Ms. statt. rünewald. euenbaue 9 0 1 7 N N din 1 keis Wetzlar, 00 90 öde chr al f daheim, fert l en Anl. N b. l Jahr U Nrücel I ll, det g „ 20 J „ 0 straße 40 ach der c, f 13 Ottmann ihüte ben, geür 5 n Selterzweg 2 —— J T0 Abak, Deutsche uu nacs und Ligueun“ audische Weine Brühl, strasse 50. — k—— . Fresherrlichen Ohg ammenkunft im Dirt „ vormittags 10 Uhr, n, Linden 4. Kull n. Buche 798, Eiche z tic — 7 — ahre al. — 11 0 n 2 Hg. arl Schwaab. ratz. Marktplat A0. — 50. Mai cr. siah adfahrfest wean ige Kellner u e ob, Bahnhofstraß —. H Mittags 4. Westanlage. 182 Nftaqsssc u d Abemnenen 1 E, 52 cher 5 rasse n feln. Eh. Be sdter Haus. sowie 121105 te elcden 0 7 Und a lisch ne in Sciplapaß),“ rau“ n Pf eustadt 52. ah 1 ictete Kegelben 111 15 Noche. Ade W. Lehertt⸗ 7 fl fer 00 aße 2000 gf, Gießen, Freit ug, den 7. Mai Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. 0 Ausgabe Gießen. undeszeil! Posttg. Nr. 33919. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 3 a 10 n Lokales und Provinzielles. * Gießen, 6. Mai. Der Oberförster der Oberförsterei Büdingen, Forstmeister Kasimir Leo zu Büdingen ist auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuge— leisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli d. J. in den Ruhestand versetzt. * Gießen, 6. Mai. Militärdienstnach⸗ richten. Frhr. v. Autenried, Pr. Lt. vom Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. ess.) Nr. 116, ist von dem Kommando zur ienstleistung bei dem techn. Instituten ent⸗ bunden. * Gießen, 6. Mai.(Sport⸗ und Volks⸗ sest in Gießen.) Begünstigt durch das schöne Wetter der letzten Tage schreiten die Vor— arbeiten auf dem neuen Sportplatz an der Haardt küstig vorwärts, sodaß die eigentliche Rennbahn schon bis ca. zum 15. Mai fertig gestellt ist und zum Trainiren benutzt werden kann. Auch die sonstigen Arbeiten, wie Tribüne u. s. w. sind ihrer Vollendung nahe, sodaß bis zum Feste alles würdig zum Empfange der Gäste vorbereitet sein wird. Die Theilnahme der Radfahrer an dem kigentlichen Sportfeste: Preiskorso der Vereine des Nordbezirks des Gaues IX. vom Deutschen Radfahrer⸗Bund und Internationale Rennen wird aller Voraussicht nach eine sehr große werden. Ist doch auch die Rennbahn nach allen Erfahrungen und Verbesserungen der Neuzeit ge⸗ haut und somit den Rennfahrern Gelegenheit gegeben, ihr ganzes Können zu zeigen, ohne auf lörende Nebenumstände, wie Fehler in der lechnischen Anlage u. s. w., acht geben zu müssen. Aber auch noch ein anderer Punkt dürfte es sein, der die Radler am 30. Mai nach Gießen zieht, um in friedlichem Wettkampf um die Sieges⸗ palme zu ringen und das sind die herrlichen Ehrenpreise. Die ersten Preise sind fast ohne Ausnahme Stiftungen vom Deutschen Radfahrer⸗ Bund als oberster Behörde im Radfahrsport, wom Vorstand des Gaues IX.(Frankfurt a. Main) und vom Vorstand des Nordbezirks des Gaues IX., dessen Mittelpunkt Gießen ist. Weiter von den beiden festgebenden Vereinen„Wanderer“ Gießener Radfahrer⸗Gesellschaft und Curatorium der Renn⸗ bahn Gießen 1897, sowie von Herrn Brauerei⸗ besitzer Bichler. Ganz besonders prächtig wird der von den Damen beider Vereine gestiftete Damen⸗Wanderpreis ausfallen, welcher aber auch seines hohen Werthes wegen erst nach mehr⸗ maligem Sieg in den endgültigen Besitz des Siegers übergeht. In Anbetracht dieser Stif— tungen wird es der Rennleitung möglich sein, auch die zweiten und dritten Preise sehr gut zu dotiren, sodaß auch die Fahrer, welchen es nicht vergönnt ist als„erste“ das Band zu passieren, ihre Mühen durch schöne Preise belohnt sehen werden. Wollen wir hoffen und wünschen, daß alle Gäste sich recht wohl fühlen werden auf dem idyllischen Sportplatz an der Haardt und daß ein jeder mit dem Wunsche scheidet: 800 Wiedersehen beim nächsten Rennen.„All He 17. * Gießen, 6. Mai. Gestern Nachmittag fand ein erstes Probefahren auf einem Teil der neuen Rennbahn statt. Die genau 2 m 80 em messenden Erhöhungen wurden von den Fahrern mit Leichtigkeit genommen. Am Diens⸗ tag wird die Bahn durch Herrn Bichler dem Curatorium und den Wanderern übergeben. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile. * Gießen, 6. Mai. Die Aufhebung der Polizeistunde in Hessen. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat in der zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: „Wir beantragen, die Kammer wolle be— schließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen eine Vorlage zu machen auf Beseitigung der Polizeistunde oder dieselbe eventuell auf dem Verordnungs— wege aufzuheben. Ulrich, David, Haas, Rau, Cramer.“ * Gießen, 6. Mai. Zu dem vom 22.— 24. Mai d. J. in Heppenheim a. d. B. statt⸗ findenden 27. hess. Feuerwehrtag ist fol⸗ gendes Programm festgesetzt: Am Samstag, 22. Mai vormittags, 8 Uhr: Eröffnung der Aus⸗ stellung. Um 9 Uhr: Empfang der Delegirten am Bahnhof. Nachmittags 2 Uhr: Delegirten⸗ versammlung. Abends 7 ¼ Uhr: Abendessen im Gasthaus„Zum halben Mond“, Konzert Benga⸗ lische Beleuchtung der Ruine Starkenburg. Sonntag, 23. Mai: Früh 6 Uhr: Weckruf. Von 7-10 Uhr: Begrüßung der ankommenden fremden Wehren. Um 11½ Uhr: Uebung der freiwilligen Feuerwehr Heppenheim. Nachmit⸗ tags 2 Uhr: Festzug nach dem Festplatz, Ueber⸗ reichung der Diplome durch den Bürgermeister an Feuerwehrleute die 15 Jahre im Dienst sind. Konzert, Tanz und Volksbelustigungen aller Art auf dem Festplatz. Montag, den 24. Mai: Vormittags: Frühschoppen, Spaziergang durch den Wald mit Musik nach Wahl und von dort zurück nach dem Festplatz. Wehrleute, welche in Uniform zum Feuerwehrtag fahren, erhalten auf einfache Fahrkarte freie Rück⸗ fahrt auf der Main⸗Neckar⸗Bahn. * Lauterbach, 5. Mai. Am Montag wurde die neu errichtete höhere Bürgerschule mit 66 Schülern eröffnet. Die Direktion liegt in der Hand des Herrn Lehramtsassessors Büchler, der auch den Unterricht in Mathe⸗ matik und den Naturwissenschaften erteilt. Herr Lehramtsassessor Reeb lehrt die alten Sprachen, Deutsch u. s. w., Fräulein Fendt die neuen Sprachen, während der Elementarunterricht von Herrn Schulverwalter Kadel, der Religionsunter⸗ richt von Herrn Stadtpfarrer Vogt erteilt wird. Das Kuratorium besteht aus den Herren Bürger⸗ meister Stöpler, Stadtpfarrer Vogt, Stadtver⸗ ordneter W. Finger und Sekretär Köhler. Möge der neuen Schule gutes Gedeihen und kräftiges Aufblühen beschieden sein. * Sarmstadt, 5. Mai. Die Klage der Studentenschaft Darmstadts gegen das „Mainzer Journal“ wegen Beleidigung durch die Presse endigte heute mit der Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs Felix Stromowski zu 100. Geldstrafe eventuell 20 Tagen Ge— fängnis. Die Klage gründete sich auf eine Korrespondenz im„Mainzer Journal“ vom 5. Februar. Die Studentenschaft hatte die neube⸗ gründete katholische Verbindung Nassovia als nicht existenzberechtigt bezeichnet. Der ent⸗ scheidende Teil des Urteils muß je einmal im „Mainzer Journal“ und im hiesigen„Tägl. Anzeiger“ auf Kosten des Beklagten veröffent— licht werden. * Offenbach a. M., 5. Mai. Der in den 40er Jahren stehende Kaufmann P., früher langjähriger Prokurist einer hiesigen bedeutenden Lederhandlung, suchte sich heute Morgen im D Erpebition: Kreuzplatz Nr. 4. Bürgeler Gemeindewald, zunächst der Militär⸗ schießstände, durch einen Revolverschuß in den Kopf zu entleiben. Schwer verletzt, insbe⸗ sondere ist auch das eine Auge ausgeschossen, wurde der Lebensmüde in das hiesige Kranken⸗ haus verbracht. P., der Familienvater ist und dem erst in verflossener Nacht noch ein Kind ge— boren wurde, handelte offenbar in geistesgestörtem Zustand; so suchte er sich kürzlich, obwohl er in durchaus günstigen Verhältnissen lebt, schon durch einen Sprung in den Main das Leben zu nehmen. * Mainz, 5. Mai. Das engere Komile zur Feier des 500 jährigen Geburtsfestes Gutenbergs hielt gestern eine Sitzung ab, in der Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner die Mitteilung machte, daß bezüglich der im Jahre 1900 abzuhaltender Feier eine vollständige Einigung mit dem in Leipzig zu dem gleichen Zweck konstituierten Komite erzielt wor⸗ den sei. * Mainz, 5. Mai. Gestern Nachmittag wurde an der sog. Waschbrücke in der Neustadt die Leiche eines Soldaten des 87. Juf.⸗ Regiments geländet, der sich vor einiger Zeit durch einen Sprung in den Rhein das Leben genommen hat.— Ende voriger Woche wurde im Hafengebiet ein Packet Kleider vorgefunden. Nunmehr hat es sich herausgestellt, daß der Eigentümer der Kleider der Landwirt Ph. Wollschied von Sulzhain ist, der sich ver⸗ mutlich ertränkt hat.— Bei der Verhaftung eines Einbrechers wurden gestern Nachmittag zwei Polizeibeamte verletzt. Der Ver⸗ haftete geberdete sich wie wütend und trat einem Schutzmann derart auf die Brust, daß der Mann schwer erkrankt ist. * Mainz, 2. Mai. Wegen bedeutender Be⸗ trügereien verurtheilte das Landgericht den Commis Gg. Paul Aug. Mayer aus Fulda, Sohn einer achtbaren Familie, zu einer Zucht⸗ hausstrafe von 8 ¼ Jahren. 1050% Geld⸗ buße- 70 Tage Zuchthaus und fünf Jahren Verlust der bürgerlichen Ehren rechte. Der Be— schuldigte hat die Betrügereien in Mainz, Worms und Darmstadt verübt; u. A. gab er sich für den ersten Gehilfen eines Rechtsanwaltes in Frankfurt aus und schwindelte als solcher einer Wormser Dame namhafte Geldbeträge ab. * Mainz, 3. Mai. Den Stadtverordneten gingen die Bedingungen für Errichtung eines Elektrizitätswerkes für die Stadt Mainz zu. Es sollen auf Grund dieser von Prof. Kittler⸗Darmstadt gutgeheißenen Beding⸗ ungen zwei Ausschreiben erfolgen. Das eine be⸗ zweckt die Einholung von Projekten und Kostenan⸗ schlägen über alle das Elektrizitätswerk betreffende Lieferungen und Arbeiten für den Fall, daß die Stadt Mainz das Werk auf eigene Rechnung erbauen sollte; durch das andere Ausschreiben sollen die Bedingungen festgestellt werden, unter denen die Stadt Mainz einem Unternehmer die Konzession für den Bau und Betrieb eines Elektrizitätswerks übertragen würde. * Mainz, 3. Mai. Das städtische Arbeits⸗ amt tritt nunmehr definitiv in Wirksamkeit. Für den allgemeinen Verkehr ist das Amt von 9—1 Uhr und von 3—6 Uhr an Werktagen und Sonntags Vormittags von 10—12 Uhr geöffnet. Außer der unentgeltlichen Arbeitsver⸗ mittelung hat das Arbeitsamt den Zeck, über Fragen der Gewerbeordnung, der Kranken-, Unfall-, Invalidäts⸗ und Altersversicherung so⸗ wie anderer sozialpolitischen Gesetze Arbeitgebern wie Arbeitnehmern auf Anfrage mündliche Auskunft zu ertheilen, ebenso an fremde Arbeitnehmer über die örtlichen Lebens⸗ und Wohnungsverhältnisse. Wenn Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Bedingungen der Fortsetzung des Arbeits⸗ verhältnisses entstehen und zu Ausständen oder Aussperrungen führen, stellt das Arbeitsamt seine Thätigkeit für die Betheiligten ein, sobald das Gewerbegericht nur von einem Theil der Be⸗ theiligten als Einigungsamt angerufen wird. Wenn bei diesem Einigungsamt weder eine Verein⸗ barung noch eine von beiden Theilen anerkannter Schiedsspruch zu Stande gekommen ist, nimmt das Arbeitsamt für die Betheiligten seine Thätig⸗ keit wieder auf. * Rodheim a. d. B., hiesige Radfahrer-Verein unternahm am vergangenen Sonntag eine Vergnügungs⸗ tour nach Frankfurt a. M., welche ohne jeden Zwischenfall und zum größten Amüsement der Teilnehmer ausfiel. Vermischtes. — Geheimnisse eines Theaterfriseurs. Wie der große englische Schauspieler Irving so klein ge⸗ worden ist, wenn er als„petit Corporal“ in„Madame Sans-Gene“ das Publikum des„Lyceum⸗Theaters“ in Erstaunen setzt, darüber zerbricht sich ganz London jetzt den Kopf. Henry Irving ist ja wegen seiner langen hageren Figur bekannt, und hat seiner Zeit als„Don Quixote“ den„Ritter von der traurigen Gestalt“ in einer erstaunlich lebenstreuen Maske darstellen können, sodaß er um Kopfeshöhe über seine ganze Umgebung auf der Bühne hinwegragte. Nun hat er als Gegenstück zu dem spanischen Langbein, den kleinen, beleibten Napoleon J. in einer Weise personificirt, daß Alles sich erstaunt fragt, wie er es fertig bringe, plötzlich so winzig zu erscheinen? Ein findiger Berichterstatter hat sich an Irving's Theater⸗ friseur, den berühmten Clarkson gemacht, aber auch dort nicht viel herausbringen können. Wenn, wie in Irving's Fall— so plauderte der unerschöpfliche Figaro Londons — oder wie bei Beerbohm Tree's„Falstaff“, aus einer dünnen Figur eine dicke Person gemacht werden soll, so ist das mit Hülfe einer ausgestopften Weste ja nicht so schwer. Was Irving sonst noch für geheime Kniffe an⸗ wendet, um sich klein zu machen, absatzlose Schuhe, ein verhüllter Hals und dergleichen mehr, das ist sein Ge⸗ heimniß! Ein„Gestell“, einen„Rahmen“, wie man sagt, trägt Irving sicher nicht um den Leib. Wie man übrigens Gesichter macht, das könnte ich Ihnen erzählen! Gesichter, daß Ihre eigene Mutter Sie nicht erkennen würde. Jeden Tag haben wir solche Aufträge auszu⸗ führen, und nicht nur fürs Theater. In dem berühmten „Strand-⸗Entführungsprozeß“ kam der Vater der jungen Dame zu mir, und ich bearbeitete sein Gesicht derartig, daß seine Tochter ihn als einen zu ihr gesendeten Rechtsbeistand empfing. So kommen auch die Detektives schaarenweis zu uns und lassen sich herausputzen. Er⸗ scheint doch neulich eine der bekanntesten Schönheiten Londons, über dernen Reize die Männerwelt den Ver⸗ stand verloren hat, bei mir und will als„Blumenmäd⸗ chen“ herausstaffirt sein. Es war eine Schande, sage ich Ihnen, wie ich die geradeste Nase der Welt verunstaltete und dem herrlichen Kinde Steinchen in den Mund thun mußte, um die Contouren der Backen zu vergröbern, aber was halfs? Sie hatte eine Wette gemacht, sie wolle zwei Stunden lang unerkannt in Piccadilly Blumen auf der Straße verkaufen, und sie hat ihre Wette gewonnen. Kürzlich fiel eine junge Dame von ihrem Rad und stieß sich die Augen gegen die Maschine. Das war einen Tag vor ihrer Hochzeit. Als sie am nächsten Morgen auf⸗ 6. Mai. Der Fata Morgana. Novelle von H. René. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) So öde und finster war es in den niedrigen Stuben, so schattenlos in dem kleinen wilden „Garten, wo zwischen üppig wucherndem Unkraut einige verkrüppelte Salatstauden und überreife Mohnköpfe verdrießlich standen. Selbst Schufterle's Uebermut fand hier keine Nahrung. Die Leute, die seinen schlimmen Ruf kannten, sperrten ihre wenigen, mageren Hühner vor ibm ein, und so kehrte er denn von jedem ver— fehlten Ausflug trübselig zurück und schob seine kalte Schnauze bittend in die Hand der blassen, stillen Herrin. Tage, Wochen, Monate vergingen; über kahle Erntefelder strich der Herbstwind, und aus den Scheunentennen klang 4 das eintönige Tick— Tack der Dreschflegel. Noch immer war das Neuhöfer Gesindehaus die Brutstätte der schlimmen Krankheit. Kaum be⸗ fand sich der Vater außer Lebensgefahr, so erkrankte sein Kind nach dem andern, und heute, auf der Grenzscheide zwischen Tag und Nacht, war des Therese stand am Fenster und wischte mit der Hand über die feucht angelaufene Scheiben. Eben gebeizten Sarg gebracht. Der Witwer fuhr mit dem Aermel über die thränenden Augen, während eine mitleidige Nachbarin die nach der Mutter schreienden Kleinsten fortzuführen suchte. Wie herzzerreißend dieses war. Das brave Weib hatte ihren Opfermut, mit dem sie Gatten und Kinder treu gepflegt, mit dem Leben büßen müssen. Wie würde der sieche Mann, die hilflosen Kinder sie vermissen, sie, die ohne Murren für sie gearbeitet, gewacht und gehungert hatte. Warum mußte dieses Weib gerade sterben, während an ihr selbst, so unnötig auf der Welt, so lebensmüde, der Würger verächtlich vorüberging. Das also war die gütig waltende Vorsehung, die Allmacht und Liebe Gottes! Sie schauderte, während ihre glühende Stirn an die kalte Scheibe sank. Sterben, Vergessen, Aufhören! Alle die vielen Monate hindurch wünschte sie es in jeder Stunde des Tages, schrie sie es verzweifelt in den langen, stillen Nächten, wo nur der Holzwurm mit leise nagendem Geräusch ihre Seufzer und Thränen be⸗ August's braves Weib gestorben. gleitete. hatte der Dorfschreiner den schmucklosen, schwarz⸗ — Sterben! Sie hatte sich gewöhnt, den Tod als Befreier zu betrachten. Welche hoheitsvolle Ruhe hatte doch von des Onkels Stirn geleuchtet, und wie sanft hatten sich unter seinem eisigen Kuß die Schmerzensfurchen, die das Leben ihm ins Antlitz gezogen, geglättet. Selbst jenes arme Weib drüben. Lag es nicht wie Verklärung über ihren braunen, wetterharten Zügen. Ja, ja, das Leben war für Manchen eine un⸗ heilbare Krankheit, und die einzige Genesung davon der Tod. Aber wohl auch nur für Manche, Ver— einzelte. Vielen war es ja ein einziger sonniger Festtag, ein Tag, der keine Schatten, keine Däm⸗ merung kannte. Und jene Glücklichen, über welche das Schicksal ein Füllhorn blühender Schätze aus⸗ geschüttet, verdienten sie auch so glücklich, so hoch— begnadet zu sein? Vor drei Tagen hatte der Wind Glockenklänge zu ihr herübergetragen, seine Hochzeitsglocken, und die Weiber unter ihren Fenstern erzählten sich flüsternd, wie reich bekränzt des Bürgermeisters Haus, wie lang die Atlasschleppe der Braut ge⸗ wesen. Hatte er wohl aus voller, freier Brust sein„Ja“ gesprochen, nicht der falschen Liebes— schwüre gedacht, die noch vor Kurzem einer Anderen gegolten? Nein, nein, keine Wolke trübte ihm diese selige Stunde. Die Glücklichen, sie schritten ja sorglos auf Rosen dahin, mit denen man ihnen den Weg gestreut, während sie selbst einsam und ver⸗ lassen im heißen Wüstensand verschmachten mußte. Schlürfende Schritte wurden draußen laut, schüchtern klopfte es an der Thür. Die alte Nach— barin, die sich warmherzig der verwaisten Familie angenommen, war gekommen, die gnädige Frau um etwas Altes, am Liebsten wohl Linnenzeug zu bitten. Beim August sei die Not gar groß. Die Kinder hätten kaum ihre Blöße zu bedecken, für die Leiche finde man nichts zum Anziehen, auch kein Groschen Geld sei im Hause. Schweigend räumte Therese irgend ein Schub⸗ fach aus. Bei ähnlichen Anlässen hatte sie schon früher immer gegeben, ohne nachzusehen, was es war. Und nun liefen die barfüßigen Kinder in den wunderlich gemusterten Kamisols der alten Baronin umher, trugen die Weiber ihre spitzenbesetzten, ver⸗ gilbten Nachthauben. Eine traurige, spukhafte Maskerade am hellen Tage. Und so spukhaft war auch das Leben, das sie seit Monaten hier geführt. Wie Moderduft schlug es ihr überall entgegen, wehte sie es an, aus den Truhen, Schränken, aus den alten Andachtsbüchern, die noch immer auf dem wackeligen Tischchen am Kopfende ihres Bettes lagen. (Schluß folgt.) KK» wachte, hatte sie die„schönsten blauen Augen von der Welt.“ Ich hatte das Vergnügen, eine Stunde vor der Trauung die Spuren des Unfalles wegzuzaubern, und ich versichere Sie, der glückliche Bräutigam hat von der Ver⸗ änderung der„holden Sternetz nichts bemerkt. Ergötzlich wars, wie Seine Majestät der König der Maoris sich bei uns in einen Weißen verwandeln ließ. Ich will Ihnen zum Schluß noch einen Autograph zeigen, der Ihnen er⸗ klären wird, was die Welt, was die Theatenwelt vor Allem, an mir hat— sagte Herr Clarkson, und holte sein Album herbei. Da stand unter Hunderten von Widmungen berühmter Männer und Frauen auch folgende Dedication:„Meinem lieben Willie Clarkson, dem Trost und Verjünger meines abwärts eilenden Lebens— seine dankbare Mrs. Lillie Langjry“.(Mrs Langtry ist die hervorragendste Schauspielerin des„Lyceum“). — Kanada⸗Scherze. Aus New⸗York wird be⸗ richtet: In Simcoe in Kanada hat man am letzten Dienstag einen Mann hypnotisirt und ihn daun in einen Sarg gelegt und begraben. Zwei Tage darauf sollte er in einem Theater wieder zum Leben erweckt werden. Als die Vorstellung beginnen sollte, war das Theater gedrängt voll von Menschen. Dann brachte man den Sarg auf die Bühne, der Mann wurde herausgenommen, und der Hypnotiseur begann, die Hypnose von ihm zu nehmen. Er wachte richtig wieder auf, hatte aber kaum sein Bewußt⸗ sein wieder erlangt, da sprang er auf die Füße und fing an, wie ein Wilder um sich zu schlagen. Zuerst zerschlug er den Sarg, in dem er gelegen hatte, dann die Tische und Stühle, und zuletzt gingen die Fensterscheiben in Stücken. Dann stürzte er sich auf die Leute, welche auf der Bühne beschäftigt waren, und fügte mehreren von ihnen ernstliche Verletzungen zu. Zuletzt riß er, scheinbar mit übernatürlicher Kraft begabt, einige Bretter vom Fuß⸗ boden der Bühne los, ging damit in das Orchester hinunter und schlug um sich, und dann stürzte er sich noch in den Zuschauerraum, und die Zuschauer flüchteten in voller Panik. Endlich gelang es fünf Männern den neu zum Leben Erweckten zu Boden zu werfen und solange festzuhalten, bis der Anfall von Raserei vor⸗ über war. — Künstlerinnenbildnisse auf Banknoten und Münzen.„Man schreibt den„M. N. N.“ aus Frankfurt: Sie berichteten kürzlich nach der„Frankf. Ztg.“ über die Galanterie der Ungarn, die das Porträt einer ihrer beliebtesten Künstlerinnen, der Frau Luise Blaha, als Genius in die eine Ecke ihrer neuen Tausend⸗ Kronennoten drucken ließen. Eine solche Ehrung, von der die„Frankf. Ztg.“ annimmt, daß sie bis jetzt nur gekrönten Häuptern zu Theil geworden sei, ist nicht neu. Im Jahre 1858 wurde in Frankfurt am Main der damaligen freien Reichsstadt, ein Thaler(sogenannter Ver⸗ einsthaler) geprägt, der auf der einen Seite den Frank⸗ furter Adler, auf der anderen einen fein ausgearbeiteten Kopf der Francofurtia zeigt, dem zu beiden Seiten der Eschenheimerthuimm und der Dom in seiner damaligen Gestalt beigefügt waren. Die Züge der Frankfurter Genius sind die der berühmten Schauspielerin Fanny Janauschek, die zu jener Zeit in Frankfurt engagirt war und am Anfange ihrer glänzenden Künstlerbahn stand. Der Schöpfer des originellen Bildnisses war A. v. Nordheim. Die Thaler, die nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind und mit hohem Aufschlag bezahlt werden, heißen hier„Janauscheksthaler“.— (Anmerk. d. Red. d.„H. E.“: Letzteres trifft nicht zu. Man trifft den Thaler noch im Verkehr und ein hoher Aufschlag wird für sie von Münzhändlern nicht bezahlt. Im Publikum gilt übrigens irriger Weise das Bildniß der Janauschek als Konterfei einer intimen Freundin Rothschilds, genannt:„Anna von Nordheim“.) — Tragödien aus der Pariser Lebewelt. Die Pariser Welt, in der man sich nicht langweilt, hatte am 2. d. M. ihren„schwarzen Sonntag“ zu verzeichnen. Die 25jährige Madame Riveiron, geschiedene Gattin des Marquis Bourgoignon⸗Dupere, die zuletzt Schauspielerin war, lebte mit einem Zeichner, Georges Moreau, den sie am Sonntag infolge eines Streites mit seinem eigenen Stilet erstach; hierauf stürzte sie sich selbst durchs Fenster aufs Pflaster hinab. Die Zerschmetterte wurde noch lebend aufgehoben. Ihr Gatte, Marquis Bourgoignon, lebt mit seinen beiden Töchterchen aus dieser Ehe in England. Ferner machte der Selbstmord zweier Halb⸗ weltdamen Sensation. Die eine davon, Lucette de Varennes, war besonders bekannt als die Geliebte des Sohnes eines sehr bekannten, reichen, hohen Militärs. Lucette knüpfte hinter seinem Rücken ein anderes Verhält⸗ nis an, worauf ihr Verehrer ihr die reiche Dotation ent⸗ zog. Lucette, ohnedies gewohnt, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, geriet in Verlegenheiten, die sie lebens⸗ überdrüssig machten. Lucette vergiftete sich und war so⸗ fort tot. Die andere Demimondaine nannte sich Leontine de Courcy. Leontine erstickte sich mittels Kohlengas, weil sie ihre bedeutenden Ersparnisse in Spekulationen verlor. 7 1 0 5 1 5 250 Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 6. Mai. Der Kaiser hat gestern, wie der„Lokalanz.“ berichtet, den Reichskanzler durch einen besonderen Kurier zu sich entbieten lassen, um sich von ihm abermals über die Novelle zum Vereinsgesetz und die Militär⸗Straf⸗ prozeß⸗Novelle Vortrag halten zu lassen. am 1. Januar 1898 ins Leben tretenden thüringisch⸗anhaltischen Lotterie wurde endgültig Gotha bestimmt. Hd. Wien, 6. Mai. Nach hierher gelangten Meldungen griffen türkische Truppen in be⸗ trächtlicher Stärke das griechische Centrum, welches vom Kronprinzen befehligt wird, an. Die Türken wurden schließlich zurückge— schlagen. Hd. Wien, 6. Mai. Die als unmittelbar bevorstehend angekündigte Vermittelung der Hd. Weimar, 6. Mai. Als Sitz der Mächte zwischen Griechenland und der Türkei, ist, wie amtlich bestätigt wird, gestern er⸗ folgt. Alle Mächte sind in dem Entschluß einig, die griechische Dy mastie unter allen Umständen zu retten und eventl. durch Landung von Truppen in Athen zu schützen. Griechenland hat indeß erklärt, die: Vermittelung nicht in Anspruch nehmen zu wollen, trotzdem der König selbst für dieselbe ist. 1715 Mächte stehen daher vor neuen Schwierig⸗ eiten. Hd. Brüssel, 6. Mai. Ein hochge⸗ stellter Kongo⸗Beamter erklärte gestern, der Aufruhr der Eingeborenen von Ndirtzi im Uelle⸗Gebiet sei leicht be⸗ greiflich. 5 belgische Offiziere hätten nämlich unter Androhung von körper⸗ lichen Züchtigungen eingeborene Unteroffiziere gezwungen, ihren Stammes⸗Verwandten Elfenbein und Kautschuk mit Gewalt abzunehmen und die abgehauen en Hände der Widerspenstigen vorzuzeigen. Da⸗ raufhin sei die Revolte ausgebrochen und die Offiziere getötet worden. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 8. Mai 1897. Vorabend: 715 Uhr. Morgens: 830 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Sabathausgang: 8˙e Uhr. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. Bekanntmachung. Die Grundbesfitzer, welche ibren Grundbesitz entweder ganz oder teilweise nicht selbst be wirtschaften, werden hierdurch aufgefordert, bei der Bürgermeisterei derjenigen Geme ende, in deren Gemarkung die Grundstücke liegen, bis zum 1. Juni l. J. schrift'ich oder mündlich zu Protokoll den Antrag zu stellen, daß der auf die Steuerkapitalien ihrer Grundstücke oder einzelner derselben entfallende Beitrag zur Berufsgenossenschaft von einem Anderen, als Be⸗ triebsunternehmer zur Zahlung Verpflichteten, e hoben werden. Die Anträge müssen auch die nztigen Angaben Über die Pachterträgnisse der einzelnen Lose enthalten. Sodann wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß nach§ 10 der Verordnung vom 11. Inli 1888 von nachverzeichneten Objekten ein Beitrag zur Berufsgenossenschaft nicht er— hoben wird: 1) von Grundstücken, welche zu einem land- oder sorstwirtschaftlichen Betriebe überhaupt nicht gehören; 2) von allen Gebäuden nebst zugehörigen Hofräumen, Haus- und Ziergärten; 3) von Grundstücken von Betrieben, deren Sitz außerhalb des Landes gelegen ist; 4) von steuerpflichtigen Grundstücken, deren land- und forstwirtschaftliche Benutzung dauernd eingestellt ist, sei es, daß jede Nutzung aufgehört hat, sei es, daß an Stelle der land- oder forstwirtschaftlichen eine gewerbliche Benutzun; eingeteten ist(3. B. Ver⸗ wandlung eines Ackers in einen Steinbruch). Diejenigen Grundbesitzer, welche derartige Befreiungsgründe, die sich der amtlichen Kennt⸗ nis entziehen, geltend machen können, werden aufgefordert, die Befreiung bei der Bürger⸗ meisterei derjenigen Gemarkung, in welcher das Grundstück gelegen ist, bis zum 1. Juni l. J. zu beantragen. l Gießen, den 4. Mai 1897. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Holzversteigerungen. Treis a. Lda.(Im Freiherrl. v. Rabenauschen Walde). Donnerstag, den 11. d. Mis., im Distrikt Struth bei Beuern: 7 Eichen mit 10 76 Fstm. und 5 Buchen mit 3,94 Fstm., wobei sehr schönes Schnittholz sich befindet, 58 Rm. Buchenscheiter, 11 Rm. Buchen⸗, Eichen⸗ und Nadelknüppel, 56¼ Hd“. Buchenwellen, 6¼ Eichen- und Nadelwellen und Reis⸗ holz und 74 Rm. Buchen⸗ und Eichenstöcke. Lich. Zuͤsammenkunft morgens um 9 Uhr im Distrikt Struth, ½ Stunde von Beuern bei Holz Nr. 1. In dem Gemeindewald der Stadt Lich sollen 203 Stämme Fichtenbauholz von 12 bis 35 Cm. mittleren Durchmessers und bis zu 22 Mtr. Länge mit 69,76 Fm. Inhalt, 1. Kiefernstämme von 17 bis 28 Em. mittleren Durchmessers und bis zu 12 Mtr. Länge mit 5,82 Festim. Inhalt auf dem Submissionswege verkauft werden. Die Gebote sind verschlossen bis zum 10. Mai bei der Bürgermeisterei einzureichen. Geschäfts⸗Eröffnung. 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