surke sandt Hal, rd d% würden rden see se erschaffen. e Schlußben 0 Mordes 0 n und 5 Filip en Simon b aß. bscchtigt i Kollegienhauses vollzog sich unter engehaͤllg e Hälfte 111 — „ Veraltv.%% der G. Ottmann 1. est o. W 8 Gatten. 3% Uhr: ug. tellung. 1 —. 1 vologischen er vice 6 rike empfehl.“ 10 tel. L. — N an. Ph. 2 ster Hau nie vor Mainz. Nr. 152 Gießen, Freitag, den 2. Inli 1897. * Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. ische Landeszeitung, Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 8 — * Gießen, 1. Juli. Der anläßlich des Stiftungsfestes unserer Landes⸗Uni⸗ bersität heute Vormittag kurz nach 11 Uhr stattgefundene Festakt in der großen Aula des den dabei üblichen Zeremoniell und sich alljährlich wieder⸗ holenden Pomp in Anwesenheit einer zahlreichen Jestversammlung. Se. Magnifizenz der Rektor, Geheimer Kirchenrat Professor Dr. Stade, hlelt die Festrede. Für die pro 1896/97 ge⸗ stellten Preisaufgaben erhielten für die Lösung ber betreffenden Fragen: Der Preis der theol. Fakultät konnte wegen Mangel an Bewerbern licht vergeben werden. 2. Preis der juristischen Fakultät: Karl Simon, stud. jur., Darmstadt % Preis). 3. Med. Fakultät: a) akademischer Preis: K. Bönsel, stud. med., Kaichen; b) Preis der Balserstiftung: Hrch. Friedrich, stud. med., 4. Phil. Fakultät: 1a) Chemische Auf⸗ gobe: hatte keinen Bewerber; 2 bp) klassisch⸗philo⸗ logische Aufgabe: Hrch. Breidenbach aus Eber⸗ stadt bei Darmstadt; 3) germanisch-philologische Aufgabe: Gg. Rausch, Friedberg; 4d) romanisch⸗ philologische 1 0 5 Wilhelm Horn aus Reh⸗ bach im Odenwald; 5 e) mathematische Aufgabe: Ad. Flechsenhaar aus König im Odenwald.— Als Preisaufgaben pro 1897/8 sind gestellt: Von der theol. Fakultät: Es soll die Bergpredigt, Matth. 5—7, auf ihre Anlage und shren Zusammenhang geprüft und die Frage er⸗ örtert werden, wie sich auf Grund hiervon und unter Berücksichtigung der in Betracht kommen⸗ den litterarisch⸗kritischen Fragen, die Behandlung der Bergpredigt im Gottesdienst und im Reli⸗ gionsunterricht zu gestalten hat. Von der jur. Fakultät: Die rechtliche Stellung einer Person, deren Anspruch auf Auflassung eines Grundstückes durch eine Vormerkung(Bürger⸗ liches Gesetzbuch§§ 883 ff) 1 ist, soll untersucht und mit der Rechtstellung desjenigen, dem eine bewegliche Sache unter aufschiebender Bedingung oder Bestimmung eines Anfangster⸗ mins übereignet ist, verglichen werden. Es soll serner erörtert werden, ob die durch eine solche Vormerkung geschaffene Rechtsposition, dem Pfandrechte der Hypothek und dem Vorkaufsrecht Alkohole. 1%% elle 10 7 Nice g Abonnement bol e el 2 n 0 7 8 8 (Bürgerliches Gesetzbuch§§ 1094 ff) derart ver⸗ wandt ist, daß sie als ein dingliches Recht auf⸗ gefaßt werden darf. Won der med. Fakul⸗ sät: a. Akademischer Preis: Ueber die pharma⸗ Wirkungen des Holocains und Eucains verglichen mit dem des Cocains. b. Preis der Balser⸗Stiftung: Hat die Pupillen⸗ Uifferenz ohne Pupillenstarre eine Bedeutung bei der Diagnose von Nerven und Geisteskrankheiten. Von der philosoph. Fakultät: 1. Unter⸗ chung der elektrolytischen Oxidation fetter 2. Die Psychologie, Wolfram von Ischenbachs. 3. Die Initiative bei Stiftung des stheinbundes von 1254. 4. Das Imperfektum ischen. historischen Entwickelung des Franzö— en. * Gießen, 1. Juli. Die Sterbekasse des Bundes deutscher Gastwirte hatte im übgelaufenen Rechnungsjahre eine Gesamtein⸗ nahme von 302 281 1 und eine Gesamtausgabe bon 295 551, mithin einen Ueberschuß von 730. Die Mitgliederzahl ist um 343 ge⸗ ......— Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile. stiegen und beträgt jetzt 8592. An Sterberenten wurden im letzten Jahre 177 244 1 und seit des 4jährigen Bestehens der Kasse 559 177 A. ausbezahlt. Das Gesamtvermögen beziffert sich auf 246 844. * Gießen, 1. Juli. Nach den neuesten Zusammenstellungen hat ˖ das Großherzogtum 9081 einen Gesamtflächeninhalt von 71181 Hektaren. Davon entfallen auf die Provinz Starkenburg 310 910 Hektar, auf Oberhessen 328 795 Hektar und auf Rhein⸗ hessen 137 476 Hektar. * Gießen, 1. Juli. Das massenhafte Auf⸗ treten der Pflanzenschädlinge vegetabler Art hat die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft veranlaßt, in ganz Deutschland Auskunftsstellen für Pflanzenschutz zu errichten, welche Landwirten unentgeltlich Aufschluß und Rat über etwa un⸗ bekannte Schädlinge heimischer Kulturpflanzen geben. Für das Großherzogtum Hessen und Hessen⸗Nassau befinden sich Auskunftsstellen in Geisenheim(Oekonomierat Goethe), in Alzey (Rheinhessen)(Wein⸗ und Obstbaulehrer Schulz), in Offenbach(Generaldirektor Müller, in Fried⸗ berg(Oberhessen) die Herren Landwirtschasts⸗ lehrer von Peter und Reichert, in Erbach (Rheingau) Administrator Dorn. * Gießen, 1. Juli. Hitzschlag— auch Sonnenstich genannt— kommt bei anstrengen⸗⸗ den Märschen in großer Hitze nicht selten vor. Wird jemand vom Hitzschlag befallen, so bringe man den Kranken bis zur Ankunft des rasch herbeizurufenden Arztes möglichst an einen schat⸗ tigen und kühlen Ort, entferne alle beengenden Kleidungsstücke, lagere ihn mit erhöhtem Ober⸗ körper und sorge dafür, daß möglichst wenig Menschen um ihn herumstehen, um den Zutritt frischer Luft nicht zu behindern. Man wasche ihm Kopf und Brust oder schlage ihn, wenn möglich, in nasse Tücher und flöße ihm nach und nach reichlich Wasser ein. Atmet der Kranke nicht gehörig, so ist die künstliche Atmung ein⸗ zuleiten, wie dies beim Scheintod durch Extrinken ausgeführt wird.— Während dieses alles ge⸗ schieht, muß dem Kranken fortwährend frische Luft Pfubeiz werden, auch reibe man ihm, um die Blutbewegungen anzuregen, Hände und Füße. Kommt er wieder zu sich, so ist das wiedererwachende Leben, wenn es von neuem zu erlöschen droht, durch Anwendung von starken Riechmitteln, wie Salmiakgeist und andere äußere Reize, f nich u. s. w. möglichst zu erhalten. Ein bald eintrekender Schlaf ist verdächtig und muß jedenfalls genau überwacht werden. Die weiter erforderlichen Maßnahmen sind vom Arzt zu bestimmen. Gegen den Sonnenstich leichteren Gradcs teilt ein französischer Militärarzt folgen⸗ des einfache und leicht zu beschaffende Mittel mit: Sobald die ersten Symptome der Erkrankung auftreten, löse man einen Eßlöffel voll Seesalz in einem Eßlöffel Wasser und tröpfle diese Mischung dem Kranken in beide Ohren. Es stellt sich sofort ein angenehmes Wohlbehagen ein, und es verschwinden in kurzer Zeit die Ent⸗ zündungssymptome. N * Gießen, 1. Juli. Zur Zeit der gegen⸗ wärtigen Kirschenernte erscheint es wieder einmal angebracht, dringend vor dem Verschlucken Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. der Kirschenkerne zu warnen. Manche unver⸗ ständigen Leute halten das Verschlucken dieser Kerne geradezu für gesund, dasselbe ist aber höchst schädlich und kann unter Umständen ge⸗ fährliche Erkrankungen des Magens sowie den Tod herbeiführen. Die Zeitungen wissen denn auch alljährlich von derartigen Fällen zu berichten. Wenn man mal aus Versehen einen Kirschkern mitverschluckt, so hat dies ja meistens nicht zu sagen, aber ein öfteres Mitverschlucken der Kerne ist jedenfalls gefährlich.— Bei dieser Gelegenheit sei auch dringend davor gewarnt, die Kerne auf die Fußsteige zu werfen, da durch dieselben leicht der Fußgänger zu Fall kommen und Schaden nehmen kann. * Gießen, 1. Juli. Nachdem das für den 10. Juli in Aussicht genommene zweite inter⸗ nationale Radwettfahren auf unserer neuen Rennbahn an der Hardt verschoben werden mußte, ist nunmehr als Tag des Rennens der 15. August bestimmt. Unter anderem wird hierbei die Meisterschaft für Hessen, Strecke 50 Km.(125 Runden), Rennen für Berufsfahrer aus dem Großherzogtum mit Gestattung von Schrittmachern ausgefahren. Von einem Volks⸗ fest wird diesmal abgesehen, um der Ver⸗ anstaltung einen streng sportlichen Charakter zu verleihen. * Gießen, 1. Juli. Der Zirkus Im⸗ mans führte sich gestern Abend mit einer glänzenden Eröffnungsvorstellung bei dem hiesigen Publikum auf das beste ein. Das Innere des Nauen macht einen noblen und behaglichen indruck. Die Leistungen der Künstlerinnen und Künstler fanden durchwegs den lebhaftesten Bei⸗ fall des fast ausverkauften„Hauses“. Die turnerischen Leistungen waren vorzüglich. Und was der Frosch-Imitator Mr. Vincento an Ver⸗ drehungen leistete, ist einfach unbeschreiblich. Durchaus originell in ihren Produktionen sind der„Gentleman-Jongleur“ Mr. Montrell und der Fuß-Equilibrist Almado. Die graziösen Tänze des Balletkorps wurden lebhaft applaudiert. Großen Beifall erntete Direktor Immans bei der Vorführung seiner wirklich wunderbar dressterten Kolossal⸗Pracht⸗Hunde. Wer diese Piece nicht gesehen hat. kann sich schwerlich eine Vorstellung davon machen, was einem Hunde alles an Kunst⸗ stückchen beigebracht werden kann. Eine auf⸗ regende Szene war die Schluß-Nummer des Programms, der Lawinensturz der Geschwister Vorlop. Die Kühnheit dieser Damen erscheint grenzenlos. Wir verlassen den Zirkus durchaus befriedigt und können den Besuch desselben auf das angelegentlichste empfehlen. * Gießen, 1. Juli. Hitzschlag. Ein Soldat des hiesigen Infanterie-Regiments, der heute Morgen Posten gestanden hatte, stürzte nach erfolgter Ablösung auf dem Rückwege zur Kaserne in der Sonnenstraße plötzlich zu— sammen. Man brachte den Soldaten, der wie besinnungslos am Boden lag, in das Gesell⸗ schaftshaus, woselbst er sofort in ärztliche Be⸗ handlung genommen wurde. * Gießen, 1. Juli. Gestern machte der Spenglermeister Rühl durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Die That soll im Trübsinn geschehen sein. Komödie. Von Fritz Anders. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) August Springer versuchte mehrmals, das Ge⸗ präch zu unterbrechen und seine„Brandstifter“ in Lrinnerung zu bringen, aber vergeblich. So blieb im nichts anderes übrig, als allein zur Bühne zu⸗ rückzukehren, wo die Probe bereits ihren Fortgang genommen hatte. Es dauerte nicht lange, so er— zob sich auf der Bühne ein Aufruhr, Springers derzweifelte Stimme erklang als wollte er Hülfe zufen. Aber die Svedborg, die eben bei einer be⸗ sonders interessanten Erinnerung angekommen war, horte nicht und Krimper war gefangen. Nach einiger Zeit ging es wieder los. Springer erschien an der Rampe, sandte sehnsüchtige Blicke nach einem Bundesgenossen und winkte, aber vergebens. Die Dichterin war mit ihren Auseinandersetzungen noch lange nicht fertig, und Krimper konnte, da er letzt auch noch am Rockknopfe gehalten wurde, nicht soskommen. Der Kaupf zwischen dem Dichter und dem Direktor erstarb. Der Dichter von seinen Dülfstruppen verlassen, gab den Widerstand auf. Selbst der Aktschluß des letzten Aktes ging ziemlich anangefochten vorüber. Der Brandstifter, der mit der Tänzerin durchgegangen und ein großer Künstler zeworden war, griff zur Pistole statt zum Opium And starb mit den Worten Neros: Welch ein Genie zeht mit mir zu Grunde. —— Aber noch hatten die Schauspieler das Haus nicht verlassen, als August Springer, ein Zeitungs- blatt in der Hand, bleich und außer sich im Saale auftauchte. Der Direktor zog eben seinen Ueber⸗ zieher und machte ein Faungesicht. — Herr Direktor, rief Springer, das geht nicht, das geht auf keinen Fall, das muß unbedingt geändert werden. Denken Sie sich, hat der Direktor, ohne ein Wort zu sagen, die Aufführung auf übermorgen angesetzt. — Wie lange denken Sie denn, erwiderte der Direktor, daß wir uns mit Ihren„Brandstiftern“ beschäftigen sollen? — Nun, bis sie gehen. — Sie werden übermorgen gehen. Haben Sie keine Sorge, wir werden die Komödie auf die Beine bringen. — Ich ziehe mein Stück zurück. — Unfinn! Können Sie gar nicht mehr. Und dann sällt es Ihnen im Ernst auch gar nicht ein. Mahlzeit meine Herrschaften. Springer war niedergeschmettert. Er hatte be⸗ absichtigt, die Aufführung aufs allergrünblichste vorzubereiten; er hatte beabsichtigt, das Publikum durch eine Reihe von Aufsätzen in die Feinheiten und Absichten der„Brandstifter“ einzuführen, er ielt es für selbstverständlich und unerläßlich, daß 95 der Dichter, mit den Schauspielern die Rollen einstudieren werde, alle Einzelheiten mußten gründlich erwogen werden, die Beschaffung der Requisiten forderte allein schon unermeßliche Arbeit. Denn die„Brandstifter“ sollten in vollendeter Gestallt über die Bretter gehen. Gerade in diesen Arbeiten suchte der Dichter einen besonderen Genuß, sozu⸗ sagen den wohl verdienten Lohn für sein Werk. Und dies alles wurde unmöglich und zunichte ge⸗ macht durch die unbegreifliche Eile des Direktors. Krimper und die Spedborg hatten große Mühe, den unglückichen Dichter zu beruhigen und auf ver⸗ nünftige Gedanken zu bringen. Sie versprachen, ihn mit Rat und That zu unterstützen. Aber freilich war die Svedborg viel zu sehr von ihren verwehten Zeiten eingenommen, sie war auch viel zu zerstreut und unpraktisch, um eine wirkliche Hülfe zu sein, und Krimper war fremd und kannte weder Personen noch Verhältnisse. Aber er war ein Mann von der Feder und konnte die Veröffent⸗ lichungen in der Zeitung übernehmen. Im übrigen war August Springer auf sich selbst angewiesen. Zuerst handelte es sich um das Einstudieren der Rollen. Hier türmten sich sogleich„ungeahnte“ Schwierigkeiten auf. Diese Knorrheim war die Oderflächlichkeit selbst. Er hatte gewünscht, sie in Gegenwart seiner Frau— was die Knorrheim für sehr überflüssig hielt— in den Geist der Brand; stifter einzuführen, aber sie wußte alles besser und verdarb die schönsten Momente durch ihren„Kon⸗ versationston.“ Die Anmaßung Zipfels war aber noch viel schlimmer. Er hielt sich natürlich für dition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 E * Gießen, 1. Juli. In den Kreisen unserer Milchproduzenten ist die Gründung einer Molkereigenossenschaft für Gießen ins Auge gefaßt. * Gießen, 1. Juli. Die Findigkeit der Post ist nahezu sprichwörtlich geworden— und nicht mit Unrecht. Hier ein neuer Beweis: Einige Herren, die fast alle Tage im Philosophen⸗ wald, d. h. in der dortigen Wirtschaft, verkehren, erhielten dieser Tage von ihrem in Essen wohn⸗ haften Freunde eine Postkarte. Als wäre der Philosophenwald ein weltberühmter Wallfahrts⸗ ort, war die Karte mit der einfachen Adresse: Herrn N. N. Philosophenwald Hessen⸗Darmstadt versehen. Wie prompt sich die Post aber dieses Auftrages entledigte, geht aus dem Umstande hervor, daß die Karte am Abend des 26. Juni aufgegeben wurde und schon am folgenden Tage in den Händen des Adressaten war. * Grünberg, 1. Juli. Infolge der Neu⸗ organisation der Aufsichtsbeztrke und Hebestellen für Reichssteuern werden vom 1. Juli ab von der hiesigen Ortseinnehmerei dem engeren Hebe⸗ bezirk des Hauptsteueramts Gießen zugeteilt die Gemarkungen: Appenhorn(Hof), Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Kesselbach, Londorf, Lumda(Groß⸗ und Klein⸗Lumda), Odenhausen, Reinhardshain, Rüddinghausen, Saasen mit Bollnbach sowie Veitsberg und Wir⸗ berg, Stangenrod und Weitershain; der Orts- einnehmerei Lich werden zugewiesen die Ge⸗ markungen: Ettingshausen, Harbach, Hattenrod, Lauter, Münster, Queckborn und Weickartshain. Mainz, 30. Juni. Gestern Abend wollte ein Radfahrer an der Pfaffengasse in eine Seitengasse einbiegen, in der Kinder spielten. Trotz des Warnungszeichens gingen dieselben nicht schnell genug aus dem Wege. Der Radfahrer achtete mehr auf die Kinder als auf sich und übersah dabei die Trottoirkante, sodaß er kopf⸗ über vom Rad in die Montrescheibe eines Spe⸗ zereiladens fiel, die in Trümmer ging. Er er⸗ litt dabei bedeutende Verletzungen am Kopf und Hals und wurde blutüberströmt ins Hospital verbracht. Vermischtes. — Hygieine und Politik. Die„Pester medi⸗ zinisch chirurgische Presse“, ein für das Ausland berech⸗ netes, von dem Dermatologen Dr. Ludw. Török redigirtes ärztliches Wochenblatt, bringt aus der Feder des Arztes Dr. Julius Pikler an Stelle einer Buchkritik einen Brief des Referenten an den Redakteur, dem wir folgende Stelle über das Verhältnis der Hygieine zur Politik entnehmen: „Nach meiner Meinung existiert eine öffentliche Gesundheit in Ungarn nur aktenmäßig, und sogar in dieser Form nur alle 5 Jahre einmal: das ist zur Zeit der Reichs⸗ tagswahlen. Und zwar in folgender Erschelnungs form: Das Dorf Schiefberg gedenkt seine Voten nicht auf jenen Reichstagskandidaten abzugeben, den der Oberstuhlrichter poussiert. Das wird dem Oberstuhlrichter gemeldet und er sagt ruhig nach einigem Nachdenken seinem Adjunkten: „Eugen, suchen Sie mir 20 vorjährige ministerielle Ver⸗ fügungen in Sanitätssachen heraus und lassen Sie Nach⸗ mittag die Braunen einspannen.“ Eugen entnimmt der Rubrik„Sanität 1896“ 20 ministerielle Erlässe(es bleiben noch einige hundert zurück), läßt nach dem Mittag⸗ c—7çr—r—H—Ä ů—— ů cç———— ů ů————— einen großen Künstler, war aber so ungebildet, daß er die scbönsten Sentenzen verdarb. Aber die bitterste Erfahrung machte er mit Ehlert, einem armen Kerle, der in seiner Freizeit jeglichen Ver⸗ dienst mitnahm, der sich darbot. Da er für Springer das Manuskript abgeschrieben hatte und ihm auch sonst verpflichtet war, ging er auf alle seine Weisungen ein und redete genau so, wie es der Dichter ihm versprach. Er war ganz„Brand⸗ stifter“. Als er es aber auch in der nächsten Probe versuchte, schrie ihn der Direktor an: Menschenkind, sind Sie übergeschnappt? Oder denken Sie, daß wir hier den Prolog aus den Rüpelszenen vortragen! — Erlauben Sie Herr Direktor, erwiderte August Springer, Herr Ehlert spricht genau so, wie ich es ihm vorgesprochen habe. — Ich gratuliere, Herr Springer, aber trösten Sie sich mit Schillern. Der Leser wird den Direktor verstehen, wenn er sich erinnert, daß Schiller zwar ein großer Dichter war, aber erbärmlich vorlas. Welche Mühe machte etz, die Möbel für des Kommerzienrats Salon zusammenzubringen. Denn die zwei Biextische mit geblümten Decken, die das Theater besaß, waren doch entschieden unzureichend. Und nun gar die Kaminuhr, deren Ticken man doch bis ins Parkett hören sollte! (Fortsetzung folgt.) essen die Braunen einspannen und Beide fahren bei starkem Zigarrendampf nach Schiefberg. Der Dorfrichter läuft ihnen atemlos vom Felde nach und erscheint vor dem gestrengen Antlitz des hochmächtigen Beamten. Der Oberstuhlrichter beginnt nun seine eifrige amtliche Thätig⸗ keit:„Eugen, geben Sie einen her!“ Eugen giebt einen hin, der Oberstuhlrichter versenkt seinen Blick in den Er⸗ laß und liest: Jedes Haus hat mit Fenstern versehen zu sein, die geöffnet werden können müssen„Nr. 35873“, damit geht er auf die Gasse hinaus und sieht sich um. Natürlich hat kein einziges Wohnhaus Fenster mit Angeln (das ist eine Maschine für Herrschaften, nicht für Bauers⸗ leut, alle sind sie mit Mörtel verklebt, damit sie durch Oeffnen nicht Schaden nehmen.)„Das ist schön,“ brummt stirnrunzelnd und kopfschüttelnd der Oberstuhl⸗ richter,„Eugen, geben Sie noch einen her“. Eugen giebt auf gut Glück noch einen hin, der gestrenge Herr liest unheilverkündend:„Nr. 25 495, die Düngerhaufen sind mindestens 5 Meter entfernt vom Wohnhaus zu halten.“ Selbstverständlich sind sie aber doch nicht 5 Meter weit entfernt. Es wäre dies auch ein Bischen unmöglich. Hinter dem Haus giebt es keine 5 Meter, denn dort gähnt knapp hinter der Mauer der lange, tiefe Bergriß, dort kann man den Dünger, der fürs Feld nötig ist, nicht hineinwerfen, vorn auf der Gasse wäre geometrisch auch nichts gethan, denn die Gasse ist im Ganzen 6 Meter breit, sodaß bei 5 Meter Entfernung jeder seinen Dünger auf einen Meter Entfernung von der Thür seines Nach⸗ bars hinsetzen würde, rechts und links im Hofe läßt sich aber das Ding aus dem einfachen Grunde nicht 5 Meter welt vom Wohnhaus plazieren, weil die Höfe nach beiden Seiten hin eben nur 1¼ Meter breit sind, so daß, wollte man die Entfernung von 5 Meter à tuot prix erreichen, nichts übrig bliebe, als die Düngerhaufen nach Art der wunderbaren Gärten der Semiramis in der Luft schweben zu lassen und die nach allen Richtungen fehlenden fünf Meter des Erlasses Nr. 25 495 nach oben hin zu suchen. Infolgedessen nimmt der Oberstuhlrichter aus seiner Rock⸗ tasche die Liste der Reichstagswähler zur Hand und ver⸗ hängt über jeder Wähler wegen Verletzung ministerieller Sanitätserlasse je eine Geldstrafe von 5 Gulden und die, wenn auch unmögliche, so doch innerhalb 3 Tage zu effek⸗ tuierende Beseitigung der vorgefundenen Uebelstände. Damit setzt er sich ruhig in seine Kutsche und fährt heim. Wohlwollender Weise hat aber doch Herr Eugen vorerst dem verzweifelten Ortsrichter zugeraunt, die Wähler möchten sich versuchsweise einer besseren politlschen Meinung besinnen, vielleicht daß dann der Herr Oberstuhl⸗ richter Gnade für Recht gelten lassen fund keine weiteren gesetzmäßigen physischen Unmöglichkeiten fordern würde. Die zu Tod erschrockene und verzweifelte Gemeinde, die so urplötzlich von der„Hygieine“ heimgesucht worden ist, ntsendet auch früh morgens eine vertrauliche Deputation zum Herrn Oberstuhlrichter, sich demütig bereit erklärend, zum Deputierten zu wählen, wen man nur will. Die] häuser etwas neues sei. verfügten Geldstrafen schwinden darauf plötzlich aus der Welt, denn sie waren ja nicht protokolliert, indem die protokollarische Aufnahme nur für den Fall vorbehalten blieb, wenn sich die politische Ueberzeugung der Gemeinde als unerschütterlich erweisen würde. Mit der richtigen politischen Färbung hört auch die sanitäre Landplage auf und in das Dorf kehrt wieder die idyllische Ruhe, deren rührendes Beispiel ich gerade im Somogyer Komitat zu beobachten Gelegenheit hatte, in Gestalt von vier Kindern, die auf der Erde neben einander gehockt auf der Gasse spielten. Zwei von ihnen waren gesund, während von zwei Anderen sich die skarlatinöse Haut in großen Fetzen ablöste. Das war aber an einem Tage, an welchem das Land Reichstagsabgeordnete genug besaß.“ — Wahnsinnige Journalisten. In einer französischen medizinischen Zeitschrift wird es als eine Neuigkeit erwähnt, daß in mehreren englischen Irren⸗ anstalten die Aerzte auf die glückliche Idee gekommen seien, den Journalismus als Beschäftigung und Kur zu⸗ gleich bei ihren Pfleglingen einzuführen, und daß ferner nach den jährlichen Berichten diese Maßnahme von den besten Erfolgen begleitet gewesen sei. Es werden Beispiele erzählt, aus denen hervorgeht, daß die Geisteskranken einen großen Hang nach Feder und Tinte besitzen, zweitens hat sich der für die Psychiatrie wichtige Umstand gezeigt, daß die Geisteskranken vielfach dazu gebracht werden können, durch das geschriebene Wort Aufklärungen über ihren Zustand zu geben, die sie im persönlichen Verkehr hartnäckig verweigern. Da war z. B. in einer Irren⸗ anstalt ein Kranker, der durch kein Mittel dazu bewogen werden konnte, über die ihn beherrschende fixe Idee auch nur eine Andeutung zu geben; dieselbe kam äußerlich nur dadurch zum Ausdruck, daß der Patient sich durchaus der Aufnahme irgend welcher Nahrung entzog. Man gab ihm nun Schreibmaterial in die Hand und kam auf diesem Wege thatsächlich hinter die ihn beunruhigende Wahnvorstellung. Der Kranke schrieb nämlich:„Ich wünsche, so schnell als möglich begraben zu werden. Es ist ein unerhörter Skandal, daß ich gezwungen werde, überall in diesem Hause einen toten und schon in Ver⸗ wesung übergegangenen Körper mit mir herumzuschleppen.“ Der Arzt wußte von nun an, woran er war, konnte eine geeignete Behandlung einführen, und soll sogar Aussicht auf Heilung des Kranken bestehen. Welch merkwürdige Leistungen die Schriftstellerei von Geisteskranken zuweilen zutage fördert, dafür noch ein anderes Beispiel. Der Kranke schrieb:„Gesucht für einen Thron, den genauer zu bezeichnen vorläufig die Diskretion verbietet, ein Kaiser oder König, der mit dem Geschäfte durchaus vertraut sein muß. Für den Zaren von Rußland würde es keinen Zweck haben, sich auf diese Offerte zu melden.“ Das betreffende französische Journal, das diese Erzählungen vermittelt, ist jedoch durchaus falsch orlentiert, wenn es glaubt, daß die Einführung des Ivurnalismus in Irren⸗ Die„Köln. Ztg.“ erinnert an ein bereits 1857 erschienenes, aber noch heute lesenswertes Buch von Dr. Andrew Wynter: Curiosities of Civili- sation, in dem mit Bezug auf das königliche Asyl in Perth gesagt wird:„Nicht zufrieden mit ihrer privaten journalistischen Beschäftigung scheinen die Kranken sich für berufene Kritiker zu halten und haben demgemäß unter dem Titel„Excelsior“ eine Zeitschrift begründet, in der sie Kritiken über Neuigkeiten in der musikalischen, poetischen und novellistischen Litteratur veröffentlichen. Wer eine Nummer dieser Zeitschrtft mit der Erwartung zur Hand nimmt, darin lauter verdrehtes Zeug zu finden, wird sich sehr getäuscht sehen, denn niemand würde auf den Gedanken kommen, daß Drucker, Verleger und Mit⸗ arbeiter dieser Zeitschrift Leute sind, die(wie der englische Ausdruck lautet) eine Biene unter der Mütze haben.“ — Das unterseeische Drahtmeldewesen fetert in diesem Jahre sein 60jähriges Jubiläum. Im Jahre 1837 sollen nämlich Wheatstone, Professor am Kings Kollege, und W. F. Cooke bereits den Plan ge⸗ faßt haben, einen isolierten Draht unter Wasser zur Mit⸗ teilung von Drahtmeldungen von einem Erdteile zum anderen zu benutzen. Die unterseeische Wirkung der Elektri⸗ zität war ja schon 25 Jahre früher durch die Sprengung von Minen in der Newa durch den elektrischen Strom er⸗ probt worden, und im Jahre 1838 wurde das Wrack des Schiffes Royal George auf der Rhede von Spithead ge— sprengt. Indessen ist die praktische Durchführung des ersten Versuchs, durch ein unterseeisches Kabel Drahtnach⸗ richten zu versenden, doch wohl ein Verdienst von Morse der im Jahre 1842 das erste, freilich kaum zwei englische Meilen lange Kabel zwischen Goverros Island(New⸗ York) und Castle Garden legte, da seine Mittel damals noch sehr bescheiden waren. Indessen hielt dieses Kabel blos wenige Stunden Stand; da es inzwischen aber doch schon zur Vermittlung von Drahtnachrichten war benutzt worden, so war der Zweck dieses Versuches im Wesent⸗ lichen doch erreicht. Nun galt es also, das Kabel zu verbessern. Der erste große Forschritt hierin bestand darin, daß der von Morse zur Isolierung des Drahtes benutzte Stoff durch Guttapercha ersetzt wurde, und zwar geschah dies auf Anraten von Werner Siemens durch di, bekannte Firma von Siemens und Halske. Dies geschah im Jahre 1847; schon zwei Jahre vorher aber war die erste Kabelgesellschaft, die General Oceanic Telegraph Company, gegründet worden, um Großbritannien mit Kanada und den Kolonien, sowie mit dem europäischen Festlande zu verbinden. Im Jahre 1849 erhielten die Brüder Brett eine staatliche Konzession auf zehn Jahre von der französischen Regierung, ein Kabel zwischen Dover und Calais zu legen und zu betreiben, daß jedoch nicht zur Zufriedenheit arbeitete und Anlaß gab, an der Mög⸗ lichkeit eines unterseeischen Drahtnachrichten⸗Dienstes über⸗ haupt irre zu werden. Man gab dem in Guttapercha isolierten Draht nun auch noch eine Umhüllung von Eisen⸗ blech und nun arbeitete das Kabel zur Zufriedenheit. Im Jahre 1855 wurde sodann die Atlantic Telegraph Com⸗ pany gegründet, welche das erste transatlantische Kabel legte und in Betrieb nahm. Nrueste Telegramme. Hd. Berlin, 1. Juli. In dem Hause Brunnenstraße Nr. 114, in der Wohnung feiner Schwester, hat der 27jährige Kommis Paul Sparrenberg seine 18jährige Geliebte er⸗ schossen und dann sich selbst. Das Motiv soll 0 Nahrungssorgen des Sparrenberg zu suchen ein. Hd. Posen, 1. Juli. Ein furchtbares Bran dunglück ereignete sich in Lisch kowo bei Inowrazlaw, bei welchem von 2 im Hause wohnenden Familien, die eine Frau mit ihrem zehnjährigen Kinde und von dem anderen Haus⸗ bewohner zwei Kinder verbrannten. Hd. Wien, 1. Juli. Wie der„Neuen Freien Presse“ aus Paris telegraphiert wird, ist es nunmehr entschieden, daß Präsident Faure allein nach Peterhof reist. Der Einladungs⸗ brief des Zaren gelte nur dem Prästdenten. Senat⸗ und Kammerprästdent begleiten ihn nicht, 5 Hd. Lemberg, 1. Juli. Zu der Eisenbahn⸗ Katastrophe bei Kolomea meldet ein hiesiges Blatt, daß die Signal⸗Apparate bei Turka schon seit mehreren Tagen 5 gewesen seien. Hd. Paris, 1. Juli. Die Konferenz des Präsidenten Faure mit Houlet und Brisson he⸗ zweckt die Erörterung darüber, ob die Kredit⸗ forderung für Faures Reise nach Rußland von einer regelrechten Botschaft des Staatschefs an die Kammer und den Sengct begleitet sein soll, oder ob Melines Rede zur Motivierung dieser Forderung alles enthalten könne, was Faure bei diesem Anlaß kundgeben will. Zwischen den drei Präsidenten wurde hierüber, sowie über die schwebenden Ettikettefragen volle Einigkeit erzielt, Hd. Brüssel, 1. Juli. Der Ausstand im Kohlenbecken von Mons wächst noch immer, 16,500 Bergarbeiter sind bereits ausständig. Uottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 3. Juli 1897. Vorabend: 7,30 Uhr. Morgens: 8,30 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Sabbathausgang: 9,40 Uhr. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Nedaß teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. Nur N Tage! Gießen. Grand Oswalds Gatten. Circus lmmans 8˙% Uhr, Freitag, d. 2. 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