Wusci trasse 9 er Auswahl 1 * au ede nen, d s 2 er günstig en. S Uhr: ert „ Infanterie. zeitung des 1 ier im Glas alé Leib 1 13. und pie hen 7%% ischen Al Joi gegen Gallerie 30 Nh. — essen * lien. ö 3 Joo rah telmittel enleim, Art 1., I Nr. 140 Gießen, Freitag, den 18. Juni Postztg. Nr. 3319. Telephonu⸗Nr. 112. Ausgabe ische Landeszeiln Gießen. 1897. 15 Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 5 ——— Lokales und Provinzielles. * Gießen, 17. Juni. Die oberste Schul— behörde in Hessen erließ eine Verordnung, die besagt, daß an allen Tagen, an denen morgens 10 Uhr 20 und mehr Grad Reaumur im Schatten konstatiert werden, der Nach mittags— unterricht in den Schulen ausgesetzt werden muß. Früher hieß es: kann. Gießen, 17. Juni.(Verkehr serleich⸗ terung.) Zur Erleichterung des Besuches der in Leipzig stattfindenden Sächsisch-Thü⸗ ringischen Industrie- und Gewerbe— Ausstellung werden bis auf weiteres auf hiesiger Station an jedem Samstag, an⸗ fangend mit dem 19. d. Mts., Sonder⸗ Rückfahrkarten 1., 2. und 3. Wagenklasse, gültig für alle Züge nach Leipzig, zu einfachen Schnellzug⸗Taxen mit gleicher Gültig⸗ keitsdauer wie die gewöhnlichen Rückfahrkarten verausgabt. Es bleibt jedoch vorbehalten, die Ausgabe der Sonder- und Rückfahrkarten an einzelnen Samstagen bei besonderen Aulässen auszuschließen. Nähere Auskunft erteilt die Fahrkarten⸗Ausgabestelle. * Gießen, 17. Juni. Aus dem Staats- budget 1897-1900. Unter Fabrikauf⸗ ficht sind dem von den Ständen ausgesprochenen Wunsch gemäß Mittel eingestellt, um für jeden der beiden Fabrikinspektionsbezirke eine Assi⸗ stentin annehmen zu können. Es ist vor⸗ gesehen, den betreffenden Persönlichkeiten Remune⸗ kationen bis zu 2000 4 jährlich zu gewähren. Neu erscheint sodann weiter eine Anforderung zur Förderung des Arbeitsnachweises mit 2000, jährlich, zu der folgende Begründung gegeben ist. Auf eine zweckmäßige Ausgestaltung des Arbeitsnachweises, insbesondere eine größere Zentralisierung desselben wird z. Zt. allent⸗ halben mit Recht ein besonderes Gewicht gelegt. In den größeren Städten des Großherzogtums sind bereits größere, zentralisterte Arbeisnachweis⸗ anstalten entstanden, zumteil von Vereinen aus⸗ Auen wie in Darmstadt, zumteil städtische rbeitsämter, wie in Offenbach, Worms und Gießen, neuerdings auch in Mainz. Um den Wirkungskreis dieser Arbeitsnachweisanstalten zu erweitern, besteht die Absicht, einen tele⸗ phonischen Verkehr derselben unter einander, sowie mit einer gemeinschaftlichen Zentrale ein⸗ zurichten. Durch die hierdurch gegebene Möglich⸗ keit eines fortwährenden Nachrichtenaustauschs über Arbeitsangebots und Nachfrage wird die Gelegenheit zur Arbeitsvermittelung naturgemäß bedeutend vermehrt und damit sowohl den In⸗ teressen der Arbeitgeber als der Arbeitnehmer Rechnung getragen. Zu dem gleichen Zweck ist die periodische Aufstellung von Nachweisungen über die bei den verschiedenen Arbeitsnachweis— anstalten vorhandenen Arbeitsangebote ins Auge gefaßt. Diesen Nachweisungen, welche durch Druck vervielfältigt werden sollen, würde thun⸗ lichste Verbreitung in den größeren Gemeinden des Landes zu geben sein. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. soll zur Bestreitung der Kosten des telephonischen Verkehrs der Arbeitsnachweisanstalten dienen. Durch Uebernahme dieser Kosten auf die Staatskasse(nach dem Vorgang Württembergs) hofft man die ins Auge gefaßte Zentralisterung des Arbeitsnachweises zu fördern und auf eine wirksame Durchführung der geplanten Organi— sation hinwirken zu können. Aus den Anforderungen für die Zentral- stelle für die Landesstattistik, bezw. den Erläutungen hierzu, ist zu ersehen, daß die Her— stellung eines statistischen Handbuchs für das Großherzogtum ins Auge gefaßt ist. Mit der Herausgabe eines solchen Handbuchs soll dem Vorgang anderer Staaten ensprechend dem Mangel eines systematischen, den Zwecken der Staatsverwaltung und dem allgemeinen Gebrauch dienenden Werks, welches das gesamte statistische Material aus neuester und weiter zu— rückliegender Zeit in einer übersichtlichen, ge— drängten, leicht benutzbaren Form zusammengefaßt und dessen Neubearbeitung von je 5 zu 5 Jahren in Aussicht genommen wird, abgeholfen werden. Die Herstellungskosten des Buches sind zu 5500 /. veranschlagt. Weiter ist beabsichtigt, die Ergebnisse der Berufs- und Gewerbezählung von 1895 zu ver⸗ öffentlichen. Es erscheine wünschenswert, daß die eine Fülle wertvollen Materials zur Beur⸗ teilung gewerblicher und landwirtschaftlicher Ver⸗ hältnisse enthaltenden fesdlic werden in welche zwar vom Reiche veröffentlicht werden, in diesen Veröffentlichungen aber wohl nur von wenigen Interessenten in Hessen benutzt werden können— wie von anderen Staaten geschieht— auch hessischerseits zur Veröffentlichung kommen. Eine ähnliche Veröffentlichung habe s. Zt. auch in Bezug auf die berufsstatistische Erhebung vom Jahre 1882 stattgefunden. Diese Zusammen⸗ stellungen sollen sich teils auf die Provinzen, teils auf die größeren Gemeinden ausdehnen. Die Kosten hierfür werden voraussichtlich 10 000 Mark betragen. * Gießen, 17. Juni. Die hessischen Landbürgermeister haben in Frankfurt a. M. eine Zusammenkunft gehabt. Bürgermeister Müller⸗Lengfeld referierte über die Stellung der Bürgermeister in Hessen. Seit Erlaß der Landgemeindeordnung für das Großherzogtum, in welche aus der Gemeindeordnung vom 30. Juni 1821 die Bestimmung herübergenommen sei, daß das Amt eines Bürgermeisters ein Ehrenamt sei, daß demselben deshalb auch kein Anspruch auf Gehalt ꝛc. zustehe, hätten sich die infolge der unaufhaltsamen Entwickelung der Gesetzgebungen im Reich und dem Großherzog⸗ tum Hessen den Bürgermeistern obliegenden Ge⸗ schäfte in einer vor Erlaß der Landgemeinde⸗ ordnung vom 15. Juni 1874 wohl ungeahnten Weise vermehrt, sodaß den Großh. Bürgermeistern billigerweise nicht länger zugemutet werden könne, sich der aufopfernden Berufsthätigkeit ohne ent⸗ sprechende Vergütung hinzugeben. Wohl sei das Bürgermeisteramt ein Ehrenamt, aber das Amt eines bezahlten Bürgermeisters in der Stadt sei dies doch nicht minder. Die heute der Ver— sammlung vorzuschlagende Förderung gehe da— N Expedition: E Kreuzplatz Nr. 4. hin: Die sogenannten Bureaukosten der Bürger⸗ meister prinzipiell auf eine Mark pro Kopf der Bevölkerung in Gemeinden bis zu 2000 Seelen festzusetzen und dazu in Rücksicht auf die um⸗ fangreiche Thätigkeit der Bürgermeister, lediglich im Staatsinteresse einen Zuschuß von der Hälfte dieses Betrags aus Staatsmitteln in die Gemeindekassen zu beanspruchen. In größeren Gemeinden dürfte pro Kopf über 2000 der Betrag von 50 Pfg. genügen und hiervon gleichfalls die Hälfte aus Staatsmitteln zu ver⸗ langen sein. Der Vortrag fand allgemeine Zu⸗ stimmung. Nach längerer Debatte wurde eine Eingabe an das Ministerium im Sinne des Referats beschlossen. * Alten⸗Buseck, 17. Juni. Eine heitere Geschichte von einem Selbstmordversuch wird hier im Orte viel belacht. Vor einigen Tagen kam der Gerichtsvollzieher in unser Dorf, um bei einem in seinen Verhältnissen herab gekommenen Landwirt die Zwangsversteigerung gepfändeter Gegenstände vorzunehmen. Der Landwirt er⸗ klärte dem Beamten, er habe jetzt keine Courage mehr und werde sich das Leben nehmen. Der Gerichtsvollzieher, der die Sache nicht ernst nahm, wünschte dem Mann noch gute Reise ins Jenseits und veranlaßte die Verbringung der Pfandobjekte nach dem Hofraum, wo die Käufer sich inzwischen eingefunden. Da bemerkte einer der Begleiter des Beamten, wie der Schuldner auf dem Boden des Hauses alle Anstalten traf, um sich zu erhängen und kam gerade noch recht⸗ zeitig, um den schon in der Schlinge befindlichen Selbstmordkandidaten zu befreien. Spornstreichs lief der Mann nun in die Scheuer, indem er schimpfte wie ein Rohrspatz und erklärte, er werde sich doch erhängen. Der Gerichtsvollzieher nahm ruhig seine Versteigerung vor und nach— dem diese beendet, kam der Selbstmordkandkdat mit der vergnügtesten Miene wieder zum Vor— schein. Natürlich lachten die zahlreich versam⸗ melten Käufer, sodaß der Landwirt wieder Courage bekam und herzlich mitlachte. * Darmstadt, 16. Juni. Der Entwurf des Beamtengesetzes ist im Ministerium fertig⸗ gestellt und den Landständen zugegangen. * Darmstadt, 16. Juni. Das Schwur⸗ gericht verhandelte gestern gegen die Dienstmagd Marie Hofmann don Michelstadt, die Dienst⸗ magd Franziska Hauck von Eschenbach, beide hier wohnhaft, wegen Meinelds, und gegen die Christine Hamann, Ehefrau des Kauf⸗ manns Johannes Hamann dahier, wegen Ver⸗— leitung der ersteren dazu. Zwischen dem Apo⸗ theker Hellwig von Munzingen und dessen Ehefrau geborene Hamann schwebte am Landgericht Ulm ein Rechtsstreit wegen Ehescheidung aufgrund Ehebruchs. Ersterer hatte Klage erhoben, worauf Letzterer widerklagend wegen Ehebruchs und Mißhandlung ebenfalls die Scheidung verlangte. Das Urteil des Landgerichts wurde angefochten, und am Oberlandesgericht Stuttgart wurde in zweiter Instanz verhandelt. Hier beantragte der Anwalt der Ehefrau, die beiden Mädchen zu ver⸗ nehmen; diese würden aussagen, daß Hellwig, während er als Reserveofsizier sechs Wochen in Darmstadt diente, unsittliche Handlungen mit — —— ihnen vorgenommen habe. Die Mädchen sagten auch so aus. Die Anklage behauptet nun, daß sie durch Geschenke und Versprechungen zu ihrer Aussage bestimmt worden seien. Die drei An⸗ geklagten leugnen, daher war die Ladung von etwa 30 Zeugen nötig, sodaß der Fall zwei Tage in Anspruch nimmt. Der Gerichtshof schloß für die Dauer der Vernehmung der An⸗ geklagten die Oeffentlichkeit aus. * Launsbach, 17. Juni. Ein unlieb⸗ samer Gast hat sich seit einigen Tagen hier eingefunden, die Rotlaufseuche der Schweine. Mehrere Gehöfte sind bereits amtlich gesperrt worden. *Fellingshausen, 17. Juni. Die Ernte- aussichten sind in diesem Jahre recht befrie⸗ digende zu nennen. Die Heuernte, an der unsere Landwirte noch beschäftigt sind, läßt nichts zu wünschen übrig. Besonders gut sind in unserer Gemarkung die Halmfrüchte gediehen. Der Roggen wird durchschnittlich 2 m hoch, doch sind die, Grundstücke nicht selten, auf denen die Halme eine Höhe von nahezu 3 m erreichen. Endlich ein Jahr, in dem die Mühen der Landwirte durch eine gute Ernte belohnt werden. Schwurgericht. f W. Gießen, 16. Juni. Die Geschworenen bejahten die wegen des Schacht⸗ meisters Friedrich Pauli von Borsdorf an sie gerichtete Schuldfrage, billigten demselben aber auch mildernde Umstände zu. Der Gerichtshof erkannte auf 9 Monate Gefängnis. Aus den öffentlich verkündeten Gründen des Urteils ging hervor, daß der Angeklagte auf offener Landstraße zwischen Hillingen und Hungen versucht hat, seine eigene Nichte zu vergewaltigen. W. Gießen, 17. Juni. Heute Vormittag wird in die Verhandlung gegen den 24 Jahre alten Taglöhner Theodor Schönherr von Gießen wegen Meineids eingetreten. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich; die Ver⸗ teidigung führt Rechtsanwalt Dr. Fuhr. Es sind fünf Zeugen, darunter drei Kinder, zu hören. Der Angeklagte, der wegen Sachbeschädigung vorbestraft ist, soll den Meineid am 28. Mai d. J. vor der Straf⸗ kammer zu Gießen geleistet haben. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende. Am 28. Mai d. J. wurde vor der Strafkammer gegen eine Elisabeth Momberger wegen Diebstahls verhandelt. Es handelte sich um eine dem heutigen Angeklagten entwendete Shlipsnadel. Es fiel dem die Verhandlung leitenden Richter auf, daß ein Taglöhner über eine für seine Verhältnisse besonders kost⸗ pare Nadel verfüge, und er frug während der eidlichen Vernehmung des damaligen Zeugen Schönherr, wie er in den Besitz der Nadel gelangt sei. Der Richter machte den Zeugen darauf aufmerksam, daß, wenn er die Nadel etwa auf unredlichem Wege erworben, er die Aussage auf seine Frage verweigern könne, wenn er aber Antwort geben wolle, müsse er die Wahrheit sagen. Schönherr erklärte, er habe die Nadel von einem guten Kollegen geschenkt erhalten. Derselbe heiße Schmidt, wo dieser wohne, wisse er nicht; er sei mehrfach mit demselben in der Wirtschaft„Zum Kometen“ zusammengetroffen. Die Angabe war sehr unwahrscheinlich. Schönherr wurde in Haft genommen und gestand dann zu, die Nadel habe seine 10 Jahre alte Schwester auf der Straße gefunden und ihm ausgehändigt. ——— Der in das Staatsbudget eingestellte Betrag Theodor, der Freiersmann. Eine Episode in Briefen von C. Fah row. (Fortsetzung.) Seltsamerweise hat sie kein Bild von ihm herumstehen oder hängen, und sie will mir auch kleines zeigen; ebensowenig erzählt sie mir jemals das mindeste aus ibrem früheren Leben, nur, daß sie eine Schwiegermutter besaß, die ihr das Leben namenlos schwer gemacht hat, das hat sie mir einmal gesagt. Du, diese Schwiegermütter, das muß doch eine ganz unerträgliche Menschensorte sein! Du schreibst mir, daß auch bei Karlmanns eine solche mit⸗ spielte h Na, zum Glück hat Frau Schulz keine Mutter mehr— und meine gute Alte— Gott hab' sie selig— starb schon vor zwanzig Jahren.——— Nun habe ich eine große Bitte an Dich, Friedrich,— nicht umsonst darfst Du Friedrich der Große heißen.— Bitte komm' auf eine Woche oder so herüber aus Dresden, amüsiere Dich mit mir in Berlin und gestatte mir, Dich mit Frau Schulz bekannt zu machen.— Ich bin nämlich durch Eure Briefe doch wieder etwas ängstlich ge— worden und traue meinem eigenen Urteil nicht mehr. Vielleicht kannst Du mir sagen, ob meine Wahl wirklich gut ist, und vor allem,— ob es Dir scheint, daß ich Aussicht auf Erfolg habe! Mir scheints nämlich leider nicht so. Stets Dein alter Dresden.... 97. Meine gnädigste Frau! Jetzt geht es nicht länger an, Ihnen eine Sache zu verschweigen, die Sie auf das innigste berührt: Karlmanns und mein gemeinschaftlicher Freund, Dr. Theodor Rempler, Ihr Arzt, bittet mich, nach Berlin zu kommen, wo er mich Ihnen vorstellen will, weil er die Absicht hat— sich um Sie zu bewerben! Wenn ich also bei Ihnen erscheine— wollen Sie mich kennen oder nicht? Ich bitte um Instruktionen. Ihr tiefergebener Friedrich Herms. Berlin.... 97. Bester Herr Herms! Kommen Sie nicht, bitte, ich habe schon Dr. Rempler gesagt, daß ich meinen Verkehr nicht zu vergrößern wünsche, und ihm dabei mitgeteilt, daß ich niemals, niemals mehr heiraten werde. Mein Gott! Ich sollte meinen, daß ich an einem Male genug hatte! Aber sie schrieben so fremd, Herr Herms! Sollten auch Sie inzwischen zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß ich Unrecht hatte? Sie wissen, wie ich gelitten habe, ehe ich ging!— Ich konnte es nicht mehr ertragen, im Herzen und im Hause meines Mannes die zweite Stelle einzunehmen und immer und ewig getadelt zu werden, weil— ich nicht war wie seine Mutter! welche Szenen machte Theodor. er mir, wenn er fand, daß ich nicht bescheiden, nicht rücksichtsvell genug gegen seine Mutter war. „Mama!“ Mama hier, Mama da, und jedes Wort, was sie sprach, war„Gold“, und alles was sie that, geschah aus lauterer Liebe. Jawohl! Und sie mischte sich doch niemals in unsere Wirtschaft hinein,(meinte mein Mann.) O nein! Blos tadelte sie jedes Mädchen, sobald sie einmal zu Besuch war,— in der milden, altmodisch sein sollenden Art, die natürlich mein Mann höchst nachahmenswert fand, die aber meine Mädchen trotz ihrer reichlichen Trinkgelder rabbiat machte. Und wenn wir eine Gesellschaft gaben, erklärte sie, daß Die und Die zuerst hätten eingeladen werden müssen, und daß Die und Die uns es uͤbelnehmen würden, wenn wir sie zur zweiten Gesellschaft erst einlüden, ꝛc. ꝛc.— Natürlich sagte sie alles das,— nachdem alle Einladungen verschickt waren.— Wie oft hielt sie mir vor, daß ich mit meiner jugend⸗ lichen Offenherzigkeit, die sie taktlos und unvor⸗ sichtig nannte, alle Welt vor den Kopf stieße, daß ich Karlmann in seiner Stellung schädigte, und daß ich mich nur aus Trotz nicht ihrer„mütterlichen Erziehung“ fügte. Nun, diese Art stiller Untergrabung unseres Eheglücks war ihr gewiß nicht bewußt, denn sie ist ja eine brave, pflichttreue Dame, aber sie war doch vorhanden. Ich mich erziehen lassen! Von ihr! Es ist genug, daß ich Karlmann alles zu Liebe that,— ganz und gar ummodeln kann man sich nicht mehr lassen, wenn man sechsundzwanzig Karlmann war blind,— er sah in ihrer Herrsch⸗ sucht nur Liebe. Und was mich am meisten kräukte, war, daß beide Teile immer einig waren, wenn es gegen mich ging! Weshalb, wenn Karlmann mich liebte, nahm er nicht meine Partei auch einmal? Aber so etwas gab es nicht— mein„Trotz“, mein Selbst⸗ gefühl sollte gebrochen werden, ich sollte nach der Schablone seiner Mutter als eine völlig Andere aus diesem Feuer hervorgehen. Und doch hatte er mich geliebt so wie ich war! Endlich ging ich,— machte seiner Mutter Platz, und Sie waren auf meiner Seite, weil Sie die ganze Sache mitangesehen hatten.— Sind Sie jetzt anders gesinnt, verdammen Sie mich, weil ich nicht mehr die Kraft hatte, diesen sanften Krieg auszuhalten? Daß Karlmann mich wirklich nicht mehr liebt, ersehe ich ja aus der Thatsache, daß er sich nicht ein einziges Mal um mich bekümmert hat— er weiß nur, daß ich in Berlin lebe, alle nötigen, ge⸗ schäftlichen Mitteilungen gehen durch seinen Anwalt. Schreiben Sie mir gelegentlich, bitte, ich bin so einsam und unglücklich, daß ich mich über jeden Brief freue. Mit freundlichem Gruß bin ich Elwine Schulz. P. S. Sie sehen, ich habe meinen Mädchen⸗ namen wieder angenommen. (Schluß folgt.) Jahre alt und ein ernsthafter, fertiger Mensch ist.— skollege des Angeklagten bekundet, daß wohlbehalten in über auch behauptet hat, die Nadel von haben auch ber annten erhalten zu haben. Schönherr sei Sir Henry Beänkter, dummer Mensch. Sekretär eine eienehmung der beiden 10 jährigen Mädchen Inhalts deren Wallschmidt wird festgestellt, daß die mit den Rechteingeklagten die fragliche Nadel auf der worden ist. Wunden hat und daß der Angeklagte dies glieder brave er Schwester erfuhr, als sie ihm den Fund eine Insel dat. Berk⸗Leullit ist die Beweisaufnahme beendet. Fir Die an die Geschworenen gerichtete Schuldfrage ist Sahin sormuliert: Ob der Angeklagte am 28. März d. J. vor der Strafkammer Gießen einen Meineid geschworen hat. Eine weitere Frage, die die Geschworenen zu beantworten haben, richtet sich dahin, ob die Angabe der Wahrheit dem An⸗ geklagten eine Verfolgung wegen einer strafbaren Handlung hätte zuziehen können. Der Erste Staatsanwalt Dr. Güngerich sowohl wie der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Fuhr waren sich darin einig, daß die Geschworenen beide an sie gerichteten Fragen zu bejahen hätten, denn hätte der Angeklagte bekundet, wie er in den Besitz der Nadel gelangt sei, so hätte er sich der Fundunterschlagung bezichtigt. Nach einer fünf Minuten währenden Beratung ver⸗ kündete der Obmann, Wörner⸗Bad Nauheim, den Spruch der Geschworenen, welcher für beide Fragen bejahend Der Vertreter der Staatsbehörde beantragt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Dr. Fuhr hob alle mildernden Umstände hervor und bat den Gerichtshof um eine ge⸗ ringere Strafe für den Angeklagten. Das Urteil erging dahin, daß der Angeklagte mit 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Unter⸗ suchungshaft zu bestrafen sei. Seine Beschränktheit schützte den Angeklagten vor höherer Strafe. Eingesandt. Wie gefährlich es ist, wenn junge Mädchen, wenn auch zu 2 oder 3, ohne männlichen Schutz nachts nach 11 Uhr nachhause gehen, erfuhren zwei anständige Dienst⸗ mädchen in der Montagsnacht. Dieselben wurden von 6—8 unserer Musensöhne auf eine Art und Weise be⸗ lästigt, die von allem anderen, nur nicht von männlichem Takt Zeugnis ablegten. Ein Bürger. Neuefte Telegramme. Hd. Wörishofen, 17. Juni. Prä⸗ lat Pfarrer Kneip ist heute Morgen 4½ Uhr gestorben. Er ist geboren am 17. Mai 1821 in Steffens⸗ ried und erreichte somit ein Alter von der ihn behandelude Arzt Dr. Baum⸗ garten und Prior Reile treten. Hd. Berlin, 17. Juni. Eine entsetzliche Brandkatastrophe bei welcher drei Personen ums Leben kamen ereignete sich gestern Abend kurz nach 10 Uhr in dem Hause Spandauerbrücke 16. Dort geriet infolge Unvorsichtigkeit eines Hausdieners, welcher eine Petroleumlam pe umwarf, eine mit Stroh gefüllte Eierkiste in Brand. Das Feuer nahm in⸗ folge reichlicher Nahrung schnell große Ausdehnung an, und innerhalb weniger Minuten zingelten die Flammen bis zum 3. Stock empor. Von den Bewohnern, die sich bereits zur Ruhe begeben hatten, fand ein Schneidermeister und seine beiden Kinder im Alter von 1 und 3 Jahren, den Erstickungstod. Die Ehefrau des Verun⸗ glückten, welche ebenfalls schon bewußtlos war, konnte wieder ins Leben gerufen werden. Hd. Wien, 17. Juni. Im Hochverrats⸗ prozeß gegen die früheren österreichischen Offiziere Hartmann und Wamiczek, die an Rußland Pläne von Fortifikationen ꝛc. ver⸗ kauft haben sollen, wurde gestern spät abends das Urteil gefällt. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage wegen Hochverrat und Spionage und befanden die Angeklagten nur der Aus⸗ spähung militärischer Geheimnisse schuldig. Hart⸗ mann wurde zu fünf, Wamiczek zu zwei Hd. Budapest, 17. Juni. In Tiszasveldrar sind große Unruhen unter den Feldarbeitern ausge⸗ brochen, sodaß Militär schleunmigst nach dort requiriert werden mußte. Hd. Paris, 17. Juni. Bei dem gestern stattge⸗ fundenen Duell zwischen dem 74 jährigen General Rebillot und dem sozialistischen Redakteur Saint Croix wurde der General am rechten Auge verwundet. Hd. Brünn, 17. Juni. Das Reichs⸗Kriegs⸗ ministerium hat den hiesigen sozialistischen Führer Dr. Ludwig Czech, Lieutenant der Reserve, auf Grund eines Offiziers-Ehrenrechts⸗ Beschlusses seiner Offiziers-Charge für verlustig erklärt und derselbe als Reserve⸗ Inf anterist dem 8. Infanterie-Regiment über⸗ wiesen. In den Gründen heißt es, daß Dr. Czech als Sozialistenführer sich über die Re⸗ gierung und Heeres-Einrichtung wegwerfend ge⸗ äußert und dadurch die Offiziersst an des⸗ Ehre verletzt habe. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. lautete. 76 Jahren. An seine Stelle werden nun Jahren f chwerem Kerker verurteilt. 5———.. e g 8— 1 Dee 2 Bekanntmachung. e Sonntag, den 20. Juni d..: 3 Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis 5 f gebracht, daß der Weg zwischen Alicestraße— L— 2 5 8. 40 und Bleichstraße, entlaug der Kauf 225 2 4 mann schen e i jeden— f SK 2 Schirme Verkehr bis auf Weiteres gesperrt ist. 3 8 8 85 f 1— der„Giessener Floresei“ 382 eee eee roßherzogliche. g 8 8 J. V. Ro tb.— ide mit allerlei 5 8 3 8 2 8. Abraham, Schulstr. 9. 0 0 2 F Schirme werden sofort iert u. f Bekanntmachung. S, Volbs- u. Kinderbelustigungen.:; Für Wirte 51751. 1 e 52 1 Nachmitttags von 3 Uhr ab 35 3 S Für Wirte 1 arbeiten in der Frankfur raße=» e 7 aus eführt v. d. apelle des Gro 0 ess. 2 1 au e d nahme n oe de in der Bahn. Grostzes Militär⸗Konzert Fug A. 1b Kaner lden, 8 8 8— 19 e billig 0 Bille nächste 08 Lein den 18— Abends: Italienische Nacht, Fackelpolonaise, Tanz rec. 5 3 J. 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