Gießen, Donnerstag, den 31. Dezember 1 Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe sche Landeszeitung. Gießen. Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 00 . Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Zspaltige Petitzeile. 5 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. —— 1 Die Wartezeit bei der Juvaliditäts⸗ Alters Versicherung. J N Das Wesen und die Bedeutung der Wartezeit wird noch vielfach verkannt. Sie ist von größter Wichtigkeit für die Invaliden⸗ und Altersrenten⸗ ansprüche, sowie für die Erstattungsansprüche. Das Gesetz giebt Anspruch auf Rente nicht jedem ersicherten, der invalid wird oder der 70 Jahre alt wird, sondern es verlangt, daß der Be⸗ treffende auch eine Zeit lang versichert war und Beiträge gezahlt, somit einigermaßen einen Gegen⸗ wert geleist⸗t hat. Diese Zeit ist für Invaliden⸗ rentenansprüche allgemein 235 Wochen; für Altersrentenansprüche ist sie vorläufig und bis 1921 veränderlich und richtet sich nach dem Geburtstag des Versicherten; je mehr Jahre ihm am 1. Januar 1891 an 70 Jahren fehlen, desto größer ist die Wartezeit. Erst von 1921 ab ist die Üebergangszeit des Gesetzes in dieser Be⸗ ziehung vorbei und die Wartezeit beträgt gleich⸗ mäßig 1410 Wochen. Die Wartezeit für die Invalidenrente muß nicht in einem bestimmten Zeitraum ume ber werden; nur müssen inner⸗ halb 4 Kalenderjahre stets mindestens 47 Wochen erbracht werden. Für die Regel wird die Wartezeit zurückgelegt durch Beitragsleistung und Markenverwendung auf Grund von versicherungspflichtiger Beschäf⸗ tigung. Solcher werden aber en volle Krankheitswochen, wenn die Krankheit mit Er⸗ werbsunfähigkeit verbunden war und der Be⸗ treffende an Fortsetzung seiner Arbeit durch sie verhindert wurde; desgleichen die Wochen, wäh⸗ rend derer der Betreffende seine Wehrpflicht in Heer oder Marine erfüllt. Ebenso gelten Marken, welche zur freiwilligen Fortsetzung des Versiche⸗ rungsverhältnisses verwendet sind. Wer vorüber⸗ gehend oder dauernd aus dem Beschäftigungs⸗ 10 verhältnis ausscheidet, kann nämlich die Versiche⸗ rung durch Verwendung von Marken fortsetzen. Es besteht vielfach die Meinung, Zeiten, während und — derer infolge von Wetterverhältnissen oder der⸗ leichen die Arbeit ausgesetzt werden müßte, önnten ohne weiteres angerechnet werden; das 2 Pg ist irrig; ob die Arbeitslosigkeit und Unterbrechung mit oder ohne Schuld des Arbeiters eintritt, ist einerlei; nur die freiwillige Markenverwendung kann solche Zeiten anrechnungsfähig machen. Dieselbe muß aber rechtzeitig geschehen. Ein Maurer z. B., der im November die Arbeit ein⸗ stellt, muß diese Markenverwendung spätestens bei Aufnahme der Arbeit im nächsten Frühjahr vornehmen: sind erst wieder auf Grund der Be⸗ schäftigung Marken verklebt, so ist die Lücke nie mehr auszufüllen. Dies ist bei vielen Renten⸗ Des SSS S 85 nach Eintritt der Invalidität und des 70. Ge⸗ burtstages für die frühere Zeit keine freiwillige Versicherung mehr stattfinden. Ein Invalider scheidet aus jedem Versicherungsverhältnis aus, sodaß er weder in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung stehen, noch sich freiwillig weiter versichern kann. Wer also bei Eintritt der Invalidität die Wartezeit von 235 Wochen noch nicht erfüllt hat, kann sie in der Zukunft nicht mehr erfüllen, es sei denn, daß er wieder arbeits⸗ fähig wird. Kann er aber nachweisen, daß er in früherer Zeit in einem bestimmten versicherungs⸗ pflichtigen Verhältnis gestanden hat, für welches die Markenverwendung unterblieben ist, so kann ausnahmsweise eine nachträgliche Markenklebung stattsinden. Die Invalidenrente wird gegeben 1. vom Eintritt der dauernden Erwerbsunfähigkeit ab oder 2. bei vorübergehender Erwerbsunfähigkeit vom Ablauf der 52. Woche ab. Jener Zeitpunkt ist dann gegeben, wenn die Hoffnung schwindet, daß der Betreffende noch zu„ des orts⸗ üblichen Tagelohnes erwerbsfähig werde. Schwindet erst im Verlauf einer Krankheit diese Hoffnung, dann wird der vorher liegende Teil der Krankheit in die Wartezeit eingerechnet. Im 2. Fall werden die 52 Wochen Krankheitszeit angerechnet. Bei der Altersrente waltet bezüg⸗ lich der Wartezeit ein Unterschied ob. Wer am 70. Geburtstage die gesetzliche Wartezeit noch nicht erfüllt hat, kann, wenn er noch nicht invalid ist, durch Beitragsleistung auf Grund von Be⸗ schäftigung oder freiwilliger Versicherung die Wartezeit noch in Zukunft allmählich erfüllen: er bekommt dann die Altersrente von dem Tag ab, an welchem die erforderliche Markenzahl vorhanden ist. Es ist nun noch die sogen. Selbstversicherung zu erwähnen, dazu sind berechtigt Betriebsunter⸗ nehmer, die nicht regelmäßig mindestens einen Lohnarbeiter beschäftigen, und Hausgewerbe⸗ treibende, jedoch nur dann, wenn sie noch nicht 40 Jahre und noch erwerbsfähig sind. Die Hausgewerbetreibenden der Tabaks- und Textil⸗ industrie sind versicherungspflichtig, kommen also hier nicht in Betracht. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 30. Dez. Von der hiesigen Staatsanwaltschaft werden steckbrieflich ver⸗ folgt: Taglöhner Heinrich Link aus Wolfer⸗ born wegen Beleidigung, Kommis Heinrich Liersch aus Hanau a. M. wegen Unter⸗ schlagung, Spengler Heinrich Schulte aus Ruhrort wegen Sittlichkeitsverbrechens, Heinrich Weißbeck aus Sterndorf wegen Betrugs. Gießen, 29. Dez.(Schöffen gericht.) Eine junge Diebin hatte sich heute in der Ruhl von hier, zur Zeit in Bad Nauheim, zu verantworten. Die Angeklagte entwendete im Herbst d. J. der Ehefrau des Gastwirt Riemer dahier, bei welchem sie in Diensten stand, ein Paar Handschuhe im Werte von etwa 5 Mark. Trotzdem die Angeklagte die That entschieden in Abrede stellte, wurde sie durch die Beweisauf⸗ nahme überführt und mit Rücksicht darauf, daß sie schon einmal in diesem Jahre wegen eines ähnlichen Deliktes vorbestraft ist, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.— Der schon mehrmals vorbestrafte Schuhmacher Friedrich Weißen⸗ bach von hier hat sich dadurch des Betrugs schuldig gemacht, daß er am 28. Oktober d. J. sich bei dem Schuhmacher Hch. Nikolaus hier während dessen Abwesenheit ein Paar Stiefel verabreichen ließ und hierbei einen falschen Namen vorgab. Der Angeklagte, welcher bei Ausübung seiner That betrunken gewesen sein will, will die Stiefel am anderen Tag, schon vor Erhebung der Anklage, Nikolaus zurückerstattet haben, was von diesem jedoch bestritten wird. Die Verhand⸗ lung wird zur weiteren Beweisaufnahme vertagt. — Wegen Körperverletzung nimmt der Pflasterer⸗ meister Heinrich Mohr IV von Annerod auf der Anklagebank Platz. Mohr hatte am 5. Oktober seine Mutter, die ihm verbot, ihren Keller zu benutzen, mit einer Hake auf den Arm geschlagen, wodurch eine blutende Wunde entstand. Der Angeklagte will von seiner Mutter beleidigt worden sein und nicht geschlagen haben. Der Beigeordnete von Annerod, welcher als Zeuge geladen ist, stellt dem Angeklagten kein gutes Zeugnis aus und bekundet weiter, daß derselbe heute Morgen erklärt habe, seiner Mutter ein Leid anzuthun, falls er bestraft würde. Das Gericht erkannte gegen den elternliebenden Sohn auf 3 Monate Gefängnis.— In der Bierlaune gerieten die Kommis Karl Mandler und Wilh. Geiße am 6. September d. J. in Wortwechsel, der in eine Rauferei ausartete, die jedoch geschlichtet wurde. Mandler, dessen Aerger noch einige Stunden andauerte, versetzte später dem Geiße, als er ihn auf dem Marktplatz traf, einige Hiebe mit seinem Stock, so daß dieser Kopfwunden davontrug. Das Gericht verurteilte Mandler wegen e i 0 zu 40 Mark Geldstrafe.— Der Schreiner Georg Pfaff von hier hatte im Herbst d. J. einen Spiegel, der ihm mangels Zahlung seiner Steuer ge⸗ pfändet worden war, verbracht, weshalb er wegen Pfandverbringung angeklagt ist. Pfaff will nicht gewußt haben, daß der Spiegel gepfändet sei, er habe ihn überhaupt noch im Besitz. Das Gericht erkannte auf eine Woche Gefängnis. * Gießen, 29. Dezember. Gestern fand im Restaurant Busch die Hauptversammlung der„Wanderer,“ G. R.⸗G. statt. Der Vor⸗ sitzende, Wilhelm Homberger, erstattete den Jahresbericht, woraus u. a. hervorzuheben, daß dieser Vereinigung von Radfahrern, vor einem Jahre mit 14 Mitgliedern gegründet, heute 60 Personen angehören. Betreffs der sportlichen Thätlichkeit der Wanderer ist zu berichten, daß dieselben s. Z. in Dillenburg beim Mannschafts⸗ rennen den I. Preis errangen und daß, abge⸗ sehen von den zahlreichen gemeinsamen Touren der Verein am 5. November d. J. eine wohlge⸗ lungene Schnitzeljagd veranstaltet hat. Die Vor⸗ standswahl hatte das Resultat, daß Wilh. Hom⸗ berger zum 1. Vorsitzenden, H. Hettler zum 2. Vorsitzenden Fillmaun und Ackermann zu Schriftführern, Aug. Schwab zum Kassterer, Wilh. Hammel und A. Noll zu Fahrwarten, H. Kocker⸗ beck zum Zeugwart und Chr. Duill zum Beisitzer gewählt wurden. Es wurde beschlossen, nächsten Samstag in Steins⸗Saalbau das 1. Stif⸗ tungsfest durch einen Herrenabend zu be⸗ gehen, dem sich am Sonntag ein Frühschoppen im Restaurant Busch und Nachmittag ein Aus⸗ flug nach der Hardt anschließen wird. Mit Ge⸗ nugthuung kann der junge Verein auf das erste Vereinsjahr zurückblicken, denn er hat nicht nur neue Freunde für den Radfahrersport zu ge⸗ winnen verstanden, sondern auch die von ihm angestrebten Ziele, u. a. die Schaffung einer Rennbahn sind der Erreichung nahe gerückt. Mögen die Wanderer immer neue Freunde für den Radfahrersport zu interessieren wissen. * Gießen, 30. Dez. Unsere Leser erinnern sich gewiß der Inserate, worin ein Metzger in der Grünbergerstraße demjenigen 50. ver⸗ sprach, der ihm diejenige Person namhaft mache, welche behauptet hatte, daß er nicht ladenreines Fleisch feil halte. Der Meister hat endlich den Attentäter gefunden, ohne die ausgesetzte Beloh⸗ nung daran hängen zu müssen. Ein Mitglied unserer Militärkapelle hat im Auftrage und Namens seiner Kollegen den Wirt, bei dem die Musiker morgens ihre Probe abhielten, aufge⸗ fordert, seine Fleischwaren nicht mehr von jenem Metzger zu beziehen, da dieser Abnehmer des Ettingshäuser„Delikatessenhändlers“ sei und daß das jüngst konfiszierte, dem Abdecker überwiesene Fleisch ebenfalls für jenen Metzger bestimmt gewesen sei. Vor kurzem wurde nun der Musiker vor das Sühnegericht geladen, weil sich der Metzger durch dessen Ausführungen beleidigt fühlte. Hier kam aber kein Ver⸗ gleich zu Stande, indem der angebliche Belei⸗ diger erklärte den Wahrheitsbeweis liefern zu wollen. Es ist schade, daß dieser Fall, sofern der Metzger Klage erheben sollte, unter Aus⸗ schluß der Oeffenklichkeit vor dem Militärgericht verhandelt werden muß. * Friedberg, 29. Dezember. Bei der diesjährigen akademischen Preis verteilung der Universität Heidelberg wurde die eingereichte germanistische Arbeit mit der goldenen Medaille bedacht. Als Verfasser ergab 2„ anträgen von entscheidender Bedeutung zum * Nachteil des Gesuchstellers gewesen. Ferner kann 1———————— 2 1 Mächte der Finsternis. 66„ Roman von Helmuth Wolfhardt. 60„(Fortsetzung.) Sie traten in die Halle ein, aber sie fanden Rodewald an der Stelle, wo sie ihn verlassen Gichn. hatten, nicht mehr vor. Der Herr sei schon vor 0 einer Viertelstunde gegangen, die anderen Herr— . schaften zu suchen, berichtete der Monteur; ein kleiner naseweiser Lehrbube aber fügte hinzu, er habe den Herrn mit den weißen Haaren soeben in Auer. das Kabinet des Herrn Morris eintreten sehen. 100„Es wird uns nichts Anderes übrig bleiben, zan als ihm dorthin zu folgen“, meinte Bernhard, nen gen während sie weiter gingen.„Für meine feierliche Mark, sc“ Erklärung werde ich mich ohnedies in einen etwas . 10 9% salonfahigeren Aufzug setzen müssen.“ f c Aber die entscheidende Wendung der Dinge e le sollte rascher erfolgen, als er es ahnen konnte. 1 Sie fanden Rodewald in einem anscheinend sehr zas⸗ un ernsthaften und angelegentlichen Gespräch mit Herrn gießen, Morris, und beim Eintritt der beiden jungen veute 200 0 gab der Erstere dem Jabritbesitzer einen Wink, 2 welcher der Aufmerksamkeit Bernhard nicht ganz entging. „Wollen Sie nicht die Güte haben, mein lieber Herr Milow, diese Papiere durchzusehen“, sagte Morris zu seinem Chef⸗Ingenieur, noch ehe dieser hätte zu Worte kommen können.„Da der Be⸗ steller sehr dringend eine telegraphische Antwort erbeten hat, wann wir die beiden Maschinen werden 1 fle liefern können, so wäre ich Ihnen sehr verbunden, 0 wenn Sie die kleine Angelegenheit ohne jeden Zeit⸗ helme“ verlust erledigen wollten.“ Gegen einen so bestimmten Auftrag ließ sich kaum etwas einwenden, wie befremdlich es Bern⸗ hard auch erscheinen wollte, daß er auf diese Weise hinausgeschickt wurde. Er ging in sein unmittelbar zimmer, und er hatte die sehr einfache Berechnung, Person der 18 Jahre alten Dienstmagd Marie deren es bedurfte, schon nach zehn Minuten beendet. Als er wieder drinnen erschien, klärte sich das Rätsel auf, denn Bernhard erkannte sofort, daß in⸗ zwischen unter den drei Zurückgebliebenen von ihm die Rede gewesen sein mußte. Rodewald kam nämlich mit einem äußerst grimmigen Gesicht, daß sehr beängstigend gewesen wäre, wenn nicht aus den kleinen Fältchen den Augenwinkeln der Schalk hervorgelugt hätte, auf ihn zu und sagte mit erhobener Stimme: „Auf eine so hinterlistige Weise also hinter— gehen Sie das Vertrauen, das ich Ihnen entgegen- brachte, mein Herr? Versuchen Sie nicht, sich auf's Leugnen zu legnen; denn ich habe für Ihre Schuld zwei ganz unbestechliche Zeugen in diesen meinen leidlich scharfen Augen, und es würde mir bei der Oeffentlichkeit Ihres Vergehens wahrscheinlich nicht schwer fallen, noch ein paar Dutzend andere aufzu— treiben. Es war erst meine Absicht, mich auf fünf Schritte Barrière oder noch etwas weniger mit Ihnen zu schießen! Nur den Bitten dieses armen, verführten Opfers und der sehr warmen Fürsprache des Herrn Morris haben Sie es zu verdanken, wenn ich darauf verzichte und Ihnen überlasse, sich auf irgend eine andere Weise aus der Affaire zu ziehen. Heraus also mit der Sprache! Was wollen Sie thun, um mir Genugthuung zu gewähren, ohne die es nun einmal nicht abgehen kann?“ „Was ich thun will, Herr Rodewald?“ Ich will mich zu meiner Vertheidigung auf das unaufecht⸗ bare Gesetz berufen, daß der Bräutigam seine Braut küssen darf, wo immer sie selbst es ihm gestattet. Unter der Voraussetzung natürlich, daß Sie mir nicht etwa kraft Ihrer väterlichen Rechte verbieten wollen, Elisabeth meine Braut zu nennen.“ „Was soll ich wohl dagegen thun, wenn die am an das Kabinett des Chefs anstoßendes Arbeits- Ihr miteinander fertig werdet! Schließlich trage ich doch nur selber an dem ganzen Unglück die Schuld, denn ich war es ja, der den Besuch des Etablissements vorschlug, und auf mir ruht die Ver⸗ antwortung dafür, daß ich Euch miteinander allein ließ. Wer hätte aber auch ahnen können, daß sich nicht nur zwischen blühenden Fliedersträuchern, sondern auch zwischen Schmelzöfen und Dampf⸗ hämmern die Herzen dieses jungen Volkes finden können!“ Rodewald streckte dem Ingenieur seine Hand entgegen, und dieser ergriff sie mit mannhaftem Druck. „Ich danke Ihnen von Herzen, Herr Rodewald! Mein Leben wird fortan ausschließlich der Aufgabe gewidmet sein, Elisabeth glücklich zu machen. Unsere Herzen aber hat nicht erst der große Dampf— hammer zusammengeschmiedet, sondern sie gehörten längst zu einander, und selbst wenn Sie heute an der Fabrik vorübergefahren wären, hätten Sie sich wohl darin finden müssen, daß ich eines Tages im Herreuhause von Sandhofen erschienen wäre, um mir meine kleine Gefährtin aus dem Eisenbahn— koupee zu einer Reise abzuholen, die hoffentlich glücklicher enden wird, als unsere erste gemeinsame Fahrt.“ In der überschwänglichen Fülle seiner jungen Seligkeit hatte er nicht daran gedacht, daß die Erinnerung an die Katastrophe von Ragosewo den Vater der armen Hertha schmerzlich berühren müsse. Erst als er das plötzliche Erbleichen des alten Herrn und den veränderten Ausdruck seines eben noch so heiteren Antlitzes sah, erkannte er seinen Verstoß. Aber er konnte das unbedachte Wort nicht mehr unge- sprochen machen, und es war gut, daß sich eben jetzt Herr Morris erhob, um dem jungen Braut- meisten Beteiligte so wenig geneigt scheint, einen paare mit liebenswürdiger Herzlichkeit seine Glück⸗ Einspruch zu erheben. Seht meinetwegen zu, wie wüunsche auszusprechen. Das half ihnen über den kleinen peinlichen Zwischenfall hinweg, und nach Verlauf einiger Minuten erschien Rodewald auch wieder vollkommen gefaßt, wenngleich seine vorige Heiterkeit für die ganze weitere Dauer des Tages nicht mehr zurückkebren wollte. Als die beiden Verlobten für eine kurze Zeit mit einander allein waren, bat Elisabeth den Ge— liebten inständig, für die Zukunft auf das Sorg⸗ fältigste Alles zu vermeiden, wodurch ibr Wohl⸗ thäter an die schwersten Stunden seines Lebens ge— mahnt werden konnte. „Wie milde und gütig er auch immer gegen seine Untergebenen war“, sagte sie,„so habe ich doch während der ersten Jahre, die ich in Sand⸗ hofen zubrachte, niemals ein Lächeln auf seinem Autlitz gesehen. Es war ein Festtag für mich, als es zum ersten Male der Fall war. Aber auch jetzt genügt eine einzige ungeschickte Erwähnung der Katastrophe, um ihn für lange Zeit trübe und schweigsam zu machen. Ich glaube, es nagt ihm am Herzen, daß es trotz aller Nachforschungen nicht gelungen ist, den Urheber jenes schrecklichen Ereig— nisses ausfindig zu machen. Es ist ja jetzt allge⸗ mein der Glaube veebreitet. daß damals nicht ein unglücklicher Zufall vorgelegen habe, sondern daß ein Verbrechen verübt worden sei; aber mau hat nie eine Spur entdeckt, die auf die Person des Ver— brechers hinführen könnte. So wenig meines edlen Vaters Herz sonst auch im Stande sein mag, einen Meuschen zu hassen, diesen entsetzlichen Unbekannten haßt er jedenfalls mit leidenschaftlicher Glut, und er empfindet es schmerzlich als eine schwere Unge— rechtigkeit des Schicksals, daß der Mörder seines armen Kindes ohne eine irdische Strafe bleiben soll.“ (Fortsetzung folgt.) —— 77 Maurer- und Weißbinder-Sand .— . A. Ritzert, ein vormaliger Zögling Resigen Lehrerseminars und gegenwärtig zer an der Taubstummenanstalt zu Homberg . Efze. en Aus dem Kreise Alsfeld, 28. Dez. „Zu den gemeldeten Unfällen beim Holzmachen im Walde, deren einige tödlich verliefen, ist ein abermaliger Unfall zu reihen. Derselbe betraf den Holzmacher A. Müller aus Rainxod. Eine Birke, mit deren Fällen dieser beschäftigt war, fiel auf ihn, zerschmetterte ihm das Schlüssel⸗ bein und verletzte die Wirbelsäule. Der Ver⸗ unglückte wurde in die Klinik zu Gießen gebracht. Aus dem südlichen Vogelsgebirge, 28. Dez. Alljährlich, wenn in unserer sonst friedlichen Gegend die Jugend sich in den Spinn⸗ stuben bei Tanz und Trinkgelagen versammelt, kommen vielerorts auch gefährliche Messer⸗ stechereien vor. So wurde erst unlängst in dem hessischen Flecken Freiensteinau ein Bursche durch Messerstiche so schwer verletzt, daß er sich heute noch nicht von den Folgen erholt hat, und schon wieder hat sich in dem eine Stunde weiter östlich liegenden Dorfe Hintersteinau eine Messer⸗ affaire mit noch viel tragischerem Ausgang er— eignet. Dorten hat in der vorigen Nacht ein junger Bauernbursche Namens Kreß den Müller Georg Kempel erstochen und dessen Bruder Niko laus durch einen Stich in die Lunge lebensge⸗ fährlich verwundet. Kreß ist der Bruder von jenem jungen Bauern, der im verflossenen Sommer von seinen Pferden beim Fahren des Schafpferches zu Tode geschleift wurde. Der alte brave Vater ist durch das neue Unglück, das über ihn hereingebrochen ist, schwer bedrückt und es wird ihm von allen Seiten die aufrich⸗ tigste Teilnahme entgegengebracht. Der erstochene Georg Kempel war ein äußerst friedliebender Mann, der wohl nichts mehr verabscheute als Raufhändel. Er hatte noch am Nachmittag mit Kreß Karten gespielt und war in freundschaft⸗ lichster Weise von ihm geschieden. Spät Abends geleiteten er und sein Bruder einige Breiden⸗ bacher Burschen, die sie besucht hatten, zum Dorfe hinaus, wobei sie in Gemeinschaft mit diesen ein lustiges Lied anstimmten. Am Ende des Dorfes wurden sie aus einer Spinnstube heraus von anderen Burschen durch Verspottung herausge⸗ fordert, worauf sie diesen erwiderten, sie möchten nur herauskommen, wenn sie was wünschten, gingen aber ruhig ihres Weges. Währenddessen war auch wirklich der Kreß herausgekommen und hatte mit dem Nikolaus Kempel, der etwas zurückgeblieben war, einen Streit begonnen. Georg Kempel trat nun an den Kreß heran mit der Aufforderung, seinen Bruder freizugeben, erhielt aber in demselben Augenblick von diesem einen Stich ins Herz und brach, ohne noch einen Laut von sich zu geben, tot zusammen. Die Verwundung des Nikolaus Kempel ist ebenfalls so gefährlich, daß der Arzt wenig Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens hegt. Kreß hat die That am Bürgermeisteramt sofort eingestanden und ist bereits ins Amtsgerichtsgebäude zu * Aus der Wetterau, im Dezember. Die Kirche in Münzenberg ist ein wertvolles Baudenkmal aus verschiedenen Zeiten, der älteste Teil romanisch, die Hauptmasse Gotik des 14. Jahrhunderts, das Holzwerk im Schiff Re⸗ naissance. Die klassischen Formen waren aber seither mit banausischer„Weisheit“ verhüllt, Ecken und Kanten verstoßen, das Holzwerk morsch, Treppen und Fenster durch jahrhundertelangen Gebrauch defekt, die späteren Reparaturen und Einbauten liederlich gearbeitet, vieles geschmacklos und unpraktisch. Aus diesem Staub und Schmutz hat Herr Kirchenbaumeister Schwartze mit Genie und Hingebung neues prächtiges Leben hervorgezaubert. Und doch nichts Neues, sondern durch die Reparatur der Schäden und passende Farbengebung sind die alten Linien und Formen erst recht hervorgehoben und zur Wirkung gekommen. Der Schönheit und Soli⸗ dität ist in gleichem Maße Rechnung getragen. Neu sind der Tünch, die Treppen, vieles Holz⸗ werk und die Decke, ein imposantes Tonnen⸗ gewölbe. In keuschen Tönen ist Farbengebung und Dekoration gehalten(ausgeführt von Grüder in Frankfurt) und deshalb von der angenehmsten Wirkung. Reizend sind die neuen Fenster von Beiler in Heidelberg mit ihrem lieblichen Maß⸗ werk in Glasmalerei. Ein besonderer Schmuck verspricht die neue Orgel zu werden, von Link in Gingen, deren Prospekt vom Kirchenbau⸗ meister selbst entworfen wurde. Fügen wir noch hinzu die neue 1 und Beleuchtungsein⸗ richtung, aus den besten Quellen bezogen, die beide vorzüglich funktionieren, so müsfen wir sagen, die Gemeinde Münzenberg hat für ihre große Opferwilligkeit den schönsten Lohn erhalten, ein würdiges und schönes Gotteshaus. (D. Ztg.) Mainz, 29. Dez. Der Schulausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung das Gesuch des Mainzer Detaillisten-Vereins, von der unentgelt⸗ lichen Lieferung der Lernmittel au die Schüler der hiesigen Volksschule Abstand zu nehmen, ebenfalls einstimmig abgewiesen. Vermischtes. ganze Versammlung hört lautlos zu. Eine arme alte Mutter erzählt mit leisester Stimme ihren Nachbarn, Jourdain teile ihrem Zucker sein„Fluidum“ mit; sie werde ihn ihrem Sohne nach Madagaskar schicken, um ihn von seinem schweren Fieber zu heilen. Denn die neue Heilkraft hat den Vorteil, mit dem Zucker nach allen Enden der Welt versandt werden zu können. Jourdain ist ein ganz ungebildeter Bauer aus der Gegend von Chalons⸗sur⸗Marne, dem allerlei Formeln und Worte, die er gelesen oder irgendwie aufgeschnappt hat, geläufig ge⸗ worden sind. Während er mit dem Zucker hantiert, ruft er den Glauben durch den Geist Lamermais, die Hoff⸗ nung durch den Geist der heiligen Viktorina, die Liebe durch den Geist des heiligen Ludwig an. An den Mauern hängen Heiligenbilder, Zeugnisse, Zuschriften, besonders aber Sprüche jeder Herkunft, da ist die Rede von dem „Geist der Wahrheit“, von dem„Zweifel, der alle guten Gesinnungen verjagt“. Ein Zeugnis unter Glas bestätigt, Jourdain habe ein Mädchen binnen sechs Monaten von einer Verkalkung am Knöchel des rechten Fußes geheilt, nachdem die ersten Pariser Chirurgen() sich vergeblich an ihr abgemüht hätten. Endlich ist Jourdain mit seiner Fluideinflösung des Zuckers zu Ende. Er nimmt eine Zuckerdüte in die Hand, der Eigentümer tritt hervor. Jourdain fragt ihn aus, befühlt ihn, spricht ihm Mut zu, giebt ihm die Düte, während er mit der anderen Hand seine Gabe erhält. Jedermann giebt nach eigenem Ermessen, die meisten ein oder zwei, einige auch fünf Franken. Jourdain hat auch einen Neffen, der nach seinem Beispiel ebenfalls eine Heilkraft in sich entdeckt hat und ihn öfter vertritt. Es giebt jetzt in Paris der„Voss. Ztg.“ zufolge min⸗ destens zweihuneert solcher Wunderheiler, die durch Fluidum und Aehnliches alle Leiden und Gebrechen ver⸗ schwinden machen. Darunter auch den Zuaven Jakob, der seit Anfang der sechziger Jahre dort weilt, eine Zeit⸗ schrift herausgiebt und eine Zeit lang in Aller Munde war. Jetzt wird eine Frau angekündigt, die alles mit Glycerin heilen will. Sie wurde sich ihrer Heilkraft bewußt, als das Wasser, in dem sie ihre Hände wusch, sich in Glyrerin verwandelte! Und dabei leben nahezu dreitausend Aerzte und tausend Apotheker in Paris, von denen manche wenig zu thun haben, während sich die Heilbedürftigen bei den Wundermännern drängen. — Die Frauen und der Tabak. Die Frau als Raucherin war einst ein undenkbarer Begriff. Einst: die Zeit ist nun vorüber. Von der Kaiserin von Oester⸗ reich wird berichtet, daß sie täglich 30—40 Cigaretten rauche. Auch die verwitwete Kaiserin von Rußland hat für das zierliche, papierumhüllte Ding eine besondere Vorliebe— aber nur in ihren Privatgemächern. Zu — Pariser Heilschwindel. Paris hat einen Wunderheiler mehr. Dieser, Jourdain mit Namen, wohnt jenseits des Montmartre, in der Rue Dondeaubille, Seine Wohnung braucht man nicht näher zu erfragen, die Masse der Gichtbrüchigen, Lahmen, Buckligen, Ab⸗ gemagerten und soustigen Leidenden, die sich vor seinem Hause drängen, läßt Einen nicht fehlgehen. Jeder ist an dem Pfund Zucker noch besonders erkenntlich, das er bei sich trägt, denn Jourdain hat wirklich etwas neues auf dem Gebiete der Wunderheilungen erfunden, indem er sie mit Zucker vollbringt. Ueber der Thür ist nur der Name Jourdain zu lesen; in dem ziemlich großen Zimmer rundum Holzbänke, auf denen dicht gedrängt etliche fünfzig Heilsuchende jeden Alters und Geschlechts sitzen. Meist sehen sie arm oder doch wenig wohlhabend aus. In der Mitte ein Ofen, daneben zwei andere Bänke. Auf der einen liegt der Zucker in offenen Düten, auf der anderen sitzt der greisenhafte Jourdain rittlings, breitet die Zucker⸗ stücke auf der Bank aus, läßt sie durch seine Finger Schlüchtern eingeliefert worden. gleiten, indem er Wundersprüche dazu murmelt. Die den gekrönten Cigarettenraucherinnen zählen auch die Königin von Rumänien, die Königin⸗Regentin von Spanien, Königin Amalie von Portugal und die schöne Gemahlin König Humberts, Marghuerita von Italien. Diese hohen Damen haben den Zorn der französtschen„Gesellsch aft gegen den Mißbrauch des Tabaks“ heraufbeschworen. Die Gesellschaft behauptet, daß die König innen nicht nur ihre eigene Gesundheit ruinieren, sondern auch Gefahr laufen, das Geschick der unglücklichen Prinzessin Mathilde von Oesterreich, der Tochter des Erzherzogs Albrecht, zu teilen, die, von ihrem Vater überrascht, die brennende Cigarette in die Tasche ihres Tüllkleides steckte, das sofort Feuer fing und das junge, blühende Mädchen mit tod⸗ bringenden Flammen umhüllte. Kirehliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche: Donnerstag: 31. Dezember. Sylvester. Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Abends 6 .. ⁰ m Holppersteigerung e im Gießener Stadtwald. Montag, den 1. Jan. 1897, vorm. 9½ Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadt— wald, im Distrikt„Neuhege“ versteigert werden: 147 Kiefern⸗ und Fichtenstämme mit 62,85 Fstmtr., 54 Fichtenstangen mit 6,33 Fstmtr., 9 Rmtr. Eichenscheitholz, 123 Nel„ 39„ Eichenknüppelholz, „ Nadel⸗„ 48„ Eichenstockholz, Nie„ 1770 Wellen Eichenreisig, 2210„ Nagdelreisig. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße am Waldeingang. Gießen, den 28. Dezember 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Weißer Streusand, kann zu jeder Tageszeit bei mir abgeholt und auch geliefert werden, bei guter Abfahrt zu billigen Preisen. 1843 Fr. Aug. MHelfenbein, Gießener Noresei (Karneval-Verein). abends präzis 3 Uhr 11 Minuten Erste diesjährige Kappen-Sitzung mit Damen. Entree frei! 11 Minuten, im neuen, närrisch dekorierten Saale der Restauration Liebigshöhe Erste große närrische Damensitzung mit darauffolgendem W BALL. Entree 20 Pfennig. Kinder unter 11 Jahren frei. NB. Es wird noch besonders auf ein hochinteressantes Lokolprotokoll, wie auf ein streng dezentes Familienprogramm aufmerksam gemacht. Die Kurkosten für Zwergfellrisse, die durch Lachen etwa eutstehen sollten, trägt Se. närrische Hoheit Prinz Karneval. Das närrische Ninisterium der Gießener Floresei. Diehs d wohl Freitag, den 1. Jan.(Neujahrstag) in der Restauration zum Schipkapass Freunde des Vereins nebst Damen willkommen. Sonntag, den 3. Januar 1897, nachmittags präzis A uhr Ifand 2 Ur 1859 Gäcker-Verein„2rühauf“. Donnerstag, den 31. Dezember: 15 Sylvester- im Saale des Case Leib. Herrenkarten im Vorverkauf 4/75 Bahnhofstraße und bei Herrn Wahl-Neustadt zu haben. Abends an der Kasse à 1 J Damen ohne Karte haben keinen Zutritt. 9 In der Johanneskirche: N Donnerstag, den 31. Dezember. Sylv ester. 8 Uhr: Pfarrer Dr. Dingeldey. 5 In der Stadtkirche. Freitag, 1. Januar 1897. Neujahr. Vormittag Uhr: Pfarrer Schlosser. ö Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Koll. die Armen. 0 5 In der Johanneskirche. g Freitag, 1. Januar 1897. Neujahr. Vormittag Uhr: Pfarrer Dr. Na um ann. Abends 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kollekte die Armen. In der Stadtkirche. 2 3. Januar. Sonntag nach Neujahr, Ubr: Pfarrer Schlosser. Abends 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Abends 6/ Uhr findet die Weihnachtsfeier der Ko mandenvereinigung der Matthäusgemeinde in Herberge statt. 2 Donnerstag, 7. Januar, Abends 8 Uhr im Konfirma 5 saal, Neustadt 61, Missionsstunde: Pan Schloss er. 1 In der Johanneskirche. 2 Sonntag nach Neujahr, 3. Januar. 1 Uhr; Pfarrer Dr. Nau mann. Abends 5 Uhr: Siehe Stadtkirche. 5 Montag, 4. Januar, Abends 8 Uhr Bibelstunde Konfirmandensaal der Johanneskirche, Bergpred Matth. Kapitel 5, Vers 33 u. ff. Pfarrer Dingelde Am Sonntag, 10. Januar, 1. nach Epiphanias, a am Landesmissionsfest, wird eine Kollekte für 9 Heiden mission erhoben werden. 5 Briefkasten. W. in Heuchelheim. Ihre Einsendung ist Veröffentlichung nicht geeignet. 1 Neueste Telegramme. 1 Hd. Budapest, 30. Dez. Dr. Ko rotnai wurde wegen Berau bun einer Patientin nach dere Tode zu drei Jahren 6 äng nis verurteilt. 1 „Hd. Paris, 30. Dezember. Die gester mit dem Postdampfer„Pinho“ eingetroffen Nachrichten melden eine bedeutende Besse rung der Lage anf Madagaskar. 2 Aufruhr verliere täglich an Boden. Hd. Paris, 30. Dezember. In Kanonenfabrik zu Bourge wird die Anfertigung neue Schnellfeuergeschütze mit grö tem Eifer betrieben. Hd. Athen, 30. Dezember. Ein schwer in Bhotien erheblich Gewitter richtete Schaden an. 7 J Hd. Belgrad, 30. Dezember. Simitse hat bereits folgendes Kabinett gebil de Simitsch Vorsitz und Aeußeres, Georgie witsch Inneres, General Mis kovitsch Kei Milovanovitsch Justiz, Nikolitsch Unte richt, Wehmirovitsch öffentliche Arbeiten Wuitsch Finanzen. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Red teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gieß Bal Anfang 8 Unt ——— Pfg. sind bei Herrn Friseur Rottman Der Vorstand. 1 3 — Feine Biere. a Vorzügl. Mittagessen 8 von 60 Pfg. und höhe. xx 150 Restauration Mühleissen. Brandgasse 3 1 Warmes Frühstäek. 5 Relehhaltige Abhendplatten. 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Scheel und Rechts⸗ anwalt Wagner. Ferner wurde ein geschäfts⸗ ö führender Ausschuß, dessen Vorsitzender Ober⸗ bhürgermeister Gnauth ist, aus folgenden Herren gebildet: Beigeordneter Wolff, Stadtv. Kirch, Stadtv. Haubach, Landtagsabg. Rechtsanwalt Metz, der Vorsitzende des Turnvereins, Her— bert, der Vorsitzende des Gesangvereins„Sänger⸗ krauz“, Berg. Es wurde beschlossen, die eigent⸗ 8 5 5 2 8 teilung für Schulangelegenheiten, hat an die liche Feier auf den Sonntag, den 19. Januar, Direktionen der Gymnasien, Realgymna⸗ zu verlegen, der geschäftsführende Ausschuß beauf⸗ sten, Realschulen, höheren Mädchenschulen, tragt, die nötigen Arrangements zu treffen. i Schullehrerseminarien, Taubstummenanstalten „Gießen, 30. Dez: und der Blindenanstalt, sowie die Großherzog⸗ Heute Abend tagte im „Einhorn Hotel das Comitee zur Errichtung lichen Kreisschulkommissionen folgendes Aus— eines Kriegerdenkmals. Das Ergebnis der schreiben 1 5 1 solg 8 Sammlungen für diesen Zweck soll bis jetzt Am 18. Januar 1896 werden fünfund— Mk. 17000 betragen. 1* Gießen, 31. Dez. Wie der sogen. Volks- 0 wohlstand aussieht, geht recht klar aus fol⸗ gender Aufstellung der„Centralstelle für die hessische Landesstatistik“ hervor. Darnach sollten im Großherzogtum im Jahre 1893/94 in 2588 001 verschiedenen Posten in Summa Mark 3989 717 an direkten Steuern erhoben werden und zwar einschließlich der Rückstände aus frühe— ren Jahren. Von dieser Summe blieben jedoch 278 126 Posten im Betrag von Mk. 1355 453 vückständig. Wie sich die bezügl. Verhältnisse zwanzig Jahre seit der Kaiserprokla— mation in Versailles verflossen sein. Wir halten es für angemessen, daß die gesammte Schuljugend des Landes diesen vaterländischen Gedenktag mit ihren Lehrern festlich begeht und dabei in geeigneter Weise über die Segnungen belehrt wird, die dem deutschen Volke aus der Begründung seiner Einheit und der Aufrichtung des Reiches erwachsen sind. Sie wollen deshalb in den Ihnen unterstellten Schulen für den 18. Januar eine der Bedeutung ——ů— C 0 8 f und Würde des Tages entsprechende Schulfeier 1 Mader ObereiunchmereL-(Gie Ben- gestalteten, wollen RE 9 e . N b 1 2„ r%%% 14 15 8 6 8 2 9 0 5 3 An erzegen Wegangs, Lovessuue voer anungrr bird: Ii einer an 27. Dezember in der 5 5 5 l 1 5⁴⁰ 1 8„Stadt Pfungstadt“ stattgehabten Versammlung 8 sellang 955 1 1 Here* 1 alu ung gg kleine wurde ein Komitee zur Veranstaltung einer all- 0 stellung recht lehrreich. Verhältnißmäßig e . g 2 gemeinen Feier des 18. Januar 1896 und zu dessen Vorsitzenden Herr Oberbürgermeister Morneweg gewählt. Die Feier soll am Abend Summen sind es nur, die die Leute aus großer Not schuldig bleiben und dafür die häufigen Be⸗ suche der Gerichtsvollzieher empfangen müssen. Hewiß würden sie sich gern den Pfändungen utziehen, wenn sie könnten. Wenn aber Tausende nicht einmal im Stande sind, die nur derhältnißmäßig niedrigen directen Steuern i zahlen, so u ist es um so ungerechter, Kaffee derart verbrüht, daß man das demselben Armen an indirecten Steuern Schlimmste befürchtet.— Einem in der Offen⸗ boch viel mehr abz unehmen.(Vergl. unsere bacher Gasanstalt beschäftigten Arbeiter platzte dotiz„H. Aus Hessen.“) eine Ader des einen Beines. Der Blutverlust Gießen. Die auf Montag Abend in den war alsbald ein so starker, daß der Mann mittels Postkeller“ vom Kaufmännischen Verein einbe- einer Droschke in seine Wohnung verbracht werden zufene öffentliche Versammlung war nicht so stattfinden. R. Aus Hessen, 31. Dez. Am zweiter sieben Monate altes Kind durch kochenden 5 3 PF mußte.— Der Maurergeselle Wörtche aus Groß⸗ 0 5 nnannalnnaamlunanunun Hämmer, zusammen?— Beklagter: Aus die Frage sehe ick schon, daß ick hier erscht een öffentlichet Jeheimnis aufdecken muß. Sehen Se, Herr Jerichtsrat, der Kläjer is nämlich jrade so'n Komponiste, wie Sie eener sind, viel⸗ leicht noch wen'jer. Koofmich is er, Jeschäftsfritze, Stadt⸗ reisender für Band, Kuöppe, Litzen und Borten bei brieder Löwe. Nebenbei klimpert er auf det Pimpanino, wat ihn so jrade von andere Melodien infällt un det hält er dann for'ne janz alleene ansjedachte Komposition.— Richter: Dann wundert es mich, daß Sie ihm die musi⸗ kalische Illustration eines von Ihnen verfaßten Stückes an⸗ vertraut hatten. Beklagter: Allmächtiger Jott; Irade det is ja det Jute. Wenn die Leute wat bekanntes hören, dann freuen Se sich desto forscher. Aber drann een Millionär werden wollte, det fand ick zu quatfch. — Richter: Er muß doch für Mühe und Arbeit ein Aequivalent erhalten;— Beklagter: Mühe und Arbeit? Allmächt'jer! hatten janz andere. Er mutzte sich Note für Note von' Kapellmeester uffetzen lassen. Nu sah det zu ulkig aus, wenn er uf'n Klafünf rumsuchte und der Kapellmeester mit'n Notenblatt in de Hand schrieb un lachte. Un ick lachte ooch, un der Direktor lachte ooch un wat sonst noch bei war un Fips ooch. Jebrijens hat er sein Jeld je— kriegt, wenn boch teilweise in kleenere Abzahlungen wie't heutzu⸗ tage bei den sojenannten wohlhabenden Bürjerstand alljemeenig⸗ lich Sitte is.— Richter: Wodurch eutstand der Streit?— Bekl.: Sehn' Se, nu kommen wir druf. Er schumpfte nämlich uff mir wie'n Rohrspatz, daß ick boch so'ne jewehnigliche Schmiersorte sein dhäte, und det ick'n Bedrieger bin un det det Stück, was meine Dichtung is, erscht durch seine scheene Musieke for't Publikum jenießbar is un mehr so'ne Jemeinheiten.— Richter: Daranfhin schlägt man doch nicht gleich?— Bekl.: J Jott bewahre, nich in de Hand. Dadrieber det die Musieke jut is, jebt es blos eene Stimme, und det is seine eine. Aber det Stücke, jroßartig Herr Jerichtsrat. Ick sage Ihn', kommen Se blos mal hin, ick wer Ihn' nachher een Freibuljet verehren, ick sage Ihn', Die des 18. oder 19. Januar im städtischen Saalbau nachten wat for de Ar Ne Fa;; f in ick mit'n jrößten Fracht vagen. M Weihnachtsfeiertag wurde in Offenbach ein ick mib irößten Fracht vagen. zu Neujahr rauskommt, bringt mir det lan ge 1 b Uebrijens lade ick det janze hochwohljeborne J„ fahren zu de Primjäre in.— Mit komischer za verläßt Was Berlin de n Gerichtssaal. Je⸗ det er ition: chloßgasse 13. us Mädchen unter⸗ in Liebes verhältnis in Otto Finger, aus der Elisabeth⸗ Verbindung der tern Fingers ihre sem Grunde wäre beinahe zu einem nen. Finger kaufte und brachte sie in nit. Diese redete elbstmord aus und in Heiligabend er— ur Bescheerung in en blieb bis 12 Uhr 5 seine Eltern im ing des Fräulein abzuholen, fanden u Feiertage nach— lte die Friseurin ze 23 ihre jüngere erhielt aber auf Sie ließ daher, rch einen Schlosser er als Leiche im der sie das Cyan⸗ if dem Tische vor ei Briefe, einer an dessen Eltern und Ihren Bräutigam n zu bleiben. Da en, so sei ihr das Eltern des Bräu— hon vor vierzehn terben können; sie res Geliebten nicht b nunmehr allein te Schwester bittet und den Schmerz Leiche wurde nicht Nied bis zur Beerdigung 3 in rel U 7 UAA der Wohnung. Kindermund. Die kleine ersten Male mit der Mutter das Theater besuchen. Als sie dort allerlei Fragen stellt, sagt die Mutter zu ihr:„Kind, man darf während der Vorstellung nicht sprechen.“„Aber Mama“, wirft die Kleine ein und zeigt auf die Bühne.„Die Leute da droben sprechen ja in Einem fork.“ Geretteter Knalleffekt. Regisseur(zum Direktor einer Schmiere):„Wir können den Helden in dem Stück doch nicht schießen lassen! Damals gab's ja noch gar kein Pulver!“ Direktor: „Das macht nichts! Wir lassen's ihn in einer Scene erfinden!“ Elise darf zum Letzte Telegramme. Hd. Wien, Reichskanzler Fürst Hohenlohe, welcher gestern Abend das Diner beim deutschen Botschafter, Grafen Eulenburg einnahm, verließ heute Morgen 3 Uhr Wien und fuhr mit dem Courierzug der Nordwestbahn nach Berlin zurück. 31. Dez. steins ist Hd. Paris, 31. Dez. Die Libre Parole behauptet, daß der Marine-Minister Lockroh mit⸗ schuldig an der Veröffentlichung der falschen Panamaliste in der France sei. Derselbe habe bezweckt, die Affaire Norton wieder auf das Tapet zu bringen. Hd. Triest, 31. Dez. Die Ankunft Hammer⸗ für heute früh signalisirt. Derselbe wird auf einem Lloyd⸗Dampfer hier eintreffen. Sie Iachen nich ichief un nucklia. Wiskeus- aum Sthrcin Hd Madrid, 31. Dez. Einem offiziellen m aus Kuba zufolge, haben die spani⸗ . ippen die Banden der Insurgenten unter 16 1 8 9 20 2 22 2 24 s jomez und Rodriguez verfolgt, das Lager rgenten eingenommen und diesen große 7 10 beigebracht. Das klingt sehr spanisch. öudon., 31. Dez. Nach Nachrichten aus Ve⸗ rscht unter der dortigen B völkerung andauernd 2 a 2 8——— I- eische Stimmung. Der Peäsident erklärte offi⸗ bin keen Freund von't Unjesetzliche, dadrum laugte ich ihm ziell, das Land sei völlig kriegsbereit und der Krieg könne e Nu denken Se mal an, fordert mir nu der uf zu'n schon morgen beginnen. a S richter, ick wer' mir doch mit so'n Musikkomm is Hd. Ro m, 31. Dez. Die Nachricht, daß König Me⸗ nich hinstelleu.— Richter: Das hätten Sie schon thun nelik zu sehr günstigen Bedingungen mit den Italienern sollen, es wäre besser gewes Bekl.: Na, hätten Sie einen Frieden ertrag schließen will, wird bestätigt. Me⸗ es verleicht andersch je Ick will ja jerue zu Weih⸗ nelik will jedo durchans seine Unabhängigkeit bewahren. Armen jeben, schon vor Freude, det Welchen Entschluß die italienische Regierung diesem An⸗ die Knallschote gesessen hat. Der Beklagt wird zu trage gegenüber fassen wird, ist noch unbestimmt. Jeden— 1 fünf Mark Geldstrafe verurteilt. Bei 1 85 Zahle falls werden die Truppensendungen fortgesetzt und sollen u nächstet Stücke, wat 5 1 noch weitere 10 000 Mann abgehen. — ges Neujahrs wegen erscheint e 875 25 5 e nächste Aummer erst am Donnerstag. . 52 ö—— Vermischtes. 8 i Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ Aus unglücklicher Liebe hat sich in dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann, die 25 jährige Stickerin Emma Eckart beide in Gießen. a 9 er n fut e fas 0 unde sägpreh Agel, Anias,, für h 1 10 k. K bun pere fan 11 gel troffen Be Rr. l. In d 1g. eu ö 910 hen cheblih * imith bild“ eorg ch Ki ö ch U iten 1.. 10 — 0 U N — —