1 diet to, bah ö zu Gunst Lokales und Provinzielles sofortige Ueberführung ins Krankenhaus empfiehlt. mag es für den Kranken ein beruhigendes Gefühl sein, so zärtlich und liebevoll sie um den Kranken bemüht sind, nicht möglich, wo im Interesse der Patienten genau darauf gehalten wird, daß keinerlei übel angebrachte Nachsicht ihr Wohlergehen gefährde und den normalen Verlauf des Krankheitsprozesses störe. tung“ gewährt, die das Allgemeinbefinden günstig beein⸗ , Verantd. J stmann, beben zugelassen werden und nur von kürzester Dauer sein Karrankenhäusern die Unsitte breit, den Kranken heimlich N Erfrischungen zuzustecken, ohne danach zu fragen, ob diese Leitern großer Krankenhäuser dieses unverantwortliche gemeinten Warnungen fruchten wenig, wenn nicht die daß Krankenhäuser nicht dazu da sind, die Kranken zu auf den Stand der Ernte und der Weinberge Jahre in der Provinz Rheinhessen mit dem 16. Oberhessen, mit Ausnahme der Kreise Als⸗ feld, Lauterbach und Schotten, mit dem 23. d. die Kreisblätter zur öffentlichen Kenntnis bringen, daß die Jagd auf Rebhühner und Wach⸗ teln in der Provinz Rheinhessen mit dem 17. d. M., in den Provinzen Starkenburg und herrscht eben noch in den breiteten Schichten der Bevölke⸗ rung ein Vorurteil gegen die Krankenhäuser und ähnliche Institute, welches durch nichts zu rechtfertigen ist und daheim, im Kreise seiner Lieben, die Genesung abwarten zu dürfen; aber es giebt doch schwere Fälle genug, wo eine ständige ärztliche Ueberwachung, die zu Hause nicht durchführbar ist, dringend geboten erscheint, wo direkt das werden fast immer geneigt sein, ärztliche Anordnungen nicht gar zu streng zu nehmen und dem teuren Patienten manche Gefälligkeit zu erweisen, die auf sein Befinden lich dafür gesorgt, daß der Kranke seine Ruhe hat, wes⸗ stützen. Gießen, Freita g, den 14. August 1896. Ausgabe Gießen. ische Lundeszeilung. Redaktion: 605 Kreuzplatz Nr. 4. 8 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. Expedition: . 24 Kreuzplatz Nr. 4. * Gießen, 13. Aug.„Nur nicht ins Kranken- haus!“ hört man oft unverständige Leute, besonders Frauen und junge Mädchen, in herzbrechenden Tönen jammern, wenn der behandelnde Arzt eindringlich eine Es häufig zu den beklagenswertesten Folgen führt. Wohl Leben des Patienten von einer sach⸗ und fachkundigen, unermüdlichen Pflege abhängt. Die nächsten Augehörigen, sehr nachteilig einwirken kann. Das ist im Krankenhause Hier wird gern jede„Erleichte⸗ flußt, aber keine, die dem Arzte und den Pflegern ihr schwieriges Amt unnütz erschwert. Vor allem wird pein⸗ halb Privatbesuche nur an bestimmten Wochentagen dürfen. Auch macht sich bei derartigen Besuchen in Erfrischungen zuträglich sind oder nicht. Mit Vorliebe wählt man hierzu, und gerade zur Jetztzeit, die ver⸗ schiedensten Obstsorten. Man bedenkt nicht, welche oft lebensgefährlichen Wirkungen eine solche Unvorsichtigkeit heraufbeschwören kann. Wiederholt ist von den ärztlichen Treiben aufs schärfste verueteilt worden; aber die best⸗ Selbsterziehung des Publikums ein übriges thut, wenn nicht in immer weiteren Kreisen die Erkenntnis wächst, quälen, sondern zu heilen, und daß eine glückliche Heilung nur dann ermöglicht wird, wenn unberufene Hände dem pflichttreuen Arzt nicht schnöde ins Handwerk pfuschen. Wäre diese Erkenntnis überall vorhanden, wie sie es leider noch nicht ist, so hätten wir sicherlich viel seltener über Todesfälle infolge thörichter Zuwiderhandlungen gegen ärztliche Gebote zu klagen! * Gießen, 13. August.(Hühnerjagd.) Das Großh. Ministerium des Innern hat unterm 11. August an die Großh. Kreisämter folgendes Ausschreiben gerichtet:„Mit Rücksicht Feld wir bestimmt, daß die Hegezeit für eldhühner und Wachteln im laufenden d. M. in den Provinzen Starkenburg und M. en digt. Sie wollen daher umgehend durch Oberhessen, mit Ausnahme der Kreise Als⸗ Hegezeit erst mit dem 31. d. M. endigt, mi dem 24. d. M. eröffnet sei.“ 97 0 Gießen, 13. August. Eine auch in unserer Stadt nicht unbekannte Persönlichkeit, der Bau- rat Peter Hochgesand, ist am 11. d. M. in seiner Vaterstadt Mainz nach kurzem Kranken⸗ lesen gestorben. Als Sohn einer altange⸗ sessenen Familie im Jahre 1818 in Mainz ge⸗ boren, widmete er sich früh dem Ingenieurfache und nach Beendigung seiner Studien dem da⸗ mals mächtig aufblühenden Eisenbahnwesen, dem er als einer der ersten Pioniere des Eisen⸗ bahnbaues fast zwei Menschenalter hindurch angehörte. Fünfundzwanzig Jahre lang war er im hessischen Staats dienste thätig. Er zeichnete sich bei dem Bau der Main⸗ Weserbahn in hervorragender Weise aus; der große Viadukt bei Friedberg, eine Anlage, die s. Zt. das berechtigte Aufsehen der Fachkreise erregte, ist sein Werk, später trat er in den Dienst der hessischen Ludwigsbahn über. Sein ganzes Leben fiel in die Zeit, in der die unge⸗ ahnte Entwickelung des Eisenbahnwesens eine vollständige Umwälzung des Verkehrs herbei⸗ führte, und mit der ganzen Kraft seines be⸗ deutenden Wissens und Könnens stand er als einer der vordersten in der Reihe, diesen gewal⸗ tigen Aufschwung zu fördern. Gießen, 13. August. Von fachkundiger Seite erhalten wir heute eine Richtigstellung unserer gestrigen Notiz betr. die Bauarbeiten zum Kaufmännischen Vereinshaus in der Nord⸗ anlage. Entgegen der Darstellung unseres Mit⸗ arbeiters, so schreibt Einsender, müsse bei Legung des Fundamentes stellenweise eine Beton⸗ schicht von einem halben Meter und mehr auf⸗ geschüttet werden. Demnach wäre also der Bau⸗ grund von mangelhafter Beschaffenheit. * Gießen, 13. August.(Feuer.) Ver⸗ gangene Nacht, 5 Minuten nach ½3 Uhr, zeigte der Glöckner an, daß es im zweiten Be⸗ zirk brenne. Etwa 3 Minuten später hörte man die Signale, welche unsere Wehren zu Hilfe rief. straße Nr. 73, ein älteres, teilweise aus Lehm⸗ fachwerk errichtetes, der Witwe Heim gehöriges Wohnhaus. Wir eilten sofort bei den ersten Alarmsignalen nach der Brandstätte und kamen gerade zur rechten Zeit an, um den ersten Angriff der Feuerwehr mit anzusehen. Der anze Dachstuhl des Hauses stand in Helin Flammen. Mit drei Schläuchen wurde dem Elemente erfolgreich zu Leibe ge⸗ gangen. Die Habseligkeiten der Be⸗ wohner des Hauses waren bereits durch das thatkräftige Eingreifen der Bewohner der Nachbarschaft gerettet. Ueber die Entstehungs⸗ urfache des Brandes ist Sicheres noch nicht bekannt. Das arg beschädigte Haus dürfte für den Abriß reif sein, denn was das Feuer verschont, ist durch die Wassermassen zerstört. Von den vier im Hause wohnenden Familien hatten drei ihre Mobilien versichert. * Gießen, 13. August. Wie man uns mit⸗ teilt, hat der Privatmatch zwischen dem Stall⸗ meister Kreutzburg und den Radfahrern einen lebhaften Umsatz an Wein zur Folge gehabt. feld, Lauterbach und Schotten, in welchen die Man schätzt den Champagner, der ver— Es brannte das Haus Stein⸗ wettet und getrunken wurde, auf mindestens hundert Flaschen. Mindestens doppelt so viel Geldwetten, die in Menge geschlossen wurden, differierten zwischen 10 3 und 50 4. Auch unter der Arbeiterbevölkerung in der Umgegend wurde tüchtig gewettet, und dürften diese Kreise es gewesen sein, welche die kleineren Beträge riskierten. Wir stehen also unter dem Zeichen der Matche. * Gießen, 13. Aug. Der heute Vormittag angesetzte Match, von dem wir gestern Mel⸗ dung machten, war um eine Stunde früher ver⸗ legt worden. Am Start erschien Malermeister Groß, während sein Gegner nicht zur Stelle war. Groß ging infolgedessen allein über die Strecke und gebrauchte 17 Minuten von der Restauration Haubach bis zum Abendstern und zurück. Erst nachdem das Rennen zu Ende war, stellten sich zahlreiche Zuschauer am Ziel ein. — Dem Stallmeister Creutzburg ist eine neue Wette angeboten und von demselben auch angenommen. Er wird demnächst gegen den jugendlichen Fahrer Duill auf einer Strecke von 10 Kilometer die Schnelligkeit seines Pferdes probieren, Ort und Zeit des Match's sind noch nicht bestimmt. W. Gießen, 13. Aug. Die Lügentisch⸗ gesellschaft wird zu dem vom Schützenverein veranstalteten großen Preisschießen einen wertvollen Preis für den besten Schützen auf Wildscheibe stiften. * Gießen, 13. August.(Unfall.) Gestern stürzte Lieutenant Busse beim Felddienst⸗ üben in der Gegend von Rödgen. Derselbe mußte sich bedeutender Hautabschürfungen wegen ins Lazarett begeben. * Gießen, 13. August. In der Nacht vom Sonntag auf Montag entstand im Hotel-Restau⸗ rant Kaiserhof ein Gardinenbrand. Nur der Geistesgegenwart des Gastes, in dessen Zimmer die Gardinen Feuer fingen, ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde. * Gießen, 13. August. Der ehemalige Ge⸗ meinderechner von Vilbel, welcher s. Zt. wegen Veruntreuung von Gemeindegeldern in Haft genommen wurde, hat sich in der nächsten Schwurgerichtstagung wegen Unterschlagung 80 verantworten. Der Fehlbetrag soll annähernd 000, betragen. * Gießen, 13. Aug.(Früher Herbst.) Das Laub der Bäume beginnt in diesem Jahre auffallend früh zu fallen, selbst schon die Kastanienbäume entblättern sich. Nach einer Bauernregel soll dies auf einen frühen Herbst und strengen Winter schließen. * Londorf(Kreis Gießen), 13. Aagust. Heute Nachmittag gegen 6 Uhr hielt Herr Kreis feuerwehr⸗ Inspektor Loos aus Gießen eine Inspektion unserer Löschein richtungen, verbunden mit Brand⸗ angriff, in unserer Gemeinde ab. Die Pflichtfeuerwehr in Stärke von hundert Mann, war vollzählig mit ihren Geräten aufmarschiert. Die Ausrüstung der Mannschaft, der Zustand der Geräte, sowie das Exerzitium waren lobenswert. Die darauf folgende Spritzenprobe nebst Brandangriff legten von der Leistungsfähigkeit der Mann⸗ schaft ein gutes Zeugnis ab. Nach Schluß der Inspektion sprach Herr Loos der versammelten Mannschaft seine vollste Zufriedenheit aus und betonte, daß unsere tüchtige Mannschaft uoch mehr zu erreichen imstande wäre, wenn sich dieselbe in den Dienst der freiwilligen Feuerwehr stellen würde. * Langsdorf, 12. August. Ein drol⸗ liges Geschichtchen passierte vorgestern in unserem Dorfe. Zwei kleine Jungen, deren Väter sich mit Kaninchenzucht befassen, kamen in ein Gespräch über Stallhasen. Da der Vater des einen Jungen nur„gewöhnliche“ Kaninchen züchtet, war der andere Junge nicht wenig stolz, daß es sein Vater schon bis zu sogen. Lapins (diejenige Rasse, die sich durch lange herab⸗ hängende Ohren auszeichnet) gebracht hatte. Der Junge des Kaninchenzüchters fragte nun den andern, wie es dessen Vater anfange, um Lapins zu bekommen, worauf letzterer antwortete, sein Vater schlage den„Hasen“ so lange auf die Ohren, bis sie herunter hängen.— Eiligst lief der Sohn des Kaninchenzüchters nach Hause, nahm einen eisernen Stock und bent sich still⸗ schweigend in den Hasenstall, um die eben in Erfahrung gebrachte Methode anzuwenden. Er nahm einen Hasen nach dem andern und schlug den⸗ selben mit dem Stock so lange auf die Ohren bis sie„herunter hingen“. Zu seinem Erstaunen machte der Junge schließlich die Wahrnehmung, daß er bereits 12 Hasen totgeschlagen hatte. Die neue Züchtigungsmethode brachte dem Jungen zwar keine Lapins, wohl aber langgezogene Ohren und eine gehörige Tracht Prügel ein. Friedberg, 13. Aug. Die Hauptversamm⸗ lung des Vereinsbezirks Friedberg des Ober⸗ hessischen Obstbauverelns, die gestern hier stattfand, war sehr stark besucht; auch der Präsident des Obstbau⸗ vereins, Herr Kreisrat Geh. Regierungsrat Dr. Braden, war anwesend. Herr Dr. v. Peter, der Direktor der Geschäftsstelle, erstattete eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahr. Die nächste Frage betraf eine zu erlassende Verordnung bezüglich der Zeit des Obsteinerntens in unserem Kreise. Hierüber referierte der Vorsitzende, mit dessen Ausführungen die Anwesenden übereinstimmten. Hiernach wird nächstens eine Verordnung erscheinen, worin bestimmt ist, daß in jedem Ort eine Kommission für die Bestimmung des Zeit⸗ punktes, an dem das Einernten einer Obstgattung be⸗ ginnen darf, gebildet wird. Auch wurde das Einsammeln des Fallobstes durch Kinder beanstandet. Nunmehr refe⸗ rierte der Sekretär des Vereins, Herr Reichelt, über eine landwirtschaftliche Reise durch Baden und Württemberg mit besonderer Berücksichtigung der dortigen Baumwärter⸗ verhältnisse. Herr Reichelt kam zu dem Schluß, daß, nachdem in den sieben Jahren des Bestehens des Ober⸗ hessischen Obstbauvereins so viel für Ausbildung tüchtiger Baumwärter geschehen sei, unsere Provinz hinter jenen Ländern in dieser Beziehung nicht zurückstehe. Auch in Bezug auf die Obstproduktion halte sie den Vergleich aus. Bei Oberhessen sei übrigens noch zu berücksichtigen, daß große Strecken im Vogelsberg zur Anpflanzung von Obst⸗ bäumen gänzlich ungeeignet seien. Es wurde in der Versammlung noch mitgeteilt, daß der Kreis Lauterbach in diesem Jahr mehr Obst liefere, als jeder andere Kreis in Oberhessen. * Nidda, 13. August. Welchen Schaden die Engerlinge in diesem Jahre schon an⸗ Seither rechnete man den stellen⸗ Ausfall der Sommerfrucht der Jahres zu. Nunmehr aber stellt es sich heraus, daß die Engerlinge die Wurzeln des Getreides abgefressen haben. Einen anderen schweren Schaden, den (allerdings nur mittelbar) diese Tiere angerichtet Tag mehr ein. weise schlechten Trockenheit des ——.—.—— Quietschmann. 5 Skizze von Felix von Stenglin. (Nachdrud verbeten.) Er war ein sehr armer Schlucker. Und so dachte die Frau Rätin: man muß die Kunst unter⸗ Er wird ja auch einmal emporkommen, eine gute Stellung finden und dann vielleicht etwas abtragen. Aber wenn er's auch nicht kann,— mag's so hingehen! Wo zehn Leute satt werden, wird es auch noch ein elfter. a Und er nahm also, trotzdem er einstweilen— durch Vermittelung eines Freundes— nur die Miete für sein kleines Zimmer bezahlte, an dem gemeinsamen Mittagstisch im Peusionat der Frau Rätin teil. Beiläufig gesagt, zwei Jahre lang. Ein ruhiger scheu, denn er blickte Einen nie gerade au. muß sein Selbstvertrauen und bot ihm außer dem stück und Abendbrot an. ihm sein und ihm Gutes erweisen, sich erschließt. Und siehe da, er kam er freudestrahlend nach Hause Mittagstisch noch Früh⸗ ausbilden. guten Absichten, die sie Mensch— Quietschmann hieß er —, sprach wenig, schien sogar ein wenig menschen⸗ Man heben, dachte die Rätin, Man muß freundlich zu damit sein Herz hatte Glück. Eines Tages und erzählte, der berühmte Professor Nolte wolle ihn unentgeltlich Das bestärkte die Frau Rätin in den mit dem jungen Mann batte, und sie schämte sich angesichts dieses hoch⸗ herzigen Entschlusses des Professors Nolte der An⸗ wandlung von Ungeduld, die sie in letzter Zeit mehrmals Quietschmann's wegen gehabt. So hatte er denn alles frei, Wohnung, Essen und Unterricht. Jeden Nachmittag pünktlich dreiviertel auf zwei Uhr verließ er das Haus, und einen Tag wie den anderen um vier ein viertel kehrte er zurück. Wirklich, er studierte sehr eifrig. Nach Verlauf von zwei Jahren erhielt er einen Brief aus München. Wie er erzählte, war ihm eine Stelle in, einem dortigen Orchester angeboten worden. Was bedeuteten da schließlich die fünfzehn Thaler, die Frau Rätin ihm mit auf den Weg gab! Wenn man an Professor Nolte dachte, der hatte denn doch noch weit mehr an ihm gethan! zahlen können. Das erste natürlich würde sein, so der Musikschüler. 6 kam ein Brief von ihm, und zwar aus Leipzig. Es sei ihm, gangen, und er habe keinen Groschen seiner Baarschaft sei ihm ausgegangen. Und nun war doch Aussicht, daß er ihr eine Kleinigkeit für die zwei Jahre Beköstigung werde versicherte er, daß er die 15 Thaler zurückschickte. Doch wer nichts von sich hören ließ, war Erst nach einem halben Jahr schrieb er, in München leider schlecht er⸗ die Stellung sei eine jämmerliche gewesen, erübrigen können. Nun aber, in Bremen werde es besser werden. Wenn er nur erst dort sei! Aber der letzte Rest Ob Frau Rätin ihm nicht wenigstens 30 Mark auf ein paar Wochen vorschießen könne, sie habe dann den Vor⸗ teil, auch die früher geborgten 45 Mark gleich zurück zu erhalten, während er ohne ihre Hülfe verkommen müsse. Von der Entschädigung für die Beköstigung schrieb er nichts. Aber Frau Rätin wollte diesmal nicht. Nein, sie mußte auch an ihre Kinder denken. Sie sann hin und her, wie dem Mann zu helfen sei. Ah — Professor Nolte! Der mußte etwas geben. Auf zu ihm! „Der Herr Professor ist nicht zu sprechen. Was Sie wollten?“ sagte ein hochnäsiger Diener. „Bestellen Sie nur dem Herrn Professor Nolte, ich hätte ihn in einer sehr wichtigen Angelegenheit u sprechen.“ Der Diener schob knurrend ab, kam aber bald zurück und murmelte etwas, das wie„Reinkommen!“ klang. Frau Rätin trat in ein mit schweren eichenen Möbeln, mit Kunstgegenständen und Teppichen au⸗ gefülltes Zimmer. Professor Nolte, der an seinem Schreibtisch saß, hielt es nicht der Mühe wert, seinen Kopf zu erheben, sondern schielte nur seit⸗ wärts zu dem Besuch empor. Er bot ihr nicht einmal einen Sitz an. Das war nicht sehr er⸗ mutigend. Aber was half's! Um einen Menschen glücklich zu machen, kann man schon eine kleine Demütigung auf sich nehmen. Sie kam ja nicht für sich! „Nun?“ sagte der Professor scharf. Sein Schädel war halb kahl, die grauen Haare am Hinterkopf hingen laug über Hals und Nacken. Das Gesicht war glatt rasiert, die Bewegungen seiner Hand, mit der er sich Notizen machte, waren hastig und nervös. Ein Zucken, das ab und zu über sein Gesicht ging, schien seine Ungeduld an— zudeuten. (Schluß folgt.) — Der Kapitän der„Crathie“, die den Lloyddampfer„Elbe“ auf den Grund bohrte, hat vor, Kurzem wiederum auf offener See Unheil an⸗ gerichtet. Wie nämlich dem„Berl. Tagebl.“ mitge⸗ teilt wird, stieß das spanische Schiff„Abril“ auf der Fahrt nach Riga begriffen, zehn Meilen östlich von Rehel⸗ stone(2) mit dem englischen Schiffe„Telephone“ zu⸗ sammen, das der ehemalige Kapitän der„Crathie“ komman⸗ dierte. Der„Telephone“ rannte in den„Abril“ hinein und schnitt ihn fast mitten durch. Der größte Teil der Mannschaft des„Abril“ rettete sich nun an Bord des „Telephone“, während der„Abril“ sank. Einige Leute des„Abril“ ertranken. 16 Matrosen vom„Abril“ waren nun dieser Tage in Berlin auf der Durchreise nach Ham⸗ burg und äußerten sich in Worten der Eutrüstung über den Kapitän des„Telephone“, der bei einiger Umsicht die Kollision leicht hätte vermeiden können. Der spanische Konsul in dem Hafenorte, wo der„Telephone“ landete, (der Ort wird nicht genannt) habe die Reklamationen der Matrosen des spanischen Schiffes„Abril“ nicht annehmen zu können erklärt, weil er gleichzeitig englischer Konsul sei. gerichtet haben, steht man erst jetzt von Tag zu haben, mußten eine Anzahl Feldbesitzer in Kohden erfahren. Diese fanden ihre Kartoffeläcker durch⸗ aus aufgewühlt und die Kartoffeln offen zu Tage liegend vor. Da stellte es sich heraus, daß die Dach sse, die dort sehr häufig sind, beim Suchen die ihnen eine sehr willkommene Speise sind, den Schaden angerichtet hatten. Die Bemühungen, den Dachsen den Weg zu verlegen, Erfolg begleitet, da diese Tiere nur sehr spät in der Nacht ihren außerst vorsichtig sind. Von einem schweren einzige Derselbe sah zu, wie auf dem Hofe eines Eisenwaren⸗ geschäfts eiserne Schienen verhauen wurden. Ein Geschäfts fragte ihn, ob er nicht auch einmal seine Kraft probieren und drauf⸗ Der junge Mann that es; den schweren Meisel traf, der auf die Schiene aufgesetzt gehalten wurde, sprang derselbe aus und zerschmetterte dem jungen Mann des linken Unterschenkels der⸗ das Fleisch tische Arzt Herr Dr. Koch gleich zur Stelle, der einen vor⸗ Der Jammer der Mutter, als ihr der Sohn so heimgebracht wurde, Sache nach Engerlingen, waren bisher von keinem Bau verlassen und äu Nidda, 13. Aug. Unfall wurde am Montag der Sohn einer Witwe hier betroffen. Bediensteter des hauen wolle. aber der Hieb auf die beiden Röhren ink maßen, daß die Knochensplitter durch drangen. Zum Glück war der prak läufigen Verband anlegte. war groß. Je nach dem Verlauf der als bayerischen Behörden ihr Verwandtschaftsver⸗ hältnis zu den Bamberger Erblassern urkundlich nach. Die dortigen Behörden haben nunmehr drei unbemittelten hiesigen Familien das hinter⸗ lassene Erbe zugesprochenz das Erbteil be⸗ läuft sich abzüglich der Kosten auf rund 27 000 Mark. Vermischtes. — Ein ausgepichter Magen. Von begreif⸗ lichem Erstaunen, so berichten Berliner Blätter, wurden sämtliche Zuhörer ergriffen, als sie erfuhren, welche Mengen von verschiedenen Getränken der Architekt R., der sich wegen Beamtenbeleidigung und Bestechung auf der An⸗ klagebank befand, innerhalb weniger Stunden zu sich ge⸗ nommen hatte. In der Nacht zum 29. Februar d. J. gegen vier Uhr wurde ein Schutzmann von einem Drosch⸗ kenkutscher gebeten, die Persönlichkeit des Angeklagten fest⸗ zustellen. Letzterer habe sich eine Zeit lang umherfahren lassen und weigere sich nun, zu zahlen. Der Beamte wandte sich an den Fahrgast, der mit etwas schwankenden Schritten vor der Droschke auf⸗ und abging, und forderte ihn auf, sich auszuweisen. Der Angetrunkene holte nun verschiedene Papiere hervor, weigerte sich aber, sie dem Schutzmann zur Einsicht zu übergeben; er habe das nicht nötig. Während der Auseinandersetzung erging der An⸗ geklagte sich in den schwersten Beleidigungen gegen die Berliner Schutzmannschaft. Er wurde nun zur Wache des 63. Polizeireviers gebracht. Auch hier betrug er sich siebenten Ferienstrafkammer des Landgericht J entschuldigte der Angeklagte sich mit sinnloser Trunkenheit. Sein Ver⸗ teidiger hatte nach dieser Richtung hin einen umfangreichen Beweis angetreten. Es wurde festgestellt, daß der An⸗ geklagte an dem fraglichen Abend, zunächst von 9 bis 11 Uhr in einer Weinstube sechs Flaschen Moselwein ge⸗ trunken hatte. Dann hatte er ein Lokal in der Krausen⸗ straße besucht und dort zwei Steinhäger und drei Glas echtes Bier zu sich genommen. Nun war er schon stark angetrunken und ein Bekannter überredete ihn, in einer Droschke nach Hause zu fahren. Der Angeklagte wurde aber unterwegs anderen Sinnes, kehrte in einem dritten Lokal ein und trank dort acht halbe Liter Pilsener Bier und fünf Kognaks. Dem Unersättlichen war dies noch nicht genug; er fuhr weiter zu einem vierten, ihm be⸗ kannten Wirt, bei dem er vier bis fünf Pilsener, einige Kognaks, zwei Flaschen Rotwein und zwei Flaschen Sekt bezahlte. Von den beiden Weinsorten trank er etwa die Hälfte, da Wirt und Büffetier ihm dabei halfen. Der Staatsanwalt hielt es nicht für möglich daß, der Ange⸗ klagte sich in seinem sinnlosen Zustand bei Begehung der Strafthaten befunden habe, weil er schon 4 Stunden später wieder im Polizeibureau gewesen war und dasselbe überhaupt hätte wieder finden können. Die unglaub⸗ lichen Mengen von Alkohol, die der Angeklagte zu sich genommen, könnten vielleicht seine Zurechnungsfähigkeit beschränken, aber sinnlos betrunken sei er nicht gewesen. Der Verteidiger hielt es nicht für, möglich daß ein Mann, der so viel genossen habe, noch für seine Handlungen ver⸗ antwortlich gemacht werden könne. Er beantrage eine Gesamtstrafe von 1 Monat Gefängnis. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Staatsanwalts an, billigte Beis zum 1. September nicht abgeholte Be⸗ bürfte der Verwundete nach der Klinik in Gießen so beleidigend, daß die Schutzleute nichts mit ihm an⸗ 5 ständ d erkannte 10 gebracht werden. fangen konnten und schließlich den Lieutenant wecken 5 n ef un 4 ee 1* Ober⸗Ohmen, 12. Aug. Bei einer Ver⸗ mußten. Diesem gegenüber 155 1 l u N ein de siecle. In Mainz, besuchen zwei fssteigerung von Laubstreu aus den Freiherrlich e 1 110. e beste ieder 55 Friseusen ihre Kundschaft mittels Stahlrosses. 1601. e e mit hochstehenden Personen kneipe u. s. w. Der Lieute⸗ 10 75 771 5 8 8„ nant hielt den Angeklagten zwar für angetrunken, aber 7 * 1 5 5 e 15 0 un ae den keineswegs in dem Grade, daß von einer Sinnlosigkeit die Neueste Telegramme. — erst einen Wagen voll geben, so kam mithin der Rede sein könnte. Als die Vernehmung des Angeklagten und der Wagen voll Laub auf 10 2 gewiß ein hoher 1 belegten Sp ente war, bat der Erstere eit 25 860 448 1 1 0 Preis. Das gute Ergebnis der Kornernte dürfte den Lieutenant, ihm eine kurze Unterredung 1 en 155 8 5 5 rbeausstellung 8Lotterie f 2 seiti f Beil! Bi 5 1. eien. d ll sch 1910 bf beende 15 siel der dritte Hauptgewinn im Werte 5 e Angeklagte plötzlich sein Benehmen; er bat den Lieute-⸗ von 10 000 Mark auf die Nummer 70 Seligenstadt, 12. August. Vor einiger 70 5 des Sache nichts zu machen, es komme ihm 362 928. Zeit lief die Nachricht durch die Tagesblätter, auf ein paar„blaue Lappen“, die doch immer zu ge⸗ Hd. Berlin, 13. Aug. Um etwaigen neuen daß in Bamberg der letzte von fünf Son der⸗ b seien, gar nicht an. Der Lieutenant öffnete nun. 4 5 5 9. 1% Nor in Hiüterlass t von Leibeserben oper font die Thi 77 snete nun Krisengerüchten vorzubeugen, bemerken die„Berl. lingen ohne Hinter assenschaft vor aber sofort die Thüre und ließ die Schutzleute wieder ein⸗ 1. N„ daß der letzte im Reichskanzler⸗ und mit Zurücklassung von bedeutendem Ver⸗ treten. Der Angeklagte wurde darauf entlassen. Etwa 8511 15 10 l Ministerrat sich mit Gegen mögen verstorben ses. Weitläufige Ver ⸗ vier Stunden späker erschien er, völig nüchtern, wieder Palais abgeha 19 1 st hf dat fer wandte des Verstorbenen, die hier wohnen, im Polizeibureau und bat den Lieutenant sowie die Schutz- ständen politischer? atur nicht befaßt( übli wurden durch jene Zeitungsnotiz auf len ben leute wegen 5 e ae ene 195 Buh Na, auch sonst übliche meldete Ableben aufmerksam und wiesen den Sache ward aber doch angezeigt. Im Termine vor der 5 „ r.—— 6 Bekanntmachung Sachgemüsse Untersuchung und Herstellung von U— g 5 1 Wir bringen 3 a 1 15 3 1 i 6 Z 1 1 P J. er un, 0 Quartierträger, daß die Vergiltungen für die 5 9 es 0 Jun k. J. babe an] Einrichtung von Telephonen und Telegraphen 0 1 bei gew e 9 1 85 155 1 übernimmt billigst 897 1 den gewöhnlichen Zahltagen bei der Stadtkasse ö n 0 eden werben kanne Max Weissbäcker, Elektrotechniker, träge werden den betreffenden Quartierträgern gegen eine Vergütung von 10 Pig. zugestelli 1 1 5 4 G.ießen, den 13. August 1896. 5 1. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 1 5 Wolff. 7 Verdingung. Samstag, den 15. d. Mts., vor⸗ mittags 11 Uhr, soll im Saale des alten Rathauses das Auf⸗ räumen von rund 12 000 lfde. Mtr Flut- gräben in der Gemarkung Gießen, geteilt, in zwei Loose, unter den bei der Versteigerung belannt zu gebenden Bedingungen öffentlich versteigert werden. Gießen, den 10. August 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 1 Wolff. Städt. Schlachthaus N e Na h Ochsenfleisch, . ö 1 nicht ladenrein, pro Pfund 45 Pfg. n, Schweinefleiseh nicht ladenrein, pro Pfund 42 Pfg. Bahnhofstraße 13. 0 f Für . N corpulente Herren. Ich annonciere hiermit mein 8 Herrenkleider-Geschäft und empfehle mich ganz besonders für Fertigung von Anzügen für nur ganz corpulente Herren, da ich darin, nach Ausweis meiner Bücher, einzig allein das Beste zu liefern im Stande bin. A. Frei, Neuenweg 48. Die Freibank bleibt bis 10 uhr Abends * geöffnet. 1 8 850 Aufgabe des Geschäfts 5 Schreinerwerkzeug 9 1 zu sowie Holz de. 939 ö Klim. Kurort Schömberg bei Neuenbürg im Württem⸗ bergischen Schwarzwald. ö Heilanstalt für Lungenkran kle. Sommer- u. Winterkur. Beste Verpflegung. Mäßige Preise. Leit. Arzt: Dr. Bandach. Prosp. frei durch d. Direktion. Giessen, Seltersweg 31. 1 n ... ͤãͤ ͤ Für Sünger⸗, Turner⸗, Krieger⸗ u. Kir N Lampions, Dekorationssahnen, Schärpen. 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Das Blatt„Vol⸗ taire“ schreibt, die Regierung habe die Pflicht, das Leben des Hie ie kommenden Zaren gegen alle eventuellen An⸗ schläge der revolutionären Parteien in Schutz zu 1 42 Aua Hd. Paris, 13. August. Das katholische Organ„Peuple francaise“ schreibt, Nang hätte besser gethan, seine Rundreise durch die Bretagne zu unter lassen. Er würde nicht von allen Vertretern des allgemeinen Stimm⸗ rechts begrüßt und die 0 ent Zahl der Unzufriedenen habe in zugenommen. Hd. Madrid, 13. August. des Obersten Godou Nähe von St. Fernando eine Bande von 2000 Insurgenten. Andere Siegesnachrichten kom men aus Hermandey. 5 Die Kol on ne⸗ Sterbefälle. Am 12. August. Katharine Reinig, 68 Jahre alt, Privatin dahier, Mäusburg Nr. 18. Die Beerdigung findet Freitag, den 14. d. M., nach⸗ mittags 3 Uhr, vom Sterbehause aus statt; Am 12. August. Heinrich Wagner, 16 Jahre N alt, Sohn von Heinrich Wagner I von Nieder⸗ quembach, Kreis Wetzlar. Gestorben in der alten Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. 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