Fra. ein Abend „ Dem Ni Galadiner 1 pminister, 00 Kammer be wird uähieh b Antwerbeng chen. Der filhe lch zu selle 19 9 7 J , Verantw. ktmann, beibe h 0 Grund 0 r-Uhren 4 Remont oll. ne Herren rand on temontolr- ark au, Stahl. au, VIelel, Mark an, on& Mark a werk 1 0 ler Lil La. N as beste dul a ellhrt I stücden, piu , Fabtilen 1 7013 0% 1 1 i udbat) bun ngen 75 garten N I. — aten en ehte tree, Uhrnothe, 3 sen un .——————f.— 1 6 wünschen, Glüctwunst f die 1 kann die 4 Ausgabe Gießen, Freitag, den 26. Juni Gießen. . 5 Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile. 1 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 25. Juni. Der Rentamtmann des Rentamts Gießen, Domänenrat Wil— helm Rube, sowie der Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Gießen J, Rendant Karl blatz, wurden beide auf ihr Nachsuchen, letzterer mit Wirkung vom 1. Juli d. J. an, in den Ruhestand versetzt. Rentamtmann des Rentamts Alsfeld Johannes Dexheimer wurde in gleicher Diensteigeuschaft an das Rentamt Gießen hersetzt, der Revisionskontrolleur bei dem Haupt⸗ steueramte Darmstadt Adam Ofenloch zum Hauptsteueramtskontrolleur bei dem Hauptsteuer— amte Offenbach ernannt. * Gießen, 25. Juni. Wir machen auch an dieser Stelle auf die am Samstag im Café Leib * stattfindende Bürgerversammlung aufmerk⸗ Es wäre im Juteresse der Sache zu wenn die Versammlung auch von unseren Stadtverordneten zahlreich besucht würde, sam. und zwar besonders von denjenigen, welche für erlegung des Viehmarktes gestimmt haben, damit die Burgerschaft ausführlicher die Gründe kennen lernt, unter deren Erwägung dem Projekt zugestimmt wurde. Nur im Austausch der gegen⸗ seitigen Meinung in öffentlicher Versammlung unter den Bürgern der Neustadt herrschende Erregung beschwichtigt werden. Gießen, 25. Juni. Gestern Abend hat sich in unserer Stadt ein Haus⸗ und Grun d⸗ bedsitzer⸗Verein mit 69 Mitgliedern konstituiert. Die Sitzung fand im Hotel Viktoria statt. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Rechtsanwalt Grünewald, Fruchthändler Aron Katz, Wilh. Wallenfels, Schneid⸗ müller Ph. Euler und Professor Pasch. Ge⸗ schäftsführer des Vereins wurde Adolf Bieler. Außer dem Eintrittsgeld von 1 4 beträgt der Jahresbeitrag 4%. Der Verein bezweckt, die Ignteressen seiner Mitglieder zu schützen und zu wahren. * Gießen, 25. Juni. Das gestrige Prome⸗ naden⸗Konzert in der Südanlage verlief bei dem schönen Wetter wieder ganz prächtig. Man hat sich so an diese Unterhaltung gewöhnt, daß allgemein bedauert wird, derselben während des Manövers entbehren zu müssen. ü * Gießen, 25. Juni. Auf dem gestrigen Krammarkt war in den Nachmittagsstunden starker Verkehr, doch klagten die Händler über schlechte Geschäfte; auch die Ladenbesitzer in der Neustadt erklärten, das Publikum zeige im Gegensatz zu früheren Märkten keine Kauflust. Die besten Geschäfte machten die Kirschen⸗Ver⸗ käuferinnen, sie gaben das Pfund für 18 und 20, sodaß sich schnell ein Korb nach dem andern leerte. Auch das Karussell und die Schiffsschaukel waren bis zum späten Abend gut besetzt. Auf dem Lahnstein amüsierte sich das junge Volk bis spät in den Abend hinein bei munterem Tanz. * Gießen, 25. Juni. Im Philosophen— wald fand man einen in Ulrichstein geborenen 54 Jahre alten Arbeiter erhängt vor. Der Mann war unverheirathet. Ueber das Motiv der That fehlt jeder Anhalt. Gießen, 25. Juni. Der neulich in Haft genommene Clemens Rothe von hier, ist aus der Untersuchungshaft wieder entlassen. Grünberg, 24. Juni. Durch Herrn Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern zu Gießen wurde die landespolizeiliche Prüfung und Abnahme der nun vollendeten Nebenbahn— strecke Grünberg—Londorf vorgenommen. Während der Fahrt, an welcher sich die ver— schiedenen Baubeamten beteiligten, wurden die Anlage selbst, wie auch die durch dieselbe nötig gewordenen Aenderungen und Verlegungen öffent⸗ licher Wege, die Uebergänge, Schutzvorrichtungen u. s. w. einer eingehenden Besichtigung unter⸗ zogen. Auch war den Bewohnern Gelegenheit gegeben, etwaige Wünsche wegen Einzelheiten der Bahnanlage vorzubringen, Einwendungen zu erheben oder Anträge zu stellen.— Die Bahn wird am 1. Juli eröffnet und in fahrplan⸗ mäßigen Betrieb gesetzt werden; es werden täg— lich 8 Züge auf der Strecke verkehren. Bad Nauheim, 24. Juni. Die Ge⸗ sammtfremdenfrequenz hat die Zahl 6000 nahezu erreicht, von denen 930 in der letzten Woche angekommen sind. Geht es in gleichem Tempo fort, so werden wir heuer am Schlusse der Saison gewiß die Zahl von 16000 Fremden erreichen. Auch die Bäderzahl ist eine bedeutend höhere. Friedberg, 24. Juni. Die Versamm⸗ lung der evangelischen Konferenz für das Großherzogtum Hessen findet Mittwoch, 1. Juli, vormittags halb 12 Uhr, im Saale des „Hotel Trapp“ hier statt. Auf der Tagesord⸗ nung stehen: 1) Referat und Thesen des Herrn Pfarrers Knab(Bruchenbrücken) zu dem Thema: „Die Frage der Kirchenzucht und der Kirchen— zuchtsgesetze in der evangelischen Kirche der Ge— genwart.“ 2) Rechnungsablage pro Oktober 1894/95. 3) Mitteilungen, Anträge u. s. w. 4) Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes. * Darmstadt, 24. Juni. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte heute die noch nicht 18 Jahre alte Prostituirte Anna Barthel von Biebrich wegen Majestätsbeleidigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Die Angeklagte hatte die Aeußerung über den Kaiser in angetrunkenem Zustand gethan. * Darmstadt, 24. Juni. Der Meister⸗ lverbandstag der Mitteldeutschen Bäcker⸗ innung hat beschlossen, den nächsten Verbands⸗ tag in Gießen abzuhalten. Man überließ es dem Vorort, geeigneten Falls schon im nächsten Jahre einen Verbandstag dorthin zusammen zu berufen. Aus den Mitteilungen des Referenten über vorstehende Angelegenheiten geht ferner hervor, daß eine Backstuben-Ordnung nach dem Muster der Harburger Innung geplant ist, einzelne Abänderungen will man je nach den örtlichen Verhältnissen dem Gutdünken der Einzel⸗ innungen überlassen. Köbrich(Mainz) als Vorsitzender teilte auf Anregung aus der Mitte der Versammlung mit, daß mit Einführung der Handwerkerkammern wegen des den Einzelregie— rungen zugestandenen Rechts des Erlasses von den Ausführungsbestimmungen eine anderweitige Ein⸗ teilung der Verbände durchzuführen sei, während der Zentralverband verbleibe. Zum Vorort wurde Kassel gewählt. Die von der Kom⸗ mission geprüfte Jahresrechnung wurde für richtig befunden und dem seitherigen Vorstand Decharge erteilt. Hennings(Gießen) dankte noch für die Wahl der Stadt Gießen als nächstem Ver⸗ sammlungsort und sicherte gute Aufnahme zu. Runkel(Marburg) dankte dem Vorsitzenden Köbrich für die Geschäftsleitung, darauf wurde der Unter⸗Verbaudstag geschlossen. Nachmittags fand ein Familienausflug nach der Ludwigs⸗ höhe statt. * Mainz, 25. Juni. Gestern ging in den spargelbautreibenden Orten unsrer Umgegend— es werden bekanntlich in der Nähe von Mainz nach Braunschweig die meisten Spargeln in Deutschland gebaut— die Spargelsaison zu Ende, da die von den Aufkäufern mit den Produzenten geschlossenen Lieferungsverträge mit dem 24. Juni erlöschen. Dieses Jahr war wohl die Ernte etwas mißlich, weil einesteils der April und der Anfang-Mai zu kalt, Ende Mai und Anfang Juni aber zu trocken waren. Wenn man aber erwägt, daß der Spargel unter der Erde erntereif wird und schon lange vor der Ernte feste Lieferungspreise für die ganze Saison vereinbart werden, so darf man behaupten: die Erträge des Spargelbaues sind doch keine sehr unterschiedliche. Die Landwirte unsrer Gegend haben also wieder ihre Haupternte glücklich zu Geld gemacht. Sind ja doch mehrere Orte in unsrer Nähe, deren hauptsächliche Kultur im Spargelbau besteht. Und was die Hauptsache ist: durch den Spargelbau sind diese Orte zu großem Wohlstande gekommen. Die vermehrte Produktion hat die Preise nicht nennenswert herabgedrückt, sondern hat immer stärkere Nachfrage verursacht. Kurz: der Spargel— bau wirft für die Landwirte so hohe Reinerträge ab, wie z. Z. keine andre Kulturpflanze. Sind es doch gar keine Ausnahmen, daß ein hessischer Morgen- 2500 Quadratmeter mehr als 300. Reinertrag brachte, dazu noch auf Ländereien, die früher des vorherrschenden Flugsandes wegen fast nichts erbrachten. Worms, 23. Juni. Bei den Ausgrab⸗ ungen für den Bau eines neuen Militär⸗ lazarethes stieß man auf ein Gräberfeld aus späterer römischer Zeit. Soweit die Grabstätten bis jetzt aufgedeckt, sind dieselben noch nicht durchforscht worden. *Gaulsheim, 23. Juni. Die tropische Hitze der letzten Tage hat auch hier ein blühendes Menschenleben vernichtet. Ein Land⸗ wirt wurde bei der Feldarbeit, die er mit un⸗ bedecktem Kopfe verrichtet haben soll, von einem Hitzschlage betroffen und war sofort eine Leiche. Vermischtes. — Ein japanischer Bettlerstaat. Die ja⸗ panische Zeitung„Kokumin“ enthält einen interessanten Bericht über eine Bettlergemeinde, die in einem Walde in der Provinz Shinano ihren Wohnsitz hat. Sie besteht schon seit 40 Jahren und zählt gegen 300 Mitglieder, darunter auch viele Frauen und Kinder. An der Spitze steht ein„König“, ein Mann von über 60 Jahren, der mit fast unumschränkter Gewalt„regiert“, aber sich nicht etwa von seinen Unterthanen ernähren läßt, sondern gleich ihnen tagsüber betteln geht. Bei warmem Wetter schlafen die Bettler einfach im Freien, nur im Winter oder wenn es regnet, errichten sie abends Zelte aus dickem Oelpapier. Am Morgen wird das Lager abgebrochen. Alles wird in Kisten und Kasten verpackt, und jede Spur ihres Aufent⸗ haltes vertilgt. Darauf verteilen sie sich in die um⸗ liegenden Dörfer und gehen„auf den Bettel“, um am Abend wieder im Walde zusammenzukommen, gemeinschaft⸗ lich ihr Mahl zu kochen, zu essen, zu schwatzen, zu singen, zu trinken u. s. w. Dabei wissen sie— dies ist eins der wichtigsten Gesetze ihres„Königs“— die Spuren ihres jedesmaligen Nachtquartiers so geschickt zu ver⸗ wischen, daß bis vor wenigen Jahren selbst die Einwohner der umliegenden Dörfer keine Ahnung von dem Dasein dieses Bettlerstaates, sozusagen in ihrer eigenen Mitte, hatten. Uebrigens sollen diese Bettler, obgleich viele von ihnen ehemalige Spieler, Diebe und dergleichen sind, sich jetzt, wenigstens in den Dörfern, wo sie als Bettler bekannt sind, aller Diebstähle und sonstigen Gesetzwidrigkeiten enthalten. Wenn sich ein neuer Ankömmling zur Aufnahme meldet, muß er zuerst dem„König“ seine Lebensgeschichte erzählen, worauf dieser über seine Zulassung entscheidet. Ebenso steht ihm auch das Recht zu, ungeeignete Mitglieder auszustoßen, Streitig⸗ keiten zu entscheiden, Strafen zu verhängen u. s. w. Nie⸗ mand würde gegen den Ausspruch des„Königs“ zu murren wagen. Seine Autorität schreibt sich daher, daß er der Gründer dieses Staates ist, indem er zuerst seinen Aufent⸗ halt in diesem Walde nahm, worauf sich nach und nach immer mehr Anhänger bei ihm einfanden. Als Kuriosum verdient noch erwähnt zu werden, daß die Bettler sich sogar den Luxus eines heißen Bades, dieses jedem Japaner Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Fortsetzung.) „Und können auch— Haarefärben, wie Sie da draußen ankündigen, wie?“ „Sie sollen auf das Prompteste bedient werden, mein Herr.“ „Ich meine das Färben von Frauenhaar, ver⸗ stehen Sie mich wohl!“ „Das ist sogar meine— Spezialität“, hauchte Dingelmann, nur durch das Bewußtsein beklommen, daß es mit seinem Vorrat an Tinkturen zu dieser „Spezialität“ recht schlecht bestellt war.—„Be⸗ lieben Sie mir nur zu sagen, welche Nuance der betreffenden Dame genehm wäre, und welche ursprüngliche Haarfarbe verdeckt werden soll.“ „Ach ja— meine Schwester ist blond— von jener matten Nuance, die man aschblond nennt, und ich möchte ihrem Haare etwas lebendigeren Glanz geben, so ungefähr die Farbe reifen Hafers, und was ich hauptsächlich betonen will, die Färbung muß vergänglich, abwaschbar sein. Es handelt sich nämlich nur um den Einklang mit einem Kostüm, das sie morgen zu einem Karnevalsfeste, zu einem Maskenballe anlegen wird. Wir beteiligen uns an einer Gruppe, die florentinische Edelleute aus dem vierzehnten Jahrhundert darstellt, und da schwebt mir als reizende Ergänzung zum Kostüm meiner Schwester jenes seltene Goldhaar vor, welches die Pinsel der alten Meister an den Porträts der Florentinerinnen mit so viel Liebe behandelt haben.“ „Ich— begreife ganz wohl“, entgegnete Dingel⸗ mann etwas unsicher.„Es soll sozusagen nur eine Auffrischung von Blondhaar sein, die Verleihung eines blendenden Schimmers, der am andern Tage „Ganz recht. Und haben Sie so ein Mittel, so eine Tinktur?“ „Ich denke wohl.“ Meister Dingelmann wandte sich nach dem einen der Parfümerieschränke, in dessen oberstem Gefach drei verschiedene Flaschen mit Haarfärbemitteln ein einsames Dasein fristeten. Der Fremde betrachtete sich den Lehrling, der seinem Prinzipal diensteifrig die kleine Trittleiter herbeiholte, mit der die Höhe des Schrankes allein zu erreichen war. „Ja— um es nicht zu vergessen! Sagen Sie, ist hier in der Nähe ein Droschkenstandplatz?“ „Ja wohl, drei Straßen weit. Wenn Sie wünschen, mein Herr, so könnte Ihnen der Bursche da einen Wagen besorgen.“ „Sehr gut! Seien Sie so freundlich, junger Mann— und bitte gleich— ich habe wenig Zeit und kann mich nicht lange aufhalten!“ Nazi flog hinter die Schrankwand nach seiner Mütze und stob im nächsten Augenblick schon auf seinen langen Beinen davon, während Meister Dingelmann auf der Höhe seiner Leiter nach einer der drei Flaschen griff. „Hier, mein Herr, do wäre gerade, was wir brauchen.“ „Ah!— Danke, ich reiche schon! Bleiben Sie nur! Vielleicht wählen wir doch noch anders. Jedenfalls muß ich erst...“ Der Fremde entkorkte die Flasche, die er dem Friseur abgenommen, roch daran und goß dann einige Tropfen auf das Marmortischchen in seiner Nähe, um die tiefdunkelgelbe Tinktur auch mit dem Auge zu prüfen. „Lassen Sie mal sehen, was Sie noch haben,“ meinte er dabei, mit einer flüchtigen Kopfbewegung zu den übrigen zwei Flaschen hinaufdeutend. „Das ist nur noch Dunkelbraun und Schwarz“, von selbst vergeht und keinerlei Veränderung des Haares zurückläͤßt.“ entgegnete Dingelmann kleinlaut; er hatte ja nur zu wohl vorausgesehen, daß diese klägliche Auswahl den Kunden nicht befriedigen werde. „So, so! Na, zeigen Sie immerhin einmal her! Am Ende wäre es ja nicht unmöglich, daß ich mich noch anders entschließe, und doch zu der ge— wöhnlichen Haarfarbe der Südländerinnen greife.“ Dies sagte der Herr, während sich der Friseur umdrehte, um die Flasche mit der Tinktur zum Schwarzfärben herabzulangen. „Hier, wenn ich bitten darf!— Aber— ich muß bekennen, ich weiß in der That nicht, ob diese Farbe nicht etwa doch noch längere Zeit Spuren zurückläßt...“ „Ei, dann freilich können wir sie nicht brauchen. Was denken Sie! Meine Schwester würde nie ein— willigen.... Gut also, bleiben wir bei der ersten da!“ Der Herr stöpselte die Flasche mit der blonden Tinktur, die er in der Hand behalten hatte, wieder zu, schüttelte sie und betrachtete sie durch's Licht. Dingelmann atmete froh auf und hüpfte von der Leiter herab. „Unschuldig ist das Zeug doch wohl?“ „Ich übernehme jede Garantie“, versicherte der Friseur, die Hand auf's Herz legend. „Auch für die leichte Abwaschbarkeit?“ „Ebsenso. Sie können sich vollkommen lassen.“ „Gut. Dann bitte, wickeln Sie mir das Dings ein und stellen Sie's zur Seite, damit Sie es nicht etwa irrtümlich an einen anderen Kunden ab— geben!“ Dingelmann hätte dem Fremden auch hierüber sehr beruhigende Versicherungen geben können, be— eilte sich aber, seinem Wunsche zu gehorchen, um— somehr als er sah, daß er in die Tasche nach dem Portemonnaie griff. „Ich bezahle es gleich, um mir die Flasche auf ver⸗ jeden Fall zu sichern. Da— das wird genügen!“ Dingelmann wäre fast ausgerutscht bei der tiefen Verbeugung, mit der er die— zwei harten Thalersßücke begrüßte, die der Freigiebige auf das Spiegeltischchen niederklirren ließ, und seine Hände zitterten, während sie die reservierte Flasche in einen Bogen des scönsten Seidenpapiers einwickelten. „Also morgen?“ sagte er dann, die so splendid bezahlte Ware in ein Extrafach stellend.„Und wohin soll ich kommen, das Fräulein zu bedienen?“ „Ah! Sie werden das doch jedenfalls hier am besten machen. Wir werden auf der Fahrt zum Balle bei Ihnen einsprechen, schon kostümiert.— Aber es scheint, Sie haben kein gesondertes Kabinett zur Verfügung, wo meine Schwester vor der Neugier anderer Kunden geschützt wäre?“ „Leider nein. Ich glaube Sie jedoch auf das Bestimmteste versichern zu können, daß das Fräulein trotzdem durchaus ungestört sein wird.... Gegen Abend habe ich— selten noch Kundschaft zu erante n „Selten, das schließt doch nicht aus, daß eine Belästigung zu fürchten wäre. Meine Schwester ist sehr schüchtern, müssen Sie wissen.— Da will ich Ihnen einen Vorschlag machen. Wir werden sehr spät kommen, zu einer Stunde, wo Sie sonst schon Feierabend machen dürften— sagen wir: nach zehn Uhr. Schließen Sie den Laden eine Viertelstunde vor zehn, ich werde anpochen, Sie lassen uns ein und üben Ihre Kunst bei wieder geschlossenen Thüren. Ich werde Sie für diese Extrabedieuung natürlich genügend entschädigen.“ „Ganz nach Belieben!“ flöͤtete Meister Dingel⸗ mann unter einem neuen, devoten Bückling.„Ich stehe jederzeit zu Diensten.“ Eortsetzung folgt.) 1 „ ö — unentbehrlichen Genusses, zu verschaffen wissen, und zwar dient ihnen auch hierzu wieder jenes— Oelpapier, das überhaupt in ihrem Zigeunerhaushalt eine große Rolle spielt. Sie machen nämlich eine fünf Fuß tiefe Grube und kleiden die Wände sorgfältig mit besagtem Oelpapier aus. Darauf füllen sie die Grube mit Wasser und werfen so viel Steine, die sie vorher in einem Feuer neben der Grube erhitzt haben, hinein, bis das Bad die gewünschte Temperatur erreicht hat. Das Reich besitzt einen„Staats- schatz“, der, wie man munkelt, sich auf mehr als 100 Yen oder nach unserem Gelde 225, belaufen soll! 955 — Von einer tragi⸗komischen Kalamität berichtet die„Mind. Ztg.“ aus dem Städtchen Peter s⸗ hagen(Kreis Minden.) Grimmigen Antlitzes sieht man die Männer unserer Stadt einhergehen, struppig wird das sonst so sanft geglättete Gesicht, aber auch der Jüngling, dessen Schnurrbärtchen fünf Haare in sieben Reihen auf⸗ weist, zupft sich verlegen an den Minimalbartspitzen. Und all diesen Aerger und Verdruß hat der Weggang unseres einzigen, allezeit geschwätzigen, stets mit dem Allerneuesten vollgepfropften, schaumschlagenden Genius, unseres Stadtbarbiers, hervorgerufen. Er war stets so nett und so adrett, und wußte so schön zu erzählen, daß unsere Damen stets bei der Hand waren, wenn ihr Ehe⸗ gesponst unter's Messer genommen wurde, damit sie aus dem mit seinem oft nicht haarscharfen Messer hantirenden Rasör herausholen konnten, wie es bei den Nachbaren A. und B. und bei den im andern Stadtviertel wohnenden X., Y., 3.8 zuginge. Und jetzt ist er fort, ist hinausgezogen in die Fremde, seine Sorgen hier zurücklassend, bezw. seinen Gläubigern die Sorgen lassend, zu dem Ihren zu kommen. Er ist gegangen und keine Spur verrät die Richtung, welchen Weges er fürbaß geschritten ist.— Und es kam ein Anderer, ein Wanderer, der hat' sein Sach auf nichts gestellt!“ Besaß er doch nicht einmal das zum Rasiren Nötigste, Messer, Streichriemen und Kammfutter mit Scheere. Doch sofort waren einige Bürger, die ihres Gesichtes wildes Wachstum nicht länger leiden mochten, bei der Hand, und„gründeten“ den freund⸗ lich aufgenommenen Fremdling. Mit einem Aktien⸗ Kapital von/ 15 zog er gen Minden, um sein not⸗ wendiges Handwerkszeug sich zu erstehen. Obwohl seit dieser Reise schon einige Tage in's Land gegangen sind, hat die wandelnde„Aktien⸗Barbier⸗Gesellschaft“ nichts mehr von sich hören lassen, und die Bärte wachsen weiter, daß man das Rauschen des Windes in denselben hört. Und wer dies Rauschen will versteh'n, der muß nach Petershagen geh'n. Gehen aber noch einige barbierlose Wochen ins Land, dann ist der erste Aerger des sprossenden Bartes vorüber, und kein Barbier soll in das Weichbild unserer Stadt sich verlaufen, denn wir sind dann die Stadt der Vollbärte. — Antike Großstädte. Von antiken Großstädten pflegt sich der moderne Mensch ein recht verkehrtes Bild zu machen. Er glaubt vielfach, Großstädte in unserem Sinne habe es eigentlich im Altertum nicht gegeben. Das ist aber ein großer Irrtum. in wenn es überhaupt im Kulturleben der Alten gewisse Seiten gegeben hat, in denen wir, der Geschichtsforschung folgend, Vorbilder unseres eigenen modernen Lebens wiedererkennen, so gehört dazu in erster Linie die zeitweilige Zusammendrängung der Menschen in Großstädten, die an Umfang und Be⸗ völkerung, an Gegensätzen von Pracht und Schmutz, an Reichtümern und erbarmungswürdigem Elend den ersten Weltstädten der Neuzeit wenig oder gar nichts nachgeben. Was über Bauweise, Aussehen und Leben in den Welt⸗ städten des römischen Reiches uns erhalten ist, zählt unter die interessantesten Zeugnisse aller Kultur. Auffallend er⸗ scheint da zunächst die Höhe der Gebäude. Man ist wohl geneigt, die Bauweise des Altertums sich vorzugsweise ein⸗ oder zweistöckig vorzustellen, während im Mittelalter die hochgiebeligen schmalen Bauten der engen Handelsstädte und in der allerjüngsten Zeit die unsinnigen, zehn— bis zwanzigstöckigen Turmbauten amerikanischer Spekulations⸗ orte zeitgemäß sind. Allein wie wird man au den steten Kreislauf gemahnt, wenn man hört, daß die römische Kaiserzeit so gut ihre„Himmelskratzer“ oder Turmhäuser besessen hat, wie nur irgend ein NewYork oder Chicago! In Babylon gab es eine Menge vierstöckiger Gebäude; indischen Städten werden Gebäude bis zu sieben Stock zugeschrieben. Karthagos Häufer besaßen oft sechs Stock— werke, und in Rom schrieb die Baupolizei unter Augustus eine Fronthöhe von etwa 20 Meter als Höchstmaß vor, was bei den niedrigen Wohnungen der Römer mindestens sechs Geschosse zuließ. In Konstantinopel waren um 500 n. Chr. 100 Fuß hohe Häuser(etwa 30 Meter) gestattet, gleichviel, ob sie den Nachbarn Licht und Aus⸗ sicht raubten oder nicht; die Stadt soll damals zehn⸗ bis zwölfstöckige Häuser, gerade wie New⸗Hork, besessen haben. Nun mußten aber zwei Umstände derartige Hochbauten damals viel auffallender und gewagter als heute erscheinen lassen: ein Mal die Bauart und dann die schmale Anlage der Straßen. Die Bauweise der Privathäuser war im alten Rom so liederlich, daß Hauseinstürze gar nichts Seltenes waren. und die in solchen, großenteils aus Holz bestehenden Wohnhäusern herrschende Feuersgefahr erhöhte sich noch dadurch, daß eigentliche Treppen kaum vorhanden waren, sondern nur Leitern mit schmalen Brettchen anstatt der Stufen, eine Stiegenart, die dem ersten Hauch des Feuers zum Opfer fallen mußte. Die Feuerwehr des alten Rom schnüffelte denn auch beständig in den Küchen herum, die Gelegenheiten zum Ausbruch eines Feuers mehr beachtend als die ausgebrochenen Brände, die in der Regel doch nicht mehr zu löschen waren. Die Breite vieler Straßen war nicht allein in Rom, sondern in fast allen Städten so sehr beschränkt, daß ein Wagenverkehr in ihnen fast gar nicht stattfinden konnte. In der Millionenstadt Rom maßen die breitesten Straßen 7 Meter, die meisten nur 4 bis 5, also so viel, wie heute vielfach die Bürger— steige der großstädtischen Straßen. Zwei der belebtesten Verkehrsadern in Rom waren der Vicus Tuscus und der Vicus Jugarius; erstere Straße maß 4½, letztere 5¼ Meter in der Breite. Hält man daneben die modernen, 20 bis 50 Meter breiten Straßen, die mit ihren Häusern von 10 Meter Höhe noch immer den Eindruck von Lauf⸗ gräben machen, so kann man sich vorstellen, wie es in den engen Gassen Roms, die zum großen Teil doch auch von drei- bis fünfstöckigen Häusern besetzt waren, aus⸗ gesehen hat, besonders wenn man die Neigung der Alten zum öffentlichen Leben und ihre geringe Bethätigung des häuslichen und Familienlebens hinzunimmt. Die Straßen müssen zeitweise schwärmenden Bienenständen an Verkehr geglichen haben. Nimmt man daneben noch Rücksicht auf die unregelmäßige Bauart der Alten, welche unsere heutige Forderung des Front⸗Innehaltens im Straßenzuge weder kannten noch befolgten, sondern bald gegen das Nachbar⸗ grundstück vorsprangen, bald zurückwichen, sowie auf die meistenteils nichts weniger als schöne Pflasterung, so kaun man sich leicht vorstellen, daß es in diesen antiken Groß⸗ städten ebenso malerisch als— unordentlich und unsauber ausgeschaut haben muß. — Feine Unterscheidung. Erster Gast: Kellner bringen Sie mir einmal Zunge in Madeira!— Zweiter Gast: Mir auch Zunge in Madeira, aber recht gut zu⸗ bereitet!— Kellner(in die Küche rufend): Zwei Por⸗ tionen Zunge in Madeira, davon eine gut zubereitet! („Lust. Bl.“) Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 25. Juni. Die Hinrich⸗ tung der beiden 27jährigen Raubmörder Wohlau und Kurz wegen gemeinschaftlichen Mordes und Raubes begangen zu Teltow in der Nacht des 2. September 1895 an dem 82⸗ jährigen Chausseegeld⸗Einnehmer Schulz wurde heute früh 6 Uhr durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg im Hofe des Gefäng— nisses Plötzensee vollzogen. Hd. Wien, 25. Juni. Der Prinz von Cumberland wird infolge der Operation ein steifes Knie behalten, sodaß er seine mili— tärische Carriere nicht fortsetzen kann. Hd. Bu dapest, 25. Juni. Gestern war die Zahl der Besucher der Mil⸗ leuniumsausstellung auf eine Million gestiegen.— Die Fakire auf der Separat⸗Ausstellung in Alt⸗Ofen streiken. Sie weigern sich, ihre Produk⸗ weil die Forderungen nicht nach⸗ tionen weiter vorzuführen, Direktion ihren 1 will. 5 g d. Paris, 25. Juni. Die äußerste Li N hat beschlossen, den Sog tal demo f Juterpellation, betreffend klerikale und sozia⸗ listische Kundgebungen zu überlassen. Hd. Paris, 25. Juni. Infolge eines Schlag anfalls stürzte gestern der bekannte monarchistische Abgeordnete Baudry d'Asson in einem der Wandel⸗ gänge der Kammer nieder. Er wurde sofort in das Spital verbracht. a Id. Paris, 25. Juni. Gemei nderat nahm gestern eine ossen feindliche Haltung gegen die Regie⸗ rung und gegen den Seine⸗Präfekten an. Der Letztere verlas einen Beschluß, in wel chem der Kredit von 10 000 Francs, den der Gemeinderat den ausständigen Glas⸗ arbeitern in Limoges bewilligt hatte, ver⸗ weigert wurde. Hierauf wurden fünf Reden gegen die Regierung und gegen den Prä⸗ fekten gehalten. Sodann wurde mit 43 gegen 6 Stimmen eine Resolution ange⸗ nommen und der Kredit von 10 000 Fres. zum zweiten Male bewilligt. Hd. Rheims, 25. Juni. Gestern entstanden nach der Ankunft der Pariser Pilger unter Führung des bekannten christlich⸗sozialen Abbe Garnier Unru hen vor der Kathedrale. Hd. Philippopel, 25. Juni. Eine 40 köpfige Räuberbande plünderte in 5 dem Wilajet Angora zahlreiche Häuser, entführte reiche Kaufleute und ermor⸗ deten Frauen. Die Bande konnte noch nicht eingefangen werden. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 27. Juni 1896. Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags; 4.00 Uhr. Sabbathausgang: 9.45 Uhr. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Ne 1 8 Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in ießen. —— r— Bekanntmachung. Die Lieferung von: 600 Ctr. melirte Kohlen 1. Qualität, 2800„ Nußkohlen 2. Sorte, 100„ Braunkoblen 1. Sorte von Hessenbrückerbammer und 700„ Braunkohlenbriketts für die städtischen Anstalten fürs Etatsjahr 1896—97 soll unter den auf unserem Bureau — Zimmer Nr. 15— offen liegenden Be- dingungen vergeben werden. Schlackensteine, us's Eisenwerk liefern: zu jedem Bau, beso gesunder, uder Offerten, in welchen der Preis per Doppel- waggon franko Bahnhof Gießen anzugeben ist, sind bis zum 5. Juli l. J., vor⸗ mittags 12 Uhr, mit der Aufschrist„Koblen⸗ lieferung“ versehen im Zimmer Nr. 15 ab⸗ zugeben. Gießen, den 22. Juni 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Schlackenmehl, empfehlen. 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