g. . Oktober 2896 zauerei den eröffnet er U. prompter jele, — detall. jer ene Binderel vol nen Myrten⸗ und weißen angen⸗Braul mne, silberner goldener Hoch Its Rrͤnze, kart Bluletts, zen, Kreuzen und Kronen. 1. Wok. un lünt, Gum * der — del, age A. 550 pol g 1 Wil bun f 100 fal. Nr 271 Gießen, Freitag, den 19. November 1897. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. ische Landeszeitung Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abounement beträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile. 5 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 19. Nov. Als Geschworene für die vierte Schwurgerichtsperiode wurden ausgelost: Wilhelm Bechstein⸗Friedberg, Joh. Wagner IX-Langgöns, Hermann Reitz⸗ Butzbach, Martin Jehner⸗Rödgen bei Friedberg, Reinhold Schäfer⸗Blofeld, Wilh. Kunkel⸗Eschen⸗ rod, Gg. Konrad Emil Jacobi⸗Rodheim v. d. H., Karl Roth II⸗Kaichen, Karl Bierau⸗Friedherg, Jean Dern⸗Gießen, Richard Westernacher⸗Lind⸗ heim, Hermann Mettenheimer⸗Gießen, Karl Wilh. Bernbeck⸗Friedberg, Heinrich Wilh. Jakob Brack⸗ Altenstadt, Georg Geck II-Melbach, Frhr. Moritz b. Leonhardi⸗Groß⸗Karben, Adam Peter Pauli⸗ Leihgestern, Georg Philipp Müller⸗Ober⸗Hörgern, Emil Pistor II⸗Gießen, Arnold v. Jungenfeld⸗ Gießen, Christoph Leonhard⸗Okarben, Heinrich Hahn⸗Hartershausen, Balthasar Häuser I⸗Stein⸗ berg, August Klipstein⸗Laubach, Karl Diehl⸗ Münch⸗Leusel, Heinrich Euler⸗Ober⸗Breidenbach, Ludwig Kiesselbach⸗Butzbach, Joh. Weil⸗Münzen⸗ berg, Hermann Zorn⸗Hoch⸗Weisel, Heinrich Neb⸗ Nieder⸗Ohmen. * Gießen, 18. Nov. Außerordentlich belebt war gestern unsere Stadt. Der preußische Bußtag hatte die Ausländer scharenweise nach Gießen geführt. Allein von Wetzlar waren Hunderte von Menschen hier. Unsere Geschäftswelt dürfte über den Bußtag in Preußen keineswegs bös sein. Namentlich egen Abend konnte man sehen, wie fast in allen äden sich zahlreiche Käufer befanden. Das an⸗ genehme Wetter dürfte natürlich nicht wenig dazu beigetragen haben, so viele Menschen zum Reisen zu veranlassen. Hoffentlich haben die „Preußen“ nicht vergessen, trotz ihrer Reise in das Hessenland„Buße“ zu thun. * Gießen, 18. Nov. Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen bekommt Konkurrenz. Dessen ehemaliger erster Vorsitzender, Herr Ferd. Windecker, hat bei dem Kuratorium ünserer Rennbahn angefragt, ob man ihm die Anlage eines Schliefplatzes auf dem freien Platz in der Mitte der Rennbahn gestatten würde. Der Anfragende ist daraafhin aufgefordert worden, einen Plan solcher Anlage einzureichen. * Gießen, 18. Nov. Man schreibt uns vom Westerwald aus Marienburg: Ihre Leser erinnern sich wohl noch des durch die„Hess. Landeszeitung.“ s. Ot. veröffentlichten Anschlags des Kreisphysikus Dr. Roth⸗ Marienburg am „schwarzen Brett“ der neuen Klinik zu Gießen. Der Anschlag erregte damals um des willen großes Aufsehen, weil Dr. Roth junge Aerzte warnte, sich im Westerwald und speziell in Marienburg niederzulassen, weil diese dort keine auskömmliche Praxis erhalten würden und am Hungertuche nagen müßten. Dank der Bekannt⸗ machung dieser Behauptung durch die Presse hat es damals trotzdem ein zweiter Arzt gewagt, in unserem Kreise seinen Wohnsitz aufzuschlagen und fand bisher sein Auskommen, wenn er auch keine Aussicht hat, Millionär zu werden. Was thut nun Dr. Roth, der s. Zt. öffentlich durch seinen Anschlag erklärt hat, ein zweiter Arzt fände in Marienburg und Umgegend keine Be⸗ schäftigung? Derselbe hat sich einen Assistenz⸗ arzt, also einen dritten Heilkünstler kommen lassen. Unsere Bevölkerung ist darüber teilweise empört. Denn wird die Praxis noch einmal geteilt, dann allerdings vermag sich der zweite Arzt nur schwer zu behaupten, der Aufent⸗ halt wird ihm verleidet, und Dr. Roth wird wieder Alleinherrscher im hohen Westerwald, einem Gebiet, wo ein Arzt unmöglich alle Kranken allein behandeln kann. Gießen, 18. Nov. Der Regierungsbau⸗ meister Jordan ist zur Eisenbahn⸗Maschinen⸗ inspektion in Mainz abgeordnet. Dem Ge⸗ nanntenzist die ständige Vertretung des Vorstandes der hiesigen Eisenbahn⸗Maschineninspektion über⸗ tragen worden. * Gießen, 18. Nov. Das Zurückhalten von Zeugnissen der Angestellten seitens der Arbeitgeber nach der Lösung des Dienstverhält⸗ nisses macht diese nach einem Urteil des Kölner Gewerbegerichts in jedem Falle entschädi⸗ Nane e as Gericht entschied, der rbeitnehmer brauche nicht den Beweis zu er⸗ bringen, daß er thatsächlich wegen Fehlens der Zeugnisse eine neue Stellung nicht habe erhalten können. In dem betreffenden Falle wurde ein Fabrikant zur Zahlung einer täglichen Entschä⸗ digung von 3,30 4 an einen Magazinverwalter verurteilt, gerechnet vom dritten Tage nach der Lösung des Arbeitsverhältnisses ab. »»Gießen, 18. Nov. Die Durchschnitts⸗ dauer des menschlichen Lebens beträgt nach den neuesten ee eines ameri⸗ kanischen Arztes ungefähr 33 Jahre. Ein Viertel der Menschheit stirbt vor dem 17. Lebens⸗ jahre. Wer über dieses kritische Alter hinaus ist, kann aller Voraussicht nach recht alt werden. Von je tausend Personen erreicht jedoch nur eine das hundertste Jahr, von je hundert Menschen erleben höchstens sechs das 65. und von fünf⸗ hundert nur einer das 80. Lebensjahr. Von den 1500 Millionen Bewohnern der Erde Redaktion und Expehition: Kreuzplatz Nr. 4. r—— lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Or ⸗Buseck r.⸗Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗ —— — starben 33 333 333 in jeden Jahr, 91824 an jedem Tage. * Gießen, 18. Nov. Die hiesige Orts⸗ krankenkasse wird am Sonntag Nachmittag von 3 Uhr ab auf dem Lenzschen Felsenkeller ihre Generalversammlung abhalten. Da sehr wichtige Gegenstände zur Beratung stehen, über welche die Meinungen zwischen Kassenmit⸗ gliedern und dem Vorsitzenden sehr differieren, kommen. Gegen den Vorsitzenden, Herrn Bau⸗ unternehmer Winn, herrscht unter den Kassen⸗ mitgliedern allgemeine Mißstimmung. Es wird dem Vorsitzenden zum Vorwurf gemacht, daß er in Kassenangelegenheiten zu eigenmächtig verfahre. * Gießen, 18. Nov. Gestern Abend er⸗ stattete Landgerichtsrat Müller auf Veran⸗ lassung des hiesigen Detaillistenvereins im Saale des Hotel Einhorn Bericht über die beabsichtigten Aenderungen der Handelsgesetzgebung im Anschluß an das geltende Recht. Der Redner gab eine kurze geschichtliche Dar⸗ stellung des seit 1862 bestehenden alten Rechts, an dem seither wenig ergänzt und repariert sei. Es sei erklärlich, daß in diesem alten Handels⸗ gesetz manches enthalten sei, was eigentlich in das gemeine Recht hineingehöre, aber man müsse bedenken, daß 1862 in Deutschlaud überhaupt kein einheitliches Recht bestand. Es sei aber auch begreiflich, daß die Notwendigkeit einer Neuordnung des Handelsgesetzbuches sich fühlbar machen mußte mit der rapiden Entwickelung des deutschen Handels. Der Handel habe in gewisser Beziehung ganz neue Bahnen eingeschlagen, andere Faktoren, als sie 1862 maßgebend waren, seien dazugekommen, z. B. die ganz neuen Formen der Assoziationen usw. Das neue Gesetz, welches vom Reichsjustizamt ausgearbeitet ist und von dem man sagen kann, es sei teilweise eine Neu⸗ bearbeitung des seither bestehenden Handelsrechts, um anderen Teil aber ein ganz neues Gesetz, fe nicht etwa ein Juristengesetz. Die Handels⸗ kammern von ganz Deutschland hätten dasselbe schaffen und beraten helfen, weite Kreise des Handels hätten daran mitgearbeitet, und man müsse zugestehen, alle berechtigten, dabei in Be⸗ tracht kommenden Interessen seien in dem Gesetz berücksichtigt. Ganz neue Rechtsmaterien seien entstanden, z. B. die Kapitel über Handels⸗ agenten, Handels⸗ Makler, das Lagergeschäft. Bedeutend ergänzt seien die Kapitel über den Eisenbahntransport und wesentlich modifiziert sei das Handelsgehilfen⸗Recht. Es könne nicht seine Aufgabe sein, so führte der Redner aus, erschöpfend über das neue Recht sich zu ver⸗ —— Natalys Verlobung. Novellette von Anna Treichel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Woher weißt Du diese erlesene Neuigkeit denn, Jürg?“ fragte sie. „Von Fahgant persönlich, er kam gerade aus'm Blumenladen, hatte'n Bündel Liebesheu bestellt, wir prallten sozusagen zusammen,— er mit selig verzückter Visage!„Was Neues 7“ fragte ich so en passant.„Ja, aber sehr, habe mich mit Fräulein Grete Konner verlobt, morgen kommts gedruckt mit Goldschnitt!“ sagte. 505 „Also selig⸗verzückt sah er au f 810 175 ich Dir,— er muß die Kleine doch wirklich lieben.“ In Jürgs Lieutenantsgehirn schien dieses Verlobungsmotiv größtes Staunen und Bewundern e e 5 „Du gratuliertest gleich?“ 5 „Na 15 chte en pyramidales Glück und schalt, daß er die Geschichte so heimlich betrieben, kein Mensch im Regiment wußte was.“ „Und was meinte er?“ 11. „Feixte ganz hinterlistig,— ola, ja, Kamerad, die echte Liebe sitzt tief und verborgen im Herzen und hält sich still,— e' ist auch genug, wenn mans nur selber merkt und die, der es gilt! 1 Gott Strammbach, wo der Kerl all' die weisen Redewendungen immer aufgabelt!“ Jürg, welcher sichs inzwischen hatte gut schmecken lassen, legte Gabel und Messer beiseite und wischte ich den Mund. „Denk' mal die Hochzeit, was es da für feine Weine geben wird!“ sagte er schmunzelnd und setzte hinzu:„Na, Natterchen, solltest man auch machen, daß Du unter die Haube kommtst,— die Grete Konner kanns schon mit Siebzehn!“ f Nataly krauste die Stirn:„Jeder nach seinem B 3* 1 elieben und strich sich den Uniformrock Nun gehe ich schlafen, wenn die jungen Hunde satt find, machen sies auch so. Proste Mahlzeit!“ Damit entfernte er sich befriedigt. Seine Neuigkeit war er nun ja glänzend losgeworden. Zuerst noch an den Assessor B. auf der Promenade und nun an Nataly. Und Effekt hatte sie gemacht, Donner 11mm 88 Nataly blieb noch im Zimmer, sie stützte den Kopf in die Hand und sann nach. Diese überraschende Verlobung gab ihr zu denken. 71 Zu ärgerlich, diese Verlobung, wenn dieselbe sie schließlich auch garnichts anging! 8 Aber doch,„uneigentlich“ ging es sie immer⸗ Sie spann diesen Gedanken aus. Grete Konner, solch ein halbes Kind noch, und schon Braut! Und Nataly selber mit ihren 22 Jahren noch unverlobt! Das lag zwar in ihrer eigenen Hand, ausschließlich,— sie warf den Kopf hoch— und das wußte man auch, man konnte Nataly von Schulfens wählerischen Geschmack! Aber Nataly war weltkundig, sie wußte, daß man allmählich doch sagen würde, wie es vielleicht hie und da schon jetzt jemand sagte: Mit der Nataly wird es nun auch Zeit, alt genug ist sie, schließlich bekommt sie gar keinen Mann mehr, alles schon dagewesen!“ Und auch Bruder Jürg hatte sich wiederholt dahin geäußert, daß sie so lange„rum⸗ quirlen würde, bis der ganze Brei in die Asche fiele und sie dann dasäße wie Augustin im Dreck!“ Und nun Grete Konners Verlobung, das würde zu reden geben und vor— allem Anlaß zum Ver⸗ gleichen! Man würde die bräutliche Grete, dieses kleine, wenn auch ganz liebliche Gänseblümchen ihr, Nataly, der stolzen, aber doch einsamen Rose gegen⸗ überstellen, Bemerkungen austauschen, Parallelen i AUnerträglich! e Nala letzthin schon öfters erwogen, nämlich an ihre eigene Verlobung zu denken, nahm jetzt eine festere Form an, la, war fast zum be⸗ hin etwas an. —— lächelte stolz. Aber wen? Lieben, wirklich lieben that Nataly keinen, das kam also nicht in Betracht, darauf durfte sie auch nicht warten; sie würde niemand lieben, weil dieses Gefühl einfach in ihrem oberflächlichen, keiner tieferen Regung fähigen Herzen überhaupt nicht aufkeimen und existieren konnte! Gefallen that ihr mancher, war aber aus diesem oder jenem Grunde kein geeigneter Gatte für sie. Sie dachte an den und jenen ihrer Bewerber, welche sich um ihre Gunst bemühten und denen nur ein klein wenig mehr Entgegenkommen ihrer⸗ seits das entscheidende Wort auf die Lippen treiben würde. Da blieben nur zwei zur engeren Wahl. Der eine elegante Salonfigur, 100000 Mark Privat⸗ vermögen dazu,— und dann der Rittergutsbesitzer und Lieutenant der Reserve von Ohnstädt, ein blonder Recke, natürlich auch reich! An beiden hatte sie im Grunde nichts auszusetzen,— Pflammern gewann durch sein witziges heiteres Wesen, Ohn— städts würdige Ruhe wirkte jedoch ebenso ein— nehmend. Nataly überlegte her und hin, einen festen Entschluß gefaßt, Schicksal entscheiden lassen. „Sonnabend ist der Ball bei Frau von Badel“, sprach sie zu sich selber,—„dort soll sichs ent⸗ scheiden, das Schicksal wird mir schon sicherlich einen Wink geben und den will ich dann beachten!“ Sie stand auf, nickte im Vorbeigehen ihrem Bilde im Spiegel mit befriedigtem Lächeln zu und schrieb dann ein Billet an ihre Modistin, daß sie morgen um vier Uhr nachmittags dort erscheinen werde, um die neue Balltoilette anzuproben. ** * endlich hatte sie sie wollte das Auf den von Frau von Badel veranstalteten Festlichkeiten amüsierte sich ein Jeder, das stand nun einmal fest,— und kommen thaten alle gern, auch das war eine alte Thatsache, ohne zwingenden g luß herangereift. stimmten Entschluß heraus— Nataly Jürg erhob sich entlang.„Habe mich aber schöne vollgegessen! Sie brauchte ja nur zu wählen, Grund blieb niemand aus. Wenn man hereintrat Hauptmann von Pflammern, ein brünetter Adonis, z rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar. breiten, er wolle in kurzem Abriß sich nur mit dem Handelspersonenrecht beschäftigen, welches allein gegen 100 Paragraphen enthalte. In ganz interessanter Weise verstand es der Redner, die Hörer zwei Stunden lang mit dem an sich trockenen Thema zu fesseln, indem er durch Bei⸗ spiele aus der Praxis für seine Ausführungen die handgreiflichsten Vorbilder gab. Der Ver⸗ U sammlung wohnten die Mitglieder der Handels⸗ dürfte es zu lebhaften Auseinandersetzungen kammer und viele junge Juristen bei, nur der überwiegende Teil der Mitglieder des Detail⸗ listenvereins glänzte durch Abwesenheit. Gießen, 18. Nov.(Krankenauf⸗ nahme in die Klinik.) Mit Bezug darauf, daß es vielfach vorgekommen ist, daß erkrankte hilfsbedürftige Gemeindeangehörige und Kassen⸗ mitglieder sich behufs Aufnahme in unsere Kliniken hierher begeben, ohne die vorschrifts⸗ mäßige Bescheinigung des Gemeindevorstandes, bezw. des Vorstandes derjenigen Gemeinde⸗ oder Krankenkasse vorlegen zu können, welche zur Tragung der entstehenden Verpflegungstosten verpflichtet ist, erläßt die Verwaltungsdirektion der neuen Kliniken folgende Bekanntmachung: „Da von Seiten der Kassenvorstände mehrfach die Zahlung der eutstandenen Verpflegungskosten für erkrankte Kassenmitglieder aus dem Grunde abgelehnt wurde, weil der betreffende Kranke von ihnen nicht eingewiesen worden sei, so sehen wir uns veranlaßt, um die hierdurch uns entstehen⸗ den Nachteile für die Folge zu vermeiden, künftig⸗ hin nur 1. diejenigen Erkrankten in unsere Anstalt aufzunehmen, welche eine Bescheinigung des Gemeindevorstandes, bezw. des Vorstandes der zur Zahlung verpflichteten Kasse vor⸗ legen, woraus hervorgeht, ob und event. wie lange die betreffende Kasse zur Zahlung der entstehenden Kosten sich verpflichtet oder welche eine entsprechende machen. Ganz besonders wird noch hervorgehoben, daß die von den Herren Aerzten ausgestellten Bescheinigungen bezüglich Uebernahme der Kosten auf die zahlungspflichtigen Kassen nicht genügen, vielmehr diese Bescheinigungen nur vom Vor⸗ stande auszustellen sind.“ * Darmstadt, 17. Nov. Am gestrigen Tage war der vierte Ausschuß der zweiten Kammer zusammen, um über den Antrag des sozialdemo⸗ kratischen Abgeordneten Ullrich betreffend Er⸗ richtung einer Landes⸗Lungenheilanstalt zu beraten. Dabei spielte sich eine recht be⸗ zeichnende Episode ab. Die Regierung ver⸗ 2. Kostenvorlage in die licht- und wohlgeruchdurchfluteten Räume, das schillernde Gewoge von geschmückten Menschen, all die frohen Gesichter sah, so umhüllte die Ball⸗ saalluft sofort die Sinne mit ihrem bestrickenden Hauche, so fühlte man sich sofort heiter und animiert gestimmt. Man dachte nicht mehr daran, daß es auch Elend und Jammer auf der Welt gäbe, der zerfallenen Hütten mehr als glänzende Prunk⸗ säle! dachte nicht daran, daß auch dieser schöne Ball nur wenige Stunden dauere, welche bald ver⸗ flogen wären, und dann manches zerrissene Kleid, manches betrübte Herz im Gefolge hätte und die Thränen derer, welche vor den Leuten lächelten, um daheim im stillen Kämmerlein desto tiefer zu ver⸗ agen,— man lebte nur dem Augenblicke. Nataly von Schulfen war heute schöner und strahlender denn je und aus ihren Mienen sprach vollste Zufriedenheit über sich selber, das Fest und die eigene Bedeutung auf demselben. In ihrem Herzen aber lebte die Spannung und Erwartung, — das Schicksal sollte heute ja entscheiden!— Sie hatte soeben mit Herrn von Ohnstädt ge⸗ tanzt und lehnte nun, sich eifrig fächelnd, etwas abseits in einem Sessel, wohin ihre Partner sie geführt. Er selber war neben ihr stehen geblieben, ihre Erscheinung mit warmem Blicke umfassend, sein Antlitz nahm einen ernsten Ausdruck an, man sah es ihm an, daß er etwas auf dem Herzen hatte. „Hu, was machen Sie denn plötzlich für ein ernstes Gesicht, Herr von Ohnstädt, Sie denken wohl über die Quadratur des Zirkels nach!“ lachte Nataly ihn an. „Nicht doch, Fräulein von Schulfen,— aber trotzdem ists ein Zirkel, ein gar wundersamer, in welchem sich all' meine Gedanken einherbewegen,— ein echter Zauberkreis,— immer rundherum, immer um denselben einen leuchtenden Gegenstand“ seine Stimme bebte leist. (Schluß folgt.) 10 sich vollständig ablehnend und klammerte ich an den ihrer Auffassung nach nicht klaren Wortlaut des Antrages. Die Debatte hatte schon i Zeit gedauert, da erklärte mit einem Male der Präsident der Kammer, der Großherzog stehe dem Antrage sehr sym— pathisch gegenüber und habe ihn ausdrück⸗ lich ermächtigt, von dieser Erklärung Gebrauch zu machen. Nun 0b es„lange Gesichter⸗ und„dicke Köpfe“ bei den Herren Ministerial⸗ und Medizinalräten und das Ver⸗ sprechen, den vom Abg. Ullrich sofort etwas Fade Antrag nochmals zu erwägen. rotzdem die Herren erst gegen den Antrag waren, werden sie natürlich bei der nächsten Sitzung dafür stimmen. * Darmstadt, 17. Nov.(Ein viel⸗ e Max Kuban nannte sich ein eklagter, der sich wegen Landstreicherei vor hege Schöffengericht J zu verantworten hatte. Angeblich ist er Zigarrenmacher und angeblich aus Dresden gebürtig. Die angestellten Er⸗ mittelungen haben indes ergeben, daß Kuban in Wirllichte it Friedrich August Mehlhorn heißt 415 in Altenburg in Sachsen geboren ist. Der 10 0 te wurde aufgegriffen, als er sich im 5 goldenen Damenuhr befand, über 15 rechtmäßigen Erwerb er sich nicht auszu⸗ weisen vermochte. Der wegen schweren Dieb⸗ stahls mit 6 Jahren Zuchthaus bestrafte Mehl⸗ horn will seither Schiffsdienste genommen haben und von Berlin über Wesel hierher gekommen sein, um in die Schweiz auszuwandern. Horn will er sich kurzweg auch genannt haben, um sich der ausgesprochenen Polizeiaufsicht zu entziehen. Da ein Beweis für die Anklage der Land⸗ streicherei nicht erbracht war, so erfolgte bezüg⸗ lich dieses Anklagepunktes Freisprechung, dagegen wurde der Angeklagte wegen Verfehlung chen 360, Z. 8 R.⸗Str.⸗G.(Führung eines falschen amens) in eine Haftstrafe von fünf Wochen verurteilt. * Mainz, 17. Nov. Ein 40 jähriger Gedenktag 0 Art ist heuer der 18. November. Am 18. November 1857, nach⸗ mittags 5 Minuten vor 3 Uhr flog das Pul⸗ vermagazin im Fort Martin in der Nähe des Gauthores mit etwa 200 Zentner Pulver in die Luft. Kästrich und Gaugasse wurden gänzlich zerstört. Es wurden 37 Zivilpersonen getötet, von österreichischer Seite waren 36, von preußischer 80 Soldaten tot oder schwer ver⸗ wundet. Hunderte, namentlich Frauen hatten durch zersplitternde Fenster Kopfwunden davon⸗ getragen; die Zahl der Leichtverletzten ging in die Tausende. B. Rodheim a. d. B. Ein Akt un⸗ glaublicher Rohheit spielte sich am Samstag auf der Straße nach Gießen ab. Eine kleine Radfahrergesellschaft aus Gießen, unter der sich auch eine Dame befand, trat nach einbrechender Dunkelheit die Heimfahrt an. Als die Radler unterwegs in die Nähe einer Anzahl heimkehren⸗ der Arbeiter kamen, war die Dame eine kurze Strecke hinter ihren Begleitern zurückgeblieben. Diese Gelegenheit benutzte einer der Arbeiter, um die Radlerin ohne jede Veran⸗ lassung vom Rade herunterzustoßen. Das Rad ging in Stücke, während jene mehrere, wenn auch unbedeutende, Verletzungen davon⸗ tel hat. Die Person des Thäters ist er⸗ mittelt, sodaß demselben eine empfindliche Strafe nicht erspart bleiben wird. A. Fellingshausen, 18. Nov. Ein un⸗ vorsichtiger Schütze scheint der Förster Körner bom hiesigen Forsthause zu sein. Derselbe besuchte am vergangenen Montag die Webersche Gastwirtschaft und stellte sein ge⸗ ladenes Gewehr in eine Ecke des Gast⸗ zimmers. Als er sich wieder entfer en wollte, nahm er zuvor das Gewehr und legte es auf den Tisch. Das mag nun in etwas unsanfter Weise geschehen sein, denn das Gewehr ent⸗ lud sich und die Schrotladung ging— glück⸗ licherweise— in die Wand. Als sich die an⸗ wesenden Gäste— auch die Kinder des Wirtes waren im Zimmer anwesend— von dem Schrecken, den das Krachen des Schusses hervorgerufen, erholt hatten, meinte der Förster:„Na 8 ist nu gescheh'n!“ Welches Unglück wäre entstanden, wenn sich das Gewehr mitten in das Gastzimmer hinein ent⸗ laden hätte. Dann wars auch„nu gescheh'n!“ Vermischtes. — Vom neuen Eldorado. Nach allen An⸗ zeichen zu schließen, wird eine ungeheure Auswanderung nach dem Pukon⸗Distrikt im Frühling nächsten Jahres be⸗ ginnen. Man darf annehmen, daß allein eine halbe Million Leute sich von den Vereinigten Staaten nach dem neuen Goldlande wenden wird. Bei einer einzigen Rhederfirma der Küsten des Stillen Ozeans haben schon 80 000 Personen Fahrkarten gelöst. Auch in ganz Kanada herrscht das Goldfieber. Es werden Klubs ge⸗ bildet, um Goldsucher auszusenden. Die meisten werden den Weg über den Sticktin⸗Fluß wählen. Der neue Ad⸗ ministrator des Distriks Klondyke hat den Chiltkut⸗Paß gewählt. Den Weißen Paß haben alle aufgegeben. Seit Anfang August siud in diesem Paß 3000 Pferde zu Grunde gegangen. Administrator Walsh dürfte um Neu⸗ jahr in Dawson City eintreffen. Neuefste Telegramme. Hd. Köln, 18. Nov. Der„Köln. Ztg.“ wird aus Berlin gemeldet, daß die Ernennung des Staatsse⸗ kretärs Dr. von Bötticher zum Präsidenten der Provinz Sachsen vom Kaiser nunmehr vollzogen sei. Hd. München, 18. Nov. Bei einem Keller⸗ einsturz wurden sieben Arbeiter getötet. Hd. Wien, 18. Nov. Anläßlich der Einberufung der Delegationen sagte der Kaiser beim Empfange der⸗ selben zu Dr. Herold: Die namentliche Abstimmung im Abgeordneten hause sollte abgeschafft werden. Hd. Eger, 18. Nov. Gestern Morgen gegen 7 und 7 Uhr wurden hier zwei äußerst heftige Erd⸗ stößse wahrgenommen. Hd. Budapest, 18. Nov. Nach dreitägiger Verhandlung wurde der frühere erste Polizei- rat Chudy wegen Verbrechens der Un⸗ treue im Amte und Urkundenfälschung zu sechs Jahren Zuchthaus, zehn Jahren —[Ehrverlust und Ersatz von 900 Gulden ver— urteilt. Hd. Brüssel, 18. Nov. Der Pro fessor William Prinz von der hie, sigen Universität meldet, daß er Mitte Dezember eine wissenschaftliche Er. pedition einrichte zum Studium des Nordlichts in der Nähe vom Nordcap. Hd. Brüssel, 18. Nov. Während der gestrigen Vorstellung im hiesigen Zirkus Wulff wurde eine Tierbändigerin, als sie den Löwenkäfig betrat, von der Löwin angegriffen und zerfleischt. Schwer verletzt wurde sie weggetragen. Im Zuschauerraum ent⸗ stand eine Panik, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Hd. Madrid, 18. Nov. Es wird amtlich bestätigt, daß den Einwohnern von Kuba ohne Unterschied der Rasse die polit ischen Rechte erteilt werden sollen und der Insel eine weitgehende unabhängige Verwaltung zu— gestanden werden soll. Hd. Edinburgh, 18. Nov. Die aus Rußland hier zugereiste Gräfin Theresa Uhlfeld hat sich in einem hiesigen Hotel erschossen. Das Motiv der That ist unbekannt. EEA · AA TT f Sterbefälle. Ann 16. Nov. Eugen Levi, 7 Monate alt, Sohn des Schirmfabrikanten Moses Levi dahler, Seltersweg Nr. 35. Die Beerdigung findet vom Sterbehause aus statt. Am 18. Nov. Bertha Kaiser, 33 Jahre alt, Tochter des Privatiers Wilhelm Kaiser dahier, Steinstraße Nr. 15. Die Leiche wird behufs Feuerbestattung nach Heidelberg verbracht. 5 1 7 0 Wasche mit Luhn's Wasch⸗Extract! 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Zuschlagefrist 3 Wochen Gießen,(Abbrucharbeiten). Der Abbruch der im Wiener Hof hierselbst stehenden Gebäulichkeiten— früher Holzschneiderei und Werkstatträume— nebst hohem Rauchkamin soll vergeben werden. Reflektanten können die Bedingungen bei den Architekten Herren Stein u. Meyer einsehen, woselbst auch Abschriften hiervon gegen Erstattung der Copialgebühren erhältlich siud. Angebote sind dem Vorstand des Allgemeinen Vereins für Armen⸗ und Krankenpflege, Herrn Pfarrer Schlosser, bis zum 22. d. Mts., mittags 12 Uhr, einzureichen. Friedberg.(Vergebung von Straßenbauarbeiten). Zur Erbauung einer neuen Kreis⸗ straße von Münster nach Bodenrod und von Münster nach Maibach sollen nachsteh ende in den Gemarkungen Münster, Ostheim, Bodenrod, Fauerbach v. d. H. und Maibach erforderlichen Erd⸗ und Maurerarbeiten sowie Zementrohrlieserungen auf dem Wege des schrift⸗ lichen Angebots vergeben werden und zwar sind veranschlagt: Erdarbeiten zu 10,531.— Mk., Maurerarbeiten zu 1623.15 Mk., Zementrohrlieferung zu 1590.— Mk. Pläne, Voranschlag und Bedingungen liegen auf dem Bureau des Kreisstraßenmeisters Metzger zu Butzbach und letztere auch auf dem Bureau des großh. Kreisbauinspektors in Friedberg(Haagstraße 14) zur Einsicht offen. Die Angebote können auf die einzeluen Lose sowie auch auf sämtliche Arbeiten erfolgen und find verfiegelt mit entsprechender Aufschrift 0 bei dem großh. Kreisbau⸗ inspektor, Baurat Schnitzel zu Friedberg, bis Dienstag, den 30. November, vormittags 10 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Oeffentl. Zimmerer⸗Versammlung Sonntag, den 21. 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