Gießen, Dienstag, den 30. Juni 1896. 0 . f Ausgabe l Gießen. deszeikun Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die ZJspaltige Petitzeile. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Die Viehmarktfrage oͤffentlicher Bürgerver— sammlung. Gießen, 29. Juni. Seit Jahr und Tag hat kein kommunales Süiguis auch nur annähernd eine solche Er⸗ Aung in der Bürgerschaft,— man kann sogar (hemieiner sagen,— in der Bevölkerung unserer Sidt hervorgerufen, wie der am 18. ds. in der Sadtverordneten⸗Versammlung betreffs der Wer⸗ ung des Viehmarktes gefaßte Beschluß. dem Augenblicke an, wo das verhängnis— Abstimmungsresultat allgemein bekannt ide, gab es keine Tages⸗ und Abendstunde, der jener Beschluß nicht von Hunderten sorgen— besprochen, kritisirt und verworfen wurde. entrückt sind den alltäglichen Mühen und die gern von Ihrem Geldschrank heruntergetragen der unbedingten Sicherheit ihrer materiellen süstenz, über die„spießbürgerlichen“ Schmerzen spötteln belieben, widmete man einige Minuten 5 kostbaren Zeit der Erörterung, ob die Ver— gung angebracht wäre oder nicht. In diesen isen fanden sich, nachdem statt der Gründe wistenteils Phrasen gewechselt worden, die dheunde der Verlegung; in diesen Kreisen und in in diesen fand die Stellungnahme der fünf⸗ Meer, n Stadtverordneten Billigung und Auerken⸗ mung.“ Uns dünkt, den fünfzehn Herren müßte Halls und in dem Maße, wie sie selbst von nrmem sozialen Empfinden beseelt sind, kalt ud frostig zu Sinne werden in der ausschließ⸗ hen enn unserer Großbourgeoise und des heren Beamtentums. Wenn sie sich hätten erwärmen wollen, sie itten in der Versammlung am Samstag 0 0 hend im Saale des Cafe Leib Gelegen⸗ E- 880 teagenug dazu erhalten. Indessen Alle, 55 le fehlten. Nicht ein Einziger hatte es mäfigung, it nötig gehalten, den Bürgern, ihren Wählern ich zu bethelge A zffentlicher Versammlung Rede und Antwort bis zum 4, J. i stehen und die Gründe zu entwickeln, die sie . im 18. ds. veranlaßt hatten für die Verlegung tand. i stimmen. Ein solches Verhalten ist nicht nur ung des Wa kann thun und lassen was ich will und neten iin niemand Rechenschaft schuldig!“ Das wollen bir doch nicht hoffen! Dergleichen kann im kegeichnend, ist nicht nur charakteristisch; es muß e innerhalb der Schlagbäume eit“. dus, der den einzigen Paragraphen seiner Ver⸗ sssung dahin selbst niederschreibt:„Ich bin uch entschieden verurteilt werden. Oder ehen jene fünfzehn Herren— was wir zu ihrer endaler Anschauungen auch heute noch wohl urkommen; auf Gießens Boden, der durch⸗ mittelalterliche konservirte Pflanze nicht gedeihen. Wahrscheinlich haben sich diese fünfzehn Herren gesagt, die Versammlung würde von lauter Geg⸗ nern der Versammlung besucht; da„nütze“ es doch nichts, wenn die für die Verlegung sprechenden Gründe entwickelt würden, denn von den Ver⸗ sammlungsbesuchern ließe sich sicherlich Niemand von dem Gegenteil überzeugen. Diese Entschul⸗ digung ist so billig wie sie nicht stichhaltig ist. Hat man eine Ueberzeugung, besitzt man aus⸗ schlaggebende Gründe— und von der Mehr- zahl der fünfzehn Herren müssen wir das an⸗ nehmen— so ist man als gewählter Vertreter der Bürgerschaft verpflichtet, sie auszusprechen, gleichgültig ob es Erfolg hat oder nicht. Wir kämen herrlich weit, wenn unsere Erwählten, gleichgültig welcher Gattung, nur dann erscheinen und den Mund aufmachen wollten, wenn fie des Erfolges sicher wären. Nicht um den Er⸗ folg oder Nichterfolg dreht es sich son— dernzum die Verpflichtung, sich, zu ver⸗ antworten und zu rechtfertigen für das, was zu thun man für gut befunden hat. Die fünfzehn Herren haben„das bessere Teil der Tapferkeit gewählt und die Bürgerschaft wird es in treuem Gedächtnis behalten. ** Nachdem wir uns im Vorstehenden mit einigen Abwesenden beschäftigt haben, geben wir nun⸗ mehr das Wort unserem Herrn Berichterstatter, der die Reden und Aussprüche der Anwesenden wie folgt skizzirt hat: Die außerordentlich stark besuchte Versamm— lung wurde Abends gegen 9 Uhr durch das Kommissions Mitglied, Hrn. Fabrikanten Hanau, eröffnet. Die Bureauwahl erledigte sich dadurch, daß dem genannten Herrn der Vorsitz über— tragen wurde. Herr Hanau begrüßte die Er⸗ schienenen und erteilte dem Herrn Ad. Bieler das Wort zum Referate. Derselbe führte etwa folgendes aus: Die Frage der Verlegung des Viehmarktes ist eine alte. Schon seit Jahren ist sich an maßgebender Stelle vielfach damit be⸗ schäftigt worden. Eine vor Jahren von Großviehhändlern eingereichte Petition war die erste Veranlassung, dieser Frage näher zu treten. Diese Petition war damals von 53 auswärtigen Händlern und nur 2 Gieße⸗ ner In teressenten unterzeichnet. Die Stadtverordneten faßten jedoch den Beschluß, diese Angelegenheit nicht ins Auge zu fassen, vielmehr zunächst die Bahnhofsfrage zu erledigen. Damals wäre es geeignete Zeit gewesen, den Viehmarkt hinter das Schlachthaus zu verlegen. Wäre die Frage s. Z. nach dieser Richtung hin erledigt worden, brauchte heute kein Wort mehr über den Viehmarkt verloren zu werden. In der Neustadt erweckte es eine gewisse Be⸗ unruhigung, als die Anzeichen betr. Verlegung des Viehmarktes zutage traten. Daß diese Be⸗ unruhigung berechtigt war, hat die Stadtver⸗ die nötigen Schritte that und mit den städtischen Behörden verhandelte. Man wirkte dahin, den Viehmarkt nicht hinter die Bahnhöfe, sondern hinter das Schlachthaus zu verlegen. Die Not— wendigkeit eines Schienengeleises konnte man nicht anerkennen. Nachdem unn auch dann später die Bürgerschaft in einer Petition mit 1700 Unterschriften Stellung genommen, hätte man er⸗ warten dürfen, daß es anders gekommen wäre. Aber man hatte sich getäuscht. Von 29 Stimmen seien 15 für, 14 gegen die Verlegung des Viehmarktes abgegeben worden. Die Petition sei unbeachtet gelassen, die in derselben angeführten Gründe habe man nicht als vollwichtige ansehen wollen. Die Kommission habe es daher für nötig gehalten, eine öffentliche Bügerversammlung anzuberau men und den Dank dafür erblicke sie in dem zahl— reichen Erscheinen.(Großer Beifall). Zu obigeu Ausführungen fügte sodaun Redner noch hinzu, daß der Stadtverordneteu-Versamm⸗ lungsbeschluß angefochten werden könne. Die nach der hessischen Städteordnung inne zu haltende Vorschrift, daß nämlich den Stadtverordneten die Ladung zur Sitzung zwei volle Tage vorher eingehändigt werden muß, sei nicht eingehalten worden. Bei einer neuen Abstimmung seien die Aussichten andere, manche Stimme würde dann sicherlich nach einer audern Richtung abgegeben. Sodann nahm Herr Metzgerinnungsmeister Pirr das Wort und führte aus, daß der Zweck der Versammlung lediglich in der Beantwortung der Frage bestehe, ob man sich mit dem Stadtverodneten-Beschlusse über die eine so große Bedeutung in sich schließende Viehmarktfrage ein⸗ verstanden erklären wolle. Die Versammlung werde demselben ein entschiedenes„Nein!“ entgegen- sagen.(Bravo!) Daß der gegenwärtige Viehmarkt den heutigen Anforderungen nicht mehr entspreche, sei anzuer⸗ kennen, jedoch sei ein voller Beweis für die Unzuläng⸗ lichkeit des Marktplatzes noch nicht erbracht. Die Tiere würden zusammengepfercht, die Hälfte des Marktplatzes käme gar nicht mehr inbetracht, die Stände blieben un⸗ benutzt, trotzdem solche von der Veterinärpolizei vorge⸗ schrieben seien. Es sei nötig, daß hierin eine Aenderung eintrete und eine Marktordnung geschaffen werde. Die Frage, was dann eigentlich die hiesigen Märkte schädige, sei nach einer ganz andern Richtung zu beantworten. Von fachmännischer Seite sei ihm gesagt worden:„Wenn's die Gießener so fortmachen, ist der Markt in einem Jahre kaput!“ Hiermit seien die scharfen Kontrollvor⸗ schrften gemeint, die von den auswärtigen Vieh⸗ händlern gescheut würden. Ein Viehhändler aus dem Kreise Wetzlar, der in Oberhessen, Herborn und Wetzlar verkehrt, habe ihm erzählt, daß die dortigen Bestimmungen nicht so strenge seien. Es genüge dort die Vorlage eines Gesundheitsscheines. Vieh aus Preußen dürfe nicht aufgetrieben werden, was die Veranlassung sei, daß ca. 30 Handelsleute den Kirchhainer Markt besuchen. Daß durch solch außergewöhnliche Bestimmungen die Frequenz zurück⸗ gebracht werde, sei außer Frage. Der Hebel müsse da abgesetzt werden, wo es nötig sei. Hinter dem Schlachthaus, wo analog größeren Städten Vieh— hof und Schlachthaus zusammengelegt werden könnte, sei der richtige Platz für den Vieh- markt.(Bravo). Auch der Anschluß an den Bahnhof sei hier leicht herzustellen. Dann sei der Bürgerschaft ordneten⸗Versammlung ergeben. Zunächst wurde zlandpunkt eines— konstitutionellen Absolutis⸗ — hre nicht annehmen wollen— gar auf dem 12 ist vom freien Bürgersinu, wird diese eine Kommission aus 12 Herren gewählt, welche Rechnung getragen.(Anhaltender Beifall). Herr Kaufmann Werner führt aus, daß es nicht notwendig gewesen sei, diesen Keil in die Bürgschaft zu treiben. Man habe der Bequemlichkeit und dem Wohlbe⸗ finden einiger Personen, nicht aber deu Bürgern der Stadt gedient. Wahrscheinlich werde es unbequem empfunden, wenn ein Stadtverordneter auf die Neustadt ginge und auf ein Rindvieh stoße.(Heiterkeit!) Die Möglichkeit, den Beschluß der Stadtverordneter-Versammlung anzufechten, sei aus den in von Referenten bereits angeführten Gründen geboten. Man müsse dagegen protestieren, daß den Stadt⸗ verordneten die Möglichkeit genommen werde, sich bei einer solchen wichtigen Angelegenheit vorher mit ihren Wählern in's Einvernehmen zu setzen. Er empfehle, mit einer Massenpetition gegen den Stadtverordneten-Be⸗ schluß vorzugehen. Herr Stadtverordneter Schmall betont, daß bei der Abstimmung nur eine schwankenden Stimme die folgenschwere Wirkung gehabt habe. Gufe: Petri!) Dieser Beschluß der Stadtverordneten-Versamm⸗ lung rufe die Kritik der Steuerzahler hervor. Die Ver⸗ legung des Viehmarktes sei eine Schädigung der ganzen Stadt. Das zu einem Viehmarkt nötige Terrain sei hinter dem Schlachthause vorhanden, die bequeme Anlage eines Schienengeleises sei unbestritten. Man brauche kein Gelände zu kaufen. Die Herren Gegner seien mit aller⸗ lei Ausflüchte gekommen. Wenn man glaube, daß die Marktverlegung eine Steigerung des Bodenwertes hervor⸗ bringe, so sei dies ein gewaltiger Irrtum. Ob man sich die Erbauung eines Villenviertels hinter dem Schlacht⸗ hause gedachthabe, könne er nicht sagen.(Heiterkeit!) Wolle man etwa behaupten, daß die Grundstücke der inbetracht kom⸗ menden Stadtteile nicht entwertet wünden und sei es etwa richtig, daß man den Bürgern aus ihren eigenen Säckefn Konkurrenz mache?(Lebhaftes Bravo!) Er resümiere sich dahin, daß gegen den Beschluß der Stadtver⸗ oroneten energisch Protest eingelegt und da⸗ hin gewirkt werden müsse, daß der Markt an einen Platz vorlegt werde, wohin er gehöre, nahe dem Zentrum der Stadt. SStürmischer Beifall.) Herr Eichenauer giebt sodann das Antwortschreiben der städtischen Behörde auf die s. Z. eingereichte Petition bekannt. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: Auf die unterm 19. v. Mts. uns überreichte Pe⸗ tition hiesiger Interessenten, die Verlegung des Vieh⸗ marktplatzes betreffend, eröffnen wir Ihnen hierdurch, daß die Stadtverordneten⸗Versammlung in ihrer Sitzung vom 18. d. Mts. beschlossen hat,„unter Verlegung des Schweinemarktes auf dem Platz hinter dem Schlachthaus das ganze, nach deu Projekt des Stadtbaumeisters zur Anlage öffentlicher Lagerplätze und Lagerhäuser und zur Verlegung des Viehmarktes erforderliche, Gelände dem⸗ nächst— nötigenfalls auf dem Wege der Enteignung — zu erwerben.“ Maßgebend für diesen Beschluß war im Wesentlichen wohl die Erwägung, daß 1) eine Verlegung der Groß⸗ viehmarktes demnächst ebenso wegen seiner derzeit unzu⸗ reichenden Verhältnisse wie mit Rücksicht auf die Lage der geplanten Kleinbahn aus dem Bieberthal sich als un⸗ umgänglich nötig erweisen wird, 2) eine solche aber nach der Natur des in Betracht kommenden Handels zweckmäßig im Anschluß an den künftigen Güterbahn⸗ hof und am Besten so zu erfolgen habe, daß die Gleis⸗ verbindung mit dem Letzteren wie die ganze Anordnung und Verwaltung gemeinsam mit der gleichzeitig in Aus⸗ sicht genommenen Aulage öffentlicher Lagerhäuser und Lagerplätze geschieht, 3) auch der Schweinemarkt für die Dauer nicht auf seiuer derzeitigen, den Ueberflutungen ni 9 Das blaue Herz. F Roman von Karl Ed. Klopfer. 1 ö(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Fremde hatte auf dem nächsten Frisiersessel 0 klatz genommen und nach einer Zeitung gegriffen, sse auf dem zweiten Spiegeltischchen gelegen; aber ir las nicht, sondern behielt hinter dem Blatte die bantierung Dingelmanns fortwährend im Auge: pie dieser die Flasch aus dem Schrank hervor—⸗ angte, sie auswickelete und den Inhalt auf einen Schwamm goß, mit dus Haar der moskierten Dame auftrug. Dias Haar erlitt unter dieser Prozedur wirklich ur eine ganz unwesentliche Veränderung, eine Er⸗ heihung des Goldglanzes, winkt sie allenfalls auch meibem fr. nittelst Pomade hätte bewi werden können. Auelier Als Dingelmann das Geschäft der„Färbung“ 5* tollendet hatte, ging er daran, dieses bewunderus⸗ Jacdn. 5 lu bert reiche ein Haar ein kunstvolle Phantasiefrisur olle ordnder die er sich zu dem ihm angedeuteten obern kostüm dee Dame extra ausgedacht hatte. Der Fremle legte indessen seine Zeitung weg, fand auf und langte nach der halbgeleerten Flaf the le der Frisuer llinter sich auf das Simsbrett des hatte. Er drehte sie spielend J 1 1 pteisel, Bchrankesdwmestt b unmandte und der vorgerückten Stunde wegen um e wischen heu Fingern, betrachtete sich die Gebrauchs- waweisung auf der Etikette und wollte sie dann wieden einstellen, während er sich nach dem Friseur⸗ 0 heschleunigung seines Kunstwerkes bat. Dabei ge⸗ Aurdete er sich aber so unachtsam, daß die Flasche ntpte, zu Buben stel und zerbrach. welchem er die Tinktur auf „Zum Henker!“ lachte er ärgerlich auf, während Dingelmann und die Dame ob dem Lärm erschreckt umsahen.„Das nenn' ich ungeschickt!— Aber lassen Sie sich nicht stören! Der kleine Unfall soll uns nicht auch noch aufhalten.“ Jetzt erschien Nazi doch wieder auf der Bild— fläche. Er hatte den ganzen Vorgang von seinem Observationsposten aus genau beobachtet und hielt es für seine Pflicht, ordnend einzugreifen. Während er mit dem Wischlappen den Boden reinigte und die Scherben auflas, bemerkte er, daß der eine Pelz— ärmel des Herrn durchnäßt war; die offengebliebene Flasche mußte im Umstürzen einen Teil ihres rest⸗ lichen Inhaltes darauf ergossen haben. Nazi eilte dienstbeflissen auf den Fremden zu, und da ihm im Augenblicke nichts Anderes zur Hand war, riß er sein Taschentuch heraus, den befleckten Rockärmel des Mannes abzutrocknen. „Erlauben Sie, mein Herr!“ Sie haben sich beschmutzt....“ „Ah, wahrhaftig! Danke, danke, mein junger Freund!“ Fünf Minuten später war Dingelmann fertig und nahm der Dame unter der üblichen Ehrfurchts— „bezeigung den übergeworfenen Frisiermantel ab. Da trat auch schon der Herr dazwischen, zog seiner Schwester mit galantem Eifer den zurückgeschlagenen Pelz wieder über die Schultern und reichte ihr zum Aufstehen die Hand, ihr abermals einige Worte i; der fremden Sprache zuflüsternd, die sie, wie bis⸗ her, nur mit einem stummen Neigen ihres Hauptes beantwortete. Sie hatte noch keine Silbe ge sprochen, und Nazis Sehnsucht, doch wenigstens die Stimme dieses„holden Rätsels“ vernehmen zu dürfen, sollte auch durchaus unerfüllt bleiben. Während die Dame das schwarze Spitzenfichu umwarf, das ihr als Kopfbedeckung diente, legte ihr Begleiter ein Zehnmarkstück auf den Rand des nächsten Marmortischchens, dem in Demut sterbenden Friseur mitz einer vornehm⸗gnädigen Geberde bedeutend, daß er nichts herauszugeben brauche. Dann empfing anch Nazi ein nach seinen Begriffen fürstliches Trinkgeld, was ihn vollends berauschte, nachdem schon der feine Duft des an ihm vorbei— streifenden Pelzmantels der„märchenhaften“ Mas- kierten eine ähnliche Wirkung auf ihn geäußert hatte. Er taumelte mehr als er ging, den Herr— schaften draußen den Wagenschlag zu öffnen. In seiner Extase, der umschwärmten Vermummten, in der er„ein Gebild aus Himmelshöhen“ vermutete, diesen letzten Dienst zu leisten, hätte er seinem Meister gewaltthätigen Widerstand entgegengesetzt, wenn er es selber hätte übernehmen wollen, der illustren Kundschaft beim Einsteigen behilflich zu sein. „Zum Hoftheater!“ rief der Herr dem Droschken⸗ kutscher zu— und Nazi war indessen so kühn, der Dame den Ellenbogen unter dem Mantel zu stützen, um ihr in's Innere des Wagens zu helfen, wobei er das Gefühl hatte, daß dies„der schönste Augen— blick seines Lebens“ sei. Freilich— als der Wagen um die Straßen— ecke bog und ihn die nüchterne Prosa durch Meister Dingelmanns Stimme von der Ladenthür her an⸗ fiel:„Na, wird's bald, Du Schafskopf?!“ da wurde er sich's unter einem elegischen Seufzer bewußt, daß diese aubetungswürdige Maske für immer aus seinem Gesichtskreis entschwunden sei, duß es Verrücktheit gewesen wäre, auf ein Wiedersehen zu hoffen oder gar auf eine Ent⸗ rätselung des sie umschwebenden, romantischen Geheimnisses. „Sie sind nach dem Hoftheater gefahren“, stotterte er drinnen, die Ladenthür hinter sich zu⸗ macheud.„Dort ist heute der Armenball, nicht wahr?“ „Ja, der alljährliche Eliteball mit Maskerade. Da geht's nobel her.— Aber jetzt mach' flink, Bursch'! Wir wollen doch endlich schließen; es ist gleich Elf.“ „Sofort, sofort!“ Statt aber seine Mütze zu nehmen und dem Meister zu folgen, umtänzelte Nazi den Stuhl, auf dem sein maskiertes Ideal gesessen hatte. Er glaubte den Platz noch immer von jenem feinen, unendlich süßen Dufte umgeben, der ihm mit dem eigentlichen Wesen seiner Märchenfee identisch war. „Was fällt Dir ein?“ zankte da jedoch aber— mals der gefühllose Prinzipal.„Zum Aufräumen hast Du wahrlich auch morgen Zeit im Ueberfluß. Marsch, lösch' das Licht aus, daß wir fortkommen!“, Nazi mußte gehorchen. Wenn es 8 was gab seine elegische Stimmung mit einem schwachen Schimmer von Befriedigung zu durchleuchten, so war es höchstens noch die beglückende Gewißheit, heut' Nacht von der Schönsten der Schönen zu träumen, von dem Engel, der seiner Meinung nach zur selben Zeit die Ballgesellschaft im Hof— theater in Entzückungsaufruhr versetzen mußte.(F. f.) durch die Lahn ausgesetzten, Stelle belassen werden kann und 4) für die Vereinigung desselben mit dem Groß⸗ viehmarkt keine erheblichen praktischen Gründe, wohl aber gegen eine Verlegung desselben an den Bahnhof die Natur des in Betracht kommenden Handels und die von Ihnen vertretenen Interessen sprechen. Wir hoffen, daß Sie sich bei ruhiger Abwägung aller in Betracht kommenden Einsicht nicht verschließen werden, daß der Beschluß der Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung den von Ihnen vertretenen Interessenten insoweit Rechnung getragen hat, als dies überhaupt mit dem öffentlichen Interesse vereinbar gewesen, ganz abgesehen davon, daß eine aus der Verlegung der Vieh⸗ märkte etwa erwachsende Entschädigung einzelner Stadt⸗ teile sicherlich ausgeglichen würde durch die Vorteile, welche jenen Stadtteilen gleichzeitig aus der erhöhten Zahl und Frequenz der Viehmärkte, aus der Verlegung des Güterbahnhofes auf die Westseite der Bahn und aus der Eröffnung der Kleinbahn Gießen— Bieber er⸗ wachsen werden. Gnauth, Oberbürgermeister. Herr Euler äußert sich bezüglich der Platzfragen im Sinne der Vorredner und teilt die ihm kund gegebene Ansicht des Herrn Professor Winkler mit, der gemeint habe, es sei unbegreiflich, daß der Platz hinter die Bahn⸗ höfe verlegt werden solle, wo doch auf dem alten Markt der nötige Raum zu veterinärpolizeilicher Kontrolle vor⸗ handen tei. Herr Schuhmachermeister Herbert führte aus, daß in der Stadtverordneten-Versammlung gesagt worden sei, did Neustadt würde durch Anlage der geplanten Neben⸗ bahn entschädigt. Indessen werde durch Verlegung des Viehmarkts nicht die Neustadt allein, sondern die ganze innere Stadt berührt. Er beantrage deswegen, daß die Versammlung, als Vertreter der ganzen inneren Stadt, Protest einlege.(Bravo!) Herr Rechtsanwalt Grünewald betont zunächst, daß er nicht mit dem Entschluß in die Versammlung gekommen sei, zu reden, da alle Gründe gegen die ge⸗ plante Marktverlegung schon in der Stadtverordnetensitzung vom 18. Juni vorgetragen worden seien. Nun werde er gebeten und gedrängt, über den heutigen Stand der Sache Einiges zu sagen, namentlich über die formelle Frage. Die Kommission habe, wie ihm mitgeteilt worden sei, Rekurs gegen den Gemeinderatsbeschluß erhoben, weil dem Abs 40 der Städteordnung nicht entsprochen sei. Er halte diese Anfechtung für aussichtsvoll, denn unter 2 freien Tagen verstehe das Gesetz nicht 2 mal 24 Stunden, sondern der Tag müsse als Zeiteinheit angesehen und es müßten 2 volle(Kalender-) Tage gefordert werden.— Der Zweck der Bestimmung sei klar: der Stadtverordnete soll Zeit haben, sich für die Sitzung vorzubereiten.— Die verspätete Einladung sei von ihm zu Beginn der Diskussion beanstandet worden, was übrigeus, da nicht alle Stadtverordneten anwesend gewesen seien, nicht einmal nötig war. Neuerdings werde, wenn Donnerstag Sitzung sei, schon am Montag eingeladen. Es frage sich: welche Aussichten bestehen hinsichtlich der Viehmarktverlegung, wenn eine nochmalige Abstimmung erzielt werde? Wenn man erwäge, daß einzelne Stadtverordnete bis zum Schlusse der Diskussion zweifelten, wie sie zu votieren hätten, wenn einer sogar bis zur Abstimmung deklarierter Gegner des Projekts war und erst in der Abstimmung sich durch die Majorität der vor ihm Ab⸗ stimmenden so imponieren ließ, daß er hurtig seine Ansicht änderte und für die Verlegung stimmte, wenn ein Anderer meinte, für ihn sei bestimmend, daß das Gelände am Seltersberg nicht wertvoller sei als hinterm Schlachthause — wenn man ferner bedenke, daß die weitaus größte Zahl der Anhänger des Projekts Gründe überhaupt nicht vorzubringen wüßten— wie sie auch heute nicht zur Stelle seien—, sondern nur durch Abstimmung ihre An⸗ sicht kundgab, dann dürfe man es nicht für hoffnungslos ansehen, durch das Gewicht der gegen das Projekt sprechen⸗ den Gründe vielleicht doch noch den einen oder den andern Stadtverordneten zu überzeugen. Ernst und loyal vorzugehen, empfehle er den Interessenten; nicht auf die Kundgebung der heutigen Versammlung, so imposant sie sei, ihre Arbeit zu beschränken, sondern wiederholt und ein gehend ihre Gründe der Behörde und der Stadtvertretung vorzutragen, müsse ihre Aufgabe sein. Die Bürger schaft stehe dabei fast ausnahmslos auf ihrer Seite in allen Kreisen; in allen Stadtteilen vernehme man nur Stimmen gegen das Projekt. Verkehrsver⸗ schiebungen bedingen stets die Verletzung von Einzelt⸗ interessen; wo sie notwendig stattfinden müßten, müßten die letzteren hintangesetzt werden— die Frage sei nur: ist hier die Verkehrsverschiebung notwendig, können die Vorteile einer besseren Etablierung des Marktes nicht auch am Schlachthause erzielt werden und ist deshalb die Schädigung der Stadt unvermeidlich? Diese Frage sei zu verneinen, es sei nichts vorgebracht worden gegen die wohlbegründete Ansicht, daß der Markt gerade so gut wie am Bahnhof— es sei recht weit bis zur Thom'schen Fabrik!— am Schlachthause eingerichtet werden könne. Das Projekt nehme nur Rücksicht auf die Großhändler, die demnächst aus dem Koupee steigen, wenn's hoch kommt, eine Tasse Kaffe trinken und wieder einsteigen— es erspare allerdings auch dem Marktvieh der Anblick des Schlachthauses, den es vielleicht peinlich empfinde, wenn es dort vorüber nach dem Marktplatze geführt werde.— Das Projekt bedinge nicht bloß eine Verschiebung, sondern direkt eine empfindliche Vermin⸗ derung des Verkehrs, das auswärtige Publikum werde an Marktlagen die Stadt nicht mehr berühren, es werde zwischensttininlinden und dem Bahnkörper seine Geschäfte besorgen; in allen Geschäften werde dies empfindlich be⸗ merkbar werden, auch die Krämermärkte würden veröden. Deshalb habe die gegen das Projekt sich richtende Agitation Anspruch auf Berücksichtigung derer, die zwar nicht Inte⸗ ressenten seien, die aber erkannt hätten, daß hier eine Gefahr für Handel und Wandel, für die Wohlfahrt unserer Stadt bestehe, und deshalb werde er, Redner, wenn er anch dieser Agitation fernstehe, nach wie vor dafür ein⸗ treten, daß eine bessere Einsicht sich Raum verschaffe und das Projekt zu Fall bringe.(Lebhaftes Bravo J) Herr Metzgerinnungsmeister Pirr führte dann aus, daß eine Protestresolution am Platze sei. Man suche möglichst die Viehmärkte zusammen zu legen und auch im vorliegenden Falle sei es das Zweckmäßigste, wenn der Schweinemarkt hinter das Schlachthaus verlegt würde. Der größte Fehler in Gießen sei, daß man den Bahnhof an der jetzigen Stelle anlegte. Redner brachte sodann die Resolution zur Verlesung. Dieselbe hat fol⸗ genden Wortlaut: Die Versammlung erkennt in der geplanten Ver⸗ legung der Viehmärkte auf dem Seltersberg, auf die Westseite der Main⸗Weser⸗Bahn eine schwere Schädigung nicht nur derjenigen Stadtteile, welche seither vom Marktverkehr direkt und vorzugsweise begünstigt war, sondern der ganzen Stadt. Die Versammlung vermißt alle triftigen Gründe, welche die Ueberzeugung von der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Ver⸗ legung darthun könnten. Der Platz am Schlachthause — zu Viehmarktszwecken bereits vor Jahren angekauft, — ist geeignet und kaum zweckmäßig allen sanitären Anforderungen entsprechend hergerichtet werden. Mittels der bisherigen Lahnbrück, welche ohnehin durch die Biborthalbahn eine Verbreitung erfahren muß oder auf andere leicht auszuführeude Weise ist ohne allzu er⸗ heblichen Kosten die notwendige Verbindung mit der neuen Gaumstraße resp. dem Güterbahnhofe herbeizu⸗ Die Versammlung ist der Ansicht, daß an den Märkteu die Stadt nur in dem Sinne Interesse hat, als sich durch sie der Verkehr, Handel und Wandel entwickelhu und heben läßt, daß sie aber aus sachlichem wie aus dem formellen Grunde, daß die bezügliche Sitzung nicht ordnungsmäßig be⸗ rufen war, anzufechken. Herr Wörner befürwortet die Annahme der Reso⸗ lution, es handle sich darum, daß das Interesse der ganzen Umgegend gewahrt werde. Herr Herbert billigt ebenfalls den Inhalt der Re⸗ solution und bittet um deren Annahme. Herr Löber wünscht, daß die Resolution angenommen werde. Es gelte jetzt, das Interesse der heimatlichen Scholle zu wahren. 5 Hierauf wurde die Protest⸗Reso⸗ lution per Akklamation einstim⸗ mig angenommen. Herr Herbert forderte die Versammlung auf, den⸗ jenigen Stadtverordneten, welche in jener Sitzung gegen die Verlegung des Viehmarktes gesprochen hätten, durch Erheben von den Sitzen zu danken. Dies geschieht. Herr Haubach führte noch aus, daß sich die Wähler in den Stadtverordneten-Versammlungen des Oefteren sehen lassen möchten und daß es besser gewesen wäre, wenn der bewußten Sitzung eine öffentliche Versammlung vorange⸗ gangen wäre, Herr Bieler entschuldigt, daß vorher keine öffent⸗ liche Bürgerversammlung abgehalten worden. Die Kom⸗ mission hätte eine solche bestimmt gehabt, jedoch sei die⸗ selbe aus gewissen, nicht mitzuteilenden Gründen un⸗ möglich gewesen. Hierauf wurde die Versammlung gegen halb 12 Uhr geschlossen. Soweit unser Bericht. Für die„Hess. Ldztg.“ ist die Viehmarktfrage damit nicht erledigt, sondern erst angeschnitten. Sie wird es sich zur Auf— gabe stellen, in Sonderartikeln das Projekt noch weiter zu erörtern, falsche Vorstellungen zu klären und haltlose Bedenken zu zerstreuen. Die Bürgerschaft mag überzeugt sein, daß sie die „Hess. Landeszeitung“ auf ihrer Seite finden wird. Lokales und Provinzielles. Gießen, 29. Juni. Von der außerordent⸗ lichen Beliebtheit, deren sich der so früh ver⸗ storbene Metzgermeister Johannes Klein in allen Kreisen unserer Stadt zu erfreuen hatte, legte die große Anzahl Leidtragende, die gestern seinem Sarge folgte, beredtes Zeugnis ab. Viel zu früh wurde der Wackere seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen, wie überhaupt der ganzen Bürgerschaft entrissen. Möge dem braven Mann, dem in allen Kreisen unserer Stadt ein dauerndes, 1 Gedächtnis gesichert ist, die Erde leicht ein. * Gießen, 29. Juni. Ein seltenes Exemplar, eine Fischotter von hellgelber Farbe wurde in der Lahn, nicht weit von Mar⸗ burg, gefangen. Herr Rauchwarenhäudler A. Kretzschmar dahier hat die Fischotter angekauft. * Gießen, 29. Juni. Im Stadtwalde an der Licherstraße bemerkten gestern Nachmittag 5 Uhr Spaziergänger einen Waldbrand, sahen auch zugleich zwei Schulknaben, die offenbar das Feuer angelegt hatten, eilig st die Flucht ergreifen. Das Feuer hatte fich bereits auf eine Fläche von ca. 30 Quadrat- meter ausgedehnt und wurde von einer Anzahl Leute, die Schippen und Hacken aus einem in der Nähe befindlichen Arbeitshäuschen entnahmen, gelöscht. * Gießen, 29. Juni. Die Gießener Turner, welche beim Gauturnfest in Büdingen beim Wettturnen so vorzüglich abgeschnitten, werden ihre Preisturner, welche heute Abend 7 Uhr 20 Minuten von Büdingen hier wieder eintreffen, am Bahnhof mit Nusiik in Em⸗ pfang uehmen. Auf Beschluß der Vorstände beider Vereine findet heute Abend in Röhrles Bierhalle ein Banket zu Ehren der mit Preisen ausgezeichneten Turner statt, zu dem auch die Bürgerschaft freundlichst eingeladen ist. * Gießen, 29. Juni. Die auswärtigen Gesangvereine des Lahnthal-Sängerbundes hiel⸗ ten gestern Vormittag in Gemeinschaft mit den beiden beteiligten Gießener Gesangvereinen und der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm ins Steins Garten eine General⸗ probe derjenigen Gesammtchöre, welche gelegent⸗ lich des am 12. Juli stattfindenden 21. Lahn⸗ thal-Sängerbundesfestes in Lich aufge⸗ führt werden sollen. Die Chöre gelangen teil⸗ weise vortrefflich. Auch das Programm ist unter die Sänger verteilt worden. Aus dem Inhalt desselben ist zu ersehen, daß auf dem Licher Ge⸗ fun est viel des Guten und Schönen geboten wird. * Bad Nauheim, 28. Juni. In der letzten Woche sind 858 Fremde(gegen 736 in der Parallelwoche des Vorjahres) angemeldet worden. Gesamtfrequenz bis 25. Juni ein⸗ schließlich 6727 Personen gegen 6123 Personen bis 27. Juni 1895. Bis 25. Juni l. J. wurden 66870 Bäder genommen, gegen 58 765 Bäder bis zu dem entsprechenden Tage des Vorjahres. Noch anwesend sind 3748 Personen. Der be⸗ rühmte holländische General Deicherhoff, Gou— verneur von Adjeh, ist im Anfang der Woche hier angelangt und hat im Hotel Bristol Woh— nung genommen. * Büdingen, 28. Juni. Gestern Vormittag verunglücktte hier der stud. Funke von Marburg. Derselbe war nach hier gekommen und befaßte sich zu seinem Vergnügen damit, bei der Anlage der elektrischen Beleuchtung auf dem Festplatz zu helfen. Er stand hoch oben auf dem als Eingang zum Festplatz in Holz nachgebildeten Jerusalemer Thor, um die Leitungsdrähte zu befestigen, da brach unter ihm ein Brett und stürzte in die Tiefe, sich dabei erhebliche Ver⸗ letzungen zuziehend. Der Verletzte wurde, nachdem ein Notverband angelegt, sofort nach Gießen in die Klinik geschafft. * Mainz, 28. Juni. Der einzige über⸗ lebende Passagier des gescheiterten Schiffes „Drummond Castle“, Herr Marquart, teilte dieser Tage seiner hier wohnhaften Mutter mit, daß er sich verhältnismäßig wohl befinde und in kurzer Zeit nach Mainz kommen würde, um seine Mutter zu besuchen. Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde. Taufen. Den 21. Juni. Dem Diener Theodor Philipp Klös eine Tochter, Else Antonie Louise Margarathe, geb. den 12. Mai. Trauungen. Am 25. Juni. Emil Ludwig Dörr, Spenglermeister zu Gießen und Susanne Elisabethe Pfeiffer, Tochter von dem verstorbenen Leinweber Johann Heinrich Pfeiffer zu Großen⸗Buseck. Denselben. Ludwig Wilhelm Hilgardt, Kaufmann zu Gießen und Bertha Ottilie Harnickel zu Hersfeld. Beerdigte. Am 21. Juni. Margarethe Kümmel, geb. Becker, Ehefrau von dem Schutzmann Ludwig Kümmel, 36 Jahre alt, starb den 20. Juni. f Am 23. Juni. Elisabethe Röder, geb. Herzberger, Wittwe des verstorbenen Taglöhners Johannes Röder, 80 Jahre alt, starb den 22. Juni. Denselben. Karl August Hermann Fuhr, Sohn von dem Schuhmachermeister Martin Fuhr und von seiner Ehefrau Johannette geb. Koch, 30 Jahre alt, starb den 22. Juni. Marcusgemeinde. Taufen. Am 25. Mai. ein Sohn, Ernst Rudolf Wilhelm, geb. den 3. Juni. Lukas gemeinde. Taufen. Am 21. Juni. Dem Gärtner Viktor Pechthold ein 95 Dem Fabrikarbeiter Karl Repp ein Sohn, Sohn, Berthold Bruno Karl, geboren den 28. Mai. Dienselben. Karl Heinrich, geboren den 16. Mai. Emma, geboren den 6. Juni. Johannesgemeinde. 14 Taufen. Am 21. Juni. Trauungen. Den 24. Juni. Georg Paulus Glungler, Cigarren⸗ händler in Frankfurt a. M. und Maria Dorothea Herbert, Tochter des Küfers Karl Herbert zu Gießen. Beerdigte. Den 22. Juni. Karl Kluge, Musiker, 58 Jahre alt, astrb den 20. Juni. Neueste Telegramme. Hd. Straßburg, 29. Juni. ren verlief glänzend. In dem Erster, Zweiter, Lanfranchi als Dritter. dem Vorgabe Fahren für Elsaß⸗Lolh ringen siegte der bekannte Wettfahrer Henri Jeannin. In dem Tandem⸗Fahren siegten die beiden Franzosen Bourillo und Reboul. Sie verbesserten den deutschen Rekord für 5000 Meter um 20 Sekunden. f Hd. Rom, 29. Juni. Im Vatikan wird dem katholisch⸗so zialen Kongreß, welcher vom 26. bis 28. August in Padua tagen wird, große Wichtigkeit beigelegt, der Kongreß wird das demokratische Werk, des im Jahre 1892 quß Anregung des Papstes in Genua stattgefunden christlich-sozialen Kongresses fortsetzen. 4 Hd. Bolonga, 29. Juni. In Gegenwe des Königspaares hat gestern die Enthüllung des Denkmals für Marco Minghot! stattgefunden. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. Bekanntmachung. Diejenigen Handwerker und Lieferanten, welche Arbeiten und Lieferungen für die Bauten des seitens der Stadt ausgeführten Kasernewents an der Grünbergerstraße ge— leistet haben, werden biermit aufgefordert, etwa noch rückständige Rechnungen,— bei Meidung des Ausschlusses nach erfolgter Ab— rechnung,— bis spätestens 10. Juli d. J. bei uns einzureichen. 7 Gießen, den 27. Juni 1896. Das Stadtbauamt. Schmandt. Städt. chlachthaus Freibank. Heute und morgen Ochsenfleisch nicht ladenrein, pro Pfund 50 Pfg. während der Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Krankheit, als auch bei unseres innigstgeliebten, unvergesslichen Herrn Johannes Klein sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden und allen Denjenigen, welche Demselben das letzte Geleit gaben, be- sonders aber Herrn Pfarrer Schlosser fürzlseine trostreichen Teilnahme sowohl dem Hinscheiden — 2 wir neben anderen Bieren Bier als ein Von jetzt ab bringen unseren auch orter in Flaschen zum Ver⸗ kauf und empfehlen dies Genuß⸗ und Stärkungsmittel ersten Ranges. Hat wenig Alkohol, da⸗ gegen hohen Malz- extrakt-Gehalt, fördert die Ernährung Worte und den Herren Postsekretär Meyer und Metzger- meister Pirr für ihre ehrenden Nachrufe, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. 849 Die trauernden lIinterbliebenen. In deren Namen: johannes Klein Witwe und Kinder. Friedrichsdorfer 3 Zwieback? hier zu haben. 8⁵0 Steinstrasse 78 (Ecke Schottstraße). Franz. 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Dem Pfarrer Dr. Friedrich Grein — Dem Tapezierer Wilhelm Schuldt f ein Sohn, Richard Friedrich Franz, geboren den 29 Febr. Das gestrige internationale Rad wettfah⸗ aupt fahren siegte Bourillon⸗Paris als“ Toni Reboul⸗Marseille 57 1 — uh das 1 item. üacturms icht h diuchturme 10 bang des Neue Denselben. 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