Ein Lütt einen Lehrmess altenen Bach Der intern igreß un ensdemonstraltg u Abgeordnech Jer, Molkeubuh dere erschieng Stunde. burg, Verantv. J. „Ottmann, bebe! 2 P. aus voller Viele Jahre 1 1 rnsse. hole — zh mein here meinem fr. 1 Atelier Nachm. 5 U olle üotugpl cparatur ein 2 + 1 Taschen ö 1, eine Las 3040 1 3 0,¼0% ö a8 0,0 4 10 Ubt ein goht 0 N eemäße als wohlwollende Anerkennung zu Teil werden b r ẽůùas-= nmꝶꝶf gm w „ fssen. Staat bedürftig sind, haben Sie durch die Bereitstellung 50 hhaftlicher Schulen, sowie in mehrfachen anderen Richtungen 1 1 ber Verwaltung in eine Hand der rascheren Entwickelung bes Straßenwesens zu dienen.“ hbundelte Frage der Verstaatlichung der Hessischen ile den Hochschulen, haben Sie dem Schulwesen, ins⸗ 1 drehte das zerknitterte Blättchen zwischen den Fingern, während sich sein Blick geistlos in's Leere werlor. 5 f Adele gab Auskunft; man habe ihr ein Gießen, Mittwoch, den 29. Juli 1896. Ausgabe Gießen. ssche Landeszeikung, Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 1 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Hessischer Landtag. »Darmstadt, 27. Juli. Der 29. Landtag wurde heute durch den Großherzog n der üblichen Weise geschlossen. In der Thronrede ankte der Großherzog für die mühevolle Arbeit des dundtags und für das anläßlich seiner Vermählung dar⸗ ubrachte Geschenk und fuhr dann fort:„Sehr reichlich gaben Sie zu meiner lebhaften Befriedigung die Mittel ür Zwecke der Wissenschaft und Kunst, insbesondere für le aufblühenden beiden Hochschulen des Landes bemessen. das mit ihrer Zustimmung zu errichtende neue Museums⸗ bäude wird unseren Sammlungen eine würdigere Auf⸗ ahmestätte bieten. Der von Ihnen zur Wiederherstellung ges kurfürstlichen Schlosses in Mainz bewilligte namhafte getrag wird ermöglichen, daß dieses herrliche Bauwerk leder in seiner ganzen Schönheit ersteht. Nicht minder Ksondere dem Volksschulwesen, Ihre Fürsorge erwiesen und namentlich durch die Annahme des Ihnen vorgelegten gesetzentwurfes über die Neuregelung der Gehälter der Jolksschullehrer diesem wichtigen Stand eine ebenso zeit⸗ Dem Gewerbe und der Landwirtschaft, die fort⸗ auernd der besonderen Hülfe und Unterstützung durch den kicherer Geldmittel und weiterer Bewilligung für ein der gentralstelle für die Gewerbe gewidmetes neues Gebäude, urch ihre Mitwirkung zur Gründung neuer landwirt- n dankenswerter Weise bewährt. In nicht geringerem Grade war Ihre Thätigkeit der Entwickelung des Ver⸗ kehrswesens durch höchst bedeutende Bewilligung von Sfraßenbauten, Nebenbahnen und die Brückenbauten über sen Rhein bei Worms förderlich. Die Annahme des nen durch meine Regierung vorgelegten Gesetzentwurfes über die Kunststraßen ist geeignet, durch die Vereinigung Die Thronrede erwähnt sobann die von beiden Kammern in letzter Stunde be⸗ Ludwigsbahn und der mit Preußen über den ferneren Betrieb der Bahn herbeigeführten Verständigung und der düdurch bedingten Verwaltungs⸗ und Finanzgemeinschaft mit Preußen und schließt wörtlich:„Erfordert diese letztere nach einigen Richtungen hin auch ein gewisses Maß von Selbstbeschränkung, so habe ich mich derselben dennoch gern unterzogen, weil ich die Ueberzeugung ge⸗ wonnen habe, daß ich damit meinem geliebten Lande und Volke und, wie ich glaube, auch höheren Zwecken einen großen und bleibenden Dienst erweise. Gotte segne unser llebes Heimatland!“ Lokales und Provinzielles. * Gießen, 28. Juli.(Strafkammer⸗ Verhandlung.) Heute Vormittag hatte sich der Redakteur Ph. Scheidemann von der „Mitteldeutschen Sonntagszeitung“ wegen Be⸗ leidigung von Offizieren des 116. Inf.⸗Reg. vor der Strafkammer zu verantworten. Der Staats⸗ anwalt Zimmermann als Vertreter der Staats- ——— 3 Monat zu erkennen. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gelostrafe von 200, und Publikations- befugnis in der Mitteldeutschen Sonntagszeitung. — Gegen die 17jährige Thekla Wittmann wurde wegen Kindesmord unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Dieselbe hat geständiger Maßen ihr Kind gleich nach der Geburt in die Dunggrube des Hauses Schanzenstraße 2 ge⸗ worfen. Das Urteil lautete auf 2 Jahr 6 Monat Gefängnis. Verzweifelnd die Hände ringend, nahm die Angeklagte das Urteil entgegen. W. Gießen, 28. Juli. Den Beamten, welche in den Büreaus der Hessischen Nebenbahnen hierselbst beschäftigt sind, wurde vor einigen Tagen durch einen höheren Beamten, der hier weilte, vertraulich eröffnet, daß wahr⸗ scheinlich in Bälde die Büreaus nach Grün- berg verlegt werden würden. Gießen, 28. Juli. Der gestrige siebe nund⸗ zwanzigste Juli ist ein Tag, der doppelt und drei— fach im Kalender angestrichen zu werden verdient, wenn die wissenschaftliche Expedition, deren Abgang an diesem Tage geplant war, zur Thatsache geworden ist. Am Montag, den siebenundzwanzigsten Juli, beabsichtigte näm⸗ lich der schwedische Nordpolfahrer Andree seinen kühnen Luftballon⸗Flug nach dem Nordpol von der dänischen Insel aus zu beginnen ein Wagnis, das zu den allerkühnsten und allerschwierigsten Unternehmungen ge⸗ hört, die je von einem Entdeckungsreisenden ausgeführt wurden. Die gesamte gebildete Welt sieht denn auch mit nicht geringer Spannung dem Aufstieg des Andree'schen Ballons entgegen und wünscht dem verwegenen Forscher wie seinen gelehrten Begleitern, den Herren Ekholm und Strindberg, von Herzen Glück und fröhliches Gelingen. Wir haben unsern Lesern wiederholt von dem Vorsatze Andree's, den Nordpol auf dem Luftwege zu erreichen, ausführlich berichtet. Wir haben ihnen von den gründ⸗ lichen Vorbereitungen zu dieser scheinbar so abenteuer— lichen Fahrt erzählt, haben ihnen geschildert, wie sorgsam jede Einzelheit von dem mutigen Führer der Expedition erwogen, wie klug und verständig jedem etwaigen Hinder— nis vorgebeugt wurde. Was die moderne Technik und Wissenschaft zu leisteu vermag, um den Kampf mit den Elementen siegreich aufzunehmen, das ist bei der weisen und zweckmäßigen Konstruktion und inneren Einrichtung des Luftschiffs, welches die Forscher nach Norden tragen soll, geleistet worden. Immerhin aber sind die Gefahren, denen die energische Dreizahl so beherzt die Stirn bietet, unberechenbar für menschliche Voraussicht, und das Opfer, das hier der Wissenschaft gebracht wird, ist gleichbedeutend mit einer Fahrt ins Ungewisse auf Tod und Leben. Möge es den Männern, die unerschrocken ihre Existenz aufs Spiel setzen, und die vielleicht, während wir diese Zeilen schreiben, schon rüstig auf eisigen Winden ihrem großen Ziele zusteuern, endlich gelingen, die düstern Ge⸗ heimnisse des arktischen Landes aufzuhellen und den sagen⸗ umwobenen Nordpol, der schon so viele ihresgleichen in Tod und Verderben gelockt hat, ohne Fährlichkeit zu ent⸗ decken. Am einundzwanzigsten Juli waren genau drei Jahre verflossen, seit Fritjof Nansen mit seiner todes⸗ mutigen norwegischen Schar die heimische Küste verließ, behörde beantragte auf eine Gefängnisstrafe von ohne bisher ein sicheres Lebenszeichen zu geben. Auch er zog aus den Nordpol zu finden, aber auch er ist, wie Viele vor ihm, verschollen, wenn auch noch immer die bange Hoffnung sich regt, ihn eines Tages gesund und erfolgreich wieder heimkehren zu sehen. Die Andree'sche Expedition, die über ganz andere Naturkräfte als för⸗ dernde Hilfsmittel verfügt, kann schon nach wenigen Monaten von ihrer Entdeckungsreise zurück sein. In wenigen Monaten werden wir wissen, ob sie geglückt oder gescheitert ist, ob das schier Unmögliche gelang oder drei Menschenleben mehr zu beklagen sind. Wünschen wir, daß der wissenschaftlich wohl vorbereitete, aber doch tollkühne Versuch gelingen und den heimkehrenden Forschern un⸗ sterblichen Ruhm eintragen möge! * Lollar, 28. Juli. Man schreibt uns: „Der Unglücksfall, von dem vorige Woche die Familie Rohrbach heimgesucht wurde, bildet noch immer das Gesprächsthema unserer Einwohnerschaft. Die Annahme, daß sich der Verstorbene mit Vorsatz ertränkt, hat sich als nicht zutreffend erwiesen, dagegen läßt das Be⸗ nehmen während der letzten Tage vor seinem Tode darauf schließen, daß man es mit der That eines Geistesumnachteten zu thun hat. Die vielen Schicksalsschläge in der Familie des Ver⸗ storbenen waren nur allzu geeignet, Letzteren dem Wahnsinn nahe zu bringen. Umsomehr ver⸗ urteilt man jetzt die Handlungsweise des hiesigen Kriegervereins bei dem Begräbnis des Ver⸗ storbenen. Der Krieger-Verein hatte sich an⸗ geblich statutengemäß„für nicht berechtigt“ ge⸗ halten, dem Verewigten, der Veteran der Feldzüge 1866 und 1870/71 war, die militärischen Ehren zuteil werden zu lassen, da man in ihm einen— Selbstmörder vermutete. Jedenfalls wäre es Sache des Krieger-Vereins gewesen, den Fall erst genauer zu untersuchen, ehe man diese für die Hinterbliebenen gewiß recht schmerzliche Maß— nahme traf.“ Bad Nauheim, 27. Juli. Die Ge⸗ samtfrequenz beträgt bis jetzt 10,846 Fremde, wovon 855 in den letzten Wochen angekommen sind. Wir sind gegen das Jahr 1895 um mehr als 1000 Personen voraus. Mainz, 27. Juli. Der freisinnige Stadt⸗ verordnete Fischer hat der Bürgermeisterei eine Mitteilung zugehen lassen, daß er aus Anlaß der bekannten Bilderaffaire sein Mandat als Stadtverordneter niederlege.— Heute früh um 4 Uhr-kam ein Lieutenant vom 118. In⸗ fanterie-Regiment in eine Wirtschaft der Münster⸗ gasse und verlangte ein Glas Bier. Der Offi⸗ zier war in Civil und wie die„Frkf. Ztg.“ und die„Kl. Pr.“ übereinstimmend melden, stark angetrunken. Der Wirt verweigerte die Herausgabe des Bieres und wurde daraufhin von dem Herrn arg mißhandelt. Der Wirt nahm die Hilfe der Polizei in Anspruch und der Offizier mußte so lange auf der Wachtstube verweilen, bis seine Persönlichkeit festgestellt war. Vermischtes. — Wackere Männer. Ein aufregender Vorfall hat sich dieser Tage in dem kleinen englischen Seebadeorte Broadstairs unweit Ramsgate zugetragen. Ein Mann stürzte plötzlich unter die am Hafendamm umherlungern⸗ den Bootsleute und erklärte, es seien drei Kinder unten am Fuße der Uferfelsen ganz von der steigenden Flut eingeschlossen. Da die See zu stürmisch und die Brandung grade dort zu heftig war, konnte an Rettung durch ein Boot nicht gedacht werden. Mehrere Männer eilten daher mit einem langen Seil die oberen Uferfelsen entlang und eiuer— er hieß James Croom erbot sich hinunter zu gehen. Man ließ ihn hinab und er brachte glücklich zuerst einen Knaben zwischen acht und neun Jahren in Sicherheit und rettete dann auch einen zweiten. Er wollte zum dritten Male hinuntergehen, hatte aber in⸗ zwischen an den Uferfelsen beim Hinaufziehen und Hinab⸗ lassen seine Hände so übel zugerichtet, daß die Sache be⸗ denklich erschien. So wurde denn sein Sohn hinabgelassen, der auch glücklich den dritten Kleinen rettete. Mittler⸗ weile war ein dritter wackerer Mann Namens Tom Hor⸗ ton aus einiger Entfernung aus einem Riß in den Ufer⸗ felsen unter großer Gefahr herangeschwommen. Er rettete nun auch noch einen kleinen Hund, den die Knaben mit⸗ gebracht hatten, und wurde ebenfalls glücklich zu der Ufer⸗ höhe hinaufgehißt. Eine Masse Volkes hatte sich dort angesammelt, das in großer Erregung der Rettung zu⸗ schaute und die drei Männer mit stürmischem Beifall begrüßte. — Polarlicht auf der Venus. Wenn der Planet Venus sich auf dem Teil seiner Bahn befindet, der der Erde zugekehrt ist, wenn er also seiner unteren Konjunktion entgegengeht oder die genaue Stellung zwischen Erde und Sonne noch nicht lange passiert hat, so bietet er im Fernrohr fast denselben Anblick wie der zu- resp. abnehmende Mond wenige Tage nach resp. vor dem Neu⸗ mond. Die Seite der Vollkugel, die sich uns dann zu⸗ wendet, ist fast ganz von der Sonne abgekehrt und dem⸗ entsprechend unerleuchtet bis auf ein schmales Randstück, das in zwei Hörnerspitzen ausläuft, genau wie beim Mond. Man hat nun aber oft auf dieser unerleuchteten Seite der Venus, die vollständig dunkel sein sollte, ein aschgraues Licht bemerkt, das sich bisweilen nur in der Nähe des beleuchteten Randstückes hielt, bisweilen auch über fast die ganze Nachtseite des Planeten sich ausdehnte. Mehrere Phänomene von dieser Art beschreibt Perrotin, der Di⸗ rektor der Nizzaer Sternwarte, in dem Sitzungsbericht der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 11. Mai d. J. Die letzten derselben sind am 16. und 17. Juni resp.am 30. August 1895 vom Mont Mounier aus beobachtet. An den ersten beiden Tagen hielt sich das aschgraue Licht dicht am beleuchteten Rand, und man kann zu seiner Erklärung annehmen, daß es sich um eine Dämmerungs⸗ erscheinung handelt, wenn man die Atmosphäre der Venus der unserigen analog annimmt, indem durch Strahlen⸗ brechung in der Lufthülle noch Licht über die mathematische Grenze zwischen Tag und Nacht hinausgelangt. Solchen Dämmerungserscheinungen verdanken wir ja gerade in dieser Jahreszeit die überaus hellen Nächte, die am Nord⸗ horizont besonders auch um Mitternacht noch den Schein der unter dem Horizont befindlichen Sonne erkennen lassen. Am 30. August hingegen sahen Perrotin und Javelle die ganze Mitte der uns zugekehrten dunklen Venusseite er⸗ Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Fortsetzung.) „Chlobonitz!“ entschlüpfte es ihm unwillkürlich, und sein Arm sank herab. „Wozu das Alles?“ mengte sich jetzt wieder der Baron in nervöser Erregung ein.„Legen Sie das Ding bei Seite, lieber Graf, bis Sie es mit mehr Sammlung zur Hand nehmen können! Jetzt, wo Sie schon der Name jenes Ortes so furchtbar er⸗ schüttert, sind Sie jedenfalls nicht imstande, noch mehr von dem zu vernehmen, was Sie wie eine Botschaft aus der anderen Welt anmuten muß.“ Der Graf schien zu überlegen. Die Rücksicht auf die Braut gebot es ja auch wohl, einem weiteren Anlaß zu Gefühlsbethätigungen auszu—⸗ weichen, die als Beweis für seine unaufhörliche Klage um die Verstorbene gedeutet werden konnten. „Wie kommen Sie zu diesem— Exinnerungs— zeichen?“ fragte er dann langsam, mechanisch, und Medaillon vorgelegt, von dem man vermutete, daß es Thekla verloren hätte— eine Mutmaßung, die ssich ihr durch diese Handschrift, die sie im Innern der Kapsel gefunden, denn auch unzweifelhaft be⸗ stätigt habe. 555 Degenstein nickte, aber es schien fast, als habe ser die Erklärung der Baronesse nicht angehört. Nun hob er den kleinen Zettel abermals zu den Augen empor und las ihn mit großer Aufmerk⸗ samkeit. „Chlobonitz, den 2. Februar 1889. 5 birg auch Du, und nur Du, kleine Kapsel, Herz an meiner Hand, die große Botschaft, die das Herz in meiner Brust erzittern macht! Vor vier Tagen himmlisch begnadet durch die endlich zur Gewißheit gewordene Ahnung: Du bist Mutter! Norbert, dem ich es heut früh gestand, war zuerst sprachlos vor Entzücken. Jetzt regt sich in mir die Hoffnung: Das wird uns wieder ver⸗ einigen!— Gott geb' es!— Noch will ich's niemand sonst sagen— Norbert meint, es sei nicht angenehm, Nachbarn und Domestikenvolk davon schwatzen zu wissen. Und es ist ja auch köstlich, so ein süßes Geheimnis zu hegen!“ Degenstein hob den Kopf, sah der Reibe nach in die drei Gesichter, die an seiner Miene hingen, und— las dann die ganze winzige Schrift, Zeile um Zeile, nochmals mit dem größten Jnuteresse durch. Hierauf griffen seine Finger zu, als wollten sie das Papier zerpflücken, da intervenierte aber Adele, indem sie rasch seine Hand faßte. „Nicht doch! Lassen Sie es mir, dieses Au— denken, Norbert, wenn Sie sich nicht schon über— winden können, es selbst zu behalten! Ich verspreche Ihnen, es nie wieder vor Ihren Blick kommen zu lassen und seiner nie zu erwähnen. Ich wollte ja überhaupt, ich hätte Ihnen den Schmerz dieser traurigen Erinnerung erspart!“ Der Graf verneigte sich galaut, etwas starren Lächeln auf den Lippen. „Es ist— was Eigenes um solche Erinne— rungen“, sagte er nach einer Weile.„Thekla war immer etwas träumerisch angelegt; symbolische Handlungen waren ihr zuweilen Bedürfnis. Aus einem solchen muß der wunderliche Eutschluß ent— sprungen sein, ihre Hoffnungen— das süße Ge⸗ heimnis, wie sie da sagt— gewissermaßen verbrieft und besiegelt zu hinterlegen. Sie ahnte nicht, wie bald diese Zeilen zu einer— Hinterlassenschaft werden sollten.— Mir hätte es zu weh gethan, das Geheimnis, das ich mit ihr begraben glaubte, im teilnehmenden Freundeskreise hinterher nach zu mit einem noch mehr seelisch als körperlich krank— heute offenbaren. Ich glaubte das Traurige besser allein zu tragen.— Nun scheinen allerdings die indiskreten Blicke gänzlich fremder Personen dies schwärmerische Selbstbekenntnis der armen Frau entweiht zu aber „Ich glaube, nein“, erwiderte Adele und er— zählte, wie sie zu der Kapsel gekommen war. Der Finder des Medaillons scheine von dem eigenartigen Verschlußsystem desselben keine Ahnung gehabt zu haben. Audernfalls hätte er ja des darin befind- lichen Zettelcheus doch erwähnen müssen, als eines Faktors, der auf die Spur der Verlustträgerin leiten könnte. Sie zeigte ihm jetzt auch das blaue Herz und die Art, wie dessen zwei Hälften zusammengefügt werden konnten. „Thekla trug es an einem in derselben Farbe emaillierten Armband. Ich habe es damals getreu— lich auf ihr Portrait gesetzt, ohne mich jetzt noch daran erinnern zu können. Der Bediente des Attachés Fröden glaubte es gleich zu erkennen.— Und Sie, Norbert, wissen sich auch nicht mehr darauf zu besinnen? Ich dachte, es wäre vielleicht ein Geschenk von Ihnen selbst— in Neapel ge— kauft, wie die Inschrift darauf erraten ließe. Degenstein drehte das Berlok kopfschüttelnd zwischen den Fingern. „Von mir rührt es nicht her. Thekla mag sich das Ding— samt dem Armband, von dem Sie sprechen— wohl während unseres Aufenthaltes in Neapel selbst gekauft haben. Sie hatte viel Freude an so zierlichem Schmuck und besaß eine große Menge davon. Ich kaun nicht behaupten, gerade dieses an ihr gesehen zu haben.— Wo und wann soll es übrigens gefunden worden sein?“ „Das habe ich den Mann eigentlich zu fragen vergessen. Ich habe der ganzen Angelegenheit ja erst später, als ich den Inhalt des Berloks ent— deckte, Bedeutung beigelegt.“ „Der Lakai mag es vielleicht schon aus dritter vierter Hand haben“, setzte die Baronin oder — einstigen Domestiken — hinzu,„von einem Ihrer auf Chlobonitz.“ (Fortsetzung folgt.) — Wider die Haberfeldtreiber. Die Unter⸗ suchung gegen die bayrischen Haberfeldtreiber schreitet, wie die„Allgem. Ztg.“ offiziös berichtet, rasch vorwärts.„In höheren Juristen- und Verwaltungskreisen giebt man sich der Hoffnung hin, daß der Abschluß des Verfahrens dem ebenso eigenartigen wie gefährlichen Unwesen endlich den Todesstoß versetzen könnte. Wenn es früher hieß, daß das Haberfeldtreiben eine Art von Sittengericht darstelle, so ist doch dieser Nimbus längst gründlich zerstört worden. Es wurde vielmehr erst neuerlich wieder nachgewiesen, daß beim Haberfeldtreiben(z. B. im vorigen Jahre bei einem solchen nächst Nikasreut) auch die harmlosesten, unbe⸗ scholteusten Leute der schändlichsten Dinge bezichtigt werden, und daß der bekannte, sonst an das Epigramm streifende Witz der Oberländer mit der größten Rohheit vertauscht worden ist. Solche sonderbare„Sittengerichte“, bei denen überdies die self made Richter jeden Augenblick bereit sind, den sie etwa störenden Gendarmen und Soldaten eine Kugel in den Leib zu jagen, vertragen sich selbstver⸗ ständlich mit der Ordnung und Sicherheit der Bürger in einem geordneten Staatswesen nun und nimmermehr. Es hat sich auch, wie man schon länger annahm, jetzt heraus⸗ gestellt, daß sich unter den Haberern selbst seyr unlautere Elemente befinden. Die Sympathien, welche das Haber⸗ feldtreiben in früherer Zeit selbst in gebildeten Kreisen ge⸗ funden hatte— namentlich in romantisch angehauchten und in solchen, welche das Haberfeldtreiben eine kernige, altbayerische Sitte nannten,— scheinen ganz verschwunden zu sein. Das Merkwürdigste vielleicht, was die diesmal mit mehr Glück als sonst eingeleitete Untersuchung gegen die Haberfeldtreiber zu Tage fördert, ist— neben der Erscheinung, daß es endlich einmal zu Geständnissen kam — für jeden Kenner von Land und Leuten die Thatsache, daß von diesen in mancher Gefahr gehärteten rauflustigen Leuten, die nach einem Miesbacher Trutzlied selbst mit dem Teufel raufen, jetzt viele nur aus Angst bei Haber⸗ feldtreiben mitgethan haben wollen; aus Angst vor dem „roten Hahn“ und den treffsicheren Büchsen ihrer Genossen. — dem Sir John Bridge präsidirte, spielte sich am Sonn⸗ abend eine reizende kleine Szene ab. Auf der Anklage⸗ bank saß der irische Hausirer Patrick Mehan, der im Rausch groben Unfug verübt hatte, und unter den Zu⸗ schauern war seine Frau, die bitter weinte. Die Frau hatte glücklicherweise ihr Kind mitgebracht, ein reizendes kleines„Baby“ von zwei Jahren, das, wie es den Vater sah, die Arme ausstreckte und ihn mit„Daddy, daddy, dear“(„liebes Väterchen“) begrüßte. Das Kind war Patricks bester Anwalt, denn als er anfangen wollte, sein Benehmen zu entschuldigen, unterbrach ihn der Richter mit den Worten:„Sie haben Jemand hier, der ihre Sache viel besser vertritt, als Sie es thun könnten. Als Sie den Saal betraten, sah ich Ihr Kind auf seiner Mutter Arm und es rief„Daddy“ auf eine Weise, die nuchtet, während der Rand der Scheibe, der nicht von er Sonne erleuchtet war, vollständig dunkel blieb. Da 9 e Dämmerung von der Größe, daß sie bis zur Mitte er Nachtseite des Planeten geht, nicht denkbar ist, so 1 12 Perrotin eine schon von Bessel gegebene, von Schia⸗ krelli weiter ausgearbeitete Theorie zur Erklärung der ö zobachteten Erscheinung herbei, wonach man es mit olarlichtern zu thun habe. Schiaparellis fleißige Venus⸗ obachtungen haben es in hohem Grade wahrscheinlich macht, daß die Venus sich in derselben Zeit um ihre re dreht, in welcher sie ihre Bahn um die Sonne zurück⸗ igt, daß sie also der Sonne stets dieselbe Seite zulehrt, au wie unserer Erde der Mond. Dann ist diese Seite stets und unaufhörlich beschienen, die andere niemals und also vollkommen dunkel; die eine Seite ist dement⸗ utter 3 Jef 5 1 2 5 rechend ungeheuer heiß, die andere, welche nie einen mich überzeugte, daß Sie ein guter Vater sind. Ich will b Nun treten auf unserer Ihnen deshalb für dieses Mal nichts thun.“ So hatte Fonnenstrahl erhält, eiskalt. e rde die Polarlichter, als Nord- und Südlichter, wie hon ihr Name besagt, immer in der Nähe des Nord- und Südpols, also in den kalten Regionen, niemals aber ö n dem heißen Aequator auf. Es fallen eben die dagnetischen Pole der Erde, welche das Auftreten dieser lagnetischen Lichterscheinungen bedingen, in die Nähe der umdrehungspole. Wenn aber wirklich hier die Kälte eine dolle spielt, dann muß auf der Venus der eine magne⸗ sche Pol in die Mitte der von der Sonne nie beschie⸗ enen Halbkugel fallen, denn dieses ist die kälteste Stelle es Planeten überhaupt. Und um ihn müssen die Polar⸗ chter auftreten, wenn es überhaupt welche auf der Venus ieb'. Diese unerleuchtete Seite der Venus, die für das änzliche Fehlen des Sonnenlichtes einen schwachen Ersatz i den ihr allein zukommenden Polarlichtern besäße, ist 3 uns aber zu bequemer Beobachtung zugekehrt, wenn Venus ahe zwischen der Sonne und Erde steht. Steht sie enau dazwischen, so ist nichts auf ihr zu erkennen, weil Nas Sonnenlicht den Beobachter blendet. So erklärt sich lso ungezwungen die von Perrotin gesehene matte Be⸗ buchtung der dunklen Venusseite durch Schiaparellis 1 Theorie von der eigenartigen Umdrehung der Venus. i 90— Das Kind als Anwalt. Aus London shreibt man den„Münch. N. Nach,“„Im Polizeigericht, 1 das zweijährige Kind, das während der Rede des Rich⸗ ters beständig die weinende Mutter geküßt hatte, sich als der gute Engel seines Vaters erwiesen. — Der Trauring in der Zwiebel. Der Trauring ist bei den Männern zwar schon manchmal an ein verstohlenes Plätzchen gewandert, als ein Unikum aber steht ein Fall da, der einem Bürger in Freienwalde be⸗ gegnet ist. Dem Manne war vor einem Jahr der Trau⸗ ring auf unerklärliche Weise verschwunden, und es wurde damals das Dienstmädchen stark verdächtigt. Dieser Tage nun holte die Gattin des Mannes Gemüse aus dem Garten. Dabei entdeckte sie an einer kleinen Zwiebel als seltsamste Merkwürdigkeit den verlorenen Trauring. Die Zwiebel war durch die kreisförmige Oeffnung des Ringes emporgesprossen, und mit ihr war der Ring wieder zum Vorschein gekommen.— Jedenfalls hatte der Mann das Kleinod bei der Beschäftigung im Garten verloren. Die Frau war bei dem Funde bis zu Thränen gerührt, wozu vielleicht auch— die Zwiebel noch das ihre gethan hat. Neueste Telegramme. Hd. Wien, 28. Juli. Das Extrablatt meldet aus Newyork: Während der Negerfeste in Florida kam es zwischen Negern und Weißen zu einem Revolverkampf bei dem 16 Personen ge— tötet und 18 verletzt wurden. Hd. Wien, 28. Juli. Das Amtsblatt pub⸗ liziert ein kaiserliches Dekret, wodurch die Landtage von Nieder-Oesterreich, Steiermark, Kärnthen und Schlesien aufgelöst und Neu— wahlen angeordnet werden. 4 Hd. Wien, 28. Juli. Bei einer gestern abgehaltenen Felddienstübung des 61. In⸗ fanterie⸗Regiments wurde ein Infanterist durch eine auf kurze Distanz abgefeuerte Platzpatrone getötet. g Hd. Lille, 28. Juli. Nachdem der sozialistische Bürgermeister De⸗ lory infolge der kollektivistischen Kund⸗ gebungen suspendiert worden ist, haben die sozialistischen Gemeinderäte beschlossen, eine große Demonstration zu veranstalten, zu welcher alle Sozia⸗ listen Nordfrankreichs eingeladen werden sollen. Eine Adresse, welche die Unter⸗ schrift aller sozialistischen Wähler tragen soll, wird an die Regierung abgesandt werden. Außerdem wird Jaurès in der Kammer den Minister über den Zwischenfall interpellieren. d. London, 28. Juli. Auf dem Sozia⸗ listen-Kongreß haben gestern die Anarchisten, die in den Saal eingedrungen waren, bevor der Ausschluß der Anarchisten beschlossen worden war, eine stürmische Kundgebung inszeniert. Sie erklärten, daß das Votum des Züricher Kon⸗ gresses betreffend den Ausschluß der Anarchisten keinen Wert habe. Die Erklärung wurde in deutscher, italienischer und französischer Sprache abgegeben. Der hierauf entstehende Tumult war so groß, daß der Präsident die Polizei in Anspruch nehmen mußte, um die Ordnung her⸗ zustellen. Die Anarchisten kehrten sich jedoch an weshalb der Präsident die Sitzung aufhob. Hd. London, 28. Juli. Die anti⸗parla⸗ mentarischen Communisten und Anarchisten, deren Ausschluß vom Sozialisten-Congreß gestern beschlossen wurde, versammelten sich gestern Abend, um den Text eines Manifestes zu revidieren, in welchem sie die Zwecklosigkeit der parlamen⸗ tarischen Thätigkeit der] Sozialisten darlegen wollen.: Hd. Neapel, 28. Juli. Der Prinz Missu⸗ tolo, Groß-Prior des Malteser⸗Ordens, wurde von einem entlassenen Portier überfallen und durch 17 Schnittwunden, welche ihm derselbe mit einem Rasiermesser beibrachte, schwer verletzt. Der Attentäter wurde verhaftet. Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ d. Thorn, 28. Juli. 2.30 Nachm. In der hiesigen Hochverratsange⸗ legenheit sind bereits neun Personen, worunter angeblich auch mehrere Unter⸗ ofsiziere sich befinden, verhaftet worden. Sterbefälle. Am 25. Juli. Anna Noll, geb. Kauth, 62 Jahre alt, Ehefrau von Tagelöhner Georg Noll zu 0 a Kreis Usingen. Gestorben in der alten Klinik. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, belde in Gießen. befindet. Hierdurch bechre ich mich, meiner ges Publikum ergebenst mitzuteilen, dass sich mein Geschäft w Seltersweg 2, neben Herrn Kaufmann Adolf Geisse chätzten Kundschaft sowie einem geehrten hiesigen wie auswärtigen egen Errichtung eines Neubaues bis auf Weiteres 4⁴ Carl Brück, Gold- und Silberarbeiter. Bekanntmachung. 1 Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfernsprecheinrichtung in Giesten erforderlichen Vorbereitungsarbeiten rechtzeitig in Angriff ge⸗ nommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Wohnungen oder Geschäftsräume im Laufe dieses Jahres mit der vorbezeichneten Stadt⸗ Fernsprecheinrichtung verbinden lassen wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald 1 E. 2. spätestens bis Anfangs August d. J. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. Nur für die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann die Herstellung der Anschlüsse sür den zweiten Bauabschnitt des laufenden Rechnungsjahres in Aussicht gestellt werden. Verspätet angemeldete Anschlüsse 5 m erst im 1. Bauabschnitt des nächsten Rechnungsjahres zur Ausführung gelangen. Darmstadt, 4. Juli 1896. Der Kaiserliche Ober⸗Postdirektor, Geheime Ober⸗Postrat Clavel. E Aunsteis. 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