Syrechhalle für Nr. 11. Mittwoch zeitgemäße Mittheilungen. den 21. Mai 18418. Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. berücksichtigt. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. zunächst Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion, dieses Blattes abgeben. Anonyme Enmsendungen werden nicht 2—— Einrückungsgebühren gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition, Republik oder constitutionelle Monarchie? (Schluß.) Würde dieses aber unsere Ehre, unser Gewissen, unser Rechtlichkeitsgefühl zulassen? Könnten wir, ohne uns selbst zu schaden, dieses nur zu— geben? Das Recht ist für alle dasselbe, also wenn man mit Recht dem Fuürsten sein Privateigenthum rauben kann, so kann man auch jeden vermögenden Büger mit gleichem Recht um das Seine bringen. Das aber wäre Gewalt und nicht Recht. Wir wollen Niemanden berauben, aber auch von Nieman— den beraubt seyn, und der Kern der deutschen Nation ist viel zu gebildet und zu hochherzig, und viel zu christlich gesinnt, als daß er sich mit fremdem Gut bereichern oder gar Raubmord üben wollte! Wenn wir aber dieses nicht wollen, so müßten wir Hessen, in dem Augenblicke, wo die Republik bei uns proclamirt würde, unserem Großherzog sein Privat⸗ eigenthum vollstaͤndig herausgeben. Dann sparen wir allerdings alljährlich eine Civillisten von 5— 600,000 fl. und einige Apanagen, wir verlieren aber zugleich auch eine jährliche Einnahme von 1,500,000 fl.! Ist diejes nicht deutlich und ehrlich gerechnet? Aber noch mehr, glaubt Ihr denn, daß die 5— 600,000 fl., welche jetzt die Civilliste kostet, wirklich so ganz erspart wür— den, glaubt Ihr, die ganze Versammlung von Republikanern, welche dann statt des ein— zigen Großherzogs zur Regierung käme, würde die⸗ „ VVVTVV Was aber eben vom Privatvermögen unseres hessischen Fürstenhauses gesagt worden ist, ließe sich in ähnlicher Weise auch in Rücksicht vieler der übri— gen in Deutschland regierenden 32 Fürstenhäuser nachweisen! Darum laßt Euch nicht täuschen, und wenn es wahr ist, daß einzelne Hofhaltungen zuviel kosten, so weißt es nach und laßt durch Eure frei— gewählten Landstände nicht mehr bewilligen, als noth— wendig ist. Aber auch einmal angenommen, die deutschen Regentenhäuser verzehrten wirklich alljährlich viele Millionen, zahlt denn darum das deutsche Volk allein diese Millionen, oder fließt nicht vielmehr ein sehr großer Theil aus deren Privateigenthum? Wer aber wird einen Millionär, er sey regierender Fürst oder Privatmann, rechtlich hindern können, mit seinem Vermögen, nach seinem Belieben, zu schalten? Der regierende Fürst Liechtenstein, Einer der 33 deut⸗ schen Regenten, erhält aus seinem Bundesstaate (Vaduz) keinen Kreuzer Civilliste, bezieht aber aus seinen österreichischen Privatbesitzungen jährlich weit über eine Million. Spart nun aber das Volk einen Kreuzer dabei, wenn der Fürst diese Million nicht ausgiebt? Gewinnt nicht vielmehr der Bürger da⸗ bei, daß er sein Vermögen nützt und wieder unter die Leute bringt? Wer's nicht glaubt, der gehe nach Wien und frage nach, ob es den Wienern nicht sehr lieb ist, wenn ein Liechtenstein und andere Fürsten, Grafen und Herren alljährlich recht viel dort sitzen lassen. Gerade im Gegentheil würde der Bürger sehr darüber klagen, wenn er solche Kunden verlöre. Wie Viele leben davon! Macht man aber den Für⸗ sten und Reichen arm, so werden es mit ihm Tau⸗ sende und Tausende. Ist das Nichts? Verdient das Wohl von Tausenden keine Beachtung?!— Und wir sollten gar unsere Hände mit Blut be— flecken, unsern ehrlichen Namen durch Raub entweihen, die deutsche Treue mit Füßen treten, uns ein schmach⸗ volles Denkmal in der Weltgeschichte setzen, und, — um 33 Regenten und 33 Familien zu beseitigen und einige Millionen zu ersparen, oder vielmehr, um sie den Fürsten, für welche der Besitz- und Rechts— stand und eine Reihe historischer Erinnerungen spricht, entreißen und ueuen republikanischen Körperschaften von vielleicht 333 Machthabern, an welchen auch wieder 333 Familien hängen, zuzuwenden,— die ganze deutsche Nation der Gefahr eines Bürgerkriegs und der Anarchie auszusetzen?! Wir sollten unser Leben, unsere Ehre und unser Vermögen, das Wohl unserer Familien und Enkel dem Spiele des Zu⸗ falls leichtsinnig preisgeben, um mit dem Namen„Re— publik“ eine Freiheit zu erlangen, die wir unter dem Banner der„constitutionellen Monarchie“ in gleichem, und dabei noch gesicherterem Maße, auf ganz friedlichem Wege durch das deutsche Parlament in kürzester Zeit mit Sicherheit erlangen wer⸗ den 711!-—— Indem der Unterzeichnete hiermit seine drei Ar— tikel über die Republik und constitutionelle Monarchie, welche die Nummern 8, 10, 11, 12, 13 u. 14 d. Bltts. enthalten schließt, giebt er übrigens vollkommen zu, was er seit mehr als zwanzig Jahren als ewige naturrechtliche Wahrheit an hiesiger Universität ge⸗ lehrt hat, 1) daß nämlich alle Menschen, als solche, gleich und frei sind, indem alle gleiche Persönlichkeit vor Gott besitzen und nicht einige Privilegirte mit Sporn an den Füßen, aubere aber als Lastthiere mit Sätteln auf dem Rücken zur Welt gekommen sind; 2) daß jeder Staat und jede Regentengewalt, um rechtmäßig zu seyn, auf Vertrag, ausdrücklichen oder stillschweigendem, beruhen müsse; 3) daß der Staat, gleich der Kirche und jeder anderen Gesellschaft, ursprünglich einen rechts⸗ gleichen Verein bildet, bis die Gesellschaft die Regentengewalt entweder einem Einzelnen(Mo⸗ narchen) oder einer Mehrheit, einem aristo— kratischen oder demokratischen Volksausschusse, wie in Republiken gewöhnlich, ganz oder theil— weise, zur Ausübung überträgt; 4) daß der Fürst um des Volkes willen, nicht aber das Volk um des Fürsten willen da ist; 5) daß der Staatsvertrag vom Fürsten wie vom Volke gleichmäßig heilig gehalten werden muß, und 6) daß es eine absolut beste Staatsform darum in der Idee nicht geben kann, weil in der Re— publik sowenig, als in der Monarchie an sich ein Hinderniß zur vollen und gleichen Er— reichung der Staatszwecke enthalten ist und eben daher der Vorzug der einen oder anderen Staatsform, stets nur nach den besonderen Verhältnissen jedes Volkes bestimmt werden kann. Die Gründe, welche ihm, ohne Vorurtheile gegen eine Republik, sowohl im Allgemeinen(bei dem Mangel der erforderlichen republikanischen Tugenden) als auch in besonderer Anwendung auf Deutsch— land überhaupt und Hessen insbesondere zu sprechen scheinen, hat er offen ausgesprochen und mit derselben Offenheit, mit welcher er noch keine Zeile ohne seine Namensunterschrift veröffentlicht hat, weil er das geschriebene oder gedruckte Wort nur als den Repräsentanten der mündlichen Rede betrachtet, unterzeichnet er sich auch hier. Dr. C. E. Weiß. Worte des Friedens an die streitenden Parteien. Lieben Mitbürger! Seit nun fast 6 Wochen ist unsere Stadt in großer Aufregung, und weshalb? Sie nimmt regen Antheil an den großen Ereignissen und Fragen des Tages. Das ist nun nicht zu tadeln. Der denkende Mensch darf und soll das, ja er muß es, damit jedes Bedürfniß, was doch jeder zunächst selbst am besten fühlt, sich ausspreche und, so viel möglich, Abhülfe erlange. Fortschritt, Besserung wollen wir alle, im Gan— zen, wie für den Einzelnen: wer nicht selbstsüchtig, also moralisch schlecht ist, muß jedem Mitbürger Frei— heit und Verbesserung seiner Lage wünschen. Wir streiten nur über den Weg dazu, zunächst über die Staatsverfassung: wir theilen uns in s. g. Republikaner und in constitutionell Gesinnte, die eine freie constitutionelle Monarchie auf demokra— tischer Grundlage wollen. Das will der vater— ländische Verein! Darum noch einmal: Freiheit wollen wir alle, für das Ganze, wie für den Einzelnen, und ebenso Fortschritt und Verbesserung im Ganzen, wie im Einzelnen. Aber merket wohl: Freiheit und Verbesserung für Alle, nicht für Einzelne, also auch Freiheit für die Mitglieder des vaterländischen Vereines. Die Gegner des vaterländischen Vereines sind nun nothwendig theils solche, die ihn scheel ansehen, weil er keine Republik will, theils solche, die nur fürchten, er bringe Spaltung und. Uneinigkeit in die Bürgerschaft. Darum hört mein Friedenswort zuerst, ihr, die ihr mehr oder weniger offen Republik wollt. Lasset uns doch in ruhiger gesetzlicher Weise für unsere An— sicht wirken, und unsere Ansicht eben so frei und offen aussprechen, wie ihr das für euch fordert. Ist die Freiheit nur für Euch? Sollen wir denn mit Gewalt nur in Eure Versammlungen gehen? nur Eure Reden hören? oder— wenn man erlaubt, auch gegen Republik zu sprechen!!— gerade nur in den von Euch berufenen, oder in Euerem Sinne gehalte— nen Versammlungen reden dürfen? Denkt doch nur an die Samstagsversammlung am 1. April? War das Freiheit für Alle? Wie? hat mann denn den ächten Freund des Volkes, den Prof. Credner, der wie Dr. Baur ganz treffend sagte, lange vorher liberal gewesen ist, ehe der Liberalismus so wohl— feil war, als jetzt, nur reden lassen? Ihr müßt selbst sagen: wie die ganze Versammlung eine dunkle war, aus Mangel an Licht, so bleibt das ein dunk— ler Fleck in der Geschichte des Gießener Libera⸗ lismus. Weiter: Ihr bekennt Euch wohl meistens zu dem Grundsatze; der Wille der Mehrheit soll entscheiden. Schon darnach müsset ihr ja jetzt entweder ganz Euer Streben aufgeben, oder uns doch auch unsere volle Freiheit der Versammlung, Vereinigung und unseres Wirkens lassen, und— wenn ihr ächte Re⸗ publikaner seyd,— ohne allen Haß! Die große Mehrheit von Deutschland ist gegen Republik: die dazu aufregen, stürzen andere in's Unglück und suchen sich dann selbst zu retten, wie Hecker, Struve und Herwegh. Alles das hat die Erfahrung bewiesen und wird es noch mehr beweisen. Nun hört auch unsere Gründe gegen Republik. Es giebt keinen einzigen Vortheil der Re— publik, den eine freie constitutionelle Monarchie nicht auch hat, wenigstens ha— ben kann; die Republik hat aber viele und große Gefahren, für das Wohl des Gan— zen, wie des Einzelnen, namentlich für die wahre Freiheit selbst, welche die constitutionelle Mo— narchie nicht hat. Die Republik bleibt ein ewiger Tummelplatz für den Ehrgeiz und— die Selbstsucht: und welcher Mensch ist davon ganz frei? Je fähiger und begab— ter Jemand ist, desto mehr strebt er nach der höchsten Stelle, um etwa Präsident zu werden. Daher hört dort das Wählen und Wühlen, Partei und Zwietracht und Haß nicht auf Die Duodezrepubliken in der Schweiz und auch Nordamerika beweisen nichts da— gegen. Die Berge machen jedes Thal zu einem be— sonderer Volke, die Verhältnisse sind klein,— und der Vater des Prof. Vogt soll selbst einmal hier— her geschrieben haben: man lebe hier unter einem Fürsten viel glücklicher, als in einer Republik“. Nord⸗ amerika hat aber von Anfang andere Verhältnisse ge⸗ habt: Die Einwohner waren aus allen Ländern zusammen gekommen, ohne einen angestammten Für⸗ sten, noch ist das Land wenig bevölkert, die Parteien bewegen sich jetzt noch gesetzlich in großem Raume neben einander, gefällt es einem nicht in einer Stadt, so zieht er in eine andere; wenn die Bevölkerung dichter wird, so werden die Parteien auf einander stoßen, Anarchie, wie immer in Republiken, ein⸗ treten, es wird vielleicht, wie einst in der römischen Republik der Cäsar(— der erste Feldherr, der sich zum König machen will) fallen, aber der glück⸗ lichere Augustus(der zweite General) wird siegen, und Nordamerika dann in Monarchie übergehen. Könnt ihr das Gegentheil mit mehr Recht behaupten? Alle Gefabren des ewigen Ehrgeizes und Wühlens schneidet ein Erbfürst ab: darum ist eine constitutio— nelle Monarchie besser. Den wahren Zustand einer Republik zeigt Frankreich, das Gott als Warnungs—⸗ tafel uns hingestellt hat. Man hat hier viel von den Civil listen ge⸗ sprochen, nun! die kann man ja verkleinern. Einigen Luxus muß der Fürst machen, schon zum Beispiel und zur Nachahmung für die reicheren Bürger. Der Luxus ernährt unendlich viele fleißige Hände, und bringt das Geld, das nicht zur Nothdurft des Lebens gehört, wieder in andere Hände. Es ist nur Ver⸗ blendung, daß der rechte Luxus, je nach Vermögen schädlich ist. Bei einer Republik hört aber aller Luxus auf: es ist keine Sicherheit der Regierung, das Geld geht aus dem Lande, der Credit sinkt, Handel und Gewerbe stockt,— die Franzosen zahlen, seit sie Re— publik haben, mehr Steuern und im Voraus. In einer constitutionellen Monarchie ist der Erb— fürst in Wahrheit nur ein erblicher Präsident: das ist aber das Bessere für Ordnung und Ruhe: das Volt regiert da eben so gut, wie in der Repu⸗ blik, nämlich durch seine Abgeordneten in den Kammern. 5 Doch ihr, die ihr nun bis fetzt Republik wollt, urtheilt vielleicht anders. Aber seyd doch auch nur wahre Republikaner, d. h. wollet doch die Freiheit für alle, also auch für uns, und nicht allein für Euch. Könnt ihr uns denn Eure Ueberzeu⸗ gung aufzwingen? Das ist ja an sich unmög⸗ lich, denn Ueberzeugung läßt sich nicht erzwingen, — es ist aber auch ganzunrepublikanisch, denn in einer wahren Republik muß jeder seine Meinung haben können, sonst ist die Knechtschaft grö— ßer, als in der Monarchie. Könnt ihr uns Eure Staatsform mit Gewalt aufdringen? Der Versuch wäre trau⸗ rig, das Gelingen— ist unmöglich, die Mehrheit ist entschieden gegen Euch. Dürft ihr uns denn übel nehmen, da ß wir für unsere Ansicht wirken, in Schrift und Wort? Das ist ja wieder ganz unrepu⸗ blikanisch, denn in einer wahren Republik muß Jeder seine Meinung frei äußern dürfen in Schrift und Wort: oder ist denn Rede- und Preßfrei— heit nur für Euch? Was pollen also die heimlichen und offenen An⸗ klagen des vaterländischen Vereins? er will ja nur Freiheit mit Gesetz, Recht für Jedermann mit Ord⸗ nung. War es recht unsere Versammlung entweder 76 hindern zu wollen, unter dem Vorwande, es sey eine Volksversammlung, oder auch nur zu stören, nach einem Anschlage ohne Unterschrift? Kann nicht jeder Bube eine solchen Anschlag machen?— sehr unrepublikanisch! Andere Gegner des vaterländischen Vereins wol—⸗ len ihn vielleicht nicht, weil sie Spaltung in der Bürgerschaft fürchten. Ich nehme an, daß diese Geg⸗ ner, und das ist die Mehrzahl der älteren und ruhigeren Bürger, gar nicht daran denken, eine Re— publik einzuführen. Lieben Mitbürger! Bedenkt doch, die Spaltung liegt in der Gesinnung, in der ver— schiedenen Ansicht, die Spaltung ist da, wir mögen nun noch besoders uns vereinigen, oder nicht. Und dann haben wir nicht dasselbe Recht nach der Ver⸗ fassung, wie die Andern? eben diese Freiheit, als Gewinn der neuesten Freiheit, uns zu vereinigen, wann und wie wir wollen? Wer kann uns aber anmuthen, in einen Verein zu treten, in welchem, wie in der freien Hessischen Zeitung mit dürren Wor⸗ ten steht, die Herren Becker und Büchner für Republik sprechen? Meint ihr, wir könnten gegen die Lobreden auf die Republik nicht antworten? Be⸗ dürfen wir aber des Unterrichts junger Theoretiker? Freuen müßt Ihr Euch also, Ihr ruhigen, fried— lichen und verständigen Bürger, daß endlich deutsche Männer den Wunsch und die Meinung Eures eignen Herzens so offen ausgesprochen haben:„wir wollen unserem Fürsten treu seyn und in keinem Falle Re⸗ publik.“ Wir sind ja Eure Gegner gar nicht: im Gegentheile, wir wollen nur Freiheit mit Gesetz, und Recht mit Ordnung! Alle zusammen laßt uns aber bedenken, welche Zukunft steht unserer Stadt bevor, sobald nur die geringste Gewaltthat gegen Person und Eigenthum verübt wird? Sicher wird, ja muß dann die Regierung Truppen hierher legen. Wer muß sie ernähren? Ist die Nahrungslosigkeit, die Last, der Schaden der Bürger durch die unruhige Zeit, im Handel und Wandel, noch nicht groß genug? Ferner: Was soll und wird aus unserer Universität werden? Mit der Einführung einer Republik käme sie wahrscheinlich ganz von hier weg, — schon die monarchischen Landstände des eignen Hessenlandes, wollen kaum das Nothwendige hergeben, die sparsamen Präsideuten der deutschen Republik würden wenig nach dem kleinen Lande fragen, noch weniger nach unserer kleinen Stadt,— die Gelder, die jetzt für die Universität verwendet werden, würden bald für andere„allgemeine“ Bedürfnisse nöthiger seyn, — eine schöne Zukunft für die Bürger von Gießen! Aber auch ohne die gewaltsame Einführung der Repu⸗ blik werden die Folgen der Uneinigkeit schon jetzt nicht ausbleiben für unsere Universität. Werden die, welche die Unruhe machen oder veranlassen, auch den Scha⸗ den der Bürger vergüten? Die Universität war sicht⸗ bar in größerer Blüthe, als früher, und ging viel⸗ leicht noch größerer Blüthe entgegen. Unter den Gießener Buͤrgern herrschte im Ganzen Wohlstand. Wenigstens hatte jeder unserer Mitbürger, der fleißig und ordentlich war, seine gute Nahrung. Wollt ihr selbst diese Nahrungsquelle zerstören? Gießen im Mai 1848. Ein Mitglied des vaterländischen Vereines, ohne Auftrag des Ausschusses oder Ver⸗ eines im Ganzen. Antirepublikanische Vereine. In Nr. 10 der freien hessischen Zeitung, wird davon ausgegangen, daß zum dauerhaften Bestehen eines Vereines, Gleichheit der Grundansichten erfor— derlich und daher eine Verbindung republikanisch und constitutionell gesinnter Demokraten zum Zweck des Ideen⸗Austausches und gegenseitiger Verständigung wohl denkbar sey, nicht aber ein Verein zwischen Ab— solutisten, Constitutionellen und Gleichgültigen, Par— teilosen(Philistern) dem Republicanismus gegenuber. Es wird also die Möglichkeit eines antirepublicanischen Vereins geläugnet, als nothwendig aus zu verschie— denartigem Material zusammengesetzt um einen Halt darzubieten. Es dürfte sich indessen vorerst nachzeigen lassen, daß Absolutisten oder unbedingte Fürstenknechte in unserer Mitte wohl kaum noch oder gar nicht mehr zu finden sind, denn, wer etwa früher von so feiler und feiger Cesinnung war, hat längst den Mantel nach dem Wind gehängt, und das andere Extrem er— griffen. Laue und Gesinvungslose finden sich aber in jedem Kreise und werden uberall, entweder nach und nach erwärmt, oder als Troß mitgenommen. Daher dürfte dieser Einwurf wohl zu genereller Natur seyn, um nur bei einem nicht republikanischen Verein und nicht auch bei jedem andern Verein von allgemeiner Art zu gelten, also nicht noch viel mehr bei einem politischen Clubb, ohne irgend bestimmte Farbe Anwen— dung zu finden. Ein antirepublikanischer oder anti— revolutionärer Verein hat einen solchen Vorwurf wenigstens gewiß nicht so leicht zu fürchten, wie ein Verein, welcher alle und jede Richtung zuläßt. Allein es wird hier gerne nachge zeben, daß in jedem Ver- eine dieser Art sich eine bestimmte Farbe geltend machen muß und da kann es sich nur fragen, welche Richtung übrig bleibt, wenn die republikanische aus— geschlossen ist? Da wir von der despotischen oder absolut monarchischen Staatsform schon seit Decen— nien in Gießen nichts mehr wissen wollen, so bleibt nach Ausschluß der republikanischen, doch nur die con— stitutionell- monarchische übrig, so daß, wer in den Ruf: Keine Republik! einstimmt, nach den gegen⸗ wärtigen Umftänden offenbar dadurch von selbst zur Fahne der constitutionellen Monarchie schwört. Nun läßt sich allerdings nicht verkennen, daß auch die constitutionell-monarchische Form noch ein weiter Sack ist, in welchen viele abweichende Meinungen hinein gehen; aber es bleibt dieser Seite doch immer noch immerhin so viel und noch viel mehr Gemeinsames, als der, blos als demokratischen bezeichneten, unter welcher Firma sich bekanntlich oft die grassesten Aus- wüchse und Entartungen des menschlichen Geschlechts gebildet haben. (Forts. folgt.) Intelligenz (Schluß.) Einen Mann, der seine ganze Kraft, seine Zeit, und so manche schöne Stunde, die er dem Ver— gnügen entzog, für Nutzen und Wohlfahrt Anderer mit dem redlichsten Eifer hinopferte, der von der frühesten Morgenstunde oft bis zur Mitternachtsstunde sich den Berufsgeschäften mit Ausdauer und Beharr⸗ lichkeit unterzog, und in den Jahren 1843 und 1847 sich der Bedrängten und Armen so rastlos annahm und möglichste Vorkehrungen zur Linderung der Noth derselben treffen lies, gegenfalls sich Mancher der Hungersnoth und dem tiefsten Elende preis gegeben gesehen hätte; der überall mehr that, als die gewöhn⸗ liche Pflicht und Schuldigkeit von ihm forderte, will man mitunter so ohne Weiteres verurtheilen? Doch es ist jedes Drangsal, das ein solcher Mann der guten Sache willen leiden muß, die er ergriffen hat, für solchen Mann erst der wahre Sporn, immer thätiger, muthiger und fester zu werden. Hat er doch ein gutes Zeugniß in sich und vor Gott, was bedarf er des Zeugnisses von Menschen, die von ihren Leidenschaften hin und her getrieben, heute etwa das„Kreuzige, Kreuzige!“ schrieen, wie sie gestern„Hosianna“ riefen?— Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen ver— folgt werden und leiden müssen. Wohl ist es schmerzlich, wenn ein Mann, mitunter selbst von Denen, welchen er am liebevollsten half, mit Lieb— losigkeit und Unerkenntlichkeit behandelt wird; doch die Stimme seines Innern wird sprechen: Ich will standhaft beharren bis an's Ende, und verkennt mich auch so Mancher, du o Gott, o Herzenskun— diger, kennst mich; du bist der Vertraute meiner Empfindungen, meiner redlichsten Absichten, und wie ich ohne nach eignen Vortheilen zu jagen, hauptsäch— lich nur das Beste meiner Mitmenschen bewirken möchte. Und, wo ist der Mensch, der Alles und es einem Jeden recht machen kann? Jeder fehlt; kein Mensch ohne Fehler.— Freund Dein Urtheil soll selbst billig Gegen Deine Feinde seyn, Ueberall zum Lobe willig Und vom Gernetadeln rein. Hast genug an Dir zu thun Freund, laß fremde Fehler ruh'n. Wir lasen gestern an mehreren Ecken unserer Stadt, die Anzeige einer Volksversammlung, im Busch'schen Garten. Als wir indeß dieser Versamm⸗ lung beiwohnen wollten, fanden wir uns bewogen, das Local zu verlassen, weil eigentlich nichts vorlag, warum diese Volksversammlung ausgeschrieben wurde. Wir müssen, so unangenehm es uns auch ist, glau⸗ ben, daß dieser Versammlung nicht der Zweck, das allgemeine Wohl zu fördern, sondern vielleicht gar eine sträfliche Absicht zu Grunde gelegen hat. Man sollte doch das Versammlungsrecht nicht so miß⸗ brauchen! Druck und Verlag von G. D. Brühl J.