C. 5 Es füt Fredakte dafteure⸗ sagt's und — Fantw. Re⸗ Ottmann, 2 Pf. f D 2 ann gestellt d. d. Erded. (22 eller. er, ledig, sofort ge⸗ „Sdigsn, 132 55 9 später zu 22 II. — jchinnen, sädchen il item Lohn, real voll 130 1 uuns, Täglich ge⸗ übrigens auch einmal niemals von dem Einbrecher, den Sie Baron nannten, 1 „Das war der Baron,“ autwortete der Ge— solches Gelichter.“ Gießen, Mittwoch, den 22. Jannar 1896. sische ießen. fung. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. N Preis der Anzeigen: 10 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: 0 Kreuzplatz Nr. 4. 2 Pfg. für die Sispaltige Petitzeile. Hermann Hanstein. „Der Westen“, eine große Chicagoer Zei— tung, veröffentlicht über unseren Landsmann Hanstein einen Artikel, der uns deutlich zeigt, wie es Hanstein auch in der neuen Welt ver⸗ standen hat, sich Achtung und Ehre zu erringen. Die zahlreichen hiesigen Freunde Hansteins werden gewiß mit großem Interesse einen Auszug jenes Zeitungsberichtes lesen. Im„Westen“ wird zunächst darauf hinge⸗ wiesen, daß die auf der Weltausstellung zu Chicago, wo Hanstein Supervisor des Zeichen— unterrichts an den Hochschulen ist, ausgestellt gewesenen Zeichenarbeiten große Anerken— nung gefunden hätten, daß dieselben noch jetzt in Amerika von Stadt zu Stadt wanderten, um auch einzeln ausgestellt zu werden. Wie sehr die Ausstellung überall ald beweist wohl der folgende im„Westen“ abgedruckte Brief: 8 „Baltimore, Md., Dezember 1895. Herrn Herman Hanstein, Supervisor des Zeichenunterrichtes der Chicagoer Hochschulen, Werther Herr! 5 Ich habe soeben Gelegenheit gehabt, die Aus—⸗ stellung der Chicagoer öffentlichen Schulen auf der Atlanta'er Ausstellung einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Was ich da gesehen, hat mir die Augen geöffnet über die Möglichkeit dessen, was von den öffentlichen Schulen, wenn dieselben unter der Leitung von tüchtigen Fach- männern stehen, geleistet werden kann.. Ich möchte mir nun die Anfrage erlauben, ob Sie das Recht haben und Willens sind, Ihre Gesamtausstellung in Atlanta nach Schluß der dortigen Ausstellung eine zeitlang leihweise Bal— timore zu überlassen und welche Schritte nötig sind, dies zu erreichen... Ich selbst bin Präsident der Alumni⸗Association des Polytech— nischen Instituts, welches seinerseits ein Theil des öffentlichen Schulwesens bildet. Unsere Asso— ciation ist zur Zeit damit beschäftigt, das Ma⸗ terial zu einer energischen Campagne zwecks einer Reformierung des öffentlichen Schulwesens zusammenzutragen. Indem ich Ihnen im Voraus für Ihre Be— mühungen danke und indem ich der Hoffnung Chicago. Ausdruck gebe, daß ich nicht zu viel von Ihnen verlange, verbleibe ich ꝛc. Ihr James B. Scott. 139 Mosher Str., Baltimore Md.“ Aehnliche Schreiben erhielt Hanstein noch mehr. Im Artikel des„Westen“ wird dann der Schulplan unseres Landmannes beschrieben, der sich auf vier Jahre erstreckt. Zum Schluß heißt es in der amerikanischen Zeitung: „Wie man sieht, umfaßt dieser vierjährige Studienplan einen vollständigen Kursus sowohl des Freihandzeichnens, als des Konstruktions⸗ zeichnens, und im vierten Studienjahre ist dem Schüler Gelegenheit geboten, nach freier Wahl sich entweder für einen künstlerischen oder einen technischen Beruf durch Spezialarbeiten unter . Vaterliebe. Erzählung eines Gefangenenwärters. Mitgeteilt von R. Merlin. (Nachdruck verboten) Aus dem Thore des Zuchthauses rollte der un— heimliche schwarze Wagen, der den Leichnam eines verstorbenen Züchtlings nach der Universitätsangtomie brachte. „Wen habt Ihr denn da spedirt?“ fragte Jemand einen ihm bekannten Wärter, der eben abgelöst worden war. fragte.„War Einbruchs Ausbrecher. hier detiniert! Sie wegen Haben gehört?“ ch? Nein; ich kümmere mich nicht um „Nun, er war gewissermaßen eine Ausnahme. 0 Uuseremer soll nicht weichherzig sein und hat meist auch keine Ursache dazu; aber in der vebensges hichte — dieses Meuschen war doch etwas, das einen hätte mitleidig machen können. Schon daß er unter die Verbrecher geraten konnte, ist merkwürdig, denn er galt vorher als eine grundehrliche Haut. Bei ihm saßen Ehrlichkeit und Spitzbüberei hart aufeinander. Vielleicht, wenn sie ihn jetzt zerschuelden, finden sie das Rätselhafte in seiner Natur.“ „Wie heißt: Rätselhaftes? Wer war er denn? „Das ist bald erzählt. Sein Fall hat den Zeitungen mehrere Tag lang Stoff gegeben. Wir dier sind auf ihn erst dann ordentlich aufmerksam zeworden, als er ausgebrochen war. Es war aber persönlicher Leitung des Supervisors Hanstein vorzubereiten.“— Gewiß werden die hiesigen Bekannten Hansteins mit Genugthuung aus obigem ersehen, daß uns unser Landsmann auch in Amerika Ehre macht. Das von Hermann Hanstein Erreichte ist um so höher anzuschlagen, als es ihm anfänglich keineswegs glänzend in der neuen Welt ging. Lokales und Provinzielles. Gießen, 20. Jan. Gelegentlich des in Berlin begangenen Ordensfest es wurde der rothe Adlerorden 4. Klasse dem Haupt⸗ mann Goldmann und das allgemeine Ehrenzeichen dem Stabshautboist Krauße, beide beim hiesigen Kaiser-Wilhelm⸗Regiment, verliehen. Gießen, 21. Jan. Die Feier der vor 25 Jahren erfolgten Kaiserproklamation ist in ganz Hessen gefeiert worden. Besonders glanzvoll war die Feier in den größeren Städten. Allen voran Darmstadt. Da die Berichte fast alle gleich lauten, so verzichten wir auf die Wie— dergabe derselben. 5 Gießen, 21. Januar.(Festkommers. Schluß). Nachdem die vereinigten Gießener Gesangvereine Friedrich Rothbart von Podbertsky gesungen, hielt Provinzialdirektor Frhr. v. Gagern eine Ansprache, welche mit einem Hoch auf das Vaterland schloß. Es folgten das gemeinsam ge⸗ sungene Lied„Deutschland, Deutschland über Alles“, Festouvertüre von Leutner, ausgeführt von der Regimentskapelle und Männerchöre von den Gesangvereinen, worauf Stadtverordneter Kirch ein Hoch auf das deutsche Heer, das Volk in Waffen, ausbrachte, woran sich der Gesang: „Die Wacht am Rhein“ auschloß. Nach Wagners „Finale aus Lohengrin“ brachte Rechtsauwalt Dr. Gutfleisch einen Rückblick auf die politische Entwickelung unseres Vaterlandes, wo die Reichs⸗ städte, ja Reichsdörfer blühten und wo es un— möglich schien, eine Einheit des Vaterlandes zu schaffen. Er wies darauf hin, wie man uns unsere schönsten deutschen Städte Mainz, Aachen, und Köln wegnahm, ohne daß Jemand in Deutschland danach fragte. Da kam Aufang des Jahrhunderts Napoleon und machte diesen beschämenden Zuständen in Deutschland ein Ende, da brach die Zeit der Freiheitskriege herein und Staatsmänner wie Stein, Gneist und Harden⸗ berg Blücher, und Körner, sie wirkten für den Gedanken der Einheit, die sich damals nicht ver— wirklichte. Redner gedachte der zahlreichen Männer, welche in der späteren trüben Zeit für die deutsche Einheit eingetreten und ihr Wirken mit dem Kerker und der Verbannung haben büßen müssen. Mit Wehmut müsse man heute dieser Männer gedenken, die das nicht haben schauen dürfen, wofür sie gestrebt und gelitten. Da kam der Mann der That, der Eiserne, und vollbrachte, was jene Politiker vorbereitet. Ihm gebührt als dem größten Staatsmanne unser Dank. Unsern Staatsmännern und Politikern, die sich um die Werdung der deutschen Einheit ver— dient gemacht, und vor allem dem größten deutschen Staatsmann, dem ersten Kanzler des Reiches, dem Fürsten Bismarck, ihm gelte sein Hoch. Brausender Jubel erfüllte den weiten Festraum, als der Redner geendet. Hierauf intonierten die Sänger die 6 altniederländischen Volkslieder. Oberstlieutenant von Wartenberg dankte als ältester anwesender Offizier des Heeres für die Ovation, die man dem deutschen Heere gebracht. Er bezeichnete die guten Be⸗ ziehungen, in denen hier in Gießen die Bürger zum Militär stehen, als selbstverständlich, denn unser Heer bestehe ja aus den Söhnen des Landes. Sein Hoch galt der Bürgerschaft und der Garnisonstadt Gießen. Rechtsanwalt Metz widmete seine Worte den deutschen Frauen, während Stadtverordneter Dr. Schäfer den Vereinen und Sängern, welche bei dieser patrio⸗ tischen Veranstaltung mitgewirkt, den Dank aus⸗ sprach. Diese erhebende Feier habe alle Kreise der Bürgerschaft gegenseitig menschlich näher gebracht und das werde seine guten Früchte tragen. Ein Hoch den Vereinen und Sängern bildete den Schluß des offiziellen Teiles des Kommerses. Gießen, 20. Januar. Der Finanzaspirant Bickel, Sohn des Kirchendieners Bickel hier⸗ selbst, hat eine Stelle als Kaiserlicher Rechnungs⸗ beamter in Dar⸗es⸗Salam angenommen. Derselbe hat sich auf 2 Jahre gegen einen Jah⸗ resgehalt von Mark 4500 verpflichtet und ist bereits nach dorthin unterwegs. Gießen, 21. Jan. Wir hören, daß die Absicht besteht, für die Gemeinden St. Lucas und St. Marcus je ein Pfarrhaus zu erbauen. Gießen, 21. Jan. Wie die„Kleine Presse“ aus Nieder⸗Florstadt meldet, ist die wegen Brandstiftung in Untersuchung genommene 16 Jahre alte Siemon nun doch aus der Haft entlassen worden. Gießen, 21. Jan. Gestern Abend tagte in der Stadt Mainz der Vorstand des Män ner— Bade⸗Vereins. Der Bestand des Vereins an Mitgliedern beträgt ca. 500. Der Ueberschuß aus dem verflossenen Jahre beträgt ca. 500 Mk., so daß der Verein über ein Baarvermögen von 800 Mark verfügt. Es wurde beschlossen, der Mitte Februar einzuberufenden Generalversammlung Repara⸗ turen und Verbesserungen der Austalt zu em⸗ pfehlen. Es kam bei dieser Gelegenheit der sehr gerechtfertigte Wunsch der Mitglieder des Vereins zur Sprache, auch für deren Frauen die Wohl⸗ chat einer billigen Badegelegenheit zu schaffen. Dem rührigen Vorstand, speciell dessen Präsident u. Rechner, dürfte der glänzende finanzielle Stand des Unternehmens nur allein zu verdanken sein. h. Gießen, 21. Jan. Die Strafkammer verhandelte heute gegen den 32 Jahre alten Forstwart Meyer von Wippelbach wegen Sitt⸗ lichteits verbrechen, begangen an seiner noch nicht 14 jährigen Stieftochter. Aus dem ver- lesenen Anklage-Beschluß geht hervor, daß die Anklagebehörde den Antrag auf außer Ver⸗ folgung⸗Setzung des Angeklagten gestellt hatte, den die Beschlußkammer aber ablehnte. Der Angeklagte bestreitet mit aller Entschiedenheit seine Schuld. Es sind 26 Zeugen und ein medizinischer Sachverständiger zu vernehmen. Die Verteidigung führt Accessist Schimmel- pfennig. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Die Oeffentlichkeit wurde während der Verhandlung ausgeschlossen. Der Gerichtshof verurteilte den Forstwart Meyer zu zwei Jahren Zuchthaus und dreijährigem Verlust der bürger⸗ lichen Ehrenrechte. Vilbel, 20. Jan. Ueber das Vermögen des in Untersuchungshaft befindlichen Gemeindeein⸗ nehmers Hermann Christian Rausch wurde vom hiesigen Amtsgericht das Konkursverfahren eröffnet. Darmstadt, 20. Jan. Am 7. September Morgens etwa um ½5 Uhr wurde ein von Worfelden nach Darmstadt fahrendes Fuhrwerk bei dem Bahnwärterhaus Nr. 84 der Riedbahn von dem nach Gernsheim fahrenden Zug erfaßt. Die beiden Pferde und Landwirth Rother⸗ berger von Worfelden wurden getödtet und dessen Neffe derart verletzt, daß er wohl dauernd erwerbsunfähig bleiben wird. Beide Jusassen des Fuhrwerks hatten geschlafen. Die Dienstmagd Johaunette Schuchmann aus Niederrad stand in Folge dessen heute vor der Strafkammer unter der Anklage der fahr⸗ lässigen Tödtung, der fahrlässigen Körper⸗ verletzung und der Gefährdung eines Eisen⸗ bahntransportes. Ueber den Antrag der Staatsbehörde hinaus wurde sie zu 6 Monaten Gefäugnis verurtheilt, da sie als Ablöserin ihres Oukels am genannten Morgen das Schließen der Barrieren versäumt hatte. 1. Mainz, 21. Jan. Oberstabsarzt Dr. Schmitt, welcher am Samstag von einem Schlaganfall betroffen wurde, ist gestor ben. — In Kastel fiel ein Kind in einen Topf mit heißem Wasser und zog sich entsetzllche Brand- wunden zu. Mainz, 20. Jan. Der seit zwei Tagen verschwundene Bäckermeister wurde bei Bingen im Rheine geländet. Er hatte sich dort eine Kugel in den Kopf geschossen und sich gleichzeitig in das Wasser gestürzt.— Heute früh starb hier in Folge eines Hiruschlags der Oberstabs⸗ arzt und Regimentsarzt des 117. Regiments, Herr Dr. Ludwig Schmidt.— Als Festbraten für den Tag der Kaiserproklamation schenkte eine hlesige Jagdgesellschaft den Unteroffizieren der Regimenter 87, 88, 117 und 118 pro Regiment 30 Hasen.— Ein hiesiger Jäger hat vor einem Jahre bei einem Treibfagen in der Gemarkung Kostheim einen Treiber angeschossen. Der Mann kann seinem Geschäft als Tüncher nicht mehr nachgehen und hat jetzt eine Eutschädigungs⸗ forderung von Mk. 10.000 Mk. eingeklagt.— Der Schneidermeister John, dessen Frau letzthin durch Absturz verunglückt ist, hat in den hiesigen Zei⸗ tungs redaktionen erklärt, daß die aus diesem An⸗ laß eingeleiteten Sammlungen ohne sein Wissen und gegen seinen Willen veranstaltet wurden. — auch erstaunlich, wie er das möglich gemacht hatte. Ein Riese von Gestalt, mit der Kraft eines Löwen, hatte er sich fünf Stock hoch herabgelassen und war mit Hilfe einer Stange, an der oben auf dem Dache unsere Flagge aufgezogen wurde, über drei Hofmauern gesprungen. Genaues erfuhren wir erst, nachdem er drei Tage fort war. Er war mit einem anderen Gefangenen in einer Zelle und eines Morgens war er verschwunden. Sein Kamerad war ruhig zurückgeblieben. vielleicht nur deswegen weil er das Wagstück doch nicht hätte nachtthun können. Er mußte aber doch bon des Barons Flucht wissen und wurde scharf ius Verhör ge nommen. Wir hatten gut verhören; wie ein Klotz schwieg er. Er kam endlich ins schwarze Loch, worin es nichts giebt als die blanke Diele und Wasser und Brot, aber auch das nahm er auf sich. Erst nach drei Tagen that er von selbst den Mund auf. „Ich hatt's ihm zugeschworen“, sagte er,„drei Tage lang zu schweigen, und ein Nana muß sein Wort halten. Sie müssen wissen“, fuhr er fort, „daß der Baron ein Höchstes in der Welt hat oder gehabt hat, das war sein Junge, sein einziges Kind aus der Ehe mit seiner vor zwei Jahren verstor— benen Frau. Für gewöhnlich redete der Baron wenig, er war ein Kopfhänger geworden, der sich das Wort abkaufen lieg, aber wenn er mal gesprächig wurde, da war's von seinem Ottchen. Um den drehte sich sein ganzes Denken. Was er von deim Jungen zu erzählen wußte, war nichts Besonderes, aber es ist einmal so in der Welt: Jeder hält gerade sein Kind für ein Geule; und ich glaube,'s ist auch gut so. Wenn Einer noch Hoffnungen auf seine Kinder setzt, ist er selber noch nicht ganz verloren, und in den Kindern achtet er sich selber. Auf die ganze Meuschheit konnte der Baron schimpfen, als eine ungerechte teilnamlose Brut, aber wenn er an sein Kind dachte, da hatte er die schmerzlichsten Gewissensbisse.„Das ist mein Schmerz“, sagte er dann,„und mein Fluch, daß ich meinem Kinde Schande vererben muß!“ Oftmals warf er sich Nachts auf seinem Strohlager umher und ich hörte, wie er seufzte und stöhnte— der Gedanke an sein Kind ließ ihn nicht schlafen. Er erzählte mir auch, wie er in die Zunft gekommen war. Schon als Unmündiger war er vom Vor⸗ mund um fast sein ganzes Erbe betrogen worden. Der Vormund starb und das Geld war weg. Kaum, daß er ein Häuschen behielt, welches seinem Vater gehört hatte. Er war Tischler und arbeitete für Bauunternehmer. Sein Fleiß brachte ihm Gewinn, aber seine dumme Gutmütigkeit führte ihn aus einem Fehler in den andern. Einmal gab er seinen Namen zu einem Wechsel und mußte ihn bezahlen. Ein andres Mal verlor er Geld beim Bankrott eines Baukiers. Dann lockte ihn ein schwindel— hafter Häuserbauer ins Malheur. Nicht blos, daß er ihm für die Lieferungen keinen Pfeuuig bezahlte, verleitete er ihn auch, ihm sein Häuschen abzutreten. Das wurde sehr wertvoll, weil eine neue Elsenbahn dahin geführt und gerade auf der Stelle der Bahn— hof gebaut werden sollte. Immer, wenn er klagte oder verklagt wurde, verlor er, weil er sich stets halte über's Ohr hauen lasseu. Da half kein Protestieren, die Richter entschieden nach dem Buch— staben. Er aber faßte einen furchtbaren Geimm gegen sie und gegen die ganze menschliche Gesell— schaft. Jetzt wollte er's auch so machen, wie die — Bande, die ihn um Alles gebracht hatte, und er machte seinen ersten nächtlichen Gang. Das erste Mal brach er bei dem Sohne des Bankiers ein, der ihn betrogen hatte, denn der Sohn saß im Wohlleben, obschon sein Vater ein Spitzbube ge⸗ wesen war; dann bei einem alten Richter, von dem er glaubte, daß er ihn ungerecht behandelt habe; dann bei dem reich gewordenen Schuft, der ihm sein Haus abgeschwindelt hatte und der nun mit im Eisenbahn-Komitee saß. So dumm er als Ge⸗ schäftsmann gewesen war, so schlau war er als Einbrecher. Den Namen„Barou“ hatten ihm schon seine Mitgesellen im Handwerk beigelegt, weil er sich abseits hielt und„immer was Besonderes sein wollte“, und er behielt den Namen auch in der Einbrecherzunft. Keiner nannte ihn„Hülse“, wie er eigentlich hieß, sondern nur„Der Baron“. Um's kurz zu machen: in einer Nacht— vor vier Tagen war's— fuhr er mit einem Schrei auf und ließ darauf unverständliche Jammerlaute hören. Der Mond schien hell in unsre Zelle. Ich sah ihn auf seinem Lager sitzen, bleich wie ein Gespenst.„Was hast Du denn?“ fragte ich ärgerlich über die Störung meines Schlafes.„Eben ist mein Otto dagewesen“, sagte er zitternd.„Dummes Zeug“, entgegnet ich ihm;„Du hast nur lebhaft an ihn gedacht.“„Nein, nein“, behauptete er eifrig;„ich schlief, da rief er ganz laut und deutlich: Vater! Vater! und er stand leibhaft vor mir, in eine m schueeweißen Hemdchen und blaß wie der Tod. Es war ganz hell um ihn her, viel heller als der Mondschein. Gewiß ist ihm was geschehen, meinem einzigen Lieblinge.“ (Schluß folgt.) . 1 j. Mainz, 19. Jan. Wie die hiesigen Schutzleute und Oktroibeamten, so er— streben auch die übrigen städtischen Beam⸗ ten eine Verbesserung ihrer Gehalts- verhältnisse insofern, als das Aufrücken statt wie bisher in fünfjährigen, künftig in dreijähr. Zeiträumen stattfinden soll, sodaß der Beamte schon nach 15, statt wie bisher in 25 Jahren den Maximalsatz seines Gehalts erreichen würde. Mainz, 20. Jan. Für die Morgen statt⸗ findende Ersatzwahl des Kreistags, wozu die Stadtverordnetenversammlung fünf Vertreter zu wählen hat, ist eine Verständigung zwischen den fünf Parteien zu Stande gekommen. Als Kandidaten werden in Vorschlag gebracht: von den Nationalliberalen Franz Josef Usinger, von den Ultramontanen Dr. Schmitt; von den Frei⸗ sinnigen Rechtsanwalt Ferdinand Börckel, von den Aran Rechtsanwalt Dr. Horch und von den Sozialdemokraten Reichstagsabgeordneter Fr. Jbst. 8 Bingen, 20. Jan. Die hiesige Handels⸗ kammer beschloß angesichts der abermals drohenden Hessischen Weinsteuer die nötigen Schritte einzuleiten. Vermischtes. — Ein etwas ältlicher Schwindel ist vor einigen Tagen in Paris wieder mit dem ewünschten Erfolg ausgeübt worden. Zwei aler, wenigstens mußte auf diesen Beruf wegen des Kostüms der Herren und des von einem derselben in der Hand gehalteneu Farbenkastens eschlossen werden, traten dieser Tage in ein leines Restaurant der Rue Saint⸗Georges und ließen sich ein Dutzend Austern von der sehr ge⸗ schätzten Spezies der Marennen auftragen. Beim Verschlucken der letzten Auster stieß einer der jungen Leute plötzlich einen Schrei aus.„Was hast Du denn?“ fragte ihn sein Begleiter.— „Ich habe mir an einem Stein beinahe einen Zahn ausgebissen“, erwiderte der Angeredete und zog bei diesen Worten einen harten Gegenstand aus dem Munde.—„Das ist ja eine Perle“, rief er in triumphierenden Tone aus. Sein Begleiter bemerkte darauf, daß die Auster, in der der kostbare Fund gemacht worden war, eigentlich ihm zukomme, da er nur füuf, sein Freund aber sieben Austern verzehrt habe. Sie gerieten hierüber in einen heftigen Streit und machten bereits Miene, sich in die Haare zu fahren, als der Wirt als Versöhner und Schieds⸗ richter dazwischentrat. Man kam dahin überein, daß der Wirt den Beiden ein reichliches Früh— stück servieren sollte, ohne eine Bezahlung zu verlangen, wogegen er, da ihm ja schließlich auch ein Recht auf die gefundene Perle zustände, Be— sitzer derselben würde. Die beiden Herren nahmen ein sehr reichhaltiges, mit guten Weinen gehörig angefeuchtetes Mahl ein, das auf 35 Fres. zu stehen kam. Darauf drückten sie dem guten Wirte die Hand und gingen davon. Vor der Thür brachen Veide in ein schallendes Gelächter aus.„Sieh Einer an, wie zufrieden die sind!“ rief der Wirt aus.„Na, ich bin es auch. Ich habe meiner Frau noch kein Neujahrsgeschenk gemacht und werde für sie diese Perle in einen Ring fassen lassen.“ Als der brave Mann zu diesem Zwecke sich an einen Juwelier wandte, erhielt er natürlich die erfreuliche Aufklärung, daß es sich um eine falsche Perle, die kaum zwei Sous wert und daß er das Opfer zweier ab— gefeimter Schwindler geworden sei. — Gerettet.(In einem Vorstadttheater). „Sie sollen bei Ihrem gestrigen Benefiz als „Hamlet“ nicht gefallen haben!“—„Himmel! Ich habe aber doch den Abend gerettet!“— „Wieso?“—„Ich habe zwei Kouplets— als Einlage gesungen!“ Letzte Telegramme. Hd. Berlin, 21. Jan. In einer gestern stattgefundenen Versammlung der christlich-⸗ sozialen Partei führte der Redakteur des „Volk“, v. Gerlach, aus, daß durch die letzten Erklärungen des Elfer-Ausschusses in Betreff Stöckers die Trennung nunmehr unver- meidlich sei. Stöcker sei bisher als in der konservativen Partei nur geduldet betrachtet worden. Man habe ihn auf alle Weise zu brüs⸗ kieren gesucht. Mit der Naumann'schen Richtung sich zu verfeinden, liege gar kein Grund vor. Man marschiere getreunt und schlage vereint. Wenn es heiße, biegen oder brechen, so erklären die Christlich-Sozialen, daß sie sich nicht beugen werden, sondern es eventuell zum Bruch kommen lassen. Spätestens am 1. Februar müsse die Entscheidung fallen. In der Diskussion wurde den Ausführungen des Redners allerseits zugestimmt. Hd. Wien, 21. Jan. Für gestern Abend waren zahlreiche Arbeiter-Lersammlungen mit der Tagesordnung:„Unsere Rechtslosigkeit in der Gemeinde“ einberufen. Dieselben verliefen ruhig, die Arbeiter beschlossen, sich an den bevorstehenden Gemeinderatswahlen aktiv zu be— teiligen.(2) Hd. Paris, 21. Jan. Die Beerdigung Floquets ist auf Mittwoch verschoben worden und wird ohne jede offizielle Feier nach dem Wunsche Floquets stattfinden. Die Kammer wird eine Deputation entsenden. Hd. Paris, 21. Jan. Der neue Senats⸗ — — Holzverf werden: 81 Eichenstämme mit 25,28 km, 3 Fichtenstämme mit 1,63 kw, 11 Eichenstangen mit 1,48 km,(für Wagner geeignet), 9 Fichtenstangen mit 0,79 kin, 224 um Buchen-Scheitholz, 22 rm Eichen-Scheitholz, 16 rm Erlen— Scheitholz, 142 rm Buchen-Knüppelholz, 21 rm Eichen-Knüppelholz, Irm Erlen-Knüppelholz, 2 rm Nadel-Knüppelholz, rm Erlen⸗Stockholz, 4440 Wellen Buchen-Reisig, 270 Wellen Eichen-Reisig, 100 Wellen Nadel-Reisig. Die Zusammenkuuft ist auf der Licherstraße an der 8. Schneise. Gießen, den 20. Januar 1896. Großherzogliche teigerung im Gießener Stadtwald. Montag, den 27. Januar 1896. Vormittags 9% Ahr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, Distrikt Charlottenwald, Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Chr. versteigert Arnold, Spenglermeister, Wolkengasse 13 empfiehlt sich bei allen vorkommenden Spenglerarbeiten, insbesondere Neubauten. Reparaturen gut und billig. 134 95 rm Buchen-Stockholz, 11 Im Garten des Restaurant„Busch Seltersweg. Wallsisch⸗Ausstellung. 5 Das größte Säugetier der Welt(kein Skelett). Täglich geöffnet von Morgens 9 bis Abends 9 Uhr. 30 Pfg., Militär und Kinder 20 Pfg. Eintritt 118) H. Zibell, Aussteller. empfiehlt CON (Marke Adler- Schott) per Literflasche incl. Glas Mark f. 80 Ph. Herrmann, Seltersweg 33. Hausdiener zu jedem Zug am Bahnhof. präsident Loubet hielt gestern bei Uebernahme seines Amtes eine lauge Ansprache, in der er den Senat als festen Beschützer der Freiheit gegen Utopisten und Diktatoren hinstellte. Ferner wandte er sich gegen die progressive Ein⸗ kommensteuer und endigte mit einer Lobrede auf Floquet. Es wurde sehr bemerkt, daß Loubet gegen die Einkommensteuer, welche das Kabinet Bourgeois vorschlägt, heftig aufgetreten ist. 2 Ibolnementsbestef r ne fEfsbeStefdngen auf die „Hessische Landeszeitung“ nehmen unsere sämmtlichen Träger sowie die Expedition Kreuzplatz 4 zu jeder Zeit entgegen. Kein anderes hiesiges oder auswärti— ges Blatt bietet annähernd die Vor— teile der„Hessischen Landeszeitung“, die der Einwohnerschaft von Gießen und Nachbarorten in zwei Ausgaben an jedem Werktag ausgehändigt wird. Preis nur 60 Pg. monatlich einschließlich Trägerlohn. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. Maus- h 6. l. Lain. D Hotel I. Ranges. In nächster Nähe des Bahnhofes, gegenüber der Post. Vorzügliche Betten. ff. Küche. (2 Solide Preise. Schulen ermäßigte Preise. Regenschirme B Kaufmann, der mit der einfachen und doppelten Buch führung vertraut ist, empfiehlt sich im Beitragen der Bücher. Gefl. Angebote u.„B. 30“ au die Exped. d. Bl., Kreuzpl. 4. Inhaber: Julius Böminghaus. Heide C Maumannqdähmaschinen Lrösstes l. renommirtestes deutsches Fabrikat. Alleinverkauf für Giessen und Um- gebung bei Th. Huubauch, Giessen, Basinsiofslrasse 40. Altestes Geschäft dieser Branche In Giesel. (139 Mehrere jüngere Seltersweg 19. Augüst Kilbinger, Giessen, Telephon Nr. 78. Sattlerwaaren, für Herren, Damen und Kinder in grosser geschmackvoller Auswahl zu den billigsten Preisen empfehlen SSasssssssssssssssgssasss NAlleinigeg Niederlage in Giessen“: — Carl Schwaab, Hoflieferant. Als besonders hervorragende es- en empfehle garren . 7. Tad Treff c. A. O. hoch. Rus Cigu e. Gustav Sonntag, Cigarren en gros& en detail. Neuen Bäue l. tüchtige Herrschaftsköchinnen, sowie mehrere Hausmädchen in feinere Häuser bei gutem Lohn Placirungsbureau von (130 Schneider, ledig, S 0 Hausirer 8 für Artikel, welche in jeder Fa⸗ . milie leicht verkäuflich, gegen hohe 8 Provision sofort gesucht. Cau⸗ 88 tion nicht erforderlich. Näheres zu 28 erfragen bei C. Stiasny, Bahn⸗ hofstraße 11. . 23 1 2 88 gesucht. Geschw. Aron, 2. Stiabnh, Bahuhofstr. 11. Korsett-Speciab Geschäft 2 Herre Nie 2 8 Herrschaftl. Diener 2⁵ Seltersweg 25. 3 möglichst schaf 1 2 nicht über 25 Jahre alt, per sofort ge— sucht. Plactrungsbureau von C. Stiasny, 132 Hut möblirtes Limmer mit Kabinet für sofort oder später zu Marburgerstr. 22 II. 22 Wirtschaft zu mieten gesucht. Caution kann gestellt werden. Off. u.„Wirtschaft“ a. d. Exded. Kreuzplatz 4. Die Reit-und Fahrschule zu Elmshors in Holstein, Institut d.„Verbandes d. Pferdezuchtvereine Holstein, Marschen“, der Sekt. d. Schlesw.-Holst. landw. Generalvereins, liefert preiswerthe geschulte Felt und Wagengfecde als güngig, leistungsk. u. gulmütig bel, direkt v. Züchter; reellste Bedien. ge- Neri H. 8 Bahnhofstr. 11. GMAC HE der Deutz chen enn sc we M UNCHEN vermieten. len a in COGNAC. 66 sichert.— Zuchtmaterial Nachweis kostenlos. Höchste Preise auf in- u. ausl. Ausst.— Näh. Ausk. erth. die Direktion. Reise- Jagd- und Sport-Artikel, Portefeuille-Waaren, Geschirr- und Wagen- Fabrikation. Eigene Werkstätten. S KKK. Klim. Kurort Schömberg Neuenbürg im Württem— bergischen Schwarzwald. bei Heilanstalt für Lungenkranke. Sommer- u. Winterkur. Beste Verpflegung. Mäßige Preise. Leit. Arzt: Dr. Baudach. Prosp. frei durch d. Direktion. .—VTPC———K—ç. Akkord-Zithern mit 12 u. 23 Manualen, die besten und vollkommensten der Jetztzeit, unter Ga— rantie, sehr leicht und ohne Lehrer zu erlernen, bezieht man direkt ab Fabrik von Peter Renk, Leipzig. Prosp. u. Musikverzeichn. gratis und franko. CEC eee Möbel, Spiegel, Betten 88 billigst.(121 5 f Werner's Waarenhaus. ——— Schreib— Maschinen aller Systeme zu Originalpreisen empfiehlt Wilh Büttel, Frankfurt 8 große Sandgasse 8. Haus- und Fahrburschen so wF-n Oeconomiepersonal empllehlt zu jeder Zeit das Place irugsn- bureau von C. Stiasuy, Bahnhofstr. UI. 1 2 — cle bild tile ufs Gicß zu Recht Geile Sache vol g kal Sad wat schwi Man Ron aud helkeff Uuden Laien wir N Glrühe unt Ei 5 1. bergut auch f Kolm heranz bestehe der Fr libe zu 5— —— —I———————— übe di glg Ulsales Man ist zneifels Huingend hee I 5 Nechtsag 1 0 1 flir die Muhabe Gewerbe den 1 licht der fich ald Steuer. den Et Fig, tuuertag niehen dom die O nom Att. stimmg n A werben Gießen. Geczen lemals auch g 2 Erzaͤf „D ruhige pu plot r bel dle lttler filz. fate 1 f