Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen. Nr. A. Freitag den 14. April 188. Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal, Dienstags und Freitags. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Ein- rückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern; in Gießen bei der Expedition“ Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt. freie —— 2—— Das deutsche Parlament, Willkühr ebenso wie die Reichsstärde den Kaiser. oder: Zunächst die Geistlichkeit und die Ritterschaft, dann 5. auch wenigstens die Städte, weniger der die Gesammt 7 Verfassung Deutschlands. Bauernstand, behielten, statt des ganzen Volks, die (Fortsetzung.) Besugniß durch Deputirte mitzuberathen über die Lan⸗ Bei wichtigen Angelegenheiten ganz Deutschlands indeß traten alle Kurfürsten, Herzoge, Fürsten und Grafen, sodann die geistlichen Herren und die freien Reichsstädte zum deutschen Reichstage zusam— men und der Kaiser wurde nach und nach durch diese Reichsstände in den meisten Beziehungen außeror— dentlich beschränkt. Dadurch sank er, wie die einzelnen Landesherren immer mächtiger wurden, nach und nach immer mehr zu einem blosen Schatten-Kaiser herab und seine Rechte bestanden zuletzt hauptsächlich nur noch in der Ehre. Nachdem nun endlich die Fran⸗ zosen Deutschland die linke Rheinseite weggenommen, die meisten deutschen Landesherren auf ihre Seite ge— bracht und den rheinischen Bund mit ihnen geschlossen hatten, durch welchen sie sich für unabhängig von Kaiser und Reich erklärten und eine Reihe kleinerer Ländchen sich unterwarfen, legte auch der letzte deut⸗ sche Kaiser seine Krone nieder und Deutschland zer— fiel in einzelne souveräne Staaten und Stäätchen. Der deutsche Freiheitskrieg zerstörte das Joch der Franzosen und gab Deutschland seine vorige Gränze wieder, die aus ihm gebildeten Staaten behielten aber ihre Scouveränetät und statt einer wirklichen deutschen Einheit entstand ein Bund der souve⸗ ränen Fürsten und der 4 freien Städte. Auf dem deutschen Bundestag waren daher nur die Für⸗ sten dieser Staaten thätig, und diese ihre Thätigkeit beschränkte sich auf einen sehr kleinen Kreis der all— gemeinen Interessen Deutschlands. In den einzelnen deutschen Ländern, in welchen früher jeder freie Mann an der Berathung der Angelegenheiten des ganzen Volksstammes Antheil genommen batte, bildete sich mit der Befestigung der Gewalt der Landesherren nach und nach eine Art Vertretung des Volkes durch Landstände den Lan⸗ deeherrn gegenüber aus. Diese beschränkten dessen desangelegenheiten, namevtlich bei Erlassung von Ge⸗ setzen, sodann das Recht der Steuerbewilligung. Im Laufe der Zeiten wurden den Landständen aber diese Rechte immer mehr und mehr eingeschränkt und als die Landesherren sich die Souveränetät anmaßten, wurden sie meist ganz aufgehoben. Die deutsche Bundesacte verhieß nun zwar, daß in allen Bundes⸗ staaten eine lan dständische Verfassung bestehen sollte; indessen wurde dies Versprechen nur nach und nach in den meisten Ländern zur Erfüllung gebracht; in verschiedenen bestanden bisher kaum dem Namen nach Landstände, in andern nur Provinzialstände mit sehr eingeschränkten Befugnissen. Als Resultat dieser übersichtlichen Betrachtung stellt sich uun heraus, daß das deutsche Volk so—⸗ wohl der Natur nach, weil es ein Volk ist, als seiner früheren Geschichte nach ein Recht auf mög⸗ lichste nationale Einheit hat, bei welcher jedoch auch die seit seinen Urzeiten bestandene Verschieden⸗ heit seiner alten Volksstämme und Länder nicht ganz aufgehen und verschwinden darf; daß darum, wie von den ältesten Zeiten her in Deutschland der Fall war, eine Gesammt- oder Reichsverfassung neben den einzelnen Landesverfassungen bestehen muß, welche Alles, was Deutschland als Ganzes angeht, zu ord⸗ nen und die deutsche Freiheit, sowohl nach Außen als im Innern zu schützen hat. Es folgt ferner, daß ebenso wie jedes einzelne deutsche Land verlan— gen kann, daß das Volk seinem Fürsten gegenü ber durch Landstände vertreten sey, so auch das ganze deutsche Volk fordern kann, daß es bei allen An⸗ gelegenheiten des ganzen Vaterlandes der Ge⸗ sammtheit der deutschen Fürsten gegenüber repräsen⸗ tirt werde.(Forts. folgt.) ——————ů—— 18 Die Reform oder die Republik. Ein Wort an das badische Volk und zunächst an die Bewohner des Seekreises. von Friedrich Hundeshagen; ehemals Bürger von Amerika, nun Burger vom einigen Deutschland. (Fortsetzung) Das deutsche Parlament wird aber auch zweitens dem Volke das Recht freier und ungehinderter Volks— versammlungen zur Besprechung seiner Angelegenhei— ten sichern, sowie drittens das Recht der Petitionen ausdehnen. Das deutsche Parlament wird auch viertens die materiellen Interessen seines Volkes, nicht nach Lo— kalverhältnissen, sondern nach dem Interesse der All— gemeinheit berathen. Der bisherige Zollverband wird nunmehr alle deutschen Länder umschließen, und keine Absonderung und Ausschließung mehr unter dem Einflusse auswärtiger Staaten gestattet werden. Durch diese Ausdehnung des deutschen Handels bis an die Küsten Hannovers und Oldenburgs, Bremens, Lübecks und Hamburgs, werden die Freunde deutscher Seeschifffahrt einer baldigen Verwirklichung ihrer Hoff— nungen entgegensehen können. Diese Hoffnungen wer— den sich um so sicherer realisiren, als das deutsche Parlament fünftens den widerrechtlichen Eingriffen Dänemarks auf die verbrüderten Schleswig-Hol— steiner baldigst entschieden ein Ende machen, und somit ein seegeübter, kernhafter deutscher Stamm uns wiedergegeben sein wird. Das deutsche Parlament wird sechstens um die materiellen Interessen des deutschen Volkes auf den Standpunkt zu heben, auf welchen andere Völker länger schon sich gehoben haben, eine große deut— sche Nationalbank errichten, die ihre Zweig— banken in allen großen Städten des gemeinsamen Vaterlandes hat, und der Industrie, den Gewerben, dem Bauernstande durch zweckmäßige Geldvorschüsse zu Unternehmungen aufhilft. Das deutsche Parlament wird siebentens auch für die geistigen Interessen der Nation, ohne die an eine materielle Wohlfahrt nicht zu denken ist, Sorge tragen, es wird zu dem Ende eine große gemeinsame deutsche Akademie gründen, in welcher nach Art der französischen alle Wissenschaften und Künste ver— treten sind, und zum Wohle der Menschheit aus— gebeutet werden, es wird diese Akademie Prämien für die zeitgemäßen Probleme und Erfindungen aus— setzen, und namentlich auch die Staatswissenschaften sorgsam pflegen, und unserer gerühmten Wissen— schaftlichkeit eine nationale und praktische Richtung geben, frei von dem Einflusse großer Residenzen und Höfe.— Ebenso wird achtens das deutsche Parlament so— fort die tüchtigsten deutschen Rechtsmänner in seine Mitte rufen, um nach Art des französischen Gesetz⸗ buches, ein einfaches deutsches, allgemein gültiges Gesetzbuch auszuarbeiten, was ver— ständlich, ohne Beimischung von Fremdwörtern von Bürger und Landmann gelesen, verstanden und ange— eignet werden kann, so daß Jeder im Stande ist, sein eigenes Recht zu verfolgen und durchzufechten. Neuntens wird das deutsche Parlament die Kom— munikationen im Innern des Landes durch Stra— ßen, Kanäle, Eisenbahnen für Handel und Gewerbe auf's kräftigste unterstützen, die Rheinschiff— fahrt befreien, wie auf der See dem Anbau von Schiffen und Seehäfen entgegenkommen. Zehntens wird das deutsche Parlament in allen deutschen Landen zur Erleichterung der Handelsver— hältnisse und zu nationaler Einigung ein Maaß und Gewicht einführen, und das französische als das natürlichste adoptiren. Das deutsche Parlament wird elftens auch der Auswanderung in fremde Länder seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Es wird seine Emissäre in die fernen Gegenden aussenden, um diejenigen Gegenden ausfindig zu machen, wo deutsche Aus⸗ wanderer, ohne an Leib und Seele zu Grunde zu gehen, eine neue Heimath finden könnten, wenn ih⸗ nen hier der Erwerb zu schwierig fallen sollte. Des— gleichen wird es verhindern, daß nicht einzelne Aus⸗ wanderungsvereine, wie der Adelsverein in Texas, Tausende von redlichen und begüterten Mitbürgern uns verlocken, sie um Hab und Gut bringen und sie der Schande und dem Elende preis geben. Es wird dasselbe auch zu verhindern suchen, daß die Grund— stücke der verschiedenen Auswanderer nicht in die Hände einzelner großer Güterbesitzer oder Kapitalisten fallen, und wir auf diese Weise in Gefahr stehen, allmählig unsern deutschen Mittelstand und Bauern— stand zu verlieren, und ihn in einen englischen Groß⸗ güterbesitz übergehen zu sehen, denn nur im mög— lichsten Grundbesitze Aller liegt die Kraft, der glück⸗ liche Bestand einer Nation. Es wird zu dem Ende die Gemeinden beauftra— gen und unterstützen, diese käuflichen Grundstücke an sich zu ziehen, um sie redlichen aber armen Gemeinde— mitgliedern gegen allmählige Abzahlung zu überlassen, und zu diesem Unternehmen wird die Bank ihre Hand bieten. Es wird dies aber kaum hinreichend sein, der Verarmung durch Uebervölkerung dem unheildro— henden Proletariat eine dauernde oder gründliche Abhülfe zu schaffen. Es muß diesen unglücklichen Mitbrüdern ein anderer Ausweg an die Hand gege— ben werden, als Hunger, Pest, Diebstahl, Mord, Re— volution, oder das Phantom einer Handwerkergemein— schaft, oder die Chimäre der Beschäftigung durch un— nothwendige, sich nicht rentirende Staatsarbeiten, die am Ende Almosen an Bettler wären, und die die unglückliche Bevölkerung nur noch fortpflanzen und vermehren würde. Es wird das deutsche Parlament von Sachverständigen einen großen Auswanderungs— plan entwerfen lassen, diese Massen armer unbemit— telter Menschen auf Kosten ihrer Gemeinden nebst Betheiligung der Nationalbank, nach unbebauten, gesunden und nicht allzufern gelegenen Ländertheilen überzustedeln, wo dieselben Arbeit, Brod und Eigen⸗ thum zu erwerben, und einen ehrlichen Namen und nationales Leben als Deutsche zu behaupten im Stande sein werden, und wo wir sie, wenn auch in der Ferne, noch als die Unsrigen betrachten und in Zeiten der Noth auf ihren Beistand rechnen werden. Endlich zwölftens wird das deutsche Parlament seinen Einfluß dahin geltend zu machen suchen, daß die Handhabung der Polizei in den einzelnen Landes— theilen besser in die Hände der Bürger gelegt wird, und daß ferner eine bedeutende Vereinfachung in den Staatshaushalten der einzelnen Staaten eintrete, die Feudallasten abgethan und ein richtiger Steueraus schlag die Lasten einer vereinfachten Staatsmaschine, durch Auflage ohne Unterschied auf alle Stände nach ihrem Einkommen, decken werde. Dies, und noch viel mehr, sind die Maßregeln, die ein deutsches Parlament, gewählt vom deutschen Volke, auf dem Wege nationaler Reform, ohne Schwertstreich, ohne Blut, ohne Revolution und Um⸗ stürzung aller bestehenden gewerblichen, industriellen und bäuerlichen Verhältnisse, feststellen und ausfüh⸗ ren kann, wenn ihm ein Volk von 40 Millionen treu ergeben, kühn entschlossen mit den Waffen in der Hand, zur Seite steht.— Darum Muth und Vertrauen, nicht, so mißtrauen wir uns ja selbst. Volksaufhetzerei, keine Zweifel in die Tüchtigkeit, in den Ernst der Zeit. Aber es besteht eine Partei unter uns, die, wenn sie auch klein, doch um so gefährlicher ist, weil sie vermeint, noch mehr thun zu können, als ein deut sches Parlament; durch schnellen und unbedachten Umsturz das im Stande zu seyn, was nur Erfah— renheit, Besonnenheit, Kenntnisse zu erzielen vermö— gen, weil sie die gefährlichsten Leidenschaften in uns zu erregen bemüht ist, weil sie statt Reform Revo⸗ lution, Republik, weil sie statt edler, männlicher Handlung Blut und Rache ruft. Wehe, dreimal Wehe über die Männer, die, sey es aus Verblen⸗ dung oder Eigennutz, den redlichen und rechtlichen deutschen Charakter in die Aufregung blinder, zügel— loser Leidenschaften zu stürzen und alle Verhältnisse, auch diejenigen, die uns theuer und werthvoll sind, umzukehren suchen, und die in ihrem Wahne sich wenn Keine 12 fähig glauben, die losgerissenen Massen zu zügeln und eine bessere Zukunft aus den Trümmern unserer Wohnungen aufbauen zu können.— Haltet ein, wenn ihr Vaterlandsfreunde seid— wenn es zu, spät ist, so seid auch ihr verloren. Was ich euch zurufe, ihr verblendeten Republi⸗ kaner, sind keine leeren Befürchtungen. Scho nrauchen die Trümmer in vielen Gegenden unseres Deutsch— lands; das Volk hat die Gebäulichkeiten nicht schützen können, die ungezügelte Masse hat gesiegt, sie hat Eigenthum zerstört, was zum Nutzen des Volkes hätte verwandt werden können, sie hat die Freiheit der Personen angegriffen, die obgleich anderer Reli— gion wie wir, nichts desto weniger Mitbürger Deutsche sind. Ich proklamire eure Republik, aber wer steht euch, wer steht uns dafür, daß sie nicht die Republik der Masse wird, die nichts will, als Geld und Besitzthum; und Plün⸗— derung? 5 Eine Nation, die so lange getrennt gehalten worden ist, kann sich nicht in einer Nacht zu einem großen Ganzen vereinigen, weniger noch zu einer einigen Republik, wo Jeder seinem Kopf folgen will. . Brand — Eine Nation, die so lange unter der Sch Censur, unter der Sklaverei der Presse gehalten wor— den ist, kann unmöglich über ihre Zustände klar un— terrichtet sein, und jetzt schon wissen, wo es fehlt, am meisten fehlt und wie es besser werden Wissen zwar Einzelne wohl, wo sie der Schuh eere, der wo es soll. drückt, so kann doch diesen nicht ausschließlich auf Kosten der Andern Hülfe geschafft werden, sondern es muß mit Ruhe und Ordnung auf alle ten Rücksicht genommen Landmann kann nicht verlangen, daß soll, und umgekehrt der Bürger nicht, daß der Land— Sei werden. Der der Bürger Alles tragen mann allein für alle Lasten einstehen soll. (Fortsetzung folgt.) ann auf das in Nr. 31 des jüngsten Tags S. 124 er schienene„Etwas gegen den Aufsatz in der Blechhalle Nr. 1.“ Welche Aussichten bieten die Republiken?“ „Der Esel wird kein Roß, und wenn ihn silberner oder goldener Zaum schmückt.“ Dies ist einer der goldnen Sprüche, worin sich die gesunde Kernkraft der deutschen Volksphilosophie, auf kurze, treffende und originelle Art ausdrückt. Es sind wahre Perlen des Geistes der deutschen Nation diese Sprichwörter, wahre Edelsteine, deren unver— wüstlicher Glanz die ewige Wahrheit ist. Könnte es aber etwas Wahreres geben, als jenes Sprichwort? Schmücke man einen Esel mit dem schönsten Reitzeug eines arabischen Renners, der seine edle Abkunft 20 durch einen ellenlangen Stammbaum dotumentirt, und lasse ihn einen goldnen oder silbernen Zaum kauen, bedecke man ihn mit der kostbarsten Schabracke; er wird, sobald er sein goldbezäumtes Maul öffnet, immer sein Nah schreien. Die Wahrheit dieses Sprich— wortes bezeugt der, anonyme Verfasser des„Etwas“ durch die barytone(plumphafte) Sprache, mit der er seinen Vortrag eröffnet. Dieser Vortrag beginnt nämlich mit einer groben Lüge, indem er, ein ge— schworner Feind aller Urkundenlehre und aller historischen Rechte und Wahrheiten, das Wort Sprech— halle in Blechhalle umwandelt, und dem Unter— zeichneten das artige Compliment macht,„es sey doch etwas Herrliches, wenn Einer seine Geschichte recht gründlich eingeochst habe.“ Hört ihr da nicht, meine werthen Mitbürger, trotz der Löwenhaut, die der maskirte anonyme Autor über sein grobes Fell gezogen hat, an dem Tone, wess Geistes Kind unter der königlichen Hülle steckt? Wäh— rend der Herr Verfasser des bescheidenen„Etwas“ in enthusiastischer Begeisterung für die großen Namen der Vorzeit, für einen Solon, Anacreon und sei— nen Pindal, Aeschylus, Thales, Pythagoras, Mil— tiades, Themistokles, Perikles, Sophokles und alle die Söhne der griechischen Republiken, die Träger der Humanität, Kunst und Wissenschaft ihrer Jahr— hunderte, schwärmt und die ideale Bildung dieser großen Männer adoptirt zu haben scheint, sinkt er plötzlich in seine natürliche Rolle zurück, und ver— liert sich durch sein flaches Witz- und Wortspiel, durch welches er das Wort Sprechhalle in Blech— halle verwandelt, in das Gebiet einer Sprachbil⸗ dung, in welchem der derbe Witz und das sprachfer— tige Talent der Frankfurter Fisch- und Gemüsewei— ber sich tummelt und unsern lichtscheuen Beurtheiler in der Kühnheit und Derbheit sprachlicher Productio— nen noch bei weitem übertrifft. Wir rathen daher, aus purem humanem Gefühl und aus wahrhaft christ— licher Sympathie für die persönliche Würde unseres Herrn Opponenten, daß er in Zukunft in einem würdevolleren Tone spreche, und dergleichen Wort— spiele dem Witze und Genie der besagten Fischweiber überlasse, oder dem aufblühenden Talent unserer kräf— tigen Dorfjungen, bei denen sich der kaum verdaute Mehlbrei in dergleichen Schöpfungen des Mutter— witzes vergeistigt. Denn fürwahr ein solcher ver— letzender Ton, wie ihn der Herr Verfasser des„Et— was“ anstimmt, beleidigt durch seine abscheuliche Dis— harmonie jedes Ohr und ist wie eine garstige Disso— nanz zu den schönen Wortklängen, womit der Ver— fasser seine Begeisterung für die idealischen Schöpfun— gen griechischer Kunst und Wissenschaft vorträgt, wenn wir diese Worte überhaupt für baare gute Münze nehmen dürfen, und nicht vielmehr unter dem äußer⸗ lich glänzenden Gepräge gehaltlose Producte seiner Blechfabrik vermuthen müssen. Jenes Witzspiel we⸗ nigstens berechtigt nach dem Spruche„was man treibt, das hängt Einem an“ zu der nicht un⸗ wahrscheinlichen Vermuthung, daß unter dem anony—⸗ men Gegner, der mit geschlossenem Visir so ritterlich kühn für die Republik auf den Kampfplatz tritt, ein verunglückter Blechschmied stecke, der, weil er aus einigen politischen Journalen manche Ideen aufge— griffen hat, sich in dünkelhafter Ueberschätzung seines bischen Mutterwitzes von der Vorsehung, die die Ge— schicke der Menschen und Völker leitet, zum großarti— gen Werkzeuge erkoren zu seyn wähnt, und sich zum politischen Reformator berufen glaubt. Diese Selbst— überschätzung meines Gegners geht daraus deutlich hervor, daß er mir vorwirft:„es ist doch etwas Herrliches, wenn Einer seine Geschichte recht gründlich eingeochst hat“, und sich durch diesen Ausdruck zum Beurtheiler meiner wissenschaft— lichen Bemühungen und Leistungen aufwirft. Ich ge— stehe offen, daß ich manche Stunde auf das Studium der Geschichte verwendet habe. Denn die Lectüre unsrer besten neuern wie alten Historiker gewährt einen hohen geistigen Genuß; wir ziehen aus der Geschichte manche wichtige Lehren für das öffentliche wie für das Privatleben; sie erhebt und veredelk unser Gefühl für wahre politische und religiöse Frei— heit, bewahrt und warnt uns aber zugleich vor den phantastischen Schwärmereien politischer Glücksritter. Zum Glücke haben Männer von wissenschaftlichem Klange meinem geschichtlichen Wissen Gerechtigkeit wie— derfahren lassen. Gegen das Zeugniß folcher Män— ner erscheint das verunglimpfende Urtheil des politi— schen und geschichtlichen Reformators, wie das Ge— kläffe des gegen die Sonne bellenden Hundes. Frei— lich muß ich offen bekennen, daß sich jene Männer nicht angemaßt haben, wie mein hochgelehrter Geg— ner, der sich auf den hohen Olymp stellt, und von diesem herab andere Gesetze der Wissenschaft, wie der Politik dictirt, zu verlangen, daß es zum Wissen und Begreifen der Geschichte auch gehöre, in das Rad der Geschichte einzugreifen. Ich gehöre frei— lich nicht in die Zahl der Tausendkünstler, die ver— möge ihres göttlichen Genies, wie es nur seltnen Lieblingen der Gottheit zu Theil wird, heute eine Blechfabrik dirigiren, morgen sich in das Gebiet ir— gend einer höhern Kunst werfen und da ihre hohen Ideale verwirklichen, dann wieder einmal sich in das Gewühl der Politik und der Weltgeschichte stürzen, und,„wenn der Unsichtbare den mystischen Wagen der Weltregierung unter donnern— dem Geprassel über den Ocean der 32 ten hinfährt“), in die Räder dieses Wagens *) Worte Johann v. Müllers. eingreifen, um unserm lieben Herr Gott nachzuhel— fen, und in den schleppenden Schneckengang seines weltgeschichtlichen Wagens etwas Eisenbahngeist zu bringen. Ich bin zu bescheiden, um meinen schwa— chen Kräften soviel zuzutrauen und ziehe mich daher in bescheidener Demuth hinter die Schaar meiner Collegen Philister zurück, wie der hochfahrende poli— tische Reformator die Bürger zu nennen beliebt, um unsre Schicksale aus der Hand dieses himmelstürmen— den, weltordnenden Politikers zu empfangen. Wie aber auch mein und unser Aller Schicksal ausfallen mag, so kann ich nicht umhin, in meiner politischen Demuth und Mäßigung mir die freimüthige Aeuße— rung zu erlauben, daß ich von einem politischen Re— formator, der sich in unserm politen und humanen Jahrhundert den herabsetzenden Ausdruck„Philister“ gegen Mitbürger erlaubt, keine besonders gnädige Regierung erwarte, um so weniger, da er die Gräuel— thaten eines Robespierre, Marat, Danton entschul— digt und mit überchristlicher Schonung in seinen Schutz nimmt, indem er durch ein sophistisches Ma— neuvre erklärt: diese großen Namen der Revolution seyen ja nur unschuldige Werkzeuge gewesen; das durch sie vergossene Blut klebe nicht an den Händen dieser republikanischen Teufel, sondern an den Hän— den Louis 14. und seiner Vorgänger und Nachfolger, die das Volk geknechtet hätten. Eine schöne Moral, eine schöne Politik, gefährlicher und furchtbarer als die Despotie aller asiatischen und europäischen Despoten und Monarchen. Denn welche furchtbare Folgerung läßt eine solche Rechtfertigung der französischen republi— kanischen Würgengel zu? Wenn also in unserm Deutschland jetzt eine Jakobinerherrschaft, wie bei der ersten französischen Revolution in Frankreich, sich an die Spitze der Geschäfte stellte und nach dem Bei— spiele der französischen Würger sich im Blute ihrer deutschen Brüder badete, dann würden, nach der Moral meines lichtscheuen Gegners solche republika— nischen Würger engelrein dastehen; denn das Blut, das sie vergießen, würde ja nicht an ihren Händen kleben, sondern an den Händen der Monarchie und des Adels. Warum hat aber mein lichtscheuer anonymer Geg— ner nicht zur Rechtfertigung seines republikanischen Schützlings Robespierre angeführt, was diesen und andere Würgengel in den Augen der Nachwelt am meisten rechtfertigen könnte? Ich will meinem Geg— ner mit meiner eingeochsten Geschichte etwas auf die Beine helfen und ihm zu der Vertheidigung seines engelreinen Robespierre und seiner Republikaner, welche die Geschichte mit dem Ehrennamen Terroristen d. h. Schreckensm änner bezeichnet hat, noch Stoff lie— fern. Warum führen Sie nicht an, mein Herr, daß Robespierre das Verdienst sich erworben hat, unsern Herr Gott, diesen Monarchen des Himmels, den die 21 Regierung der französischen Republik durch ein förm⸗ liches Dekret abgesetzt hatte, wieder einzusetzen, indem Robespierre dieses Absetzungsdekret des Convents auf— hob. Warum aber setzten diese Republikaner unsern Herr Gott ab? Vielleicht giebt uns mein gelehrter Geg— ner darüber Aufschluß? Ich muß gestehen, daß mir diese Frage immer ein geschichtliches Problem geblie— ben ist, dessen Lösung jetzt durch unsern Gegner er— folgen wird. Mir hat es immer Unvernunft geschienen, daß der Convent der ersten französischen Republik unsern lieben Herr Gott, der doch gewiß der beste Monarch von der Welt ist, absetzte, während derselbe Convent doch gleich an seine Stelle wieder eine Mo— narchin einsetzte, nämlich die Göttin Vernunft. Trau⸗ ten jene Republikaner etwa diesem weiblichen Monar— chen größere Staatsweisheit zu, als unserm lieben Herr Gott, der schon so lange Zeit das Ruder der Regierung mit geschickter Hand geführt hatte und zwar ohne Parlament und ohne eine constitutionelle Verfassung. Doch über alles dies wird uns ja der Autor des Etwas genügenden Aufschluß geben. Jetzt will ich nur noch einmal auf die Logik des— selben zurückkommen. Während er sich mit überchristlicher Liberalität zum Patron der republikanischen Würgengel, eines Danton, Robespierre, Marat u. Anderer aufwirft, indem er, was sie gesündigt, der Monarchie in Rechnung bringt; bezeichnet er„mich und meine Mitbürger,“ weil wir keine Lust haben, in's Rad der Ge— schichte einzugreifen, und kein Geschick und Talent besitzen wie er, unserm Herr Gott den Wagen der Weltregierung aus dem Dreck zu schieben, mit dem verächtlichen Ausdruck Philister). Ich meine doch, wenn er mit seiner republikanischen Liberalität und Humanität Herrn Robespierre in Schutz nimmt, so könnte er aus dem Füllhorn seiner Liberalität auch uns armen Philistern einige Tröpflein Huma— nität zufließen lassen. Oder fließt sein Gefühl blos von Zärtlichkeit für die großen Namen der republi— kanischen Schreckensperiode über? oder hat er etwa diesen großen Reichthum seiner Liberalität nöthig, um diese seine Schooßkinder, Robespierre, Marat, Dan— ton zu segnen und zu beglücken? Auch ich hege eine tiefe Sympathie für alle große Namen der Vor— zeit wie der Gegenwart, allein ich kann es nimmer über mein Gefühl gewinnen, diejenigen Männer der Vorzeit in Schutz zu nehmen, deren Namen mit großen blutigen Zügen in's Buch der Geschichte ein— getragen sind, weil sie als freche Räuber an den heiligsten Rechten der Menschheit gefrevelt haben. Ich gestehe es offen und frei: Ich verabscheue alle *) Schämt sich der liberale Republikaner nicht, einen Aus— druck gegen seine Mitbürger zu gebrauchen, der läͤngst von jedem wahrhaft Liberalen außer Cours gesetzt ist? 22 Despoten, seyen sie Monarchen oder Republikaner, Aristokraten oder Demokraten, hege aber die tiefste Verehrung für alle edlen Charaktere der Menschheit; ich bin begeistert für einen Moses und Jesus, für einen Lycurgus und Solon, Anakreon, Pindar und Aeschylus, einen Sophokles, Euripides, Aristo— phanes, für einen Herodot und Therydides, für die Sieger bei Leuktra, Zama und Murten, für einen Cäsar und Trajan, einen Wilhelm und Fried— rich, für den Stagiriten und den Venusiner, Geister und Helden, die mein Gegner nur dem Namen nach zu kennen scheint; denn die eigentliche weltgeschicht— liche Bedeutung dieser Männer ist nur denen recht verständlich, welche in den Schachten der Wissenschaft das reine lautere Gold der Wahrheit und Ueber— zeugung selbst gewonnen haben; allein übertünchten lakirten Halbwissern, wie der Verfasser des„Etwas“ ist, bleibt die Sprache jener griechischen und römi— schen Geister, die sein profaner Mund entweiht, so undeutlich und unverständlich, wie die verwitterten Hieroglyphen auf den Riesendenkmälern Aegyptens dem wilden uncultivirten Sohn der lybischen Wüste. Nur wer die Sprache jener Geister versteht, darf sich erkühnen in die geweihten Hallen des classischen Alterthums einzugehen, um mit jenen Geistern gei— stigen Verkehr zu pflegen und durch diesen Verkehr seinen Geist für die edleren Empfindungen einer wah— ren Humanität und Liberalität empfänglich zu ma— chen, während die seichten Halbwisser von der Cohorte (Schaar) unsers Verfassers und seiner Geistesver— wandten höchstens dazu berufen sind, den Staub, von den Stufen der Propyläen zu kehren. Dr. H. Köhler. (Fortsetzung folgt.) Die Ausweisung der Permissionisten Die Frage, ob eine deutsche Stadt einem unbe— scholtnen Deutschen, der nicht das Ortsbürgerrecht in ihr genießt, aber sich ehrlich ernährt, den Aufent— halt in ihren Mauern oder Gräben verbieten und ihn austreiben kann? hängt von Vorfragen ab, die nicht in Gießen, auch nicht am Ministerium in Darmstadt, sondern bei einer viel höheren Behörde, bei der deutschen National- Repräsentation in der Kürze werden entschieden werden. Diese Entschei— dung wird wohl jeder Besonnene erst abwarten wollen, ehe er für Maasregeln spricht, die sonst vielleicht einige Tage nach ihrer Vollziehung wieder aufgehoben werden. Wenn man aber so lange nicht Geduld haben will, so wird man wenigstens Folgendes bedenken müssen. Es giebt ohne Zweifel zweierlei sogenannte Permissionisten, d h. Leute, welche obne hier Orts— bürger zu sein, mit Erlaubniß in der Stadt woh— nen; solche, welche hier ihr Geld verzehren und solche, welche hier ihr Geld verdienen wollen. Die Leute fortzujagen, welche uns Geld bringen, wäre gewiß die größte Tollheit und müßte man dem Stadtvorstande Curatoren setzen, wenn er an so etwas denken könnte. Wollte man der höchsten Staatsbehörde etwa sagen, diese Leute vertheuerten hier die Wohnungen, weil in Gießen nicht Platz genug für seine Bevölkerung sey, so könnte dieselbe vielleicht resolviren: weil hier der Menschen zu viel seyen, wolle man dadurch Luft machen, daß man die Universität nach Darmstadt verlegen, dann gäbe es gewiß billige Logis! Es kann sich also nur um diejenigen Permis— sionisten handeln, welche hier Geld verdienen wollen. Diese sind wiederum zweierlei Art; ent— weder solche, die hier nöthig sind, beziehungsweise die man wenigstens hier gut brauchen kann, weil es an Leuten von ihrem Gewerbe oder ihrer Ge— schicklichkeit fehlt, oder solche, die hier ganz über— flüssig sind. Die Ersteren fortzuschicken, hat man ebenfalls gewiß keine Veranlassung, weil sie ja nöthig und nützlich sind und da ein jeder brauch— barer und fleißiger Arbeiter seines Lohnes werth ist, so kann man ihnen gern gönnen, was sie hier verdienen. Diese Permissionisten müssen übrigens ganz dieselben Steuern und Communalgelder geben, wie jeder Ortsbürger in denselben Verhältnissen geben muß und diese sind darum durch sie in nichts zu— rückgesetzt; auch können zünftige Gewerbe durch Permissionisten nicht beschränkt werden, weil diesen nicht erlaubt ist, in Handwerke, welche zunftberech— tigt sind, zu pfuschen. Der Letzteren, nämlich solcher, welche hier über— flüssig sind, können es aber unmöglich Viele seyn: denn es sollen Leute, die sich voraussichtlich hier nicht gehörig ernähren können, keine Permission erhalten und haben sie auch gewiß selten oder nicht bekommen; wenn sie aber doch dieselbe erschlichen haben, so haben sie gewiß nicht lange Gebrauch da— von gemacht, weil sie Thoren wären sich lang hier aufzuhalten, wenn sie nichts verdienen können, da es auf jeden Fall hier theurer ist, als sonst wo. Es wird sich daher bei der nun angeordneten Untersuchung gewiß herausstellen, daß solche Per— missionisten, welche für die Stadt nicht nützlich und brauchbar sind, wenig oder keine hier sind, und daß daher überhaupt viel Lärmen um Nichts ge— macht worden ist. Denn augenscheilich war keine genügende Veranlassung da, daruber eine Vorstellung an die höchste Staatsbehörde zu richten, oder gar darüber eine Volksversammlung zusammenzurufen. Bei ähnlichen Vorkommnissen aber sollte unser Stadtvorstand gegen Personen, welche sich schrift— liche oder mündliche Drohungen mit Gewalt und Verbrechen erlauben, eine ganz andere Energie be— weisen und ihnen alsbald zeigen, daß bei uns die Gesetze ihre Kraft noch nicht verloren haben. wichtigere und würdigere Aufgabe wuͤrde es dage— gen seyn, die Maßregeln zu berathen, welche geeig— net wären, der bei diesen trüben Zeiten täglich mehr überhand nehmenden Arbeits- und Verdienstlosigkeit zu rechter Zeit abzuhelfen. des„jüngsten Tages.“ Obgleich sich die Marktschreier im„Jüngsten Tage- schon manchen Zahn stumpf gebissen, und ihre Hälse sich so heiser geschrieen haben, daß sie blos als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle da— stehen, ohne von Jemand bewundert zu werden, so wagt sich die wahnsinnige Schmählust doch immer wieder an einen Mann, der stets fest, wie ein Starker, Gewappneter gegen alle verzweiflungsvolle, aber fruchtlose Verleumdungen dasteht. In Nr. 21 des„Jüngsten Tages“, der seinem jüngsten Gericht nahe ist,(da bekanntlich jüngster Tag und jüngstes Gericht in enger Verbindung stehen) heißt es:„die bittersten Klagen führen die Lehrer des Kreises Gießen über den Herrn Kreisrath Prinz.“, Meint ihr alle Lehrer? dann habt ihr eine unver— schämte Lüge gesprochen! wartet, bis erst alle in euer Gesalbader mit einstimmen. Es werden sich viele finden, die in dem Herrn Kreisrath einen ge⸗ rechten, höchst thätigen und ordnungsliebenden Mann ehren und achten. Er sucht seine Pflichten gewissen— haft zu erfüllen und verlangt es daher auch von andern; er wirkt so viel in seinen Kräften steht und sieht von andern gern desgleichen, und da er an sich selbst keine Unordnung duldet, so ist es erklärlich, daß er sie auch an anderen nicht leiden kann. So auch in den Schulen— Er ließ und läßt jedem Lehrer Recht und Gerechtigkeit widerfahren, wie ihm gebüh— ret. Das erkennen nicht allein Lehrer, auch andere Augenzeugen bei Prüfungen z. B. die Ortsschulvor— stände. Bei vielen Prüfungen habe ich kein einziges Kind schüchtern, viel weniger zitternd vor dem Herrn Kreisrath Prinz gesehen, im Gegentheil waren in vielen Orten die Kinder so erfreut auf seine An— kunft, daß dieselben in kindlicher Weise aus freiem Antrieb ihr Schullocal mit Blumen und Kränzen schmückten. Angeführter Mann aus Lollar, der die Schulkinder über erlittenen Zwang zum Lernen be— dauerte, ist wahrscheinlich derjenige, der sich um die Ausbildung seiner Kinder zu Haus wenig oder gar nicht kümmert und statt mit dem Lehrer Hand in Hand zu arbeiten, zu Haus das niederreißt, was in der Schule aufgebaut ward. Jener mag die Worte beherzigen:„Ziehe dein Kind und laß es nicht müs⸗ sig gehen, daß du nicht über ihm zu Schanden wirst.“ Eine. 23 Was das Einprügeln der Religion betrifft, so wäre zu wünschen, daß Manchem in seiner Jugend besser auf eine unsanfte Art etwas Religion wäre beigebracht worden, als daß“ er mit so ganz leerer Schale— bedauernswürdig heranwuchs. Viele sol— cher können sich die Frage vorlegen:„Hans Tölpel, wo bist du in die Schule gegangen?“ Es weiß jeder, daß das Tadeln das Leichteste auf der Welt ist; aber schwer wird es euch Marktschreiern werden, die Ehre des Herrn Kreisraths Prinz auf diese Art zu rauben. Wahrscheinlch wird die eurige dadurch so versinken, (wenn ihr anders schon welche hattet), daß sie im tiefsten Koth stecken bleibt. Ihr Heuchler! ziehet zu— erst die Balken aus eurem Auge ꝛc. Leider, sage auch ich, ist der Vikar in Lollar an der Schwindsucht gestorben, von der er, auch wenn er nicht Untergebener des Herrn Prinz gewesen, doch nicht gerrettet worden wäre, da sich dieselbe schon lange in ihm entwickelt hatte, was ich als sein von jeher gewesener Freund ganz gut weiß. Auch soll ein Kind von einem Schlag des Herrn Kreisraths Prinz gestorben seyn! Hahaha, da kommt einem bei der ernsthaftesten Sache das Lachen!— Das ist schlimm für alle jüngeren Kinder. Denn wenn die Ohrfeigen in neuerer Zeit solche gräßliche Folgen haben, dann wird man in der Schule keine Kinder mehr zu unterrichten bekommen, weil sie dann alle an Ohrfeigen gestorben seyn werden, ehe diesel— ben das gesetzliche Alter für die Schule erreicht haben. Herr Kreisrath Prinz wird sich durch alle diese Angriffe in seinen löblichen Bestrebungen nicht irre führen, sondern vielmehr mit innerem Stolz an sich abprallen lassen.— Oppenrod am 3. April 1848. Götz. Die gegen mich in A 9. des Jüngsten Tags ausgesprochene Verläumdung soll von mehreren Ein— wohnern Burkhardfeldens herrühren, in welchem Orte ich seit einem Jahre als Lehrer stehe. Es ist wahrlich eine traurige Erscheinung unserer Zeit, hören und sehen zu müssen, wie mehrere Be— wohner hier und da, geleite von ganz niederem Pri— vatinteresse, wo sie blos vermeintlich glauben eine Vervortheilung erleiden zu müssen, die freie Presse benützen, um sich zu erkühnen, ihre gottlose Bosheit aus schwarzer Seele öffentlich dem Publikum mitzutheilen. Die Ausübung einer solchen schrecklichen Rache geschah auch in obiger Nummer gegen mich— ohne Grund und Ursache. Sie möchten steinigen die zu ihnen gesandt— und warum?! Anders und für mich tröstend spricht eine Ge— 24 4½ Jahr gewirkt, und deren Zeugniß ich im Ge⸗ gensatz zu vorerwähnter Verläumdung hier anzu⸗ führen mir erlaube.— Burkhardsfelden am 8. April 1848. Rabenau, Lehrer. Ze u gon i 55. Wir, die unterzeichneten Einwohner von Greben— hain im Kreise Nidda, haben vernommen, daß der von uns im vorigen Jahre geschiedene Lehrer Ra— benau von einigen Einwohnern zu Burkhardsfelden in einer Zeitschrift,„der jüngste Tag“ genannt, schmählich und grausam verläumdet worden seyn soll. Dieser ehrbare Mann hat bei uns 4½ Jahr als Lehrer gewohnt und sich nicht nur die ungetheilte Liebe seiner Schüler, sondern auch durch sein men— schenfreundliches Betragen die Achtung und Liebe al— ler Einwohner unseres Ortes erworben. Auch hat er sich die Achtung und Zufriedenheit seiner Vorge— setzten durch Fleiß in seiner Schule zu erwerben ge— sucht, so daß bei seiner letzten Schulprüfung seine Schule für eine der besten im Kreise erklärt wurde. Wir erklären hiermit, daß wir diesen Mann, wel— chen wir so gerne als unsern Lehrer behalten hätten, und den wir heute noch mit offenen Armen empfan— gen würden, für einen ehrbaren, menschenfreundlichen, geselligen und friedliebenden Mann gekannt und ge— achtet haben. Mögen die Tröstungen der Religion ihn in diesen Tagen aufrecht erhalten und in seinem Berufe stärken, damit derselbe nicht ablasse, die Mah⸗ nungen und Tröstungen auch fernerhin an seine Schü— ler fortzusetzen. Grebenhain den 26. März 1848 Andr. Ganß. Peter Jost. Dietr. Oechler. Heinr. Keißner. Heinr. Rühl, Ad. S. Heinr. Bopp. Sebastian Bopp, Schuh⸗ macher. Sebastian Schäffer. Sebastian Weitzel. Ganß, Beigeord. Dietr. Schäf⸗ fer. Heinr. Schäffer. Heinr. Müller. Sebastian Faitz. Peter Lapp. Valentin Hornung. Sebastian Heutzenröder. Se⸗ bastian Jost. Förster Siegfried. Dietr. Ganß. Adam Rühl. Sebastian Weber. Joh. Faitz. Velten Faitz, Schmied. Bal⸗ ser Lind, H. S. Joh. Heutzenröder. Heinr. Ganß, M. Sebastian Scofkel. Sebastian Faitz. Adam Rühl. Balser Schäfer. Balser Lind, Schneider. Den dummen aberwitzigen Haubenkopf, welcher sich erfrecht hat, den Christian Helm aus Lich im Gieße⸗ ner Wochenblatt als Rechner der Stadt Lich und Capitalisten darzustellen; gegen welche allzutheure Ehre übrigens Helm prostestirt hat und noch protestirt, er suchen wir, Falls er einen ehrlichen Namen haben sollte, woran man aber zweifelt, denselben dem Licht zu übergeben, damit wir auf diese Weise in den Stand gesetzt werden, ihm unseren Dank persönlich abstatten zu können. Privat- Anzeige. Eine kleine braune, halbjährige Spitzhundin, wird seit Sonntag den 9. d. M. vermiß. Der⸗ jenige, welcher zur Wiedererlangung derselben ge⸗ nügende Auskunft ertheilen kann, erhält in Lit. D. i 69 ein gute Belohnung. Die Sprechhalle hat sich schon seit der kurzen Zeit ihres Erscheinens einer nicht unbe⸗ deutend guten Aufnahme und resp. Lesekreises zu erfreuen, so daß dieselbe bereits in einer Auflage von 1200 Exempl. gedruckt erscheint. Damit der unterzeichneten Redaction und Verlags⸗ handlung auch die Möglichkeit werde, den sich noch anmeldenden Abonnenten complete Exempl. liefern zu können, so ersucht man Alle, welche sich für dieses Blatt interessiren, ihre Anbe⸗ stellung darauf gefälligst baldmöglichst bewerkstelligen zu wollen, indem man sich bei allzuspä⸗ tem Abonnement für vollständige Nachlieferung nicht verbürgen kann. Die Sprechhalle erscheint wöchentlich mal, am Dienstag und Freitag. Das Abonne⸗ ment ist für Einheimische jährig 36 kr.;(Auswärtige werden sich gerne einen Postaufschlag gefallen lassen). Man abonnirt sich in Gießen bei der Expedition Canzleiberg Lit. B. d.; auswärts bei den zunächst gelegenen löbl. Postämtern.— Inseratgebühren werden die gebro— chene Petitzeile mit 2 kr. berechnet. Gießen im April 1848. Die Erpedition und Verlagshandlung der Sprechhalle. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. STT