5 ober bei Herti tomito meldes té. J 1896. Gießen, Sonnabend, den 17. Oktober e Landeszeitung. . Ausgabe Gießzen. Redaktion: 8. Kreuzplatz Nr. 4.. 1 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 1 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. 40 e ießen le; Ott.(erstagtlicnng der Ludwigsbahn.) Der formelle Ueber⸗ gesig der Hessischen Ludwigsbahn in Staats- besitz findet nach den neuesten Vereinbarungen am J. April 1897 statt, an welchem Termin alle Rechnungsabschlüsse ihre Erledigung gefunden haben müssen. Bezüglich! der Personalien der zukünftigen Direktion Mainz ist, wie verlautet, Linstweilen fest bestimmt, daß neben dem zum Präsidenten vorgesehenen Ober-Regierungsrat Breidenbach Kommerzienrat Maschmann, das älteste Mitglied der bisherigen Spezial⸗ direktion der Ludwigsbahn, in die Direktion eintritt. Derselbe wird den Titel„Regierungs⸗ rat“ erhalten. Weiter verlautet noch, daß der 1 27 im Finanzministerium in Darmstadt be⸗ schäftigte Oberfinanzassessor Elemm in der 1 Mainz Stellung erhalten wird. Gießen, 16. Okt.(Stadttheater.) Die gestrige Aufführung des Sudermannschen Schauspiels„Heimat“ hatte ein zahlreiches Publikum in den Theatersaal des Cafe Leib zusammengelockt. Da das Stück hier in Gießen licht unbekannt ist, so mag wohl die einzige Anziehungskraft Fräulein Thessa Klink⸗ hammer gewesen sein, welche man in der be⸗ fühmten Rolle der Magda hier noch nicht gesehen hat. Wir bestätigen die Anerkennungen der auswärtigen Kritiker über die Leistungen des Fräulein Klinkhammer Wort für Wort. Die Künstlerin liefert Beweise eines außer⸗ gewöhnlichen Darstellungstalentes, das mit Ver⸗ standsschärfe und fertiger Routine alle Einzel⸗ heiten der Rolle großartig zu verdeutlichen weiß. Die Schnelligkeit, mit der sie Stimmungen, Gemütswallungen, Gefühls⸗ und Gedankenblitze aufeinander folgen zu lassen vermag, ist einfach phänomenal. Daß die Rolle der„Magda“ daher den Glanzpunkt der gestrigen Aufführung bildete, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Der b Heffterding hätte in der Person des 0 Herrn Peichner etwas salbungsvoller auftreten bdürfen. Der Regierungsrat des Herrn Keller war gut. Den faden Cavalier, der mit allerlei leeren Redensarten zu vertuschen suchte, wie denig er einst die Konsequenzen seiner Hand⸗ lungsweise der jungen unerfahrenen Magda gegenüber zu tragen wußte, verstand Herr Fritzschler recht glaubhaft wiederzugeben. Herr Schröter als Oberstlieutenant Schwarze verdiente in dieser ungemein schwierigen Cha⸗ rakierrolle volles Lob. Frau Helm als zweite Frau des Oberstlieutenant Schwarze gefiel sehr; aber auch die übrigen Damenrollen waren durchweg in guten Händen. Alles in allem er⸗ kang die Theaterdirektion einen durchschlagenden Erfolg. Gießen, 16. Oktober.(Stadttheater.) Wir machen auf die heutige Aufführung des Schwankes von Blumthal und Kadelburg„Die Orientreise“ besonders aufmerksam. Frl. Klara Leno vom Breslauer Stadtthegter tritt in dieser Vorstellung zum ersten Male als Gießen, 16. Oktober. Wie gemeldet wird, ist Fräulein Thessa Klinkhammer jetzt für eine veränderte künstlerische Stellung als Er⸗ gänzun des Frankfurter Schauspiel⸗Ensembles ausersehen. Die von Fräulein Klinkhammer ge⸗ leitete Bühnen- Ausbildungsschule bleibt fort⸗ bestehen. Gießen, 16. Okt. Die Kaiserl. Ober⸗ Postdirektion Darmstadt teilt der Großh. Han⸗ delskammer! mit, daß der Staatssekretär des Reichs⸗Postamts die Zulassungndes Sprechver⸗ kehrs Gießen⸗ Friedberg(Hessen) und Bad⸗ Nauheim einerseits und Biebrich⸗Bingen(Rhein) Darmstadt, Eltville, 1 Höchst(Main), Homburg v. d. Höhe, Kastel(Rhein), Königstein (Taunus), Langenschwalbach, Mainz, Rüdesheim, Wiesbaden und Worms andererseits genehmigt hat. Der genannte Sprechverkehr wird am 20. d. M. eröffnet werden. Gießen, 16. Okt. Der„Darmst. Ztg.“ wird aus Grünberg unterm 14. d. M. ge⸗ schrieben:„Heute Nachmittag fand im Rathaus⸗ saale im Beisein des Herrn Regierungsrat Meliot von Gießen die Landtagswahl statt. Zur Abstimmung waren die 34 Wahl⸗ männer des Bezirks erschienen. Im ersten Wahlgang erhielten Herr Kreisrat Schönfeld zu Schotten 17, Herr Fleischhauer, der Kandidat der Antisemiten, 16 Stimmen und Herr Kauf⸗ mann Louis Moll dahier eine Stimme. Bei der sofort folgenden Stichwahl wurden für Herrn Kreisrat Schönfeld, wie bereits auder⸗ seits berichtet wurde, 18 und für den Gegen⸗ kandidaten 16 Zettel abgegeben; somit war ersterer mit 2 Stimmen Mehrheit gewählt. — Nach Bekanntwerden des Resulkats gab Landtagsabgeordneter Köhler, der mit dem unterlegenen Kandidaten anwesend war, seinem Unmut über den für seine Partei ungünstigen Ausfall der Wahl dadurch Aus⸗ druck, daß er seine vor dem Rathaus auf dem Marktplatz versammelten zahlreichen Anhänger in einer Ansprache aufforderte, als Ant⸗ wort auf die Wahl sofort Grünberg zu verlassen!“ * Gießen, 16. Oktober. Entscheidungen des Großh. Oberlandesgerichts. Nach Artik. 55 des Enteignungsgesetzes vom 26. Juli 1884 können dinglich Berechtigte, also auch Hypothekargläubiger, deren Ansprüche durch die zwischen Eigentümer und Unternehmer verein⸗ barte Entschädigungssumme nicht gedeckt sind, verlangen, daß die Entschädigung für sie im Enteignungsverfahren festgestellt werde. Wird auf Grund dieser Bestimmung der von einem Hypothekargläubiger bei dem Gerichte er⸗ hobenen Entschädigungsklage mit dem Einwand begegnet, daß zunächst nur die Verwaltungsbehörde zur Amtshandlung berufen sei, so ist dies die Einrede der Unzulässigkeit des Rechtswegs, indem damit dem Gerichte überhaupt die Befugnis abgesprochen wird, in der Sache thätig zu sein. Diese Einrede erscheint jedoch in dem Falle als nicht begründet, wenn der betreffende dinglich Berechtigte im Verhandlungstermin des Art. 24 des Ge⸗ setzes, zu welchem er gehörig geladen war, nicht erschienen und deshalb als mit der angebotenen Entschädigung zu⸗ frieden angenommen, folglich dieser Punkt im Verwal⸗ tungsverfahren als erledigt behandelt worden ist, da der Art. 55 auf diesen Fall sich nicht bezieht.— Nach konstanter Rechtssprechung der Hessischen Gerichte versteht der Art. 16 des Hessischen Verjährungsgesetzes von 1853, die Stadt nach der hierzu in Betracht kommenden ratio legis unter Fuhrleuten nur Fuhrleute im technischen Sinne dieses Wortes, wie Frachtfuhrleute, Lohnkutscher usw. und also solche, welche die Leistung von Fuhrdiensten gegen Lohn gewerbsmäßig betreiben und hieraus ganz oder doch vor— zugsweise ihren Lebensunterhalt sich verschaffen, nicht aber solche, welche nur wegen ihrer Landwirtschaft Fuhrwerk halten und nur zeitweise und vorübergehend solche Fuhr⸗ dienste leisten.— Nach feststehender Rechtssprechung der Hessischen Gerichte und darunter namentlich des vormaligen Großh. Oberappellationsgerichts kann für Verabreichung von Alimenten, die Leistung von Diensten, wie häusliche Arbeiten und ländliche Arbeiten usw., unter nahen Ver⸗ wandten oder Verschwägerten eine Vergütung nur dann beansprucht werden, wenn ein hierauf gerichteter Vertrag ausdrücklich oder durch konkludente Handlungen zum Ab⸗ schluß gelangt ist. Zwar hat das Reichsgericht diesen Grundsatz bei bloß Verschwägerten oder Seltenverwandten, oder selbst Großeltern und Enkeln resp. da, wo Verab⸗ reichung von Alimenten in Sprache steht, nicht adoptiert. Nicht aber ging es hiervon bei solchen Leistungen von Kindern an Eltern und umgekehrt von Eltern an Kinder aus, und es ist bezüglich der Anwendbarkeit jeglicher Zweifel dann ausgeschlossen, wenn die Umstände des kon⸗ kreten Falls gegen das Vorliegen des animus repe- tendi und für bloße Leistung liberalitatis vel pietatis causa sprechen. * Lollar, 16. Okt. In Staufenberg hat der Schreiner Heinrich Becker in der Darmstädter Pferdelotterie den 2. Hauptreffer gewonnen, lämlich ein Reitpferd mit Sattel. Wie bereits gestern gemeldet, ist der 1. Hauptgewinn zwei Arbeitern in Großenbuseck zugefallen. * Bad Nauheim, 13. Okt. Der Güter⸗ wechsel ist im Hinblick auf die Thatsache, daß die diesjährige Saison wieder mit einem Mehr von Kurgästen, wohl nahezu 1200, abschließt, besonders rege. f * Lauterbach, 15. Okt. Heute Morgen ist das 1½jährige blühende Kind eines Ar⸗ beiters auf schreckliche Weise verunglückt. Während die Mutter auf dem Felde war und der Vater am Webstuhl saß, dürfte das Kind sich an der Feuerung des Herdes zu schaffen ge⸗ macht haben und seine Kleider durch heraus⸗ fallende Kohlen in Brand geraten sein. Eine auf sein Geschrei herbeieilende Nachbarsfrau fand das Kind in Flammen stehend vor. Trotzdem dieselbe das Feuer alsbald löschte und man das arme Wesen im Krankenhause hier unterbrachte, dürfte es kaum mit dem Leben davonkommen, da das Feuer die vordere Körperhälfte förmlich geröstet hat. * Weckesheim, 13. Oktober. Am 16. v. M. war die Dienstfüh rung des hiesigen Rechners durch das Kreisamt Friedberg repi⸗ diert worden, wobei sich ein Fehlbetrag der Kasse von etwa 2500, ergeben hatte. Der Rechner, der übrigens ein durchaus zuverlässiger und geachteter Mann ist, hat nun die Anzeige erhoben, daß ihm jene fragliche Summe ge⸗ stohlen worden sei, infolgedessen Großh. Kreis⸗ amt Friedberg am verflossenen Samstag darüber Feststellungen vornahm. * Obertshausen, 15. Oktober. Der Bau der neuen Stockfabrik, der das erste große Fabriketablissement in hiesiger Gegend ist und einen größeren Komplex umfaßt, ist bereits so⸗ weit fertig gestellt, daß der Betrieb in demselben in aller Kürze begonnen werden kann. Unsre Gemeinde wird um drei Wirtschaften, die in der Nähe des neuen Bahnhofes errichtet werden, „bere ichert“ werden. * Darmstadt, 16. Oktober. Der Aufent⸗ halt des Kaisers und der Kaiserin von Rußland hier dauert, wie wir hören, bis zum 29. Oktober. * Darmstadt, 14. Oktober. Die e vange⸗ lische Landessyno de beschloß heute auf An⸗ regung des Direktors Brand⸗Mainz einen Pro⸗ test gegenüber einem Ankrag Wasserbuürg, betreffend die Aufhebung des Jesukten⸗ gesetzes und gegen die Motivirung desselben durch den Antragsteller gelegentlich der vorletzten Tagung der zweiter Kammer. Namentlich wur⸗ den die Worte„von der unverfrorenen Ein⸗ mischung der Synode und des Oberkonsistoriums in Angelegenheiten der katholischen Kirche“ scharf zurückgewiesen.. * Darmstadt, 15. Okt. Die evange⸗ lische Landessynode nahm heute eine Vor⸗ lage des Oberkonststoriums an, welche die Kirchen ⸗ verfassung des Großherzogtums in einigen Punkten abändert. Am einschneidensten ist die Bestimmung, nach welcher den penstonkerten Geistlichen, oder solchen, denen wegen dauernder Dienstverhinderung ein Vikar bestellt wurde, die Zugehörigkeit zur Synode als geistliche Mit⸗ glieder abgesprochen wird. Dagegen bleiben sie nach einer ausdrücklichen Erklärung des Ober⸗ konsistoriums als weltliche Mitglieder wählbar. *Seligenstadt, 13. Okt. Der 21jährige Seiltänzer Friedrich Knie aus Renchen gab hier am Sountag zwei Vorstellungen auf 5 Seile. Gestern Vormittag vollzog unsere Gendarmerie die Verhaftung des Genannten. Auch dessen Begleiterin, eine geborene Bertha Wandel, wurde in Polizeigewahrsam 1 men; dagegen wurde ein mitreisender Komiker in Freiheit gelassen. Die Verhaftung erfolgte auf Grund des in Nr. 26 des„Zentral⸗Steck⸗ brief⸗Anzeigers für Deutschland“ vom 30. Sep⸗ tember d. Js. vom Amtsgerichte Waldsee in Württemberg erlassenen Steckbriefes wegen Be⸗ trugs. Die Wandel, wegen desselben Deliktes verfolgt, ist nicht die Ehefrau des Knie, wie dieser angegeben hatte, sondern dessen Geschäfts⸗ führerin. * Aus Rheinhessen, 15. Okt.(Herbst.) Die sonnigen Tage der letzten Woche sind den Trauben sehr zu statten gekommen, haben zur Veredelung derselben beigetragen und— da die Belaubung noch vorhanden— den Zuckergehalt vermehrt. In Winzerkreisen ist daher auch die Ansicht vorherrschend, daß man die allgemeine Lese noch möglichst hinausschieben solle, zumal das bessere Wetter Bestand verspricht. Aller⸗ dings sind an der Haardt, im Markgräfler Land und in Elsaß⸗Lothringen vorzeitige Lesen an⸗ beraumt, aber daß ein berühmter Weinort am Rhein, der sich sonst durch seine Spätlesen aus⸗ zeichnet, daß Nierstein den Beginn der all⸗ gemeinen Lese auf den 12. Oktober anberaumt, hat in Winzerkreisen allgemein überrascht, wenn auch der überreiche Behang der Weinberge als Gründ angeführt wird. Die Aussichten für den — 6 5———————— Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. Machdruck verboten.) 5(Fortsetzung.) Das Herz stand mir still vor unsagbarem 0 uen. 5 1 Der Angstschweiß brach an meinem ganzen Körper aus. Meine Gedanken begannen sich zu verwirren. 19 ů Vor meinem geistigen Auge stand das boshaft 1* Gesicht meines Sergeanten, als er mich fragte: 8 0„Glauben Sie an Gespenster?“ And baneben tauchte eine andere Gestalt auf, ein Monn, bleich und hager, in Lumpen gehüllt und den blinkenden Spaten über der Schulter. Der Goldgräber der toten Schlucht! a Wie lange dieser Zustand dauerte, ich weiß es „ vielleicht Minuten, vielleicht Sekunden. eich dünkte es eine Ewigkeit. 5 Ich hatte ein inneres zwingendes Gefühl, welches mir sagte, daß ich wahnsinnig werden müsse, wenn ich noch länger an dieser Stelle verharren sollte. „Vorwärts, vorwärts!“ schrie ich meinem Pferde zu und spornte es an, aber es spreizte die Beine und ermies sich so störrisch, daß ich, von Wut überwältigt, n Revolver herausriß und rasch hinter einander re Schülsse über seinen Kopf hinfeuerte. brach vor Schreck in die Hinterbeine „ nach vorn. N 1 Nur durch rasches Zugreifen entging ich dem Sturz. i Hierbei ließ ich den Revolver fallen, ohne mich dessen klar bewußt zu sein. 0 Zeder Sprung in's Dunkle konnte ein Todes⸗ sprung sein, denn mein Pferd ging mit einge⸗ zogenem Kopf gerade durch Wasser und Sand. War es die Vorwärtsbewegung, war es die durch die Schüsse bewirkte Lufterschütterung oder ein aufspringender Nachtwind— genug, die eben noch undarchdringliche Finsternis begann sich zu lichten, und bald spreugte ich siegreich durch die letzte dünnste Nebelwand wieder in die mondhelle Wüste hinaus. i Ich wandte den Kopf zurück. 1 5 Da lag es wie ein schwarfer undurchdringlicher Schleier hinter mir auf Land und Wasser. Nun wußte ich, was es war. 0 Der Rauchschleier, den ich zuerst gegen Abend ge⸗ sehen, war nicht, wie ich vermutet hatte, vom Himmel verschwunden, er war nur durch eine aufsteigende Luftschicht zu Höhen erhoben worden, in welchen er dem menschlichen Auge nicht mehr sichtbar war. getzt hatte er sich mit einer abwärtigen Luft⸗ strömung auf die Erde gesenkt und mit dem Wasser⸗ nebel zu einer egyptischen Finsternis verdichtet. Ich wollte nicht eine Verflüchtigung der schwe⸗ benden Nacht abwarten, um meinen verlorenen Re⸗ volver zu suchen. Dann machte es einen Satz und stürmte Neue Niederschläge konnten eine neue Verfinste⸗ rung herbeiführen und ein ungünstiger Wind die durchrittene Nacht noch einmal über mich hinwehen. Ich ritt wie rasend abseits von den Salzseen durch die Wüste, um an das Ende derselben zu gelangen, das ich auch nach Verlauf von einer guten halben Stunde erreichte. Erst als ich mich wieder von wasserlosem Scrub— land umgeben sab, maßigte ich die Gangart meines Pferdes, denn hier konnte mir keine Dunkelheit mehr gefährlich werden. Es war zehn Minuten nach Elf, als endlich am Horizont ein langgezogener Waldstreifen herauf⸗ dämmerte. ö Das konnte nach des Sergeauten Beschreibung und meiner Berechnung nur der Wald sein, welcher den ehemaligen Wasserlauf, der in seinem tiefsten Teil die„tote Schlucht“ bildete, zu beiden Seiten umgab. Auch meine Kompaß⸗Nadel deutete auf ihn hin. Nun galt es, neuen und größeren Gefahren entgegen zu gehen, die durch den Verlust meiner einzigen Feuerwaffe gewachsen waren. Wenn ich so lange bei den Einzelheiten meines Nachtrittes verweilte, so geschah es, um dem Leser die vielen Schwierigkeiten, welche sich meinem Vor— haben entgegenstellten, recht anschaulich zu machen. Land und Leute mußten charakterisiert werden, um die nachgeschilderten Vorgänge verständlich und glaubhaft zu machen. hohen Sträuchern gewährte mir jetzt eine will⸗ kommene Deckung. 5 Der tiefe Sand dämpfte den Schall der auf⸗ schlagenden Hufe. Das Bewußtsein, mich meinem Ziel zu nähern, gab mir neue Kraft. 5 Ich legte die letzte Strecke Wegs im schlanken Trab zurück. Erst als der Malley- in einen Mulgascrub über⸗ ging, zog ich die Zügel an, denn hier wurde der Sandboden wieder tennenhart. Entgegen der vielblättrigen, also schattigen Malley ist der Mulgastrauch mit nadelartigen, schmalen Blättern bedeckt und seine Zweige sind mit giftigen Stacheln bewehrt, aber wo Mulga ist, gedeihen immer, wenn auch spärlich, Gras und Kräuter, und das war für mich jetzt sehr wesentlich. Se hatte mein Pferd, das ich hier zurücklassen mußte, doch Futter. Bis auf eine englische Meile ritt ich an den Wald heran, im langsamsten Schritt und mit wach⸗ samem Auge und Ohr. Daun stieg ich ab. 1 Sattel und Zaun verbarg ich Mein Pferd gab ich frei. Wenn es zufällig gesehen wurde, mußte man glauben, daß es sich hierher verlaufen habe. Jede Art von Fesselung hätte die Anwesenheit eines Uneingeweihten verraten. (Fortsetzung folgt.) im Gesträuch. Der Scrub mit seinen nicht mehr als mannes S —— 1 2 2 r err . 1896 er haben sich also entschieden gebessert; es kann, wenn noch sonnige Tage kommen, immer Die bis jetzt Rostgewichte sind bessere, wie aus dem In Portugieser⸗Mosten ist chleuder⸗ Weinen noch ein erzielten 1894 er Jahrgang. 5 Mittelwein werden. kein Geschäft oder sie werden zu wahren S preisen verkauft. Auch der, Umsatz in älterer Jahrgänge ist nicht beträchtlich. * Mainz, 15. Okt. In einer heimer Fabrik wurden von einer Einbrecher⸗ Zimmer ent⸗ Der Gendarmerie gelang es, durch die drei Einbrecher zu nicht bei bei Caub Diese Angabe ist das Geld wahrscheinlich bande 7000 Mark aus einem wendet. die Art des Einbruches ermitteln. Das Geld ihnen gefunden. Sie gaben au. im Rhein versenkt zu haben. offenbar falsch; sie haben vergraben. * Mainz, 15. Okt. wurde jedoch es Einverständnis mit Storchenbrauerei in sozialdemokratischen schaftskartells schriftlich ersucht hat, wie vor abzu⸗ Abend stattgehabte gut Delegirten der politisch und gewerkschaftlich or⸗ von Mainz hat jedoch beschlossen, dies Anerbieten abzulehnen, und alle Vereine zu ersu chen, das Es wurde eine lt, die sich mit der Lokalfrage Versammlungen nach halten. Eine gestern besuchte Versammlung von ganisierten Arbeiterschaft Weiße Rößchen zu verlassen. Kommission gewäß beschäftigen soll. Zu der„Aussetzung“ der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften aus ihrem langjährigen Versammlungslokal im Weißen Rößchen ist der„Kl.⸗Pr.“ zufolge, jetzt zu berichten, daß gestern der Wirt im der Direktion der Speier den Vorstand der Partei und des Gewerk⸗ folger Nikolaus Alexandrowitsch im Hause Oheims, des Großfürsten Sergius, zum, Male die Prinzessin sah, die später gefährtin werden sollte. Die Prinzessin war sie war ein hübsches Mädchen, blonden Haaren, das sofort das Herz des Prinzen gefangen nahm. Später sah ugel⸗ wieder am Kaiserlichen Hofe von Gatschin von Hessen, begleitet hatte. Prinzessin Alice bereits durch Ihr Haar war dunkler Wuchs, ihre tiefblauen sichtszüge, ihre harmonische, Stimme, ihre Sch voll kli schaffte, machten auf den Thronfolger, Erinnerung an das einige Jahre vorher diesem Tage begann der Herzensroma künftigen Kaisers, eine mit ihren Abstufungen von bis zu tiefster Verzweiflung, denn wie wir ihre trennte die beiden jungen Leute: die Re Die Prinzessin Großfürsten, als ließ. Sie zeigte Die einzige Gunst, Bemühungen erhielt, schreiben zu dürfen. die der Prinz nach war die Erlaubni machte der Thronfolger im große Orientreise in und seines Vetters, des 995 55 Geor Wie Zar Nikolaus sich in Prinzessin Alice verliebte. Einer der am wenigsten bekannten und inter⸗ dem Privatleben des ist die Geschichte seiner Ver⸗ mit der Prinzessin Alice von Hessen, als junge Kaiserin von Rußland überall, An Stelle eines gekrönten Hauptes, welches durch Vermitte⸗ lung seiner Gesandten eine eheliche Verbindung von Staatsrücksichten leiten läßt, sehen wir einen verliebten Fürsten, der die Geliebte seiner Träume mit allen Mitteln essantesten Abschnitte aus Zaren Nikolaus II. mählung die jetzt wo sie erscheint, Bewunderung erregt. eingeht und sich dabei schöne ritterlicher Galanterie zu erobern sucht. der evangelischen Reli rinzessin Alice von dem russischen Herrscher vermählte. ion erzogene Tochter ngland zögerte lange, ehe e den Glauben ihrer Väter aufgab und sich mit g Es war im Jahre 1884, als der damalige Großfürst⸗Thron⸗ Griechenland. Im Juni 1893 sah er die zessin unter folgenden Umständen wieder: Nikolaus hatte eine kluge und desgenossin in der Schwester Gemahlin, der Prinzessin von damals ein hübsches Landhaus in den Ufern der Themse, bewohnte. seiner kü Dort Herzogs von der russische Thronfolger eine köstliche Zei Schatten uralter Weidenbäume, Die in dichten Themse⸗Nebeln, oder Ausflüge der und der Prinzessin Henriette von Frankr schützten. Bekanntmachung. Betr.: Die Abhaltung der Viehmärkte in Gießen. Mit Bezug auf das Ausschreiben Großh. Kreisamts Gießen vom 5. d. Mi., abgedruckt in Nr. 235 des Gießener Anzeigers, bringen wir hier⸗ durch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen am 27. und 28. dieses Monats unter den daselbst angegebenen Be⸗ dingungen gestattet ist. Gießen, den 10. Oktober 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Betr.: Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Tie Besitzer von Tauben werden unter Hin⸗ weis auf Art. 79 des Feldstrafgesetzes aufge⸗ fordert, ihre Tauben vom 15. b's Ende dieses Monats in den Schlägen einzuhalten. Ueber⸗ tretungen dieser Vorschrift müssen nach Maß⸗ gabe des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden. Gießen, den 10. Oktober 1896 Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Wohne jetzt — Marktstraße Nr. 8 (neben Herru Kaufmann i st o r.) Ferdinand Parthier, Korb- und Stuhlstechterei. Neparaturen billigst. 952 at in Nechts fachen, sichere Aus⸗ kunftserteilung über alle an Berufsgenossenschaften zu bildende Ausprüche aus Unfällen pp., rtigung von Gesuchen jeder Art, eitreibung von Forderungen, unter Zusicherung strengster Diskretion Sprechstunden: Täglich von 8—12 Uhr Vormittags und von 2—4 Uhr Nach⸗ mittags; Sonntags von 9—1 Uhr. 1003 Ed. Rotte. Bahnhofstr. 51, III I. Von heute ab Rauscher bei 1089 J. Arnold, zum Schipkapass, Bahnhofstrasse No. 7. Köchinnen, Haus-, Küchen⸗ und Kindermädehen, Mädchenffür Oekonomie ꝛc. 3 sofort. 1122 Lentral-Placierungsbureau Kaplansgasse 141. Möbliertes Zimmer 5 zu vermieten. Liebigstraße 63. sss seine Lebens⸗ damals zwölf Jahre alt; mit langen rot⸗ hin sie ihren Vater, den Großherzog Ludwig IV. Damals glänzte die eworden; ihr schlanker ugen, ihre zarten Ge⸗ ihre wahrhaft königliche Haltung, ihr den Beinamen„die kleine Königin“ ver⸗ der die schöne Mädchen, das er kennen gelernt hatte, noch bewahrte, einen unauslöschlichen Eindruck. An wahre Liebesgeschichte freudiger Hoffnung gesagt haben, eine fast unübersteigbare Barriere Alice erwiderte persönlich dem er ihr Herz und Hand anbieten sich damals noch unerbittlich. Nach dieser ersten mißglückten Liebeswerbung Jahre 1891 seine Gesellschaft seines Bruders Battenberg, die Walton, an sich die beiden jungen Leute, denn Nikolaus war nach London gekommen, um der Hochzeit des Pork beizuwohnen; dort verbrachte den Rosen und Veilchen, die den poelischen Land⸗ sitz der Prinzessin von Battenberg schmückten, in⸗ dem er fröhliche Wasserfahrten veranstaltete, im umwallt von dunklen, geheimnisvollen Cedernwäldern der Um⸗ egend, die früher einmal die Liebe Karl I. seines ersten Prinz an ihrer Einflusse seiner als der junge Zauber gebrochen. gann zu verzweifeln, jungen er sie a, wo⸗ önheit. bandordens von Edinburg spielte 1 555 5 Außerdem fürst Sergius. n des bereits legion. 9 die Vermählung mit der Prinzessin Nikolaus erschien, vielen 3, ihr schen Presse gegen der Prinzessin haben“, hatte 9 1 Im Schlosse zu Prinz religiöse uftigen ihren Bruder, um Rath zu fragen. trafen sie der Bruder. Viktoria hinzu, die i küßte und ihr sagte, t unter Thränen von Rußland. Die Prinzessin Alice war gerührt von der Beharrlichkeit der Liebe des jungen aber sie zögerte noch immer. So Seite war, bestrickenden Liebenswürdigkeit und seiner werbenden Kraft nicht entziehen; aber Großfürst abreiste, Nikolaus Alexandrowitsch be⸗ und die Ehren, mit welchen er überhäuft wurde— land ernannte ihn da im Schlosse von Wind ließen ihn kalt. damals die Vermittlerrolle, um die Zustimmung der Königin von England, der Großmutter der Prinzessin interessierten Prinzen der Prinz von Wales und der Groß⸗ mals in feierlicher Audienz sor zum Ritter des Hosen⸗ Endlich erteilte die Königin Viktoria I. ihre Zustimmung zu der Heirath. leid des Thronfolgers war noch nicht zu Ende; das Schwerste war noch zu thun: man mußte von der Prinzessin Alice, auf Frage einen mächtigen Einfluß ausübte, die endgiltige Antwort erh Jahres 1894 fand im des Melitta von Edinburg statt. obwohl sein Vater, der Kaiser eise⸗Erlaubniß verweigern wollte, fast plötzlich in Coburg, obgleich in einer halbamtlichen Note erklärt worden war, daß er seine Reise aufgebe wegen der Angriffe Rußland. 00 will von ine entscheidende Antwort alten. Alexander III., die R Alice e der Prinz seinem Prin⸗ Ehrenberg fiel die 5 Die 10 1 5 1 1 5 50 1 icht 1 rage zurück, aber der Thronfolger aufrichtige Nun, wußte so eindringlich zu sprechen, den Großherzog aufsuchte, um ihn „Liebst Du ihn?“ Prinzessin schluchzend. hre Enkelin auf die Stirn daß sie ihre Zustimmung gebe.„Wirklich?“ fragte die Prinzessin, unter lachend. Und Hessen legte ihre Hand in die des Großfürsten Nitolaus Alexandrowitsch, des künftigen Kaisers kehr nach den Köni Prinzen, Schreiben lange der konnte sie sich dem der war auch der die Königin von Eng⸗ Hd. Der Herzog worden. Rom ein eigenhändiges Schreiben für Humbert und ein Glückwunsch⸗ ür den Kronprinzen übergeben, wird von der radikalen Presse mit franzosen⸗freund⸗ lichen Erörterungen veröffentlicht. Secolo schreibt Dreibund sei leck geworden. Italien müsse sich über den mit Tunis abgeschlo der Schiffahrtsvertrag mit Frankreich der zweste Schritt gewesen. Paris, 16. Tynan ist gestern Abend in Freiheit gesetzt weibund orientieren. Der sene Vertrag sei der erste, Andere würden bald folgen. Oktober. Der Fenier Alice, zu erlangen. sich für den verliebten Aber das Liebes⸗ welche die religiöse Im Frühling des Schlosse von Ehrenberg Großherzogs von Hessen Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ r. Homburg v. d. Höhe, 16. Okt. 1.10 Nm. Uunsere Stadt Festgewand angelegt. Jarenpaar passierte, tragen reichen om Bahnhof bis zum Festplatz bildeten die 60er Füsiliere Spalier, rich⸗Promenade bis zur Biruall ee die Real⸗ und Bürgerschüler zung die Spitzen der Behörden anwesend. Um 11 Uhr traf die Kaiserin der russische Hofzug ein. des Zareupgares durch die Kaiserin Friedrich hielt Bürger meister erfolgte die Fahrt Abfahrt per Wagen uach Friedrichshof. hat zum Empfange des Zarenpaares Alle Straßen, welche das laggenschmuck. von der unteren Kaiser⸗Fried⸗ Am Bahnhof waren zur Begrü⸗ Friedrich, um 11½ Uhr Nach kurzer Begeühusg Tetteuborn eine Ausprache, daun zum Festplatz, um 12 Uhr die der deut⸗ Vater gesagt. Entscheidung. daß sie endlich fragte Ja, ja!“ erwiderte ie kam die Königin „ Dann die Prinzessin Alice von in die Hd. Rom, eich be⸗ Se sees Gesangverein Eintracht. Samstag, den 17. Oktober, ab ends ½9 Uhr, Abend- Unterhaltung im Saale des Café Karten à 30 Pfg. sind zu haben bei sämtli sowie abends an der Kasse. Bier im Glas. 3 Leib. chen Vorstandsmitgliedern 1213 Der Vorstand. Mein e ee beginnt wieder Sb Tanz⸗ Unterricht. ontag, den 19. Oktober. Weidengasse 2k. e erbitte ich v Univ.-Tanz- orher in meiner Wohnung, 1134 und Pechtlehrer. 8 Gebr. Stamm, lager fertiger Herren- und Tuch, Bukskin 2 g Knaben- Kleider. Manufakturwaaren. 8 anter Herren-Garderobe nach Maaß. 0 Ne Gießen. und SN u der am 13. bis 16. stattfindenden November 1896 in Steins Sälen Lokal⸗Gartenbau⸗Ausstellung 1195 sind a 30 Pfg. zu haben in sämtlichen Blumengeschäften, außerdem in den Noll, Schreibmateri Dechert, Danie Tichy, Seltersweg. Zur Ausgabe gelangen 3500 Loose mit 10 Hauptgewinne im Werte von 100, 30, 20 Geschäften der Herren H. Zigarrenhandlung. Friseur L. alienhandlung, Ph. Mootz, Heil, Lindenplatz, Friseur 150 Gewinnen, darunter und 10 Mark. Gasthaus„Zum deutschen Hof“ Vereinszimmer du ergeben, Miktagstisch im Abonnement. 8 Neueste Telegramme. 16. Oktober. Die Meldung, der Präsident der französischen Republik habe dem französischen Gesandten ü Naumann. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 18. Oktober, 20. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadtkirche: Vormittags 9/ Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Donnerstag, Bibel stunde Evangelium Marci, Kap. 4, 1/2. In der Johanneskirche: Vormittags 9½¼ Uhr: Pfarrer Din geldey. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrer Din geldey. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Nauman. Gugleich Gottesdienst zur Feier des Jahresfestes des evangel. Jünglingsvereins.) Bibelstunde am Montag, abends 8 Uhr, im Konfirmandensaal der Johanneskirche. 2. Petrusbrief, Kap. 1. sollen sich nach Gottes Willen halten. Pfarrer Dr. den 22. Oktober, im Konfirmandensaal abends 8 Uhr; (Neustadt 61). den 19. Oktober, Die von Gott reich Gesegneten Billot vor seiner Rück- Gießen. Verleger: dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ 234 Photographie. Meiner verehrl. Kundschaft zur gefl. Nachricht, dass ich mein graplnlisches Geschäft seit 1. April d. 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