Gießen, Donnerstag, den 19. November 1896. ssche Landeszeikung. Postztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112. Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. N 20 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Da in Preußen heute der Buß⸗ und l Bettag gefeiert wird, muß die Haupt⸗ Ausgabe der„Hessischen Landeszeitung“ ausfallen. 9 Wir haben versucht, unsere Leser in der lorliegenden Nummer für den dadurch bedingten lusfall an politischem Stoff nach Möglichkeit 0 entschädigen. a 8 Zur Reichstagsstichwahl. Schon bei der am 5. ds. stattgefundenen bauptwahl zum Reichstage hat die Hessische Landeszeitung“ Iezeigt, daß sie 1 das einzige der hier erscheinenden Blätter ist, von dem die 1 beser und Wähler eine 5 schnelle Berichterstattung Hann? In Betreff der Wahlresultate erwarten können. Di.ie„Hessische Landeszeitung“ war nicht nur mitt ihren Extrablättern 1 bes, ren. tundenlang vorher auf dem Platze, sondern sie W 1 hat auch durch Bekanntgabe der einzelnen Wahl⸗ eigener 1 2—.— „ ee ee ee e ee ee eee 3 4 pee, n veiten Kreisen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse zur Keuntniß gebracht. Am Wahlabend war demzufolge der Kreuz⸗ platz von Hunderten Menschen belagert. Naturgemäß ist am Stichwahlabend die Spannung noch eine größere. In Wür⸗ f digung dessen haben wir das etz unserer Lonespondenten über den h er Pelerine, U 0 ganzen Wahlkreis bin bedeutend vergrößert, sodaß wir hoffen dürfen, wenn auch nur in der Mehrzahl der Orte der rel ielegraphische Anschluß nicht versäumt wird, das Resultat der Stichwahl noch am Donnerstag bis 12 Uhr Nachts den Besucherndes Kreuzplatzes bekannt geben zu können. Die Eiuzelresultate werden in Extra⸗ blättern ausgegeben, die zum Preise von 5 Pfg. per Exemplar von den damit betrauten Ver⸗ käufern zu beziehen sind. Wir haben dafür Sorge getragen, daß der Aushang der Wahlziffern über den Ganzen Kleurpatt feuchte, sodaß jedes Drängen und Stoßen vor unserem Schaufenster am Donnerstag Abend vermieden wird. Redaktion der„Hessischen Landeszeitung“ Ausgabe Gießen Kreuzplatz 4. Sosse Die Notlage der Landwirtschaft. Die jüngste Weizenhausse legt die Frage wieder nahe: hat der Preisrückgang nur eine vorübergehende Unterbrechung erhalten oder damit überhaupt schon den Tiefpunkt überschritten? Der Hauptgrund für die mangelnde Rentabilität des landwirtschaftlichen Betriebs in Deutschland ist die amerikanische, russische und argentinische Konkurrenz: hat sich vielleicht deren Kraft schon gebrochen? Für die Bejahung dieser Frage spricht der Umstand, daß Nordamerika, seitdem auch die dortigen Weizenpreise einen stetigen Rückgang zeigen, weniger Weizen mehr anbaut und von der früheren Anbaufläche, nach englischem Vorbild, mehr und mehr in Weideland um⸗ wandelt. Ende der achtziger Jahre, 1875/80 war binnen nur 5 Jahren die Anbaufläche von 10,6 Millionen Hektar auf 16 Millionen Hektar, die erzeugte Weizenmenge von 87 auf 150 Mill. Dztr.(1875: 70, 1891: 180, 1895: 150 Mill. Dztr.) gesteigert worden; in den beiden Dakotas allein hatte sich das Weizenareal in den Jahren 1888/89 von 1,2 Mill. auf 17,7 Millionen Hektar gehoben. Seit 1891 aber nimmt diese Anbaufläche beständig ab, und heute beträgt sie nur noch 13,6 Millionen Hektar oder 2,2 Millionen Hektar weniger als im Jahre 1884. Noch namhafter ist die Minderung der Exportfähigkeit; der amerikanische Weizen⸗ export, auch heute noch der verhältnismäßig be⸗ deutendste, betrug 1894/95 noch 25 Millionen Quarter, wird aber voraussichtlich noch mehr zurückgehen, da der Eigenkonsum, 60—85 Mill. Dztr., mit der Zunahme der Bevölkerung mehr und mehr anwächst. Somit weist die Konkurrenz, deren nam⸗ haftester Vertreter Nordamerika ist, schon immer⸗ hin eine beträchtliche Lücke auf; es wurde daran in den letzten Tagen schon die Hoffnung geknüpft, daß die Preiserhöhung nunmehr von Bestand sein werde. Indes ist die Lücke rasch wieder ausgefüllt und dadurch auch ein neuer Faktor in der Preisgestaltung der Brotfrucht in den Vordergrund gestellt worden. Argentinien(und Uruguay) nämlich haben ihre Weizenanbaufläche binnen drei Jahren verzehnfacht; sie stieg von 240 000 im Jahre 1893 auf 2,4 Millionen Hektar im Jahre 1895; der dortige Weizen⸗ und Mehl⸗ export hob sich von 3¼½ auf 6˙¼ Millionen Quarter. Ebenso haben Rußland und die Bal⸗ kanstaaten seit 1880 ihre Exportfähigkeit um 40% gesteigert; ihr Export betrug schon 1892/93 17, 1894/95 22 Millionen Quarter. Infolge⸗ dessen hat sich der durchschnittliche Weltweizen⸗ ertrag von 650 Millionen Dztr. in den Jahren 1885/89 auf 770 Millionen Dztr. 1894/95 gehoben. Trotz alledem hat der diesjährige Ausfall, der auf 2025 Millionen Dztr., also auf kaum 3% der gesamten Weizenerzeugung geschätzt wird, die gegenwärtige Weizenhausse herbei⸗ zuführen vermocht. Und diese Thatsache weist auf zwei bisher weniger beachtete Punkte hin, zunächst darauf, daß sich die Produktion und der Konsum viel näher die Wage halten, als dies noch vor kurzem allgemein angenommen wurde. Auch daraus glaubte schon mancher den Schluß ziehen zu dürfen, daß nunmehr schon„die Zeit erfüllt“, daß die Preiserhöhung eine dauernde sei. Diese Hoffnung aber erscheint wegen des zweiten Moments als voreilig. Was nämlich den heutigen Preisdruck erzeugt, das ist auf dem landwirt⸗ schaftlichen ähnlich wie auf dem industriellen Gebiet nicht der sichtbare Vorrat, sondern die Möglichkeit jederzeitiger Mehrerzeugung, die sogen. „Kapital⸗Akkumulation“. Sollten sich je die Weizenpreise auf ihrer heutigen Höhe behaupten, so würden alsbald in den Vereinigten Staaten, in Argentinien, Uruguay usw. einige Millionen Hektar wieder mehr angebaut. Zudem ist es eine Jahrhunderte alte Erfahrung, daß ein Ernteausfall auch nur einiger weniger Prozente eine Preissteigerung zu wege bringt, die weit über die Quote dieses Minderertrags hinausgeht; wie auch umgekehrt der Getreide-Export oder die gesamte in den Welthandel eintretende Ge⸗ treidemenge, in der sich die heutige Ueberproduk⸗ tion oder das die Preise drückende Ueberangebot darstellt, kaum ½ Uder Weltproduktion erreichen. Jedenfalls hat die gegenwärtige Hausse mit dem Silberpreis nichts zu thun, der ja ziemlich unverändert geblieben ist. Bekanntlich ist ja auch Ostindiens Ausfuhr nach Europa in den letzten Jahren zurückgegangen und kommt heuer überhaupt nicht in Betracht. Nach England z. B. gingen 1891: 6,5 Millionen Doppelzentner (Indiens Gesamtausfuhr 1,2); 1892: 6,3 (Indiens Gesamtausfuhr 15,4, die Union lieferte nach England 31,6); 1893: 3(Gesamtausfuhr 7,6, die Union lieferte 23,8); 1894: 2,7(6,6) Millionen Doppelzentner.(G. W. K.) Deutscher Reichstag. Berlin, 17. November. Am Bundesratstische Reichskanzler Fürst Hohen⸗ lohe, die Staatssekretäre v. Marschall und v. Boet⸗ ticher, sowie die Minister v. Goßler und v. Schön⸗ sted t. 5 1 Das Haus ist mäßig besetzt, sind gefüllt. Auf der pellationen Mun Brüsewitz). b Der Reichskanzler ist zur sofortigen Beantwortung ereit. Munckel(Fr. Vpt.) begründet die Interpellationen und verweist auf die Einstimmigkeit des Reichstags⸗ beschlusses vom 21. April d. J., sowie darauf, daß die Erwägungen des Reichskanzlers damals bereits schwebten. Der Reichstag habe ein Recht zu verlangen, daß ihm über etwaige Ergebnisse dieser Erwägungen nunmehr endlich Mitteilung gemacht werde. Was nun den Fall, der mit dieser Interpellation verbunden ist, betrifft, den Fall Brüsewitz in Karls⸗ ruhe, so handelt es sich hier um ein Verbrechen. Wenn ein Offtzier mit kaltem Blute einen Andern nieder⸗ stoßen kann, bloß weil er seine Ehre verletzt glaubt, dann ist die menschliche Gesellschaft überhaupt gefährdet. Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Er betrachte es nach wie vor für eine selbstverständliche und unabweisbare Forderung, daß auf dem Gebiete des Duellwesens die Bestimmungen des Gesetzes in allen Kreisen der Gesellschaft ohne Unterschied zur Geltung kommen. In den nächsten Tagen tritt eine Kommission von Offizieren zusammen, die darüber beraten wird. Die Kommission soll Vor⸗ schriften begutachten, wonach Streitigkeiten und Belei⸗ digungen zwischen Offtzieren der ehrengerichtlichen Ent⸗ scheidung mit der Wirkung zu unterwerfen sind, daß eine unbedingt verbindliche Entscheidung niemals auf Nötigung zum Duell oder dessen Zulassung lauten darf. Das Er⸗ gebnis der Beratungen bleibt abzuwarten. Aber auch auf bürgerlichem Gebiete wird eine Aenderung des ehren⸗ gerichtlichen Verfahrens erwogen. Kriegsminister von Goßler bespricht den Fall Brüsewitz und wird dabei häufig von Zwischenrufen unterbrochen. Redner führt aus: Meines Erachtens kommt es zuerst darauf an, ob die gesetzlich berufenen Faktoren Alles gethan haben, um die That klar zu stellen. Die That geschah in der Nacht vom 11. zum 12. Oktober. Am 19. Oktober wurde die kriegsgerichtliche Untersuchung Tribünen und Logen Tagesordnung stehen die beiden Inter⸗ ckel und Gen.(Duelle und Fall — Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Fortsetzung.) Ich selbst würde aufbleiben und jeden Augen⸗ blick bereit sein, ihr meinen Beistand zu leihen. Damit ging ich nach meinem Zimmer hinauf. Die Nacht verlief ruhig, doch für mich schlaflos. Ich zermarterte mein Gehirn, um einen Zu⸗ sammenhang zu finden zwischen dem, was ich selbst wahrgenommen hatte, und den Aeußerungen der un⸗ glücklichen Frau da unten. Erst gegen Morgen er⸗ haschte ich einen kurzen, von beängstigenden Träumen erfüllten Schlaf. 5 Die zunehmende Unruhe der Kranken, die selbst kein Auge geschlossen hatte, wurde mir ein will⸗ kommener Anlaß, die Station schon früh Morgens zu verlassen. Ich sagte Fräulein Eugenie, daß ich die Hinzu⸗ ziehung eines Arztes für unbedingt erforderlich halte und selbst nach der Stadt reiten werde, um einen solchen herauszuschicken. Man müsse denselben vorbereiten, da hier Medikamente nicht zu haben seien, und das könne man Keinem von den Stations⸗ Leuten überlassen, die auch nicht erst in's Vertrauen gezogen zu werden brauchten. Ich selbst werde erst spät Abends zurücktehren, da ich in der Stadt noch einige Besorgungen habe. Sie nahm diese Mitteilung mit offenkundiger Befriedigung entgegen und dankte mir mit unge⸗ wohnter Herzlichkeit für meine bewiesene Teilnahme. Ich wußte warum. Nicht die Sorge um sondern die Sorge um ihre heimliche mit dem Bewohner der toten Schlucht, nichts wissen sollte. 5 8 u ich zurückkehrte, so dachte sie, war sie fert und Niemand hier kounte sagen, wohin sie sich um gebend * ihre Mutter bewegte sie, Begegnung von der ich begeben hatte. Unterwegs ging ich mit mir zu Rat, ob ich dem Sergeanten Mitteklung machen sollte oder nicht. Ich war überzeugt, daß er dann darauf bestehen würde, meine Kameraden mit nach der toten Schlucht zu entsenden, um mir bei der Gefangennahme des Verbrecherpaares und der Bergung des Schatzes behilflich zu sein. Ich hatte aber noch immer eine Neigung, Fräulein Milton zu schonen, soweit es irgend mit meiner Pflicht vereinbar war, schon um ihrer armen, unglücklichen Mutter willen, auf welche die Ge⸗ fangennahme ihrer Tochter geradezu vernichtend wirken mußte. Aus diesen Erwägungen heraus und weil es sich nur um einen Mann zu Mann Kampf handelte, in welchem ich durch Ueberraschung des Gegners der Begünstigte war, nahm ich von einer vorherigen Anzeige Abstand. Man sollte nicht sagen, daß es mir im ent— scheidenden Augenblick an Mut gebrochen hätte. Ich hatte meinen Auftrag als„geheim“ em⸗ pfangen und so wollte ich ihn auch erledigen. Ich ritt thatsächlich nach der Stadt, wo ich Mittags anlaugte, schickte den Arzt hinaus, nahm eine einstündige Rast und brach dann, mit Um⸗ gehung der Polizei ⸗Station, nach der toten Schlucht auf. Welche Empfindungen auf diesem letzten Ritt! Welch' ein Seelen⸗Zustand. Was da in mir vorging, Worten nicht auszusprechen. Durch Umgehung der Polizei⸗Station kürzte sich der Weg bedeutend ab. Dennoch war es schon acht Uhr vorbei und völlig dunkel, als ich wieder, wie damals im Schritt durch den Mulgaserub ritt, welcher dem die Schkucht vermöchte ich mit umziehenden Wald vorgelagert war. Ich gedachte erst nach meiner Waldhütte zu reiten, aber nah weiterer Ueberlegung that ich das nicht. Ich kannte den für die Begegnung verabredeten Platz nicht, und ein Mangel an Vorsicht konnte hier Alles verderben. Ich hatte mir in der Stadt eine neue Pferdeleine gekauft, und mit dieser band ich jetzt hier draußen im Scrub mein Pferd an einen ganz vereinsamt stehenden Pinienbaum, den ich später unmöglich verfehlen konnte. Bei dem ungewissen Ausgang der Sache erschien es mir ratsamer das Pferd gesattelt und gezäumt zu lassen. In der Westen⸗Oeffnung— ich ging noch als Gentleman— trug ich einen kürzeren Strick, der mir zum Fesseln des Gefangenen dienen sollte. Das Bowiemesser war an seinem Platz, der Revolver in meiner rechten Seitentasche schußbereit. So gut bewehrt, begab ich mich auf Schleich⸗ wegen nach der toten Schlucht. Zäh durchzuckte es mich, als ich aus der früher von mir bewohnten Hütte Licht schimmern sah. Ich dankte Gott in meinem Herzen, daß er meine Schritte so richtig geleitet hatte. Wäre ich hier herangeritten, dann war Alles verloren und vielleicht mein Leben dazu. Daß ich die Lage der Hütte und deren nächsten Umkreis genau kannte, gereichte mir zum Vorteil. So konnte ich mich unter steter Deckung heran⸗ schleichen. Mein Erstes war, festzustellen, in der Hütte war. Daß er noch allein war, herrschende tiefe Stille. Ich hatte für die erste oberflächliche Beobachtung einen ganz güustigen Platz gewählt, Meine Geduld sollte aber auf eine harte Prob e gestellt werden. daß der Mann verriet mir die Eine ganze Stunde verrann, ohne daß weiter etwas laut geworden wäre, als der unruhige Schritt des ungeduldig Harrenden. Ab und zu trat der Mann unter die Thür, um hinaus zu spähen und zu lauschen. Aus diesem Verhalten entnahm ich, daß die von ihm brieflich bestimmte Stunde für die Begegnung bereits verstrichen war. Sollte Eugenie doch nicht kommen? Vielleicht gestattete ihr der Zustand ihrer keine längere Entfernung von zu Hause. Oder kam sie aus anderen Gründen nicht War nur der Schein gegen sie und sie so un⸗ schuldig wie sie sich mir gegenüber gegeben hatte? Um mein Leben gern hätte ich gewußt, was in dem Brief gestanden, den dieser Mann in ihrem Schlafzimmer niedergelegt hatte. Es waren offenbar nur wenige, flüchtig hinge⸗ worfene Worte gewesen, aber ihre Wirkung auf Eugenie war eine solche gewesen, daß der Lauscher sich selbst die beruhigende Versicherung geben konnte: „Sie wird kommen.“ Ich wünschte sehnlichst, daß sie nicht kommen möchte, und daran knüpfte ich im Geiste schon allerhand weitgehende Beweise für ihre Nichtschuld, aber sie kam, und sie kam mit jener Schnelligkeit, welche verriet, daß sie heut nicht zum erstenmal hier war. Sie sprengte bis zur Hütte heran Er trat hastig heraus, um sie aus dem Sattel zu heben, doch spraug sie schon vorher zur Erde. „Kommen Sie! Kommen Sie!“ rief sie ihm entgegen.„Meine Zeit ist gemessen. Nur der In⸗ halt Ihrer Zuschrift konnte mich bestimmen, den weiten Nachtritt in diese schreckliche Wildnis zu unternehmen. Aber treten wir ein!“ (Fortsetzung folgt.) Mutter 14 0 1 17 4 „ r — —————— — — wegen Totschlags eingeleitet. In diesen Tagen ist das Urteil gesprochen worden. Das Erkenntnis ist eingereicht und ist noch nicht bestätigt, also noch nicht rechtskräftig. Ich bin daher nicht iu der Lage, über diese Verhandlungen Auskunft zu geben. Der Kaiser hat aber angeordnet, daß später die Akten dem Kriegsministerium eingereicht werden sollen. Ich bin dann in der Lage, eventuell das Urteil mit den Urteilsgründen zu publizieren. Es ist der Wunsch geäußert worden, zur Beruhigung der öffentlichen Meinung das Ergebnis der Untersuchung vorweg zu publizieren. Ich bemerke, daß dies auch im bürgerlichen Verfahren nicht üblich ist. Redner schildert sodann die beiden Per⸗ sonen, um die es sich handelt. Der Lieutenant v. Brüse⸗ witz stamme aus ganz einfachen Verhältnissen. Er habe eine einwurfsfreie Dienstzeit hinter sich und sei nie zu Erzessen geneigt gewesen. Er habe in verschiedenen Ver⸗ trauensstellungen fungiert. Was nun den getöteten Siep⸗ mann betreffe, so war er ein ungewöhnlich kräftiger, herkulisch gebauter Mann. Er war aus der Metall⸗ patronenfabrik in Karlsruhe wegen schwerer Bedrohung seiner Mitarbeiter entlassen. Nachher habe er den Fabrik⸗ inspektor jener Fabrik aufs schwerste bedroht. Daraus könne man jedenfalls entnehmen, daß die Affaire einer genauen Untersuchung bedarf. Eine schwere Provokotion liege unzweifelhaft vor. Der Kriegsminister wendet sich dann zu den Einzelheiten der Rede des Abg. Munckel, die eines einzelnen Mannes That einem ganzen Stande zur Last lege. Dazu liegt keine Berechtigung vor.(Sehr richtig!) Ich bedauere diese Verhetzung(große Unruhe), die aus den Zeitungen auch hierher übertragen wurde. Redner führt dann einige Fälle an, wo Offiziere von Unbekannten aufs ärgste belästigt und beleidigt wurden. Daraus ergebe sich, daß eine Verhetzung stattfand, an der die Armee wahrhaftig nicht schuld war. Ohne be⸗ rechtigtes Standesgefühl, ohne militärisches Ehrgefühl darf kein Offizierkorps sein; sonst ist es wert, aufgelöst zu werden.(Zuruf: Bravo!) 5 Bachem(Ztr.): Der Fall Brüsewitz beweise die Dringlichkeit der Militär⸗Strafprozeß⸗Reform. Präsident von Buol erklärt: Der Ausdruck des Herrn Kriegsministers, die Verhetzungen in der Presse würden in dieses Haus übertragen, gebe ihm Veranlassung, sein Bedauern darüber auszusprechen und zu erklären, daß, wenn dieser Ausdruck von einem Mitgliede des Hauses an ein anderes gerichtet worden wäre, es nötig gewesen sein würde, den Redner zur Ordnung zu rufen. Bebel(Soz.) legt seine Ansichten über die Duellfrage dar und hebt besonders hervor, daß die Duelle oft aus gauz niedrigen und schmutzigen Motiven entstehen. Der Redner kommt nach eingehender Be⸗ sprechung der Duellfrage auf den Fall Brüsewitz zurück und bemerkt dabei, der Kriegsminister habe es nicht unter⸗ lassen, den getöteten Siepmann indirekt zu verdächtigen, das sei nicht gentlemanlike. Brüsewitz war ein Trinker. (Präsident v. Buol ersucht den Redner, nicht einen Mann zu beleidigen, der vor Gericht stehe, und ruft Bebel wegen des Ausdrucks„nicht gentlemanlike“, der beleidigend sei, zur Ordnung.) Bebel bemerkt schließlich, die Sozial⸗ demokraten fordern, daß die Fälle, in denen ein Soldat Verbrechen begangen hat, die mit seinen dienstlichen Ob⸗ liegenheiten nicht im Zusammenhange stehen, vor das bürgerleche Gericht gehören. Bayerischer Bundesratsbevollmächtigter Melldegg erklärt, daß Aenderungen in der bayerischen Militärgerichts⸗ ordnung nicht erfolgt seien. Der spezielle Fall, der in der Debatte wiederholt angeführt wurde, habe eine Aus⸗ tragung mit der Waffe nicht erfordert. Kriegsminister von Goßler: Ich erkläre, daß ich meine Ausführungen von der Notwehr auf den Fall Brüsewitz nicht anwenden will. Der Abg. Bebel hat sein gewöhnliches Prinzip verfolgt: anzuklagen, ohne zu be⸗ weisen. Ich muß mich gegen solche Beleidigungen im Namen der Offiziere der Armee verwahren, bin aber für diese Beleidigungen von Seiten der Sozialdemokraten vollständig unempfindlich.(Bravo rechts, Lachen links.) Bassermann(mnatl.) wünscht die allgemeine Ein⸗ führung von Ehrengerichten für alle Berufe. Außerdem wäre eine Reform des Strafgesetzes wünschenswert dahin, daß jeder Duellant und Zeuge, der seine Affaire nicht vor das Ehrengericht gebracht habe, härter bestraft werde. Der Fall Brüsewitz sei ein frivoler Totschlag, eine rohe, brutale Farce, aber er sei die That eines Einzelnen. Die allgemeine Erregung erfordere die Oeffentlichkeit des Ver⸗ fahrens. Die vielen Begnadigungen seien weiten Kreisen unverständlich. Pflüger(Hospit. der Freis. Vpt.): Er habe in den Ausführungen des Kriegsministers jede Objektivität vermißt. Das Haus beschließt sodann, die weitere Debatte auf Donnerstag 1 Uhr zu vertagen. Munckel verwahrt sich in einer persönlichen Be⸗ merkung gegen den Vorwurf, daß er die Verhetzungen in der Presse in den Reichstag übertrage. Auf der Tagesordnung der Donnerstags⸗Sitzung steht außerdem die Novelle zur Strafprozeßordnung. Schluß 5 Uhr. Politische Rundschau. Die orientalische Frage. Der Petersburger Berichterstatter der„Köln. Ztg.“ versichert, das gleichzeitige Eintreffen der Botschafter Nelidow aus Konstantinopel und Montebello aus Paris sei kein zu⸗ fälliges. In den allernächsten Tagen würden interessante Auseinandersetzungen über die betreffs der Maßnahmen in der Türkei auseinandergehenden Ansichten Frank⸗ reichs und Rußlands erfolgen. Frankreich neige entschieden zu Zwangsmaßregeln, falls die Türkei nicht endlich mit ihren Reform⸗ versprechungen Wort halte; um Letzteres zu er⸗ möglichen, möchte Frankreich die türkischen e regeln und deshalb Rußland be— stimmen, in die bereits bestehende ottomanische Schuldenkommission einen russischen Ver⸗ treter zu entsenden. Rußland dagegen sei jeder Einmischung in die Türkei abhold, weshalb es bereits in Konstantinopel zu mehrfachen Reibe⸗ reien zwischen dem russischen und dem fran⸗ zösischen Botschafter gekommen sei. Ruß⸗ land will die Ordnung der türkischen Finanzen nicht übernehmen. Der diesbezügliche Artikel der„Petersburger Zeitung entspreche vollkommen den Ansichten der leitenden Kreise. Poetisches für und wider Bismarck. Die er Nachrichten“ bringen einen Artikel über„Caprivismus“, an dessen Schluß sie folgendes Gedicht abdrucken: „Zu den Enthüllungen. Das war wieder so ein Wasserstrahl Zur Abkühlung der Frauzosen, Dem Zweibund fallen mit einem Mal Die Herzen jetzt in die Hösen.—. ö Nun traut der Franzmann dem Russen nicht, Die Russen nicht den Franken; Für diese rettende, neue That Hat Wilhelm dem Fürsten zu danken.— Wir saßen nun leider dicke drin, Wohin uns Caprivi geschoben, Und nur Dein streitbarer Rittersinn Hat uns aus der Patsche gehoben.— Ja, ja! Uuẽs Leutchen im Sachsenland Dein Koup war uns klar auf der Stelle, Die andern haben die Augen voll Sand, Wir Sachsen aber sind helle!“ 5 Dagegen zitiert„Die Welt am Montag“ ein Goethisches Worte: 5 Als Knabe verschlossen und trutzig, Als Jüngling anmaßlich und stutzig, Als Mann zu Thaten willig, Als Greis leichsinnig und grillig,— Das ist fürwahr ein Mensch gewesen. Deutsches Reich. Berlin, 17. November. Für die Mari ne⸗ forderungen macht der„Hamb. Corr.“ wieder das geltend, das immer herhalten muß, daß die verlangten Summen im Lande bleiben und auf Umwegen wieder in die Taschen der Steuerzahler zurückgehen. Unsere Werften, unsere Industrie und Tausende von Arbeitern hätten Nutzen von den Schiffsbauten. Und die Löhne, die die letz— teren beziehen, gingen auch wieder für bessere und reichlichere Nahrung, behaglichere Woh⸗ nungen, Kleidungen usw. in die Hände der Landwirte, Gewerbetreibenden, Kaufleute, Grun d⸗ besitzer. Kein Pfennig von den Marine⸗ bewilligungen gelange ins Ausland, alle die Millionen bleiben im Lande und dem Volksver⸗ mögen erhalten. Mit solchen Argumentationen kann man schließlich jede Ausgabe begründen und kommt schließlich auf den Standpunkt: je mehr der Staat für Heer und Marine aufwendet, je mehr seine Schuldenlast dadurch anschwillt, um so größer wird sein Nationalvermögen. Zu⸗ guterletzt wird das Nationalvermögen dann so groß, daß kein Mensch mehr etwas davon sieht. — Von Deutsch-Süd westafrika soll nach der Kapkolonie eine Telegraphenlinie gelegt werden. Die Anlage wird dem„Hamb. Corr.“ zufolge von der Reichspost⸗ und Tele⸗ graphenverwaltung selbst ausgeführt. Die Vor⸗ lage soll, nach Abschluß der Vorarbeiten, dem Reichstage zugehen. — Die antisemitische und agrarische Presse bemüht sich, die gestrige Inter- pellationsdebatte im Reichstage als einen Triumph des Altreichskanzlers und seiner An⸗ hänger auszugeben. Es wird dabei nicht ohne Hohn auf die Thatsache hingewiesen, daß die größte Partei, das Zentrum, von dem die In⸗ terpellation ausging, eine auffällige diplomatische Zurückhaltung in der Debatte beobachtet hat. Daß dies zurückzuführen ist auf gewisse Einflüsse, die sich nach Einbringung der Interpellation geltend gemacht haben, wird vielfach angedeutet. Da die Regierung einen Kampf gegen den großen Enthüller nicht aufnehmen will und aus be— stimmten Gründen nicht aufnehmen kann, so hat offenbar das Zentrum, obwohl es nicht zur Regierung gehört, dieser Sachlage doch Rechnung getragen. 5 Ausland. Spanien. Nach dem gestern stattgehabten Ministerrat hatte ein Korrespoldent der„Frkf. Ztg.“ eine Unterredung mit dem Fin anz⸗ minister. Er schreibt darüber: Die genane Summe der gestern für die innere Anleihe gezeichneten Beträge ist: 595 Millionen. Wie erinnerlich, hatte die Regierung zunächst bloß 250 Millionen ausgeschrieben. Se ebeschloß die Zuteilung von 400 Millionen. Die Zeichner von 5 Obligationen bekommen dies vollzählig ausgehändigt, darüber hinaus erfolgt die Zu⸗ teilung pro rata. Der Minister zeigt sich über den Erfolg sehr zufrieden. Er sagte, er hätte ab⸗ edankt, wenn die Anleihe gescheitert wäre. r erhielt unzählige Gratulations⸗Telegramme vom Aus⸗ und Inland. Auch die Königin gra— tulierte. Der Gedanke an eine äußere An- leihe ist nicht aufgegeben, weil mit dieser wich⸗ tigen Frage die Unterstützung der Eisenbahnen verwachsen sei. Der Miuister bemerkte noch, die sofortige Entsendung von 10000 Mann nach den Philippinen zur raschen Niederwerfung des Aufstandes sei beschlossen. Italien. Die bekannte Thatsache, daß viel⸗ fach beim internationalen Geschäfts verkehr zwischen italienischen Lieferanten und aus⸗ wärtigen Abnehmern die ersteren das ihnen ent⸗ gegengebrachte Vertrauen durch unreelle Be— dienung verscherzen, hat hier zu einem interessanten Vorschlag geführt. Eine Gruppe Mailänder Kaufleute hat die Gründung eines Syndikats angeregt zur Ueberwachung der ehrlichen Ausführung ausländischer Aufträge und die Gewinnung des Vertrauens im Auslande zum italienischen Fabrikanten⸗ und Handelsstande. Allmählich bricht sich auch hier die Ueberzeugung Bahn, daß das bisherige System den italienischen Handel in empfindlicher Weise schädigt. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 18. Nov. Ernannt wurde der Justifikaturgehilfe Friedrich Engelbach aus Biedenkopf zum Oberrechnungsprobator bei der Oberrechnungskammer. * Gießen, 16. November. Die„Hess. Schul⸗ blätter“ führen in scharfen Worten Beschwerde über die Behandlung, die den Lehrer-Rekruten bei der diesmaligen zehnwöchigen Uebung beim 116. Regiment in Gießen zu Teil geworden sein soll. Die behufs Feststellung des Thatbe⸗ standes zu erwartende Untersuchung wird wohl Genaueres darüber ergeben. * Gießen, 18. Nov. In der gestern Nach⸗ mittag auf Lonys Felsenkeller hierselbst stattge⸗ habten General-Versammlung des land⸗ wirtschaftlichen Bezirksvereins, die außer⸗ gewöhnlich stark besucht war, referierte Rechts⸗ anwalt Jost über die Notwendigkeit einer Ab⸗ änderung der hessischen Instruktion für die chemischen Untersuchungsämter inbezug auf die Untersuchusng der Milch. Redner führte aus, daß nach§ 8 der vom Polizeiamt Gießen er⸗ lassenen Milchverkaufsordnung das specifische Ge⸗ wicht der Milch(ganzer Milch) zwischen 1,029 und 1,033 bei 15% liegen soll. Ganze Milch soll aber außerdem mindestens 2,8% Fett be⸗ sitzen. Der§ 11 dieses Gesetzes bestimmt aber, daß der Sachverständige als gewässert zu be⸗ zeichnen hat: a) ganze Milch, deren specsfisches Gewicht über 1,027 liegt, nach 24stündigem Stehen und darauf erfolgtem Abrahmen jedoch unter 1,033 liegt, e) abgerahmte Milch deren spezifisches Gewicht nach 24 stündigem Stehen und darauf erfolgtem Abrahmen unter 1,033 liegt. Feruer hat der Sachverständige als ent⸗ rahmt zu bezeichnen ganze Milch, deren Fettge⸗ halt weniger als 288 beträgt. Dies voraus⸗ schickend, teilt Redner mit, daß am 13. März d. J. eine polizeiliche Milchkontrolle in Gießen stattgefunden. Das spezifische Gewicht der von einem Oekonomen eingeführten Milch betrug bei dieser Untersuchung 1027,5 und deren Fettgehalt belief sich auf 3,01%. Danach konnte diese Milch nach§ 11 der Gießener Milchverkaufsordnung weder für gewässert, noch für entrahmt erklärt werden. Das chemische Untersuchungsamt Gießen gab trotzdem ein Gutachten dahin ab, daß die Milch gewässert und wahrscheinlich auch entrahmt sei, weil eine 24 Stunden später im Stalle des betreffenden Oekonomen entnommene Milchprobe ein viel besseres Resultat ergeben habe. Auf er⸗ hobene Anzeige lehnte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung des Falles ab, weil eine vor⸗ sätzliche Milchfälschung nicht erwiesen sei. Der Amtsanwalt erließ sodann einen Strafbefehl in Höhe von 5, gegen das Dienstmädchen des Oekonomen, als der Verkäuferin der Milch, wegen fahrlässigen Verkaufs gewässerter Milch. Der Dienstherr des Mädchens, der mit gutem Gewissen jede Fälschung in Abrede stellen konnte, aber ebenfalls ein Strafbefehl erhielt, veranlaßte Widerspruch gegen die Strafbefehle, und so kam die Sache zur gerichtlichen Entscheidung. Der Angeklagte behauptete nun, er habe seinen Kühen allerdings eine zeitlang in Folge Futtermangels gefrorene Dickwurzeln gefüttert. Zwei Tage vor der Milchkontrolle seien ihm 3 Kühe erkraukt und auch die Milch sei durch diese Verhältnisse gering⸗ wertiger geworden. Redner weist darauf hin, daß jeder Landwirt bestätigen könne, daß die verschiedenen Futtermittel nicht nur einen ent⸗ scheidenden Einfluß auf die Güte der Milch, sondern sogar auf die Farbe und den Geschmack der daraus gewonnenen Butter ausüben. Jeder Landwirt wisse, daß auf die Güte der Milch, sowohl die Fütterung der Tiere als event. Erkran⸗ kungen einen wesentlichen Einfluß ausüben, ja daß sogar die einzelnen Viehrassen Milch von verschiedner Güte lieferten. Daß aber das spezifische Gewicht einer Milch unter 1,029 sinken könne, ohne daß bei derselben gewässert worden, sei von der Wissenschaft schon längst anerkannt. Auf Grund der Beobachtungen Fachgelehrter stehe weiter fest, daß bei der auf den Markt ge⸗ brachten Milch gewöhnlich schon nach mehreren Stunden in den Kammern die leichteren Fett⸗ kügelchen nach oben steigen und die obere Schicht der Ware deshalb ein geringeres spezifisches Ge— wicht zeigt, als es dem Durchschnitt entspreche. Infolge nicht sachkundiger Probenahme der Milch komme es häufig vor, daß Unschuldige als Milch⸗ fälscher vor Gericht gestellt werden, weil aus der fehlerhaften Probeentnahme falsche Schlußfolge⸗ rungen gezogen würden. Zur Sache des ange— klagten Oekonomen zurückkehrend, teilte Redner mit, daß derselbe auf Grund der Gutachten der chemischen Untersuchungsämter vom Gericht ver⸗ urteilt wurde, ebenso dessen Dienstmagd.(Die höhere Strafe war damals vom Amtsanwalt be⸗ antragt, weil die Angeklagten die Behauptung der Anklage, Wasser zu der Milch geschüttet zu haben, energisch in Abrede stellten. Diese Be— gründung schlug bei Fällung des Urteils durch. Die Redaktion.)(Schluß folgt). * Gießen, 18. November. Eines der besten neueren Lustspiele,„Komtesse Gucker!“ von Schönthan und Koppel-Ellfeld wurde gestern Abend im hiesigen Stadttheater aufgeführt. Leider hatte sich eine nur geringe Anzahl Be⸗ sucher eingefunden, welche der vortrefflichen Wiedergabe des Stückes viel Beifall zollte. Die nächste Vorstellung findet am nächsten Freitag statt, und zwar wird die Novität„Fräulein Doktor“ zur Aufführung gelangen. * Gießen, 18. Nov.(Besitzwechsel.) Die dem Herrn Steinbach gehörige Villa, Gartenstraße Nr. 18, ging durch Kauf für den Preis von 40000% in den Besitz der Frau Lina Nattmann über. S. Gießen, 18. November. Am Sonntag Nachmittag entstand in dem Hause des Schlossers Ockel, Tiefenweg, ein Kaminbrand, der noch rechtzeitig entdeckt und gelöscht wurde. Gießen, 17. November.(Viehmarkts⸗ bericht.) Der heutige KRuhmarkt hatte einen Auftrieb von 5 bis 550 Stück Rindvieh, darunter etwa 150 Kälber. Am Markt wa N und uur vereinzelte Simm Handel setzte zu Aufang siau ein, machte sic jedoch in schwerer Ware später, die der 0 Nachfrage, wegen zu guten Preisen verkah 11 wurde. Geringe Ware fand nur zu schle— Preisen Abnahme. Es wurden gehandelt hochtragend und frischmelkend 1. Oual. 300 le 400 eh Qual. 1 bis 280, 3. Oual erzielte sehr geringe Preise. Trächtige K kosteten 1. Qual. 9350 05 2. Sue 20 260 4, 3. Qual. 120 bis 150 devi wurde verkauft: Kühe— 40, Rinder 1 Qual. 45 50%, 2. Qual. 4043% Killer wurden in extra schwerer Ware bis 54 Mark für den Frankfurter Markt extra angekauft Ware 1. Qual preiste 48 bis 50 M., 2. Qual. b8 e e de Schlachtgewicht. 5 wurde beinahe geräumt.— 4— Gießen, 17. Nov. Am 12. ds. Mts wurden im städtischen Schlachthaus 98 Schweine, die bis jetzt erreichte größte Zahl an einem Tage seit Bestehen des Schlachthauses geschlachtet. Auch die Schlachtungen der Rinder haben in den letzten Wochen sich erheblich ge Rebif 5 15 I 5 so anhält, sich das edürfnis einstellt den Raum zu r der W 1 vergrößern. e ee rünberg, 18. Nov. Am M 14. November, wurden auf dem e Fruchtmarkte folgende Fruchtarten usw. zu den beigesetzten Durchschnittspreisen erkaul 165 Doppel⸗Zentner(à 100 Kilogramm) Weizen zu 15,92 Mk., 24 D.⸗Z. Korn zu 13,00 Mt 13 D.⸗Z. Gerste zu 12,36 Mk., 114 D. Har zu 13,10 Mark, 0,5 D.⸗Z. Linsen zu 13, ark. Mainz, 17. November. Ein neuer Güterschraubendampfer befährt eben 1 ersten Mal den Rhein. Der Dampfer ist auf Kosten der Mannheimer Lagerhausgesellschaft auf der Werft von Schichau in Elbing erbaut und führt den Namen„Badenja 7“. Das Schiff besitzt eine Länge von 66 Meter, eine Breite von 9,20 Meter und einen Tiefgang bon 2,30 Meter; es ist mit Doppelschrauben, elek⸗ trischer Beleuchtung und Dampffeuerung versehen. Die innere Ausstattung entspricht den neuesten Einrichtungen, ganz besonders ist den Schlaf. räumen des Schiffspersonals Rechnung 9212000 5 Die Ladefähigkeit des Dampfers beträgk 12 Zentner. Vermischtes. — Von der Sonne. Man schrelbt aus St. Petersburg, 11. November. Professor Glase napp hat soeben den offiziellen Bericht über die Ergebnisse der ber schiedenen Expeditionen abgestattet, die von der russischen Regierung ausgerüstet wurden, um die diesjährigen Sonnenfinsternis⸗Phänomene zu studieren. Glasenapp weist mit Stolz darauf hin, daß die Russen bei dieser Gelegenheit einen hervorragenden Platz be hauptet haben, indem sie nicht weniger als acht Expehl tionen aussandten, welche sich sämmtlich die besondent Aufgabe gestellt hatten, die Corona der Sonne beobachten. Zwei von diesen Expeditionen sind ganz er folglos geblieben, weil der Himmel im gegebenen Auge, blick mit dichten Wolken bedeckt war; die übrigen sechz haben aber hübsche Resultate aufzuweisen. Die Expedition, welche sich unter Leitung von Baron Kaulbars nach der 1 Gegend von Torneo, dicht an der schwedischen Grenze be. geben hatte, ist im Stande gewesen, in Folge der Reln⸗ heit der Luft ganz vorzügliche Resultate zu erzielen. Baron Kaulbars hat die Hypothese aufgestellt, daß sich auf der Sonne eine große Anhäufung von Elektrizität befinde, welche die Kometen und Meteore beeinflusse; diese Theorie kann aber erst während kommender Sonmen⸗ finsternisse näher geprüft und kontrolliert werden. Die Coronaphotographien, welche die Torneo- und die Leng⸗ Expeditiouen erhalteu haben, sind völlig übereinstimmend und zeigen, daß die Corona ganz so ist, wie man sie im, Jahre 1886 zu photographieren vermochte. Außerdem hat Herr Lebedinsky mit Hilfe eines prismatischen Appa⸗ rates besondere Photographien aufgenommen und Herr Blumbach hat mittelst eines Riesenapparates(System Schaberle) vorzügliche Sonnenphotographien erzielt. Pro⸗ fessor Petruschensky ist der Meinung, daß die Ergebnisse, welche diesen Sommer erreicht wurden, mit den Ergeb⸗ nissen des Jahres 1886 verglichen, die Theorie bezüglich einer allmählichen Abnahme der Sonnenflecken vollauf bestätigen. Er hofft, Rußland werde auch 1898 und 1900 zahlreiche Expeditionen ausrüsten. — Die Zugvögel und der Winter. Außer- ordentlich früh, so schreibt man uns, sind in diesem Jahre die Zugvögel nach dem Süden gewandert. Aus Frank- reich sind die Schwalben schon Anfang September fortge⸗ zogen, aus Deutschland sind die Störche früher als sonst aufgebrochen, und am Vierwaldstätter See sind bereits die Möven einen ganzen Monat früher wie sonst eingetroffen. Da heißt es denn überall: Das sind die Zeichen für einen frühzeitigen und strengen Winter: Das will sagen; Die Zugvögel haben eine Art doppeltes Gesicht, und wenn sie uns früher verlassen, so geschieht es aus dem Grunde, weil sie voraussehen oder fühlen, daß ein harter Winter im Anzuge ist. Also macht man einfach aus Schwalben, Störchen und Möven Wetterpropheten auf ein halbes Jahr hinaus, gerade wie es umgekehrt heißt, daß es warm werden müsse, wenn die Störche gekommen sind. Ist nun diese Anschauung, die das frühzeitige Wandern der Zug⸗ vögel mit einem bevorstehenden harten Winter in Ver⸗ bindung bringt, richtig? Stimmt sie mit der Erfahrung und dem gesunden Menschenverstande überein? Was die Erfahrung betrifft, so haben die Leute, die sich mit der Sache beschäftigen, keinen Zusammenhang zwischen den beiden Erscheinungen finden können. Ein Franzose Namens Bouvart hat seit 1890 Beobachtungen angestellt und sie kürzlich in der Zeitschrift„Etangs et Rivières“ ver- öffentlicht; er hat keinen Zusammenhang gefunden. Im Jahr 1891 reisten die Zugvögel in normaler Zeit ab; der Winter darauf war milde, mit einer durchschnlttlichen Wärme von 3 Grad. Im Jahr 1892 zogen die Vögel verspätet ab; der Winter war ebenfalls milde, mit einer Wärme von 2.4 Grand. Im Jahr 1893 frühzeitige Ab reise und milder Winter von 2.9 Grad. Im Jahr 1894 sehr späte Abreise, weshalb ein milder Winter in Augsicht gestellt wurde, während der Winter von 1894/95 that⸗ ang aud boten 10 e g 77 10 Bab 0 — Die neue ulch nit der i guübte Erden 1 10 nach dieser Lbahtung fler 0 00 Manotn⸗Sternwa 0 kerle in db 50 Nuns aufgenomt dh schan Eigen 2 diu ate gehn gehen, auf welch de Eßzfächen um 9 Licht Austalt über hassend. a. 1345 f kanin⸗, 8 Kr pie Ainderg 5 0g l. üblich streng und langwierig war. Im Jahr 1895 sehr früh⸗ ö j 05 5. 1 0 l deotdem erfolgte kein er ae 91 A 17 6 1 erstreckte sich an jenem 1 ua zsließt Herr Bouvart naturgemäß, daß zwischen der Ab⸗ Marzäguakors Von een ee, el Aber Zugvögel und dem Charalter des darauf folgend 5 rs. on diesem ersten erfolgreichen Tage an le 1 80 5 N olgenden hat Brenner nun den Planeten in der zweiten Hälft 0 ae FSnaters 190 de en 10 6 Frühzeitige Abreise] jeder Nacht beobachtet, so oft es das 1 0 blend 5 u fta er Zugvögel verkündet keinen harten Winter, wie die] ließ. Bi 0 its j 1 bah 1.7 9 N n eß. s zum August konnte er bereits 25 Zeichnungen Ach, sehre 1893 und 1895 beweisen, wo die Abreise früh⸗] der Marsoberfläche f 1 ü Al 0 Alg erfolgte und doch kein strenger Winter eintrat, eini eie ee e 0 10 ö brd gerade der sehr kalte Winter von 1894/95 auf e esa Arn S 155 dh e dme außergewöhnlich späte Abreise folgte. Wenn man ebenfalls ja lie int W g ine 5 man ebenfalls in der diesjährigen Mars⸗Kampagne mit sorg⸗ All. U us den angeführten Thatsachen, sagt Herr Boupart, über⸗ fältig vorbereiteten Beobachtungen beschäftgte 1225 bie 4 naupt etwas folgern dürfte, so wäre es höchstens das, Ansicht ausgesprochen, daß die Meere des Mars zu di id, Ne man umgekehrt behaupten könnte, auf eine frühe Ab⸗ ssem lee end ue de Pd 5 9 früh Zeit in ganz blassem Lichte erscheinen müßten und da 110% e der Zugvögel folgte ein milder Winter, weil dieser die i ü 151 f 8 4 is 1 Hesperia und die berühmten Kanäle ganz unsichtbar 0 5 Aale wenigstens in den letzten Jahren zweimal, 1893 und bleiben würden. Brenner war deshalb nicht wenig über⸗ m„ böss, eingetreten ist, so daß wir also auch jetzt auf einen rascht, als er im April die Marsmeere in dunkler Fär⸗ N. Nc lden Winter rechnen könnten; allein Herr Bouvart will bung erscheinen sah, welche sich im Mai und Juni schwach a 8 lesen Schluß nicht ziehen, sondern er beschränkt sich auf] aufhellte und im Juli von neuem dunkel wurde. Am lich at aus, was sicher ist, nämlich, daß die landläufige An⸗ 24. April glaubte Brenner, bereits den Kanal Titan zu . 0 ien 105 152 e 1 25 sich auch] sehen. Am 18. Mal erschienen die Kanäle Phasis und 0 er gesunde Menschenverstand keinen Zusa nmenhang zwischen] Eumenides deutlich und schwach gekrü 8 8 0 ekrümmt, die Entdeck 12. en beiden Erscheinungen denken, während es für den Um⸗ erfolgte also sieben Monate 1 günstigsten Beobach⸗ igthin fand, daß die Zugvögel bald normal, bald früher und tungszeit und zwei Monate vor der Sommersonnenwende t führ 9 päter abrelsen. einen recht triftigen Grund giebt. Es der südlichen Marshemisphäre. Im Juni wurden die ee geht 75 5 1 12 15 3 Zug⸗ 5 Ganges und Iris wahrgenommen, welche eine 6 ögeln, den Reisenden, Touristen un ommerfrischlern Verlängerung von Phasis zu bilden schienen. J 1 dale e geht. Bleibt das Wetter lange schön, so bleiben sie länger] tauchte ein neuer Kanal auf, und 1 Kane 705 mae ort; tritt frühzeitig der Herbst mit nasser und kalter] 11 von den Kanälen beobachtet werden, welche von den hel,% ütterung ein, so kehren sie frühzeltig in die Stadt früheren Oppositionsperioden bekannt sind. Die Kanäle um kh und au den heimischen Herd zurück. Man wird dies be⸗ Deukalion, Hellas, Noachis, Ausonia wurden zum ersten⸗ 0 tätigt finden, wenn man sich des Charakters der Spät⸗ mal am 15. Mai gesehen. Lacus Solis(der Sonnensee) Am Mn mmer in den letzten Jahren erinnert; es war immer folgte am 19., Argyre I. am 26. Mai, Thyle II. am den 105 chön, wenn die Vögel länger blieben, und es war schlechtes 14. Juni. Die auffallendste Beobachtung, welche Brenner ten n Better, wenn sie frühe abzogen. In diesem Spätsommer bisher machte, war die Entdeckung eines neuen Landge⸗ ein. par das Wetter geradezu scheußlich, und wie die Sommer- bietes auf dem Mars, welches er bereits am 10. Juni unn dn 1.— so 175 955 15 1 970 8 1 1 8 wahrzunehmen glaubte und fünf Tage darauf dann sehr 0 ommerquartieren vertrieben worden. e reise der] deutlich wiedererkannte. Das Land erschien als eine Art 0 A Zugvögel ist also kein Zeichen für Wetter, das kommen Landzunge, welche die Länder Lybien und Hellas ver⸗ „114 90 bird, sondern für das Wetter, das ist. Mit dem Prophe- bindet. So lange dieser Teil der Oberfläche in der insen l aus dem Zugvogelflug wäre es somit aus, und es] Gegend des mittleren Meridians stand, ähnelte er sehr berhält sich mit den Vögeln und dem Winter wie mit den einer Insel, je mehr er sich dem Rande des Planeten zu Ein 70 Störchen und dem Frühjahr. Man sagt auch, jetzt müsse bewegte, nahm er an Glanz ab. Die Stelle konnte je⸗ fähtt 155 1 8 re, b 5 9 elde Se 15 11 11 Verschwinden am Rand deutlich, wenn⸗ aher mancher Storch, der bei plö einbrechendem Spätwinter gleich ziemlich schwach, unterschieden werden. Das Süd⸗ 15 1 80 erbärmlich frierend auf dem Dache hockt, ist ein lebendiger polareis schmolz im Laufe der Beobachtungsmonate rapide t el Beweis dafür, daß er sich geirrt hat und sein Kommen zusammen, und Brenner berechnete, daß dasselbe gegen 15 10 ce mit der Wärme in keiner Verbindung steht!“ Ende August gänzlich verschwunden sein müßte. 66 Mn* 5. 5 0 7 Kunst, ein Examen zu bestehen. M Bekanntl tt der Planet Mars am 10. Dezember in] Aus Paris wird berichtet: Das Schwurgericht von 1 Tiessng* seine größte Erdennähe und bietet daun einige Monate Melun hatte gestern ein Verdikt in einer merkwürdigen crab bor und nach dieser Zeit die günstigste Gelegenheit zur Angelegenheit abzugeben. Der Marquis de Casaux, erung pech, Beobachtung seiner Oberfläche. Leo Brenner, der Inhaber Maire von Giez, besitzt in seinem Sohne Bertrand ht den mea der Manora⸗Sternwarte von Lussinpiccolo in Dalmatien, einen Sprößling, der bei den öffentlichen Prüfungen für ist den Sei hat bereits im Februar dieses Jahres die Beobachtungen das Baccalaureat durchfiel. Der Herr Marquis wollte chung gell des Mars aufgenommen, konnte aber vor dem 14. April] nun aber seinen Sohn durchaus in der Offiztersschule beträgt 1100 leine sicheren Ergebnisse erhalten. An diesem Tage konnte von Saint⸗Cyr sehen, in die der Eintritt ohne das 1 tr seine erste Zeichnung von der Oberfläche des Planeten Maturitätszeugnis unmöglich ist. Er gab diesen seinen — anfertigen, auf welcher die Golfe Aonius und Titan und Willen Bertrand in einem Briefe zu erkennen, in dem er ihm die schmelchelhaftesten Kosenamen, wie„Rindvieh“, „Lump“ u. s. w. an den Kopf warf. Der junge Marquls, dem von einigen Kameraden in der Examenpresse, in der er untergebracht war, mitgeteilt worden war, daß es überaus leicht sei, sich bei den öffentlichen Baccalaureats⸗ prüfungen von Anderen vertreten zu lassen, setzte sich mit seinem ehemaligen Lehrer, dem Rechtslizientlaten Diard in Verbindung, der früher bei den Pariser Ge⸗ richten angestellt gewesen war, aber wegen eines etwas zu weit gehenden Scherzes— er hatte bei dem General⸗ prokurator, als dieser ihn zu lange im Vorzimmer warten ließ, eine wenig duftende Visitenkarte zurückgelassen— seine Entlassung hatte nehmen müssen. Diard stellte dem jungen Marquis de Casaux zwei Individuen, Déeon und Courtois vor, die geeignet wären, für ihn das Examen zu bestehen. Courtois wurde zunächst aus⸗ gewählt, um sich gegen eine Vergütung von 1000 Fres. unter dem Namen Bertrand de Casaux der Prüfungskommission von Dijon vorzustellen; aber auch er fiel durch, wahrscheinlich absichtlich, um seinem Kameraden Deéon Gelegenheit zu geben, als Stellvertreter Casaux' gleichfalls etwas zu verdienen. Man mußte also nun zu Deéon greifen und, während der junge Marquis sich in Deutschland aufhielt, um sich in der deutschen Sprache zu vervollkommnen, trat sein Vater direkt mit Deéon in Verhandlungen Dieser erhielt 2000 Franks und bestand auch glücklich das Examen für Bertrand de Casaux vor der Fakultät von Casn. Da ihm der alte Marquis aber die versprochene Extravergütung nach be⸗ standenem Examen nicht auszahlen wollte, schrieb er ihm mehrere Drohbriefe, auf die hin er schließlich noch 4000 Franks erhielt. Andererseits suchte auch Dirard Er⸗ pressungen auszuüben, aber nur mit teilweisem Erfolge. Die ganze Angelegenheit wäre sicherlich nie zur Kenntnis der Welt und der Gerichtsbehörden gekommen, wenn nicht Bertrand de Casaux im Juli d. J. sich mit einem Ver⸗ wandten vor dem Gerichtshofe von Fontainebleau einge⸗ funden hätte, um sich wegen der Brutalitäten seines Vaters gegen ihn und gegen seine Geschwister zu beklagen und bei dieser Gelegenheit den begangenen Betrug mit der Reifeprüfung einzugestehen. Deshalb hatten sich der Marquis de Casaux, sein Sohn, sowie Déon und Diard vor den Geschworenen von Melun wegen Betrugs zu ver⸗ antworten. Bertrand stellte bei der Verhandlung seine ersten Geständnisse in Abrede und wollte seinen Vater entlasten und die ganze Schuld dieser Personenunter⸗ schiebung auf sich nehmen. Es wurde indessen fest⸗ gestellt, daß der alte Marquis nicht nur um die Sache gewußt, sondern sie selbst eifrig betrieben hatte, und ferner, daß in seiner Familie, die er tyrannistert, höchst unerquick⸗ liche Zustände herrschen. Die Jury fällte trotzdem ein freisprechendes Verdikt, da bel diesem Betruge Niemand geschädigt und da die Fälschung der Unterschrift Bertrands unter dem Universitätsdiplom mit Einwilligung dessen stattgefunden, dessen Name mißbräuchlich gezeichnet worden. handlungen des Reichstages über die Duell⸗Debatte und den Fall Brüsewitz auf, daß ein hoher Offizier, welcher sich in der Hofloge befand, sich eifrig Notizen machte. Hd. Berlin, 18. November. Einem hie⸗ sigen Blatte wird versichert, daß Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg geneigt sei, den ihm angetragenen Posten eines Gouverneurs von Deutsch⸗Ostafrika anzunehmen. Der Herzog ist bekanntlich der Präsident der Kolonialgesellschaft. Hd. Graz, 18. Nov. In dem Tunnel am Arlberg entgleiste ein Güterzug. Der Zugführer und Kondukteur wurden verwundet. Die Maschine und einige Waggons wurden beschädigt. Hd. Kopenhagen, 18. Nov. Ein Hoch⸗ stapler und Quacksalber namens Cornelius Hoepfner und von deutscher Herkunft ist zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, nach deren Verbüßung er an Deutschland ausgeliefert werden soll. Marktpreise. Gießen, den 17. November. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 1,00— 1,12, Hühner⸗ eier 2 St. 13— 15, Enteneier—, Gänseeier——, Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 17, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 50—65 Pfg., Hühner p. St. 90—1,20, Hahnen 42— 54, Enten 1,40— 1,60, Gänse per Pfund 42— 54, Ochsenfleisch 66— 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56— 66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 50— 54, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln pro 100 Kilo 400— 5,00, Zwiebeln per Zentner 4,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg. Sterbefälle. Am 16. November. Philipp Will, 53 Jahre alt, Bergmann von Langenscheid, Kreis Unter⸗ lahn. Gestorben in der alten Klinik. Am 16. Nov. Emma Wilhelmine Klöß, 8 Monate alt, Tochter von Schlosser Wilhelm Klöß dahier, Sandgasse 46. Am 17. November. Christoph Fischer, 59 Jahre alt, Landwirt von Butzbach, Kr. Fried⸗ berg. Gestorben in der psychiatrischen Klinik. 3 Die Leiche wird in die Heimat verbracht. 0 qa eee Dr Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 13. Nov. Der„Nat.⸗Ztg.“ zufolge siel es während der gestrigen Ver⸗ Gießen. ö bie Eisflächen um den Südpol deutlich wahrzunehmen n schrelbt au z . Glase nan Emthnise dn ir von det much die dichte e zu studieren, 4p n, daß de ragenden P ger als acht et mtlich die be na der Son ltionen sind an? im gegebenen u t die üben, gen. Die Epoch, u Kaulbar nach huchischen Gay! in Folge da dl, esultate zu ea aufgestel, diß f fung von Elen keote berinflust kommender Sit trolliert werden.! ornko⸗ und de Flip überein it, wie man f verocht. 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Die Armen-⸗Deputation der Stadt Gießen. Wolff. Bekanntmachung. Beide Abteilungen des Umlagekatasters der land⸗ und sorstwirtschaftlichen Be⸗ rufsgenossenschaft, sortgefübrt für 1896, liegen zwei Wochen lang, nämlich vom 19. No- vember bis zum 3 Dezember dieses Jahres, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Be— teiligten offen. Etwaige Einsprülhe gegen den Inhalt dieser Kataster sind innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Offenlegung bei dem Vorstande der land- und forstwirtschaft⸗ lichen Berufsgeuossenschaft in Darmstadt bei Meidung späterer Nichtberllcksichtigung vorzu⸗ bringen. Gießen, den 17. November 1896, Großh. Bürgermeisterei Gießen. J V.: Wolff. Bekanntmachung. Montag, 23. l. Mts., vormittags 11 Uhr soll im Bilrgermeistereigebaude— Zimmer Nr. 15— ein städtischer Bauplatz von 703 am, Ecke der Grünberger⸗ und Landmaunstraße gelegen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Lageplan und die Versteigerungsbedingungen können auf unserem Bllreau eingesehen werden. Gießen, den 18. November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnautb Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis, daß an Stelle des zum provisorischen Octroierheber ernannten Wiegers Albert Haas der Schaffner i. P. Karl Andreas Müller dahier zum Wieger an der in städtischer Verwaltung stehenden Güngerich'schen Waage in der Frankfurterstraße ernannt, verpflichtet und am Heutigen in seinen Dienst eingewiesen worden ist. Gießen, den 16. November 1896. Großh. Bülrgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. . Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis, daß an Stelle der zurückgetretenen Marie Rühl, verehelichten Wilke, der Wieger Albert Haas dahier zum provisorischen Oetroier⸗ heber am Seltersthor ernaunt, verpflichtet und am 16. l. Mts. in seinen Dieust einge⸗ wiesen worden ist. Gießen, den 16. November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Gelegenheilskauf'!l! Eine große Parthie feine HohlsaumBattist⸗ Taschentücher per Dutzend Mark 3.00. 1500 J. Kaan Ir. 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Spornhauer, ph. Setneider, Agent für Immobili Neuenweg 17. Marktplatz 20. 1469 1474 1 An die Wähler des ersten hessischen Wahlkreises(Gießen-Grünberg⸗Nidda)! igen Vertreter, Herrn Köhler, und dem Kandidaten der sozialdemokratischen Partei, Philipp Scheidemann in Die Wahl vom 5. November hat eine Stichwahl zwischen dem bisher n b bilip Donnerstag, zum ersten Male zwischen der sozialdemokratischen Partei und der antisemitischen, die sich fälschlich Die Wähler unseres Wahlkreises entscheiden morgen Giesien, nothwendig gemacht. eine„soziale“ und eine„Reform“-Partei nennt. zwischen der Vertretung der Sie haben zu entscheiden Minderheit größerer Grundbesitzer, zwischen der Forderung der gleichen Gerechtigkeit für Alle und der nationaleu, konfes drückung, zwischen dem zielbewußten Fortsehritt zur Herstellung gesunder und gesitteter Zustände im Staats⸗ Errungenschaften unserer Zeit, zwischen der unbedingten Zuverlässigkeit in allen Fragen der Volks⸗Interessen, betreffen sie politis Haltung und Doppelzüngigkeit einer in sich uneinigen, aus rückschrittlichen und demagogischen Elementen bunt zusammengewürfelten Partei! Kann da die Wahl zweifelhaft sein? Der Kreis Gießen hat ein Recht darauf, im Reichstage wirklich vertreten zu sein und nicht einen„Abgeordneten“ zu haben, dem sein Geschäftsinteresse die Betheiligung an den Verhand⸗ lungen des Reichstages nicht gestattet. Wähler, die Entscheidung steht in eurer Hand! für Freiheit— gegen Unterdrückung für die Sache der lebendigen Arbeit— gegen die Herrschaft des todten Kapitals, für Wahrheit und Ehrlichkeit— gegen Zweideutigkeit und Unentschiedenheit! Der Wahlkreis Gießen muß einen Vertreter haben, der mit Entschiedenheit Stellung nimmt gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer, welche in unserer Gegend Tausenden den Erwerb er⸗ schweren und Vieler Existenz zerstören würde. Stimmt am 19. November währ bietet das Wort eines Mannes, der am 22. Oktober in Lollar offen erklärt hat, er könne, wenn er wieder gewählt werde, auch Möge der 19. November ein Ehrentag des Volkes werden! Vieltausendstimmig gehe als Sieger aus dem Wahlkampfe hervor der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei Philipp Scheidemann in Gießen. Deutschlands in Zukunft den Reichstag nicht häufiger besuchen wie seither 7! Gesammt⸗Interessen des werkthätigen Volkes in Stadt und Land und der Vertretung der Intreessen einer k leinen sionellen und politischen Ungleichheit, Bevorreehtung und Unter⸗ und Wirthschaftsleben und der blinden Reaktion gegen alle Kultur⸗ che Freiheitsrechte, Steuerfragen oder welche immer, und der sehwankenden Welche Gewähr bieten aber in dieser Hinsicht die Versorechungen einer Partei, die bei der Militärvorlage so rasch und gründlich umgefallen ist? Welche Ge⸗ Geschäfts- Eröffnung. eröffnet. Insbesondere halte die von keiner Konkurrenz Übertroffenen und als vorzüglich in Material, Aus- stattung und Dauerhaftigkeit einen Weltruf genießen den Dürkopp'schen Maschinen zu allerbilligsten Preisen gegen Baar- und Abzahlung angelegentlich empfohlen. 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