Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen. Nr. 13. Samstag den 20. Mai 1848. Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Einrückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nich berücksichtigt. E— P——— QA————— Republik oder constitutionelle 8 i iß i 1 2 Aus Finsterniß ward Licht! Monarchie? Der Tag bricht an, die Nacht muß weichen, Cortsetzung) Wenn glühend- roth der Morgen tagt;(Dritter Artikel.) Wenn hehr das schwarz⸗roth-goldne Zeichen Hoch aus dem freien Volke ragt!— Wenn wahr der Freund dem Freund begegnet Und hegt im Herzen, was er spricht, Dann Heil dir Volk, du bist gesegnet— „Aus Finsterniß ward Licht! Sollten überdies, wir Hessen insbesondere, die wir uns weder über eine große Besteuerung, noch über die Vorenthaltung der Volksfreiheiten oder das bestehende System der Staatsverwaltung be— schweren können; sollten wir, gegenüber dem Edict vom 6. März, nicht die zureichendsten Gründe haben, die wahrhaft praktische Auffassung und die Doch wehe! wenn der Morgen scheinet, ächt deutsche Gesinnung zu theilen, welche am 7. Auf eine treuvergess'ne Schaar, April d. J. mehr denn 2000 nassauische Staatsbür⸗ Auf eine Schaar, die frei sich meinet, ger in einem Manifest an ihre Mitbürger aus⸗ Weil frei der Himmel ist und klar; sprachen? und worin sie namentlich erklärten: Auf eine Schaar, die Haß und Fehde In's heil'ge Recht des Volkes flicht, O dreimal Schmach dann deiner Rede: „Aus Finsteriß ward Licht!“ „) Wir halten diejenige Staatsform für die beste, welche sich ohne gewaltsame Zerstörung der gegenwärtigen Verhältnisse ausführen läßt, die Rechte des Volks sichert, Lasten und Steuern so leicht als möglich macht, Jedem das reichste Maß der Freiheit Und weh', wenn in dem Flammenscheine gewährt, Person und Eigenthum kräftig schützt. 2) Der Arme noch verkümmern muß, Wir sind überzeugt, daß in einer Monarchie, wo das Indeß der Wucherer beim Weine Volk durch seine Abgeordneten unmittelbar an der Den Schweiß vergeudet im Genuß. Regierung Theil nimmt, wo die Gemeinden selbststän— Und weh'! wenn nicht dies Licht allmächtig dig sind und sich selber verwalten, wo die freie Presse Sich Bahn bis in die Hütten bricht, der niemals schweigende Vertheidiger der Volksrechte Dann ist der Sinn des Spruchs ohnmächtig:— ist,— Summa, daß in einer durchaus freisinnigen „Aus Finsterniß ward Licht!“ und volksthümlichen Monarchie diese für den gegen⸗ wärtigen Zeitpunkt unter den gegebenen Verhältnissen Auch da ist nicht die Nacht derschwunden, beste Staatsform erreicht ist. Der Fürst ist nicht der Herr des Volkes im alten Sinne, er ist nur der oberste Vertreter des selbstherrschenden Volkes, das . 1 95 775 leibhaftige Sinnbild der Volksherrschaft. Dies nennt Die kaum genarbt 15 u Zeit; man fene wahrhaft gane Fürsten. 3) ee n ene be ee Wir wollen die gewährten Forderungen der Nassauer Das rabenschwarze Dunkel bricht, 115 533 f 90 2215 1 55 921 5 5 5 5 7175 vom 4. März verwirklichen, auf's Weiteste ausbeuten und in ihnen die breite Grundlage von noch vielen anderen volksthümlichen Entwicklungen, überhaupt die Grundlagen unseres Bekenntnisses suchen. Der Her— Wo man dem Volk in's Antlitz speit Und wieder aufreißt all' die Wunden, Da könnt' ich in den Ruf nicht stimmen: „Aus Finsterniß ward Licht!“ Doch wenn hoch auf der Berge Höhen zog hat uns Wort gehalten, wir haben uns auf ihn Des Vaterlandes Opfer brennt, verlassen; so soll er sich denn auch auf uns verlassen Wenn dann die freien Banner wehen können. Wenn wir verlangen, daß der Herzog uns Und Jedermann sich Bruder nennt, Wort hält, ihm aber unser Wort nicht halten wollen, Dann strahlt das Licht im höchsten Scheine das ist kein ehrlich Spiel Ein gegenseitiges Ver— Und strahlet durch, trotzt Schacht und Schicht, trauen muß endlich wiederkehren, wenn sich das Land Dann schall' es durch die deutschen Haine: nicht in sich selbst aufreiben und zerstören soll. 4) „Aus Finsterniß ward Licht!“ Wir wollen den gründlichsten, aber auch den fried— 9. Hüne. lichsten Fortschritt, keine Hetzereien, die Land und „ Leute aufwiegeln. Diese Hetzereien bedrücken das 66 Land schier so arg, als der alte Polizeistaat, denn sie ruiniren den Erwerb und lassen den Arbeiter seines Fleißes nicht mehr froh werden. Der fieberhaft be⸗ wegte Zustand muß endlich aufhören, damit Handel und Gewerbe wieder zu Kraft und Gedeihen kommen. 5) Wir wollen uns der Armen annehmen. Den Arbeitslosen soll zur Arbeit verholfen werden. Weil sie jetzt in der Monarchie bungern müssen, darum glauben Viele, daß es in der Republik besser sey: aber der Hunger wird auch in der Republik bleiben. Wir wollen Alle zusammentreten, daß schon augen⸗ blicklich nach unsern Kräften für die Abhülfe der nächsten Noth gesorgt wird; wir wollen Opfer brin⸗ gen, wir wollen zeigen, daß kein Republikaner ein größeres Herz für Noth und Elend haben kann, als wir. 6) Freiheit für Alle, also auch Ehre jeder redlichen Ueberzeugung, jeglichem Parteibekenntniß. Kampf nur mit geistigen Waffen! Gegenüber einer solchen ehrenhaften treuen Ge— sinnung, sucht dagegen eine Partei, recht planmäßig den Communismus, den Raub und selbst den Für⸗ stenmord zu predigen.„Ein deutsches Rechen— Exempel“, welches mir vorliegt und in weiten Kreisen Verbreitung erhalten haben soll, will sogar alles Unglück Deutschlands aus der Existenz 33 deut⸗ scher Regentenfamilien und den deutschen standesherr⸗ lichen Häusern ableiten und darthun, daß diese, nebst ihren Ministern und Diplomaten ꝛc. jährlich eine Summe von mindestens 57 Millionen das deutsche Volk kosteten, eine Summe von welcher sehr süg— lich 285,475 Familien leben könnten, wennn jede Familie jährlich 200 Thaler erhielte ꝛc. ꝛc. Das einzige Heilmittel solcher Uebelstände— sey von Eise nd Verdient auch das empfohlene mörderische Heil⸗ mittel der Beachtung keines Ehrenmannes, er sey ein Constitutioneller oder Republikaner, und kann es auch bei beiden nur die tiefste Trauer über eine solche Entartung des menschlichen Herzens erwecken, so sind doch die übrigen Phrasen ganz geeignet, den großen Haufen zu blenden, der weder die Richtigkeit der Rechnung, noch auch prüft, ob wohl diejenigen welche ihm diese lockende Aussicht eröffnen, auch dazu beitragen würden 285,475 Familien mit je 200 Thalern jährlich auszustatten, wenn erst die Fürsten beseitigt wären. Daher hier Einiges zur Berich⸗ tigung. Vor allem meine geliebten Mitbürger seyd über⸗ zeugt, daß wenn auch zur Zeit des deutschen Reichs die Zersplitterung Deutschlands größere und kleinere Staaten, Deutschlands politische Einheit schwächte und zuletzt 1806 ganz vernichtete, doch jene frühere Vielherrschaft den Keim zur Ver⸗ allgemeinerung nationaler Bildung und zum Wohl— stand vieler Familien gelegt hat. Hiernächst haltet Euch überzeugt, daß in der Re⸗ publik wie Monarchie, die Staatsminister, Diploma⸗ ten ꝛc. ꝛc. nicht von Wasser und Luft leben, gleich den Fischen, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie keine Fische, sondern Menschen sind. Diese Kosten werden sich sonach auch in der Re— publik nicht ersparen, wenn auch in ihr, wie in der Monarchie, vermindern lassen. Den Gesammtbetrag in mehrere hundert dieser Kosten müßt ihr folglich von den angeblichen 57 Millionen in Abzug bringen. Allerdings hatten die Standesherren bisher Vor⸗ rechte, welche die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, störten und daher aufhören müssen und zum Theil, schon aufgehört haben. Daraus folgt aber nicht, daß die deutschen Standesherren vom deutschen Volke lebten, denn nicht aus Steuern beziehen sie ihren Unterhalt, sondern jetzt nur aus ihrem Privat— vermögen; dieses aber wird ihnen so lange bleiben, als es überhaupt noch ein Recht und eine bürgerliche Obrigkeit, in der Monarchie oder der Republik, giebt und der deutschen Nation kann es nur erwünscht seyn, wenn die Standesherren ihre Einkünfte in Deutschland, und nicht im Auslande verzehren. Was endlich aber unsere 33 regierenden Fürsten Deutschlands betrifft, so bitte ich nicht unbeachtet las⸗ sen zu wollen, daß diese auch ein Privatei⸗ genthum besitzen und mitunter ganz allein davon leben! Ich will Euch, meine deutschen Brüder, in dieser Beziehung ein anderes„Rechen-Exempel“ geben, welches wahr ist, und zwar zunächst Euch meine hessischen Mitbürger! Man sagt Euch, unser Großherzog erhalte eine Civilliste von 5— 600,000 fl. Das ist wahr! Man sagt Euch aber nicht, daß das gr Haus ein Familien⸗Eigenthum besitzt, welches jährlich ohn⸗ gefähr anderthalb Millionen Gulden einträgt S 1,500,000 fl; man sagt Euch nicht, daß das gr. Haus, so lange es über Hessen regiert all⸗ jährlich diese anderthalb Millionen an die Staatskasse abgiebt und sich davon nur ohngefähr ein Drittheil als Civilliste vorbehalten hat; man sagt Euch nicht, daß wenn das gr. Haus die Regierung verliert oder, was dasselbe ist, man sagt Euch nicht, daß wenn wir eine Republik bekämen, die gr. Familie so gut, wie es 1806, bezüglich der Standesherren, der Fall gewesen, ist ihr wohlerworbenes Privateigen⸗ thum vom Staate mit Recht herausfordern kann; man sagt Euch nicht, daß die ½ jener Einkünfte, die jetzt aus dem Ertrag jenes gr. Fami⸗ lieneigenthums alljährlich in die Staatskasse fließen und zu Staatsbedürfnissen verwendet werden, und welche alljährlich e ine Million Gulden betragen, alsdann durch Steuern aufgebracht werden müs⸗ sen, die Ihr, die alle Besitzenden bezahlen müssenz man sagt Euch nicht, daß das hessische Für⸗ stenhaus schon reich begütert war, ehe und bevor es in Hessen zur Regierung gelangt ist, und daß man das Eigenthum der Fürsten so gut achten muß, als das Eigenthum jedes Bürgers. Nein, statt dessen wird wohl gar auszu— sprechen gewagt, wenn die Fürsten entfernt wären, würde man ihnen auch ihr Vermögen nicht lassen. Fortsetzung folgt.) Die Arbeiter und ihre Interessen. Fortsetzung u. Schluß.) Gesetzt aber auch, daß alle So. eines solchen Vereines gehalten würden, was ich indeß nicht allein bezweifle, sondern versichere, daß es nie gelingen wird, die§§. eines solchen Vereines so genau be— folgt zu sehen, gesetzt also, daß es geschähe, daß die Meister in diesem Verein ausmachten, daß Niemand, auch unter keinen Verhältnissen für einen niedrigeren als für den von ihnen festgesetzten Preis arbeite, so hat der Verein sich durch diesen Ausspruch schon den Todesstoß gegeben: denn erstlich würden die Consu⸗ menten sparsamer werden und nicht so viel gebrauchen oder ein Ersatzmittel zu finden suchen; die Waare der Meister würde durch die Steigerung des Preises weniger gesucht, und bald würden Mitglieder die— ses Vereins zu erklären genöthigt seyn, nicht mehr Mitglieder des Vereins bleiben zu können, zweitens aber würden sie die Arbeiter, welche in anderen Zwei⸗ gen arbeiten, ebenfalls mit dieser Preiserhöhung drücken. Wenn alle Gewerbtreibenden höheren Lohn ver— langen, so werden auch natürlich die Kaufleute ihre Waaren aufschlagen und wird also Alles in dem Maße theurer werden, als der Lohn des Arbeiters erhöhet ward. Das einzige, was nun der Arbeiter profitirt hätte, wäre demnach, daß er mehr Geld bekäme, weil er mehr ausgeben muß, welches gleich kommt dem Satze: Wer Wenig hat und Wenig braucht, ist eben so reich als der, der Viel hat und Viel braucht. Soll also eine Reform in Angriff genommen werden, so darf sie nicht in einzelnen, sondern in allen Gewerben zugleich und überall in Angriff genommen werden. Vor einigen Tagen wurde in der Frankf. Didas⸗ kalia, den deutschen Arbeitern der Vorschlag gemacht, nach Amerika auszuwandern, wenn dort eine große deutsche Colonie gegründet werde, oder vielmehr, sie sollten dort selbst eine solche Colonie gründen. Der Verfasser des Aufsatzes weist zugleich auf die früheren Völkerwanderungen hin. Dieser Vorschlag hat aller— dings etwas für sich, vorzüglich wenn Schiffe dafür an— geschafft würden, diese Arbeiter unentgeldlich zu ihrem Bestimmungsorte zu befördern. Doch wäre dieses viel— leicht, eine nur momentane Verbesserung. Die hier Zu— rückbleibenden würden am Ende kaum merken, daß sie Concurrenten verloren hätten; und sollten sich über— haupt wohl eine viel größere Anzahl zur Auswan⸗ derung finden, als in den Freiheitskriegen der Deut— schen und schon früher, wo doch Tausende von deutschen 67 Arbeitern auf den Schlachtfeldern blieben? Hiernach glaube ich, daß wir schon in einigen Jahren wieder auf demselben kritischen Punkte stehen würden, auf dem wir jetzt stehen.— Bei einer Reform aber wäre noch zu berücksich— tigen, und fast glaube ich, daß eben dieses Punktes halber de ganze Reform nothwendig ist. Dieser Punkt aber ist das Maschinenwesen. Wir wollen nicht die Maschinen zertrümmern und es ist uns fast unlieb, daß wir ihre Leistungen beschränken müssen, denn wir achten ihre Erfinder, wir wissen die Aus⸗ dauer zu würdigen, welche mit den meisten Erfin⸗ dungen verbunden war und darum wollen wir sie auch nicht verbannen. Wenn wir eine Petition oder eine Klage bei einer höchsten Behörde, bei einem Ar— beiter- oder sonstigen Ministerium einreichten, wir würden darauf dringen, daß die Maschinen n ich t in Stillstand versetzt, sondern mit zu unserem(der Ar⸗ beiter) Vortheil im Gange erhalten würden. Wir würden den Vorschlag machen, daß jeder Ge⸗ werbtreibende in den Dienst des Staates mit festem Gehalt zu stellen sey, daß er aus der Staats⸗ kasse besoldet werde und unter Leitung einer vom Staate anzustellenden Commission arbeite; dann könnten die Maschinen dem Arbeiter nur nützlich seyn, weil sie dann ihn bei seinen Arbeiten unterstütz⸗ ten und er desio weniger zu arbeiten brauchte. Ich dürfte mir vielleicht schmeicheln, dem Wohle des Ganzen in Etwas genützt zu haben, wenn sich durch vorstehende Abhandlung manche Arbeiter auf— gefordert fühlten, auch ihre Ansichten über die Uebel—⸗ stände im Arbeiterstande und dessen Verbesserung dem größeren Publikum mitzutheilen, denn die Arbeiter⸗ frage ist noch zu wenig durch praktische Männer ausgesprochen worden, warum es vorzüglich in ge— genwärtiger Zeit eine heilige Pflicht des Arbeiters ist, sich gleich einem Kranken au, zusprechen, wo es ihm weh thut, und dann denen vertraut, welche berufen sind die Wunden unseres Vaterlands zu heilen, ihnen zu überlassen, eine wirksame Medizin, welche in einer weisen Gesetzgebung bestehen würde, zu unserm Auf⸗ kommen zu verschreiben. F. Hüne. ali g In verschiedenen Nummern des„jüngst. Tags“ ist der Gr. Kreisr. Prinz als allgemein mißliebig intolerant und inhuman dargestellt, was von vielen Seiten her sehr mißbillig wahrgerommen worden ist, auch zeugen frühere und spätere öffentliche Blätter für das Gegentheil; er wird doch immerhin, zwar für einen strengen, aber doch für einen solchen Be— amten anerkannt, der unparteüsch jedem Recht und und Gerechtigkeit widerfahren läßt. Wohl mag Herr Kreisrath Prinz gegen manche der ihm Unter⸗ gebenen ꝛc., bezüglich ihrer Handlungsweise, energisch und streng verfahren, sich im höchsten Grade miß— billig über das Benehmen des Einen oder des An— dern ausgesprochen, Dieses und Jenes getadelt und sie auf die bestehenden Gesetze, welche zu achten, zu handhaben und zu befolgen ihm die Pflichten seines Berufes auferlegt, verwiesen und solche ihnen einge— schärft haben; doch dieses kann ihn nur ehren, und enz blatt. daß er die Gesetze achtete, darnach handelte und ge— handelt haben wollte, das giebt ihm nur einen höheren Werth. Herr Kreisr. Prinz mag manchmal durch seine Verfügungen und Beschlüsse gegen den Willen und die Absichten der Ortevorstände und Privaten gehandelt, er mag Anordnungen und Vorkehrungen getroffen und Unternehmungen veranlaßt haben, die zum Nachtheil der Betheiligten gereichten, was wohl selten der Fall gewesen seyn dürfte, so kann dies immer noch keinen Grund abgeben, ihm bittere Vor⸗ würfe zu machen und die Schuld allein seiner Hand— lungsweise beimessen zu wollen; denn es kann Je⸗ mand bei seinen Unternehmungen die beste Absicht haben, solche aber fehl schlagen, und kein Mensch, der den Ausgang einer begonnenen Sache so sicher voraussehen kann. Und sollte Herr Kreisr, Prinz wirklich manchmal gegen Diesen oder Jenen etwas grell und entrüstet 68 sich ausgesprochen, wohl auch Manchen mit irgend einem Gesuche kurzer Hand von sich abgewiesen ha— ben, so lag dies auch wohl nur in der Art un Weise, wie der Petent sein Verlangen stellte, wie er es vorbrachte, worauf er es gründete und zu rechtfer— tigen wußte, vielleicht auch in den vorangegangenen Verhandlungen, wie dies die Acten erweisen werden, wohl auch manchmal in seinem Enthusiasmus für das Wahre, das Rechte und Gute, was er für's Allgemeine zu bezwecken suchte, und deßhalb wohl manchmal in seinem Diensteifer weiter ging, als er bei ruhigem Gemüthe gegangen seyn würde. Daß er über den Ziegeldächern die Menschen, die darunter wohnen nicht vergessen hat, obgleich er für die Ausführung des desfallsigen Gesetzes sehr be— geistert war, geht daraus hervor, daß er selbst bei Gr. Ministerium auf Aenderung(Milderung) des Gesetzes antrug und bei jedem Gesuch wegen Dach— bedeckung den betr. Ortsvorstand auf pflichtmäßige Angabe des Vermögens und der Angabe des Nach— suchenden aufforderte, um darnach seine Verfügungen möglichst nachsichtig geben zu können. Wurden ihm hierbei unrichtige Angaben der Vermögensverhältnisse gemacht, dann natürlich kann manchem Mann zu viel aufgebürdet worden seyn. Wer aber trug jetzt die Schuld? War es ein Uebermaß, daß Herr Kreisr. Prinz die Obstbaumzucht so zu heben und zu vervollkomm— nen suchte, indem er den Ortsvorständen bei jedes maliger Aufstellung der Gemeindebudgets und bei den Rundreisen aufgab, jedes Jahr eine gewisse Summe zur Anschaffung von Obstbäumchen vorzu— sehen und die Pflanzungen fortwährend zu vervoll— ständigen, wodurch jeder Private noch angeregt wurde, den so sehr im Hintergrund stehenden, zur Landwirth⸗ schaft gehörigen Zweig zu befördern, so daß von diesen jedes geeignete Plätzchen aufgesucht und mit einem Obstbäumchen bepflanzt würde. Welche Wohlthat! Der Wegbau wurde allerdings zu rasch in An— griff genommen, und sind dadurch Schulden entstan— den, wozu sich aber einzelne Gemeinden ganz frei— willig verstanden; in anderen Kreisen, wie namentlich im Kreise Grünberg und Biedenkopf haben sogar die Gemeinden Kapitalien aufgenommen und ihre Wege in einem Jahr hergestellt, um gleich im ersten Jahre gute Wege zu haben und tragen, statt jährlich eine Summe für Wegbau vorzusehen, nun jährlich ein Kapital damit ab. Wohl sind also durch den Wegbau bei den Ge— meinden Schulden entstanden, was jetzt bedauert, mitunter auch getadelt wird, aber wie lautete es früher über die schlechten fast unfahrbaren Wege? — Einsender dieses hat es aus dem Munde des Kreisraths Prinz, daß er mehrmalen sagte: die und die Gemeinde hat ihren Hauptweg oder den noth— wendigsten Weg soweit hergestellt und nun will ich es ihr ganz überlassen, was sie an den übrigen Wegen fortan thun will, damit wollte er doch gewiß sagen, man dürfe die Kräfte der Gemeinden nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Wo die Gemeinde-Vorstände ihn von der Unmög— lichkeit irgend eines Vorhabens überzeugten, gab er 7 auch nach und ließ denselben freien Willen, bei manchen Gegenständen aber hing es von der Forst— und Baubehörde ab, wodurch er in Folge höchster Entschließung gegen den Willen der Gemeinden ver— fügen mußte. Warum also diese solche Umstände nicht berücksichtigend, gleich in Allem, was Andere thun, Fehler finden, während sie sebst bei ihren Un— ternehmungen eine gute Absicht haben können. Wie empfindlich daher der Schmerz ist, von an— deren verkannt zu werden und sich bei den besten Absichten hämisch beurtheilt zu sehen, wird Jeder selbst schon die Erfahrung gemacht haben Es gehört wenig dazu, von den Leuten unedler Absichten ꝛc. beschuldigt zu werden, und doch giebt es Menschen, welche vielleicht selbst das Loos hatten, verkannt zu werden, die keinen Anstand nehmen, auch andere Personen dreist zu beurtheilen und zu verdammen, Was nützlich zur Besserung ist, da es Noth thut, daß es holdselig sey zu hören— das rede.(Ephs. 4, 29.) (Forts. folgt.) Miscellen. Die Injurienklage. Vor einem edlen Magistrat Erschien Herr Matz, ein neugebackner Rath, Und sprach:„Hochweise Herrn! ein frevler Zei— tungsschreiber Beschimpfet mich: da lesen Sie sein Blatt Und rächen mich an diesem Ehrenräuber; Er sagt: Ein deutscher Titus hat Jüngst einen Schöps zu seinem Rath erhoben.“ „Herr“ sprach der Präsident,„wir haben keine Proben; Sie sind ja nicht genannt.“ „Ei! Sie befremden mich,“ Rief Matz,„wer kannn der Schöps wohl anders seyn als ich?“ Im Badischen wurden wegen der Hunde allerlei Berichte eingezogen. Ein Ortsvorsteher unterschrieb den seinigen: Unterthänigster Hundsbericht. Der Pfarrer. ein Hund. Deß Doerr ei Sund Der Schulmeister ein Hund. Zusammen drei Hunde. Johann Sobiesky ließ einst einen Theil seines schlechtbekleideten Fußvolks bei hellem Mittag über die Donaubrücke bei Wien gehen, und nicht wäh— rend der Nacht, wie ihm seine Generäle vorgeschla— gen hatten. Spöttische Bemerkungen waren auf den Gesichtern der zahlreichen Zuschauer zu lesen. Der König sah es und sagte mit lauter Stimme, allen hörbar:„Bei diesen braven Soldaten ist es einge— führt, daß sie sich nur auf Kosten des Feindes klei— den; sie haben aber bis jetzt noch nicht das Glück gehabt, auf denselben zu treffen.“ Kleider verschaffte dieser Lobspruch zwar nicht, aber er panzerte. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. FFP „6 ̃ ˙LTV—.. a ⁵². — 2 1 9 9 0 e 2 0 f