Und ten H. Wölk, der frel. er Vorstanb. k. -Pfungsah n vorzügliche b. 70 Pfg. a 4 4 Gießen, Dienstag, den 28. September 1897. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. ssche Landeszeitung Posftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 1 bokales und Provinzielles. Gießen, 27. Sept. Der zweite Beamte el der Invaliditäts⸗ und Altersversicherungs— inslalt„Großherzogtum Hessen“, Amtmann benst Boeckmann, ist zum Kreisamtmann 1 dei dem Kreisamt Gießen ernannt worden. lende Erinnerung 0 Helmer. L ausmitlel bel alen E aut geteint in eitel u n Deutschnt u Lu genieyitten · Il „leu, Leiser le lu Aude uclit in sich ra „ rust Weidemans ngen u. Atlesten gf — Jervice ce Jabrilen empfecll den 5 Mut mn ten 1. + u f 1 N at mon 25 ven I0 Ng.. ummente aller Al, gte Bemgeguelt ianos Pn * sreier Sa 165 Tuche . Hermon S—————— 0 — — — * — r— 7 ich gedacht! Der alte Preuße is Ihnen doch noch * Gießen, 27. Sept. Gelegentlich der Be— sdalung des Gesetzentwurfs betr. die polizei⸗ liche Beaufsichtigung der Mietwoh⸗ fungen und Schlafstellen hatten beide fammern der Landstände ein Ersuchen an die gierung beschlossen, wonach über Zahl, Art und Beschaffenheit der diesem Gesetze unterliegen⸗ hen Mietwohnungen, Schlafräume und Schlaf⸗ bellen, sowie über Zahl und Art der auf Grund hes Art. 15 verfügten Ausweisungen Mitteilungen beten werden. In Erledigung dessen hat das Mänisterium des Innern der Zweiten Kammer aunmehr eine tabellarische Uebersicht überreicht, zus welcher hervorgeht, daß in den Gemeinden des Großherzogtums mit über 5000 Seelen der hullzeilichen Kontrolle unterstellte Mietwohnungen usgesamt 12 456 Wohnungen mit 3 Räumen und 34 249 Erwachsene und 15 713 Kinder unter ) Jahren vorhanden sind. In 7231 Woh⸗ ungen mit 2 Räumen sind weiter 15785 Er⸗ wachsene und 9054 Kinder und in 2621 Woh⸗ gungen mit einem Raum 4080 Erwachsene und 72 untergebracht. 339 Wohnungen sind hier⸗ bon im Kellergeschoß und 168 Wohnungen unter dem Dach. Die vorstehenden Angaben beziehen ch auf die Periode vom 1. April 1895 bis 31. März 1896. Gießen, 27. Sept.(Stadttheater.) Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß zur Wiedereröffnung der hiesigen Bühne morgen, Dienstag, den 28. d. M., der neue Blumenthal⸗ adelburgsche Schwank„Zwei Wappen“ zur Aufführung e Gießen, 27. Sept. Mit Rücksicht auf die 15170 Abend stattfindende Eröffnung unseres Stadttheaters dürfte es wohl angebracht leit, auf folgende zehn Gebote für Theater⸗ besucher hinzuweisen, die jüngst die Zeitschrift monde artiste“ peröffentlichte: 1. Komme ile zu spät ins Theater. 2. Störe Deine Nach⸗ burn nicht durch Deinen Kopfputz oder durch auffallende Geberden. 3. Drehe Denjenigen nicht den Rücken, an denen Du vorheischreites. . Suche es zu vermeiden, ihnen auf die Hühner⸗ augen zu treten. 5. Störe die Vorstellung nicht durch Deine Privatunterhaltungen. 6. Lache uud weine nicht in auffälliger und übertriebener Veise. 7. Kannst Du es nicht aushalten ohne Jonbons und Zuckersachen, so verzehre sie Aenigstens so, daß Deine Nachbarn dabei nicht naldisch werden. 8. Wenn Du nicht geistig be⸗ fiigt genug bist, um ohne Textbuch und Pro⸗ kamm auskommen zu können, so blättere vor⸗ schtig um, denn nichts ist unangenehmer als Japiergeknister in einem pathetischen Augenblick. Mache bei Musikaufführungen keine Takt⸗ lägerbewegungen mit dem Kopfe, denn dafür 1** Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzelle. Herausgehen nicht den Weg unter dem Vor⸗ wande, Du müßtest nach den Damen sehen.— Wenn alle diese Vorschriften beachtet werden, dann wird es allerdings ein Vergnügen sein, ins Theater zu gehen. Gießen, 27. September. In der letzten Vorstandssstzung des Geflügel- und Vogel- züchtervereins für Gießen und Umgebung wurde beschlossen, im Februar resp. Anfang April kommenden Jahres hier eine größere Aus⸗ stellung abzuhalten. Gießen, 27. September. Gestern beging der Amtsgerichtsdiener Gümblein im Kreise seiner Familie und seiner zahlreichen Freunde das Fest der silbernen Hochzeit. * Gießen, 27. Sept. Der Gärtnerverein „Flora“ feierte am Samstag im stark besetzten Saale des Cafe Leib sein Stiftungsfest durch Konzert,„Theater und Ball. Der Gesangverein „Heiterkeit“ unter Leitung seines Dirigenten Gröninger hatte es in liebenswürdiger Weise übernommen, die Feier durch seine Weisen zu verschönen. Der Saal war durch Blattgewächse der Feier entsprechend sehr hübsch dekoriert.— Gestern beging der Metzgerverein„Brüder⸗ schaft“ im selben Lokal sein diesjähriges Stif⸗ tungsfest. Konzert und drei Einakter, die von den Mitgliedern des Vereins und deren Damen recht wacker gespielt wurden, erregten großen Beifall. Ein Ball bildete den Schluß des Festes. * Gießen, 27. September. Der Bahnar⸗ beiter Günther erntete dieser Tage 4 Kürbisse im Gesamtgewicht von 245 Pfund, wovon der eine 100 Pfund wog. * Friedberg, 26. September. Vom Lande kommen eben vielfach Klagen über Kartoffel- fäule. In manchen Gegenden ist ein großer Prozentsatz der Knollen erkrankt. Vorsicht beim Einkellern ist darum geboten, denn der Krank⸗ heitserreger, ein kleiner Pilz, kann leicht in die Kellerräume eingeschleppt werden, wo er sich bei der hohen Temperatur schnell vermehrt und andere Knollen ebenfalls ansteckt. Stellenweise hört man auch Klagen über das starke Auftreten der kleinen hellgrauen Ackerschnecke, die am jungen Klee und der jetzt bald aufgehenden Saat be⸗ deutenden Schaden zu verursachen imstande ist. d. Wetzlar, 27. Sept. Heute Nacht um 1 Uhr wurden wir durch die Feuerglocke aus dem Schlafe geweckt. Es ist ein Teil der Wollspinnerei der Firma Knoblauch an der Bahnhofstraße niedergebrannt. Wie der Brand entstanden, ist noch nicht aufgeklärt. Das Feuer war schon um 4 Uhr auf seinen Herd be⸗ schränkt. Schwurgericht. W. Gießen, 27. Sept. Vormittags um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende, Land⸗ gerichtsrat Wehner die Sitzung. Nach Erledigung der gesetzlichen Formalitäten und nach Bildung der Ge⸗ schworenenbank wird in die Verhandlung gegen den Kesselschmied Georg Evers von Schwetzingen wegen . Expedition 8 Kreuzplatz Nr. 4. Totschlags, versuchten Totschlags und gefähr- licher Körperverletzung eingetreten. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Gün⸗ gerich, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Metz. Es sind 47 Zeugen und 3 medtzinische Sachverständige zu hören. Die Letzteren sind Medizinalrat Dr. Lorenz, Hospitalarzt Medizinalrat Dr. Weckerling, beide von Friedberg, sowie Dr. Hirsch von Bad Nauheim. Für die Verhandlung sind zwei Tage vorgesehen. Bei Aufruf der Zeugen fehlten die von der Verteidigung zu laden bean⸗ tragten Zeugen Theiß und Debus. Der Erste Staats⸗ anwalt Dr. Güngerich erklärt, er habe alles gethan, um diese Leute laden zu können, es war jedoch nicht möglich, deren Aufenthaltsort zu ermitteln. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Metz, erklärt, er persönlich glaube ohne Einwilligung seines Klienten auf die Zeugen Theiß und Debus nicht verzichten zu können, da dieselben für die Entlastung des Angeklagten unbedingt nötig seien. Er würde selbst daraufhin, daß Evers noch drei Monate länger in Untersuchung bliebe, um die Vertagung bitten. Das Gericht beschließt eine Pause von 15 Minuten, damit der Verteidiger sich mit seinem Klienten beraten kann. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung erklärt Rechtsanwalt Metz, so sehr er auch die Verzögerung be⸗ dauere, so müsse er doch auf die Ausfindigmachung und Ladung der beiden Zeugen beharren und er bitte um Vertagung. Das Gericht beschließt demgemäß, die Ver⸗ handlung bis zum Mittwoch nächster Woche zu vertagen. Sind bis dahin die Zeugen nicht ausfindig gemacht, so kommt die Sache in der diesmaligen Schwurgerichtsperiode nilt mehr zur Verhandlung. Vermischtes. — Ueber die Ursachen der verschiedenen Schweißabsonderungen beim Menschen hat Professor Max Rubner, der Direktor der Berliner hygie⸗ nischen Institute, in Gemeinschaft mit Herrn D. v. Lewa⸗ schew eingehende Versuche angestellt. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Lufttemperatur auf die Schweiß⸗ absonderung bald stärker, bald schwächer einwirkt und daß namentlich kurz vor dem Ausbruch eines Gewitters die Lufttemperatur als fast unerträglich empfunden wird. Neben dem allgemeinen, durch die Hitze bedingten Er⸗ schlaffen macht sich an heißen, gewilterschwülen Tagen die Schweißabsonderung doppelt unangenehm bemerkbar. Die Ursache dieser Erscheinungen macht sich in dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft, welche derartig stark mit Wasserdämpfen gesättigt ist, daß sie zur weiteren Auf⸗ nahme von Wasserdampf nicht mehr imstande ist. Es kann dann auf dem Körper auch keine Verdampfung, also Abgabe des Schweißes an die Luft, mehr stattfinden, weshalb die Schweißabsonderung auf der Oberfläche der Haut als Schweißperlen sichtbar wird. Bei großer Hitze und trockener Luft ist natürlich die Möglichkeit der Ver⸗ dampfung auch eine bedeutend größere, weil die Luft sofort die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit aufnimmt, wodurch die Menge des sich auf der Haut ansammelnden Schweißes verringert wird. Nach dem alten Grundsatz Verdunstung erzeugt Kälte, ist die Schweißabsonderung als ein wirksames Mittel zur Abkühlung der Hautober⸗ fläche zu betrachten, weil durch die Verdunstung des Lufttemperatur und 22 pCt. Wassergehalt der Luft trat sichtbarer Schweiß auf. Das Allgemeinbefinden wurde bei großer Trockenheit der Luft und hoher Temperatur nicht wesentlich beeinflußt, dagegen war eine Temperatur von nur 24 Grad bei 96 pCt. Feuchtigkeitsgehalt der Luft, was annähernd den Verhältnissen vor einem Ge⸗ witter entspricht, auf die Dauer vollständig unerträglich. Bei diesem Versuch trat keine starke Schweißabsonderung, wohl aber ein heftiges Durstgefühl auf. Die Steigerung der Menge des abgesonderten Schweißes stieg bei Er⸗ höhung der Temperatur um 10 Grad C von 9 fg auf 29 g, in trockener Luft von 36,3 g auf 75,4 g. Aus diesen Zahlen ergiebt sich, daß die Schweißabsonderung nicht lediglich mit der Temperatur steigt, sondern daß auch der Wassergehalt der Luft dabei eine bedeutende Rolle spielt. — Die Rache der Telephonistinnen. Man berichtet aus Paris: Einige Blätter ereifern sich in hef⸗ tigster Weise gegen einen Mißbrauch, der angeblich von der Telephon-Verwaltung im Einverständnis mit der Geheimpolizei in der Weise getrieben würde, daß die Gespräche der Abonnenten durch eine Zweigleitung belauscht werden. Die„schwarze Kabine“, eine moderne Variante des„Cabinet noir“, stehe im vollen Betriebe und kein Politiker, kein Journalist, kein Finanzmann könne sich des Telephons bedienen, ohne daß seine Worte von einem Geheimagenten mit angehört werden. So arg sollen aber die Dinge in Wirklichkeit nicht sein. Denn, wie versichert wird, handele es sich bei dieser Be⸗ aufsichtigung des Telephonverkehrs blos um eine„Kontrolle des Dienstes“, die von besonders vertrauens würdigen Telephonistinnen ausgeübt werde. Der Vorfall, der zu der Entdeckung dieser Kontrolle führte, ist der folgende: Graf Goutran, ein unwiderstehlicher Salonlöwe, in seinen freien Stunden auch Diplomat, hatte mit der Ge⸗ mahlin eines bekannten Finanzmannes, denn wir Grafen von Ostende nennen wollen, um die Lokalfarbe halb⸗ wegs beizubehalten, ein Verhältnis angeknüpft. Die beiden Liebenden tauschten ihre Schwüre und Eindrücke durch das Telephon aus, in dem Glauben, auf diese Weise vor der Indiskretion der Kammerzofen und Lakaien geschützt zu sein. Die Gräfin von Ostende zeigte sich stets sehr nervös, sobald sie die Nummer des Heißgeliebten an⸗ rief, und überhäufte die Telephonistinnen mit den eigen⸗ artigsten Kraftausdrücken, sobald jene nicht im Handum⸗ drehen die verlangte Verbindung herstellten. Lange sannen die schwergekränkten Telephonistinnen auf Rache, bis der Zufall ihnen zu Hilfe kam. Eines schönen Tages be⸗ lauschte eine Telephonistin, die das Gespräch zwischen dem Grafen Goutran und der Gräfin von Ostende schon für beendigt hielt, einige der zärtlichen Worte der letzteren und diese reizten ihre Neugier dermaßen, daß sie noch Näheres wissen wollte. Eine Kameradin wurde ins Ver⸗ trauen gezogen, dann eine zweite und dritte, und bald kannte das ganze Bureau der Zentralstation die Geschichte der beiden Liebenden. Jetzt tauchte in einem der tollen Mädchenköpfe die Idee auf, den beiden bissigen Abonnenten einen Schabernack zu spielen, an dem sich das ganze Bureau belustigen sollte. Nun begann für die Liebenden eine wahre Höllenexistenz. Bald wurde Graf Goutran, bald die Gräfin von Ostende angerufen, um irgend eine Schweißes auf derselben eine bedeutende Menge Wärme verbraucht und dadurch eine Abkühlung hervorgerufen wird. Es ergiebt sich hieraus, daß hohe Temperaturen bei trockener Luft bedeutend leichter zu ertragen sind, als bei feuchter Luft. Wie groß die Schwankungen in der Menge des abgesonderten Schweißes bei feuchter und trockener Luft sind, beweisen die interessanten Versuche Professor Rubners. Schon bei 24 bis 29 Grad wird die trockene Luft kühler empfunden, als die feuchte: erst bei 29 Grad gleichgiltige Mitteilung zu erhalten, die auf einem Miß⸗ verständnis beruhen konnte. Als aber Graf Goutran eines Tages auf die Anfrage:„Wer dort?“ die Antwort erhielt:„Graf von Ostende“, wurde ihm die Sache zu bunt. Er beklagte sich bei der Telephondirektion, die denn auch zwei der boshaften Beamtinnen absetzte. Der „Graf von Ostende“, der fern von Paris weilt und dem⸗ nach nicht seinen„Freund“ Goutran anrufen konnte, hat bis heute noch keine Ahnung von seinem ehelichen Unglück ider Kapellmeister da. 10. Versperre beim ————— Eine reiche Partie. Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Und wieder wendete er den Blick hinaus und a wie auch in den anderen Häuser die Lichter n den Bäumen aufgeflammt waren. Er bemerkte licht, daß sein Besucher aufstand und sich ihm Aherte und schrak zusammen, als der alte Preuße, ie Hand auf seinen Arm legend, dicht neben ihm u sprechen begann. Sie werden den Besitz des Gutes nicht an⸗ Elen, wertester Herr!“ sagte Grünebohm in be⸗ immtem Ton. „Und— warum nicht?“ fragte Warnshagen ustaunt.. a, sehn Sie, daran haben Sie nu wieder bir. Warum nich? Weil Ihre Schulden noch 3 e sind, werter Herr!“ 8 i ort zu orechen. hagen sprang auf, ohne ein Wort 3 Und Grünebohm fuhr fort:„Glauben Sie, es so schwer wäre, Ihre Gläubiger oder die ichen abefindig zu machen? Noch sind keine dreißig bre verstrichen, und wenn die Leute merken, daß f 05 was haben, dann knöppen sie's Ihnen sofort i dafür lassen Sie den alten Preußen sorgen!“ Mit wütendem Blick maß Warnshagen den ne der, Dann ging er im Zimmer auf und Ader, Schließlich blieb er vor Grünebohm stehen. elne Stimme klang heiser, als er sprach: „Die Leute rechnen schon lange nicht mehr d'rauf. Und über die Hälfte hatte mein Freund zu bezahlen.“ f f „Der is tot, da müssen die Leute sich an Ihnen halten.“ i „Ich habe lange nicht das bekommen, was ich schreiben mußte.“ „Das kümmert mir nich.“ 5 Warnshagen ballte die Fäuste.„Sie wollen ein Ehrenmann sein?“ stieß er hervor.. „Ich schmeichle mir Seh'n Sie mal, der Abend is so schön, wie wärs, wenn Sie gleich mal'rausführen nach Frauensee, und die Sache richtig machen?“ Hastig wehrte Warnshagen ab. sich Ihre Worte!“ rief er keuchend. nichts mehr mit Ihnen zu thun haben 1 „Na sei'n Sie doch man nich so! Das Geld zur Ueberfahrt bekommen Sie, dafür lassen Sie mir sorgen. Denn daß hier Ihres Bleibens nich is, das wird Ihnen doch woll so peu à peu klar geworden sein. Nu die Kinnbacken zusammen ge— nommen, wertester Herr!“ i 11 Warnshagen hielt sich mit beiden Händen am Stuhl. Nervös spielten seine Finger mit der Lehne, während er von Zeit zu Zeit einen seiner wütenden Blicke auf Grünebohm schoß. Dieser begann wieder mit Zureden. „Shre liebe Familie wird Ihnen auch schon er⸗ warten. Vielleicht macht der zweite Sohn ebenfalls noch'ne gute Heirat Sie sind ja geübt in so was— und dann beschließen Sie Ihre Tage in „Sparen Sie „Ich will Goltseligkeit und Ehrbarkeit und lassen die Cult auf 1155 Knieen hopsen und bringen ihnen —. den altpreuß'schen Schritt bei,— soll'n' mal seh'n, wie befriedigend so'ne Existenz is!“ Warnshagen war in einen Stuhl gesunken und starrte vor sich hin.„Sie machen ja doch nicht Ernst,“ sagte er leise. „J da kennen Sie mir schlecht“, erwiderte Grünebohm.„Sowie die Festtage vorüber sind, geh' ich auf die Suche, und ich find' sie, Ihre früheren Freunde, das können Sie mir glauben.“ Warnshagen schwieg und grübelte. „Na, Sie denken woll d'rüber nach, wie Sie sich noch auf irgend eine Weise aus der Affaire ziehen können? Das lassen Sie man bleiben. Wenn Sie nich heute die Sache in Frauensee rück⸗ gängig machen, rühr' ich keinen Finger für Sie, wogegen ich Ihnen im anderen Falle freie Ueber- fahrt und noch'n Notgroschen zusichere, und was'n altpreuß'scher Kafallrist verspricht, das hält er auch.“ Einen Augenblick noch sann Warnshagen nach, dann plötzlich richtete er sich auf und streckle Grünebohm die Rechte entgegen.„Geben Sir mir die Hand darauf!“ „Die soll'n Sie haben, trotzdem Sie's eigentlich nich verdienen.“ Warnshagen erhob sich.„Ich habe mirs über⸗ legt“, sagte er.„Wenn ich mich auf die Hinter⸗ beine setzen wollte, würde Ihnen die Sache schwierig genug werden. Aber das Geschäft hat mir von Anfang an nicht zugesagt. Ist kein Verdienst dabei. Das Gut sehr verschuldet, und dann die Rente zu zahlen,— es wäre nichts dabei heraus- gekommen. Und Jürgen thut mir leid.“ —— — „Außerdem gehen drüben wichtige Sachen vor. Man gründet eben eine Alktiengesellschaft für eine zweite Pacific-Bahn—“ „Und da sind Sie natürlich dringend nötig!“ Warushagen zuckte die Achseln.„Es dürfte da doch noch was zu machen sein“, sagte er.„Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun, und die Kärrner haben manchmal mehr davon als die Könige.... Also ich wollte nur sagen: Wenn ich Ihren Wunsch erfülle, so thue ich es so gut wie freiwillig.“ „Versteht sich, werter Herr! Den Eindruck hab' ich auch gleich gehabt, als wir die ersten Worte gewechselt haben.“ Etwas verdutzt blickte Warnshagen auf. Drückte das freundlich schmunzelnde Gesicht des anderen Ironie oder Biederkeit aus? Man konnte es bei der Dunkelheit nicht recht erkennen. „Und nu wollen wir losziehen“, meinte Grüne⸗ bohm.„Bis ans Gutshaus leist' ich Ihnen Ge⸗ sellschaft, wenns Ihnen recht is. Reingehen können Sie allein und die Freude selbst genießen, die Sie da als Weihnachtsengel anrichten. Aber vergessen Sie nicht, alles Schriftliche mitzunehmen.“ Warnshagen zündete die Lampe an, machte sich fertig und steck'e das Verkaufsdokument zu sich, nachdem Grünebohm sichs hatte zeigen lassen. Frau Möhrchen sah zu ihrer Zimmerthür heraus, als die Herren gingen. „Gu'n Abend, liebe Frau!“ rief der alte Preuße ihr zu.„Sie möchten woll wissen, wo wir hin⸗ gehen? Zur Bescheerung!“ (Nartsetzung folgt.) „Das's'n anständiger Zug von Ihnen.“ und wird dieses wahrscheinlich erst durch die ziemlich un⸗ verhüllten Andeutungen der Blätter erfahren. Die Nach⸗ richt, daß er von einer Telephonistin zu dem Stelldichein des Liebespärchens geschickt worden wäre, beruht auf Er⸗ findung. Es fragt sich nun, welcher Mittel die Liebenden sich in Zukunft für ihre Korrespondenz bedienen werden, da die Briefe„geröntgent“ und die Telephongespräche be⸗ lauscht werden. — Welches Elend. Der Chef der Armenver⸗ waltung von Paris erhielt vor einigen Tagen den Be⸗ such eines Herrn, der ihm folgendes Anliegen vorbrachte: „Ich habe bei einer der letzten Ziehungen der städtischen Obligationen den Haupttreffer von 100 000 Franks ge⸗ macht. Ehe ich auf meinen Landsitz zurückkehre, möchte ich gerne etwas für Ihre Armen thun.“— Der Beamte verneigte sich und drückte dem edlen Spender den Dank der Armenverwaltung im vorhinein aus.—„Ich möchte aber“, fuhr der Besucher fort,„etwas ganz Besonderes thun. Meine Absicht geht dahin, jetzt, da das Brot so teuer ist, an alle Ihre Armen je einen Vierpfundlaib verteilen.“—„Ihr Wunsch soll erfüllt werden,“ entgeg⸗ nete der Chef.„Die Verwaltung wird diesbezüglich die notwendigen Vorkehrungen treffen.“—„Und was habe ich dafür an die Armen verwaltung zu bezahlen?“— „100 000 Frks.!“— Der Glückspilz eilte von dannen und ist nicht wiedergekommen.— Vielleicht ist ihm auch eine Ahnung aufgedämmert, wie wenig die vielberühmte „Charitas“ die soziale Not zu bannen vermag.— Eingesandt. Gießen, 27. September. Herrlich ist jetzt im Herbst ein Spaziergang um die Thore der Stadt. Um unsere Anlagen kann uns manche Großstadt beneiden. Durch die Initiative des Herrn Oberbürgermeister sind uns neue schöne Straßen nach allen Gegenden geschaffen worden, die uns auf den kürzesten Wegen aus der Innen⸗ in die Außenstadt bringen, sogar eine Parallelstraße mit der Südanlage, vom„Wiener Hof“ ausgehend, ist geplant. Mit den Verschönerungen der äußeren hält leider die innere Stadt nicht gleichen Stand. Gehen wir nur auf den Brand, dort sehen wir ein Gebäude aus feudaler Zeit, roh in seinen Umrissen, an keine Architektur irgend eines Zeitalters erinnernd, als nur an die des Raubrittertums oder der Hexenprozesse, eine Ruine der häßlichsten Art, die, weil nicht ruinenhaft genug, man ein Stück abbrach, um sie noch ruinenhafter erscheinen zu lassen. Das einzig schöne auf dem Brand ist die jetzt dort bestehende„Seufzer⸗Ecke“, gleichzeitig Ab⸗ lagerung für Pflastersteine, welche die Buben tagsüber auseinanderwerfen, damit die Passanten des abends be⸗ quemer den Hals brechen können. Malerisch nimmt sich das Leiter⸗ und Spritzenhaus aus. Heult der Sturm, wie es letzter Zeit öfters geschah, um dieses Gebäude, so fahren die Läden auf und zu, die einzelnen Teile der⸗ selben fallen den Vorübergehenden nebst dem Mörtel auf die Köpfe, daß solche mitunter wie Müllerburschen aus⸗ sehen. Es ist Wunder zu nehmen, daß bis jetzt noch kein größeres Unglück passtert ist. An der Stützmauer, Ecke des botanischen Gartens, auf welcher Platten von je einem halben Zentner Gewicht liegen, teilweise ganz lose, hängt eines sogar über und wartet nur darauf, bei der geringsten Berührung einen Passanten zu erschlagen. Die größeren Buben klettern darauf, die kleinen Kinder spielen ahnnngslos um diese Mauer herum. Wie leicht fällt eine solche Platte herunter und erschlägt ein oder mehrere Kinder.— Doch weg von diesem häßlichen Bilde, man geht lieber nach den Marktlauben und dem Turmhaus, um nach dem Lindenplatz zu gehen, doch o weh— welches Bild zeigt sich da im Hintergrunde? oder: Kehrseite der Schloßgasse? ein Ausblick, welcher jeder Beschreibung spottet. Gehe jeder hin und überzeuge sich. Wenn so etwas noch in einer Stadt von der Bedeutung Gießens existieren darf, ist uns unerfindlich. Jetzt kann man mit Recht von unserer Stadt sagen: Außen Hui, Innen Pfui. Neuefte Telegramme. Hd. Glogau, 27. Sept. Vom hiesigen Pionier⸗Bataillon sind, nachdem Freitag Abend erst die letzten Mannschaften aus dem Riesen⸗ gebirge zurückgekehrt waren, infolge telegraphischer Anweisung des Generalkommandos des 5. Armee⸗ korps sämtliche Mannschaften bis auf ein kleines Wachtkommando wieder in das Ueberschwem⸗ mungsgebiet zurückgekehrt. Hd. Breslau, 27. Sept. Im Kattowitzer Industriebezirk nimmt der Typhus täglich zu. In Lublinitz wurden ebenfalls neue Fälle fest⸗ gestellt. Die Gegend von Beuthen ist am schwersten verseucht. Hd. Karlsruhe, 27. Sept. Gestern fand in Heidelberg eine Konferenz der nationallibe⸗ ralen Parteimänner aus Baden, Hessen, Württem⸗ berg, der Pfalz und Frankfurt behufs Erörterung der politischen Lage statt. Es wurde beschlossen, vor der Reichstagswahl einen größeren Parteitag von Südwest⸗Deutschland auf den 14. November nach Neustadt a. H. einzuberufen. Hd. Paris, 27. September. Hier war das Gerücht verbreitet, der Exkapitän Dreyfus sei gestorben oder sein Tod sei nahe, weil der Gou— verneur die Teufelsinsel besuchte. Der Besuch galt indessen nur der Besichtigung einer neuen Schutzvorrichtung, um ein Entweichen des Drey⸗ fus unmöglich zu machen. An dieser Vorrich⸗ tung wurde 6 Monate gearbeitet, dieselbe kostet 60 000 Franks. In Hd. Petersburg, 27. Septbr. Ufa brach auf einem Passagierdampfer Feuer aus. An Bord befanden sich außer der Mannschaft 200 Passagiere. Die Mehrzahl suchte sich durch Ueberbord⸗ springen zu retten. Viele ertranken, andere kamen in den Flammen um. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Sterbefälle. Am 24. Sept. Otto Junge, 24 Jahre alt, Knecht zu Dauernheim, Kreis Büdingen. Ge⸗ storben in der neuen Klinik. Am 24. Sept. Heinrich Wilhelm Kuhl, 16 Jahre alt, Maurer von Fronhausen, Kreis Marburg. Gestorben in der alten Klinik. Die Leiche wird in die Heimat verbracht. Am 25. Sept. Ludwig Engel, 58 Jahre alt, Taglöhner dahier. Gestorben in der neuen Klinik. Am 25. Sept. Friedrich Bach, 26 Jahre alt, Landwirt von Unter⸗Schmitten, Kreis Büdingen. Gestorben in der neuen Klinik. Die Leiche wird in die Heimat verbracht. Am 26. Sept. Elisabethe Münch, 74 Jahre alt, Privatin dahier, Bahnhofstraße Nr. 28. Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs aus statt. Am 27. Sept. Wilhelmine Noll, geb. Bürger, 33 Jahre alt, Witwe des Kaufmanns Wilhelm Adolf Martin Noll, Ederstr. Gestorben in der alten Klinik. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmauyschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18. — Verdingung Giessener Stadttheater. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mit- teilung, dass am Samstag Abend um 9 Uhr unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater und Grossvater, Herr 2663 Ludwig Martin Emil Engel im 59. Lebensjahre nach langem schwerem Leiden sanft ent- schlafen ist. Giessen, den 27. September 1897. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Engel. Familie Kraft. Familie Dietrieln. Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. September, nachmittags 1¼ Uhr, von der neuen Klinik aus statt. Submissionen. (Bieberthalbahn). Die Lieferung des Steinmaterials(Packlagesteine oder Gleisbettung ist franko Baustelle in 4 Losen, geteilt oder im Ganzen, zu Los 1. St. 5 bis 9 Hammstraße; Wieseckbrücke bis Güterschuppen 200 ebm. Los 2 St. 0 bis 20 Rodheimerstraße; Lahnbrücke bis Kreisstraße nach Heuchelheim 1000 ebm. Los 3. St. 20 bis 32 Kreisstraße nach Heuchelheim bis Windhof 600 cbm. Los 4. St. 32 bis 50 Rodheimerstraße; Windhof bis Landesgrenze 900 cbm. Das Steinmaterial ist längs der Straße in regelmäßigen meßbaren Figuren anzuliefern. Lieferungsbedingungen auf dem Bureau, Steinstraße 19, erhältlich. Angebote find daselbst bis zum 1. 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