—ßsSʒj»ʒä— Synagoge, Juli 1897, r. dung Dun f ruck der E. Otta 18. La DD erEeit horn * beim. Der Vorstanb, 65 n Schulze u iu, ae sleines Kneiß 1 . Hon, Wa Deutsche Gießen, Somabend, den 24. Juli 1897. Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. ische Landeszeilung. Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. * — Abg. Köhler ls Bürgermeisterei⸗Kandidat. Ein ländliches Wahl⸗Idyll. l- Philipp Köhler VI., früher in Betten⸗ ausen, jetzt in Langsdorf, hat schwer zu tragen u Leben. Die höchsten Ehrenämter sind auf In gefallen, er weiß sicher selbst nicht, wie es schah. Er ist Reichstagsabgeordneter ir den Wahlkreis Gießen, was allerdings schts einbringt, ihn aber auch wenig kostet, da I sich„als Franke“ so gut wie nie in der berüfsischen Hauptstadt sehen läßt. Daneben ist u Mandatsinhaber für den hessischen Land⸗ ag, was ihm täglich während der Sitzungs⸗ uuldde neun Mark trägt, die in Darmstadt auch gohl drauf gehen werden. Nicht genug damit, t ihm für Langsdorf bekanntlich die Post⸗ igentur übertragen und er als ehemals„freier auer“ in die Liste der abhängigen Reichs⸗ eamten übernommen worden. Da das Alles mmer noch nicht seine Arbeitskraft erschöpfte, machte er sich vor Jahresfrist zum Ren⸗ anten der von ihm in Langsdorf gegründeten Spar- und Darlehnskasse, die im Gegensatz u der alten l Kasse, deren Verwal⸗ ung in den Händen seines verstorbenen Vaters hte,„allen Kapitalisten“ neuerdings lebhaft ie Anlagestätte empfohlen wird. Zu guterletzt , wenn wir von kleinen Vereins⸗ und Orts⸗ kuppen⸗Aemterchen absehen, die aufzuzählen icht der Mühe lohnt, Köhler auch noch Zei⸗ sungsverleger, Herausgeber der in Offenbach uscheinenden„Deutschen Volkswacht“. Bei und trotz Allem ist Köhler noch rühriger landwirt, der in jedem Winkel seines Hofes zu der Stunde genau Bescheid weiß. Mancher mag glauben, nun wär's genug der aber an irgend einer Stelle müßte der getrieb wegen Ueberbürdung Schaden erleiden. Der das annimmt, irrt sich. Philipp Köhler lehrt ihn wenigstens eines Besseren. Ihm enügt nicht das Reichstagsmandat, das Land⸗ ügsmandat, die Postagentur, die Rendantur, er Zeitungsverlag, die Verwaltung des Mittel⸗ eutschen Bauernvereins und der Betrieb seiner dundwirtschaft, er will auch noch Bürger- geister von Langsdorff werden. Man könnte annehmen, daß die Langsdorfer lücklich wären, wenn ein so vielbeschäftigter und twandter Mann sich nur herabließe, seine Wahl u gestatten. Aber der Prophet wird im Vater⸗ ande nicht geehrt. So betrübend es ist, es muß ur Wahrheit gemäß gemeldet werden, daß Ihilipp Köhler VI. auch in Langsdorf nicht ohne sumpf zum Sieg gelangen kann. Langsdorf iat sich im Herbst v. J. bei der letzten Reichs- Igsersatzwahl schon zur Hälfte gegen seinen Mitbürger gestellt; wie viel stärker wird die selbung, nun es sich um das einflußreichste Amt . Dorfe selbst handelt. In dieser Not hat Philipp Köhler zur Feder Aoriffen und ein geharnischtes Flugblatt worfen, das in Offenbach gedruckt und den 0 Wählern vor länger als acht Tagen gestellt worden ist. Es trägt den Titel: Zur Bürgermeisterwahl in Langs dorf. n freies und offenes Wort an die Wähler!“ uud ist prompt vor einer Woche auf unseren Jedaktionstisch geflogen. Der Inhalt ist inter⸗ ant genug, um in dieser sommerlichen Stille ir einige Minuten unsere Leser zu erheitern. Gegen Köhler stehen in der Bürgermeister⸗ sandidatur zwei Mitbürger im Felde, Schiel ud Kneipp. Köhler sagt über seine Kon⸗ krrenten das Folgende: „Zwel Kandidaten stehen mir entgegen. Zwar der Eine derselben(Schiel) steht in allgemein⸗ politischer Beziehung mit mir auf gleichem Standpunkt; er ist Mitglied und Mitbegründer unserer Ortsgruppe des Bauernbundes. Der Andere Eneipp), von sozialdemokratischen Prin⸗ Apten ausgehend, steht in allgemeinpolitischer Be⸗ 115 zur Zeit der freisinnigen Volkspartei ahe.“ Ras untef ist der Rede Sinn, Herr Köhler. bas muß das für ein merkwürdiger Mensch der von sozialdemokratischen Prinzipien— Far Prinzipien— ausgehend zum Anhänger zun Fugen Richter, des letzten Apostels ber Aanchestertheorie, werden kann! Wir kennen Frrn Kneipp nicht, aber wir kennen zur Genüge ern Köhler, und so dürfen wir ruhig an⸗ „ hmen, daß nicht Kneipp der vollendete Wirr⸗ 10 sst, als welchen Köhler ihn hinstellt, sondern sütedieser die polttische Stellung seines Kon⸗ renten nicht hat begrifflich klein kriegen können. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile. kann er noch überblicken— seine wirklich lobenswerte Thätigkeit im Land⸗ tag—, aber für die wirtschaftlichen und poli⸗ tischen Verhältuisse im großen deutschen Reich ist weder sein Urteil scharf noch für seine Kennt⸗ nisse ausreichend genug. Ansonst könnte er nicht als„freier Franke“ mit dem preußischen Junker Liebermann von Sonnenberg und dem sächsischen Phrasenmeister Zimmermann Hand in Hand an der Karrosse des deutschen Junkerbundes, vulgo Bund der Landwirte, ziehen. Daß er es doch thut beweist zur Genüge, daß Köhler sich die politischen Kinderschuhe noch nicht ausge— treten hat. Einen weiteren Beweis für seine böllige Un⸗ klarheit liefern gleich die nachfolgenden Sätze. Köhler sagt ganz richtig, man solle vermeinen, daß er und sein„Parteigenosse“ Schiel gegen Kneipp zusammenstehen müßten. „Das ist hier nicht der Fall“, fährt Köhler fort,„denn die allgemein⸗politische Parteistellung fällt nicht zusammen mit der dorfpolitischen Stellung. Ortspolitik ist keine Staatspolitik.“ Von wem hat Herr Köhler diese Weisheit gelernt? Etwa von den ihm verhaßten Liberalen, die für das Reich noch so gnädig sind, an dem allgemeinen Stimmrecht festzuhalten, die aber in den Kommunen, in denen sie das Heft in der Hand haben, feierlich das Census-Wahlrecht verteidigen oder dies sogar wie in Kiel und an anderen Plätzen noch verschärfen, um sich nur ja in ihrer Macht zu behaupten. Nein, eine Partei, die ihre Grundsätze festgelegt hat und sie nicht nach Bedarf wechseln und modeln will, kann im Dorf nicht anders verfahren, wie sie im Landes⸗ oder Staatenverband handelt; so verschieden auch die Materien sind, die im Ge⸗ meinderat oder im Landtag oder im Reichstag der Beurteilung unterliegen, der Gesichts⸗ winkel, unter dem das geschieht, muß immer derselbe sein. Für den Abg. Köhler ist Einheitlichkeit der Auffassung etwas Unbekanntes. Von einer Weltanschauung gar wird er noch nie etwas gehört haben. Im Landtag ist er ein stram⸗ mer Oppositionsmann, der sich redlich unsere Sympathien errungen hat; im Reichstag ist er ein Schleppenträger der junkerlichen Reaktion und des ostelbischen Großgrundbesitzes; in der Gemeinde will er nun noch etwas Anderes werden, denn„die allgemeinpolitische Stellung fällt nicht zusammen mit der dorfpolitischen Stellung“. Wie will er sich deun in der Ge⸗ meinde verhalten? Will er dort zwischen beiden Extremen lustig hin und her baumeln; heute mit dem Kreisrat dinieren und morgen ihn und seine Anordnungen im Gemeinderat bis aufs Blut be— kämpfen? i Daß Köhler in seinem Kopf noch nicht die nötige Inventur aufgenommen hat, beweisen üb⸗ rigens auch die folgenden Sätze: „Schiel und seine Wähler, das sind thatsächlich unser Beider Gegner, die meinigen und die⸗ jenigen von Kneipp. Leider ist es nunmehr der Gegenseite gelungen, uns(K neilpp und mich) die wir hätten einträchtiglich zusammengehen sollen— zu trennen, verfahrend nach dem alten lateinischen Grundsatze Divide et impera(Teile deine Feinde in zwei Lager, dann wirst du leichter Herr über sie.) Also: Köhler ist eigentlich der geschworene Feind seines„Parteigenossen“. Schiel und dieser treibt die Parteifreundschaft so weit, daß er ihn und seinen politischen Gegner Kneipp auch noch auseinandersprengt. Nun ist der Wirrwarr vollendet und ob ein Langsdorfer zwischen all die politischen und nicht politischen Klippen un⸗ efährdet hindurch steuern wird, soll uns Wunder nehmen. f Daß aber Köhler die Trennung von Kneipp bedauert ist das Erstaunlichste an der Sache. Kneipp ist doch in Köhlers Augen ein Mischmasch von Sozialdemokrat und Freisinnsmann,, also wo Parteianschauungen, die beide nach Köhlers oftmaliger Aussage im Bann des Juden⸗ tums stehen, deren Parteigebilde sogar— wieder nach Köhlers unzählige Mal gratis verabreichtem Rezept— vom Geld der Juden aufrecht⸗ erhalten werden. Und mit einem Anhänger dieser Richtungen will der ehrliche, freie, offene Antisemit Köhler zusammengehen! Die Trennung von diesem erfüllt ihn mit Schmerz! Was müssen wir erleben! i t Philipp Köhler VI,. nun auch unter die Jubenscuer gegangen? Hat der jüdische Geist sich auch seiner bemächtigt und ihn sich dienst⸗ 0 acht? ö 1 5 Hoch ncgtig:„die allgemeine politische Par⸗ b setzt uns bei dem Reichstags ö gsabg. Köhler eiter nicht in Erstaunen. Das Hessenland istellung fällt nicht zusammen mit der dorf⸗ Lpollischen Etelung“ Bei der Reichstagswahl das beweist er durch Expedition: D 1 Kreuzplatz Nr. 4. also ist Herr Kneipp ein Freisinnsmann oder ein Sozi, also auf jeden Fall ein Judenschützer; bei der Bürgermeisterwahl ist er dem ehrlichen, freien und offenen Antisemiten und Junker— schützer ein willkommener Bundesbruder, der nur durch Arglist von dem auch ehrlichen, freien und offenen Antisemiten Schiel von seiner Seite ge— rissen wird. Ja, ja, so ist es. So ists richtig! sagt der Reichstagsabgeordnete Köhler. Er muß es wissen. Wie könnte er anderen— falls Reichstagsabgeordneter geworden sein? (Ein zweiter Artikel folgt.) 5 2 N A* 4 1 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 23. Juli. Die großh. Zentral— stelle für Gewerbewesen eröffnete am 19. Juli im Lehrsaal der großh. Laudes-Baugewerkschule einen Kursus im gewerblichen Zeichnen, in darstellender Geometrie und Materialienkunde für solche Lehrer, die an Handwerkerschulen zu wirken haben. Die Teilnehmer erhalten für den vier Wochen dauernden Kursus eine wöchentliche Vergütung von 25. und Reiseentschädigung. — Auch in diesem Jahre findet wieder, und zwar vom 20. September bis 9. Oktober, ein Fortbildungskursus für evangelische Organisten unter der Leitung des bekannten Kirchenmusikmeisters Arnold Mendelssohn statt. Es werden an demselben 19 Lehrer teilnehmen. — Das neue Besoldungsgesetz räumt den Kreis⸗ schulkommissionen das Recht ein, die Höhe der den Lehrern zu gewährenden Wohnungs- vergütungen zu bestimmen. Aus diesem Anlaß sind vielfach zwischen den Gemeinden und den Kreisschulkommissionen Differenzen entstan⸗ den, sodaß die Entscheidung des Kreis- bezw. Provinzialausschusses angerufen werden muß. * Gießen, 22. Juli.(Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung.) Um 3½ Uhr eröffnet der Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung. Den Gesuchen um Errichtung einer Gartenhütte am Nahrungsberg seitens des Ernst Heilmann und eines Backsteinmacherhäuschens im Neustädterfeld seitens des M. Abermann wird wiederruflich stattgegeben. Die Firma Fabian und Fick zu Marburg beabsichtigt, die Erbauung zweier Hallen auf dem Gelände der Bahn am Seltersberg, in der Nähe des Güter⸗ bahuhofs, zu errichten, um in denselben die Fa⸗ brikation eines patentierten Baumaterials vorzu⸗ nehmen. Stadtverordneter Löber spricht sich gegen die Erlaubniserteilung aus, da man s. Zt. dem Architekten Seuling, der in jener Gegend ähnliche Bauten errichten wollte, dieses nicht gestattet habe. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß der Seulingsche Fall doch ganz anders läge, als der vorliegende. Das Seulingsche Gesuch kollidierte mit den Plänen der Stadt, während das jetzt vorliegende Gesuch der Mar⸗ burger Firma dies nicht thue. Die Erlaubnis an die Firma Fabian und Fick wird erteilt. Zur Anschaffung von Lehr und Lese⸗ büchern, für die Kinder von Eltern, welche diese Anschaffung unterlassen, werden 45 Mark 96 Pfg. für 24 Schulkinder bewilligt. Die Vorlage wird, da wo die Möglichkeit vorliegt, von den Eltern eventuell zwangsweise wieder eingezogen. Es folgt die Vorlage der Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule pro 1896/97, welche in Einnahme und Ausgabe mit 93,080 4 gegen 97,394 des Voranschlags abschließt. Der von der Stadt zu leistende Zu⸗ schuß für Lehrgehälter betrug 21,024. 24&, (424. mehr, als der Voranschlag angenommn.) Die Einnahmen für Schulgeld sind gegen den Voranschlag zurückgeblieben., Die sachlichen Aus⸗ gaben betrugen 5839, welche die Stadt ganz zu decken hat. Gegen die Rechnung hat die Ver⸗ sammlung nichts zu erinnern. Wegen der Er⸗ bauung einer Kühlanlage für das städ⸗ tische Schlachthaus hat der Oberbürger⸗ meister bereits in der vorletzten Sitzung eingehend referiert. Die Versamm lung beschließt heute im Prinzip, die Errichtung einer solchen An— lage. Wegen des dabei zu wählenden Systems, wegen der Art der Deckung für Zinsen und Amortisation, der dafür aufzuwendenden Gelder, ebenso wegen der Deckung der Betriebsunkosten soll später Beschluß gefaßt werden. Balthasar Meltor erhält die Erlaubnis zum Verkauf von Branntwein über die Straße für das Haus Marburgerstraße 29. Dem Wilh. Bastian wird für die Wirtschaft„Zum Taunus“ Brand⸗ gasse 8 die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb erteilt. Es folgt eine geheime Sitzung. * Gießen, 23. Jull. Verhaftete Diebe. Die Diebe, welche in voriger Woche das Wasserhäuschen am Oswalds Gaxten erbrachen und plünderten, sowie einem Geflügelzüchter mittelst Einbruchs die Vögel und Tauben ent⸗ wendeten, sind gestern in der Person eines dahier in diesem Frühjahr zugezogenen, unverheirateten Schneidermeisters und dessen Gesellen ermittelt und verhaftet worden. Bei denselben sind noch weitere Beweisstücke vorgefunden wor⸗ den, sodaß Aussicht vorhanden ist, sie noch weiterer hier verübter Diebstähle zu überführen. * Gießen, 23. Juli.(Messeraffaire.) Gestern Nachmittag balgten sich am Ludwigs⸗ platz drei eee Ein vorübergehender 14 jähriger Gymnaskast mischte sich in den Streit und stach hierbei einem der Bäckerjungen mit dem Messer in das Genick. Glücklicher⸗ weise ist die Verletzung keine gefährliche. „ Gießen, 23. Juli.(Unfall.) Gestern Abend karambolierte ein Fuhrmann mit seinem Lastwagen am Seltersweg mit einer Chaise und zertrümmerte die Laterne. Die Glassplitter flogen einem Insassen der Chaise in das Gesicht, wodurch derselbe derart verletzt wurde, daß er sich in ärztliche Behandlung be⸗ geben mußte. Der unvorsichtige Fahrer wurde zur Anzeige gebracht. * Gießen, 23. Juli. Verhaftet wurde heute Morgen ein junger Mann, der sich eines Verbrechens aus§ 176 pos. 3 des R.⸗Str.⸗G. schuldig gemacht hat. R. Reiskirchen, 22. Juli. Für Vieh⸗ händler dürfte es von Interesse sein, zu er⸗ fahren, daß nunmehr die Haltestelle für den Viehtransportverkehr auf hiesiger Station eröffnet worden ist. n. Grünberg, 21. Juli. Gestern und heute tagte im Gasthause„Zum Hirsch“ dahier die evangelisch-lutherische Konferenz für Oberhessen, welche auch im Vorjahre hier abgehalten wurde. Während gestern neben den Konferenzangelegenheiten einige rein theo⸗ logische Leitsätze als Thema behandelt worden waren, beschäftigte sich heute die Konferenz mit dem Vortrage des Herrn Oberamtsrichters Wahl aus Schlitz über das Vorladungs⸗ recht der Geistlichen. Die Konferenz war verhältnismäßig gut besucht. h. Grünberg, 22. Juli. Am Mittwoch, den 28. Juli findet hierorts ein Kram⸗ und Viehmarkt statt. * Friedberg, 21. Juli. Die Kornernte fiel bezüglich des Strohertrags vorzüglich aus; der Körnerertrag wird indessen nicht so reich sein als man anfänglich annahm, denn stellenweise hört man Klage führen über mangelhafte Aus⸗ bildung der Körner. Es mag dies zumteil auch auf den dichten Halmenstand, zumteil auch auf die Witterung zurückzuführen sein. *Soolbad Salzhausen, 21. Juli. Unser Bad ist einer der wirksamsten kleinen Badeorte; nicht minder ausgezeichnet durch die Erfolge im Gebrauche seiner Bade- und Trinkquellen, wie durch seine Bedeutung als klimatischer Kurort. Die schöne, geschützte Lage in einem Seitenthälchen des Niddaflusses, das milde Klima, die ozon⸗ reiche, erfrischende Luft, der hübsche Park und die ausgedehnten, prachtvollen Waldungen in nächster Umgebung machen den Aufenthalt in Salzhausen zu einem besonders angenehmen. Namentlich ist der Aufenthalt in Salzhausen zur Erholung und Kräftigung für 1 Kin⸗ der sehr zu empfehlen. Die lithionreichen Salz⸗ quellen werden zu Trink⸗ und Badekuren mit bestem Erfolg in allen Fällen benutzt, in denen der Gebrauch von Soolquellen überhaupt ange⸗ zeigt erscheint. Im Kurhause ist gute Ver⸗ pflegung um mäßigen Preis geboten; Kurtaxe wird nicht erhoben. Das geräuschvolle, die Nerven angreifende Leben und Treiben großer Bäder ist hier fremd; im Gegensatz dazu bietet Salzhausen wohlthuende, angenehme Ruhe und ungestörte freie Bewegung. Allen, die im Ge⸗ brauche von Soolbädern Genesung suchen und zugleich der Ruhe zur Erholung bedürfen, kann Salzhausen aufs wärmste empfohlen werdeu. * Mainz, 21. Juli. In der Angelegenhelt des hier verhafteten Einbrechers Spriesters⸗ bach ist gegen einen hiesigen Schutzmann eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden. Der Schutzmann hat den Einbrecher in der Stadt Bonn, woselbst später die Verhaftung 0 f kennen gelernt und mit ihm gezecht und sogar den Mann, der sich für einen Bankier aus Ems ausgab, in seiner Familie eingeführt. Alsbald nach seiner Verhaftung hat Spriestersbach an⸗ gegeben, daß er einen Betrag von 9000 A4, die er in Wiesbaden gestohlen hat, im Walde bei Wiesbaden vergraben habe. Vermischtes. — Der Tinten⸗Bazillus entdeckt! Es hat sich bereits zu wiederholtenmalen ereignet, daß durch Ver⸗ letzungen mit gebrauchten Stahlfedern gefährliche Blutver⸗ giftungen verursacht wurden. Wie nunmehr das „Central⸗Blatt für Bakteriologie“ mitteilt, sei es endlich im bakteriologischen Institute des Professors Dr. Marp⸗ mann in Leipzig gelungen, die diese Erkrankung des Blutes erregenden Mikro⸗Organismen in der Tinte zu finden. Es sei nämlich festgestellt worden, daß viele Tinten, namentlich die Schultinten, bakterienhaltig seien. Von 67 verschiedenen, meistens mittels Gallus bereiteten Tinten erwiesen sich die meisten als Schimmelpilze, Bak⸗ terien oder Mikrokokken enthaltend. Bei elf Schultinten, bei denen ein Anilinfarbstoff(das Nigrosin) benützt wor⸗ den war, fanden sich selbst in frisch angebrochenen Tinten⸗ flaschen die erwähnten Mikro⸗Organismen vor und die Zahl derselben wurde um so größer, je länger die Tinte der freien Lufteinwirkung ausgesetzt war. Aus einer solchen Nigrosintinte, welche drei Monate lang im offenen Tintenfasse gestanden war, wurde ein septischer Bazillus isoliert, mit welchem sodann Mäuse geimpft wurden, die denn auch am vierten Tage unter Symptomen der Blut⸗ vergiftung zu Grunde gingen. Daß Galläpfeltinten sich mit einer dicken weißlichen Schimmelschichte überziehen, ist allerdings eine uralte Thatsache— jetzt kennt man also auch den Tinten⸗Bazillus. Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 23. Juli. Der„Staats⸗ bürgerztg.“ zufolge verlautete gestern in Herrenhauskreisen, innerhalb des preu⸗ ßischen Fin anzministeriums herr⸗ sche die Neigung vor, das Abgeord⸗ netenhaus sofort aufzulösen, sobald am Sonnabend die Vereins en abgelehnt werden olle. Hd. Mons, 23. Juli. Gestern haben wieder 800 Arbeiter die Arbeit wieder aufge— nommen. Die Zahl der Streikenden ist auf 12000 herabgesunken. Die unterirdischen Grubenanlagen haben durch den Streik be— deutend gelitten. Durch den Einsturz einer Grube kamen gestern 3 Arbeiter ums Leben. Die Streikführer durchziehen die Kohlenreviere von Belgien und Frankreich, um Unterstützungs⸗ gelder zu sammeln. Hd. Triest, 23. Juli. Die Agita⸗ tion unter der hiesigen Arbeiterschaft ist im Steigen begriffen. Der Streik der Tischlergesellen ist im vollen Gange, ferner erwartet man einen all⸗ gemeinen Streik in den städtischen Auch in anderen Industriezweigen herrscht lebhafte Agitation unter den Arbeitern. Sterbefälle. Am 19. Juli. Theodore Flick, geb. Grave⸗ lius, 59 Jahre alt, Ehefrau vom Heilgehilfe Karl Flick dahier. Am 21. Juli. Ludwig Hosch, 83 Jahre alt, Decateur dahier, Sonnenstraße 28. Die Be⸗ erdigung findet Freitag, den 23. d. Mts., nach⸗ mittags 6 Uhr vom Sterbehause aus statt. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanyschen Buchdruckerei, Giesen, Schloßgasse 13. Lagerhäusern und Gaswerken. Verdingung. 1 Die Weißbinderarbeiten zur laufenden Unterhaltung der Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule, sowie die ö Lieferung und Befestigung von Zug⸗ jalousien an 33 Fenster der Schule sollen Montag, den 26. dss. Mts., vormittags 9 Uhr, ictorin-Fahrräder platz an der des„Curatorium“ und der„Wanderer“, G. R.-G., e e eee . N 80 Neht. Rennbahn verbunden mit öffentlich verdungen werden a Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden zur Einsicht auf Zimmer Nr. 7 bei uns offen. 2 Angebote auf Vordruck, der daselbst erhält⸗ lich, sind bis zum genannten Termin einzu— reichen.— Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, den 20. Juli 1897. Das Stadtbauamt. Schmandt. Sfaͤdl. Schlachthaus . Ochsenfleisch, nicht ladeurein, pro Pfund 50⁰ fs Schweinefleisch nicht ladenrein, pro Pfund 45 Pfg. Samstag, den 24. Juli, nachmittags 3 Uhr, 2105 werden r Löwengasse 24 d eine Partie Brenn⸗ und Bauholz sowie ein Quantum Backsteine versteigert. Sees Diener gesucht. Giessener Zither-Club. Die Stelle eines Dieners ist sosort ander⸗ weitig zu besetzen. 2102 Näheres beim 1. Vorsitzenden J. Weisel, Sonnenstraße 6. Mehrere kräftige Mädchen finden in unserer Fabrik dauernde Beschäftigung. Außer vollständiger Beköstigung und guter reiulicher Woh⸗ nung wird ein Baar⸗Verdienst von 22 bis 25 Mark pro Monat garantiert. Reiseauslagen werden zurückvergütet. Eintritt kann jederzeit erfolgen. 5 5 Wessel sche Steingutfabrik in Poppelsdorf bei Bonn. Pa. Früh kartoffeln zu billigsten Tagespreisen bei 2101 Fr. Hainer Tiefenweg 4(Ecke Bahnhofstraße). Reine rebhuhnfarbige 2100 Italiener⸗Hahnen preiswürdig zu verkaufen bei f Johs. Dutenhöfer, Leihgestern. D 8) 9 8 W erners W Aena Elehgärten 10. Lager in Möbeln, Spiegeln, Betten, sowie alder sonstigen Gegenstände. Nommissious⸗ und Agentur ⸗Geschäft. Ankauf von Waren leder Art Reparaturen an Übren werden unter Garantie gut und billig ausgeführt. 461 Georg Koch, Uhrmacher, Neue Bäue 5(Kühlen Grund) 1722) Schöner kühler Laden, der Neuzeit entspr., auf Verl. auch Lagerraum, zu vermieten bei J. Thoma, Bahnhofstr. 43. G. Wienerts Filiale (Juh. A. Rudner) Neuebäue 1 Neuebäue 1 empfiehlt: Ia. Himbeermarmelade à Pfd. 35 K, 10⸗Pfd.⸗Eimerchen 3&,, täglich frische Süßrahmtafelbutter in% und ½⸗Pfund⸗ stilcken. 1465 Nestlaur ant um Cue Cranien- Hrn= 6 Ludwigstrasse 6. Textors Terrasse täglich frische Waffeln. Ph. Eb. Mittagstisch in und außer Abonnement bel J. Arnold(im Schipkapaß). 6 Darmstädter Haus. Logis, sowie vorzüg⸗ 2 lichen Mittagstisch Peter Weirleh.(44 upftehlt stehen an der Spitze der deutschen Hahrradindustrie. Spielend leichter Lauf, solid, dauerhaft. Großartige Ausstattung. Von den meisten Militär- u. Civilhbehörden bevorzugt. Prämiiert in allen Kulturstaaten mit den höchsten Auszeichnungen. Vertreter: G. Ruppel 8* Giessen, Schillerstr. 5. Sämmtliche Ersatz⸗ und Zubehörteile. Für Käufer Gratisunterricht auf eigener 1 ungen ierter Lerubahn. 15 Reparaturen prompt und gut. e ˖ Weitgehendste Garantie. Umtausch gebrauchter Räder. FFEC—TCTCCC—T—T—T—T—T—T—T—T—TCTCTCTCTVTCTCTCTCTbTCTCCTCT—T—T—T—T—T——— ne zan obert Stuhl empfiehlt sein Lager in Arbeiterkleidern und zwar: 1074 Hosen, Westen, Jacken, Blousen, Röcke, Hemden, Schürzen, gestr. und gew. Jacken, e e und Malerkittel in gediegener dauerhafter Arbeit zu billigsten Preisen. “Bringe mein Lager in fener⸗ und diebessicheren Geldschränken, Geldkassetten ꝛc. c. in empfehlende Erinnerung. Empfehle für Radfahrer meine nur fachmännische Repara⸗ tur⸗Werkstätte für Fahrräder. Alle Reparaturen werden solid ausgeführt. Sämtliche Zubehörteile. 0 Reelle Preise! 1189 Tafel-Ser vice, Kaffee-Service, Chrystall-Service aus den renommiertesten deutschen und französischen Fabriken empfiehlt in größter Auswahl und jeder Preislage 1557*⁵* Gg. Ph. Fillmann, Marktstr. IT. eee Schrapenborg's „Rheumatica“. per Fl. 1.70 Mk. incl. Schafswolle. Anerkannt bestes Mittel gegen Rheumatismus. Angemeldet beim Kaiserl. Patentamt 1641½. Dieses aus stark ätherischen, flüchtig und scharf durchdringenden Pflanzenstoffen und Kräutern zusammengesetzte, mit Weinrückständen destillierte Extrakt hat sich, wie aus täglich eingehenden Attesten ersichtlich, auf's Beste gegen rheumatische Leiden bewährt. Die Erfolge sind derart gross, dass schon überaus viele an Rheumatismus leidende Personen geheilt wurden, bevor nur Reklame oder aber auch nur durch den Fabrikanten selbst Propaganda gemacht wurde. Alle Atteste be- stätigen, dass schon nach 4 oder 5 maligem Einreiben die Beulen gelqst und die Schmerzen gelindert wurden, ja sogar bei vielen Kranken die Schmerzen vollständig weg waren. 1872 Zu 100 L. Alk. vini 10 Ko. Aesculus Hypocastanum, Arnica mon- tana, Malva rotundifolia, Semen Cochlearin, Baccae Juniperi, Herba ser- billy, Bryonia alba, je 5 Ko. + 2 Ko. Resina Pini. Zu bezlehen in verschiedenen Apotheken und Droguerieen. Alleiniger Fabrikant: J. Schrapenborg, Mainz. Wiederverkäufer gesucht. Sicherer Heilerfolg! : uπ⏑νααν, psAMuud pun iso Lawn- Tennis- und Kin derspielplätzen. In den Restaurationsgebäuden auf Textors Terrasse für Vereine und Gesellschaften separate Räumlichkeiten zur Verfügung. 2 L* * 8 0 2 S — 2 2 8 7 l b 8.. 2 Vorzügl. Biere aus der Brauerei G. Bichler. Per Glas 10 Pfg. Reingehaltene Weine. Ses iellrische Beleuchlung. Schùner Bliest nach der Stadt und Umgebung. sees esse se Schützenhaus. Zum Abhalten von Festlichkeiten aller Art halte ich die Lokalitäten dem verehrten Publikum von Gießen und Umgebung bestens empfohlen. Das Schützenhaus bildet für Gesellschaften und Vereine einen sehr be⸗ liebten Ausflugsort. . Biere aus hiesigen renommierten Brauereien. Für gute Weine, Sgeisen und alle Getränke ist bestens gesorgt, Freundliche und reelle Bedienung. 235 F. Gs idne. Carl Stäckrath, Möbelfabrik, Asterweg 47. GIESSEN, empfiehlt Ederstrasse 8, 119 sein reichhaltiges Lager in Möbeln und Polsterwaren, Betten, Spiegeln und Korbwaren, Teppichen und Bettvorlagen zu billigst gestellten Preisen. Das wird zu jeder Tageszeit billig besorgt sowie —— chemische Reinigung und Reparaturen von Herrenkleidern. HK. Schnell, Schneidermeister. Teuselslustgärtchen 20 (im Hause des Schmiedemeisters Heß). * Plisieren von Stoffen zu Garnierungen von Damenkleidern 408˙ Warme Bäder Mäusburg 15. 455 Handelsgärtnerei. Bln mengeschäft. Kranz⸗ u. Bouquetbinderei. Gemüsekultur feinster Sorten. Samen- Handlung. 8 * . 8 Wilhelm Bernhardt Giessen., Neuebäue 15. Gärtnerei: Frankfurterstr., vis-à-Vis der psychiatr. Klinik, empfiehlt sich in allen vorkommen- den Garten-Arbeiten, Anlegen und Unterhaltung von Gärten, Veran- das, Grabstätten ete.— Zusiche- rung bester, geschmackv. Ausfüh- rung bei bill. Preisen und prompt. Bedienung. Für Wirte! Französische und russische Billards werden gut und billig bezogen von 48 J. Henn, Tapezier, Neustadt 11. Reparaturen an Uhren, Gold⸗ und Silberwaren, sowie an Brillen und Zwicker werden gut und billig ausgeführt. 229 Brillen von 50 Pfg. an und Zwicker von 1 Mk. an, genau nach den Augen passend, empfiehlt H. Ramstock, Uhrmacher und Optiker, Seltersweg 6. Täglich frisch abgekochten Schinken sowie 1595 feinste Cervelatwurst empfiehlt Gustav Kreuder Schweinemetzger Neustadt. — Musikalien— Violinen von 5 Mark an, Kasten, Bogen, Saiten ꝛc. jeder Güte und Preislage. Mundharmonikas in g ößter Auswahl von 10 Pfg. an, Musistinstrumente aller Art, beste, billigste Bezugsquelle. eue Pianos von Mk. 400 an. Baar mit hohem Rabatt und freier Sendung. Natenzahlung ohne Treiserhälung. Pianos u. Harmoniums zu vermieten. 1816“ Gebrauchte Justrumente stets auf Lager. Probeseudungen gratis und franko. Franz Eyserbeck Giessen, Seltersweg 83. — Notenpulte— — ulabaaquvgs fege l. Sone 3 1 a U Are e 140 „Abraham, Schulstr. g. Schirme werden sofort repariert u. Uberzoger * fle Bürger Ein land ö i lien mit ghd le d af an Jost a 1 gangsdorf iu bunden det gähler! darf an ein neues blche en Dot aden? lib t 0 dee Burn fache dies d. Jenn einmal kupaldtschaftsbech feln hianac der . nah dem u Namen nach Ae esel gesezt u nicht, Name o weit doch unser Flut erlächlich wie A er die Ei. aner bestz — Same Wei an Namen oder iht nehr die R Täler schon besser lg, die er berz i algemetnen sind Alen oder werden Anctionsstunde ein Hahtheit und der Auen Eintrag. 8 un zurüdbbersetzt, Aungermeister⸗Kand Tard und Förder er ferner„e Aucen sein und Anenschen und alm dal.“ Wir due aber das A sen wird. ee dem auch 15 17 lult le Hetzer in ben dag 12 105 hat wie bas noch de mag das ahn er an a Unseren, leide u die Heine J J weil d giebt. N bell der dem Wi 9 peil d