in den Aogt, e N furl 8 Mer besehen 111 Weißwareh, leider eme nhosstr. 29. 3 — lephon 83 hee mereien: ut a U. ud Gebinden. 45 auerei. igener Keltetung, . raten n berden unt se gut und bie 2 1 hatte. ch, Uhrnath⸗ (Küblen Grund sagnergesellen, sen eselle au ö 1 b und dauet l ephan Wagenfibf Lai amlienlogf planeigalle 2 slserte Zim ieten. 97 e Lenfedt. 5 0 100 H ben Nr. 95 Gießen, Sennabend, den 24. April Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. iche Ausgabe Gieszen. . Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 23. April.(Saatenstand im Großherzogtum Hessen um die Mitte des Monats April 1897, zusammengestellt von der Großh. Oberen landwirtschaftlichen Behörde.) Die Wintersaaten sind im Allgemeinen gut durch den Winter gekommen. Wegen Auswinterung war in den meisten Erhebungsbezirken nichts, in einigen Bezirken nur wenig umzupflügen; nur aus dem Erhebungsbezirke Mainz wird berichtet, daß Winterweizen bis zu 60 Prozent ausge⸗ wintert ist. Die Frühjahrssaat ist noch nicht beendet. Frühe Saaten stehen gut. Der Klee hat vereinzelt durch Mäusefraß gelitten. Das Holz der Reben ist gut durch den Winter ge— kommen. * Gießen, 23. April. Der Bau und der Betrieb einer schmalspurigen Eisenbahn bon Gießen über Heuchelheim und Rodheim nach Bieber wurde von dem Ministerium der All⸗ gemeinen Kleinbahngesellschaft, Aktien— gesellschaft in Berlin, übertragen. * Gießen, 23. April. Mehrere Knaben vergnügten sich gestern hinter dem Viaduckt an dem Lenzschen Felsenkeller mit Pistolenschießen, wobei einem der Beteiligten eine Kugel in den Juß geschossen wurde, sodaß derselbe heute auf 1 25 Anraten in die Klinik verbracht werden mußte. Gießen, 23. April.(Nachtfrost.) Der scharfe Nordwind, welcher durch unsere Felder und Wiesen weht, hat in letzter Nacht unseren Gärten und Fluren arg zugesetzt. Man be⸗ fürchtet, daß die prachtvoll in Blüte stehenden Obstbäume Schaden gelitten haben. Gießen, 23. April. Beim Abbruch der Huhnschen Hofraithe in der Löwengasse wurde dleser Tage ein Fragment aus der Blütezeit des Gießener Karnevalvereins in den 70er Jahren zutage gefördert. Es ist dies ein hölzernes Schild, das gelegentlich eines Karnevalszuges angefertigt wurde und die Inschrift trägt: Richards Morithat. Johanna geht und niemals kehrt sie wieder. Das ist der Besen, womit sie das letzte Mal ekehrt. Die meisten unserer har werden sich noch trinnern können, was dieser Scherz zu bedeuten * Butzbach, 22. April. Die Verbesse⸗ rung der Beleuchtungsverhältnisse in unserer Stadt ist durch die kürzlich infolge der Hierherverlegung eines Infanterie- Bataillons eingetretene erhebliche Vermehrung der Ein⸗ ohnerzahl zur unabweisbaren Notwendigkeit ge⸗ worden. Nach einem bereits vor zwei Jahren ausgearbeiteten Voranschlag würden sich die ftosten einer elektrischen Central⸗Be⸗ leuchtungsanlage auf wenig über 70 000 „belaufen, wofür ein Werk errichtet werden ann, daß neben etwa 50 Straßenlampen mehrere Bogenlampen, sowie eine Anzahl Privat⸗ unschlüsse mit Licht versehen könnte. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile, Bieber bei Offenbach, 22. April. Kümmel aus Groß⸗-Welzheim, der unter dem Verdachte, seinen hier wohnenden Schwiegervater, Adam Milchhändler Burckhardt, durch Mißhandlung getötet zu haben, am Charfreitag verhaftet wurde, ist wieder in Freiheit gesetzt worden. Durch die gerichtsärztliche Obduktion der Leiche wurde festgestellt, daß das Ableben des 66⸗ jährigen Mannes infolge eines Herzschlages eintrat. Aus Rheinhessen, 22. April. Das Projekt der Gründung einer Zuckerfabrik in unserer Provinz auf genossenschaftlichem Weg ist so gut als gescheitert. Es sind statt der er— warteten 3— 5000 Morgen nur 870 Morgen zum Zuckerrübenbau gezeichnet worden. Es verlautet, die benachbarten Zuckerfabriken hätten eine Gegenagitation in Szene gesetzt. Man will nun versuchen, die kleineren Landwirte mit Anteil⸗ scheinen auf 1—5 Morgen lautend heranzuziehen. Auf einer Versammlung der Vorstände der land— wirtschaftlichen Bezirksvereine in Alzey, die über die Angelegenheit beriet, wurde eine Kommission niedergesetzt, um einen weiteren Plan auszu— arbeiten. * Mainz, 22. April. Bei den Wasserför⸗ derungsarbeiten in der rheinischen Bierbrauerei zu Weisenau, platzte heute Vormittag ein Rohr, das dazu diente, Luft in den Brunnen⸗ schacht zu führen. Durch den heftigen Luftdruck wurden drei verheiratete Arbeiter so⸗ fort getötet, und als Leichen zu Tage ge⸗ fördert. Die Verunglückten sind die Tagelöhner Jakob Lieser und Gottlieb Bux, sowie der Zim⸗ mermann Heinrich Allesbach. Vermischtes. — Noch eine Stephans⸗Anekdote. Als Staatssekretär v. Stephan auf einer Inspektionsreise in Memel war, bemerkte er, daß am Packetschalter kurz vor Schluß der Dienststunden, wo der Andrang des Publikums am stärksten zu sein pflegt, nur ein Beamter die Ab⸗ fertigung besorgte. Der andere Unterbeamte war, ohne daß er Jemanden etwas gesagt hatte, fortgegangen und blieb etwa eine Stunde lang verschwunden. Der General⸗ postmeister war über eine derartige Pflichtverletzung em⸗ pört, und als der Beamte endlich erschien, wurde ihm ein nichts weniger als freundlicher Empfang zu Teil. Der etwa 50jährige Mann zitterte wie Espenlaub. Endlich brach er in Thränen aus.„Ach, Exzellenz, entschuldigen Sie nur, ich habe schon sechs Kinder, und eben ist meine Frau von Zwillingen entbunden worden!“ Stephan schwieg, das gute Herz erwachte in ihm. Er zog sein Portemonnaie und drückte dem glücklichen Zwillingsvater einen 50⸗Markschein in die Hand. — Den Unrechten erschossen. Ein tragischer Vorfall soll sich nach dem„Oldenburger Generalanzeiger“ in der Nähe der Station Oberhausen zugetragen haben. Ein Arrestant von der Marine, welcher nach Köln gebracht werden sollte, entsprang dort, als der Eisenbahnzug bei einer Haltestelle hielt, obwohl er von einem Gefreiten und einem Obermaat überwacht wurde. Der Erstere eilte dem Ausreißer nach, der Obermaat aber rief ihm dreimal „Halt!“ zu. Als der Flüchtling diefen Zuruf nicht be⸗ achtete, sondern seine Flucht fortsetzte, gab der Obermaat edition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 traf er die Indessen sodaß den Gefreiten, der tot zu Boden stürzte. die Kugel auch den Flüchtling am Fuße, Flucht aufgeben mußte. — Vom sauftdemütigen Herrn Pastor. Vor einiger Zeit spielte ein Knabe B. mit einigen Alters⸗ genossen Marmel. Plötzlich erschien der Pastor und Lokalinspektor N.(leider nennen die Zeitungen den vollen Namen nicht) auf der Bildfläche und versetzte dem Knaben B. eine gewaltige Ohrfeige, da ihn der Junge nicht ehr⸗ erbietig genug gegrüßt habe. Der Vater des Knaben verklagte hierauf den Pastor beim Amtsgericht wegen Mißhandlung seines Sohnes. Die Regierung erhob in⸗ dessen zu Gunsten des Pastors den Konflikt und behaup⸗ tete, dem Pastor stehe ein Züchtigungsrecht zu, wenn ihn die Knaben im Dorfe nicht gehörig grüßten. Der Vater des Knaben trieb nunmehr die Sache bis zum Oberver⸗ waltungsgericht in Berlin, das sich sodann mit der Angelegenheit zu befassen hatte. Er beantragte, den Konflikt zu verwerfen, da sein Sohn im Eiser des Spiels den Pastor nicht rechtzeitig gesehen habe; ein Diener Gottes dürfe auch nicht gleich zuschlagen. Der Kultusminister erklärte dagegen den Konflikt der Regierung für begründet. Er machte geltend, daß der Pastor in seiner Eigenschaft als Lokalschulinspektor seine Amtsbefug⸗ nisse nicht überschritten habe. Das Oberverwaltungs⸗ gericht, unter dem Vorsitz des Chefpräsidenten Persius, entschied nun dahin, daß der Konflikt der Regierung be⸗ gründet sei und daß das Strafverfahren gegen den Pastor endgültig einzustellen sei.— Also darf ein Diener Gottes gleich zuschlagen! — Wider das Fluchen. Eine Agitation, welche sich gegen das viele Fluchen und Schwören richtet, haben die evangelischen Jünglingsvereine eingeleitet. Diese Agitation wird in eigenartiger Weise mittels sogenannter „Fluchkarten“ betrieben, die dem Fluchenden sofort beim Ausstoßen einer Verwünschung oder Schmähung übergeben werden. In der Schweiz, wo die Bewegung ihren Anfang genommen hat, sind bereits 39,800 solcher Fluchkarten vertheilt worden, in Preußen und Sachsen hat man erst dieser Tage mit der Agitation begonnen. — Der älteste Radfahrer der Welt. Gladstone the grand old man(der große, alte Mann), wie die Engländer den berühmten Politiker nennen, ist„auf seine alten Tage“ unter die Radfahrer gegangen. Obgleich be⸗ reits 87 Jahre alt, unterzog er sich den Mühen der Er⸗ lernung des Radfahrens und es ist dem Greise, der so oft das europäische Gleichgewicht in der Hand hatte, auch gelungen, die Balance auf dem Rade zu finden. Er findet, wie er einem seiner Londoner Freunde schrieb, viele Freude und Erholung in diesem gesundheitsfördernden Sport. Der große Politiker dürfte nebst seinem übrigen Ruhme wohl auch den für sich beanspruchen dürfen, der älteste Radfahrer der Welt zu sein. — Modeblödsinn. Ueber allerlei Modenarrheiten plaudert Jemand im„N. W. Tgbl.“ Da heißt es u. A.: Wenn vom Erhabenen bis zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, dann liegt zwischen weiblichem Chie und weiblicher Geschmacklosigkeit nur eine kaum merkbare Linie, an der Konflikte schwerer zu vermeiden sind, als heutzutage an der griechisch⸗türkischen Grenze. Rothe und lila Taschen⸗ tücher? Gut, müssen aber die Tücher achteckig sein? Und ist es geschmackvoll, mittels einer winzigen goldenen Sicherheitsnadel ein Riechkissen(„Sachet“) daran zu hängen oder gar dieses Anhängsel in ein winziges, am Taschen⸗ tuch angebrachtes Täschchen zu stecken? Eine Tasche am Taschentuch! Wer hat da noch ein nachsichtiges Lächeln? Es wäre gar nicht zu verwundern, wenn ein solches Tüchlein— größenwahnsinnig würde. Daß es nicht mehr in der Tasche, sondern am linken Aermel getragen — ̃— ———— wird, sieht beinahe vernüftig aus. Das Taschentuch ist auch der„saisongemäße“ Platz für Autogramme oder für Zeichnungen bekannter Maler. Wer weiß: vielleicht kommen unsere Raffaels und Rubens in solchen Taschentücher⸗ meisterwerken auf die Nachwelt und man liest in den Gallerikatalogen der Zukunft bei solchen Bildern den un⸗ gewohnten Vermerk:„In der Wäsche stark mitgenommen“... Auf diesem zum mindesten strittigen Grenzgebiete zwischen Chic und Geschmacklostigkeit seien noch erwähnt: Radieschen als Hutaufputz. Veilchen sind auf diesem Platze nichts Neues mehr und verlangen eben Ersatz. Weiter: Ein Derbyschirm, zu dem 1000, sage und schreibe: tausend Meter Bändchen verwendet worden sind. Der Schirm verdankt sein Entstehen einer in unseren Mauern weilenden fremdländischen Modedame. Außen von ganz bescheidenem Ansehen, läßt dieser mit einem kostbaren Emailknopf aus der Zeit Marie Antoinettes gezierte Schirm beim Auf⸗ spannen viele tausende kleiner, dicht aneinandergereihter Schlupfen aus vielfarbigen Nullerbändchen erblicken; man stelle sich die mühsame Herstellung dieses Sonnenschützers vor, da die Schlupfen mit mathematischer Genauigkeit be⸗ messen sind und ferner regelrecht abgestufte Kaskaden bilden. Die„Gigerlkönigin“ trug im Schuh ihr Mono⸗ gramm; die Modedame von heute bringt die Wäschemarke an ihren— Ohren an. Die Mode schrelbt nämlich heuer für jedes Ohr einen anderen Ohrring vor, und am aller⸗ modernsten sind zu diesem Zwecke aus Golddraht gewundene, womöglich in japanischem Stile gehaltene Anfangsbuch⸗ staben des Namens: man wählt für das linke Ohr den⸗ jenigen des Taufnamens, für das rechte den des Familien⸗ namens. In diese verkehrte Welt gehört auch die That⸗ sache, daß die Damen jetzt kurze Socken und die Herren lange Strümpfe tragen. Kein Scherz; die etwa um 10 Ctmtr. den Stiefelrand überragenden Damensocken werden mit runden, die übers Knie reichenden Herrenstrümpfe werden mit langen Gummihaltern befestigt! — Wie in China gefreit wird. Die ganze devote Höflichkeit und Geringschätzung ihrer eigenen Person bei den Chinesen spricht sich in dem Briefe eines Mannes aus, welcher die Tochter seines Nachbars zur Schwieger⸗ tochter wünscht. Da heißt es:„Auf meinen Knieen flehe ich Dich an, diese gewagte und unterthänigste Bitte nicht mit Verachtung zu strafen, sondern meinen demütigen Worten Gehör zu schenken. Gieb Deine Tochter meinem Sohn, der Dein ergebenster Sklave ist, zur Frau, und möge das junge Paar, durch seidene Fäden verbunden, stets in größter Freude leben. In der schönen Früh⸗ lingszeit werde ich meine Hochzeitsgaben darbringen und Dir ein paar Gänse zum Geschenk machen. Laß uns auf endloses, beständiges Glück hoffen und mag jeder Wunsch der jungen Leute, die in Liebe an einander hängen, in Erfüllung gehen. Nochmals bitte ich Dich auf meinen Knieen, diesen Vorschlag in Güte aufzunehmen und den spiegelgleichen Glanz Deiner Augen auf diesen Zeilen gnädig ruhen zu lassen.“— Auf dieses Schreiben ant⸗ wortet der Vater der Braut, daß er seine demutsvolle, armselige Tochter gern dem edlen Jüngling geben wolle und dafür sorgen würde, daß sie nicht ganz ohne Betten, baumwollene Kleider, Haarnadeln und Ohrringe in die Ehe käme. — Der Fall Chimay⸗Rigo. Prinzessin Chimay ist schließlich auch in Paris nicht aufgetreten. Der Direktor der Folies Bergéres erstattete das Geld für die Karten zu der Vorstellung, wo die Prinzessin auftreten sollte, zurück, läßt aber ankündigen, die Prinzessin werde, nachdem sie von der Grippe wieder hergestellt sei, als Eva, Andromeda und Salambo in drei lebenden Bildern sich zeigen. Nach anderen Meldungen erfolgte das Poli⸗ zeiverbot des Auftretens der Prinzessin Chimay auf Ver⸗ Fata Morgana. Novelle von H. René. (Fortsetzung.) So vergingen die Stunden. Die Nachtigall schwieg, langsam erwachten andere Vogelstimmen, leise rötete es sich im Osten, feurige Strahlen, Vorläufer der Sonne, durchzuckten den Horizont. Ein kühler Luftzug trieb Nebel und Wolken aus⸗ einander, allmälig lichtete sich die Finsternis, immer deutlicher traten einzelne Gegenstände her, nun traf unkelnd der erste Sonnenstrahl das goldene Kirch— urmkreuz; ein neuer Tag war angebrochen. Therese erhob sich von ihren Knieen.„Er liebt mich ja, das muß mir genug sein“, sagte sie mit sester Stimme. Dann ging sie mit leisen Schritten durch das fille Haus in des Onkels Zimmer und beugte sich äber den bewußtlosen Greis. Die schlafende Wartefrau in ihrem weichen Polsterstuhl merkte nichts von ihrer Anwesenheit. Junig küßte sie die welke Hand, die so oft (iebkosend auf ihrem Scheitel geruht. „Wenn Du alles wüßtest, würdest Du mich segnen, Du Gütiger“, flüsterte sie.„Dir geschieht sa kein Unrecht. Du wolltest gewiß nicht, daß ich zanz glücklos durch's 1 5 gehen sollte. „Auf diese Weise kann es nicht weiter gehen, mein Herr Doktor, für jeden unbeschäftigten Arzt est es von äußerster Wichtigkeit, sich durch sein Ver⸗ valten, durch seine ganze Persönlichkeit Vertrauen m Publikum zu erwerben, und Sie thun seit einiger Zeit alles, um das Gegenteil zu bewirken. Ruhig, einen Schuß auf ihn ab; dieser traf jedoch den verfolgen⸗ nicht auffahren! Ich bin weit davon entfernt, Ihnen eine Moralpredigt zu halten, wir Männer denken in gewissen Dingen vorurteilsfreier wie die Weiber, obgleich ich, im Hinblick auf meine beleidigte Tochter eigentlich anders mit Ihnen sprechen sollte. Ein kleiner Seitensprung vor der Hochzeit, damit kann man immer später noch ein guter Ehemann werden. Eine Bagatelle, die man am klügsten thut, nicht zu einer Staalsaktion aufzubauschen. Die Baronin ist ein apartes, geistvolles Weib, etwas verblüht zwar, aber immer noch reizend geuug, um die Fantasie zu fesseln. Sie glücklicher Schmetterling, haben jetzt aber lange genug diese späte Rose um⸗ flattert. Jetzt hat diese Sache ihr Ende; jetzt ist es genug.“ Der Herr Bürgermeister, der während dieser Rede, die Hände in den Taschen, mehrmals die Länge seines Arbeitszimmers durchschritten, blieb nun vor dem Doktor Senglin stehen, der mit der Miene eines Schuldbewußten in der Ecke des harten Ledersofas saß. „Ich denke, Sie wiffen jetzt, woran Sie mit mir sind, begann er von neuem. Größerer Nachsicht werden Sie nirgends begegnen, aber nun wünsche ich auch, daß Sie Farbe bekennen; das sind Sie sich und auch uns schuldig.“ Auf die letzten Worte hatte er besonderen Nachdruck gelegt, und als er seine Wanderung wieder aufnahm, bewies seine stramme Haltung, daß er nicht gesonnen sei, mit sich spaßen zu lassen. ge mebr der Bürgermeister den Kopf hob, je mehr fiel Walter Senglin in sich zusammen. Er dachte an allerlei unangenehme Dinge, an ver⸗ —— schiedene schriftliche Verpflichtungen, die wohlver⸗ wahrt im Pult des rechtskundigen Schwiegervaters ruhten. Ebenso leichtsinnig hatte er sie damals ge— geben, wie er jetzt das Verhältnis mit Therese an— geknüpft. Alma mit ihrem rosigen Gesichtchen und ihren kleinen Koketterien gefiel ihm, die Eltern schienen geneigt, die weitgehendsten Opfer zu bringen. Schlinge fügte sich an Schlinge und ehe er es ge— dacht, war eine Kette daraus geworden. Sorglos hatte er dahin gelebt, es angenehm und bequem gefunden, auf diese Weise zu Frau und Praxis zu kommen. Wer konnte auch ahnen, daß er später derjenigen begegnen würde, die alten Gluten leiden⸗ schaftlicher Liebe in seiner Brust entfachte. Was sollte daraus werden? Leise fröstelnd erhob er sich. Ihm blieb wohl keine Wahl. In jedem Fall stand er als wort⸗ brüchiger Schurke da. Therese war gefesselt, galt vor dem Gesetz wenigstens als eine verheiratete Frau, und anderseits lag seine ganze Existenz in des Bürgermeisters Händen. Hatte dieser nicht eben noch betont, daß eines jungen Arztes Haupt⸗ pflicht es sei, auf sein Renommé zu achten. Wenn er sich hier unmöglich gemacht, folgte ihm dann nicht der Ruf als Libertin in die Welt hinaus, ihm überall Achtung und Vertrauen raubend. O, Welt! O, Leben! Er stöhnte auf, und der Bürgermeister, der bisher eifrig auf den menschenleeren Marktplatz hinausgesehen, wandte sich um. „Bitte kein Wort mehr darüber“, sagte er mit einer majestätischen Handbewegung.„Die Sache ist zu allseitiger Befriedigung geordnet, wird nun — anlassung der belgischen Gesandschaft in Paris, die totgeschwiegen. Eine kleine Schuld trifft uns ja auch dabei, gleich nach ihrem Hierherkommen hätten wir die Verlobung verkünden sollen, Ihnen und Alma wäre viel unnötige Aufregung erspart ge— blieben. Doch nun noch eins. Wann gedenken Sie zu heiraten?“ Als ob man mit siedendem Wasser ihn langsam verbrühe war ihm zu Mut, und doch hieß es unter den scharf beobachtenden Blicken den letzten Rest von Mut zusammenraffen. „Wenn Sie meinen, daß mein kleines Ein— kommen für einen Hausstand ausreicht, wohl noch in diesem Jahr“, sagte er, vergeblich hoffend, der Boden unter ihm würde sich öffnen und ihn ver— schlingen. „Das wird sich einrichten lassen, einige Fixums stehen noch in Aussicht, später fällt Ihnen Doktor Borrmanns Praxis doch von selbst zu; mit den Füßen will es doch immer noch nicht recht gehen. Und bis dahin zahle ich der Wirtschaftskasse einen kleinen Zuschuß; habe ja nur das einzige Mädel.“ Walter verbeugte sich, etwas von außerordent⸗ licher Güte und Fürsorge murmelnd. Der Bürger⸗ meister rieb sich die starkknochigen Hände, ein Zeichen seiner guten Laune.„Dann setzen wir den Hoch⸗ zeitstermin zum Frühherbst fest, hoffentlich brauchen wir ihn nicht zu verschieben“, meinte er.„Was Wohnungs- und Ausstattungsfrage anbetrifft, da⸗ rüber müssen Sie mit meinen Damen konferieren.“ (Fortsetzung folgt.) Fürst Chimay als Vormund der minderjährigen Kinder anrief. — Soldaten⸗ und Generals ⸗Portionen. Der Kommandierende des 16. Armeekorps, Graf v. Häseler, ist zwar„höllisch scharf“, wie seine Soldaten sagen,„und gönnt uns nicht viel Ruhe, aber er sorgt auch für uns.“ Hunderte von Anekdoten, aus denen seine Fürsorge für den gemeinen Mann hervorgeht, sind in Metz in Aller Munde und meistens auch durch die Zeitungen gelaufen. Die neueste ist laut„Dess. Ztg.“ folgende: Als am Morgen der Vorfeier des Geburtstages Kaiser Wilhelms J. das ganze Korps morgens um 5½ Uhr nach Gravelotte ausrückte, erschien Graf v. Häseler früh in der Kaserne des Regiments, das als Spitze bestimmt war. Als er sah, daß die Mannschaften sich in den Kantinen noch Wurst, Käse und dergleichen kauften, ging auch er zu dem Wirt und ließ sich für 10 3 Leberwurst und für 10 Lothringer Landkäse geben. Beides wurde ihm fein ein⸗ gewickelt überreicht. Er ließ nun eine Anzahl Soldaten, die auch für 10% Wurst und Käse gekauft hatten, an⸗ treten und zeigte ihnen seine beiden Portionen mit der Frage, ob sie auch so viel bekommen hätten.„Nein, Excellenz“, war die Antwort,„nur halb so viel“, was sich aach durch Vergleich bestätigte. Schon am andern Tage erschien ein Befehl an den Kantinenwirt, daß er für zehn Pfennig 80 Gramm Leberwurst und 150 Gramm Lothringer Käse zu verabreichen habe. Genau so viel hatten seine beiden Stücke gewogen. Humoristische Ankündigungen. Aus dem Gemeinde⸗Anzeiger der Stadt Bern seligen Angedenkens. „Erstes großes Brillantfeuerwerk unter persönlicher „Die Fuhre Lehm kostet bei mir Fr. wobei der Fuhrmann auch schon mit drin liegt.“ „Die berühmte amerikanische Haaressenz, welche allen Haarleidenden radikal und schnell ein Ende macht usw.“ „Heute wurde am hiesigen Käfigturm der schwarze Kasten, worin künftighin die Verlobten, welche zur Ehe übergehen wollen, in gesetzmäßiger Weise aufgehangen werden müssen, gestohlen.“ „Der Verkauf meiner seligen Frau platz hat seinen ungestörten Fortgang.“ Neueste Telegramme. Hd. Rom, 23. April. Als König 3,25, auf dem Bären⸗ Humbert gestern Nachmittag 2, Uhr zum Derby ⸗Rennen fuhr, drängte sich ein Mensch mit einer Bittschrift an den Wagen, hielt aber unter der Bittschrift einen Dolch verborgen. Er stieß den⸗ selben gegen die Brust des Königs, der Stoß verfehlte sein Ziel und ging ins Wagenkissen. Der Mordgeselle ist ein Schmiedegehilfe aus Artena, Provinz Rom, namens Pictro Acciarito. Der⸗ selbe wurde verhaftet; er soll irrsinnig sein. Der König wurde bei der Rückkehr in die Stadt von einer ungeheuren Menschenmenge euthusiastisch begrüßt. Abends war die Stadt illuminiert. (Bereits durch Extrablätter gemeldet. D. Red.) Hd. Rom, 23. April. Zu dem Attentat auf den König wird weiter gemeldet. Der Attentäter ist 24 Jahre alt und von kleiner Gestalt, derselbe hat schon gestern in einem Osteria geäußert, morgen werde er jemand umbringen, wovon die ganze Welt sprechen werde. Der Attentäter, ein arbeitsloser Schlosser. genoß bisher einen guten Leumund. Die Behörden nehmen deßhalb an, daß er die That in einem Wahnsinnsanfall hat. Als Motiv gibt der Thäter Hunger an. Das Attentat wurde dadurch vereitelt, daß der König den Dolchstoß mit dem rechten Arme abwehrte, sodaß die Klinge in das Wagenkissen fuhr und dieses völlig durchbohrte. Der König wohnte dem Rennen gleichmüthig bis zu Ende bei und äußerte zu seiner Umgebung: Wenn man König ist, muß man solche Dinge mit in Kauf nehmen. Die Königin kam auf dem Rennplatz erst nach dem Könige an und hatte von dem Vorgefallenen keine Ahnung. Der König ging der Königin entgegen, faßte sie bei der Hand und berichtete kurz das Geschehene. Die Königin wurde zuerst leichenblaß, faßte sich aber bald und umarmte den Gemahl stürmisch. Der Rückweg des Königspaares glich einem Triumphzuge. Abends fanden vor dem Quirinal stürmische Ovationen einer ungeheuren Menschenmenge für das Königspaar statt, welches sich wiederholt auf dem Balkon zeigte und dankte. Von Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Joseph, der Königin Viktoria, dem Zaren, der Königin von Spanien, dem Präsidenten Faure trafen be⸗ reits herzliche Glückwunschtelegramme ein. Hd. Paris, 23. April. Trotz der Kriegsnachrichtenbleiben dietürkischen Werte relativ fest. Dies wird in Börsenblättern damit erklärt, daß die Dip⸗ lomatie mit der hohen Finanz darin ein⸗ verstanden ist, daß in jedem Falle die In⸗ togorität und der Kredit der Türkei aufrecht zu erhalten ist. Hd. Athen, 23. April. Die Türken verzweifeltem Widerstande Nezeros, während die Station Sala ora von den Griechen erobert wurde. Ein wildes Kampfgetümmel tobte den ganzen Tag. Hd. Konstautinopel, 23. April. Ghasi Osman Pascha, der Löwe von Plewina, reist heute an die Grenze ab, um das Ober⸗ Kommando über die Armee zu übernehmen. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 25. April, Quasimodogenitt. In der Friedhofskapelle: Vormittags 9 ũ Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Im Konfirmandensaal in der Neustadt. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Markusgemeinde, Pfarrer Dr. Grein. Johanneskirche. Samstag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr, Beichte. Pfarrer Dingeldey. Sonntag, den 25. April, Quasimodogeniti. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kon⸗ firmation der Kinder aus der Lukas und der Militärgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Kindergsttesdienst für die Johannes⸗ gemeinde, Pfarrer Dr. Naumann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Armen. Sonntag, den 2. Mai, nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei in Gießen. Kollekte für die Abbrennung des Herrn Patzelt.“ Jubiläums⸗Stipendien⸗Stiftung zu Ehren der 28jährigen Regierung des höchstseligen Großherzogs Ludwig III. Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen Einer, eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungs⸗ anstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1897 drei Stipendien zu vergeben. Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Bei⸗ träge zu dieser Stiftung geleistet haben. Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanstalt besuchen oder besuchen wollen, und sich um das Stipendium zu bewerben beabsichtigen, sind eingeladen, ihre Gesuche, mit den nöthigen Zeugnissen belegt, durch ihre betr. Bürgermeisterei an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz, also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmstadt, aus Rheinhessen an die Bürgermeisterei Mainz, aus Oberhessen an die Bürgermeisterei Gießen bis längstens zum 1. k„gelangen zu lassen. Darmstadt, Mainz, Gießen, den 9. April 1897. 1098 Das Curatorium: Morneweg,. Dr. Gassner. Enauth, Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister. Die Herstellung des Ofliziellen Rennprogramms für die vom 29. bis 31. Mai d. J. stattfindenden Festlichkeiten haben wir der Firma Heinrich Hollmann— Gießen übertragen, was wir Interessenten für den damit verbundenen Inseratenanhang hierdurch mitteilen. 1115 Gießen, 20. April 1897. Der Vorstand des Curatorinm der Rennbahn Gießen 1897 Der Vorstand der„Wanderer“, Gießener Radfahr⸗Gesellschaft Dr. Jung, Wilh. Homberger, Vorsitzender. Vorfttzender. Bezugnehmend auf obige Mitteilung der Vorstände des Curatoriums der „Rennbahn Gießen 1897“ und„der Wanderer“ Gießener Radfahr⸗Gesellschaft empfehle ich mich zur Entgegennahme von Inseraten für das anläßlich der Er— öffnung der neuen Rennbahn herzustellende offizielle Rennprogramm. Zur weiteren Entgegennahme von Inseraten ist der Vertreter der Annoncen-Expedition von Haasenstein& Vogler A. G. Herr Gustav Wohlmuth, Gießen, beauftragt. Wilh. Kellersche Druckerei, Heinrich Hollmann. Frühstück u. Abendtisch 6* n delikates Getränk Marco-Polo-Ihee (exguisit seiner, tehnarrer chines. 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