1 dreisen le. 96 2 ar, W.Handlüng Uh, Lerren- U. Ausstattung. n eigene zen e fur Gk elben betta sschen Reihe Nrennerspsts aben bei Gießen, Mittwoch, den 18. November Posiztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe ische Landeszei Gießen. Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: 420 Kreuzplatz Nr. 4.— Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Sspaltige Petitzeile. * 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. 8. Gießen, 17. November. Gewinn⸗Liste der Lokal⸗Gartenbau⸗Ausstellungs⸗ botterie zu Gießen am 16. November 1896. (Ohne Gewähr.) Der erste Gewinn im Werte bon 100 Mark fiel auf die Nr. 1777. Ferner ind noch als Haupttreffer die Nrn. 589. 951. 696. 699. 705. 797. 1024. 1198. 2390. 2525. 2754. 3386. gezogen worden. Es wurden weiter gezogen die Nrn. 21. 22. 23. 24. 36. 37. 40. 47. 53. 54. 59. 68. 70. 78. 82. 91. 2. 3. 15. 16. 26. 28. 30. 35. 37. 39. 46. 48. 49. 52. 53. 55. 60. 66. 71. 80. 82. 86. 99. 213. 16. 21. 29. 31. 39. 52. 58. 3. 68. 71. 73. 79. 86. 88. 91. 92. 94. 312. 5. 16. 19. 23. 27. 29. 36. 39. 44. 46. 54. e722. 18. 85. 403. 7. 10. 12. A. 27. 31. 33. 40. 42. 47. 57. 64. 55. 74. 79. 80. 87. 89. 90. 92. 503. 24. 27. 0. 50. 55. 56. 57. 65. 71, 76. 79. 81. 87. 89. 92. 604. 7. 10. 12. 16. 17. 20. 23. 26. 33. 38. 50. 51. 54. 56. 60. 64. 66. . 79. 87. 90. 96. 99. 704. 5. 12. 13. 18. e 1. 52, 54 56. ne 28. 88. 84 85. 90. 92. 0. 11. 14. 15. 16. 26. 28. 31. 84. 43. 44. 45. 49. 55. 64. 71. 72. 83. 85. 9905. 7. 8. 10. 11. 15. 25. 32. 34. 35. . 52. 55. 64. 67. 68. 70. 71. 74. 15. 78. 94. 95. 97. 99, 1005. 8. 10. 13. 18. 28. 43. 44. 53. 59. 61. 69. 70. 76. 78. 80. 83. 95. 97. 1103. 4. 8. 17. 21. 26. 30. 0. 43. 50. 52. 54. 64. 65. 72. 76. 80. 85. 89. 94. 95. 98. 99. 1209. 12. 18. 20. 29. 33. 35. 38. 43. 44. 45. 46. 48. 49. 54. 57. 38. 59. 63. 74. 85. 86. 93. 94. 98. 1302. 6. 22. 40. 44. 46. 51. 57. 69. 4. 76. 78. 79. 85. 86. 87. 88. 95. 99. 1411. 18. 28. 29. 30. 38. 52. 53. 60. 63. 73. N. 78. 82. 83. 86. 87. 89. 92. 95. 1501. 5. 10. 17. 19. 24. 32, 33, 34. 35. 42, 45. 46. 49. 68. 76. 80. 83. 87. 88. 89. 94. 95. 1616. 22. 24. 25. 32. 33. 41. 42. 43. 44. 49. 55. 68. 69. 72. 79. 82. 83. 85. 90. 95. 1710. 13. 20. 21. 24. 29. 33. 39. 41. 48. 60. 62 91. 92. 2801. 7. 11. 15. 22. 26. 35. 38. 41 44. 46. 54. 55. 57. 58. 61. 62. 64. 68. 72. 88. 98. 2903. 9. 21. 22. 23. 24. 26. 38. 40. 41. 50. 60. 71. 74. 76. 91. 95. 3000. 1. 8. 9, 15. 17. 20. 21. 23. 25. 34. 38. 41. 65. 68. 69. 71. 72. 88. 89. 92. 93. 96. 3106. 7. 13. 15. 17. 18. 25. 27. 30. 34. 36. 39. 43. 46. 56. 57. 58. 61. 63. 68. 69. 71. 76. 79. 94. 96. 3206. 8. 19. 21. 22. 27. 38. 50. 63. 65. 18. 79. 81. 87. 3301. 6. 7. 14. 19. 22. 24. 25. 27. 30. 38. 40. 43. 46. 47. 49. 54. 56. 64. 65. 70. 86. 93. 3405. 12. 14. 15. 23. 24. 29. 32. 34. 35. 36. 40. 42. 46. 48. 49. 52. 56. 58. 60. 65. 74. 77. 82. 84. 85. 87. 89. 91. 94. Parmäne in vollendetster Ausbildung“, sagt der Bericht.— Mit diesem Monat haben in unserm Kreise überall die Fortbildungsschulen be⸗ gonnen. Sie sind allenthalben Abendschulen. Den Lehrern wurde durch den Kreisschulinspektor die Weisung zu teil, überall das praktische Be⸗ dürfnis beim Unterricht in den Vordergrund zu stellen, ohne die genannten Schulen aber 1 zu bestimmten Fachschulen zu stempeln, da sie ja von Schülern der verschiedensten Berufsstände besucht würden. * Darmstadt, 16. November. Das Schöf— fengericht verurteilte vorige Woche zwei Studierende der technischen Hochschule, Ernst August Beck aus Meisenheim bei Kreuznach Lollar, 17. Nov. Am vergangenen Sonn⸗ tag feierte der hiesige Turn⸗ und Gesang⸗ verein in seinem Vereinslokal„Gasthaus zum Schwanen“ sein 35jähriges Stiftungsfest. Der Besuch war ein sehr starker, denn die beiden 1. Säle waren stark überfüllt. Die äste wurden durch ein abwechslungsvolles Programm in die heiterste Feststimmung versetzt. Besonders großen Beifall erntete das lebende Bild„Zigeunerlager.“ Einen wirklichen Genuß boten uns die Gesangseinlagen des Herrn Emgé aus Offenbach. Stürmischen Applaus erntete er für seine Vorträge, so daß Herr Emge wiederholt auftreten mußke. Erst am frühen Morgen verließen die Festteilnehmer das Lokal mit dem Bewußtsein, wieder einmal einen ge⸗ mütlichen Abend verlebt zu haben. Möge dem Verein vergönnt sein, noch recht oft solche Feste feiern zu können. W. Leihgestern, 17. November. Gestern Abend fand hier eine öffentltche Wählerver⸗ sammlung statt. Herr Redakteur Scheide⸗ mann aus Gießen sprach über die bevorstehende Stichwahl. Er befaßte sich namentlich mit einem von den deutsch⸗sozialen Reformern ver⸗ breiteten Flugblatt, das er als einen trefflichen Beleg für die traurige Kampfesweise jener Partei be⸗ zeichnete. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Trotz mehrfacher Aufforde⸗ rung meldeten sich Gegner nicht zum Wort. * Friedberg, 16. November. Der Nestor 68. 73. 78. 88. 91. 94. 1807. 16. 24. 30. 39. 40. 41. 44. 45. 48. 58. 64. 72. 75. 88. 90. 92. 94. 97. 99. 1900. 6. 7. 12. 16. 28. 30. 32. 55. 69. 87, 88. 89. 93. 2001. 6. 11. 12. 14. 18. 25. 29. 44. 48. 56. 64. 67. 69. „79. 87. 91. 95. 98. 2106. 7. 8. 10. 26. . 33. 34. 38. 40, 73. 87. 92. 99. 2200. 8. I. 26. 69. 18. 84. l. 2300. 1. 4. 9. 14. 16. 18. 22. 23. 25. 31. 35. 40. 42. 43. 48. 65. 69. 74. 85. 87. 90. 92. 97. 2426. 31. 34. 38. 53. 55. 56. 57. 63. 65. 71. 72. 78. 85. 88. 2502. 3. 4. 6. 13. 18. 19. 24. 25. 44. 46. 52. 56. 58. 59. 60. 61. 65. 71. 72. 74. 75. 79. 80. 83. 95. 2603. 5. 6. 7. 9. 15. 26. 41. 42. 46. 40. 52. 54. 56. 57. 58. 59. 64. 78. 91. 92. 94. 95. 97. 99. 2702. 8. 13. 17. 19. 22. 23. 33. 34. 47. 53. 54. 58. 60. 72. 76. 80. 84. 87. 89. der Schornsteinfeger⸗Innung für das Groß⸗ herzogtum Hessen, Herr Hofschornsteinfegermeister Joh. Frick hier, ist vorige Woche im hohen Alter von 82 Jahren verschieden. Der Ver⸗ storbene war eine auch in weiteren Kreisen wohl⸗ bekannte und allenthalben geachtete und beliebte Persönlichkeit. Die Berufsgenossenschaft der Schornsteinfeger des Deutschen Reiches verlieh ihm vor drei Jahren gelegentlich der Feier seines 50 jährigen Berufsjubiläums ein prächtiges Ehren⸗ diplom.— Nach Bekanntgabe der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins fielen auf der Allgemeinen Deutschen Obst⸗ ausstellung zu Kassel nicht weniger als 26 Preise nach Oberhessen, darunter eine preußische Staatsmedaille und sechs Ehrenpreise. „In den Sortimenten Oberhessens sah man be⸗ sonders die Gravensteiner und Winter-Gold⸗ und Karl Göhrs aus Darmstadt, wegen gemein⸗ schaftlich auf dem hiesigeu Main⸗Neckar⸗Bahnhof verübten Hausfriedens bruchs, Widerstands und Körperverletzung. Beck erhielt fünf Wochen, Göhrs einen Monat Gefängnis. „ Darmstadt, 16. Nov. Hier wurden zweifellos von einer und derselben Person ver⸗ schiedene Einbruchsdiebstähle in der Weise ausgeführt, daß der Thäter die Mansardenwohn⸗ räume mittels Nachschlüssel geöffnet und die in den einzelnen Räumen vorgefundenen ver⸗ schlossenen Behältnisse(Schränke, Koffer, Schließ⸗ körbe usw.) mit Gewalt erbrochen und goldene Schmuckgegenstände und 78* Bargeld daraus entwendet hat. Als dringend verdächtig wird ein unbekannter Bursche in der zweiten Hälfte der 20er Jahre von schmaler Statur, dunklem Schnurrbart und wahrscheinlich kariertem Sack⸗ anzug, vom Amtsanwalt II hier verfolgt.— Von den zwei Jungen, die als vermißt ge⸗ meldet wurden, ist der 13jährige wieder in der elterlichen Wohnung eingetroffen, während der 15jährige immer noch vermißt wird. Wir lassen das Signalement, desselben folgen: schlanke Statur, blonde Haare, blaue Augen, Kleidung: dunkles Jaquet, graubraunen Havelock, braun und schwarz gestreifte Hosen und braunen weichen Filzhut. * Darmstadt, 16. November. Heute be⸗ gann im Justizpalast die Prüfung für Ge⸗ richtsschreiber-, Gerichtsvollzieher⸗ und Polizeikommissariats⸗Aspiranten, lichen Vorschriften ein. Auf Ersuchen des Militärgerichts hat nun das hiesige Landge richt gemäß§ 144 der Reichsstrafprozeßordnung einen bel, e zum Verteidiger des Weygandt estellt. * Darmstadt, 16. Nov. Betreffend die Einberufung von Beamten zu mili⸗ tärischen Uebungen hat das Ministerium der Justiz angeordnet, daß in allen Fällen, in denen in Folge Beurlaubung eines Beamten oder Funktionärs zum Zwecke einer militärischen Uebung die Anordnung einer besonderen Aus⸗ hilfe erforderlich wird oder gewichtige dienstliche Bedenken gegen die Beurlaubung bestehen, sofort an das Justizministerium zu berichten ist, damit beurteilt werden kann, ob die nötige dienstliche Vertretung angeordnet werden kann oder Be⸗ denken gegen die Uebung bezw. etwaige Wünsche in Bezug auf die Zeit der Einberufung alsbald bei der zuständigen Militärbehörde geltend ge⸗ macht werden können. * Darmstadt, 16. Nov. Von dem Lust⸗ mörder Weygand wird erzählt, daß dessen Bruder im April 1893 in der Gefangenen⸗ Anstalt Zweibrücken, wo er haftiert war, in Gemeinschaft mit dem Sträfling Meyer aus Ansbach den Gefangenen-Aufseher Wehrfritz er⸗ mordete. Der Mörder wurde für diese That zum Tode verurteilt, später aber zu lebens⸗ länglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Weygand erhängte sich bald darauf in der Zuchthaus⸗ zelle zu Kaiserslautern. Die Gemüter der hie⸗ sigen Einwohnerschaft sind noch sehr erregt über die scheußliche unmenschliche That. * Offenbach, 16. Nov. Seitens der hie⸗ sigen sozialdemokratischen Partei wurde für 69000 4 das Anwesen des Herra Klement angekauft. Es soll ein großer Saal er⸗ richtet werden. * Offenbach, 16. November. Der seit Jahren hier herausgegebene„Offenbacher General-Anzeiger“ hat dem„Mainz. Journ.“ zufolge am Mittwoch sein Erscheinen eingestellt. * Seligenstadt, 16. Nov. Der bekannte Altertumsforscher Herr Koffler aus Darm⸗ der sich 28 Kandidaten unterziehen. 2 * Darmstadt, 17. November. Die Tech⸗ nische Hochschule zählt bei etwas über 1000 Studenten 15 studentische Korporationen, von denen nicht weniger als acht„Couleur“ tragen. Diesen tritt nächster Tage eine weitere hinzu, die katholische Verbindung Nassovia, deren Statuten bereits die Genehmigung des Rektorats erhalten haben. * Darmstadt, 15. November. Die Abur⸗ teilung des Lustmörders Weygandt wird in nächster Zeit durch das zuständige Militär⸗ gericht erfolgen. Da das Verbrechen des Weygandt mit Todesstrafe bedroht ist, treten nach§ 116 der Militärstrafprozeßordnung vom 3. April 1845 in Friedenszeiten wegen Zu⸗ ziehung des Verteidigers die allgemeinen gesetz⸗ stadt besichtigte am Freitag mit dem Präsidenten der Limeskommission verschiedene Merkwürdig⸗ keiten unserer Stadt zur genaueren Feststellung über die Hauptgebäude des Römerkastells, der Göttertempel und Luxusbauten, insbesondere des Bade⸗ und Wärmehauses. Demnächst sollen beim neuen Schulgebäude Nachgrabungen vorge⸗ nommen werden. * Groß ⸗Steinheim, 14. November. Ob⸗ schon hier und in Klein⸗Steinheim eine Anzahl größerer Zigarrenfabriken existieren, so hat wiederum eine auswärtige Firma heuer eine neue Zigarrenfabrik für etwa 100 Arbeiter erbauen lassen, welche soweit fertig gestellt ist, daß dieselbe in aller Kürze dem Betrieb über⸗ geben werden kann. Gewiß ein Zeichen, daß die Cigarrenbranche in hiesiger Gegend in fort⸗ schreitend zunehmender Entwicklung begriffen ist. Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Fortsetzung.) Er war der Briefschreiber, er hatte auch sehen wollen, was sich in dem Schlafzimmer Eugeniens ereignen würde, ob sie den Zettel fand und las. „Sie wird kommen. Morgen Nacht!“ EEs lag eine ruhige Zuversicht in seinen Worten, die wohl nur unbewußt laut gewordene Gedanken waren. Er hatte es nicht für nötig gefunden, sich zu verbergen, sonst wären wir sicher in meinem Ver⸗ steck zusammengetroffen. Er wähnte sich allein hier, und fast in Griffweite von ihm stand der Mann, dem er schon einmal den Hut vom Kopf geschossen, und der jetzt nur seinen Revolver zu erheben brauchte, um ihn todt niederzustrecken, denn jetzt war ich bewaffnet. „Sie wird kommen. Morgen Nacht!“ i Die Worte retteten ihn und bewahrten mich vor einem Verbrechen. Wußte ich soviel, dann wollte ich Alles wissen. Morgen Nacht also in der toten Schlucht!. Das war das Rendezvous, zu dem sie nach seiner Meinung sicher erscheinen würde. Er wandte sich hinweg, und ich ließ ihn gehen. Es war das letzte Mal, daß er mir entkam. Morgen Nacht verlor er entweder seine Freiheit oder sein Leben, denn ohne Zweifel würde ich bei jener Begegnung Alles erfahren, was ich Ju. wissen brauchte, um in meiner amtlichen Eigenschaft Hand an ihn zu legen; ob auch an sie? Ich keyrte in das Haus zurück. Hier fand ich Alles in Angst und Aufregung. Mistreß Milton war, als sie im Salon saß, ohne sichtbare Veranlassung ohnmächtig umgesunken. Den vereinten Bemühungen Eugenie Milton's und der Dienerinnen war es endlich gelungen, sie in's Bewußtsein zurückzurufen, aber ihr Geist schien umnachtet. Sie sagte, sie habe ein Gespenst gesehen, einen Toten. Auf die Frage, wen, schüttelte sie nur den Kopf, als wenn sie es nicht sagen wolle oder selbst nicht wisse. So berichtete mir Eugenie. „Und Sie haben selbst keine Ahnung, wen sie gesehen haben kann?“ fragte ich zweideutig. „Nicht die mindeste“, entgegnete sie mit über⸗ zeugender Wahrheit. Ich wandte mich ab, denn Ekel gährte in meiner Seele. So können nur Teufel lügen. Sie gab vor, die Mutter schützen zu wollen, Schreck und Aufregung von ihr fern halten zu wollen, und sie konnte es zugeben, daß jener un- heimliche Mensch hier herumstrich, der auch ohne Maske etwas Gespenstisches hatte. Sie wußte um seine Anwesenheit, mußte darum wissen und doch leugnete sie mit der Miene eines unbefangenen Kindes. Welche Schlechtigkeit durfte ich hiernach nicht in ihr suchen! Vielleicht stand die Mutter allein noch trennend zwischen ihr und diefem Menschen, und so wollte man durch Schreck auf sie wirken, um den drohenden Wahnsinn zum Ausbruch zu bringen. Dann fort mit ihr in's Irrenhaus! Dann waren ja Beide frei, hinauszufliegen in die Welt und in einem stillen Erdwinkel oder in einer Millionenstadt dem erträumten und durch Ver⸗ brechen erkauften Glück zu leben. Wie ich mich nun voll Ekel von der Tochter abwandte, erwachte in meinem Herzen die tiefste Teilnahme für die Mutter, die einem furchtbaren und unverdienten Schicksal entgegenging. Ich ging hinein zu ihr und suchte selbst be⸗ ruhigend auf ihren Geist einzuwirken, leider ganz ohne Erfolg. „Denken Sie noch an meine Frage von vor wenigen Tagen?“ fragte sie gleich nach meinem Eintritt. Ich verneigte bejahend das Haupt. Wie hätte ich jene seltsame, zum zweiten Mal an mich gestellte Frage vergessen können.„Sie hatten Unrecht mit Ihrer Antwort“, fuhr sie fort.„Es giebt Gespenster, es giebt eine Wiederkehr nach dem Tod; ja, ja, es lebt ein Gott zu rächen und zu richten.“ Diese Aneinanderkettung von nicht zusammenge⸗ hörigen Dingen war mir ein voller Beweis für ihren geistigen Verfall. „Und doch muß ich bei meiner Antwort von damals stehen bleiben. Madame“, erwiderte ich. „Sie dachten—“ „An gar nichts!“ fiel sie mir erregt in's Wort. „Gelangweilt blickte ich von meinem Buch auf, und weil ich zufällig dem offenen Fenster gegenübersaß, ging mein Blick dorthin. Und da sah ich ihn mit derselben Deutlichkeit, wie ich Sie jetzt vor mir sehe, die Totenfarbe im Gesicht und die Lippen zu einem Fluch geöffnet—“ Sie schauderte in sich zusammen und bedeckte das Gesicht mit den Händen. „Wen, wen sahen Sie?“ drängte ich, nun selbst sehr erregt, denn was sie von dem Mann am Fenster sagte, hatte ich selbst an ihm beobachtet. Sie meinte ihn und Niemanden sonst hatte sie ge⸗ sehen.„Er war's, er war's!“ stöhnte sie hinter den vorgehaltenen Händen, und das war ihre ganze Antwort. Ich muß gestehen, mir wurde hierbei selbst un⸗ heimlich zu Mut. Hätte der Mann aus der toten Schlucht seine Maske getragen, dann würde ich an eine beab⸗ sichtigte Täuschung geglaubt haben, aber er gab sich, wie er war, und doch glaubte sie, den Geist eines Abgeschiedenen gesehen zu haben, der ihr im Leben einmal nahe gestanden. Diese Geschichte wurde immer geheimnisvoller. Ich hatte mich schon am Ziel gewähnt, Verstand und Herz sprachen für die Erklärung, welche ich in einer heimlichen Liebschaft Eugeniens gefunden, und nun fiel mit diesen Worten der armen Frau Milton doch wieder der Schatteu des Gespenstischen auf das Geheimnis der toten Schlucht! Nun, noch einmal vierundzwanzig Stunden, und Alles, Alles mußte klar vor meinen Augen liegen! Ich sprach noch viel zur Beruhigung der Un⸗ glücklichen, doch, wie gesagt, ohne wahrnehmbaren Eindruck. Sie beharrte in ihrem unseligen Wahn. Ich empfahl Eugenie, bei ihr zu wachen und zwei Dienerinnen im Vorzimmer zu lassen. (Fortsetzung folgt.) —— * Aus Rheinhessen, 16. November. Die durch die Manöver der hessischen Divi⸗ sion in diesem Herbst in der Provinz Rhein⸗ hessen verursachten Flurschäden belaufen sich auf die hohe Summe von 85700 Da⸗ von kommen auf den Kreis Worms 34000, Alzey 37000% und Oppenheim 14700. * Aus Rheinhessen, 16. November. Die Mäuseplage hat sich hier wieder eingestellt. Die schädlichen Nager ziehen sich bereits scharen— weise vom Felde nach den Hofraithen. Mehrere Gemeinden beschlossen, noch vor Eintritt des Winters das Löffler sche Verfahren zur Vertilgung von Mäusen vorzunehmen. * Mainz, 16. November. Der ju ristische Ausschuß der Stadtverordneten-Versammlung hat nunmehr ein Ortsstatut für die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises fest⸗ gestellt, das in der nächsten Sitzung der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung beraten werden soll. Als Muster diente das Gießener Statut. * Mainz, 16. Nov. November. Die Straf⸗ kammer verurteilte die geschiedene Ehefrau Joh. Cl. Fürst geb. Spalt, die sich im Gefängnis bei ihren Mitgefangenen in verächtlicher Weise über das Familienleben des Kaisers ausgesprochen 7 wegen Majestätsbeleidigung zu Monaten 14 Tagen Gefängnis. * Mainz, 16. November. Zu der schon seit Jahren schwebenden Frage der Eingemein⸗ dung der Gemeinden Kastel, Kostheim und! der Gustavsburg in das Gebiet der Stadt Mainz, hat nunmehr der Verein der Kaufleute ebenfalls Stellung genommen gemeindung zu fördern im Stande sei. In der gleichen Angelegenheit wird der Verein auch bei dem Staatsministerium vorstellig werden. Mainz, 16. Nov.(Kleine Mitteilungen.) Zur Vornahme namhafter Veränderungen im Main⸗ kanal wird derselbe bekanntlich für die Schifffahrt vom 1. Dezember nächsthin bis zum 1. April 1897 ge⸗ schlossen werden. Diese für die Mainschifffahrt sehr wesentliche Unterbrechung wird zur Folge haben, daß unser Hafen während des Schlusses des Mainkanals in ganz erhöhtem Maße in Anspruch genommen wird und zwar nicht unwesentlich für solche Güter, die durch Um⸗ schlag zur Bahn weiter gefördert werden müssen. Es ist daher die Errichtung einer großen pro visorischen Lagerhalle im Hafengebiet in Aus sicht genommen. — Bekanntlich hat der in Berlin verstorbene Herr Simon Blad der Stadt Mainz ein Vermächtnis im Be⸗ trag von nahezu 300 000/ gemacht. Die noch lebende Schwester des Herrn Blad, eine Witwe N., hat gegen die als Universalerbinnen eingesetzten Stadtgemeinden, Berlin, Mainz und Bingen, eine Klage auf Zahlung von nahezu 100 000& eingeleitet, und zwar deshalb, weil sie eine Reihe von Jahren ihrem verstorbenen Bruder den Haus⸗ halt geführt und dessen Liegenschaften verwaltet hat. Die Stadt Bingen hat die Forderung der Frau, als die⸗ selbe durch deren Anwalt geltend gemacht wurde, sofort anerkannt; die Städte Berlin und Mainz haben einen Rechtsanwalt beauftragt, ihre Rechte gegen die angeblichen Rechte der Schwester des Verstorbenen in Berlin zu ver⸗ treten. Vor kurzem hatte sich nun Herr Rechtsanwalt Dr. Horch nach Berlin begeben; die Auskunft, die ihm dort wurde, war nun derart, daß er der Stadt Mainz den Rat erteilte, anstatt auf dem Rechtsstreit zu beharren, sich mit der Witwe N., bezw. der Schwester des Herrn B., zu verständigen. Da die genannte Frau von der Stadt Mainz nur eine Forder ung von 25 000. geltend macht, so hat die städtische Verwaltung nunmehr drei Pferde in der Nähe von Nieder⸗Ingelheim gestohlen, nämlich ein brauner Wallach im Werte von 180, ein dunkelbrauner Wallach im Werte von 180& und eine schwarze Stute im Werte von 200, Die hiesige Staatsanwaltschaft verfolgt deshalb fünf unbekannte männliche Personen, einen namens Trappner und eine Frauensperson, alle von gebräunter Gesichtsfarbe, die Männer mit schwarzen Bärten und wie Zigeuner aus⸗ sehend. Dem einen fehlt der vordere Teil des Zeige⸗ fingers der rechten Hand, dem anderen fehlen in der oberen Reihe mehrere Zähne. * Kastel, 15. Nov. Beim Herannahen eines Personenzuges der Taunusbahn oberhalb der Station wurde gestern das Pferd eines Wagens scheu. Der Fuhrmann kam dabei zu Fall, wurde überfahren und getötet. * Worms, 16. November. Das hiesige Schöffengericht verurteilte eine 65jährige Milchhändlerin, welche die Milch mit 15 bis 20 Prozent Wasserzusatz ver fälscht hatte, zu drei Wochen Gefängnis und 100 l Geldbuße. * Nackenheim, 16. Nov. Ein hiesiger Bahnbeamter schnitt gelegentlich der diesjährigen Weinlese an einer ca. 30 Meter langen Trauben⸗ planke über 600 große ausgewachsene Trauben. Neueste Telegramme. Hd. Hildesheim, 17. November. Eine gestern abgehaltene öffentliche soz ialistis che Versammlung wurde wegen Besprechung des Falles Bräsewit aufgelöst. Hd. Köpenick, 17. November. Bei den listischen Partei gewählt. beteiligt sich zum vile Male an ben Kommunalwahlen. Der H. Hd. Nizza, 17. November. Schumann aus Berlin, der sich auf gr Reise gegenwärtig hier aufhält, gab auf den Liebhaber seiner Frau, den Grafen Helay einen Revol verschuß ab. Der Zustand des Grafen ist bedenklich. Der Thäter wurde verhaftet. Hd. Paris, 17. November. Der e römische Polizei⸗Inspektor Srniord, vor 1 Tagen in Marseille verhafket wurde, ist unter dem Verdacht der Spionage . worden. Er begab sich nach enf. Sterbefälle. Am 13, November. Wilhelmine Hammel, 3 Jahre alt, Tochter des Heizers Heinrich 5 Hammel dahier, Löberstraße 7. 5 um 15. November. August Voigt, 43 Ja alt, Kaufmann, Seltersweg 46. 5 1 Am 16. November. Karl Wehrum, 58 Jahre alt, Gewerbebank⸗Diener dahier, Ostanlage 35. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Ne⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. 1 und an die Stadtverwaltung das Gesuch ge⸗ richtet, nichts zu versäumen, was die Ein⸗ Bekanntmachung, die Reichstagswahl betreffend. Bei der am 5. l. Mts. stattgefundenen Ersatzwahl in dem 1. Wahlkreise des Großherzogtums Hessen haben von 12 105 giltig abgegebenen Stimmen erhalten: 1. Herr Philipp Köhler VI, Landwirt in Langsdorf 4177, 2.„Philipp Scheidemann in Gießen 3351, 3.„ Karl Meinert, Gutspächter in Hammerhof 2442, 4.„K Professor Dr. Stengel in Greifswald 2129, andere Personen 6. Da hiernach eine absolute Stimmenmehrheit auf keinen der Kandidaten gefallen ist, ist die Vornahme einer engeren Wahl zwischen den Höchstbestimmten, Philipp Köhler Min Langsdorf und Philipp Scheidemann in Gießen, auf Donnerstag, den 19. November 1896 festgesetzt worden. Alle auf andere Kandidaten fallenden Stimmen sind ungültig. Die Abstimmung beginnt um 10 Uhr vormittags und wird um 6 Uhr nachmittags geschlossen. Die Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher un⸗ verändert. Bei der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten angewendet, wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt. Gießen, den 12. November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Städt. Arbeitsnachweis, Gießen. Gartenstraße 2. Vom 12. bis 14. November. Angebot der Arbeitnehmer. Nachfrage der Arbeitgeber. 1. 1 Kutscher, 1 Glaser(Rahmen⸗ 3 tüchtige Pferde⸗ O 0 1 Gärtner, macher), knechte, 1 Mälzer, 6 Hausburschen, 1 Schlosser, 1 Mädchen für 1 Schlosser, 1 Kolporteur, 1 Schuhmacher, Botengang. 2 Schuhmacher, 1 Stickerin, 1 Schneider, 8 5 7 e 1 Kutscher, er, aglöhner, 4 Lehrlinge je 1Schuhmacher, Schlosser 1 Müller, 3 do. für Garten⸗ Bäcker und Buchhinder, n 2 Erdarbeiter, arbeiten, 1 Werkführer oder 3 Pferdeknechte, 1 Stallmagd, Bureaugehülse. 11 Dienstmädchen. Seseesessesssss Weit über 100 Kerzen Li 6 t strahlen die neuesten Glühstrümpfe für Gas⸗ glüblicht aus. Die Leuchtkraft derselben beträgt 7 nach Messungen der Kaiserlichen physikalischen Reichs⸗ Anstalt über 120 Fefnorkerzen. Auf jedes Brennersystem passend. à Stück 1 W 1346 1 landwirthschaftlicher Arbeiter, ck. 20 Pfg. sind solche zu haben bei A. Gretscher, Neustadt 78. Grosse Auswahl in Pelzwaren, Kanin⸗, Biber⸗, OQpossum⸗, Daehs⸗, Rurmel⸗, Skungs⸗ und Eisvogelmuffe, Kragen und Baretts sowie Kindergarnituren empfiehlt zu außergewöhnlich billigen Preisen 1330 J. Kaan r., Kreuz 10. e e ae e, Uhrmacherlehrling 75 agener 7 7 der, Stiefel, Uhren u. s. w. aus achtbarer Familie gesucht Georg Koch, Uhrmacher, Gießen. 1336 Kaplansgasse 10. den Weg des Vergleiches beschritten.— Am 2. l. M. wurden dem Handelsmann Heinrich Ferfens aus Viersen gestrigen Stadtverordneten⸗Wahlen wurden alle vier Kandidaten der sozia⸗ Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis, daß an Stelle der zurückgetretenen Ma rie Rühl, verehelichten Wilke, der Wieger Albert Haas dahier zum provisorischen Octroier⸗ heber am Seltersthor ernannt, verpflichtet und am 16. l. Mts. in seinen Dieust einge- wiesen worden ist. Gießen, den 16. November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis, daß an Stelle des zum provisorischen Octroierheber ernannten Wiegers Albert Haas der Schaffner i. P. Karl Andreas Müller dahier zum Wieger an der in städtischer Verwaltung stehenden Güngerich'schen Waage in der Frankfurterstraße ernannt, verpflichtet und am Heutigen in seinen Dienst eingewiesen worden ist. 5 Gießen, den 16 November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Formulare für Gesuche der Arbeitgeber um Arbeitskräfte werden außer bei dem Beamten des städtischen Arbeitsnachweises— Bürger- meistereigebäude, Zimmer Nr. 14— auch noch bei den amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen unentgeltlich verabfolgt. Gießen, den 13 November 1896. Die Deputation für den städtischen Arbeitsnachweis. Wolff, Beigeordneter. Ein junger Mann, welcher sich zum Schreiber ausbilden will, kann als Lehrling auf dem Stadtbauamt Annahme finden. Bewerber wollen ihre Meldungen mit Schul⸗ zeugnissen und Lebenslauf bis 1. k. Mts. hieher einreichen. Gießen, den 16. November 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Zugluft Abschliesser vorzüglich bewährt für Fenster und Thüren empfieblt Beinrieh Bochstätter, 1452 Schloßgasse 19. Zwei junge Dachshunde (schwarz und gelb) abhanden ge⸗ kommen. Vor Ankauf wird gewarnt. Wiederbringer erhält Belohnung. 1306 RBrauerei Röhrle. 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