el, kebech 1 9 5 eren Friseur zy usadt. Nat 1—— — ors nach 0 kb! . ö eee 6 90 ran 2 8 9% ö Aqueuer, Fine Zahresprodull ulscher Chemie ind ist als big sowohl zum du zeitig empfehle per Pfund 60 Uf. Fabrilale von 31 Held. zen Istattgefundene Medea⸗Aufführung durch dieselben auf dem Index. 4 Vernehmen nach auf minsterielle Weisung, fisse ministerielbll empfohlen werden. Eltern!) In einem Hause in der Schützen⸗ straße spielten gestern Vormittag in Abwesen⸗ zur Gießen, Freitag, den 12. November 1897. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. ssche Landeszeitung Postztg. Nr. 3319. Telephon ⸗Nr. 112. Eischeint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abonnement beträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile. 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis ——— 5 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 11. November. Theaterverein. Die gestrige Vorstellung war die zweite im achten Vereinsjahr. Gespielt wurde, Medea“, Trauerspiel in vier Aufzügen von Grillparzer. Die Titelrolle spielte Frau Anna Führing aus Berlin. Die übrigen Rollen waren von Mitgliedern der Direktion Kruse⸗ Helm besetzt. Da die am Dienstag Abend in Marburg Darsteller in unserer gestrigen Nummer schon ausführlich besprochen wurde, können wir von einer Rezenston der hiesigen Vorstellung absehen. Was von unserem Kollegen über die Marburger Aufführung gesagt wurde, trifft auch für die hiesigen Darbietungen zu. Frau Führing wurde nach jedem Aktschluß drei⸗ bis viermal hervor⸗ gerufen. Sie sowohl wie der Theaterverein können mit dem gestrigen Abend zufrieden sein. Das Theater war nahezu ausverkauft. * Gießen, 11. Nov. Pro fessor Oncken Das„Mainzer Journal“ schreibt:„Eine antikatholische Tendenz macht sich auch in den Geschichtsbüchern des Gießener Geschichtsprofessors Oncken bemerkbar. Trotz⸗ dem sollen seine Bücher neuerdings wieder, dem den Schülern und Schülerinnen höherer Lehr⸗ anstalten empfohlen worden sein. Es wurde denselben nahegelegt, ihren Eltern die Anf chaffung der Onckenschen 9 16 717 als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke anzustanen. Hier sei indessen entschieden vor solchen Büchern ge⸗ warnt.“ So das katholische Journal. Unseres Erachtens kann einem Geschichtsprofessor nichts schlimmeres passteren, als wenn seine Erzeug⸗ 11. Nov. Gießen,(Vorsicht heit der Eltern einige Kinder mit Streich- hölzern und zündeten hierbei ein Bett an. Zum Glück war alsbald genügend Hilfe zur Stelle, sodaß ein größeres Brandunglück berhütet werden konnte. Das Bett und einige Kleidungsstücke verbrannten. * Gießen, 11. Nov.(Schadenfeuer.) In verflossener Nacht entstand in einem Laden in der Neuen Bäue auf bis jetzt noch unauf⸗ geklärte Weise Feuer. Es verbrannten eine Menge Warenvorräte auch wurde das Gebäude beschädigt. * Gießen, 11. Nov. Der Pferdefleisch⸗ konsum nimmt zu! In Offenbach schlachtete ein einziger Metzger in voriger Woche 1 Pferde. Durchschnittlich dürften in Offenbach wöchentlich etwa 20 Pferde geschlachtet werden. Auch in Gießen soll der Konsum des Pferde⸗ fleisches ein ziemlich bedeutender sein. * Gießen, 11. Nov. Herr Karl Storck aus ihr P bezeichnet wurde, teilt uns heute zu dem fragl. Vorfall berichtigend folgendes mit: „Es ist unwahr, daß ich rücksichtslos schnell gefahren sei und daß das betreffende Kind nicht hätte ausweichen können. Thatsache ist, daß das Kind rücklings vor das Pferd gelaufen ist und infolge dessen umgestoßen wurde. Dem besten Lenker eines Fuhrwerkes ist es nicht möglich, das Pferd auf dieser kurzen Strecke zum Stehen zu bringen.“ * Gießen, 11. Nov.(Schlachthaus⸗Fre⸗ quenz.) Das hiesige Schlachthaus hat seit seiner Inbetriebsetzung, die vor nunmehr 10 Jahren erfolgte, noch an keinem Tage eine solche Fre⸗ quenz aufzuweisen gehabt, als an dem heutigen. Von heute morgen 7 bis nachmittags 3 Uhr wurden nicht weniger als 102 Schweine ge⸗ schlachtet. Die prompte Erledigung der Ver⸗ waltungs⸗, Fleischbeschau⸗ und sonstigen Geschäfte verdient umsomehr Anerkennung, als bei der⸗ selben nur drei Beamte in Thätigkeit sind * Aus Hessen, 10. Nov. Die„Starkenb. Prov.⸗Ztg.“ bringt folgende treffliche Illustration unserer Eisenbahnzustände aus dem Rodgau: Obgleich bei der Station Hainhausen der Rod⸗ gaubahn mit sämtlichen Personenzügen Passa⸗ giere verkehren— der tägliche Personenverkehr wird auf 150 geschätzt— so befindet sich da⸗ selbst nur eine Haltestelle. Die gewöhnlichen Billets werden in den Zügen selbst von den Schaffnern, die Wochen⸗ und Monatskarten da⸗ gegen auf der Bürgermeisterei ausgegeben. Als Wartelokal dient eine einfache Bretterhütte, im Volksmund„Schießbude“ genannt. Eine wesentliche Besserung dieses mangelhaften Zu⸗ standes dürfte in Bälde dadurch herbeigeführt werden, daß in nächster Nähe der Bahn ein— geräumiges Gasthaus erbaut wird, in dem die assagiere Billets haben und einen bequemeren Aufenthaltsort finden können. n. Schotten, 11. Nov.(Großfeuer.) In dem eine Viertelstunde von hier entfernt liegenden Dorf Michelbach ist gestern ein großer Brand ausgebrochen, der bis zur Stunde noch nicht gelöscht werden konnte. Nahezu die Hälfte des nicht sehr großen Dorfes liegt in Asche. Auch das Schulhaus ist ein Raub der Flammen geworden. Begünstigt wurde das Feuer durch den sehr stark herrschenden Wind und Wasser⸗ mangel. Nähere Angaben fehlen noch. Medaktion und Prpeditlon: Kreuzplatz Nr. 4. lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Or Buseck r.⸗Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗ Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗ rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar. ——————— läuft in das Ersuchen aus, dahin wirken zu wollen, daß sämtliche Lehrkräfte an der dortigen Schifferschule aus der Staatskasse vergütet werden, wie dies auch bei den badischen Schiffer⸗ schulen zu Mannheim, Eberbach und Haßmers⸗ heim der Fall sei.— Eingegangen sind ferner bei der zweiten Kammer 1. ein Gesuch der akademisch gebildeten Lehrer um Gleichstel⸗ lung mit den Richtern unterster Instanz in Rang und Gehalt; 2. eine Vorstellung von auf Widerruf angestellten Beamten, die definitive Anstellung derselben betreffend; 3. eine Vor⸗ stellung der Kanzlisten bei den Kollegial⸗ gerichten, deren Dienst⸗ und Gehaltsverhältnisse betreffend. * Darmstadt, 10. Nov. Ein ganz raffi⸗ nierter Betrüger ist der in Kopenhagen e⸗ borene angebliche Maschinentechniker Georg Adhe⸗ mar Svedenborg. Nachdem er in Marburg wegen Bettelns eine Woche Haft verbüßt hatte, begab er sich nach Gießen und Darmstadt. Unter dem Vorgeben, er sei Maschinentechniker, habe in Graz das Diplomexamen bestanden, sei zur Zeit ohne Mittel, er wolle nach München oder Berlin usw., hat er sich besonders bei Studenten Reisegeld zu erschwindeln verstanden. Das Schöffengericht verurteilte gestern den frechen Schwindler zu einer Gesamtgefängnisstrafe von neun Wochen. * Offenbach, 10. Nov. Verschiedenes fal⸗ sches Geld wurde in den letzten Tagen hier wieder im Umlauf gefunden und beschlagnahmt. Es ist dies ein falscher Thaler, ein Einmarkstück und ein 20 Pfennigstück. Bei den beiden erst⸗ enaunten Geldstücken war die Prägung ziem⸗ ich gut, bei dem letzteren dagegen recht schlecht. * Mainz, 10. Nov. Die gestrigen Unter⸗ handlungen der Delegierten der Stadt Mainz und der Gemeinde Kastel wegen der Einge⸗ meindung nahm drei Stunden in Anspruch, ohne daß ein endgiltiges Resultat erzielt wurde. Die Vertreter von Kastel sind nicht geneigt, in der Oktroifrage nachzugeben, sie wollen sich unter keinen Umständen dazu verstehen, das Oktroi auch in Kastel einzuführen, worin man ihnen nur Recht geben kann. * Mainz, 10. Nov. In dem benachbarten Weisenau war bei Gelegenheit der Kaisermanöver bayerische Kavallerie einquartiert. Zwei Reitern wurde in einem Hause eine größere Summe entwendet und der Mann, der die * Darmstadt, 10. Nov. Der Bericht des ersten Ausschusses der zweiten Kammer über die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern und der Finanzen, Dienstgebäude des 4 Darmstadt betreffend, den der Abg. Möllinger erstattete, gipfelt in dem Vorschlage, zur Ver⸗ wendung von 8040. für Beschaffung von Diensträumen und des erforderlichen Mobiliars für den großherzoglichen f im Hause Heinrichstraße Nr. 55 dahier die ver⸗ Rodheim, welcher in der gestrigen uns aus Krof⸗ dorf zugegangenen Notiz, einen Unglücksfall betr. durch einen Druckfehlerimit dem Namen„Storch ————————— ̃ ꝗ ͤ in:» fa sungs mäßig Zustimmung zu erteilen.— Eine 104 der zweiten Kammer eingegangene Vor⸗ stellung des Ortsvorstandes von Neckar⸗Steinach —— das Verwaltungsgerichtshofes zu Verwaltungsgerichtshof Stallwache hatte, als Dieb bezeichnet. Die Untersuchung hatte damals keinen Erfolg. Gestern hat nun der Eigentümer des Hauses eine gründliche Reinigung des Stalles vorge⸗ nommen und in einer Ecke den fehlenden Betrag vorgefunden. * Mainz, 10. Nov. Bei dem Wirt„Zur Stadt Mailand“ erschien anfangs September der Handelsmann Isaak Fuld aus Roßdorf bei Darmstadt. F. teilte dem Wirte mit, er könne jede Woche 700. verdienen, wenn er gegen —————— nachgemacht sein. Der Wirt ging anscheinend auf das Anerbieten ein, setzte jedoch die Polizei davon in Kenntnis. Am 7. September kam nun Fuld zu dem Wirte und bestellte ihn zu einer Znsammenkunft in einer Weinwirtschaft, wo er gegen 300. die versprochenen 1000&& erhalten könne. Beide trafen sich denn auch und Fuld übergab dem Wirte ein mit fünf Siegeln ver⸗ sehenes„Wertpaket“. Zugleich aber drang die Polizei in das Zimmer und verhaftete Fuld. Beim Oeffnen des Pakets fand sich nur Zei⸗ tungspapier vor. Die Strafkammer des Land⸗ gerichts verurteilte den 47 jährigen vorbestraften Schwindler zu 1¼ Jahren Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe. Vermischtes. — Erdbeben im Vogtland— vulkanischer Ausbruch des Vesuv. Während man aus Falken⸗ stein im sächs. Vogtland neuerlich von zwei heftigen Erd⸗ stößen berichtet, die in der Morgenfrühe des letzten Sonn⸗ tags erfolgten, wird aus Portict bei Neapel von einer Erscheinung berichtet, die vielleicht in einem gewissen Zu⸗ sammenhang mit jenen mitteldeutschen Erderschütterungen steht. Seit einigen Tagen ist nämlich der Vesuv in leb⸗ hafter Thätigkeit. Aus dem im Jahre 1895 entstandenen Krater am Atrio del Cavallo fließen große Massen glühender Schlacken nach der Südwestseite ab. Die in zwei große Ströme geteilte Lava gleitet nach der Vetrana und nach der nördlichen Zone des Piano delle Ginestre ab. Der letztere Lavastrom ist wiederum in zwei Teile verzweigt. Auch der Hauptkrater zeigt sich nördlich thätig. Aschenregen, Lapilli und Basaltbrocken werden in häufigen Stößen ausgeworfen.— Zu den Erdbeben im Vogtland ist noch zu bemerken, daß jene Gegend zu den erdbeben⸗ reichsten in Deutschland zählt und seit etwa 120 Jahren in jedem Jahrzehnt ein oder mehrere Mal von Erder⸗ schütterungen betroffen wird. Die Ursache der Häufigkeit dieser Erscheinung, gerade in der Gegend zwischen Hof in Bayern und dem sächsischen Erzgebirge glauben die Geo⸗ logen aus den bisherigen Beobachtungen über den Verlauf der Erdstöße erkannt zu haben. Achtet man nämlich auf die geologische Beschaffenheit der betroffenen vogtländischen Landstriche und auf die Richtung, welche die Bodenbe⸗ wegung zu nehmen schien, so ergiebt sich, daß die Erd⸗ beben mit dem Gesteinsaufbau des Vogtlandes in engem Zusammenhang stehen. Dem(nach Prof. Credners „Schrumpfungstheorie“) noch in langsamer Hebung be⸗ griffenen Erzgebirge parallel laufen kleinere Gesteinsfallen. In ihnen findet fortwährend noch ein seitliches Schieben und Drängen statt. Wo die Spannung in den starren Massen zu groß wird, bersten sie und an schon vorhan⸗ denen Bruchstellen verschieben sie sich um ein Geringes. Wir vernehmen diesen Vorgang als Erdbeben mit kanonen⸗ schußartigem Getöse. Am häufigsten muß dies auf kleinerem Raume vorkommen, wo ein Landstrich besonders reich an Gesteinsfalten und Verwerfungen ist. Nun stellt das Vogtland in der That ein wahres Netzwerk von Ge⸗ steinsfalten dar, und es läßt sich der Verlauf der in den letzten zwanzig Jahren im Vogtlande beobachteten Erd⸗ beben mit dem Verlaufe dieser Gesteinsfalten leicht in ursächlichen Zusammenhang bringen. Nach dieser Theorie brauchte also ein direkter Zusammenhang der Erdbeben mit dem vulkanischen Ausbruch im Süden nicht zu exi⸗ stieren.) Der obenerwähnte Prof. Credner hat eine Reihe von Erdbeben des vogtländischen und des weiteren sächstschen Gebietes bearbeitet, die sich seit 1875 bis zum Jahre Zahlung von 300 4 1000& falsche Papier⸗ scheine übernähme, die außerordentlich gut Die schlechte Handschrift. Humoreske von Karl Kern. (Nachdruck verboten). Fortsetzung.) Im höchsten 9 05 erstaunt ob solchen Be⸗ nehmens, das er durchaus nicht gewöhnt war, 85 der Herr Vorstand die Stirn und sagte reng: „Na, Herr Leisetritt hat mir doch aber vorge⸗ redet, daß es sich um seinen Sohn handelt! Der junge Mann entgegnete spötüsch!:! „Er hat meine Mutter geheiratet. Sonst sind wir weiter nicht verwandt miteinander.“ Es wurde dem Andern nicht ganz leicht, den Würde ihm nötig scheinenden Ernst zu bewahr en. „Kommen wir zur Sache!“ fuhr er fort.„Ihr Vater— denn als solchen muß ich Herrn Leisetritt doch gewissermaßen betrachten, wenn Sie sich auch dagegen sträuben— hat mir gesagt, daß Sie bei uns schreiben. e 1 „Ich soll. muß doch u ö. 20 55 5 5 Sie denn eine Schriftprobe bei sich?“ Der Jüngling i brachte außer einer Zigarrendüte, eil berschiedenen Zetteln und einem Stück 0 inen zusammengefalteten Oktavbriefbogen 0 Fbervor, den er Herrn Lehmann hinreichte. Nga stwas dabei zu erwähnen, hielt er nicht für nötig. kramte in seiner Brusttasch e und einem Bleistift, Bind faden der das Blatt etwas Der Herr Vorstand, 2 und unschlüssig war, ob ögernd genommen hatte, ö 8 h„dem Bengel“ nicht vielleicht eine scharfe Ver⸗ mahnung zu Teil werden lassen solle, las die in ziemlich ungelenken Zügen hineingeschmierten Worte: „Berlin, Datum des Poststempels. Unterzeichneter bewirbt sich hierdurch um den bei Ihnen vakanten Schreiberposten. Hochachtend Otto Gericke.“ Herrn Lehmanns Blick verweilte eine halbe Minute lang auf dem frischen, keineswegs unin⸗ telligenten Gesicht des sonderbaren Bewerbers, der seinen Blick mit kindlicher Unschuldsmiene aushielt. Dann nahm der Büreauvorsteher wieder das t: 0 scheinen unsere Ansprüche für recht be⸗ iden zu halten, wenn Sie meinen, daß wir 155 Menschen mit solcher Handschrift anstellen können Sie haben schon früher bei Rechtsanwälten gearbeitet?“ „Ja, bei vieren.“ „So, und was hat man da zu Ihrer age Eine meinte, meine Hand wäre gut zum Asphalt stampfen, aber nicht zum Schreiben.“ „Und trotzdem muten Sie uns zu „Ich soll doch nun mal. Meine will's durchaus haben.“ Schrift 1¹ 8 Mutter „Na, es thut mir sehr leid; aber Ihre Mutter tann doch für uns nicht maßgebend sein.“ „Da kann ich also wieder gehen?“ Der anmaßliche Ton empörte Herrn Lehmann im Junern, doch aus Rücksicht auf den bescheidenen Herrn Leisetritt, suchte er seine Mißstimmung gegen diese junge Großstadtpflanze hier zu beherrschen. Während er noch überlegte, was er dem Burschen antworten sollte, öffnete sich die Thür zum Nebenzimmer, die schon vorher nicht ganz ge— schlossen war, vollends, und der Rechtsanwall steckte den Kopf herein. Er warf einen scharf prüfenden Blick auf Otto Gericke und wandte sich dann zu seinem Büreauvorsteher: „Du Lehmann, komm doch mal bitte einen Augenblick rein!.... Der junge Mann mag einstweilen warten.“ „Das ist ja ein äußerst origineller Bengel“, bemerkte Dr. Großmund, nachdem die Thür sich hinter Lehmann geschlossen hatte.„Daß er nicht der Sohn unseres guten Leisetritt sein will, kann ich ihm garnicht verdenken.“ „Wieso?“ warf Lehmann ein.„Wäre das denn eine Schande? Leisetritt ist unser gewissenhaftester Arbeiter und schreibt wie gestochen.“ „Ja, ja doch, mag ja sein. Aber schöne Hand⸗ schrift heutzutage—— na, das weißt Du ja.“ Er lächelte eigentümlich, und auch Lehmann lächelte; beide tauschten einen verständnisvollen Blick wie zwei Auguren. 1884 ereigneten. Am 17. Juli 1876 fand eine Erd⸗ erschütterung in Chemnitz statt, am 5. Oktober 1877 eine Es war zwischen ihnen nicht nötig, zu er⸗ wähnen, was beispiels weise dem alten Leisetritt seine Schreibkunst eingebracht hatte. Großmund sowohl wie sein Büreauvorsteher wußten nur zu gut, daß gerade seine schöne Handschrift es war, die ihn auf den untergeordneten Posten festgehalten hatte. Denn so sauber und gefällige Schriftstücke wie er, fertigte kein zweiter im Büreau, deshalb hatten seine Vor⸗ gesetzten es, unter Benutzung seiner Bescheidenheit, gewissenhaft vermieden, ihm eine bessere Stellung zu geben. Nach einer kleinen Pause sagte Lehmann: „Ich glaube zu erraten, was Du sinnst. Du wälzest den Gedanken, an dem Jungen gutzumachen, was wir am Alten gesündigt haben?“ „Ganz recht, den wälze ich. Und ich bin über⸗ zeugt, daß es auch mein Schaden nicht ist, wenn ichs versuche. Aus dem Jungen läßt sich was machen; er steckt nur in einem falschen Milieu.“ Lehmann zuckte die Achseln.„Versuchs! Ich will keinen Rat gegeben haben.“ Großmund sann noch eine Weile nach und sagte dann, nachdem er einen unschlüssigen Blick nach der auf dem Schreibtisch seiner harrenden Arbeit geworfen hatte: „Ich will den Bengel mal ein bischen sondieren. Schick ihn mir, bitte!“ (fFortsetzung folat.) 1 solche in Dippoldiswalde. Am 28. November 1878 ge⸗ schahen zwei Erdstöße in der Gegend von Thum, nördlich von Annaberg im Erzgebirge. Im Dezember 1880 wur den nicht weniger als drei Erdstöße innerhalb zweier Wochen verzeichnet, der erste am 4. Dezember in der Gegend von Großenhain; der zweite im Rittergut Weisch litz bel Plauen am 12. Dezember; der dritte am 15. Dezember in dem Landstrich von Waldenburg an der Mulde Über Meerane nach Crimmitschau. Ein Erdbeben vom 22. Mal 1881 wurde in der Zwickauer Gegend so⸗ wohl auf den Straßen als in den Häusern der Stadt und auch in Bergwerken der Umgegend beobachtet. Zu⸗ verlässige Nachrichten liegen auch über mehrere Erbstöße am Morgen des 16. Oktober 1881 vor, die den Unter⸗ grund der Stadt Leipzig erschütterten. Am 29. September 1883 wurde das Gebiet von Lobenstein und Bad Elfter im Vogtlande von einem mäßigen Beben heimgesucht. Daß größte Erdbeben dieser Jahre war das sächsisch— reußische vom 20. Oktober 188, das eine Ausdehnung von mindestens 160 Quadratmeilen hatte und in 80 Orten verspürt wurde. Bald darauf erfolgten im Reußtischen einige weitere Erdstöße. Historische Fußspuren. Im Laufe der Verhandlungen, die am 8. November im Großen Rate des Waadbtlandes in Lausanne stattgefunden haben, inter— pellterte Herr Paul Vulllet den Staatsrat über die Frage, wle es komme, daß bei den Restauratlonsarbelten im Schlosse Chillon die historischen Fußspuren verschwunden selen, die Bonnivard, der berühmte Gefangene von Chillon zurückgelassen habe, als er dort an einer Säule angekettet war. Staatsrat Viqueral erwiderte, aus dem Berlcht des bauleltenden Archltekten gehe hervor, daß die betreffen⸗ den Fußspuren im Boden nicht von Bonnivards Füßen herrühren; daß diese historischen Fußspuren jeden Winter mittelst einer Eisenschaufel wieder aufgefrischt worden seien zur Befriedigung der Neugler der Fremden und daß die Gold und Kohlen in Cayenne. Immer neue Lagerstellen des von den Menschen so sehnlich ge— suchten gelben Metalls werden aufgefunden. Bel den neuesten Fundstätten ist es ganz erklärlich, daß ihr Gold⸗ reichtum sich so lange verborgen halten konnte, denn es handelt sich um Ortschaften, die ihrer ganzen Natur nach als unwohnlich bezeichnet werden müssen. Nordwestamerika, wohin das Goldfieber in jüngster Zeit einen großen Strom von Einwandern lenkt, ist eine schauerliche Eis— wülste, und nunmehr hat sich auch Cayenne als goldhaltig erwlesen, jene französische Kolonle, die zuerst als Verban⸗ nungsort benutzt wurde, bis sich herausstellte, daß ihr Klima ein so mörderisches ist, daß es als zu unmenschlich erschien, auch schwere Verbrecher dorthin zu senden. Es ist aber sehr zu vermuten, daß der Goldhunger, der keiner⸗ lei Bedenken kennt, selbst vor den Todesgefahren dieses Landes nicht zurückschrecken wird, und daß man ein Land, das zu schlecht für die schlimmsten Verbrecher war, für nicht zu schlecht halten wird, um den brennenden Wunsch, schnell relch zu werden, zu befriedigen. Es ist dies um so eher anzunehmen, als in Cayenne nicht bloß relche Goldadern, sondern auch starke Kohlenlager aufgefunden wurden, also ein doppelter Trieb existiert, dort den Kampf mit den Gefahren des Klimas zu führen. — Spekulationen mit belgischen Aepfeln. Die„Voss. Ztg.“ läßt sich aus Brüel schreiben: Der Bezirk Aubel, unweit der preußisch⸗belgischen Grenze, führt allsährlich ungeheuere Mengen Aepfel nach Preußen aus. Diesmal waren diese Aepfel der Gegenstand großer Speku⸗— lationen. Landwirte haben schon vor Monaten die ganze Ernte, während sie noch auf den Bäumen war, aufge⸗ kauft und machen jetzt vortreffliche Geschäfte. Ste haben die Aepfel mit 2—5 Fr. für je 100 Kilogramm ange⸗ kauft und verkaufen sie nach Preußen mit 20— 30 Ets. das Kilogramm, so daß sie an sedem nach Preußen ab— gehenden mit Aepfeln gefüllten Elsenbahnwagen 200 bis 20 000 Kronen für den erforderlichen Umbau bewilligt, die übrigen Kosten trägt frelwillig ein norweglscher Privat⸗ mann. Die Expedition soll 16 Mitglieder lauter Norweger zählen. Der mitzuführende Proviant ist auf vier Jahre bemessen, die Expedition wird voraus⸗ sichtlich zwei Jahre dauern. Sverdrup will durch Smiths Sund gehen und dann der nordwestlichen Küste Grönlands folgen, bis das Eis seine Schiffahrt hindert. Dann wird das Winterquartier bezogen werden, von dem aus eine Schlitten⸗Expeditlon geplant ist, um den nördlichsten Punkt Grönlands zu bestimmen. Neuefte Telegramme. Hd. Berlin, 11. Nov. Aus Neu⸗Guinea kommt die Nachricht, daß die Mörder des Forschungsreisen⸗ den Ehlers, deren einer nach seiner Flucht aus dem Gefängnis, dann auch den stellvertretenden Landeshaupt⸗ mann Hagen erschossen hat, bei der gegen sie unter— nommenen Verfolgung getötet worden sind. Hd. Berlin, 11. Nov. Eine große Explosion hat gestern Abend in der Krüger' schen Wellblech— fabrik von Hein, Lehmann u. Co., Handelsgesellschaft hierselbst, stattgefunden. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, zwei lebensgefährlich verletzt, vier erlitten erhebliche Brandwunden durch Stichflammen. Die Ursache der Exploston ist noch nicht genau festgestellt. Vermutlich ist die Gas⸗Aether⸗Lampe eines Arbeiters umgefallen und die Flamme hierauf an den Aether ge— schlagen. Hd. Wien, 11. November. Nach der gestrigen Studenten⸗Demonstration wurde der Rektor der Universität zum Unterrichtsminister berufen. Die flavischen Studenten bereiten für stallation des neuen Rektors der hie deutschen Universität ablehnte 1 Motivierung, daß ihm die Teilnahme an der Feier angesichts der Enunziation der deutschen Professoren betreffs der Sprachen⸗Verorduungen 1 unmöglich sei. Hd. Warschau, 11. November. Studenten welcher das Professoren-Kollegium der hiesigen Universität aufgefordert wird, jem Mitglieder auszuschließen, welche an⸗ läßlich der Enthüllung des Murawiew⸗Denkmals Gückwünsche abgestattet hatten. Hd. Petersburg, 11. Nov. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in der Nähe von Bialystock In einem Dorfe war eine Hochzeit gefeiert worden. Ve der Heimkehr passierte ein Wagen mit zehn angehelterten Gästen ein nicht abgesperrtes Eisenbahngelelse. In dem selben Augenblick raste ein Zug heran, welcher den Wagen umriß. Als der Zug zum Stehen gebracht war, bot sich ein furchtbares Bild. Man sah nur eine formlose Knochen⸗ und Fleischmasse. Acht Insassen des Wagens waren getötet, die andern beiden lebensge⸗ fährlich verletzt. Offene Beinschäden, geschwüre, Hautkrankheiten und Lupus ge hören zu den hartnäckigsten, lang wierigsten Krankheiten. Alle, die daran leiden, machen wir an dieser Stelle nochmals ganz besonders auf den unserer heutigen Gesamtauflage beillegenden Prospekt des Herrn Jürgensen⸗Coblenz a. Rh. aufmerksam. Selbst gänzlich veraltete Fälle wurden, wie der Prospek Krampfader⸗ Die hiesigen ö verbreiten eine Flugschrift, in! Reklamationen gegenstandslos selen, da die Spuren sofort 300 Fr. verdienen. Landwirte haben 40 000 bis nach Einbringen der Interpellation wieder hergestellt] 50 000 Fr. verdient. worden find!(Man verfährt also in Chillon ganz ähn⸗— Der Führer der„Fram“ auf Nansens lich wie auf der Wartburg, wo man den„historlschen“ Tintenfleck an der Wand gewissenhaft immer wleder auf⸗ frischt.) eine Expedition ins Norbpolfahrt, Kapitän Sverdrup, wird im Juns wieder Eismeer antreten. Staat hat ihm die„Fram“ Überlassen und noch überdies Freitag eine stration vor. Der norwegische —— Bekanntmachung. Vorkehrungen gegen das Einfrieren der Haus⸗Wasserleitungen. Unter Hinweis auf die„Bestimmungen Über Anlage der Hauswasserleitungen zu Gießen“ machen wir darauf aufmerksam, daß, um dem Einfrieren des Wassers in den Haus⸗ wasserleitungen bei eintretender Kälte vorzubeugen, es erforderlich ist, die Haus- wasserleitungen des Abends für die Dauer der Nacht zu entleeren. Dies geschieht dadurch, daf zuerst der vor dem Wassermesser befindliche Hauptabsperrbahn geschlossen und dann das seltlich desselben befindliche Eutleerungshähnchen, nachdem ein passendes Gefäß untergestellt, ge⸗ öffnet wird und dies so lange geöffnet gehalten wird, big das in der Hausleitung stehende Wasser vollständig abgelaufen ist, worauf oben bezeichnetes Hähnchen wieder geschlossen wird. Um eine vollständige Entleerung zu erwirken, ist es geboten, während derselben das in dem obersten Stockwerk des Hauses besiudliche Zapfventil der Hausleitung ossen zu halten, damit die Luft Zuteitt in die Leitung erhalte.— Ein größerer Theil des Wassers kann auch schon durch das Zapfventil der untersten Küche entleert werden, wodurch die Ent— leerung im Keller vereinfacht wird.— Nach stattgehabter Entleerung sind die beiden Zapf— ventile, welche dem Eintritt der Luft und der Entleerung des Wassers dienten, wieder zu schließen. Das Schließen des er erfolgt durch Aufsetzen des bei⸗ gegebenen Schlilssels auf den vierkantigen Hahnzapfen und Drehung in der Richtung von links nach rechts— im Sinne des Uhrzeigers Das Oessnen des Hauptabsperrhahnes geschieht durch Drehung im entgegen- gesetzten Sinne, bis Widerstand erfolgt. Behufs Wasserentnahme muß des Morgens der Hauptabsperrhahn wieder vollständig geöffnet werden. Abzweigleitungen nach Waschkülchen, Badezimmern, Hofräumen, Gärten usw. sind während des Winters mittelst ihrer besonderen Vorrichtungen auf ähnliche Weise zu entleeren und ertheilt hierilber im besonderen am besten derjenige Installateur Auskunft, welcher die betr. Leitungen gefertigt hat. Bel auhaltender außerordentlicher Kälte empftehlt es sich, die Wasserentnahme auch während des egen auf kürzere sestgesetzte Zeit zu beschränken und während der übrigen Tageszeit die Hauswasserleitungen gleichfalls in oben angegebener Weise abzustellen. Dem Einfrieren solcher Wasserleitungen, welche durch Külchen unbenutzter Wohn⸗ ungen gesilbrt sind, kann man durch Unterhalten eines kleinen Herdfeuers vorbeugen. Auch empfteblt es sich, in kalten Closet⸗ oder sonstigen ungeheigten Räumen, durch welche die Wasserleitung führt, sofern daselbst die Leitung nicht schon durch eine Umhilllung gegen Kälte geschllgt ist, die Temperatur durch ein Oeschen oder geeigneten Falls etwa durch eine Gasflamme auf genllgender Höhe zu erhalten. Sehr kalt stehende, insbesondere auch abgestellte und vorilbergehend nicht in Gebrauch befindliche Closets(wie in Vereinshäusern usw.) werden durch Einstreuen von etwas Salz (Biehsalz) in das Schlußwasser des Syphons(Wasserabschlusses gegen Auffrieren der Schilsseln geschiltzt. Die Wassermesser nächst dem nächstabschließenden Theil der Rohrleitung sind während des Winters mit Stroh, Säcken oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschlossen zu halten. Die Herstellung aller Wassermesser, die insolge ungenügenden Schutzes gegen Kälte Schaden erleiden, erfolgt auf Rechnung der Haus besitzer. Durch die empfohlenen Vorkehrungen wird dem Wasserabnehmer die Lieferung des Wassers möglichst gewährleistet, dem Hausbesitzer aber werden Beschädigungen an Leitung und Gebäude fern gebalten. Wir empfehlen daher vorstehende Vorsichtsmaßregeln allen Beteiligten zur ganz besonderen Beachtung. Reparaturen und Auftauen von Hauswasserleitungen werden am schnellsten von den— jenigen Installations-Geschäften besorgt, welche die betreffenden Hauswasserleitungen s. Z. aus- geführt haben. Gießen, 5 November 1897. Städtisches Gas⸗ und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. Submissionen. Gießen. Die Füllung des Eiskellers in den neuen Kliniken soll auf dem öffentlichen Submisstonswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungs bureau genannter Anstalt nachmittags von 3—5 Uhr eingesehen werden. Offerten sind mit entsprechender Ausschrift versehen, verstegelt bis zum Donnerstag, den 18. November, mittags 19 Uhr, einzureichen. Zuschlag erfolgt bis zum 24. November. — bis Widerstand erfolgt.— 9%%%%%%%%%%%%% Gebrüder Mayer Weinhandlung beehren sich die Verlegung ihres Kontors nach 1 brünbergerstrasse Jergebenst anzuzeigen. 2 — 3182 F Textors Terrasse 1 Bürgerlichen Mittagstis Aalich frische Waffeln. Ph. Beb. un Rebstock, Westanlage. 1824 — Bekanntmachun; Aus der Stiftung der Ludwig T * eodor Felsing Eheleute zu Gießen sind die dies— jährigen Zinsen und zwar: 171 k. 43 Pfg. an zehn in Gießen geborene würdige Arme und 34 Mk. 29 Pfg. an fünf würdige Witwen zu gleichen Teilen zu vergeben. Anmeldungen hierzu haben bis zum 10. k. Mis, auf dem Bureau der unter— zeichneten Behörde— Zimmer Nr. 2— zu erfolgen. Gießen, den 6. November 1897. Großherzogl. Bülrgermeisterei Gießen. J. B.: Wolff. Lehrling, der die Maschinenschlosserei erlernen will, gesucht. Näh. in d. Exped, d. Bl. 3146 Mraves Mädchen, welches angehend kochen kann, sich aber in der Küche noch weiter ausbilden möchte, ferner ein Lehr⸗ mädchen zum 25. 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