en Grund) „- Uhren en Remontolr- ue Herren. rand von 16 emontoir- rk an, Sta!/ an, Vie lel- Mark u. von 3, Mu w. ner gesele, 14 . 1 2 1 1 bvielfa Gießen, Donnerstag, den 28. Mai ische Landeszeikung, Ausgabe Gießen. Redaktion:= Kreuzplatz Nr. 4. 8 — 5 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. N 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. * Lokales und Provinzielles. * Gießen, 27. Mai. Die Pfingstferien sind morgen zu Ende; morgen heißt es wieder 0 aufstehen und mit der gefüllten Büchermappe sittsam zur Schul pilgern. Aber unserer Schul— jugend kommt nach der knappen Erholungspause die Rückkehr zur Arbeit diesmal durchaus nicht so bitter vor wie sonst; sind doch die Pfingst⸗ ferien nur durch wenige Wochen von den großen Sommerferien getrennt, bieten sie doch, trotz ihrer Kürze, schon einen angenehmen Vorgeschmack all' des Schönen, was in so naher Zeit, im Juli und August, unbedingt kommen muß. Wie ver⸗ schwenderisch hat schon zu Pfingsten die Natur ihre Gaben vor ihren jugendlichen Verehrern ausgestreut! Wie herzhaft haben sie sich im Grünen tummeln, Blumen pflücken und Kränze flechten können! Diese Freigebigkeit weckt gute 1 5 für den Sommer, der bald seinen inzug halten wird. Ach, welche prächtigen „Fußtouren, welche wundervollen Ausflüge wird 1 man da unternehmen! Die großen Ferien werden von morgen ab zum Gegenstand eifriger Schul⸗ spräche, und so mancher Tadel wegen mangel— 142 Aufmerksamkeit wird erteilt werden, weil zerstreute Gemüter in den Lehrstunden sich gar zu träumerisch schon in die kommenden Faullenzer— tage hineinphantasiren. Und die Großen? Auch die fangen an, Pläne über Pläne zu schmieden. Vor allem natürlich wird die Kasse einer sorg⸗ fältigen Revision unterworfen, und ernstlich ge— prüft, ob sie auch etwaigen Extravaganzen ge⸗ wachsen ist. Wir raten in diesem Punkte zu äußerster Vorsicht. Häufig genug passiert es, daß selbst gute Hausväter sich böse verrechnen, wenn die Reiseleidenschaft über sie kommt. Gießen, 27. Maj. Das Großherzogliche Polizeiamt bringt zur allgemeinen Kenntnis, daß bis auf Weiteres die Kaplansgasse von Fuhr⸗ werken jeder Art nur in der Richtung Bahnhof⸗ straße-Kreuzplatz befahren werden darf. „Gießen, 27. Mai. Das Krauße⸗Kon⸗ zert war gestern nicht so stark besucht wie am eiten Feiertage. Herr Schwarz erfreute im eiten Teil die Konzertbesucher durch ein Trom⸗ en⸗Solo, welches derselbe in meisterhafter 'ollendung zu Gehör brachte, sodaß reicher Bei⸗ fall dem Künstler zu Teil wurde. Ebenso wurden die Kreuzritterfanfare und der Ferbeliner Reiter⸗ Maursch für Heroldstrompeten lebhaft applaudiert, so daß die letztere Piece wiederholt werden mußte. * Gießen, 27. Mai. Nach altem Brauch ruhte gestern, als am„3.“ Pfingstfeiertag, noch 0 die Arbeit. Die Bauhandwerker feierten den ganzen Tag. Das Wetter war wieder prachtvoll und das wollte man sich zu Nutze machen. Im Philosophenwald lustwan delten am Nachmittag fröhliche Menscheu. Auf dem Trieb hatte sich der Männerturnverein einge⸗ funden, um sich fleißig in Turnspielen zu üben. Vom Schützenhaus her knallte es den ganzen Nachmittag über. Leider ist dem Scheibenzeiger des Schützenvereins ein Unglück passiert. Der malte Mann hat sich beim Stellen der Sauscheibe am Arm verletzt, so daß er in der Klinik ver⸗ Gießen, 26. Mai. Sitzen geblieben. Waxen da am Nachmittag des zweiten Feiertages in Kloster Arnsburg Hunderte von Gießener und erfreuten sich der herrlichen Umgebung. Da, am Spätnachmittag brach auf viertel Stunden aus dem bewölkten Himmel zeitweilig die Sonne hervor und ein großer Teil der Touristen beschloß, bis zum letzten Zuge, der gegen 10 Uhr die Station Lich verlassen soll, zu säumen und erst mit diesem Zuge die Heimreise nach Gießen an⸗ zutreten. Aber die Menschen denken und die Direktion der Oberhessischen Eisenbahn lenkt. Als die müden Wanderer gegen 10 Uhr den Weg vom Kloster zur Station Lich zurückgelegt hatten, fanden sie diese dunkel, denn fahrplanmäßig passiert der 10 Uhr-Zug nur Sonntags die Strecke und der zweite Feiertag rechnet als Sonntag nicht mit. Wohl an 100 Personen saßen ohne Verbindung in Lich fest. Teils be⸗ sorgte man sich Wagen zur Rückfahrt, teils machte man den Weg zu Fuß nach Gießen und der Rest verblieb in den dortigen Gasthöfen über Nacht. Dieser Vorfall ereignet sich übrigens nicht das erste Mal auf dieser Strecke. Er passiert regelmäßig an jedem zweiten Feiertage. Hoffentlich läßt die Direktion in Zukunft auch am zweiten Feiertag den betr. Zug gehen. * Gießen, 27. Mai. Das engere Komitee für die Erbauung eines Kriegerdenkmals in unserer Stadt, verstärkt durch den Bildhauer Professoe Schapes⸗Berlin, Stadtbaurat Stübben⸗ Köln und dem Geheimen Hofrat Professor Dr. Schäfer-Darmstadt, hat gestern die Platz⸗ frage für das Denkmal erledigt. Es wurde bestimmt, daß der Marktplatz für die Er⸗ richtung des Denkmals am geeignetsten sei. Von dem Platz am Seltersthor wurde der hohen Kosten wegen abgesehen; in Betracht kamen noch die Südanlage, der Ludwigsplatz und der Platz am Zeughaus zwischen diesem und der Senken— bergstraße. Stadtbaurat Stübben, eine der ersten Kapazitäten auf dem Gebiete des Städtebaues, erklärte den Marktplatz um deßwillen für den geeignetsten zur Errichtung des geplanten Bau werks, weil derselbe nicht nur einen malerischen Hintergrund für ein Monument abgibt, sondern auch, weil er im Mittelpunkt der Stadt gelegen ist. r. Lollar, 26. Mai. Am ersten Pfingst⸗ feiertag wurde dahier der Sohn des Schreiner— meisters Keßler auf der Straße von einem rohen Menschen überfallen und lebensgefährlich durch einen Stich in den Rücken verletzt. Als der Vater des Ueberfallenen nachher den Sachverhalt aufklären wollte, kam er ebenfalls mit dem Messerhelden zusammen, der ihm einen Stich in den Leib beibrachte. Vater und Sohn liegen schwer krank darnieder.— Ob der gemeingefähr— liche Messerstecher in Sicherheit gebracht ist, teilt uns leider unser Berichterstatter nicht mit. * Offenbach a. M., 26. Mai. Heute morgen um 5 Uhr wurde von dem Feldschützen Clemens in den an der Aoepfelallee gelegenen Bergschen Baumschulen zunächst der Straße ein Mann aufgefunden, der am Verscheiden war. Der Tote hatte schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht, insbesondere an einem Auge, die von wuchtigen Schlägen herzurühren scheinen und außerdem eine Stich- oder Schuß⸗ wunde im Rücken. Blutspuren führten in den Baumschulen hindurch und auf einen Acker, wo dem Mann die schweren Verletzungen anscheinend beigebracht wurden. Es stellte sich heraus, daß der Tote, dessen Leiche alsbald ins Leichenhaus auf dem Friedhof verbracht wurde, ein aus Löhrbach in Bayern stammender Russenmacher ist, der auf der ganz in der Nähe liegenden Russenfabrik der Gebrüder Hasenbach beschäftigt war. Es waren nämlich zwischen Russenmachern der Hasenbachschen Fabrik und deren Brenn⸗ meister Eichhorn in letzter Zeit Differenzen aus⸗ gebrochen, infolgedessen gestern 8 Arbeiter, wo— runter auch der nunmehr Getötete, entlassen worden sind. Die letzten sprachen am gestrigen Tage den geistigen Getränken lebhaft zu und scheint es hiernach in der Nacht zwischen den entlassenen Arbeitern und dem Brennmeister nebst seinen Leuten zu einem Zusammenstoß gekommen zu sein, wobei der in Rede stehende, der als ein sehr kräftiger Mann im Alter von 38—40 Jahren geschildert wird, die totbringenden Ver⸗ letzungen erhalten hat. In der Angelegenheit wurde auch der Brennmeister Valentin Eichhorn, dessen Bruder Christian Eichhorn und der Vor⸗ arbeiter Helfmann in Untersuchungshaft genommen. Neu⸗Isenburg, 26. Mai. Bezüglich der unter den Schreiner- und Lackierer⸗ gesellen der hiesigen Möbelfabriken durch Lohnstreitigkeiten ausgebrochenen Aus⸗ standes ist von den Parteien das Gewerbe gericht des Landbezirks des Kreises Offenbach als Einigungsamt angerufen worden. In dieser Sache wird am Dienstag, den 26. d. M., vor⸗ mittags 10 Uhr, im hiesigen Gewerbegerichtssaal unter dem Vorsitze des Herrn Kreisrats Haas Verhandlungstermin stattfinden, in welchem eine Einigung der streitenden Parteien versucht wer— den soll. Mainz, 26. Mai. Schrecklicher Un⸗ glücksfall. Gestern Abend traf eine Partie aus Mannheim von einem Ausflug in den Rhein⸗ gau auf dem Bahnhof in Kastel ein und begab sich auf die Suche nach einem Kollegen. Mit⸗ reisende machten aber die erschreckende Mitteilung, daß der Betreffende unterwegs von der Platt⸗ form des Wagens abgestürzt und daß ihm der Kopf vom Rumpfe abgetrennt worden sei. Der Verunglückte heißt August Heldenreich und ist Kanal⸗Vorarbeiter in Mannheim; er ist 35 Jahre alt und hinterläßt eine Familie. Vermischtes. — Sonnenthals Lehrzeit. Adolf Sonnenthal, den heute das Hof- und Staatshandbuch als Adolf Ritter v. Sonnenthal, Ritter des Ordens der Eisernen Krone zweiter Klasse uud des Franz Josef-Ordens, Ober— regisseur und k. k. Hofburgschauspieler ꝛc. ꝛc. aufführt, hat bekanntlich seine Laufbahn als Mitglied der ehrsamen Schneidergilde begonnen. Der Großmeister der deutschen Schauspielkunst hat Bügeleisen und Elle geschwungen, bevor er die tragischen Stelzen erstiegen. In seiner Vater⸗ stadt Pest wurde er in die Mysterien der Bekleidungskunst eingeweiht, und wie stolz und vornehm auch all' die obengenannten Titel und Auszeichnungen des unvergleich⸗ lichen Mimen klingen mögen, so bewahrt doch Sonnenthal mit nicht geringerem Stolze sein Lehrzeugniß, das ihm hier ausgestellt wurde. In einer soeben erschienenen Biographie des Künstlers von Ludwig Eisenberg wird es mitgetheilt:„Zeugniß! Endesgefertigter bezeugt hiermit zur Steuer der Wahrheit, daß der Adolf Sonnenthal, von hier gebürtig, bei mir vom 1. November 1848 bis 1. November 1850 das Schneiderhandwerk erlernte, und wehrend dieser Zeit ehrlich, treu, geschickt, arbeitsam und überhaupt sehr Musterhaft betragen, so das ich demselben nur auf sein eigenes Ansuchen, um in der Fremde sich in sein Wohlerlerntes Handwerk zu vervollkommnen entlaße, mit dem besonderen Beifügen, daß Er in allen seinen Unternehmungen eben so Glücklich sein möge, als ich mit demselben stets Zufrieden war, und er zu sein Verdient. Pesth, den ten November 1850. Prager, Lehrmeister des Obigen.“ 4 — Die Kirche und das Zweirad. In Amerika erhebt die Kirche Beschwerde gegen das Radfahren. In Chicago ist der Kirchenbesuch am Sonntag durch den mo⸗ dischen Locomotor nicht unerheblich verringert worden. Der Rabbi der größten und fashionablesten Synagoge der windigen Stadt erklärt, daß mindestens 200 seiner Ge⸗ meindemitglieder nicht mehr am Sabbath das Gotteshaus besuchten, sondern lieber mit dem Rad den Weg ins Feld nähmen. Kirche ein Zimmer einzurichten, wo die Räder während der Predigt aufgestellt werden können. findet bei Pastoreu wie Nächstens werden die Chicagoer wohl ein Zweirad⸗Zimmer Ein anderer Geistlicher schlägt vor, in jeder 1 Der Vorschlag 1 Radfahrern großen Beifall. als etwas Nothwendiges betrachten, das zu einer guten 0 Kirche gehört. Röntgen auf dem Kriegsschauplaz. Aus London berichtet man: Das Medical Departement 0 der britischen Armee schreitet mit der Zeit voran. Der Generaldirektor hat Befehl erthellt, zwei Röntgensche 1 photographische Apparate nach dem Kriegsschauplatze im Sudan zu schicken. Hier wird die Röntgensche Entdeckung also zum ersten Male über ihre Verwendbarkeit im Kriege die Probe bestehen. f ö — Die fetten und die mageren Schweine. Auf dem Viehmarkte zu Man berichtet ans Wien: St. Marx ereignete sich ein seltsamer Vorfall: Einige Viehhäudler waren vor einem Sommerstand bersammelt, in welchem Verr Vincenz Zabsky am Tage vorher zwölf 1 fette Schweine eingestellt hatte, und starrte verblüfft auf das Häuflein grunzender Tiere. Anstatt der zwölf fetten Schweine beherbergte nämlich der Stall nur neun 14 fette unb drei magere. Was war geschehen, hatten die drei üder Nacht eine Entfettungskur durchgemacht? Es gelang indeß das Rätsel zu lösen: man hatte einen Mann bemerkt, der des Nachts drei fette Schweine vor sich hertrieb. Der Mann wurde als der Schaffner Johann Morawek eruirt und er legte uach längerem Zögern das Geständnis ab, daß er seine mageren Schweine gegen die drei fetten ausgetauscht habe, einem Erkenntnissenate wegen Diebstahls angeklagt. Er erklärte sich nicht schuldig.— Präs.: Sie haben doch bei der Polizei und vor dem Untersuchnugsrichter ein Ge⸗ ständnis abgelegt, daß Sie die Schweine vertauscht haben? Morawek war gestern vor — Angekl.: J waß gar nir davon, i war so betrunken, daß i gar net waß, wo i damals g'west bin.— Präs.: Ja wie stellen sie sich denn vor, daß die fetten Schweindel in ihren Stall marschirt sind und die mageren in den Stall des Herrn Zabsky? Glauben Sie, daß die sich viel x. leicht Gegenbesuche gemacht haben.— Angekl.: Das kann i net sagen.— Präs.: Und dann haben die drei fetten 0 Schweine das schwarze Zeichen, welches Zabsky allen seinen Schweinen mit Theer aufgedrückl hat, nicht mehr besessen. Glauben Sie, daß die Schweine vielleicht ans plötzlichem Reinlichkeitsgefühl sich selber den Theer abge⸗ 1 waschen haben.— Angell.: Präs.: Das kann i net sagen: Und bei den drei mageren Schweindeln hat man merkwürdiger Weise die blaue Stampiglie, die Sie ihnen ö aufgedrückt haben, unter dem schwarzeu Theestreifen ge⸗ funden. Am besten, Sie sagen die Wahrheit.— Angekl.: 1 — bunden werden mußte. Das Gesicht. Novelette von Hellmuth Mielke. (Nachdruck verboten.) (FJFortsetzung.) Es war spät, als der Professor sein Hotel wieder erreicht hatte. Der Kellner geleitete ihn auf sein Zimmer, drehte die elektrische Glühlichtlampe auf und empfahl sich mit kurzem Gruß. Der Professor war zu aufgeregt, um schon schlafen zu können. Eine Zeitlang ging er, von seinen Gedanken erfüllt, in dem Ranm auf und ab bis er sich erinnerte, daß es rücksichtslos von ihm sei, durch seine Zimmerwanderung zu so später Stunde den Schlaf seiner Nachbarn zu stören. Jetzt etwas lesen war ihm unmöglich; er wußte zudem daß er darüber nicht einschlief. Wenn er es mit dem Schreiben versuchte? Er konnte sich dadurch vielleicht am besten frei machen von den unruhigen und seltsamen Empfindungen und Gedanken, die ihn 1 bewegten. Ein Schreibzeug war auf dem Zimmer nicht vorhanden, aber er führte Bleistift und Papier stets unter seinen Sachen mit sich. So setzte er sich an den Tisch, auf den der helle Schein der elektrischen Lampe herabglänzte, und bemalte das Blatt Papier, das ex vor sich liegen hatte, mit den feinen Krickel⸗ zügen seiner Philologen⸗Handschrift. Was er niederschrieb, waren alte Erinnerungen, die Geschichte seines verunglückten Liebeswerbens, die er sich selbst noch einmal erzählte. Wie er das blühende, junge Mädchen einst geliebt und doch nicht um ihre Hand geworben hatte, weil er bei dem reichen Fabrikanten jede Werbung eines„Schul— meisters“ für aussichtslos hielt und weil sein Mütterchen bei ihm im Hause lebte, daß erst recht nicht mit der Neigung einverstanden war. Darüber wurde die, welche er liebte, die Gattin eines Andern, wie es nur allzu natürlich war, und er selbst wurde Oberlehrer und letzthin Professor, wie es der Schul— ordnung und seinen Fähigkeiten entsprach, nur an Heirat dachte er nicht mehr. Auch nicht, als er sein Mütterchen begraben hatte. Das alles war die Art eines echt deutschen Schulmeisterdaseins und es war auch echt deutsch, daß er es sich jetzt in seinem schriftlichen Selbst— gespräch etwas mit empfindsamen Reflexionen zu verklären suchte. Gottlob, er war noch nicht alt, noch nicht weit in den Vierzigern, die„zweite Jugend“ stand ihm noch bevor und er fühlte, daß der heutige Abend sie in ihm entzündet hatte. Und allmälig erlahmte seine Hand, das Schreiben war seinem Rausch zu schwerfällig, die Buchstaben gegen⸗ über dem Flug seiner Gedanken zu langsam. Von der Vergangenheit wandte sichs ein Träumen der Zu— kunft zu, einer heiteren, goldenen Zukunft... Morgen wollte er zu ihr das entscheidende Wort sprechen, morgen, wenn er sie zum Besuch der Ge— —— mäldegalerie abgeholt hatte und mit ihr an den Werken der alten Meister vorüberschritt. Und er dachte lächelnd daran, daß einer seiner Kollegen seinerzeit sich sogar auf dem Eiffelturm verlobt hatte. Als er sich zu Bett begab, schaute er, in Ge— danken verloren, noch in das Licht der elektrischen Flamme, ehe er sie ausdrehte. Tiefes Dunkel trat dann um ihn ein, nur vor seinen Augen sprühten einige Sekunden kleine, helle Funken gleich zitternden Sternchen. Es dauerte lange, ehe er einschlief, und im Schlaf selbst kamen ihm bewegte, unruhige Träume, die doch in seiner Erinnerung nicht hafteten. Mit einem Schrei, ob nun einen wirklichen oder geträumten, erwachte er plötzlich. Er hatte das dumpfe Bewußtsein, daß ihm im Traum irgend etwas Schreckliches zugestoßen sein mußte, ohne recht zu wissen, was es war. Indem er die Augen öffnete, sah er durch die Jalousien den fahlen Schein des Tages schimmern. Im Zimmer herrschte Halbdämmerung und in den Ecken lagen sogar noch dunkle Schatten Was ihn in demselben Augenblick erregte, war die seltsame Er— scheinung eines jugendlichen Frauenkopfes, der ihn, kaum zwei Fuß von seinem Gesicht entfernt, über der Bettdecke anlächelte. Erstaunt richtete er sich im Bette etwas auf in der Meinung, daß jemand in das Zimmer getreten sei, dabei erkannte er, daß —————— es wirklich nur ein Kopf ohne Körper war, was seine Augen sahen. Die zarte Haut des vollen, runden Gesichts glänzte wie von einer magischen 10 Röte umstrahlt, nur aus den Grübchen der Wangen schimmerten silberne Lichtchen; auf die niedrige Stirn neigten sich die Löckchen des blonden Haares kokett herab und die blauen Augen schauten bei der schrägen Haltung des Kopfes ihn etwas von der Seite an mit einer zarten liebenswürdigen Begehr⸗ lichkeit, während auf den leichtgeschürzten roten Lippen noch ein Scherz zu stehen schien. So ganz eingetaucht in rosigen Glanz, unkörperlich wie ein Spiegelbild, duftig und leuchtend wie ein Gespinst der Morgenröte schwebte das rätselhafte Phänomen frei in dem Dämmer des Raumes es war so nahe, daß er es mit der Hand erreichen konnte. Er starrte mit weitgeöffneten Augen es an. Träumte er noch? Nein er fühlte, daß er erwacht wat. Trat die Göttin der Schönheit selbst an sein Lager. 1 Weit bog er den aufgerichteten Oberkörper vor... da wich das seltsame Bild zurück und schon in der nächsten Sekunde war es in dem grauen, matten Lichtstreifen zerronnen, der vom Feuster her in das Zimmer glomm. 9 (Schluß folgt.) 9 1 g 1 1 1 5 . 5 . N ö ö 9 5 11 1 Na, i für an Zeugen, daß i betrunken war.— Der Prä⸗ sident erklärte hierauf, daß er die Verhandlung vertagen müßte, um diesen Zeugen einzuvernehmeu, oaß jedoch in diesem Falle der auf freiem Fuße befiudliche Augeklagte wegen Verabredungsgefahr in Haft genommen werden müßte.— — Angekl.: Ji bitt', i sag's, i war net betrunken und hab's than. Präs.: Na also, sehen Sie, wie Sie reden können.— Der Gerichtshof verurteilte schließlich den Angeklagten zu zwei Monaten schweren Kerkers. — Ein kräftiger Eid. Die Formel, unter der kürzlich die hohen Beamten des siamesischen Hofes dem Kronprinzen des Rechtes den Eid der Treue geleistet haben, lautet:„Das Blut soll aus jeder Ader meines Körpers weichen, der Blitz mich in zwei Teile zerspalten, Krokodile sollen mich fressen, ich soll verdammt sein, Wasser in bodenlosen Körben durch die Flammen der Hölle zu tragen, nach meinem Tode soll ich in den Körper eines Sklaven wandern, der die härteste Behandlung so viele Jahre, als Sandkörner in der Wüste und Tropfen im Meere zu erdulden hat, ich soll von Neuem als blinder, stummer, tauber, mit den ekelhaftesten Geschwüren bedeckter Bettler geboren und sofort in die Hölle verstoßen werden, wenn ich je gegen meinen Eid verstoße.“ — Amerikanische Zustände. Der Wisconsin⸗ „Vorwärts“ veröffentlicht Folgendes über die Zustände im viel gelobten Lande der Vereinigten Staaten: In Michigan werden Kartoffeln für 8 Cents den Bushel ver⸗ kauft, trotzdem giebt es Leute, welche verhungern müssen. — Im Hocking⸗Thal verfrieren die Kohlengräber in ihren elenden Hütten, weil, nun weil eine Ueberproduktion von Kohlen vorherrscht.— Wir haben auch eine Ueberpro⸗ duktion von Wolle, trotzdem müssen die meisten Arbeiter Shoddy⸗Anzüge tragen.— Wir haben eine Ueberproduktion von Weizen, aber viele Leute können kein Brot kaufen. — In Portsmouth, O., verurteilte ein Richter ein neun⸗ jähriges Waisenkind zu 10 Tagen Gefängnis, weil es in einer Kirche geflüstert hatte.— In Washington, D. C verurteilte ein anderer Richter eine Generalstochter zu 3 Stunden Aufenthalt im Parlor des Sheriffs, weil sie einen Negerjungen erschoß.— Wunderbare Gegend! — Rafsinirte Rache. Wissen Sie, wenn Sie mich noch länger ärgern, schenke ich meiner Frau einen neuen Hut... nachher müssen Sie der Ihrigen auch einen kaufen!“(Fl. Bl.) * 2 Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 27. Mai. Für die Errichtung eines Treitschke-Denkmals hat sich ein Komitee gebildet, dem auch Fürst Bismarck bei⸗ trat. Hd. Wilhelmshaven, 27. Mai. Bei Lem⸗ werder in Oldenburg sind sechs Personen durch Kentern eines Bootes ertrunken. Hd. Wien, 27. Mai. Vorgestern erschoß sich nach dem Derby-Rennen ein junger Mann Namens Marcowicz, nachdem er 3000 Gulden am Totalisator verloren hatte. Hd. Budapest, 27. Mai. Der Minister des Innern hat den Ober⸗Buchhalter der Stadt Werschetz wegen vielfacher schwerer Disziplinar⸗ Vergehen endgültig seines Postens enthoben. Hd. Paris, 27. Mai. Präsident Faure hat die Ernennung des Marquis de Noailles zum Botschafter in Berlin vollzogen. Hd. Paris, 27. Mai. In ganz Frankreich wurde der russische Krönungstag wie ein Nationalfest gefeiert. Ber Präsident, die Behörden, Generalität und Gemeinde⸗Behörden in den Provinzstädten, sowie die Studenten Jwechselten herzliche Sympathie-Telegramme mit dem Zaren, der russischen Armee, der Regierung und den Studenten. Hd. Paris, 27. Mai. Ungeheures Aufsehen erregt die Broschüre des Generals Tournier, Kommandant der Flotten-Kriegsschule. Derselbe weist darin nach, daß die Wehrkraft Frankreichs zur See uur ein Trugbild sei. Die Organisation der französischen Flotte kompromittiere die Inter⸗ essen des Landes, weil dieselbe auf falschen Vor⸗ aussetzungen beruhe. Hd. Paris, 27. Mai. Präsident Faure hat aus Tours folgendes Glückwunsch-Telegramm an den Zaren gesandt: An Seine Majestät Nikolaus II. in Moskau. Ich erlaube mir Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zum Aus⸗ druck zu bringen, welche ganz Frankreich fühlt und die dem persönlichen Glück Eurer Majestät und dem Ruhme und Aufschwung Rußlands gelten. Ich lege zu Füßen Ihrer Majestät der Kaiserin meinen ehrfurchtsvollsten Respekt und bitte Eure Majestät, an meine innigste Anhäng⸗ lichkeit zu glauben. Felix Faure. Hd. Brüssel, 27. Mai. Lothaire ist in Lissabon eingetroffen, wo ihn Kommandant Tievez Namens der Kongo⸗Regierung in Empfang nahm. Hd. Moskau, 27. Mai. Anläßlich der Krönung erließ der Zar für die Armee folgende Gnadenakte: Eine jähr⸗ liche Unterstützung der Pensionskasse von 1200 000 Rubel, eine jährliche Zu⸗ wendung von 100000 Rubeln zur Ver⸗ mehrung der Pensionsfreistellen für Töchter von Militärpersonen, eine Zu⸗ wendung von drei Millionen jährlich 1 für bessere Verpflegung von Soldaten, Beförderung aller Fähuriche bei der Armee und den Kosaken, beschleunigtes Avancement aller Altersgrade vom Ka, pitän abwärts. Außerdem erließ der Kaiser verschiedene Gnadenbeweis. Hd. Krakau, 27. Mai. Wie aus Warschau gemeldet wird, verhaftete die Polizei gestern 60% verdächtige Personen, darunter eine Anzahl ru, sische Studenten, bei denen nihilistische Prokla⸗ mationen vorgefunden wurden. a Hd. Athen, 27. Mai. Das Revolutions Komitee auf Kreta fordert die Bevölkerung auf, keine Steuern zu entrichten, sondern das Geld lieber zur Befreiung der Insel wie der Türken⸗ herrschaft herzugeben. Sterbefälle. Am 26. Mai. Marie Ramspeck, 84 Jahre alt, Händlerin dahier, Löwengasse 6. Die Be⸗ erdigung findet Donnerstag, den 28. d. M., Nachmittags 2 Uhr vom Sterbehause aus statt, Am 26. Mai. Elisabetha Ohr, geb. 73 Jahre alt, Privatier dahier, Schillerstr. 34, Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. d. 0 b M., Nachm. 3 Uhr vom Sterbehause aus stat t. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. ge dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide 1 Gießen. 2 —.———— 8 —̃̃— Rierdurch beehre ich mich, meiner geschätzten Kundschaft sowie einem geehrten hiesigen wie auswärtigen] 7 Publikum ergebenst mitzuteilen, dass sich mein Geschäft wegen Errichtung eines Neubaues bis auf Weiteres. r Seltersweg 2, neben Herrn Kaufmann Adolf Geisse ö befindet. ö i 44 Carl Brück, Gold- und Silberarbeiter. c d 2 dall 0 at Bekanntmachung, betr. Verwertung der Gras⸗ und Klee⸗ nutzung von den Wegen ꝛc. in der 5 Gemarkung Gießen. Die rubricirten Gras- und Kleenutzungen sollen Donnerstag, den 28. Mai d. J. versteigert werden und zwar: a) Vormittags 9 uhr mit Zusammen⸗ kunft am Neustädterthor die Klee⸗ nutzung von zwei Grundstücken am Wis⸗ marerweg, sowie von dem oberen Teile des Friedhofs; b) Nachmittags 2 Uhr im Saale des alten Rathauses die Grasnutzung von sämtlichen städtischen Wegen. Gießen, den 22. Mai 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 5polhek.- Kapifäl. ie Beleihung von Grundstücken, Häusern, kaufwei Wirtsehafts⸗ Uebertragung. Einem verehrten Publikum von Gießen und Umgegend hiermit die ergebene Mitteilung, daß ich mit dem heutigen Tage mein Restaurant „Zur Schönen Aussicht“ se an Herrn Albert Kuhnd übertragen habe. Indem ich für das mir seit Jahren erwiesene Wohlwollen bestens danke, bitte ich, dasselbe auch auf meinen Nachfolger gütigst übertragen zu wollen. Joh. Fr. Sorger e D e e er e. teile ich einem verehrten Publikum ergebenst mit, daß es nach Uebernahme Hochachtungsvollst und Frau. e du a mech 1. Gietzen 8 e N. Jm af 8 85 V J 1 15 0 sacchuz ber 5 S V J des Veri Y 8 i V* Lale und Gi W Y 5 N When, po h D 8 I hegettagen V e S„ meite Dea, 8 fee V, aden, S 1 75 id Klee be che bnmen hahe wi i inge 1 für Bezugnehmend auf obige Auzeige, t 2 a ee ee zu 77 1 der„schönen Aussicht“ mein eifriges Bestieben sein wird, mir d urch coulante Bedienung, gute 22 85 A Tünchen z Seiten der Darleiher unkündbar) vermittelt Speisen und Getränke das Wohlwollen meiner Gäste zu erhalten und zu erwerben.— g bin den unter den billigsten Bedingungen e In Zapf kommen wie seither die zuletzt mit der goldenen Medaille und Ehrendiplom auf der I ohen wet 25 C. Werner, Eichgärten Nr. 10. internationalen Bierausstellung in München 1895 prämiirten und beliebten e J. gießen 5 1———— 8 A fr Klüdt Schlachthaus Export- sowie Pilsener Biere 5 rei bank. 8 1 5 5 E n E eute und mor b 10 7— 2 1 ech ielnefteisch ans der Aktienbrauerei Gießen zu Gießen. 2 12 dent l Zur Bequemlichkeit des mich beehrenden Publikums werden zeitgemäße Einrichtungen in Bälde getroffen.=* urn ale nicht ladenrein, per Pfun Pfg. Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, halte ich mich bestens einpfohlen. 1 2 2 5 di eee Hochachtungsvollst 8. haz G. 700 10 i Ering Albert Kuhnd und Frau. WIIn. Ciantz, Giessen. ce 8 1 5 2 Schloßagasse 17., Gießen epfelwein 2 S Nr. W Jbedelech ubmissionen. G 1 K n Van each 1 Verzapkt 41¹ 0 Großh. Hessische Staatseisenbahnen, Verdingung der Bauausführung EO 9 06 I n 4 5 der Hochbauten für die Stationen Wölfersheim Södel, Inheiden(Haltepunkt), 0 8 Gieß 0 15 i. e 200 5 11 1. Uhrmacher, 0 1. wid, zum Schipkapass, nd Salzhausen(Haltepunkt) der Neubaulinien Friedberg Hungen und? eien⸗ 25 9 arten Fr No. 7. heim Nidda. Die obigen Bauausführungen sollen 55 Ganzen oder nach den Stationen Neue Bäue 5(Kühlen Grund) 5 N abgeteilt oder auch nach den einzelnen Arbeitstiteln getrennt öffentlich verdungen werden. Die 5 1 9 Gief SGSesesesseesee fle len Berechnungen und Bedingungen sind im Bureauzimmer Nr. 3 der Greßh Behörde offeriert onferen; 51 ür Nebenbahnen in Oberhessen in Gießen! Frankfurterstraße 64) einzusehen. Die Verdingungs⸗ goldene Herren- Remontoir- Uhren vo flatkfibet, Zwei Bettstellen anschlag-Formulare und auf Wunsch auch die Bedingungen oder Teile derselben, sowie Umdruck⸗ 50 Mark an, goldene Damen-Remontolr- Verhanbln mit Mat Zeichnungen der Entwürfe werden ebendaselbst gegen Entrichtung von 10 Pfg. für jeden Akten⸗ Uhren von 2 lark an, silberne Herren. Or. Mirb billg zu ien atratze dogen oder jedes einzelne Aktenblatt, beziehungsweise gegen Bezablung von 1 Mk. für jedes RnRemontoir ren zult Goldrand von 16 dals Wo sagt die Exped. d. Ztg. 759 Zeichnungsalatt in Normalformat abgegeben. Angebote sind postfrei und unter entsprechender M an, silberne Damen- Remontolr- uber 0 9 9 Aufschrift an dieselbe Behörde bis zum Eröffnunstermin Samstag, den 30. Mai d. J., Junren mit Goldrand vo M a0 tahl-⸗ 1 0 5 2 1 ö i ster. 3 drand von 1s Mark an, Stah Bal Ki de gut erhaltener 761 Vormittags 11 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 1 e von 15 1 775 1 9 J zu emontoir-Uhren 1 N,— 17 in derliegwagen 7 Wecker, in 5 1 a von& Mark an. 1 5 S 45 1 E 1 e u S 8 8 Ee 1 5 e 2 9 1 von 12 Mark an. Getragene. Kle ider Ei in den guten Gang einer Uhr lei N werden zu den höchsten Tagespreisen gekauft.— enwerke ich 2 Jahre reelle Garantie. 669 Kaplausgasse 10. 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