— eres e 21. Nov. Fünfte Sonderbeilage Der Kreisdirektor des Kreises Alsfeld Herr Dr. Stammler: Die Bestrebungen der Gießener Hochschulgesellschaft verdienen gerade bei uns auf dem Land noch stärkere Anter— stützung und kräftigere Förderung als in der Stadt. Am Sitz unserer Landesuniversität und in der unmittelbaren Amgebung Gießens hat das Publikum Gelegenheit, durch Teilnahme an den Vorträgen unserer Professoren an seiner Verstands— und Gemütsbildung ständig weiterzuarbeiten, während für unsere oberhessischen Landkreise ein, über das Durchschnitts— niveau hinausgehender geistiger Genuß wegen mancherlei Schwierigkeiten zu den Seltenheiten gehört. Diese Schwierig— keiten können überwunden werden, wenn alle Bevölkerungskreise, denen das von der Gießener Hochschulgesellschaft ausgehende geistige Leben erwünscht und zugute kommt, zu finanzieller Anterstützung nach Kräften bereit sind. Dann werden nicht nur Professoren unserer Landes-Aniversität als Vertreter ihres Fachs in Vorträgen auch bei uns auf dem Lande zu Wort kommen, sondern es wird sich auch ermöglichen lassen, eine Zeitschrift herauszugeben, in der die Bedeutung der Hochschule für das kulturelle Leben unserer engeren Heimat gewürdigt wird. Deshalb sollte jeder Gebildete bei uns auf dem Land sich mit einem entsprechenden Beitrag zur Gießener Hochschulgesellschaft als Freund unserer Landes-Aniversität bekennen. . Die Bedeutung der Chemie für unser Wirtschaftsleben. Von Professor Dr. K. Brand. Form von Salpeter oder Ammoniak, dem Vor einigen Monaten wurde in Gießen die hundertste Wieder— kehr des Tages gefeiert, an dem einer der bedeutendsten und erfolg— reichsten Forscher und Lehrer unserer Landesuniversität, J. v. Liebig, zum Professor ernannt wurde. Die Liebigschen Lehr- und For⸗ schungsmethoden haben nicht nur die chemische Wissenschaft und Industrie mächtig gefördert, ihr Einfluß hat sich vielmehr auch als segensreich für alle anderen Teile der Naturwissenschaften erwiesen. Liebig selbst hat schon die Bedeutung, zu der er die Chemie geführt, richtig eingeschätzt, und er sagte einmal:„Kaum ist bis jetzt eine An⸗ forderung der Gewerbe, der Industrie, der Physiologie durch die wissenschaftliche Chemie unbefriedigt geblieben. Eine jede Frage, scharf und bestimmt gestellt, ist bis jetzt gelöst worden.“ Es soll mit wenigen Strichen versucht werden, von der Nolle, die die Chemie heute in unserem Wirtschaftsleben spielt, ein Bild zu entwerfen. Ansere Feldfrüchte brauchen zum Aufbau der für unsere Er— nährung so wichtigen Eiweißstoffe, Fette und Kohlenhydrate Kohlen— säure, Wasser und Stickstoff. Kohlensäure entnehmen die Pflanzen in der Hauptsache aus der Luft, Wasser und Stickstoff, letzteren in Boden. Nur wenige Pflanzen, die Stickstoffsammler Erbsen, Bohnen, Lupinen, Klee usw., vermögen mit Hilfe von„Wurzelbakterien“ auch Luftstickstoff unmittelbar zu verwerten. Außerdem sind aber zum wirklichen Gedeihen der Pflanzen noch eine Reihe von Mineralstoffen nötig, von denen Magnesium- und Eisensalze, Kochsalz, Schwefel und Kieselsäure sich meist in genügender Menge im Boden befinden; Kalk muß nur gewissen Böden zugeführt werden. Andere, und gerade sehr wichtige Stoffe, nämlich Phosphorsäure, Kalisalze und auch Stickstoffverbindungen werden dem Ackerboden mit der Ernte in so hohem Maße entzogen, daß er daran verarmt und ein Ersatz dieser Stoffe nötig wird, wenn auf eine weitere gute Ernte gerechnet werden soll. Früher wurden die dem Boden entnommenen Stoffe ihm mit dem Stalldünger wieder zugeführt. Dieser vermag aber bei der heute üblichen und durchaus nötigen intensiven Boden⸗ bewirtschaftung einen vollen Ersatz nicht zu gewähren, und schon Liebig hat auf die Zufuhr mineralischer Kunstdünger mit Nachdruck und Erfolg hingewiesen Diese Kunstdünger liefert der Landwirtschaft die chemische Industrie, der es im Verein mit der chemischen Wissen— schaft gelungen ist, die mineralischen Dünger in einer solchen Form herzustellen, welche eine schnelle Aufnahme durch die Pflanzen sicherstellt. Phosphorsäure findet sich in der Natur als in Wasser unlösliches neutrales Kalziumphosphat, das nur sehr langsam aufgeschlossen und von den Pflanzen aufgenommen wird. Beim Behandeln mit Schwefelsäure geht dieser unlösliche neutrale phosphorsaure Kalk in ein Gemisch von Gips und löslichem sauren phosphorsauren Kalk über, das unter dem Namen Superphosphat als Düngemittel weitgehende Verwendung findet. Neben dem Superphosphat steht noch das Thomasmehl als Phosphorsäuredünger zur Ver— fügung. Thomasmehl entsteht bei der Befreiung des Flußeisens von Phosphor nach dem Verfahren von Thomas und Gilchrist, es enthält die Phosphorsäure zwar nicht in wasserlöslicher, aber doch in einer solchen Form, daß sie von der Pflanze aufgenommen werden kann, wenn hierzu auch längere Zeit nötig ist als beim Superphosphat. Deutschland verfügt über reiche Kalisalzlager, und so kann unsere Landwirtschaft dank wohldurchdachter und wirtschaftlich arbeitender Aufbereitungsverfahren ausgiebig mit Kalisalzdüngern versorgt werden. Stickstoff wurde früher, wenn wir vom Stalldünger absehen, dem Boden fast nur in Form von Natronsalpeter, sog. Chilesalpeter, zugeführt, und 1913 führte Deutschland für etwa 166 Millionen Goldmark Chilesalpeter mehr ein als aus, dessen Hauptmenge der Landwirtschaft zugeführt wurde. Diese Zufuhr hörte natürlich im Kriege sofort auf, und es war ein Glück, daß uns in dem bei der Bereitung von Koks und Leuchtgas aus unseren heimischen Stein⸗ kohlen abfallenden Ammoniumsulfat ein brauchbarer und lange erprobter Stickstoffdünger zur Verfügung stand, dessen Stickstoff von den Pflanzen allerdings etwas langsamer aufgenommen wird als der Salpeterstickstoff. Die Abhängigkeit von den chilenischen Salpeterlagern, deren Vorrat in nicht allzuferner Zeit übrigens erschöpft sein soll, wurde überall, namentlich aber in dem leicht zu„isolierenden“ Deutschland als drückend empfunden, und so haben sich denn schon seit langer Zeit die Chemiker bemüht, den in der Luft vorhandenen Stickstoff, dessen Vorrat nach menschlichen Begriffen unerschöpflich ist, in Salpetersäure oder salpetersaure Salze überzuführen. Schließlich ist dies auch mit Hilfe des elektrischen Flammenbogens gelungen. Der Stickstoff verbrennt im elektrischen Flammenbogen zu Stickstoff⸗ sauerstoffverbindungen, die mit Wasser und Luft in Salpetersäure verwandelt werden. Von den zahlreichen empfohlenen, zum Teil auch wirklich angewandten Verfahren seien nur das der Norweger — m — ee 9 8 9 .——— rr * r e e 2 b K 5 7 r * 2* 2 — o 5 —— e — i i ö Birkeland und Eyde, das von Pauling und das von Schönherr genannt. Schönherr, der hier in Gießen studierte und promovierte, hat sein Verfahren in der Badischen Anilin⸗ und Soda⸗Fabrik ausgearbeitet; es soll noch heute in Skandinavien Verwendung finden. Die Verbrennung des Luftstickstoffs verlangt große Mengen elektrischer Energie, wie sie nur von natürlichen Wasserkräften geliefert werden. Daher hat sich die Luftsalpetersäure⸗Industrie nur in Ländern mit starken Wasserkräften gut entwickelt, in der Schweiz, in Tirol, Südfrankreich und vor allem in Skandinavien und Nordamerika. Die an Kalk gebundene, in Norwegen erzeugte Salpetersäure kommt als Düngemittel unter dem Namen„Norge⸗ salpeter“ in den Handel. Aber wir Deutschen sind trotz des Fehlens von geeigneten Wasserkräften heute auch nicht mehr von Chile abhängig. Ostwald hat der Industrie gezeigt, daß es möglich ist, Ammoniak, welches uns ja bei der Destillation der Steinkohlen in reichlicher Menge als Nebenprodukt zufällt, zu Salvetersäure zu verbrennen. In Gegenwart von sog. Katalysatoren— es sind das Stoffe, welche die Wechselwirkung zwischen anderen Stoffen beschleunigen, ohne selbst verändert zu werden— verläuft die Verbrennung von Am⸗ moniak ohne Energiezufuhr von außen. Das ist natürlich gerade für das an Wasserkräften arme Deutschland sehr wichtig. Die aus dem Am⸗ moniak dargestellte Salpetersäure findet weitgehende Verwendung in der chemischen Industrie selbst, zur Herstellung von Spreng- und Farb⸗ stoffen, von Kunstseide und anderen wirtschaftlich wichtigen Stoffen. Vor mehreren Jahren konnte Haber feststellen, daß man auch Stickstoff und Wasserstoff— beide stehen uns in jeder beliebigen Menge zur Verfügung, ersterer in der Luft, letzterer im Wasser— unter Druck von 200 Atmosphären bei etwa 600 Grad unter dem Einfluß von Katalypsatoren so miteinander vereinigen kann, daß die technische Darstellung von Ammoniak auf diesem Wege möglich ist. Die Habersche Erfindung— eine der bedeutendsten Erfindungen überhaupt!— ist in der Badischen Anilin⸗ und Soda⸗Fabrik unter der Leitung von Bosch technisch so ausgebaut und vervollkommnet worden, daß das sog.„synthetische Ammoniak“ mit dem aus Stein⸗ kohlen gewonnenen in Wettbewerb treten kann. Im Stalldünger ist der größte Teil des Stickstoffs als Harnstoff vorhanden, und fraglos dürfte die technische Herstellung des Harn⸗ stoffs aus den Elementen die idealste Lösung des Stickstoffproblems sein. Wirklich ist es der Badischen Anilin- und Soda⸗Fabrik vor einiger Zeit gelungen, künstlichen Harnstoff aus Ammoniak und Kohlensäure aufzubauen, und dieser Harnstoff kommt heute in den Handel. Bei den vielen Vorzügen, die der Harnstoff vor anderen Stickstoffdüngern hat, kann namentlich den Gartenfreunden seine Benutzung nur dringend empfohlen werden. Zu den künstlichen Stickstoffdüngern gehört auch der Kalkstickstoff, der durch Aberleiten von Stickstoff über erhitztes Kalziumkarbid gewonnen wird. Aber die Chemiker haben sich nicht nur um die Erhöhung der Ernteerträge mit Erfolg bemüht, sie haben den Landwirten auch Mittel in die Hand gegeben, Saat und Ernte vor Schädlingen zu schützen; es seien hier nur die Saatbeizen Tillantin, Aspulun, Germisan und Segetan erwähnt, zu denen sich noch viele andere Mittel gesellen. Auch die sog. landwirtschaftlichen Gewerbe, Zucker- und Stärke⸗ fabrikation, Brennerei und Brauerei, sowie die Molkereien haben großen Nutzen aus den chemischen Forschungsergebnissen gezogen. Wenn unsere Landwirtschaft in der Lage ist, uns mit Rübenzucker zu versorgen, so daß wir keinen Kolonialzucker mehr einzuführen brauchen, so haben hieran, bei aller Anerkennung für die erfolgreiche Tä⸗ tigkeit der Züchter, auch unsere Chemiker ein ganz erhebliches Verdienst. Für die Entwicklung des Gärungsgewerbes unter dem Einfluß der Chemie nur ein Beispiel. Glyzerin konnte vor dem Kriege in größerer Menge nur aus den Fetten dargestellt werden. Infolge des Fettmangels traten im Kriege sehr bald Schwierigkeiten in der Versorgung unserer Fabriken mit Glyzerin ein. Dank der Antersuchungen Neubergs und seiner Mitarbeiter über die Chemie der Gärungsvorgänge gelang es Connstein und Lüdecke, durch Gärung von Zucker in Gegenwart von schwefligsauren Salzen Glyzerin in solcher Menge zu erzeugen, daß man der Schwierigkeiten Herr werden konnte. Groß sind die Verdienste, die sich die Chemie um die leidenden Menschen erworben hat. Die Herstellung der wirksamen Stoffe von Heilpflanzen in reiner Form gestattete dem Arzte erst eine sichere Berechnung der für den beabsichtigten Zweck anzuwendenden Menge der Heilmittel. Zu diesen von der Natur gelieferten Arznei⸗ mitteln kamen zahlreiche künstliche, in den chemischen Fabriken her⸗ gestellte. Es sei nur an das von Liebig entdeckte Chloroform, ohne welches die moderne Chirurgie gar nicht denkbar wäre, an das Sulfonal, Antipyrin, Aspirin und Veronal, und wie sie alle heißen mögen, erinnert. Große wissenschaftliche Erfolge entsprangen aus der Wechselwirkung zwischen Chemie und Medizin. Dem Salvarsan Ehrlichs schließt sich das Germanin der Elberfelder Farbenfabriken von Fr. Bayer u. Co. in Leverkusen würdig an. Die Chemiker dieser Werke, Dr. Heymann, Dr. Kothe und Dr. Dressel, haben mit Anterstützung von Dr. Ossenbeck und Dr. Röhl in einer farblosen, den substantiven Baumwollfarbstoffen chemisch aber verwandten Ver⸗ bindung, dem„Bayer 205“, ein Mittel zur Bekämpfung von Trypanosomenerkrankungen gefunden. Das Mittel hat schon große Dienste geleistet. Es gelang damit, die in Thüringen unter den Pferden, wohl infolge des Krieges, ausgebrochene Beschälseuche erfolgreich zu bekämpfen, in Holl. Indien diente es zur Bekämpfung der Surrah, in der Kirgisenrepublik zur Heilung der Kamelseuche, und in Marokko wandten die Franzosen„Bayer 205“ mit Erfolg gegen die Trypanosomenerkrankung des Dromedars an. Auch in Südamerika ist man mit„Bayer 205“ erfolgreich der Pferdeseuche entgegengetreten. Die Erfolge mit dem Mittel sollen sogar einen dankbaren Farmer in Paraguay zur Komposition eines„Bayer⸗205⸗ Tangos“ angeregt haben. Sicherlich ein ungewollter und eigenartigen Erfolg der Erfinder! Aber auch bei Menschen hat sich„Bayer 205“ zur Bekämpfung der Schlafkrankheit bewährt. Nachdem 1921 im Hamburger Tropeninstitut ein von schwerer Schlafkrankheit befallener Engländer mit dem Mittel geheilt worden war, ging eine Expedition der Elber⸗ felder Farbenfabriken nach dem Innern Afrikas, um das Mittel in der Heimat der Schlafkrankheit zu prüfen. Es gelang, mehr als 200 Schlafkranke zu heilen. Dieselben Deutschen, denen man in Versailles jede Befähigung zur Kolonisation abgesprochen hat, haben dem schwarzen Erdteil mit dem„Bayer 205“ oder, wie es nunmehr heißt, Germanin, die denkbar größte Wohltat erwiesen. Wie die Heilmittelindustrie, so hat sich in Deutschland auch die Farbenindustrie zu ungeahnter Blüte entwickelt. Die früher nur von der Natur gelieferten Farbstoffe Alizarin und Indigo, ersteres wurde aus der Wurzel des namentlich in Frankreich an⸗ gebauten Krapps, letzteres aus der in Asien angepflanzten Indigo⸗ pflanze gewonnen, werden heute künstlich hergestellt und haben die Naturprodukte ganz verdrängt. Es handelt sich bei dem künstlichen Alizarin und Indigo nicht etwa um Ersatzstoffe für die natürlichen Tarbstoffe, sondern die künstlichen Farbstoffe sind dieselben chemischen Verbindungen wie die in der Natur vorkommenden. Aber die Chemie vermag viel mehr als die Natur; Farbstoffe von jedem Tone, dazu noch von überraschender Echtheit, werden von unseren Fabriken erzeugt und geliefert. Der Darstellung des künstlichen Indigos und Alizarins folgte die Darstellung des künstlichen Kautschuks und Kampfers. Indem die Chemie der Natur die Sorge um die Erzeugung dieser für das Leben nicht unbedingt notwendigen Stoffe abnahm und in den Fabriken auf einen kleinen Raum zusammendrängte, machte sie Grund und Boden frei zum Anbau von Feldfrüchten und damit zur Gewinnung von Nahrungsmitteln. Bei der Zubereitung der Textilfasern und gewebe, bei der Veredlung von Baumwolle und Holzzellstoff(Herstellung von Kunstseide, Kunstroßhaar usw.), bei der Herstellung von Lederersatz, von Ersatzstoffen für Horn, Elfenbein und Bernstein, überall fühlt man die führende Hand des Chemikers. Auch von der frühzeitigen Vernichtung durch Mottenfraß wußte die Chemie wertvolle Ge⸗ spinnste und Gewebe zu bewahren; Imprägnieren von Tertilstoffen mit dem geruch⸗ und farblosen„Eulan“ der Elberfelder Farben⸗ fabriken hält die Kleidermotten von diesen fern. a Den heute so großen Bedarf an Metallen deckt die Chemie durch Verbesserung der Methoden zu deren Gewinnung, wodurch früher schwer zugängliche Metalle wie Magnesium und Aluminium in fast jeder gewünschten Menge zur Verfügung stehen. Die Ent⸗ wicklung unserer Luftschiffahrt und unseres Flugwesens wäre ohne diese beiden Metalle gar nicht möglich gewesen. Durch die Herstellung zahlreicher Metallegierungen, zu denen man auch die neuzeitlichen Edelstähle rechnen kann, von denen die nicht rostenden der Firma Fr. Krupp besondere Aufmerksamkeit beanspruchen, wurde der Ver⸗ wendungsbereich vieler Metalle wesentlich erweitert. Ansere hochentwickelte Industrie braucht Brennstoffe in unge⸗ ahnter Menge. Da wir in Deutschland durch das Versailler Diktat einen sehr großen Teil unserer Kohlenlager eingebüßt haben, so ist es für uns doppelte Pflicht, mit dem kostbaren Gute hauszuhalten. Am unsere Fabriken überhaupt im Gange zu halten, mußte zu den früher gelegentlich verschmähten Brennstoffen Braunkohle und Torf gegriffen werden. Zu deren Veredlung hat die Chemie gangbare Wege gewiesen. Auch das planlose Verfeuern und Verkoken unserer Steinkohlen muß aufhören. Hierbei gehen Stoffe verloren, die bei anderer Verwendung der Allgemeinheit größeren Nutzen bringen können. Der Leiter des Kaiser⸗Wilhelm⸗Instituts für Kohlen⸗ forschung, Geheimrat Professor Dr. Franz Fischer, der ebenfalls in Gießen bei Geheimrat Elbs promoviert hat, hat sich mit Er⸗ folg um die Tieftemperaturverkokung der Steinkohlen, bei der der sog. Arteer entsteht, bemüht. Die flüssigen Brennstoffe haben vor den festen viele Vorzüge, ihre Bedeutung als Treibmittel für Motore ist bekannt. Andere Länder verfügen über Erdölquellen, aus denen ihnen diese wichtigen Stoffe in reichlicher Menge zufließen. Durch Behandeln des als Mottenvertreibungsmittel bekannten(festen) Naphthalins mit Wasserstoff in Gegenwart von Nickel erhält man das flüssige Tetralin, welches mit Erfolg als Motorenbrennstoff benutzt wird. Auch aus Kohle kann unter bestimmten Bedingungen durch Behandeln mit Wasserstoff ein flüssiger Brennstoff hergestellt werden. And schließlich ist es Franz Fischer gemeinsam mit Tropsch jüngst gelungen, aus dem durch Verbrennen von Kohle leicht zugänglichen Kohlenoxyd 1 mit Wasserstoff gleichfalls einen flüssigen Brennstoff darzustellen, der Synthol genannt wird, Auch Sprit kann heute erzeugt werden, ohne dabei die für unsere Ernährung so wichtigen stärkeführenden Getreidekörner und Kartoffeln zu verbrauchen. Kalk und Kohle verwandelt der elektrische Strom in Kalziumkarbid, das mit Wasser Kalk und Azetylen gibt. Dieses läßt sich über Azetaldehyd oder Athylen in hier nicht näher anzugebender Weise in Alkohol überführen. Schmieröle werden heute nicht allein aus dem Petroleum, sondern auch auf anderen, von den Chemikern neu gefundenen Wegen aus uns leichter erreichbaren Stoffen bereitet. 8 Auch den für den menschlichen Körper so nötigen„Betriebs- stoffen“, den Nahrungs- und Genußmitteln, hat die Chemie ihre Sorge angedeihen lassen. Hat sie einerseits durch eine scharfe chemische Kontrolle den Nahrungsmittelfälschern das Handwerk ganz gelegt oder mindestens erschwert und die Verbraucher vor Schädigung an Gesundheit und Vermögen geschützt, so hat sie auch andererseits dazu beigetragen, weniger wertvolle Nährmittel zu veredeln und für den Genuß brauchbar zu machen. Hier sei nur an die Härtung der 9 und Trane erinnert, die so für die Ernährung brauchbar werden. Die kurzen Ausführungen werden genügt haben, um die Be⸗ deutung der Chemie für unser ganzes Volk zu zeigen. Auf unerreichter Höhe stehen heute noch deutsche chemische Wissenschaft und Industrie, beneidet von dem Auslande. Welches sind nun die Gründe für die Sonderstellung, welche wir Deutsche in der Chemie unter den Völkern einnehmen? Haben wir in Deutschland vielleicht besonders viele große Erfinder? Oder hat Deutschland in besseren Zeiten besonders gut eingerichtete Forschungsinstitute erbaut? Nein, das ist es nicht. England und Frankreich haben ebenfalls große Erfinder hervor⸗ gebracht, und sie verfügen auch über gute Forschungsinstitute. — Die für den Betrieb unserer Maschinen unbedingt nötigen Vielfach wird als Grund für die hohe Entwicklungsstufe der Chemie in Deutschland der innige Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Industrie angegeben, und fraglos liegt darin viel Wahres. Doch macht man sich von dem Wesen dieser Beziehungen oft ganz falsche Vorstellungen. Die wirklich erfolgreiche Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Industrie besteht nicht darin, daß einzelne Hochschullehrer und Forscher bahnbrechende Erfindungen machen, die von der Industrie ausgenutzt werden. Solche Fälle sind vorge— kommen, aber sie sind nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Viel wichtiger ist, daß unsere Aniversitäten und Hochschulen der Industrie ein großes Heer junger Chemiker zur Verfügung stellen, die so gut ausgebildet sind, daß sie die Ideen großer Erfinder auf⸗ nehmen und mit dem ganzen Rüstzeug der Wissenschaft durch— und weiterführen können. Wollen wir, daß die Chemie in Deutschland auf ihrer jetzigen Höhe bleibt, d. h. daß uns die anderen Völker trotz ihrer Anstrengungen nicht über— flügeln, so müssen wir besonders in der jetzt für unser Vaterland so bösen Zeit alles daran setzen, daß unser chemischer Nachwuchs die denkbar beste Ausbildung erhält. Die Anterrichtslaboratorien an den Aniversitäten dürfen also nicht abgebaut, sondern müssen noch weiter ausgebaut werden. Das ganze deutsche Volk würde darunter zu leiden haben, wenn deutsche chemische Wissen⸗ schaft und Industrie von ihrer Höhe herabsteigen müßten. Herr Fabrikbesitzer Dr. Leitz, Wetzlar: Die Bedeutung der Aniversitäten, und speziell der Landesuniversität Gießen für unseren Betrieb ist ganz besonders typisch, da die von uns hergestellten Produkte in der Hauptsache für wissenschaftliche Zwecke Verwendung finden. Hierzu ist es für uns dauernd von der größten Bedeutung, mit den wissenschaftlichen Arbeiten an den Aniversitäten in Verbindung zu bleiben zur Anpassung der notwendigen Apparatur an die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung. Aus der Nähe Gießens zu uns hat sich natürlich eine ganz besonders enge Fühlungnahme entwickelt, auf deren Pflege wir stets den größten Wert gelegt haben. Dieselbe Erscheinung hat sich auch anderwärts in Deutschland zwischen den Aniversitäten und den dort ansässigen Firmen unserer Branche herausgebildet zum größten Vorteil für deren Entwicklung. Der hohe Stand der deutschen Wissenschaft verlangte eine Anpassung ihrer Hilfsmittel und half so mit, die führende Stellung dem deutschen, wissenschaft⸗ lichen Apparatebau zu erobern, die er noch heute unbestritten innehat. Auch bei den Konstruktionen der Apparaturen, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten in den meisten Fällen empirisch ausgeführt wurden, hat namentlich in Deutschland, im Gegensatz zu dem Ausland, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden erfolgreichsten Eingang gefunden. Hier waren es unsere Aniversitäten, die die geeigneten Wissenschaftler für die Industrie hervorbrachten. Das Ausland macht in den letzten Jahren für seine optische Industrie die größten Anstrengungen, dem Beispiel Deutschlands zu folgen, um ein erfolgreiches Zusammenarbeiten von Wissenschaft und Technik zu erreichen. Man hat unsere Industrie in den hauptsächlichsten ehemaligen Feindesländern unter die sogenannten Schlüssel⸗Industrien einrangiert und gewährt ihr dort jede nur mögliche Anterstützung und Schutz. Frankreich hat ein eigenes optisches Institut mit großen Staats- mitteln errichtet, um mit dessen Hilfe Wissenschaftler für seine optische Industrie heranzubilden. In England ist die„Optical Society“ entstanden, deren Zweck die wissenschaftliche Forschung auf optischem Gebiete ist. In Amerika werden dauernd ungeheure Mittel angewandt zur Hebung der optischen Wissenschaft usw. Es ist deshalb unbedingt notwendig, daß in Deutschland alles geschieht, was nur möglich ist, damit auch der optischen Industrie ihre Vorherrschaft und der errungene Vorsprung erhalten bleiben. Ansere Industrie dürfte auch deshalb besondere Beachtung verdienen, weil sie eine Veredelungs-Industrie par excellence ist, die wertvollste Produkte erzeugt, welche vornehmlich ins Ausland abgesetzt werden und dadurch ihr entsprechendes Teil zur Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft beitragen kann. Zudem kann sie durch die Art ihrer Arbeit vielen unserer Volksgenossen angenehmere Arbeitsbedingungen und durch den Wert ihrer Produkte bessere Lebenshaltung verschaffen als manche andere Industrien. Ansere Aniversitäten sind der wichtigste Nährboden für unsere Industrie; sie zu erhalten und weiter zu entwickeln ist von entscheidender volks— wirtschaftlicher Bedeutung. Das hoch kultivierte Deutschland hat viel zu wenig Aniversitäten, man vergleiche nur mit anderen Ländern; allein die kleine Schweiz hat deren sieben. Das Physikalische Institut. Von W. König und P. Cermak. 5 Seit 25 Jahren besitzt die Gießener Aniversität ein gutes Physi⸗ kalisches Institut. Während um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Professor Buff noch das Erdgeschoß seines Hauses als Physikalisches Kabinett benutzte, konnte Röntgen schon im jetzigen Kollegienhause ein dem damaligen Stande der Physik genügendes Laboratorium einrichten. Aber bei dem raschen Fortschritt physikalischer Forschung reichten unter seinem Nachfolger Himstedt diese Räume schon nicht mehr aus. Er und vor allem Wiener lieferten die Pläne zu einem zeitgemäßen Neubau, der 1898/1900 fertiggestellt wurde. Dieses neue Institut galt damals in ganz Deutschland als Muster zweckmäßiger Anlage und Einrichtung, und die späteren Inhaber des physikalischen Lehrstuhls haben ihm durch Vervollständigung seines Inventars und Ausbau der Arbeitsmöglichkeit auf allen Teilgebieten der Physik seine treffliche Eignung für Forschung und Lehre erhalten“). Auch die Gießener Hochschulgesellschaft hat in den letzten Jahren, wenn die laufenden Mittel zur Erwerbung wichtiger Forschungsmittel nicht reichten, zun modernen Ausgestaltung des Instituts beigetragen. Eine ganze Generation Studierender hat nun schon ihre physi— kalische Ausbildung im neuen Institute genossen; schon hören und arbeiten da die Söhne derer, die den Bau einweihen halfen. Freilich hat sich vieles geändert seit jenen Zeiten. Da das Gebiet der Physik sich erweitert hat, da die moderne Physik nicht nur von dem getrieben wird, der ihr Studium zum Hauptfache erwählt, um als Forscher oder als Techniker oder als Lehrer an höheren Schulen zu wirken, sondern auch für den Chemiker und Pharmazeuten, den Arzt und Tierarzt, für den Forstmann, Geodäten und Landwirt eine unent⸗ behrliche Grundlage seiner wissenschaftlichen Ausbildung bedeutet, hat sich der Kreis der physikalischen Vorlesungen und auch die Zahl der Dozenten seit jener Zeit stark erweitert. Außer der Haupt⸗ ) In welchem Maße dabei die benachbarten Industrien, die optischen Firmen, vor allem die Firma Leitz und neben dieser die Firma A. Pfeiffer in Wetzlar, dem Institute durch Stiftung kostbarer Apparate und wertvoller Forschungsmittel behilflich gewesen sind, das muß hier ganz besonders hervorgehoben werden. 77 r 8 2 8 e . N * o ** S vorlesung über Experimentalphysik werden spezielle Einführungen in die Teilgebiete gegeben und die Studierenden nehmen, je nach dem Zwecke ihrer Ausbildung, an verschiedenen Abungspraktiken teil, die sie von der Erwerbung der wichtigsten für den Forscher und Lehrer nötigen Handfertigkeit in der Herstellung von Apparaten bis zur Anleitung zu selbständiger physikalischer Forschung führen. Auch die Erweiterung der Lehrtätigkeit in der Richtung der tech⸗ nischen und der medizinischen Anwendungen der Physik ist in Angriff genommen und wird noch weiter auszubauen sein. Hand in Hand damit sind nicht nur die Lehr- und Forschungsmittel erweitert worden, sondern auch die Werkstätten und Maschinenräume des Institutes haben einen großen Ausbau erfahren müssen, den nicht 20 nur die hessische Regierung weitsichtig gefördert hat, dem auch Freunde und Gönner aus den Kreisen der uns benachbarten Industrie ihre Anterstützung gewährt haben. So ist gerade in der Physik immer eine erfreuliche Zusammen⸗ arbeit zwischen der Allgemeinheit, die sich der Fortschritte der Wissenschaft erfreut, und noch spezieller zwischen der Industrie, die des Forschers Entdeckungen und Erfahrungen dem Volke zuführt und verwendbar macht, einerseits und dem Forschungs⸗ und Lehr⸗ institute andererseits bemerkbar gewesen. Möge das auch so bleiben in den kommenden Jahren wirtschaftlicher Bedrängnis. Wenn Allgemeinheit und Wissenschaft zusammengehen, so geben sie sich immer ihr Bestes.* Das Physikalisch⸗chemische Institut. Von K. Schaum. Gleichzeitig mit dem Physikalischen Institut, und zwar unter dem gleichen Dache, wurde ein Heim für die Physikalische Chemie errichtet. Die Gießener Aniversität darf stolz darauf sein, daß sie als eine der ersten Hochschulen einen selbständigen Lehrstuhl für dieses bedeutungsvolle Fach geschaffen hat, den eine Zeitlang Ernst Beckmann innehatte(zuletzt als Leiter des Kaiser⸗Wilhelm⸗ Instituts für Chemie in Berlin-Dahlem tätig). Jahrelang mußte sich der Fachvertreter mit knappen Räumen und Hilfsmitteln im Chemischen Institut, später im alten Liebigschen Laboratorium, behelfen, bis unter Karl Elbs der Neubau errichtet wurde. In diesem Institut werden die Grenzgebiete zwischen Physik und Chemie sowie die Anwendungen physikalischer Meß- und Arbeits- methoden auf chemische Probleme in Forschung und Anterricht gepflegt. Das Entgegenkommen der Regierung hat eine vortreffliche Anlage für elektrochemische Arbeiten, die Freigebigkeit der Firma E. Leitz eine glänzende Ausrüstung für mikrofkopische Anter⸗ suchungen, besonders auf dem Gebiet der Kristallchemie und der Kolloidlehre ermöglicht; wertvolle Anterstützung wurde dem Institut ferner von seiten der Gießener Hochschulgesellschaft, von privaten Gönnern und besonders auch von seiten der Firma Arthur Pfeiffer in Wetzlar zu teil; der letztgenannten Firma ist die Beschaffung ausgezeichneter Hilfsmittel für physikochemische Forschungen mit Hilfe der modernen Nönkgenverfahren zu verdanken. Die Universitäts⸗Frauenklinik.. Von Professor Dr. von Jaschke. Der in den Jahren 18871890 erstellte Bau wies eine Reihe von schwerwiegenden Mängeln auf, die aber durch einen unter Pfannenstiel 1905/07 angefügten Flügel und vor allem durch einen in den Jahren 1921-1923 unter dem gegenwärtigen Direktor (v. Jaschke) vollendeten größeren Erweiterungsbau so vollständig behoben werden konnten, daß die Klinik heute eine der schönsten und besteingerichteten Frauenkliniken Deutschlands darstellt. Die Voranstellung dieser Tatsache rechtfertigt sich dadurch, daß die Er⸗ füllung der vielverzweigten Aufgaben einer Aniversitäts⸗Klinik an gewisse bauliche und räumliche Voraussetzungen gebunden ist. Nicht allein der Anterrichtsbetrieb, sondern ebenso die modernen Behandlungsmethoden und die einwandfreie Anterbringung der Kranken stellen Anforderungen, die in dem alten Bau schlechterdings nicht mehr erfüllt werden konnten. Neben dem Anterricht von Studenten der Medizin, der Ausbildung von Hebammen, Wochenbett⸗ und Neugeborenen⸗ pflegerinnen, der Heranbildung einer tüchtigen Generation von Frauenärzten und neben den wissenschaftlichen Aufgaben eines Aniversitäts⸗Institutes steht die Frauenklinik vor allem im Dienste der sozialen Fürsorge und Kranken behandlung. Da ver⸗ mutlich gerade dieser letztere Teil unserer Tätigkeit für ein größeres Publikum mehr Interesse bietet, mag es erlaubt sein, hier ein paar Einzelheiten aufzuführen. Geburtshilfliche und operative Tätigkeit sind an die Voraus⸗ setzung modernster Asepsis gebunden. Deren Durchführung erfordert eine räumliche Trennung der verschiedenen Gruppen von Kranken ebenso wie des zugehörigen Pflege- und Arztepersonals. Schwangere dürfen nicht mit Wöchnerinnen zusammenliegen, diese nicht mit anderen Anterleibskranken, die irgendeinen infektiösen Ausfluß oder einen Eiterherd haben, ebensowenig mit operierten Frauen. Auch die Neugeborenen dürfen nicht dauernd in den Wöchnerinnen⸗ zimmern liegen, sondern sollen zur Vermeidung von Infektion des Nabels, der Luftwege und ähnlichem möglichst nur zu den Still⸗ zeiten zu den Müttern gebracht werden. Frischoperierte verlangen eine besondere Ruhe und Pflege; operativ zu behandelnde und relativ rasch zur Heilung kommende Fälle sollen nicht mit chronisch Kranken zusammengebracht werden; besonders verlangen alle an eitrigen oder infektiösen Prozessen leidenden Kranken eine besondere, von den übrigen Insassen der Klinik streng isolierte Anterbringung. Daraus wird die Einteilung der Klinik in verschiedene Stationen verständlich. 1. Die Geburts hilfliche Station umfaßt einen besonderen, in einem ganz anderen Stockwerk gelegenen Schwangerentrakt, in dessen hellen lichten Räumen die ihrer Niederkunft Entgegen⸗ sehenden untergebracht sind und einer regelmäßigen Kontrolle ihres Gesundheitszustandes unterliegen. Nach der Entbindung, die in besonderen Geburtszimmern stattfindet, kommen die Frauen in Wöchnerinnenzimmer von 4—6—8 Betten, die nach jeder Belegung frisch gereinigt und nötigenfalls desinfiziert werden. Fiebernde Wöchnerinnen müssen scharf von den übrigen getrennt werden. Die Neugeborenen werden in besonderen Näumen untergebracht, einem großen Hauptsaal für völlig normale und ge⸗ sunde Kinder, einem kleineren für irgendwie auf Erkrankung ver⸗ dächtige und schließlich in einem Zimmer für an infektiösen Prozessen leidende Kinder. Das Pflegepersonal für Mütter und Kinder ist wieder aus Gründen der Asepsis völlig getrennt. 2. Die Operative Station umfaßt neben modernen Ope⸗ rations⸗ und Sterilisationsräumen und einem besonders ruhig gelegenen Naum für Frischoperierte eine Reihe heller, luftiger Krankenräume von im allgemeinen nur 4—6 Betten. Außerdem stehen Liegeterrassen zur Verfügung, um in günstiger Jahreszeit die Freiluftbehandlung möglichst durchführen zu können. 3. Die Konservative Station dient der Aufnahme aller nicht operationsbedürftigen, an akuten und besonders chronischen Frauenleiden Erkrankten. Da diese Kategorie von Erkrankungen oft einen langen Kliniksaufenthalt erforderlich macht, ist auf eine der Beruhigung oder Hebung der Stimmung dieser Kranken förder⸗ liche Farbgebung und sonstige Ausstattung der Krankenräume denk⸗ bare Rücksicht genommen. Im engen Verband mit dieser Station steht die Abteilung für Licht-,Elektro- und Wasserbehandlung, die über die modernsten Einrichtungen verfügt und durch ihre räum⸗ liche gesonderte Anordnung auch für ambulant zu behandelnde Kranke zugänglich ist. 4. Die Septische Station nimmt alle an Wochenbettfieber, eitrigen Prozessen u. dgl. leidenden Frauen auf und ist räumlich von der übrigen Klinik völlig getrennt in einer zweckmäßig aus⸗ gestatteten Döker⸗-Baracke untergebracht. 5. Die Röntgenabteilung verfügt neben einem Diagnostik⸗ apparat neuester Konstruktion über Z modernste Apparate für Tiefentherapie und besitzt außerdem genügende Mengen Radium. Ihre Abtrennung von dem übrigen Betrieb ergibt sich vor allem daraus, daß diese Behandlungsart eine spezialtechnische Ausbildung erfordert und wegen ihrer starken Inanspruchnahme durch stationäre und ambulante Kranke bei einer durchschnittlichen täglichen Behand⸗ lungszeit von 10—12 Stunden das dort tätige ärztliche und technische Personal vollauf beschäftigt. Neben 170 Betten, die für die Kranken der III. Klasse, Schwange⸗ ren und Neugeborenen in den beschriebenen Abteilungen zur Ver⸗ fügung stehen, sind noch 30 Betten in einfachen bis auch verwöhntesten Ansprüchen genügenden Räumen für Kranke der II. und J. Klasse vor⸗ handen. Ss ist die Aniversitäts⸗Frauenklinik imstande, allen An⸗ sprüchen und Wünschen der kranken oder für ihre Entbindung Hilfe suchenden Frauenwelt in vollkommenster Weise gerecht zu werden. 9 . Fördern Sie die Bestrebungen der Gießener Hochschulgesellschast durch Ihren Beitritt Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich nach Johannesstraße 17 zu richten a Jahresbeitrag für außerordentliche Mitglieder Mk. s.— 7 Jahresmindestbeitrag für ordentliche Mitglieder Mk. 10.— Bankkonto: Mitteldeutsche Creditbank Filiale Gießen und deren Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 782 Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch⸗ und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.