Gießen, Freitag, den 16. Juli 1897. ssche uldeszeikung. E ‚ Postztg. Nr. 3319 2 5— usgabe Gießen. 3 Türk* daten zl N 2 ref en ö 5 5 5 e 0h pus Nr 2 4 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. N Expedition: abe f rig 8 4.— PVreis der Anzeigen; 10 Pfg. für die Sspaltige Vetitzeile, 1 Kreuzplatz Nr. 4. urg, Want 0 45 0 5 4 5 ü T agi 1 f f 1 d s 5 11 de 8 und 5 ersten Tage der dreitägigen Verhandlung bis zum Schlusse] In der ersten Abteilung(140 Silben per Min.) den einen hübschen Anblick zu gewähren, hatte 16. ö Stumm Eotal P ovinzielles. an der Unschuld der Angeklagten festhielten und sie nach fielen der 1., 2. und 3. Preis, in der zweiten der eädtische Obergärtner Stübel auf dem Platze * Gießen, 15. Juli. andwirtschaftliche Behörde kulturinspektor zu bestellen. Die Besetzung st vorerst provisorisch. Bewerber müssen unter kachweis der wissenschaftlichen und praktischen n befähigung ihre Gesuche bis zum 1. August ber Die hessische obere beabsichtigt, einen y. Gießen, 15. Juli. Die bekannte Straf⸗ ache gegen den Grafen Leiningen-Ilben— ladt, welche den Standesgerichtshof bereits dank eschäftigt hat und von diesem der Staats⸗ 1 beim Landgericht Gießen überwiesen sor gn. hurde, scheint, wie wir hören, nun doch nicht ae Wiha n Gießen verhandelt zu werden. Der Antrag E Krauß er Staatsbehörde, das Hauptverfahren vor der 50 Pfg. Strafklammer Gießen zu eröffnen und Termin llerzu anzuberaumen, ist von der Beschlußkammer rückgewiesen, weil hierzu das Landgericht DNarmstadt resp. dessen Strafkammer die allein uuständige Instanz sei, vor die diese Sache höre. Gießen, 15. Juli. Von anscheinend gut ilterrichteter Seite geht der„Frkf. Ztg.“ folgen⸗ er Bericht zu. Wir geben denselben wieder, züssen aber die Verantwortung für die Richtig⸗ 1 in allen Teilen dem genannten Blatte über⸗ affen. Unser Land besitzt seit 1. August 1896 wieder ein sonderes Justizministerium, das bei der früheren krelnfachung der Staatsverwaltung auf Andrängen der atlonalliberalen Partei beseitigt worden war. Es fragt ch, ob es inzwischen in unserem engeren Vaterlande mit iet Justiz besser geworden ist. Hinsichtlich der Besetzung i„Justizstellen wird die Antwort wohl allgemein ver⸗ nend ausfallen, am lautesten vielleicht gerade aus den kessen der Justizbeamten selbst. Es kann dies kaum Zunder nehmen, wenn die Besetzungen— wie man sagt — ausschließlich nach den Berichten der Prä⸗ bien der Landgerichte erfolgen. Sollte im Justiz⸗ ainisterium wirklich keine Personalkenntnis bestehen? zollte sie auch nicht bei anderen Stellen ausgiebig zu Aangen sein? Aber auch die Justizverwaltung selbst eint kaum gewonnen zu haben. Ein sehr lehrreiches aspiel bietet hierfür eine vor einigen Wochen am ichwurgericht in Darmstadt verhandelte Meineids⸗ gen. weil achti“, he, Gesangsvorli N Festplatz; nachm orstand. ches Glas Bier de alser VI. ullung lage, die zugleich auch das Votum des Reichstags den die Ueberweisung dieser Strafsachen an die Straf⸗ fatr 50 imer als richtig bekräftigt. Ein verheirateter Reserve⸗ h0 Sl. 0 izter war in einem Zivilprozeß von zwei Dienstmädchen in ieh unsittlicher Handlungen beschuldigt worden, er de und stellte— nach Belehrung durch eine Gerichts⸗ n 9 don— Strafantrag. Während zweier Monate wurden 0 ich einen Kriminalschutzmann Indizien zusammengesucht, 98 Hunnia, e Erfolg. Endlich wurde festgestellt, daß die Mutter Fer der Prozeß parteien— eine brave Bürgersfrau in guten 1810 thältnissen— der einen Zeugin lange, nachdem diese e Vorfälle mehrfach übereinstimmend erzählt hatte, zum zunk für ihre Mitteilungen und unter der ernstlichen Mahnung, stets bei der Wahrheit zu bleiben, 10 Mark schenkt hatte. Die Geberin und die Empfängerin waren ihrer— allerdings unklugen— Handlung vollständig 51 Allos verfahren, wie sie denn die Sache jedermann offen „ ilten. Der Ankläger war nicht beeidigt, er war . e dilalisch und finanziell mit der Sache aufs Engste ver⸗ e zuhsen, er mußte einen Teil als wahr zugeben, andere ligen bestätigten andere Teile. Gleichwohl wurden die 4 nl lünstmädchen sechs Monate in Haft gehalten und die 9 1 I twin, Süss, Ausbruch. ganz kurzer Beratung einstimmig freisprachen. Wo bleibt da die persönliche Sicherheit der Staatsbürger, wie wird hier das Gesetz in sein Gegenteil verkehrt? Man hätte die Kollusionshaft zeitlich beschränken müssen, um solche exzessiven Auslegungen zu verhüten. Die sechsmonatige Untersuchung hatte nichts weiteres ergeben als einen geradezu ers reckenden Mangel an Menschenkenntnis und Lebenserfahrung der Beamten. Gegen das eine Dienst⸗ mädchen war in der Verhandlung so gut wie nichts fest⸗ gestellt, ihr Namen kaum genannt worden, sie hatte sich bei ihrer beeidigten Aussage in einem völlig untergeord⸗ neten Punkte einfach geirrt. Während man mehrere Tage sich bemühte, der andern Angeklagten Unwahrheiten in Nebensächlichem nachzuweisen, verwickelten sich einzelne Anklagezeugen in Wichtigem in Unwahrheiten. Der Unter⸗ suchungsrichter bewies mehr Eifer als Vorsicht, Aeuße⸗ rungen wie:„Ich lasse Sie bei Wasser und Brot sitzen, bis Sie blau werden“, oder:„Es müssen auch manchmal Unschuldige eingesteckt werden“, werden kaum der Absicht des Gesetzgebers entsprechen. Wenn unser Justizmini⸗ sterium eine Besserung unserer wenig erfreulichen Justiz⸗ zustände herbeiführen will, so soll es bei Besetzungen nach Anhörung aller zu einem gründlichen und objektiven Urteil befähigten Stellen verfahren und zu Staatsanwälten nicht bloß Leute mit einem bestimmten Maße forensischer Beredtsamkeit, sondern vorzugsweise Männer von humaner Gesinnung und reifer Lebenserfahrung berufen, das Streber⸗ tum aber mit der Wurzel ausrotten. v. Gießen, 15. Juli. In der Generalver⸗ sammlung der Aktionäre des Gießener Volks- bads wurde beschlossen, den Bau der Firma Stein und Meyer, die Installation da⸗ gegen der Firma Heinrich Schaffstädt hier⸗ selbst zu übertragen.— Es ist Hoffnung vor⸗ handen, daß man sich entschließt, auch die Einrichtung von römisch-irischen und Dampf— Bädern zu treffen. v. Gießen, 15. Juli. Der Schlußstein im Gewölbe des Durchbruches am Eisen⸗ bahndamm an der Westanlage ist heute Vormittag eingefügt worden und somit die eigent⸗ liche Bauarbeit beendet. Die Beendigung der Erdarbeiten, das Legen der Schienengeleise usw. kann noch vierzehn Tage in Anspruch nehmen, sodaß das Werk schneller beendet ist, als man geglaubt hat. v. Gießen, 15. Juli.(Besitzwechsel.) Der Sattlermeister Friedrich Groß kaufte des Metzgermeisters Kiefer Neuenweg Nr. 32 belegene Hofraithe-für den Preis von 32 200 KA. v. Gießen, 15. Juli. Neue Läden. Der untere Teil des Seltersweges wird immer mehr vornehme Geschäftsstraße. Das an den Restau⸗ rateur Elges übergegangene Haus von Uhl und Meyer wird in seinem Parterregeschoß zu einem feinen Restaurationslokal ausgebaut, welches mit großen Erkern versehen werden soll. Im Schellen— bergschen Hause wird ebenfalls im unteren Stock ein moderner Laden ausgebrochen. In beiden Häusern sind seit gestern die Handwerker be— schäftigt, die alten Mauern nach der Straße zu entfernen. * Gießen, 15. Juli. Stenographie. In Frankfurt a. M. fand am 9. Mal d. J. ein Wettschreiben für Anhänger aller Systeme statt. Durch Preise wurden von 87 Arbeiten 12 ausgezeichnet, wovon 9 nach System Gabels⸗ berger und 3 nach Stolze angefertigt waren. Abteilung(160 Silben) der 1., 2., 3. und 5. Preis und in der dritten Abteilung, in der nur zwei Preise verteilt wurden, der 1. und 2. an „Gabelsbergerianer“. Die Stolzeaner erhielten den 4. und 5. Preis in der ersten und den 4. in der zweiten Abteilung. Alle übrigen Systeme gingen vollständig leer aus. v. Gießen, 15. Juli. Ein hiesiger Restau⸗ rateur und eine ganze Schar seiner Gäste waren seit heute früh 4 Uhr auf einem Acker in der Nähe der Aktienbrauerei versammelt. Es han— delte sich um eine Wette. Der Wirt hatte sich erboten, einen Morgen Korn eigenhändig zu mähen, wofür er 15 Mark Arbeitslohn erhalten sollte, außer dem Wettobjekt, das in diversen Flaschen bestehen sollte. Der Sensemann hat seinen Tagelohn und damit seine Wette ge⸗ wonnen. Die Freunde haben allerdings den „fleißigen Arbeiter“ reichlich mit nassem Stoff während der Arbeit versorgt. * Grünberg, 14. Juli. Die Heuernte ist nun in der Hauptsache beendigt. Güte und Menge des Futters lassen nichts zu wünschen übrig. Wenn die gegenwärtige Witterung an⸗ hält, dürfte voraussichtlich mit Beginn nächster Woche das erste Korn geschnitten werden. Es verspricht ebenfalls reichen Ertrag; ebenso be⸗ rechtigt der Stand der übrigen Getreidearten zu den schönsten Hoffnungen.“ en en ist man allenthalben in den Gärten mit dem Einernten der Stachel⸗ und Johannisbeeren be⸗ schäftigt. Wie fast jedes Jahr, so sind auch heuer diese immer mehr geschätzt werdenden Früchte sehr gut geraten. * Butzbach, 14. Juli. Gestern Vormittag 8 Uhr wurde unsere Einwohnerschaft durch Feuerlärm erschreckt. Im Stadtwalde, in der Nähe der Militärschießstände, sollte Feuer aus⸗ gebrochen sein. Bei näherer Besichtigung ge⸗ wahrte man, daß ein im Walde beschäftigter Lohnarbeiter Rasen zur Gewinnung von Dünger für den Pflanzeugarten verbrannte.() Der Be⸗ treffende, der die Einwohnerschaft unnötig in Aufregung versetzte, wird sich, da er die Anzeige von dem Feuer bei der Ortspolizeibehörde unter⸗ lassen hat, vor Gericht zu verantworten haben. * Nidda, 13. Juli. Seit Samstag stehen im Niddathale in der Nähe von Nieder-Mock⸗ stadt, die ersten Kornhaufen im Feld. Das Korn hat einen sehr langen Halm getrieben; die Aehren sind wenig zahnlückig und der Kern ist schön ausgebildet. Das Schneiden des Korns ist dieses Jahr hier sehr beschwerlich, weil die starken Gewitterregen und die sie begleitenden heftigen Stürme in der zweiten Junihälfte die Halme kreuz und quer durcheinander nieder— geschlagen haben. Die begonnene Ernte wird nun ununterbrochen weiter gehen, denn auch die Gerste beginnt bereits zu bleichen. Die Halme aller Getreidearten sind sehr stark, und ist darum Lagerfrucht, mit Ausnahme vom Korn, nur äußerst selten. Die ersten Frühkar⸗ toffeln wurden hier zu 10& das Malter verkauft. Jetzt gelten sie nur noch 6 A. * Darmstadt, 13. Juli. Um seine Leistungs⸗ fähigkeit darzuthun und Einheimischen und Frem⸗ vor den Bahnhöfen ein Teppichbeet hergestellt, das in sehr gelungener Weise das städtische Wappen darstellte. In der Nacht vom 13. zum 14. Juni war die Anlage von ruchloser Hand derart beschädigt worden, daß die Wiederher— stellung 112 A1 85& kostete. Als die Thäter wurden der 21 Jahre alte Heinrich Krick und der 19 Jahre alte Hermann Schäfer, beide Gärtnergehilfen dahier, ermittelt. Krick, der augenscheinlich gegen Herrn Stäbel feindlich ge— sinnt ist, hatte den Schäfer, der angetrunken war, zur That angestiftet und nach dem Ereignis noch seine Freude in lebhafter Weise ausgedrückt. Vor der Strafkammer leugnet er heute, während Schäfer geständig war. Beide wurden für schuldig erkannt und Krick zu fünf, Schäfer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die exem⸗ plarische Strafe wurde von dem Publikum mit lebhafter Befriedigung begrüßt. * Mainz, 13. Juli. Ein Liebesdrama fand gestern vor der Strafkammer des Land— gerichts seinen Abschluß. Angeklagt war wegen Körperverletzung der Taglöhner Peter Rumpf aus Ludwigshafen. Er hatte mit der dort wohnenden Gastwirtstocher Anna Delp ein Liebesverhältnis, das deren Eltern nicht dulden wollten. Rasch entschlossen, reiste das Liebespaar am 7. Mai nach Mainz. Hier kaufte Rumpf einen Flobert⸗Revolver und weiter ging die Reise nach Bingen, woselbst sich Beide in einem Gast⸗ haus einlogierten. Rumpf gab dort einen Schuß auf seine Geliebte ab, die ohnmächtig umfiel, hierauf richtete er die Waffe gegen sich selbst und fiel gleichfalls in Ohnmacht. Inzwischen erwachte die Delp wieder zum Leben und alar⸗ mierte die Wirtsleute, worauf Beide in das Hospital verbracht wurden. Da die Verletzungen nur leicht waren, konnten Beide nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. Der Staatsanwalt be⸗ antragte gegen Rumpf eine Gefängnisstrafe von 1½ Jahren, das Gericht verurteilte ihn indes nur zu 5 Monaten Gefängnis.— Der Sohn eines hiesigen Metzgermeisters der mit einem Mädchen ein Verhältnis unterhielt, mit diesem aber am letzten Sonntag infolge einer Differenz sich verfeindete, hat sich noch am Abend in den Rhein gestürzt. Gestern wurde die Leiche des jungen Mannes in Rüdesheim geländet. Vermischtes. — Der Fabrikbrand in Elberfeld. Das schon bekannt gegebene Großfeuer, das am 6. Juli in den Elberfelder Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer und Co. das Scharlachlager vernichtete, gelangte im Keller zum Ausbruche. Dort waren mehrere Klempner mit dem Ver⸗ löten von Scharlachbüchsen beschäftigt. Hierbei fiel ein stedendes Stück Blei in die Farbe und rief eine Exploston hervor. Sofort schlugen die Flammen hoch empor. Die Klempner versuchten zwar die brennenden Büchsen aus dem Fenster zu werfen, mußten aber, da das Feuer immer mehr um sich griff, schließlich ihr Leben in Sicher⸗ heit bringen. Durch den Aufzug nahmen die Flammen in wenigen Sekunden ihren Weg bis zum obersten Stock⸗ werk und setzten das ganze Gebäude in Brand. Die Fabrikfeuerwehr konnte das Feuer nicht allein bewältigen und rief deshalb die Elberfelder sowie die Sonnborner Das Täpfelchen auf dem i. denkerin erst nach einem Monat gegen hohe Kaution in Von E. Ritter. (Nachdruck verboten) gegeben, während schließlich die Geschworenen vom Kindel (Fortsetzung.) 0 Wago Ich denke, Ihre Frau Schwester ist augen⸗ 12 lielich an der Riviera— da bäckt sie doch sicher iliasten bis en Kuchen“.„Nein, allerdings, aber sie kehrt lig ab zurück, und dann hat sie es gleich— das ftinsten 9 bert Ich bitte doch sehr dringend, wenn Sie Aaattung uf mir bis morgen abschreiben könnten, ich möchte Aus sonst vergessen“.„Gewiß Herr Doktor, wie E sel. i wünschen, ich schreibe es heute Abend noch ab un nh Max bringt es Ihnen morgen herüber.“ erweg 2. nit war die Frage endlich erledigt zu Gründlichs 16. Afterweh lleichterung. Es war ihm schrecklich, er hatte ge— 8 An. Es war ihm berzlich schwer geworden, aber — Zoueck heiligt die Mittel“. Es handelt sich . sein Lebensglück. O du dummer Doltor H Kadlec! Da st es vor dir in leibhaftiger Ge 1 dein Glück— das holde frische Mädchen mit herzerquickenden Frohsinn— greif doch zu frag nicht lang!.. So ahnlich spricht wohl n Stimme in ihm, aber er wehrt sie ab. Nein, die Schriftprobe, denn eine oberflächliche Frau, kann er nicht gebrauchen.— Am Montag Mittag kommt der Quintaner Max Aan 9 1 Bräll 1 bringt auf einem Briefblatt, sauber gefaltet ate ,I. in einem Umschlag verwahrt, das Rezept. Es 911 aan. Gründlich zu lange, bis der Junge sich ent⸗ mt 9 und doch geschieht dies mit affenartiger Ge⸗ gi 0* schwindigkeit, 5 5 Hefte sind ihm unheimlich. Mit zitternden Händen entfaltet der Doktor das Blatt. Ein Blick und er weiß genug! Flüchtige unregelmäßige Schriftzüge— faft kein Grundstrich— o, er verstand sich darauf er brauchte ja keinen professionsmäßigen Grapho— logen dazu.„Nimm ein Pfd. Mehl“— so begann das Schriftsiück und, o Schrecken, o Graus, gleich das erste Wort bestätigte seine schlimmsten Be⸗ fürchtungen. Das Tüpfelchen, welches auf das i gehörte, es stand nicht über dem i, sondern über dem ersten Grundstrich des zweiten m, gleichsam als wäre es dahingeflogen! Weiter brauchte er eigentlich gar nichts zu sehen. Es zeugte von ganz außergewöhnlicher Flüchtigkeit und Mangel an Tiefe Das Tüpfelchen auf dem i. Gründlich seufzte tief auf.„Und was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nachhause tragen!“ Und was ein vernichtetes Lebensglück wäre! Mit schwerem Herzen studiert er weiter, sucht er nach dem folgenden i, da heißt es„vier Eier“; Das Tüpfelchen ist in„Eier“ auf das er geflogen, und in der„vier“ hat es zwischen dem e und dem r Halt gemacht. Und so gehts weiter bis zum letzten Wort„bäckt ihn bei mäßiger Hitze.“ In dem Wort „Hitze“ hat das t allerdings den weiteren Flug aufgehalten, aber man sieht deutlich, wie das Tüpfelchen sich gegen den Zwang aufgelehnt hat und widerwillig ganz oben an der Spitze das t hängt. und auch sonst, soviel er forschen mag, keine Spur * denn die vielen Bücherregale und] von Festigkeit, von Ernsthaftigkeit in der Schrift. Ja, er weiß genug, aber wie die bedeutendsten Aerzte ihrer eigenen Diagnose mißtrauen, wenn es sich um eine Krankheit ihrer nächsten Angehörigen handelt, so mißtraut Gründlich in diesem Fall seiner Kenntnis der Schriftdeutung. Einen weh— mütigen Blick noch wirft er auf das Rezept, dann schreibt er ein paar Zeilen an den ihm bereits be— kannten Graphologen, einer Autorität in seinem Fach, fügt das Rezept bei, zwei drei Mark in Briefmarken(es giebt welche, die thuns schon für 50 Pfennige, aber die„Autorität“ ist teurer), bittet um möglichst baldige Erledigung und verläßt mit dem Schreiben das Haus, es der Post zu über⸗ geben.— Nun ist's gethan. Aber es ist ihm nicht wohl zumute. Er weiß ja, was er zu erwarten hat— das Todesurteil seiner Liebe! Er rechnet aus, bis wann er Antwort haben kann, vor Mittwoch Abend keinesfalls. Und immerfort sieht er das Tüpfelchen auf dem i vor sich— bei Tag und bei Nacht. Im Traum erscheint es ihm als ein riesiger Punkt, schließlich als Luftballon, weit in der Ferne schwebend. Es ist ein schrecklicher Zustand.— Am Donnerstag Morgen hat Gründlich den Brief des Graphologen in der Hand. Das Resultat ist ein trauriges Als hervorstechendste Eigenschaft: Ober⸗ flächlichkeit, Flüchtigkeit— siehe das Tüßpfelchen auf dem i— bei allerdings großer geistiger Be⸗ gabung(o, wie Gründlich diese Zusammenstellung ——ẽẽẽ 8—— ˖‚— haßt!) dann eine Heiterkeit, die fast an Leichtsinn grenzt, aber allenfalls auch in großer Herzensgüte wurzeln kaun. Dem steht allerdings entgegen, daß gewisse Eigentümlichkeiten der Schrift auf einen Hang zur Grausamkeit deuten u. s. w. u. s. w. — Gründlich war außer sich. Flüchtig, oberflächlich, dabei Hang zur Grau⸗ samkeit, das war zuviel!— Gründlich steht in den nächsten Tagen Qualen aus. Ob er nicht am besten thut, das Nachbarhaus nicht wieder zu be— treten? Die Privatstunden unter irgend einem Vor⸗ wand abzubrechen? Aber das wäre unverantwortlich gegen Fritz gehandelt, nein, er kann den Jungen nicht im Stich lassen und dann— ein holdes An- geficht steht vor ihm bei Tag und Nacht— selbst das Tüpfelchen auf dem i vermags nicht ganz zu entstellen. Ein entsetzlicher Zustand bis zum Sonn⸗ abend Nachmittag um 6 Uhr: da muß er wieder zur Stunde ins Nachbarhaus. Er geht mit bösem Gewissen; es ist eigentlich doch nicht in der Ordnung, daß er auf so hinterlistige Weise sich in den Besitz des Rezeptes gesetzt und das Innere des Mädchens, welches er— ja welches er liebt, trotz allem ergründet hat. Wenn sie es wüßte! Aber nunmehr ist's einerlei, es ist ja alles aus!— Das Dienstmät chen begegnet dem in schweren Gedanken Versunkenen auf der Treppe. (Schluß folgt.) Wehr hinzu. Alle drei Wehren gaben sich die größte Mühe, das brennende Gebäude zu löschen, dies gelang indes nicht; das Haus wurde ebenso wie der gesamte große Warenbestand, der in den nächsten Tagen nach Japan, China und Hinterindien abgehen sollte, ein Raub der Flammen. In großer Gefahr, von dem Feuer erfaßt zu werden, schwebte die neben dem brennenden Gebäude gelegene Schreinerei, auch war das angrenzende Depot der Barmen⸗Elberfelder elektrischen Straßenbahn sehr gefährdet; es gelang aber hier das Feuer, das wiederholt einige Balken in Brand gesetzt hatte, sofort zu ersticken und dann fern zu halten. Von der Brandstätte strömte ein dichter, undurchdringlicher Qualm aus, der sich über die ganze Stadt verbreitete. Kleinere Farbteilchen aus dem Gebäude wurden sogar bis nach Barmen getragen und richteten dort, ebeuso wie in Elberfeld, auf den Bleichen sowie in den Wohnungen große Verheerungen an. In den Wohnungen, in denen die Fenster offen standen, wurden Gardinen, Tischdecken usw. bunt gefärbt. In den entlegentsten Vierteln wurde unzähligen Personen auf der Straße durch Farbteilchen die Wäsche verdorben. Weit schlimmer erging es natürlich denen, die sich in der Nähe der Brandstätte aufhielten. So schillerten beispiels⸗ weise die weißen Röcke der Feuerwehr in allen Farben. Selbst die Bürgersteige in den benachbarten Straßen hatten ein buntfarbiges Bild angenommen. Da Montag und Dienstag die eigentlichen Waschtage sind, befand sich unglücklicherweise fast überall die Wäsche auf der Bleiche. Die Wäsche ist mit blauen, roten, gelben und grünen Flecken wie übersät, nicht unähnlich der Palette eines Malers, doch ist das schlimmste daran, daß diese Flecken, übrigens ein Beweis für die Vorzüglichkeit des Fabrikats, schlechterdings nicht zu beseitigen sind. So sind u. a. in Elberfeld die weißen Gewänder der Pfarrgeistlichkeit von St. Laurentius so bunt besprenkelt, daß sie eher dem Anzuge eines Clowns als etwas anderem gleichen. Auch an hellgetünchten oder vor kurzem mit neuem Anstrich versehenen Häusern sind derartige Farbensymphonieen schon festgestellt worden. Nicht wenige Leute, die sich in der Nähe der Brandstelle dem Qualm besonders ausgesetzt hatten, schillerten in allen Farben im Gesicht und an den Händen, als wären sie tätowiert. Noch in Hagen wurden Hausfrauen durch waschechte blaue und rote auf der Wäsche plötzlich erscheinende Punkte tiefbetrübt. Die Rechtsfrage, wer für den Schaden ersatzpflichtig sei, ist noch nicht klar, wird aber wohl in den nächsten Tagen entschieden werden. Eine Kostgeberin in Barmen hatte mehrere Schüsseln Reis zum Abkühlen aufs Fensterbrett gestellt. Als ihre Kostgänger nach Hause kamen und die „bunten Schüsseln“ sahen, fragten sie erstaunt, ob das denn„Wolbeerenzoppe“ sei. Einzelne Bleichen sollen ihren Verlust auf 3000 X schätzen. — Das Ende des„Messias“. Louis meldet die„New⸗Yorker Staatszeitung“. Aus St. Zwei amerikanische Prospektoren haben in dem Hügellande der Sierra Madre, 35 Meilen von Casa Grande, Chihuahua, Mexiko, die Leiche des deutschen wunderlichen Heiligen Franz Schlatter gefunden. Die Aufmerksamkeit der Prospektoren wurde durch einen im Baumgezweig hängen⸗ den Sattel erregt, und unter dem Baume fanden sie, näher kommend, auf einer Decke ein menschliches Skelett. Neben dem Baume lagen auf einem Haufen einige Decken, Unterzeug, ein Packet Briefe, ein großes Notizbuch, eine noch halbgefüllte verkorkte Wasserkanne und eine Bibel. Auf dem Titelblatt der Bibel war der Name Franz Schlatter, sowie einige Bibelsprüche und der Name Clarence Clarke, Denver, eingetragen. Alle Umstände deuteten darauf hin, daß Schlatter verhungert war. Ein mor⸗ monischer Viehhirte erzählt, daß Schlatter im November in sen Lager, 50 Meilen westlich von Casa Grande, ritt. Schlatter sei unbewaffnet gewesen, ohne Lebensmittel und Kochgeräte, und habe mit der Erklärung, er faste, die ihm angebotene Nahrung zurückgewiesen. Er habe während seines mehrstündigen Aufenthaltes ein Pferd des Hirten durch Handauflegen zu heilen versucht. Schlatter war vor 3 Jahren ein armer Flickschuster in Denver. Dann wollte er eine innere Stimme gehört haben, die ihm be⸗ fahl sein Handwerkszeug zu verschenken und nach der Pacific⸗Küste zu pilgern. Er folgte diesem Gebot, wurde mehrere Male als Bagabond verhaftet und tauchte dann unter den Indianern in New⸗Mexiko auf, wo er als Messias ausgerufen wurde. Stets folgte ihm ein großer Haufe unwissenden Volkes, das an allerlei Gebrechen litt, die er durch Handauflegen scheinbar heilte. Die zuver⸗ sichtliche Hoffnung auf Heilung bewirkte, wie es ja häufig geschieht, eine vorübergehende Belebung der Lebensgeister der Kranken, und dies wurde von dem Volke wirklich als Heilung angesehen. Dann unterzog Schlatter sich einem 40tägigen Fasten und kehrte nach Denver zurück, wo sein Auftreten das größte Aufsehen erregte. Ueber das ganze Land ging sein Ruf und zu Tausenden zogen Kranke aller Art an ihm vorbei, wobei er sie durch Handauflegen seg⸗ nete und„heilte“. Wochenlang dauerten diese Auftritte, plötzlich war Schlatter verschwunden, als er nämlich als Zeuge gegen eine Anzahl Fakirs vorgeladen war, die an⸗ geblich von ihm gesegnete Taschentücher zu 2 Doll. das Stück verkauften und damit glänzende Geschäfte machten. Wer nämlich bei dem riesigen Andrang nicht zu Schlatter gelangen konnte, wurde angeblich schon durch ein heiliges Schnupftuch geheilt. Schlatter selbst wies Geschenke in Geld zurück, dagegen war sein„Geschäftsführer“ durch⸗ aus nicht abgeneigt, Geld zu nehmen. Bald darauf tauchte Schlatter in New⸗Mexiko auf und wurde dort vor sechs Monaten zuletzt lebend gesehen. Mehrere falsche Schlatters machen den Westen jetzt noch unsicher, so wurde letzte Woche einer aus dem benachbarten Orte Clayton herausgetrommelt. Man hält den echten Schlatter allge⸗ mein für einen religiösen Maniaken, der von der ihm ge⸗ — Nationalfest überall in großartiger Weise verlaufen ist. In Havre kam es zu wordenen Aufgabe wie von seinem Heilvermögen selbst völlig überzeugt war. Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 15. Juli. Eine ungeheure Feuers⸗ brunst brach gestern Abend gegen 10 Uhr am Haus⸗ voigteiplatz in dem umfangreichen Hintergebäude des Hauses Nr. 2 aus, in welchem die große Posamenterie⸗ Firma Bacher u. Leon ihre Lager- und Fabri⸗ kationsräume hat. Das vierstöckige breite Gebäude brannte rasch lichterloh, über ganz Berliu einen hellen Lichtschein verbreitend. Die Fuerwehr mußte sich darauf beschränken, die benachbarten großen Konfektionshäuser zu schützen, was auch gelang. Das Geschäftshaus von Bacher und Leon brannte vollständig aus. Menschenleben sind der Katastrophe nicht zum Opfer ge fallen, dagegen ist der Materialschaden sehr bedeutend. Hd. Altona, 15. Juli. Der Fischdampfer Altona überbrachte die Besatzung eines französi⸗ schen Fischerfahrzeuges, bestehend aus Kapitän und sechs Mann, welche er auf der Fahrt aus höchster Lebens gefahr vom sinkenden Schiff gerettet hatte. Die Schiffbrüchigen wurden vorläufig im See⸗ mannshause untergebracht. Hd. Paris, 15. Juli. Dem„Petite Parisien“ zufolge ereignete sich bei der Rückfahrt des Präsidenteu von der Truppenrevue ein Zwischenfall. Ein Individuum, dem es gelungen war, die Polizeikette zu durchbrechen, überreichte dem Präsidenten eine Bitt⸗ schrift. Der überraschte Präsident nahm dieselbe entgegen. Der Bittsteller wurde verhaftet.(2) Hd. Paris, 15. Juli. Das National⸗ fest verlief ohne jeden störenden Zwischenfall bei schönstem Wetter. In allen Teilen der Stadt fanden Volksbelustigungen statt. Man tanzte auf dem Opernplatz, auf den Wegen von Montmartre, Börsenplatz und auf allen sonst ge⸗ eigneten Plätzen. Die Musterung der Truppen bei Longchamps, welche der Kriegsminister Billot und der Stadtkommandant General Saussier leiteten, hatte mehr als 100000 Menschen hinaus⸗ gelockt. Der Präsident der Republik und sämt⸗ liche Minister waren anwesend. Dem Präst⸗ denten wurden lebhafte Ovationen dargebracht. Hd. Paris, 15. Juli. Die aus den Provinzen einlaufenden Meldungen besagen, daß das gestrige einem schweren Unfall. mit drei Insassen wurde in einer Höhe von 300 Meter von einem starken Winde in die See getrieben. Ein Dampfer fuhr sofort aus, die Luftschiffer zu retten. f. stau d dauert fort. Jeden Tag treffen hunderte von Wagen mit fran zösischer Kohle ein. Ein Luftballon Hd. London, 15. Juli. Die„Times“ meldet aus Athen, daß die Nachricht vo einem Kampfe bei Kandia zwischen Eng⸗ ländern und Eingeborenen unrichtig sei. Briefkasten. Disei. Von gen. Ab. nichts bekannt. eiuschl. 30. Juni. Das übrige mündlich. Gruß. Sterbefälle. Am 9. Juli. Karl Meier, ein Monat alt, Sohn des Dachdeckers Hermann Meier dahier, 5 Kaplansgasse Nr. 5. Am 11. Jull. Ernst Friedrich Helseri 3 Jahre alt, Sohn des Knechts Markin 8 1 dahier, Dammstraße Nr. 49. Am 11. Juli. Mathilde Eise, 11 Jahre 25 alt, Tochter des Schneidermeisters Herma Phil. Eise dahier, Wallthorstraße Nr. 15. 1 Am 12. Juli. Marie Stief, geborene Bischoff 5 69 Jahre alt, Witwe des Stadtbaumeisters Johannes Stief dahier, Alicestraße Nr. 27. Am 13. Juli. Peter Eduard Georg Grimm, 75 23 Jahre alt, Musketier 7/116 dahier. Am 13. Juli. Valentin Erzgräber, 72 Jahre 5 alt, Arbeiter dahier, Neustadt Nr. 28. Am 13. Juli. Heinrich Steinmüller, vler Monate alt, Sohn des Maurers Wilhelm Stein⸗ müller dahier, Hammstraße Nr. 7. Am 13. Juli. Tilli Eißfeller, ein Monat alt, Tochter des Schuhmachermeisters Theodor Eißfeller dahier, Bahnhofstraße Nr. 27. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Rebel. teur: Wilbzelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanyschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. 22 ——— Bekanntmachung. Die Lieferung von: 2600 Ztr Nußkohlen 2. Größe, 120 Braunkohlen 1. Sorte vom Hessenbrücker Hammer und 70 Ztr. Braunkohlen-Briketts ur Ausführung von Asphalt-, Zement⸗ und Terrazzoarbeiten empfiehlt sich Hermann Thiele, Liebigstrasse 35. 1633 für die städtischen Anstalten fürs Etats jahr 1897/98 soll unter den auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 15, offen liegenden Bedingungen vergeben werden. Offerten, in welchen der Preis der Nußkohlen pro Doppelwaggon franko Bahnhof Gießen und der Preis der Braunkohlen und Briketts geschmack der Suppen und Tropfen. Zu haben bei Snppenwürze erhöht überraschend den Wohl⸗ zwar Eberhard Metzger, Neustadt 8 u. Fraukfurterstraße 1(Ecke Südanlage). wenige sowie 2022 genügen pro Zentner fraako Verwendungsstelle anzu⸗ geben ist, find bis zum 25. Juli l. 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