Gießen, Donnerstag, den 9. September — 3 —.— Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112. ische La Ausgabe Gießen. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. eb,* e ch e Kedaktion: 15. — Kreuzplatz Nr. 4. 2 mda, 18 0 * Wend 9A 9 9 7 5 ne: Lofales und Provinzielles. and Man e Gießen, 8. September. Für Sonn⸗ * ö sags jäger wichtig ist eine Bestimmung, nach der, ach g pelcher die Treiber, welche bei Treibjagden „ Obeppinag ay herwandt werden, in der Invaliditäts- und i 8. due da ÜUltersversicherung versichert werden *. M, a müssen. Im Unterlassungsfalle tritt eine Strafe n stutt bis zu 300, Mark ein. Selbstverständlich — lt diese Bestimmung auch für die geübteren n Jäger. ee Gießen, 8. Sept. Die Mehrzahl der 1h dan hessischen Kreisämter wird demnächst eine Poltzei⸗ i berordnung treffen, wonach den Wirten die Ver⸗ — wendung von Schulkindern zum Kegelaufsetzen bei Strafe verboten wird. Es laufen nämlich — hel den Schulbehörden seitens der Lehrer zahl— eiche Klagen ein, wonach Kinder, die nicht selten bts in die Nacht hinein zum Kegelaussetzen ver⸗ wendet wurden, am folgenden Tage für den nterricht untauglich waren, und daß sie auch 15 flttlichen Gefahren ausgesetzt waren. dn„ Gießen, 8. September.(Jubiläums⸗ 91 feier.) Der Direktor des Gießener Braun⸗ 16, steinbergwerkes, Herr Pascoe, feiert am U hächsten Samstag das Jubiläum seiner 40⸗ ͤhrigen Thätigkeit in genanntem Betriebe. Der Besitzer des Bergwerkes, Herr C. W. B. Fer⸗ e fu vereue] N nie, hat für diesen Tag eine großartige Feier en r penteng geplant, zu welcher bereits die Vorbereitungen getroffen sind. Die sog. Bergwerkskirmes, re un de Dm 1 welche alljährlich von den Arbeitern des Berg⸗ * Ge 10 6 werkes veranstaltet wird, soll mit dieser Feier ene Weine 169 berbunden werden, sodaß die Veranstaltung das 10 Gepräge eines Volksfestes erhält. Auf der 4. n der Nähe des Bergwerkes, rechts an der gebung. 160 Straße nach 1 gelegenen Wiese ist Fe gegenwärtig mit der Herrichtung eines Fest⸗ %% Matzes beschäftigt. Sämtliche im Bergwerke be⸗ schäftigten Arbeiter, 600 an der Zahl, denen an⸗ 5 fl 0 läßlich der Feier gleichfarbige Bergmannsmützen 8 dediziert worden sind, bringen am Freitag Abend 30 dem in der Frankfurterstraße wohnenden Jubilar d- fung in dae 5. 70 Pfg. K eipliuen, einen Fackelzug. Am Hauptfesttage(Sams⸗ dag) wird den Arbeitern auf dem Festplatze ein Jestessen verabreicht. Abwechselnd mit einer großen Musikkapelle wird die unter Leitung des Herrn Muhl⸗Großen⸗Linden geschulte Gesangs⸗ 5 abteilung der Arbeiter für Unterhaltung sorgen. — ae Auch zwei Tanzböden sind vorhanden. Daß demgemäß die Angehörigen und Bräute der Ar⸗ 1 Hehner⸗ beiter eingeladen sind, ist selbstverständlich. Außerdem haben sämtliche Witwen verstorbener 7 Bergwerksarbeiter, sowie die in dem Betriebe üpalid gewordenen Arbeiter Einladungen er— sache Zimmet,“ halten. (Strafkammer.) * Gießen, 8. Sept. Angenrod hatte sich Hrch. Bernhardt VI von Fegen feiner neuesten Gründung gestern vor der Strafkammer zu verantworten. Bernhardt wollte in seiner Heimat das Wirtschaftsgewerbe betreiben. Der Kreisaussch funzt gelegen 0 1 * nachgesuchte Konzession versagt, die Beschwerde beim Provinzialausschuß erzielte keinen Erfolg und eine Eingabe an die Regierung nach Darm⸗ stadt führte zu demselben Resultat. Nun wandte sich Bernhardt an einen Winkelkonsulenten in 5 zu Alsfeld hatte die hierzu Erscheint täglich mit Ausnahme der Alsfeld. Dieser riet dem Bernhardt, er solle in Angenrod eine Bürgergesellschaft gründen und dieser das Lokal, in dem er die Wirtschaft betreiben wolle, vermieten. Einer geschlossenen Gesellschaft könne das Kreisamt nichts wollen. So geschah es. Bernhardt hatte bald 40 Personen als Mit⸗ glieder der Gesellschaft gekeilt. Ein Statut, von den Mitgliedern unterzeichnet, war in aller Form bald hergestellt. Der angebliche Zweck des Vereins war geselliger Verkehr seiner Mitglieder untereinander, Beschaffung angenehmer Lektüre und Besprechung landwirtschaftlicher Fragen. Bernhardt vermietete an die Gesellschaft für 150 /. Jahrespacht einen Wirtschaftsraum mit allem Inventar, außerdem wurde Bernhardts Sohn Gesellschaftsdiener. Der Vorsitzende be— stimmte drei Mitglieder des Vorstandes zum Einkauf der Getränke, wobei auch Bernhardt war, und die Angenröder wunderten sich nicht wenig, als eines schönen Tages an Bernhardts Haus ein Schild mit der Aufschrift:„Bürger⸗ verein“ prangte. Als nun die fidelen Zecher aus der Bürgergesellschaft bis in die Nacht hinein kneipten und eines Tags den ruhigen Bürgern die Fenster einwarfen, erhob die Gen⸗ darmerie Anzeige. Bernhardt erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch erhob. Das Schöffengericht Alsfeldt sprach Bernhardt frei, weil es der Ansicht war, daß es sich hier um ein Kasino, um eine geschlossene Gesellschaft handele, welche die Getränke gemeinsam ein⸗ kaufe, es also im vorliegenden Falle an den Merkmalen des selbständigen Betriebes eines stehenden Gewerbes fehle, zu dessen Beginn es einer besonderen polizeilichen Erlaubnis bedürfe. Die Strafkammer hob das freisprechende Urteil der Schöffen auf und verurteilte den Angeklagten zu 50 J. Geldstrafe event. 10 Tage Haft. * Friedberg, 7. Sept. Die großh. Obst⸗ bau⸗ und landwirtschaftliche Winterschule ver⸗ anstaltei vom 13. bis zum 18. September einen Obstverwertungs-Kursus für Frauen und Mädchen. An den Vormittagen werden Vorträge gehalten u. a. über organische und chemische Bestandteile der Früchte, Herstellung von Dörrprodukten aus den verschiedensten Obst⸗ sorten, Gelsebereitung, niedere Organismen, anti⸗ septische Mittel, Konservieren ganzer Früchte, Wein, Liqueur⸗ und Essigbereitung, Obsternte und Verpackung des Obstes. Nachmittags sind Uebungen: Herstellung kandierter Früchte, von Apfelschnitzen, Dörrprodukten, Mus, Honig, Ge⸗— lee, Pasten, Saft, Dörren und Konservieren der Gemüͤse, Obstverpackung usw. * Bad Nauheim, 6. September. Herr Röpperath hat gelegentlich des Verkaufs seiner Liegenschaft, der Villa Britannia, das hochherzige Tage nach Sonn- und Feiertagen. I Expedition: 8. Kreuzplatz Nr. 4. Geschenk von 1000 1 gespendet, und zwar 600% zum Baufonds der evang. Dankeskirche, 200 ¼ dem städtischen Kurhospital und 200 der Kinderheilanstalt Elisabethenhaus.(Wieviel Zehntausende hat denn der Herr bei dem Ver⸗ kauf verdient?)— Im nächsten Frühjahr wird der Neubau des städtischen Hospitals in Gebrauch genommen, das durch die großmütige Schenkung der Frau Konitzky von Amsterdam im Betrage von 50 000 4 ermöglicht wurde. Die weiteren Baukosten, insoweit sie nicht ander⸗ weiten liberalen Zuwendungen zu verdanken sind, hat die Stadt Bad Nauheim zugelegt. Die Zahl der aufgenommenen Patienten nimmt von Jahr zu Jahr zu, im Jahre 1894 waren es deren 225, im Jahre 1896 279, in diesem Jahre wird wohl die Zahl von 350 erreicht werden. Der Neubau bietet Raum für 80 Betten im Gebäude selbst. Behandelnder Arzt ist dermalen Dr. Langenbartels, der gleich den Pflegerinnen, Diakonnissinnen aus dem Elisabethenstift Darm⸗ stadt, in der humansten Weise seine Hilfe unent⸗ geltlich leistet. f * Darmstadt, 7. September. Seitens des hessischen Landwirtschaftsrats wurde eine Ver⸗ kaufsmitteilungseinrichtung getroffen, nach welcher die von speziell dazu gewählten Vertrauensmännern in den verschiedenen Orten des Großherzogtums ermittelten Verkaufspreise von Getreide, Kartoffeln, Obst und Vieh ge⸗ sammelt und zusammengestellt werden: 1. wie sich die Preise z. Zt. auf den kleinen Landorten gegenüber denen an den größeren Absatzorten und Handelszentren verhalten, an welchen even⸗ tuell genossenschaftliche Unternehmungen ins Leben gerufen werden können? 2. welche Rolle der Zwischenhandel spielt als Abnehmer gegenüber dem direkten Konsumenten oder Großhändler? 3. welche Wege der Handel nimmt, welche Orte hiernach fuͤr die Errichtung genossenschaftlicher Unternehmungen besonders geeignet erscheinen? Ferner hat der Landwirtschaftsrat eine Preis⸗ notierungsstelle an der Frankfurter Börse und regelmäßige Bekanntmachung der hier ermittelten Preise in Aussicht genommen. * Darmstadt, 7. Sept. Peter Ludwig Grenz aus Schönnen im Odenwald, der Sohn eines Sägewerksbesitzers daselbst, wurde wegen Verdachts der Fälschung einer größeren An⸗ zahl Wechsel verhaftet. * Mainz, 7. Sept. Bei einem hiesigen Bankier wurde gestern ein bedeutender Dieb⸗ stahl von Brillanten und sonstigen Wert⸗ gegenständen verübt; u. a. wurden ein Paar Ohrringe im Werte von 1200. entwendet. * Worms, 7. Sept. Gestern Nachmittag trafen etwa 50 Teilnehmer des in Dürkheim a. d. H. tagenden Anthropologen⸗Kon⸗ gresses auf Einladung des hiesigen Altertum⸗ Vereins in unserer Stadt ein, um die Aus⸗ grabungen des römischen Gräberfeldes auf den Freiherr von Heylschen Besitzungen am sogen. Bollwerk zu besichtigen. Eine Anzahl Gräber waren aus diesem Grunde freigelegt worden und boten dieselben ein Bild von der Bestattungsweise aus alter Zeit. Es wurde eine Anzahl Gläser, Krüge, Urnen usw. beim Oeffnen der Särge ge⸗ funden. Nach Beendigung der Ausgrabungen besuchten die Teilnehmer das Paulus⸗Museum. Vermischtes. — Eine Heiratsvermittlung. Folgender Brief einer Heiratsvermittlerin in Braunschweig, gerichtet an einen Einwohner eines benachbarten Ortes, wurde dem „Wolfenbüttler Kreisbl.“ zum Abdruck übergeben:„Ich habe eine Heiratzpartie vor Sie, Die Dame ist Sovort an Platze. Ist 1ste Statzgon von B. sie hat Sovort 2000 Thaler bei der Hochtzeit. 2000 Thaler nach her, und 4000 Thaler ist Sie Erbin von Vaters Bruder, welcher aber schon Todt ist, nur die Frau Lebdt noch. Die hat den Geniß brauch davon. Zuhören wenn sie diese Partie annehmen wollen, den Arbeite ich mit einen der ist 1ster an der Bank in O. Denn können sie Sovort 100 Thaler von den in Voraus Kriegen. kommen Sie Morgen in Tage bei mir, den ist alles Geregelt den haben Sie Ein seer gutes Mädtchen und gleich 2000 Thaler alles Andere komt von Haus Kartofeln Eier Butter alles Andere. So wie Sie kommen ist Geld da. Mit den Heirathen ist ja kein Pferdekauf. Sie haben den erste mal Geld. Ich meine es nur gegen sie gut. Es Grüßt...“ Eine liebliche Auffassung hat die Dame von der Ehe. Sie riecht etwas nach dem„Kuhhandel.“ — Sie erinnerte ihn zu sehr an Muttern. Neulich war ein schwerer Junge glücklich in ein Ber⸗ liner Haus gelangt, allein seine Stiefel knarrten bedenk⸗ lich, als er mit aller Vorsicht die Treppe hinaufstleg. Plötzlich hörte er zu seinem Schrecken eine weibliche Stimme, die ihn— wie es schien, aus einem Schlaf⸗ zimmer— mit folgenden freundlichen Worten apostro⸗ phierte:„Wie kannst Du oller Ochse in dem Wetter mit Deine schmierigen Stiebeln de Treppe ruff kommen. Uff de Stelle jehste runter und ziehst se aus, sonst jtebt et wat aus de Armenkasse.“ Beschämt schlich der Einbrecher die Treppe hinunter und zum Hause hinaus. Mit Thränen in den Augen sagte er zu seinem Kameraden, der unten Schmiere stand:„Der Frau kann ick nischt Beeset dhun. Sie erinnert mir zu sehr an Muttern!“ — Ueber die Blinden, Taubstummen und Geisteskranken in Preußen bringt die„Stat. Corresp.“ auf Grund der letzten Volkszählung von 1895 folgende Angaben: Blinde waren vorhanden 21442 gegen 22677 im Jahre 1880, Taubstumme 28 721 gegen 27 794, Geisteskranke 82 850 gegen 66345 im Jahre 880 und 55063 im Jahre 1871. Auf 100000 Per⸗ nen kommen 67(1880 83, 1871 93) Blinde, 90 (102 und 99) Taubstumme und 260(243 und 223) Geisteskranke. Die Verhältnis⸗Ziffer der Blinden hat hiernach seit 1871 beträchtlich abgenommen, und zwar ist diese Abnahme beim weiblichen Geschlechte erheblicher als beim männlichen, vielleicht eine Folge der Abnahme der Beschäftigung mit Handarbeiten. Von 100000 männ⸗ lichen Personen waren blind im Jahre 1871 91, 1895 72, von 100 000 weiblichen 1871 95, 1895 nur 63. Auch bei den Taubstummen ist die Verhältniszahl etwas zurückgegangen, und zwar bei Männern und Frauen ziem⸗ lich gleichmäßig. Eine starke Zunahme weisen dagegen die Geisteskranken auf. Es ist geradezu erschreckend, daß seit 24 Jahren in Preußen die Zahl der Geisteskranken ————'᷑̃——— ———— Eine reiche Partie. Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Etwa eine halbe Stunde später waren beide, auf dem Sofa neben einander sitzend, eingeschlafen. Hellmuth erwachte und küßte Röschen wach. Röschen? Liebes Röschen?“ sprach er an ihrem Ohr.. „Was 2“ sagte sie, erwachend und sich in die Hoͤhe richtend. Wieder brachte er den Mund an ihr Ohr und lüsterte:„Darf ich Dir nicht sagen, was in dem Brief stand?“ „Nein, nein!“ erwiderte sie lachend.. „Bitte, bitte, liebes Röschen! Das Geheimnis brennt mir auf der Zunge.“ „Laß es brennen!“ Sie erhob sich lachend und machte sich los. Er wollte sie halten und eilte hinter ihr her. Und immer, wenn er sie gefangen hatte, küßte er sie erst und fragte dann an ihrem Ohr: „Sage, Kindchen, Du warst immer überzeugt davon, daß ich Dich aus Liebe heiratete, nicht wahr?“ „Welche Frage, Hellmuth?“ Weshalb solltest Du mich denn sonst geheiratet haben?“ „Nun,— wegen des Reichtums Deines Vaters 1 i „Auf den Gedanken bin ich noch garnicht gekommen.“ „Er liegt doch aber so nahe. Und sieh', 5 Hellmuth preßte Röschens Hand besonders fest in die seine—„wenn Du nun wüßtest, daß Dein Vater sogar Schulden für mich bezahlt hat—“ „Ach— wirklich!“ „Freilich! Dann Gedanke kommen—— N. „Nein, Liebster, der Gedanke könnte mir nie kommen. Ich weiß ja doch, wie wir uns kennen lernten. Und daß ich Dir damals auf dem Kirchhof gleich gefiel, hast Du mir doch so oft gesagt.. Wie kommst Du nur auf solche Fragen?“ Hellmuth blieb stehen und nahm Röschens beide Hände in die seinen.„Ich danke Dir, mein könnte Dir doch wohl der 40 „Ja“ darf ich?“ Immer aber antwortete sie „nein“. Schweratmend blieb sie endlich an der Thür stehen.„Du, wenn Du mich jetzt nicht zufrieden läßt, klingele ich.“ a „Ach nein!“ sagte er schnell.„Es ist so schön zu Zweien. Komm'] Ich will auch ganz ver- nünftig sein. Sieh wir wollen uns diese Kunst— werke betrachten.“ Und, seine Frau umfassend, trat er mit ihr vor die über dent Sofa hängenden Bilder.„Sieh' wie wunderbar!“ Und, Röschen umfaßt haltend, schritt er nun liebes, liebes Frauchen! Ich sehe klar, wie thöricht ich war, Dir das von den Schulden zu verheim⸗ lichen. Daß sie bezahlt sind,— das stand nämlich in dem Brief! Und nun weißt Du's!“ 1 Röschen machte sich los.„So! Jetzt bin ich Dir böse! Weißt Du das?“ sprach sie ärgerlich. „Mich so zu überlisten! Nein, nein, das vergeb ich Dir so bald nicht!“ f 5 Hellmuth trat leise hinter sie. „Wann?“ fragte er scherzend?“ b „Oooh— das— das weiß ich noch garnicht!“ Und damit ließ sie sich in die Sofaecke fallen und — Er aber setzte sich zu ihr und wußte so zu schmeicheln und zu bitten, daß sie schließlich erklärte, ihm diesmal noch verzeihen zu wollen. Und als sie entdeckt hatten, daß dies ihr erster Zwist ge⸗ wesen war, da waren sie sich natürlich auch darüber klar, daß sie ihn durch verdoppelte Zärtlichkeit wieder ausgleichen müßten.— Vierzehn Tage noch freuten Hellmuth und Röschen sich der schönen Natur im Umherreisen und Umherstreifen. Darüber waren sie sich einig: etwas Schöneres konnte das Leben nicht bieten. Volles Vertrauen, volle Hingebung beseelte sie beide, und Hellmuth vergaß all' das Unerquickliche, das er in den letzten Monaten durchlebt hatte. gene wüste Spielnacht, seine darauf folgende Ver⸗ zweiflung, die Bekanntschaft mit Herrn von Warns⸗ hagen, das diesem abgegebene Versprechen,— es versank in seiner Erinnerung vor der wonnevollen Gegenwart.— X „Nein, Röschen, so steif darfst Du das nicht stellen. Ueberhaupt nehmen wir am besten das kleine runde Sofa von der Wand fort und stellen es hier schräg mitten in's Zimmer. Willst Du mal mit anfassen?.... So! Und dort an die Wand kommt das Tischchen mit dem Bilde... Der große Sessel hier 70 „Aber Hellmuth! Ich staune nur immer. Das sieht ja so unordentlich aus!“ „Laß es nur erst fertig sein. Das Unge— zwungene ist malerischer und auch gemütlicher.“ „Ja, was wird aber da der Tapezier sagen, der uns alles hingestellt hat?“ „Der mag sagen, was er will. Sei so gut und faß' mal den Tisch an. Der kommt in mit ihr im Zimmer auf und ab. zog ein Mäulchen. die Mitte.“ „Meine Mutter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Sie fand neulich alles so hübsch.“ Hellmuth blieb vor seiner jungen Frau stehen. „Röschen, ich habe nichts gegen deine Eltern,— wie werd' ich auch, sie haben Dich mir ja geschenkt aber wundern werden sie sich wohl noch manchmal über uns, und das können wir nicht ändern.“ Röschen seufzte leicht.„Du hast den Vater neulich verletzt,“ sagte sie dann. „Glaubst Du? Mir schien es auch.“ „Du widersprachst ihm so oft. ersten Wiedersehen!“ „Ja, aber liebes Kind, er war auch so— ich weiß nicht— so von oben herab gegen mich—— Komm', nun halte mal die Leiter, ja? Ich will den Kronleuchter anhängen. Der Onkel Fritz hat sich nicht lumpen lassen. Trotzdem können wir ihn un⸗ möglich zu unseren Gesellschaften einladen—“ „Falle nur nicht!“ „Sei unbesorgt, lieber Schatz. Und was Deinen Vater betrifft,— ich kann mir schon denken, weshalb er so frostig zu mir war— das verwächst sich—“ „Weshalb meinst Du denn?“ „Ach, laß nur! Das heißt, sagen. Wegen der Schulden, mein Schatz. träglich ists ihm doch wohl etwas viel vorge— kommen. Na dafür hat er aber auch einen patenten Schwiegersohn——“ Hellmuth hatte den Kronleuchter befestigt und war wieder von der Leiter herabgestiegen. Er sah Röschen ins Gesicht und erschrak vor ihrem ernsten Ausdruck. Und beim ich kann's ja Nach⸗ (Fortsetzung folk.) um 27807 zugenommen hat; hiervon entfallen 15 446 auf das männliche und 12 361 auf das wein Ge⸗ schlecht. Unter 100 000 Personen männlichen Geschlechtes sind 278(1871 231), unter 100 000 weiblichen Ge⸗ schlechtes 243(216) geisteskrank. Die Männer sind also an der Geisteskrankheit viel mehr beteiligt als die Frauen. — Deutsche Bahohofsbauten. Einer ürzlich veröffentlichten Zusammenstellung über die in den letzten 20 Jahren vollzogenen Umbauten von Bahnhöfen in Deutschland entnehmen wir, daß hierfür ganz außerordentlich hohe Summen verausgabt wurden. So für den Umbau des Centralbahnhofs in Frankfurt a. M. 35 Millionen, des Bahnhofs Cöln 24½ Millionen, Hannover 20 Millionen, Mainz 18 Millionen, Düsseldorf 16 Millionen, München Centralbahnhof 16 Millionen, Halle 10 Millionen, Hof(Gemeinschaftsbahnhof für Sachsen und Bayern) 6/ Millionen, Erfurt 6 200 000, Münster 3½¼ Millionen, Hildesheim 2 600 000, Metz 1 100 000, Hamm 1 Million, Dortmund 700 000 Mark. Für den Umbau des Bahnhofs Dresden, der unseres Wissens auf 35 Millionen Mark veranschlagt war, und der erst im nächsten Jahre vollständig fertiggestellt werden dürfte, erwachsen 56 Millionen Kosten. Die meisten Personengeleise(18) hat der Personenbahnhof Frank⸗ furt a. M., nach ihm kommt München mit 16 Geleisen; hierzu kommen jedoch, seitdem der provisorische Starnberger Sommerbahnhof angebaut ist, noch weitere 5 Geleise für den Starnberger Verkehr und den Vorortsverkehr nach Pasing und Planegg; der Stuttgarter Bahnhof hat 8, der Düsseldorfer 10, der Cölner 8 Personengeleise. Im Bahnhof Mainz sind 4, Hannover 9, Straßburg 5 Per⸗ sonengeleise. Die Länge der 3 Frankfurter Bahnhofhallen beträgt 186, die Breite 178 Meter; die vier Münchener Vahnhofhallen haben eine Breite von 150 Meter, die Länge jeder Halle ist 140 Meter. Die Mainzer Bahn⸗ hofhalle ist 300 Meter lang und 40 Meter breit. Der Düsseldorfer Bahnhof hat eine Breite von 80 Metern, die Länge der Halle in Düsseldorf beträgt 167 Meter. — Ueber den furchtbaren Ausbruch des Vulkans Mayon auf den Philippinen sind jetzt aus Manila die ersten ausführlichen Nachrichten ein⸗ getroffen. Der Vulkan, der in der Provinz Albay liegt, ist einer der gefährlichsten der ganzen Welt. Sein Gipfel befindet sich 820 Meter über dem Meeresspiegel im Osten von Liboa und nordwestlich von Albay. Sein Fuß hat ungefähr 26 Kilometer im Durchmesser. Man sieht den Mayon schon in großer Entfernung; er dient den Schiffen, die die Meerenge von San Bernardino durchkreuzen müssen, als Leuchtturm. Die Gestalt des Vulkans ist kegelförmig. Am 30. Juni kam die Nachricht nach Manila, daß der Krater speie und daß die Lava sich bis zum Meer er⸗ gieße. In Baracay stürzten zahlreiche Häuser ein, be⸗ graben unter Aschen⸗ und Sandlawinen; die Bewohner des Ortes ergriffen die Flucht. In Tabaco öffnete sich ein klaffender Abgrund. Die Dunkelheit in der Stadt war so groß, daß die Bewohner drei Tage lang ohne Unterbrechung Licht brennen und Thüren und Fenster fest verschließen mußten, weil der Aschenregen die Luft ganz erfüllte. Die Straßen von Legazpi und Lipog wurden vollständig zerstört, die Bewohner flohen in die Berge. Ebenso war es in Maleliput. Die Stadt Lipog bietet einen grauenhaften Anblick. 115 Leichen lagen auf den Straßen. Die Verluste sind unschätzbar; alle Felder wurden zerstört, die Saaten, die bereits der Ernte nahe waren, wurden vernichtet, zahllose Haustiere getötet. Der Krater hatte bereits am 23. Juni begonnen, Asche und Lava auszuwerfen, der Hauptausbruch fand aber erst am 24. und 25. Juni statt. In der ganzen Provinz herrscht eine entsetzliche Verwirrung, fast überall sind die Gewürz⸗ und Kokospflanzungen, der Reichtum des Landes, ver⸗ nichtet. In Tabaco, wo gerade ein Kirchenfest stattfand, flohen die bestürzten Bewohner in die Kirchen, wo sie sich gesichert glaubten. Mehr als 400 Menschen sind verun⸗ glückt; man zählt 250 Tote. Seit 1881 spie der Vulkan fortwährend Rauchwolken und Feuersäulen aus. In der Provinz Albay gibt es noch zwei Krater: Isarog und Bulusan; beide sind aber fast schon ausgebrannt; nur manchmal steigen noch, besonders aus dem zweigipfeligen Bulusan, Wasser⸗ und Schwefeldämpfe auf. — Eine Kammerjungfer kin de siècle. Man schreibt dem„Hannov. Kour.“ aus Berlin: In einem fashionablen Hause des von den oberen Zehntausend am meisten bevorzugten Teiles des Tiergartenviertels wurde vor etwa einer Woche eine verblüffende Entdeckung ge⸗ macht. Die Dame des Hauses hatte seit drei Jahren eine Kammerjungfer, die sich der vollsten Zufriedenheit ihrer Herrin erfreute. Auch sonst hatte sich niemand im Hause über sie zu beklagen, bis sie vor einiger Zeit das Mißtrauen des gestrengen oder vielleicht auch nicht zu ge⸗ strengen Hausherrn erregte. Dieses Mißtrauen bewegte sich nach einer ganz bestimmten Richtung, und die einige Wochen fortgesetzten aufmerksamen Beobachtungen führten zu dem Resultat, daß das Mißtrauen des— eifersüchtig gewordenen Herrn Gemahls sich als berechtigt herausstellte. Es zeigte sich nämlich, daß die Kammerjungfer ein— bildhübscher junger Mann ist, der die Rolle des weib⸗ lichen Dienstboten seit drei Jahren mit bewunderungs⸗ werter Geschicklichkeit und Treue gespielt hatte, allerdings — nicht ohne Vorwissen der Herrin, gegen welche bereits von ihrem Gatten die Ehescheidungsklage eingeleitet sein soll. Neleste Telegrümme. Hd. Berlin, 8. September. Wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, findet in poli⸗ tischen Kreisen vielfach das Gerücht Glauben, daß der kommandierende General des XIV. Armeekorps General von Bülow zum Reichskanzler bestimmt sei. Derselbe soll einer der wenigen Generale sein, die sich gegen die Vor⸗ schläge des früheren Kriegsministers Bronsart von Schellendorf zur Umge⸗ staltung der Militärgerichtsbarkeit er⸗ klärt haben. — Verdingung. Die zur Wiederherstellung der ehemaligen Teutonenkneipe im Wienerhof erforderliche Weißb inderarbeit und Eisenlieferung soll Mittwoch, den 15. dss. Mts., Verwandten, Freunden und Bekannten Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unser die schmerzliche vermieten. Loden mit Wohnung —seit 15 Jahren gangbare Metzgerei— W. Ferber, Kirchenplatz 11. Fruchtsäcke, zu 571 Kartoffelsäcke, gebr. Saͤcke, Strohsäcke und Scheuertücher empfiehlt zu billigsten Preisen Hd. Berlin, 8. September Dem„Kl. Journal“ zufolge versuchten vorgestern mehrere Personen, dar⸗ unter einige Berliner, von Ilsenburg aus den Brocken zu besteigen. Es stellte sich ein schrecklicher Sturm mit Hagel und Regen ein. Von den 7 dem Brockenwirt an- gemeldeten Personen sind nur 5 oben angelangt, 2 Per⸗ sonen, deren Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, sind verschwunden und bis jetzt fehlt jede Spur von ihnen. Hd. Wien, 8. September. Offiziös wird versichert, der Friedensschluß zwischen Türkei und Griechenland stehe unmittelbar bevor. Hd. Budapest, 8. September. Nachdem die Regierung von Konstantinopel aus auf den Zuzug armenischer Flüchtlinge aus rumänischem Gebiet aufmerksam gemacht worden ist, ver⸗ fügte dieselbe die Ausweisung der namentlich in den Hafenstädten befindlichen ausweis⸗ und er⸗ werbslosen armenischen Emigranten. Hd. Brüssel, 8. Sept. Gestern wurde der internationale Kongreß für Handel- und Gewerbe⸗ Interessenten unter dem Vorsitz des Arbeits⸗ ministers eröffnet. Unter den üblichen Forma⸗ litäten wurde das Bureau konstituiert und der deutsche Deligierte zum Vorsitzenden gewählt. Sterbefälle. Am 7. Sept. Dr. Georg Schwarz, 69 Jahre alt, Rechtsanwalt, Justizrat dahier, Liebigstraße Nr. 17. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Sterbe⸗ hause aus statt. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanyschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. 0 70 2289 N. vormittags 11/ Uhr, öffentlich verdungen wer den. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Diensttunden bei uns, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen. Angebote auf Vor⸗ druck find bis zum genannten Termin einzu⸗ reichen.— Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6. September 1897. Das Stadtbauamt. J. V.: Gerbel. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen, Gartenstraße 2. Angebot der Arbeitnebmer. 1 Büchbinder, 1 Maschinenschlosser, 2 Aus⸗ laufer bezw. Kolporteure, 1 Einkassterer, 1 Kochfrau, 1 Nähfran, 1 Waschfrau, 2 Lauf; frauen, 1 Tagelöhner, 1 Reisender, 1 Maga⸗ zinier. 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