leute 1 bonn 0 Ius: 1 N a e,. 110 Gießen, Mitwoch, den 12. Mai dagl dug, J dn 9 N N 0 „Hie lechisg lezten Wochen uchshnltsprese 5 % Kom 6 80 ), Etbsen, 908 4 —ů burg, Verantw. Rehe ruck der E 5 g. uh — — .und C/. rin ger Mittagstisch* er Abonnement 187 U„Deutscher Ho — dter Haus. sowie vorzüg⸗ ittagstisch. ter Welrieh.(0 — der französischen id englischen Sprach uch t. 2 rzugt. Offerten unt erped. d. Ztg. 132 lwohnhause erforderlich beiten, Dachdeckerarbeile ten, Glaser⸗ und Weiß elne Arbeiten oder auf Nis, vormittags 12 Uh Arbeitsbeschreibung un are sind gegen Erstattun —— 41 br, fumlung ler, 130 — — ate 1e 5 iserhof) rinnerung. zarantie. wonpt und gen! 1 569 ührt. Not c. 12 o Ausführung gebracht. Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe ssische Laudeszei Gießen. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 72 8 Lokales und Provinzielles. Gießen, 11. Mai. Der am Morgen des 5. Mai in Gießen verstorbene Geheime Justizrat Professor Dr. Gustav Kretschmar würde am 10. September dieses Jahres sein 67. Lebensjahr vollendet haben. Er hat erst spät den Entschluß, sich der Akademischen Laufbahn zu widmen, zur run l Längere Jahre war er ausschließlich praktisch thätig, davon während der Jahre 1860—75 als Rechtsanwalt und Notar in Leipzig. Am gleichen Orte habilitierte er sich Michaelis 1874 für römisches Recht. Seine wertvolle Habilitationsschrift über die Natur des Prälegats verschaffte ihm rasch einen meachteten wissenschaftlichen Namen. Schon im Herbst 1875 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor des römischen Rechts an die Universi⸗ tt in Rostock. Ein Jahr darauf wurde der Versuch gemacht, ihn für unsere Landesuniversi⸗ tät zu gewinnen. Er lehnte damals ab, nahm aber einen im Sommer 1877 an ihn von neuem gerichteten Ruf nach Gießen an und siedelte als Ordinarius für römisches Recht im Beginn des Wintersemesters 1877/78 an unsere Landesuni⸗ versität über. Der Verstorbene ist Gießen treu geblieben und hat sich für Gießen entschieden, als 1878 ein ehrenvoller Ruf an ihn von der Frei⸗ burger Hochschule erging. Kretschmar war eine achte Gelehrtennatur mit voller Begeisterung für eine Wissenschaft, ein ausgezeichneter Kenner es Corpus juris, dessen Inhalt er wie wenige seiner Fachgenossen beherrschte. Auch auf underen Rechtsgebieten besaß er reiche Kenntnisse; vor allem hatte er auf einer Reise durch Spanien Studien über spanisches Recht angestellt, über die er gelegentlich im kollegialen Kreise sprach. Es ist aufrichtig zu bedauern, daß er sich nur außerst schwer zu wissenschaftlichen Veröffent⸗ lichungen entschloß. Immer meinte er, es sei noch nicht die letzte Hand an seine Arbeit gelegt und immer dachte er daran von neuem das Material durchzuarbeiten und zu sichten. Als Lehrer kamen ihm die gerade für seine Fächer wertvollen Erfahrungen zu statten, die er als Praktiker gesammelt hatte. Er verstand es, seinen Zuhörern das Pandektenrecht anschaulich zu machen und ihnen das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des bürgerlichen Rechts zu eröffnen. Auch in seinen exegetischen und praktischen Uebungen hat er der jüngeren Juristengeneration unseres Großherzogtums ein gutes Teil ihres juristischen Wissens und Kön⸗ nens mit auf den Weg gegeben. Unvergessen ist daneben, das kann man oft hören, unter seinen alten Schülern die wohlwollende freund⸗ liche Art, mit der er seinen Zuhörern begegnete und mit der er ihnen menschlich näher trat. So bedeutete es einen schwer empfundenen Verlust für unsere Landesuniverfität, als sich der nun Heimgegangene am Ende des Sommers 1895 aus Gesundheitsrücksichten entschloß, in den Ruhestand zu treten. Nur kurz sollte er diese Ruhezeit genießen. Ein sanfter unerwarteter —.——— Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile. Tod hat ihn hinweggenommen. Andenken! 5 5 Gießen, 11. Mai. In dieser Woche sind die neuen Steuerzettel seitens der Ge— meinde an die Zahlungsverpflichteten ausge— händigt. In einer dabei gegebenen Erläuterung wird dem Steuerzahler klar gemacht, für welche Zwecke die von ihm an die Stadtkasse zu ent⸗ richtenden Steuern Verwendung finden. Darnach werden pro 1897/98 erhoben a. auf das gesamte Kom⸗ Ehre seinem munalsteuerkapital der Ortseinwohner und Fo— D. 447946 A. 24 b. auf das Steuerkapital der evangelischen Ge— meindeangehörigen. c. auf das Steuerkapital der kathol. Gemeindean⸗ e,, auf das Grundsteuer⸗ kapital für Kosten der Parzellenvermessung 6500.— Der Steuerausschlag auf 1% Kommunal— steuerkapital berechnet sich danach zu a. auf 5 42000.— 2500.= 28,8 8 zu b. auf 3,582 i ee und auf 1 l. Grundsteuerkapital e,, 1,507 Daneben werden von den evangelischen Ge⸗ meindeangehörigen noch an Landes kirchensteuer die auf den Steuerzetteln im einzelnen aus⸗ geworfenen Beträge mit 1,7& auf die Mark Kommunalsteuerkapital erhoben. Von den auf den Steuerzetteln als„Ge⸗ meindesteuern“ angeforderten Beträgen werden somit für kirchliche Bedürfnisse erhoben: bei evangelischen Gemeindeangehörigen rund 15 ½ 9/0 und zwar rund 10¼% Gfür die Bedürfnisse der evangelischen Kirchen⸗ gemeinde dahier % für die evangelische Landeskirche bei katholischen Gemeindeangehörigen rund 8„% für die Bedürfnisse der katholischen Kirchenge⸗ meinde dahier. Hiernach kann sich jeder Steuerzahler selbst ausrechnen, wie hoch die Summe sich beläuft, die er im Steuerjahr an die resp. Kirchen⸗ gemeinden zu zahlen hat, was aus dem eigent⸗ lichen Steuerzettel nicht klar er sichtlich ist. Unsere Leser erinnern sich wohl, daß das Ministerium den Antrag des hessischen Städtetages betreffend Ersichtlichmachung dieser Steuer s. Zt. glaubte ablehnen zu sollen. P. A. Gießen, 11. Mai. Sport⸗ und Volksfest in Gießen. Ueber der Rennbahn, bei welcher der Fehler einer so geringen Steigung an den Kurven, den die Bahn des Darmstädter Radfahrer⸗Vereins beim letzten Rennen am Sonn⸗ und rund 5 tag gezeigt hat, vermieden worden ist, läßt Herr Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. — Bichler noch 2 Lawnu-Tennisplätze her⸗ richten. Auf dem Festplatze selbst sollen für die Dauer des Festes am 30. und 31. Mai acht Büffets errichtet werden, sodaß für das leibliche Wohl der Festteilnehmer in ausreichender Weise gesorgt ist. * Gießen, 11. Mai. Der hiesige Theater- Verein hatte für gestern die fünfte Vorstellung angesetzt, zu welcher das Schauspiel⸗Ensembles vom Kölner Stadttheater gewonnen war. Zur Aufführung gelangte das Schillersche Trauerspiel „Marie Stuart“. Ueber die Leistungen der Künstler können wir uns den in den letzten Nummern unserer Zeitung gebrachten Berichten über die Vorstellungen in Marburg anschließen. Auch hier war die Darstellung des Stückes eine mustergiltige, die von dem zahlreich erschienenen Publikum mit reichem Beifall belohnt wurde. * Gießen, 11. Mai. Ueber ein Konzert in Hamburg, in welchem unser Landsmann, Herr Kammermusiker H. Kruse mitwirkte, be⸗ richtet ein Hamburger Blatt:„Der kgl. Kammer⸗ virtous H. Kruse, dessen sammetweiches Cello⸗ spiel in Hamburg längst bekannt und beliebt ist, trug ein Coßmannsches Cellokonzert vor, das an sentimentalem und larmoyantem„Schmelz“ viel enthält, aber Herrn Kruse auch reichlich Gelegen⸗ heit gab, in süßer Cello-Cantilene zu singen und in Fiorituren zu brillieren.“ Wir erfahren, daß der Künstler demnächst zum Besuche bei seinen Eltern weilen wird. Sollte es dem Konzert⸗ Verein nicht gelingen, das Kruse-Quartett für ein Konzert zu gewinnen? * Gießen, 11. Mai. Dem Vernehmen nach erhalten wir zwischen dem 27. August und dem 4. September d. J. in Gießen und Um⸗ gegend große Einquartierung, da beab⸗ sichtigt sein soll, in diesen Tagen die hessische Division hier zusammen zu ziehen. * Gießen, 11. Mai. Gestern holte sich Ernst Bethge, Mitglied der„Wanderer“ G. R.⸗G., in Darmstadt beim Radwettfahren im Hauptfahren(Strecke 5000 Meter, 10 Runden) den ersten Preis und außerdem den Führungs⸗ preis. Beim Mehrsitzen⸗Vorgabefahren unterlag derselbe gegen seinen Gegner um etwa eine Handbreite. * Gießen, 11. Mai. Die Lahnkalk⸗ und Marmor⸗Industrie August Gabriel jr. hat der Gießener Ruder-Gesellschaft einen Gedenkstein aus dem Material der Bieberbrüche mit in goldenen Buchstaben eingegrabener Widmung geliefert. Der Stein ist dazu bestimmt, in das Denkmal eingefügt zu werden, welches die deutschen Sportvereine zur Erinnerung an die Centenarfeier in Berlin zu errichten beabsichtigen. Der Stein wird einige Tage im Schaufenster der Möbelfirma Aug. Aßmann am Seltersweg ausgestellt werden. * Gießen, 11. Mai. Der Präsident der zweiten Kammer hat an die Redak⸗ tionen einer Anzahl hessischer Blätter ein Schreiben gerichtet, in dem er sie zu einer Be⸗ sprechung auf Samstag, den 15. d. M. in das ————— Ständehaus zu Darmstadt einladet. Es ist be⸗ absichtigt, den Verhandlungen der zweiten Kam⸗ mer in allen Schichten der Bevölkerung die weiteste Verbreitung dadurch zu verschaffen, daß eine Landtagskorrespondenz herausge⸗ geben wird, die den größeren Tagesblättern mit thunlichster Raschheit in der nötigen Auflage zur Verfügung gestellt werden und den Zweck ver⸗ folgen soll, die Verhandlungen in der Form einer Beilage auf Grund stenographischer Auf⸗ zeichnung in größerem Umfang zu bringen und gleichzeitig den Redaktionen die hohen Kosten der Unterhaltung besonderer Berichterstatter zu er⸗ sparen, sowie die Möglichkeit zu gewähren, den der Wiedergabe der Verhandlungen seither gewidmeten Raum der Zeitungen anderweitig zu benutzen. * Gießen, 11. Mai. Schnee im Mai! Der April war dieses Jahr besser als sein Ruf. Dagegen scheint der Mai das von seinem Vorgänger Versäumte nachholen zu wollen. Erst einzelne schöne Tage, dann Gewitter, Regen, Sturm, teilweise Hagel, wieder schönes Wetter, dann empfindliche Kälte und heute Vormittag bei gleichzeitig prächtigem Sonnenschein: Schnee⸗ fall. Wir wollen wüunschen, daß sich der Mai, nachdem er das ganze Witterungsprogramm ab⸗ solviert hat, wieder auf seinen ureignen schönen Beruf besinnt und dauernd schönes Wetter bringt. * Grünberg, 10. Mai. Der„Ober⸗ hessische Bienenzüchter-Verein“, der gegenwärtig 19 Zweigvereine mit 813 Mit⸗ glieder zählt, hält am 12. und 15. September in unserem Orte eine General-Versamm⸗ lung verbunden mit einer Ausstellung von lebenden Völkern, Produkten, Geräten usw. ab. Als Ausstellungsplatz und Versammlungsort ist „Hamels Gartenhaus“ vorgesehen. Gleichzeitig mit der Ausstellung wird auch der Honigmarkt abgehalten. Da man unserem, vor nicht allzu langer Zeit gegründeten Zweigverein von allen Seiten die wärmsten Sympathien entgegenbringt, so kann man einer würdigen Gestaltung derselben getrost entgegen sehen. * Grünberg, 10. Mai. Der hiesige Musik⸗ verein, der in diesem Jahre das 60jährige Jubiläum seines Bestehens feiern konnte und auch beabsichtigte, hat sich aufgelöst. Diese Thatsache ist um so bedauerlicher, als genannter Verein in den letzten Jahren von seinen Leistungs⸗ fähigkeiten das beste Zeugnis ablegte und aller⸗ wärks wohlverdiente Anerkennung fand. Ob⸗ wohl dessen Fortexistenz allseitig gewünscht wird, so ist von einer Reorganisation genannten Ver⸗ eius vorderhand nicht zu denken. * Friedberg, 10. Mai. Gestern Mittag wurde unter dem Vorsitze des Herrn Instituts⸗ vorstehers Dr. Kübel aus Gießen der zahlreich besuchte ober hessische Katholikentag ab⸗ ehalten. Der Vorsitzende begrüßte die Versamm⸗ ung und schloß mit einem jubelnd aufgenom⸗ menen Hoch auf die geistliche und weltliche Autoritäk. Herr Landtagsabgeordneter Rechts⸗ ......—— Ein Zauberer. Von E. Merk. (Nachdruck verboten). Durch bodenlos nasse Wiesenwege, die sich zum Teil in Bäche verwandelt haben, stapft ein hageres, altes Männlein duf das Hotel zu. Er schleppt sich mit zwei schäbigen Koffern. So schneidend ihm der Westwind in das Gesicht weht, er muß oftmals stillstehen, um sich den Schweiß von der Stirne zu trocknen. Seine runden, glanzlosen Augen sind rotgerändert und die rauhe Luft macht sie thränen. Er hat den Kragen seines fadenscheinigen, grünlich⸗ braunen Ueberziehers aufgeschlagen und aus dem mageren Gesicht schaut nur die lange spitze Nase hervor, die dem armseligen alten Kopf einen tragi⸗ lomischen Anstrich giebt. Endlich hat er sich bis zu dem Hotel herangearbeitet und tritt nun mit einem tiefen Bückling gegen die auf der T rrasse, in übelster Laune„lustwandelnden“ Herrn in den Flur. Der Wirt empfängt ihn mit groben Worten und er will eben, wie ein geprügelter Hund, der Schläge fürchtet, wieder hinaus in den Regen, als die Wirtin ihn am Rockzipfel erfaßt und energisch für sein Dableiben stimmt. Eine Viertelstunde später verkündet ein mit zittexiger Bleistiftschrift ausgefülltes Plackat zum grofcn Jubel der gelangweilten Kinder, für den Abend eine Zauber— Vorstellung. Es ist dunkel geworden; draußen gießt noch immer der Regen herab. Die Hotelgäste reiben sich frierend die Hände, als sie in den großen einer Brille, ein Gymnasiallehrer aus Sachsen. Sein Arzt hat ihm den Aufenthalt in der Hoch⸗ gebirgs⸗Luft empfohlen. Er fühlte sich nicht recht gesund, ohne eigentlich krank zu sein. Vielleicht war es nur die freudlose Eintönigkeit seines Lebens, die ihm die Nerven erschlaffte. Er hatte keine Familie, keine Geliebte, keine Freunde, nicht einmal einen Hund. Er hatte auch keine Leidenschaften und keine Liebhabereien; weder für das Kartenspiel noch für das Sammeln von Briefmarken, noch för irgend eine andere harmlose Erregung in den Muße⸗ stunden. Er hatte nichts und niemand, nur die gleichmäßige, mühsame trockene Pflicht. Schon während der Reise war er ein anderer Mensch geworden und wenn er auch noch keinen Anschluß an die Hotelgäste gefunden, schon der An⸗ blick frohgenießender Menschen machte ihn vergnügt und jung. Ein paar schwarze Mädchenaugen sind be⸗ obachtend auf ibn gerichtet. Fräulein Tiny, die Tochter des wohlbeleibten Kommerzienrates, ist fest überzeugt, daß der junge Mann in sie verliebt sei. Es liegt meist ein ganz verträumter Ausdruck auf seinem Geficht; er errötet, wenn er eintritt. Freilich, wenn seine hellen Augen ihren Glutblicken begegnen, dann senkte er sie zaghaft. Ihre vor ein paar Tagen angekommene Freundin weiß natürlich von dieser Eroberung und heute Abend, nach diesem langweiligen Regentag vertraut Tiny ihr sogar an, daß sie gar nicht übel Lust hätte mit dem jungen Mann ein wenig zu kokettieren. Speisesaal treten. An dem untersten Ende der hufeisenförmigen Tafel sitzt ein blonder Mann mit „Weißt Du, Emy, nur aus Jux natürlich, weil außer ihm kein einziges männliches Wesen unter sechzig Jahren hier ist! Wenn er nur nicht so schrecklich scheu wäre. Er wagt so gar nicht, mich anzureden.“ Die beiden Mädchen kichern und flüstern und die Freundin bittet: Wenn er Dir eine Liebes-Erklärung macht, Tiny, dann mußt Du mich zuhören lassen. Es wäre ein gottvoller Spaß, ihn zum Narren zu halten!“ Tiny wirft berückende Blicke an das Tisch— Ende und spottet als geschmackvolle junge Welt⸗ dame über den altmodischen Anzug des für ihre Begriffe ältlichen Mädchens, das ihnen gegenüber Platz nimmt. Es ist eine Volksschullehrerin mit einem stillen, bescheidenen Gesicht, das nur hübsch wird, wenn sie lächelt, mit glatt gescheiteltem Haar, ohne Stirnlocken. Sie mag etwa fünfundzwanzig Jahre zählen, aber sie hat den kindlichen Blick der Men⸗ schen, deren Gemüt noch kein frivoler Anhauch ver⸗ darb. Sie wohnt aus Sparsamkeit nicht im Hotel, sondern in einem Bauernhäuschen und pflegt sonst nur des Mittags im Hotel zu essen und sich abends mit einem Butterbrot und einer Tasse Thee zu begnügen. Die Kälte in ihrem Stübchen, vielleicht auch ein wenig Neugier hat sie heute zu dem Exzeß eines Abendessens im Spelsesaal getrieben. Auch sie war elternlos und spann des Jahres über ihr Pflichtenpensum ab, ohne Zerstreuung, ohne eine Sonntagsfreude in ihrem stillen Werkeltag⸗ leben. Aber Frauen ertragen viel leichter solchen Mangel am Sonnenschein und Hildegard war sich wie eine Gottbegnadete, nebenbei fast wie eine Ver⸗ schwenderin erschienen, als sie in diesem Jahre zum ersten Male die weite Reise aus ihrem nord— deutschen Städtchen in das langersehnte Gebirge unternahm und sich einen Landaufenthalt vergönnte. Freilich, wenn nun zuweilen die Berge gar so be⸗ rückend schimmerten in roter Abendglut, wenn der Mondschein gar so leuchtend über der schönen Land⸗ schaft lag, dann ertappte sie sich auf einem selt⸗ samen Wünschen und Träumen und sagte sich, daß sie anfange in ihrem Müßiggange übermütig zu werden und daß es bald Zeit sei, heimzukehren an die Arbeit, zu ihren bösen Schulkindern. Ein dünnes Glöckchen verkündet den Anfang der Vorstellung. Der„Zauberer“ verbeugt sich vor seinem Publikum, das vorläufig dem Abend— essen mehr Aufmerkfamkeit schenkt, als ihm. Er stect nun in einem glattgebürsteten, schwarzen Rock, in dem er noch magerer aussieht; schneeweiß blinken Kragen und Manschetten— Gummiwäsche! Wenn er auch des Tags über schleppen und laufen mußte wie ein Taglöhner, am Abend hat er zu lächeln in einem anständ igen Salon-Anzug, denn gutsituierte Menschen wollen nicht durch den Anblick der Armut in ihrem Behagen gestört werden. Mitleidig steht der Gymnasiallehrer Hubert von seinem Platz am Tisch-Ende auf; er will dem Mann und seinen Kunststücken doch nicht geradezu den Rücken kehren. Tiny, die diesen Woment vor⸗ hergesehen, hat einen Stuhl neben sich freigehalten. Aber der junge Mann scheint wirklich keine Courage zu haben. Er nimmt gegenüber neben dem Fräu⸗ lein in dem altmodischen Anzug Platz. (Fortsetzung folgt.) anwalt Frenay von Mainz verbreitete sich in längerer Rede über die Aufgaben des Centrums in religiöser, politischer und wirtschaftlicher Be⸗ ziehung und ermahnte die Versammlung, treu zu ihrer Vertretung im Landtag und Reichstag zu stehen, wobei er wichtige Fragen, wie das allge⸗ meine Stimmrecht, die Wehrkraft des Volkes und die Bedeutung der Parteipresse berührte. Der Diöcesanpräses der katholischen Vereine, Herr Pfarrer Forschner von Mainz, sprach über die christliche Sozialpolitik. * Wald ⸗Michelbach, 10. Mai. Ein Hoch⸗ stapler, der in den letzten Wochen, besonders die Pfarrhäuser an der Bergstraße, in Bingen, Dietersheim, in verschiedenen Orten bei Mainz und auch in der Gegend bei Offenbach heimsuchte, wurde gestern hier dingfest gemacht. In einem Mainzer Blatte las Herr Pfarrer Jäger hier eine bezügliche Warnung. Bald darauf erschien bei ihm ein etwa 28 jähriger junger Mann, auf den das in der Warnung enthaltene Signale⸗ ment stimmte. Er überbrachte Grüße von einem befreundeten Pfarrer und gab alsdann in be⸗ redter Weise seiner augenblicklichen Geldverlegen⸗ heit Ausdruck. Es wurde ihm sofort entgegnet: „Sie sind ein Schwindler!“, worauf er im Galopp reißaus nahm. Beherzte Leute, sowie die herbeigerufenen Gendarmen jagten dem Flüchtling nach und trieben ihn so in die Enge, daß er sich ergeben mußte. Er wurde sofort auf dem Amtsgerichte vorgeführt, wo es sich herausstellte, daß er die genannten und, wie es scheint, noch andere Schwindeleien verübt hat. Er giebt an, Rump zu heißen und aus Heides⸗ heim bei Mainz zu stammen. Schließlich wurde noch bekannt, daß der Bursche sich schon 2 Tage hier bei Verwandten des vor einigen Jahren nach Finthen bei Mainz versetzten Lehrers Wahl bewirten und übernachten ließ, indem er angab, er sei ein Vetter des Herrn Wahl; natür⸗ lich kam man dem vermeintlichen Vetter sehr entgegen. Neueste Telegramme Hd. Berlin, 11. Mai. In den letzten Tagen hat, wie der„Vorwärts“ meldet, 6 der Regierung und den größeren Parteien ein Meinungs⸗ Austausch über den Schluß der Reichstagssession stattgefunden. Wie es heißt, soll die Session noch in der Woche vor dem Himmelfahrtsfeste ge⸗ schlossen werden. Eine endgültige Ver⸗ einbarung ist jedoch noch nicht getroffen, da die Besprechungen darüber, welche Vorlagen noch zur Verabschiedung ge⸗ bracht werden sollen, bisher ein Resultat nicht ergeben haben. Hd. Hamburg, 11. Mai. Südwest⸗ lich von Helgoland hat eine Collision zwischen dem norwegischen Schiffe Budvar und dem holländischen Dampfer Virginia stattgefunden. Beide Fahrzeuge sind gesunken. Die Mann⸗ schaft des Budvar konnte sich retten, neun Mann von der Virginia sind ertrunken. Außerdem wird ein Boot mit acht Mann vermißt. Hd. Paris, 11. Mai. Der Figaro meldete gestern, die Baronin Hirsch habe für die Wohlthätigkeits⸗Vereine einegroße Summe gespendet. Ein Schreiben des Verdingung. Die zur Herrichtung des rechtsseitigen Thor⸗ hauses am Neustädterthar für die Zwecke der Oktroierhebung erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, wie: Erd⸗ und Maurerarbeiten, Zimmerarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Eisenlieferung, Schreinerarbeiten, Schlosserarbeiten, Glaserarbeiten und Weißbinderarbeiten . sollen Samstag, den 15. d. Mts., vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen Angebote auf vorgeschriebenem Formular sind bis zum genannten Termin bei uns ein⸗ zureichen— Zuschlagsfrist 143 Tage. Gießen, den 4. Mai 1897. Das Stadtbauamt. Schmandt. Erzbischofs an die Presse erklärte jedoch, daß nodheimerstraße 36 übernommen habe.— Für das mir seither geschenkte Vertrauen bestens dankend, bitte ich, dasselbe mir auch zu meinem neuen Unternehmen zu— kommen zu lassen. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Zum Ausschauk bringe ein vorzügliches Glas Exportbier aus der Brauerei G. Bichler. Geneigtem Zuspruch entgegensehend, zeichne Gießen, Mai 1897. 77... Wirtschafts⸗Uebernahme. Meinen werten Freunden und Gönnern hiermit die ergebene Mit— teilung, daß ich unterm Heutigen die Bestauration„Zum Biebertal“ Hochachtuugsvoll Eduard Böhm. 7 ĩðV2u 8 diese Summe von katholischer Seite herrühre und daß der oder die Geber das abso⸗ lute Incognito bewahren wollten. Nur der Präsident und der Schatzmeister des Bazars kennen die Namen. Hd. Athen, 11. Mai. Für heute wird eine Note erwartet, welche einen 14tägigen Waffenstillstand zwischen der Türkei und Griechenland fordern soll. Hd. Athen, 11. Mai. Die Minister Ralli und Skuludis gaben gestern auf der deutschen Gesandtschaft die Erklärung ab, daß die griechische Regierung die Bedingungen, unter denen die Mächte die Friedensverhand⸗ lungen angeboten haben, annehme, daß sie also ihre Truppen aus Kreta zurückziehen und die Unabhängigkeit der Insel anerkennen werde. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten— Versammlung, Freitag, den 14. Mai 1897, nachm. 3½ Uhr. 1. Gesuch des Jean Böck um Erlaubnis zur Auf⸗ führung einer Halle in seinem Garten an der Marburger⸗ straße. 2. Gesuch des Theodor Brück um Erlaubnis zur Aufstellung eines Häuschens in seinem Garten am Schiffenbergerweg. 3. Desgl. des Landgerichtsregistrators Jäger zur Auf⸗ stellung einer Gartenhütte. 4. Desgl. des Andreas Euler zum Bauen in der Steinstraße. ee— 5. Gasleitung in der Hofmannstraße. 6. Herstellung erhöhter Trottoirs; hier: a) Asphaltierung am Markt und in der Mäus⸗ burg. b) Pflasterung des Kiesstreifens auf dem nörd⸗ lichen Bürgersteig des Lindenplatzes mit ge⸗ mustertem Mosaik. 7. Wiederherstellung des alten Schlosses; hier: des Heidenturmes und Abbruch einzelner Gebäudeteile. 8. Errichtung eines Aussichtsturmes auf der Hohe⸗ warte. 9. Errichtung von Feuermeldestellen. 10. Das Betreten der Bahnstrecken innerhalb der Gemarkung Gießen seitens städtischer Baubeamten und Arbeiter. 11. Rechnung der Gemeindekrankenversicherung pro 1896; hier: Prüfung derselben. 12. Die Untersuchung des von auswärts eingeführten Fleisches. 13. Gesuch des L. Hellmold um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Steinstraße 23. 14. Desgl. des Hugo Fatum im Hause Frankfurter⸗ straße 82. Marktpreise. Gießen, 11. Mai. Auf dem heutigen Wochen⸗ markte kostete: Butter per Pfd. 1— 1,20, Hühnereier 2 St. 9— 11 Pfg., Enteneier 6 Pfg., Gänseeier 11 Pfg., Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 18, Linsen 27 Pfg., Tauben per Paar 0,70— 0,90, Hühner p. St. 1,20— 1,40, Hahnen 1,30— 1,50, Enten 1,70— 2,00, Gänse per Pfund 48— 54, Ochsenfleisch 66— 74, Kuh⸗ und Rindffeisch 60 bis 66, Schweinefl. 56— 66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 50— 54 Pfg., Hammelfleisch 50— 65, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,50— 5,50, Zwiebeln per Zentner 8— 9 Mk., Milch per Liter 16 Pfg. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13, 8 3 Oran 1322 1312 1. Restaurant und Cafe len- Bräu. 6 Ludwigsstraße 6. Mittagstisch im Abonnemet 63—85 Pfg. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit. Separate Zimmer für Gesellschaften. 0 Weine, Biere und Liqueuer. Kaess, Verdingung. Die zur laufenden Unterhaltung der Gebäude des Großberzoglichen Polizeiamts erforderlichen Weißb in derarbeiten sollen Samstag, den 15. d. Mts., vormittags 11% Uhr, öffentlich verdungen werden Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf vor⸗ geschriebenem Formulor sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen.— Zuschlags- 8 offen Reeg ben 4. Mai 1897. I Grö A hl in jeder Preislag 9 9 g Hextors I 3 . Das Stadtbauamt. e 8 5 rösste us Wa, In J%˙ 91 Tels A856. 5 170 225 2 8„ 8 AN IS Crraàsse 2 Schmandt. 0 NFA Vertreter 0 0 5 8 70 E täglich frische Waffeln. Ph. 2 Mittwoch, den 12. Mai l. J., S eee S Mittagstif nd aut nachmittags 2 Uhr, 2 Konrad Hamel, ist frisch eingetroffen bei: 1326 be. J. Arnold(im Schiplapaß). werden im Biekerschen Saale versteigert: Sophas, Kommoden, Schränke, 1 Ver⸗ tikow, ov. Tische, 1 nußb. Sekretär, 1 Die 1897er Fahrräder der Kronrad-Werke werden in Oualität, Ausführung und Eleganz von keiner anderen Marke über- Nordanlage 29. passend. Schlackensteine, 5 pfehlen, Uderus'Sche Eisenwerke liefern von: Sophienhütte Wetzlar, Margarethenhütte. Gießen, Georgshütte Burgsolms zu jedem Bau, besonders zur Erbauung gesunder, trockener Wohnhäuser zu em Format 2504120 4100 mm zur Ausmauerung von Fach⸗ ö werk; Normalformat 25041200465 mm für Massivbauten besondert ö 791 Ersatz für Cement, Gruakalk und Weißkall, — 8 Schla Fenmehl, zur Herstellung von Fruchtböden und ähn— lichen Räumen geeignet. 2 Schlackensand, bestes Material zur Mörtelbereitung. 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