Tageszelt. g. 88 Pfg. Liqueuer. 1 10 18 1 offen leidern% t(4095 1 2 kleidern. oister. J . 1 Gießen, Donnerstag, den 19. August 1897. Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112. Ausgabe ische Landeszeilun Gießen. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: . Kreuzplatz Nr. 4.= Lokales und Provinzielles. * Gießen, 18. August. Ueber die Frage: Darf der Grundbesitzer fremde Hühner löten, die auf sein Land übergetreten sind? liegt ein Oberlandesgerichts⸗Erkenntnis vor. In bemselben wird der Grundsatz aufgestellt, daß der Eigentümer— Mieter und Pächter sind ihm gleichzustellen— auf seinem Grund und Boden ein fremdes schädliches Tier dann zu töten be⸗ kechtigt ist, wenn ihm nach Lage des Falles nicht wohl zugemutet werden kann, andere Mittel zum Schutz seines Eigentums gegen das Tier in An⸗ wendung zu bringen. In dem zur Entscheidung sehenden Fall war der angeklagte Grundbesttzer, der wiederholt übergetretene Hühner, nachdem er sie vergeblich zu verscheuchen gesucht, erschossen hatte, wegen Sachbeschädigung verur⸗ leilt worden, weil er den ihm bekannten Eigentümer der Hühner nicht vorher ge⸗ warnt hatte. Hätte er dies gethan, oder wäre ihm der Hühnerhalter nicht bekannt und licht mit Leichtigkeit zu ermitteln gewesen, so wäre seine Handlungsweise als berechtigte Selbsthilfe anzusehen gewesen und er wäre freigesprochen worden. Gießen, 18. August. Sind Gast⸗ und Schankwirte für den Lärmethrer Gäste bekantwortlich? Mit dieser Frage hat sich leuerdings das preußische Kammergericht end⸗ gültig beschäftigt. Zwei Wirte, deren Gäste bis Ihr nachts gekegelk resp. in nächtlicher Stunde hel offenen Fenstern laut gesungen und dadurch die Ruhe der Anwohner gestört hatten, waren begen ruhestörenden Lärms angeklagt und in helden gerichtlichen Instanzen verurteilt worden, weil stie den Lärm ihrer Gäste nicht verhindert atten. Auf die von den Verurteilten eingelegte ebiston hat nun das Kammergericht entsprechend der Verteidigung entschieden, daß man die Gäste felbst und nicht den Wirt für ihr Treiben ver⸗ antwortlich machen müsse. Ein grober Unfug könne nur durch positives Handeln und nicht durch bloße Unterlassungen begangen werden. Lege man dem Wirt einmal die Verpflichtung zur Verhinderung einer Störung der öffentlichen Ordnung auf, so müsse man ihn auch überall da bestrafen, wo er es unterlassen habe, einen Gast von der Begehung einer gegen die öffent⸗ iche Ordnung gerichteten strafbaren Handlung abzuhalten. Die angeklagten beiden Wirte wurden danach vom Kammergericht freigesprochen. * Gießen, 18. Aug. Nachdem die Kirschen⸗ eit beendet, hat eine weitere Periode ihren fang genommen. Birnen, Pflaumen usw. sind eben der willkommenste Gast, besonders bei unserer Jugend. Daß das Obstessen an und für si gesund ist, ist wohl richtig, aber man beachtet biel zu wenig das Sprichwort:„Allzuviel ist nel In gegenwärtiger Zeit hört man biel von kranken Kindern und klagen dieselben meist über innerliches Weh. Die Schuld führt man vielfach auf das übermäßige Essen von Obst zurück. Doch das Gefährlichste bei dieser ch] herunter. Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Auzeigen: 10 Pfg. Genuß des Obstes Wasser; natürlich können dann die nachteiligen Folgen nicht ausbleiben. Deshalb habe man auf die Jugend zur jetzigen Zeit so viel wie möglich ein wachsames Auge und gebe den Kindern die nötigste Belehrung darüber. * Gießen, 18. August. Der städtische Friedhof bleibt, nach einer im heutigen Inse⸗ ratenteil veröffentlichten Bekanntmachung in der Zeit vom 16. August bis 15. Oktober von morgens 6 bis abends 8 Uhr geöffnet. Die auf dem Friedhof Verweilenden werden eine Viertelstunde vorher auf den Thorschluß auf⸗ merksam gemacht. * Gießen, 18. August.(Besitzwechsel.) Das Gasthaus„Zur Stadt Marburg“ (Ecke der Marburgerstraße und des Wiesecker⸗ wegs) ging für den Preis von 32 000 J. in den Besitz des seitherigen Pächters, Herrn Restau⸗ rateur Berg, über. * Gießen, 18. August. Der gestrige Kuh⸗ markt hatte einen Auftrieb von etwa 900 Stück, darunter 250 Kälber und Rinder. Es war wieder einmal nach langer Zeit ein echter Gießener Markt, auf dem alle Qualitäten zu finden und auch abzusetzen waren. Trotzdem wenig fremde Käufer zur Stelle waren, ging der Handel doch gleich von Anfang an flott und hielt während der Dauer des Marktes auch an. Der Handel in Fettvieh, welches in guter Gattung aufge⸗ trieben war, ging, allerdings nur für den lokalen Bedarf, sehr flott. Die Preise für Milchkühe hielten sich auf gleicher Höhe wie beim letzten Markt, Fettvieh war am Markt eine Kleinigkeit billiger, wie die Metzger sonst kaufen. Es wurden gehandelt: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität 450— 500&&.(einzelne, sehr schwere Stücke noch höher), 2. Qualität 350— 400 4, 3. Qualität 250300 4. Fette Rinder wurden verkauft 1. Qualität mit 56—58 4, 2. Qual. mit 50—52, Kälber 1. Qual. 56—58 ,, 2. Qualität 50—52. pro Zentner Schlacht⸗ gewicht.— Der neue Viehmarktplatz hat sich bei dem gestrigen trockenen Wetter sehr gut bewährt, wie es bei nassem Wetter aussehen wird, bleibt abzuwarten. * Gießen, 18. Aug.(Eine Papageien⸗ Jagd.) Heute war einer am Seltersweg woh⸗ nenden Dame ein grüner Zwergpapagei entflogen, der es sich auf einem der höchsten Bäume in der Plockstraße bequem machte. Das possierliche Tier schwätzte zur Belustigung der lieben Straßen⸗ jugend, die sich selbstverständlich unter dem Baum in großer Menge eingefunden hatte, frisch drauf los.„Wo ist denn mein Pedro“,„Guter Pedro“, „Spitzbub“, Aeppelratt“, so tönte es vom Baum Ein Konditorlehrling kletterte nach oben, um den sehr wertvollen Ausreißer wieder einzufangen, aber vergeblich. Der Papagei flog von dannen, nahm seinen Weg über den Selters⸗ weg bis in die Mitte der Mäusburg, wo ihn Metzgermeister Malkomestus einfing und seiner Eigentümerin, die das wertvolle Tier nicht aus den Augen gelassen hatte, einhändigte. Zur Strafe für seine Ausreißerei wurden dem Pedro Sache ist, die Kinder trinken direkt nach dem Eine reiche Partie. Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) V. Die Familie Puhlmann saß beim Kaffetisch in der Wohnstube, als die Flurglocke ertönte. „Röschen, kiek mal nach“, sagte die Mutter Röschen ging hinaus und öffnete, förmlich zurück, als sie eines sichtig wurde. Und noch Gesicht, als sie den jungen Herrn wieder erkannte den sie neulich auf dem Kirchhof getroffen hatte Erst als der Offizier zur Seite auf Warns hagen blickte, bemerkte Röschen auch diesen. „Guten Tag, liebes Kind. 1 27 und Mutter et 115 ic alleene. Komm, Olle.“ 5 un e, der Irsedri„Ach nee“, meinte Frau Puhlmann, ick muß 8 10 5 775 f blickte zu Boden mir erst'n anner't Kleed anzieh'n. Jeh Du man rin.“ um 7 05 60 115 0 les Lächele 0 So schlurfte denn Herr ee auf seinen Ab. Appen ze en beer gch Latschen zuerst allein in die gute Sk 8 wills bone„Jut'n Dag, Herr Warnshagen“, 752 Herr U a 5 5 ef ten Stube Puhlmann ließ grundsätzlich in seiner Anrede mit 2 beer ae den adliger ee das„von“ als überflüssig fort—, * 2 77 17 ie je 212 mit bunten Plüsch überzogenen Sesseln nebst Sofa„1 11 i e ee und den von Röschen selbst gehäkelten weißen„Gut 9, Woog e den Gardinen. In der Mitte ein bunt gemusterter zeichnet.“ Herr von 9 großer Teppich, an einer Längswand ein schön n Oeldruck, die lalserliche Familie darstellend, während ein großes poliertes Klavier und darüber ei Bild Röschens, von einer Freundin mit lobens wertem Bestreben, aber ohne eine Spur von Aehn prallte aber jungen Offiziers an⸗ erstaunter wurde ihr Nun, wie siehts lichkeit gemalt, über dem Sofa hing. Das junge Mädchen ließ die Herren allein und ging in die Wohnstube. „Es ist Besuch gekommen, Herr von Warns⸗ hagen mit einem jungen Ulanenoffizier—“ Die kurze, gedrungene Gestalt Herrn Puhl— manns erhob sich.„Nanu?“ sagte er etwas brummig. 0„Vater, zieh' Dir die Stiebeln an“, ermahnte seine Frau und stand auf. 9 „Stiebeln?“ Herr Puhlmann steckte die Hände in die Hosentaschen und sah seine Frau verwundert an.„Warum denn dat? Ick kann doch in meine Wohnung machen, wat ick will.“ N„Aber Vater!“ sagte nun auch Röschen. „Halt'n Rand!“ rief der Alte ärgerlich. „Dusselkopp! Wat ick zu duhn habb', datt weeß 7 Bauern die Rechte. 5 „Mein junger Freund, Herr Lieutenant von Jürgen von den Garde⸗Ulanen wollte sich gerne mal 110 * „Friedrichsthal ansehen Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile. * Expedition: 57 Kreuzplatz Nr. 4. zuhause die Flügel geschnitten, damit er derartige gefährliche Promenaden vorläufig wenigstens nicht mehr unternehmen kann. * Lauterbach, 17. August. Die diesjährige Kreislehrerkonferenz fand am 12. d. M., vormittags 10 Uhr beginnend, im hiesigen Rat⸗ haussaale statt. Nach einleitendem Chorgesang begrüßte der Vorsitzende, Herr Kreisamtmann Dr. Heinrichs, die Mitglieder der großherzogl. Kreisschulkommission, sowie die versammelten Lehrer. Herr Kreisschulinspektor Andres erstattete über das Schulwesen des Kreises Bericht. Da⸗ nach hat der Kreis Lauterbach 62 Volksschulen, 1 höhere Bürgerschule zu Lauterbach und 1 Privat⸗ schule zu Schlitz. Unter den 62 Volksschulen, woran 91 Lehrer thätig sind, besinden sich 48 einklassige, 9 zweiklassige, 2 dreiklassige und 3 vierklassige. Die Zahl der Schüler beträgt 5044, 37 weniger als im vorhergehenden Schuljahr, davon 2468 Knaben und 2576 Mädchen; nach dem Religionsbekenntnis sind 4722 evang., 277 kath. und 45 isr. Die Zahl der Fortbildungs⸗ schulen betrug 56, wovon 53 einklassige, 1 zwei⸗ klassige und 2 dreiklassige waren; die Zahl der Fortbildungsschüler 813 evang., 70 kath. und 3 isr., zusammen 886. Seit der letzten Kreis⸗ konferenz fanden 29 ordentliche Schulvisitationen statt.— In den Bezirkskonferenzen des vorigen Jahres ist der biblische Geschichtsunter⸗ richt praktisch und theoretisch eingehend behandelt worden. Herr Lehrer Rinner von Lauterbach hatte die Aufgabe übernommen, die Grund⸗ gedanken dieser Einzelarbeiten in ein Ganzes zusammenzufassen und die hohe Wichtigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes noch einmal klar zum Ausdruck zu bringen. Der Referent hat sich seiner Aufgabe mit Geschick unterzogen. In der auf den Vortrag folgenden lebhaften Diskussion traten Meinungsverschiedenheiten zutage, welche Herr Schulinspektor Andres auszugleichen ver⸗ stand, sodaß die von ihm zu dieser Arbeit auf⸗ gestellten 7 Thesen ohne wesentliche Abänderung Annahme fanden. * Bad Nauheim, 17. August. Das von Herrn Bauunternehmer Diehl erbaute Hotel am Bahnhof hat Herr Adolf Seeger von Nizza für 205 000 4 gekauft. * Bad Nauheim, 17. August. Ueber den blutigen Vorfall, der sich in der Nacht auf Montag in Rödgen abspielte, ist folgendes Nähere mitzuteilen. Der Kesselschmied Georg Evers aus Schwetzingen, der in den letzten Sommern mehrfach bei einer Dreschmaschine in der Wetterau arbeitete, unterhielt mit einer Dienstmagd Elise Ehm in Schwalheim Be— ziehungen; Letztere trat in der letzteren Zeit einem Burschen von Schwalheim, Konrad Säckinger, näher. Zwischen beiden Neben⸗ buhlern kam es in der Krauchschen Wirtschaft in Rödgen bei der Tanzmusik zu Differenzen. Der Vater des Konrad Säckinger, Philipp Säckinger, stellte den Evers zur Rede und erhielt sofort von ihm einen Messerstich in den Unterleib. Als nun Bürgermeister Hartmann von Rödgen den Messerhelden für verhaftet er⸗ — klärte, erhielt auch er von ihm einen mit großer Wucht geführten Messerstich in den Leib; infolge des Stiches traten die Gedärme hervor. Beide Gestochene wurden noch in der Nacht per Wagen in das städtische Krankenhaus hier verbracht. Evers, der einige leichtere Verletzungen davon⸗ trug, sistierte sich noch in der Nacht im Spital in Friedberg, wo er ermittelt und verhaftet und von da hierher transportiert wurde. Wie und von wem er verletzt wurde, muß die im vollen Gang befindliche Untersuchung aufklären. Der Verhaftete behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben, womit freilich 9 9 übereinstimmt, daß er kurz vorher von einem Messerschmied in Fried⸗ berg ein Messer mit einer Vorrichtung zum Fest⸗ stellen der Klinge gekauft haben soll. Jedenfalls kann dem Bürgermeister Hartmann gegenüber von keiner Notwehr die Rede sein. Der be⸗ dauernswerte Bürgermeister ist gestern Abend infolge der erhaltenen Verletzungen gestorben. Das Befinden des Philipp Säckinger hat sich estern gegen Abend so verschlimmert, daß sein zeben in Gefahr schwebt. Die gerichtliche Sektion der Leiche des Bürgermeisters Hart⸗ mann von Rödgen wird voraussichtlich heute noch stattfinden. Hartmann hat unversehrt den ganzen französischen Krieg mitgemacht, um einem Mordbuben zum Opfer zu fallen. Er war ein ebenso gewissenhafter Gemeindebeamter, wie zärt⸗ licher Familienvater. Er betrieb mit gutem Erfolge Landwirtschaft und Bäckerei und erreichte ein Alter von 47 Jahren. Seine Frau ist schon seit 10 Jahren nervenleidend. Von den drei der Ehe entsproßten Kindern find zwei erwachsen, ein Mädchen noch schulpflichtig. Der ruchlose Thäter ist erst 22 Jahre alt und noch ledig. * Mainz, 17. August. Am Mittwoch war hier eine öffentliche Brauerversammlung, in der auf Betreiben der Großbrauereien ein Vergnügungsverein gegründet wurde. Die organi⸗ sierten Brauer, welche die Mehrheit in der Ver⸗ sammlung bildeten, verließen unter Protest das Lokal. Am Samstag Abend wurden nunmehr sechs Brauer der Schöffenhofbrauerei plötzlich entlassen. Die organisierten Brauer be⸗ trachten dies als eine Maßregelung, weshalb gestern Abend neuerdings eine öffentliche Brauer⸗ versammlung stattfand. Es wurde nach langer Debatte eine Kommission gewählt, die bei der Direktion der Schöffenhofbrauerei um Zurück⸗ nahme der Entlassung vorstellig werden soll. * Mainz, 17. Aug. Sämtliche Arbeiter der Fahrradfabrik von Göbel und Co. haben heute Vormittag wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Leute ver⸗ langten 40 Pfg. pro Stunde bei zehnstündiger Arbeitszeit, was von der Firma abgelehnt wurde. Vermischtes. —„Komme Frauen zart entgegen.“ Eine Anklage wegen Beleidigung von Telephonbeamten führte kürzlich den Maurermeister Wilhelm Hoffmann vor das Berliner Schöffengericht. In der Mittagsstunde des 1. April wurde zum Zwecke der Anschlußvermittelung eine Telephonistin in Anspruch genommen. Die junge . ——— merkte Hellmuth höflich mit einer leichten Ver⸗ beugung. „Bitte, bitte“, sagte Herr Puhlmann und reichte auch dem jungen Offizier die Hand.„Setzen Sie sich, Herr Lieutenant. Sie ooch, Herr Warnshagen.“ Die drei Herren nahmen Platz. Die Person seines zukünftigen Schwiegervaters machte keinen sehr angenehmen Eindruck auf Hell⸗ muth. Er fühlte sich recht ungemütlich in seiner Haut. „Ist Landwirt, der Vater von Jürgen“, erklärte nun Warnshagen. Frauensee gehört ihm.“ „So, Frauensee. Ick bin mal durchjefahren. Na kommt denn Ihr Vater zurecht? Mit die Ritterjüter is't doch man so.“ Und dabei reckte Herr Puhlmann seinen kurzen breiten Oberkörper, wie ein Truthahn, der sich aufbläht. Hellmuth war verletzt durch diese rücksichtslose Frage. Doch er bezwang seinen Aerger. „Mein Vater ist ein sehr guter Landmann“, erwiderte er ausweichend. Herr Puhlmann nickte wohlwollend, als wollte er sagen: Na ja, diese Leute müssen ja auch existieren! Warnshagen bemerkte nun:„Der Herr Puhl⸗ mann hats verstanden. Ein kaufmännisches Genie — Terrainspekulationen—“ Absichtlich erwähnte er nichts von der früheren landwirtschaftlichen Thätigkeit des Bauern, weil er schon wußte, daß dieser sich nicht gern daran erinnern ließ. Herrn von „Das Gut Er hatte längst vergessen, daß die Leute ihm einfach das Geld ins Haus getragen hatten und daß seine kaufmännische Thätigkeit nur darin be⸗ standen hatte, das ihm Gebotene einzustreichen. Warnshagen blickte sich im Zimmer um. „Wissen Sie, Herr Puhlmana, so oft ich hier bin, bewundere ich das wahrhaft künstlerische Arrange⸗ ment dieses Raumes. Nach Ihren Angaben ge⸗ macht, nicht wahr?“ „Stimmt.“ „Wirklich fürstlich. Und das da Ehr Fräulein Tochter, nicht wahr? Sprechend ähnlich.“ „'t is'n jutes Bild“, bestätigte der Bauer. „Wird auch'n Haufen Geld gekostet haben, gute Kunstwerke sind nicht billig—“ „Nee, dat find se nich.“ „Na,— Ihnen kanns ja nicht d'rauf an⸗ kommen, Töchterlein bekommt wohl seinerzeit'n Milliönchen mit, was?“ Der Bauer lachte übers ganze Gesicht. „Kann stimmen“, meinte er dann. Das Gespräch wurde Hellmuth peinlich, unruhig rückte er auf seinem Sitz. Warnshagen frug nach den Damen. „Meine Olle zieht sich erst'n anner't Kleed an“, antwortete Puhlmann,„un meine Dochter die scheniert sich woll.... Röschen!“ rief er, komm mal rin.“ Röschen mußte nicht fern gewesen sein, denn sie erschien auf den Ruf des Vaters sofort auf der Schwelle. (Fortsetzung folat.) Puhlmann lächelte geschmeichelt.„Man muß .„Sie entschuldigen, daß ich so eindringe“, be⸗ d'ruf loosen“, sagte er. Dame war aufs höchste erstaunt, als der Anrufende sie mit Ausdrücken wie„Mein süßes Herz“ und„Holder Engel“ anredete. Sie vermutete, daß sich jemand einen unziemlichen Aprilscherz leisten wollte, da sie aber gerade abgelöst werden sollte, brach sie mit einem kurzen „Schluß!“ die Verbindung mit dem Anrufer ab. Ihre Nachfolgerin wurde gleich darauf von demselben Herrn angerufen. Auch ihr schallten Worte wie„Mein süßes Mäuschen!“„Geliebter Engel!“ und dergleichen ins Ohr. Sie verbat sich derartige Anreden, als dies aber nicht fruchtete, wandte sie sich an den aufsichtführenden Tele⸗ graphenassistenten. Dieser machte den Anrufenden auf das Ungeziemende seines Verhaltens aufmerksam, er erhielt aber eine landläufige Antwort, die nicht aus dem Kompli⸗ mentierbuch entnommen war. Jetzt wurden Ermittelungen nach dem Beleidiger angestellt. Es zeigte sich, daß der⸗ selbe das Telephon eines am Schloßplatz gelegenen Re⸗ staurants benutzt hatte. Der Wirt leugnete anfangs, den Sprecher zu kennen, als er aber darauf aufmerksam ge⸗ macht wurde, daß dann gegen ihn selbst vorgegangen werden würde, weil er für alle Benutzer seines Telephons verantwortlich sei, gab er die Adresse des Angeklagten an. Dieser hätte die Sache noch aus der Welt schaffen können, wenn er sich herbeigelassen hätte, die Beleidigten um Ver⸗ zeihung zu bitten, er wies diese Zumutung aber mit den Worten ab:„Pa! was kann es denn kosten?— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 300 Mark, da Beleidigungen von Tele⸗ phonbeamten immer häufiger vorkämen und diese dem öffentlichen Interesse dienenden Personen energisch Schutz genommen werden müßten. schied indessen den ersten Fall der Beleidigung aus und erkannte wegen der beiden übrigen Fälle auf eine Geld⸗ strafe von 100 Mark. Jetzt weiß der Verurteilte,„was es kostet“. — 2283 Jahre Gefängnis. Vor dem Straf⸗ gericht von Turin wurde dieser Tage ein bemerkens⸗ werter Prozeß gegen eine weitverzweigte Verbrecher⸗Ge⸗ nossenschaft zu Ende geführt. Der öffentliche Ankläger verlangte, nachdem er die Anklage energisch vertreten hatte, für die 21 Angeklagten zusammen 323 Jahre 10 Monate und 10 Tage Gefängnis mit 41 Jahren polizeilicher Ueberwachung und 25305 Lire Schadenersatz. Der Ge⸗ richtshof jedoch nur erkannte auf 228 Jahre 11 Monate und 10 Tage mit 34 Jahren polizeilicher Ueber wachnng und 5340 Lire Schadenersatz. Ein solcher Fall ist bis⸗ her noch nie vorgekommen. Neueste Telegramme. Hd. Bremen, 18. August. Der Tischlertag beschloß, Lokalver⸗ bände der Arbeitgeber zu gründen, um sich gegen Ausstände zu sichern. Ferner wurde beschlossen, bei Ausbruch eines Ausstandes Listen der Streikenden anzulegen. Kein Meister darf dann in leinen auf der Liste stehenden Tischler Der Gerichtshof beschäftigen. Ein Autrag der Dresdener Tischler, beim Reichstage vorstellig zu werden, daß auf alle ausländischen Tischler⸗ Fabrikate hohe Eingangszölle gelegt werden sollen, wurde ange⸗ nommen. Hd. Berlin, 18. Aug. Nach einer Meldung aus Petersburg hat der Forschungsreisende Nosselow einen direkten Wasserweg von Sibirien nach Europa aufgefunden, welcher den früheren Weg erheblich abkürzt und vom Meereis frei ist. Hd. Berlin, 18. August. Ein Selbst mord und ein Mordversuch wird aus der Kolonie Hirsch⸗ garten gemeldet. Dort hat der Werkmeister Kirsch aus Pankow infolge ehelichen Zerwürfnisses seine Frau durch einen Revolverschuß schwer verletzt und dann Selbstmord verübt. Hd. Bozen, 18. Aug. Der Schnell⸗ zug Berlin⸗Rom ist gestern Nacht hinter dem Tunnel von Bozen infolge Fels⸗ sturzes entgleist. Der Maschinist und der Heizer sind tot, 2 Postbeamte ver⸗ letzt. Die Reisenden blieben unbe⸗ schädigt. Die Lokomotive stürzte den Abhang hinunter, der Postwagen wurd zertrümmert und zwei Personenwagen wurden aus dem Geleise geschleudert. Hd. Paris, 18. August. Der Minsster⸗ präsident Meline hat am Schluß einer Ackerbau Versammlung neuerdings alle Franzosen aufge fordert, entschlossen den Feind, welcher Frank. reich zu zerreißen droht, nämlich den Sozialismus samt seinen Ausgeburten zu bekämpfen. Hd. Paris, 18. August. war gestern im Elysee versammelt, um noch einige Details bezüglich der Reise des Präst denten Faure nach Rußland zu regeln. Ez wurden die Minister bestimmt, welche Faux nach Dünkirchen begleiten. Petersburg bringt nähere Mitteilungen über dit Vorbereitungen, welche zum Empfang Faure! getroffen worden sind. 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August, vor⸗ mittags präzis 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mühlsachsen, Ober⸗ und Niederbessingen, im Ganzen 130 Morgen. Zusammenkunft in Mühlsachsen. Montag, den 30. August, vormittags präzis 8 Uhr, von der Fürstlichen Mönch und Strauchwald⸗ wiese, Gemarkung Burkhaldsfelden, zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese. Die Ausgebote geschehen in Abteilungen von 1 bis 2 Morgen. Gegen vorschriftsmäßige Bürg⸗ schaft wird Zahlungsfrist bis Martini d. J gestattet. Submissionen. Gießen. Die bei den Feldbereinigungsausführungen in der Gemarkung Rülddings⸗ hausen vorkommenden Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung von Entwässerungsgräben und zwar: Graben⸗ und Rohrverlegungsarbeiten, sowie Lieferung von Zementröhren sollen durch schriftliches Angebot in mehreren Losen vergeben werden. Pläne, Voranschlag und Bedingungen liegen auf Großh. Bilrgermeisterei Rüddingshausen zur Einsicht offen, woselbst auch die Offerten deutlich auf Bogen in Aktenformat geschrieben, verschlossen und postfrei bis zum Eröffnungs- termin einzureichen sind. Angebote haben iu Prozenten des Voranschlags zu erfolgen. Die Eröffnung der Offerten findet Mittwoch, den 25. d. Mts., vormittags 9 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Rüddingshausen in Gegenwart der erschienenen Bieter statt. Brandgasse 8. Ta un us. bbiudgasses. Allen Freunden und Bekannten sowie der verehrl. Nachbarschaft zur Nachricht, daß ich die 2270 Restauration„Zum Taunus“ übernommen habe und werde stets bestrebt sein, alle mich beehrenden Gäste auf das Beste zu bedienen. Zum Ausschank kommt das so beliebte Bier aus der Brauerei Bichler. a Für gute Küche und reingebaltene Weine ist bestens gesorgt. Indem ich um freundlichen B0hach meiner Lokalitäten bitte, empfehle ich mich Hochachtungsvoll Geben, in zug 17. 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In der Privatklagesache des Handelsmanns Aron Walldorf zu Großen-Buseck, vertreten durch Rechtsanwalt Katz⸗Gießen, Privatklägers gegen den Redakteur Wilhelm Sell zu Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt Grünewald daselbst, Angeklagten, wegen Beleidigung hat auf die von dem Privatkläger Walldorf gegen das Urteil des Großherzogl. Schöffengerichts zu Gießen vom 30. März 1897 eingelegte Be⸗ rufung, die Strafkammer des Großh. Land— gerichts zu Gießen in der Sitzung vom 14. Mai 1897, an welcher Teil genommen haben: 1. Großh. Landgerichts-Direktor Jöckel, 2. Großh. Landgerichtsrat Müller, 3. Großh. Landgerichts⸗ rat Dr. Schäfer als Richter, Gerichts-Assessor Schnitzspahn als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt: Das Urteil des Schöffeng erichts vom 30. März er. wird aufgehoben, der Redakteur Sell der Beleidigung des Privatklägers im Sinne der 88 186, 185, 200 St.⸗G.⸗B. schuldig er⸗ klärt und dieserhalb in eine Geldstrafe von sechzig Mark, zu verbüßen bei Uneinbringlich— keit mit 12 Tagen Gefängnis, und in die Kosten beider Instanzen verurteilt, zuzüglich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen, dem Privatkläger wird die Veröffentlichungs⸗ befugnis dahin zugesprochen, daß nach Rechts⸗ kraft des Urteils der entscheidende Teil einmal in der Hessischen Landeszeitung, binnen 14 Tagen nach Zustellung einer Ausfertigung, durch den Angeklagten zu veröffentlichen ist. Vorstehende Ausfertigung wird dem Privatkläger bezüglich der Kosten und der Veröffentlichungsbefugnis zum Zweck der Zwangsvollstreckung erteilt. Das Urteil ist durch Erkenntnis des Ferien- strassenats Großh. Oberlandesgerichts vom 5. August 1897 bestätigt worden. Darmstadt, den 16. August 1897. Gerichtsschreiberei Großh. Oberlandesgerichts. (L. 8.)(gez.) Scharmann. Für die Richtigkeit des Urteilsauszugs Katz, Rechtsanwalt. Zum Russischen IIof. Prima 5 2239 1 Export⸗Aepfelwein per Liter 30 Pfg. Schlafstelle zu vermieten. Neuenweg 48. FCC ͤ bbb i f 2 1 1 „ Lirchweihfesf 8 3 zu 5 8 Großzen⸗Buseeck 4 Sonntag, den 22. August, 2 85 wozu ergebenst einladet 2314 8 Georg Gengnagel. 5 6 Fur gute Speisen und Getränke ist bestens 2 gesorgt. Geschäfts⸗Eröffnung. Hiermit die ergebene Anzeige, daß ich heute Sonnenstrasse 5 ei Cabak- nud ZJigarren-Seschäft eröffne. Mit der Zusicherung, stets nur Gutes preiswert zu liefern, verbinde ich die Bitte um recht regen Zuspruch und empfehle mich 2300 Hochachtungsvoll S. Goebel. Restauration Gust. Schulze. Bleichstrasse 5. Vorzügliches Pfungstädtet Exportbier. Guter bürgerlicher Mittagstisch, Daselbst ein kleines Kneiplokal zu vergeben. 2081 Bessere Frau oder Mädchel zu täglicher mehrstündiger Hausarbet gesucht für eine ruhige feinere Famili Näheres Exped. d. tg. 228 Gießen, 16. August 1897. Städtischer Arbeitsnachweis Giesien, Gartenstraße 2. Angebot der Arbeitnehmer. 2 Bäcker, 1 Buchbinder, 1 Glaser(Rahmen- macher), 1 Maschinenschlosser, 1 Schreiner, 1 Laufmädchen für den Nachmittag, 1 Taglöhner, 2 Auslaufer oder Kolporteure, 1 Kochfrau, 1 Nähfrau, 1 Köchin, 1 Fuhrknecht, 1 Haus⸗ bursche, 3 Dienstmädchen. Nachfrage der Arbeitgeber. 1 Drechsler, 2 Rahmenmer, 1 Weißbinder, 5 Banschlosser, 12 Maschinenschlosser, 1 Schmied, 1Wagenbauer, 2 Schuhmacher, 2Schrei⸗ ner, 1(erster) Droschkenkutscher, 1 Laufmädchen für den ganzen Tag, 1 Kuhschweizer, 1 Acker- knecht, 2 Hausburschen, 11 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 1 Köchin. —.— Der krumme Stiefel. ist 5 Bleichstraße 5. —— 2—— uter bürgerlicher Mittagstisch von 50 Pfg. an und höher. ö Joseph Brühl, Wirt u. Metzge „Zum heinischen Hof“ 30 Frankfurterstraße 30. Donnerstag, d. 19. Aug. l. 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