Eokales und Provinzielles. feilung zu: Gießen, Dienstag, den 21. September Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. N 9 0 Ausgabe Gießen. 1897. kazeilung. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 2 * Gießen, 20. Sept.(Stadttheater.) us dem Theaterbureau geht uns folgende Mit⸗ Die Abonnementsliste wird lunmehr in Zirkulation gesetzt und der Beachtung Leib 4 VI.* zu haben. Vorstand ra“ e 58 te. Ball, u Uhr. t Vorsland. 2 25 2 ———————— karten find von 2500 0 f ö halten sollen. ber Theaterfreunde bestens empfohlen. Es ge⸗ fes langen Dutzedbillets(Serie 1) für Sperr⸗ it, 1. und 2. Parquett zur Ausgabe, welche u beliebiger Anzahl verwendet werden önnen und in den ersten 25 Abonnementsvor⸗ kellungen zu benutzen sind. Es wird ausdrück⸗ Ich darauf hingewiesen, daß auch bei Abonne⸗ Rnentsvorstellungen mit erhöhten Preisen Gastspielen usw.) den Inhabern von Dutzend⸗ gilets eine Preisermäßigung eingeräumt wird. * Gießen, 20. September. Der Lahn⸗ halsängerbund hielt gestern im„Wiener of“ den alle zwei Jahre wiederkehrenden Sängertag ab. Es wurde beschlossen, daß sas nächste Sängerfest in Marburg ab⸗ gehalten werden soll. Sodaun wurden die Chor⸗ lieder gewählt, welche gelegentlich dieses Festes ö gesungen werden sollen. Ein weiterer Beschlrß Ang dahin, daß diejenigen Mitglieder, welche Jahre dem Lahnthalsängerbund angehören, ine Auszeichnung in Gestalt eines Diploms Gießen, 20. September. Heute Morgen ckeignete sich in der Scheune des Oekonomen ebe ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Ruecht war mit dem Einfahren von Stroh be⸗ schäftigt und kam unter die Räder des Wagens, Wodurch ihm ein Bein vollständig zerquetscht Fürde. Der Unglückliche wurde in die Klinik gebracht. Gießen, 20. September.(Ertappter Fahrraddieb. Vor einiger Zeit wurde einem heftigen Gastwirt ein noch neues Fahrrad ee utag, den 5 1 ils Gäste eingefunden. 2———— cht vertreten. Außerdem hatten Elternhaus, wie sie sagte, aus seinem verschlossenen Hofe entwendet. An⸗ sungs glaubte man, daß die Freunde des Be⸗ sohlenen sich einen Scherz erlaubt und das Rad bersteckt hätten. Nunmehr hat sich herausgestellt, daß der bereits wegen Diebstahl eines Fahrrades bestrafte Zeichner Friedrich Wagner von hier das Rad entwendete und ee nach Frank⸗ surt a. M. brachte. Auch in Frankfurt a. M. sahl Wagner ein Fahrrad und befindet sich jetzt dortselbst in Untersuchungshaft. Gießen, 20. September. Wegen Unter⸗ schlagung von Kundengeldern wurde heute Hormittag der Haus bursche eines hiesigen Häckers in Haft genommen. f e. Lich, 20. September.(Kreisfeuer⸗ vehrtag.) Unter dem Vorsitz des Herrn Re⸗ derungsrat Wallau⸗Gießen fand gestern in ler Restauraton Stein der Kreisfeuer⸗ vehrtag für den diesseitigen Bezirk des sreises Gießen statt. Die Feststellung der Prä⸗ enzliste ergab die Anwesenheit der Komman⸗ zanten von 37 Wehren. Nur 2 Orte waren sich eine Anzahl e aus der Umgegend, die hiesige Freiwillige Feuerwehr in Untforn vollzählig, Es lieferte dies den Beweis, daß man in unserer Provinz dem Feuerlöschwesen ein reges Interesse bewahrt und der Vervollkommnung desselben mit männlichem Ernste entgegenstrebt.— Zur Tagesordnung er⸗ hielt zunächst Herr Kreisfeuerwehrinspektor Loos⸗ Gießen das Wort zu einem Vortrage über„die Aufgaben und Pflichten der Feuerwehren, insonder— heit der Kommandanten“. Aus den Ausführungen des Redners, die auch für den Nichtfeuerwehrmann interessant und lehrreich waren, dürften sich die anwesenden Fachleute manches zu Notiz ge⸗ nommen haben. An den Vortrag schloß sich eine kleine Diskussion, an der sich hauptsächlich Herr Reg.⸗Rat Wallau, sowie der Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Lollar, Herr Feller (der zugleich das Amt eines Vorsitzenden für den Kreis⸗Feuerwehr⸗Verband begleitet), beteiligten. Ersterer hielt die technische Ausbildung der Mannschaften als vornehmste Pflicht der Kom⸗ mandanken. Herr Feller äußerte sich in gleichem Sinne und empfahl außerdem noch das Studium geeigneter Lehrbücher.— Hieran schloß sich ein Vortrag des Hauptmanns der Gießener Freiwil⸗ ligen Feuerwehr, Herrn Gail, über„Bau- und Konstruktion der Feuerspritze“. Redner gab zu⸗ nächst einen geschichtlichen Rückblick über die Ent⸗ stehung der Feuerspritze und demonstrierte an einem gläsernen Spritzenmodell die Zusammen⸗ sebn und Handhabung der modernen Spritzen. — Als weiterer Punkt der Tagesordnung wurde über die Frage verhandelt:„Sind Führerkurse im Kreise Gießen einzurichten?“ Der Referent, Herr Feller⸗Lollar, tritt uicht für die Ein⸗ führung dieser Kurse ein, hält dagegen(wie schon bemerkt) die Anschaffung geeigneter Lehr⸗ mittel am Platze, durch deren Studium sich die Kommandanten befähigen können, in fachwissen⸗ schaftlichen Vorträgen ihre Kenntnisse auf die Mannschaften zu übertragen. Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß seinerseits zur Anschaffung dieser Hand- und Lehrbücher die nötigen Schritte gethan würden.— Herr Feller empfiehlt ferner das Abonnement auf 115 11 1 1 zeitung“.— Kommandant Bernhardt⸗ klein⸗ linden kommt dann auf die Kreisfeuerwehr-⸗Lösch⸗ ordnung zu sprechen. Redner glaubte in den 88 13, 15 und 21, die Allarmierung betreffend, einen Widerspruch entdeckt zu haben, der sich jedoch nur als eine Verwechselung der Begriffe Feuer⸗ löschverbandsbezirk(diejenigen Wehren, welche bei einem ausbrechenden Brande ohne weiteres zu allarmieren sind) und Brand⸗ hilfsverband(diejenigen Wehren, welche außerhalb des Feuerlöschverbandsbezirks wohnen und nur in Fällen dringender Gefahr zu allar⸗ mieren sind) herausstellte.— Interessanter ge— staltete sich die Debatte wegen elner Interpella⸗ tion des Kommandanten Schmidt⸗ Garbenteich. Interpellant wünschte darüber Auskunft, wer uach einem Brande den Teufen für 95 7775 äumnis, die durch die öschung der no . Trümmer entstehe, eine Ver⸗ gütung zu zahlen habe. Es seien ihm Fälle bekannt, in denen Tagelöhner zu dieser Arbeit verwendet worden seien, die aber keinerlei Ent⸗ schädigung erhalten hatten. Der Vorsitzende Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Nuzeigen: 10 fg. für die öspaltige Petltzelle, Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. bemerkte dazu, daß aus der Kreiskasse für eine der⸗ artige Leistung nichts vergütet werden könnte. Es sei Pflicht eines jeden Eingesessenen, so lange an der Brandstelle zu verbleiben, bis eine Ge⸗ fahr nicht mehr zu befürchten wäre. Der Be⸗ griff Ablöschen liege aber solange vor, als die Gefahr noch nicht beseitigt sei. In der eigenen Gemeinde könne eine Ortsfeuerwehr nichts ver⸗ langen, daher der Name— Pflichtfeuerwehr. Letztere sei ein Gegenstück zur allgemeinen Wehr⸗ pflicht. Der Feuerwehrmann thue so diese Pflicht nicht allein für die Allgemeinheit, sondern auch für sich selbst.— Dr. Heuser⸗Gießen findet einen gewissen Widerspruch darin, daß man Jemand zu etwas verpflichtet, wodurch er sich event. schädigen könne, ihm aber das Recht auf eine Entschädigung nicht einräumt.— Komman⸗ dant Feller⸗Lollar ist der Meinung, daß ein einsichtsvoller Bürgermeister den Feuerwehr⸗ leuten nach dieser Richtung hin gerecht werden könnte. — Der Vorsitzende hat nichts dagegen, wenn die Gemeinde eine Vergütung leisten wolle, von Seiten des Kreises sei eine solche nicht zu er⸗ warten. Damit war die Tagesordnung erledigt. Nach verschiedenen Hochs auf Kaiser, Großherzog und den Vorsitzenden des Feuerwehrtages löste sich die Versammlung auf, um dem Brandangriff beizuwohnen, den die hiesige Feuerwehr zu Ehren des Tages vorgesehen hatte. Die Exerzitien ver⸗ liefen zur allgemeinen Befriedigung. Nach Be⸗ endigung derselben versammelten sich nochmals die hiesigen Feuerwehrleute im Sitzungssaal mit ihren Gästen zu einem gemütlichen„Dämmer⸗ schoppen“. * Bad Nauheim, 18. Sept. Im benach⸗ barten Dorheim ist am letzten Sonntag Nacht beim Spezereihändler Schmidt ein nicht unbe⸗ deutender Diebstahl durch Einsteigen verübt worden. Cigarren, Medaillons, eine goldbe⸗ schlagene Haarkette, Hemden, Taschentücher, Unterbeinkleider und Unterjacken fielen dem noch unermittelten Diebe zum Opfer. * Darmstadt, 18. Sept. Der„Darmst. Ztg.“ zufolge wird der Kaiser von Rußland im nächsten Monat hier der Grundsteinlegung der auf der großh. Mathildenhöhe nach den Plänen des Petersburger Professors Benois zu erbauenden griechischen Kapelle beiwohnen. „Mainz, 18. Sept. Der städtische Rechts⸗ ausschuß beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Simon Bladschen Erbschaft, durch die bekanntlich der Stadt Mainz über eine Viertel Million Mark zugefallen sind. Neuerdings hat ein Mädchen in Berlin unter der Vorgabe ein uneheliches Kind Blads zu sein, Anspruch auf das Vermächtnis erhoben, und der Berliner Magistrat hat beschlossen, dem Mädchen eine Abfindungssumme zu bezahlen. Der juristische Ausschuß der Sta t Mainz hat gestern das Gleiche beschlossen. * Mainz, 19. Sept. Die Eisenbahn⸗ direktion erläßt soeben eine Bekanntmachung zur Sicherung des Eisenbahnbetriebes. Nachdem nochmals auf die Notwendigkeit der Beachtung sämtlicher für die Sicherheit erlassenen Vorschriften hingewiesen wird, führt die Direk⸗ ———— Eine reiche Partie. Erze von Stenglin. — 23 Seltz Nachbrnd 2 (Fortsetzung.) Zu Hause ließ sie sich nichts merken. Sie konnte nicht vergessen, was der Alte ihr gesagt battle. Er wußte freilich nicht alles. Aber wenn guch ihr Zutrauen zu Hellmuth nicht mehr so fest sein konnte wie einst, sie gehörte ja doch zu ihm, Das fühlte sie so lebhaft wie nur je, und sie liebte Ihn ja doch. Wenn auch nicht alles in der Ehe vollkommen sein würde,— es gab ja gewiß manche Chen, in denen es an diesem und jenem fehlte. Er wollte sie nicht haben,— aber wenn sie nun kam and nicht wieder ging? Mußte er sie da nicht Sehalten?“ 2 Und als dieser Gedanke sich erst einmal in ihr kesgesetzt hatte, ließ er sie nicht wieder los. Zwel Tage darauf gegen Abend verließ sie das zu einem notwendigen usgange. Unter dem Mantel trug sie eine Leder⸗ * de ee e e 5 ee asche mit einigen notwendigen Habseligkeiten und f Geld. Eine jähe Ungeduld hatte sie er⸗ kiffen. Wochenlang hatte sie la kein Lebenszeichen, icht einmal einen Brief von ihm erhalten! Wie ö ihm gehen mochte! Ob er am Ende gar Not litt? Auch von seinen Eltern hatte er ja nichts an“ genommen. Er hatte sichs in den Kopf gesetzt, sich anz auf eigene Füße zu stellen. Eine fürchterliche Augst packte sie in der Bahn. Mein Gott, warum dar sie denn nicht früher gegangen? Warum hatte die denn überhaupt gestattet, daß er sie verließ? Endlich war sie vor dem Hause, vierten Stockwerk ein Zimmer gemietet hatte. Es war sieben Uhr abends. Gewiß würde er doch schon zu Hause sein. Die Wirtin öffnete. 5 „Zu wem?“ fragte sie mißtrauisch. „Ich will zu meinem Mann. Er ist doch zu Hause?“ „Ihr Mann?“ „Herr von Jürgen.“ 0 7 Das ist Ihr Mann?“ Die Wirtin musterte Röschen von oben bis unten. 1 Herr ist noch nicht zu Hause. Er kommt immer erst nach acht.“ a „Nach acht erst? Wie schade! Da muß ich warten. Wollen Sie mich in sein Zimmer lassen?“ Am Brummend schob die Alte ab, Röschen hinterdrein. Die Wirtin öffnete die Thür zu einem kleinen einfenstrigen Zimmer, in dem sich nur die allernötigsten Möbel befanden.. Dies ist sein Zimmer? Wie kalt es hier ist!“ „Ja, die Feuerung kostet Geld.“. „Ach heizen Sie doch schnell ein wenig ein, ja? Ich bezahl' es Ihnen gerne.“ Und als die Frau zögerte, lte R Tasche hervor und gab ein Markstück hin. ie nochmals!“ 8 5 5 95 A2 119 5 freundlicherem Blick ging die Wirtin dann Feuerung zu holte Röschen ihre Bitte!“ hinaus, um erst eine Lampe, 8 ißt er denn zum Abendbrot?“ fragte Röschen. wo er sich im „Na da ißt er ganz gut. Zwei Butterstullen, und dann koch' ich ihm'ne Suppe.“ Die junge Frau wollte schon die Wirtin bitten, etwas Fleisch und eine Flasche Wein zu holen, doch sie ließ es, da sie nicht wußte, ob Hellmuth das nicht übel nehmen würde. Nachdem sie geheizt, ging die Vermieterin hin⸗ aus und kam bald darauf wieder, ein großes Buch in der Hand. „Wenn sie ein bischen lesen wollen,— die Gartenlaube—“ Und Röschen blieb allein. Erst ging sie im Zimmer umher und untersuchte alles. Es war sauber gehalten, das Bett gut gemacht, der Schrank mit den Sachen in Ordnung. Aber recht un⸗ heimlich war es Röschen doch hier. Nachdem sie eine Weile ruhelos auf und ab⸗ gewandert, setzte sie sich und nahm das Buch, die Gartenlaube, zur Hand. Erst besah sie die Bilder, als sie damit fertig war, begann sie eine Geschichte zu lesen, die sie so fesselte, daß sie nicht merkte, wie die Zeit verging. Plötzlich schreckte sie auf. Sie hörte schließen an der Korridorthür, dann sprechen. Sie erhob sich voller Erwartung. Und da trat er auch schon ins Zimmer. Sie flog ihm entgegen, und beide lagen sich in den Armen. „Mein süßes, süßes Weib!“ sprach Hellmuth mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit. „Ich habe mich so nach Dir gesehnt! Fast wäre ich wankend geworden. Und nun kommst Du! Du sammenstöße und Entgleisungen, welche in jüngster Zeit vorkommen, auf die Nichtbeachtung der Signale, zum Teil auch auf ein Umstellen der Weichen unter den Fahrzeugen zurückzuführen sei. Die Direktion ermahnt ferner das Personal zur Ruhe und Besonnenheit im Betriebsdienste. * Mainz, 19. Sept. Ueber den auf Vor⸗ schlag von einem Frankfurter Polizeibeamten bei der hiesigen Schutzmannschaft eingeführten neuen Dienst, durch welchen angeordnet wurde, daß die Schutzmannschaft ihren Nachtdienst nicht mehr zu je zwei Mann, sondern durch Allein⸗ gehen zu verrichten habe, wurde nunmehr durch die Revierkommissäre an das Polizeiamt Bericht erstattet; ein Teil der Kommissäre hat sich für und ein Teil gegen diese neue Diensteinteilung ausgesprochen. Nach den vielen in der Presse besprochenen nächtlichen Vorfällen wäre die neue Diensteinteilung vollständig zu verwerfen. * Mainz, 19. Sept. Nach einem Vertrag vom 28. Februar 1873, abgeschlossen zwischen der Stadt Mainz und dem Gouvernement, be⸗ zahlt das Militär für alle oktroipflichtigen Gegenstände die gleichen Oktroigebühren wie die übrigen hiesigen Bewohner. Dafür wird all⸗ jährlich von der Stadt eine bestimmte Summe an die Militärverwaltung, als Vergütung für das bezahlte Octroi, zurückerstattet. Diesen Ver⸗ trag hat nunmehr die Militärbehörde gekündigt, und zwar angeblich deshalb, weil die hier be⸗ stehende kgl. Konservenfabrik ebenfalls Oktrot bezahle, obwohl die Fabrikate dieser Fabrik nicht in Mainz konsumiert werden. Vermischtes. — Elektresche Droschken fahren seit kurzen in den Straßen Londons. Eine Elektrische Droschengesell⸗ schaft(London Electrical Cab Company, Limited) hat das erste Dutzend ihrer Gefährte in den Dienst ge⸗ stellt und läßt sie von richtigen Londoner Droschkenkut⸗ schern, die bisher von ihrem hohen Sitze aus Droschken⸗ pferde gelenkt haben, in den Straßen umherfahren und sie zur üblichen Droschkentaxe vom Publikum benützen. Diese neuen Droschken bieten einen sehr gefälligen Anblick, fie gewähren Raum für reichlich zwel Personen und auf dem Verdeck oben ist Platz für Gepäck. Der Kutscher hat vorn seinen Sitz auf dem Bock, lenkt den Wagen und giebt die Geschwindigkeit an, was durch zwei Griffe auf so einfache Weise geschieht, daß es nicht besonderer Erlernung bedarf. Die Droschken fahren sehr leicht und geräuschlos, weil die Räder mit pneumatischen Gummireifen eingefaßt find; auch die Maschine arbeitet geräuschlos und der unange⸗ nehme Geruch, den man stets bei Motorwagen bemerkt, die mit Oel getrieben werden, ist nicht vorhanden. Der elektrische Johnson⸗Lundell⸗Motor, der unterhalb der Droschke angebracht' ist, arbeitet mit drei Pferdekräften und mit Hilfe desselben fährt die Droschke fünfzig eng⸗ lische Meilen, ehe der Akkumulator ausgewechselt zu wer⸗ den braucht. Diese Auswechselung selbst geschieht in wenigen Minuten und die Gesellschaft läßt in verschiedenen Stadtteilen Londons Stationen errichten, wo die er⸗ schöpften Droschken wieder mit frischer Elektrizität gespeist werden können. Bei der vor wenigen Tagen abgehal⸗ tenen Probefahrt und Einweihung der elektrischen Droschken hielt der bekannte Elektriker des Londoner Generalpost⸗ amtes W. H. Preece eine Ansprache, in der er erklärte, 5 aus, daß die überwiegende Zahl der Zu wirst mich nicht wankend machen, nein? Du wirft meine vernünftige, liebe Frau sein, wirst Du?“ Röschen blickte zu Boden.„Ich bin gekommen, um bei Dir zu bleiben“, sagte sie leise aber bestimmt. Sein Gesicht nahm einen sehr ernsten Ausdruck an, es kostete ihn augenscheinlich Ueberwindung, ruhig und sachlich zu sprechen. „Ich danke Dir von Herzen“, sprach er.„Ich wußte es, unser Lebensweg führt wieder zusammen. Aber heute noch nicht, Röschen. Verstehe mich recht. Ich habe alles überdacht. Bliebest Du bei mir, ich hätte nicht die Kraft, das zu Ende zu führen, was ich mir vorgenommen habe.“ Röschen fing an zu weinen. „Mache mirs nicht schwer!“ sagte er mit flehendem Blick. So standen sie sich gegenüber. Hellmuth wollte weiter sprechen, da klopfte es. Die Wirtin brachte das Abendbrot. Als sie hinaus war, meinte Hellmuth: Wie ist es nun aber mit Dir? Du hast noch nicht gegessen.“ „Ich mag nicht.“ „Ich bitte Dich, teile mit mir!“ Um ihm gefällig zu sein, aß sie ein paar Bissen Brot und einige Löffel Suppe. Das übrige ver⸗ zehrte Hellmuth mit gutem Appetit, während Röschen ihm liebevoll zusah. Als er fertig war, legte er die Hand auf die ihre. Gortsetzung folgt.) daß er nie das Problem der elektrischen Beförderung besser gelöst gesehen habe. — Liebesbriefe im Hundehalsband. Der bekannte Kniff argwöhnischer Gatten, eine Reise vorzu⸗ schützen, um die flatterhafte Frau zu überraschen, erweist sich, so schreibt man aus Paris, noch immer als sehr wirkungsvoll. Der Großkaufmann M. in der Rue de Menilmontant kann das jedenfalls bezeugen. Er bemerkte seit einiger Zeit, daß seine Frau sich von einem jungen Uhrmacher Leon L. in höchst verdächtiger Weise den Hof machen ließ. Seine Nachforschungen führten zu dem Er⸗ gebniß, daß eine sehr eifrige und glühende Korrespondenz zwischen Leon L. und seiner Frau durch Vermitte⸗ lung des Hundes des jungen Don Juan geführt wurde. Der Uhrmacher steckte die Liebesbriefe an Frau B. in eine am Halsband des Hundes angebrachte Tasche, aus der sie dann die treulose Gattin, nachdem sie den Hund durch Zucker angelockt, entnahm und auf geeichem Wege antwortete. Herrn B. gelang es nach vielen Mühen, da der vierfüßige„postillon d'amour“ sich sehr mißtrauisch ihm gegenüber zeigte, einen dieser Briefe ab⸗ zufassen und sich so der vollen Berechtigung seines Arg⸗ wohns zu versichern. Mit unbefangener Miene kündigte er darauf seiner lieben Ehehälfte an, er habe eine wich⸗ tige Geschäftsreise anzutreten. Alles verlief darauf pro⸗ grammmäßig, wie in einem Vaudeville. Herr B. über⸗ raschte um 11 Uhr abends die beiden Liebenden in seiner Wohnung; seine Frau viel vor Schreck in Ohnmacht, während er den Liebhaber mit Stockschlägen auf die Straße trieb, wo das Publikum ihm wegen seines kräf⸗ tigen Zuschlagens und dem Liebhaber wegen seiner Be— hendigkeit im Ausreißen wahre Ovationen darbrachte. Schließlich traten zwei Schutzleute dazwischen, und brachten die beiden Kämpfer auf die Wache, von wo aus der ge⸗ hörig durchgebläute Liebhaber nach Feststellung des Sach⸗ bestands in das Hospital überführt werden mußte. — Stierfechter⸗Kariere. Den„Münch. Neuest. Nachr.“ schreibt man aus Madrid: Währaend sich die Stierfechter im Allgemeinen aus der verwahrlosesten Straßenjugend rekrutieren, kommen doch allerlei Aus⸗ nahmen vor. Einer der bekanntesten Stierfechter, Maz⸗ zantini, der bis zu seinem 25. Lebensjahre Stations⸗ chef war, widmete sich dann der Kunst des Stiergefechtes, um es in wenigen Jahren zur Berühmtheit und zu großem Vermögen zu bringen, das ihm ermöglicht, einen fast fürstlichen Hofhalt zu führen. Der Stierfechter Lesaca, der im verflossenen Jahre getötet wurde, stand auch vor dem letzten juristischen Examen, als er zum Degen des Stierfechters griff. Jetzt tritt ein Doktor der Philosophie, Mediavilla mit Namen, in dieselbe Laufbahn, obwohl ihm in seinem Berufe eine glänzende Karriere bevorstand. Trotz seines jugendlichen Alters— er soll erst 22 Jahre alt sein— hat er sich vor Kurzem eine Gymnasial⸗Pro⸗ fessur erworben. Die Vorstellungen seiner Freunde, seiner früheren Lehrer und seiner Eltern, ihn von seinem Vor⸗ haben abzuhalten, waren vergeblich. Er verließ Bücher und Aula und produzierte sich am 22. August zum ersten Male in einer Arena Madrids als Stierfechter. Es heißt, daß ihn der Ruhm des Stlerfechters mehr lockt als eine Professur. — Der Tod des Fanatikers. Aus Peters burg schreibt man der„K. Z.“: Wiederum, diesmal aber aus Uralsk, läuft die Meldung ein, daß sich dort Ende Juli ein Laienbruder des Nikolaiklosters, der Bauer Anton Bujanow, aus religiösem Fanatismus bis zur Brust in die Erde eingraben ließ und auf diese entsetzliche Weise den Tod fand. Durch einen anderen Bauern, der dem Bujanow auf dessen Bitte den Liebesdienst des Eingrabens geleistet hatte, kam die Sache heraus, jedoch erst sechs Tage später und jedenfalls zu spät, um den Fanatiker noch zu retten. Er war schon verschieden. In der Nähe der Leiche waren zwei Heiligenbilder mit Lämpchen und Lichter aufgestellt; desgleichen eine Wasserflasche. Daneben lagen mehrere Abendmahlsbrödchen und religtöse Bücher. Der Unglückliche soll diesen wahnsinnigen Schritt unter⸗ nommen haben, weil seiner Ansicht nach das Klosterleben ihm nicht genügend erschien, um„das Fleisch zu töten“. Die Angelegenheit wurde dem Untersuchungsrichter über⸗ Marseillaise singend, durch die a straßen. Der österreichische Abgesten Pernerstorfer wurde polizeilich von d. Demonstration ferngehalten. Die Ankun des deutschen Kaisers blieb undiskutier Die Volksmenge zerstreute sich ruhig. Hd. Berlin, 20. Sept. Der große Pre von Berlin für Radfahrer kam gestern zu Austrag. Erster wurde Bourillon, Pet 7000 Mark; 2. Lehr 1500 Mark; 3. Are 750 Mark; 4. Käser 500 Mark; 5. Paxli 250 Mark. 9 Hd. Athen, 20. Sept. Ministerpräsideg Ralli erklärt, daß dem Schiedsvertrage noch Paragraph bezüglich der Handelsbeziehungg zur Türkei und des Eintausches der Gefangen geben. Wahlrecht. Neueste Telegramme. Hd. Budapest, 20. Sept. fand eine sozialistische Demon⸗ stration statt für das allg. Etwa 25 000 Menschen mit Fahnen und Emblemen zogen, die hinzugefügt werde.. Gestern e mein e Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. be teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmann Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13 1 . 2 Verdingung. 0 Die zur weiteren ausstierung der ldwege im kousolidierten Teile des Neu⸗ städterfeldes erforderlichen Erd⸗ und Plauier⸗ arbeiten, Chaussierar beiten u. Cement⸗ rohrlieferungen sollen Montag, den 27. September d. J., vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. 5 Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen Obstversteigerungen. Oberförsterei Gießen. Freitag, den 24. September, nachmittags 2 ¼ Uhr, wird im fiskalischen Garten zu Alten-Buse zk die diesjährige Aepfel⸗ und Birnernte meistbietend versteigert. 5 Alteu⸗Buseck. Freitag, den 24. September, vormittags von ½9 Uhr, wird das Gemeindeobst, bestehend in Aepfeln und Birnen, an Ort und Stelle versteigert. Anfang ist am Gießener Weg. Im Anschluß an diese Versteigerung kommen die Aepfel auf dem hiesigen Pfarrbaumstück zum Ausgebot. f Aunerod. Donnerstag, den 23. September, von vormittags 9 Uhr an, wird Die Zusammenkunft ist bei Der liegen während der Dienststunden bei uns, das Gemeindeobst, bestehend aus Aepfeln und Birnen, versteigert. Zimmer Nr. 1 zur Einsicht offen. Angebote der Kirche. auf vorgeschriebenem Formular sind bis zum 7 7 genannten Termin einzureichen.— Zuschlags⸗ S II b m 1 ssi 0 I. E I frist 14 Tage. a ö g 5 f 5 Gießen, den 15. September 1897. Gießen. Zur Erbauung eines physikalisch⸗chemischen Instituts der Landes⸗Universität Das Stadtbauamt. J. V.: Gerbel. Bekanntmachung, betr.: Absperrung der Wasserleitung. Wegen Ausführung von Wasserleitungsar⸗ beiten in der Maigasse find wir genötigt, nächsten Dienstag, den 21. September, von nachmittags 2 Uhr bis gegen Abend 6 Uhr die Wasserleitung auf dem Seltersweg, sowie in der Plockstraße und der Mai⸗ gasse abzusperren, a was wir hiermit zur gefl. Kenntnisnahme der betreffenden Anwohner bringen. Gießen, den 20. September 1897. Städtisches Gas⸗ und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. Stadt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen Schweinefleisch nicht ladeurein, pro Pfund 50 Pfg. Ein braves Mädchen, 14 bis 16 Jahre alt, tagsüber gesucht. Wo? sagt die Expedition d. Bl. 2587 [Ein Mädchen empfiehlt sich im Bügeln in und außer de Hause. Näheres Laudmaunstraße 10. Ein junges Mädehen sucht Stelle für leichte Hausarbeit. Zu erfragen Bahnhofstraße 24. 2543 — per 15. Oktober, event. auch Logis früher, wegen Versetzung zu vermieten. 2509 Frankfurterstrasse 62. immer, Küche, Speisekammer, 2 Korridor, m. allem hör ofort zu vermieten. Schottstraße 19. Ein schönes separates Zimmer geeignet für Vereins⸗ und Familien⸗ Abende im 2362 D Sehipkapass. Für Gärtner. Gebrauchte Gerberlohe kann billig abge⸗ 2463 fahren werden bei Wilh. Plank, Bahnhofstraße 18. Möbl. Jimmer sofort oder später zu vermieten. Oktober. 2 2 * m 4 2 99205 öffentlichen Submissionswege vergeben werden. auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Gießen. mittags von 3—5 Uhr eingesehen werden. Gießen. bis 12 Uhr, offen. sollen ungetrennt öffentlich verdungen werden. Einsendung von 6 Mk. bezogen werden. Loos I. Cement⸗ und Betonarbeiten: 270 Zuschlagsfrist 3 Wochen. Zuschlagsfrist bis 1. November. Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von: Ztr. Kartoffeln, 10 Ztr. untererdigen Kohlraben, 1 Ztr. obererdigen Kohlraben, 6 Ztr. Zwiebeln, 1 Ztr. roten Rüben, 2 Ztr. Meerreitig, 1 Ztr. weißen Rüben, 8 Ztr. gelben Rüben, 15 Ztr. Weißkraut, 80 Stck. Rotkraut, 150 Stck. Weißkraut(mit Strunken), 300 Stck. Wirfing, 200 Stck. Lauch, 150 Stck. Sellerie, 30 Rm. Holz, auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Verwaltungsbureau, vormittags von 10 Offerten find versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 12. Oktober, vormittags 11 Uhr, einzureichen. Gießen. Die Stellung der Gespanne zur Pferdewalze für die Neubaustrecke Obborn⸗ hofen— Bahnhof soll vergeben werden und sind Angebote bis Mittwoch, den 22. d. M., vormittags 10/ Uhr, im Amtszimmer des Großh. Kreisbauinspektors Stahl einzureichen. Lauterbach(Hessen). Die sämtlichen Arbeiten und Lieferungen zur Ausführung eines Empfangsgebäudes mit Fürstenzimmer auf Bahnhof Schlitz(Neubaulinie Salzschlirf— Schlitz) U Bedingungen und Zeichnungen liegen auf der Großh. Hess. Eisenbahn⸗Bauabteilung zur Einsicht aus und können von da gegen gebührenfreie Bedingungsgemäße Angebote werden bis zum Er⸗ öffnungstermine Donnersteg, den 30. September, vormittags 11½ Uhr, entgegen- genommen. —————————— Gießen sollen folgende Arbeiten auf Grund öffentlichen Angebots, nach Losen getrennt oder zu⸗ sammen, vergeben werden. 5 am gerade Betondecken, 50 qm Kappengewölbe usw. Loos II Cement- und Betonarbeiten: 1368 qm Ausgleich⸗Schlackenbeton mit Ausgleichschicht, 464 qm Kiesbeton auf Grund, 190 qm Schlackenbeton auf Grund, 290 qm Cementfußböden einschl. Kiesbeton Unterlage auf Frund, 140 qm Cementestrich. Loos III. Terrazzoarbeiten: 590 qm Terrazzofußboden. unterlagen können im Amtslokal der Baubehörde für die Universttäts⸗Neubauten, Stephanstraße 18, Obergeschoß, eingesehen und zum Selbstkostenpreise, soweit der Vorrat reicht, bezogen werden. Gebote sind bis Samstag, den 2. Oktober, vormittags 10 Uhr, verschlossen und mit be⸗ zeichnender Aufschrift versehen, einzureichen. Gießen. Für unsere Kliniken soll die Lieferung von 25 Ztr. toffeln, 15 Ztr untererd. Kohlraben, 1¼ Ztr. obererd. Kohlraben, 9 Ztr. Zwiebeln, 2 Ztr. Meerrettig, 2 Ztr. roten Rüben, 6 Ztr. weißen Rüben, 10 Ztr. gelben Rüben, 42 Ztr. Weiß⸗ kraut, 100 Stck Rotkraut, 400 Stck. Wirsig, 350 Stck. Lauch, 300 Stck. Sellerie, auf dem Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Ver⸗ waltungsbureau der chirurg, und ophthalm. Univ.⸗Klinik, nachmittags von 3—5 Uhr, offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 16. Oktober d. J. Der Zuschlag erfolgt am 29. 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