1s abends 90 voll ebe. 7 ra * Tageszel fg. 6388 Pfg. ö . Liqueuer, er ädler Lücke us führung audleren Marke jeder Preis er Hamel ge 29. stag, den 13. 9 schaft 4 1 Kasino ingesten Preisfeh Jean 1 stisch wn old ein Sthüln der Hal 3, sowie vorsh 7 tagt 1 Welle runl nl 1 Riel 5 ö eigtl 0 2 80 Terras ph. U 90 f U Wafflu-— — . 0 0 A Nr. 133 Gießen, Donnerstag, den 10. Juni 1897. Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. Hessische Landeszei Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. NMedaktion: 8 Kreuzplatz Nr. 4. 8 Nadfahren als Heilgymnastik. Von Dr. Martin Siegfried(Berlin-Bad⸗Nauheim).“) Die Gymnastik des Zwei⸗ und Dreiradfahrens— die Cy klistik als Heilmittel zu verwenden, sie unter die Kurmittel für diejenigen Fälle aufzunehmen, in denen die Ausübung gymnastischer Bewegung und körper⸗ licher Arbeit von Nutzen ist, könnte gewagt erscheinen, wenn man sieht, daß noch nicht einmal die Grundfrage, ob das Radfahren überhaupt gesund sei, ärztlicherseits eine einheitliche bejahende Beantwortung gefunden hat. Die Zahl der Gegner des Radfahrens unter den ärztlichen Kritikern ist nicht klein, sie überwiegt derart sogar die— jenige seiner Befürworter. Wägt man jedoch die Aeuße⸗ rungen der Gegner, so macht man, sofern man Arzt und Radfahrer zugleich ist, die überraschende Wahrnehmung, daß dieselben, soweit sie sich nicht auf mißbräuchliche Uebertreibungen und dadurch hervorge— rufene Schädigungen der Gesundheit beziehen, durchweg auf theoretischen Spekulationen beruhen, deren Verfechter niemals auf einem Rade gesessen haben. Diejenigen Aerzte, die ihr Urteil auf Beobachtungen und Erfahrungen gründen, dle sie an sich selbst gemacht haben, stellen fest, daß wir in der Cyklistik eine Gymnastik besitzen, die zu⸗ nüchst wie jede andere geeignet ist, Körper und Geist in günstigster Weise zu beeinflussen, vor allen aber den Vor⸗ zug hat, bei hoher Ausbildung körperlicher Geschicklichkeit und ausgezeichneter Förderung aller vegetativen Funk⸗ klonen(Atmung, Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel) seinen Haupteinfluß auf die Entwickelung geistiger Eigenschaften auszuüben: der Geistesgegenwart, des ruhigen, aber schnellen Entschlusses, der unmittelbaren Willensübertragung auf das fast dem Gedanken folgende Werkzeug, der Selbstbeherrschung und zugleich des Be⸗ wußtseins aktiver Individualität und Unabhängigkeit. Die hieraus resultierende Geschwindigkeitserhöhung sämt⸗ licher Gehirnfunktionen und der Nervenleitung ist in Deutschland bisher nur von einigen Nervenärzten(Eulen⸗ burg, Placzek) gewürdigt worden, während die Cyklistik für andere ein„Treppensteigen im Sitzen“()(Mendel⸗ sohn) oder eine Art Bergsteigen(Fürbringer) ist, eine Auffassung, die, abgesehen von ihrer Einsettigkeit, außer⸗ dem sowohl in mechanischer wie in physiologischer Be⸗ ziehung unzutreffend ist. Neben dem Mangel an Selbsterfahrung liegt ein welter Grund für die irrigen Ansichten über das Wesen der Cyklistit und für die dadurch verursachte Erschwerung ihrer Einführung in die mechanischen Heilmethoden in dem unglücklich, weil falsch gewählten deutschen Ausdrucke: „Radfahren“. Mit einem„Fahren“, sei die Cyklistik nicht das Geringste zu thun, sie mehr lediglich eine Reitbewegung dar. Wer Reiter und„Radfahrer“ zugleich ist, wird dieser Auffassung zweifellos zustimmen. Da ist kein Wagen mit Kutscher⸗ bock oder Fahrsitzen, sondern eine mit einem Reitsattel versehene, der Fortbewegung dienende Präcistonsmaschine. Junere und äußere Reibung ist in so hohem Grade ver⸗ mindert, daß sie fast aufgehoben erscheint, wodurch die Maschine, die der leisesten Willensandeutung gehorcht, ihrem Reiter dasselbe lebendige Gefühl bietet, das der Reiter eines Pferdes unter sich hat. Das Aufsitzen findet wie bei diesem durch Setzen des linken Fußes in den Bügel(Pedal oder Aufstieg), Heben des Körpergewichts durch Streckung des linken Knies. Herüberführen des gestreckten rechten Beines über den Rücken des Pferdes (des Hinterrads) und laugsames Einschieben des Gesäßes in den Sattel statt; denn wie das Kreuz des Pferdes be⸗ darf die Federung des Sattels und der Rahmenbau des Zweirads der Schonung. Hierauf giebt es, wenn die Cyklistit für Lungen, Herz und Magen und Unterleibsorgane gesund sein soll, nur eine Haltung, die diesen Anforderungen entspricht: den Reitsitz, wie ich an anderer Stelle ausführlich dar⸗ gelegt habe:*) Rumpf gerade aufgerichtet, Kreuz etwas angezogen und festgestellt, die Schultern nach hinten zu⸗ sammengenommen, sodaß die Wölbung der Brust deutlich hervortritt, das Gesäß etwas zusammengezogen und nach vorne geschoben— wodurch Einwirkung durch Gewichts⸗ verschlebung ermöglicht wird—, Kopf senkrecht aufrecht, das Genick leicht an den Halskragen angelehnt, das Kinn etwas angezogen. die Kniescheiben genau nach vorne ge⸗ richtet, die Füße streng parallel dem Rahmen— bei jeder anderen Haltung tritt Kraftverschwendung ein; nur die Arme werden bei der Cyklistik im Ellenbogen nicht gebeugt, sondern gestreckt gehalten, sollen aber die Lenk⸗ stangengriffe so leicht führen, wie die lose Faust des Reiters die Zügel. Bei der Fortbewegung kommt in der Cyklistik wie beim Reiten vor Allem die Balance in Betracht, die nicht durch Anklammern an die Lenkstange, sondern durch ruhigen Sitz im Sattel und„Mitgehen“ bei seitlichen Bewegungen und Kurven erreicht wird. Durch Gewichts⸗ verlegung im Sattel wird in der Cyklistik wie beim Reiten die Wendung, die Volte, das Changieren vor⸗ bereitet, und auch das Absitzen findet analog dem des Reitens statt. Würde man sich entschließen, die völlig unzutreffende Bezeichnung Rad fahren durch Rad reiten zu ersetzen, so würde nicht nur ein falscher Name durch einen richtigen ersetzt, sondern außerdem noch ein anderer großer Vorteil es aktiv oder passiv, hat stellt viel⸗ ) Wir entnehmen diesen Aufsatz der neuesten Num⸗ mer der Deutschen Medizinischen Wochenschrift(Redaktion: Prof. Dr. A. Eulenburg und Dr. J. Schwalbe, Berlin. erreicht werden. Wer sein Rad„fährt“, wird sich in be⸗ liebiger Weise, meist wohl in der noch oft anzutreffenden, ebenso häßlichen wie gesundheitsschädlichen, krummen Haltung auf sein Rad klemmen und davonjagen: wer sein Rad„reitet“, wird unwillkürlich einen geraderen Sitz an⸗ nehmen und sich sagen, daß ein krummer Reiter stets lächerlich wirkt, mag er auf dem lebenden Pferde oder auf dem Stahlroß sitzen. Ist durch Annahme der beschriebenen aufrechten Hal⸗ tung eine gesundheitsmäßige Ausübung der Cyklistik er⸗ möglicht, so bedarf sie, um als Kurmittel angewendet werden zu können, noch einer Eigenschaft: der Dosir⸗ barkeit. Letztere ist ihr bisher abgesprochen worden, jedoch meiner Ansicht nach mit Unrecht. Allerdings darf man sich nicht damit begnügen, dem Patienten zu sagen, er möge„langsam“ oder,„mäßig“ fahren, und auch die Angabe der Minutenzahl, in welcher ein Kilometer zurück⸗ gelegt werden soll, ist ungenügend, da mau erst nach er⸗ solgter Zurücklegung des Kilometers sehen kann, wie viel Zeit man dazu gebraucht hat, während es für unseren Zweck gerade darauf ankommt, vom ersten Schritt an die richtige Geschwindigkeit einzuschlagen und dann auch stetig beizubehalten. Beide Bedingungen werden mit Leichtig⸗ keit erfüllt, wenn man die Anzahl der Pedalum⸗ drehungen vorschreibt, welche innerhalb einer Minute zu machen sind, und diese nach einer vor den Augen des Urkunden auf der Lenkstange aufgeschnallten Sekundenuhr ablesen läßt. Um die Stärke der Steigungen zu be⸗ stimmen. welche ohne Schaden für das Herz genommen werden können, kann man sich des sogenannten Deélivo—⸗ graphen bedienen, wenn nicht die Vorschrift genügt, bei eintretender Atembeschleunigung sofort abzusitzen. Unter obigen Voraussetzungen verdient die Eyklistik als Heilfaktor nicht neben den übrigen mechanischen Heil⸗ faktoren eine Stelle, sondern den Vorzug sogar vor vielen anderen medico⸗mechanischen Apparaten, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die Cyklistik ist die einzige Heilgymnastik, deren Ausübung an die frische Luft gebunden ist und die mit Fortbewegung und daher stets wechselnden Außenein⸗ drücken verknüpft ist. 2. Die Cyklistik ist die einzige mechanische Heilmethode, die außer dem Körper auch den Geist beschäftigt, und zwar thut sie es nicht nebenbei oder nach Belieben des Ausübenden, sondern die psychische Thätigkeit ist ein Haupt⸗ faktor der Cyklistik und gehört zu ihrer Wesenheit, wie die frische Luft und die Fortbewegung. 3. Die Cyklistik wird im Gegensatze zu dem Arbeiten an Zimmerapparaten niemals langweilig, so daß z. B. der Neurasthemiker sich nicht mit der Zeit davon zu drücken sucht, sondern von Tag zu Tag mehr Lust an ihrer Ausübung und mehr Befriedigung durch das neuer⸗ wachte Gefühl der Leistungsfähigkeit empfindet. 4. Die Ausübung in Eyklistik findet im Berufe statt; es bedarf weder des Besuches einer Anstalt, noch des Ansetzens besonderer Uebungsstunden— Dinge, an denen viele mit bestem Willen begonnene Kuren scheitern. Die Eyklistit erleichtert sogar in der Regel die Ausübung des Berufes und ermöglicht zuweilen allein die Fort⸗ setzung desselben. 5. Sie ist für jedes Alter und jedes Geschlecht geeignet. Die vorstehenden kurzen Ausführungen mögen zunächst genügen als Beweis dafür, daß das Radfahren, weit ent⸗ fernt, ein bloßer Sport für müßige Stunden zu sein, vielmehr dazu berufen ist, die ärztliche Wissenschaft ernster als bisher zu beschäftigen, um in zuverlässiger Weise die heilwirkenden Eigenschaften dieser tief eingreifenden Gym⸗ nastik festzustellen. Dies kann aber nicht vom Schreibtisch der auf Grund haltloser Theorien, sondern lediglich aus dem Sattel heraus geschehen. 1 ö 41 5s Lokales und Provinzielles. * Gießen, 9. Juni. Dem Kirchenrat und Oberpfarrer D. Georg Christian Dieffenbach zu Schlitz ist der Charakter als„Geheimer Kirchenrat“ verliehen. * Gießen, 9. Juni. Sitzung Großh. Han⸗ delskammer am 1. Juni 1897. Vom 13. bis 15. Juni l. J. tagt in Leipzig der 2. Kongreß des deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen, an welchem sich wenn möglich, der Vorsitzende der Kammer beteiligen wird. Der Unterverband für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen⸗Nassau des obengenannten Verbandes hat seiner Zeit an Großh. Ministerium des Innern um eine staatsseitige Unterstützung der kaufmänni⸗ schen Fortbildungsschulen gebeten. Das gleiche Ersuchen ist Anfang Februar von seiten der Kammer an Großh. Ministerium des Innern gerichtet worden, welches alsdann die Kammer zur Einsendung der Lehr⸗ und Stundenpläne, sowie zur Beantwortung einiger speziellen Fragen aufforderte. Der hiesige kaufmännische Verein hat in umfassender Weise alle einschlägigen Fragen beantwortet und es ist der Bericht inzwischen Großh. Ministerium des Innern unter Wieder⸗ holung unseres früheren Ersuchens erstattet worden.— Neue Reichsbanknebenstellen sind eröffnet worden bezw. werden eröffnet: Zu Werden a Ruhr am 15. Mai l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Essen; zu Herne am 1. Juni l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Bochum; zu Uerdingen am 8. Juni l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Crefeld.— Der Zug 13a Gießen⸗ Stockheim wird versuchsweise b. a. w. vom 1. l. Mts. ab bis Gelnhausen durchgeführt und zwar ab Stockheim 7.35 Uhr Vorm., an Gelnhausen 8.27 Uhr Vorm. Von demselben Zeitpunkte ab soll der Zug 28 Gedern⸗Stock⸗ Verlag Georg Thieme, Leipzig). ) Wie ist Radfahren gesund? S. 27—34 Wies⸗ baden, Bergmanns Verlag. heim zur Gewinnung des Anschlusses an den Zug 13a cbenfalls versuchsweise eine frühere Lage erhalten und Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Auzeigen t 10 Sfg. für die Zspaltige Petitzeile. Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. zwar ab Gedern 6.30 Uhr Vorm., an Stockhein 7.25 Uhr Vorm. Vom 1. Juni l. J. ab werden ferner auf der Strecke Lich⸗Gießen Arbeiterzüge versuchs⸗ weise eingeführt: 1. ab Lich 5.20 Uhr Vorm., an Gießen 5.50 Uhr Vorm.; 2. ab Gießen 7.30 Uhr Nachm., an Lich 8.00 Uhr Nachm. Am 1. Juli l. J. findet die Eröffnung des Haltepunktes Rödgen statt; direkte Fahr⸗ karten werden vorerst nicht über Gießen und Fulda hinaus verausgabt.— Die Abfertigungsbefugnisse der Stationen Ober⸗Widdersheim und Büches⸗Düdelsheim werden mit dem 1. k. Mts. erweitert und erstrecken sich alsdann auf Güter aller Art, sowie auf Leichen und lebende Tiere; ausgeschlossen bleibt die Beförderung von Sprengstoffen und Fahrzeugen.— Das Verzeichnis der Kammer von zweifelhaften Firmen hat Erweiterung für die Niederlande und Italien erfahren. In einem französischen Badeorte soll die Abhaltung einer angeblich internationalen Ausstellung geplant sein, welche indessen eines offiziellen Charakters entbehrt. Vor einer Beteiligung müssen wir warnen und sind zu näherer Auskunft Interessenten gegen⸗ über bereit.— Inbetreff der Verlosung von Anteilscheinen der Barlettalose geht der Kammer die Mitteilung zu, daß die Wiederaufnahme der im Jahre 1895 eingestellten Til⸗ gung des von der Stadt Barletta in 1870 aufgenomme⸗ nen Anlehens im Mai d. J. durch Ziehungen der Los⸗ anleihe erfolgen soll. Der Plan der weiteren Ziehungen weicht von dem ursprünglichen darin ab, daß in den letzten fünf Ziehungsjahren nicht zwei Ziehungen sondern eine stattfinden wird; in weiteren fünf Jahren sollen die also hinausgeschobenen Ziehungen nachgeholt werden und endlich in anderen zwei Jahren(1950 und 1951) die in den Jahren 1895 und 1896 ausgefallenen Ziehungen er⸗ folgen. Der Anleihedienst wird von der Verwaltung der Stadt gänzlich getrennt werden. Ausländische Hand⸗ lungsreisende sind in Rußland zur Lösung eines Kommis⸗ scheines 1. Kl. verpflichtet; selbständige ausländische Kauf⸗ leute und Gewerbetreibende haben dagegen weder einen solchen Kommisschein, noch ein Gildeschein zu lösen. Wenn nun von selbständigen Kaufleuten u. s. w. aus bestimmten Gründen, z. B. wegen der Zugehörigkeit zur israelitischen Religion, die deutschen Gewerbelegitimationskarten für Handlungsreisende als Legitimationspapiere zum Ausweise über die Person der Karteninhaber in Rußland benutzt werden, so müssen mit den Vorteilen, die diese Karten hinsichtlich des Aufenthaltes in Rußland gewähren, nach Auffassung der russischen Regierung auch die Pflichten, darunter diejenigen zur Lösung eines Kommisscheins mit übernommen werden, und dürfen diejenigen, welche sich durch die Benutzung einer Gewerbelegitimatiouskarte den Eintritt in Rußland ermöglicht haben, als dann nicht über die Heranziehung zur Kommissteuer Klage führen. * Gießen, 9. Juni. Seither wurden Rad⸗ fahrer zur Anzeige gebracht, wenn sie die Fußwege der Chausseen zum Fahren be⸗ nutzten; neuerdings haben, wie die„Frkf. Ztg.“ zu melden weiß, verschiedene Kreisämter ihr Aufsichtspersonal angewiesen, gegen solche Fahrer keine Anzeigen mehr zu erstatten, da das Befahren mit Pneumatikrädern die Fußwege nicht verderbe. Die Radfahrer müßten freilich diese Kreisämter kennen, damit sie nicht doch in Strafe kommen. In den zu erlassenden gesetz⸗ lichen Bestimmungen über das Radfahren sollen für die Folge alle Fußwege auf den Chausseen den Radfahrern freigestellt werden, doch müssen diese die nötige Rücksicht auf die Fußgänger beobachten.(Uns kommt diese Nachricht nicht sehr glaubwürdig vor. Red.) * Gießen, 9. Juni. Sanitäts⸗Kolonne der Radfahrer. Vor einigen Tagen erblickte in Frankfurt a. M. eine neue Justitution im Radfahrsport das Licht der Welt. Es wurde nämlich auf Veranlassung einiger den Radfahr⸗ kreisen angehöriger Herren die erste Sanitäts⸗ kolonne der Radfahrer gegründet. Die Kolonne soll bei allen Unglücksfällen, besonders auf größeren Touren, bei welchen Gelegenheiten fast nie wundärztliche Hilfe zur Stelle oder sehr schwer erreichbar ist, die erste Hilfe leisten. Um ihr die nötige Bedeutung zu verleihen und damit sie ihren Zweck zu erfüllen vermag, ist es nötig, daß aus allen Radfahrvereinigungen eine be⸗ stimmte Anzahl Mitglieder im Samariterdienst ausgebildet wird. Das Komitee hat sich bereit erklärt, für die nötige Ausbildung von geeigneten Herren in der Behandlung Verunglückter, im Anlegen von Verbänden usw., durch Abhalten von Samariterkursen Sorge zu tragen. Der Besuch dieser Unterrichtskurse soll für alle Interessenten unentgeltlich geschehen. Mehrere Frankfurter Aerzte stehen dem gemeinnützigen Unternehmen sehr sympathisch gegenüber; in kürzester Zeit dürfte mit den Kursen begonnen werden. Die neue Organisation findet gewiß die eifrigste Unterstützung aller derjenigen, welche die außerordentliche Bedeutung und den hohen Wert einer Sanitätskolonne, deren Vorhandensein in hunderterlei Fällen von größter Wichtigkeit sein kann, begreifen. Eine im Samariter dienst wohlgeschulte Mannschaft von Radfahrern kommt in Unglücksfällen nicht nur den Sportsgenossen, sondern Jedem, der ihrer augenblicklichen Hilfe bedarf, zu gute und es ist daher ihre Gründung von gleichem Interesse für Fahrer wie Nicht⸗ fahrer. Es wäre nur zu wünschen, wenn überall derartige Sanitätskolonnen seitens der Radfahrer— vereine begründet würden. * Gießen, 9. Juni.(Scharfschießen.) Das Kreisamt macht bekannt, daß das 3. Bataillon des hiesigen Infanterie- Regiments am Donnerstag den 10., Freitag, den 11. und Samstag den 12. Inni l. J. ein Schießen mit scharfen Patronen in dem Gelände nordöstlich Wismar mit der Schußrichtung gegen den Wismarer Wald, bezw. gegen Ober-Walgern und Kirchvers veranstaltet. Das Gelände darf an diesen Tagen zwischen den Ortschaften Wismar⸗ Ruttershausen-Odenhausen⸗Salzböden⸗Forsthaus⸗ Waldhaus-Krofdorf⸗Wismar von 8 Uhr vor⸗ mittags bis 2 Uhr nachmittags nicht betreten werden. Die Straßen Krofdorf-Forsthaus, Waldhaus⸗Schmelz⸗Salzböden⸗Odenhausen⸗Rut⸗ tershausen dürfen betreten werden, die Straßen Ruttershausen-Wismar und Wismar⸗Forsthaus⸗ Waldhaus sind gesperrt. Das Bataillon wird durch Aufstellen bon Mannschaften das gefähr⸗ dete Gelände absperren lasseu. * Gießen, 9. Juni. Zu der am Sonntag auf der„Schönen Aussicht“ vom Verein zur Züchtung reiner Hunderassen beab⸗ sichtigten großen Hundeschau wird die Lügen⸗ tisch⸗Gesellschaft für die beste Gesamtleistung einen wertvollen Preis stiften. Folgende weitere Preise sind bereits der Vereinsleitung ausgehän⸗ digt 1 und 2: Zwei Züchter⸗Ehrenpreise, ge⸗ stiftet vom Verein, für die besten züchterischen Gesamtleistungen: 1. Jagdpokal. 2. 1 silberner vergoldeter Pokal. 3. Münzbierhumpen, Ehren⸗ preis vom Allgem. deutschen Jagdschutzverein für den schneidigsten Teckel beim Schliefen. 4. Ein Ehrenpreis 30. in bar von der Aktien⸗ Brauerei-Gießen für Jagdhunde. 5. Ein Ehren— preis 30, in bar von der Aktien-Brauerei⸗ Gießen für Luxushunde. 6. und 7. 2 silberne Medaillen von Ferd. Windecker für Teckel und Foxterrier-Schliefen. 8. Ein Patronenkasten von Ferd. Windecker für die Zuchtklasse. 9. Eine sil⸗ berne vergoldete Jardiniere, gestiftet von Hans Karl Fieser. 10. Ein versilbertes Schreibzeug von Hans Karl Fieser für Forterrier⸗Schliefen. 11. Eine Glas⸗Bowle von Fritz Brückmann Hof⸗Birklar für deutsche Vorstehhunde. 12. Eine Steingut⸗Bowle mit Malerei und Marmor⸗ Untersatz von August Gabriel jr. 13. Ein Bier⸗ krug mit Malerei von Ernst Prösler⸗Franlfurt a. M. für Teckel⸗Schliefen. 14. 3 Flaschen Cham⸗ pagner von Karl Schwan für beste deutsche Dogge, 15. Eine Kiste deutschen Cognak, gestiftet von Georg Scheerer u. Co. Langen in Hessen. Weitere Preise sind dem Vorstand zwar gemeldet, aber noch nicht eingeliefert. * Gießen, 9. Juni. Drei Freunde, wovon einer gut bei Kasse war und bezahlte, machten am 2. Feiertag Vormittag einen Bier⸗ bummel und tranken zum Schluß in einem Hotel noch eine Flasche Wein. Während hier der Wohlthäter bezahlte und sein Portemonnaie auf dem Tisch liegen hatte, entwendete ihm sein Freund 15 Mark, versuchte aber auch zu⸗ gleich, als der Verlust bemerkt wurde, die Sache auf den Kellner zu schieben, indem er behauptete, derselbe habe beim Wechseln eines 20-Marktstückes nicht richtig herausgegeben. Die Poltzei klärte die Sache auf und nahm den Dieb fest, welcher dann zu seiner Entschuldigung vorbrachte, er habe das Geld wieder zurückgeben wollen. * Gießen, 9. Juni. Um Trauringe zu kaufen erschwindelte gestern eine stellenlose Dienstmagd bei einer hiesigen Herrschaft den Betrag von 20 Mark. Dieselbe wurde in Haft genommen. * Gießen, 9. Juni. In einer Bäckerei auf der Mäus burg entstand gestern Abend ein Kaminbrand. Da der brennende Ruß viel⸗ fach auf die Nachbardächer niederfiel, war die Feuersgefahr nicht zu unterschätzen, weshalb unter den Hausbewohnern große Aufregung herrschte. * Treis a. d. Lda., 8. Juni.(Unfall.) Heute Morgen wurde auf der Dorfstraße eine ältere Frau samt einem in ihrer Obhut befindlichen dreijährigen Kinde von einem Pferdefuhrwerk überfahren. Der Unfall ist lediglich dem Umstande zuzuschreiben, als das Fuhrwerk, welches zur sogen.„Untermühle“ ge⸗ hört, von einem des Fahrens unkundigen elf⸗ jährigen Jungen geleitet wurde. Die Verun⸗ glückten, welche, so gut es gehen wollte, auswichen, vermochten sich der Gefahr nicht zu entziehen und erlitten schwere Verletzungen. Sollte hier nicht der Besitzer des Fuhrwerkes wegen grober Fahrlässigkeit zur Rechenschaft gezogen werden können. Ist es erlaubt, einen Schul⸗ l kuaben mit der Führung eines Fuhrwerkes zu beauftragen? Vermischtes. — Künstler unter einander. Auf der Bühne des Wiener Raimund⸗Theaters ist es letzthin während der Vorstellung von Costas Volksstück„Glücksnarren“ zu be⸗ dauerlichen Ausschreitungen gekommen. Die Komiker Fröden und Natzler gerieten heftig aneinander und es heißt, daß es nicht bei Verbalinjurien und Androhung von Handgreiflichkeiten geblieben sein soll. Ueber die Vorfälle auf dem Kriegsschauplatz gehen dem„Ill. Wien⸗ Extrabl.“ folgende Mitteilungen zu: Im 2. Akt des Volksstückes hat Herr Natzler nach Vertilgung einer Mehl⸗ speise einen Erstickungsanfall zu markieren, worauf die mit dem genannten Darsteller auf der Szene befindlichen Schauspieler herbeieilen und die Schlingbeschwerden des Herrn Natzler durch Schläge auf den Rücken zu beseitigen trachten. Herr Fröden hat sich bei dieser Rettungsaktion zu beteiligen und mochte vielleicht in der Hitze des Spieles oder der Konkurrenz zu derb den Körper seines Kollegen bearbeitet haben, denn plötzlich drehte sich Herr Natzler um und rief:„Herr Fröden, ich verbiete mir das!“ Der also Apostrophierte fuhr fort, auf dem Rücken seines Nebenbuhlers durchschlagende Erfolge zu erzielen, was den gepufften jugendlichen Komiker noch mehr in Erregung brachte. Er ließ sich einige derbe Schimpfworte ent⸗ schlüpfen, die in der Rolle nicht vorgeschrieben sind. Der fallende Vorhang bedeutete einen Aktschluß, nicht aber das Krawallfinale. Hinter der Courtine ging der Spektakel erst recht los. Herr Natzler und Herr Fröden gebrauchten die allerschärfsten Bezeichnungen und trafen Anstalten, sich gegenseitig durchzuwalken. Plötzlich besann sich Herr Fröden eines„Besseren“. Er stürzte auf selnen Gegner los, packte ihn, hob ihn empor, und trug ihn gegen die Hinterbühne, wo das eigentliche Kampfspiel sich entwickeln sollte. Herr Fröden ist der stärkere, Herr Natzler der ge⸗ schmeidigere Komiker, deshalb konnte auf der Promenade von der ersten Koulisse zum rückwärtigen Teile der Bühne die Absicht des Herrn Fröden nicht erreicht werden, welche dahin ging, den auf den Händen getragenen, sich stark wehrenden Genossen„um die Erd“ zu hauen. Schreiend verfolgte die sonstige Schauspielerschaar diese Produktion, die von wütenden Beschimpfungen begleitet wurde. Be⸗ sonnene Kollegen trennten die erbitterten Ringkämpfer, ohne daß eine Intervention der Sicherheitswache notwendig gewesen wäre, an deren Herbeirufung bereits gedacht wurde. Einige Minuten später nahm die Vorstellung ihren Fortgang. Wie verlautet, gedenkt Herr Fröden dem Direktor Gettke sein Entlassungsgesuch zu überreichen. — Kein Oleander im Schlafzimmer. Der Duft und die Ausdünstungen des Oleanders, des be⸗ kannten Strauchs, der bei uns im Zimmer gehalten wird werden vielfach für schädlich gehalten, namentlich sollen die nächtlichen Ausatmungen von Oleanderpflanzen Schlafende betäuben können. Diese Volksmeinung hat nun neuerdings der französische Arzt Artault de Vevey durch eigene Wahrnungen bestätigt. Besonders beachtens⸗ wert an seinen Feststellungen ist, daß nicht nur die Ole⸗ anderblüten, sondern auch die blütenlosen Pflanzen schäd⸗ lich wirken können. Vor einiger Zeit erkrankte bei einem Freunde des Arztes ein 18jähriger junger Mensch. Trotz⸗ dem er sonst durchaus kräftig und gesund war, zeigte er eine große Lässigkeit und außerordentliche Hinfälligkeit, hatte Schwindelanfälle und litt an großer Muskelschwäche und Kopfschmerzen, die jeden Abend abnahmen, um am folgenden Morgen sofort nach dem Erwachen, das immer schwer war, von Neuem aufzutreten. Dabei war seine Gesichtsfarbe auffallend blaß, seine Zunge belegt und der Puls verlangsamt. Der Kranke wurde zu seinen Eltern geschickt, wo er sich rasch und ohne jede ärztliche Behand⸗ lung völlig erholte. Sobald er jedoch zu seinem Herrn zurückkehrte und sein Schlafzimmer wieder bezog, stellte sich das alte Leiden wieder ein. Schließlich kam der Arzt auf den Gedanken, daß einige Oleander, die in dem Schlafzimmer des Dieners standen, die Schuld an dem Uebel tragen möchten und erinnerte sich dabei eines selbst⸗ erlebten Falles während seiner Studienzeit. Er hatte damals vor seinem Fenster einige Oleander stehen, die er ——— im Herbst während kalter Nächte in das Zimmer zu nehmen pflegte und einige Male aus Lässigkeit in seinem Schlafzimmer stehen ließ. Er erwachte dann am nächsten Morgen mit einem schweren Kopfe und einem Gefühl der Müdigkeit, sodaß es ihn große Anstrengung kostete, das Bett zu verlassen; in dem Augenblick, wo er den Fuß auf den Boden setzen wollte, wurde er von Schwindel be⸗ fallen, sodaß er taumelte, die Stube schien sich um ihn zu drehen, und er sah sich gezwungen, sich an einem Stuhle festzuhalten, um nicht zu fallen. Er mußte seine ganze Willenskraft anwenden, um sich überhaupt auf den Beinen zu halten, und kämpfte 4—5 Minuten mit dem Schwindel. Er war im Uebrigen durchaus bei Besinnung und empfand seinen Zustand vollkommen klar, auch fühlte er nicht die geringste Neigung zur Ohnmacht. Bewegung und Aufenthalt in frischer Luft beseitigen bald diese An⸗ fälle. Der Puls hatte nur 53 Schläge in der Minute und setzte von Zeit zu Zeit aus. Nach mannigfachen anderweitigen Vermutungen kam er schließlich auf die Idee, daß bei ihm eine Vergiftung vorliegen müsse. Er wurde auf die Gefährlichkeit des Oleanders aufmerksam gemacht und machte drei Nächte hintereinander den Ver⸗ such, mit solchen Pflanzen in demselben Zimmer zu schlafen, jedesmal mit dem gleichen Ecfolge. Es wurde also dadurch der Beweis geliefert, daß der Oleander, und zwar nicht nur seine Blüten, sondern auch die Blätter durch ihre Ausdünstung eine Vergiftung des menschlichen Körpers herbeiführen können. In südlichen Gegenden, wo der Oleander häufig ist, ist diese gefährliche Eigenschaft wohl bekannt. Auch bei dem oben erwähnten erkrankten Diener wurde das Uebel sofort vollkommen gehoben, als die Oleander aus seinem Schlafzimmer entfernt worden waren. Daß die Teile der Pflanze selbst sämtlich stark giftige Eigenschaften besitzen, ist dem Botaniker seit Langem bekannt. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kennt⸗ nis, daß Großh. Ministerium des Innern die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen am 22. und 23. Juni l. J. unter folgenden Beding⸗ ungen genehmigt hat: 1. Für den Auf- und Abtrieb ist den An⸗ ordnungen des Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen. 2. Auf den Markt dürfen nur Tiere aus unverseuchten Orten des Großherzog— tums Hessen, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unverseuchten hessischen Orten in seu benfreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden. 3. Außer der Koutrole der Ursprungs⸗ zeugnisse hat selbstwerständlich auch die tierärztliche Besichtigung der Tiere vor dem Auftrieb zu erfolgen. Gießen, den 1. Juni 1897. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Guauth. Totenwart⸗Stiftung. Die Verteilung der Gaben findet em 10. 955 1897, morgeus um 5 Uhr in der ohauniskirche statt. Armenamt Gießen. W erners W arenhaus ee SSO Elehgärten 10. Lager in Möbeln, Spiegeln, Betten, sowie aller sonstigen Gegenstände. Kommisstous⸗ und Agentur ⸗Geschäft. Ankauf von Waren jeder Art. Reparaturen an Uhren werden unter Garantie gut und billig Marktstrasse 29 Verbaudstoffe aller Art. Der Aus A. 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Der hier tagendt Sozialisten⸗Kongreß wurde wegen mehrerer gegen die Regierung gerichteter heftiger Reden behörd⸗ lich geschlossen, wobei Gewalt angewendet wurde, Hd. London, 9. Juni. Der Fisch dampfer„Liberté“ ist mit der ganzen Besatzung von 23 Mann bei Island untergegangen. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Reda, teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. Dima Nauschen- Hie aus dler Bruuerei Bichiler: per/ Flasche fell 18 H;. 7 35 2* .„ dungel 20„ * 11 2* 10 55 1 Lieferung frei ins Haus. Hhilipp Boöb Basinhiofsir. II. L225 ne Unserem Kollegen Johs. Laub 1 zu seinem heutigen Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Mehrere Kollegen. 1589 1612 1517 Ausgeführt. 461 Georg Koch, Uhrmacher, Neue Bäue 5(Kühlen Grund). Guter, billiger Mittagstisch in und außer Abonnement 1842 bel J. F. Sorger,„Deutscher Hof““. „ 2 3 d Mittagstisch 1. bei J. 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