Gießen, Mittwoch, den 15. April 1896. Ausgabe Gießen. ische mandeszeikung. 75 8 Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. N Expedition: 24 Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. Gießen, 14. April. Ernannt wurden: g, Pfarrpikar Uhl zu Schotten, Dekanat Schotten, 5 zum Verwalter der ersten Pfarrstelle daselbst; N farrbitar Schäfer zu Büdingen, Dekanat 0 Büdingen, zum Verwalter der ersten Pfarrstelle daselbst; Pfarrverwalter Guß mann zu Gettenau um Pfarrverwalter in Kirchberg, Dekanat Gießen; 0 r dad walter Brill zu Ober⸗Gleen zum Pfarr⸗ um g. 80 berwalter in Ober⸗Widdersheim, Dekanat Nidda. * Gießen, 14. April. Der seitherige Oberst des hiesigen Infanterie-Regiments, von Rosen⸗ berg verlegt in den nächsten Tagen seinen Wohnsitz nach Kassel. Gießen, 14. April. Endlich sind an der Eee der Wolkengasse und des Seltersweges die Steinreste entfernt. Der Besitzer dieses Fleckchens 1 81 läßt dasselbe mit einer Verblendmauer um⸗ ziehen. und e Gießen, 14. April. Wir berichteten gestern, dub 56 ui, daß ein Soldat B. des hiesigen Katser⸗Wilhelm⸗ schch— Negiments durch einen Fußkritt schwer ver⸗ 9 en letzt worden sei. Wie wir heute hören, wird der Soldat keinen dauernden Schaden an seiner Gesundheit erleiden. Die Verletzung ist nicht so schwer, als es anfänglich erschien. hhund Gießen, 14. April. Im Großherzogtum oh in Wiß un fai 8 U , Seltersweg g, wird angeblich in Zukunft eine scharfere Kontrolle über die genaue Beobachtung der Sonn⸗ tagsruhe eingeführt. In Mainz fand am r Sonntag Mittag bei sämtlichen Barbieren und Friseuren eine Revision statt, um die Sonntags⸗ fiüne„kuhe⸗llebertreter in flagranti zu erwischen. Ver⸗ 0 1 schiedene Geschäftsinhaber wurden dabei erwischt, . daß sie bereits kunstgerecht„Eingeseifte“ noch 5 nach zwei Uhr rasierten. Sie wurden zur An⸗ ten Ranges, eg gebracht und sehen nun ihrer Strafe wegen des Verbrechens entgegen. lt u. 1516, ersten Biere, Gießen, 14. April. Der Aprilmonat u macht von seiner berühmten Launenhaftigkeit 90 1 0 diesmal einen höchst einseitigen Gebrauch: er 5 aft slendet uns nicht abwechselnd Regen und Sonnen⸗ oder schein, wie wirs seit Jahren von ihm gewohnt 3.— frei find, sondern begnügt sich mit dem Regen und läßt die liebe Sonne fast ganz aus dem Spiel. 5 Wir wären ihm, ach, für ein bischen mehr Röhrle.„wetterwendischen“ Charakter aufrichtig dankbar, 1 denn Regen, der jeglichen Tag regnet, verstimmt, N„ weil wir zu deutlich die böse Absicht merken, während Sonnenschein, wenn auch nur spärlich geboten, doppelt und dreifach in diesen Tagen des jungen Grüns und der jungen Hoffnung erquickt. Noch dazu rieselt diesmal der Regen so kalt und unfreundlich hernieder, daß man sich fröstelnd vor ihm verkriechen möchte. Es fehlt ihm die milde, lauliche Lenzwärme, die so sanft Stirn und Wange streichelt und den Schutz des Regenschirms völlig 1 ja unbequem macht. Wer allzu eilig sein den ue an⸗ e egen die Unbilden des Wetters. Wenn das o weiter geht, so werden wirs noch erleben, daß wir im Wonnemond nach bekannter Melodie trübselig singen können: „Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Ofen Das Feuer nicht ausgegangen“— und daß die ganze schöne Pfingstherrlichkeit gründ— lich zu Wasser wird. Traurig werden wir so die Blütezeit des Jahres dahinschwinden sehen, bis die Sonne höher und höher steigt und ihre Strahlen gleich spitzigen Pfeilen sengend herab— schickt, vor denen sogar„im kühlen Keller“ kaum Rettung zu finden ist. Gewitter ziehen dann auf mit Wolkenbrüchen und haben neue Regen⸗ tage im Gefolge, endlose Hitze folgt auf die Regentage— der Sommer ist zu Ende, bevor er recht angefangen hat, und die Herbstnebel stellen sich ein, schwer und bleiern. Wie wenige wahrhaft heitre Tage haben wir doch im Jahre zu verzeichnen! Ein einziger Sonnenblick muß oft mit langen Wochen voll Sturm und Regen, Nebel und Kälte teuer erkauft werden. Die letzte Zeit war zu so weltschmerzlichen Betrachtungen ganz besonders geeignet. Was nützt es, wenn das„fernste tiefste Thal“ blüht und man beim Anschauen solcher Blüte friert, gerade als ob man im Winter im kalten Zimmer vor einer emalten Frühlingslandschaft steht? Man könnte sich manchmal in solche Täuschung versetzt glauben, wenn nicht der muntere Gesang der Vögel von allen Zweigen schallte. Die befiederten Lenzboten lassen sich durch das trübe Wetter nicht abhalten, voll ihre Schuldigkeit zu thun und das Erwachen der Natur durch tausend und abertausend wohl— lautende Lieder zu preisen. * In Großgerau verschied am 11. d. M. der in weiteren Kreisen bekannte Dekan und Kirchenrat F. E. H. Staudinger. Der Ver⸗ storbene war zu Thal-Itter am 7. April 1819 eboren. Nachdem derselbe das Gymnasium zu Corbach und die Landesuniversität zu Gießen absolviert hatte, erhielt er seine erste dienstliche Verwendung zu Gernsheim am 8. März 1845. Am 6. Mai 1895 wurde ihm gelegentlich seines 50 jährigen Amtsjubiläums der Charakter als Kirchenrat verliehen, nachdem er 1888 schon durch das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst⸗ ordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet worden war. *Nieder⸗Weisel, 14. April. Am 6. Mai wird hierselbst die neuerbaute Comthurkirche im Beisein des Prinzen Albrecht von Preußen sowie des Großherzogs und anderer Johanniter— ritter feierlich eingeweiht. — Darmstadt, 12. April. Dem gegen⸗ wärtig hier stattfindenden Examen für das Finanzfach 1. Kategorie haben sich 71 Kan⸗ didaten unterzogen. Davon sind 4 Prüflinge bereits vom Examen wieder zurückgetreten. Die selegt hat, der Kral geschwind wieder zur winter⸗ ichen Hülle und vermummt sich nach Möglichkeit Der Käfer. 1 Von Cethegus. piegel, Nachdruck verboten.) en In dem kleinen aber gewählten Kreise der Phi⸗ 2 losophen von Fach hat der Name meines einstigen Schulkameraden Fritz Werder einen guten Klang. Es giebt angesehene Gelehrte, die den Träger dieses Namens mehr als einmal Schwarz auf Weiß für einen gebornen Philosophen erklärt haben, und ein solches Lob will besonders viel heißen in einer Wissenschaft, deren Jünger sich jeder übereilten Begeisterung sozusagen von Berufswegen enthalten und das Maß ihrer Anerkennung bis auf die Breite eines Spinnwebfadens genau bestimmen. Was mich angeht, so kann ich bezeugen, daß Fritz Werders ohilosophischer Zuschnitt, wenn nicht bis in die Zeit seiner ersten Windeln, doch sehr weit zurückweicht. Denn unsere Bekanntschaft leitet sich ja von den Jahren her, wo wir zusammen auf der Schulbank sfsaßen und Cicero, Horaz und Demosthenes präpa⸗ rierten. Schon vormals war Fritz Werder das vollkommene Bild philosophischer Weltanschauung, soweit sie eben in Gestalt eines preußischen Pri— maners erscheinen kann; in seinem Sprechen, Han⸗ deln und ganzen Wesen herrschte eine Ordnung, die bis dicht ans Unheimliche streifte, und als er bei der Abiturienten⸗Entlassung die deutsche Festrede gehalten hatte, lautete das von ihm selbst gewählte Thema:„Was heißt und wozu dient methodisches garenhaub. 9 Iarbuscle jeperson ice bleib „Aslerweg alt für Denken?“ ke. Streng methodisch hat sich denn auch das zarte 10 und überaus schlanke Reis von damals zu dem Gewächs entwickelt, welches heute Fritz Werder heißt. Seinem bürgerlichen Berufe nach ist er jetzt mündliche Prüfung wird erst im Juni abge⸗ halten. Im Vorjahr unterzogen sich von 76 Prüf⸗ lingen dem Examen nur 43 mit Erfolg. Offenbach, 12. April. Die heute in der Schlosserschen Liegenschaft in Offenbach eröffnete Geflügel- und Vogel ausstellung für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen⸗ Nassau, die vom Offenbacher Verein für Vogel⸗ und Geflügelzucht veranstaltet ist, bietet eine ver⸗ hältnismäßig reiche Auswahl von Hühnern mit 31 Klassen, landwirtschaftlichem Nutzgeflügel, Gänsen, Enten, Truten, Zier- und Parkgeflügel, Tauben, 28 Klassen, in- und ausländischen Sing⸗ und Ziervögeln, außerdem von Fachlitteratur, Bildern und Kunstgegenständen, Geräten, Futter⸗ mitteln und Käfigen, im Ganzen 428 Nummern. Die Prämiierung hat bereits gestern stattgefunden, die Eröffnung erfolgte heute Morgen durch den ersten Vorsitzenden des Vereins, Herrn Gg. Winter, an Stelle des verhinderten Ehrenpräsidenten Herrn Kreisrat Haas. Das Arrangement ist recht hübsch und übersichtlich, die große helle Halle der Schlosser— schen Liegenschaft einet sich für derartige Ausstel⸗ lungen vorzüglich. 39 Ehrenpreise standen zur Verfügung. Erste Preise und gleichzeitig zum Teil Ehrenpreise erhielten u. A. für Hühner: Ph. Forster-Offenbach, Brahma, Gg. Winter⸗ Offenbach, Plymouth⸗Rocks, E. C. Leißler⸗Fechen⸗ heim, Kämpfer, Fräulein Klara von Löw-Darm⸗ stadt, Holländer, M. Knips⸗Fulda, Spanier, Gg. Arras-Fr.⸗Crumbach und A. Schlegel-Hanau, Minerka, K. Werle-Offenbach, Andalusier, G. H. Keil⸗Strebendorf, J. Storck IV-Lengsfeld, Ita⸗ liener, K. Schwerer-Offenbach, Hamburger, M. Betz und Stimmel-Oberrad, v. Levetzow-Darm⸗ stadt, K. Huth-Niederrad, A. Schlegel-Hanau, Bantams, Gg. Simon⸗Gießen, Diverse; für Gänse: ten Brinte Vilbel; für Enten: v. Levetzow⸗ Darmstadt, A. Farber⸗Offenbach, C. Kunz-Hanau; für Truten: J. Steuernagel-Darmstadt; für Zier⸗ und Parkgeflügel: Dr. E. Kübel⸗Oppenheim a. Rh., der ein weißes Pfauenpaar ausgestellt hat; für Tauben: J. Hertsch⸗Offenbach, Luchstauben, A. Luft⸗Felsenburg, Segeltauben, G. B. Ganß⸗Gr.⸗ Umstadt, C. Schwane-Offenbach und Krumm⸗ Offenbach, Bagdetten, Gg. Winter⸗Offenbach und E. Will⸗Kesselstadt, französische Kröpfer, Fr. Schulz⸗ und Fr. Schwerzel-Offenbach, Brünner Kröpfer. O. Betzler⸗Mainz, Gg. Winter und L. Krumm⸗Offenbach, Mövchen, Gg. Winter⸗Offen⸗ bach und J. Rödelbronn jr.-Frankfurt, Tümmler, L. Krumm⸗Offenbach, Farbentauben, W. Eyd⸗ mann und Ph. Forster⸗Offenbach, Hch. Weber⸗ Gr.⸗Umstadt und W. Maltzahn jr.⸗Mainz, Brief⸗ tauben, Chr. Rechel II-Rodau, Rothschimmel⸗ Locktauben; für in⸗ und ausländische Sing⸗ und Ziervögel: Fr. Grünewald⸗Offenbach, B. Müller, Vogelhandlung in Frankfurt a. M., A. Zuntz⸗ Frankfurt a. M. für eine Kollektion von 60 diversen Exoten. * Mainz, 13. April. Die hiesigen Sozial⸗ demokraten haben in einer Versammlung für die bevorstehenden Landtagswahlen ein Wahlkomitee von sieben Personen gebildet, das die Agitation in die Hand nehmen soll. Beide Mandate von Mainz muß die Partei ver⸗ teidigen, den Ingelheimer Kreis will sie erobern. Bezüglich der Maifeier wurde beschlossen, am 1. Mat in einer Volksversammlung zu demon⸗ strieren und Sonntag den 3. Mai in der Stadt⸗ halle das seit 1890 übliche Maifest abzuhalten. — Vor einigen Wochen verschwand hier der Kapitän eines im Hafen vor Anker liegenden holländischen Schiffes, Herr M. A. van Beynen aus Rotterdam. Gestern wurde seine Leiche im Hafen geländet. Er ist anscheinend des nachts beim Nachhausegehen vom Schiff in den Hafen gestürzt. Mainz, 13. April. Herr Geheime Ober- Regierungsrat Möllhausen von Berlin traf am Samstag vormittag in Begleitung mehrerer Beamten der Königl. Preußischen Ministerien für Landwirtschaft und öffentliche Arbeiten hier ein, um unter der Führung des Vorsitzenden der Hafendeputation des Herrn Beigeordneten Kom⸗ merzienrat Reinach, des Herrn Hafen- und Lager⸗ hausdirektors Gfrörer und Bauinspektor Kuhn, den städtischen Getreide-Elevator-Speicher und die in demselben für die Lagerung und den Umschlag von Getreide getroffenen Einrich- tungen im Zollhafen zu besichtigen. Sehr befriedigt von dem Gesehenen sprachen sich die Herren besonders lobenswert über das günstig gewählte kombinierte System von Silos und Schuttböden in Verbindung mit den Getreide- Reinigungs- und Sortieranlagen aus. * Mainz, 13. April. Der Direktor der höheren Mädchenschule, Herr Professor Röm⸗ held, erläßt heute in den hiesigen Tagesblättern eine Erklärung, worin er dagegen protestirt, für die Verhüllung des Dürerschen Bildes, „Adam und Eva im Paradies“ in der städtischen Gemäldegallerie in irgend welcher Weise verant⸗ wortlich gemacht zu werden. Am 20. Februar habe er der Selekta der höheren Mädchenschule Unterricht kulturgeschichtlichen Inhalts in dem Saale erteilen wollen, in dem das fragliche Bild hängt. Vorher habe er zur Sichtung des Ma⸗ terials das Museum besucht und zu dem Mu⸗ seumsdiener geäußert, es wäre gut, wenn das Gemälde während der Dauer des Unterrichts aus pädagogischen Gründen verhüllt würde. An dauernde Anbringung eines Vorhauges habe er nicht gedacht und würde dies selbst als einen Fehler bezeichnen.— In einer Wirtschaft im Gartenfelde spielte sich gestern nachmittag ein Stück Kaniba lismus ab. Ein daselbst wohnender Wirt war mit einem Schreiner in Streit geraten, es artete derselbe in Thätlich⸗ keiten aus. Hierbei hat der Schreiner dem Wirt ein Fingerglied von der rechten Hand voll⸗ ständig abgebissen. Die Wunde an der Hand des Wirtes ist sehr gefährlich.— Das Modell der auf der Kaiserstraße zu erbauenden Christus⸗ kirche der evangel. Gemeinde Mainz, das königlicher Gymnasial-Oberlehrer mit einem Ge— halte, der für eine Familie ohne allzu weitgehende Ansprüche ausreicht. Kundige werden aus dieser Thatsache unschwer ermessen können, wie viel Jahre Fritz Werder zur Zeit ungefähr zählt und wie viel oder wenig uns noch fehlt, bis wir das silberne Jubiläum unserer Bekanntschaft feiern können, die wie gesagt in Unterprima anfing. Die Jahre und Jahrzehnte haben auch an Fritz Werders äußerer Erscheinung ihre Spuren hinter— lassen. Sein bartloses Gesicht ist gefurcht in wage rechter und senkrechter Richtung, und seine Haare haben sich vor dem Sturme der Zeit wie ein be— lagertes Gebirgsvolk auf die höchsten Pässe zurück— gezogen; dort aber liegen sie früh und spät, von des Meisters Haud geordnet, so regelmäßig neben einander wie die Striche auf einer Radierung. Was die Runzeln angeht, so folgt deren methodische Anordnung schon daraus, daß sie ja lediglich das Ergebnis methodischen Denkens sind. So ein Philosoph ist doch ein glückliches Wesen. Besonders uns Dichter kann er manchmal recht neidisch machen. Eigentlich gehört doch das Reimen zu unserem Geschäft. In Wirklichkeit aber ist allein er im Stande, sich einen Reim auf Alles zu machen, was ihm geschieht. Und das ist ein großer Vorteil. Deun was geschieht Einem mitunter nicht alles auf dieser buckligen Erdkugel! Zum Beispiel, was Fritz Werder neulich in den vorigen Frühjahrsferien passiert ist. Jemand— nämlich seine Tante— hatte für diese Ferien einen sehr ernsthaften Auschlag auf Fritz Werders Zeit und Ruhe geplant. Die gute Tante faud, daß ein Gymnasial⸗Oberlehrer mit aus⸗ reichender Besoldung ohne Weib doch eigentlich nur ein halbes Wesen sei; und wie alle Tanten in solchem Falle entdeckte sie auch alsbald für ihren unvollständigen Neffen die bessere Hälfte. Es war eine entfernte Verwandte, eine Waise vom Land, mit verschiedenen für den Freier höchst schätzbaren Eigenschaften: jung, hübsch, wohlerzogen und im Besitze einer stattlichen Mitgift. Obendrein aber war sie mit Fritz Werder bereits von klein auf oberflächlich bekannt und schwärmte für Flötenspiel: letzteres aber war, wie wir unmethodisch denkenden Menschen zu sagen belieben, geradezu ein Wink des Schicksals: denn Fritz Werder bläst die Flöte,— freilich nur einigermaßen, aber doch. Die Tante hatte die Geschichte soweit schon ganz fein eingefädelt, das hübsche blonde Nichtchen war zu Besuch bei ihr abgestiegen und freute sich zu⸗ nächst darauf, den gelehrten Vetter einmal wieder flöten zu hören. Auch Fritz Werder stand dem Plane wohlwollend gegenüber; denn so ordnete er seine Gründe, erstens hatte die Tante nicht Unrecht mit ihrer Ansicht, daß ein Mann in seinen Jahren des Weibes bedürfe; zweitens lag darin, daß er vom Staate ein familienkräftiges Gehalt empfing, für ihn als Staatsbürger eine Art Verpflichtung, die dabei vorausgesetzte Familie baldmöglichst in's Dasein zu rufen; drittens durfte er das Wohlwollen der Tante nicht verscherzen, und viertens war ja Bäschen Elsbeth doch auch wirklich ein ganz artiges Mädchen, wohlerzogen und verständig, soweit er dem seiner Ansicht nach minderwertigen weiblichen Geschlechte Verstand zuerkennen konnte. Aber— er hatte sich gerade diese Ferien für die endgültige Abfassung einer seit drei Jahren vorbereiteten sich nun der Wissenschaft entziehen,— entziehen um eines Weibes willen? In dieser Unentschlossenheit verbrachte Fritz Werder einige recht unangenehme Tage. Mehr als einmal hatte er schon den schwarzen Rock aus dem Schranke geholt und das Flötenfutteral in die Ueberziehertasche geschoben, um den Damen einen ersten musikalischen Besuch abzustatten, mindestens ebenso oft hatte er sich Papier und Federn zurecht⸗ gelegt, um die Einleitung zu seiner Abhandlung zu schreiben. Aber in beiden Fällen gelangte er nicht zur Freiheit des Entschlusses. Es kam schließlich so weit mit ihm, daß er seinen sonst so philosophisch erhabenen Geist zu dem heimlichen Wunsche er— niedrigte, das Schicksal möge ihm durch irgend einen Zufall oder„Wink“ die Willensrichtung geben. Kaum aber hatte er sich auf diesem Wunsche er— tappt, so nahte auch schon der Schicksalsbote in Gestalt des Schriftstellers Karl Semper. In jedem anderen Falle würde Fritz Werder den Besuch dieses Mannes nur mit einem innerem Seufzen er⸗ tragen haben; denn er hielt Karl Semper für den Unphilosophischsten und Leichtlebigsten unter seinen philosophischen Arbeit vorgenommen; und durfte er Bekannten, und sie paßten auch in der That unge⸗ fähr so zusammen wie eine Schildkröte und ein Schmetterling. Dies nal aber hatte der flatter⸗ sinnige Schriftsteller eine verhältnismäßig solide Absicht. Er wollte sich wieder einmal im Flöten⸗ spiel üben, welches er vor Zeiten zusammen mit Fritz Werder erlernt hatte, und jammerte, daß seine Flöte ihm beim letzten Umzug abhanden gekommen sei. Bis er sich eine neue zulegen könne, mülsse er erst den Empfang des Honorars für einen Roman ab⸗ warten, den er nächstens schreiben wolle. Schluß folgt.) —— 2 —— — gegenwärtig im roten Saale des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses ausgestellt ist, erregt die Bewunderung der zahlreichen Beschauer, die sich an dem genialen Entwurfe unseres Stadtbau— meisters, Herrn Baurat Kreyßig, erfreuen. Der herrliche Monumentalbau wird seiner Zeit das große Werk der Stadterweiterung würdig krönen, unserer Stadt zur Zierde und seinem genialen Schöpfer zur Ehre.(Mzr. Tgbl.) Vermischtes. — Der Geburtsschein des Urwäldlers. Ein Mann, der bereits 20 Jahre in Leipzig wohnt und jetzt Leipziger Bürger und sächsischer Staatsangehöriger werden möchte, ist dadurch in Verlegenheit versetzt worden, das die Behörde von ihm die Beibringung eines Geburts⸗ zeugnisses forderte. Er hat nämlich in einem Urwalde Amerikas das Licht der Welt erblickt und ist in Folge dessen außer Stande, das verlangte Zeugniß beizubringen. Auf seine Vorstellungen hin ist ihm nachgelassen worden, wenigstens eine— beglaubigte Bescheinigung herbeizu⸗ schaffen. Aber auch dies dürfte nicht so leicht sein, da man ja im Grunde genommen wieder nichts Anderes verlangt, als ein Geburtszeugniß, das nun einmal für ihn nicht zu haben ist. Denn sein Vater hatte sich seiner Zeit, wie die„Leipziger Ger.⸗Ztg.“ berichtet, mitten im Urwalde angesiedelt, ein Stück urbar gemacht, und hier in der Wildniß wurde der jetzige Bewerber um das Leip⸗ ziger Bürgerrecht geboren, fern ab von Standesbeamten, Priestern oder anderen Personen, die das freudige Ereig⸗ niß in der Blockhütte hätte verzeichnen können. Wenn man in Leipzig bei der ungewöhnlichen Lage des Falls nicht ein Einsehen hat, wird der Mann wohl darauf verzichten müssen, sich Leipziger Bürger und sächsischer Staatsunterthan zu nennen.. — Zur Lösung der Frage, wie sich die Wär me⸗ zunahme von der Oberfläche der Erde nach ihrem Innern hin vollzieht, ist bisher das einzig Feststehende, daß von einer gewissen Tiefe(20 bis 25 Meter) unter der Erdoberfläche an eine dauernde Zunahme der Tempe⸗ ratur nach dem Innern zu stattfindet. Diese Thatsache ist das Ergebnis zahlloser Wärmemessungen in Bergwerken und Bohrlöchern, aber selbst die tiefsten Bohrlöcher der Erde kommen im Verhältnis zum Durchmesser unseres Planeten nur einem winzigen Nadelstich von 1 Zehntel Mm. Tiefe auf einem großen Globus von 1 Meter Durchmesser gleich. Das tiefste Bohrloch der Welt war bis vor zwei Jahren das von Schladebach bei Merseburg, seit dem Mai 1893 aber hat, die Bohrung von Paruscho⸗ witz im Kreise Rybnik in Oberschlessien jenem den Rang abgelaufen. Dieses ist 2003,34 Meter tief, jenes nur 1784,4 Meter. In den neuesten und besten Lehrbüchern der Geologie findet man heute ziemlich übereinstimmend die Angabe, daß die Temperatur nach dem Erdinnern im Mittel je 33 Meter um ein Grad Celsius zunehme. Aber in den preußischen Bergwerken allein schwankt der Betrag der Tiefenstufe für 1 Grad Wärmezunahme zwischen 115,3 und 15,5 Meter. Eine noch langsamere Wärme⸗ zunahme, als der Wert 115,3 bedeutet, zeigten die Be⸗ obachtungen, die in einem neuerdings bis zu einer an⸗ sehnlichen Tiefe gestoßenen Bohrloche bei Calumet(Michigan) gemacht wurden. Dort wurden gemessen in 35 Meter Tiefe 15 Grad und in 1364 Meter nur 25 Grad. Da⸗ nach berechnet sich die Wärmezunahme als 1 Grad auf 136,4 Meter. Es ist dies wohl die langsamste Wärme⸗ zunahme, die bisher jemals gefunden worden ist. Wenn man annimmt, daß die Temperatur in größeren Tiefen nach dem gleichen Gesetz zunimmt, so würde der Schmelz⸗ punkt der wesentlichen Gesteine der Erdkruste, d. h. die Grenze der festen Erdkruste, erst in etwa 129 Kilometer erreicht werden, während man die Decke der Kruste bisher zu 30—40 Kilometer angenommen hatte. — Gut eingeführt.„Sie kommen gewiß wegen der vakanten Dienerstelle?“—„Jawohl, Herr Baron!“— „Ist sonst noch Jemand im Vorzimmer?“—„Nein! Es war noch ein Herr mit einer Rechnung da— den hab' ich aber gleich hinausgeworfen!“ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten— Versammlung, Donnerstag, den 16. April 1896, Nachmittags halb 4 Uhr. 1. Versetzung eines Briefkastens vom Brückschen nach dem Zimmerschen Hause am Kreuzplatz. f 2. Gesuch des C. Stiasny wegen Belassung eines Firmenschildes an seinem Geschäftslokal, Asterweg 6. 3. Gesuch des Georg Bichler um Erlaubniß zur Er⸗ bauung einer Waschküche. 4. Desgl. der Jakob Helfenbein Wwe. zur Errichtung einer Eishalle. 5. Errichtung eines Arbeiterhäuschens im Neustädter⸗ feld seitens des Heinrich Rinn 5. 6. Gesuch des Georg Troß um Erlaubniß zur Er⸗ richtung eines Häuschens am Krofdorferweg. 7. Baugesuch der Joh. Gg. Weber Söhne für die Neuenbäue. 8. Gesuch des Bleichers W. Schmall wegen Anlage von Treppen auf der Böschung des neuen Wieseckbettes. 9. Gesuch des Gabelsberger Stenographenvereins um Ueberlassung des Saales im alten Rathhause. 10. Die im Jahre 1895 abgehaltene landwirthschaft— liche Ausstellung; hier: die dabei verwendeten Fahnen. 11. Die Errichtung eines Rettungshauses für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Hessen⸗Nassau. 12. Neubau eines Schuldienerwohnhauses bei der Stadtmädchenschule. 13. Baugesuche der Baugenossenschaft des evangel. Arbeitervereins für die Landmannstraße. 14. Errichtung einer kaufmännischen Fachschule; hier Gesuch um Schenkung eines Bauplatzes. Hunderttausende werden weggeworfen durch unzweckmäßige Abfassung von Annoncen und durch Benutzung ungeeigneter Zeitungen. Ein Iuserat muß nicht allein sachverständig und treffend abgefaßt sein, sondern es ist auch der Leserkreis der Zeitungen in Betracht zu ziehen. Auf dem weiten Felde des Zeitungswesens wird sich der Laie nicht leicht orientieren und deshalb eines erfahrenen und zuverlässigen Rathgebers be⸗ dürfen, um sein Geld nutzbringend anzulegen und mit einiger Sicherheit Erfolge zu erzielen. Ein berufener Führer ist die älteste Annoncen⸗Expedition Haasenstein u. Vogler, A. G., Frankfurt a. M. Vertreten in Gießen durch Gust av Wohlmuth, Seltersweg. Durch 40 jährige Praxis, welche zu den intimsten Ver⸗ bindungen mit allen Organen der Zeitungspresse des In⸗ und Auslandes geführt hat, ist sie mit ihren zahlreichen Zweighäusern und Agenturen vorzugsweise in der Lage, dem inserirenden Publikum sich in jeder Weise nützlich zu machen. Alle Aufträge werden prompt und billigst aus⸗ geführt, da nur die Originalzeilenpreise der Zeitungen berechnet werden, und kommen auf diese Preise bei belang⸗ reicheren Aufträgen noch die höchsten Rabatte in Abrech⸗ nung. Man versäume deshalb nicht, sich bei obiger Firma vor Vergebung eines Annoncen-Auftrages erst ge⸗ nau zu informiren. Neueste Telegramme. Hd. Troppau, 14. April. Der hier tagende Handwerker⸗Kongreß beschloß die immerwährende Ausschließung des antisemitischen Abgeordneten Schneider von allen Handwerks⸗Kongressen. Hd. Wien, 14. April. Sämmtliche Blätter mit Ausnahme der sozialistischen Zeitungen und dem klerikalen Vater⸗ land widmen dem deutschen Kaiserpaar äußerst sympatische Begrüßungs⸗Artikel und bezeichnen die Entrevue als ein großes politisches Ereignis von eminenter Friedensbedeutung. Hd. Wien, 14. April. Das„W. Frdbl.“ dementirt sämmtliche Nachrichten über die vor⸗ zeitige Auflösung des Reichsrates. Hd. Paris, 14. April. Die Behauptung des Matin bezüglich der Unterredung des deutschen Kaisers mit König Humbert, daß darin die Ver⸗ längerung des Dreibund⸗Vertrages bis 1902 be⸗ schlossen worden sei, wird in politischen Kreisen als überflüssig bezeichnet, da der Kaiserbesuch selbst beweise, daß die Erneuerung des Bundesvertrages schon früher erfolgt war. Die zweite Behaup⸗ tung desselben Blattes, es sei eine neue Expe⸗ dition nach Eritona für den Monat September in Aussicht genommen, wird schwerlich durch die Ereignisse bestätigt werden. Hd. Paris, 14. April. Ein Teil der hier stationierten russischen Geheimagenten, die mit der Ueberwachung der im Auslande lebenden russischen Revolutionären betraut sind, hat vor einigen Tagen Paris verlassen und sich F Ü ¹¹ r nach Moskau bezw. Petersburg begeben. Da selbe wird auch aus Genf und London gemeldet Diese Abreise dürfte ihren Grund darin habe daß fast sämtliche russische Studenten Paris pe lassen und sich nach Rußland zurückbegeben haben, Da aus anderen revolutionären Centren das⸗ selbe gemeldet wird, nimmt man an, daß an⸗ läßlich der Krönungsfeierlichkeiten in Moskau ein Kongreß der russischen, im Auslande lebenden Revolutionäre stattfinden soll. 0 Hd. Nizza, 14. April. Die Zarin⸗Witwe empfing den Besuch des russischen Botschafte Baron Mohrenheim. Am 8. Maj reist die Kaiseris mittelst Separat⸗Zuges nach Rußland zurück. Der Großfürst⸗Thronfolger tritt in einiges Tagen eine Reise nach Port Sarnitza an. Hd. Brüssel, 14. April. Aus Petersburg wird der Independance belge gemeldet, die ruf, sische Regierung gehe mit dem Plane um, geg das rasche Vordringen der belgischen Industrit in Rußland Schutzmaßregeln zu treffen. Die russische Regierung werde dadurch schwer ge⸗ schädigt. Genau für 180 Millionen Rubel seien von belgischen Kapitalisten entweder für große metallurgische Unternehmungen oder für Eisen. bahnbauten nach Rußland exportiert worden. Marktpreise. Gießen, den 14. April. Auf dem heutig 0 soicd bol Wochenmarkte kostete: Butter per Pfund 85 100, Hühne 1 Vetrugs eier per Stück 5, Enteneler 6, Gänseeier 13— 14, Kaf 1 1 fbel in de 510, Käsematte 3, Erbsen per Liter 17, Linsen 30 Pfg. 5 Gießen, r Gafales! Gießen,! Tauben per Paar 0,80—1 Mk., Hühner p. St. 1.20— 1,0%(. Baseler Hahnen 1,30— 1.70, Enten 2, 2,20 Mk, Gänse per fuß de, gend i. 46— 54, Ochsenfleisch 70— 74, Kuh- und Rindfleisch e ar bis 68, Schweinefl. 50—66, Schweinefl., gesalz. 70— 7 Kalbfleisch 6000, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln pes 100 Kilo 4,00—5, Zwiebeln per Zentner 5 0,00 Mk, Milch per Liter 16 Pfg. i Nauk it She eu dalle ee „ ecat war —. genen Sterbefälle. beten Atte ein Am 12. April. Maria Kersten, viereinhalb Jahre Zu lebha alt, Tochter von Seiler August Kersten dahier, Agen amentlie Sonnenstraße Nr. 6. Die Beerdigung findet de. bedden lezten Mittwoch, den 15. d. M., Nachmittags 4 Uhr, df als ein kel vom Sterbehause aus statt. n bert, Am 13. April. Elisabeth Schumann, geb. Weiß⸗ Sean hace müller, 43 Jahre alt, Ehefrau von Schlosser, Zul Darstel Wilhelm Schumann dahier, Katharinengasse N. 15. fat fr 90. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. d. M., Aagcbe A 90 Nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Gallette waren . Gießen, Löterungberutte bon Gießen, fir weile freien f. seue Strafe in Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottman beide in Gießen. ö due ———— Bekanntmachung. Submissionen. di Gi 1 Verdingung. he Nach Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 6. v. M. ist die Stadt Gießen, wecks leichterer Verständigung der Einwohner über die Oertlichkeit eines ausgebrochenen Brandes, in die unten näher bezeichneten 5 Bezirke eingeteilt worden und sollen diese Bezirke bei Alar⸗ mierung durch den Stadttürmer, wie folgt, näher kenntlich gemacht werden. Der 1. Bezirk(Stadtinneres) umfaßt alle von der Nord-, Ost⸗, Süd⸗ und Westanlage umschlossenen Hofraiten und einzelne Gebäude der inneren Stadt, also Kreuz, Markt-, Kirchen-, Linden⸗ und Brandplatz. Neuen⸗ weg, Diezstraße, Straße„In den neuen Bäuen“, Triller-, Weiden- und Erlengasse, Mäusburg, Sonnenstraße, Dreihäuser⸗, Waagen ⸗, Wetter- und Rittergasse, Schulstraße, Kanzleiberg, Kap⸗ lanei⸗ und Schloßgasse, Marktlauben⸗ und Senkenbergstraße, Linden-, Hunds⸗, Brand⸗ und Braugasse, Wallthorstraße, Asterweg bis zur Nordanlage, Schiller- und Dammstraße bis zur Nordanlage, Zozels⸗ und Wetzsteingasse, Wetzsteinstraße, Gäßchen„Auf der Bach“, Kirchstraße, Bruchgraben, Marktstraße, Stall- und Sandgasse, Neustadt, Oswaldsgarten, Große und Kleine Mühlgasse, Tiefenweg, Kaplans⸗, Katharinen-, Löwen und Wolkengasse, Bahnhofstraße bis zur Westanlage, und Schanzenstraße, Seltersweg, Goethestraße bis zur Südanlage, Teufelslust⸗ gärtchen, Plockstraße, Maigasse und die nach dem Stadtinnern gerichteten Seiten der Nord-, Ost⸗, Sild⸗ und Westanlage. 5 Der 2. Bezirk(Nordbezirk) umfaßt die Hofraiten und einzelnen Gebäude, welche in dem Gebiet zwischen dem Damm der Main⸗Weserbahn nördlich des Neustädterthores, der Nordanlage, der Ostanlage vom Wallthor bis zum Gerichtsgebäude, dem Fußpfad von dort nach dem Philosophenwald und dessen Ver⸗ längerung nach Wieseck liegen, also die nach West und nach Nord gerichteten Seiten der Nord⸗ anlage, die Steinstraße, Damm⸗ und Schillerstraße westlich der Nordanlage, Weser- Eder⸗ und Schottstraße, Asterweg nördlich der Nordanlage, Eder⸗, Schwarzlache, Rodtberg⸗ und Wiesecker⸗ weg, Marburgerstraße, die Nordostseite der Ostanlanlage zwischen der Marburgerstraße und dem Pfad nach dem Philosophenwald und die nördliche Seite dieses Pfades. Der 3. Bezirk(Ostbezirk) umfaßt die Hofraiten und einzelnen Gebäude in dem Gebiet sildlich des Fußpfades vom Gerichts⸗ gebäude nach dem Philosophenwald und dessen Verlängerung nach Wieseck und östlich der Ost⸗ und Sildanlage bis zur Johanneskirche und der vom Turm der Stadtkirche nach dem der Johanneskirche nach Süden verlaufenden Visirlinie, also Philosophenwald, Wege in den Eich- gärten, Alter Rödger Weg, Grünberger, Licher⸗, Landmann⸗, Wolf- und Moltkestraße, Luther⸗ berg, Friedhof und Nahrungsberg, Alter Steinbacher-, Schiffenberger- und Erdkauterweg, Berg, Hessen⸗, Garten-, Bismarck⸗, Löber⸗, Bruch- und Stephanstraße, Ostseite der Ostaulage, vom Gerichtsgebäude bis zum Neuenwegerthor, Steinweg, Südseite der Sildanlage zwischen Neuen⸗ wegerthor und Johanneskirche, Goethestraße, von der Südanlage süldostwärts, Lonystraße, mit Ausnahme des Eckhauses Nr. 20, Ludwigstraße, zwischen Ludwigsplatz und Alicestraße, die östlich elegenen Teile des Riegelpfads und der Ebelstraße, Aulweg zwischen der Bahn nach Geln- garen und der Kreisstraße nach Leihgestern und die letztere vom Aulweg an. Der A. Bezirk(Südbezirk) umfaßt die Hofraiten und einzelnen Gebäude in dem Gebiet, welches umgrenzt wird von der obengenannten Visirlinie zwischen den Kirchtürmen, der Südanlage zwischen Johanneskirche und Seltersthor, der Westanlage von da bis zum Hause Geilfus, dem Damm der Main- Weserbahn bis zum Bahnhofe und dem Lauf der Lahn, unterhalb der Wieseckmündung, also Süldseite des genannten Teils der Südanlage und Südwestseite der Westaulage bis zur Pump⸗ station, Straßen und Wege daselbst, Bleichstraße zwischen Südanlage und Löberstraße, Alice⸗ straße, Ludwigstraße, südlich der Alicestraße, Vorderer Riegelpfad, südwestliche Hälfte der Ebel⸗ straße, Leihgesternerweg bis zum Aulweg, letzterer zwischen der Kreisstraße nach Leihgestern und der Frankfurterstraße, Liebig⸗, Wilhelm, Klinik“, Franlfurter- und Hofmannstraße, Holler⸗ asse, Bahnhofstraße zwischen Westanlage und Bahnhof, Grabenstraße, Bahnhöfe und deren Zufuhrsraßen mit sämmtlichen Gebäuden, Chemische Fabrik von Throm, Margarethenhütte, sämtliche neuen Kliniken, Schöne Aussicht und Aktienbrauerei. Der 5. Bezirk(Westbezirst). umfaßt alle Hofraiten und einzelnen Gebäude westlich des Dammes der Main-Weserbahn und der Lahn unterhalb der Wieseckmündung, also den„Hamm“, Rodheimer-, Krofdorfer- und Schiltzenstraße, Mühlen, Badeanstasten, Schlachthaus, Neustädterfeld und Hardt. Feuer⸗Alarm⸗Signale Der Stadttürmer hat, sobald er ein Feuer entdeckt, die Sturmglocke mit rasch hinter- einander folgenden Schlägen zu ziehen und darauf, zur näheren Bezeichnung des Bezirks, je ein weiteres Zeichen zu geben, welches bestebt bei einem Brande: 2 a) im ersten Bezirk(Stadtinneres) in 1 Glockenschlag, b)„ zweiten„(Nordbezirk)„ 2 Glockenschlägen, c)„ dritten„( stbezirk) 1 3„ d)„ vierten„(Südbezirk)„ 4 1 e)„ fünften„(Westbezirk) 2 7 Gleichzeitig hat der Türmer durch das Sprachrohr die Gegend noch näher kenntlich zu machen und außerdem am Tag eine rote Fahne, bei Nacht eine brennende rote Laterne nach der betreffenden Richtung hin aufzustecken Dauert der Brand länger als eine halbe Stunde, so hat der Türmer nach deren Ablauf das Stilrmen ganz einzustellen und damit erst wieder zu beginnen, wenn er ein zweites Feu er entdecken sollte. i Die Alarmierung geschieht ferner durch die Schutzmannschaft mit der Huppe, und durch die Trommler und Hornisten der freiwilligen Feuerwehren, und bei sehr großen Bränden auch durch die Glocken der Johanneskirche und der katholischen Kirche. Gießen, den 10. April 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Gießen. Für die Menage des 3. Bataillons Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 sollen nachstehende Lieferungen, zusammen oder getrennt, im Wege öffentlichen Aus- gebots vergeben werden: Für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Juli 1896 der Bedarf an frischem Ochsen-, Kalb⸗, Hammel-, Schweinefleisch, Speck, Schmalz, Nierenfett, Frankfurter Würstchen, sowie Leber⸗ und Blutwurst. Die Lieferungsbedingungen können in Kaserne 2, Zimmer 56, eingesehen und daselbst Abschrift gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden. An⸗ gebote sind mit der Aufschrift:„Angebot auf Lieferung von Fleisch“ verschlossen und portofrei bis spätestens 21. April dem Hauptmann und Präses Clausius einzureichen. Neuheiten der Saison 2 Herren- und Knaben-Confection. Anfertigung S 00 15 U neh. 2 nach Maass. 2 2 Buckskin —— 5 0 Feste in deutschen pveise. Seltersweg 27 And S 0 S— 9 25 3 * S aiESss EM. 2, U 8 .. 0 Spezialität: Kinder-Anzüge von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung, in Sammt, plüseh, Tuch und Buckskin. Jubiläums-Sttipendien- Stiftung zu Ehren der 25zährigen Regierung des höchstseligen Großherzogs Tudwigs lll. Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kipitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen Einer, eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungsanstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1896 dr ei Stipendien zu vergeben. Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Augehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Beiträge zu dieser Stiftung geleistet haben. 5 Hiernach berechtigte und qualificierte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanstalt besuchen oder besuchen wollen und sich um das Stipendium zu be⸗ werben beabsichtigen, sind eingeladen, ihre Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen belegt, durch ihre betr. Bülrgermeisterei an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmsta dt, aus Oberhessen an die Blürger— meisterei Gießen, aus Rheinhbessen an die Bürgermeisterei Mainz bis längstens zum Samstag, den 25 April d. J. gelangen zu lassen. Darmstadt, Gießen, Mainz, den 4. April 1896. Das Curatorium: Gnauth, Oberbürgermeister von Gießen. Morneweg, Oberbürgermeister von Darmstadt. Dr. Gaßner, Oberbürgermeister von Mainz. Die zur äußeren Herstellung der Gebäude 5655 des alten Arresthauses erforderlichen Aftkägen so ib Dachdecker⸗, Spengler⸗, Schreiner- und Weiß,“ Iugen bon. Mat giant, Um binderarbeiten sollen Mittwwoch, den 22. d. Mies, tegen g e nn Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Gi Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen ießen, bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf vor, fußt d Gas0 geschriebenem Formular sind bis zum vorge. unmehr in ihre nannten Termin bei uns einzureichen. Gießen Gießen, 11. April 1896. N f 0 Das Stadtbauamt. Machart in Schmandtt. a Leben 2 2 I n 0 Stadl. Schlachthaus Freibank n uur den Heute, e 7 u Ui Ochsenfleisch ae nicht ladenrein, pro Pfund 56 Pfg⸗ aha Saen b der Schweinefleisch, ö aeg, deo 5 P uicht ladenrein, pr. Pfd. 24 f. 0 Einen Gesellen sucht da a mt Schreinermstr. Fr. Sack, Gr. Mülhlgasse 1— Ein möblirtes Zimmer mit Kabi vermieten. Grünbergerstraße, Bleiche. Ein Wagen, Pflug und Egg zu verkaufen. Eichgärten 1. legenheit bei Alle ins Graveurfach einschlagenden fteudig über Arbeiten, sowie Ausschneiden von Schal- aur leihwessen lonen und Mons gramus verfertigt ch nicht einn (68 H. Rüger, Graveur, lehers, nie e Kreuzplatz 4 zu thun eg Flöte abge d f wann „Das 7. een 15 (Marke Adier-Schott)/. d per Literflasche incl. Glas 0 Mark f. S0 empfiehlt Mit lh Ph. Herrmann, Seltersweg 33. Privat-Institut von Dr. N. Büchner Darmstadt. Vorbereitung zum Einj-Treiwilligen und Mbikurienten-Sramen Internat. 65 Aufnahme kann Jjederzeit erfolgen. Näh. durch den Vorsteher Dr. A. Büchner, Darmstadt, Soderstraße 85.