—— —*— 72———[—k—e— ö— — 2 2 7— Gießen, Sonnabend, den 21. November 1896. 9 Posiztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112. 0 Ausgabe Gießen. e Landeszeitung. Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. nicht vor. Redaktion:. Erscheint tä glich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 5 Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 5 30 Krenz plut 2. 4. Aesultat der Reiehst ti er Reiehstagsstiehwahl. . r 224. Juni Name des Orte⸗ 19. Nov. 24. Juni 19. Nov. 24. Juni Ie 18593. 5 1896 Name des Ortes. 8 ame de 5 19. Nov. in de g 9 1893. 1896. 1893. N s Ortes 1896. erde, e e S. S8 S 5 8 1 225 2 SS 23 2s SS 3 S 8 b 0% 25 2 SE S E S 3 S 33 4%) N Ss 8 Ss 8 88 8 SS 88 5 da il 7 N 6. e 8 88 5. as geber* 1. Kreis Gietzen. 85* „ e 25 9 Albach 42 1 e 9 39 63 Allendorf an der Lahn. 76 28 19 42 1 5 0 5 18 95 ir 5 f 1 er⸗Bessingen 69 1 8 36 Nieder⸗Seemen 37— 5 197] Allendorf an der Lumda 189 42 19 71 Ober⸗Hörgern. 80 81 1 50 52 Ober⸗Lals 72 9 24 Allertshausen 33 5 38 17 Odenhausen mit Appenborn 34 1 30 71 Ober⸗Seemen 6² 48 23 Alten⸗Buseck 12 189 5 49 Oppenrod. e 42 5 23 35 Ober⸗Schmitten 43 25 77] Annerod 52 12 69 15 Queckbornn n 46 48 27 44 Steinberg 67 7 124 Bellersheim 5 17 21 17 26 Rabertshausen mit Ringelshausen 39 1 5 63 Unter⸗Seibertenrod 68— 5 Belterhainn 27— 56— Reinhardshain e 62— 17 10] Volkartshain 9 19 6 48 Bersrod mit Winnerod. 53 12 26 52 Reiskirchen. 7 19 48 70] Bettenhausen. 73— 3 71] Rodheim mit Hof⸗Graß 73— A. Kreis Büdingen. 129 Beuern 107 28 26 32 Rödgen 3 31¹ 61 22 6 Vellmut hh 20 3 5 N 1 5 0 10 0 57 Röthges 8 50— 23 32 Bergheim 3 37 21 ran Burkhardsfelden. 1 52 Rüddingshausen 50 28 56 114 Berstadt. 91 18 mutig 23 Climbac hh 28— 21 68 Ruttershausen mit Kirchberg.. 65 13 60 84 Bingenheiemememe 107 16 tötet. 37 27] Daubringen mit Heibertshausen. 44 70 Saasen mit Bollnbach, Veitsberg 11 42 Bisses mit Berstädter Markwald 17 64 Dorf⸗ Gill. 85— 20 30 und Wirr berg 19 23 22 50] Bleichenbach„ 66 34 1 29 94 Eberstadt mit Arnsburg 102 2 16 34 Stangenro dd 33 14 Blofeld mit b, Perm“ 11 101] Ettingshausen. 5 88 6 6 76 Staufenberg mit Friedelhausen 56 22 Reichelsheimer Antheil an pttuann, bh! 14 65 Garbenteich 5 71 55 20 125 Steinbach 3 130 23 2 13 Bingenheimer Mark 19 17 32 39 Geilshausen 52 25 9 96 Steinheim. 87—— 26 12 Bobenhausen J. 14 17 1854 339 Gießen mit Schiffeuberg 670 1387 18 13] Stockhausen 21 2 2 102] Borsdorf mit Harbwald 5 96 1 7 35 Göbeln rod. 35 9 30 40 Trais⸗Horloff.. 37 1 Dauernheim mit Dauernheimer Hof 65 150] Großen⸗Buseck 132 80 54 126 Treis an der Lumda 137 7 73 85 und Schleifeld 110 9 39 182] Großen⸗Linden 133 103 5 111 Trohe 7 19 82 196 Echzell mit Echzeller Markwald“)[318 53 211 115 Grünberg 78 129 19 82 Utphe 51 29 12 30 Eckardsborn e 30 21 47 73 Grüningen. 92 36 38 105 Villingen. 131 12 37 28 Effolderbach 9 37 56 22] Harbach 48 8 27 91 Watzenborn mit Steinberg. 147 145 1 106 J Fauerbach. 59 25 29 29 Hattenrod. 52 25 20 25 Weickartshain 8 65 1 97 19 Geis⸗ Nidda 65 24 18 14 Hausen 34 27 34 45] Weiters hain 87 6 50 26] Gelnhaar(Isenb. u. Doman.) 20 19 5 40 Heuchelheim 9 75 15 98 29 Wieseck 3 355 55 1 Gettenau e 50 144 Holzheim euchelheim.— 12⁵ 101 1. 121 33 2. Kreis Alsfeld. 60 37 1 5 5 68 4 4 74 Inheiden 48 6 67 20 Atzenhain 5 92— 24 45 Kohden 46 18 15 41 Kesselbach 54— 25 32 Bernsfeld 68— 23 25 Leidhecken 29 30 76 656 Klein⸗Linden 19 7460 14 Ermenrod 52 1 4 63 Lißberg 20 20 7 124 Langd. 138— 26 34 Flensungen. 36 14 2 44 Michelnau 55 2 34 255 Lang⸗Göns 282 5 6 15 Alsdorf 10 7 209 65 Nidda 19 0 14 152 Langsdorff 119 50 55 2 Lehn heim 27— 10 70 Ober⸗Widdersheim 62 7 26 40] Lauter 5 65 8 56 17 Merlau mit Kirschgarten 53 13 104 52 Ortenberg 92 59 37 i Leibdestern 122 102 85 38 Nieder⸗Ohmen 0 57 24 117 23 Ranstadt 16 67 Lich mit Hof Albach, Colnhausen 50 18 Ober-Ohmen 43 21 20 70 Schwickartshausen 8 63 3 189 104 und Mühlsachsen 18 171 93 48 Ruppertenrod. 92 14 49 20 Selters mit Conradsdorf. 33 27 37 23 Lindenstruth 5 37 17 4 36 Wettsaasen. 39 2 47 28 Unter⸗Schmitten„ 62 18 123 149 Lollar 135 117 12 14 Zeilbach 37— Unter⸗Widdersheim mit Grund- 53 52 Londorf. 67 55 1 48 Schwalheim. 5 1 38 23 Lumda 38 11 8. Kreis Schotten. 58 29 usenborrn 34 27 10 88] Mainzlar 84 11 9 40 Eichelsdorf.„„ 46 33 43 100 Wallernhausen 126 1 4 58 Münster 99 2 25 5 10 5„ 5 194 11 15 Wippenbach 3 9 7 im mit Hof⸗Güll s ashütten 7 e 55 5 W 2 f 5 36 21 30 31] Groß-Eichen 92 4 6987 8163 Gesammtergebniß: 9614 5265 33 36] Nonnen roth 70 1 7 13] Klein⸗Eichen. 20— Die einzelnen Ergebnisse für diese Orte liegen uns noch 5) Die Ziffern fülr Echzell umfassen das Resultat von Echzell, Gettenau und Bisses zusammen genommen. Köhler mit einer Majorität von bisher 4349 Stimmen gewählt. ————— Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Verzeihen Sie meinen rauhen Ton“, sagte er hastig,„aber wer Ihren Vater kannte, wie ich ihn kannte, dem empört sich sein Innerstes, wenn er eine solche Verdächtigung hört, hört aus dem Munde seines eigenen Kindes; und wenn Ihnen Ihre Mutter das von ihm gesagt hat, dann hat sie gelogen!“ „Nein, sie hat mir das nicht gesagt“, wehrte Eugenie ab.„Ich suchte in meinem Geiste natürlich nach Gründen, um zu erklären, warum meine Mutter ihrem Kind nicht von dem Vater sprechen wollte, warum sie es fernerhin mied, seinen Namen zu nennen. Das Unglück teilt sich gern mit, nur der Haß ist stumm. Sie mußte Ursache haben zu einem so tiefen, unauslöschlichen Haß, und wo anders konnte ich dieselbe suchen, als in einem be⸗ trogenen Herzen.“ 5. Sehr richtig“, entgegnete der Mann,„n 7 9 f Aekiehrt Nicht Ihre Mutter war die Betrogene, sondern Ihr Vater. „Was sagen Sie da von meiner Eu ergluͤhend. 0 0 1— 1 und machte eine Be⸗ Mutter?“ rief — wegung nach der Thür, als wenn sie die Hütte verlassen wolle. 5 „Was ich beweisen werde“, entgegnete er ruhig Fund ohne sich von seinem Platz zu rühren. „Ja beweisen werden Sie es müssen“, sprach sie fest und nahm ihren Platz wieder ein.„Ich werde mit einem solchen unerwiesenen Verdacht im Herzen nicht nach Hause zurückkehren. Ich lasse meine Mutter nicht beschimpfen!“ Er neigte in düsterer Zustimmung das Haupt. „Sie sollen Alles wissen, denn Sie haben nun das Alter erreicht, um Richter zu sein in Ihrer eigenen Sache, und von einem Richter erwartet man nichts als— Gerechtigkeit.“ Das unglückliche, junge Mädchen erhob furchtsam ihren Blick zu dem finsteren Mann. „Ihre Worte lassen mich Böses ahnen!“ sagte sie.„Sie stellen mich in einen Kampf zwischen Vater und Mutter. Diese kenne ich, ihn kannte ich nicht. Sie hat mein Vertrauen, er meine ganze Theilnahme. Gerechtigkeit! Wird mein Urtheil nicht schwanken zwischen den Herzen, die mir die nächsten und theuersten gewesen anf Erden? Sie kenne ich nicht; ich weiß nicht einmal, was Sie bestimmt, mir mit solchen Enthüllungen nahe zu treten. Warum das hier, unter so geheimuißvollen Umständen? Warum nicht in Gegenwart meiner Mutter, um ihr Gelegenheit zu geben, sich zu ver⸗ teidigen, denn Sie klagen sie an. Warum jetzt?“ Das waren in diesem Augenblick auch meine Gedanken. Eugenie wurde da von einem ganz richtigen Gefühl geleitet, welches sie warnte, vor diesem Menschen auf ihrer Hut zu sein. Nun, ich war ja da, und so war wenigstens für sie nichts zu fürchten. „Alles das werden Sie wissen, wenn Sie meine Geschichte zu Ende gehört haben!“ entgegnete mit ruhiger Bestimmtheit der Mann.„Ich werde Sie Ihnen erzählen, schlicht und klar. Es ist nichts Außerordentliches daran. Solche Dinge passieren alle Tage. Sie werden nur selten laut, weil ein Jeder sich hütet, seine Schande öffentlich zu machen. Man verbirgt das Skelett im Hause so tief, als man kann. Auch in Ihrem Hause ruht ein solches Skelett, und ich habe die traurige Aufgabe, es zum Leben zu erwecken mit einem Wort. Schaudern Sie nicht. Ihr Vater war— ein Verbrecher.“ „O, meine Ahnung!“ rief Eugenie ver⸗ zweifelt aus. Sie bedeckte das Gesicht mit den Händen. „Er endete auf Neu-Caledonien unter dem Beil des Henkers— als Mörder. Er hatte seinen Auf⸗ seher erschlagen.“ Eugenie senkte das Haupt noch tiefer herab. Ein dumpfes Stöhnen, wie ein im Entstehen erstickter Aufschrei, entrang sich ihrer gemarterten Brust. „Armes Kind“, sagte teilnehmend der Mann' „Das ist das Schlimmste, was man von Ihrem unglücklichen Vater sagen kann, und ich schickte es voraus. Doch nun hören Sie, wie das Alles so gekommen ist, denn er war kein Verbrecher seiner natürlichen Anlage nach, er wurde dazu getrieben durch— Ihre Mutter!“ Wie Blei sanken da Eugeniens Arme herab. Sie wandte ihr bleiches, entgeistigtes Antlitz dem Sprecher zu. Thränen hatten sich einen Weg über ihre Wangen gebahnt, Thränen, welche sie um ihren Vater, um ihren verbrecherischen Vater geweint. Wohl mochten die Augen des Anderen voller Teilnahme auf ihr ruhen, denn mit dieser neuen Anschuldigung verlor sie auch die Mutter, an der sie bis dahin mit ganzem Herzen gehangen, an die sie geglaubt hatte, in deren Liebe sie glücklich ge— wesen war, O, welch' ein Schmerz war das! Mutterherz, Du bist doch das teuerste, edelste Gut auf Erden, und Dein Verluft schafft eine klaffende Lücke, die nie mehr ausgefüllt werden kann. Der Greis noch erhebt segnend die zitternden Hände, wenn er von seiner Mutter spricht, und selbst der hartgesottenste Verbrecher zerdrückt wohl eine heimliche Thräne, wenn er von hüben oder drüben das Mutter-Auge auf sich gerichtet sieht. Eortsetzung folgt.) — 1 — Lokales und Provinzielles. * Gießen, 20. Nov. Ernannt: 1. Die Lehramtsassessoren Joseph Geyer zu Alzey zum Lehrer an der Realschule und dem Progymna⸗ sium zu Alzey, 2. Wilhelm Schleußner zu Mainz zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz, 3. Georg Schilling u Alsfeld zum Lehrer an der Realschule zu lsfeld, 4. Dr. August Köhler zu Bingen zum Lehrer an der Realschule zu Bingen, 5. Dr. Eduard Volp zu Büdingen zum Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, 6. Dr. Adam Keller zu Laubach zum Lehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach, Dr. Friedrich Roth zu Laubach zum Lehrer an dem Gymna⸗ sium Fridericianum zu Laubach und 8. Theodor Ritsert zu Darmstadt zum Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt. 5 * Echzell, 19. November. Von der Errich⸗ tung einer Zuckerfabrik, für die vor wenigen Jahren hier so lebhaft agitiert wurde, ist es jetzt Fill geworden. Es ist anzunehmen, daß der Plan aufgegeben ist. Den Rübenzüchtern hier und in nächster Nähe wird nun auf andere Weise eine Transporterleichterung zuteil. Die Aktien⸗Zuckerfabrik„Wetterau“ wird nämlich hier eine Rübenabnahmestelle errichten und hat zur Herstellung der hierzu erforderlichen Ge⸗ bäulichkeiken bereits ein Grundstück erworben.— Der Wert des Bodens ist in letzter Zeit bei uns recht gestiegen. Bei dem Verkauf des bei der Feldbereinigung gewonnenen Massengeländes wurde beispielsweise ein Quadratmeter Ackerland in erster Lage mit 2& bezahlt. Der Gesamt⸗ erlös aus diesem beziffert sich auf über 100 000 Mark, sodaß die Gesamtkosten gedeckt erscheinen. Der Abzug von den Grundstücken 95 Herstellung von Wegen und Bildung von Massengelände, durch dessen Verkauf die Kosten aufgebracht werden sollten, betrug 5 Prozent. * Butzbach, 18. November. Anfang ds. Mts. wurde mit der Holz fällung am roßen Exerzierplatz, der bis auf die Größe vou 37,5 ha erweitert wird, begonnen. Die Arbeiten des Exerzierplatzes müssen bis um 1. April 1897 vollendet sein. Gegenwärtig ind etwa 50 Holzhauer beschäftigt und schreiten die Arbeiten bei der jetzigen günstigen Witterung rüstig vorwärts, so daß in aller Kürze schon i des gefällten Holzes stattfinden nn. * Mainz, 19. Nov. Die Strafkammer ver⸗ urteilte den Tagelöhner Joh. Grünig zu vier Wochen Gefängnis. Er hatte einem deser⸗ tierten Pionier des in Kassel liegenden 11. Pionierbataillons erlaubt, in seiner Wohnung die Militärkleidung mit einem Zivilanzug zu vertauschen. * Worms, 19. Nov. Auf Grund eines im Auftrage der Stadt abgegebenen umfangreichen Gutachtens des Dr. Weidenhammer hat sich der hiesige Ortsgesundheitsamt mit der Ein⸗ führung der Schwemmkanalisation einverstanden erklärt.— In Westhofen wurde ein zugereister Müllerbursche vor der Sandthüre eines Kalkofens tot aufgefunden. Er scheint durch ausströmende Gase erstickt zu sein. Vermischtes. — Arton der Blaubart. Bei der gegen Arton durchgeführten Pariser Strafverhandlung, in welcher der⸗ selbe, wie schon mitgeteilt, zu mehrjährigem Kerker verur⸗ teilt wurde, hat sicherlich manches Detail verblüfft; ja man meint allgemein, daß manches derselben noch Nach⸗ spiele haben werde; allein eine ganz eigenartige Ueber⸗ raschung war es, als der die Verhandlung leitende Prä⸗ sident auf Grund aktenmäßiger Belege und einem Lächeln, dem es nicht an einer gewissen Bitterkeit fehlte, konsta⸗ tierte, daß der Angeklagte gleichzettig zwetund⸗ zwanzig Geliebte hatte, ntcht eine weniger. Diese Konstatierung, welche in Auwesenheit der unglücklichen Frau und der nicht minder unglücklichen Tochter Arton's gemacht wurde, verursachte, daß die Beiden in lautes Weinen ausbrachen. Man kann jetzt wohl behaupten, daß Arton all die Millionen, eigene und fremde, welche in seinen Händen zerrannen und um derentwillen er Ehre und Freiheit verlor, an und mit Frauen vergeudete. Es wurde festgestellt, daß er in Zeiten, wo er kein Geld hatte, seinen Dulcineas Wechsel oft in ungeheuren Beträgen gab, Wechsel, die nicht einmal ihm gehörten und auf welche er mit großer Kühnheit sein Giro setzte. Einen solchen Wechsel über 30 000 Franks mußte er einmal um 50 000 Franks von einem Wucherer zurückkaufen, weil derselbe drohte, ihn mit demselben zu kompromittieren. — Räthselhafte Jagdbeute. In der Stadt⸗ forst von Nauen(Kreis Osthavelland) wurde, wie der „Voss. Ztg.“ nachträglich berichtet wird, am 9. Oktober vom Hilfsförster Giebel ein Fuchs geschossen, der ein ledernes Halsband mit anscheinend silberner Platte trug. Auf dieser befindet sich die merkwürdige Inschrift eingra⸗ viert:„Königgrätz, den 3. Jult 1866.“ Es wäre wert⸗ voll, zu erfahren, welche Beziehungen dieser Fuchs, dessen Fell und Halsband noch nicht verkauft sind, zu der Schlacht von Königgrätz hat und welcher Vorgang dazu Veran⸗ lassung gegeben hat, ihm das Halsband umzulegen. — Kurpfuscherei. Ein Tyroler Blatt erzählt folgende bezeichnende Geschichte, die an den Prozeß Volbe⸗ ding in Düsseldorf anklingt: Ein Bauer verletzte sich bei einer Holzarbeit die Hand. Als sich die Wunde ver⸗ schlimmerte, nahm er Zuflucht zu einem Manne seines Vertrauens, der aber selbstverständlich kein Arzt war. Dieser legte ih en Tabakblätter auf die eiternde Wunde. Als nun der Bauer den dadurch hervorgerufenen Schmerz nicht mehr ertragen konnte, ging er zu einem anderen „Heilkünstler“; der legte ihm Pech auf. Die Hand schwoll immer mehr an. Ein dritter Bauerndoktor steckte Schaf⸗ wolle in die Wunde,„damit“, wie er sagte,„keine Luft zukomme“. Ein Vierter behandelte die Hand mit Leim! Der Zustand der Hand verschlimmerte sich mehr und mehr und der robuste Mann konnte den Schmerz„bald nicht mehr aushalten“. Jetzt wurde es ihm denn doch zu dumm und er fand endlich den Weg ins Spital, wo ihm durch eine entsprechende Operation zunächst Linderung und dann allmähliche Heilung zu Teil wurde. Lieber hat der Mann Alles vorher versucht und erduldet, als sogleich Heilung am rechten Ort zu suchen. — Stiergefechte in Spanien. Die spanischen Blätter veröffentlichen eine interessante Statistik über die großen Stiergefechte, die inf diesem Jahre stattgefunden haben. An der Spitze steht natürlich Guerrita, der in 68 Corridas mitwirkte und dafür 306 000 Pesatas ein⸗ nahm. Nach ihm ist der meistbegünstigte Reverte mit 38 Corridas und 143 500 P. Einnahme. Dann kommen Mazzantini mit 29 Corridos und 130 500 P., Bombitta mit 43 Corridas und 129000 P., Algabeno mit 46 Corridas und 115 000 P. u. s. w. Wenn man den Wert der Stiere, die Transportkosten u. s. w. berücksichtigt, so kommt man auf mindestens 5 Millionen, die Spanien für diesen nationalen Sport ausgiebt. Die Zahl der anerkannten Matadore beträgt zur Zeit 23; die Zahl der von ihnen getöteten Stiere 1218. — Eine zeitgemäße Frage. Der Redakteur des in Budapest erscheinenden„Magyar Figaro“ richtete an einige hervorragende Künstlerinnen die Frage, wie hoch die Damen das Kleid bei kotigem Wetter aufheben sollen. Von den angelangten Antworten sind die folgen⸗ den von ungarischen Blättern reproduziert worden: Frau Louise Blaha:„Die Frauen sind gar schlaue Geschöpfe; hat Eine ein winziges Füßchen, so hebt sic ihr Kleid hoch; wenn Eine große Füße hat, so hebt sie es gar nicht. Gute Wirtinnen— und unter diese rechne ich mich selber— tragen bei regnerischem, kotigem Wetter kurze Röcke.“ Die andere Diva des Volkstheaters, Frl. Clara Küry, zieht sich mit einer sehr seriösen Antwort aus der Affaire; sie sagt:„Die einfachste und wahre Antwort ist: Heben wir das Kleid so hoch, daß es vor Schmutz und Kot bewahrt bleibe.“ Die große Tragödin Frau Marie Jaszai sucht auch im Aufheben des Licht glühlicht aus. Anstalt über 120 Hefnerkerzen. passend. à Stück 1 Mk. 20 9 1346 Kleides den— Charakter. Sie antwortet nämlich: „Das aufgehobene Kleid verrät nicht nur die Beschaffen⸗ unseres Fußes, sondern auch diejenige unseres Charakters. Die Naive des Nationaltheaters, Frau Therese Esillag, endlich ist folgender Meinung:„Der Zweck vermag das Mittel zu veredeln. Der Zweck ist, daß unser Kleid nicht kotig werde; folglich ist es zu verzeihen, wenn wir etwas mehr zeigen.“ — Eine Ehescheidung wider Willen. Eine Ueberraschung etwas ungewöhnlicher Art wurde einer Frau Sch. in Zürich zu teil, als sie im Mai 1896 durch ihre Schwester auf dem dortigen Zivilstandesamt den soeben erfolgten Tod ihres Mannes anmelden ließ und bei diesem Anlaß erfuhr, daß sie von demselben auf Grund eines im Dezember 1893 in Lausanne erlassenen Urteils wegen schwerer Mißhandlungen, die sie durch ihn erlitten, geschieden worden sei. Weder ihr Mann, mit dem sie bis zu dessen Tode in Frieden zusammengelebt, noch sie selber hatten von diesem Urteile sonst jemals Kenntnis erhalten, und doch hatte es damit seine volle Richtigkeit. Das war folgendermaßen zugegangen: Die von Zürich gebürtigen Eheleute Sch. hatten im Jahre 1892/93 in Lausanne ein Geschäft betrieben und waren dabel in Not geraten. Die um Hilfe angegangenen Brüder der Frau sagten ihr die gewünschte Unterstützung unter der Bedingung zu, daß sie sich von ihrem Manne, der sich mittlerweile von ihr getrennt hatte, scheiden lasse. Sie entsprach diesem Begehren und beauftragte einen Lausanner Anwalt mit der Durchführung des Prozesses, worauf sie sich von dort entfernte, wie ihr Mann das schon gethan hatte. Sie hatte denselben von ihrem Vor⸗ haben auch benachrichtigt, aber eine abmahnende Antwort erhalten. Einer ihn in Zürich treffenden Vorladung vor das Friedenrichteramt Lausanne gab Sch. keine Folge und kümmerte sich auch nicht mehr weiter um den Prozeß, der in Lausanne inzwischen seinen Fortgang nahm, ohne daß der Beklagte anders als durch öffentlichen Anschlag zum Erscheinen aufgefordert worden wäre. Im Dezember 1893 wurde die Scheidung ausgesprochen und durch den Anwalt der Klägerin dem Bruder derselben in W., der die Kosten zum Prozeß vorgeschossen, zur Kenntnis ge⸗ bracht, die Nachnahme aber, welche das im Februar 1894 als definitiv erklärte Urteil enthielt, wurde von demselben nicht eingelöst, und die Frau Sch. selber scheint von dem Urteil nichts erfahreu und sich um dasselbe auch nicht weiter bekümmert zu haben. Im Herbst 1894 fanden sich die beiden ohne ihr Wissen ge⸗ schiedenen Ehegatten in Zürich, wo der Mann eine öffent⸗ liche Anstellung erhalten hatte, wieder zusammen und die Frau verlangte nun nach Kenntnisnahme des Schei⸗ dungsurteils vom Bundesgericht die Aufhebung desselben, da sie zufolge der Scheidung einer ihr sonst zugefallenen Witwenpension von 400 Fr. verlustig zu gehen befürchten mußte. Diesem Begehren konnte indessen das Bundesge⸗ richt nicht entsprechen, da bei Erlaß des Urteils weder eine Verfassungs⸗ noch eine Gesetzesverletzung vorge⸗ kommen war. Neueste Telegramme Hd. Recklinghausen, 20. Nov. Zu dem Grubenunglück auf der Zeche„General Blumenthal“ wird weiter berichtet, drei Berg⸗ leute werden noch vermißt, die seit gestern Abend mit größtem Eifer betriebenen Rettungs⸗ arbeiten schreiten nur langsam vorwärts, da sie mit großen Gefahren verbunden sind. Hd. Frankfurt a. M., 20. Nov. Die Klage des Hoteliers Stern(öpächter des Hotel zum Schwan, hier) gegen die Stadt Frankfurt auf Zahlung von 10000% für entgangeneu Verdienst während der Vorbereitungen zum Kaiserbesuch wurde heute vom Landgericht kostenfällig abgewiesen. Wiederholte Ver⸗ gleichsvorschläge der Stadt auf Einsetzung eines Schiedsgerichts waren vom Kläger abgelehnt worden. Hd. Berlin, 20. November. Der„Staats⸗ bürger⸗Zeitung“ zufolge ist die Meldung, das Konsistorium habe dem Protest gegen die Wahl Bekanntmachung. Die Rechnung der Armenkasse und der des Pfarrers Iskraut zum dritten Pre- diger an der Sophienkirche Folge dahin zu berichtigen, daß diese Angelegenhel noch gar nicht an das Konsistorium gelangt sondern gegenwärtig dem Synohil Vorstand vorliegt, welcher darüber zu befinden hat, 9b die Proteste für begründet zu erachten sind oder zu verwerfen seien. 3 Hd. Berlin, 20. November. In der gestrig Fraktionssitzung der sozialistischen Partel⸗ leitung wurde beschlossen, eine Interpellg⸗ tion über den Beschluß der zweiten Stände⸗ kammer des Königreichs Sachsen, betreffend Erwerbsgenossenschaften vom 27. März d. J., einzubringen. Die Begründung wurde Bebel übertragen, während Stolle und Wurm in der Debatte sprechen sollen. Gleichzeitig soll eine Interpellation eingebracht werden betreffs der Repressalien, welche seit kurzem die russischen Zollbehörden gegen die Einfuhr feiner deutscher Lederwaren in Anwendung bringen. Hierzu sind Ullbrich und Schippel als Redner bestimmt. Hd. Altona, 20. November. Fast die ge⸗ samte Mannschaft des Hamburger Segel⸗ schiffs„Melpomene“ wurde beim Eintreffen in dem Hamburger Hafen wegen Meuterei verhaftet. Hd. Triest, 20. Nov. Infolge eines Zu⸗ sammenstoßes des Torpedobootes Nr. 61 ist das Torpedoboot Nr. 83 gesunken. Mehrere Matrosen wurden verletzt, ein Heizer getötet. Das Torpedoboot Nr. 61 hat starke Beschädigungen erlitten. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 22. November, 25. nach Trinitatis. Totenfest. Gottesdienst. In der Stadtkirche: Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Schlosse r. r Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser, Nachmittags 5 Uhr: Liturgische Andacht. Pfarrer Dr. Grein. Nach sämtlichen Gottesdiensten Kollekte zum Besten der Witwen und Waisen der ermordeten christlichen Ar me⸗ nier. Donnerstag, den 26. November, Abends 8 Uhr: Bibel stunde im Konfirmandensaal, Neustadt 61,(Jas, 5, 7 bis 12) Pfarrer Schlosser. Nächstkünftigen Sonntag, den 29. November, als am 1. Advent findet Beichte und heiliges Abendmahl für die Matthäus⸗ und Markusgemeinde gemeinsam im Vormlk⸗ tagsgottesdienst statt. Anmeldungen bei den Pfarrern jeder Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche: Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Friedhofskapelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kollekte für die Waisen und Witwen der ermordeten, christlichen Armenier. Montag, den 23. November, Abends 8 Uhr Bibel; stunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche, Matth. 5, 13 u. ff., Pfarrer Dingelde y. Am Sonntag, den 29. November, als? dem 1. Advent, wird Beichte und heiliges Abendmahl gemelnsam für Lukas⸗ und Jo hannesgemeinde gehalteg werden im Vormittagsgottesdienst. Anmeldung bei den Pfarrern erbeten. Am 1. Advent wird nac allen Gottesdiensten eine Kollekte erhoben für die Kirchenkasse zur Vermehrung des Kapitalvermögens der Gemeinde. 4 Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. M,. dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide Gießen 171 alder 0 zu ache Narage von fil il, wenn ne kuscliczen. Nur ulde fan, wirkl Gießen, esultake sind t halte Morgen iu dee Budi lb einer Major Ain Wahlkauhf Eumenberhältn b amtlichen de an nächten Mo 1 0 fr Im Weit über 100 Kerzen 8 strahlen die neuesten Glühstrümpfe für Gas⸗ Die Leuchtkraft derselben beträgt nach Messungen der Kaiserlichen physikalischen Reichs- Auf jedes Brennersystem fg. sind solche zu haben bei A. Gretscher, Neustadt 78. verniekelungen von Gegenständen aller Art führt sauber zu billigen Preisen aus 1465 Max Weissbäcker Gleftrotechuifer, Gießen. — 22„ b— Eier Geschäfts-Eröffnung. Eier Mit dem heutigen Tage eröffne ich am hiesigen Platze und für Versandt ein Eier⸗Engros⸗ und Detail⸗Geschäft. Durch eigenen Einkauf in den Produktionsorten bin ich in der Lage, stets frische Eier zu auffallend billigen Preisen zu verkaufen. 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