reinige druck 5 nagoge. 886. Schmitt geh u von Schuch d. Lumda. Ge⸗ die Leiche witd —— irg, Verantw. J Ottmann, beihe l U g zu machen, de uf weg z he. Isen. che Bette esse. München lh Gießen, Freitag, den 24. Juli 1896. 0 Ausgabe Gießen. andeszeikung. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die FSspaltige Petitzeile. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Hessischer Landtag. *Darmstadt, 22. Juli. Die Verhandlungen über die Verträge wegen Ver⸗ staatlichung der Hessischen Ludwigsbahn werden fortgesetzt. Metz⸗Gießen warnte die National⸗ lberalen davor, die wichtige Frage unter dem Dru be des Fraktionzwanges zu entscheiden. Es komme darauf an, daß das hessische Land, das die Bahn zu Eigentum er⸗ wirbt, sie selbständig oder in Gemeinschaft mit einem anderen Buudesstaat so zu verwalten in der Lage ist, daß ihm stets gebührender Einfluß gewahrt bleibt. Das muß vom rein sachlichen und nicht vom politischen Stand⸗ hunkt aus betrachtet und beurteilt werden. Erstaunt sei er über die Entrüstung, mit der gestern Finanzminister Weber die Ausführungen des Abg. Schmitt zurückwies, als dieser auf die Bedenklichkeit aufmerksam machte, pelche Aufgaben das Eisenbahnwesen nach sich ziehe, lachdem bereits Militär, Post und ein Teil der Justiz geopfert sei. Da war ebenso eine sachliche Erwiderung am Platz, wie denn auch ein Zweifel an der Erklärung Schmitts, daß er für einen Vertrag mit dem Reiche stimmen würde, keineswegs gerechtfertigt war. Redner führte drastische Fälle preußischer Konkurrenzmauöver an. Der Vertrag fällt der Majorität des Hauses zur Last, gie Freisinnigen erklärten sich gegen die Ermächtigung zur Besitzergreifung der Ludwigsbahn durch die Regierung. Als der Gedanke der Verstaatlichung aufkam, dachte er sie sich allein auf Hessen auf Grund der Konzessionsbe⸗ dingungen durchgeführt, während der Vertrag eine Ver staatlichung durch Preußen und Hessen für Preußen dar- stellt. Er wünscht den Nachweis, daß Hessen zum er⸗ solgreichen Betrieb der Bahn nicht in der Lage sei und daß es gerade so gemacht werden müsse, wie von der Regierung vorgeschlagen wäre. Er vermöge sich in wenigen Tagen nicht zu entscheiden, ihm scheine die finanz⸗ rechtliche Seite im Vertrage nicht gehörig gewahrt. Prüfen wir genau, lehnen wir aber diesen Vertrag ab. Es ist nicht parlamentarische Sitte, Abgeordnete, deren Mandat nur noch wenige Tage läuft, die Entscheidung einer solchen wichtigen Frage zuzumuten. Ueberlassen wir die Entscheidung ruhig dem nächsten Landtag und die künftigen Abgeordneten mögen die Ansichten ihrer Wähler hören. Wolfskehl polemisirte gegen die Ausführungen große hessische und preußische Eisenbahnkomplexe zusammen⸗ zuwerfen, bergen schwere Bedenken in sich. Das Beispiel der Main⸗Weserbahn zeige, daß die Vorwürfe gegen Preußen, es werde den Vertrag nicht loyal durchführen, 5 unbewiesene Behauptungen seien. Neben anderen bon Schmitt und Metz(Gießen.) Die Vorschläge, gleich⸗ Dingen sei auch die Frage, ob die Rückzahlungen auf die Gotthardbahnsubvention in die Betriebskasse fließen oder nicht, von nebensächlicher Bedeutung. Die That⸗ sache, daß die Ludwigsbahn seit 1890 auf die Verstaat⸗ lichung gefaßt sein mußte und den Betrieb daher sehr sparsam einrichtete, war der Grund, daß man zur Be⸗ schleunigung der Verstaatlichung drängte, bevor die Ver⸗ hältnisse noch verwickelter, unangenehmer und schwieriger wurden. Einer rücksichtslosen Behandlung seitens Preußens bei der späteren gemeinsamen Verwaltung habe man sich nicht zu versehen. Preußen habe gar kein Interesse daran, Hessen zu schädigen. Hessens Voranschlagsziffern werden sich nicht auf den einjährigen preußischen Etat, sondern auf die Betriebsergebnisse stützen. Schwankungen werden ja kommen, aber sie würden auch nicht ausge⸗ blieben sein, wenn Hessen die Ludwigsbahn allein be⸗ tceiben würde. Preußen selbst hat das größte Interesse daran, daß sich die Betriebsüberschüsse thunlichst stabil ausgestalten. Wer es mit den hessischen Finanzen wohl meine, müsse den Gedanken, die hessische Ludwigsbahn allein zu erwerben, ein für allemal aufgeben. Bei dem Zustandekommen des Vertrages wurden eben von beiden Seiten Konzessionen gemacht. Der Vertrag, wie er vor⸗ liegt, enthält überwiegende Vorteile gegenüber einigen nicht zu verkennenden Nachteilen. Der Finanzausschuß ist sich vollkommen bewußt, daß dem Vertrag zugestimmt werden muß, wenn Hessen eine ungewisse Zukunft erspart bleiben solle. Auch sei zu bedenken, daß der Vertrag im Falle der Ablehnung vom nächsten Landtag doch ange⸗ nommen werde. Diesmal gehören Rückgrat zum„Ja sagen“.(Bravo.) Staatsminister Finger: Die Regierung kann nur eine Annahme oder Ablehnung des Vertrages acceptie ren, eine Zurückweisung habe keinen Wert, da sie mit der preußischen Regierung nicht von Neuem paltieren könne, nachdem man nach zweijährigen Verhandlungen den Ver⸗ trag, wie er jetzt vorliegt, zu Stande brachte. Preußen habe in vielen Punkten nachgegeben, da könne man jetzt nicht kommen und verlangen, die Wünsche der Opposition in der zweiten hessischen Kammer zu respektieren, Seit zwei Landtagssesssonen sind wir über die Notwendigkeit der Verstaatlichung einig und da war es Pflicht der Re⸗ gierung, den Vertrag noch einzubringen, um so mehr als man vielleicht solchem Verständnis in der Verstaatlich⸗ ungsfrage bei dem nächsten Landtag nicht begegnet. In der Vertragssprache begründen die Worte„thunlichste Be⸗ rücksichtigung“ bestimmte Rechte. Durch Annahme des Vertrages diene die Kammer den Interessen des Landes. Abg. Wasserburg: Gerade das Interesse des Landes gebiete nach seiner Anschauung die Ab- lehnung des Vertrags. Obwohl Freund der Verstaat⸗ lichung war er Gegner des Vertrags, ohne daß er ihn zu lesen brauchte, als er gehört, daß ein gemeinsamer Vertrag geplant sei, noch dazu mit Preußen. Wie wenig Loyalität man von Preußen zu erwarten habe, zeige das Beispiel der s. Z. gemeinsam erbauten Main⸗Weserbahn. Durch diesen Vertrag wäre das ganze Hessenland wirt⸗ schaftlich ausgebeutet worden. Schröder ist der Meinung, daß es nach der trau⸗ rigen Vorgeschichtr unseres Eisenbahnwesens ein Gebot der Klugheit sei, sich mit einem stärkeren Gegner zu ver⸗ binden. Die rasche Behandlung des Vertrags ist dem Redner ebenso bedenklich, wie einzelne Bestimmungen des Vertrags. Namentlich verlangt er, daß hessische Mit⸗ glieder der Direktion in Mainz in Fällen von Versetzung nur wieder durch Hessen ersetzt werden können und daß die Summe der in die Betriebsgemeinschaft einzuwerfenden Nebenbahnen für Hessen erhöht werde. Seine Abstimmung macht er von der Beantwortung einiger an die Regie⸗ rung gerichteter Fragen abhängig. Interessant wäre die Mitteilung des preußischen Handelsministers Achen⸗ bach, der schon vor ca. 16 Jahren Mainz als Ziel der wirtschaftspolitischen Entwicklung bezeichnete. Abg. Ulrich ist ein Freund der Verstaatlichung durch das Reich. Nach den Ausführungen des Abg. Schmitt ist eine Schädigung des Hessenlandes nachge⸗ wiesen, wie er eine glatte Ablehnung des Vertrages durch Schmitt erwartet. Für ihn ist der Hauptgrund zur Ab⸗ lehnung des Vertrages die allzu große Freigebigkeit der Regierung gegenüber den Aktionären. Die Regierung habe das Geschäft der Aktionäre in einer Weise betrieben, daß er eine Zustimmung nicht verantwortin kann. Der Firma Arons und Walther seien mehrere Millionen in den Rachen geworfen worden, obgleich der Finanzminister kürzlich die Erklärung abgab, daß eine Mehrzahlung über 30½½ Mark pro Aktie nicht geleistet werde. Die Aktionäre haben dies auch nicht erwartet. Wie kommen die Regierungen dennoch dazu, dem das Land ausbeu— tenden Konsortium das Geschäft zu erleichtern? Das Interesse des Volkes erheischt, hart zu werden, und den mühelosen Erwerb nicht zu erleichtern, die ihn dem Ver⸗ trag gebotenen Garantieen genügen thm nicht. Er befürchtet keine illoyale Handhabung der Verträge. Im Gegenteil, man werde Hessen in ganz gesetzlicher For m aussaugen. Die Ludwigsbahn hat seither die Arbeiter schlecht behandelt, ihre Bediensteten schlecht bezahlt, das Material zu Grunde gehen lassen; das Alles war nicht blos um die Verstaat⸗ lichung zu erlangen. Wenn nun eine fiskalische Ver⸗ waltung nach preußischem Muster an die Stelle gesetzt werden soll, so ist das für uns ein weiteres Moment für die Ablehnung der Verträge. Nächste Sitzung heute Nachmittag 5 Uhr. Lokales und Provinzielles. Gießen, 24. Juli. Das war ein Elite⸗ Konzert gestern Abend in Steins Garten, welches die Kapelle des Inf.-Regiments Mark⸗ graf Karl unter Leitung des kgl. Musikdirigenten J. P. Ehmig zum Besten gab, wobei nicht zum Wenigsten die Piston-Virtuosin Fräulein Sophie Branden durch ihr Mitwirken bei⸗ getragen hat. Die Weißenburger Militärkapelle war in ihrem Leisten großartig. Das Programm bot des hier selten zu Gehörgebrachten die Menge, und wurden die Gaben der Kapelle fast bei jeder Nummer lebhaft applaudiert. Steins Garten war gestern Abend bis auf den letzten Platz von Konzertbesuchern gefüllt. Das lebhafteste Inter esse wurde dem Frl. Branden entgegengebracht. Die junge, etwa 20 jährige Künstkerin wurde schon bei ihrem Erscheinen von allen Seiten beifällig begrüßt. Sie ist eine kleine, hübsche Erscheinung. Unsere Damenwelt bildete vor dem Musikpodium eine undurchdringliche Mauer, während ihre Mitschwester dem Instrument mit Leichtigkeit die herrlichsten Töne entlockte. Wunder- voll war besonders im zweiten Teil des Pro⸗ gramms die Wiedergabe der Volkslieder:„Aus der Jugendzeit“ von Badecke und„An der Weser“ von Bressel, dem die Künstlerin das „Verlassen“ von Koschat hinzufügte. Reicher Beifall lohnte die Leistungen. Wir hören, daß Frl. Branden von Herrn Stein für einen Abend etwa im Monat September gewonnen ist, wo dasselbe im geschlossenen Raum unter ae l eines Streichorchesters sich hören lassen will. Wir rufen der talentvollen Dame ein herzliches Auf Wiedersehen! zu. * Gießen, 24. Juli.(Schöffengericht.) Der 14 Jahre alte Heinrich Heck von Gießen hat ein Strafmandat auf Grund des§ 160, Pos. 11, in Höhe von 3, erhalten und dagegen Widerspruch erhoben. Der Thatbestand wird heute vor dem Schöffengericht, wie folgt, fest⸗ gestellt. Heck, welcher damals noch in die Schule ging, hat am letzten Himmelfahrtsmarkt auf Oswalds Garten vor einem damals dort auf— gebauten Panorama sich mit drei jüngeren und schwächeren Buben herumgeschuppt, wobei er allerdings einen davon besonders sich aufs Korn genommen hatte, dem er auch einen leichten Tritt mit dem Fuß versetzt haben soll. Der Schutz⸗ mann Schädel hat die Sache zur Anzeige gebracht, weil durch diese Affäre ein Auflauf verursacht worden sei. Der Amtsanwalt bean⸗ — 3. erkannt werden möge. Der Vater des Buben erklärt, daß er es für unrecht halte, wenn man jede Balgerei, die die Jugend untereinander ausmache, mit gerichtlicher Strafe ahnden wolle. Jeder Mensch habe seine Freude daran, wenn er mit zusehe, wenn sich die Buben einmal kräftig tummeln, und weiter sei doch auch auf Oswalds Garten nichts passiert. Der Gerichtshof ver⸗ urteilte den Angeklagten zu einem Verweis, welches Urteil dessen Vater und der Amtsanwalt sofort anerkannten, sodaß der Vorsitzende den Verweis gleich erteilen konnte, indem er den Buben belehrte, daß, wenn er wirklich einmal sich balgen wolle, er sich einen Gegner aussuchen solle, der ihm an Kräften gewachsen sei. W. Gießen, 23. Juli. Demnächst wird sich unsere Strafkammer mit einer interessanten welcher fu de zu beschäftigen haben, welcher sich die Gutspächters⸗Witwe Schultheis von Wisselsheim schuldig gemacht haben soll. In dem bekanntlich vor etwa einem Jahre vor den Geschworenen abgeurteilten Fall 05 en die Witwe Schultheis, wobei es sich um ufistung zum Meineid handelte(die Geschworenen ver⸗ neinten damals die Schuldfrage), haben aller⸗ dings mehrere Zeugen bekundet, daß auf dem Gute der Witwe Schultheis die Abendmilch am Morgen abgerahmt, teilweise unter die Morgen⸗ milch geschüttet nach Frankfurt u. s. w. versandt worden sei. In der Schwurgerichtssitzung war es jedoch der Anklagebehörde nicht möglich, nach⸗ zuweisen, daß nur ein einziger Kunde der Witwe Schultheis über die empfangene Milch zu klagen gehabt hätte, während die Verteidigung zahlreiche unanfechtbare Zeugen stellte, welche über die Güte der vom Schultheisschen Gut empfangenen Milch alles Lobes voll waren. Das jetzige Ver⸗ fahren vor der Strafkammer bildet die Fort⸗ setzuug des vor dem Schöffengericht zu Bad⸗ Nauheim verhandelten Milchfälschungsprozesses, welcher s. Zt. mit der Freisprechung der Ange⸗ klagten endete und aus dem sich das Meineids⸗ verfahren entwickelte. * Gießen, 24. Juli. Heute Vormitta verhandelte das Schöffengericht unter Ausschlu der Oeffentlichkeit gegen den Tagelöhuer Konrad Schäfer von Treis a. d. L. Das Ergebnis der Verhandlung war, daß der Angeklagte unter dem Verdachte des Verbrechens der Blutschande in Haft genommen wurde. * Gießen, 24. Juli. Durch den Uebergang des Kaiserhofs in das Eigentum des ehe⸗ Won Pächters, Herrn J. Baab, ist das Fortbestehen desselben in der bisherigen Weise gewährleistet. Der neue Eigentümer des Hauses hat während der kurzen Zeit seines Hierseins sich als tüchtiger und umsichtiger Wirt bewährt. Er beabsichtigt das Unternehmen nicht nur in der seitherigen Weise fortzuführen, sondern noch auszudehnen und den Kaiserhof zum Mittelpunkt des geselligen Lebens unserer Stadt zu machen. * Gießen, 24. Juli.(Besitzwechsel.) Das der Firma Rüger gehörige Haus, Kreuzplatz 4 ging heute für den Preis von 29000. in den Besitz des Herrn Kaufmann Hermann Mettenheimer über. tragt, daß gegen Heck auf eine Geldstrafe von Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Ende 1887 starb der alte Klausner, und die gu, Tochter erbte seine Millionen. Das schrieb Thekla ter Freundin noch selbst und knüpfte daran die Demerkung, das viele Geld mache ihr nur Kummer; on ihrem Gatten, von ihrem häuslichen Leben— bein Wort.— Ueber ein Jahr verging, ohne daß Adele von der Gräfin Wesentliches vernahm. Dann lerichtete Thekla, sie leide gegenwärtig an der Kopf⸗ dose, der Arzt hätte ihr aber sichere Heilung in Lussicht gestellt, und daß sie nicht zu fürchten lrauche, ihr Haar verlieren zu müssen. Sobald sie bieder hergestellt sei, werde sie ihren Mann nach Faris begleiten, einerseits, weil ihr der Arzt während ser Reconvalescenz Luftveränderung angeraten habe, imdererseits, weil sie auch nicht allein bleiben wolle, bährend Graf Norbert in Paris dringende Geschäfte u erledigen habe. Das war— das letzte Lebens⸗ seichen von ihr. Adele durfte sich wundern, daß Thekla von der bevorstehenden Reise nicht mit mehr Därme gesprochen hatte! für Paris war das Frauchen ja einst voller Begeisterung gewesen.— Tun, Mitte Februar, erhielt Adele— die Todes⸗ zeige. Sie wurde durch diese plötzliche Trauer⸗ bolschaft furchtbar erschüttert. Wäre sie Herrin ber sich gewesen— sie hätte sofort die Reise nach Frankreich unternommen, die Freundin, die sie erst it so recht schmerzlich entbehrte, wenigstens im Sarge noch einmal zu umarmen. So konnte sie sich nur brieflich an den Grafen wenden, sich ein— gehendere Mitteilungen über das betrübende Er— eignis erbittend. Graf Degenstein antwortete auch sehr ausführlich, in einem Tone, der ein beredtes Zeugnis für seinen unendlichen Schmerz über den Verlust ablegte. Nach seinem Berichte war das Fuchtbare, Unfaßbare überraschend jäh hereinge— gebrochen. Die Pariser Aerzte waren Theklas plötzlich wieder auftretender Krankheit gegenüber rat⸗ und machtlos gewesen. Der Rotlauf der Kopf— rose hatte mit entsetzlicher Geschwindigkeit um sich gegriffen; schon vierundzwanzig Stunden nach der ersten Wiederkehr der vermeintlich endgiltig über— wundenen Fiebererscheinungen war die Aermste ihrem Leiden erlegen unter Bewußtlosigkeit und Delirien.— Etwa ein halbes Jahr darnach kam der junge Witwer wieder nach Wien und stattete im Hause Effenberg eine formelle Visite ab, auf die jedoch bald ein regerer Verkehr folgen sollte. Adele gefiel die stumme Trauer, mit der er sein Geschick trug. Wohl mochte er sich der Verstorbenen gegenüber Manches zum Vorwurf zu machen haben; um so inniger war aber nun offenbar seine Reue über alle die Fehltritte während der Ehe. Jeden— falls bewies er durch sein Verhalten seither, daß er die Thorheiten der jugendlichen Periode abgethan hatte, und mußten die fünf Jahre tadelloser Füh—⸗ rung auf die Sünden während seines dreijährigen Ehestandes wohl als Sühne für diese hingenommen werden. Wie nahe ihm das Andenken der Seligen ging, war schon daraus zu entnehmen, daß er— während er in der ersten Zeit alle Personen, die mit Thekla in den entferntesten Beziehungen ge— standen, eifrig aufsuchte— schließlich jeder Reminiscenz seiner Ehe auswich, wiewohl man ihm deutlich an— sah, daß sich seine Gedanken unausgesetzt damit be— schäftigten. Er war überhaupt„ein ganz Anderer“ geworden; wortkarg, in sich gekehrt, schwerfällig in seinem ganzen Wesen. Er verkehrte nunmehr im Hause Effenberg. Aus seinem anfangs nur für kurze Zeit beabsichtigten Wiener Aufenthalte wurden Monate. Es war nicht zu verkennen, daß er sich vor der Rückkehr nach dem Orte scheute, wo er mit Thekla größtenteils gelebt hatte. Und als er schließlich doch ging, machte er lein Hehl daraus, daß er in der Familie Effenberg den wohlthuendsten Trost gefunden habe. Im nächsten Herbste kam er auch wieder; er hatte sein Stammschloß Chlobonitz verkauft und die übrigen böhmischen Güter in Pacht gegeben. Im darauffolgenden Jahre erwarb er in Nieder-Oesterreich Besitzungen, verlebte aber doch fast alle Zeit in Wien, stets eifriger Hausfreund der freiherrlichen Familie. Aber erst Jahre mußten vergehen, bis der stille Mann Adelen zu erkennen gab, daß seine ihr gewidmete Wertschätzung all— mählich in tieferen Gefühlen Wurzel geschlagen hatte. Und auch da bedurfte es der Vermittelung von Adelens Mutter, ihn zu einer offenen Erklä— rung zu bringen. Adele war aufangs darüber er— schrocken; sie hätte sich ja am liebsten für die Ehe— losigkeit erklärt. Aber dieser Vorsatz mußte ebenso wie der, sich ganz und gar ihrer geliebten Kunst zu widmen, am Willen der Eltern scheitern. Gab sie im Ersteren nach, so durfte sie hoffen, sich dadurch —— doch einigermaßen den anderen zu retten, da Degen⸗ stein ihren künstlerischen Neigungen alle Freiheit zu⸗ sagte. Der Graf war ihr bekannter als irgend ein anderer Mann, sie hatte ihm Hochachtung ent⸗ gegenbringen gelernt, ja sie fand sich sogar gerührt — durch den stummen, innigen Dank, mit welchem er sich ihre Teilnahme hatte zum Troste gereichen lassen, und so nahm sie im vergangenen Winter seine Werbung endlich an.(Fortsetzung folgt.) — Die photographierte Zukunft. Ein inter⸗ essante Wahrnehmung machte kürzlich ein Photograph zu Manchester bei der Aufnahme eines Kindes. Obgleich dessen Gesicht einen durchaus reinen, gleichartigen Teint zeigte, waren— so teilt das internationale Patentbureau von Carl Fr. Reichelt in Berlin mit— auf dem Negativ doch eiue Menge kleiner Flecken sichtbar, für welche sich eine Erklärung nicht finden ließ. Diese ergab sich vielmehr erst nach einigen Tagen, als der Photograph das be⸗ treffende Kind wieder zu sehen bekam; dasselbe zeigte nämlich jetzt reichliche Sommersprossen, die bei der Auf⸗ nahme noch nicht vorhanden gewesen, wohl aber wurde festgestellt, daß das betreffende Kind den ganzen Tag vor der Aufnahme sich im grellen Sonnenschein aufgehalten habe. Also auch hier dürfte eine nur der lichtempfindlichen Platte, nicht aber dem menschlichen Auge bemerkbare Licht⸗ strahlung vorhanden sein. Eine ähnliche Erscheinung wurde übrigens schon früher beobachtet, wo auch das Bild einer Person ein fleckiges Gesicht ergab; bei derselben traten fünf Tage nach der Aufnahme die schwarzen Pocken auf, von denen am Tage der Aufnahme noch in keiner Weise etwas zu bemerken war. Und so dürfte wohl schon mancher Photograph solche rätselhaften Fehler des Negativs bemerkt haben, ohne daß er eine Erklärung dafür fand oder über deren Entstehen weiter nachdachte. »Oießen, 24. Juli(Besitzwechsel) 5 einigen Tagen kaufte die Frau Witwe Cilh. Seuling aus der Seulingsschen Konkurs⸗ lasse das Haus Wetzsteinstraße Nr. 41 mit dem abel befindlichen Bauplatz für den Preis von 0500 KA. L. Gießen, 24. Juli. zommer vorwärts; die Stunden werden zu Tagen, di aage zu Wochen— und wie lange wirds dauern, so ) eht der Herbst vor der Thür und heischt gebieterisch inlaß. Schon rüstet man sich hier und da, wo die zonne so recht in Gebelaune war und die Saat wider rwarten rasch heranreifen ließ, zur Ernte; bald schmücken ie Erstlingsgarben das Feld, und nach kaum drei vier gochen wird man die letzten zur schützenden Tenne ringen. O du selige, fröhliche Erntezeit! Wieviel agen, wieviel volkstümliche Gebräuche knüpfen sich an ich von Alters her! Es lohnt sich wohl, ein weng arüber zu plaudern. Unsere Vorfahren, die in vieler Ainsicht poetischer dachten und fühlten als wir, glaubten enstlich, daß die Natur überall belebt sei von versteckt ch aufhaltenden Geistern und Dämonen. Auch das zetreidefeld barg solche. Beim Schnitt der Aehren 0 ö ichen sie zurück, und wehe dem Schnitter, dessen Strich e dennoch traf! Er verfiel in eine schwere, oft tödliche krankheit. Sie flüchteten sich in die letzte Garbe. Für Ilche Getreidegeister hielt man den Hahn, den Bock, den Solf und andere Tiere. Sie blieben nach der Ansicht Alancher Landleute in der letzten Garbe, die nach ihnen enannt wurde, so lange verborgen, als diese Körner nthielt. Manche meinten den versteckten Geist erst durch stöcke töten zu müssen, bevor man die letzte Garbe ein⸗ uhr. Daraus entstand später eines der vielen Ernte⸗ piele, die noch jetzt im Schwange sind. Ein wirklicher ebendiger Hahn, in die letzte Garbe oder in einen aus 2 hren Aehren geflochtenen Kranz gebunden, wurde kot⸗ N geschlagen. Wer in Norwegen den letzten Schnitt that, nußte den Arbeitsgenossen vom Blut des Getöteten eichen, indem er Bier oder Schnaps zum Besten gab. In Westfalen wollte man Getreidegeister in Menschen⸗ sestalt erblickt haben; sie zogen sich während der Ernte n die letzte Garbe zurück. Diese wurden durch ein Stroh⸗ ei zu einer Puppe zusammengebunden, am Ende einer Mangel aufgestellt und mit Jubel von den herbeieilenden Schnittern und Schnitterinnen begrüßt und verrehrt. Die Verehrung ging so weit, daß der päpstliche Legat Jakob on Lüttich sich anno 1249 bewogen fühlte, gegen das Götzenbild des„Aulen“ oder„Alten“ einzuschreiten und den Bauern das Versprechen abnahm, daß sie nie wieder diesem Götzenbilde dienen wollten. Der„Alte“ wurde übrigens nicht nur auf dem Felde, sondern auch im Hause verehrt. Man gab der letzten Garbe die Gestalt einer Puppe und zog ihr Beinkleider, Weste und Rock an, setzte ihr einen großen Hut auf und brachte sie jubelnd in den Bauernhof. Hier tanzte man dreimal um sie herum, trug oder fuhr sie um die gefüllte Scheune, lud sie wohl auch zum Erntemahle ein und trieb noch mancherlei Allotria mit ihr. Der Roggenalte führte auch noch folgende Namen: Getreidemännchen, der wilde Maun, der schwarze Mann. In einigen Gegenden Norddeutschlands läßt man einen kleinen Teil der Aehren auf dem Halme stehen, als den„Vergoodendeelstrauß“, nämlich den Anteil der Fru 2 Goode oder man opfert die letzten Aehren unter launigen Spielen und Sängen zum Dank für den Erntesegen. Frau Unaufhaltsam schreitet der die Goode ist Frau Holle, und in Südhannover pflegt man zu sagen, daß die nicht geschnittenen Aehren„vor Frau Holle“ seien.— Vielleicht regen vorstehende Mitteilungen kundige Leser an, uns noch weitere Erntegebräuche bekannt zu geben! 5 R. Lollar, 24. Juli.& ein hiesige Familie von einem schweren ch ick⸗ fal betroffen. Der Landwirth Heinrich Rohr⸗ bach, ein braver Mann, hat sich Nachmittags in der Lumda, nicht weit von seiner Wohnung, ertränkt. Die Familie R. ist schon sehr oft von Schicksalsschlägen heimgesucht worden. Vor einigen Jahren starb ein großes Mädchen, vor etwa 3 Jahren ein großer Sohn von 17 oder 20 Jahren, vor 14 Tagen ein Mädchen von 18 Jahren. Mainz, Gestern wurde eine 23. Juli. Der ehemalige Redak⸗ teur der„Mainzer Volkszeitung“, Peter Tiefel, und der Verleger desselben Blattes, Ludwig Jöst, sollen groben Unfug dadurch verübt haben, daß sie an der Spitze des Blattes gelegentlich des Brauereiarbeiterstreikes in Speyer die Auf⸗ forderung an das Publikum gerichtet haben, kein Speyerer Bier zu trinken. Die Sache sollte heute Vormittag vor dem Schöffen⸗ gericht verhandelt werden, doch erhob die Ver⸗ teidigung Einspruch, weil den beiden Angeklagten in der Ladung nicht mitgeteilt worden war, wodurch der grobe Unfug verübt worden sein soll. Das Gericht gab der Beschwerde Folge und vertagte die Sache bis zum 8. Oktober. Zahlreiche Bierbrauereibesitzer waren vorgeladen, um zu bezeugen, daß beim Lesen der gemeinten Aufforderung Erregung sich ihrer bemächtigt habe. Vermischtes. — Wetzlar. Der„Limburger Anzeiger“ schreibt: Ertrunken ist heute Morgen gegen 11 Uhr beim Baden in der Lahn, im sog. Steiger, ein junger Mann Namens Ehr. Hahn aus Wetzlar. Derselbe hatte, bevor er sich in das Wasser begab, erst noch Hemd und Strümpfe ge⸗ waschen und diese am Ufer zum Trocknen ausgebreitet. Ein Augenzeuge, welcher seinen Untergang vom Kirchhof aus zufällig wahrnahm, berichtet, daß der Verunglückte anscheinend von Krämpfen befallen wurde, in Folge dessen es ihm nicht möglich war sich ans nahe Ufer zu retten. Wie verlautet, soll der Ertrunkene überhaupt an Krämpfen gelitten haben und so auch kürzlich auf der Wiese vor dem Hänneschen⸗Theater einen Anfall gehabt haben. Die Leiche ist noch nicht gefunden. — Eine Mordaffäre spielte sich am Sonntag Abend zu später Stunde in dem Hause Metzerstraße 22 in Köln ab. Die Parterre-Räume genannten Hauses be⸗ wohnt der Schreiner Heinrich Kaulmann mit Frau und zwei Kindern, sowie ein un verheirateter Bruder des Kaul⸗ mann. Vor einigen Monaten logierte bei Kaulmann ein Reisender Namens Hermann Elias, welcher abends von einer längeren Reise zurückkehrte und die Gebrüder Kaul⸗ mann aufsuchte. Bei dieser Gelegenheit entspann sich ein Streit, während dem der unverheiratete Kaulmann, ein Kommis, dem Elias vier Revolverschüsse in Kopf und Brust beibrachte, die den sofortigen Tod des Reisenden zur Folge hatten. Ein herbeigeeilter Schutzmann ging mit mehreren Nachbarn, die eine Lampe herbeibrachten, in das Wohnzimmer, wo man Elias mit durchschossenem Kopf und Brust tot auf der Erde liegend vorfand. Der unverheiratete Kaulmann trat sofort auf den Schutzmann zu und sagte:„Ich habe ihn getötet, hier ist der Re⸗ volver, aber ich habe in Notwehr gehandelt. Der Schutz⸗ mann nahm den Mörder fest, ebenso den mit Blut bespritzten verheirateten Bruder. Während dieser Affäre war Frau Kaulmann außerhalb des Hauses und kehrte erst eine Stunde nach dem Morde heim. Auch sie wurde verhaftet und die beiden Kinder im Alter von sechs und neun Jahren dem Waisenhaus übergeben. Der Streit soll dadurch entstanden sein, daß man Elias vorwarf, er habe nähere Beziehungen zu Frau Kaulmann, worauf Elias drohte, er wolle, wenn man ihn nicht in Ruhe lasse, Anzeige wegen der Falschmünzerei erstatten. Bei dem Mörder wurden mehrere hundert Mark, darunter eine Anzahl falsche Zwanzigmarkstücke gefunden. — Eine verfängliche Frage. Das„Neue Wiener Tageblatt“ schreibt: Bei einer dieser Tage in Wien abgehaltenen Maturitätsprüfung stellte der Professor an den Kandidaten folgende Frage:„Wo hat sich der Dichter Uhland seine Finger erfroren?“ Der Kandidat war in sichtlicher Verlegenheit, er dachte einige Sekunden nach und meinte endlich, das sei wahrscheinlich auf einer Reise an den Nordpol geschehen. Der Professor winkte verneinend mit dem Kopfe und sagte:„O nein, Uhland hat seine Finger erfroren, als er eine Zeit lang in Paris, und zwar aus Not, in einem feuchten und kalten kellerartigen Gelasse wohnen mußte.“ Ohne uns in die Prüfung dieses Details aus dem Leben Uhlands näher einzulassen, müssen wir doch der Hoffuung Ausdruck geben, daß der Maturand wegen seiner nicht zutreffenden Beantwortung durchgekommen sei.— Nachschrift: Der junge Mann ist, wie wir soeben an der gefährlichen Literaturklippe nicht gescheitert und glücklich„durchgekommen“. — Kampf zwischen einem Eisbären und seinem Wärter. leber den Kampf mit einem Eis⸗ bären im Zoologischen Garten zu Hannover berichtet der „Hann. Cour.“: Da wegen Reparaturen im Außenkäfig der Eisbär am Tage in den Nachtkäfig gebracht werden muß, wollte der Raubtierwärter auch am Dienstag Morgen 6½ Uhr dies besorgen, überzeugte sich aber, durch die langjährige Folgsamkeit des Tieres sicher gemacht, leider nicht erst, ob der Bär auch wirklich in den Nachtkäfig hineingegangen sei. Als nun der Mann durch die ins Freie führende Thür den Außenkäfig betrat, stellte sich ihm der Bär plötzlich entgegen, riß ihn um und gelangte, nachdem er durch Kollegen des Wärters von Letzterem fortgetrieben war, hinter den Bärenzwinger. Hier wurde er von dem Direktor durch einen Büchsenschuß in den Kopf auf der Stelle getötet, wenige Minuten, nachdem er den Käfig verlassen hatte. Der Wärter hat nur einige Hautwunden davongetragen. — Ein Erzeß holländischer Offiziere hat in Amsterdam große Erregung verursacht. Mehrere Herren in Zivil versuchten in ein Kaffeehaus einzudringen, wo man sie aus irgend einem Grunde nicht dulden wollte. Ein Polizei⸗Inspektor kam dazu und forderte die Herren auf, ihres Weges zu gehen. Sie thaten dies nicht, son⸗ dern mißhandelten den Inspektor mit Schlägen dermaßen, daß er bewußtlos liegen blieb und in das Krankenhaus geschafft werden mußte. Nachher wurden die Thäter er⸗ kannt und nach heftiger Gegenwehr verhaftet. Nach der Festnahme stellte sich heraus, daß vier der Raufbold aktive Offiziere sind, zwei Lieutenants der Feldartillerie und zwei Husarenlieutenants. Sie sitzen nun hinter Schloß und Riegel. 1 Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 24. Juli. Der Contre⸗Admiral Plüddemann ist zum Vorstand der nautischen Abteilung des Reichsmarineamts ernannt worden. Hd. Prag, 24. Juli. Vom Zinken⸗ tegel stürzte gestern Abend der Alm; N Angers ab und blieb sofort todt. Hd. Paris, 24. Juli. Das Blatt„Jour“ protestiert gegen die Streichung der 10000 Francs durch den Minister des Innern, die der Gemeinderat von Lille für die fran⸗ zösischen Delegierten zum sozialistischen Kongreß in London bewilligt hatte. Hd. Paris, 24. Juli. Der Evennement versichert, daß der Vizekönig Li⸗Hung⸗Tschang in St. Etienne eine bedeutende Bestellung von Gewehren machen wird. Derselbe wird mit der Regierung behufs Entsendung franzö⸗ sischer Instruktionsoffiziere für die chinesische Ka⸗ vallerie und Infanterie unterhandeln. Die In⸗ struktions⸗Offtziere für Artillerie werden aus dem deutschen Heere genommen werden. Hd. Lille, 24. Juli. Der gestrige Abend verlief infolge der Anwesenheit der deutschen Sozialistenführer höchst unruhig. Auf den Straßen kam es wiederholt zu Zusammenstößen und Schlägereien zwischen Sozialisten und Anti⸗Sozialisten. Hd. Haag, 24. Juli. Hier tritt Morgen der internationale Freimaurer-Kongreß zusammen. Der letzte Kongreß wurde 1894 in Antwerpen abgehalten. Hd. Brüssel, 24. Juli. Gestern Nachmittag ist König Leopold über Holland nach Nor⸗ wegen abgereist. Die Reise dürfte drei Wochen beauspruchen. Hd. London, 24. Juli. Die be⸗ kannte Luftschifferin Albertine siel bei dem Absturz mit dem Fallschirm ins Meer und ertrank. Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ Darmstadt, 24. Juli, Nchm. 3.25. Die Zweite Kammer nahm mit 30 gegen 16 Stimmen den Staatsvertrag mit Preußen und sodann einstimmig den Ausschußantrag betreffend die Neben⸗ bahnen an. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in e Gießen. Wochenmarktordnung für die Provinzialh auptstadt Gießen. 8 1. f An Dienstag, Donnerstag und Samstag jeder Woche findet in Gießen Wochenmarkt statt. 8 2 dabei vom 15. April bis 15. September einschl. von 7 Uhr Die Marktzeit dauert 0 im Uebrigen von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. morgens bis 1 Uhr nachmittags, Zum Verkauf auf den Wochenmärkten zugelassen sind die sämmtlichen in 8 66 der Ge⸗ werbeordnung aufgeführten Gegenstände des Wochenmarktverkehrs; die Wochenmärkte sind aber vorzugsweise bestimmt zum Feilbieten solcher Erzeugnisse des Bodens, der Land- und Forst⸗ wirthschaft, wie der Jagd und Fischerei, welche als Lebensmittel dienen, sowie von Blumen, Pflanzen und Samen. § 4. Zu Wochenmarktplätzen sind zunächst besti mmt: a) der Marktplatz für Geflügel, Wildpret und Fische; bp) die Schulstraße für Beeren und Obst in einzelnen Körben; e) der Lindenplatz für Gemüse und Kartoffeln im Kleinen, Pflanzen, Blumen und Saamen; d) die Marktlaubenstraße für Butter, Käse und Eier; e) der Kanzleiberg und Brand für Kartoffeln, Kraut und Obst auf Wagen⸗ ladungen; 1) der Oswaldsgarten für Heu und Stroh, Holz und Brennmaterialien auf Wagenladungen; g) die Marktlauben für die unter a bis d aufgeführten Gegenstände. 8 5. Die auf den offenen Marktplätzen(a bis f) des 8 4 Feilbietenden bekommen ihre Plätze durch den Marktmeister nach der Reihenfolge ihres Eintreffens und in der Art ange; wiesen, daß die Waren gleicher Gattung sich thunlichst in denselben Reihen befinden und der freie Durchgang nicht behindert wird; ebenso müssen die Zugänge und Zufahrten zu den um⸗ liegenden Häusern freibleiben. Kein Verkäufer darf ohne Erlaubniß des Marktmeisters den einmal eingenommenen Platz wechseln; spätestens mit Ablauf der Marktzeit jedoch haben die Verkäufer ihre Plätze zu räumen. Standgeld ist für diese Plätze nicht zu entrichten. 8 6. Die gedeckten Marktlauben(g des§ 4) dagegen werden je auf die Dauer eines Rech⸗ nungsjahres unter die Liebhaber meistbietend versteigert; einzelne Lauben, welche nicht fürs ganze Jahr vergeben sind, werden auch auf kürzere Zeit, zum Mindesten aber auf die Dauer einer Woche an die Verkänfer nach der Reihenfolge der Anmeldung zu der tarifmäßigen Ge⸗ bühr abgegeben. 8 7. Außerhalb der Markttage und Marktzeiten ist das Feilbieten von Gegenständen des Wochenmarktverkehrs am Stand auf den vorgenannten offenen Verkaufsplätzen verboten und nur in den gedeckten Marktlauben gestattet.— Ausnahmsweise kann im Bedarfsfalle auch das eilbieten von Obst und Bodenerzeugnissen am Stand an bestimmten anderen Plätzen der außeren Stadt, und an den Thoren der inneren Stadt in jederzeit widerruflicher Weise von Großherzoglichem Polizeiamt im Einverständnis mit der Stadtverordneten-Versammlung und gegen— im Einzelfall festzusetzende— Gebühren erlaubt werden. 8 8. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs, welche an Markttagen ohne feste Bestellung von außerhalb hier eingeführt werden, dürfen vor Beginn der Marktzeit berhaupt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit nur auf den dafür bestimmten und angewiesenen Ver⸗ kaufsplätzen, also auch nicht im Umherziehen feil geboten werden. 9 ö Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende Wochenmarktordnung werden in Gemäßheit des 5 119, 6 der Gewerbeordnung mit Geldstrafe bis zu 30 Mk., im Falle des Un vermögens mit Haft bis zu 8 Tagen bestraft. Vorstehende Wochenmarktorduung tritt am 1. August 1896 in Kraft. Gießen, den 16. Juli 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Ruder-Regatta. Schürz'sche Bleiche. Eintritt à Person 20 Pfg. Bier im Glas 10 Pfg. E. Böhm, Gastwirt zum„Lahnthal'. 90³ Städt. Schlachthaus 2 Freibank. Fin Heute und morgen Ochsenfleisech, nicht ladenrein, pro Pfund 50 Pfg. Schweinefleisch nicht ladenrein, pro Pfund 45 Pfg. Himbeeren vollreif, kauft jedes Quantum NN 904 ee die Pilikanapotheke, Lorbeer⸗ 12 in Gießen. 55 1 g Kr an 2„Gzün, 2 reis⸗ 3 Neues Sauerkraut 3 Eben. Silber ze d S sowie un frisch eingemachte Gurken empfiehlt 885 Joh. Hankel, Gemüsehändler, Schloßgasse. Bildhauer, 90 Spezialist in Blumenarbeiten, sucht bis 7 1. Oktober 1896 in einem Grabsteingeschäft dauernde Stellung. Offerten unt. Nr. 392 an die Exped. d. Ztg. erbeten. NB. W Kränze und B Sünger⸗, Turner⸗, Krieger⸗ u. Kirch 8 e 4 0——— Lampions, Dekorationsfahnen, Schärpen. Luyras, Festrosen. Festboudets, Vereins abzeichen sind zu haben bei Lieferung möglich ist. FFFFFCCTTTCVCCTTTTTTTTTTTTTTTTT sss weihfeste ꝛc. 8 Nationalbänder in allen Jarben, 806 C'. Riger, Giessen, Kreuzplatz 4. egen zu großen Arndranges bittet man oben angeführte Ahren- ereinsabzeichen recht frühzeitig zu bestellen, damit eine prompte — 5 Gründli Eine Wohnung Leas zu vermieten. Krofdorferstraße 13. Kleines Familienlogis zu vermieten. 889 Große Mühlgasse 3. Per 1. August oder später 2 möblierte Zimmer für einzelne Personen zu vermieten. 882 Kreuzplatz 4. Eine Schlafstelle an einen braven Arbeiter zu vermiethen bei 902 G. Rühl, Neustadt 39 Neue Feder. Neue Reparatur einer 5 Taschenuhr 2 A, Reinigen einer Taschenuhr 1,50. uhr 1,30., Patentglas 0,40 4, Brillenglas 0,50 l. Fir jede reparierte Uhr ein Jahr reelle Garantie. Georg Koch, Achrmacher, 8 2 Jwiebelkuchen Dienstag, Donnerstag und Samstag. Fritz Schreiner., Lindenplatz 4. 877 Fee Junge Leute, die gesonnen sind, sich Abends an einem Kursus im Schnell-Schönschreiben in eine Taschen⸗ 90 579 Bäue 5. f An- und Verkauf Friedrichsdorfer Bannhofstrasse No. 7. zu beteiligen, wollen sich melden unter E. G. 85 postlagernd Gießen. 85¹ 2 Frima Jede noch seo schlechte Schrift wird 1 0 2 e felwein in wenigen Stunden ladellos. getragenen Kleidern 8 KA. zu den äußersten Tagespreisen. 765 2 verzapft 41¹ Körbe) zu je 97 so Kaplansgasse 10. 3„. Arnold, Sbeer ae e e gaum Schipkapass, W. Stein, Große Mühlgasse 14. 2— z Zwieback Seeed ed hier zu haben. 850 Steinstrasse 78 (Ecke Schottstraße). zu verkaufen. Ein Pferd, im Zug und Acker⸗ bau tilchtig, 891 Wetzsteingasse 7. auf erststellige Hypotheken gesorgt 5290 H. C. Werner, Eichgärtchen 10. f 5 — 5 — 2 2 urge 1 N Dr. 15 U wi Opposit er der Ob. 5 dell Verte g der Mail We 5 0 80 hie due s un Besten i Euler h Ain wehen des E alnhlen, die der ging zu besitigel 40 in fäl I e Mt dn 4 fie es der Abg. bads⸗Offubac, alen galbend, bele ail Gutes biete geles Geschäft m. Cbeffnanzkat Cle 1 beliglic der acbahlen und det,. ne der in die chen Benmten. Höhler it Gele ch fen Freunden f Osann erkennt ei ang du, namentlit ich ur Wenige del le hätten. 0 du Venatungen n he, Dee nächst h statt. du kammer setzt ab Netz⸗Darmstad I atzen unzweffelhaft I otwiegend seien I astaatlihung, d I camg an das ech annehmbar,. afals sei man nid P stmecniegenden An i ncederes l n e Nenstonskass kn Renern ges dhgchung neu zu e cbsgemeinsche in Hen, daß de ef an die Ober e hochrentieret ahgeueinschust Aenes herborral I finanziel em bleibe imme Angzlage berstzt Fäien vorgthrachte im ssch gegen den gachne Folgen d. Mastertum du tic Jbst meint, Führung hab macht wurden icht ausbleiben. u, daß die So auch im Michsta eaten. Die brei worden, wie 9. 15 daß diesel „ gegenüb de 10 5 Dur Resrnen in des an dem f i der Hard de ferne man sich