. — —— 3 Der Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen, Herr Graef: Der unglückliche Ausgang des Krieges und die daraus herrührenden Folgeerscheinungen stellen das deutsche Volk vor ganz neue Aufgaben. Mehr als je müssen Wissenschaft und Prapis sich gegenseitig befruchten und der Aufbauarbeit die richtigen Wege zeigen. Nach dem moralischen Zusammenbruch des deutschen Volkes müssen das Bedürfnis nach geistiger Bildung wieder gestärkt, das Verantwortungsgefühl gehoben und die Pflichten des Einzelnen gegenüber der Volksgemein— schaft wieder stärker betont werden. Diese Ziele verfolgt die„Gesellschaft von Freunden und Förderern der Aniversität Gießen“. Wer die„Gießener Hochschulgesellschaft“ unterstützt, trägt daher bei zum Wiederaufbau der deutschen Wirt— schaft, des deutschen Kulturlebens und zum Frieden innerhalb der Volksgemeinschaft. Gießen, den 16. Oktober 1924. Die Universitätsbibliothek Gießen. a Von Bibliotheksdirektor Professor Dr. K. Ebel. Die Gründung Landgraf Ludwigs V. war kaum ins Leben getreten, als auch an die Einrichtung einer Bibliothek, der not— wendigen Rüstkammer jeder gelehrten Arbeit und Forschung, ge— * dacht wurde. Der Landgraf selbst erwarb im Jahre 1612 in Straß— burg eine größere Büchersammlung, die man wohl als den eigentlichen Grundstock der jetzigen Aniversitätsbibliothek bezeichnen darf. Diesem bescheidenen Anfang entsprach die weitere Ver⸗ mehrung. Mittel standen nur in sehr geringem Maße zur Ver⸗ fügung, nach der ersten Bibliotheksordnung vom Jahre 1624 waren es 50 Gulden. Doch ist noch im Jahre 1786 nach einer literarischen Notiz kein fester Betrag für die Anschaffungen bestimmt gewesen, hierzu wurde nur verwandt, was der kiscus academicus jährlich praestitis praestandis übrig behielt. Dagegen vermehrte sich die Bibliothek durch zahlreiche und wertvolle Geschenke und Ver⸗ mächtnisse ansehnlich. Es war eine schöne Sitte, daß Gelehrte der Aniversität, an der sie bis zu ihrem Tode gewirkt hatten, ihre Biblio⸗ thek hinterließen, oder daß ihre Erben durch die Stiftung derselben ihnen ein unvergängliches Denkmal setzten. Mit der Aniversität wanderte auch die Bibliothek 1625 und in den folgenden Jahren nach Marburg. Eine 1631 vorgenommene Revision ergab 1342 Gießener Werke, eine Zahl, die sich bis zur Rückkehr der Aniversität nach Gießen im Jahre 1650 kaum ver⸗ mehrt hat. Die Leitung der Aniversitätsbibliothek war bis zum Jahre 1872 stets einem Professor aus der philosophischen Fakultät nebenamtlich übertragen. Obgleich unter den Bibliothekaren sich viele hervor— ragende Gelehrte befanden, war diese Gepflogenheit nicht immer zum Vorteil des Instituts, denn Nebenamt ist Nebensache, und zahlreiche Anordnungen zeugen von dem geringen Interesse einzelner Amtsträger an der ihnen anvertrauten Verwaltung. Der erste Bibliothekar, der bis zur Verlegung der Aniversität nach Marburg die Bibliothek leitete, war Konrad Bachmann (161241625), Professor der Dichtkunst und der Geschichte. In Marburg übernahm er das Amt zum zweitenmal(1635— 1646). Anter seinen Nachfolgern ragen an Gelehrsamkeit besonders hervor Johann Konrad Dieterich(16501667), Professor der griechi⸗ schen Sprache und der Geschichte, der sich durch Schriften zur Kaiser⸗ und Papstgeschichte und historische Lehrbücher bekannt gemacht hat, und der Historiker Christoph Friedrich Ayrmann (17351747). Der letztere ist auf dem Gebiet unserer heimischen Geschichte fruchtbar und einer der ersten gewesen, die sich mit der Ortsgeschichte des Hessenlandes wissenschaftlich befaßt haben. Als Bibliothekar wandte er sich mit großem Eifer den Geschäften seines Amtes zu, brachte Ordnung in die ihm anvertrauten Bücher, stellte ein Verzeichnis der der Aniversitätsbibliothek einverleibten Mayschen Bibliothek auf und begann einen Katalog der Aniversitäts⸗ — —— — 5 0 3 9 5 3 C ——— K ö . . E F N bibliothek, deren Schätze er auch in wissenschaftlichen Abhandlungen würdigte. Ein früher Tod setzte seinem arbeitsreichen Leben ein Ziel und verhinderte die Vollendung seiner amtlichen und wissen⸗ schaftlichen Pläne. Anter seinen nächsten Nachfolgern finden wir wieder zwei Ge⸗ lehrte von Ruf, den Mathematiker und Staatswissenschaftler Andreas Böhm(17571790) und Christian Heinrich Schmid (1790-1800). Böhm ist der Begründer der ökonomischen Fakultät, die von 1777/1785 an unserer Aniversität bestand, und hat eine vielseitige wissenschaftliche Tätigkeit ausgeübt. Auch ist er als Begründer des ersten Gießener Wochenblattes bekannt. Chr. H. Schmid, von Hause aus Jurist, hier aber Professor der Bered⸗ samkeit und der Poesie, war Vorstand während der für die Aniversität so gefährlichen Gießener Franzosenzeit. Es ist nicht zum geringsten Teile sein Verdienst, wenn die Bibliothek ohne erheblichen Schaden diese Gefahren überwunden hat. Der Theologe und Philologe Johann Ernst Christian Schmidt, dem wir eine leider nicht vollendete hessische Geschichte verdanken, von 1803-1830 Bibliothekar, führte die Bibliothek in die ehemalige Kaserne(alte Klinik) an der heutigen Liebigstraße über. Die Amtsführung seines Nachfolgers aber, des Romanisten Johann Val. Adrian(1830-1864), war für die Aniversitäts⸗ bibliothek epochemachend. In ihr wurde die heutige Ordnung der Bücherschätze begründet. Der Bibliothek waren im Laufe der Zeit viele große Privatbibliotheken durch letzwillige Verfügungen ihrer Besitzer zugefallen, sollten aber meist gesondert aufgestellt bleiben, was zu unhaltbaren Zuständen führen mußte, je zahlreicher derartige Stiftungen wurden. Hier hat es Adrian durchgesetzt, daß die einschränkenden Bestimmungen aufgehoben oder wie bei der Senckenbergischen Bibliothek abgelöst wurden und die Bücher in die Bestände der Aniversitätsbibliothek eingereiht werden konnten“). Sodann hat er auf Grund des Schleiermacherschen Systems, das er für seine Zwecke überarbeitete, eine vollkommene Neukatalogisierung der gesamten Bibliothek vorgenommen und glücklich durchgeführt, mit Rücksicht auf die geringen Hilfskräfte, über die er verfügte, eine Riesenarbeit. Er legte zwei Kataloge an, einen systematischen, in dem die Werke nach Fächern geordnet auf Quartzetteln verzeichnet wurden, und einen nach Verfassern und Schlagwörtern geordneten alphabetischen Katalog auf Oktavzetteln. Da die Bücher auch nach dem System aufgestellt wurden, konnte der systematische Katalog zugleich als Standortskatalog dienen. Daneben fand Adrian noch Zeit, die 1200 Handschriften der Bibliothek zu verzeichnen und ihren Katalog drucken zu lassen. Auch dieses in lateinischer Sprache abgefaßte Werk bleibt eine für den mit unzulänglichen Hilfsmitteln arbeitenden Neuphilologen eine ruhmvolle Leistung. Seines zweiten Nachfolgers Ludwig Noack(1872-1885) Sorgen waren andere. Bereits vor seiner Ernennung zum Vorstand mehrere Jahre als zweiter Beamter der Bibliothek tätig, kam er nicht unvorbereitet ins Amt und wußte, in welcher Richtung das Institut weiter zu entwickeln war. Daher erweiterte er die Zahl der öffentlichen Stunden und schuf neue Bestimmungen über die Verwaltung und Benutzung, die im wesentlichen die Grundlage der heute gültigen bilden. Seine Kämpfe um angemessene Vermehrung und Besoldung der Beamten waren leider nicht von dem Erfolge gekrönt, wie es im Interesse der Bibliothek und letzten Endes der Aniversität gelegen hätte. Das Verständnis an den maßgebenden Stellen war damals und noch lange Zeit nachher recht mangelhaft. Dagegen konnte er die Bibliothek 1880 in ein neues Heim, das im Jahre vorher freigewordene alte Kollegiengebäude am Brand, überführen. War Noack der erste hauptamtliche Bibliothekar, so stand er doch als Extraordinarius und später als ordentlicher Honorar— professor im Verbande des Lehrkörpers der Aniversität. Mit seinem Nachfolger Hermann Haupt(1885—1921) zog der erste, mit vollgültiger Fachausbildung ausgerüstete Berufsbibliothekar in das Direktionszimmer ein. Ihm war es beschieden, die Bibliothek in moderne Bahnen zu führen, indem er die staatlichen Kredite in zähen Kämpfen von Jahr zu Jahr steigerte, die Beamtenzahl vermehrte und endlich einen Neubau durchsetzte, der in technischer und künstlerischer Hinsicht noch heute, zwanzig Jahre nach seiner Vollendung, zu den besten Bibliotheksbauten Deutschlands zählt. Der Leiter des staatlichen Hochbauamts, Baurat August Becker, entwarf unter Haupts ständiger Mitarbeit den Bauplan und führte ihn nach eigenen, sich bis auf die Möbel erstreckenden Zeichnungen in einheitlichem Stile aus(1904). Das durch die Gestalt des Bau⸗ platzes besonders schwierige Problem der Grundrißgestaltung, das der Trennung und Verbindung von Verwaltungsbau und Bücher⸗ haus, sowie das der Durchbildung des achtgeschossigen Bücherhauses haben hier eine glänzende Lösung gefunden. Die Mittel, die zur Vermehrung der wissenschaftlichen Bestände der Aniversitätsbibliothek vom Staate zur Verfügung gestellt wurden, waren zu keiner Zeit— das darf und muß einmal ruhig ausgesprochen werden— ausreichend zur Erfüllung ihrer mannig⸗ faltigen Aufgaben. Durch die ganze Geschichte des Instituts zieht sich diese Klage hin. Zwar wurden wiederholt Sonderkredite, zum Teil recht erhebliche, bewilligt, allein sie konnten nicht ersetzen, was bei einer vernünftigen Höhe des Ordinariums hätte erreicht werden können. Es handelt sich hier nicht darum, dem Bibliothekar seine Aufgabe zu erleichtern; der hat keine Erleichterung von ausreichendem ) Der Sohn der einzigen Tochter Senckenbergs erhielt für seine Zustimmung für den Rest seines Lebens eine Rente von 200 Gulden. Kredit, denn er muß unter allen Verhältnissen sorgfältig wägen und wählen; worum es sich handelt, ist die Förderung der Forschung und des Anterrichts. Die durch Sonderkredite ermöglichte Er⸗ gänzung von Lücken ist, so notwendig und dringend geboten sie erscheint, nicht so wichtig wie die rechtzeitige Beschaffung des neuen Wertvollen. Hier aber hat der Bibliothekar fast immer sozusagen aus der Hand in den Mund gelebt. Aber auch alle Sonder⸗ kredite hätten nicht genügt, die Bibliothek auf ihre heutige Höhe zu führen, wenn nicht von ihren Anfängen an das private Interesse sich ihr zugewendet hätte. Vor allem zeigt sich ein schöner Zug der Anhänglichkeit an die Ludoviciana in den zahlreichen Vermächtnissen, die ihr von ehe⸗ maligen Lehrern und Schülern zuteil geworden sind. Der Sohn ihres ersten Bibliothekars, der Pfarrer Johann Konrad Bach— mann zu Bischofsheim a. M. legierte ihr 1668 seine Bibliothek, mit der wohl auch die seines Vaters in ihren Besitz gelangte, und 1732 hinterließ ihr Johann Heinrich May d. J. seine und seines Vaters philologische und orientalistische Bibliothek von 3000 Bänden. Eine ähnlich große Bibliothek, hauptsächlich staatsrechtlicher und historischer Literatur, vermachte ihr 1756 ihr Bibliothekar, der Professor Christoph Ludwig Koch, aber die größte und wert⸗ vollste Stiftung fiel ihr am Schlusse dieses Jahrhunderts zu durch das Testament des Regierungsrats Reichsfreiherrn Renatus Karl v. Senckenberg, eines Neffen jener Frankfurter gelehrten Mäzene, der zwar nicht der Aniversität angehörte, aber in engen Beziehungen zu ihr stand. Dieser Gelehrte, Schriftsteller und Sonder⸗ ling hatte eine reichhaltige und umfangreiche Bibliothek, besonders aus den Gebieten des Staatsrechts und der Geschichte, teils von seinem Vater, dem Wiener Reichshofrat, ererbt, teils selbst zu⸗ sammengebracht. Anter den rund 10000 Bänden befanden sich zahl⸗ reiche Wiegendrucke und 910 Handschriften. Diese kostbare Samm⸗ lung vermachte der Reichsfreiherr nebst seinem Wohnhaus, das an der Stelle des heutigen Kreisamts stand, und einem Kapital von 10000 Gulden der Aniversität. Aus ihr stammen die wertvollsten Handschriften und Inkunabeln unserer Bibliothek, die seit ihrer Vereinigung mit der Stiftung(1837) den Namen Bibliotheca academica et Senckenbergiana führt. Die Stiftungen von Bibliotheken Gießener Professoren setzten sich bis in die Neuzeit fort. 1870 wuchs der Aniversitätsbibliothek die unter dem Namen„Schmidsche Stiftung“ heute noch von den übrigen Beständen gesondert aufgestellte philosophische Bibliothek des Professors der katholischen Theologie, später der Philosophie Leopold Schmid zu, 1883 die reiche philologische Büchersammlung des Professors der klassischen Philologie Wilhelm Clemm, die in den Jahren 1907-1918 von dem Geh. Kommerzienrat Dr. Adolf Clemm-Mannheim durch Zustiftungen von zusammen 14000 Mark erweitert wurde. Testamentarisch vermacht oder von den Erben gestiftet wurden ferner die Bibliotheken des Professors der vergleichenden Sprachwissenschaft Peter von Bradke(1897), ein Zuwachs von bedeutendem Wert, des Professors der Otiatrie Hermann Steinbrügge und des Professors der Philosophie Hermann Siebeck. Durch Freunde der Aniversitätsbibliothek wurden für sie angekauft die volkskundlichen Schriften und die schöne Literatur aus der Bibliothek des 1907 verstorbenen Professors Adolf Strack durch Geheimrat Dr. Gail, die Bibliothek des Professors der Nationalökonomie Magnus Biermer durch Freiherrn Heyl zu Herrnsheim in Worms als Teil der„Heyl⸗ stiftung“ für Erweiterung der Bestände von staatswissenschaftlicher und juristischer Literatur(1913) und Teile der Bibliotheken der Professoren der Theologie Wilhelm Bousset und Erwin Preuschen durch die Hochschulgesellschaft(1920). Von anderen Stiftungen ist zu erwähnen die kleine, aber wertvolle talmudische Bibliothek, die der frühere Provinzialrabbiner Dr. Levi durch Testament von 1818 der Aniversitätsbibliothek hinterließ, die Schenkung einer hervorragenden Sammlung von Musikalien, darunter die Werke von Bach in der Ausgabe der Bachgesellschaft durch den jetzt verstorbenen Professor der Anatomie Hans Strahl, endlich die Stiftung des Geh. Kommerzienrats S. Heichelheim zur Ausgestaltung der Lesesaalbibliothek, die er gelegentlich des Amzugs in den Neubau(1904) der Aniversitätsbibliothek zuwandte. Das Jubiläumsjahr 1907 brachte reiche Zuwendungen. Aus den Kreisen der Industrie und des Handels, von den Städten Gießen und Mainz, sowie von einigen Gelehrten wurden Beträge von im ganzen über 35000 Mark gespendet, und 41 deutsche Verleger stellten Werke ihres Verlags im Gesamtwerte von nahezu 60000 Mk. zur Verfügung. Eine dieser Stiftungen, die des Pfarrers Karl Leydhecker, hat für die Aniversitätsbibliothek besondere Bedeutung gewonnen, da sie der Grundstock geworden ist einer Sammlung missionswissenschaftlicher Literatur, die heute zu den vollständigsten Deutschlands gehört. Eine weitere Besonderheit der Aniversitäts⸗ bibliothek erwuchs aus der durch den Geh. Kommerzienrat S. Heichelheim, denselben, dem sie die Ausgestaltung ihrer Lesesaal⸗ bibliothek verdankt, im Jahre 1912 erworbenen Sammlung von Werken über Volkskunde im allgemeinen und Aberglauben im besonderen aus dem Nachlaß des Pfarrers Johannes Moser in Wohnbach. Durch die enge Verbindung der Hessischen Ver⸗ einigung für Volkskunde mit der Aniversikätsbibliothek war die Möglichkeit gegeben, hier die volkskundliche Literatur mit dem Bestreben nach Vollständigkeit zu sammeln und die Aniversitäts⸗ bibliothek zu einem Mittelpunkt volkskundlicher Forschung zu machen, eine Aufgabe, an der rüstig weiter gearbeitet wird. FFA enen * 33 L * —— 3 r r e ee eas Auch in den schweren Kriegs- und den schwereren Nachkriegs⸗ zeiten stand die Entwicklung der Aniversitätsbibliothek nicht still. An erster Stelle ist von privaten Zuwendungen das Vermächtnis des Königsberger Anatomen Professors Ludwig Stieda(1918), 8000 Bände umfassend, zu erwähnen. Mit ihm gelangten eine reiche Literatur zur baltischen Geschichte und Landeskunde, zur Ethno⸗ graphie und Anthropologie und zahlreiche russische Werke und Zeitschriften in den Besitz der Aniversitätsbibliothek. In demselben Jahr erwarb der Kommerzienrat Adolf Klingspor die nach⸗ gelassene Bibliothek, hauptsächlich physikalischen und meteorologischen Inhalts, des Geh. Oberregierungsrats Professor Dr. Aßmann, des ehemaligen Leiters des Observatoriums Lindenberg, für die Aniversität. Der größere Teil dieses Nachlasses gelangte an die Aniversitätsbibliothek, der kleinere an das Physikalische Institut. Demselben Stifter in Gemeinschaft mit Geheimrat Dr. W. Gail verdankt die Aniversitätsbibliothek die Erwerbung der Offiziers⸗ bibliothek des Infanterieregiments 116, die auf diese Weise vor dem Schicksal, in alle Winde zerstreut zu werden, bewahrt blieb (1920). Im Jahre 1923 endlich errichteten Geh. Medizinalrat Professor Dr. Robert Sommer und Frau Emmy Sommer eine Stiftung für Familienforschung, die schon jetzt die Aniversitäts⸗ bibliothek zu einer beachtenswerten Sammelstelle der Literatur dieses sich immer mehr ausdehnenden Gebietes gemacht hat. Die Hochschulgesellschaft, die 1920 die Bibliotheken Bousset und Preuschen erworben hatte, gab ihrer Fürsorge für die Ani⸗ versitätsbibltothek durch mehrere größere Stiftungen Ausdruck. Mit ihrer Hilfe konnten 1921 große Anterlassungssünden früherer Jahrzehnte durch die Erwerbung von Werken der schönen Literatur, der Geographie und der Ethnographie, wieder gutgemacht werden. Nicht vergessen seien an dieser Stelle die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die Germanistic Society, die Society of Friends(Quäker), die Rockefeller Foundation in Amerika, sowie zahlreiche andere ausländische Freunde, die auch unsere Aniversitätsbibliothek mit ausländischer wissenschaftlicher Literatur versorgten und noch versorgen. Ihnen ist es zu danken, wenn in den schrecklichen Jahren der Inflation die deutsche Wissenschaft den Zusammenhang mit der ausländischen nicht verloren hat. Aus eigener Kraft wären wir nicht imstande gewesen, auch nur das Allernotwendigste an ausländischen Werken zu beschaffen. Neben diesen Stiftungen weisen zahlreiche politische und wirtschaftliche, volkserzieherische und andere ideale Ziele verfolgenden Vereinigungen, fast sämtliche deutschen studentischen Verbände ihre Zeitschriften und andere Veröffentlichungen der Aniversitätsbibliothek zu. Das gleiche gilt von einer Anzahl hochherziger hessischer Verleger, die die Wichtigkeit der Ablieferung eines Freiexemplars an die Bibliothek der Landesuniversität erkannt haben und nicht als Last empfinden. Schließlich hat die Aniversitätsbibliothek Verträge mit den wissenschaftlichen Vereinen Gießens(mit Ausnahme der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde) abgeschlossen, wonach gegen einen Staatszuschuß ihre Bibliotheken mit der Aniversitäts⸗ bibliothek vereinigt sind. Diese erhält durch die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, den Oberhessischen Geschichtsverein und die schon genannte Vereinigung für Volkskunde auf diese Weise fortlaufend mehrere hundert wert— vollster Zeitschriften des In- und Auslandes, für gewisse Forschungs⸗ gebiete ein Material, wie es in nicht allzuvielen Bibliotheken in dieser Vollständigkeit zu finden ist. Diese Skizze darf nicht ohne einen turzen Blick auf handschriftliche Schätze, die zum Teil noch der Hebung durch kundige Hände harren, geschlossen werden. Im Jahre 1771 wurde auf Anordnung der Landesregierung die Bibliothek des ehemaligen Markusstifts in Butzbach, die bis dahin in der dortigen Markuskirche aufbewahrt war, der Aniversitäts⸗ bibliothek einverleibt. Sie enthielt 205 Handschriften und 308 alte Drucke, von denen ein Teil in der berühmten Marienthaler Druckerei hergestellt ist. Die Handschriften, vielleicht alle oder doch größten⸗ teils von den Brüdern vom gemeinsamen Leben in der zweiten N Hälfte des 15. Jahrhunderts geschrieben, werden noch reiche Auf⸗ schlüsse zur Geschichte der mittelalterlichen Frömmigkeit geben können. Einige von ihnen stammen aus dem Besitze des Meisters Gabriel Biel, dessen eigenhändige Namenszeichnung sie tragen. Ein besonderer Schatz ist die Papyrussammlung, die mit Hilfe privater Stiftungen, zum Teil der des oben genannten Ge⸗ heimrats Dr. Clemm, erworben werden konnte. Mit ihrer Be⸗ arbeitung und Veröffentlichung ist der Anfang gemacht. Anter den Stücken, die hierher gelangten, befand sich auch ein seltener Fund anderer Art, ein kleines Stückchen Pergament, das die ehe⸗ maligen Gießener Gelehrten Paul Glaue und Karl Helm als das Bruchstück eines Vulgatatextes mit gotischer Aebersetzung erkannten und bestimmten. Es ist die älteste Handschrift einer deutschen Bibelübersetzung, die hierdurch nachgewiesen wird, älter als der berühmte Codex argenteus in Apsala. In jüngster Zeit haben es Mitglieder der Israelitischen Religions⸗ gemeinschaft in Gießen ermöglicht, aus privater Hand wertvolle Photographien von ausländischen Handschriften des samaritanischen Pentateuchs zu erwerben. An wissenschaftlichen Nachlässen besitzt die Aniversitätsbibliothek aus neuerer Zeit u. a. den des Philologen Friedrich Gotthilf Osann(1858), des Germanisten Karl Weigand(1878) mit seinem noch nicht verwerteten umfangreichen Briefwechsel, des Sprach⸗ forschers Lorenz Diefenbach(1883), ebenfalls mit Briefwechsel, des im Kriege gefallenen Oberlehrers Professor Albert Klein, des uns allen noch in frischer Erinnerung stehenden Theologen Samuel Eck(1919) und des Mathematikers Hermann Graß⸗ mann(1922). Zu den handschriftlichen Schätzen darf auch das Archiv der Aniversität, das der Verwaltung der Bibliothek unterstellt ist, gerechnet werden. Es birgt ein großes, noch lange nicht aus⸗ geschöpftes Material zur Aniversitäts⸗ und Gelehrtengeschichte. Die Jahre des Kriegs und des Zusammenbruchs haben auch der Aniversitätsbibliothek schwere Wunden geschlagen, Wunden, deren Heilung noch lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Zwar hat der durch die feindliche Besetzung so hart getroffene und in seiner Finanzkraft geschwächte hessische Staat erkannt, welche eminente Aufbauarbeit er leistet, wenn er den wissenschaftlichen Bildungsstätten des Landes die Möglichkeit weiterer Entwicklung schafft, aber seine Leistungsfähigkeit ist im Augenblick zu eng begrenzt, als daß er allen Anforderungen der fortschreitenden Wissenschaft genügen könnte. So hat er auch für die Aniversitätsbibliothek verhältnis⸗ mäßig große Mittel verständnisvoll zur Verfügung gestellt, aber sie reichen gerade aus zur Erwerbung der allernotwendigsten Werke für den akademischen Anterricht und die Forschung. Die Schließung der während des Krieges entstandenen Lücken an in⸗ und aus⸗ ländischer Literatur, namentlich auch an Zeitschriften, geht heute, und voraussichtlich noch auf lange Jahre hinaus, über seine Kraft. Wir haben gesehen, daß sich in den letzten Jahren viele einsichtsvolle Männer des Handels und der Industrie dieser Erkenntnis nicht verschlossen und aus eigenen Mitteln zur Bekämpfung des gefahr⸗ drohenden Mangels beigesteuert haben. Sie taten dies wohl auch aus dem Gedanken heraus, daß der Aufbau der geistigen Kultur Hand in Hand gehe mit dem der wirtschaftlichen, daß der eine nicht ohne den anderen denkbar sei. Wir sahen ferner, daß nicht wenige Gelehrte ihrer Liebe zur Wissenschaft altruistischen Ausdruck ver⸗ liehen haben. Was hier gegeben wurde, ist Gemeingut der Ani⸗ versität, denn die Bibliothek ist ein Zentralinstitut, der Brennpunkt der universitas literarum. Im Treppenhaus des Bibliotheks- gebäudes sind die Namen der hochherzigen Spender in goldenen Lettern auf weißem Marmor eingegraben, tiefer in den dankbaren Herzen derer, die die Früchte jener Wohltaten genießen. Dieses Zusammenströmen von Geist und Arbeit, das Zur⸗Tat⸗Werden des Gedankens gebiert die Hoffnung, daß es der gemeinsamen Anstrengung aller gelingen wird, unsere Bibliotheca academica et Senckenbergiana zu dem Ziel zu führen, das sie erreichen muß, um ein nie versagendes Instrument in der Gießener Werkstätte der Wissenschaft zu sein und zu bleiben. Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen, Herr Neuenhagen: Die Gießener Hochschulgesellschaft, die neben der Pflege der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis insbesondere die Förderung der Landes⸗Aniversität, vor allem durch die Ermöglichung von Anschaffungen, bezweckt, deren Kosten der Staat nicht selbst bestreitet, bedarf zur Erreichung ihrer Ziele dringend der Anterstützung weitester Volkskreise. Nur dann kann nämlich die Aniversität Gießen neben ihren Schwesterhochschulen der hohen Aufgabe, das kulturelle Leben nicht nur der engeren Heimat, sondern auch unseres großen Vaterlandes zu heben, gerecht werden, wenn es ihr stets möglich ist, auf Grund neuer Erwerbungen auf literarischem und technischem Gebiete mit der fortschreitenden wissenschaftlichen Forschung Schritt zu halten und diese selbst durch eigene Anregungen und Entdeckungen immer wieder neu zu beleben, namentlich auch durch solche, welche für das wirtschaftliche Leben von Bedeutung sind, in dem seit neuerer Zeit neben Angehörigen anderer Fakultäten in steigendem Maße auch Juristen Beschäftigung finden. Da der Staat bei seiner jetzigen Finanzlage weniger als je imstande ist, für solche Anschaffungen aufzukommen, müssen die hierzu nötigen Mittel durch freiwillige Beiträge weitester Volkskreise unseres Landes aufgebracht werden, die alle ohne Ausnahme an einer gedeihlichen Fortentwickelung unserer Landesuniversität ganz wesentlich beteiligt sind. Vor allem sind es die Bewohner unserer Stadt, deren Interesse auf das Engste mit der Blüte der heimischen Hochschule verknüpft ist. Gießen, 31. August 1924. Nele eg. 1 —— — — — . Die Seminargebäude der Landes⸗Universität. Von Ludwig Schlesinger. Wenn der mit den Einrichtungen einer modernen Aniversität weniger Vertraute von Seminaren hört, so denkt er wohl zunächst an Priester⸗ oder Predigerseminare, die der Heranbildung des geistlichen Nachwuchses dienen, dann auch an die Lehrerseminare, aus denen bis in die jüngste Zeit die Volksschullehrer hervorgingen. Bis zum Jahre 1810, dem Geburtsjahr des deutschen Oberlehrer⸗ standes(jetzt heißt es Studienrat statt Oberlehrer), lag der Anterricht an den höheren Schulen in den Händen von Geistlichen und dies verschaffte auch den weltlichen Wissenschaften Eingang in die geist⸗ lichen Seminare. Aber schon 1787 richtete Friedrich August Wolf an der Aniversität Halle ein Philologisch-pädagogisches Seminar ein, in dem allerdings fast gar keine Pädagogik, dafür aber um so eindringlicher rein wissenschaftliche klassische Philologie getrieben wurde. Dies war wohl das erste Aniversitätsseminar, aus ihm ging der große Philologe August Boeck hervor, der 1812 in Berlin das Philologische Seminar begründete; das Gießener Schwester⸗ institut ist nur wenig jünger und bald darauf entstanden an den meisten deutschen Aniversitäten ähnliche Anstalten. Ein Schüler von Boeck war C. G. J. Jacobi, nachmals ein berühmter Mathematiker, der sich später bei seiner Königsberger Lehrtätigkeit die Organisation des, Studiums, wie er sie im Seminar von Boeck kennen gelernt hatte, zum Vorbild nahm, und so der Begründer des Königsberger Mathematischen Seminars und damit des modernen mathematischen Lehrbetriebs an deutschen Aniversitäten wurde.„Das Mathematische Seminar ist ein Institut“— so liest man in den Satzungen des Berliner Seminars, das 1862, im selben Jahre wie das Gießener, gegründet wurde—„das den Zweck hat, diejenigen Studierenden, die bereits eine gewisse Summe von mathematischen Kenntnissen sich erworben haben, zur selbständigen Anwendung derselben anzuleiten und sie durch literarische Anter⸗ stützung jeder Art weiter auszubilden, damit künftig durch sie die mathematischen Studien erhalten, fortgepflanzt und gefördert werden.“ Eine ähnliche Zweckbestimmung gilt auch heute noch für alle Seminare, namentlich für die der Philosophischen Fakultät. Sie sollen neben dem Wissen auch das Können fördern und man kann wohl sagen, daß die wissenschaftliche Arbeit, die von unseren Ani⸗ versitäten auf den Gebieten der nicht spezifisch naturwissenschaftlichen Fächer geleistet wird, wesentlich aus den Seminaren hervorgeht. Von der Art und Weise, wie die Anterweisung der Studierenden in den Seminaren erfolgt, kann man sich ein Bild machen, wenn man im dritten Akt der„Meistersinger“ von Richard Wagner die Szene llest, wo Hans Sachs den genialen, aber noch undiszipli⸗ nierten Walther v. Stoltzing anleitet, ein den Regeln der Kunst gemäßes Meisterlied zu verfassen. Die Darstellung Wagners wirkt noch überzeugender, wenn man bedenkt, daß ja die Organisation unserer Aniversitäten den Zünften nachgebildet ist. Auch die Förde⸗ rung, die dem Lehrer aus dem Seminarbetrieb erwächst, betont Wagner, wenn er Hans Sachs sagen läßt: will ich euch die Regeln lehren, sollt ihr sie mir neu erklären. Freilich sind die Fälle, wo ein Lehrer das Glück hat, einen ihm selbst überlegenen Schüler in die Regeln der Kunst einführen zu können, nur selten, meist hat man sich damit zu begnügen, daß der mittelmäßige Student, wie der David in den„Meistersingern“, sein Sprüchlein zufriedenstellend herzusagen weiß, aber auch dann ist der im Seminar bestehende ständige Amgang mit den stets wechseln⸗ den Generationen der akademischen Jugend der Jungbrunnen, der den Lehrer allein vor der Gefahr bewahren kann, rückständig zu werden und zu verknöchern. Die fortschreitende Entwicklung führte dazu, daß in Verbindung mit jedem Seminar ein Lesezimmer mit einer Handbibliothek der nötigsten und neuesten Literatur eingerichtet wurde, in dem ein Assistent die Aufsicht führt und den jungen Studierenden mit Nat und Hilfe an die Hand geht; ein Arbeitszimmer für den Lehrer bringt den Vorteil, daß dieser nicht nur eine oder zwei Stunden in der Woche, sondern sozusagen ständig im Kontakt mit seinen Schülern steht.— An unserer Aniversität konnte diese Ausgestaltung der Seminare zu Arbeitsstätten für Schüler und Lehrer nur sehr allmählich erfolgen, in befriedigender Weise wurde sie erst in den allerletzten Jahren bewirkt. So lange alle Seminare in dem alten Kollegiengebäude untergebracht waren, litten sie unter Raummangel; war doch 1879, als das Kollegiengebäude errichtet wurde, die Anzahl der Studierenden 340, gegen 1432 im Jahre 1914, auch ahnte man 1879 noch nicht die Bedeutung, die dem Seminarbetrieb im modernen akademischen Anterricht zufallen sollte. Alle Versuche einzelner Professoren, hier Wandel zu schaffen, scheiterten an finanziellen Schwierigkeiten, zum Teil aber auch an der Indolenz einiger, ihren alten Lehrgewohnheiten anhängender Mitglieder des Lehrkörpers. Erst die 1917 ins Leben gerufene Gießener Hochschul⸗ gesellschaft brachte die entscheidende Wendung. Schon bei der Gründungsversammlung wurde in persönlichem Gedankenaustausch zwischen einzelnen Professoren und einflußreichen Freunden der Aniversität“) die Frage der Seminare erörtert, die damals besonders dringlich erschien, weil man einerseits für den nach Beendigung des Krieges zu erwartenden Zustrom von Studierenden vorsorgen, andererseits auf die Konkurrenz mit der seit 1914 bestehenden Aniversität Frankfurt a. M. Rücksicht nehmen mußte, die über glänzend eingerichtete Seminare verfügte. Anfang des Jahres 1918 faßten wir die Häuser Bismarckstraße 16 und Ludwigstraße 19 wegen ihrer günstigen Lage zu dem Grundstück der Aniversität als für Seminargebäude besonders geeignet ins Auge und im Laufe des Sommers wurden nach vorläufiger Bezugnahme mit der Regierung und im Einverständnis mit der Hochschulgesellschaft beide Häuser von einer zu uneigennützigster Hilfe bereiten Persönlich⸗ keit kurz entschlossen angekauft und ihre Einrichtung für die Zwecke der Seminare, soweit dies gemäß den bestehenden Mietsverträgen möglich war, auch sofort auf Kosten der Hochschulgesellschaft in Angriff genommen. Die Aebernahme durch den Staat erfolgte dam im April 1919 durch einen Beschluß der Volkskammer und nach manchem harten Strauß mit der inzwischen eingeführten Wohnungszwangswirtschaft und mit zäher Aeberwindung vieler Schwierigkeiten, wobei die Hilfe der Hochschulgesellschaft immer wieder bereitwillig gewährt wurde, waren wir endlich im Frühjahr 1923 so weit, daß beide Häuser ganz ihrer Bestimmung zugeführt werden konnten. Es befinden sich jetzt Ludwigstraße 19 die Seminare für Deutsch, Französisch, Englisch und für vergleichende Sprach- wissenschaft und Bismarckstraße 16 die Seminare für Theologie, Philosophie, Mathematik, Alte Philologie, Geschichte und Orien⸗ talische Sprachen sowie das Institut für experimentelle Psychologie. Alle diese Institute sind einfach, aber zweckentsprechend und geschmack⸗ voll eingerichtet und können sowohl in bezug auf die vorhandenen wissenschaftlichen Hilfsmittel als auch in bezug auf die darin bis jetzt geleistete wissenschaftliche Arbeit den Wettbewerb mit den gleich⸗ artigen Instituten anderer Aniversitäten getrost aufnehmen. Wie segensreich diese Institute während der Notzeit der Nach⸗ kriegsjahre für unsere schwer bedrängte Studentenschaft gewesen sind, die dort im Winter in gut durchwärmten und beleuchteten Räumen, versehen mit den unerschwinglich teueren literarischen Hilfsmitteln ihren Studien obliegen konnte, soll hier namentlich darum hervorgehoben werden, weil in Kreisen unserer Bürgerschaft vielfach darüber geklagt worden ist, daß die Aniversität durch den Ankauf jener beiden Häuser in der Zeit großer Wohnungsnot eine Anzahl von Wohnungen ihrer Bestimmung entfremdet habe. Wir können wohl sagen, daß wir durch die Einrichtung unserer Seminare der Studentenschaft, unserer Aniversität und damit auch der Stadt Gießen einen lebenswichtigen Dienst erwiesen haben, und daß uns auch insofern ein Vorwurf nicht treffen kann, als der Ankauf der Häuser zu einer Zeit erfolgt ist, wo von Wohnungsnot noch nicht die Rede war. ) Wir nennen absichtlich keine Namen, nur des während der Drucklegung verstorbenen Abgeordneten Osann möge in dankbarer Erinnerung an sein auch bei dieser Gelegenheit bekundetes Interesse für unsere Aniversität gedacht werden. Fördern Sie die Bestrebungen der Gießener Hochschulgesellschast durch Ihren Beitritt. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich nach Johannesstraße 17 zu richten Jahresbeitrag für außerordentliche Mitglieder „ Mindestbeitrag) für ordentliche Mitglieder Mk. 10.— Bankkonto: Mitteldeutsche Creditbank Filiale Gießen und deren Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 782 Mk. 5.— Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.