Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen. Nr. 15. Samstag den 27. Mai 1848. Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. per Zeile 2 kr. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition, Einrückungsgebühren Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt. Antirepublikanische Vereine. (Schluß.) Aber auch von dem Allen ganz abgesehen, bedarf es wohl nur einer Hinweisung auf die eigne ganz richtige Anerkennung jener Stimme in Nr. 21, daß, wenn es sich um praktische Ausführung der Ansichten der republikanischen und nicht republikanischen Parteien handle, sich alsdann beide trennen und in ehrlichem Kampfe gegenüber treten müssen, um ihre eigne Zustimmung für das Zusammentreten der gan⸗ zen nicht republikanischen Partei zu beweisen, wenn wir nur weiter darzuthun vermögen, daß es sich in der That um die praktische Ausführung der republikanischen Ideen gehandelt hat und noch handelt. Wir berufen uns dieserhalb auf die Ereignisse in Frankfurt, wie solche die Blätter der freien hessischen Zeitung uns darlegen. Wir fin⸗ den hier(vergl. Nr. 7,) daß die republikanische Partei die größte Energie entwickelte und namentlich dem Zweck der Einführung der Fördera— tiv⸗Republik die Bildung einer provi— sorischen Regierung für ganz Deutschland beabsichtigte. Bekannt ist, wie sie diesen Zweck auf verschiedene Weise bei der vorberathenden Ver⸗ sammlung zu erreichen suchte. Daß dieses nicht ge—⸗ lang, war wahrscheinlich ihre Schuld nicht. Danach wird wohl Niemand bestreiten wollen, daß jene An⸗ sichten bereits zu einer sehr entscheidenden praktischen Ausführung gediehen waren und kein Unbefangener kann es läugnen, daß diese praktische Richtung der selben auch im Augenblik noch besteht. Von Gesin— nungen und Worten zu That ist überhaupt kein großer Sprung: auch Worte sind Thaten. Noch klarer wird die Nähe und Größe der Gefahr sich dar— stellen, wenn sich die Anschuldigung des Landesver⸗ raths gegen Badische Republikaner bestätigen. Deshalb läßt sich auch mit Grund gewiß nicht bestreiten, daß alle und jede Freunde des Fortschritts, welche Deutschland des gewonnenen Guten nicht durch ungemäßigten Radicalismus und republikanische, also revolutionäre Bestrebungen wieder beraubt sehen wol— len, verpflichtet waren und noch sind, als constitu— tionelle Partei offen zusammen zu treten und fest und ernst, wie es die Zeit gebietet, stark jeder allein, aber stärker ein Verein den drohenden Gefahren des Re⸗ publikanismus entgegen zu wirken. Auch ein deutsches Rechen⸗ Exempel. Es hat ein republikanischer Rechenkünstler sich die Mühe genommen, dem deutschen Volke vorzu⸗ rechnen, daß 449 männliche und weibliche, erwachsene und unerwachsene Glieder fürstlicher Familien in Deutschland leben. Derselbe Rechenkünstler, welchem es übrigens auf Richtigkeit seiner Zählung wenig an— kommt, fügt nun noch 827 Personen standesherrlicher Abkunft hinzu und behauptet, diese 1353 Individuen mit ihrem Anhange verschlängen jährlich eine Summe von 57 Millionen Thalern zum Nachtheile des Volks. Sodann erhöht er ohne weitere Rechnung diese un— geheuere Summe von 57 Millionen auf die noch ungeheurere von 70 Millionen Thalern. Endlich fragt er, ob es denn kein Mittel gebe, sich von die⸗ sem unheilbaren Uebel zu befreien und antwortet: Ja eins,— dies sey aber von Eisen. Auf Wen dieses Eisen fallen wird, ob auf die Fürsten, oder das Volk, das hat uns jener treulose Rechenmeister nicht gesagt. Wer aber ehrlich rechnen will und kann, der wird sagen: Das Eisen, welches Jener gegen die Fürsten gerichtet haben will, fällt am Ende auf das deutsche Volk und vernichtet dessen Wohlfahrt. Gerade so wie er, rechnete einst der Satan einem armen Taglöhner, dem er Verdopp⸗ lung seiner Baarschaft versprach, sein Geld aus der Tasche und lachte hintennach als der Arme sich vor Verzweiflung in's Wasser stürzte, in die Faust. Ist der republikanische Rechenmeister ehrlich, warum ver— schweigt er denn, woher eigentlich die Einkünfte der Fürsten stammen und wohin sie fließen. Wir wissen es urkundlich, daß das Vermögen der Fürsten größtentheils von ihren Vorfahren ebensd rechtmäßig ererbt ist, als die Bauern ihre Hofraithen und Felder ererbt haben. Und so wenig es Jemand für Recht erkennen kann, daß einem Bauer sein Gut von 60 Morgen oder sein Wald von 200 Mor- gen geraubt werde, so wenig darf er es recht finden, daß dem Fürsten sein Gut von 600 Morgen und sein Wald von 1000 Morgen gewaltsam entrissen werde. Soll einmal Gesetz und Recht gelten, so bleibt sich das gleich. Aber sagt man die Fürsten erhalten ja eine Civil— liste aus der Staatskasse, aus der Kasse, wohin auch die Steuern des Volkes fließen. Wo dies geschieht, da ist es durch einen Vertrag so geordnet worden. Der Fürst hat seine Güter, seine Waldungen, seine Gefälle dem Staate überlassen und bezieht dafür eine 74 bestimmte Summe als Entschädigung. Viele Fürsten haben sich dabei sehr billig finden lassen und erhalten weit weniger baar als ihre Einkünfte werth waren. Andere sind zwar früher nicht so billig gewesen, ha— ben sich aber jetzt, wo ihre übelen Rathgeber entfernt sind, eines Besseren besonnen und begnügen sich in dieser Zeit, wo Jeder Opfer bringen muß, gern mit Wenigerem. Daß künftig keine Unbilligkeiten mehr vorkommen, dafür sorgt schon das vom Volke ge— wählte Parlament und die ebenso gewählten Kammern. Aber gesetzt auch, die Fürsten hätten mehr Ein⸗ künfte als gerade nöthig wäre, ist dies Unglück so groß, daß man sogleich eine Republik einführen muß? Die Fürsten vergraben ja nicht ihre Schätze, verzeh— ren sie auch nicht in Amerika, sondern in Deutsch— land mitten unter dem Volke. Neun und neunzig Thaler von hundert, die sie ausgeben, fließen in den deutschen Verkehr zurück und der geringste Gewerbs— mann, der Taglöhner und Handlanger, bezieht seinen Theil daran. Und denkt ihr gar nicht an die vielen Unterstützungen, welche aus den Händen der Fürsten an Wittwen, Waisen, Gebrechliche, Invaliden u. s. w. fließen? Das sind keine Kleinigkeiten, die man wie Unkraut mit der Wurzel ausreißen kann. Ein gro⸗ ßer Baum wirft freilich großen Schatten, aber er bringt auch Säcke voll Früchte, und ist er einmal umgehauen, so erlebt es Einer nicht, bis ein neuer Baum groß gezogen ist. Eine Stadt ist vielleicht übel gebaut, man möchte vieles anders haben, aber man brennt sie doch nicht von Grund aus ab, um ge— radere Straßen zu bauen. Wer aber eine deutsche Republik statt der constitutionellen Monarchie einfüh⸗ ren wollte, der würde sein Unternehmen noch härter büßen müssen. Laßt es uns einmal ruhig in einem ehrlichen Exempel berechnen. Kosten der Einführung der deutschen Republik. Um zu einer deutschen Republik zu gelangen giebt es, soviel wir sehen, drei Wege: entweder die Fürsten danken freiwillig ab, behalten aber ihre rechtmäßigen Einkünfte; oder sie werden vertrieben und leben im Auslande; oder drittens sie vertheidigen sich, so lange sie können und unterliegen zuletzt der Ueber— macht. I. Der erste Fall ist gar nicht wohl denkbar und nur von Volksverführern vorgespiegelt worden. Wie sollen die Fürsten auf einmal Alles, was das bisherige Recht und Gesetz ihnen zusprach, wobei ihre Unterthanen keinen Anstand fanden, plötzlich auf— geben? Etwa der Volksredner wegen und aus Furcht vor dem oben angeführten Rechenmeister? Und wer⸗ den ihnen die friedlichen, arbeitsamen Bürger, welche die Freiheit lieben, aber doch daneben auch das Gesetz und die Ordnung dazu rathen? Werden etwa die Leute, welche von dem Hofe gelebt haben und ohne denselben an dem Hungertuch nagen müssen, die Fürsten bitten, bloße Standesherren und Gutsbesitzer zu werden? Werden endlich selbst die besten Fürsten, welche es durchaus redlich mit ihren Unterthanen gemeint haben, nicht sobald als möglich Deutschland verlassen und mit dem Reste ihres Vermögens ein billiger gesinntes Vaterland aufsuchen? Kann das deutsche Volk bei einer solchen Auswanderung gewinnen? Nein, das Volk verliert, nur die Unruhestifter, die Hungerleider gewinnen; die Deutschen bezahlen wie immer schon seit 300 Jahren die Zeche. f Doch der Fall ist gar zu unwahrscheinlich, wir wollen zu dem zweiten übergehen. II. Die Fürsten weichen ohne Wider⸗ stand der Gewalt, aber sie flüchten sich aus der Republik in das Ausland, weil ihre bisherigen Un⸗ terthanen ihnen nicht länger Sicherheit des Eigen— thums und der Person gewähren. Das Beispiel haben wir vor Kurzem in Frankreich gesehen. Man wird dann die fürstlichen Güter vielleicht mit Be⸗ schlag belegen, sie für National-Eigenthum erklären ganz nach dem Muster von Paris. Der deutschen Nation aber wird so wenig davon zu Gute kommen als der französischen davon zu Gute gekommen ist. Die übermüthigen Tagediebe in Paris haben die Millionen Louis Philipps verzecht oder verschleudert. Sie fahren achtspännig in die königlichen Lustschlösser und lassen es sich wohl seyn. An solchen Gassen⸗ republikanern würde es auch in Deutschland nicht fehlen. Sie würden dem Bürger und Bauer jeden Vortheil vor dem Munde wegnehmen. Aber damit ist die Gründung einer Republik noch lange nicht be— zahlt, es kommt noch weiter hinzu: a. Die von deutschen Königen, Herzogen, Für⸗ sten und Grafen, Prinzen und Freiherren gemachten Anlehen, die 3 ½prozentigen so gut als die Aprozen⸗ tigen werden von dem Tage der Ausrufung der Republik an nicht mehr verzinst, noch viel weniger zurückbezahlt. Selbst die Staatsanlehen und die Eisenbahnaktien sinken so tief im Werthe, daß Nie— mand mehr baares Geld dafür zu geben getraut. Unser Muster, die französiche Republik hat bereits auf diesem Wege 800 Millionen Thaler eingebüßt. Wieviel mehr wird also schon in den Flitterwochen der deutschen Republik ein ungeheurer Bankrott aus⸗ brechen. Daran verlieren aber nicht etwa blos die Banquiers und die vornehmen Kapitalisten ihr Ver— mögen, sondern auch sämmtliche bisher Wohlhabende aus dem Mittelstande; Bürger, Bauern, Kaufleute, Beamte, alle büßen ihr Erbtheil, ihr mit sauerem Schweiße und Fleiße Erworbenes mit einem Schlage ein. Das nämliche trifft die milden Stiftungen, die Vermächtnisse unserer Vorfahren und damit auch Manchen, der von Almosen lebt. Ein Verlust für ganz Deutschland von mindestens 300 Millionen Thalern. b. Mancher denkt: das trifft mich nicht. Aber es trifft ihn wohl. Wenn alle bisher vermögenden Leute nicht mehr bezahlen, so hängt sich daran der Bankrott von zahllosen Gewerbtreibenden, welche Forderungen an jene unglücklichen Kapitalisten hatten, oder bei ihnen Abnahme und Verdienst fanden. Da hilft kein Gericht, da hilft keine Republik, der kleine Gewerbsmann geht mit dem großen zu Grunde, auch der geringste Handwerker entgeht dem nicht. Also abermals ein Verlust an Vermögen der Nation von mindestens—— 100 Millionen Thaler. c. Nach einem großen Bankrott aber schwindet natürlich alles Vertrauen, aller Kredit, Handel wie Gewerbe liegen darnieder. Alle Preise sinken, Früchte, Häuser, Güterstücke— das Beste hat keinen Werth. Jeder hält sein Geld in der Kiste, Jeder kauft nur das Nothwendigste, Keiner giebt für Vergnügen Et— was aus, selbst der Taglöhner findet keinen Verdienst — 8 SS e S n e 2 2 22 22 mehr, auch der Staat schränkt die öffentlichen Arbei⸗ ten ein. Der Anfang dieses Zustandes liegt schon in Deutschland vor Augen. In Frankreich, in der freien, einigen Republik ist es jedoch weit ärger. Dort besteuert man alles drei- und vierfach, selbst das Bett, welches das Kind von seinen Eltern erbt, muß mit 10 Procent an die Republik versteuert wer— den. Daher kam es, daß die ungerechter Weise aus Paris vertriebenen deutschen Arbeiter nicht einmal Käufer für ihre kleinen Habseligkeiten fanden und fie unverkauft zurücklassen mußten. In Zahlen läßt sich dieses Elend, diese Trübsal nicht anschlagen Allein es bedarf keiner Prophetengabe, um auszu⸗ sprechen: Ein vollständiger Ruin alles Wohlstandes, eine Verarmung, wie noch keine erlebt worden ist, Das wird das Denkmal einer gewaltsamen Einführung der Republik in Deutschland seyn. (Schluß folgt.) Die Präsidentenwahl zum Frankfurter Parlament. Der erste bedeutungsvolle Act einer politischen Versammlung ist die Wahl des Präsidenten; der Mann, der von der Majorität der Volksabgeordneten dazu ernannt wird, die Debatten zu leiten, bildet das Programn der Deputirten; exaltirte Männer wählen einen„Wühler“, Volksfeinde geben die Toga einem Aristokraten, besonnene Männer des Fortschrittes, die Freiheit und Ordnung, und Ordnung in der Freiheit verlangen, stimmen für Den, der mit diesen inhaltsschweren Worten nie ein verrätherisches Spiel getrieben. i In der französischen Deputirtenkammer, sowie in den Stände⸗Versammlungen der constitutionellen deut⸗ schen Staaten war die Wahl des Präsidenten stets der erste Kampf zwischen den Ministern und der Op⸗ position; mögen auch allerdings zuweilen persönliche Rücksichten auf die Wahl von Einfluß seyn, sind auch in der Regel beim Beginne einer Session viele Abgeordnete nicht anwesend, so kann man doch im Allgemeinen nach der Wahl des Präsidenten auf den Geist schließen, der die Versammlung durchweht. Heinrich von Gagern ist mit großer Majo— rität zum Vorsitzenden der ersten deutschen Reichs- versammlung erwählt worden: es ist dies der erste Dienst, den die Abgeordneten dem Volke geleistet. Wenn Ihr die geweihten Hallen der Paulskirche betretet, wenn mit zweifelnder Miene, mit ängstlicher Besorgniß Euer Auge auf den Männern ruht, die Deutschland retten sollen, wenn Ihr Euch beun— ruhiget fühlet wegen des Geistes, der in dieser er⸗ habenen Versammlung herrschen wird; ein Blick nach dem Manne, der den Präsidentenstuhl einnimmt, und Euer Herz muß freudig klopfen. H. v Gagern ist kein Liberaler von heute, kein Schwärmer von dem man befürchten müsse, daß er morgen, von der Sucht des Märtyrthums be⸗ fallen, einem unerreichbaren Ideale die moralische oder materielle Wahl unseres Vaterlandes opfere; 75 H. v. Gagern ist der Minister der Volksmänner, der Volksmann der Minister. Wenn die Versammlung H. v. Gagern dazu be⸗ rufen sollte, definitiv den Präsidentenstuhl einzuneh⸗ men, wird der Minister sein Portefeuille niederlegen; wahrlich ein herber Verlust für das Großherzogthum Hessen, wäre es nicht unberechenbarer Gewinn für das gesammte Vaterland, daß Gagern auf jenem Stuhle säße, der in allen constitutionellen Staaten stets die Ministerbrücke war, für den abzutretenden hessischen Minister die Steige, die vom Minister zum Präsidenten von Deutschland führt. W. G. Aufruf an sämmtliche Gesang-Vereine Deutschlands. Ein mächtiger Geist zieht durch alle deutschen Lande: der Geist der Freiheit, des wiedergewonnenen Rechts, der Geist der Eintracht, der Geist, der durch die That sich bewährenden Bruderliebe! Wir wollen kräftig seyn in unserer Einigkeit, wir wollen fortan in derselben stark seyn nach allen Beziehungen, nach Innen und Außen!— Nach Außen! ein inhalt⸗ schwerer Gedanke! wohl werth, unsere Blicke unge⸗ theilt darauf zu richten. Wann können, wann wer⸗ den wir stark seyn nach Außen? Wann wir dieselbe Kraft, die wir auf dem festen Lande, will's Gott, bald entwickeln können, auch auf dem trügerischen Elemente des Wassers an den Tag geben können! Also mit Hülfe einer deutschen Flotte. Wohl sind mehrere Aufrufe hochherziger Männer in unserer Vaterstadt zur Gründung einer solchen ergangen, wobei wir nicht ermangeln dürfen, den in der Di⸗ daskalia vom 12. d. M. gemachten Vorschlag einet Groschensupscription einer ganz besonderen Beachtung zu empfehlen. Aber Ihr deutschen Barden und San⸗ gesbrüder sollt Euch auch betheiligen an dem großen heiligen Bau des deutschen Vrterlandes! Ihr sollt Euch betheiligen nach Eurer Art, nämlich mittelst der Macht der Töne. Wohl, daß sie dahin geschwun⸗ den ist die Zeit, wo wir nicht sagen durften, was wir über deutsche Zustände gefühlt und gedacht; wir haben aber unsere Gedanken in das Gewand der Töne gekleidet, und diese Gedanken, die wir nicht aussprechen durften, aus gesungen, und zwar in einer Sprache, die verstanden wurde all⸗ überall, so weit die deutsche Zunge klingt! Wir dürfen uns daher rühmen, kräftigst vorgearbeitet zu haben zu den Errungenschaften des wiedererwachten Vaterlandes! Wir sind also längstbewährte alte Freunde der großen, freien deutschen Brudergemeinde. Laßt uns daher nochmals Hand anlegen und uns vereinigen, um wo möglich an einem bestimmten Tage als Beitrag zur Gründung einer deutschen Flotte ein allgemeines deutsches Conzert zu ver⸗ anstalten, das sämmtliche deutsche Gesangvereine in ihren resp. Heimathsorten auszuführen hätten. Gro⸗ ßes ist in gemeinsamem Bestreben durch die Sänger⸗ bunde schon beschafft worden; wir erinnern nur an das vor zehn Jahren stattgehabte große Unglück der Ueberschwemmung von Pesth, des Brandes von Ham⸗ burg, des unglücklichen Felsberg in der Schweiz ꝛc., 76 und durch wen anders ist die nachhaltigste und rascheste Hülfe gewährt worden, als durch die deut⸗ schen Sänger? Auf denn, Ihr biederen Barden! vereinigt Euch unter dem Commandostab Eurer Direk⸗ toren und wählt wo möglich zum Tag der Ausfüh⸗ rung des allgemeinen deutschen Conzerts den zweiten Pfingsttag; das Fest der Freude, der Wonne; Ihr werdet gerade auf diese Festtage leichter Eingang fin⸗ den in die Herzen Aller, und der vollständigste Er⸗ folg wird Euren Eifer krönen. Wird dann einst ein von deutschen Sängern beschafftes Fahrzeug den Stapel verlassen, dann soll für ewige Zeiten„Der deutsche Barde“ sein Name seyn! Auf, deut⸗ sche Sänger! schmiedet das Eisen, da es heiß ist! Frankfurt a. M, 20. Mai 1848. Ein deutscher Sänger. JH te ige z bd F an die Bewohner Lichs. Mitbürger! Es naht die Stunde, wo es sich entscheiden wird, wer demnächst unser Bürgermeister werden soll. Seyd auf Eurer Huth, paßt auf, daß wir unserm Stadtvorstande einen Chef geben, wel⸗ cher unabhängig von sich selbst und den Einflüssen Dritter, d. h. ein ehrlicher, braver, uneigennütziger Mann ist,— oder glaubt Ihr wohl, eine solche Vor⸗ sicht wäre nicht nöthig? Doch ich glaube dies von Euch nicht, meine theuren Mitbürger, seht nur das prachtvolle Denkmal unseres Ruins, sehet den neuen Rathhausbau, eine kleine aber verwegene Nachbildung des Stadthauses zu Amsterdam, seht ihn nur an, derselbe kostet ja nur eirca 80,000 fl. oder wohl gar noch mehr und frage ich: vergleicht sich derselbe nicht ganz passend mit dem gold'nen Käfig eines Spatzen oder Sperling?— Doch kommen wir wie⸗ der ab von dem Hause unseres Raths,— wer soll Bürgermeister werden? Herr Bäckermeister Jacob Zimmer allen⸗ falls? doch nein, hütet Euch vor den gefährlichen Geldaristokraten. Bürger! Zimmer ist's nicht allein, welcher den weisen Mantel aushängt, auch Geometer, Schrei⸗ ber, Gemeinderechner und Wirthe bewerben sich um das Amt eines Bürgermeisters unserer Stadt, diese Leute können wir aber nicht gebrauchen, sie genießen und verdienen unser Vertrauen nicht, sie konnten sich bei ihrer seitherigen servilen und dabei doch geld— meisterlichen Stellung keine Selbstständigkeit und Mannesehre erwerben. f Schreiber sind eingebildete Halbheiten der höheren Ideenwelt, sie verlassen allzubald den bürgerlichen Boden und streichen nur noch mit den Fußspitzen leise darüber, wenn sie sich von dem Prädicat„Herr“ erhoben fühlen. Bauern sind gewiß brave und ehr⸗ liche Leute, aber verkleidete Bauernjungen sind ge— fährliche Subjekte, sie sind sich selbst nicht gut, weil sie von einem Bauer abstammen, wie können sie in diesem wüthenden Zustande Nächstenliebe üben, einer Bürgerschaft vorstehen. Drum wendet den sonst so verehrlichen Ramen, Dietrich und Helm, dies—⸗ mal den Rücken, diese Männer nehmen es Euch nicht übel, wenn Ihr sie nicht zum Bürgermeister haben wollt, so bescheiden sind sie, ich weiß es. Wie wäre es aber mit dem Herrn Rottenführer Schnabel, auch zeitiger Drehermeister dahier. Ja! sein Name wäre schon recht, denn bekanntlich war nach alten Urkunden Schnabelius der größte Redner der Erde und durch seine Uneigennützigkeit ein Mann von Schall und Ruf, indem er sogar von seinem Reichthum an Talent dem lieben Vieh, den Gänsen und deren Standesgenossen etwas zukommen ließ; allein unser Schnabel hat keinen rechten Character, denn ohnlängst legte er Degen und Schärpe als Rottenführer nieder,— was anfangen, wenn er es auch so mit dem Bürgermeisteramte machte? Wißt Ihr, was wir thun? wir gehen den sichersten Weg, wählen den Schnabel, aber nicht zum Bürger⸗ meister. Alle Teufel! werdet Ihr sagen, wir müssen doch einen Bürgermeister haben. Nur ruhig, wir verschaffen uns auch einen Bürgermeister; da fällt mir gerade ein tüchtiger Mann ein, Ihr kennt ihn alle, er hat Ruf, der Herr Gegenschreiber und Rath⸗ schöff Jacob Lotz, als Bäckermeister nicht weniger rühmlich bekannt. Hatte sich zwar das fatale Ge— rücht verbreitet, dieser wackere, grundehrliche und durch und durch brave Mann habe in die vorjährige Brodunterstützungsanstalt zu leichte Waare geliefert, so ist dies gewiß nicht wahr, denn unser jetzt regie⸗ render Herr Bürgermeister(das behaltet Euch!) sagte ja: wer wisse wer das Brod gebacken habe. Wer also diesem Leumundszeugnisse Glauben schenkt, der wähle ihn. Ich wähle übrigens den Herrn Lotz nicht und hoffe bei ihm Entschuldigung zu fin⸗ den. Krämer Koch macht, wie ich höre, auch einen langen Hals, allein dieser Mann hat mit Nürnberg zu viel zu thun, keine Bekanntschaft mit unseren Ver⸗ hältnissen, weiß nicht was Noth thut, er ist daher so gut und wartet eine spätere Vacanz ab, er wird ja wohl sobald noch nicht sterben. Hier habt Ihr meinen Rath, nun folgt Eurer Ueberzeugung und laßt Euch nicht täuschen und hin— ters Licht führen! Kampf und Friede. Frieden suchest o Mensch, Du, der im Zwange geboren? Wisse, er suchet auch Dich, doch ihr begegnet Euch nie! Hast Du Frieden der Welt, hast dann Du Frie- den gefunden?— Steht nicht die Tugend in Dir stets mit dem Laster im Kampf?— F. Hüne. Druck und Verlag von G. D. Brühl LJ. ——