I AHitlagelst i und Kassee, N Mäßige Preise, ehlende Erinnern u Hehner, S. k halte ich die Jol ens empfohlen, Vereine einen e Brauereien. nke ist bestens g . un. 60 ock i Resaum in fei Pk : E chin, ler ale den cn bete, aul serlk . von ba in ete, zufch f“ 0 ba puch 155 , ee uud pg Nr. 125 Gießen, Dienstag, den 1. Juni 1897. 2 Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Hessische Landeszeitun Gießen. Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 8 — Dic Eröffnung des Sportplatzes an der Hardt. P. Gießen, 30. Mal. Der große Festkommers am Samstag Abend in geins Saalbau wurde um 9 Uhr von der Kraußeschen pelle durch die Fest⸗Ouverture von Latann eröffnet. rauf erhob sich der Vorsitzende der„Wanderer G.R.⸗G.“, helm Homberger, um die Erschienenen im Namen des ratorlums und der„Wanderer“ willkommen zu heißen. gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehungs⸗ schichte des Rennbahn⸗Unternehmens. Die Zahl der geunde der Rennbahn sei eine große. Redner bringt an Schlusse ein„All Heil“ den Gästen und Freunden. ge eigentliche Festrede hielt darauf der Vorsitzende des Abatoriums, Rechtsanwalt Dr. Jung. Es sei noch i lange her, daß das Fahrrad salonfähig wurde und che Aufregung rief es hervor, als sogar die Damen fingen zu radeln. Welche Wandlung in dieser Be⸗ ung in kurzer Zeit! Daß diese Wandlung in so ber Zeit möglich war, ist der Beweis dafür, welche lahtigkeit das Rad als Verkehrsmittel hat. Was die zuupfmaschine als Verkehrsmittel im Großen, bedeute Fahrrad im Kleinen. Das Radeln sei ein demokratischer Hort, Nun wird man aber wohl fragen, wozu denn die Renn⸗ en, wozu der Ren nsport. Beides gehöre zusammen und ee belebend und fördernd auf das Radeln. Durch den ort werden die Fabriken angesport zu immer neuen An⸗ semgungen, das Rad zu verbessern. Auf der Rennbahn sckelnen die Meister der Kunst und veranlassen damit ie Mitmenschen zur Nacheiferung, und es sei wohl mit icht zu behaupten, daß die Entwickelung des Rades d die Einführung desselben als Verkehrsmittel wesent⸗ dem Rennsport zu danken sei. Dr. Jung sprach n Wunsch aus, daß unsere Rennbahn gedeihen möge, ß sie eine Stätte werde, wo Deutschlands Jugend ihre en Kräfte hinsendet, um im friedlichen Wettkampfe zu agen, aber auch für Gießens Bewohner möge sie ein al der Erholung und der Freude werden, unserer Stadt de Zierde, darauf„All Heil!“ Herr Fritz Helm dankt namens der Gießener Arnerschaft dem festgebenden Verein für die freundliche lladung. Er wünscht, daß das morgen stattfindende t glanzvoll verlaufe und schloß mit einem„Gut Heil!“ f das Kuratorium und die„Wanderer“. Hierauf nimmt C. Dönges ⸗Dillenburg, Mitglied Nordbezirks des Gaues 9 des D. R.⸗B., das Wort. 5 dränge ihn, auszusprechen, daß es wohl allgemein dig anerkannt werde, daß man in Gießen für den bffahrsport einen Tummelplatz geschaffen par excellence. Hade der Nordbezirk des Gaues 9 des D. R.⸗B. brauche feiner abgeschlossenen Lage einen festen Punkt, wo sich sportliche Leben kräftig entfalten könne. Dieser sei in der neuen Rennbahn geschaffen. Des Redners l Heil!“ gilt dem deutschen Radfahrer⸗Bund und der Haiger Weiterentwickelung des Radfahrwesens in unserem erke. Stadtverordneter Kirch spricht den„Wanderern“ im trage der Gießener Rudergesellschaft deren Glückwunsch Sein Wunsch gehe dahin, daß das Wetter während Festes günstig sei und daß die Räder der„Wanderer“ idem Wettrennen morgen gut über das Band laufen Higen, darauf den Gruß der Ruderer:„Hipp, Hipp, ama!“ Damit waren die offiziellen Reden erschöpft. Gesang uud Musik füllte die Pausen zwischen den Reden aus und Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. blieb man beieinander. in feucht⸗ fröhlicher Stimmung noch lange Die Tagesreveille weckte heute kurz nach 6 Uhr in der Frühe die Bürgerschaft aus der Ruhe. Die Kraußesche Kapelle brachte den beiden Vorsitzenden des Kuratoriums und der„Wanderer“ ein Morgenständchen. Die Straßen machten unterdessen Toilette und zeigten das gewöhnliche Festgepräge. Der Empfangs⸗Ausschuß waltete an den Bahnhöfen seines Amtes. Die oberhessischen Züge, aus der Richtung von Frankfurt und von Cassel, überall her die Männer mit ihren stählernen Rossen. Auf allen Landstraßen in unserer Umgebung wimmelte es von Radfahrern. Viele der ankommenden Radfahrer radelten mit ihrer besseren Hälfte durch unsere Straßen. Dieser Zuzug der Gäste dauerte bis zum Nachmittag. Zur Vertreter⸗Sitzung des Nordbezirks des Gaues 9 waren die oberen Räume des Kaiserhofes be⸗ stimmt. Die dort gepflogenen Beratungen waren nicht öffentlich. Doch erfahren wir, daß bei dieser Gelegenheit Herr H. Fillmann, erster Schriftführer der„Wanderer G. R.⸗G.“, in den Vorstand des Nordbezirks gewählt worden ist. Die Bannerweihe, welche um 11½ Uhr in Steins Saalbau stattfinden sollte, verzögerte sich um etwa eine halbe Stunde. Es hatten sich inzwischen in diesem Etablissement zahlreiche Sportgenossen des festgebenden Vereins versammelt. Auf einem mit Blattgewächsen bestellten Podium, welches im Hintergrund dekorativ mit dem vom Maler Fritz hergestellten Kolossalwappen der„Wanderer“ einen geschmackvollen Abschluß erhalten hatte, nahmen mit ihren Bannern die Abordnungen der auswärtigen Vereine Aufstellung, um Zeuge zu sein, der Weihe des nenen Banners, welches dem festgebenden Verein dediziert werden sollte. Mit einem schwungvollen Prolog wurde das prächtige Banner seitens der Stifterinnen dem Vor⸗ sitzenden der„Wanderer“ übergeben, welcher namens der Vereinigung den Frauen der Mitglieder für die Widmung herzlich dankte und gelobte, daß bei allen Anlässen dies Panier ihnen voranleuchten solle, als Zeichen, daß die Stifterinnen die Bestrebungen der„Wanderer“ anerkennen und billigen. Nachdem das Banner dem ersten Fahrwart der„Wanderer“ übergeben, brachte der Vorsitzende Wilh. Homberger ein„All Heil“ auf die Frauen aus. Das neue Banner aus der Fahnenstickerei von Julius Schulze⸗ Gießen hervorgegangen, ist auf der Wappenseite in weiß gehalten, während für den Mantel eine blaue Farbe ge⸗ wählt wurde,(weißblau sind die Farben der„Wanderer“.) Das Wappen der Gesellschaft in Seide gestickt, hebt sich kräftig von dem weißen Grunde ab. Die Widmungs⸗In⸗ schrift ist in Gold gestickt, während in gleicher Weise her⸗ gestellt die blaue Rückseite des Banners den Radlergruß „All Heil“ enthält. Reich mit goldenen Quasten, Franzen und Borden verziert, ist das Banner ein Beweis tüchtigen Könnens auf dem Gebiete der Kunststickerei unserer Stadt. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Jung, überreichte namens desselben eine wertvolle, rotweiße Bannerschleife mit gestickter Widmung. Dieselbe solle sein ein sichtbares Zeichen der intimen Beziehungen und der gefesteten Freundschaft, welche zwischen den Mitgliedern beider Ver⸗ einigungen bestehen. Ebenso überreichten die Vorsitzenden der Vereine, welche Pathenstelle bei dieser Bannerweihe übernommen, folgende prächtige Angebinde. Der R.⸗V. Darmstadt eine Schleife in den Farben des großherzog⸗ lichen Hauses, der R.⸗Cl. Butzbach eine ebensolche in weiß mit Goldstickerei, der R.⸗V. Weilburg eine Schleife in den Farben seiner Vaterstadt, während der B.⸗Cl. Frankfurt, der R.⸗V. Lauterbach, der R.⸗Cl. Dillenburg, der R.⸗Cl. Frankfurt und der R.⸗V. Höchst je einen kunstvoll gearbeiteten Bannernagel überreichen ließen. Nach Beendigung des Weiheaktes folgte in Steins Saal⸗ bau eine Festtafel, an welcher sich etwa 250 Personen beteiligten. Der neu angelegte Juxplatz auf dem Hochplateau der Hardt war gestern Nachmittag schon, währenddem unten auf der Rennbahn die heißen Kämpfe des Tages ausge⸗ ausgefochten wurden, von Besuchern des Festplatzes ge⸗ füllt. Als die Rennen aber beendet und als später die elektrische Beleuchtung aufflammte, da herrschte dort ein Gewoge und Gewühl von Menschen, wie wir es bei ähn⸗ lichen sestlichen Anlässen in Gießen noch nicht gesehen. Die Karoussels, Schiffsschaukel, Schießbuden und sonstigen Schaubuden, welche dort ihr Domiziel aufgeschlagen hatten, waren stark frequentiert. Der Elektrotechniker Max Weiß⸗ bäcker beleuchtete von der Terrasse aus mit einem Schein⸗ werfer die erreichbare Umgegend des Etablissements mit farbigem Licht, hierzu kam das abgebrannte Feuerwerk, Konzert, die bairische Bierkneipe mit der Damenbedienung, alles das hätte zusammen genommen vermocht, die Tau⸗ sende von Menschen bis tief in die Nacht hinein dort auf dem Festplatz fest zu halten. Der Morgen graute bereits als die letzten Besucher in fidelster Stimmung die Stätte des Frosinns und der guten Laune verließen und der Stadt zusteuerten. Die Reunion in Steins Saalbau war von aus⸗ wärtigen Gästen sowohl als auch von der Bürgerschaft sehr gut besucht. Der erste Schriftführer der„Wanderer“ H. Fillmann begrüßte namens des Vereins die Damen mit trefflichen Worten. Das darauf in drei Abteilungen vorgeführte Kunstfahren des Kunstmeisterfahrers C. Vasserot⸗ Frankfurt a. M. erntete wohlverdienten Beifall. Es war im höchsten Grade bewunderungswürdig, mit welcher Ele⸗ ganz und Sicherheit derselbe die schwierigsten Trics aus⸗ führte. Der vierjährige Georg Meckel von Bad Nauheim, der jüngste Sportkollege im Gau 9, bewies mit seinen Leistungen auf dem Rad, daß der Meister Vasserot der Hoffnung leben darf, daß vielleicht in seinem Kollegen ein noch viel größerer Meister stecken mag, als er es ist. Bei der Preisverteilung erhielt für Korsofahren für die Vereine des Nordbezirks R.⸗Kl. Dillenburg als 1. Preis eine Bowle, R.⸗V. Lauterbach als 2. Preis ein Schreib⸗ zeug, R.⸗Kl. Butzbach als 3. Preis einen Pockal mit silbernem Deckel. Die Führerpreise fielen für den Damenpreis an Gg. Dönges⸗Bockenheim, für das Gau⸗ verbandsfahren an Hans Neumann⸗Hof⸗Schönau, für den Ehrenpreis des D. R.⸗B. an Ferd. Schrodt⸗Höchst a. M. Ein Ball bildete den Beschluß des gestrigen Festtages, mit dessen günstigem Gelingen alle dabei Beteiligten wohl zufrieden sein können. Die Resultate des Preisrennens finden die Leser im Hauptblatt. * 584. 41 8 19* Lokales und Provinzielles. * Gießen, 31. Mai. Ein für alle Stadt⸗ verwaltungen beachtenswerter Rechtsstreit hat jüngst nach dreijähriger Dauer durch Reichs⸗ gerichtsentscheidung sein Ende gefunden. In einer thüringischen Stadt war ein Dienstmann beim Tragen eines Schrankes auf der Straße gefallen und hatte sich dadurch einen mehrfachen Poufsette. Von Ouida. Deutsch von B. Treumann-Koner. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Doch ihm selbst unbewußt, war Poussette das zend gewesen, welches ihn noch auf die gesunden a lauteren Seiten des menschlichen Lebens hin— det. Wie oft hatte er ihr zu Liebe gethan, was seinetwegen nie gethan haben würde— nämlich h besseren Regungen seiner Seele nachgegeben. Anst pflegte er sich solcher weichen Gefühle zu men. Er vermißte das kleine Geschöpf mehr, er je für möglich gehalten hätte. Sie war einzige unschuldige Wesen, mit dem er noch in ammenhang gewesen, das einzige, was noch die gocht über ihn besessen hatte, ihn vor gänzlichem desinken in Selbstsucht zu bewahren, ab und zu in andere Empfindung in seiner Brust zu erwecken, A die der fieberhaften Begehrlichkeit des Spielers. gen fehlte dieser letzte gute Einfluß in seinem When, und die bösen beherrschten ihn völlig. arlher, wenn er sich im Kasino erinnerte, daß dinßen das treue Hündchen schon allzu lange ge— tanig auf ihn wartete, hatte er mitunter vom Theltisch losgerissen. Jetzt lenkte ihn nichts mehr ch, und verweilte Tag und Nacht in den Sälen kein Hazard. Mit nur 5 Goldstücken war er aus gien zurückgekehrt. Es war Alles, was ihm d geblieben war, selbst sein letztes Kleinod, das Muiaturporträt seiner Mutter, hatte er verspielt. Uẽ durch litterarische Arbeiten etwas zu erwerben, dan fühlte er sich jetzt außer Stande. Es war Aumie des Gehirns bei ihm eingetreten. Er war nit fähig, seine Gedanken solange zu sammeln, meine Seite schreiben zu können. Nach seiner Ankunft in Monte Carlo hatte er gleich abends seine 5 Napoleon d'ors am Roulette eingesetzt und 50 damit gewonnen. Er spielte weiter, vom Roulette zum„Rouge et noir“ über⸗ gehend, und gewann zuerst beständig. Dann verlor er wieder, und so folgten einander Gewinn und Verlust in jener rasend machenden Launenhaftigkeit des Glücks, worin eben der bethörende Zauber des Spiels liegt. Die Göttin des Hazards liebt es, ihren Bewerber nach Medame de Maitenon's Methode zu behandeln:„Jamais content, jamais deésespeèrée“, bis ihr der Tribut gezollt wird— wie vom König die Krone, so vom Spieler das Leben. Vallarec gewann große Summen, sie flossen aber stets dorthin zurück, woher sie gekommen— in die Kasse des Bankiers. Drei Wochen verlebte er in dieser Weise wie unter einem immerwährendem Alpdruck. Er sah alles durch einen roten Nebel, in welchem schwarze Flecken schwammen. In der ganzen Zeit aß er äußerst wenig. Sein Schlaf war kurz und unregelmäßig; er träumte dann fiebernd und immer dasselbe— von Serien und Systemen, welche unfehlbar die Bank sprengen würden. Keine Poussette war da, ihn zu wecken mit sachtem Druck ihres weichen Köpfchens gegen sein Gesicht und dem gedämpften Bellen, das deutlich sagte:„Steh' auf, steh' auf, es ist schon lange, so lange her, daß die Sonne aufging!“ Er spielte ohne Unterbrechung 20 Tage und 20 Nächte lang, hypnotisiert von den Schwankungen des Glücks, bis seine Züge einen beinahe blöd⸗ sinnigen Ausdruck bekamen. Er bemerkte nicht die auf ihn gerichteten bedenklichen Blicke. Den Meisten der Umstehenden war er seit Jahren bekannt, aber so hatte ihn noch niemand gesehen. Seinen wüsten Kopf durchfuhr hin und und wieder als leitende Idee der Wunsch:„Wenn ich doch 100000 Franks gewinnen könnte, um zu Marie Desjardins zurück zu können!“ Er hatte mit einem Blick gesehen, daß sie ihm verzeihen würde, daß ihn noch liebte. Und er sehnte sich nach ihr, nach der Ruhe und dem Frieden ihrer Nähe. Bettelarm konnte er nicht zu ihr gehen. Sie war wohl arm nach den Begriffen der Welt, dech reich zu nennen in Vergleich zu einem ruinierten Spieler, der nur noch die Kleider auf dem Leibe besitzt. Die Erinnerung an Marie und ihr blumen— geschmücktes Gartenheim, wo er Poussetts ihrer Obhut übergeben hatte, zog mitunter, erquickend wie westlicher Windhauch, durch sein ermattetes Hirn. Gleich darauf aber umfing ihn wieder der halb— schlafähnliche Fieberzustand, in welchem er mechanisch weiterspielte, vor seinen Augen alles rot, mit schwarzen Assen gefleckt. Die Herren von der Spielbank beobachteten ihn mit Besorgnis. Er sah aus wie Einer, von dem für die Bank ein Skandal zu befürchten stand. Es war noch nicht gar lange her, daß der Marquis de Vallarec als eine der inter⸗ essantesten Erscheinungen von Monte Carlo berühmt und von aller Welt bewundert war. Jetzt, wo man wußte, daß er ein gänzlich ruinierter Mann war, bewachten ihn die Bankhalter wie einen durch ihre vergoldeten Portale eingedrungenen Bettler. Ain Abend des 22. Tages hatte er sein letztes Goldstück verspielt. Er blickte um sich wie ein von den Jägern gestellter Wolf. Darauf besann er sich, daß er nicht länger da stehen bleiben durfte und trat von seinem Platz zurück. Sofort drängten sich die ihm zunächst Befindlichen heran, und die Lücke hatte sich im Nu geschlossen. Das Spiel wurde edition: Bruch der linken Kniescheibe zugezogen, sodaß er nach der Heilung dauernd in seiner Erwerbs⸗ thätigkeit beeinträchtigt blieb. Der Dienstmann führte den Unfall auf die schlechte Beschaffenheit des Straßenpflasters zurück, das an der be— treffenden Stelle ein Loch hatte, und verlangte daher von der Stadt neben dem Ersatz der Kur⸗ kosten eine Entschädigung von über 5000 A. Da die Stadtverwaltung sich keines Verschuldens bewußt war und die Feststellung einer Haftpflicht nur aus dem Grunde, weil der Straßendamm kleine Unebenheiten besaß, für unwahrscheinlich hielt, ließ sie sich auf den Rechtsstreit ein, wurde aber in allen drei Instanzen, Landgericht, Ober⸗ landesgericht und Reichsgericht, für haftpflichtig erklärt. Die Tragweite dieses Urteils ist vor der Hand noch gar nicht abzusehen, denn ähn⸗ liche Unfälle auf schlecht gepflasterten städtischen Straßen dürften gar nicht so sehr selten sein. Die betreffende Stadt Thüringens ist allerdings gegen Haftpflicht Ansprüche bei einer Versiche⸗ rungsanstalt versichert, die neun Zehntel der Vergleichssumme von 2380 K., zu der sich die Stadt nach Verlust des Prozesses sofort verstand, und außerdem alle übrigen Kosten zu tragen hat. — Angesichts dieses Entscheids dürfte es sich auch für Gießen empfehlen, verschiedene„Un— ebenheiten“ im Pflaster so bald als möglich aus— zugleichen. * Gießen, 31. Mai. Das Ober⸗Ersatz⸗ Geschäft für 1897 wird im Kreise Gießen an folgenden Tagen abgehalten: Dienstag, den 15., und Mittwoch, den 16. Juni, im Rathause zu Lich, vormittags 8 Uhr; Freitag, den 18., Samstag, den 19., und Montag, den 21. Juni, in der Restauration„Zum Lonys Bierkeller“, Westanlage, zu Gießen, jedesmal vormittags 8 Uhr; Dienstag, den 22. Juni, im Gasthaus„Zum Rappen“ zu Grünberg, vormittags 8 Uhr. Die Gestellungs⸗ pflichtigen erhalten von den betreffenden Bürger⸗ meistereien besondere Ladungen. * Bad Nauheim, 30. Mai. Eine un⸗ liebsame Ueberraschung steht den Steuer⸗ pflichtigen dahier bevor. Von der Mark Kom⸗ Munalsteuerkapital wurden im vorigen Jahr 23.711 Pfennige Kommunalsteuer erhoben. Der Steuerausschlag erhöht sich auf 34.281 Pfg. Es wurden bisher die Kanalgelder und die Beiträge zu den Kosten der Straßen, die von der Stadt 9 777 und von den betreffenden Hausbesitzern wieder erhoben wurden, zu den laufenden Aus⸗ gaben verwendet. Die obere Verwaltungsbe⸗ hörde hat dies für unzulässig erklärt. Es muß dieser Betrag fürderhin durch Umlagen gedeckt werden. Man hat an den Aussaben 10,200. gestrichen und es sind also noch 36,200 l. weniger 10,200& gleich 26,000. durch Um⸗ lagen zu decken und statt 75,000 nunmehr 101,000 Al. auszuschlagen.] * Mainz, 30. Mai. Die Streitigkeiten in der hiesigen Bäckerinnung, die zum Kreise. Nur einem der Leute, welche im Dienst der Bank jeden Vorgang beobachteten, war der ver— zweifelte Ausdruck in Vallarecs Antlitz nicht ent— gangen, und der Mann flüsterte einem Anderen rasch einige Worte zu, worauf dieser dem Fort— gehenden in einiger Entfernung folgte. Ohne zu ahnen, daß ein Späherauge auf ihn gerichtet war, durchschritt Vallarec die ihm so wohl— bekannten Räume, an Gruppen plaudernder, lachender Gäste vorbei durch die parfümierte Luft und die strahlende Helle, dann zur Treppe und die Parkanlagen hinunter. Die Kapelle drinnen im Musiksaal spielte den Marsch aus Massenet's „Le Mage“, und dumpf dröbnten die Klänge durch sein Hirn. Ihm war zu Mut, als sei er betrunken, oder— schlimmer noch— geistesabwesend. Er besaß keinen Pfennnig mehr und auch nichts, worauf er sich ein Frankstück hätte verschaffen können, außer dem mit Elfenbein verzierten kleinen Revolver, den er stets in der Brusttasche bei sich trug. In dem jetzt von Menschen verlassenen Garten ging er auf eine von Mimosen umpflanzte Marmor⸗ bank zu, die unter einer Aloengruppe stand. An dieser Stelle hatte die kleine Poussette ihn immer erwartet. Er setzte sich, und, die Ellbogen auf seine Kniee gestützt, senkte er den Kopf in beide Hände; das Mondlicht lag zitternd über dem Meer, die Erde zeigte sich in ihrem schönsten Liebreiz. Er aber hatte keinen Blick für ihre Schönheit, er sah nur in den Abgrund seines Elends. Wie er so dasaß, näherte sich ihm der Emissär der Bank mit dem etwas verlegen gemurmelten An⸗ erbieten von Geld oder sonstigen Hilfsmitteln, wenn er das Fürstentum vor dem anderen Morgen ver— ruhig fortgesetzt, an ihn dachte Niemand in dem lassen wolle.(Schluß folgt.) Rücktritt des Vorstandes geführt haben, dauern noch immer fort. Um sie beizulegen, hatte der Oberbürgermeister Dr. Gaßner den Vorschlag gemacht, bei der bevorstehenden Neuwahl die Hälfte des Vorstandes aus der sogen. Opposition zu wählen. Vorgestern sollte diese Neuwahl stattfinden. Vor dem Beginn der Versammlung erklärte der Obermeister, Herr Köberich, der noch provisorisch die Geschäfte leitet, er werde die Versammlung nicht eröffnen, weil die Mehrheit der Anwesenden der Opposition angehöre. Darauf verließ er mit noch zwei Vorstandsmitgliedern den Saal. Die Versammlung protestierte gegen dieses Vorgehen und wählte eine achtgliedrige Kommission, die Ordnung in die Sache bringen soll. — Die beschlossene neue Bauordnung für die Stadt Mainz enthält auch die sehr vernünf⸗ tige Bestimmung, daß bei allen Bauausführungen, welche Gerüste erfordern, zur Verhütung des Absturzes in einer Höhe von etwa drei Metern über dem Terrain ein Schutzdach(Fanggerüst) angebracht werden muß. Das Schutzdach muß einen Meter über das Gerüst hinausragen und mit Dielen abgedeckt sein. Bei Vornahme von Arbeiten auf dem oberen Gerüstgang ist ein zweites Fanggerüst anzubringen und von der Außenseite mit einer Vorwand zu versehen. Dasselbe muß ebenfalls mit Dielen abgedeckt sein. Damit wird einer seit Jahren von den Bauarbeitern erhobenen Forderung zum Schutze des Lebens und der Gesundheit derselben Rech— nung getragen. Vermischtes. — Die Geschichte einer Depesche. Eine lustige Begebenheit aus Wien, die nur einen Fehler hat: sie knüpft an einen traurigen Anlaß, an das Leichenbe⸗ Namen des berühmten Malers nicht, und nur den Aller⸗ wenigsten wurde es also bekannt, daß Klinger an diesem Tage in Wien geweilt habe. Und das kam so: Als er die Todesnachricht empfing, expedierte Klinger sofort sol⸗ gende Depesche aus Leipzig nach Wien an das„Hotel Höller“, wo er vor Jahren einmal logiert hatte:„Hotel Höller“, Wien. Bestellen Sie Kranz für Johannes Brahms und reservieren Sie mir Zimmer. Komme Dienstag. Klinger.“ Am Tage des Begräbnisses langte er in Wien an und fuhr bei dem Hotel vor, doch wer beschreibt seinen Aerger, als man im Hotel nichts von seiner Depesche wissen wollte. Mit schwerer Mühe wurde er in einem kleinen Zimmer untergebracht, den Kranz mußte er sich selbst besorgen. Eile war von Nöten, keuchend erreichte er einen vornehmen Blumenladen, in dem man sich für Geld und gute Worte herbeiließ, im Fluge noch einen Kranz zu fertigen. Mit dem Kranze eilte er ins Trauerhaus, ungekannt und unbeachtet nahm er an der Feier Anteil; sie erschütterte ihn derart, daß er sofort abzureisen beschloß. Aber kaum daß er den Koffer gepackt hatte, stellte sich ein Mann mit höflichem Gruße ein, der ihm erstens einen großen Kranz mit Schleifen und zweitens eine Rechnung, in die auch der Preis für ein komfortables Zimmer eingestellt erschien, überbrachte. Der gute Mann fügte auch sofort eine Er⸗ klärung hinzu: er sagte, er komme aus dem„Hotel Müller“, wo man vergeblich auf das Eintreffen Klingers gewartet habe! Da war nun freilich das Rätsel gelöst: die Depesche wurde bei Müller, anstatt bei Höller abge⸗ geben und Die von Müller ahnten gleich, daß Klinger bei Höller zu suchen wäre, Klinger bezahlte also zwei Zimmer und zwei Kränze. Um das Geld that es ihm nicht leid, aber wie war nur der Verstoß möglich gewor⸗ den? Daß er sich in der Adresse nicht geirrt, das konnte er doch mit tausend Eiden bekräftigen!... Um sich aber doch die Ueberzeugung zu verschaffen, daß er Höller und nicht Müller geschrieben habe, ging er am Tage nach seiner Ankunft in Leipzig auf das Telegraphenamt, wo er den Vorfall erzählte und um die Vorweisung seines Depeschenmanuskripts bat, und siehe da, auf dem Blan⸗ begängniß von Johannes Brahms an. Der Feier wohnte auch der bekannte Maler Max Klinger, einer der ge⸗ treuesten Freunde des Dahingeschiedenen, bei. Aber in der ausgegebenen Liste der Trauergäste fand man den quet war wirklich„Hotel Müller, Wien“ zu lesen. Allein, was war das? Der Maler sah näher zu und rief: „Aber, meine Herren, das kst ja gar nicht meine — junger Beamter aus einer entferntesten Ecke an das Pult, um kleinlaut zu sprechen:„Verehrter Melster, seien Sie nicht böse, das ganze Unheil habe ich angestiftet. Dieses da ist meine Handschrift. Ich habe Ihr Manuskript für mich behalten und in der Abschrift, die ich machte, leider aus Versehen„Müller“ statt„Höller“ hinge⸗ schrieben. Nochmals Verzeihung, verehrter Meister, haben Sie Nachsicht mit einem— Autographen—⸗ sammler!“ — Zur Frauen⸗ Emanzipation. Die Ameri⸗ kaneain greift immer entschiedener in die Sphäre der männlichen Bethätigungen über. Da ist z. B. Miß Grace Hubbard in Jowa: sie ist diplomierte Civilingenieurin und hat die ganze Landesvermessung von Montana kontraktlich übernommen. Miß Minnie F. Clay ist zum Kapitän eines Dampfers auf dem Seboga⸗See in Maine ernannt worden, nachdem sie das Piloten⸗ und Schiffer⸗ examen bestanden hat. Frau Annie A. de Barr hat von der technischen Prüfungsbehörde zu Chicago das Diplom für Mechanik erhalten und steht einem großen Dampf⸗ kesselbetrieb allein von. Frau Merriefield ist Vorsteherin des Nachtbetriebes der Western Union Telegraph Com⸗ pany zu Cheyenne in Wyoming. Miß Colfax hütet den städtischen Leuchtturm von Michigan City, Miß Jenny Hilton ist eine der erfolgreichsten Goldentdeckerinnen und Grubenexperten von Arizona und Miß Hill überwacht persönlich den Betrieb ihrer ungeheuren Viehzüchterei. Bürgermeister, Advokaten, Polizisten sind bekanntlich schon seit Längerem nicht mehr ausschließlich unter den Män⸗ nern des amerikanischen Kontinents zu suchen. — Frauenmorde in New⸗York. In der letzten Zeit ist die Stadt New⸗York durch eine Reihe von Frauenmorden in Schrecken versetzt worden. Die Opfer trugen sämtlich Juwelen, sodaß kein Zweifel besteht, daß Raubmorde vorliegen. Die Verbrecher verfolgten die Frauen in ihre Zimmer, wo sie sie mit einem kurzen Strick erdrosselten. Die Morde sind in verschjedenen Teilen der Stadt verübt worden. Am 14. Mai morgens erscholl das Geschrei einer Frau aus dem oberen Stock⸗ werk eines billigen Logirhauses. Einer der Vorübergehen⸗ den hörte es und stand stille, als plötzlich das Fenster eingeschlagen und der Ruf„Mord“ erscholl. Bald nach⸗ her stürzten zwei Männer aus der Eingangzthüre des Handschrift!“ Große Pause. Da schleicht sich ein —— wurde von einem Polizisten angehalten und der a auch bald verhaftet. Als die Polizei in das Zimmer artigem Knoten gedrehten Strick liegen, früheren Frauenmorden angewendet worden war. Frau war sehr stark und konnte Mörder erwehren, Polizei sind sie als berüchtigte Gesellen bekannt. Neuefte Telegramme. Hd. Berlin, 31. Mai. ministerium trat gestern Vormittag 11 l. im Reichskanzlerpalais unter dem Vorsi des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung J sammen. Hd. Wörishofen, 31. Mai. Das gester, Vormittag über das Befinden das Pfarrer Kneipp ausgegebene Bulletin lautet: Kräft wieder etwas zunehmend. Nacht weniger gut Puls 92, Respiration 21, Temperatur 37 1.— Nachmittags 2 Uhr: Befinden gleich bleiben! Puls 92, Respiration 22. Dr. Baumgarten, Hd. Rom, 31. Mai. Unter dem Titel:„Internationales Complot gegen den König Humbert“ meldet die Tribun⸗ aus Triest: Die Verhaftung dez Zimmermanns Mairtich, der be seiner Festnahme Briefe und Dru sachen der gravierendsten Art for warf. In einem aus Zara datierten Schreiben wird gesagt, daß Mai tic sich nach dem Fehlschlagen des Alten tats Acciarito's bereit halte, event. da Attentat zu wiederholen. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Rede teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmaunsths Hauses und flohen nach verschiedenen Richtungen. Etner woch, den 2. Juui, im Impflokale(Altes Rathaus) für Mittwoch von 2—3 Uhr abg halten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahre sind die im vorigen Jahr geborenen Kinder, sowie die Rückständigen früheren Jahrgänge. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschluß auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, wid⸗ rigeufalls ihm im Januar nächsten Jahres zur Nachholung der Impfung eine vierwöchentliche Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch inder, welche erst im laufenden Jahre geboren sind, auf den Wunsch ihrer Vertreter Impfungen unentgeltlich find. Kia unter Strafandrohung gesetzt wird. geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in tenen Termin zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurilckstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Kinder müssen mit keiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung ge⸗ bracht werden. Die Impfung wird nur an einem Arme vorgenommen mit Lymphe aus dem Landes- impfinstitut Darmstadt. Gießen, 24. Mai 1897. Der Oberbürgermeister: J. V: Wolff. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung der Erstimpflinge wird, beginnend mit Mitt⸗ Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13. die nächsten 5—6 Wochen jeden dem acht Tage später abgehal⸗ Total-Husver bestehend in 1 sämtlichen P utzartikeln, EI garnierten und ungarnierten Hüten nach der neuesten Mode, Korsetten, Handschuhen, Schürzen, Taschentüchern, Tapisserien, Sonnen- und Regenschirmen, Kravatten, Hosenträgern, Herrenwäsche ele vollständig aus. Laden- Einrichtung u verkaufen, Marktstrasse 29. kauf. Wegen Wegzug na Frankfurt a. Main ver kaufe mein ganzes Lagen Laden und Wohnung zu vermieten. A. Werner, Marktstrasse 29. Versteigerung. Mittwoch, den 2. Juni u. Donnerstag, den 3. Juni l. J., vormittags von 10 Uhr ab, versteigere ich gegen Baarzahlung im Saale des Gastwirts Thoma, Bahn⸗ hofstraße 43 dahier, im Auftrage des Kaufmanns M. Kuder in Gießen dessen gesamtes Warenlager, bestehend in: Tuch, Burkin, Kammgarn, Cheviot und sonstigen Manu⸗ fakturwaren, Herren⸗ und Knaben⸗ Anzügen, Arbeiterkleidern (bei letzteren 2jähr. Garantie). Die Versteigerung findet bestimmt statt. Born. Gerichtsvollzieher. 3—m und Betten, sowie 2 neue Nähmaschinen 1533 En gros. Friedrich Rüger Giessen, Kreuzplatz 4. Perlkränze, Metallkränze, Mooskränze, künstl. Stoffkränze, präparierte Naturkränze und Bouketts. 33 3 6 CLudwigsstraßze Diners vonf12—2 Mittagstisch Separate Zi 1 17 55 parate Zimmer für Gesellschaften. 0*— Für Festlichkeiten: Schärpen, Abzeichen, Illuminatlonsartikel, goldene und silberne Hochzeltskränze. 591 Hestaurant und Café a Oranien⸗ Bräu 1 hr. 6 Speisen à la carte zu jeder Tageszeit. Sep. bürgerlicher Mittagstisch zu 50 Pfg. im Abonnemet 63—83 Pfg. . 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