen zu liegen kommen. § ? Die Genehmigung wird durch schriftlichen Baubescheid «r- ^H^Das Gesuch ist bei dem zuständigen Bürgermeister vorzu- tbringen. Dem Gesuch sind Planunterlagen in zweifacher Ausfertigung beizulegen. § 3. Zuwiderhandlungen gegen diese Polneiverorbnnng werden, insoweit nicht die Vorschriften des RStGB. und des PS1EB. Anwendung finden, nach den Bestimmungen des Art. 79 und 80 der ABO. bestraft. § 4- Diese Polizeiordnung tritt mit der Verkündung in Kraft. Fr i edb e rg/H., den 11. Januar 1937. Kreisamt Friedberg: Dr, Straub. Kreisamt Schotten Dienstnachrichteii. Karl Heusing von Laubach wurde als Jagdaustehcr für den Jagdbezirk Laubach bestellt. ' Frl. Anna Schneider von Burkhards wurde als Hebamme für di« Gemeinden Burkhards und Kaulstoß eidlich verpflichtet. Kreisamt Alsfeld Alsfeld, den 13. Januar 1937. Betreffend: Richtlinien für die Verbrauchslenkung auf dem Gebiete der Ernährung. An die Bürgermeister des Kreises Alsfeld. Wir geben Ihnen Kenntnis von dem nachstehend auszugsweise abgedruckten Bericht des Instituts für Konjunkturforschung über „Volksernährung aus deutschem Boden". Der Bericht enthält maßgebliche Richtlinien für die Verbrauchslenkung aus dem Erbiete der Ernährung. Wir empsehlen Ihnen im Einvernehmen mit dem zuständigen Kreisbauerniührer, bei Behandlung der an Sie herantretenden Fragen der Verbrauchslenkung diele Richtlinien zu beachten, die sowohl für die privaten Haushaltungen als auch für alle öffentlichen Anstalten, Gemeinschaftsküchen ufw. von Bedeutung sind. Kreisamt Alsfeld. 3. SB.: K «ffel. Volksernährung aus deutschem Boden. Richtlinien für die Verbrauchslenkung aus dem Gebiete der Ernährung. Die deutsche Landwirtschaft macht die größten Anstrengungen, dem beschränkten deutschen Boden diejenigen Nahrungsmittelmengen abzuringen, die nötig sind, um die Ernährung des Volkes trotz der Schwierigkeiten des Auslandsbezugs zu gewährleisten. Aus wichtigen Gebieten ist ihr dies in vollem Umfange gelungen, aus anderen vermag sie wenigstens bei guten Ernten die Produktion bis zur vollen Bedarfsdeckung zu steigern: bei einigen Nahrungsmitteln klaffen allerdings noch Lücken, die in nächster Zeit noch nicht zu schließen sind. Der Verbraucher kann diese Bemühungen der Landwirtschaft wesentlich unterstützen und einen entscheidenden Beitrag zur Erlangung der deutschen Nahrungsfreiheit liefern, wenn er seine Ernährungsweise den gegebenen einheimischen Möglichkeiten anpaßt und nicht mehr wie früher, da der Austausch der Waren zwischen allen Ländern der Welt noch ohne größere Storungen möglich war. verlangt, daß ihm zu jeder Zeit alle Nahrungsmittel lediglich seinen persönlichen Wünschen entsprechend zur Verfügung stehen. . Wie der Stand der Selbstversorgung im einzelnen zur Peit ist, ergibt sich aus der folgenden Aufstellung: Anteil der Jnlaiidserzeugung am Eesamtverbrauch von landwirtschastlichei, Erzeugnissen v. H. 100 95 bis 94 90 80 >< 75 n 0 60 50 40 30 20 5 89 80 80 70 benötigte Fleisch wird zwar auch fast restlos im Inland erzeugt, jedoch zum Teil mit Hilfe ausländischer Futtermittel, so daß bei Fleisch indirekt eine Auslandsabbängigkeit in Hohe von etwa 10 v. H. besteht. Noch stärker ist — abgesehen von den rein tropischen Erzeugnifsen — der Zuschußbedarf bei MoUereierzeug- nissen, Eiern und vollends bei Fetten. Im allgemeinen kann man sagen, daß der Bedarf au pflanzlichen Nahrungsmitteln in jeder Höh« aus eigener Schotte gedeckt werden kann. Liegen doch bei diesen di« je Hektar, erzeugbaren Nährwerteinheiten ungleich höher als bei den tierischen Produkten. Die Tatsache, daß je Hektar rd. 200—250 dz grove Gemüse, wie Rotkohl, Weißkohl, Karotten ufw., rd. 150 dz Kartoffeln, über 40 dz Zucker sowie 15—20 dz Getreide geerntet werden, dagegen nur etwa 5 dz Schweinefleisch. IVs—2 dz Rindfleisch und nur rd. 1 dz Butter erzeugt werden können, beleuchtet die ^Vorteile einer fett- und fleifchärmeren Nahrung. Nach alledem ergibt sich als einzuschlagende Marschrichtung in der Ernährungswirtsthast eine Umstellung auf eine Kost, die di« pflanzlichen Erzeugnisse, wi« Kartoffeln, Gemüse, Zucker, Erzeugnis Brotgetreide (Roggen und Weizen). Sveisekartof- ieln, Zucker Teigwaren, Grütze, Graupen, Haferflocken. Sago usw., Bier (Braugerste), grobe Gemüse, wie Weißkohl, Wirsingkohl, Rotkohl, Grünkohl. Möhren. Speifesteckrüben u. bergt, ferner Spargel, Sellerie. Meerrettich, Pflaumen. Kirschen. Kalbfleisch. Schaffleisch. Ziegenfleisch. Pferdefleisch, Trinkmilch, Süßwasserfische . . . Fleisch insgesamt, Gemüse insgesamt (darunter Rosenkohl, grüne Erbsen, Spinat, Salat), Birnen Eier, Honig, Obst insgesamt (darunter Aevfel), grüne Bohnen, Zwiebeln ...... Molkereierzeugnifs« insgesamt, Geflügel, Gurken . Butter und Käse........... • Fische............... • Speck und Schmalz, Beerenobst, Blumenkohl, Tomaten Fette insgesamt > Aprikosen, Psirsisch« . < - » Nüsse Hülsenfrüchte insgesamt Margarine........... . . . Reis, Kakao, Südfrüchte, Maisstärke, Gewürze u. a. Kolonialwaren............. 69 55 49 39 29 10 Danach kann der Bedarf an den lebenswichtigen Nährstoffen, wie Brotgetreide. Kartoffeln, Zucker, Trinkmilch, grobem Gemüse (Weiß-. Rot- und Wirsingkohl, Mohrrüben und Steckrüben) aus inländischer Erzeugung gedeckt werden. Das „ 3 Grund- Dienstag, 19. Januar 1937 gegenüber den tierischen bevorzugt. Grundsätzlich ist ferner zu beachten, daß tierisches Fett noch schwerer als Fleisch aus deutscher Erzeugung herzustellen ist und pslanzliches Fett große Aufwendungen an Bardevisen erfordert. Erwünscht ist also vor allem «ine Kost, bei der Fett in jeder Form eingespart wird, zumal der Fettverbrauch in der Nachkriegszeit ohnedies stark angestiegen ist und den hohen Vorkriegsverzehr je Kopf der Bevölkerung erheblich überschritten hat. Die in Brot, Kartoffeln und Zucker enthaltenen Nährwerteinheiten haben außerdem den Vorzug besonderer Billigkeit. Wie nachstehende Tabelle zeigt, decken sie die Hälfte des gesamten Kalorienbedarfs, beanspruchen aber nur ein Viertel der Ernährungskosten. Die Zusammensetzung der deutschen Nahrung: Erzeugnis Vrot, Gebäck und Kartoffeln , Zucker .......* . Obst, Gemüse und Südfrüchte , Fleisch ....... , Fische.......... Was nun die ausländischen wird die Frage der Einfuhr entschieden werden müssen nach dem Grade der Entbehrlichkeit, nach dem Preis der Nährwerteinheit, nach der handelspolitischen Lage und nach der Möglichkeit, die Nahrungsmittel ohne Inanspruchnahme von Bardevisen zu er- Ijalten. Alle diese Gesichtspunkte lassen sich nur selten vereinigen. So ist z. V. die Einfuhr von Margarinerohstossen unentbehrlich, und die Fetteinfuhr stellt sich in dieser Form unvergleichlich viel billiger als in Form von Butter; aber die Margarinerohstosfe kosten Bardevisen, während Butter im Rahmen des Austauschverkehrs «ingesührt wird. Südfrüchte sind nicht lebensnotwendig; sie müssen aber vielfach hereingenommen werden im Austausch gegen Jndustrieerzeugnisse. Unter Berücksichtigung der Einfuhrlage und der oben geschilderten heimischen Erzeugungsmöglichkeiten kann man die Nahrungsmittel in drei Gruppen teilen, je nachdem, ob ihr Verbrauch verstärkt, beibehalten oder vermindert werden soll. Volkswirtschaftlich erwünscht ist ein: verstärkter Verbrauch an: Kartoffeln, Zucker, Marmela-de, entrahmte Milch, Quark, Graupen, Grütze, Hafer flocken, Saga, Kunsthonig, Buttermilch, Harzer und Limburger Käie, einheimischem Gemüse, Fischen, Hammelfleisch, Kaninchenfleisch: gleichbleibender Verbrauch an: Brot und Backwaren, Mehl. Schweinefleisch, Wild, Geflügel, Eiern, Reis, Kakao, Obst. Südfrüchten, Erbsen. Bohnen, Linsen, Vollmilch. Trockenobst, Honig; verminderter Verbrauch an: Rindfleisch, Kalbfleisch, Butter, Schmalz, Speck, Margarine, Speiseölen, und -fetten, Buchweizen, Hirse, Einsuhrgemüse, insbesondere eingesührtem Frllhgemüse, Fettkäse, von 100 Kalorien die für Lebensentfallen auf mittel ausgegeben werde», entfallen aus 43 20 8 4 3 8 9 23 1 3 Nahrungsmittel anlangt, so Nun steht aber nur ein Teil der Nahrungsmittel (darunter allerdings die wichtigsten, wie Brot, Kartoffeln, Nährmittel, Zucker u. a.) das ganze Jahr in gleichmäßigen Mengen zur Verfügung. Bei anderen unterliegt die Produktion zahreszeitlichen Schwankungen. Zur Vermeidung von Versorgungsschwierigkeiten und überflüssigen Einfuhren ist es erwünscht, daß der Verbraucher sich noch mehr als bisher mit seiner Nachfrage diesen Angebotsschwankungen anpaßt. Wenn er zur Zeit der „Schwemme" die im Uebermast vorhandenen Erzeugnisse bevorzugt, so erleichtert er damit den Absatz dieser Waren und entlastet gleichzeitig die Nachfrage nach knappen Waren. Welche Waren — neben den hier nicht besonders aufgefllhr- t«n stets verfügbaren Grundnahrungsmitteln — in den einzelnen Monaten zu bevorzugen find, zeigt die nachfolgende Aufstellung. die sich natürlich nur auf die bei einem durchschnittlichen Ernteverlauf gegebenen Verhältnisse bezieht. im Januar: Februar: März: April: Mai: Besonders zu bevorzugen sind Schweinefleisch, Gänse, Fische, Kohlarten, Wurzelgemüse, Obst- und Gemüsekonserven. Schweinefleisch, Fische, Kohlarten, Wurzelgemüse, Obst- und Gemüsekonserven. Schweinefleisch, Kohlarten, Wurzelgemüse, Obstund Gemüsekonserven. Schweinefleisch, Gier, Kohlarten, Wurzelgemüse, Rhabarber, Spinat, Obst- und Gemüsekonserven. Gier, Milch, Quark, Spargel, Spinat, Salat, Kohlrabi, Rhabarber. Juni: Hammelsleisch, Gier, Milch, Quark, Spargel, grüne Erbsen, junge Möhren, Salat, Spinat, Rhabarber, Frühkohl, Kohlrabi, Erdbeeren, Kirschen. Juli: Hammelfleisch, Milch, Quark, Pilze, Kohlartcn, Kohlrabi, grüne Erbsen, grüne Bohnen, Gurken, Salat, Beerenobst, Kirschen. August: Hammelfleisch, Pilze, Kohlarten, grüne Bohnen, Tomaten, Gurken, Salat, Kohlrabi, Beerenobst, Pflaumen. _ : September: Hammelfleisch, Geflügel, Pilze, Kohlarten, Gurken, Tomaten, Bohnen, Salat, Spinat, Pflaumen, Birnen, Aepfel. Oktober: Rindfleisch, Wild, Fische, Geflügel, Pilze, Kohlarten, Gurken, Tomaten, Salat, Spinat, Aepfel, Birnen. November: Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel, Fische, Wild, Kohlarten, Wurzelgemüse, Aepfel. Dezember: Schweinefleisch, Fische, Wild, Gänse, Kohlarten, Wurzelgemüse, Aepfel. Alsfeld, den 12. Januar 1937, Betreffend: Mitteilungen über Bohrungen und Grabungen durch die Behörden an die geologische Landesanstalt. An die Bürgermeister des Kreises. Das nachstehende Ausschreiben der geologischen Landesanstalt empfehlen wir Ihrer genauen Beachtung. Abschrift Ihrer der geologischen Landesanstalt zugehcnden Mitteilung wollen Sie uns jeweils vorlegen. Kreisamt Alsseld. I. SB.: Kessel. Die Geologische Landesanstalt richtet hierdurch an alle Behörden des Landes die ergebenste Bitte, ihr von allen durch sie veranlaßten, von ihnen zu beaufsichtigenden, ober ihnen sonst zur Kenntnis kommenden Bohrungen, Schachtanlagen, Kanalisationen, Drainagearbeiten, Quellsassungen, Vrunnengrabungen, Neuanlage von Friedhöfen, Straßen oder Wegen, Bahnen und Grundgrabungen für die Fundamentierung öffentlicher Bauren, Feldbereinigungen, überhaupt von allen solchen Arbeiten, bei denen Bodenausschlüsse entstehen, so frühzeitig Mitteilung zu machen, daß die Geologische Landesanstalt die betreffenden" Arbeiten von Anfang an verfolgen und für die regelmäßige Probeentnahme Sorge tragen kann. Die Geologische Landesanstalt hat die Aufgabe, den Ausbau des Landes möglichst genau zu erforschen und die praktische SBer» Wertung der Gesteine und Bodenarten, der Quellen usw. zu ermöglichen. Sie kann aber diese Aufgabe nur dann erfüllen, toenn sie von allen Behörden hierbei durch Mitteilung der ge- nnnnten Art unterstützt wird. Da sich auch oft bei kleinen Schursungen usw. geologische Ausschlüsse von großer Wichtigkeit ergeben, so kommt es auf möglichst vollständige Mitteilung aller w Adelten an. Wir bitten auch dringend, den "unterstellten Beamten diese Aufforderung zu Beginn jeden Jahres wieder in Erinnerung zu rufen, da sie sonst erfahruiigsgemäst m Vergessenheit gerät. Direktion der Hessischen Geologischen Landesanstalt. Achtung Kreisämter! Wiederholt kommt es vor, das; Manuskripte der verschiedenen Kreisämter zweiseitig beschrieben werden und uns hierdurch technische Cchwierig- keitcn bereiten. Ebenfalls kann hierbei sehr leicht eine Seite übersprungen werden. Wir bitten die verantwortlichen Stellen, darauf zu achten, das; in Zukunft jegliche Manuskripte nur einseitig beschrieben werden. Oberhessische Tageszeitung