burg 11 1 get Vethseiuft. flanellen, iterröcke ꝛc. z. Etrickwolle 500 — Volle 0 B 1 Bleichstr. 7. schen Fahrrad⸗Iu⸗ 997 l. Relords, Meiflen ie auf Landstraßen genen sondere ir der lernen Abschlags⸗ Zahlungen gestaltet, hütte. Giesen, 3 onders zu Erbaul Wohnhäuser hu smauerung von Jag Jas en besonden Vassivbauten bes 1 und Weill aulalk 5 ul ähe sruchtböt Lörtelbere lung. men entgegen! e Wetzlal — — 5. — — n 2 — D — E Saeed van Gießen, Dienstag, den 4. Mai Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112. Ausgabe ssche Landeszei Gießen. * Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. hr angesetzt. ber 4 Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Hessischer Landtag. Darmstadt, 1. Mai. Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Sitzung welter Kammer fragte Köhler an, ob es Reichs- agsabgeordneten gestattet sei, sich in den Wan— selgängen aufzuhalten? Die Frage soll gelegentlich ines von Köhler in Aussicht gestellten Antrags und nach irlundigung über den Usus in anderen Parlamenten er— lbigt werden.— Zur Berathung stand alsdann die Vor⸗ age wegen Verkaufs des Braunkohlenbergwerks„Ludwigs⸗ offnung“ an die Fürstlich Solms⸗Braunfelssche Verwal⸗ ung. Der Finanzausschuß beantragt Bewilligung von 000/ für Erhebung und Aufstellung von technischen ub wirthschaftlichen Gutachten, wie Plänen und Voran⸗ schlägen, welche die Frage der Rentabilität des Melbacher Berks prüfen, und das Finanzministerium möge nach sertigstellung dieser Arbeiten weitere Vorlagen machen. berfinanzrath Bra un beklagt, daß in der Wetterau seit en letzten Berathung Kräfte thätig seien, um Stimmung egen die Vorlage zu machen, wie sich dies bereits in: ngaben an die Kammer ausdrückte. Abg. Köhler e Bauern wünschten eine Vergrößerung des Fürstlich Irgunfelsschen Besitzes nicht; ob des geplanten Verkaufs e Melbacher Bergwerks herrschte Erregung. Dr. Schrö⸗ er als Referent beantragt sodann nochmalige Zurück⸗ gelsung an den Ausschuß. Dagegen wenden sich Ullrich i Oberfinanzrath Braun. Die Regierung wünsche Klar⸗ all darüber, ob man dem Verkauf zustimme oder nicht. Araun hält die Angelegenheit im Sinne der Ablehnung Ar spruchrelf; zieht aber später seinen Widerspruch gegen de Jurückweisung zurück, welche alsdann einstimmig be⸗ Hossen wird.— Zum Wiederaufbau der im Oktober J. auf dem Domanialgute Rheinfelder Hof durch Brand störten Gebäude werden 83,677/ bewilligt. Sehr ausgedehnte Berathung erfuhr der Antrag Bester nacher auf Uebergabe der durch gesetzliche Maß⸗ uhmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche atstandenen Kosten auf die Staatskasse. Viele Abgeord⸗ ite klagten über die Höhe der Kosten und die theilweise gorose Handhabung der gesetzlichen Maßnahmen. Die seglexung versicherte, sie sei nach wie vor bestrebt, mit schonung und Milde, aber wenn es nöthig sei, auch mit ller Energie nach besten Kräften die Bekämpfung der Jaul⸗ und Klauenfeuche nach den Vorschriften des Reiches urchzuführen. Beschlossen wurde die einstimmige An⸗ uhme des Antrags Westernacher in Verbindung mit einem om Ausschuß vorgeschlagenen Ersuchen, das sich auf die ekanntmachung im Falle des Ausbruchs von Viehseuchen Die nächste Sitzung wurde auf Nachmittag 4 Nach einer Erklärung des Abg. Allrich ed indeß die gesammte Opposition nicht er⸗ cheinen, das Haus also nicht beschlußfähig sein. zieht. Die Nachmittagssitzung war nur von 19 Natlo⸗ alliberalen und dem als Sekretär des Hauses fungierenden Centrumsabgeordneten von Köth besucht. Gleich beim ersten Gegenstande, der zur Berathung amd— es handelte sich um eine Forderung des Justiz⸗ nimisteriums zur Ausstattung neuer Amtsgerichtsgebäude ꝛc. — bezweifelte von Köthe die Beschlußfähigkeit des hͤuses. Die Erschienenen mußten unverrichteter dinge nach Hause gehen. Die nächste Sitzung ist auf Dienstag Vormittag beraumt. kokales und Provinzielles. „ Gießen, 3. Mai. Durch Entschließung s Großherzogs wurden an Stelle des in den uhestand getretenen Rabbiners Dr. Benedikt ph für die Israeliten gemäßigt⸗liberaler Rich⸗ ung der bisherige 2. Rabbiner in Karlsruhe, Ir. David Sander und um dem Bedürfnis orthodoxen Juden, die in der Provinz vohnen, zu genügen, der Rabbiner der israeli⸗ chen Religionsgesellschaft in Gießen Dr. Leo Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile. Hirschfeld zu Provinzial-Rabbinern für Oberhessen, beide mit dem Sitze in Gießen, er— nannt. Demnach sind für die Provinz nicht, wie wir am Samstag meldeten, einer, sondern zwei Rabbiner ernannt worden. Gießen, 3. Mai. Mit Wahrnehmung der Dienstfunktionen eines Amtsanwalts bei den Amtsgerichten Hungen, Lich und Gießen ist Herr Gerichtsassessor Bopp in Mainz beauftragt worden. Gießen, 3. Mai.(Arbeiterfahr⸗ karten.) Auf den preußischen Staats- bahnen sollen fortan Arbeiterfahrkarten nur noch an Personen die sich gehörig ausweisen, verabfolgt werden. Als Aus- weis diene eine Karte, die vom Arbeit- geber unterschrieben werden muß. Die Polizei hat darauf durch Unterschrift und Siegel die Richtigkeit der Unterschrift des Ar— beitgebers zu bescheinigen. * Gießen, 3. Maj. Eine aufregende Scene spielte sich gestern oberhalb der Lahn— brücke ab. Ein ca. 14jähriger Junge war mit einem Boote bis dicht an die Stromschwellen des Wehres gerudert und mühte sich längere Zeit vergeblich ab, aus dem Strom zu kommen. Hunderte von Menschen standen am Ufer, ohne in der Lage zu sein, den bald Ermatteten aus der mit jeder Minute kritischer werdenden Situation heraushelfen zu können. Erst als man am Bootshause der Gießener Ruder-Gesellschaft den Vorfall bemerkte, begaben sich einige Herren eiligst zur Stelle, um mittels eines Seiles den jungen Menschen aus seiner Lage zu befreien. * Gießen, 3. Maj. Das Naumannsche anatomische Museum, das nur noch bis morgen Abend auf Oswaldsgarten zur Schau gestellt bleibt, verdient mit Recht den ihm zuteil werdenden äußerst zahlreichen Besuch. Das Museum enthält eine Menge kunstvoll ausge⸗ führter Präparate, durch die der menschliche Or⸗ ganismus bis in die kleinsten Teilchen vor Augen geführt wird. Die verschiedenen Er⸗ scheinungen der Seuchenkrankheiten, wie Cholera, Pest ꝛc. sind durch zahlreiche Präparate vertreten, nicht minder solche, welche uns die inneren aut⸗ und Kinderkrankheiten veranschaulichen. us hat noch die an fünf hintereinander aufge⸗ stellten männlichen Rumpf⸗Quer durch⸗ schnitten veranschaulichte Durchschlagskraft des„Kleinkalibrigen“ interessiert— nicht etwa, daß wir davon entzückt wären.— Nach⸗ dem eine Kugel vier Körper glatt durch- schlagen, bleibt dieselbe im fünften vor den hinteren Rippen stecken das genügt. Ueber die bis her„erfolgreiche[ Anwendung des„Kleinkalibrigen“ gibt sogar der Ausstellungs⸗Katalog(bei Beschreibung der be⸗ züglichen Präparate) durch folgenden unsere heutige Weltordnung recht bezeichnenden Passus Aufschluß. Derselbe lautet:„Es fielen schon bei den bisherigen Anwen⸗ dungen des Geweh eres(Ar beiterun⸗ ruhen in Würschau und Biala) auf ein Geschoß drei, vier und mehr Ge⸗ troffene.“ Wir können den Besuch des Museums Jedermann bestens empfehlen. * Gießen, 2. Mai. Die gestern Nachmittag im Restaurant„Aquarium“ stattgefundene Ver⸗ sammlung des Geflügel- und Vogel züchter⸗ vereins für Gießen und Umgegend war außerordentlich gut besucht. Auch aus den um⸗ liegenden Orten hatten sich zahlreiche Geflügel⸗ Expedition: D 8 Kreuzplatz Nr. 4. — züchter eingefunden. Die Versammelten hielten es einstimmig als im Interesse der Züchter liegend, wenn eine solche Vereinigung stark und kräftig emporblühen würde. Nur allein durch den Zusammenschluß und durch gegenseitige Unterstützung würde mancher Züchter vor Schaden bewahrt bleiben. Der Zweck des Vereins be— steht darin, reinrassiges Geflügel auf Kosten des Vereins zu beschaffen und dieses den ein⸗ zelnen Mitgliedern zugänglich zu machen. Auch den Interessen der Kanarienvogelzüchter ꝛc. soll durch den Verein nach jeder Richtung hin Rech⸗ nung getragen werden. Der Verein beabsichtigt hier in Gießen Geflügel-Ausstellungen zu veran⸗ stalten, um das Interesse für die gefiederte Welt auch in weiteren Kreisen zu erwecken. Nachdem die Konstituirung des Vereins mit 20 Mit⸗ gliedern, von welchen 7 außerhalb wohnen, vorgenommen, wurde ein Vorstand gewählt und beschlossen, regelmäßige Monatsversammlungen abzuhalten. * Gießen, 3. Mai. Dem Militär hat man verboten, an dem Frühlingsfest des Gesangvereins„Eintracht“, welches gestern Abend im Saale des Café Leib abgehal⸗ ten wurde, theilzunehmen.— Zahlreiche Besucher hatten sich zu diesem Frühlingsfest einge⸗ funden. Das Programm, das in allen seinen Theilen zur Zufriedenheit ausgefallen, macht dem Gesangverein alle Ehre. Bis in die früheste 1 amüsierte man sich auf das Köst— lichste. * Gießen, 3. Mai. Am Samstag Mittag entgleiste die Lokomotive eines Güterzuges auf der Strecke zwischen Ostheim und Nauheim, wodurch insofern eine Verkehrsstockung eintrat, als die Strecke zwischen beiden Stationen wäh— rend mehrerer Stunden nur eingleisig gefahren werden konnte. Infolgedessen kamen mehrere Züge mit Verspätungen an. * Gießen, 3. Mai. Heute Vormittag fand im Café Ebel unter Vorsitz des Kreisschulinspek⸗ tors Dr. Lucius eine Lehrer-Konferenz für den Bezirk Gießen statt. * Gießen, 3. Mai.(Die Säbel, die Säbel!) Gestern früh 3 Uhr kam es in der Bahnhofstraße zwischen jungen Leuten zu einer Schlägerei, wobei sich ein beurlaubter Dragoner von Darmstadt mit blanker Waffe be⸗ 1 105 Gegen die Thäter wurde Anzeige er— oben. * Gießen, 3. Mai. Die gestern Abend in Steins Saalbau stattgehabte Abendunter⸗ haltung des„Zither-Klubs“ verlief in schönster Weise. Besonders sind die Theaterauf⸗ führungen der jüngeren Mitglieder des Vereins hervorzuheben. An die Unterhaltung schloß sich ein Ball, der bis zum frühen Morgen dauerte. * Gießen, 3. Mai. Die Viehhändler Joseph Simon aus Mainzlar und dessen Bruder Isaak Simon von Hermannstein hatten sich in der vergangenen Woche vor dem Schöffengericht in Wetzlar wegen Be⸗ trugs zu verantworten. Das Brüderpaar war beschuldigt, einem Schreinermeister in Salzböden eine Kuh für den nach ihrer Darstellung außer— gewöhnlich billigen Preis von 190 KA aufge⸗ hängt zu haben, unter der ausdrücklichen Versicherung sie verdienten bei diesem Handel nicht mehr als 6 Mark. In Wirk⸗ lichkeit hatten die schlauen Händler das Tier aber für 138. eingekauft, sodaß deren Nutzen lief. Isaak Simon wurde dieserhalb zu einer Geldstrafe von 50. verurteilt, sein Bruder Joseph dagegen freigesprochen, weil das Schöffen⸗ gericht den Nachweis vermißte, daß er es ge⸗ 10 55 der den Abschluß des Geschäfts besorgt atte. * Grünberg, 2. Mai. Die gestern Nach⸗ mittag stattgefundene feierliche Grundstein⸗ legung der hiesigen Turnhalle war trotz ungünstiger Witterung unter zahlreicher Be⸗ teiligung gut verlaufen. Den Weiheakt vollzog namens des Turnvereins Herr K. H. Jöckel. Nach Beendigung der Feier vereinigten sich die beteiligten Kreise zu einer kleinen Nachfeier im Vereinslokale„Zum Taunus“. * Grünberg, 2. Mai. Zu dem heute Nach⸗ mittag auf der Neumühle abgehaltenen Freikonzert des Grünberger Streichquartetts hatten sich sehr viele Besucher von hier und auch von Laubach eingefunden. Das reichhaltige Pro⸗ gramm obiger Kapelle fand ungetheilten Beifall des Publikums und zeigte zur Genüge, daß dieselbe unter der Leitung des Herrn Gieß anerkennenswerthe Fortschritte gemacht hat. Grünberg, 2. Mai. Als wir unlängst an dieser Stelle die Kin dertanzunterxrichte, vom pädagogischen Standpunkte aus betrachtet, als ein höchst zweifelhaftes Erziehungsmittel ver⸗ worfen, so wollten wir damit die Eltern nur auf die Gefahren aufmerksam machen, die den Kindern drohen, wenn sie so frühzeitig zu jungen Damen und Herren ausgebildet werden. Diese ernsten Mahnworte sind leider auf unfruchtbaren Boden gefallen. Der gestern im Gasthause„Zur Pinn“ abgehaltene Kin derball zeigte so recht, daß dieses moderne Erziehungsmittel auch in unserem kleinen Landstädtchen auf der Höhe der Zeit steht, indem Kinder, die kaum das schul— pflichtige Alter(7—10 Jahre) erreicht haben, unter der Aufsicht ihrer Eltern bis spät nach Mitternacht der Terpsichore huldigten. Diese wenig erfreuliche Thatsache ist umsomehr zu be⸗ dauern, als wir in den Kindertanzunterrichten nicht ein einziger erzieherischer Moment erblicken, das für die weitere Entwickelung des Kindes Vorteile mit sich brächte. Wir wollen aus ge⸗ wissen Grunden diesmal von einer weiteren Polemik absehen, und wünschen nur noch, daß es der hessischen Geistlichkeit gelingen möge, eine ähnliche Konsisterialverfügung wie in Sachsen auch in unserem Hessenlande herbeizuführen, wonach schulpflichtigen Kindern vor Beendigung der Konfirmationszeit der Besuch des Tanzunter⸗ richts einfach verboten wird. * Mücke, 2. Mai. Daß die Bahnstation Mücke an Ausdehnung und Bedeutung immer mehr gewinnt und einer von den besten Voraus⸗ setzungen gehegten Zukunft entgegengeht, ist an dieser Stelle schon wiederholt hingewiesen worden. Neuerdings verlautet nun, daß die Firma Wallach aus Alsfeld dortselbst ein Dampfsägewerk zu errichten beabsichtigt und bezüglich des Bodenerwerbs bereits in Unter⸗ handlungen steht. * Neu⸗Ulrichstein, 1 Mai. Die Ar⸗ beiterkolonie hatte zum heutigen Tage an Insassen 60 stellen-, bezw. arbeitslose Männer, darunter aus dem Großherzogtum Hessen 9, aus dem Reg.-Bez. Kassel 8, aus dem Reg.⸗ Bez. Wiesbaden 7. Arbeiter waren unter der Gesamtzahl 28. An 1470 Tagen wurde ge⸗ arbeitet, verpflegt durch die Kolonie an 1783 bei diesem Kuhhandel sich auf 52 Mark be⸗ Fata Morgana. Novelle von H. René. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Noch einmal schritt Therese abschiednehmend durch alle Gemächer des lieben, alten Hauses, das le so lange eine Heimat gewesen, in dem sich die liegenden Mutteraugen auch für immer geschlossen. un manchem Fenßser blieb sie stehen und schaute haus auf den im Abendwind rauschenden Park, nunchem Bild an den Wänden winkte sie wie einem aten Bekannten mit den Augen den letzten Guß zu. Nun war sie in ihr Wohnzimmer getreten. Lorgsam verschloß sie dort die Schränke, fügte die schlüssel zum großen Bund, mit welchem zugleich i auch ihre Herrschaft in die Hände des neuen Herrn zurücklegte. Sinnend, als zöge die Vergangeuheit noch ein— kal ganz an ihrer Seele vorüber, blickte sie umher. mes Nähtischchen dort hatte immer die fleißige Putter benutzt, und in dieser Sofaecke würde Onkel doktor nie mehr mit seiner Pfeife sitzen. Unwillig hob sie den Kopf. Wer kann sie in Die alte Wartefrau war's die ihrer Mission im Schloß enthoben, bevor sie in die Stadt zu den verheirateten Kindern zog, sich zu verabschieden Therese, in ihrer sanften Rührung war heute zugänglicher als sonst, und so fragte sie freundlich, wie die Alte nun zu leben gedenke. „Ach, gnädige Frau waren ja immer so gut und freigebig, haben meine schwachen Dienste weit über Gebühr bezahlt“, sagte die unter unzählbaren Handküssen. In den Jahren, welche, Gott sei es geklagt, ich den armen Herrn Baron pflegen mußte, konnte ich mir ein kleines Sümmchen ersparen. Viel ist es ja nicht, aber der Schwiegervater hat auch sein Auskommen, und eine alte Frau, die mit einem Fuß schon im Grabe steht, braucht auch nicht mehr, als ein bischen Essen.“ Die Thränen übermannten sie, sie trocknete sie ab, und dadurch verdeckte sie das schadenfrohe Lächeln, das um ihren eingefallenen Mund zuckte. „Es ist mit dem guten, gnädigen Herrn doch recht schnell gegangen“, begann sie nach einer Weile von Neuem. Wer hätte vor einer Woche noch ge⸗ dacht, daß wir so bald eine Leiche würden im Hause haben. Und wie es in der Welt bunt zu⸗ wser Stunde stiller Weihe stören! geht. Hochzeit und Begräbnis fallen oft zusammen. Der Eine weint, der Andere lacht. Von einem Bräutigam kann man freilich nicht verlangen, daß er in ein Totenhaus heraufkommt.“ Grinsend hielt sie inne, aber als sie bemerkte, daß Therese ihr nur zerstreut zuhörte, beschloß sie deutlicher zu werden. „Gerade an dem Tage, als unser gnädiger Herr Baron stare, haben sie bei Bürgermeisters Ver⸗ lobung gefeiert. Ein ganz neues Kleid hat Fräu— lein Almachen dazu angehabt und reizend soll sie ausgesehen haben, wie eine Weihnachtspuppe. Spät ist es geworden, weit nach Mitternacht; eine Ge— sundheit nach der anderen haben sie getrunken Deshalb konnte man, als es unserem armen Herrn so schlecht ging, auch den Doktor nirgends finden. Beim Bräutigam hat er gesessen.“ „Welchen Doktor?“ Therese versuchte ungläubig zu lächeln, obgleich es ihr doch war, als ob eine eisige Hand ihr das zuckende Herz aus der Brust gerissen. „Welchen Doktor? Gnädige Frau wissen doch recht gut, daß ich nur einen meinen kann. Wer anders, als der Doktor Senglin sollte denn der Bräutigam sein. Sie kennen sich ja schon lange, les soll eine alte Liebe sein, und nur Almachens Tagen. 19 Mann wurden entlassen. Seit wegen ist er ja aus Berlin hierhergekommen. Bei Bürgermeisters nähen sie auf drei Maschinen die Ausstattung, und im September wird Hochzeit gefeiert.“ „Das ist nicht wahr!“ Therese hatte es heraus— gestoßen, aber ihre Stimme klang so rauh und heiser, so schrill wie der Ton einer jäh zer— sprungenen Glocke. „Nicht wahr?“ sagte Frau Krause anscheinend tief beleidigt.„Ich werde mir doch nicht erlauben, Lügen aufzubringen. Die Verlobungskarten sind schon gedruckt, sie werden nur noch umhergeschickt, weil es sich nicht passen möchte, so lange der Herr Baron über der Erde steht. Arm in Arm sind sie gestern schon ausgezangen, und meine Tochter, die eben gekommen ist, um mir meine Sachen herunter schaffen zu helfen, hat selbst gesehen, wie der Doktor Almachen am Fenster geküßt hat. Doch, gnädige Frau sehen auf einmal so bleich aus wie der Kalk an der Wand. Mein Gott, Sie fallen ja. Gnädige Frau sind unwohl! Wasser! Hilfe!“ (Fortsetzung folgt.) ihrem Bestehen waren 3251 männliche Personen in der Anstalt. * Offenbach, 1. Mai. Die ausständigen Fabrikschuhmacher beschlossen in einer gestern Vormittag abgehaltenen Versammlung, die Arbeit wieder aufzunehmen und die noch schwebenden Lohnfragen durch Beratungen der einzelnen Kommissionen mit den Arbeitgebern zu erledigen. Auf diesen Beschluß, der den ver— einigten Fabrikanten schriftlich zugestellt wurde, haben diese ihrerseits Beratung abgehalten und deren Ergebnis dem Ausschuß der Arbeiter mit⸗ geteilt. 8 lautet dahin, daß, bevor der Streik nicht offiziell aufgehoben und die beingungs⸗ lose Aufnahme der Arbeit zugesagt ist, kein ausständiger Arbeiter eingestellt werden könne. * Mainz, 30. April. Zu der Mitteilung, daß auf Fort Welsch ein Soldat, der dort Posten gestanden, mit zerschmettertem Gesicht aufgefunden worden sei, kann der „Mainzer Anzeiger“ Folgendes berichten:„Der Vorgang hat sich nicht am Fort Welsch, sondern auf der Esplanade Weisenau abgespielt. Der Posten wurde nicht mit zerschmettertem Gesicht aufgefunden, sondern er hat nur eine geringe Verletzung am rechten Auge. Der Mann ging auch nicht mit geladenem Gewehre. Der Mus— ketieyr Zey von der 10. Kompagnie des Regi⸗ ments Nr. 88 war auf Neuthorwache und be— zog dort den Posten am Friedenspulvermagazin auf der Esplanade Weisenau. Nachts gegen 1 Uhr gab Zey zwei Schüsse ab. Posten am Pulvermagazin führen wohl scharfe Patronen bei sich, doch haben sie nicht ständig geladen. Beim zweiten Abfeuern blieb der Schuß in dem Ge— wehre stecken und letzteres platzte, wobei Zey am rechten Auge nur geringfügig verletzt wurde. Er gab an, daß er geschossen, weil er Angst ge⸗ habt und geglaubt hätte, es käme Jemand auf Total-Hus verkauf. bestehend in N Sämtlichen Putzartikeln, garnierten und ungarnierten Häten vollständig aus. Laden- Einrichtung zu verkanfen, Laden und Wohnung zu vermieten. nach der neuesten Mode, ihn zu. Zey kam einstweilen in Untersuchungs⸗ arrest.“ * Vetzberg, 3. Mai. Herr Friedrich Leibenguth aus Wellesweiler, Kreis Ottweiler, ist zum Lehrer an der hiesigen neuerrichteten evangelischen Schule ernannt worden.— Endlich! Die Einweihung der neuen Schule, zu welcher die Lehrer der Umgegend, sowie die Behörde er— scheinen werden, findet nächsten Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, statt. Vermischtes. — Ein neuer Motor. Aus Augsburg teilt die dortige„Abendztg.“ mit: In der Maschinenfabrik Augs⸗ burg wurde dieser Tage einem geladenen Publikum von Technikern und Interessenten zum ersten Male ein neuer, vom Ingenieur bei dieser Fabrik, Diesel, erfundener Motor vorgeführt, welcher nach dem Urteil gewiegter auswärtiger Fachleute eine Umwälzung auf dem Gebiete der Kraft⸗ maschinen bedeutet. Der Motor, welcher sich durch höchste Einfachheit auszeichnet, verlegt die den Kolben treibende Explosion in den Cylinder selbst, indem die Explosion mittelst durch starke Komprimirung erhitzter Luft herbei⸗ geführt wird. Der Hauptvorteil des neuen Motors ist höchste Ausnützung des Heizmatertals. — Der Lehrer in der Uckermark. Bei dem Brande des altersschwachen, mit Stroh bedeckten Schul⸗ hauses in Gr.⸗Fredenwalde bei Gerswalde in der Ucker⸗ mark hat die junge Lehrersfrau den Tod in den Flammen gefunden, während die Schulkinder, der Lehrer und sein kleines Kind gerettet wurden. Das alte Schulhaus war kaum noch bewohnbar, trotzdem blieb es im Gebrauch, weil nach der„Voss. Ztg.“ der Patron, Herr v. Arnim⸗ Gr.⸗Fredenwalde keine Beitragspflichteu zu einem Neubau zu haben glaubt, die nur aus Büdnern und kleinen Eigen⸗ tümern bestehende Gemeinde dagegen zu arm ist, um einen Neubau auszuführen. In dem Dorfe Fergitz, Post Gers⸗ walde, Patronat v. Arnim⸗Suckow, befindet sich auch noch ein solch fragwürdiges, mit Rohr gedecktes Schulhaus, dessen Dach bequem von einem Manne mit der Hand zu erreichen ist. 8 Standesamtliche Nachrichten. Geburten. Am 21. April. Dem Hausburschen Jakob Koch ein Sohn, Dietrich Wilhelm.— Am 22. April. Dem Brand⸗ versicherungs⸗Assistent Heinrich Philipp Nicolaus 1 Sohn, Heinrich Ludwig Christian. 23. Dem Schutzmann Johannes Schädel 1 Sohn. 24. Dem Schlosser Karl Gerlach 1 Tochter, Elisabeth Wilhelmine. 24. Dem Schreiner Wilhelm Walter 1 Tochter, Minna Katharine Johannette. 25. Dem Kaufmann Otto Schaaf 1 Tochter. 25. Dem Arbeiter Heinrich Benner 1 Sohn, Friedrich Eduard. 26. Dem Schuhmachermeister Ignatz Fleisch⸗ mann 1 totgeborenes Kind weiblichen Geschlechts. 28. Dem Bahnarbeiter Ludwig Luh 1 Tochter, Katharine Luise. Aufgebote. Am 26. April. Erhard Dürr, Küfer dahier mit Johanna Sauerteig von Fischbach.— 27. Franz Leopold Rudolph Busse, Sekondelieutenant dahier mit Hedwig Bertha Adolphine Detring hierselbst. 27. Friedrich Reitz, Sergeant dahier mit Susanne Fink hierselbst.— 28. Heinrich August Karl Emil Best, Dreher dahier mit Rosine Groh hierselbst.— Heinrich Högy, Metzger zu Ruppertsburg mit Sophie Magdalene Jochem zu Laubach. — 30. Friedrich Feldmann, Kaufmann zu Wiesbaden mit Katharine Margarethe Elise Sophie Philippi hierselbst. — 30. Georg Albrecht Glenz, Sergeant dahier mit Warie Philippine Mürle zu Lich. Eheschließungen. Am 24. April. Otto Rühl, Postschaffner dahier mit Margarethe Corvinus hierselbst.— 24. Karl Wilhelm Schumann, Schlosser dahier mit Marie Höning hierselbst. — 24. Heinrich Ludwig Gebauer, Restaurateur dahier mit Elise Hansel hierselbst. Sterbefälle. Am 24. April. Heinrich Mosbach, 2 Jahre alt, Sohn vom Tagelöhner Heinrich Mosbach dahier.— 24. Philipp Sack II, 60 Jahre alt, Landwirt von Heuchelheim.— 24. Karl Sack, 5 Jahre alt, Sohn vom Fabrikarbeiter Karl Sack von Heuchelheim.— 25. Karl Friedrich Stimmel, 27 Jahre alt, Student dahier.— 25. Marie Hartmann, 81 Jahre alt, ledig dahier.— Martin Amatus Abermann, 58 Jahre alt, Bauunternehmer dahier.— 27. Wilhelmine Jakob, 3 Jahre alt, Tochter vom Omnibusschaffner Jakob Jakob dahier.— 27. Ka⸗ kaufe mein ganzes Lager, Korsetten, Marktstrasse 29. A. Werner, Marktstrasse 29. Geschäfts Eröffnung. Den geehrten Bewohnern von Gießen und Umgegend die ergebene Mit— teilung, daß ich mit dem heutigen Tage am hiesigen Platze, 26 Marktstraße 26 ein Hut- Geschäft verbunden mit Fabrikation von, Seidenhüten eröffnet habe. Ich halte mich bei Bedarf mit allen in Artikeln bestens empfohlen und zeichne Hochachtungsvoll Rudolf Hutmac s er. Gießen, den 1. Mai 1897. 90 Neparaturen werden gut und billig ausgeführt. 60 Handschuhen, Schürzen, Taschentüchern, Tapisserien, Sonnen- und Regenschirmen, Kravatten, Hosenträgern, Herrenwäsche etc. 930 tharina Schneider, geb. Hilgardt, 79 Jahre alt, Witwe vom Schneidermeister Philipp Schneider dahier.— 27. Elisabeth Lindenstruth, geb. Bastian, 71 Jahre alt, Witwe vom Oekonom Wilhelm Lindenstruth II dahler. — 28. Ludwig Becker, 15 Jahre alt, Hausbursche von Alten⸗Buseck.— 28. Marie Pfeiffer, 1 Jahr alt, Tochter vom Schlosser Engelbert Pfeiffer zu Wallmenroth.— 28. Georg Dietz, 44 Jahre alt, Maurer dahier.— 29. Konrad Döpfer, 47 Jahre alt, Weißbinder dahler.— 30. Katharine Krah, 30 Jahre alt, Ehefrau vom Tag⸗ löhner Alfred Krah von Emmertshausen, Kreis Alten⸗ kirchen. Neueste Telegramme. Hd. Wien, 3. Mai. Die katholische Volkspartei wird morgen im Abgeord— netenhause einen Gesetzentwurf auf Abände— rung des Reichs⸗Volksschulgesetzes ein⸗ bringen. Die Tendenz desselben geht dahin, eine länderweise Scheidung der Kinder nach ihrer Konfession und die fakultative Fortbildungs⸗ schule als Anschluß an die 6jährige Schulfrist einzuführen. „Hd. Brüssel, 3. Mai. Zwischen dem König und dem Kriegs minister ist ein selt⸗ samer Konflikt ausgebrochen. Der Kriegs⸗ minister verweigerte die Beförderung einiger höherer Offiziere. Der König fordtrt die De⸗ mission des interimistischen Kriegsministers. Die Klerikalen finden jedoch keinen Nachfolger. Hd. Madrid, 3. Mai. Die Regierung wollte die Anarchisten, welche am vergangenen Frei⸗ tag nicht zum Tode verurteilt worden sind, aug Spanien ausweisen. Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Portugals erkärten jedoch, dieselben nicht über die Grenze zu lassen. Infolgedessen wird die spanische Regierung die⸗ selben nach ihren überseeischen Kolonien krans⸗ portieren und dort freilassen. Verleger: Paul Bader in Marburg, Veranw. Nedar teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18. ———..—...——.ñ— 8 Wegen Wegzug nach—— 8 8 Frankfurt a. Main ver- N Steins Garten.— Mittwoch, den 3. Mai: Grosses Militär-Vonsert, ausgeführt von der Kapelle des Dragoner⸗Kegiments rh. v. Manteuffel(Rhein.) Ar. 5, 1170 täglich frische Waffeln. N empfiehlt 1168 mein Fach einschlagenden Mittagstisch Bürgerlichen Richter m Rebstock. Westanlage. 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